GastroJournal 44/2019

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Lebensnerv zwischen Himmel und Erde Ob Luft- oder Standseilbahn – für manche Gastronomiebetriebe sind sie ein unverzichtbarer Lebensnerv: drei Restaurants mit eigenem Bergbahnanschluss und grossen Herausforderungen.

TEXT FABRICE MÜLLER — FOTO DANIEL WINKLER

Halb sechs Uhr morgens: Peter Koller richtet die Gartenterrasse her. Bänke und Tische aufstellen, Sonnenschirme platzieren, den Grill einrichten. Halb acht: Die Seilbahn wird kontrolliert und in Betrieb genommen. Acht Uhr: Die ersten Frühstücksgäste kommen. Der Chef hilft mit in der Küche und beim Service, später beim Abwasch. Anschliessend gilt es, das Mittagessen vorzubereiten und die Würste für den Grill vorzuwärmen. Halb zwölf: Die ersten 30 Würste landen auf dem Grill. Bis Viertel nach zwei steht Peter Koller mit der Grillzange im Einsatz. Dann braucht es ihn bei der Seilbahn. Es herrscht Grossandrang. Viele Gäste wollen mit dem Trottinett zur Talstation fahren. Zeit für eine Pause bleibt nicht. Um 19 Uhr dann schleppt sich eine Seniorenwandergruppe mit letzter Kraft ins Bergrestaurant. Viertel nach zwölf: Peter Koller kontrolliert und repariert bei Bedarf die Trottinetts.

Hochzeiten beispielsweise mit Fondue- oder Raclette-Abenden sowie auf sonntägliche Volksmusikkonzerte.

Logistik per Solar-Seilbahn Wer hinauf auf den Gamplüt will, fährt mit der ersten Windund Solarseilbahn der Welt auf 1400 Meter über Meer. Sie ist der Lebensnerv für den Betrieb. Bläst der Wind zu stark, werden die Gäste mit einem kleinen Bus ins Restaurant oder hinunter zur Talstation gefahren. In den warmen Monaten bringen einzelne Lieferanten ihre Waren per Lastwagen hoch zum Gamplüt. Andere wie der Bäcker oder Metzger nutzen dazu die Seilbahn. Gelagert werden die Lebensmittel zum einen in den grossen Lager- und Kühlräumen des Hotels in Dorf, zum andern in den Kühlräumen des Bergrestaurants. Seit 2008 wird jede energetisch verwendbare Quadratmeter Fläche, den das Bergrestaurant sowie das Hotel im Dorfkern von Wildhaus Gewinner der «Tourismusperle Schweiz» bieten, für Solarkollektoren und Photovoltaik genutzt. DaPeter Koller ist ein Chrampfer durch und durch, aber keiner, durch sichert sich der Betrieb, der 2017 mit dem Schweizer der sich gerne ins Rampenlicht stellt. 1993 übernahm er das Solarpreis ausgezeichnet wurde, die gewonnene WärmeenerBergrestaurant Gamplüt in Wildhaus SG – samt Seilbahn gie für den Brauchwasser- und Heizbedarf sowie für den gesowie Ski- und Schlittelpisten. Vorher stand das Restaurant samten Stromverbrauch mit 53 kWh. Der Unterhalt der Seilvier Jahre leer. «Alle rieten mir von diesem Schritt ab und bahn ist aufwendig und teuer. Der gelernte Automechaniker, traute mir nicht zu, dass ich das schaffen würde», erinnert der sich auf dem Gebiet des Seilbahnunterhalts weiterbildete, sich der 70-jährige, der in Wildhaus und Alt St. Johann zusätz- führt die gängigen Reparaturaufgaben an der Bergbahn selber lich drei Autogaragen betreibt; mittlerweile gehören auch das aus. Hinzu kommt im Winter die Präparation der Ski-, LangHotel Zentrum Panorama Gamplüt zum Unternehmen von lauf- und Schlittelpisten. Lina (63) und Peter Koller. Die Übernahme des Berggasthauses Gamplüt war für Peter Koller eine Herzensangelegenheit. An- Erste Bergbahn im Kanton Graubünden statt auf Massentourismus mit Tagesbetrieb setzt der Gewin- Vor 120 Jahren, am 25. Dezember 1899, wurde die Schatzalpner der «Tourismusperle Schweiz» 2016 auf Öffnungszeiten bahn zwischen Davos GR Zentrum und dem ehemaligen bis spät abends, auf Gruppenangebote für Geburtstage und Luxus-Sanatorium auf 1861 Meter über Meer in Betrieb ge-

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