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«Bei uns melden sich viele, die Angst um ihre Existenz haben» Für Hans Haueter, Direktor Treuhand und Beratung bei der Gastronconsult, ist Gastronomie und Hotellerie eine Lebenshaltung. Im Interview sagt der Betriebsökonom, wie die Betriebe am besten durch die Krise kommen. INTERVIEW RETO E. WILD — FOTO ZVG

Hans Haueter, was empfehlen Sie den Betrieben in dieser Zeit?

der Praxis komplizierter zu beziehen, als es auf den ersten Blick erscheint. Wir Hans Haueter: Die Hilfsmittel des können mit unserem Wissen weiterhel­ Bundes ausschöpfen, die Mitarbeiter für fen. Allerdings ändert sich auch für uns Kurzarbeit anmelden und mit dem Ver­ die Situation alle paar Tage wieder, wenn mieter einen Kompromiss finden. Hier der Bundesrat in dieser ausserordentli­ ist ein Gespräch am zielführendsten, um chen Lage neue Bestimmungen erlässt. die Kosten zu senken. Weitere Massnah­ men hängen davon ab, wie der Betrieb Die Branche tut gut daran, diese Zeit zu aufgestellt ist. Die einen haben Reserven. nutzen, um den Betrieb einzuordnen. Da muss erste Priorität haben, mit die­ Mit der GastroAnalyse lassen sich die sen so haushälterisch wie möglich um­ Liquidität, die Zahlungsbereitschaft Hans Haueter: «Es ist einfacher, Ausgaben zugehen. Andere Betriebe sollten sich und das Anlagevermögen vergleichen. zu reduzieren als den Umsatz zu erhöhen.» überlegen, die Zeit mit Krediten des Bun­ Was kostet dieses Produkt? des zu überbrücken. Nur muss man im Die Grundkosten betragen rund 3000 Hinterkopf haben, dass diese irgend­ Franken. Für unsere Kunden ist es Teil Dann braucht es Mut, Veränderungen unserer Dienstleistung. Wir nennen das umzusetzen. wann zurückbezahlt werden müssen. Produkt seit Sommer 2019 GastroAna­ Der Arbeitsaufwand ist für Sie wohl lyse. Vorher war diese als Branchenver­ Damit ein Betrieb erfolgreich ist, noch höher als sonst? gleich bekannt. Der Vorteil: Wir sind als braucht es auch ein funktionierendes Ganz klar. Viele, die Angst um ihre Exis­ Gastroconsult nah zur Branche und ha­ Finanz- und Rechnungswesen. Hier tenz haben, melden sich bei uns. Die er­ ben eine riesige Datenbank mit verschie­ stellt sich die Frage, wo es möglich ist, Ausgaben zu reduzieren und Einnahwähnten Mittel des Bundesrats sind in denen Vergleichszahlen. ★ Betriebsökonom und Familienvater Hans Haueter (40) ist seit Oktober 2019 Direktor Treuhand und Beratung bei der Gastronconsult AG in Pully bei Lausanne VD. Für die GastroconsultGruppe arbeitet er seit 2015. Zuvor war der Betriebsökonom unter anderem bei PricewaterhouseCoopers in Bern und Lausanne angestellt. Der Deutschschweizer ist verheiratet und lebt mit seiner vierköpfigen Familie am Genfersee.

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I N T E RV I E W

Die Analyse ist ja Bestandteil eines Beratungsgesprächs. Wie muss ich mir das vorstellen?

men zu erhöhen.

Aus unserer Sicht ist es einfacher, Aus­ gaben zu reduzieren als den Umsatz zu erhöhen. Bei der Preisgestaltung können Unsere Kunden liefern uns die Zahlen wir sagen, wenn ähnlich aufgestellte Be­ für den Jahresabschluss, wir erstellen triebe beispielsweise bessere Margen ha­ diesen. Gemeinsam mit ihm gehen wir ben. Oft fehlt der Mut, ein Produkt teu­ die GastroAnalyse durch und stellen fest, rer zu verkaufen, oder es liegt an den wie es um den Betrieb steht. Wir analy­ Warenkosten. Letztlich ist nicht nur der sieren beispielsweise, ob der Aufwand Preis ausschlaggebend. Wenn sich die pro Mitarbeiter in der Küche zum Res­ Gäste gut aufgehoben fühlen, sind sie taurantertrag stimmt. Jene Kunden, die auch bereit, dafür zu zahlen. gut dastehen, erhalten nach der Analyse die Bestätigung, auf dem richtigen Weg Und bei den Ausgaben? zu sein. In anderen Fällen lässt sich kon­ Es lohnt sich, die Mitarbeiter im Umgang kretisieren, wo Handlungsbedarf besteht. mit den Waren zu schulen. Mit einem

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GastroJournal 15&16/2020  

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