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Im Interview

Die erste Entwicklungswelle, die das Thema Zeitmanagement mit sich brachte, stellte Checklisten, Notizen und ähnliche relativ einfache Techniken in den Fokus. Daraufhin folgten Kalender, Terminplaner und teilweise hochtechnische Lösungen – der EDV-Entwicklung sei Dank. Die dritte Welle brachte uns Prinzipien wie Prioritäten setzen, Werte klären, fristgerechte Ziele setzen usw. All das hat nach wie vor Gültigkeit, denn bei genauerem Hinsehen ging es und geht es eigentlich nie um Zeitmanagement. Die Zeit können Sie nicht managen. Es kommt auch nicht darauf an, immer mehr Aufgaben und Lasten in das Stunden-, Arbeitszeit- oder Tagespensum zu packen. Deshalb erklimmt dieses neuere Buch die vierte Entwicklungsstufe des Zeitmanagements, in der es nicht mehr darum geht, die Zeit zu managen, sondern sich selbst! Also steht das Prinzip der Lebensqualität2 an erster Stelle? SEIWERT: Ja selbstverständlich. Lebenszufriedenheit steht über allem, und diese ist letztlich eine Funktion von Erwartung und Verwirklichung. Wichtig dabei ist die Erkenntnis, dass beides in unserem Einflussbereich liegt! So lautet der gesamte Titel des von Ihnen zitierten Buches: „Ausgetickt. Lieber selbstbestimmt als fremdgesteuert.“ Es geht also ganz zentral um die Frage, wie wir die Führung über unser Leben gewinnen können. Wir sind es, jeder einzelne von uns, der darüber entscheidet, ob er gestresst oder genervt ist – oder ob er seine persönliche „Lebensstrategie“ findet. Und wer ein Star sein will, der muss in seinem eigenen Leben die Hauptrolle spielen. Aber was hält uns davon ab? Wie wird der Weg frei zu mehr Lebensqualität und Glück? SEIWERT: …zunächst die mangelnde Einsicht oder das Zugeständnis an sich selbst, dass Glück sowohl Ziel als auch Absicht unserer Existenz ist. Dazu kommt der Glaube, dass „Unabhängigkeit“ der Schlüssel zum Glück sei – manche reduzieren dies sogar auf die finanzielle Unabhängigkeit. Diese „Independenz“ ist in der Tat eine wichtige Entwicklungsstufe

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und dadurch einen großartigen, lesenswerten Beitrag zum Zeit- und Selbstmanagement geleistet. Er definiert Glück als „die Frucht des Wunsches und der Möglichkeit, das, was wir jetzt wollen, dem zu opfern, was wir später wollen.“

erfolgreicher Buchautor Prof. Dr. Lothar Seiwert

zum Glück. Aber „Interdependenz“, also gegenseitige Abhängigkeit oder besser: Verflechtung, ist das überragende Prinzip, das darüber steht und für die Lebenszufriedenheit weit wichtiger ist. Wir brauchen einander, um in Kombination unserer Bemühungen mit denen anderer zu größerem Erfolg im Leben und dadurch zu mehr Glück zu gelangen. Klar ist natürlich, dass dieser „interdependente“ Weg zum miteinander Glücklichsein manchmal durchaus schmerzhaft und anstrengend ist. Der leider kürzlich verstorbene Stephen R. Covey3 hat insgesamt sieben Prinzipien für mehr Erfolg im Leben herausgearbeitet

…oder wie wir sagen: „Gesundheit und Fitness sind eine Anstrengungsprämie“. SEIWERT: Das ist eine gute Ableitung. Und genauso lässt sich dieses Prinzip auf unterschiedliche Lebensbereiche übertragen. Wer später im Leben nicht nur Wohlstand, sondern auch das Gefühl haben möchte, sich diesen verdient zu haben, muss entbehrungsreich und hart arbeiten. „Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt“, lautet ein wunderbares Sprichwort. Im Falle mangelnder Fitness oder gar gesundheitlicher Einschränkungen wirkt ein Faktor – um an ihre vorherige Frage anzuknüpfen – ganz besonders: Die Gewohnheit. Die Macht der Gewohnheiten bringt unseren Charakter zum Ausdruck und ist für unsere Effektivität oder eben Ineffektivität verantwortlich. Es braucht Selbstbewusstsein im Sinne einer bewussten Reflexion unseres Denkens, Handelns und Fühlens, um tief sitzende, oft unbewusste Muster bzw. Charaktereigenschaften zu überwinden, oder besser: zu erneuern. Wir Menschen sind sicherlich durch Genetik, Erziehung und unsere Umwelt determiniert, aber eben auch frei und selbstbestimmt genug, um Entscheidungen nach unabhängigem Willen zu treffen. „Proaktiv“ zu sein ist der erste Schritt zu mehr Lebensfreude. Es meint nicht nur „die Initiative zu ergreifen“, sondern, dass wir als Menschen selbst für unser Leben verantwortlich sind... …und damit sicherlich auch ein Stückweit für unsere Fitness und Lebensqualität im Sinne einer (pro-)„aktiven“ Prävention! Lieber Herr Seiwert, ich danke Ihnen herzlich für Ihre Zeit und Ihre Tipps für mehr Lebensqualität! Alles Gute für Ihre Genesung, viel Erfolg in unserer Physiotherapie und bei all Ihren beruflichen Engagements! Das Gespräch führte Dr. Matthias Zimmermann

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RC Premium III/2012  

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