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TITEL

Mensch und Klima

Über Klimawandel – Ursachen und Folgen, Umweltpolitik und Perspektiven, „Abers“ und „Unds“ von Matthias Zimmermann

S

kifahren in den Dolomiten, Kronplatz am 24. Februar, die Graziani Hütte liegt auf über 2.000m Höhe. Hier sitzen wir zur Mittagspause – im T-Shirt. Statt heißen Grog gibts ein kühles Weißbier, alkoholfrei versteht sich. Andere gönnen sich einen Eisbecher. Rundherum weiße Pistenbänder in grünbrauner Berglandschaft. Das Thermometer klettert über die 15°-Marke. Es wäre gelogen, würde ich sagen, dass ich den Skitag mit meinem Sohn nicht außerordentlich genieße. Trotzdem fühle ich mich veranlasst, diese Zeilen in mein Smartphone zu tippen, denn selten empfand ich eine Situation derart grotesk. Wird mein Sohn, wenn er in meinem Alter sein wird, sich des Skifahrens in winterlicher Berglandschaft noch erfreuen dürfen? Acht Wochen später – zwei Monate fast ohne Regen – schreibt Harald Berlinghof in der Rhein-Neckar Zeitung (18./19. April 2020, S.11) über den Klimawandel in unserer Region. Wer gerade in Corona-Zeiten mehr denn je durch die Felder joggt oder spazieren geht, dem entgehen die staubigen Äcker nicht. Wie steht es um die Landwirtschaft und langfristig gar um die Versorgungssicherheit? „Was ist mit dem Klima?“, fragt Petra Pinzler in DIE ZEIT vom 16. April 2020, S. 3 mit dem Untertitel: „Die Corona Krise hat die Ökologie vorerst verdrängt“. Seit Wochen bestimmen „Sars-CoV-2“ und „Covid-19“ die Medien, unser Leben und in mehrfacher Hinsicht auch unsere Existenz. Nach Meinung von Steven Pinker (US-amerikanischkanadischer Experimentalpsychologe, Kognitionswissenschaftler, Linguist und Buchautor: Aufklärung jetzt, Frankfurt a.M. 2018) und anderen Fachleuten geht auf längere Sicht betrachtet die weit größere Gefahr für das menschliche Leben auf unserem Planeten vom Klimawandel aus. Vergleicht man

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aber den Umfang und die Tragweite, mit denen Maßnahmen ergriffen werden, sieht das wie ein Widerspruch aus: Über den Klimawandel und das, was zu tun ist, wird seit Jahrzehnten heftig gestritten. Und seit Jahrzehnten nehmen die CO2Emissionen weltweit zu, die globale Durchschnittstemperatur steigt und mit ihr der Meeresspiegel – doch was wird dagegen getan? Demgegenüber wird zur Bekämpfung der CoronaPandemie äußerst entschlossen gehandelt. Die Konsequenzen aus der Radikalität der Maßnahmen sind ebenfalls konträr, denn: die Umwelt freut sich über den LockDown! Selten waren die Luft so rein, die Gewässer so klar und der Rückgang des weltweiten CO2-Ausstoßes laut Global Carbon Project so stark wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr. Die Natur erlebt eine Verschnaufpause. Die Weltwirtschaft aber rauscht in den Keller. Für Deutschland und Europa prognostiziert der Internationale Währungsfonds IWF und Wirtschaftsforschungsinstitute eine epochale Rezession. Ein klitzekleines Virus lässt die Politik in Rekordtempo zu drastischen Mitteln greifen, während schmelzende Gletscher und Polkappen, aufgetaute Permafrostböden und fortschreitende Wüstenlandschaften, brennende Wälder und Steppen in Afrika, Australien, Sibirien oder Brasilien, Überflutungen und Sturmkatastrophen sowie ein steigender Meeresspiegel seit 50 Jahren zu einer Konferenz nach der anderen führen – häufig ohne oder mit allenfalls bescheidenen Ergebnissen. Doch halt – „I don´t want you to panic“! Panik ist kein guter Wegbegleiter, um kluge Schritte einzuleiten, die wirksame und konkrete Antworten auf die Klimafragen bedeuten. Nur: was denn dann …?

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