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Ausgabe 1 / 2023 MENSCH & BEGABUNG IM INTERVIEW Rüd I g E R Ha R k s E N EHEM a l I g E R d lV -Bu N d E s T R a I NER , g E EHRT MIT d E M l I f E TIME - aWa R d d E s s p o R TaWa R d R H EIN - N E c ka R

Die Begabung der Seele für alle, die sich angesprochen und berührt fühlen …

die Begabungen eines Menschen sind vielfältig. sie offenbaren sich in großartigen leistungen auf sportlichem, künstlerischem oder musischem, auf schulischem, akademischem oder wissenschaftlichem gebiet. den menschlichen leistungen und Erfolgen zugrunde liegen die fähigkeiten des geistes, des körpers und der seele.

der stellenwert, den in einer leistungsgesellschaft der Erfolg einnimmt, lässt die leistungskraft von körper und geist als vorrangig wichtig erscheinen. doch was ist mit der Begabung der seele? Bisweilen verblassen im schatten großer Erfolge die Wertigkeit und Wirksamkeit des wohlmeinenden Wesens. dabei sind seelenbegabte Menschen so wahrhaft wohltuend.

Es mag nicht messbar sein, wie sehr Einfühlsamkeit, Herzlichkeit und Zugewandtheit, wie sehr Integrität, Vertrauenswürdigkeit und Verlässlichkeit für ein gedeihendes Miteinander bedeutsam sind. Niemand misst die kraft des angenommenseins und die Erhabenheit, die dem gefühl des dazugehörens innewohnt. Wer zählt schon die Zahl der geschlichteten Zwistigkeiten, beruhigten gemüter und getrockneten Tränen – die vielen positiven Wendungen von gesprächen, die Momente des befreienden lachens und der eindringlichen Begegnungen, die tief im gedächtnis für immer aufbewahrt bleiben?

Es liegt in der Natur der Besonnenheit und der souveränität, dass derlei Begabungen nicht in den Vordergrund drängen. seelenbegabte Menschen nehmen sich selbst weit weniger wichtig, als sie es in Wirklichkeit sind. sie erfreuen sich still am glück anderer, sie schützen es unsichtbar und irgendwie doch spürbar. sie zeigen keine Haltung, sie bewahren Haltung. Wahre Haltung ist unaufdringlich und zurückhaltend, sie erscheint in leichtigkeit, auch wenn es mal nicht leichtfällt.

Wohl dem, der eine solche Haltung erkennt, anerkennt – und selbst erkannt und angenommen wird, denn: die größte aller gaben ist die menschliche Beziehung. Wem die Begabung zur Beziehung und die Begabung zur dankbarkeit gegeben sind, dem wird ein solcher Mensch stets gegenwärtig sein – dieser kümmerer, frei von kalkül und Berechnung, den Werten des wertschätzenden Miteinanders verpflichtet, selbst Werte setzend, bewahrend, und mit leben erfüllend.

Erst wenn sie aus dem leben gehen müssen und nicht mehr da sind, kann man ermessen, wie sehr sie fehlen …

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GEDENKEN
Ihr dr. Matthias Zimmermann (5. oktober 2022)
IM

und die Beine nicht mehr tragen 36 Beenden der diagnostischen dyssee bei seltenen Erkrankungen 42 schulter schmerzt! erletzungen der Rotatorenmanschette 44

THERAPEUTENRAT 40 ktiv mit Rückenschmerzen

FIT & GESUND steoporose 48 Rückenschmerzen 54 Meditation – Training für geist und seele 56 Mit Ernährung das Immunsystem stärken 58

ERNÄHRUNG 60 eicht durch die Winterzeit

GESUND & LECKER 62 Vollkornnudeln mit Brokkoli

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Herausgeber Racket center Nußloch gmbH & co. kg Walldorfer straße 100 • 69226 Nußloch

Verantwortlich für den redaktionellen Inhalt dr. Matthias Zimmermann (zimmermann@gsm-mbh.net) anzeigen & Beratung dr. Matthias Zimmermann (partner@gsm-mbh.net)

fragen an ... interesse@racket-center.de produktion gsM gesellschaft für sportmanagement und Beratung mbH Walldorfer straße 100 • 69226 Nußloch layout, satz, grafik denis Herrmann (herrmann@gsm-mbh.net) fotos denis Herrmann, adobe stock auflage 5.000 druck printmedia

gmbH Weinheimer straße 62 • 68309 Mannheim

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IMPRESSUM
solutions
KURZ NOTIERT ... 64 IM INTERVIEW 66 mit Rüdiger Harksen WHO´S WHO 72 Max Rehberg 3 FRAGEN – 3 ANTWORTEN 74 prof. franz Wassermann KINDERSPORT 78 selbstregulation FIRMENPORTRAIT 82 epicto gmbH HERZLICH WILLKOMMEN 84 VARIETÉ 86 Radio Regenbogen Harald Wohlfahrt palazzo STORY 88 addis abeba – „Revisited“ sie erkennen den Mehrwert eines eigenen Magazins für Ihr unternehmen? sprechen sie uns an! gerne unterstützen wir sie, von der konzeption über die umsetzung und den druck bis zur Verteilung. » info@gsm-mbh.net DAS LIFE SKILLS-MAGAZIN AUS DEM RACKET CENTER ID-Nr. 22129751

Herzlich willkommen zum MLP-Cup 2023!

Getragen

von viel Liebe zum Tennissport, an einer sportlichen Tradition in unserer Region festhaltend und mit großer Dankbarkeit gegenüber den Sportlern und ihren Begleitern, den Förderern und Sponsoren, Zuschauern und den regionalen Medienvertretern, geht der MLP-Cup ins zwanzigste Jahr seines Bestehens. Moment mal! Ein Jubiläum? Leider nein, denn:

statt der 20. auflage erleben wir die Internationalen Herrentennismeisterschaften der Metropolregion Rhein-Neckar „erst“ zum 18. Mal. ausgerechnet in einer Entwicklungsphase, in der dieses Weltranglistentennisturnier der Herren als einziges großes, international bedeutendes Hallentennisevent unserer Region eine überwältigende Resonanz erfuhr und von der auszeichnung „Bestes Turnier der german Masters series“ zu großartiger akzeptanz getragen wurde, kam corona. Ein kleines Virus, eine unter umständen schwerwiegende krankheitsfolge und die pandemischen ausmaße haben die durchführung eines Turniers mit athleten und Tross aus über 15 Nationen unmöglich gemacht. der Jahresauftakt in 2021 und in 2022 blieb ohne Mlp-cup. die Turnierabsage hat weh getan!

lange zehn (!!) Monate musste das Racket center in summe geschlossen bleiben. Beziehungen wurden auf die probe gestellt – Beziehungen zu Mitarbeitern, zu kunden und zu sponsoren. diese krise hat viele Beziehungen gestärkt, manche aber auch beendet. dabei ist die menschliche Bande für uns der zentrale Motivator für das, was wir tagtäglich in allen Bereichen unseres Racket centers tun.

der Mlp-cup als Höhepunkt im Veranstaltungsjahr unseres Hauses ist seit jeher den Beziehungen gewidmet, die wir neu knüpfen, einfühlsam wiederaufleben und respektvoll pflegen möchten. Erst dadurch wird die Basis geschaffen, die einem Turnier dieses formats und dieser Bedeutung für unsere sportregion eine Zukunft gibt.

um auch Talente aus den Vereinen der umgebung zu unterstützen, bietet sich den ambitionierten spielern der Region bei der Mlp-cup Wildcard challenge, präsentiert vom auto peters gmbH, Heidelberg, einem dTB-Ranglistenturnier vom 6. bis 8. Januar, die chance auf eine Wildcard für das 25.000 us$ ITf Weltranglistentennisturnier der Herren.

sieger Mlp-cup 2020 Ruben Bemelmans (rechts) und finalgegener Jonas forejtek (links)

Wir danken alldenjenigen von Herzen, die uns bei der arbeit an der Zukunft des Mlp-cup unterstützen. Mit großer freude laden wir alle ein, die sich an tollem Tennissport erfreuen und denen das Turnier an ihrem sportlerherzen liegt. Besuchen sie die Internationalen Herrentennismeisterschaften der Metropolregion Rhein-Neckar um den Mlp-cup vom 22. bis 29. Januar 2023 im Racket center Nußloch.

seien sie uns auf das Herzlichste willkommen!

Ihr Mlp-cup organisationsteam 2023

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siegerehrung Mlp-cup 2020 I fotos: Thomas schulte

OFFIZIELLER BALLPARTNER DES DEUTSCHEN TENNIS BUNDES

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Wilson und der DTB unterstützen die Vereine, Trainer und Turnierveranstalter. Nutzen Sie den Preisvorteil des Aktionsangebotes: Preis / Einheit 4er Balldose 13,00 € Karton mit 18 Balldosen 234,00 € ab 4 Kartons 169,50 €

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Bildung & Wissen KURZ NOTIERT ...

5 Studiengänge, 5 Ausbildungsstätten, 5 Praktikanten – 1 MLP-Cup

das praktikantenteam im Wintersemester: armin (BWl, uni Trier), Yannick (angewandte Bewegungswissenschaften und Medienwissenschaften, uni Regensburg), Benji (sportökonomie, uni Bayreuth), kim (Marketingkommunikation und Werbung, Hs pforzheim), caro (prävention und gesundheitsförderung, pH Heidelberg).

Während jeder studentische Mitarbeiter in seinem klar definierten aufgabenbereich nicht nur Erfahrungen sammelt, sondern auch wertvolle eigenverantwortliche Beiträge leistet, mündet das praktikum zum Ende in ein gemeinsames projekt: den Mlp-cup. an der schnittstelle der Bereiche sport, Wirtschaft und gesundheit versucht jeder die erlernte Theorie aus seinem studium in der praxis zu verankern. Wir danken für die chance uns weiterzuentwickeln und werden das Racket center auch nach dem Ende unserer praktikumszeit weiter in unserem Herzen tragen.

Prädikat: „herausragend“!

Jeden dienstag nach getaner arbeit vier stunden mit dem Zug nach Winterthur. donnerstag nach der Vorlesung wieder zurück in die Heimat (und an die arbeit mit den patienten).

geprüft in 19 Modulen von forschungsmethoden über statistik bis klinische Expertise. Masterarbeit mit zwei Jahren der planung, datensammlung, auswertung und Veröffentlichung. forschungspraktikum an der Hochschule Trier und von april bis Juni 2022 in oxford (gB) am Nuffield department of clinical Neuroscience.

dann – Ende des berufsbegleitenden studiums der physiotherapie mit schwerpunkt forschung – das prädikat: „herausragend“!

Wir gratulieren voller Stolz zum Master of Science unserem Physiotherapeuten Cedric Bender.

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"Wir freuen uns in unserem Jubiläumsjahr als ein Teil der Metropolregion Rhein-Neckar, solch ein einzigartiges ATP-Tennisturnier für unsere Region zu unterstützen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen spannende Matches und viele schöne sportliche Momente"

Seit Gründung der DSC Unternehmensberatung und Software GmbH im Januar 1993 haben wir uns auf die Einführung und Optimierung von IT-Systemen und Geschäftsprozessen für die Versorgungswirtschaft auf Basis SAP® spezialisiert.

Mit unserer Branchenexpertise begleiten wir unsere Kunden als SAP Gold Partner erfolgreich in den innovativen Versorgermarkt der Zukunft.

Ziel ist es, die Dualität zwischen dem klassischen Versorgungsgeschäft und der digitalen Transformation bestmöglich und kundenindividuell umzusetzen.

#BestPracticeForUtilities – dafür stehen wir seit 30 Jahren

DSC Unternehmensberatung und Software GmbH

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Sascha Dobiasch, DSC GmbH

Mensch und Begabung

über Begabung und Intelligenz, Talent und selbstdisziplin, umfeld und genom sowie Mythen rund um das, was man Hochbegabung und Talentförderung nennt. von Matthias Zimmermann

Die Vielfalt seiner Begabungen machen den Menschen zum Menschen. Sich seiner Begabungen bewusst zu werden und diese nach ethischen Prinzipien zu entwickeln und zu entfalten, ist für die menschliche Selbstwerdung, Persönlichkeitsentwicklung und Existenzsicherung von unverzichtbarer Bedeutung. Jede Schule würde diesen Satz bedingungslos unterschreiben und ihrem „Missionpaper“ voranstellen – ungeachtet der lehrplangeführten Bildungsrealität in unserem Lande, denn: Die Erfolge von Unternehmen, Parteien oder Regierungen, die Leistungen von Orchestern, Ensembles oder Mannschaften, sind mehr denn je abhängig von Talenten, respektive dem Talent, das den Mitwirkenden innewohnt. Und dem soll möglichst früh entsprochen werden, am besten schon in der Kindertagesstätte.

Begabungen zu suchen und zu entdecken, ist die moderne Form der Schatzsuche, oder – wie es auf Neudeutsch heißt: von Scouting, Screening oder Casting. Gesucht, oder vielmehr gesichtet, werden „menschliche Schätze“. Als solche werden Talente gerne interpretiert. „Top-Performer“ oder „Highpotentials“ sind auch so neudeutsche Begriffe. Damit bringen Institutionen zum Ausdruck, worauf sich ihr Erfolg gründet, welchen Stellenwert der Mensch einnimmt und welche Entwicklungsmöglichkeiten sie bieten. Derlei Talentprogramme – ob im Sport, in der Kultur, in der Wissenschaft

oder in der Wirtschaft – sind für Menschen gemacht, von denen in der Zukunft hohe Erfolgsbeiträge erwartet werden. Von solchen Talenten wird angenommen, dass sie irgendwann spektakuläre Tore schießen, in einem Labor großartige Entdeckungen machen, auf überzeugende Weise politische Mehrheiten sichern oder Unternehmen zu wirtschaftlichem Erfolg führen. Sie ziehen Zuschauer vor eine Kinoleinwand, den häuslichen Bildschirm oder auf eine Bühne, in ein Stadion oder ein Theater und in der Rolle einer Führungskraft, eines Entertainers oder Künstlers, andere Menschen in ihren Bann. Und klar: Letztlich geht es darum, als Talent oder mit Talenten (man beachte die Doppelbedeutung) Geld zu verdienen!

Doch was eigentlich sind Begabungen, und was ist ein Talent? Wie kann man sie entdecken und was macht man damit – oder daraus? Talententwicklung ist wichtiger denn je, doch wie geht das? Gelingt die Begabtenförderung wirklich oder trübt das Wunschdenken von einer erfolgreichen Zukunft den Blick auf die Realität von heute? Sollte man nicht lieber in diejenigen investieren, die weniger Begabung mitbringen und mit viel mehr Förderung auf ihren Weg in den Arbeitsmarkt begleitet werden müssen? Sind denn alle Kinder auf irgendeine Weise hochbegabt (wie Gerald Hüther, Autor populärwissenschaftlicher Bücher, zu glauben meint) und äußert sich das in besonderen Formen der Verhaltensauffälligkeit?

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TITEL

den lehrern ist der schülertypus wohlbekannt: der stuhlschaukler, der guckindieluft, der störenfried. Man kriegt ihn allenfalls nur schwer dazu, sich zu konzentrieren, im klassenverbund mitzuarbeiten und passable Ergebnisse abzuliefern. das Thema für den Elternabend ist damit klar definiert.

soweit die lehrersicht. Häufig haben Eltern einen anderen Blick auf das Thema des lehrergesprächs – weil nicht sein kann, was nicht sein darf. schließlich gehört zum schülertypus oft auch der passende Elterntypus, und für diesen gilt der karriereweg ihres augapfels als gedanklich längst vorgezeichnet. Bisweilen ist dabei der gedanke der Wunsch des Vaters (oder wie hieß das noch mal genau?). Hat man nicht selbst eine akademikerkarriere hingelegt, die den eigenen genpool in hellem glanz erstrahlen lässt? da der apfel bekanntlich nicht weit vom Baume fällt, kann es für diese gelangweilte abgelenktheit des eigenen sprösslings nur eine plausible Erklärung geben: der Junge muss wohl hochbegabt sein. sein schulisches Verhalten? Nur ein Zeichen seiner unterforderung! Zu profan das geistige futter, das ihm der lehrer und sein veralteter lehrplan täglich vorsetzen. das muss man dem lehrer einfach mal klar machen.

und so boomt die Nachfrage nach professioneller diagnostik. schon ab dem fünften lebensjahr gibt es für kinder Testmöglichkeiten für grundlegende lern- und denkfähigkeiten. unabhängig von Wissen und kultur ermitteln Tests des sprachvermögens, des logischen und des mathematischen denkens das, was man als generelle Intelligenz oder auch den g-faktor bezeichnet. die Zugehörigkeit der probanden zu einem sprachraum sind freilich unabdingbar. darin liegt eine wesentliche kritik an derlei Evaluationen, bei denen Menschen mit Migrationshintergrund schnell mal übergangen werden. dennoch gelten Intelligenztests so gut erforscht und geprüft wie keine anderen psychologischen Tests. gleichwohl es in der professionellen Begabungsdiagnostik keine allgemeinen standards gibt, ermöglichen sie die Einordnung in eine altersgruppe nach dem kriterium der allgemeinen kognitiven kompetenz. der durchschnitt der Intelligenztestergebnisse definiert den Referenzwert 100. Im Bereich zwischen 85 bis

115 befindet sich der ausschnitt der altersgruppe, die als normalintelligent eingestuft wird. Ein gemessener Wert unter 85 kennzeichnet eine unterdurchschnittliche Intelligenz, unter 70 eine Intelligenzminderung. Wessen Testresultate 30 prozent über diesem Wert liegen, hat dementsprechend einen Intelligenzquotienten von mindestens 130 und gilt als hochbegabt. allerdings erreichen nur 2 prozent der Bevölkerung diesen Wert – und Zappelphilippe äußerst selten, denn:

Hochbegabte sind mit Nichten emotional instabiler oder verhaltensauffälliger, sondern zeigen sich meist in allen lebensbereichen überdurchschnittlich leistungsstark. Eine „Verhaltensauffälligkeit“ offenbart sich allenfalls darin, dass sie spezielle lernbedürfnisse äußern und anderen personen ihres umfelds – vor allem natürlich den (bisweilen genervten) Eltern – „löcher in den Bauch“ fragen. detlef H. Rost, ein Marburger psychologe und Initiator des Marburger Hochbegabtenprojekts (MHp) konnte zeigen, dass Hochbegabte schneller und klarer denken, freier und selbstständiger lernen, über ein besseres arbeitsgedächtnis verfügen, mehr im kopf behalten und mit anderem Wissen verknüpfen können. Verhaltensauffälligkeiten, psychische oder soziale probleme, finden sich unter Hochbegabten nicht häufiger als bei anderen kindern. Rost spricht hier von einem „machtvollen Mythos“, der viele Eltern dazu treibt, ihre kinder testen zu lassen in der Hoffnung, das flegelhafte Verhalten des sprösslings ließe sich auf ein erfreuliches Intelligenztestergebnis zurückführen – statt auf einen Mangel an Erziehung! In seiner begabungsdiagnostischen Beratungsstelle trifft detlef Rost schon mal auf Väter, die in Tränen ausbrechen, wenn das Testergebnis zeigt, dass das kind „nur“ normalbegabt ist.

Bei wirklich Hochbegabten kommt meist in einer disziplin noch eine spitzenleistung hinzu, z. B. in kunst und Musik, in der Mathematik oder beim Erlernen von fremdsprachen. dies wiederum hat mit der Neigung zu tun, die eigene Intelligenz auf einem fachgebiet mit großer Hingabe auszuleben, sofern – und darauf sind Hochbegabte dringend angewiesen – die umgebungsbedingungen dies ermöglichen. genau für solche Menschen bietet z. B. der Hochbegabtenverein Mensa (www.mensa.de) ein „geistiges Zuhause“. anzeige

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„Der Junge ist vermutlich hochbegabt“

die so genannte Inselbegabung hingegen ist ein im wahrsten sinne des Wortes außergewöhnliches phänomen. sie zeigt sich in einer gehirnleistungsfähigkeit, die für einen Normalsterblichen unbegreiflich ist. gleichzeitig sind Inselbegabte kaum in der lage, am normalen leben teilzunehmen. diese savants (aus dem Englischen oder französischen für „Weiser“, „Wissenschaftler“, „Wissender“ oder „gelehrter“), wie man die Menschen mit einer dieser phänomenalen Begabungen nennt, sind hypersensibel, sozial isoliert und häufig auf unterstützung im alltag angewiesen. Hier offenbart sich ein Individuum zwischen genialität und Behinderung, mit einer herausragenden fähigkeit bei gleichzeitiger unselbstständigkeit. Nur wenige schaffen es, einen Weg zu finden, ihre Begabung zu nutzen und damit zu leben, ohne der realen Welt verloren zu gehen. die anderen werden durch ihre überragende ausprägung einer spezifischen gehirnfunktion ausgebremst und verharren im Zustand des autismus – und damit fern der Realität.

Was nutzt die fähigkeit, zu jedem x-beliebigen datum spontan den richtigen Wochentag benennen, bis ins unendliche gehende Zahlenreihen im kopf ausrechnen, aus einem Buch nach einmaligem lesen rezitieren oder nach nur einem kurzen flug über eine stadt deren skyline mit einer großflächigen Zeichnung detailgetreu abbilden zu können – alles aus dem gedächtnis!

Bereits im Jahre 1887 beschrieb der londoner psychologe langdon down das savant-syndrom. Er staunte über patienten, die, „obwohl im geiste schwach, spezielle Begabungen aufweisen, welche sie in hohem Maße ausbauen können“, ohne auch nur im geringsten eine Idee davon zu haben, was sich mit dieser fähigkeit anfangen ließe.

kim peek gehörte zu den eindrucksvollsten Beispielen für eine savant. der us-amerikaner konnte eine seite mit dem linken und die andere seite mit dem rechten auge gleichzeitig lesen, brauchte für eine seite etwas mehr als sieben sekunden und speicherte dabei den Inhalt. auf diese Weise fanden 12.000 Bücher platz in seinem außergewöhnlichen gehirn, die jederzeit abrufbar waren. sich alleine anziehen oder Essen zubereiten hat er nie gelernt – die Emotionen anderer Menschen blieben ihm zeitlebens verschlossen. kim peek, Vorbild für den Hollywood Blockbuster Rain Man mit Tom cruise und dustin Hoffmann, starb mit nur 58 Jahren und war Zeit seines lebens auf seine Eltern angewiesen. Ähnliche Beispiele finden sich in der Musik. leslie lemke ist in der lage, die schwierigsten partituren auf dem klavier zu spielen, nach dem er diese nur ein einziges Mal gehört hat – und ohne jemals klavierunterricht gehabt zu haben. stephen Wirtshire, den man „die lebende kamera“ nennt, fliegt nur 15 Minuten mit dem Hubschrauber über eine stadt und zeichnet dann in tagelanger kleinstarbeit auf einer sechs Quadratmeter großen leinwand mit dem Bleistift deren skyline nach, detailgetreu bis zum kleinsten gebäudefenster.

Es dürften heute wohl weniger als 50 Menschen mit derlei Begabungen bekannt sein, die stets mit einem ungewöhn-

lichen gedächtnis zusammenhängen. das Extrembeispiel des savants steht quasi symbolisch für die potenzielle leistungskraft des menschlichen geistes, und gleichzeitig für ein latentes unvermögen, seinen kopf zielführend einzusetzen. symbolisch meint dabei, dass es vielen Menschen nicht gelingt, die generelle Intelligenz oder eine spezifische ausprägung kognitiver fähigkeiten automatisch zu Erfolg im Beruf oder im leben zu führen. Intelligenz mag als „Mutter der Begabung“ bezeichnet werden. Tatsächlich ist sie lediglich ein Teil davon, also nur ein einziger aspekt eines spektrums an gegebenheiten, die einen Menschen auszeichnen. denkfähigkeit oder gedächtniskraft alleine bringen noch keine besonderen leistungen hervor.

Begabung ist also mehr als Intelligenz, nämlich ein gesamtkonstrukt stabiler persönlicher leistungsvoraussetzungen. und dazu gehören kreativität, die eigene lernmotivation und Willenskraft, die Resilienz – also die fähigkeit, Niederlagen, Verluste und krisen zu überwinden – und das durchsetzungsvermögen (zuallererst gegen den eigenen inneren schweinehund). all diese Eigenschaften werden durch die IQ-Messung nicht erfasst. sie entziehen sich einer Bewertung in Zahlen. dennoch gelten diese Eigenschaften als unabdingbare faktoren zur ausschöpfung des geistigen potenzials und deren ausrichtung auf den Erfolg in unterschiedlichen lebensbereichen.

Was also so toll klingt und derer sich viele gerne schmücken, ist „nur“ die messbar gemachte Begabung der allgemeinen denk- und lernfähigkeit. Intelligenz umfasst eine schnelle auffassungsgabe, gute lernfähigkeit, logisches denken, räumliches Vorstellungsvermögen und hohe gedächtnisleistungen. gemessen werden zum Beispiel die fähigkeiten, mit verbalem Material, mit Zahlen und ihren Beziehungen oder mit figuralen und räumlichen gegebenheiten umzugehen.

„Das wird mal ein Großer“ der schluss von der gemessenen Intelligenz auf das leistungspotenzial greift zu kurz. daraus auf künftige Erfolge zu schließen erweist sich als völlig ungenügend. künftige Erfolge aber sind genau das, was scouts interessiert, wonach castingEvents suchen und was in screenings herausgefunden werden soll: das Talent – die leistungsperspektive eines jungen Menschen. dahinter stehen neben dem Wunsch der Eltern, „das Beste für ihre kinder“ zu wollen, auch Investmentinteressen. fußballvereine entwickeln Talente zu spielern, die ihnen das Invest in den Nachwuchs auf dem Transfermarkt refinanzieren. Junge Wissenschaftler sollen zu bahnbrechenden forschungsergebnissen beitragen und die Zukunftsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft sichern, der Managementnachwuchs ihren unternehmen zur Marktmacht und den kapitalgebern zu Einkommen verhelfen. und künstler – Maler und Musiker, autoren und Regisseure – leisten ihren Beitrag zum Erfolg im globalen Wettbewerb der gesellschaften von morgen. Wettbewerbsfähigkeit ist das Maß für alle Talente.

Nur wer im Wettbewerb besteht, wird in einer Wettbewerbsgesellschaft tatsächlich „ein großer“. folglich ist ohne einen

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objektiven leistungsnachweis eine Talentbestimmung nicht möglich. ohne leistung kein Talent. Talent jedoch meint weit mehr – es umfasst den aktuellen leistungszustand und die für die Zukunft verbleibenden leistungsressourcen. die aktuelle Wettkampfleistung entspricht dem Realisierungsgrad des Entwicklungspotenzials. Bei der Beurteilung verborgener Ressourcen und entwickelbarer potenziale hilft auch der erfahrene Blick des Experten. dazu müssen, je nach anforderung, in möglichst systematischer Weise genau diejenigen faktoren evaluiert werden, die für überdurchschnittliche leistungen ursächlich sind. dazu zählen sowohl die biogenetische disposition als auch die systematischen und zufälligen umwelteinflüsse. systematische umwelteinflüsse werden bestimmt durch die sozialen, finanziellen und motivatorischen Bedingungen, die für eine bestmögliche Talententwicklung unabdingbar sind. Zufällige umwelteinflüsse entziehen sich der gestaltbarkeit – deshalb ja auch „zufällig“. ob eine optimale Talentförderung darin besteht, jedwede Zufälligkeit auszuschließen und Bedingungen (vermeintlich) zu perfektionieren?

die Talentfrage schlechthin lautet: sind spitzenleistungen auch in dem alter zu erwarten, in dem die ausbildung als abgeschlossen gilt und das Erreichen des Höchstleistungsalters angenommen werden muss? dieses Höchstleistungsalter ist bei sportlern von disziplin zu disziplin und auch je nach geschlecht unterschiedlich – und im laufe der Zeit auch veränderlich. Im Tennissport beispielsweise nahm das durchschnittliche Höchstleistungsalter in den letzten Jahrzehnten deutlich zu. Bei „kopf“-disziplinen beobachtet man eine ähnliche ungleichheit. so liegt z. B. das Höchstleistungsalter eines Mathematikers weit unter dem eines geisteswissenschaftlers.

die suche nach antworten auf die Talentfrage folgt einer statischen und einer dynamischen dimension. die statische dimension, also die Momentaufnahme der leistungsfähigkeit, ist in zweierlei Hinsicht zu relativieren:

1. Wenn man dem Talenturteil ein Normensystem von Teilleistungen zugrunde legt, ist zu berücksichtigen, dass das kalendarische vom biologischen alter bis zu drei Jahren abweichen kann. die maximalen unterschiede im biologischen alter liegen bei Buben zwischen dem 12. und dem 15., bei Mädchen zwischen dem 11. und 13. lebensjahr. gerade bei dreizehnjährigen kann sich sowohl das biologische Entwicklungsstadium eines 10-Jährigen (retardiert) als auch eines 16-Jährigen (akzeleriert) zeigen.

2. Momentane leistungen sind auch das Resultat zufälliger, insbesondere aber systematischer umwelteinflüsse, z. B. der Beginn des Trainings, die Elternunterstützung oder die allgemeine Bewegungssozialisation. gerade einem Wettkampfergebnis in jungen Jahren ist der dafür erbrachte aufwand gegenüber zu stellen.

Insofern meint die dynamische dimension der Talentbeurteilung, dass die lern- und Entwicklungsgeschwindigkeit – also die anpassungsfähigkeit an umweltreize – für die prognose künftiger leistungen entscheidender ist als momentane leistungsmaße. ob leistungen in Erfolge münden, lässt sich anhand von drei leistungsbestimmenden faktoren im Zeitbzw. lernverlauf prognostizieren:

1.„psycho-volitionale Voraussetzungen“ ist ein sammelbegriff für konzentrationsfähigkeit, Wille und Motivation, für selbstregulation und durchsetzungsvermögen. gerade die Willensstärke offenbart sich in der Bereitschaft, soziale kontakte und freizeitaktivitäten, (insbesondere auch urlaube) den sportlichen Zielen unterzuordnen und mit allen Ressourcen nach Erfolg zu streben.

2. die Belastbarkeit als komplexe, sowohl genetisch als auch umweltbeeinflusste Zustandsgröße des organismus, entscheidet über die Verträglichkeit gegenüber höchsten Wettkampf-, Trainings- und Begleitanforderungen (schule, private Beziehungen etc.). dies gilt sowohl in psychischer, physischer als auch sozialer Hinsicht.

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3. das sozio-materielle umfeld kennzeichnet die exogenen unterstützungssysteme, die einem Nachwuchstalent zur Verfügung stehen. Erst in jüngeren forschungsansätzen finden Eltern und familie, schule, institutionelle förderinstanzen und Trainerpersönlichkeit sowie Trainerbeziehung in verstärktem Maße Berücksichtigung bei der prognose von spitzenleistungen.

Talentbeurteilung bedeutet demnach, eine Einschätzung der erreichbaren spitzenleistung vorzunehmen – folglich also einen Blick in die Zukunft zu wagen. dazu bieten statische Betrachtungen, also die Momentaufnahme der leistungsfähigkeit, lediglich einen ersten anhaltspunkt. sie sind für die prognose zukünftiger leistungen nicht ausreichend, im gegenteil: Es gibt Belege dafür, dass sich frühe spitzenleistungen für Höchstleistungen im Erwachsenenalter als kontraproduktiv erweisen.

Einen brauchbaren Talentindikator kann demnach nur das Entwicklungstempo unter Berücksichtigung des bereits erreichten leistungsniveaus bilden. damit ist primär die Entwicklungsgeschwindigkeit der endogenen, der person innewohnenden, Talentdimensionen gemeint. gleiches ist aber auch für die exogenen, also die umfeldbedingungen anzunehmen.

gedächtnisforscher in den usa haben herausgefunden, dass es Menschen gibt, die nun mal effizienter lernen. dies gilt sowohl für die geschwindigkeit als auch für die Nachhaltigkeit des Erlernten. lerngeschwindigkeit und langzeitgedächtnis bedingen einander in konstruktiver Weise. Nach den studien von kathleen Mcdermott und christopher Zerr, Washington university in st. louis, (siehe spektrum vom 07.11.2019) kann sich jeder Mensch durch wiederholtes üben stark verbessern. das aber genügt nicht, um den Vorsprung, den eine hohe lerneffizienz bietet – also gute leistungen bei hoher lerngeschwindigkeit – aufzuholen.

um an der überzeugung festzuhalten, dass ein junger Mensch „mal ein großer seiner disziplin“ wird, braucht es geduld und das Wissen, dass die zeitlichen Verläufe seiner anpassungsreaktionen diskontinuierlich verlaufen. Es wird angenommen, dass der unterschied zwischen spät- und frühstartern, schnellzündern und langsamentwicklern anlagebedingt ist. so sind bei der Beurteilung des Entwicklungstempos die natürlichen intraindividuellen Verzögerungen und Beschleunigungen in bestimmten abschnitten der psycho-physischen Entwicklung ebenso zu berücksichtigen wie die interindividuellen unterschiede im Entwicklungsstand des Talents.

„Ich habe immer an ihn geglaubt“ das war ja klar, dass der mal ein star wird – ein superstar sogar, immerhin: ganz deutschland sucht den superstar, oder etwa nicht? Was ist denn nun geworden aus den zwanzig siegern der casting-show, die seit zwei Jahrzehnten zur besten sendezeit über den TV-Bildschirm flimmert? Tatsächlich gab es vereinzelt spitzenplätze in den singlecharts, manch eine durchaus anerkennenswerte Musicalrolle oder sogar (achtung: Ironie) einen Titel als RTl-dschungelkönig. große arenen aber füllt von den vermeintlichen „superstars“ niemand, nachhaltige plattenerfolge bleiben aus. superstar? fehlanzeige!

Wenn dann doch mal jemand den durchbruch schafft und die konzertsäle dieser Welt ausverkauft, hat es so mancher schon immer gewusst. Man ist ja Experte und das auge des connaisseurs ist schließlich untrüglich. das demütige sprichwort, „Hinterher ist man immer schlauer“, gerät in Vergessenheit –so, wie die „15 Wunderkinder des Weltfußballs“, die zur Jugendzeit hoch gehandelt wurden und nun unter fernerliefen ein profidasein jenseits der großen fußballöffentlichkeit führen.

Wer erinnert sich noch an den brasilianischen fußballer ganso, der vor einer dekade die brasilianische liga dominierte und mit 20 Millionen Euro Marktwert gehandelt wurde? Mit dem anzeige

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fc santos holte er den brasilianischen pokal und die staatsmeisterschaft in são paulo. In beiden Wettbewerben wurde er zum besten spieler gewählt – weit vor einem gewissen Neymar. Heute spielt ganso bei fluminense Rio de Janeiro, ein club, der sechzehnmal die staatsmeisterschaft von Rio de Janeiro gewinnen konnte, zuletzt allerdings schon im Jahre 1988! den Weg ganz nach oben und in die WM-stickeralben haben hingegen andere geschafft.

In der Wirtschaft heißen die führungskräfte auf oberster Ebene Top-performer – und auf dem Weg dahin Highpotentials. (achtung: Vor allem konzerne lieben anglizismen)! solchen Highpotentials gelingt es, neben ihren Managementtalenten eine unverzichtbare Begabung zu entfalten: sie minimieren den Einfluss so genannter leistungslimitierender faktoren. alles, was der Talententfaltung entgegensteht, wird aus dem Weg geräumt oder mit der Bereitschaft zu größter, beinahe bedingungsloser anstrengung überwunden – und das über eine Zeitspanne von mehreren Jahren!

die restrospektiv ausgerichtete Expertiseforschung zeigt, dass der Weg zum Erfolg über einen langfristigen, etwa zehnjährigen Entwicklungsprozess läuft. dieser beginnt für sportler bereits im kindesalter, für Manager in der Endphase des studiums und mit dem Eintritt ins Berufsleben, z. B. über Trainee- oder Mentorenprogramme. Innerhalb dieser langen Zeitspanne haben die einzelnen leistungsbedingungen unterschiedliches gewicht. um das volle Talentpotenzial bis hin zur individuellen Höchstleitung zu entfalten, soll erst im langfristigen Verlauf der Entwicklung die volle kapazität der leistungs- und förderreserven systematisch entwickelt und behutsam ausgeschöpft werden. Man spricht von der „Effizienz der utilisation“.

analysiert man rückschauend den Weg, den ein Top-performer in seinem Metier genommen hat, kristallisiert sich eine gemeinsamkeit heraus: selbstdisziplin und durchhaltevermögen. Was nach Talent aussieht, ist die frucht jahrelangen übens, immer darauf angelegt, die eigenen grenzen zu verschieben. abkürzungen gibt es nicht! Warum also hat es der eine geschafft und der andere nicht? die untersuchung der leistungsunterschiede liefert eine Erklärung: die anzahl der bewusst geübten stunden, also das, was forscher „deliberate practice“ nennen.

Wer also genug übt, hat Erfolg? da könnte man den schluss ziehen, Top-performer ließen sich „züchten“. die Expertiseforschung suggeriert, es sei alles nur eine frage (möglichst perfekter?) umgebungsbedingungen …!

„Das Umfeld macht den Unterschied“

Wenn man auf die stätten schaut, in denen Topperformer groß werden, trifft man auf „hochgradig unscheinbare bis unattraktive orte“, wie daniel coyle in seinem Buch „die Talentlüge“ (köln 2009) schreibt (Besser bezeichnet im original als „Talent code: unlocking the secret of skill in sports, art, Music, Maths and Just about Everything Else“). Mit den Erfahrungen aus einem Besuch in neun musischen, sport-

lichen und schulischen Talentschmieden rund um den globus entmystifiziert der autor die Talentschmieden: „Es wirkte fast so, als bestünde ein direkter Zusammenhang zwischen dem Verfallsgrad der jeweiligen schule und der anzahl der Talente, die sie hervorbrachte.“

statt eines optimalen räumlich-technischen umfelds herrscht ein klima, das auf disziplin und fleiß ausgerichtet ist. kennzeichnend ist die mühevolle kleinarbeit jenseits von annehmlichkeiten und das ständiges Vorantasten an der grenze der eigenen fähigkeiten ohne ablenkungen. Barrieren werden durchbrochen, einhergehend mit vorläufigem scheitern, mit teils tiefer frustration und dem Willen zum bedingungslosen Weitermachen. darauf muss man trainiert werden – oder dazu geboren sein?

und was macht den unterschied in der schule? um das schulische Bildungsniveau zu heben, sind vielfältige untersuchungen darüber angestellt worden, welche zentrale umgebungsbedingung besonders leistungsförderlich ist. Warum lernen kinder? Wieso streben sie nach guten Noten, entwickeln disziplin und leistungsfreude? als dominierenden faktor für Talententfaltung offenbaren zahlreiche studien das lehrer-schüler-Verhältnis und das prinzip der „Reziprozität“: Ein gutes lehrer-schüler-Verhältnis hat nicht nur signifikant messbare Effekte auf den lernerfolg der schülerinnen und schüler, sondern auch auf die Motivation und gesundheit der lehrkräfte. (florentine anders in „das deutsche schulportal“ vom 27. februar 2019). Egal, ob als lehrer, Trainer, ausbilder oder akademischer Mentor – als unabdingbar erweist sich die Wirkung, die die Begeisterung und Motivation einer lehroder auch führungskraft auf diejenigen entfaltet, die ihnen anvertraut sind oder derer sie sich hingebungsvoll angenommen haben, und zwar: je früher desto besser!

folgt man den Neurowissenschaften, welche den aufbau und die funktionen von Nervensystemen untersuchen, liegt der schlüssel zur spitzenleistung darin, früh mit der förderung der kinder zu beginnen. Wolfgang amadeus Mozart gilt hierfür als der beste Beleg. Er hat mit sicherheit weit mehr als die 10.000 stunden übungspraxis absolviert, die es dem schwedischen psychologen anders Ericsson zufolge braucht, um zum Experten zu werden. allerdings sollte dieser „10.000-stunden-Mythos“ auch aus populärwissenschaftlichen „Expertisen“ so langsam mal getilgt werden. Bei absoluten „Highperformern“ wie z. B. Top-chirurgen, spitzenköchen, solisten – etwa geigern oder pianisten – und auch bei Hochleistungssportlern, wird diese Maßzahl bei Weitem überschritten.

die „Meister ihres fachs“ jedoch empfinden die lange dauer einer operation, einer orchesterprobe oder einer Trainingseinheit als gar nicht so besonders lang. In deren subjektiver Wahrnehmung vergeht die Zeit meist wie im flug. René pretre, direktor der Herz- und gefäßchirurgie lausanne, sagt über seine arbeit als kinderherzchirurg: „Ein guter Herzchirurg arbeitet nicht. Er spielt. Wie ein fußballer. Er geht mit freude in den op und ist traurig, wenn er nicht dort sein kann“ (zitiert nach gEo 03/2014, s. 114). dabei ist ein operations-

16 Rc premium 1/2023

„Meine Enkelin sehe ich am liebsten persönlich.“

Keine Chance für den Enkeltrick.

Telefon- und Internetbetrüger werden immer dreister. Seien Sie also vorsichtig und lassen Sie sich weder Daten, noch Bargeld entlocken. Fallen Sie nicht darauf herein.

Meist will man, dass Sie ganz schnell reagieren. Das ist Betrug. Nie werden Sparkasse, Polizei, Ihr Enkel oder Enkelin solche Daten bei Ihnen abfragen oder Sie auffordern große Bargeldbeträge persönlich zu übergeben.

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saal, eine küche oder auch ein leerer konzertsaal nicht wirklich ein ort, dem eine besondere attraktivität, Heimeligkeit oder Wohlfühlambiente innewohnt und in dem man sich der besonderen atmosphäre wegen gerne aufhält. Es ist vielmehr ein ort, der die Möglichkeit schafft, konzentriert im eigenen Tun aufzugehen und dabei besser zu werden.

so sind Tennisfachleute von folgender theoretischer überlegung überzeugt: Hätte Tennissuperstar Roger federer im alter von 18 Jahren gegen den Roger federer im alter von 28 Jahren gespielt, hätte der jüngere keine chance gehabt – und ein federer im alter von 28 wohl keine chance gegen den Roger federer mit 38 Jahren! diese Besessenheit, immer besser zu werden, ist eine Eigenschaft, die nur ein winziger Bevölkerungsteil in sich trägt. ohne eine tiefgehende, nachhaltige intrinsische Motivation sind absolute spitzenleistungen nicht denkbar.

arne güllich vom sportinstitut der universität kaiserslautern schlussfolgert, dass „deliberate practice“ eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für spitzenleistung ist. so erklärt z. B. bei schachspielern und Musikern das übungspensum nur ein drittel der leistungsunterschiede. güllich erachtet ein Talent weder als frühzeitig erkennbar noch als gezielt förderbar. stattdessen sieht er in der ausbildung von spitzenleistung ein projekt tiefster Individualität. frühförderung meint folglich das agieren in ungerichteten, vielfältigen Bewegungswelten mit impliziten lernerfahrungen. kinder brauchen die chance, auszuprobieren und in ungerichteter Weise eine fülle von Bewegungs- und spielerfahrungen zu sammeln.

selten ist ein Ziel früh erkennbar. Wer aber seine leidenschaft früh entdeckt und sich ihr mit Haut und Haaren hingibt, setzt sich durch, überwindet Rückschläge und hat langfristig betrachtet eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit. Haben sie „ihr ding“ gefunden, kommen junge Menschen selbst ins laufen. Nur intrinsisch motivierte persönlichkeiten kommen weiter. freude im eigenen Tun, Willenskraft und selbstvertrauen finden zueinander. Wer sich dabei selbst gefunden hat, entfaltet seine Talente. Er folgt dem philosophen friedrich Nietzsche, der sich in seinem Werk Ecce homo mehrfach auf den berühmten satz des griechischen dichters pindar bezieht: „Werde, der du bist …“!

„Die Gene sind´s …“ „Von geburt an tragen wir die geschichte unserer familie und unseres Milieus in uns, sind festgelegt durch den platz, den sie uns zuweisen.“ (didier Eribon: Rückkehr nach Reims). Während in der antike ein besonders begabter Mensch als ein himmlisches geschenk betrachtet wird (was bisweilen auch moderne Eltern von ihren „talentierten“ kindern tun), erkennt charles darwin in einem Talent sein genetisches Erbe. sein leitspruch, „unsere abstammung ist die Quelle allen übels“ ließe sich freilich auch positiv formulieren. Tatsächlich wissen wir heute dank der Möglichkeiten der genforschung, z. B. der vollständigen genomsequenzierung, dass unsere anlagen den lauf unseres lebens mehr bestimmen,

kleiner Nietzsche-kopf, Radierung von Hans olde nach der fotoserie der kranke Nietzsche, 1899

als man bisher dachte. dabei ist es eine hochkomplexe aufgabe, den genetischen Einfluss auf menschliche Eigenschaften zu untersuchen, denn die dNa des Homo sapiens besteht aus immerhin drei Milliarden Basenpaaren. die Tatsache, dass diese zu mehr als 99 prozent bei allen Menschen gleich sind, widerlegt endgültig das unsägliche Rassengeschwafel, das noch immer anhänger findet. fakt ist: Es gibt nur eine Rasse Mensch. Nur an rund 30 Millionen positionen unterscheiden sich die Bausteine unseres Erbguts. und genau diese machen den unterschied. aber in welchem Maße?

In tausenden Zwillingsstudien haben genetiker die Erblichkeitsanteile bestimmt: Bei der körpergröße sind es in der europäischen Bevölkerung rund 80 prozent und beim Risiko für diabetes etwa 30 prozent. sprachprobleme sind bis zu 90 prozent und die ausprägung der Intelligenz über die lebensspanne hinweg zu etwa 50 prozent genetisch bedingt. das heißt, dass man etwa die Hälfte der Intelligenzunterschiede unter den Menschen hierzulande mit der genetischen disposition erklären kann.

dabei sind die meisten menschlichen Merkmale polygen. Ihnen liegen mehrere Hunderte oder gar Tausende genvarianten zugrunde, die über das gesamte Erbgut verteilt sind. die Herausforderung von genanalysen besteht darin, die unterschiede in den genvarianten zu erkennen. genetiker nennen diese unterschiede single Nucleotide polymorphisms, sNps. Hat man diese „snips“ ermittelt, lässt sich daraus eine art genomische Bewertung errechnen, ein sogenannter genomweiter score. In „genomweiten assoziationsstudien“ (gWas) werden die aus sNps errechneten „polygenic scores“ (pgs) in einen Zusammenhang mit Intelligenztestergebnissen, beruflichem Erfolg, sozialem status anderen aspekten der lebenssituation gebracht.

18 Rc premium 1/2023

kritiker sehen in solchen forschungen die „Biologisierung der sozialwissenschaften“. lässt sich der sozialstatus eines Menschen wirklich mit einem hohen oder niedrigen „polygenen punktwert“ erklären? Zwar lässt sich heutzutage das genom – der Bauplan unseres seins – fast vollständig ausbreiten. doch ist es zwingend so, dass unsere anlagen so gut wie jeden aspekt unseres daseins vom ersten lebenstag an beeinflussen? Bis heute ist es nicht vollumfänglich gelungen, eine Entschlüsselung der beteiligten gene vorzunehmen. Nicht nur, dass Tausende davon im spiel sein dürften – auch bedingen sie einander und kommen von generation zu generation unterschiedlich zur ausprägung. daher ist es auch falsch anzunehmen, dass Talent im sinne einer genetischen disposition vererbt wird. Häufig – so die zahlreichen Beispiele von genies in unterschiedlichen disziplinen – sind die fußstapfen des Vaters oder der Mutter einfach zu groß. Natürlich gilt auch hier: ausnahmen bestätigen die Regel.

Wie also wirkt der frühkindliche umgebungseinfluss auf die Entwicklung des jungen gehirns, der Intelligenz und der persönlichkeitseigenschaften? Ist nicht vor allem die Zuwendung der Eltern und das „füttern mit geistesnahrung“ für das Erwecken von Talenten wesentlich oder gar entscheidend?

studien zeigen, dass in bildungsnahen familien mit kleinen kindern um ein drittel mehr gesprochen wird als in bildungsfernen. umgekehrt bitten kinder mit höherem genetischem potenzial Erwachsene eher zum austausch und erhalten folglich mehr aufmerksamkeit. Im fachjargon wird dieses phänomen als „Matthäus Effekt“ bezeichnet: „Wer hat dem wird gegeben“. Wer aber nicht hat, dem wird auch noch das genommen, was er hat. und so sind IQ-punkte eben nicht statisch, per genom determiniert, sondern entwicklungsfähig und veränderlich. Wir Menschen können im Intelligenz dazu gewinnen oder verlieren. macht IQ-Änderungen von 20 20. lebensjahr möglich. daraus lässt sich der dass bei den bildungsfernen brachliegen. Vermutlich liegt darin der größte Beitrag zur steigerung des gesamtgesellschaftlichen

Johann Wolfgang von goethe, Ölgemälde von Joseph karl stieler, 1828

Wer ist das grösste genie aller Zeiten? auf diese frage glaubt der us-Ingenieur libb Thims eine antwort gefunden zu haben. Thims erstellte eine Top 40 der klügsten köpfe der geschichte, indem er deren IQ und Einfluss auf die Welt kombinierte. auf dem ersten platz landete Johann Wolfgang von goethe. der deutsche dichterfürst verwies seinen landsmann albert Einstein auf platz zwei. knapp dahinter rangiert der italienische universalgelehrte leonardo da Vinci auf platz drei.

auch ist bekannt, dass die schlaueren 2 prozent der Hoch-

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Heidelberger Frühling

zwischen Hochleistern und Hochbegabten gerade im Hinblick auf die Entdeckung und förderung von Talenten wichtig. so ist aus der Beobachtung von beruflichen karrieren bekannt, dass Hochleister häufiger und vor allem schneller studieren. Ihnen ist der lebensstandard das Wichtigste. Hochbegabte hingegen suchen nach Befriedigung ihrer eigenen Interessen.

allerdings zeigen studien der psychologieprofessorin Elsbeth stern von der ETH Zürich (ZEIT am Wochenende, ausgabe 46/2022 vom 12. November 2022), dass intelligente Menschen ihre Ziele besser verwirklichen können. Wenn sie das gefühl haben, sie können selbst entscheiden, macht sie das glücklicher. und Intelligente suchen sich eher ein umfeld, wo sie das tun können. deshalb sind sie im schnitt zufriedener mit ihrem leben. In ihrem Buch Intelligenz schreibt sie, Intelligenz sei ein „protektiver faktor gegen negative lebensereignisse“. Intelligentere Menschen sind nicht so oft über lange Zeit arbeitslos oder rutschen in die armut, sie werden seltener ungewollt schwanger, sie erleben weniger häufig scheidungen, und sie landen seltener im gefängnis. Wer glaubt, dass emotionale kompetenz wichtiger sei als kognitive kompetenz, muss wissen, dass Empathie nur fünf bis sieben prozent der unterschiede im Berufserfolg erklären können, während die Intelligenz dreißig prozent der unterschiede erklärt. Wohl sei es so, dass von allen persönlichkeitseigenschaften die Intelligenz am stärksten mit dem Einkommen zusammenhängt – und außerdem auch mit gesundheit und einem langen leben.

Kritik und Ausblick „ach herrje – mein kind ist hochbegabt“! für manche Eltern ist es eine willkommene koketterie, sich über die Besonderheit ihres kindes auszulassen. „so anstrengend, dieser ständig fragende kerl“. Zugegeben: ein knurrender Magen ist mitunter einfacher zu besänftigen als ein dürstendes gehirn. Trotzdem gibt es wohl kaum jemanden, der sich darüber beklagt, dass ein kind besonders schnell läuft, bezaubernd singt, toll malt, wunderbare geschichten schreibt und es ihm leichtfällt, Neues zu erlernen und dabei schnell zu den Besten zu gehören. larmoyanz angesichts eines fordernden kindes klingt wie Hohn in den ohren von Eltern, die stunden neben ihren kindern am Hausaufgabentisch sitzen müssen, während andere längst im klavier-, Tennis- oder Theaterunterricht sind.

und dennoch: Ist es nicht so, dass es eine wesentliche, um nicht zu sagen die wesentlichste säule unseres gesellschaftsmodells ist, sich um die seinen zu kümmern und sein kind bestmöglich zu fördern? Jedes kind braucht geistesnahrung, wenngleich von unterschiedlicher art und in unterschiedlichen portionen. Es ist nun mal so, dass die ausprägungen aller persönlichkeitseigenschaften, die sich als determinanten für leistung und Erfolg erweisen, nicht gleichverteilt sind, sondern normalverteilt. unter der gaußschen glockenkurve gibt es ein paar wenige ganz rechts, deren leistungsvoraussetzungen sehr hoch ausgeprägt sind – und links ein paar wenige, deren leistungsvoraussetzungen sehr niedrig ausgeprägt sind. Zur Mitte hin nimmt die Zahl derer zu, die über ein durchschnittlich ausgeprägtes Begabungsspektrum verfügen.

auf den Intelligenzquotienten bezogen liegt exakt in der Mitte die Maßzahl 100, die die durchschnittsintelligenten abbildet.

Warum ist das so? Warum sind Menschen so unterschiedlich – im geiste, im charakter und auch in der körperlichen konstitution? Big-data-analysen riesiger datenmengen aus genomweiten assoziationsstudien lassen annehmen, dass genetische unterschiede für die ausprägung der menschlichen Begabungen eine bedeutendere Rolle spielen als bisher angenommen. also: Was ist der Mensch? Ein spielball der genlotterie? die antwort lautet: Vermutlich ja. so ist es wohl!

daraus leitet sich eine ideologische frage ab, die enormen Einfluss auf die (politische) organisation von gesellschaften nimmt: „Ist es gerecht, Menschen entsprechend ihrer leistung mit geld und ansehen zu belohnen, wenn die genlotterie bestimmt, wie sehr sich jeder einzelne für diese leistung anstrengen muss?“ der Begriff des „leistungslosen Einkommens“ hängt im politischen Raum. dieser wird immer dann konkret, wenn es z. B. um Neuregelungen im deutschen steuerrecht, insbesondere im Erbschaftssteuerrecht geht.

Richtig ist freilich: Wir sind biologische Wesen, die sich ihre gene nicht verdienen, wohl aber ihre Begabungen in einem kulturellen Raum entwickeln können. sie können sich durch zielgerichtete förderung entfalten oder durch Nichtbeachtung verkümmern. dies gilt für Werdegänge in schule oder sport, kunst oder Musik, Wirtschaft oder Wissenschaft in ähnlicher Weise. also wen fördern? diejenigen, die es aufgrund ihrer gene im leben schwerer haben, deren Ressourcen möglicherweise brach liegen und die bei gelingender Einflussnahme den höchsten relativen fortschritt und den Nutzen realisieren? oder die Talente, die aus der genlotterie von Natur wegen als privilegierte hervorgegangen sind und später dank großartigem Erfolg und hohem Einkommen der gesellschaft etwas zurückgeben (wenn sie es denn tun …)?

fragen darf man an der stelle durchaus ganz konkret: gibt es wirklich plausible argumente, die förderung von sprachkitas für sozial benachteiligte kinder Ende 2022 zu beenden, während die Budgets für studienstipendiaten und spitzensportler erhöht werden?

fakt ist, dass es durch gezielte fördermaßnahmen von geburt an zu einer Wechselwirkung zwischen den potenzialen und der sozialen umgebung eines Individuums kommt. lernen und potenzialentwicklung sind ein leben lang auf stimulation und förderung angewiesen. gleichzeitig leitet sich aus dem privileg, mit besonderen Begabungen gesegnet zu sein, auch ein besonderes Maß der Eigenverantwortung ab.

Wie also könnte ein versöhnlicher ausblick lauten? dass sich die Eigenverantwortung des Menschen in einer begabungsgerechten anstrengungsbereitschaft offenbart, getreu des Mottos: Was dir gegeben, nimm dankbar an und mach was draus, oder – um es mit den Worten des großen Johann Wolfgang von goethe zu sagen: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“!

20 Rc premium 1/2023

HÄTTEN SIE´S GEWUSST?

Hätten Sie gewusst, … … dass der jemals am höchsten gemessene IQ 230 beträgt. dieser wurde von dem Mathematik-professor Terence Tao erzielt. Zum Vergleich: der durchschnittliche IQ liegt bei 100. ab einem IQ von 130 gelten sie als hochbegabt. Einen solch hohen Wert erreichen jedoch lediglich 2 % der Bevölkerung. Wiederum wird bei 15 % der Hochbegabten diese Besonderheit fälschlicherweise nicht erkannt, da schüler und schülerinnen auf ihre Hochbegabung durch geistesabwesenheit, aufsässigkeit oder anpassung im unterricht reagieren. folgen davon können eine schlechte schulische leistung aber auch soziale und emotionale probleme sein, die sich in negativen Verhaltensauffälligkeiten äußern. lediglich

bei solchen, die ein ignorantes Verhalten aufweisen, wird Hochbegabung in der Regel schnell erkannt.

Hätten Sie gewusst, … … dass das Wort Talent aus dem alten orient stammt und ursprünglich eine von den griechen und Römern verwendete Masseeinheit war. das attische Talent wog 36 kilogramm, das karthagische 27 kilogramm und das babylonische urtalent wurde als Maß für den Inhalt einer amphore verwendet. Im Matthäusevangelium übersetzte Martin luther „Talent“ mit „pfund“ und „Zentner“, wobei im 25. kapitel von durch gott übertragenen fähigkeiten die Rede ist. daraus entwickelte sich die heutige Bedeutung. die alte gebrauchsform findet in der

Redensart „sein Talent in die Waagschale werfen“ nach wie vor anwendung.

Hätten Sie gewusst, … … dass bestimmte gene ausschlaggebend für eine sportliche Begabung sind. Beispielsweise unterscheiden sich in ausdauersportarten die spitzensportler/-innen in sieben genen von ihren Mitstreiter/-innen. Nichtsdestotrotz sollten sportliche Begabungen entsprechend gefördert werden. so können auch weniger Begabte mit viel übung den Weg in den professionellen sport gehen.

Hätten Sie gewusst, … … dass Begabungen in unterschiedlichen Bereichen auftreten können. Es kann unterschieden werden in mathematisches, musikalisches, künstlerisches, sprachliches, sportliches und motorisches Talent sowie soziale Intelligenz. sind kinder in mehreren disziplinen begabt, so spricht man von einer Mehrfachbegabung. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist leonardo da Vinci, der nicht nur ein herausragender Maler war, sondern auch als Erfinder seine vielfältigen Talente unter Beweis stellte.

22 Rc premium 1/2023
Talent ist spezifische, Genie allgemeine Begabung.
georg Wilhelm friedrich Hegel

Hätten Sie gewusst, … … dass albert Einstein 1952 in einem Brief auf die frage, ob seine wissenschaftliche Begabung eine Erbschaft sei, schrieb: „Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“

Hätten Sie gewusst, … … dass es in der Begabtenforschung zwei unterschiedliche ansätze gibt. Hochbegabungsmodelle stellen dar, unter welchen Bedingungen (persönlich- und umweltbezogen) dieses potenzial eingelöst werden kann. ganz anders die Expertiseforschung: sie untersucht rückblickend, ausgehend von herausragenden leistungen, wie diese zustande kamen – mit der schlussfolgerung, dass übung im grunde alles sei.

dr. Tanja gabriele Baudson ist Hochbegabungs- und kreativitätsforscherin an der universität Trier und kommt zu dem Ergebnis, dass man beide ansätze braucht, um das phänomen Begabung zu verstehen. Zum einen zeigt die Expertiseforschung auf, wie wichtig es ist, über lange Zeit am Ball zu bleiben, wenn man in einem Bereich wirklich gut werden will. aber so ohne Weiteres wird man niemanden dazu bringen, sich über Jahre und Jahrzehnte mit etwas zu befassen, wozu die person weder Begabung noch Interesse mitbringt, was ihr also nichts gibt. Erfolgserlebnisse sind für die Motivationsentwicklung jedoch wichtig. In der Tat konnte die amerikanische study of Mathematically precocious Youth zeigen, dass frühe Begabungs- und Interessenprofile massiv dazu beitrugen, welche domäne sich die Jugendlichen letztlich aussuchten.

Hätten Sie gewusst, … … dass das savant-syndrom, auch „Inselbegabung“ genannt, eine Entwicklungsstörung bzw. eine kognitive Beeinträchtigung ist, bei der ein Mensch in einem speziellen Teilbereich eine außer-

gewöhnliche Begabung aufweisen kann.

Es wurde bewiesen, dass ca. 50 prozent der Menschen mit savant-syndrom autismus haben, die anderen 50 prozent eine neurologische Beeinträchtigung.

Bei etwa 70 prozent aller Menschen mit savant-syndrom liegt der Intelligenzquotient (IQ) unter 70, es gibt aber auch savants mit einem IQ über 140. Männer weisen das savant-syndrom vier- bis sechsmal häufiger auf als frauen.

Hätten Sie gewusst, … … dass bei den olympischen spielen in london 2012 Helen glover die erste goldmedaille für großbritannien im damenrudern erringen konnte. Vier Jahre zuvor war sie noch lehrerin und hatte nie einen fuß in ein Ruderboot gesetzt.

Hätten Sie gewusst, … … dass stipendien für Menschen mit besonderen Talenten gibt. Z. B. ist das Hilfsprojekt «Talents» ein stipendienprogramm, das die individuelle förderung talentierter Jugendlicher ermöglicht. unterstützt werden Jugendliche aus bedürftigen familien, zumeist Bauernfamilien. Je nach Talent und Neigung der Jugendlichen durchlaufen sie eine ausbildung an einer fachschule oder ein studium an einer universität. durchgeführt wird das projekt derzeit in drei Entwicklungsländern: Bangladesch, laos und kambodscha. Ziel ist es, dass ein Teil der Jugendlichen das erworbene fachwissen später in die Heimatregion zurückbringt.

Hätten Sie gewusst, … … dass auch stars verborgene außergewöhnliche Talente besitzen. pierce Brosnan sah 1969 bei einem Workshop einen feuerschlucker und beschloss, sich daran zu versuchen. Er zeigte genug Talent, dass er als feuerschlucker für drei Jahre von einem Zirkus engagiert wurde. sein Talent ebnete ihm den Weg für seine schauspielkarriere.

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KOMMENTAR

Gelassenheit im Umgang mit Stress –Begabung

und (oder) Training?

von dipl.-psych. peter fauser

Im Umgang mit Stress- und Drucksituationen verhalten sich Menschen sehr unterschiedlich: wir alle kennen Menschen, die schnell dünnhäutig oder gereizt reagieren und andere, die sich durch ein hohes Maß an Gelassenheit („Fels in der Brandung“) auszeichnen. Eine Ursache dafür könnten Persönlichkeitsmerkmale sein, die entweder dazu beitragen, in entsprechenden Situationen gelassen zu bleiben oder eben eher gestresst zu reagieren. Und tatsächlich sprechen wir von einem Naturtalent oder eben auch von Begabung, wenn wir Souveränität und Gelassenheit im Umgang mit Stress beobachten. Sicher unterscheiden sich Menschen in ihrer angeborenen „Grundausstattung“ (ihrem Charakter) im Umgang mit Stress, - das weiß jeder, der kleine Kinder in turbulenten Situationen beobachtet. Insofern ist dieser Erklärungsansatz sicher nicht ganz von der Hand zu weisen. Dies ist aber nur die eine Seite der Medaille.

auf der anderen seite gibt es vielfältige Möglichkeiten des mentalen lernens und Trainierens, um die eigene gelassenheit und souveränität im umgang mit stress zu verbessern. dabei machen wir uns die Eigenschaft der sog. Neuroplastizität unseres gehirns zunutze. dies ist die lebenslange fähigkeit des gehirns, seinen aufbau und seine funktionen so zu verändern, dass es optimal auf neue äußerliche Einflüsse und anforderungen reagieren kann. dabei werden beispielsweise neue Verbindungen zwischen einzelnen Nervenzellen (synapsen) gebildet.

früher dachte man noch, dass die gehirnentwicklung mit dem Erreichen der adoleszenz abgeschlossen sei und sich dann – außer dem alters-assoziierten abbau – nichts mehr tut. Heute wissen wir, dass sich das gehirn durch neue anforderungen, Training und lernen lebenslang verändern und weiter entwickeln kann.

Im Hinblick auf gelassenheit im umgang mit stress ist das achtsamkeitstraining ein sehr wirksamer mentaler Trainingsansatz.

Was ist und wie wirkt Achtsamkeit im Umgang mit Stress?

achtsamkeit ist eine form der bewussten aufmerksamkeit –“bemerken, was geschieht …”. sie lässt sich auch als waches gewahrsein oder gegenwärtigkeit umschreiben und kann sich auf all unsere Erfahrungen im gegenwärtigen Moment beziehen: sinneswahrnehmungen, gedanken (z. B. Bewertungen über sich selbst und andere), gefühle, Handlungsimpulse. achtsamkeit ermöglicht einen inneren abstand

gegenüber den eigenen gedanken und gefühlen sowie zu den damit verbundenen Reaktionen, die oft wie „automatisch” ablaufen. Man wird davon nicht mehr so vereinnahmt, ist darin einfach nicht mehr so sehr verstrickt. gerade in stresssituationen fördert dies unsere gelassenheit und eröffnet freiräume für neue, gesündere Verhaltensweisen.

In der Wissenschaft findet achtsamkeit als forschungsthema zunehmend mehr aufmerksamkeit. Bei personen, die achtsamkeit trainieren wurden z. B. folgende Veränderungen gefunden:

• Verbesserte selbstregulation, d. h. wir können unser Verhalten besser steuern und unangemessene Reflexreaktionen kontrollieren

• gesteigerte konzentrationsfähigkeit

• Erhöhte stressresistenz

• Bessere Regulation unserer Emotionen

• Verbesserung komplexer denkprozesse

dass Meditation als achtsamkeitstraining spuren im gehirn hinterlässt, ist mittlerweile gut belegt. sara lazar vom Massachusetts general Hospital in Boston berichtet beispielsweise wie sich das Training sogar in der Morphologie des gehirns niederschlägt. der Hirnscanner zeigte, dass es den Mandelkern schrumpfen lässt, eine struktur im gehirn, die unter anderem an der steuerung von angst beteiligt ist. Zugleich hatte die graue substanz in Bereichen des gehirns zugenommen, die zum Beispiel mit Mitgefühl assoziiert sind.

„das gehirn ist in der lage, sich zu verändern, und so wie wir eine neue sportart lernen, können wir auch fähigkeiten wie aufmerksamkeit oder Mitgefühl trainieren“, sagt Richard davidson, psychologe an der university of Wisconsin-Madison. „das ist kein Voodoo.“ (Quelle: www.sueddeutsche.de/wissen/meditation-spuren-im-kopf-1.2339128)

Vor dem Hintergrund dieser Befunde gilt: Begabung allein ist nicht entscheidend, lernen, Trainieren und üben machen auch für mehr gelassenheit im umgang mit stress den unterschied. und dafür kann ein bisschen Talent ja auch nicht schaden!

Der nächste Kurs „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ beginnt im Frühjahr 2023.

Infos & Anmeldemöglichkeiten finden Sie unter: www.zap-nussloch.de/kurse.html.

Fragen gerne unter: mail@fausercoaching.de

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25 Hörgeräte-Akustikmeister Georgi-Marktplatz 1 69181 Leimen Tel. 06224 829800 www.hoersysteme-vieth.de info@hoersysteme-vieth.de Hören erleben
Sander
Vieth Inhaber Hörsysteme Vieth
26 Rc premium 1/2023
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BUCH TIPP

Wie ist das Buch entstanden?

Ich hatte schon lange die Idee und den Wunsch, ein psychologisches fachbuch über meine Erfahrungen im profitennis zu schreiben. allerdings fiel es mir schwer, das über 20 Jahre im leistungssport gesammelte Wissen, die vielen Erlebnisse und die dabei entwickelten mentalen fähigkeiten zu strukturieren und ihnen einen roten faden zu geben. daher sollte es wohl so sein, dass stefan Brunner in der anfangsphase der corona-pandemie, als von einem Tag auf den anderen alles stillgelegt wurde, auf mich zukam und mich fragte, ob ich mir ein Buchprojekt mit ihm vorstellen könne. Er hatte einen meiner Vorträge gesehen und war von meiner art begeistert gewesen, authentisch aus der praxis des profisports zu erzählen. auch er – als promovierter sportwissenschaftler und Mentaltrainer –wollte schon länger ein Buch über sportpsychologische Herausforderungen schreiben, ihm hatte aber irgendwie der praxisnahe, aus dem leben eines profis gegriffene Input gefehlt. so ergänzten wir uns wunderbar und dieses Buch kam zustande.

Um was geht es und wer sollte es lesen?

das Buch ist für Menschen, die sich weiterentwickeln möchten und dafür bereit

sind, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Wir nehmen Tennis als ausgangspunkt, um allgegenwärtige, mentale Herausforderungen genauer unter die lupe zu nehmen, zu analysieren und lösungsmöglichkeiten abzuleiten. dabei kombinieren wir persönliche Erzählungen über meine Erfahrungen auf und neben dem Tennisplatz, das knowhow anderer profisportler und Experten aus den unterschiedlichsten Hochleistungsbereichen sowie wissenschaftliche Erkenntnisse.

die komplexen situationen, die es im profisport auf psychischer Ebene zu bewältigen gibt, finden sich auch in vielen anderen Bereichen wieder, in denen es um leistung geht – egal ob in der Musik, in der schule oder uni, im geschäftsleben oder in alltagssituationen.

Es geht dabei um fragen wie:

• Wie kann ich mit druck besser umgehen?

• Wie kann ich auf den punkt mein Bestes abrufen?

• Wie bekomme ich in entscheidenden Momenten meine gedanken und Emotionen in den griff?

• Wie kann ich mich täglich motivieren, mein Bestes zu geben und wie komme ich gegen Monotonie an?

• Wie kann ich nach persönlichen Rückschlägen wieder auf die Beine kommen, vielleicht sogar besser sein als vorher?

um eine auseinandersetzung mit diesen fragestellungen und einen optimalen umgang mit komplexen, mentalen Herausforderungen kommt keiner herum, der ambitioniert ist und besser in dem werden möchte, was er tut.

Wieso der Titel Wild Card?

Einen meiner größten Erfolge im Tennis, den sieg des porsche Tennis grand prix 2017 in stuttgart, konnte ich nur durch eine Wildcard des Veranstalters erreichen. Eine Wildcard im Tennis zu bekommen, bedeutet für mich, eine chance zu erhalten. Zeigen zu können, was in einem steckt. Eine solche chance wollen wir mit unserem Buch auch dem leser geben: unsere Inhalte sollen die Möglichkeit schaffen, seine eigenen potenziale zu erkennen, auszuschöpfen und sich als Mensch weiterzuentwickeln.

Wild Card: Herausforderungen mental meistern autoren: laura siegemund, stefan Brunner Herausgeber: Meyer & Meyer; 1. Edition Taschenbuch: 272 seiten IsBN-10: 3840378087 IsBN-13: 978-3840378089

GOLF-SCHNUPPERKURS JETZT GOLF AUSPROBIEREN! 19 € Weitere Informationen finden Sie in der Auslage im Racket Center oder unter www.gchl.de anzeige

Laura Siegemund, geboren am 04. März 1988 in Filderstadt bei Stuttgart. Seit dem 14. Lebensjahr ganzjährig weltweit auf Profiturnieren unterwegs. Abschluss des Abiturs und Studium der allgemeinen Psychologie an der Fernuniversität Hagen parallel zur Tenniskarriere. Das über Jahre andauernde Gefühl, hinter den eigenen Möglichkeiten zurückzubleiben, führte Mitte zwanzig zu Burnout und Neuausrichtung der beruflichen Ziele. Abschluss der Ausbildung zur DTB A-Trainerin und des Bachelorstudiums, Arbeit als Trainerin. Nach Auszeit unvorhergesehener Wiedereinstieg ins Profitennis. Abschluss des Psychologiestudiums und weitere Arbeit im psychologischen Bereich parallel zur (neuen) Tenniskarriere.

Weiterer Werdegang:

• Olympiateilnahme 2016 Rio

• Grand Slam-Sieg US Open Mixed 2016

• Sieg Einzel Porsche Grand Prix Stuttgart 2017

• Kreuzbandriss und 10-monatige Rehabilitation 2017

• Vorträge über psychologische Themen in Sport und Wirtschaft

• Viertelfinale Einzel French Open 2020

• Grand Slam-Sieg US Open Doppel 2020

• Olympiateilnahme 2021 Tokyo

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KUNDEN FEEDBACK

– Qualität – Qualität. Das sind die drei Erfolgsfaktoren eines Dienstleisters. Mehr denn je ist man dabei auf die Zuverlässigkeit von Lieferanten und Wartungsfirmen angewiesen. Wenn – um nur ein Beispiel zu nennen – die Firma, die viel Geld für einen Wartungsvertrag erhält, einfach nicht kommt, nicht tätig wird und ihrem Auftrag nicht vertragsgerecht nachkommt, sitzt man in der Kälte und wird über „Qualität“ nicht mehr weiter nachdenken. Das hat dann beinahe den Charakter eines „Unfalls“ –den Kunden interessiert das wenig. Und das ist absolut verständlich. Der erste Ansprechpartner für Servicemängel ist nun mal stets der Dienstleister selbst. Schließlich nimmt er auch gerne die positiven Rückmeldungen entgegen. Also: Was läuft gut, was nicht? Wo genau drückt beim Kunden der Schuh, was sind deren Erwartungen und worin liegt unsere Qualitätsverantwortung, damit

Qualität

keine Lücke bleibt zwischen Qualitätserwartung und Qualitäts-Erfüllung? Genau das wollen wir wissen. Nur ein zufriedener Kunde ist ein dauerhafter Kunde und wird zu einem Partner, denn: In Dienstleistungsunternehmen – insbesondere in der Art unseres Racket Centers sowie dem Zentrum Aktiver Prävention (ZAP) –erzeugen wir die Leistung nicht nur für, sondern gemeinsam mit dem Kunden.

damit die Qualität stimmt, sind unsere Tennis- und Badmintontrainer, gesundheitstrainer und -berater sowie Empfangskräfte täglich im auftrag unserer kunden in allen Bereichen unseres Hauses unterwegs. auf den spielfeldern, an den Empfängen und auf der Trainingsfläche in unserem Zap der enge austausch mit den Mitgliedern ist uns sehr wichtig. um die kundenmeinung zusätzlich auch systematisch zu erfragen, bedienen wir uns seit über einem Jahr einer

so genannten „Befragungsarchitektur“. Zielgruppengenau, veranstaltungsspezifisch und in definierter zeitlicher abfolge erhalten unsere kunden einen onlinefragebogen, so z. B. Neukunden im Zap drei Monate nach Trainingsbeginn, jeder Vortrags- und kursteilnehmer/in nach Veranstaltungsende, und einmal im Jahr alle Mitglieder insgesamt.

die Rückläufer werden statistisch ausgewertet und zusammen mit den Rückmeldungen auf unseren social mediakanälen, den google-Bewertungen und den Beschwerden, die uns per E-Mail oder über unserer „Rückmeldungsbox“ (vor den Eingängen zu den umkleiden im Zap) erreichen plausibilisiert – schließlich richten sich Qualitätsmaßnahmen nicht nach dem lautesten, sondern nach den plausibelsten und konstruktivsten Rückmeldungen!

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Wir wollen es wissen: Sind unsere Kunden zufrieden –und was ist zu tun …?
von patrick pfanne, Zap gesundheitstrainer und Berater

Die Befragungsergebnisse werden in Besprechungsrunden regelmäßig diskutiert. Gravierende Feedbacks werden unverzüglich in einer Lösung zugeführt. Interessant aber sind die zeitlichen Rhythmen und thematischen Kaskaden der Befragung – schließlich ist die Befragungsarchitektur ein System, das im Laufe der Zeit Tendenzen erkennen lässt. Die Konsequenz wiederum ist eine Aufforderung zur Reparatur oder Nachbesserung, manchmal ein Lieferantenwechsel, in jedem Falle das Tätigwerden des Facilitymanagements und die Schulung des Personals.

Besonders hilfreich dafür sind konkrete, einzelne Anmerkungen, die wir zum Anlass nehmen, Verbesserungsvorschläge persönlich zu erörtern – vorausgesetzt, der Antwortende gibt sich zu erkennen, denn: die Anonymität der Rückmeldungen ist stets gewährleistet und ein wichtiger Faktor für die Vertrauenswürdigkeit unserer Befragungen.

Was sich zeigt, ist, dass Sauberkeit und Funktionsfähigkeit von Räumen und Geräten, klimatische Raumbedingungen sowie Service- und Betreuungsqualität die Qualitätskriterien Nummer eins sind. Eine Rücklaufquote von knapp 25 Prozent der Befragungsteilnehmer, die seit dem Jahr 2021 Mitglied im ZAP geworden sind, offenbaren einen überwiegend positiven Blick auf unsere Leistungsqualität – und gleichzeitig hilfreiche An-

sätze für Verbesserungen für kommende Zeiten.

Wir danken recht herzlich allen bisher Teilnehmenden für Ihr Feedback. Gleichzeitig bitten wir diejenigen, die uns noch keine Rückmeldung in einer der aktuell durchgeführten Befragungen gegeben hat, uns Ihre Meinung mitzuteilen. Auf diese Weise schaffen wir es gemeinsam unsere Leistungen zu verbessern. Alle Neumitglieder aus dem Jahr 2022 dürfen sich zudem über Einladungen

zu einer weiteren Befragung im Zuge der Masterarbeit von mir freuen. Untersucht werden hierbei Unterschiede einer quantitativen, sprich in unserem Falle Online-Befragung, mit qualitativen Methoden. Hierzu werden sie, liebe Neumitglieder, im Frühjahr 2023 zu Interviews ins ZAP eingeladen.

Bei Interesse oder weiteren Fragen zu dieser Studie melden Sie sich gerne per E-Mail unter pfanne@zap-nussloch.de. WIR DRUCKEN

Tel.: 06222/93554-0 Fax: 06222/93554-40 Mail: info@msp-team.de

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Stadtwerke Heidelberg unterstützen Kundinnen und Kunden mit vielen Angeboten beim Energiesparen

Die Energiekrise ist Top-Thema. Die gute Nachricht: Alle können einen Beitrag leisten, um die Situation zu meistern – durch Energiesparen. Jede Kilowattstunde weniger hil , die Situation auf den Energiemärkten zu entspannen. Die Stadtwerke Heidelberg unterstützen ihre Kundinnen und Kunden dabei mit vielen Angeboten.

Dort ansetzen, wo es sich wirklich lohnt Anfang September haben die Stadtwerke Heidelberg mit der Stadt und der KLiBA eine Energiespar-Kampagne herausgebracht. Ihr Titel: #damitsfürallereicht. Statt mit erhobenem Zeige nger kommt sie mit einem Like-Daumen daher. Daraus flackert eine Gasflamme. Claims wie «Daniela duscht jetzt mit Deniz» haben manches Humor-Gen auf die Probe gestellt. «Was wir erreichen wollten, haben wir erreicht», sagt EnergieGeschä sführer Michael Teigeler. «Wir haben Aufmerksamkeit erzielt und zum Sparen motiviert.» Das Thema Energiesparen ist tatsächlich bei vielen Menschen angekommen: Der Gasverbrauch in Heidelberg sank im September um 20 Prozent gegenüber 2021 – bei vergleichbaren Temperaturen. Im Oktober lag er sogar 45 Prozent niedriger, allerdings war es rund 3,5 Grad wärmer. «Nun wird sich zeigen, wie es weitergeht», sagt Michael Teigeler. «Denn trotz Preisbremsen bleibt es wichtig, Energie zu sparen.»

Die Stadtwerke Heidelberg bieten dabei breite Unterstützung: Auf ihrer Homepage geben sie Anleitungen, wie man einen Überblick über die Energiesituation im eigenen Haushalt gewinnt. Denn Energiespartipps gibt es wie Sand am Meer, aber Sinn macht Sparen vor allem da, wo es größere Sparpotenziale gibt oder wo man mit wenig Aufwand gute E ekte erzielt. Genau darauf haben die Stadtwerke Heidelberg Wert gelegt: In übersichtlichen Tabellen zeigen sie, welche Maßnahme wieviel Energie und Kosten sparen. Und im ENERGIEsparhaus kann man spielerisch Tipps entdecken. Einfach einmal umschauen!

Mehr zu zum Thema Energiesparen nden Sie unter: www.swhd.de/jetztenergiesparen

Sie wollen zusätzlich noch den Klimaschutz vorantreiben? Dann werfen Sie einen Blick auf die Energiespar-Angebote der Stadtwerke Heidelberg: www.swhd.de/energiesparen

DAS ENERGIESPARHAUS

Virtuelle Entdeckungstour im ENERGIEsparhaus Möchten Sie spielerisch entdecken, wo und wie Sie leicht Energie sparen können? Dann schauen Sie einmal im ENERGIEsparhaus vorbei.

Die Ideen reichen von einfachen Maßnahmen ohne Investitionen bis hin zu Sanierungsmaßnahmen für Haus- bzw. Wohnungsbesitzer. Zu allen Tipps erfahren Sie, wieviel Sie damit sparen und erhalten weitere hilfreiche Infos dazu. Und Sie können zwischen vier Musterwohnungen wählen: einem älteren und einem neuen Einfamilienhaus sowie je einer Single- und einer Familienwohnung in einem Mehrfamilienhaus –suchen Sie sich Ihre Wohnform aus. www.swhd.de/energiesparhaus

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Ulli stellt auf Umlu um. Umsichtig, Ulli.

Umluft im Backofen spart 20 Prozent der Energiekosten im Gegensatz zu Ober- und Unterhitze. Energie sparen, Geld sparen, Klima schonen.

Energiesparen mit Stil: Hoodie-Design-Wettbewerb Energiesparen zahlt sich mehr aus denn je. Und vor allem: Jeder und jede Einzelne kann so einen Beitrag leisten, um die Energiesituation zu entspannen. Also: Tut was für euch und für alle anderen! Wie? Ganz einfach: einen warmen Hoodie drüber und die Heizung runter. Jedes Grad weniger spart rund sechs Prozent Heizenergie. Das kann richtig Spaß machen. Zum Beispiel mit einem stylischen selbstdesignten Hoodie. Setz also ein modisches Statement und schick uns deinen Entwurf für einen Heidel-Hoodie. Als Zeichen, dass du ein Teil der Lösung bist und etwas für alle tust.

Mit etwas Glück wird dein selbstgestalteter Heidel-Hoodie in kleiner Auflage produziert. Mehr Informationen zum Wettbewerb unter: www.swhd.de/heidel-hoodie

www.heidelberg.de/energie #damitsfürallereicht Eine Kampagne der Stadt Heidelberg, der Stadtwerke Heidelberg und der KLiBA Heidelberg.

Gesundheit & Fitness KURZ NOTIERT ...

Umzug mit der Familie und Neuanfang

Ende Oktober 2022 habe ich das ZAP und Nußloch verlassen. Der Abschied fiel und fällt mir noch immer nicht leicht. In großer Dankbarkeit blicke ich zurück auf tolle Stunden, Tage und Jahre gemeinsamer Projekte und vor allem auf die sehr bereichernden Trainingsstunden auf unserer ZAP Trainingsfläche, gemeinsam mit den mir anvertrauten Gästen und Patienten in unserem Hause.

Gerade das gemeinsame Training in Zusammenarbeit mit unserer ZAP Physiotherapie war für mich eine wundervolle Erfahrung, die große Motivation und Antrieb war und mir selbst auch sehr viel Energie gegeben hat.

Besonders dankbar bin ich für die weiterführende Ausbildung zum „Lehrer für Prävention und Gesundheitsförderung“ sowie zum Gesundheitscoach, die mir durch das ZAP ermöglicht wurde und meiner Tätigkeit als Gesundheitstrainer den gefestigten Hintergrund geben.

Die Zeit im ZAP hat bei mir sehr viele positive Spuren hinterlassen und dafür bedanke ich mich bei euch allen, den Mitgliedern und meinen lieben Kollegen und Kolleginnen herzlich.

Bleibt bitte alle gesund und fit. … denn, mir selbst hat der Sport immer „aus der Patsche“ geholfen.

Euer Andreas „Andi“ Scheibe

ZAP Individualleistungen –Mit persönlicher Begleitung zu mehr Lebensqualität

Wenn Sie Ihre persönliche Lebensund Gesundheitssituation vor die Herausforderung stellt, sich von Experten begleiten zu lassen, bietet sich Ihnen im Zentrum Aktiver Prävention (ZAP) ein Spektrum an Trainings- und Coachingangeboten, Tests & Checks sowie verschiedene Präventionskurse.

All dies lässt sich individuell auf Ihre Situation, Ihre Bedürfnisse und Ihre Ziele zuschneiden. Für Institutionen (Firma, Praxis, Schule, Kommune) ermöglicht Ihnen das ZAP spezifisch angepasste Konzepte der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Bei Fragen wenden Sie sich an ZAP Bereichsleiterin Daniela Völker (voelker@zap-nussloch.de).

Durch das Scannen des QR-Codes erhalten Sie detaillierte Informationen.

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EXPERTEN RAT

Kennen Sie das? Sie sind eigentlich ein aktiver und bewegungsfreudiger Mensch. Aber seit Monaten ist bereits kürzeres Stehen, ohne sich anzulehnen, Gift. Das Kreuz tut weh. Unterhaltungen mit zufällig getroffenen Nachbarn, Bekannten und Freunden werden auf das Nötigste gekürzt. Berufliche Gespräche (Messestand, Kundenberatung etc. im Stehen) verursachen Ängste vor dem Schmerz. Laufen ist ein Graus, wenn keine Sitzmöglichkeiten vorhanden sind. Sie können nicht mehr so weit laufen. Manchmal kribbelt es auch in den Füßen. Sie verspüren unter Belastung ziehende Schmerzen aus dem Gesäß in die Beine und die fühlen sich schwer und müde an. Es begann eher schleichend ohne ein besonderes Ereignis. Die Symptome wollen nicht aufhören, sondern werden immer schlimmer.

Sie haben selbst schon versucht, dagegen anzugehen. Sie haben sich zum Sport angemeldet oder diesen intensiviert, sind schwimmen gegangen, haben Gymnastik gemacht, teils selbstständig, teils ärztlich verordnet. Sie haben bereits Schmerzmittel genommen. Alles das hat zu keiner nachhaltigen Verbesserung geführt. Die Mobilität und Schmerzen schränken Sie ein. Die Lebensqualität ist dahin!

Grund dafür ist oft eine Enge des Rückenmarkkanals (Spinalkanalstenose) oder der Nervenaustrittslöcher (Neuroforamenstenose). Sie sind Folge von Verschleiß mit Höhenverlust der Bandscheiben (Osteochondrose) und Arthrose

Abb. 1: Das EOS-Imaging-System®, wie es in unserem Zentrum im Einsatz ist.

der Wirbelgelenke (Facettenarthrose). Auch kann eine verschleißbedingte Gefügelockerung zwischen den Wirbeln mit horizontaler Instabilität auftreten. Das nennt man Wirbelgleiten (Spondylolisthese). Aus diesen Veränderungen entsteht ein Missverhältnis zwischen

dem Raumbedarf der Nerven im Rückenmarkkanal und in dem Raumangebot des knöchernen Rückenmarkskanals, das schließlich dekompensiert und zu den oben genannten Beschwerden und Schmerzen führt.

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Wenn der Rücken schmerzt und die Beine nicht mehr tragen – Therapieoptionen des engen Rückenmarkkanals (Spinalstenose) von Dr. med. Bernd Wiedenhöfer

Therapeutisch kann ohne neurologische Auffälligkeiten wie z. B. Muskelschwächen die konservative Therapie durch eine selektive Schmerztherapie mit gezielten Injektionen intensiviert werden. Hier stehen CT-gesteuerte Infiltrationen der Facettengelenke bei Arthrose oder Spondylolisthese zur Rückenschmerzbehandlung zur Verfügung. In gleicher Technik kann eine thermische Verödung der Wirbelgelenke erfolgen. Überwiegend weichteilige Engen des Rückenmarkkanals oder der Nervenaustrittslöcher können mit sakralen Umflutungen des Spinalkanals oder gezielten Nervenwurzel nahen Infiltrationen behandelt werden. Der Nachteil der Therapien ist, dass sie rein symptomatisch sind und keine Behandlung der Wurzel der Beeinträchtigung darstellen. Der wesentliche Vorteil ist, dass sie ambulant, minimalst invasiv, komplikationsarm, bewegungserhaltend und wiederholbar sind und die meisten Patienten davon profitieren.

Wenn auch diese Maßnahmen keine nachhaltige Besserung erzielen und die zugrunde liegende Bildgebung die beklagten Beschwerden erklärt, besteht die

klare Indikation zur Operation. Oft hört man, dass geraten wurde, Operationen zu vermeiden, solange keine neurologischen Probleme vorlägen. Das ist definitiv falsch! Sind strukturell neurologische Beeinträchtigungen einmal vorhanden, kann keine, auch keine operative Therapie garantieren, verlorene Funktionen wiederherzustellen. Operativ kann bereits eine minimal invasive bewegungserhaltende Erweiterung des Wirbelka-

nals ausreichen. Es kann allerdings auch eine Wiederherstellung der natürlichen Ausrichtung der Wirbelsäule mit Stabilisierung nötig sein. Die Therapieentscheidung orientiert sich an klinischen Untersuchungsergebnissen, der Bildgebung und im Besonderen den beklagten Symptomen. Z. B. ist ein in die Beine ausstrahlender Gesäßschmerz typisch für die Spinalstenose. Wird kein Rückenschmerz nahe den Dornfortsätzen beklagt, sind Verschleißveränderungen der Gelenke nachrangig. Durch eine minimal invasive Erweiterung des Spinalkanals kann das Problem der Stenose gelöst werden. Sind aber relevante Schmerzen im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule vorhanden, die gerne als Gefühl, in der Mitte durchzubrechen, beschrieben werden, ist diese Operation nicht ausreichend. Sie kann nur die Beinschmerzen und die Gehstrecke verbessern, nicht aber den Rückenschmerz. Ursächlich dafür sind Arthrose und ggf. Gefügelockerung der Wirbelgelenke. Deshalb ist die ergänzende Stabilisierung erforderlich. Vor dieser auch Versteifung genannten Operation besteht oft Zurückhaltung bis Angst trotz der guten Ergebnisse.

Abb. 2: Patient mit einem ausgeprägten Verschleiß der Lendenwirbelsäule.

(A) Das EOS zeigt ein Wirbelgleiten zwischen L4 und L5 (gelber Pfeil). Die Bandscheiben haben weitgehend ihre Trapezform verloren.

Das MRT (B) objektiviert eine sehr starke Einengung des Rückenmarkkanals (blaue Fläche = Restweite des Kanals, bedingt durch knöcherne und weichteilige Gewebeverdickungen (rote Flächen) sowie eine massive Arthrose der Wirbelgelenke (blaue Pfeile).

Postoperativ (C) ist das Wirbelgleiten korrigiert und die Bandscheibenfächer sind in ihrer Höhe und Ausrichtung wieder hergestellt. Die natürliche Beckenkippung ist wieder verbessert (gelber Winkel ist vergrößert). Der Rückenmarkkanal ist perfekt erweitert (blaue Fläche).

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Gründliche Planung ist nicht zuletzt deshalb zentraler Ansatz der Behandlung unseres Zentrums für Wirbelsäulenchirurgie „Die Wirbelsäule – Dr. Wiedenhöfer & Kollegen“. Die Planung umfasst drei wesentliche Instrumente. Neben einer ausführlichen klinischen Befunderhebung, für die wir viel Zeit verwenden, ist der Einsatz hoch informativer Bildgebung für uns unverzichtbar. Diese besteht bei uns zum Einen aus dem EOSImaging (Abb. 1), einer bis zu 90 Prozent Röntgenstrahlung einsparenden, Nobelpreis prämierten Röntgentechnik. Diese höchstmoderne Diagnostik ist bisher erst an wenigen Standorten in ganz Deutschland verfügbar, bietet aber einen erheblichen diagnostischen Mehrwert. Neben der genauen Darstellung der aktuellen Körperstatik im Stehen kann mit dieser Technik eine Modellierung der Wirbelsäule erfolgen (Abb. 2), die zur Simulation der Korrektur und der Auswirkung auf Nachbarsegmente der Wirbelsäule und angrenzende Gelenke, speziell der Hüfte, genutzt werden kann.

Zum Anderen erfolgt durch die MRTDiagnostik eine sorgfältige Darstellung der Knochen und Weichteile im und um den Wirbelkanal. Verengungen und andere Verschleißveränderungen können perfekt dargestellt werden. Mit diesem Dreiklang aus sorgfältiger klinischer Diagnostik, MRT und EOS kann eine genaue Planung der Operation erfolgen. Es kann klar festgestellt werden, ob eine versteifende Korrektur notwendig ist und wenn ja, wie und in welchem Ausmaß. So sind zuverlässig postoperative Ergebnisse vorherzusagen, die zu sehr zufriedenen Patienten führen.

Die Operation ist aber nur ein Teil der Therapie und Rehabilitation. Egal ob bewegungserhaltend oder versteifend, repräsentiert sie den ersten Schritt der Rehabilitation. Ziel ist es, Patienten durch die Therapie so schnell wie möglich in den gewünschten Alltag zurückzubringen. Deshalb fokussieren wir operativ auf die Minimalisierung des Zugangstraumas und kombinieren das mit modernster Technik wie MikroskopEinsatz und computergestützter drei-dimensionaler Navigation. So können wir mit der Brainlab-Navigation®, einem der führenden Navigationssysteme (Abb. 3),

Abb. 3: Einsatz der Brainlab-Navigation® in unserem OP. Sie besteht aus speziellen stern- bzw. ringförmigen Navigationsmarkern, die zur stetigen Überprüfung als Referenz dienen (A).

Der 3D Bildwandler, stellt in CT äquivalenter Bildqualität die Daten zur Planung, Navigation und Kontrolle zur Verfügung (B).

Durch die Kamera (C) können Datensatz und Marker stetig in ihrer Position abgeglichen werden und bieten so eine exakte Grundlage zur Positionierung der Implantate.

stabilisierende Eingriffe höchst exakt entsprechend der Planung durchführen. Die beschriebenen Therapiemaßnahmen führen zuverlässig zu einer zügigen postoperativen Mobilisation, teilweise bereits am Operationstag. Das führt postoperativ zu schnellerem Vertrauen in den eigenen Körper. Folglich verringern sich stationäre Aufenthalte. Die Wiedereingliederung in den häuslichen und beruflichen Alltag wird beschleunigt.

Zusammenfassend besteht bei konservativ nicht therapierbaren Spinalkanalstenosen die Indikation zur operativen Therapie. Abhängig von der begleitenden Symptomatik und den erhobenen Befunden wird entschieden, ob bewegungserhaltend oder stabilisierend operiert

wird. Bei einer isolierten Spinalstenose kann ausschließlich erweiternd und bewegungserhaltend operiert werden. Bei zusätzlich symptomatischer Facettenarthrose oder Spondylolisthese muss ergänzend rekonstruktiv stabilisiert werden. Es ist unabdingbar, die Therapie genau zu planen. Radiologische Bildgebung wie EOS und MRT sind neben der ausführlichen klinischen Untersuchung unverzichtbare diagnostische Planungsinstrumente. Schonende OP-Verfahren und modernste technische Voraussetzungen wie Navigation und der Einsatz des OP-Mikroskops unterstützen die genaue Umsetzung der Planung und schaffen damit die Grundlage einer zügigen Rehabilitation und Patientenzufriedenheit.

T: 06221 983 2525

F: 06221 983 2520

E-Mail: wirbelsaeule-hd@atos.de

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Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie an der ATOS Klinik Heidelberg Dr. Wiedenhöfer & Kollegen Bismarck Straße 9-15 69115 Heidelberg

Ich ruf’ da jetzt mal an.

In Zeiten, in denen man über die wirklich wichtigen Dinge nachdenkt: Wir informieren Sie gerne über das Leben in unserer Augustinum Seniorenresidenz. Augustinum – Sie entscheiden.

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THERAPEUTEN RAT

Aktiv mit Rückenschmerzen

Rückenschmerzen

gelten als weltweit führende Ursache für Krankheitstage in der Bevölkerung. Entgegen der verbreiteten Behauptung, dass Rückenschmerzen vermehrt ab dem 50. Lebensalter auftreten, gibt es immer mehr Betroffene im jüngerem Alter. Ungeachtet des Alters können Rückenschmerzen zwar die Lebensqualität stark beeinträchtigen, sind aber in dem meisten Fällen vorübergehend und nicht bedrohlich. Dass Sie aber trotz Schmerzen ihre Aktivität beibehalten sollten, ist wohl die wichtigste Aussage dieses Artikels.

Beschwerden im Rücken gehen oft auf mehrere Ursachen und Risikofaktoren zurück. Dabei spielen nicht nur Alterungsprozesse in der Wirbelsäule, die sich beispielsweise in Einem Elastizitätsverlust der Bandscheiben und Höhenminderung zwischen den Wirbeln äußern eine Rolle, auch die Genetik, der Lebensstil, bei dem unausgewogene Ernährung und Inaktivität als Risikofaktoren gelten, Vorverletzungen oder auch Stress können eine Entstehung begünstigen.

In den meisten Fällen klingen die Schmerzen nach vier bis sechs Wochen wieder ab. Ist dies aber nicht der Fall, können verschiedene Faktoren dafür verantwortlich sein: Zum einen können, wie oben genannt, physische Faktoren, eine unzureichend körperliche Aktivität oder schwere körperliche Belastungen den Heilungsprozess negativ beeinflussen und verzögern. Zum Anderen können psychologische Faktoren wie die Angst vor Bewegung oder eine Depression die Schmerzwahrnehmung deutlich erhöhen.

Oft können bei Betroffenen bestimmte Bewegung mit Schmerzen assoziiert werden, was zu einer Angst vor der Bewegung führen kann. Dadurch kann ein „Teufelskreis“Phänomen entstehen. In diesem Fall wird durch den Schmerz und die damit verbundene Angst die Bewegung vermieden und wiederum durch die geringe körperliche Aktivität die Schmerzintensität gesteigert.

Primäre Behandlungsmethoden gegen Rückenschmerzen sind Physiotherapie und begleitetes, gesundheitsorientiertes Muskeltraining. Durch die Kräftigung der Muskulatur werden unter anderem körpereigene Stoffe wie Endorphine ausgeschüttet, die dazu beitragen Schmerz zu reduzieren. Außerdem bewirkt das Training ebenfalls eine Verbesserung der Muskelfunktion sowie des Bewegungsausmaßes. Zudem kommt es zu einer verbesserten Körperwahrnehmung. Betroffenen fällt es dadurch leichter eine bessere Haltung des Rückens bei Alltagsbelastungen einzunehmen. Zusätzlich können durch die Behandlung und eine angepasste Trainingsbelastung die Gelenke jung gehalten werden, da der Knorpel mit mehr Nährstoffen versorgt wird.

Ein weiterer Effekt ist die Anregung des Stoffwechsels und die Verbrennung von Fettreserven während der Belastung. Da ein höherer Muskelanteil auch nach dem Training vermehrt Energie verbraucht, um beispielweise frei gewordene Schadstoffe abzutransportieren, erhöht sich bei regelmäßiger Belastung auch der Grundumsatz und der Körper benötigt auch in Ruhe mehr Energie. Außerdem führt das Training zu einer Verbesserung des Herz-Kreislaufsystems, indem sowohl das Herz mittrainiert wird und sich seine Belastbarkeit erhöht als auch eine Optimierung der Versorgung von Venen und Arterien stattfindet.

Die hier aufgeführten Aspekte zeigen wie vielfältig und vor allem positiv sich Aktivität und Training auf den Körper und seine Funktionen auswirken. Sie können auch schon direkt Zuhause anfangen ihren Rücken wieder in Bewegung zu bringen. Die unten gezeigten Übungen führen Sie am besten 15 bis 20-mal durch und das in 3 Sätzen hintereinander. Dabei sollte die Bewegung schmerzlindernd wirken beziehungsweise keinen Schmerz verstärken.

Mobilisationsübung: Katze-Kuh

Im Vierfüßler-Stand die Hände auf Schulterhöhe und die Knie auf Hüfthöhe aufstellen. Zuerst gehen Sie mit Ihrem Rücken in ein Hohlkreuz und der Kopf wird nach oben gestreckt, dabei tief einatmen.

Dann wird der Rücken rund gemacht und der Kopf geht mit der Ausatmung nach unten. Diesen Bewegungsablauf ca. 15 bis 20-mal wiederholen in 3 Sätzen.

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Kräftigungsübung: Knie-Ellbogen

Diese Übung startet auch im Vierfüßler-Stand. Strecken Sie einen Arm und das jeweils diagonale Bein nach vorne bzw. nach hinten aus. Achten Sie darauf, dass genug Rumpfspannung gehalten wird und der Rücken nicht „durchhängt“!

Kräftigungsübung: Brücke

Bei dieser Übung wird zusätzlich die Beinrückseite mittrainiert! In Rückenlage die Beine angewinkelt ungefähr in hüftbreiter Position aufstellen. Die Arme liegen entspannt neben dem Oberkörper auf der Unterlage auf.

Knie und Ellbogen werden auf Bauchhöhe zusammengeführt und danach wieder in die Anfangsposition ausgestreckt. Die Bewegung pro Seite 15 bis 20-mal wiederholen in 3 Sätzen.

Heben Sie Ihr Gesäß so weit nach oben an wie möglich, halten diese Position kurz und senken das Gesäß dann wieder langsam bis kurz vor der Unterlage ab. Auch diese Übung 15 bis 20-mal wiederholen in 3 Sätzen.

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EXPERTEN RAT

von

Von einer seltenen Erkrankung (SE) wird gesprochen, wenn weniger als 1 pro 2.000 Einwohnerinnen und Einwohner betroffen sind. Die Gruppe der SE umfasst eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Krankheiten, die häufig ein komplexes Krankheitsbild aufweisen und nicht nur ein Organ betreffen.

Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Prävalenz aller SE in der Bevölkerung bei 3,5 bis 5 Prozent liegt. Bisher sind ca. 6.000 verschiedene SE bekannt. Über 80 Prozent der SE können sich bereits im Kindesalter manifestieren und bei 75 Prozent geht man von einer genetischen Ursache aus. Naturgemäß ist der Bekanntheitsgrad der einzelnen SE auch unter Ärzten gering, zumal eine Diagnosefindung häufig durch ein sehr heterogenes Krankheitsbild erschwert wird.

Viele Patientinnen und Patienten mit einer SE durchlaufen daher jahrelange Odysseen von Arzt zu Arzt, bis die korrekte Diagnose gestellt wird. Um Diagnostik und Versorgung dieser Patientinnen und Patienten zu verbessern, empfahl das Nationale Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE) die Gründung von Zentren für Seltene Erkrankungen (ZSE).

In Heidelberg wurde das Zentrum für Seltene Erkrankungen im April 2011 unter der Leitung von Prof. Dr. Georg F. Hoffmann und der Schirmherrschaft von Frau Eva Luise Köhler gegründet. Dies dient als Anlaufstelle für Patienten, Angehörige und Ärzte und koordiniert eine interdisziplinäre Diagnosestellung und

Versorgung. Im Rahmen des Innovationsfonds-Verbundprojektes TRANSLATENAMSE sollte die Leistungsfähigkeit der ZSE in Deutschland in Bezug auf die Diagnosestellung bei Patientinnen und Patienten mit dem Verdacht auf eine SE untersucht werden. Ergebnisse von interdisziplinären Fallkonferenzen und Einsatz umfassender genetischer Untersuchungen (Exomsequenzierung) wurden in einer prospektiven multizentrischen Beobachtungsstudie untersucht.

An zehn ZSE wurden insgesamt 5.652 Patientinnen und Patienten (3.619 < 18 Jahre; 2.033 ≥ 18 Jahre) ohne eindeutige SE-Diagnose in das Projekt eingeschlossen. Im Mittel waren die unter 18-Jährigen

seit 4,5 Jahren und die Erwachsenen seit 8,2 Jahren symptomatisch – ohne in der Regelversorgung eine Diagnose erhalten zu haben. Im Projektverlauf (2017 bis 2020) wurde bei 1.682 Patientinnen und Patienten (30 Prozent) eine definitive Diagnose gestellt: in 1.401 Fällen eine SE (1.088 < 18 Jahre; 313 ≥ 18 Jahre). Insgesamt erfolgten 1.599 Exomuntersuchungen mit 506 (32 Prozent) definitiven genetischen Diagnosen (415 < 18 Jahre; 91 ≥ 18 Jahre). Anhand von PatientenFragebögen konnte gezeigt werden, dass unabhängig vom Alter der Betroffenen, die Mehrheit bei gestellter Diagnose zu 78 Prozent zufrieden war, bei Patienten ohne definitive Diagnose waren es 69 Prozent.

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Beenden der diagnostischen Odyssee bei seltenen Erkrankungen – Was bringt die genetische Diagnostik für die Zukunft?
Prof. Dr. med. Christian Schaaf und PD Dr. med. Daniela Choukair

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat aufgrund dieser Ergebnisse empfohlen die erprobten Maßnahmen in die Regelversorgung zu überführen. Im Rahmen des Vertrages zur Besonderen Versorgung nach § 140a SGB V finanzieren bestimmte Krankenkassen die Durchführung von multidisziplinären Fallkonferenzen und die Exomdiagnostik. Allerdings bleiben auch nach durchgeführter innovativer Diagnostik noch zwei Drittel der Patienten ohne Diagnose und eine regelmäßige Aufarbeitung dieser Fälle ist erforderlich. Dafür wurde am Standort Heidelberg ein Register für Menschen mit ungeklärter Diagnose (RoUnD) etabliert, welches überregional ausgebaut werden und darin nach Patientinnen und Patienten mit ähnlichem Krankheitsbild oder genetischen Varianten gesucht werden kann.

Für ca. 95 Prozent der SE stehen bisher noch keine Therapien zur Verfügung. Daher ist in den meisten Fällen nach Diagnosestellung eine Heilung noch nicht in Sicht. Trotzdem ist für die Betroffenen und ihre Familien die Diagnosestellung eine große Erleichterung und stellt eine psychische Entlastung dar. Die

Ungewissheit ist beendet und sie stehen nicht mehr alleine da. Es gibt Ansprechpartner, die bei Fragen Auskunft geben können. Die Kenntnis der Diagnose hilft bei der Einschätzung der Krankheitsprognose. Auf Wunsch kann Kontakt zu anderen Betroffenen vermittelt werden, mit denen man sich vernetzen, austauschen und gegenseitig Kraft geben kann. Die Betroffenen und ihre Familien können dazu beitragen, dass die Erkrankung bekannt gemacht und die Forschung vorangetrieben wird.

Doch wo geht die Reise hin? Können genetisch bedingte Erkrankungen auch schon vor Ausbruch der Krankheitssymptome als solche erkannt werden?

Das würde ein früheres therapeutisches Eingreifen ermöglichen und könnte den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Im Rahmen des Neugeborenenscreenings werden Kinder auf manche dieser Krankheiten untersucht. Derzeit umfasst das Screening in Deutschland 19 solcher Erkrankungen. Neueste genetische Methoden würden die Untersuchung auf hunderte bis tausende von Erkrankun-

gen gestatten, doch das hätte weitreichende Auswirkungen auf Kind, Familie und Gesellschaft. Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts untersucht seit dem 1. Oktober 2022 ein Team der Universitäten Heidelberg und Mannheim unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Dr. Eva Winkler die ethischen, rechtlichen und psychologischen Implikationen eines möglichen genomischen Neugeborenenscreenings. Die Untersuchungen werden von einem international besetzten Gremium von Experten und Patientenvertretern begleitet.

Eine diagnostische Versorgung mittels interdisziplinären Fallkonferenzen und der Möglichkeit einer Exomdiagnostik kann für Menschen mit SE, die in der Regelversorgung keine definitive Diagnose erhalten, sinnvoll sein. Eine systematische Erfassung dieser Patientinnen und Patienten im Rahmen eines Registers sollte ihnen angeboten werden. Über den flächendeckenden Einsatz eines genetischen Screenings muss sorgfältig unter Berücksichtigung medizinischer, rechtlicher und ethischer Aspekte abgewogen werden.

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EXPERTEN RAT

Verletzungen

Die Rotatorenmanschette ist die zentrale Kraft- und Steuerungseinheit der Schulter. Sie wird aus vier Muskeln und den dazugehörigen Sehnen gebildet. Die Supraspinatussehne ist am häufigsten von Schädigungen betroffen. Die Schädigung kann z. B. durch einen Unfall, durch mechanische Konfliktsituationen oder durch Sehnendegeneration bedingt sein. In vielen Fällen liegt eine Kombination mehrerer Ursachen vor. Sehnenschädigungen (egal ob an der Schulter oder anderen Körperregionen) können niemals von selbst vollständig ausheilen, da sie immer von ihrem Muskel weggezogen werden und so nicht wieder anwachsen können. Im Gegenteil zeigt sich bei mechanisch instabilen größeren Rotatorenmanschettenverletzungen im Zeitverlauf eine Zunahme der Rissgröße.

Was tun?

Nur durch eine Operation kann die Sehne wieder befestigt werden. Die Entscheidung allerdings, ob eine Reparatur notwendig ist, hängt vom Ausmaß des Schadens, von den derzeitigen Beschwerden, dem individuellen Anspruch des Patienten, dem Patientenalter und der Heilungsprognose ab.

Konservative Therapie

Als Grundlage für eine Therapieempfehlung ist eine präzise Diagnostik maßgeblich. Bei der Bewertung der Bildgebung (meist MRT-Aufnahmen) wird das Ausmaß der Schädigung der Sehne, die Muskelqualität und die Sehnenqualität sowie Begleitproblematiken beurteilt.

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Wenn die Schulter schmerzt!
MRT Aufnahmen einer Supraspinatussehnen Ruptur Dr. Michael Koch, Orthopäde und Unfallchirurg

Eine langfristige ärztliche/physiotherapeutische Betreuung ist auch deshalb wichtig, weil die Verletzung konservativ nie ausheilt und so unter Umständen auch zu einem späteren Zeitpunkt eine Anpassung des Therapiekonzepts erfolgen muss. Bei vielen Patienten besteht aber von Beginn an die Indikation zur Operation. Hier sind eine klare Indikationsbesprechung, eine optimale operative Versorgung und eine umfassende Begleitung und Steuerung der Nachbehandlung eminent.

Patientenselektion

Der Erfolg der operativen Rekonstruktion der Rotatorenmanschette hängt vor allem davon ab, ob die reparierten Sehnenanteile auch wirklich wieder fest am Knochen des Oberarms anwachsen. Viele Studien haben gezeigt, dass dieser Erfolg unter anderem maßgeblich von der Patientenauswahl abhängt. Die Rerupturrate, also der Anteil an erneuten Rissen, kann sehr stark variieren. Während ein großer Riss mit schlechter Sehnenqualität beim älteren Patienten eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Riss aufweist, heilen kleinere Risse mit guter Sehnenqualität und guter Muskelqualität beim jungen Patienten nach einer Operation nahezu

immer folgenlos aus. Als Entscheidungskriterien hat sich das Patientenalter, die Rissgröße, die Muskelqualität und die Sehnenqualität etabliert.

Anhand dieser Kriterien gilt es zusammen mit dem Patienten zu entscheiden, ob eine konservative oder operative Therapie anzustreben ist. Für beide Möglichkeiten sollte für den Patienten ein akuter und langfristiger Therapieplan einschließlich der Diskussion über Aufwand, Risiken und Prognose erstellt werden. Es muss gewährleistet sein, dass sich z. B. im Falle einer Operation der Aufwand und die langwierige Nachbehandlung für den Patienten auch tatsächlich lohnt.

Operationstechnik

Die Stabilität der mechanischen Fixierung der Sehne am Knochen entscheidet über den Operationserfolg. Diese Eingriffe an der Rotatorenmanschette werden heutzutage nahezu ausschließlich arthroskopisch durchgeführt. Diese anspruchsvolle Operationstechnik schont die Muskulatur und bietet zudem die bestmögliche Visualisierung der Problematik und somit eine optimale Voraussetzung für die Reparatur der Sehnen.

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Arthroskopisches Bild einer großen Supraspinatussehnen Ruptur Nahtmaterial zur Befestigung der Sehne

Bei der Versorgung sollte die so genannte „double-row“ Technik angewandt werden, da sie in biomechanischen Studien die mit Abstand höchste Stabilität der Refixation zeigt. Dadurch wird ein Maximum an Ruhigstellung im Bereich der Anwachszone der Sehne gewährleistet. Die Sehne kann so optimal ihre „Wurzeln“ wieder in den Knochen einwachsen lassen. Daneben werden bei dem Eingriff entzündete Anteile der Gleitschichten, dem Schleimbeutel, entfernt und störende Anteile des knöchernen Schulterdachs abgeschliffen, falls dies nötig ist.

Orthobiologica

Durch eine perfekte mechanische Refixierung wird eine optimale Voraussetzung für die Sehnenheilung erreicht. Die Sehnenheilung selbst ist und bleibt aber ein biologischer Prozess. Aber auch hier hat sich in jüngsten Studien gezeigt, dass die biologischen Abläufe der Einheilung positiv unterstützt werden können.

Die Anwendung von bestimmten Blutplasma Produkten kann die Einheilung signifikant verbessern. Hierbei wird aus dem Patientenblut zusätzlich ein gelartiges PRP (platlet rich plasma) hergestellt, welches eine erhöhte Konzentration von Wachstumsfaktoren aufweist und in die Zwischenschicht von

Sehne und Knochen während der Operation eingebracht wird. Das Blutprodukt wirkt dort wie ein „Dünger“ für die Einheilung. Einige Studien zeigen eine um 50 Prozent reduzierte Gefahr der fehlenden Einheilung. Gerade bei älteren Patienten und/oder reduzierter Sehnenqualität wird so versucht, ein optimiertes Ergebnis zu erreichen.

Stammzellenmobilisierung

Ein weiterer Faktor, der sich für immens wichtig für eine regelrechte Einheilung erwiesen hat, ist die optimale Präparation des Knochenbetts. Neben dem standardmäßigen „Anfrischen“ der Knochenfläche kann als Zusatzverfahren eine Mikrobohrung in die Knochentiefe durchgeführt werden. Bei diesem Verfahren werden Stammzellen aus dem Knochenmark mobilisiert, die nachweislich die Einheilung der Sehne fördern. Studien zeigten auch hier eine erheblich reduzierte Rerupturrate.

Präzises Nachbehandlungsprotokoll

Die Operation ist ein sehr wichtiger und erster Schritt für die Sehnenheilung. Das Operationsergebnis muss aber zwingend durch eine entsprechende Nachbehandlung gesichert werden. Damit sowohl Patienten als auch Therapeuten zu jedem Zeitpunkt genau wissen, was zu tun und zu lassen ist, sollte ein präzises Nachbehandlungsschema erstellt werden, das die Nachbehandlung Woche für Woche begleitet bis hin zur Arbeitsaufnahme und zum sportlichen Wiedereinstieg.

Fazit

Nur mechanisch nicht relevante kleine Rotatorenmanschettenrupturen können langfristig erfolgreich konservativ behandelt werden. Hierbei spielen eine gute Defektheilung und ein fundiertes Physio-Konzept die größte Rolle. Mechanisch instabile größere Rupturen sollten hingegen nur bei geringem funktionalem Anspruch und/oder höherem Patientenalter konservativ behandelt werden. Die spezialisierte Operation in Zusammenspiel mit einer individualisierten Nachbehandlung gewährleisten einen langfristigen Therapierfolg.

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Fertige Rekonstruktion Gelartiges PRP-Patch Tiefe Mikrobohrung zur Stammzellen Mobilisierung

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Das Skelettsystem bildet die Grundlage unseres gesamten Körpers. Ohne die Knochen, die über bewegliche und unbewegliche Gelenke miteinander verbunden sind, wäre unser Überleben kaum vorstellbar. Sie dienen als stabile Basis des Bewegungsapparates, sind Ansatzpunkte für Muskeln, Sehnen und Bänder, schützen unsere inneren Organe und sind verantwortlich für einige wichtige Stoffwechselprozesse, wie beispielsweise die Blutbildung. Umso dramatischer ist es, wenn die Knochen durch Krankheiten oder Brüche in ihrer Struktur und Funktionsweise gestört sind.

Die häufigste Knochenerkrankung der Welt ist Osteoporose, was wörtlich

übersetzt so viel wie „Knochendurchlässigkeit“ bedeutet. Sie zählt zu den zehn verbreitetsten Krankheiten überhaupt. Allein in Deutschland sind ca. acht Millionen Menschen betroffen, ein Anteil von knapp 10 Prozent. Nahezu jede zweite Frau und jeder fünfte Mann über 50 leiden unter Knochenfrakturen, die auf eine nachlassende Knochendichte zurückzuführen sind. Und laut Prognosen der WHO wird sich die Zahl der weltweit Erkrankten in den nächsten 20 bis 30 Jahren sogar verdoppeln.

Wesentlicher Faktor dieser rapide zunehmenden Erkrankungsrate ist die weltweit steigende Lebenserwartung. Im Alter von 25 bis 30 Jahren erreicht

der Mensch seine maximale Knochendichte, ab diesem Zeitpunkt wird mehr Knochenmasse abgebaut als vom Körper wiederhergestellt werden kann. Geschlechtsunabhängig kommt es dann zu einem jährlichen Verlust von knapp ein Prozent der Knochenmasse. Je älter der Mensch also wird, desto mehr Knochenmasse verliert er und als Folge davon, steigt die Zahl der OsteoporoseErkrankten im höheren Alter enorm an. Frauen sind besonders häufig von der Krankheit betroffen, da mit Eintreten der Menopause der gesamte Hormonspiegel umgestellt wird. Speziell die Ausschüttung des weiblichen Sexualhormons Östrogen ist reduziert und genau dieses wirkt hemmend auf den Knochenabbau.

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Osteoporose –wenn die Knochen schwach werden
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Warum der Knochen abgebaut wird

Auf den ersten Blick wirkt der Knochen wie ein totes Gebilde aus Mineralien und Zellen. Er ist jedoch ein lebendes, stark durchblutetes Gewebe und ständigen Umbauprozessen ausgesetzt. Im Laufe des Lebens ersetzt sich unser Skelettsystem in regelmäßigen Abständen mehrmals komplett – ein wichtiger Selbstheilungsprozess, an dem verschiedene Knochenzellen beteiligt sind. Die sogenannten Osteozyten sind vollständig von fester Knochensubstanz umgeben und bilden das Gerüst des Knochens. Werden diese alt oder sind beschädigt, so werden sie von den Killer-Zellen des Knochens, den Osteoklasten abgebaut. Die so entstandene Lücke wird von den Osteoblasten, den Aufbau-Zellen, wieder gefüllt. Sie sondern unausgereifte Knochensubstanz ab und lagern sich selbst in diese Zwischenräume ein. Reift die Knochensubstanz heran und umschließt die Osteoblasten, werden diese zu Osteozyten. Das Gleichgewicht des Auf- und Abbaus ist sehr empfindlich, denn ein einzelner Osteoklast kann zehnmal mehr Knochenmasse vernichten als ein Osteoblast regenerieren kann. Ungefähr ab dem 30. Lebensjahr nimmt die Osteoblasten-

Aktivität so stark ab, dass mehr Knochensubstanz abgebaut als produziert wird. Diese Verschiebung wird durch verschiedene Aspekte, wie beispielsweise durch die eintretende Menopause der Frau, entweder begünstigt oder begrenzt.

Wie erkenne ich Osteoporose?

Der Abbau der Knochenmasse ist ein schleichender, unauffälliger Prozess, der zumeist erst entdeckt wird, wenn schon viel Schaden angerichtet ist. Die frühzeitige Diagnose ist also ein relevanter Faktor, um Schmerzen und irreversiblen Beeinträchtigungen vorzubeugen. Das bewährte Testverfahren zur Untersuchung der Knochendichte ist die sogenannte Dual Energy X-Ray Absorptiometry, kurz DXA. Bei dieser Röntgenuntersuchung wird am Oberschenkelhals und an der Lendenwirbelsäule gemessen, wie viel der abgegebenen Strahlung den Knochen durchdringt. Analysiert wird der sogenannte T-Wert, dieser beschreibt die Standardabweichung (SD) der gemessenen Knochendichte von den Werten einer gesunden, 30-jährigen Person des gleichen Geschlechts. Liegt der T-Wert bei -2,5 SD oder mehr, so spricht man von Osteoporose. Veranlasst wird eine DXA, wenn verschiedene

Indikatoren für eine Osteoporose vorliegen. Dazu zählen insbesondere höheres Lebensalter, eingetretene Menopause der Frau, verschiedene Vorerkrankungen und Knochenfrakturen.

Ein unentdeckter und unbehandelter Schwund der Knochenmasse erhöht das Risiko, einen Knochenbruch zu erleiden, enorm. Besonders häufig sind Frakturen der Wirbelkörper, der Handgelenke und der Hüfte bzw. des Oberschenkelhalses. Die Folgen eines solchen Bruchs sind vor allem in höherem Alter schwerwiegend, da die Betroffenen oft über einen längeren Zeitraum bettlägerig sind und starke Schmerzen erleiden. In längeren Phasen der Immobilität schwinden sowohl Knochen- als auch Muskelmasse aufgrund der fehlenden körperlichen Aktivität noch weiter, was wiederum die Mobilität auch nach Heilung der Fraktur einschränkt. Es lohnt sich also, auch präventiv etwas für die Knochengesundheit zu unternehmen - und das in jedem Lebensalter. Von einer hohen Knochenmasse in jüngeren Jahren profitieren Sie Ihr gesamtes Leben und auch im höheren Alter kann der Verlust der Knochenstruktur verlangsamt werden.

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Stadien der Osteoporose

Die zwei wichtigsten Grundpfeiler der Behandlung und Vorbeugung von Osteoporose sind Bewegung und Ernährung. Besonders wirksam für die Knochengesundheit ist beispielsweise regelmäßiges Muskeltraining, mindestens zwei Mal in der Woche für jeweils 30 bis 60 Minuten. Durch die hohen Zug- und Druckbelastungen auf Muskulatur und Skelettsystem wird der Aufbau von Knochensubstanz begünstigt. Auch HerzKreislauf-Training hat positive Effekte auf die Knochenstruktur, hier sind besonders Bewegungsformen wie gehen, walken oder joggen effektiv, da auch hier große Belastungen auf die Knochen wirken. Ausdauersport sollte mit Muskeltraining kombiniert werden, sodass Sie in der Woche insgesamt an drei bis fünf Tagen körperlich aktiv sind. Belastungsarme Sportarten, wie z. B. Schwimmen oder

Fahrradfahren, haben deutlich geringere positive Effekte auf den Knochen.

Bei der Ernährung sollte besonders auf eine ausreichende Zufuhr von Calcium geachtet werden, denn es stellt einen großen Teil der Knochensubstanz dar. Die tägliche Zufuhrempfehlung liegt bei ca. 1000 mg. Bei einem Mangel wird vom Körper benötigtes Calcium aus den Knochen gelöst und die Knochenstruktur wird geschwächt. Calciumreiche Lebensmittel sind beispielsweise Milchprodukte, insbesondere Käsesorten wie Parmesan, Gouda oder Emmentaler, einige Nüsse und grüne Gemüsesorten wie Grünkohl, Lauch und Brokkoli.

Auch Vitamin D ist bedeutend für den Knochenstoffwechsel und steht in enger Verbindung mit Calcium. Das sogenannte Sonnenvitamin kann über die Nahrung nur kaum aufgenommen werden. Bei

regelmäßigem Aufenthalt in der Sonne stellt der Körper es allerdings in ausreichenden Mengen selbst her. Besonders günstig ist also Bewegung unter freiem Himmel, wie beispielsweise bei geöffnetem Dach im ZAP. Doch besonders bei hohem Risiko für Osteoporose kann auch die Zufuhr über Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein, hierzu sollte Rücksprache mit einem Arzt oder Ernährungsexperten gehalten werden.

Für die Gesundheit Ihrer Knochen ist es wichtig, früh aktiv zu werden und die Knochenmasse möglichst lange zu erhalten. Also starten auch Sie jetzt in ein fitteres und gesünderes Leben und lassen Sie sich bei Ihrem individuellen Gesundheitstraining von unseren ZAP Gesundheitstrainer/-Innen begleiten. Auch bei Fragen zum Thema Ernährung helfen wir Ihnen gerne!

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Ein alter Ratschlag bei Rückenschmerzen lautet:

Vielleicht kennen Sie diesen Ratschlag, aber stimmt das denn wirklich? Ich bin der Meinung, es sollte besser lauten: „Wenn‘s hinten weh tut, sollte man vorne nachschauen!“

Schmerzen im unteren Rücken gehören zu den am häufigsten genannten Problemen in Gesprächen mit Kunden im Individual Training. Meist wurden bis dato diverse Kräftigungsübungen ausprobiert und die Schuld bei zu schwachen Rückenmuskeln gesucht. Kräftigung schwacher Muskeln ist leider nur eine Seite der Medaille. Die Dehnung überaktiver oder verkürzter Muskeln wird häufig nicht oder zu wenig ins eigene Trainingsprogramm integriert, oder am Ende des Trainings noch schnell gemacht. Nicht selten wird das Dehnen aus Zeitgründen ganz gestrichen oder für unwichtig erachtet. Vielen ist allerdings nicht bewusst, dass besonders für

die Rückengesundheit, die Dehnung und Mobilisation der Hüftbeugemuskulatur eine entscheidende Rolle spielt, da sie die Position des Beckens maßgeblich beeinflusst. Häufiges und langes Sitzen verkürzt die Muskulatur im Hüftbereich und führt zu einer stärkeren Kippung des Beckens nach vorne. Diese Dysbalance kann nicht durch Rückenkräftigungsübungen allein behoben werden. Eine gezielte Dehnung der Hüftbeugemuskulatur sollte daher fester Bestandteil Ihres Trainingsprogrammes sein. Und das am besten schon bevor die Schmerzen im unteren Rücken auftreten. Ein präventives Rückentraining beinhaltet immer sowohl Kräftigungsübungen als auch Dehnübungen.

Deshalb stelle ich Ihnen nun ein Gerät aus dem Get Flexbile Konzept von Dr. Wolff® vor. Es ist Teil unseres ZAP Rücken-Aktiv-Zirkels und meiner Meinung

nach eines der wichtigsten Geräte im Dr. Wolff® Zirkel, wenn es um das Thema Rückenschmerzen geht.

Wir nennen das Gerät „Beinstrecker / Hüftbeuger“, denn genau diese Muskelgruppen werden bei der Übung gedehnt.

Wenn Sie einen Muskel effektiv dehnen wollen, machen Sie sich vorher bewusst, welche Aufgaben dieser Muskel hat. Zum Dehnen sollten Sie dann genau das Entgegengesetzte machen. In unserem Fall streckt der Beinstrecker das Kniegelenk und der Hüftbeuger beugt das Hüftgelenk. Um den Muskel nun zu dehnen, beugen Sie das Kniegelenk und strecken Sie Ihre Hüfte. Dies sollte zu einer spürbaren Dehnung führen.

Was ist vor der Benutzung zu beachten?

Wenn Sie das Gerät noch nie benutzt haben, gilt es als Erstes herauszufinden,

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FIT &
„Wenn´s hinten weh tut, soll man vorne aufhören!“
Foto: 1 Foto: 2 Foto: 3
von Michael Johren, ZAP Gesundheitsberater und Trainer für präventives Rückentraining

wie hoch Sie das Polster am hinteren Ende der Maschine einstellen sollten. Beginnen Sie mit einer Einstellung am unteren Ende (Stufe 1-4) und arbeiten sich dann nach oben. Je höher die Einstellung gewählt ist, desto intensiver spüren Sie die Dehnung.

Wie ist das Gerät zu benutzen? Knien Sie mit einem Knie auf dem grünen Polster und legen Sie den Fuß auf die höhenverstellbare schwarze Rolle. Den anderen Fuß stellen Sie nach vorne in eine Art Ausfallschrittposition. Foto 1 zeigt Ihnen die Ausgangsstellung.

Sie können nun aus dieser Position heraus zwei verschiedene Übungen machen. Foto 2 zeigt Ihnen die erste Übungsvariante. Sie versuchen mit der Hüfte des hinteren Beines Richtung Boden zu gehen in eine tiefere Ausfallschrittposition. Mithilfe der Schwerkraft und Ihrem Körpergewicht wird nun die Hüfte gestreckt und somit auch gedehnt. Halten Sie sich am Griff fest und spüren Sie die Dehnung im Hüftbereich.

Foto 3 zeigt Ihnen die zweite Übungsvariante, bei der die Höhe des schwarzen höhenverstellbaren Polsters eine entscheidende Rolle spielt. Für eine effektive Dehnung des Beinstreckers / Hüftbeugers brauchen Sie, wie bereits erwähnt, Kniebeugung sowie Hüftstreckung. Als Erstes führen Sie den Po Richtung Ferse und

sorgen somit für maximale Kniebeugung. Passen Sie hierfür die Höhe des schwarzen Polsters ggf. nochmal an. Als Zweites strecken Sie die Hüfte, indem Sie die Gesäßmuskulatur auf der knienden Seite anspannen und die Hüfte nach vorne schieben. Durch die Kombination dieser beiden Bewegungen sollte sich nun eine intensive Dehnung auf der Oberschenkelvorderseite ergeben.

Allgemeine Hinweise zur Durchführung:

Als Dehnübung können Sie die Übung pro Seite für 60 bis 90 Sekunden ausführen. Achten Sie darauf entspannt zu atmen, da die Atmung eine entscheidende Rolle in der Entspannung der Muskulatur spielt. Sie sollten während der Übung keine Schmerzen verspüren, jedoch eine deutliche Dehnung der Muskulatur wahrnehmen. Wenn Sie feststellen, dass Sie eine Seite intensiver spüren als die andere, beginnen Sie mit dieser Seite und verbringen Sie hier entweder mehr Zeit oder machen Sie eine Runde mehr auf dieser Seite.

Probieren Sie beide Varianten aus und finden Sie für sich heraus, in welcher Position Sie eine bessere Dehnung spüren. Ich persönlich wechsle immer wieder zwischen beiden Varianten. Prüfen Sie für sich, ob es einen Unterschied in Ihrer Hüftbeweglichkeit macht, wenn Sie die Übung regelmäßig machen.

Falls Sie Fragen zum Gerät bzw. der Übung haben oder sich für ein Individual Training im ZAP interessieren, können Sie mich gerne jederzeit ansprechen. Sie erreichen mich auch unter johren@zap-nussloch.de oder unter 06224-99097.

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Meditation – Training für Geist und Seele

Einganzheitlicher Blick auf das Thema Prävention nimmt den Körper, den Geist und auch die Seele in den Blick. Der Seele tut es gut, mal eine gewisse Zeit nichts zu tun. Einfach nichts. „All we do, is nothing“, wie die Leiter der Meditationssessions – Ramesh und Madhu Gajjala – so schön sagen. Das klingt profan – ist es aber nicht. Erholung für die Seele liegt auch in der Fähigkeit loszulassen und alles beiseite zu schieben, was uns gedanklich in Beschlag nimmt.

Was ist Meditation?

Oft sind wir Menschen besonders begabt darin, uns permanent höhere Ziele zu stecken. Alles soll immer schneller, besser, größer werden. Doch dabei vergessen wir oft auf uns selbst zu achten. Wir stecken in unserem Alltag mit Gedanken in der Zukunft oder Vergangenheit, sodass wir in unserem Kopf gefangen sind, statt in dem jetzigen Moment präsent zu sein. Meditation ist ein Weg, uns davon zu befreien. Um das Meditieren zu lernen, braucht man kein Talent. Jeder kann durch regelmäßiges Training seine Achtsamkeit stärken. Doch was ist Meditation überhaut genau und wie funktioniert es?

Einfach ausgedrückt: Meditation bedeutet, den Verstand ‚leer zu machen‘. Als wunderbare Konsequenz erfreuen wir uns eines ausgezeichneten Gesundheitszustandes, absoluter geistiger Klarheit und eines glücklichen Lebens.

zuhalten noch zu unterbrechen. Wann immer der Verstand umherzuwandern beginnt, gilt es, den abschweifenden Gedankenfluss sofort bewusst zu unterbrechen und die Aufmerksamkeit immer wieder zurück zum natürlichen Rhythmus des Atemflusses zu lenken. Sich des natürlichen Atemprozesses bewusst zu sein bedeutet ebenso, überflüssige Gedanken nicht zu erlauben, den Verstand zu okkupieren und sie weiterziehen zu lassen.

Haltung bei der Meditation

Eine Meditation können wir in jeder Haltung durchführen. Sie muss aber komfortabel, bequem und stabil sein. Wir können am Boden oder auf einem Stuhl meditieren. Wir können an jedem Platz, an dem wir uns wohl fühlen, meditieren. Setz dich bequem hin, überkreuze die Beine, verschränke deine Finger, schließe deine Augen und atme einige Male im Bewusstsein tief durch. Entspanne dich, sei total entspannt. Wenn wir unsere Beine überkreuzen und unsere Hände verschränken, ist der Energiefluss stabil und geschlossen. Augen sind Tore des Verstandes, daher sollten die Augen während der ganzen Meditation geschlossen sein. Ungeachtet der individuellen Glaubensrichtungen, unabhängig von Hautfarbe oder religiöser Einstellung, jeder sollte diese universelle Kunst der Meditation praktizieren und das am besten Tag für Tag zu einem selbstgewählten Zeitpunkt. Meditiere so viele Minuten, wie du Jahre alt bist; jede Minute entspricht einem Jahr deines Lebens. Bist du 20 Jahre alt, beginne mit 20 Minuten Meditation täglich. Bist du 60 Jahre alt, sind 60 Minuten Meditation ausreichend.

Nutzen der Meditation Regelmäßiges Meditieren hilft dabei, den Verstand in einenfried- und freudvollen Zustand zu bringen. Eine im Journal of Cognitive Enhancement publizierte Studie belegt außerdem, dass Meditation die Aufmerksamkeit nachhaltig verbessert. Gleichzeitig können sämtliche Arbeiten mit größerer Effizienz erledigt werden und das Schlafbedürfnis verringert sich. Erfahrene Meditierende berichten außerdem davon, dass ihre Gedankenkraft sich enorm verstärkt und die Fähigkeit zwischen ‚richtig’ und ‚falsch‘ zu unterscheiden, sich schärft.

Meditieren ist sehr, sehr einfach Meditieren ist viel einfacher, als die meisten Menschen annehmen. Bei der Meditation atmest du ganz natürlich und Iässt den Atem sanft und ohne jegliche Anstrengung frei fließen. Die primäre Aufgabe liegt im bewussten Beobachten des natürlichen Atemflusses und darin, diesen weder an-

Meditation im Zusammenhang mit Heilung wurde in verschiedenen Studien untersucht und festgestellt, dass diese einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf nimmt sowie eine präventive Wirkung zeigt. Es ist wirklich erstaunlich, welche Wirkung regelmäßige Meditation auf den Körper und Geist nimmt. Mit diesem Artikel haben Sie das nötige Grundwissen, um direkt zu beginnen. Schließen Sie sich an unseren ZAP- Meditationskurs immer mittwochs um 17.30 Uhr an und machen Sie sich selbst ein Bild von dem wunderbaren Nutzen, den die regelmäßige Meditation mit sich bringt.

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Mit der richtigen Ernährung das Immunsystem stärken

Ihr Rüstzeug für die kalte Jahreszeit

Heiserkeit,

verstopfte Nase und das Gefühl von Abgeschlagenheit – diese Erkältungssymptome sind wohl allen bestens bekannt und wir alle könnten gut und gern auf sie verzichten. Doch mit Beginn der kühlen und feuchten Jahreszeit startet auch die Erkältungssaison und entgegen allgemeiner Annahmen erreicht sie erst zwischen Februar und März ihren Höhepunkt – also in ein bis zwei Monaten. Jetzt ist daher der perfekte Zeitpunkt, um sich um das eigene Immunsystem zu kümmern. Welche „Immunnährstoffe“ ihre Abwehrkräfte stärken und in welchen Lebensmitteln Sie diese finden, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Vitamine

Als Klassiker unter den „Immunboostern“ ist wohl allen die „heiße Zitrone“ bestens bekannt. Und tatsächlich verbessert Vitamin C die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, denn es wirkt antioxidativ und aktiviert die „Fresszellen“

des Immunsystems. Neben Zitrusfrüchten zählen Paprika, Hagebutten, Beeren, Rosenkohl und Kiwis zu den Vitamin-Creichen Lebensmitteln.

Vitamin D, das „Sonnenvitamin“, dämpft Entzündungsprozesse und stärkt das Immunsystem. In den dunklen Jahreszeiten können wir es wegen der geringen Strahlungsintensität der Sonne nicht selbst produzieren und auch über die Nahrung können wir nur kleine Mengen davon aufnehmen – enthalten ist Vitamin D etwa in Leber, fettem Fisch sowie in Pilzen. Um den Bedarf an Vitamin D über die Herbst- und Wintermonate dennoch zu decken, kann es über Tropfen oder Tabletten supplementiert werden. Allerdings sollten Sie vorab unbedingt mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin sprechen.

Spurenelemente

Zink fängt mit seinem antioxidativen Charakter schädliche Stoffe im Körper ab und schützt so vor Krankheiten.

Zudem fördert Zink die Anzahl und Reifung bestimmter Abwehrzellen. Zu den zinkhaltigen Lebensmitteln zählen Fleisch, Meerestiere, Vollkornerzeugnisse, Milch(-produkte), Gemüse, Pilze, Sesam und Hülsenfrüchte. Die bei Erkältung so beliebte Hühnersuppe zeigt auch insbesondere wegen des Zinkgehalts ihre gewünschte Wirkung.

Da Eisenmangel auch eine verringerte Anzahl von Immunzellen und Antikörpern zur Folge haben kann, ist die Aufnahme von Eisen essenziell für gut funktionierende Abwehrkräfte. Einen hohen Eisengehalt finden wir in Fleisch, Fisch, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten vor. Allerdings kann der Körper Eisen aus tierischen Quellen besser verarbeiten. Für die Aufnahme aus pflanzlichen Quellen ist eine Unterstützung durch Vitamin-C-reiche Lebensmittel zu empfehlen.

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GESUND

Hochschule für

Weitere „Immunhelfer“

Omega-3-Fettsäuren haben nicht nur eine entzündungshemmende Wirkung, sie modulieren auch das körpereigene Abwehrsystem. Über fetten Meeresfisch, wie Makrele, Hering oder Lachs, sowie über Algen(-produkte) können wir Omega-3-Fettsäuren aufnehmen.

Auch hochwertige Nahrungseiweiße sind für ein starkes Immunsystem uner-

lässlich. So sind sie beispielsweise bei der Aktivierung und Vermehrung von Immunzellen essenziell. Auch bei infektionsbedingten Gewebeschäden helfen Proteine bei deren Reparatur. Zu den eiweißreichen Nahrungsmitteln zählen Eier, Fisch, Fleisch, Milch(-produkte), aber auch Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen.

B. A. Ernährungsberatung

Beruflich im Bereich Ernährung durchstarten

Personen, die beruflich im Fachgebiet Ernährung arbeiten oder sich weiterqualifizieren wollen und damit einen wichtigen Teil zur Gesunderhaltung unserer Gesellschaft beitragen möchten, bieten die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) sowie die BSA-Akademie attraktive Qualifizierungsmöglichkeiten.

B. A. Ernährungsberatung – duales Studium an der DHfPG Studierende des Bachelor-Studiengangs Ernährungsberatung an der DHfPG qualifizieren sich für die professionelle Ernährungsberatung. Sie lernen in dem interdisziplinären Studium gesundheitsförderndes Ernährungsverhalten wissenschaftlich fundiert zu vermitteln und so Kundinnen und Kunden präventiv zu beraten.

Das duale B. A.-Studium setzt sich aus einem Fernstudium mit kompakten Lehrveranstaltungen (vor Ort und/oder digital) und einem hohen Anteil praktischer Tätigkeit im Ausbildungsbetrieb zusammen. Die Studierenden profitieren von einem vergüteten Arbeitsverhältnis während des Studiums sowie von der direkten Übertragung der Studieninhalte in die Praxis.

Sie möchten mehr über den Bachelor-Studiengang Ernährungsberatung erfahren? Das Service-Center der DHfPG steht Ihnen telefonisch unter +49 681 6855 599 gern beratend zur Seite. Zudem erhalten Sie unter www.dhfpg.de/beb weitere Informationen.

An der BSA-Akademie nebenberuflich qualifizieren

Im Fachbereich Ernährung bietet die BSA-Akademie zahlreiche Lehrgänge zur nebenberuflichen Qualifizierung an: von der Basisqualifikation „Ernährungstrainer/in-B-Lizenz“ über die Aufbauqualifikation „Ernährungscoach“ bis hin zur Profiqualifikation „Lehrer/in für Ernährung“. Die staatlich geprüften und zugelassenen Lehrgänge sind als kombinierter Fernunterricht konzipiert und bestehen aus Fernlernphasen und kompakten Präsenzphasen (vor Ort oder digital).

Die Lehrgangsangebote der BSA-Akademie passen sich genau an die Bedürfnisse der Teilnehmenden an, weshalb sie sich bestens mit Beruf und Familie vereinen lassen.

Informationen zu den einzelnen Lehrgängen aus dem Bereich Ernährung sowie den anderen Fachbereichen der BSA-Akademie erhalten Sie unter www.bsa-akademie.de. Gern berät Sie auch das BSA-Service-Center unter Tel.: +49 681 6855 143.

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ERNÄHRUNG

Leicht durch die Winterzeit

Jedes Jahr das Gleiche: Vielen Abnehmwilligen graut es vor der Winterzeit. Es ist kalt, früh dunkel und meist unangenehm nass draußen. Wo es im Sommer schon schwer fällt, sich für das Joggen, Radfahren oder Walken zu motivieren, braucht es jetzt eine extra Portion Ansporn.

Dazu kommen Ende November die Weihnachtsmärkte, die zu Glühwein und Crepés einladen. Wer kann da schon nein sagen? Und dann noch das Weihnachtsfest, die Familientreffen und das viele Essen! Darauf verzichten kommt nicht in Frage, schließlich wollen Sie Ihre Verwandtschaft und Ihre Freunde nicht vor den Kopf stoßen und ein bisschen Genuss darf ja auch sein …

Im Januar trifft Sie dann meist die bittere Erkenntnis: Das Gewicht auf der Waage ist nicht unwesentlich gestiegen. Das ist frustrierend, denn eigentlich haben Sie sich doch zum Ziel gesetzt, diesen Winter aufzupassen.

Wie schaffen Sie es nun, schlank durch die Winterzeit zu kommen und sich dennoch Zeit zu nehmen, um gemeinsam mit der Familie gemütliche Stunden bei gutem Essen zu verbringen?

Zunächst ist es wichtig, sich vor allem in der Weihnachtszeit keine zu strengen Verbote zu setzen. Behalten Sie dabei aber bitte Ihr Ziel immer im Blick! Das bedeutet: Trauen Sie sich auch mal nein zu sagen zu dem zweiten Nachschlag oder dem zweiten Stück Kuchen.

Machen Sie sich bewusst, dass Sie nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten Gewicht zunehmen. Natürlich fällt es leichter, sich aufgrund der Wetterverhältnisse im Frühling und Herbst körperlich zu betätigen. Um jedoch auch übers Jahr hinweg Ihr Gewicht konstant zu halten, bietet neben einer bewussten Ernährung ein regelmäßig durchgeführtes Muskel- und Ausdauertraining die beste Grundlage. Auch über den Jahreswechsel hinweg ist dies die effektivste Methode der Gewichtszunahme entgegenzuwirken. Somit bietet ein Fitnessstudio alles, was es zum Erhalt der körperlichen Fitness braucht.

Bezüglich Ernährung spielen auch die Nahrungsmittelauswahl und das Mahlzeitentiming eine große Rolle. Nahrungspausen helfen dem Körper, zeitweise Energie aus den Fettreserven zu ziehen.

Sobald Sie dann noch Kontrolle über Ihr emotional bedingtes Essverhalten erlangen und lernen, Ihre Gedanken und Gefühle bewusst zu steuern und mit geeigneten Maßnahmen entgegenzuwirken, steht Ihrer Wohlfühlfigur und Ihrer Gesundheit nichts mehr im Weg.

Als Unterstützung zum Aufbau von zielgerichteten Routinen bietet Ihnen unser acht Wochen Präventionskurs „Figurscout“ die Möglichkeit, sich wöchentlich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Hierzu stehe Ich Ihnen als Ansprechpartnerin sowie in Zusammenarbeit mit unsere qualifizierten Gesundheitstrainer/-Innen zur Verfügung.

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ANDERE DENKEN NACH, WIR DENKEN VOR.

IT ist die Basis der Digitalisierung. Heidelberg iT ist, Cloud-Anbieter, Internet-Service-Provider und IT-Dienstleister mit eigenen Rechenzentren. Als Mittelstandspartner planen, realisieren und betreiben wir leistungsfähige IT-/ITK-Infrastrukturen für Unternehmen. Unser ISMS-Team sorgt für die nötige IT-Security.

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Zutaten für eine Portion

200 g Brokkoli 100 g Vollkornnudeln

1 EL Olivenöl

1/2 Chilischote, mild 1/2 Knoblauchzehe

1 TL Gemüsebrühe, gekörnt Salz Pfeffer

VOLLKORNNUDELN MIT BROKKOLI

ZUBEREITUNG

1. Vollkornnudeln nach Packungsanweisung zubereiten.

2. Röschen vom Brokkoli trennen und waschen. Im heißen Wasser mit der gekörnten Gemüsebrühe ca. 8 Minuten kochen und dann absieben.

3. Knoblauch schälen und in Würfel schneiden.

4. Chilischote längs halbieren, entkernen und klein hacken.

Dieses und weitere tolle Rezepte finden Sie in Ihrem individuellen figurscout Kochbuch.

5. Das Öl in einer Pfanne erhitzen und den Knoblauch und Chili 2 Minuten anbraten.

6. Die Nudeln mit dem Brokkoli anrichten, mit dem Pfanneninhalt begießen und nach Geschmack mit Salz und Pfeffer würzen.

1 Portion enthält ca.: 467 Kalorien I 67 g Kohlenhydrate I 12 g Fett I 22 g Eiweiß I 18 g Ballaststoffe

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GESUND & LECKER

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Digitalisierung, zukunftsweisende Technologien und Fortschritt haben wir uns ebenso auf die Fahne geschrieben wie Tradition, familiäre Werte, Nachhaltigkeit und Vertrauen. Das ist es, was uns als wachsendes Familienunternehmen ausmacht. Wir bleiben nicht stehen, sondern entwickeln uns für Sie und mit Ihnen stets weiter. Mit unseren fünf Standorten sind wir in der Metropolregion Rhein-Neckar Ihr Ansprechpartner zu allen Fragen und Wünschen rund um die Marken BMW, BMW i, BMW M und MINI.

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Leistung & Erfolg KURZ NOTIERT ...

MLP-Cup Wildcard Challenge präsentiert von Auto Peters GmbH, Heidelberg

Vom 6. bis 8. Januar 2023 findet im Racket Center wieder die MLP-Cup Wildcard Challenge präsentiert von Auto Peters GmbH, Heidelberg, ein DTB-Ranglistenturnier, statt. Dadurch bietet sich den ambitionierten Spielern aus der Region die Chance eine Wildcard für das Hauptfeld, respektive die Qualifikation des MLP-Cups zu gewinnen. So schaffen wir eine sportliche Lösung zur Vergabe der Wildcards, was zukunftsambitionierten Spielern die Möglichkeit auf eine Teilnahme bei einem internationalen Ranglistenturnier gibt.

Abnehmen in der Vorweihnachtszeit?

Das geht! „Weine nicht, weil es vorüber ist, sondern lächle, weil es so schön war.“ (Gabriel García Márquez)

Wieder einmal hat sich gezeigt, dass sich die Teilnahme an unserem Präventionskurs Figurscout lohnt. Gefüllt mit wöchentlich stattfindenden Seminaren, regelmäßigen Wiegeterminen auf unserer InBody-Körperstrukturanalyse zur Überprüfung des Fortschritts und dem Training auf unserer ZAP Fläche, gingen die acht Wochen schnell vorüber.

Meine 18 Teilnehmer/-innen haben sich trotz bevorstehender Weihnachtsfeiertage mit höchster Motivation zum Ziel gesetzt, etwas an ihrem Essverhalten zu verändern und in Kombination mit kontinuierlichem Training, einige Kilos purzeln zu lassen.

Mit einer durchschnittlichen Gewichtsabnahme von 4 Kilo haben sie bewiesen, dass ein Schritt in die richtige Richtung auch in dieser vermeintlich „schwierigen“ Jahreszeit möglich ist.

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Die nächste Generation der Wärmepumpen: Die neue Vitocal 250-A

Die neue Vitocal 250-A erreicht eine Vorlauftemperatur von bis zu 70 °C. Dadurch ist sie ideal für die Modernisierung geeignet, denn vorhandene Radiatoren können weiter genutzt werden. Die Wärmepumpe präsentiert sich in einem attraktiven, hochwertigen Design. Geringe Betriebskosten dank hoher Effizienz erzielt die neue Vitocal 250-A unter Verwendung des besonders umweltschonenden Kältemittels R290 (Propan).

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Rüdiger Harksen

IM INTERVIEW
Foto: Marcel Tschamke, Neckarlicht

Sportregion Rhein-Neckar

Das Erstaunen über das Erscheinungsbild des Hauses, das Rüdiger Harksen nach seinem Eintreten ins Racket Center ins Gesicht geschrieben steht, ist ein erkennbares Zeichen dafür, dass sein letzter Besuch wohl Jahrzehnte zurückliegt. Vor bald zwanzig Jahren war das Racket Center Gastgeber der Jahresabschlussveranstaltung des Olympiastützpunkts Rhein-Neckar, bei dem der schon damals renommierte Leichtathletiktrainer selbstverständlich dabei war. Die Entwicklungs- und Umbaumaßnahmen, die aus einem reinen Sport- und Freizeitzentrum eine Stätte für Prävention und Gesundheit, Fitness und Well-

ness sowie Therapie und Rehabilitationssport machte, gingen an ihm vorbei – was er bedauert, denn: das gemeinsame Lunch im RC-Restaurant Marea ist durchaus einen Abstecher nach Nußloch wert, wie er meint. Schön wäre es, ihn öfter zu Gast zu haben, denn ein Austausch mit Rüdiger Harksen ist immer ein Gewinn. Der große Erfahrungsschatz, der dem Lifetime-Award Gewinner der Sportregion Rhein-Neckar innewohnt, eröffnet den Blick auf vielfältige Aspekte, fundierte Thesen und praktisches Wissen zum Thema Begabung. So entspann sich ein kurzweiliges Gespräch, das auf eine Fortsetzung hoffen lässt …!

Lieber Herr Harksen, zunächst möchte ich Ihnen zum Lifetime-Award, der Ihnen für Ihr Lebenswerk beim SportAward 2022 der Sportregion Rhein-Neckar überreicht wurde, herzlich gratulieren. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

HARKSEN: Ich war ja bereits in 2021 für den Top Trainer-Award nominiert, der dann an den Tennisbundesligacoach Gerald Marzenell ging. Dass es in diesem Jahr mit dem Lifetime-Award geklappt hat, erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit – vor allem, wenn ich daran denke, mit Dietmar Hopp, Manfred Lautenschläger und Peter Hofmann, die vor mir den Lifetime-Award erhalten haben, in einer Reihe zu stehen. Die Auszeichnung für das Lebenswerk umfasst ja nicht nur meine Tätigkeit als Vereins- und Bundestrainer, sondern auch als Bundesstützpunktleiter sowie weitere organisatorische Engagements in Positionen und mit Aufgaben auf Vereins- und Verbandsebene. Diese „Lifetime“ meint

wohl meine gesamten 40 Jahre in den Diensten der Leichtathletik. Insofern beinhaltet ein Lifetime-Award auch ein wenig Wehmut. Da steckt so etwas Unwiederbringliches, Endgültiges und Vergängliches darin. Dementsprechend ist die emotionale Wirkung, die diese Auszeichnung auf mich hat, so vielfältig wie mein berufliches Wirken in all diesen Jahrzehnten.

Immerhin waren Sie in zehn Olympiaden bei sieben olympischen Spielen dabei. Dreimal waren Sie nicht akkreditiert. HARKSEN: Zunächst steht schon der Begriff Olympia symbolisch für ein Füllhorn an überwältigenden Erinnerungen. Grandiose Erlebnisse, tolle Erfolge und tiefwirkende Begegnungen sind ein reichhaltiger Bestandteil meines Lebens. Natürlich gibt es auch unschöne Dinge, die Teil dieser Erinnerungen sind. Tatsächlich ist es mir nicht gelungen, eine Athletin nach Sydney zu bringen. Das war

ein Tiefpunkt meiner Karriere. Ausgerechnet bei den Olympischen Spiele zur Jahrtausendwende nicht dabei zu sein war schmerzlich. Aber ich habe aus dieser Erfahrung gelernt. Was nicht in meiner Verantwortung lag war das Fehlen bei den Spielen in Rio 2016, doch auch das tat weh. Heute kann ich auch erzählen, was passiert ist. Ich saß bereits im Auto, um nach Hannover zur Einkleidung zu fahren, als ich einen Anruf erhielt. Die Zahl der Akkreditierungen sei kurzfristig reduziert worden, man müsse mir leider mitteilen, dass ich zu denen gehören, die nicht mehr dabei sein können. Die Wahrheit ist – wie ich später erfahren habe – dass meine Akkreditierung einem Sponsor zugeschlagen wurde. Weiteren Kollegen ging es ebenso. Wissen Sie, was mich daran wirklich schmerzt? Die Welt tanzt zu olympischen Klängen – und in mir hallt die Sorge um die olympische Idee …!

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Eine Sportlerin zum Erfolg zu führen, braucht die Begabung, sie in erster Linie nach ihrem Bilde zu formen, und nicht nach dem eigenen Bilde ...!
Rüdiger Harksen, ausgezeichnet mit dem Lifetime-Award der
im persönlichen Gespräch mit Matthias Zimmermann

Wenn man so lange Jahre in einem so emotionsgeladenen Metier wie dem Sport tätig ist, braucht es dann eine besondere Begabung, um mit Emotionen umzugehen?

HARKSEN: Emotionen sind das, was den Sport ausmacht. Jeder Sportler kennt das Wechselbad der Gefühle. Wenn ich mich an diese fast vier Jahrzehnte zurückerinnere, sind es die Olympischen Spiele 1972, die für mich persönlich einen besonders emotionsbehafteten Platz in meinem Gedächtnis einnehmen. Ich war als junger Sportler beim Olympischen Jugendlager dabei. Dieses Erlebnis hat den allerletzten Funken der Leidenschaft aus mir herausgekitzelt und mir klar gemacht: Leichtathletik – das ist mein Ding. Hinzu kommt, dass ich damals meine Frau kennengelernt habe. München ´72, auch mit dieser weltoffenen, sympathischen, euphorischen Eröffnungsfeier bei strahlend blauem Himmel, gilt bis dato als Höhepunkt in der gesamten olympischen Geschichte. Meine Gefühlslage war unbeschreiblich. Dann die totale Katastrophe des Terrors inmitten des Olympischen Dorfes. Das wirkte auf mich wie ein Schlag, ein emotionaler Absturz. Um mich herum waren tiefe Betroffenheit und Erschütterung. So sind diese Spiele auch ein Symbol dafür, wie eng Freud und Leid im Sport beieinander liegen können. Und genau so habe ich es empfunden. Mit Freud und Leid im Sport umzugehen heißt für mich, Erfolge zu genießen, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren und abzuheben. Bei Niederlagen und Krisen gilt es, den Halt nicht zu verlieren und nicht abzustürzen. Kurzum; es geht darum, in jeder Lebenslage die Nerven zu behalten.

Stets die Nerven zu behalten – ist das eine naturgegebene Begabung oder etwas, was man lernen kann.

HARKSEN: Mir selbst ist ein ausgeglichenes Naturell durchaus gegeben. Sie wissen aber gerade bei Tennisspielern, dass so mancher jugendlicher Hitzkopf im Laufe der Karriere zum beinahe stoischen Konzentrationswunder mutieren kann. Björn Borg und Roger Federer waren in ihrer Jugend ziemliche Rabauken auf dem Tenniscourt. Insofern ist es ein Lernprozess, den Kopf nicht zu verlieren, denn gerade im Sport ergeben sich ständig Situationen, die enorme emotionale Herausforderungen an die Athleten und

Rüdiger Harksen wird am 23. September 1954 in Hockenheim geboren. Nach seinem Lehramtsstudium mit der Fächerkombination Sport und Germanistik unterrichtet er zunächst am Ludwig-Frank-Gymnasium in Mannheim, bevor er 1985 seine seit 1980 als Nebentätigkeit ausgeführte Position als Leichtathletiktrainer zu seinem Hauptberuf macht und Frauen-Bundestrainer für die Kurzhürden wird.

In den Siebzigerjahren erzielt Harksen als Sprinter für die DJK Hockenheim (Teil der LG Kurpfalz) und später für den SV Salamander Kornwestheim, beachtliche Erfolge. Dazu zählen der Gewinn der Bronzemedaille mit der deutschen 4 x 100 Meter Staffel bei der Junioren-EM 1973 in Duisburg sowie eine Dritt- und Zweitplatzierung bei den Deutschen Meisterschaften 1975 und 1977.

Seine Trainerkarriere beginnt Harksen in seinem Verein MTG Mannheim als Heimtrainer von Andreas Rizzi, der 1981 deutscher Meister im Zehnkampf wird. Gemeinsam mit den Athletinnen und Athleten seiner Heimat kann er sich im Laufe seiner Karriere über ca. 75 deutsche Meistertitel sowie 12 Qualifikationen für die Olympischen Spiele von 1984 bis 2021 freuen. Auch als Trainer auf Bundesebene sowie von 2008 bis 2010 als Chefbundestrainer für den Laufbereich erringen seine Athletinnen beachtliche sportliche Erfolge.

Neben seiner Trainertätigkeit fungiert er als Meeting-Direktor der seit 1994 stattfindenden Internationalen Juniorengala der MTG Mannheim – des weltgrößten Leichtathletiktreffens für Junioren der Altersklasse U20.

Er begleitet seine Athletinnen zu 7 Olympischen Spielen. Insgesamt 42 internationale Medaillen können die Sportlerinnen unter seiner Ära gewinnen. Zuletzt trainiert er als DLV-Bundestrainer in Mannheim die Trainingsgruppe um Lisa Mayer, Nadine Gonska, Hannah Mergenthaler und Ricarda Lobe sowie in seinem letzten Jahr auch Pamela Dutkiewicz. Mit 67 Jahren legte er sein Amt als Trainer der MTG Mannheim nieder und beendet nach 37 Jahren als Trainer seine erfolgreiche Karriere, bleibt der MTG Mannheim jedoch als Sportvorstand und Meetingdirektor der BAUHAUS Juniorengala erhalten.

Für sein Lebenswerk wurde Harksen im vergangenen November mit dem Lifetime-Award des SportAward Rhein-Neckar geehrt.

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Foto: Justin

ihr Umfeld stellen. Egal, ob in der Rolle des Trainers, Betreuers oder als Organisationsverantwortlicher, man ist im Umgang mit Athleten vor allem eines: Führungsperson. Als solche habe ich mir stets vor Augen geführt, dass diese jungen Menschen mir sehr viele ihrer vielleicht wichtigsten Lebensjahre anvertrauen – die Jahre der Reifung als Mensch und als Sportler. Sich vertrauensvoll in die Hände eines Trainers zu begeben, verdient größten Respekt. Dieser Respekt gebietet die Pflicht, tagtäglich Überzeugungsarbeit zu leisten und nicht mit Anordnungen zu handeln. Der Trainingsprozess funktioniert zwar nie ohne präzise und verbindliche inhaltliche Ansagen, aber ich denke schon, dass es mir gut gelungen ist, zu überzeugen und Direktive weitestgehend zu vermeiden. Überzeugung allerdings gelingt eben nur dann, wenn man wirklich genau weiß, was man will. Diese Selbstüberzeugung braucht Fleiß – manchmal ganze Nächte der Analyse und Vorbereitung. Insofern ist Nervenstärke zuallererst ein Lernprozess und das Ergebnis harter Arbeit!

Sie haben in Ihrer „Olympischen Reise“ von Los Angeles 1984 bis Tokio 2021 die Karriere von vielen Leichtathletinnen verantwortet. Wie sehr lässt sich Erfolg auf gute Führung zurückführen?

HARKSEN: Ich war ein junger Lehrer, als ich 1984 zum ersten Mal in der Funktion eines Honorarbundestrainers des Deutschen Leichtathletikverbandes zu Olympischen Spielen gereist bin. Sie müssen sich vorstellen: Los Angeles! Das waren die Hollywoodspiele – eine Traumwelt. Diese Traumwelt – und auch andere Traumwelten, derer es viele um uns herum gibt – als ebensolche zu erkennen und sie von der Realität abzugrenzen, braucht zuallererst das, was man Selbstführung nennt. In Los Angeles wurde mir so richtig klar, was es bedeutet, sich in einem solchen Umfeld nicht ablenken zu lassen und sich voll und ganz auf den Wettkampf zu konzentrieren. Das gilt für die Sportlerin, ich hatte ja vorwiegend mit weiblichen Athletinnen zu tun, und ihren Trainer gleichermaßen. Der Trainer hat die Aufgabe, in den Jahren des Lernens, Trainierens und der Wettkampfvorbereitung, mit guter Planung und einfühlsamer Steuerung den gesamten Karriereweg seines Schützlings

auf dieses Ereignis auszurichten. „Form zu machen“, wie es heißt, muss letztlich zu einem einzigen Punkt führen: zu dem Zeitpunkt des Wettkampfes. In dem Augenblick, in dem der Startschuss fällt, muss die maximale Leistung abgerufen werden. Das gelingt nur, wenn die Sportlerin weiß, dass der Trainer ihr voll und ganz vertraut. Dazu braucht es die Führung der Sportlerin. Noch wichtiger aber ist, dass eine Sportlerin sich selbst vertraut. Dazu braucht es die Führung des Menschen. Erfolg ist das Ergebnis von beidem – die fachliche und die menschliche Führung!

Welche Fähigkeiten kennzeichnen die Rolle der Führungspersönlichkeit im Sport und welche sind Ihnen gegeben? HARKSEN: Wie Sie richtig sagen, ist es eine Rolle, die man bekleidet. Trainer zu sein oder sich selbst als solcher zu verstehen, ist ein verengtes Rollenbild. Trainer meint die Anwendung von Fachwissen, also das Handwerkszeug zur Anleitung von Trainingseinheiten. Ein Coach zu sein vereint alle Fähigkeiten, die es braucht, um einen Athleten im Wettkampf zu Höchstleistungen zu verhelfen, denn ein Trainingsweltmeister gewinnt keine Medaillen und weder Ruhm noch Ehre. Der Mentor, eine – wie ich meine –weiterreichende Führungsrolle, begleitet eine Person erfolgreich ein wichtiges Stück durchs Leben. Insofern vereint Führungsintelligenz sowohl kognitive, emotionale als auch soziale Fähigkeiten, also den Blick über den Tellerrand hinaus. Von den erzielten Erfolgen der Sportlerinnen, die ich betreut habe, ließe sich der Rückschluss ziehen, dass mir alle diese drei Rollen von Natur aus gegeben sind. Aber das ist nicht so. Ich meine eher, dass ich im Laufe vieler Jahre gelernt habe, mir diese Rollen zu erschließen und sie auszufüllen. Vielleicht ist es mir leichtgefallen, Führungsfähigkeiten zu erwerben, aber ich denke nicht, dass jemand als Führungspersönlichkeit geboren wird und ihm diese Eigenschaften in die Wiege gelegt sind. Es ist vielmehr ein Reifungsprozess – und oft bedarf es der gemachten Fehler, der erlebten Krisen und der durchschrittenen Tiefen. Erst dann gelangt man dorthin, wo ich persönlich die höchste Kompetenz bei der Begleitung von Athleten auf ihrem Karriereweg sehe: Leadership.

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Sie haben während Ihrer Karriere als Bundestrainer im Schwerpunkt weibliche Athleten betreut. Haben Sie ein besonderes Talent, das bei der Karriereentwicklung von Frauen explizit zum Tragen kommt?

HARKSEN: Meiner Erfahrung nach dominiert bei der Arbeit mit Männern die fachliche Kompetenz – Defizite in der menschlichen Beziehung sind durch Fachkenntnis kompensierbar. Frauen aber würden das niemals tolerieren oder sich auf ein solches „Kompensationsmodell“ einlassen. Die Chemie muss einfach stimmen – zwingend. Daher braucht ein Frauentrainer ein noch höheres Maß an Empathie, und muss gleichzeitig so viel Distanz wahren, dass er stets ganz nüchtern analysieren kann, wie die Athletin gerade tickt. Das hat dazu geführt, dass mich meine Athletinnen nicht nur als Trainer, sondern auch als Mensch akzeptiert haben. Das hat eine psychologische Dimension. Glücklicherweise ist die Sportpsychologie ein mittlerweile akzeptiertes Ergänzungstool in jedem Karriereplan. Hierfür bin ich meinen akademischen Lehrern, Prof. Hermann Rieder und Prof. Hans Eberspächer vom Sportinstitut der Uni Heidelberg dankbar. Eberspächer hat mit seinem Standardwerk „Gut sein, wenn´s draufankommt“ die Sportpsychologie vom Image der „roten Couch“ befreit und zum festen Bestandteil der Karriereentwicklung gemacht. Frauen waren den Männern hinsichtlich der Akzeptanz sportpsychologischer Trainingsmethoden und auch des kommunikationspsychologisch fundierten Austausches immer ein Stück voraus. Meine Affinität zu diesem Aspekt der Wettkampfvorbereitung hat mich wohl besonders qualifiziert, mit Sportlerinnen zu arbeiten.

Dabei gelten Sie als absoluter Leistungsfanatiker … HARKSEN: …bisweilen auch als Schleifer! Die Gier nach Leistung und Erfolg waren enorme Triebfedern. Dabei sollte man mit Erfolgszielen allerdings vorsichtig sein. Man kann keine Medaille planen, weil du in einer Individualsportart keinen Einfluss hast auf die Leistungsfähigkeit der Gegner. Besser ist es, sich Handlungsziele mit klarer Formulierung von Teilzielen zu setzen, die eine prognostische Zielleistung zulassen. Bei Erreichung

hoher Handlungsziele ist ein Erfolgsziel oft ein Resultat. Wichtig waren für mich immer die technische Präzision der Disziplin, eine akribische Periodisierung und eine fundierte Steuerung der Belastungsprinzipien. Das ist das Handwerkzeug, womit sie ein junges Talent zu einer Athletin formen – und zwar nach dem Bilde der Athletin, nicht ausschließlich nach ihren Vorstellungen als Trainer. Eigene Vorstellungen bisweilen in Demut hintenanzustellen gebietet der Respekt vor der Sportlerpersönlichkeit und deren Talent! Das Talent zu sehen, herauszufinden, was in jemandem steckt und dann einer gemeinsamen Idee zu folgen, befördert den Willen zur Höchstleistung. Und dann kommt eines hinzu: das Wegräumen von allem, was sich dem Fortschritt in den Weg stellt und die Leistungsentwicklung hemmt. Oder – um es mit einer mathematischen Grundformel auszudrücken: Spitzenleistung ist gleich Talent plus Wille abzüglich der Summe aller Störfaktoren. Letztere sind ganz besonders Verletzungen und Erkrankungen. Hier habe auch ich in meiner Trainerkarriere Fehler gemacht, weil ich lernen musste, dass die Genesung keine Abkürzungen kennt. „Form zu machen“, wie wir sagen, braucht Zeit. Die fehlt, wenn Trainingseinheiten krankheits- oder verletzungsbedingt ausfallen müssen, weil der Arzt eine Pause verordnet. Der Mensch ist eben immer wichtiger als der Sportler!

Das stellt die Trainer-Athleten-Beziehung manchmal auf den Prüfstand und fordert ein gutes Nervenkostüm.

Bei Sportlerinnen und Sportlern entscheidet das Nervenkostüm oft über Sieg oder Niederlage. Gibt es für Sie ein Beispiel für diese besondere Begabung?

HARKSEN: Ganz klar Malaika Mihambo. Sie ist zurzeit das Gesicht der Deutschen Leichtathletik, nicht nur weil sie Weltmeisterin und Olympiasiegerin im Weitsprung wurde, sondern wie sie das wurde! Bestleistungen immer im allerletzten Versuch, als es wirklich um alles ging – das ist absolut imponierend. Ich kenne Malaika von ihren Trainingseinheiten in Mannheim schon sehr lange. ihr Stammverein LG Kurpfalz war auch mein Verein in meiner Jugend. Ihr grundlegendes Selbstvertrauen ohne Allüren, Ihre Konzentrationsfähigkeit und diese Nervenstärke, wenn es darauf ankommt, macht sie zu einem Beispiel und Vorbild für mentale Top-Performance.

Wenn Sie an eine besondere menschliche Begabung denken, was oder wer kommt Ihnen dabei in den Sinn?

HARKSEN: Da fällt mir ganz spontan der letztjährige SportAward Rhein-Neckar ein. Ich war in der Kategorie „Top Trainer“ nominiert. Die Wahl fiel auf Gerald Marzenell. Nach dem wiederholten Gewinn der Deutschen Mannschaftstennis-

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meisterschaft des TK GW Mannheim unter seiner Führung als Coach war das keine Überraschung. Und wissen Sie, was das Erste war, das Gerald sagte, als er auf die Bühne stand – den Preis in der einen und das Mikro in der anderen Hand? „Eigentlich hätte ich Rüdiger Harksen hier erwartet“. Das hat mich wirklich sehr berührt – oder „geflasht“, wie man heute sagt. Die Begabung zur Demut als gesteigerte Form der Dankbarkeit ist eine selten gewordene Eigenschaft. In diesem Sinne sehe ich in Gerald eine besondere menschliche Begabung.

Inwieweit darf denn die Leichtathletik auch in Zukunft von Ihren fachlichen und menschlichen Begabungen profitieren?

Ich bin ja nachwievor als Sportvorstand für meine sportliche Heimat, die MTG Mannheim tätig. Mein Herz schlägt besonders für das internationale Bauhaus U20 Leichtathletik Festival, das wir dort alljährlich veranstalten und das zu den bedeutsamsten Events seiner Art weltweit gehört. In diesem Zusammenhang bin ich auch immer auf Sponsorenakquise und versuche, die Unternehmer

unserer Region bei ihrer Ehre zu packen und sie insofern zu einer besonderen Verantwortung zu motivieren, dass auch Randsportarten zu Geltung kommen. Ich möchte nicht groß darüber reden, was Leichtathleten Tag für Tag leisten und welche Entbehrungen sie in Kauf nehmen, um z. B. bei Olympia dabei zu sein – der Traum jeder jungen Sportlerin. Wenn man den Begriff der Leistungsgesellschaft ernst nimmt, dann darf das Engagement für den Sport eben nicht allein kommerziellen Interessen unterworfen sein. Die Leistungen der jungen Menschen bei einem solchen Leichtathletikfestival zu erleben, öffnet dahingehend die Augen. Die weit über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten genau so viel Zuschauer verdient wie ein Fußballspiel. Um also möglichst viele junge Menschen von der Leichtathletik zu begeistern – und das möglichst weltweit – kehre ich in gewissem Sinne immer wieder gerne zu meinen Wurzeln als Lehrer zurück. Ich war gerne Ausbildungsleiter bei internationalen Trainerlehrgängen, bereiste dadurch Länder wie Brasilien, Indonesien oder schon

vor sehr vielen Jahren Simbabwe und erst kürzlich Vietnam. Diese Tätigkeit ist etwas, was meiner Begabung entspricht. Der Reaktion der Trainerkollegen, die an diesen Lehrgängen teilnahmen, entnehme ich eine positive Rückmeldung. So viel Herzlichkeit, Gastfreundschaft und Verbundenheit, die mir bei meinen Reisen entgegengebracht wurde und die Freundschaften, die daraus erwachsen, sind eine Bereicherung für mein Leben, die ich mir noch möglichst lange bewahren möchte …

Nach diesem wunderbaren Gespräch höre ich mit Freude, dass Ihre Erfahrungen, Kompetenzen und Sie selbst als Führungspersönlichkeit Ihrem Sport auf unterschiedliche Weise erhalten bleiben. Genau in diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein reiches Leben, viele bereichernde Begegnungen, Gesundheit und stets das notwendige Quäntchen Glück. Vielen Dank für dieses kurzweilige und für mich persönlich sehr erfahrungsreichen Austausch!

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Max Rehberg

Gäste in unserer Rubrik Who´s Who sind dem Racket Center in besonderer Weise verbunden. So sind die folgenden Zeilen immer auch ein Ausdruck von Respekt und Verbundenheit. Einen Spitzensportler wie Max Rehberg auf dem Tennisplatz zu erleben – zum Beispiel beim Bundesligisten und mehrfachen Deutschen Mannschaftsmeister TK GW Mannheim – ist uns eine große Motivation, ihn hier vorzustellen.

Seine Leidenschaft zum Beruf machen, die Welt bereisen und im Rampenlicht stehen. Davon träumen viele junge Tennisspieler. Doch der Weg dahin ist schwer und die Konkurrenz groß. Es benötigt viel Begabung, hartes Training und ein Team um sich, das einen in allen Lebenslagen unterstützt. Max ist der zweitbestplatzierte Teenager im Deutschen Herrentennis und gilt als absolutes Ausnahmetalent. Wir freuen uns, ihn beim MLP-Cup in unserem Racket Center Nußloch begrüßen zu dürfen und drücken ihm fest die Daumen. Und wir freuen uns auf Zuschauer aus der Region, die ihn gemeinsam mit uns anfeuern werden.

Als gerade mal 18-Jähriger erhält der Münchner eine Wildcard für die BMW Open 2022 und gibt damit sein Debüt auf der Profitour. Es ist das erste ATP 250-Turnier für Rehberg, ausgerechnet in seiner Heimatstadt. Die Partie gegen Miomir Kecmanovic verliert er zwar mit 2:6 3:6, die Zuschauer auf dem Center Court erkennen dennoch sein großes Potenzial. Das stellt er bei den BMW Open ein weiteres Mal unter Beweis, als er gemeinsam mit dem Routinier Philipp Kohlschreiber im Doppel antritt. Kohlschreiber, der nicht das erste Mal mit Rehberg auf dem Platz steht, sagt ihm eine erfolgreiche Zukunft voraus:

„Er hat auf jeden Fall das Potenzial, sich im deutschen Tennis nach oben zu spielen. Aber er hat auch noch einiges zu tun, muss hart arbeiten. Aber wenn er das macht, wüsste ich nicht, was dem Erfolg entgegenstehen sollte.“

Ihr Match verlieren sie zwar, Rehberg nimmt aber wichtige Erfahrungen mit. Gegen die erfahreneren Spieler zeigt sich die noch vorhandene mentale und physische Unterlegenheit des Jungstars. Er weiß, dass noch viel Arbeit auf und neben dem Platz vor ihm liegt, um in Zukunft auch gegen stärkere Gegner zu gewinnen.

Sein Ziel für die Saison 2022 war das Erreichen einer ATPPlatzierung unter den besten 750. Dafür trainiert Rehberg in der BTV-Tennisbase in Oberhaching. Tipps holt er sich dort unter anderem von Yannick Hanfmann und Daniel Masur. Ihr Weg ins Profitennis hat nur wenige Jahre vor Rehberg begonnen. Wie sie zählt Rehberg aktuell zu den größten Talenten im deutschen Tennissport. Kein Wunder, überzeugte er doch auf der Jugendtour mit seinen Teilnahmen bei den US Open, Roland Garros und in Wimbledon. Dort schaffte er

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WHO´S WHO
Foto: Juergen Hasenkopf

es bis ins Achtelfinale, obwohl Rasenplätze in München der Seltenheit angehören. Vorbereiten musste er sich deshalb auf einem Privatplatz. Der Erfolg blieb dennoch nicht aus. Im Doppel schaffte er es in England bis ins Viertelfinale. Mit höchster Platzierung auf Rang 21 in der Rangliste kann er auf eine sehr gelungene Jugendkarriere zurückblicken.

Seit 2020 spielt er bei ersten Turnieren der Profis mit und steht Ende 2021 erstmals unter den Top 1000 der Weltrangliste. Knapp 1 Jahr später gewinnt er beim ITF-Turnier im französischen Forbach souverän und ohne Satzverlust seinen ersten Titel. Mit dem erlangten Selbstbewusstsein tritt er kurz darauf beim Challenger Turnier in Ismaning an, bei dem er es bis ins Finale schafft. Auf seinem Weg dorthin besiegt er ausschließlich höher gerankte Spieler und ist erst im Finale dem an 78 notierten Franzosen Quentin Halys knapp unterlegen.

Der Belag bei beiden Turnieren: Teppich. Der schnelle Untergrund scheint beinahe eine Erfolgsgarantie für den 19-jährigen zu sein. Umso bedauerlicher für ihn, dass im Profitennis kaum noch auf diesem Belag gespielt wird.

„Ich kann einfach schnell reagieren. Mein flaches Spiel und die kurzen Ballwechsel liegen mir sehr. Außerdem bin ich seit Kindheit an den Belag gewöhnt. Es kommt alles zusammen.“

Sein Saison-Ziel hat er dennoch weit übertroffen. Im November 2022 erreicht er seine bisher höchste Platzierung auf Rang 424 der Weltrangliste. Schafft er es in seinem nächsten Jahr auf der Tour an diese Erfolge anzuknüpfen, führt der Weg für das deutsche Talent weiter steil nach oben. Schon jetzt zahlt sich die harte Arbeit über die Jahre aus.

„Ich bin stolz auf mich und mein Team. Im Verlauf der letzten Monate ging es vom Kopf her immer besser. Der Glaube daran starke Spieler schlagen zu können ist jetzt da. Ich bin ruhiger auf dem Platz und habe keine negativen Gedanken.“

In der Rhein-Neckar-Region hatte er 2022 bereits erste Eindrücke hinterlassen, als er für den TK Grün-Weiß Mannheim sein erstes Bundesliga-Match bestritt und einen deutlich höher gerankten Spieler bezwingen konnte.

Geholfen hat ihm dabei womöglich sein Glücksbringer: Sein zweiter Vorname. Seit seine Mutter früher bei Tennis Europe seinen kompletten Namen angegeben hat, ist Rehberg ihn bis heute nicht losgeworden. Die ATP führt ihn offiziell als Max Hans Rehberg, auch wenn er selbst seinen zweiten Vornamen nicht benutzt. Ändern lassen möchte er das nicht, stattdessen soll „Hans“ ihm nun Glück bringen. Ob das etwas mit einem bekannten Burgerrestaurant zu tun hat? Zumindest überzeugt er auf dem Platz, ob nun als Max oder Max Hans. Auf seine zukünftigen Leistungen im Jahr 2023 dürfen alle Zuschauer gespannt sein.

„Wenn ich in vier Jahren so bin wie er jetzt, wäre ich sehr, sehr zufrieden. Ich hoffe, dass es nicht mein letztes Mal auf dem Center Court war“, sagte Rehberg nach seinem Match gegen Kecmanovic in München. Ob er sich diesen Wunsch erfüllt, wird sich im kommenden Turnierjahr zeigen. Mit dem MLPCup Ende Januar könnte ihm auf seinem Lieblingsbelag direkt ein guter Start in die Saison gelingen. Auf seine Leistungen in diesem Turnier dürfen alle Zuschauer sehr gespannt sein.

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FRAGEN ANTWORTEN

Begabung –Wie sehen Sie das, Prof. Wassermann?

Einer der von ihm geleiteten Chöre nennt ihn liebevoll einen "Besessenen" – besessen von der Musik. Schon als Schüler hatte Franz Wassermann Unterricht im Klavier- und Orgelspiel, in Gesang, Dirigieren und musikalischer Theorie. Nach dem Abitur am Gymnasium bei St. Michael in Schwäbisch Hall absolvierte er ein wissenschaftliches Studium an der Universität Heidelberg in den Fächern Germanistik, Philosophie, Geschichte und Musikwissenschaft. Seine musikalischen Studien absolvierte er in Karlsruhe, Rom, Stuttgart und Trossingen, unter anderem bei Hellmuth Rilling und Fernando Germani. 17 Jahre lang war er Gastprofessor für Stimmbildung, Sprecherziehung und Rhetorik am Theologischen Seminar der Erzdiözese Freiburg. Als Früchte seiner akademischen Lehr- und Forschungstätigkeit hat er Publikationen zur Ästhetik sowie zur Musik- und Literaturgeschichte vorgelegt.

Prof. Wassermann ist Musikdirektor an der Universität Heidelberg, wo er unterrichtet hat, und hält Gastprofessuren in Armenien, Georgien, Italien, Kanada und in den USA. Er ist Gastdirigent der Georgischen Staatlichen Philharmonie, beim Litauischen Kammerorchester Kaunas und der Armenischen Staatsoper. Er ist im Bundesvorstand des Verbands Deutscher Konzertchöre (VDKC) und fungiert dort als Stellvertretender Vorsitzendender des Künstlerischen Beirats. 23 CDs und Schallplatten sind unter seiner Leitung aufgenommen worden, große Oratorien ebenso wie a-capella-Musik und selten musizierte Werke.

Als Gründer und Leiter der Capella Carolina des Internationalen Studienzentrums der Universität Heidelberg dirigiert er deren Großen Chor, ihren Kammerchor Camerata Carolina und das Ensemble „GSG9“. Mit seiner GeSangsGruppe 9 („GSG9“) der Capella Carolina schenkt er seit einigen Jahren den Mitgliedern und Gästen des ZAP im Racket Center einen weihnachtlich-magischen Moment, für den wir sehr dankbar sind.

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Einer der Großen dieser Zunft, Otto Klemperer, hat, zu Recht sehr selbstbewusst, gesagt: Man kann wohl in ein paar Wochen dirigieren lernen –ein Dirigent werden nie. Dieser Satz ist zu verstehen aus der historischen Situation, in der Klemperer lebte und arbeitete: der Maestro war ein hieratisch überhöhter Pultlöwe, der von der Aura der Absolutheit umweht war. Von der zweiten Hälfte des 19. bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde diese Betrachtungsweise kultiviert, nicht zuletzt von den Dirigenten, deren Ego damit heftig gestreichelt wurde. Bei den schon apostrophierten Großen der Zunft lässt sich dies nachsichtig belächeln angesichts ihrer Leistungen, bei den anderen „Maestri“ streift solches mehr oder weniger deutlich die Grenzen der Lächerlichkeit.

Nach meiner Meinung hat sich in den letzten Jahrzehnten erfreulicherweise ein anderes Verständnis von der Tätigkeit des Dirigenten verbreitet; ich benutze das grammatikalische Maskulin als typologische Bezeichnung, die auch Dirigentinnen einschließt, deren es vorzügliche gibt.

Der Dirigent sieht sich als Teil des Teams von Chor und/oder Orchester, er schwingt nicht die Knute, sondern er versucht, die mit ihm – nicht unter ihm – Musizierenden in seine Vorstellungen einzubeziehen und ihre Vorschläge für die gemeinsame musikalische Arbeit fruchtbar zu machen. Im – nicht immer gelingenden – Idealfall gestaltet der Dirigent sein Tun in der Form der Maieutik.

Plato lässt in seinem Dialog „Theaitetos“ Sokrates sagen, er helfe den Gesprächspartnern nur, ihre eigenen Erkenntnisse zu entwickeln, indem er sie durch geeignete Fragen dazu veranlasse, die zutreffende Antwort selbst herauszufinden. So wird die Einsicht ans Licht gebracht – als Einsicht, die der Antwortende als eigene versteht, nicht als eine, die ihm konfrontativ dozierend vorgesetzt wird.

Ein anderer Großer der Dirigentenzunft, Karl Böhm, pflegte im Unterricht den Studierenden in Hinsicht auf die Arbeit mit Musikern zu sagen: „Unterjocht sie nicht, gebt ihnen die Möglichkeit, von sich aus schön zu musizieren, das sind doch keine Deppen“.

Natürlich hat Maieutik - es geht ja nicht nur um einen Diskurs, sondern, etwas kühl gesagt, um klangliche Produktion tönend bewegter Form - für das gemeinsame musikalische Tun ihre Grenzen; je besser ausgebildet die Ensemblemitglieder sind, desto leichter ist Maieutik anwendbar.

Und es kommt auch etwas Allgemeines hinzu: es muss bei den Ensemblemitgliedern Vertrauen in die fachliche und menschliche Autorität des musikalischen Leiters vorhanden sein, so wie dieser sich darauf muss verlassen können, dass die mit ihm Musizierenden ihr Bestes geben, dass etwas Besonderes aus ihrem gemeinsamen Tun erwächst.

Für den Dirigenten bedeutet dies, dass er die Möglichkeiten nutzt, Grenzen zu öffnen; gleichzeitig aber muss er in Schranken weisen, wo das Ganze instabil zu werden droht. Er muss fördern, aber gleichzeitig auch fordern. Eitelkeit, die von Ensemblemitgliedern, wie auch seine eigene, muss er unerbittlich bekämpfen. Bei jeder musikalischen Aktion mit einem Ensemble hat er den Spagat zu versuchen, sowohl Freund als auch Meister –„Maestro“ – zu sein. Dazu gehört, wie bei allem Musizieren, unablässige Arbeit an sich selbst. Pablo Casals hat noch mit 93 Jahren täglich mehrere Stunden geübt, weil er „besser werden wollte“.

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1Was braucht ein Musiker und Dirigent für seine Tätigkeit?
Jugendstil-Saal „Palü“ Vinothek Gewölbekeller Biergarten Die ideale Location für Ihre privaten oder geschäftlichen Anlässe Restaurant Badischer Hof Seckenheimer Hauptstraße 114 68239 MA-Seckenheim Tel.: +49(0)621-97 86 14 30 E-Mail: info@badischerhof.net www.badischerhof.net Anzeige

Handwerkliches Üben, intensives Studium der Partitur und die Kenntnis des historischmusikalischen Hintergrunds sind notwendige Bedingungen für den Dirigenten. Er muss die Zusammenhänge und Bezüge innerhalb einer Komposition erkennen, ihre Struktur den mit ihm Musizierenden vermitteln und damit eine „Gesamtdramaturgie“ des Werks leisten und auch verwirklichen können, die das Publikum überzeugt.

Voraussetzung sind musikalische Begabung, ein feines Gehör und ein gutes Gedächtnis; der Dirigent, so heißt ein Leitspruch, soll die Partitur im Kopf und nicht den Kopf in der Partitur haben. Unabdingbar sind ein differenziertes und trittsicheres rhythmisches Gespür und die Fähigkeit, dies in Bewegung und dirigentische Gestik umzusetzen.

Eine Bemerkung zu Bewegung: das Racket Center ist ein guter Ort, Beweglichkeit zu fördern!

Der Leiter von Chören und Orchestern muss schnell reagieren können, muss bevorstehende Klippen, wie sie jedes Werk enthält, unverkrampft umschiffen und bei allfälligen Unebenheiten gelassen und entschlossen zugleich handeln.

Ganz wichtig ist es für den Dirigenten, auf die Menschen, mit denen er zu tun hat, zugehen zu können und sie zu respektieren – so wie er Respekt verlangt und verlangen darf.

Meine Dirigententätigkeit verstehe ich nicht als die eines Herrschers von wessen Gnaden auch immer; ich sehe mich als den ersten Diener am musikalischen Werk. Den ersten wohl, der die Linie des gemeinsamen Musizierens entwirft und koordiniert, der dies jedoch deshalb tut, damit das Kunstwerk so gut und so überzeugend wie möglich erklingt.

Ich musiziere gern solistisch; doch dies gemeinsam mit anderen zu tun bewahrheitet mit schlagender Beweiskraft das Sprichwort, dass geteilte Freud doppelte Freud ist.

2 Welche Begabungen würden Sie sich für

„Ihr Selbst“ wünschen?

Ich würde gerne zeichnen und malen können. Die bildenden Künste interessieren mich sehr, doch wenn ich etwas zu zeichnen versuche, egal was, es wird immer ein Wurm oder eine Lokomotive daraus. So bleibe ich hier bei passiv genießendem Interesse.

3 Welche Begabungen vermissen Sie bisweilen bei anderen Menschen im Kontakt mit ihnen?

Dreierlei möchte ich nennen: Bescheidenheit. Ich beobachte eine wachsende Tendenz, über der Wichtigkeit des eigenen Ich die anderen Menschen zwar nicht zu vergessen, so doch sehr weit hintanzustellen. Darüber haben sich Satiriker zu allen Zeiten geäußert, doch heute ist es eine gewaltige, fast Majoritätsdimension annehmende Welle. Es fehlt sehr die Begabung zu kritischer Selbstbeobachtung.

Zuverlässigkeit. Es sind die ungeheuer viel größeren Möglichkeiten auf vielen Gebieten, unter denen wir wählen können, verbunden mit zunehmender Beschleunigung der Wahrnehmung und damit auch der veränderten Einstellung zum Wahrgenommenen. Entschiedenheit und Resilienz sind Begabungen, an denen es mangelt.

Wirkliche Offenheit anstatt aufgeblasenem Modernseinwollen. Kritisches Hinterfragen von Erscheinungen und Geschehnissen tut not, Widerstand gegen Fake News. Diese gab es zu allen Zeiten, doch heute sind sie überall und in Windeseile zu verbreiten. Abstraktions- und Unterscheidungsvermögen sind wünschenswerte Begabungen.

76 RC Premium 1/2023

KINDER SPORT

Selbstregulation für

Kinder ein Projekt der Tennisakademie Rhein-Neckar von Michael Quitsch, Tennisakademie Rhein Neckar

Mental stark

Unter der Leitung von Frau Dr. Khatera Khamsi, Psychotherapeutin in Ausbildung am Institut für analytische Kinderund Jugendlichen-Psychotherapie HD e. V., bietet unsere Tennisakademie Kindern im Alter von 10 bis 15 Jahren seit neuestem eine Workshopreihe an mit dem Ziel, sie mental zu stärken. Die Eltern der teilnehmenden Kinder haben dabei eine unterstützende, co-regulative Funktion. Das bedeutet, sie begleiten ihren Nachwuchs als Kommunikatoren aktiv in der Umsetzung erlernter Inhalte und Handlungsmöglichkeiten. Dr. Khamsi konzentriert sich in dem Workshop hauptsächlich auf das Thema Gefühls- und Selbstwertregulation, die im Sport wie auch in allen anderen Lebensbereichen besonders relevant sind.

Eltern als Co-Regulatoren

Bevor die Kinderworkshops starten konnten, wurden zunächst die Eltern in einem eigenen Workshop auf ihre Aufgabe als wichtige Bindeglieder (Co-Regulatoren) im Rahmen dieses Projektes vorbereitet. Kinder lernen erst durch wiederholte Co-Regulation, sich selbst zu regulieren – dazu brauchen sie Erwachsene als empathische, haltgebende und reflektierende Unterstützer. Konkretes Ziel war es deshalb, den Eltern Möglichkeiten an die Hand zu geben, wie sie aktiv und ohne emotionale „Schäden“ beiderseits die Selbstregulation ihrer Kinder unterstützen und deren Selbstwert lang-

fristig stärken können. Hierzu lernten die Eltern über die Notwendigkeit der eigenen Selbstregulation und wurden dazu eingeladen, auf die Gefühle und Bedürfnisse zu blicken, die sich hinter dem Verhalten des Kindes verbergen können.

Kindliche Hilferufe erkennen In diesem Zusammenhang wird das Konzept der Co-Regulation vorgestellt und dessen praktische Anwendung in Momenten, in denen das Kind z. B. wütend ist oder sich fürchtet. Grundsätzlich gilt, dass derartige Gefühlsäußerungen wie ein Hilferuf zu bewerten sind und nicht als Aufforderung, das Kind zu maßregeln, zu belehren oder anzuschreien. Somit soll zur Beruhigung dem Kind zuerst Beziehung und Geborgenheit angeboten werden. Hierbei ist es wichtig, die Gefühle des Kindes wohlwollend zu benennen und zu validieren und diese vom Verhalten zu differenzieren. Sätze, im beruhigendem Ton, wie „Ich sehe, dass du ziemlich verärgert bist” oder „Oh ja, das kann sehr frustrierend sein” zeigen dem Kind, dass seine Gefühlszustände wahrgenommen werden, ohne dass es direkt Konsequenzen befürchten muss. Die Aufarbeitung der stressgeprägten Situation erfolgt, wenn sich alles „abgekühlt” hat. Ignorieren derartiger Gefühlsausbrüche sei, laut Khamsi, übrigens kontraproduktiv zur Steigerung des kindlichen Selbstwertes, ebenso dauerhafte, auf Bestrafung ausgerichtetes Disziplinieren.

78 RC Premium 1/2023

zu Zeit,handeln.nachhaltig

Volksbank Kraichgau Fonds-Nachhaltigkeit: regional, nachhaltig, einmalig.

Ein besonderer Fonds. Ein Fonds made im Kraichgau. Für unsere Natur, für die nächste Generation, für uns alle. Unser Volksbank Kraichgau FondsNachhaltigkeit fördert gezielt unsere Heimat und investiert in nachhaltige Werte.

Weitere Informationen, die Verkaufsprospekte und die wesentlichen Anlegerinformationen erhalten Sie kostenlos in deutscher Sprache beim Kundenservice der Volksbank Kraichgau eG, Hauptstraße 139, 69168 Wiesloch, unter www.vbkraichgau.de oder telefonisch unter 06222 589-0. Stand: Oktober 2020.

79 vbkraichgau.de/nachhaltigkeitsfonds

Gefühle als Kommunikatoren

Unter dem Motto „StarkKlar!: Mental stark werden“ kommen Kinder in zwei aufeinander aufbauenden jeweils dreistündigen Workshops zunächst mit ihren Gefühlen und inneren Stärken in Kontakt. Dabei lernen sie, dass Gefühle grundsätzlich nichts Schlechtes sind und eine Existenzberechtigung im Leben haben, denn sie weisen z. B. darauf hin, dass Grenzen überschritten worden sind. Sie sind sozusagen Kommunikatoren der menschlichen Innenwelt. Sie teilen etwas mit. Um Gefühle regulieren zu können, muss man verstehen, warum sich die spezifischen Gefühle mitteilen, was ihr Auslöser ist und wo sie körperlich spürbar werden. Vor allem aber wird es wichtig zu erkennen, welche Handlungsmöglichkeiten es gibt, wenn man erkennt, dass sie in den nächsten Sekunden aufkeimen und sich Bahn brechen werden.

Wut

Vielleicht erinnert der Leser hierzu an den Tennisspieler John Mc Enroe, der bekannt war für seine Wutausbrüche in Form von unter anderem Schimpftiraden und Schlägerwerfen. Was mir darüber hinaus noch im Kopf geblieben ist sind Mimik und Gestik dieses genialen Spielers, bevor dieser Ärger für alle sichtbar zum Ausdruck kommen sollte. Vor allem seine Gesichtszüge veränderten sich während der aufkeimenden Wut deutlich, so dass ich immer richtig lag, wenn ich meinen Freunden andeutete: „Passt auf, gleich explodiert er wieder!“ Vielleicht wären ihm noch mehr Erfolge sowie eine höhere Anerkennung seiner sportlichen Leistungen zuteil geworden, hätte er die Steuerung seiner Gefühlswelt im Griff gehabt.

Innere Eigenschaften als Verstärker

Über das Zulassen von Gefühlen, deren Wahrnehmung und Steuerung hinaus richtet Dr. Khamsi den Fokus auf die Identifizierung von inneren Eigenschaften wie Durchhaltevermögen, Mut oder Kreativität, die den Kindern helfen sollen, bei Erfolg wie Misserfolg prozessorientiert zu denken sowie ihren Selbstwert zu regulieren.

So werden die Kinder bis zum Ende ihrer Workshops lernen:

• Ihre Gefühle als wichtige Informationsquelle zuzulassen

• Diese Gefühle im Körper frühzeitig wahrzunehmen und zu benennen

• Umgangstechniken in Bezug auf diese Gefühle parat zu haben

• Innere Eigenschaften und Stärken zu identifizieren

Fazit

Wichtig war uns seitens der Tennisakademie und Dr. Khamsi, Kinder und Eltern als Familie anzusprechen und nicht mit den Kindern isoliert zu arbeiten. Veränderungen von Verhalten beginnen in erster Linie im Familienverbund, also dort, wo jedes Mitglied der Familie die größte Sicherheit spürt, Veränderungen anzusprechen und schließlich zu wagen. Erst dann springt der Funke über auf den Sportplatz, die Schule, den Freundeskreis.

Die Trainer der Tennisakademie haben stets ein offenes Ohr für Kinder und Eltern und sind jederzeit bereit, derartige Prozesse zu begleiten und zu helfen, Ziele zu erreichen, die über die rein sportlichen hinausgehen, sofern es gewünscht ist. Damit schlagen wir die Brücke zum Credo unseres Racket Center, mehr als ein Sport- und Gesundheitszentrum zu sein. Wir wollen versuchen, füreinander da zu sein.

80 RC Premium 1/2023
TICKETS GIBT‘S AUF mlp-academics.de

FIRMEN PORTRAIT

epicto GmbH

Systemintegration –aus Ideen werden Installationen

Heute mehr denn je. Meetings, Workshops und Tagungen stellen immer höhere und individuellere Anforderungen – an die Raumsituation, Ausstattung und die medientechnische Lösung. Hier ist maximale Flexibilität erforderlich.

Auf die frühzeitige technische Planung kommt es an Um die aktuellen technischen Möglichkeiten optimal zu nutzen und um potenzielle Komplikationen frühzeitig zu erkennen, ist die medientechnische Planung idealerweise schon in der Konzeptphase der Raumplanung einzubinden. Hierbei ist Machbares und Sinnvolles gegeneinander abzuwägen, um Sicherheit und Wirtschaftlichkeit in ein optimales Verhältnis zu bringen.

Und außerdem spart eine frühe Planung erfahrungsgemäß eine Menge Zeit und Kosten.

Für die Systemintegration ergeben sich besondere Anforderungen

Der Einsatz modernster Kommunikationstechnik ist eine Grundvoraussetzung, um die Anforderungen an eine zeitgemäße Ausstattung von Meeting- und Konferenzräumen zu erfüllen und den hohen Ansprüchen der Nutzer zu genügen.

Um gleichzeitig bei bestem Nutzererlebnis die größten Effizienzgewinne zu realisieren, ist eine weitestgehende Integration vom Monitor bis hin zur Haussteuerung vorzunehmen. Dazu müssen die einzelnen technischen Komponenten unabhängig von ihrer Anzahl reibungslos und unauffällig miteinander arbeiten.

Aber nicht nur die Leistungsfähigkeit der technischen Lösungen ist von Bedeutung, sondern vor allem die intuitive Bedienung. Alles muss leicht von der Hand gehen und einer klaren und weitgehend automatisierten Nutzerführung folgen.

Das Ergebnis zählt Für den entscheidenden Eindruck einer Präsentation gibt es häufig keine zweite Gelegenheit. Deshalb ist im Bereich Konferenztechnik die Zuverlässigkeit aller Funktionen das oberste Ziel, um den Erfolg der Meetings, Präsentationen und Konferenzen sicherzustellen.

Technische Expertise und ein solides Grundverständnis für Wünsche und Bedürfnisse der Nutzer sind die Grundlagen, um umfassende Konferenztechniklösungen ganzheitlich zu planen und umsetzen zu können.

Mit der Kompetenz durch über 30 Jahre Erfahrung sowie einer sorgfältigen Vorbereitung bei jedem Projekt sorgt epicto als Experte für Veranstaltungs- und Konferenztechnik für einen reibungslosen Auftritt seiner Kunden.

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epicto implementiert modernste Medientechnik für die neue Hauptstelle der Volksbank Kurzpfalz in Heidelberg Fotos: Oliver Siemes

HERZLICH WILLKOMMEN

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Hallo, mein Name ist Francisco Pastor Castro, ich bin 30 Jahre alt und ich freue mich sehr, mich Ihnen in der aktuellen RC Premium-Ausgabe vorstellen zu dürfen.

Seit meinem fünften Lebensjahr spiele ich Fußball. Mit dem Studium der Sportwissenschaften an der Universität Karlsruhe kamen noch weitere Sportarten und ein paar Exoten dazu, unter anderem Geräteturnen, Kampfsport und Snowboarden. Als ehemaliger Jugendtrainer in der Sportart Fußball habe ich bereits meine ersten Erfahrungen im Kinderund Jugendsport in den verschiedenen Alters- und Leistungsklassen sammeln können. Ich nahm an Trainerlehrgängen und Fortbildungen teil und bin im Besitz der B-Trainerlizenz.

Mein Tätigkeitsschwerpunkt als neuer Leiter der Ballschule im Racket Center Nußloch liegt auf den Kinder- und Jugendsport. Sehr am Herzen liegt mir auch die pädagogische Qualität der Kindergeburtstage und der anderen Kinder- und Jugendveranstaltungen. Denn wir verfolgen mit unserer Jugendarbeit auch ein außerschulisches Bildungsziel. Sport ist dabei ein wichtiger Bestandteil …!

Neben Beruf und Sport verbringe ich am liebsten meine Zeit mit meiner Lebensgefährtin und unseren beiden Kindern. Ich freue mich sehr, Sie und Ihre Kinder mit dem Konzept und den Inhalten der Ballschule Heidelberg für den Sport begeistern und Sie demnächst persönlich im Racket Center kennen lernen zu dürfen.

Nachdem ich im Februar 2019 mein Fachabi gemacht habe, stand ich vor den Fragen: „Was möchte ich beruflich in meinem Leben erreichen und wo soll mein Weg hinführen?“ Dass ich anderen Menschen auf irgendeine Weise helfen möchte, etwas für ihre Gesundheit zu tun, war mir schon früh klar. Durch eine eigene Verletzung, die ich mit Hilfe von Physiotherapie wieder in den Griff bekam, kam mir der Gedanke „Das will ich auch können!“

Also begann ich im September 2019 meine Ausbildung zur staatlich anerkannten Physiotherapeutin in Mannheim. Kurz nach dem ersten Semester dann der Schock: Corona, Pandemie, Lockdown, Online-Unterricht und keiner wusste genau wie alles weiter geht. Nach einem Jahr Online-Unterricht und diversen Lockdowns kam ich dann endlich, Anfang 2021 zu meinem Praktikum in die ZAP Physiotherapie. Endlich wieder unter Menschen sein, endlich das tun, was ich im letzten Jahr nur theoretisch über meinen Computer-Bildschirm lernen konnte.

Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass ich keine Angst vor meinem ersten Praktikum in einer physiotherapeutischen Praxis hatte. Doch vom ersten Tag an, hat mich das komplette Team so herzlich und familiär aufgenommen, dass alle Angst und Nervosität vergessen waren. Schritt für Schritt wurde ich in das Leben als Physiotherapeutin herran geführt und in den sechs Wochen meines Praktikums hat sich meine Leidenschaft für das, was ich tue, verstärkt. Mir wurde bestätigt, dass ich habe die richtige Entscheidung getroffen habe.

Herzlich willkommen im Hotel-Restaurant Felderbock in Nußloch!

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Mediterraner Gaumenschmaus mit italienischen, französischen und spanischen Gerichten, Frischfisch und Pasta

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und Pasta

Kulinarische Menüabende Geburtstage, Hochzeiten, Firmenessen und andere Anlässe.

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Hallo liebe Freunde, Gäste, Mitglieder und Patienten des ZAP, mein Name ist Selina Rösch, ich bin 23 Jahre alt und der Neuzugang des ZAP PhysiotherapieTeams im Racket Center.

Als dann das Examen vor der Tür stand, musste ich also nicht lange überlegen, wo ich mich bewerben wollte. Seit November 2022 bin ich nun Teil des ZAP Physiotherapie-Teams und ich freue mich auf die kommende Zeit – besonders darauf, Ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, um Sie auf dem Weg der Genesung zu begleiten.

Öffnungszeiten:

Öffnungszeiten:

Öffnungszeiten:

17 bis 23 Uhr DI bis FR Sonntag & Montag Ruhetage 2023

17 bis 23 Uhr DI bis FR

Öffnungszeiten:

17 bis 23 Uhr DI bis FR Sonntag & Montag Ruhetage 2023

17 bis 23 Uhr DI bis FR

Sonntag & Montag Ruhetage 2023

Sonntag & Montag Ruhetage 2023

Reservierungen nehmen wir unter 06224-90994 15 entgegen.

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Hotelzimmer ab € 79,- exkl. Frühstück mit Klimaanlage

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Wir freuen uns auf Ihren Besuch! www.felderbock.eu Hauptstraße 26 * 69226 Nußloch info@felderbock.eu

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Herzlich willkommen im Hotel-Restaurant Felderbock in Nußloch! Mediterraner Gaumenschmaus mit italienischen, französischen und spanischen Gerichten, Frischfisch
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VARIETÉ

Neuer Standort! Neue Lebensfreude!

Das Taylor Areal in Mannheim wird im Laufe der kommenden Jahre vom Brachland in eine Erlebniswelt verwandelt. Noch braucht es Geduld, bis alles realisiert ist. Sobald man aber den Spielpalast betritt, findet man sich wieder im vertrauten und anspruchsvollen Ambiente. Die vielen Vorteile des neuen Standortes werden sich in den nächsten Jahren immer weiter entwickeln. Schon heute gibt es eine gute Verkehrsanbindung und zahlreiche Parkmöglichkeiten im angrenzenden Parkhaus, die den Gästen in dieser Saison kostenfrei zur Verfügung stehen.

Doch nicht nur der Standort des Spiegelpalasts ist neu. Noch nie hatte der Palazzo so viele Künstler erstmalig in einer Show wie in dieser Saison. Traditionelle Zirkusdisziplinen, die nur noch selten zu sehen sind, wechseln sich ab mit moderner Streetperformance, Tempo trifft auf poetische Momente und das alles in einer Inszenierung, in der sich die magischen Momente wie ein roter Faden durchs Programm ziehen.

Ein bekanntes Gesicht, aber in neuem Look & Feel, führt nicht nur sehr charmant, sondern auch beachtlich extravagant durch das zauberhafte dreieinhalb Stunden Programm. Chris Kolonko hat es einmal mehr geschafft

sich neu zu erfinden und präsentiert gleichermaßen verrucht wie humorvoll die mehr als 20 Artisten aus aller Herren Länder.

Fürs Auge präsentiert sich das bezaubernde Palazzo Revue-Ensemble in opulenten Kostümen und versprüht so den Esprit der großen Pariser Tanz-

paläste. Ausdrucksstark und stimmgewaltig sorgt die 28jährige Spanierin Aida Blanco und der Mannheimer Singer und Songwriter Juan Geck für den richtigen Ton im Spiegelpalast. Bereits zum 13. Mal ist Pianoman Rick Coleman dabei und unterstreicht mit seiner Samtstimme die einzelnen Menügänge.

Tickets für Show und Menü sind ab 69 € unter der Hotline 01805 - 60 90 30* erhältlich. Infos und Buchung unter www.palazzo-mannheim.de.

Die Show beginnt um 19.30 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr. An Sonn- und Feiertagen beginnt die Show bereits um 18.00 Uhr, Einlass ab 17.00 Uhr. Montags sowie am 24.12.22 und 1.1.23 ist spielfrei.

(*Mo-Fr 9 – 17 Uhr, 14 Cent/Min aus dem dt. Festnetz, max. 42 Cent/Min aus dt. Mobilfunknetzen)

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Unter diesem Motto verzaubert der Radio Regenbogen Harald Wohlfahrt Palazzo seine Gäste seit Oktober 2022 auf dem neuen Veranstaltungsgelände am Taylor Areal
Foto: Robin Heller Foto: Christoph Blüthner

Addis Abeba – „Revisited“:

Endlich, nach fast drei Jahren wieder vereint. Barbara Reske berichtet über das TDKET Projekt in Addis Abeba und ihr Treffen mit Tariku Tesfaye

Tariku

sagte etwas später: “It is good that you are here. I missed all of you, my family in Germany. Three years of Corona – that was hard.“ Und dann ging es im silbergrauen Mehrsitzer-Bus – vor zehn Jahren vom Internationalen Tennisclub von Deutschland gestiftet und mit Unterstützung des Racket Centers über Djibouti nach Addis Abeba expediert –zum Tennis Court beim Genet Hotel, Richtung Stadtmitte von Addis Abeba. Es war recht früh am Morgen, die Straßen, insbesondere die Bole Road, noch schläfrig, wenig Verkehr im Vergleich zu Hauptstädten in Europa, wo morgens gegen sieben Uhr der Verkehr zu stehen anfängt. Nicht so in Addis Abeba, der Weg zu einem ersten äthiopischen Kaffee war frei.

Zum Staunen: So viel, das war bereits nach wenigen hundert Metern außerhalb des Bole International Airport klar, hatte sich seit März 2020 geändert, war höher und größer geworden: Links und rechts der überwiegend nun zweispurigen Straße strecken sich deutlich mehr neue Hochhäuser in die Luft oder, präziser, vielstöckige Gebäude, Appartementhäuser in moderner Architektur – Bürogebäude, Hotels, Firmensitze, Offices der NGOs – dort, wo früher meist kleine Gebäude oder auch Hütten die keineswegs proper asphaltierte Bole Road, eine Art Eingangstor nach Addis Abeba, gesäumt hatten.

Und so ging es weiter für uns, bald durch eines der älteren Stadtviertel, Kazanchis, welches in das Stadtzentrum von Addis übergeht. Kazanchis erstreckt sich ungefähr über vier Kilometer von der Urael-Kirche zum alten Kaiserpalast. Zuvor strikt abgeschirmt durch äthiopische Sicherheitskräfte, jedoch seit 2019 unter Premierminister Abiy Ahmed zu einer Art Besuchermagnet in Addis ausgebaut, zeigt der Unity Park –der Kaiserpalast ist jetzt ein Teil davon – viele Facetten des alten und neuen Äthiopiens. Womöglich ist der Park vergleichbar mit Anlagen wie Gartenschauen, Länderausstellungen, Erholungsanlagen und Zoos – alles in einem kann dort bestaunt werden. Und wo Kazanchis früher den Äthiopiern in kleinen Cafés und Hütten Gelegenheit zur Einkehr bot, reiht sich nun ein Hotel an das andere, mehrere Sterne und Glitzer garantiert.

Über den Meskel Square, auch dieser ein riesiger, im Rahmen von Stadtentwicklung neu strukturierter Platz nicht nur weiterhin für Paraden und Messen, sondern auch für den Great Ethiopian Run und viel mehr, hat Tariku weiterhin die Führung. Er lenkt Richtung Kreisverkehr am Mexico Square, wo er dann nach links abbiegt, dorthin, wo sich sein Herz, das Projekt Tariku & Desta Kids´ Education through Tennis Development Ethiopia befindet. Angekommen!

88 RC Premium 1/2023
STORY

Wir steigen aus. Tariku strahlt, ich staune: Der vor knapp zwei Jahren zugunsten von beabsichtigtem Straßenbau zerstörte zweite Tennisplatz, derjenige zur zukünftigen Straßenerweiterung hin, ist schon lange wieder komplett hergerichtet. Der Begrenzungszaun steht, Werbung ringsum lässt sich lesen, das Netz ist gespannt und es sind Spieler und Trainer auf beiden Plätzen zu sehen. Im Hintergrund erblickt man die modernen Gebäude der African Union. Die Bälle fliegen gesetzt über das Netz, der satte dunkle Ton beim Aufkommen der Bälle auf dem Boden klingt gut in den Ohren. So soll es sein. Keiner hat nach dem Schock des unvermuteten Einreißens der Platzbegrenzung überhaupt nur kurz gezögert, die Zerstörungen zu beseitigen und den Platz wieder herzurichten. Keiner hatte daran Zweifel, dass trotz eventueller Hindernisse, trotz herrschender Coronawelle, die auch Äthiopien heftig erfasst hatte, nicht das wiederhergestellt würde, und zwar sofort, was Tariku, die Kinder und Trainer brauchen, um das inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte erfolgreich laufende Bildungs- und Sportprojekt weiterhin in die Zukunft zu führen.

Alles kann sich hier sehen lassen: Die Schul- und Umkleideräume, das Zweispielfeld, der Grünstreifen, der um die Anlage herumläuft – Tariku geht es nicht darum, kurzfristig etwas zu initiieren, sondern im Fokus stehen Planen, Einrichten, in Betrieb Setzen, Unterhalten, Ergebnisse erzielen, Berichten und Weitermachen und, wo möglich: Weiterentwickeln. Ressourcen sind nicht endlos, alles ist klar auf Fortbestehen und Nachhaltigkeit ausgerichtet.

Und dann eine besondere Begegnung: Im Halbdunkel der untergehenden Sonne steht vor dem Tennis Court plötzlich eine junge Frau vor uns. Lächelnd spricht sie mich an: “Don´t you remember me? I was in Germany!“. Ich erinnere mich leider nicht. Die junge Frau, eine Studentin an einer Universität deutlich nördlich von Addis Abeba, erzählt, dass sie mich bei einem Besuch mit Tariku im Racket Center vor Jahren getroffen und gesprochen habe. Heute sei sie zu Tariku zum TDKET

Tennis Court gekommen, weil sie weiterhin und wieder seine Hilfe benötige: Sie studiere nun, als erfolgreiche Absolventin im TDKET Projekt, computer science. Jedoch habe sie keinen eigenen Laptop zur Verfügung, kein Tablet und müsse nach den Vorlesungen, die üblicherweise bis in den späteren Nachmittag dauerten, an der aus der Stadt hinausführenden Landstraße entlang zur Bibliothek laufen, wo es Laptops zur Verwendung „on site“ gebe, nicht zum Entleihen. Sie habe Angst, fortwährend entlang der Straße gehen zu müssen, besonders der Heimweg im Dunkeln sei für sie nicht machbar. Ich schaue sie an und verstehe, was sie meint – ruhig und fragend schaut sie mich aus ihren großen Augen unter dem schmalen Schal über ihren Haaren an. Später sagt mir Tariku, dass er versuchen werde, einen Laptop für die junge Frau, sein „TDKET-Kind“, zu besorgen. Ob es klappe? Er hofft.

Ja, legendär sind die Besuche der Kinder seit 2008 im Racket Center Nußloch. Es gibt bei diesem Projekt, das grundlegende sportliche Leistungen im Tennis zum Prinzip hat und einen klaren Schwerpunkt auf schulische und nachschulische Ausbildung legt, gleich mehrere Gewinner:

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Die Kinder, im Laufe der Jahre im Projekt bisher insgesamt rund zweihundert, die nun bereits in der dritten Generation erfolgreiche Schulabschlüsse und mehr vorzeigen können und sich im kognitiven Bereich sowie im sozialen und emotionalen Miteinander und Füreinander etwas entwickeln konnten, was in dieser Welt und in Äthiopien nicht zwingend selbstverständlich ist: Diese Kinder können als Erwachsene nach Abschluss ihrer Ausbildung in ihrer Heimat Äthiopien in ein Berufsleben einsteigen, für sich und ihre Familien sorgen und womöglich dem Projekt TDKET selbst etwas zurückgeben dadurch, dass sie Vorbild und Mentoren sein können für die nachwachsende Generation.

Die Erwachsenen in mehreren Ländern, die durch finanzielle Unterstützung, durch sächliche Hilfe und durch immaterielle Förderung dem Projekt nun seit vielen Jahren das geben, was es in Anbetracht der Lage im eigenen Land nicht ohne weiteres geben kann. Tennissport wird hier als Grundlage für umfassende Förderung von Bildung unterstützt, die der Schlüssel für ein gelingendes Leben ist. Als Beispiel aus jüngerer Vergangenheit sei hier die Hilfe durch die Manfred Lautenschläger-Stiftung genannt, die über frühere Spenden hinaus seit 2020 dreißig begabten Kindern des Projekts den Besuch auf weiterführenden Privatschulen ermöglicht.

Und Alexander Kurucz, der Präsident des Internationalen Tennis Club von Deutschland e. V., der es zusammen mit dem Club seit Jahren nicht nur schafft, täglich eine warme Mahlzeit für die Kinder bereitzustellen, sondern der auch für weitere Unterstützungsmaßnahmen steht, ohne die das TDKET Projekt womöglich schon hätte aufgeben müssen. Weitere Unterstützung kommt aus privaten Spenderkreisen, die regelmäßig große Beträge für das Projekt zugunsten kleiner Menschen auf dem Spielfeld in Addis Abeba, dort, beim Genet Hotel hinter dem Mexico Square, überweisen.

Und zu nennen sind hier natürlich Tariku Tesfaye selbst, der viel mehr ist als der Chefcoach auf dem Feld, und sein Bruder Desta, der Mitbegründer und immerwährende Unterstützer von TDKET.

Tariku formulierte es Anfang Dezember in einem Telefonat so: „The project is a gift of God. I am not the only person, there are many people, all have got their credit, they all have given their money, their time, their effort. We all fight for the project, it is like in a family. Whatever happens, in the end it is all good.“

Und Tariku führte weiter aus, dass ein überaus wichtiger Wert von TDKET darin liege, dass sehr unterschiedliche Menschen aus zwei Kulturen zugunsten der Zukunft und die der Kinder zusammenarbeiteten. Jeder habe in diesem Projekt gelernt und lerne weiterhin. Das sei es doch* Und: „What I have learned in 21 years is immense. And you, the Germans, are really good people with good hearts. You are my second home.“ Tariku freut sich darauf, hoffentlich im Januar

2023 wieder ins Racket Center kommen zu dürfen, nach drei Jahren endlich wieder seine Familie, seine Freunde in Nußloch treffen zu können.

Die Kinder, die Trainer und Tariku haben sich auch nicht demotivieren lassen, als gegen Ende November 2022 das Unglaubliche passierte: Wieder wurde in einer völlig überraschenden Aktion der Tennisplatz von TDKET zerstört. Wieder wurde der Zaun niedergerissen, die Werbung heruntergezerrt, der Boden aufgewühlt. Ja, und? Tariku lässt sich nicht entmutigen: “I am a good fighter.“ Er und die Kinder und die Trainer und alle –sie kämpfen weiter. Es gibt jetzt halt nur noch einen eineinhalbgroßen Tennisplatz anstelle des Zweifeldplatzes –dafür kann hoffentlich Flutlicht installiert werden. Die Kinder brauchen doch Platz zum Üben für das Spiel und zur guten Vorbereitung für ihr Leben.

Ja, sagt Tariku Anfang Dezember 2022 am Telefon, es gebe viele Herausforderungen, Corona, Klima, Krieg. Und: In der Dritten Welt könne immer alles passieren, jedoch, morgen sei ein weiterer Tag. Aufgeben ist nun mal keine Option, wie er sagt – ganz im Sinne von Manfred Lautenschläger, dessen Motivation und positiver Geist allenthalben spürbar ist: “This is how it is. Life is not a give-up. Keep on. Don´t stop. Do your part. If you do your part, tomorrow will be another day, we do not know what it will bring.“

Tariku, Du machst weiter, mit allem und allen. Und beim Lesen dieses Textes, dem Hören von Deiner Überzeugung, dass Weitermachen selbstverständlich sei, bist Du womöglich schon bei uns in Deutschland – zu Besuch in Deiner zweiten Heimat Deutschland, bei Freunden im Racket Center. Und dann steigst Du einige Tage später wieder ins Flugzeug nach Bole International und wir hoffen, Dich dann bald wieder einmal auf Eurem Tennisplatz bei Genet Hotel hinter dem Mexico Square, kurz vor dem Gebäude der African Union, treffen zu können.

Wir machen natürlich weiter – gemeinsam, denn: Es wird werden, was werden muss …

90 RC Premium 1/2023

New Work Today

Moderne Bürowelten, mobiles und agiles Arbeiten, eine Führungskultur, die auf Vertrauen und Wertschätzung basiert: New Work hat viele Facetten. NEWWORK.TODAY beleuchtet das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. In der vierteiligen Business-TV-Reihe von und mit New-Work-Expert:innen erhalten Führungskräfte und Arbeitnehmer:innen tiefe Einblicke und nützliche Impulse, wie Arbeit neu gedacht werden kann.

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KAHL
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