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Im Interview

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oo Leben ist Bewegung…

Prof. Dr. Thomas Wessinghage im persönlichen Gespräch

dass es gelingen kann, untrainierte Menschen zum Laufen zu bringen bis hin zu einem Marathon. Viele haben dadurch eine neue Lebensqualität entdeckt. Ich denke mir aber, dass eine Krebserkrankung doch eine ganz andere Ausgangslage ist. Prof. WESSINGHAGE: Das ist völlig richtig. Wir wenden uns Menschen zu, die in einer sehr schlimmen Situation sind und kämpfen, diese zu überwinden. Wir, das bedeutet: Wissenschaftler am NCT, die die Wirksamkeit körperlicher Trainingsmaßnahmen in verschiedenartigen Situationen einer Krebserkrankung in Studien erforschen. Die DHfPG hat eine hohe Expertise in der Entwicklung von Programmen mit dazugehörenden Kurshandbüchern für die Teilnehmenden. Für ihre Studierenden, die im Rahmen eines dualen Hochschulstudiums ein Mastermodul „Aktiv Leben mit Krebs“ belegen können, werden Studienbriefe verfasst. Dafür entsteht im wunderschönen Landschaftsschutzgebiet zwischen Nußloch und Walldorf unweit der Universitätsstadt Heidelberg ein traumhaft schönes und bestimmt auch gut geführtes Zentrum für aktive Prävention. Und ich selbst kann meine Erfahrungen aus 25 Jahren Rehabilitationspraxis einbringen. Dieses Zusammenwirken reizt mich ungemein – dafür ist mir kein Weg zu weit.

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rst heute früh sind Sie von Bad Wiessee direkt zum NCT (Nationales Centrum für Tumorerkrankungen) an der Universitätsklinik Heidelberg im Neuenheimer Feld angereist. Nach zwei Stunden Meeting fahren Sie nun wieder fünf Stunden zurück. Dazu braucht man viel Ausdauer… Prof. WESSINGHAGE: …und eine starke Überzeugung, dass sich der Aufwand lohnt. Das Zusammenwirken des NCT respektive der Uniklinik und des Deutschen Krebsforschungszentrums mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) sowie dem Zentrum Aktiver Prävention soll ein

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www.thomas-wessinghage.de

einzigartiges Programm zum Ergebnis haben: Wir möchten Menschen, die an Krebs erkrankt sind, Kompetenzen vermitteln, mit ihrer Lebenssituation besser umzugehen. Hier am NCT erlangen wir Forschungserkenntnisse darüber, inwieweit Krebs durch einen aktiven Lebensstil positiv beeinflusst werden kann. Und das aus allererster Hand. Diese Kooperation zum Zwecke der Entwicklung eines konkreten Programms erachte ich als Meilenstein für die Verbesserung der Lebenssituation von Krebspatienten und -rehabilitanden. Nicht nur in der TV-Sendung „von Null auf 42“ haben Sie mehrfach bewiesen,

Sie sprachen vorher von „Überzeugung“. Üblicherweise lautet die erste spontane Reaktion auf die Diagnose Krebs: schonen! Auch nachdem die Akutphase überwunden ist und ein Patient die Klink verlassen kann, denkt man doch zunächst daran, sich zu erholen und behutsam in den Alltag zurückzufinden – ständig begleitet von der Hoffnung, dass kein Rückfall kommen möge. Was macht Sie so überzeugt davon, dass Bewegungsprogramme oder gar sportliche Aktivität hier einen sinnvollen Beitrag leisten können? Prof. WESSINGHAGE: Ich werde seit vielen Jahren meiner praktischen ärztlichen »

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