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TITEL

Mensch und Ästhetik

Über Schönheit, Schönsein und das gute Gefühl dabei ... von Matthias Zimmermann

D

as ist aber schön. Gefällt Dir das? Nee – sieht furchtbar aus. Wie kannst Du nur! Früher war´s schöner. Ach, das alte Zeug. Du immer mit Deinem neumodischen Kram. Völlig daneben. Geht gar nicht. Was da wohl die Leute sagen?

Naturphänomenen oder die Originalität kultureller Errungenschaften? Die Äußerlichkeit oder das innere Potenzial einer Persönlichkeit – anders formuliert und pointiert: Image oder Charakter?

Über Geschmack lässt sich nicht streiten? Von wegen! Allein die Weihnachtszeit eröffnet einen Kampfplatz der Geschmäcker. Unzählige Möglichkeiten tun sich auf, sein Zuhause zu gestalten. Freilich nicht nur, aber gerade die weihnachtliche Dekoration offenbart in oft sehr emotionaler Weise das individuelle ästhetische Empfinden. Von der musikalischen Umrahmung des Fests ganz zu schweigen. Was wollen wir eigentlich anziehen, wenn wir in die Christmette gehen oder uns an den Weihnachtstisch setzen? Und überhaupt: Was gibt´s zu essen? Alles eine Frage des Stils, auch die Plätzchen, mit Liebe gebacken, ansehnlich dargeboten und schmackhaft. Hoffentlich!

Ästhetik im Wandel der Zeit und des Denkens

So wird initiiert und gestaltet, interpretiert und geurteilt: Die Ästhetik der Erscheinung eines Menschen und seiner durch ihn gestalteten Umgebung wird zur Offenbarung der eigenen Persönlichkeit. Also was ist Schönheit? Die Einzigartigkeit von

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Schönheit: von Gott gegeben oder vom Menschen geschaffen? Natur oder Kultur? Universalität oder Individualität? All diese Fragen beschäftigten Alexander Gottlieb Baumgarten Mitte des 18. Jahrhunderts. Aus seinen Antworten entstand ein – wie könnte es anders sein – unvollendetes Buch, und damit eine neue philosophische Disziplin. Diese Disziplin veränderte das Denken der Künstler und die Kunst als Medium der Schönheit. Das Göttlich-Metaphysische wurde in den Hintergrund gedrängt. Nicht die universellen, kosmischen Ordnungen sind Grundlage für Schönes – viel mehr wird das Schöne dem menschlichen Denken und Schaffen zugestanden. Dem normativen Anspruch einer Schönheitstheorie wird der intuitive Ausdruck des Künstlers gegenübergestellt. Der Künstler versucht sich nicht mehr demütig, gottergeben und bewundernd der Natur anzugleichen, sondern begreift sich selbst als ihr Beherrscher und Interpret.

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