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BIO-FIBEL ZEITSCHRIFT FÜR WISSEN AUS DER BIOLOGISCHEN LANDWIRTSCHAFT

Lothar Greger – System(at)isch zu mehr Bio Netto-Lebensmittelproduktion – NLP mal anders Bio-Safran – Das rote Gold Marokkos Guter Geschmack – Wir machen blau

4/2016


EDITORIAL

WENN ES UMS GANZE GEHT "Spezialisten gibt es genug, doch wer bedenkt das Ganze?" hat sich schon einer der alten Gelehrten gefragt. Auch heute picken wir uns stets nur einen kleinen Teil heraus, wenn wir komplexe Zusammenhänge diskutieren. Dies passiert meistens auch dann, wenn wir uns der Bio-Landwirtschaft thematisch annähern. In den Bio-Diskussionen geht es um Ökologie, Ertrag, Tiergerechtheit, Nachhaltigkeit, Biodiversität oder um soziale Aspekte. Dabei treffen unterschiedliche Perspektiven aufeinander, die zu gänzlich verschiedenen Bewertungen führen. Ist nun ein hoher Ertrag besser oder schlechter? Ist es im wasserreichen Österreich wichtig, wie viel Wasser von der Landwirtschaft gebraucht wird? Zahlt die Bio-Landwirtschaft ihre Hilfsarbeiter wirklich besser? Egal, wie man es dreht und wendet, wie viele Vorzüge man auch aufzählen mag, am Schluss bleibt dann doch häufig das eine negative Detail hängen, das ausreicht, um Bio nicht kaufen zu müssen. Österreichs Bio-Marktanteil hat sich bei mageren 8 % eingependelt. Konsumenten entscheiden sich vor dem Regal im Supermarkt eben gerne für das billige Lebensmittel. Ihr Argument gegen den Bio-Einkauf: Bio ist mir zu teuer, das kann ich mir nicht leisten. Doch gehen wir einmal von der Annahme aus, dass in Österreich zumindest 50 % der Menschen so gut verdienen, dass sie beim Lebensmitteleinkauf nicht jeden Cent zweimal umdrehen müssen, dann gilt zumindest für diese Menschen das Preis-Argument nicht wirklich. Und dennoch entscheiden sich ganz viele gegen Bio. Was steht nun zwischen dem Wunsch nach ökologisch-tiergerechten und fair produzierten Lebensmitteln und der tatsächlichen Kaufentscheidung, wenn es nicht nur der Preis sein kann? Die Arbeitsgruppe "Konsumenteninformation" des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL Österreich) beschäftigt sich bereits seit einiger Zeit verstärkt mit dieser „Kluft“ zwischen dem formulierten Anspruch und der Wirklichkeit im Einkaufswagerl. Lothar Greger leitet das Projekt „System(at)isch zu mehr Bio“ und versucht für die im Sommer 2017 erscheinende Studie möglichst viele unterschiedliche Sichtweisen der Konsumenten zu analysieren und diese mit dem Stand der Forschung abzugleichen. Freuen Sie sich auf ein äußerst inspirierendes Interview mit ihm!

Reinhard Geßl, Herausgeber

INHALT Das Bio in uns 3 Die NLP der Nutztierwissenschaften 9 Lang sollst Du leben! 11 Safran macht den Kuchen gehl 13 Shortcuts 14 Der Kommandant am Außenposten Europas 16 Wir machen blau 18 Sommer in Gläsern 21 Shortcuts 22-23 Impressum 22

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IM GESPRÄCH

DAS BIO IN UNS Bio wächst und wird dabei immer bunter. Das ist gut so. Gleichzeitig haben Konsumenten oft das Gefühl, den Über- bzw. Durchblick zu verlieren und fragen sich: was ist, soll und muss Bio?

Die Vorzüge und Besonderheiten der biologischen Landwirtschaft sind ziemlich komplex und erklären sich nicht in einem Satz. Um all die vielschichtigen Zusammenhänge erkennen und verstehen zu können, ist es wichtig, abseits von Werbebildern, Emotionen und Klischees einen umfassenden und fundierten Blick auf Bio zu bekommen und das Wissen über die Vorzüge der Bio-Landwirtschaft auch im Konsumalltag zu etablieren. Denn trotz hoher gesellschaftlicher

Akzeptanz von Bio-Lebensmitteln klaffen Kaufabsicht und tatsächliches Kaufverhalten immer noch weit auseinander. Das führt dazu, dass sich der Bio-Markt viel langsamer entwickelt, als es vor dem Hintergrund der steigenden Klimaerwärmung oder der weltweiten Bodenzerstörung eigentlich angemessen wäre. Bio befindet sich also trotz seiner Lösungskompetenz für zahlreiche zukünftige Herausforderungen der Menschheit und trotz aller Erfolge der letzten Jahre immer noch in einer Nische. Zahlreiche engagierte Menschen aus der Bioszene arbeiten nun weltweit daran, Bio aus der Nische in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Einer von ihnen ist Lothar Greger vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Österreich). Er zählt seit über zwanzig Jahren zu den zentralen Personen der österreichischen Bio-Landwirtschaft. Aufgewachsen auf einem Bergbauernhof in Tirol ist ihm die Landwirtschaft seit Kindesbeinen an vertraut. Zum Studium verschlug es ihn nach Wien, nach ein paar Semestern an der Universität für Veterinärmedizin führte ihn sein Weg zum Studium der Theaterwissenschaften und Publizistik – und in weiterer Folge als Verfasser mehrerer Bühnenstücke auf die "Bretter, die die Welt bedeuten". Das Interesse an der biologischen Landwirtschaft brachte ihn schließlich aber doch zurück zu seinen Wurzeln. Von seinem Weitblick, aber auch von der Kreativität, die wohl auch aus seiner Theaterarbeit rührt, profitiert die österreichische Biolandwirtschaft nun schon seit mehr als zwanzig Jahren: Vom legendären, anlässlich des Gentechnik-Volksbegehrens durchgeführten Traktormarathon quer durch alle Bundesländer und über die Wiener Ringstraße erzählt man sich auch heute noch gerne in der Bioszene. In seinem aktuellen Projekt "System(at)isch zu mehr Bio" stellt sich Lothar Greger nun die Frage, was wir wann und wie lernen müssen, um das komplexe Bio-System besser zu verstehen und das Dilemma zu überwinden, dass zwar zahlreiche Argumente für Bio sprechen, im Moment des Einkaufs aber zu wenig

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IM GESPRÄCH

greifen. Ein Grundproblem sieht er darin, dass der einzigartige Mehrwert biologischer Lebensmittel, der sich systemisch betrachtet aus der Summe aller Vorzüge ergibt, nur schwer zu fassen ist. Für ihn gehören daher systemisches Denken und ein ganzheitliches Verständnis zu den Schlüsselkompetenzen für zukünftige Bio-Konsumenten. Dabei geht es ihm vor allem darum, Kinder und Jugendliche für ein neues, systemisches Denken zu begeistern, das sie im besten Fall zu mündigen und kritischen Konsumbürgern von morgen macht. Wir trafen den Bio-Vordenker und sprachen mit ihm über Elefanten und Frösche, den schwer kommunizierbaren Mehrwert von Bio, paradoxes Kaufverhalten und warum es sich auszahlt, häufiger einmal die Perspektive eines Adlers einzunehmen. Herr Greger, warum braucht es das Projekt „System(at)isch zu mehr Bio“? Machen wir das Interview per „Sie“? Gut, wir sind keine Politiker, die sich öffentlich nicht duzen. Aber die Frage bleibt: Lothar, weshalb beschäftigst Du Dich mit diesem Projekt? „System(at)isch zu mehr Bio“ ist ein Bildungsprojekt mit einem ganz bestimmten Fokus: dem Üben einer ganzheitlichen

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Sichtweise auf die Welt, in der wir leben. Denn der wesentliche Mehrwert von Bio erschließt sich einem nur durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise. Das FiBL sieht in diesem Denkansatz und der systemischen Bildung die große Chance, wichtige Zukunftsfragen zu beantworten. Etwa wie sich die Biobewegung weiterentwickeln kann oder welchen Platz Bio in der Mitte unserer Gesellschaft finden kann. Klingt plausibel, hört sich aber dennoch kompliziert an. Was heißt es konkret, die Welt ganzheitlich, systemisch zu betrachten? In erster Linie geht es darum, dass das Ganze immer mehr ist, als die Summe seiner Teile. Ein Fahrradsattel alleine fährt nicht. Selbst wenn ich alle Teile für ein Fahrrad habe, zeigen die Einzelteile noch nicht die Eigenschaften eines Fahrrades. Erst wenn Pedale, Zahnkranz, Kette, Hinterrad und so weiter richtig zusammengebaut sind, kann ich es benützen. Naja, dann braucht es noch mich als Radfahrer, damit das Rad von A nach B fährt. Es braucht also mich, als biologisches System, und das Rad, als technisches System, damit das Fahrrad seine Wirkung zeigen kann. Und natürlich bin ich als Mensch kein isoliertes System, sondern bin eingebettet in unzählige andere biologische, technische, soziale Systeme, ohne die meine Fahrradfahrt unmöglich wäre.

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IM GESPRÄCH

Dein Projekt wendet sich vorrangig an Kinder und Jugendliche. Sollen diese nun mit noch mehr komplexem Wissen konfrontiert werden, als sie ohnehin schon in der Schule zu bewältigen haben? Besteht da nicht die Gefahr, dass ihnen der Appetit auf Bio endgültig vergeht? Nein, diese Gefahr sehe ich nicht. Natürlich soll systemisches Denken nicht für schulische Albträume sorgen. Im ersten Schritt geht es auch weniger darum, den Schülerinnen und Schülern neues Wissen zu vermitteln, sondern sie mittels didaktischer Werkzeuge an eine neue Sichtweise heranzuführen. Ein Bio-Paradeiser bleibt letztlich immer ein BioParadeiser. Aber der Wert, den ich diesem Paradeiser zuschreibe, kann sich durch meine Betrachtungsweise entscheidend verändern. Meine jeweilige Betrachtungsweise ist immer wertbestimmend. Ich verwende da gerne bei den Workshops das Bild vom Elefanten, der im Teich steht und Wasser trinkt. Wie dieser Elefant von anderen Tieren aus ihren unterschiedlichen Perspektiven wahrgenommen wird. Taucht da ein Frosch vor dem Elefanten auf, erblickt dieser anstatt eines Elefanten nur eine riesige graue Schlange, die zwischen zwei mächtigen Säulen hervorkommt. Ein kreisender Adler in der Luft sieht hingegen die graue Schlange als Rüssel, die lediglich ein Körperteil eines Elefanten ist. Darüber hinaus sieht er den einzelnen Elefanten als Teil einer ganzen Herde, die sich dem Wasserloch nähert. Ja, er sieht sogar die ganze Herde inmitten vieler weiterer biologischer Systeme, ohne die die Elefanten nicht überleben könnten. Um bei diesem Bild zu bleiben: Kannst Du uns bitte aufklären, wer nun der Elefant, der Frosch bzw. der kreisende Adler ist? „Bio“ ist für mich so ein Elefant. Und wir diskutieren über diesen „Elefanten Bio“ meistens aus der Perspektive eines Frosches. Wir starren entweder auf den Rüssel, die Beine oder den Schwanz – wo wir eben gerade in unserem kleinen Teich auftauchen. Und der kreisende Adler wäre der Idealfall des systemischen Denkens. Wie schaffen wir es nun die Froschperspektive zu verlassen und die Sicht des Adlers einzunehmen? Sagen wir es so: Indem man einzelne Aspekte wie Tierhaltung, Artenvielfalt, Gentechnikfreiheit, Ernteerträge und viele andere Teilbereiche isoliert herausgreift, wird man niemals der Wirkkraft dieses „Elefanten Bio“ gerecht. Wissenschaftlich ausgedrückt heißt das: Es fehlt uns in der Verständigung über Bio schlicht ein Bild für seine Emergenz, also für dieses Herausbilden neuer Eigenschaften durch einen gewissen Umgang der Bäuerin oder des Bauern mit dem Boden, den

Pflanzen, den Tieren und den eingesetzten Ressourcen am Biohof. Kannst Du den Begriff der Emergenz vielleicht noch etwas konkretisieren? In anderen Bereichen haben wir Begriffe für solche Emergenzen. Kreativität ist zum Beispiel so ein Begriff. Die Kreativität, die unser Team von FiBL Österreich auszeichnet, wird man so bestimmt nicht in den einzelnen Kolleginnen und Kollegen finden. Unser Geschäftsführer Andreas Kranzler kann diese Kreativität auch nicht verordnen, indem er sagt: Seid kreativ! Das funktioniert so nicht. Wer so etwas zu seinem Team sagt, hat eben kein systemisches Verständnis. Was er als Geschäftsführer aber tun kann und auch tut, ist, dass er Maßnahmen setzt, die ein gutes und angeregtes Teamklima schaffen, aus dem Kreativität letztendlich entsteht, also emergiert. Allerdings hat dieser Ansatz in unserer schnelllebigen Zeit auch einen Pferdefuß . Eine gute Teamkultur und die damit verbundenen Erfolge stellen sich ja nicht von heute auf morgen ein. Ja genau, da sprichst Du eine weitere wichtige Eigenschaft von Systemdenkern und Systemdenkerinnen an. Sie brauchen eine Vorstellung, welche Wirkung eine Handlung zu einem späteren Zeitpunkt haben kann. Im Grunde genommen definieren wir auch unser menschliches Verhalten über diese Fähigkeit. Während wir als Kleinkinder in der Sandkiste sofort reagieren, wenn uns ein anderes Kind das Schauferl wegnimmt, lernen wir mit zunehmendem Alter mehr und mehr darauf zu achten, wie unser Verhalten in einer Feedbackschleife oft mit beträchtlicher Verzögerung auf uns zurück wirkt. Schon als Schüler wissen wir, wenn wir unterm Jahr unsere schulischen Aufgaben nicht erledigen, ist es zwar vorerst angenehmer, aber bei der Zeugnisvergabe spüren wir die negativen Auswirkungen unseres Verhaltens. Betrachten wir die weltweite Klimapolitik, scheint jedoch unsere Phantasie für Feedbackschleifen doch ziemlich begrenzt zu sein. Warum schaffen wir es einfach nicht über Firmenjahresabschlüsse und Zeugnisverteilungen hinaus zu denken? Das hat meines Erachtens in der Tat viel mit unserer fehlenden systemischen Sichtweise in einer globalisierten Welt zu tun. Darum betrachten die Vereinten Nationen und viele andere Expertinnen und Experten ein holistisches, also ganzheitliches, Weltverständnis als eine der zentralen Schlüsselkompetenzen der Gesellschaft für eine zukünftige nachhaltige Entwicklung. Die Vorstellungskraft für zukünftige Ereignisse spielt gerade im Hinblick unseres Wettlaufs mit dem Klimawandel

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IM GESPRÄCH

einem finsteren Raum befinde und mit einer Taschenlampe an eine bestimmte Stelle des Raumes leuchte, erhalte ich ein anderes Bild vom Raum als wenn ich einen Luster aufdrehe, der an der Decke hängt. In beiden Fällen erhelle ich mit dem Licht aber nicht nur den Raum auf unterschiedliche Weise, ich erhelle damit auch die Beleuchtungsquelle selbst. Ich erhelle also somit auch mich selbst als Betrachter. Über die bewusste Betrachtung der Beleuchtungsquelle – Taschenlampe oder Luster – kann ich dann einfache Rückschlüsse ziehen, warum ich die Realität so oder anders interpretiere. Dazu müssen wir allerdings bereit sein, unsere eigene Meinung aus einer gewissen Distanz zu erforschen. Deshalb ist es für den Erfolg meiner Workshops in den Schulen ganz wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler die Aufgaben mit dieser gewissen Grundhaltung des Selbsterforschens angehen und nicht reflexartig in das Erfüllen sozialer Erwartungshaltungen verfallen. Was bei so einem Thema wie Bio ganz schnell passieren kann. Wie meinst Du das? Ich glaube, dass viele Diskussionen, die derzeit rund um Bio und andere nachhaltige Konzepte geführt werden, uns nicht wirklich weiter bringen. Meistens werden die Diskussionen ausschließlich auf Basis naturwisschaftlicher Fakten geführt. Oft steht dann Beweislast gegen Beweislast. Dabei stellen wir eigentlich nie unsere Haltung und unsere Weltsicht zur Diskussion, die dahinter steht. Deshalb suchen wir in unserer Arbeit im FiBL auch vermehrt die Zusammenarbeit mit Psychologinnen, Soziologen und anderen Expertinnen, mit deren Hilfe neue systemische Erkenntnisse rund um Bio gewonnen werden können. eine vielleicht überlebenswichtige Rolle. Und auch, welche Strategien und Maßnahmen wir daraus ableiten. Wir schließen zwar bereitwillig für Haushalt, Auto, Urlaub und so weiter unsere Versicherungen ab, und sichern uns so gegen die sehr geringe Wahrscheinlichkeit eines eintretenden Unglücks ab. Gleichzeitig ignorieren wir völlig, dass es vor wenigen Tagen in der Arktis um 20 Grad Celsius zu warm war und Klimaforscher und Klimaforscherinnen davor warnen, dass sich die Erde noch viel schneller erwärmen könnte als befürchtet. Es fehlt uns scheinbar jede Vorstellung darüber, was passiert, wenn wir die Klimaziele nicht erreichen. Es fehlt uns völlig die Vorstellung, dass die damit einhergehenden Veränderungen auf sehr lange Zeit – wenn nicht überhaupt – unumkehrbar sind, für unsere Kinder, Enkelkinder und darüber hinaus. Vielleicht weil wir Menschen zuvor noch keine Erfahrungen in so einer globalisierten Welt machen konnten, in der Veränderungen, die tausende Kilometer von uns entfernt stattfinden, auf uns in immer kürzeren Zeitabständen zurückwirken. Wie könnten wir dafür ein Verständnis entwickeln? Als Systemdenker oder Systemdenkerin interessiert mich nicht nur, wie die Dinge in der mich umgebenden Welt zusammengehören könnten und welche Wirkung sie erzeugen. Mich interessieren auch meine eigene Meinung, meine vorgefassten Bilder, mit denen ich die Welt beleuchte. Wenn ich mich in

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Es geht also eigentlich um das Bio in uns? In einer gewissen Weise: ja. Wenn wir mehr oder weniger halbautomatisch unsere Einkaufswägen durch die Gänge der Supermärkte steuern, begleiten uns in der Regel sehr viele Geschichten zu den einzelnen Produkten, die in uns abgespeichert sind. Zum Beispiel Erinnerungen an den Bauernhof der Großeltern, aber natürlich auch jede Menge Märchen und Mythen vom Feinsten, die uns die Werber und Werberinnen Tag für Tag über die Medien erzählen. Diese Geschichten rufen wir uns in Erinnerung, meist unbewusst, wenn uns ein konkretes Produkt ins Auge sticht. Und da stellt sich schon auch für uns die schwierige Frage: Was macht es für einen Sinn, wenn wir den Kindern und Jugendlichen „Bio“ aus systemischer Sicht vermitteln, mit all den komplexen Perspektivenwechseln, Feedbackschleifen und Wirkungsketten, wo doch auf der anderen Seite das Marketing und Neuromarketing die menschlichen Emotionssysteme im Gehirn zu Liebe, Sexualität, Geborgenheit, Heroentum und vielem mehr immer zielsicherer stimulieren und ansprechen. Das klingt jetzt doch irgendwie nach Resignation? Das wäre ein Missverständnis. Dennoch möchte ich an dieser Stelle festhalten, dass aus meiner Sicht hier einiges schief läuft. Auf der einen Seite bemühen sich viele Menschen heute

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darum, anderen Menschen seriöses Wissen zu vermitteln, um die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft voran zu treiben. Egal ob in der Erwachsenenbildung oder im Schulsystem. Offensichtlich in dem Glauben an das Modell des rational denkenden Menschen, der vernünftig denkt und handelt. Auf der anderen Seite weiß der Markt um die Verführbarkeit von uns allen und wendet immer subtilere Methoden an, um unsere Entscheidungen zu beeinflussen. Und wie wir wissen, mit sehr großem Erfolg. Es stellt sich die Frage: Kämpft hier nicht ein Don Quijote des Bildungswesens gegen die Windmühlen des Marktes? Müssten wir uns als Gesellschaft zuerst nicht einmal eingestehen, wie wenig vernünftig viele unserer Entscheidungen sind, um daraus Schlüsse zu ziehen für eine globalisierte Gesellschaft, die im Wettlauf mit einem sich rasch wandelnden Klima steht? Und wäre eine solche Selbsterkenntnis nicht ähnlich beschämend für uns wie seinerzeit die Erkenntnis, dass die Erde eben doch keine Scheibe ist?

Vielleicht aber auch befreiend? Für mich auf jeden Fall. Aber ich möchte noch einmal festhalten, dass es mir bei der Vermittlung dieser "systemischen Kompetenz" nicht darum geht, auf komplexe Fragestellungen mit noch mehr Komplexität zu antworten. Die Entwicklung eines ganzheitlichen Verständnisses soll es uns vielmehr ermöglichen, gewisse Muster und Zusammenhänge wahrzunehmen und zu erkennen. Ich selbst war in der Schule schon immer dankbar, wenn es ein Lehrer verstanden hat, sein Wissen in Geschichten zu erzählen, weil ich mir bloße Fakten nur schwer merken konnte. Jedenfalls bin ich fest davon überzeugt, dass systemisches Denken zwar kein Allheilmittel ist, aber es kann uns helfen, einige blinde Flecken neu auszuleuchten, die uns derzeit hindern, wichtige Entscheidungen für eine lebenswerte Zukunft zu treffen. Also doch ein erfreulicher Ausblick. Nach all diesen schwierigen und komplexen Fragen noch rasch eine leichte zum Schluss: Ist Dein Kühlschrank zu 100 % mit Bio-Lebensmitteln gefüllt? Eher werden es derzeit 99,9 % sein … Wie schafft es ein konventionelles Lebensmittel bei Dir in den Kühlschrank? Wenn’s mir mein lieber Nachbar schenkt. Er hat mir die Sachen aus seinem Kühlschrank anvertraut, bevor er für einen Monat in den sonnigen Süden aufgebrochen ist. Danke für das Gespräch! Wilfried Oschischnig und Elisabeth Klingbacher

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Paul Ertl untersucht mit vollem Einsatz die Fütterungsbedingungen österreichischer Milchkühe.


BIO-WISSEN

DIE NLP DER NUTZTIERWISSENSCHAFTEN Nach dem Studienabschluss vor drei Jahren stand Paul Ertl, Masterstudent am Institut für Nutztierwissenschaften an der Universität für Bodenkultur in Wien, vor einer großen Entscheidung: Im schönen Kärnten den Familienbetrieb übernehmen oder doch noch tiefer in die Nutztierwissenschaft eintauchen?

Da er den Biobetrieb durch die motivierten Eltern gut versorgt wusste und die Projektidee einfach unglaublich spannend war, liegen nun nach drei Jahren intensiver Arbeit die Ergebnisse seiner umfangreichen Doktorarbeit vor. Womit Paul Ertl sich unter der Leitung seines Doktorvaters Wilhelm Knaus auseinandergesetzt hat, soll hier ansatzweise erläutert werden. Schon Kinderbücher lehren uns: Kühe fressen Gras. Und nicht nur das – Milchkühe können aus dem "Grünzeug" und anderen faserreichen Rohstoffen, die für den Menschen nicht direkt essbar sind, wertvolle Lebensmittel wie Milch und Fleisch zaubern. Denn das komplexe Verdauungssystem von Rindern – und anderen Wiederkäuern – ist hervorragend auf die Rohfaserverwertung spezialisiert. Seit einigen Jahrzehnten landen in den Mägen der Kühe allerdings hoch konzentrierte Rohstoffe wie Getreide und Hülsenfrüchte. Die Zutaten dieser sogenannten Kraftfuttermittel gehören jedoch auch zu den für den Menschen wertvollen Lebensmitteln. Werden die Milchkühe daher zur Erreichung höherer Milchleistungen mit diesen, auch für die menschliche Ernährung wichtigen pflanzlichen Rohstoffen gefüttert, so fressen die Milchkühe zum Teil mehr an potenziell menschlicher Nahrung, als sie daraus selbst in Form von Milch und Fleisch produzieren. Die Netto-Lebensmittelproduktion, kurz NLP, beschreibt daher, wie groß der Anteil von direkt vom Menschen essbaren Komponenten in der Fütterung in Relation zur Milchleistung ist. Die NLP kann von stark negativ (das heißt Kühe "fressen" mehr Energie und Protein durch potentiell für den Menschen essbare Komponenten, als sie durch Milch und Fleisch produzieren) bis sehr positiv ausfallen. Soweit die Theorie, doch wie sieht die Situation bei österreichischen Milchkühen aus? Diese Frage stellte sich auch Paul Ertl und untersuchte unter anderem die NLP von Milchkühen auf 30 Praxisbetrieben (24 konventionelle, sieben Biobetriebe) in Österreich: Erfreulicherweise erzeugten die Milchkühe unter den österreichischen Fütterungsbedingungen durchschnittlich über Milch

und Fleisch mehr Lebensmittel, als sie in Form von pflanzlichen Rohstoffen wie Getreide oder Hülsenfrüchte aufnahmen. Und erzielten somit eine positive NLP. Zudem gelingt es den Milchkühen, das gefressene pflanzliche Eiweiß in tierisches Eiweiß mit höherer Qualität für die menschliche Ernährung umzuwandeln. Durch zwei anschließende Fütterungsversuche mit Milchkühen konnte Paul Ertl darüber hinaus zeigen, dass eine positive NLP noch weiter verbessert werden kann, indem für den Menschen essbare Rohstoffe durch Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie (z.B. diverse Kleien oder Ölkuchen) ersetzt werden. Der Ersatz von Getreide und Hülsenfrüchten beeinträchtigte dabei die, für die Bauern wichtigen Aspekte wie Milchleistung, Futteraufnahme, Wiederkauverhalten sowie Effizienzparameter bei diesem Versuch nicht. Um auf die eingangs erwähnten Kinderbücher zurückzukommen: Die Fütterung von Milchkühen mit Gras und anderen faserreichen Rohstoffen ist nicht nur aus Sicht der Kinderbuchautoren, sondern auch hinsichtlich einer effektiven Lebensmittelproduktion und einer artgemäßen Wiederkäuerfütterung als positiv und nachhaltig zu bewerten. Nach drei Jahren intensiver wissenschaftlicher Forschung zieht die Sehnsucht nach den Kühen Paul Ertl nun doch zur Hofübernahme an den Familienbetrieb. Glücklicherweise wird der Generationenwechsel friedlich ablaufen, denn wie man im folgenden Artikel nachlesen kann, gehören die Bio-Milchkühe von Familie Ertl schon längst mit zu den wohl besten NettoLebensmittelproduzentinnen. Gwendolyn Rudolph

ZAHLEN UND FAKTEN Dissertation: Paul Ertl (2016): The net contribution of dairy cows to human food supply and feeding industrial by-products as a potential strategy for improvement. Dissertation - Institut für Nutztierwissenschaften (NUWI), BOKU. Detaillierte Informationen rund um die NLP können in der sieben wissenschaftliche Publikationen umfassenden Dissertation nachgelesen werden. Info: -  In der Biolandwirtschaft wird auf eine grundfutterbetonte Fütterung Wert gelegt. Der Kraftfutteranteil ist bei der Fütterung von Wiederkäuern daher beschränkt. - Es gibt zwar Gras-Smoothies. Laut Paul Ertl ist und bleibt es jedoch effizienter, wenn Kühe Gras und ähnliches in wertvollere Lebensmittel umwandeln.

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Martin Ertl mit einer seiner vitalen und langlebigen MilchkĂźhe.


BIO-WISSEN

LANG SOLLST DU LEBEN! Freudig und schnellen Schrittes läuft – fast möchte man es bei ihrem Anblick als tänzeln beschreiben – die schwarz-weiße Kuhherde vom Hof in Richtung Weide. Die Vorfreude auf das grüne, saftige Gras ist den Tieren deutlich anzumerken.

Es geht auf die Weide auf der anderen Seite der Bahnstrecke, die nahe des Biobetriebs der Familie Ertl liegt. Der Weg führt an den Nachbarhäusern vorbei durch die Bahnunterführung. Letztere wird von den Kühen unbeeindruckt durchschritten. Und doch, es ist eine ganz besondere Unterführung, denn ohne die Kühe gäbe es sie nicht. Früher befand sich hier ein Übergang mit Bahnschranken, der von den österreichischen Bundesbahnen entfernt werden musste. Mit dem Drang der Kühe nach der Weide und dem Engagement des Biobauern Martin Ertl, ihnen dies auch zu ermöglichen, hatte wohl niemand gerechnet. Aber ganz klar wurde im schönsten kärntnerisch kommuniziert: „Meine Kiah miasn auf die Holt!“. Bereits vor 37 Jahren stellte Martin Ertl seinen Milchviehbetrieb auf Bio um. Seit damals geht er seinen eigenen Weg und stellt sich gegen die Entwicklungen von „mehr Milch, mehr Kraftfutter, kürzere Nutzungsdauer“ der Milchproduktion in den letzten Jahrzehnten. Dass seine Strategie aufgeht, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass nun sogar zwei seiner Kinder den Hof übernehmen wollen. Aber zurück zu den Ertlschen Kühen: Diese sollen, solange es die Vegetation zulässt, möglichst täglich auf die Weide gehen – sie sind sozusagen „Selbstversorger-Kühe“, die einen Großteil ihres Futters selbst "ernten". Kraftfutter haben diese Kühe nur sehr selten gesehen, denn auch im Winter gibt es nur faserreiches Grundfutter. Besonders beliebt ist bei den neugierigen Damen Luzerneheu. Das Heu stammt meist vom eigenen Biobetrieb, nur wenn die Familie – so wie letztes Jahr – den Appetit der Tiere unterschätzt oder die Ernte geringer ausfällt, wird auch mal Futter zugekauft. Inzwischen sind die Kühe in Begleitung von Martin Ertl und seiner kleinen Enkelin auf der Weide angekommen. Der Treib-, Hüte- und Familienhund Kira liegt zufrieden hechelnd im Gras, während Martin Ertl die Herde überblickt und auf zwei Kühe deutet, die nebeneinander einträchtig grasen:

Die etwas größere und ältere ist schon vielfache Großmutter, vierzehn gesunde Kälber hat sie in ihrem Leben bereits geboren. Die kleinere, jüngere an ihrer Seite ist eine ihrer Enkelinnen. Denn neben dem hohen Weideanteil und der Heu- und Grasfütterung, ist den Ertls besonders die Zucht auf Lebensleistung ein großes Anliegen. Im Gegensatz zur in Österreich vorrangig herrschenden Zucht nach dem ökonomischen Gesamtzuchtwert, wird bei den Ertls auf die Lebensleistung selektiert: auf spätreife Kühe mit langfristig guter Milchleistung, Vitalität und Fitness. Die „Funktion“ ist wichtiger als die „Form“- das heißt beispielsweise, dass auch eine Kuh, mit einem, nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechenden Euter über Jahre hinweg gute Milchleistungen erbringen kann und für die Zucht geeignet ist. Immerhin sollen die Kühe viele Jahre auf die Weide gehen können, hochwertige Milch liefern und gesunde Kälber gebären. Aber so ganz vergessen kann auch ein Bio-Milchbauer mit Zucht auf Lebensleistung die Form nicht – denn die zierliche Kuh mit dem wohlgeformten Körperbau ist ihm durchaus positiv aufgefallen, bevor er mit Kira und der Enkelin den Heimweg antritt. Die Kühe lassen sich von solchen Äußerlichkeiten allerdings nicht beeindrucken, sie grasen eifrig weiter, bis sie am Abend zum Melken wieder abgeholt werden. Der Bahnuntergang soll ja schließlich nicht unnötig gebaut worden sein. Gwendolyn Rudolph

ZAHLEN UND FAKTEN Betrieb: Die Ertls melken seit 1970 Holstein-Friesian Kühe, seit 1979 wird der Betrieb biologisch bewirtschaftet. Zwei der fünf Nachkommen bewirtschaften ab 2016 den Familienbetrieb gemeinsam, unter anderem, um auch als Bio-Milchviehbauer mal auf Urlaub fahren zu können. Info: -  Kühe, die 100.000 Liter Milch/Jahr geben, bekommen eine Auszeichnung. -  2015 lag die durchschnittliche Nutzungsdauer von Kühen (über alle Rassen hinweg) bei 3,7 Jahren. - Die durchschnittliche Nutzungsdauer der Bio-Milchkühe von Familie Ertl liegt bei 7,8 Jahren.

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Bio-Safranernte - da heißt es früh aufstehen


BIO-WISSEN

SAFRAN MACHT DEN KUCHEN GEHL Das Kinderlied „Backe, backe Kuchen“ lässt vermuten, dass der Safran einst eine wichtige Rolle in unseren Küchen gespielt hat. Heute erfreuen sich vor allem Genussmenschen daran, Safran selbst anzubauen und fadenweise zu ernten. Am Weltmarkt geht es beim teuersten Gewürz der Welt hingegen um die große Menge. In Marokko startet nun eine Qualitätsoffensive für Bio-Safran.

Taliouine ist ein geschäftiges Straßendorf auf der Hochebene südlich des Marokkanischen Antiatlas. Nichts deutet im Ort darauf hin, dass es sich um das Zentrum des nordafrikanischen Safrananbaus handelt. Bis man auf ein schüchtern beworbenes Safranmuseum stößt. Dort findet sich auch der Sitz der CTB/BTC, einer belgischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit. Diese kümmert sich in der Region gezielt um die Professionalisierung des Handels mit Safran. 27 Kooperativen mit 150 Hektar bekommen Unterstützung: von Anbau über Bewässerung, Ernte, Aufbereitung und Trocknung bis hin zum Verkauf zu einem besonders guten Preis. Über 1200 Berberfamilien profitieren bisher davon. Wir interessieren uns besonders für den Bio-Anbau und besuchen Mitte Oktober 123Safran, eine Firma im noch etwas höher gelegenen Talaght, die zu 100 % biozertifiziert ist. Dazu müssen wir sehr früh aufbrechen, denn die Ernte beginnt mit dem ersten Tageslicht. Sobald nämlich die Sonne aufgeht, gehen auch die violetten Blüten auf und die licht- und luftempfindlichen gelbroten Blütennarben büßen dadurch rasch an Farbe und Inhaltsstoffen ein. An dem strahlenden Morgen rückt eine Kette von 16 Pflückern Schritt für Schritt über das fünf Hektar weite Biofeld. Jeder widmet sich in erstaunlicher Geschwindigkeit der Ernte der Blüten von vier bis sechs Reihen. Es sind jene Blüten, die in der Nacht an die Oberfläche gekommen sind. Die Blütenkelche werden knapp über der Erde abgerissen und wandern in den Pflückkorb, wenn dieser voll ist in einen Sack und von dort so rasch als möglich in den dunklen Lagerraum. Etwa sechs Stunden werden die Pflücker brauchen, um die fünf Hektar violettblaues Blütenmeer in ein unscheinbares, anscheinend unbewachsenes Feld zu verwan-

deln. Dieses Schauspiel wiederholt sich Tag für Tag, bis nach etwa drei Wochen alle Blüten aufgeblüht und geerntet sind. Die Ernte des Tages beträgt etwa 100 Kilogramm frische Blüten. Diese werden in mehreren Tranchen zu einer Sammelstelle geführt, wo die einzelnen Familien nummerierte Plastikgefäße, ausgelegt mit einem blütenweißen Baumwolltuch, bekommen – alles genauestens protokolliert. Das Herauszupfen der drei Fäden beginnt unmittelbar danach. Von der Ernte werden sieben Kilo frische Fäden übrigbleiben. Diese werden wieder eingesammelt und in der 123Bio-Zentrale in einem Trockenschrank schonend getrocknet. Etwas mehr als ein Kilogramm herrlich duftende Bio-Safranfäden gilt es am Ende des Tages noch auf den exakten Farb- und Aromagehalt im betriebseigenen Labor zu untersuchen und luftdicht zu verpacken. Danach bleibt „nur noch“ der Verkauf zu einem möglichst guten Preis am internationalen Markt. Die teure Bio-Zertifizierung zahlt sich für 123Safran aus, denn statt der üblichen umgerechnet 2,50 Euro können für den BioSafran in Topqualität in Frankreich, den USA oder in Dubai 4,50 bis sechs Euro erlöst werden. Damit haben zahlreiche Familien nicht nur eine gute Arbeitsbasis, sondern auch eine sichere Lebensgrundlage. Verbunden damit ist die Hoffnung, dass in Zukunft wieder jedes Kind weiß, was das schöne Wörtchen „gehl“ bedeutet und vor allem, wie gut es schmeckt. Reinhard Geßl

ZAHLEN UND FAKTEN Betrieb: 123 Safran (Taliouine, Marokko) Seit 2011 sind die von 123Safran bewirtschafteten Safran-Flächen - insgesamt 5 Hektar - biozertifiziert, seit 2012 wird der Bio-Safran professionell vermarktet. Nähere Infos unter www.123safran.com Info: - Safran (Crocus sativa) ist eine Krokusart, die im Herbst violett blüht. Für die intensive Gelbfärbung ist das Carotinoid Crocin verantwortlich. Die safrantypische, heuartige Bittere stammt von Safranal und Picrocrocin. - Sowohl der Farbstoff als auch die Aromastoffe sind licht-, luftund feuchtigkeitsempfindlich, weshalb Ernte und Lagerung so aufwändig sind. - Pro Jahr werden weltweit nur etwa 200 t Safran geerntet.

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BIOLANDBAU IN DEN TROPEN

A FETTE SAU

Biobauern in tropischen Ländern erzielen ähnliche Erträge wie ihre konventionellen Kollegen. Neben zahlreichen anderen Studien zieht nun eine weitere Langzeitstudie, die das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) seit 2007 in Kenia durchführt, diese positive Bilanz. Das Ergebnis widerspreche dem Mythos, dass der Biolandbau für vergleichbare Erträge größere Anbauflächen benötigt, erklärte das FiBL. Nach fünf Jahren würden Biolandwirte dank der geringeren Produktionskosten und der höheren Marktpreise für Bioprodukte höhere Erträge erzielen. Die positiven Ergebnisse in Kenia sind keine Ausnahme. Aktuelle Untersuchungen z. B. zum Baumwollanbau in Indien und zur Kakaoproduktion in Bolivien kommen zu ähnlich positiven Ergebnissen.

Ein Buch, das dem MangalitzaSchwein den Respekt erweist, der ihm gebührt. Ein Portrait einer Schweinerasse, eng verwoben mit dem Portait einer Familie, die sich dieser Rasse mit Haut und Haaren verschrieben hat. Christoph Wiesner hat das Schlachten und Zerlegen am Hof perfektioniert, seine Frau Isabell steht am Familienherd und ist Top-Expertin der Mangalitzaküche. Der Fotograf und Bio-Fibel Autor Jürgen Schmücking hat die beiden zehn Jahre lang begleitet. Gemeinsam spannen sie den Bogen vom Wurf der Ferkel bis hin zum gereiften Bauchspeck. Rezepte von Nose to Tail inklusive. Quelle: VGN Medienservice, www.vgn.at

Quelle: Ökologie & Landbau 04/2016

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BIO IM AUFWIND

SAATGUT FÜR ALLE

Die Biofläche in den EU-Mitgliedstaaten ist in den letzten fünf Jahren um 21,1 % gewachsen. Laut einer aktuellen Auswertung der EU-Statistikbehörde Eurostat stieg die biologisch bewirtschaftete Anbaufläche zwischen 2010 und 2015 von rund 9,2 auf 11,1 Millionen Hektar an. Damit sind 6,2 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche biozertifiziert oder befinden sich gerade in Umstellung. Auch die Zahl der Produzenten hat zugenommen: 2015 wirtschafteten 271.500 Bauern nach biologischen Grundsätzen – ein Plus von 5,4 % gegenüber dem Vorjahr. Die größten flächenmäßigen Fortschritte verbuchen Kroatien und Bulgarien, wo sich die Hektarzahl seit 2010 fast vervierfachte – der Bio-Anteil an der Gesamtfläche ist mit 4,9 % und 2,4 % in diesen Ländern aber immer noch gering. Den höchsten Anteil an der Gesamtfläche hat der Biolandbau in Österreich: 552.000 Hektar bzw. rund ein Fünftel der gesamten Anbaufläche werden hier biologisch bewirtschaftet. Trotz erfreulicher Tendenzen – in den EU-Ländern ist für den Biolandbau noch viel Luft nach oben!

Die Konzentration auf dem Saatgutmarkt, die durch neue Fusionen weiter voranschreitet, bedroht bäuerliche Saatgutsysteme und damit das Menschenrecht auf Nahrung. Davor warnen das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" und die Menschenrechtsorganisation FIAN anlässlich der Vorstellung des Jahrbuchs zum Recht auf Nahrung 2016. Kleinbauern produzieren den Großteil der Lebensmittel weltweit, indem sie seit Jahrtausenden Saatgut bewahren, tauschen und weiterentwickeln. Doch weltweit schränken Gesetze die Rechte von Bauern bei der Nutzung ihres Saatguts immer stärker ein. Dadurch werden laut Bericht Kleinbauern in ihrer Rolle als Lebensmittelproduzenten behindert und ihre Ernährungssouveränität gefährdet. Die Autoren warnen daher vor der zunehmenden Privatisierung, Monopolisierung, Patentierung und Kontrolle von Saatgut durch Agrarkonzerne. Nur drei Konzerne kontrollieren bereits 60 % des kommerziellen Saatgutmarktes und 70 % des Pestizidmarktes. Für die Konzerne mag Saatgut eine Quelle enormer Profite darstellen – für unzählige Kleinbauern und indigene Gemeinschaften weltweit geht es jedoch nicht ums Geld, sondern um die elementare Grundlage ihrer Ernährung.

Quelle: Eurostat Pressemitteilung (2016): Zunahme der ökologischen Anbaufläche in der EU. 208/2016; www.weltagrarbericht.de ek

Quelle: www.weltagrarbericht.de; Brot für die Welt, FIAN (Hrsg.) (2016): Right to Food and Nutrition Watch 2016 ek

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Bild: Jürgen Schmücking

SHORTCUTS


SHORTCUTS

PEOPLE 4 SOIL

Europas Feldvögel leiden unter der Intensivierung der Landwirtschaft – doch Naturschutzmaßnahmen allein laufen ins Leere, wenn nicht auch die Agrarpolitik die Biodiversität sichert. Dies ist das Fazit einer aktuellen länderübergreifenden Studie. Die Wissenschaftler untersuchten den Zusammenhang zwischen dem seit Jahren deutlichen Rückgang der Feldvögelbestände in Europa und der Naturschutz- und Agrarpolitik der EU. Ihr Augenmerk galt 39 EU-weit vorkommenden Feldvogelarten und deren Entwicklung von 1981 bis 2012. Die Studie zeigte zwar, dass Naturschutzinstrumente und Agrarumweltprogramme einen wichtigen Beitrag zum Erhalt vieler Vogelarten auf Feldern und Wiesen leisten, die derzeitigen Maßnahmen den Forschern zufolge aber nicht ausreichen, um den dramatischen Artenschwund zu bremsen. Allein in Deutschland sind laut Angaben des NABU (Naturschutzbund Deutschland) seit 1990 ein Drittel der Feldlerchen, 75 % der Kiebitze und 94 % der Rebhühner verschwunden. Die Forscher sind sich einig, dass die europäische Agrarpolitik zum Schutz der Biodiversität auch die Naturschutzleistungen der Landwirte verstärkt fördern und angemessen honorieren muss. Quelle: www.weltagrarbericht.de; Gamaro, A. et al. (2016): EU policy effects on common farmland birds, Conservation Letters doi: 10.1111/conl.12292 ek

KEIN PATENTREZEPT

Bild: BLE/Dominic Menzler

VÖGEL VERSCHWINDEN

Boden ist eine unserer wichtigsten Ressourcen, da er die Ernährungssicherheit und die Erhaltung der biologischen Vielfalt gewährleistet und im Kampf gegen den Klimawandel eine wichtige Rolle spielt. Bodenschutz ist daher in unser aller Interesse. Dennoch nimmt die Bodenqualität seit Jahren dramatisch ab – unter anderem sind der hohe Pestizideinsatz, Überdüngung oder Versalzung dafür verantwortlich. Hinzu kommen eine fortschreitende Versiegelung der Böden und Erosion. Die Folge sind Milliardenkosten durch zusätzliche Aufwendungen für die Sicherung menschlicher Gesundheit, der Welternährung und der Versorgung mit sauberem Trinkwasser. In Berlin fiel Ende Oktober nun der Startschuss für eine EU-weite Initiative zum Schutz von Böden. Die Europäische Bürgerinitiative "People4Soil" will innerhalb eines Jahres mehr als eine Million Unterschriften sammeln, um so die EU-Kommission zu einem besseren Schutz der Böden zu verpflichten und ein EU-weit einheitliches Bodenschutzgesetz zu fordern. Gleichzeitig soll diese Kampagne die Öffentlichkeit für die Bedeutung des Bodens sensibilisieren. Mit der großangelegten Aktion soll ein politisches Signal zum Schutz des Bodens gesetzt werden. Die Petition kann online bis September 2017 auf www.people4soil.eu unterschrieben werden. Europaweit unterstützen bereits 400 Organisationen, Institutionen und Unternehmen in 26 Ländern die Kampagne. Quelle: www.oekolandbau.de, www.people4soil.eu ek

MOSTVIERTLER BIO-WHISKY Eigentlich machen die Schweitzers im Mostviertel Saft für die Hoflieferanten. Seit kurzem nicht mehr nur. Auf der BIO ÖSTERREICH, der Leitmesse für Bio-Produkte in Österreich, stellten sie ihren Whisky vor. Fast ein wenig zurückhaltend, weil es erst ein paar PrototypFlaschen gibt. Aber die Generalprobe hat funktioniert. Hochwertige Ausstattung (gut gewählte Flasche, als Etikett ein Lederkreis mit ausgestanztem Schweizer Kreuz) und in der Flasche eine mahagonifarbene Essenz vom Mostviertler Bio-Roggen.

Quelle: www.no-patents-on-seeds.org; www.arche-noah.at

Quelle: Biobetrieb Schweitzer js

ek

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Bio-Fibel 4/2016

Bild: Jürgen Schmücking

Anfang November hat die EU-Komission in einer lang erwarteten Stellungnahme erklärt, dass sie Pflanzen und Tiere aus herkömmlicher Züchtung für nicht patentierbar hält. Diese Aussage steht allerdings in starkem Gegensatz zur bisherigen Praxis des Europäischen Patentamts, das bereits zahlreiche Patente erteilt hat, welche die konventionelle Züchtung betreffen - darunter Patente auf Tomaten und Brokkoli. Kritiker sehen weiterhin die Gefahr einer zunehmenden Monopolisierung von Saatgut und Lebensmitteln und fordern in einer internationalen Koalition „Keine Patente auf Saatgut!“ Sie appellieren an die Regierungen in Europa, dafür zu sorgen, dass die Stellungnahme der EU-Kommission nun auch in rechtlich bindende Regeln für die Auslegung des Patentgesetzes umgesetzt wird. Einige Länder – darunter auch Österreich – lehnen derartige Patente grundsätzlich ab.


JS AUF ACHSE

DER KOMMANDANT AM AUSSENPOSTEN EUROPAS Es war Anfang der 1990er Jahre. Eine Gruppe junger Studenten besucht Zypern. Eine Exkursion ins Konfliktgebiet, um besser zu verstehen. Land, Leute, Kultur und die Dynamik internationaler Beziehungen.

Der Wein ist alt, uralt. Die orthodoxe Kirche in Zypern geht auf das Jahr 45 nach Christus zurück und ist damit eine der ältesten Kirchen überhaupt. Der Commandaria – damals hieß er noch kyprion nama – ist doppelt so alt. Sagt das Guiness Buch der Rekorde. Lassen wir das einfach so stehen. Auch, wenn es schwerfällt, in Weinfragen einem Buch zu vertrauen, das Guiness heißt. Viel wichtiger als der Superlativ "Ältester Wein" ist der Superlativ "Älteste Herkunftsbezeichnung", und die beansprucht der

Fotos: Schmücking

Mein persönliches Highlight dieser Reise war das Treffen mit Chrysostomos I., Erzbischof und Patriarch der zypriotisch-orthodoxen Kirche. Eine imposante Erscheinung, freundliches Gesicht, langer, grauer Bart. Im Gespräch mit ihm schlief unser Professor ein. Als das Schnarchen auch für den alten Priester unüberhörbar wurde, verfinsterte sich für den Bruchteil einer Sekunde die freundliche Miene des Patriarchen. Ohne Aufforderung und wortlos brachte einer der jüngeren Priester ein Tablett mit einer Flasche und einem einfachen Glas. Der Patriarch klopfte dem Professor beherzt auf den Schenkel und hielt ihm ein Glas mit mahagonifarbe-

ner Flüssigkeit an die Lippen. Kurz darauf war der Professor nicht wieder zu erkennen. Wie nach zwei doppelten Espressi wirkte er konzentriert und hellwach. Ich wollte es genauer wissen und fragte nach. Das einzige Wort, das je ein Kirchenoberhaupt zu mir gesagt hat: „Commandaria“. Mein Interesse war geweckt.

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JS AUF ACHSE

Commandaria ebenfalls für sich. Im 13. Jahrhundert besetzten Ritter des Johanniterordens den Südwesten der Insel, nannten das Gebiet „La Grande Commanderie“ und gaben dem kyprion nama, dem Wein der hiesigen Bauern, den Namen der Gegend: Commandaria. Diese Ur-AOC gibt es seit dem Jahr 1210 und somit ein paar hundert Jahre vor den großen Appellationen der alten Welt. Die Region, in der Commandaria heute gemacht wird, liegt an den südlichen Hängen des Troodos-Gebirges, nördlich der Küstenstadt Limassol. Die Lagen liegen zwischen 700 und knapp 1000 Meter über dem Meer. Die Rebsorten für den Commandaria heißen Mavro und Aspro. Mavro eine tiefdunkle, in Zypern beheimatete Rebsorte, ist im Wein nur für die Farbe gut. Einfache Mavro-Weine gibt es überall auf Zypern. Von mehr als einem Höflichkeitsglas ist aber abzuraten. Und Aspro. Eigentlich ist Aspro ein im Süden der Insel verwendetes Synonym für Xynisteri, die weiße Rebsorte im Commandaria und verantwortlich für Komplexität, Aromenvielfalt und Reifepotential. Je höher der Aspro-Anteil, desto hochwertiger der Commandaria. St. Barnabas zum Beispiel. Mit 100 Gramm Restzucker deutlich weniger üppig als seine Kollegen. Durch 94 % Aspro-Anteil zeigt der Wein die charmanten Noten von Reife und Oxidation. Schwarztee, Bitterschokolade, frisch geröstete Kaffeebohnen und sogar ein wenig Minze. Der kühle Wind an den Gebirgshängen und die Säure der XynisteriTraube sorgen dafür, dass der Wein – bei aller Üppigkeit – auch mit markanter Säure daherkommt. Die Trauben für den Commandaria werden spät gelesen, meist erst Mitte bis Ende September, trocknen für etwa eine Woche auf Strohmatten und werden dann vergoren, bis die Gärung bei 10 % Alkohol stoppt. Die restlichen Prozente, die noch auf 15 fehlen, bekommt der Wein in Form von (Wein-)Brand. Danach kommt der Commandaria im Eichenholz zur Ruhe. Manchmal auch in manas, ein Stapelsystem von Fässern, bei dem aus den unteren Reihen der älteste Wein in Flaschen gefüllt und die entnommene Menge durch jüngere Weine aus den oberen Reihen wieder aufgefüllt wird.

Aber es bewegt sich was auf der Insel der Götter. Seit 2009 machen die Schmuckdesignerin Kristine Apostolou und ihr Partner Lefteris Mohianakis, ein Önologe, Commandaria in den Bergen. Die Weingärten sind 120 Jahre alt und weil der einzige Eroberer, der Zypern verschont hat, die Reblaus ist, sind die Rebstöcke wurzelecht. Knorrige, buschige, alte Herren in den höchsten Lagen des Troodos-Gebirges. Die produzierte Menge ist bio und homöopathisch. Vom ersten Jahrgang wurden gerade einmal 723 Flaschen abgefüllt. Vom aktuellen – dem 2011er – sind es schon über 2000. Im Vergleich zur Produktion der großen Betriebe ist das immer noch ein Klacks. Qualitativ sind die Anama-Weine aber ganz groß. Leicht, filigran und trotzdem eindrucksvoll tiefgründig. Bestens gerüstet für die Zukunft und den Kampf gegen das Imperium, die großen Kellereien mit ihren Legionen von angestaubten Flaschen. Jürgen Schmücking

Der Commandaria hat das Zeug zum ganz Großen, steht sich dabei aber selbst im Weg. Erstens durch seine Geschichte und dem Pathos, mit dem sie erzählt wird. Keine Verkostung ohne Kreuzzüge, Richard Löwenherz und alte Ritterorden. Zweitens durch seine Ausstattung. Die Flaschen sehen oft aus wie überdimensionale Maggi-Flaschen, die Etiketten wie aus vergangenen Jahrzehnten. Außerdem fehlt es ihm an Selbstbewusstsein. Beim Preis gibt es noch gewaltigen Spielraum nach oben - der Durchschnitt liegt bei knapp unter 15 Euro.

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GUTER GESCHMACK

WIR MACHEN BLAU Natürlich nicht im wörtlichen Sinne, aber für das Tasting_forum 62 lag dieser Titel wirklich auf der Hand. Schließlich stand der Abend ganz unter dem Motto des Blaufränkischen.

Die Rebsorte Blaufränkisch gilt als charakterstarke Diva unter Österreichs Rotweinen und gibt sich in ihren Ansprüchen an Boden und Klima äußerst anspruchsvoll. Im Gegenzug erfreut sie uns mit dunklem Rubinrot, dichter Aromenvielfalt von Waldfrucht, dunklen Kirschen, aber auch frischer Kräuterwürze. Etliche Bio-Winzer haben sich in den letzten Jahren mit hohem Fachwissen, Begeisterung und Liebe dieser hochwertigen Leitsorte der österreichischen Weinkultur angenommen. Sie keltern großartige Weine, die ehrliche Herkunftsund Bodentypizität widerspiegeln. Zahlreiche edle Bio-Tropfen wurden im Rahmen des Tasting_ forums "Wir machen blau - Bio-Blaufränkisch" in der sympathischen Vinothek Punkt 404 verkostet. Eine kleine, feine Auswahl gibt es hier nachzulesen:

2015 ROSÉ FREYHEIT BLAUFRÄNKISCH, WEINGUT HEINRICH (GOLS) Sie nennen ihn (den Wein) des Königs rebellische Tochter. Ausgehend von der Annahme, der Blaufränkisch sei der König unter den Roten des Landes. "Freyheit" bedeutet im Hause Heinrich eine etwas andere – hochgradig spannende – Vinifikation. Der Rosé Freyheit ist unfiltriert (und will daher vor Genuss geschüttelt werden), strotzt vor jugendlicher Strahlkraft und verspielter Frucht und Würze. Die Prinzessin weiß, was sie will. Eine Liaison ist vielversprechend, sollte aber nicht auf die leichte Schulter genommen werden.


GUTER GESCHMACK

2014 BLAUFRÄNKISCH KASTANIENFASS, BIOWEINGUT MORITZ (HORITSCHON) Sie sind die mit dem Filzetikett. Mitten im Mittelburgendland aka Blaufränkischland und seit zehn Jahren bio. Der Blaufränkisch aus dem Kastanienfass ist ein rubinroter Geselle mit kräftigem, aber harmonischem Gerbstoff, breit gespanntem Fruchtbogen und lebhafter Säure. In der Nase finden wir Sauerkirschen, Powidl, Brombeeren. Das Fass schlägt sich in süßlich eleganten Noten nach Weihnachtsgebäck und zarter Vanille nieder. Summa summarum ein runder, attraktiver und vor allem süffiger Blaufränker.

2015 BLAUFRÄNKISCH OHNE, BIOWEINGUT HARETER (WEIDEN AM SEE) Unfiltriert, ungeschwefelt, unverfälscht und unkonventionell. Dafür unglaublich gut. Ein tiefdunkler Wein mit sattem Kern, violetten Reflexen und leichter Randaufhellung. Dann die Nase. Hochreife Beeren, dunkel allesamt. Und die Mineralik erst. Wie fein zerstäubtes Steinmehl, das wie Nebel über dem Wein schwebt. Großartig.

2014 LEMBERGER VERRENBERG GG, FÜRST HOHENLOHE (ÖHRINGEN-VERRENBERG) Blaufränkisch ist zwar überall gut, heißt aber nicht überall Blaufränkisch. Die Deutschen kennen die Sorte unter Lemberger und machen auch unter diesem Namen große Weine. Der Lemberger Verrenberg von Fürst Hohenlohe zum Beispiel. Ein Großes Gewächs (nach den Richtlinien des Verbands deutscher Prädikatsweingüter), das seinen Namen verdient. Ein opulenter Wein mit Gerbstoff, der fast ein wenig an Brokat erinnert. Dazu in der Nase Johannisbeere und ganz viel Kirscharomatik.

2013 STEINER, BIOWEINGUT WENINGER (BALF) Was den Deutschen der Lemberger, ist den Magyaren der Kékfrankos. Steiner, die Lage, liegt in Ödenburg. Oder Sopron. Jedenfalls auf der ungarischen Seite des Neusiedlersees. Gneis und Glimmerschiefer prägen den traditionsreichen Boden. Die massive Erwärmung während des Tages und die nicht minder massive Abkühlung führen zu ausdrucksstarken Gewürznoten, dunkler Beerenfrucht und einer erfrischenden Säure. Das macht den Steiner – trotz aller Ernsthaftigkeit und Bodenständigkeit – zu einem attraktiven Speisenbegleiter mit hohem Trinkspaßfaktor.

2011 BLAUFRÄNKISCH SÜSS, BAUERNHOF GMALL (GOLS) Ein interessanter Wein. Extrem hell, fast wie Hagebuttentee. In der Nase tummeln sich alle Beeren, die auch für trockenen Blaufränkisch charakteristisch wären, nur eben in süßlicher Sirup-Qualität. Dazu noch zerquetschte Rosinen, geriebene Orangenschale und ein Hauch Blütenhonig.

Der Abend zeigte nicht nur wie großartig Bio-Blaufränkischer schmeckt, sondern auch wie unterschiedlich – je nach Böden, Kleinklimaten, Hanglagen – aber auch Menschen. Die Besucher, die sich quer durch die Bio-Blaufränkisch-Palette kosteten, waren jedenfalls begeistert und zogen nach der Verkostung beseelt, aber keineswegs berauscht nach Hause. Elisabeth Klingbacher und Jürgen Schmücking

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Bio-Fibel 4/2016


GUTER GESCHMACK

SOMMER IN GLÄSERN Wenn die Tomaten im Garten alle gleichzeitig reif werden und das Zucchinibeet überquillt, beginnt der alljährliche Kreislauf. Zuerst wird mit Freude gekocht und gegessen, dann werden Freunde und Bekannte mit frischem Gemüse versorgt. Und danach?

Um die saisonale Fülle zu nutzen und die Aromen des Sommers einzufangen, kocht man ihn am besten ein. Das Tasting_forum 63 "Wir kochen alle(s) ein – Bio-Konservieren" widmete sich daher der unglaublichen Bandbreite eingekochter Bio-Köstlichkeiten. Die Ernährungswissenschaftlerin Rosemarie Zehetgruber schilderte spannend und praxisnah die verschiedenen Methoden des natürlichen Haltbarmachens und lieferte zahlreiche Tipps, um überschüssiges Obst und Gemüse in allen erdenklichen Variationen in Gläser zu füllen. Als Expertin des Abends hatte sie natürlich nicht nur ihr aktuelles Buch "Natürlich konservieren", sondern auch zahlreiche Kostproben im Gepäck. Hier nur ein kleiner Auszug aus der breiten Verkostungspalette dieses Abends:

Bio-Fibel 4/2016

STAUDENKNÖTERICHKOMPOTT MIT INGWER UND ARONIABEEREN (HENZL’S ERNTE) Zugegeben, es klingt ein wenig sperrig, das Staudenknöterichkompott. Dahinter steht aber eine hochfeine Komposition aus einer japanischen Pflanze, eben dem Staudenknöterich, und einer wilden Kombination aus scharfem Ingwer und rustikalen Aroniabeeren. Sehr eigenwillig, vor allem die Aroniabeeren geben dem Ganzen einen bäuerlichen Charme.

BÄRLAUCHKNOSPEN ESSIGSAUER, PIKANT (HENZL’S ERNTE) Sie sehen – ein wenig – aus wie Kapernbeeren. Vielleicht nicht ganz so groß und ohne Stängel. Präsentiert werden sie aber ebenfalls in einer Lake, und der Geschmack ist großartig. Zartes Bärlaucharoma, weiche Textur, lebendige Frische. Es ist gut vorstellbar, dass diese Knospen ihren Weg in das eine oder andere Rezept für Beef tatare finden.

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GUTER GESCHMACK

MAIWIPFEL MIT GLASKRAUT UND ZITRUSFRÜCHTEN (HENZL’S ERNTE) Beginnen wir am Beginn. Den Maiwipfeln. Das sind die jungen, zarten, hellgrünen Triebe, die im Frühjahr an den Spitzen der Nadelzweige sprießen. Unterschiedlich verwendbar (vom Honig bis zum Sirup); hier werden sie mit Glaskraut (einer aromatisch recht zurückhaltenden Heilpflanze) und Zitrusfrüchten eingelegt. Das Ergebnis ist köstlich und bereichert jeden Vorspeisenteller.

BRENNNESSELPESTO (ROSEMARIE ZEHETGRUBER) Rosemarie Zehetgruber brachte gleich mehrere unterschiedliche Pesti mit, jedes eine Zierde seiner Art. Besonders auffällig war das Brennnesselpesto. Farblich (und von der Struktur her) kaum vom Klassiker zu unterscheiden, am Gaumen aber ein Erlebnis von der ersten Berührung mit der Zungenspitze weg. Herbe Frische, großartig eingebundener Käse, tolles Öl. Besser gehts nicht.

ZWETSCHKENRÖSTER (MIT UND OHNE HONIG), (ROSEMARIE ZEHETGRUBER) Beim Zwetschkenröster blitzte die Neugier durch. Erstklassiger Rohstoff, sachte eingekocht und zurückhaltend verfeinert. Einmal mit nichts, das andere Mal mit fein aromatischem Honig. Am Gaumen war der Unterschied gar nicht so spürbar. Ein Tick mehr Süße natürlich, vielleicht auch eine Spur mehr Harmonie. In der Nase war die Differenz aber gewaltig, und der – ausgesprochen präsente – Honig passte perfekt zum Röster.

QUITTENMUS (ROSEMARIE ZEHETGRUBER) Zugegeben, das Quittenmus war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Zu wenig davon war verfügbar. Gekostet haben wir daher im Anschluss und in kleiner Runde. Das Ergebnis ist es trotzdem Wert, erzählt zu werden. Fein passierte Quitten, ein Duft, der zwischen rustikalem Charme und feingliedriger Eleganz oszilliert. Hell,

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fruchtig, nicht zu süß und in keiner Weise herb. So muss Quittenmus sein, damit reifer Käse davon profitiert. Well done.

Dass sich unter den Tasting_forum Besuchern zahlreiche kulinarisch versierte Menschen befinden, die sich gerne auch selbst der Veredelung von Lebensmitteln widmen, wurde ja schon lange vermutet – beim Tasting_forum 63 wurde es aber offensichtlich. Der Einladung, auch selbst die ein oder andere eingekochte Köstlichkeit mitzubringen, kamen sehr viele TastingGäste nach: Von Marmeladen, über Chutneys, Kompotte und unterschiedliche Pesto- bzw. Fruchtmusvariationen – die Auswahl an süßen und pikanten Köstlichkeiten war kaum überschaubar. Ein Abend voller Indizien, dass man wirklich Alle(s) einkochen kann! Elisabeth Klingbacher und Jürgen Schmücking


SHORTCUTS

Bild: Brandstätter Verlag

Sie hat es wieder getan. Und wieder optisch und inhaltlich überzeugend: Katharina Seiser hat ein weiteres Kochbuch geschrieben. Diesmal gemeinsam mit Richard Rauch, einem Haubenkoch, der ebenso für traditionsbewusste wie für weltoffene Küche steht. Nach der Seiser'schen Vegetarisch-Reihe zeichnet sich mit der Jahreszeiten Kochschule eine weitere Kochbuch-Serie ab, die man unbedingt zu Hause haben möchte. Das Konzept: Kochen lernen im Rhythmus der Jahreszeiten. Der erste Band zeigt in neun thematischen Kapiteln, von Rüben und Wurzelgemüse über Schweinsbraten bis hin zum Kletzenbrot, anschaulich und leicht nachzuvollziehen wie man aus dem Besten, was uns der Winter schenkt, köstliche Mahlzeiten zubereitet – Warenkunde, Freude am Kochen und Erfolgserlebnisse inkludiert. Ausgehend von österreichischen Klassikern werden verschiedene Zugänge, Techniken und Varianten vorgestellt, die geschmacklich keine Grenzen kennen. Für Katharina Seiser und Richard Rauch schmeckt der Winter "nach gekochtem Rindfleisch mit Apfelkren, Schnittlauchsauce und Erdäpfelschmarrn. Nach aromatisch-süßen Wurzeln wie Pastinaken, roten Rüben oder bunten Karotten und nach knackigem Chinakohl. Nach einem Schweinsbraten vom Freilandschwein mit knusprigem Schwartel und herrlichem Bratlfettbrot am nächsten Tag. [...] nach Familienfesten mit liebevoll zubereitetem Essen und guten Gesprächen bis in die Nacht hinein. Nach Nusspotitze, flaumigen Germknödeln und Faschingskrapfen. Der Heringsschmaus darf ebenso wenig fehlen wie Briochekramperl oder aus der Dose stibitzte Vanillekipferl." Doch probieren wir die winterlichen, saisonalen Rezepte einfach selbst und tauchen wir mit allen Sinnen ein in die Winterküche.

Pflanzen unterhalten lebhafte Beziehungen mit ihrer Umgebung. Der wilde Tabak zum Beispiel: er kommuniziert ständig mit seiner Nachbarschaft, "belauscht" fremde Duftnachrichten, lockt mit Duftstoffen gezielt Nützlinge an, produziert je nach Bedarf große Mengen an Nikotin und besitzt ein ganzes Arsenal weiterer Abwehrstrategien. Er kann sogar Kolibris so manipulieren, dass sie kommen, um ihn zu bestäuben. Klingt unwahrscheinlich? Ist es aber nicht – und viele andere Pflanzen stehen der Tabakpflanze diesbezüglich in nichts nach. Sie warnen sich gegenseitig mit Duftstoffen, locken gezielt Nützlinge an, koordinieren oft sogar ihr Verhalten. Pflanzen "erinnern" sich an vergangene Ereignisse und "lernen" aus diesen Erfahrungen. Sie erkennen und protegieren Verwandte und bilden Allianzen. Unter dem Boden bilden sie umfangreiche Netzsysteme aus Wurzeln und Pilzen, über die sie Nährstoffe und Informationen austauschen – ein "Internet der Pflanzengemeinschaften" von ungeahnten Ausmaßen. Lange Zeit vernachlässigt und belächelt, beschäftigen sich mittlerweile zahlreiche Wissenschaftler mit dem Forschungsgebiet der Pflanzenkommunikation. Florianne Koechlin hat diese phantastische Welt der Pflanzen in den Bann gezogen. Die Biologin besuchte in den letzten zehn Jahren zahlreiche Wissenschaftler, Bauern und Philosophen rund um die Welt, um mehr über die Kommunikation der Pflanzen zu erfahren. In ihrem Buch "Schwatzhafte Tomate, wehrhafter Tabak", das sowohl neue als auch aktualisierte ältere Texte enthält, zieht sie ein Fazit dieser zehn Jahre. Quelle: Lenos Verlag, www.lenos.ch ek

Quelle: Brandstätter Verlag, www.brandstaetterverlag.com ek

IMPRESSUM Bio-Fibel – Zeitschrift für Wissen aus der Biologischen Landwirtschaft: Medieninhaber, Verleger und Herausgeber: Freiland Verband für ökologisch-tiergerechte Nutztierhaltung und gesunde Ernährung; Doblhoffg. 7/10, 1010 Wien; Fon 01/4088809; Fax 01/9076313-20; e-mail: office@freiland.or.at; net www.freiland.or.at; DVR-Nummer 0563943; Chefredakteur: Dipl.-Ing. Reinhard Geßl (rg), Leiterin der Redaktion: Dipl.-Ing. Elisabeth Klingbacher (ek); Mitarbeit: Wilfried Oschischnig, Jürgen Schmücking (js), Gwendolyn Rudolph (gr) Redaktion: Forschungs­ institut für biologischen Landbau (FiBL Österreich), Doblhoffg. 7/10, 1010 Wien; Fon: 01/9076313-0, net: www.fibl.org/ de/oesterreich. Alle nicht anders gekennzeichneten Fotos: Geßl & Wlcek OG; Druck: Niederösterreichisches Pressehaus, Druck und Verlagsges.m.b.H., St. Pölten; Layout: Carina Trestl; Namentlich ge­kennzeichnete Artikel müssen nicht unbedingt der Meinung des Herausgebers entsprechen. Vertriebspartner: Adamah Biokistl. FREILAND-Spendenkonto: Erste Bank, AT502011100008210993, BIC/SWIFT: GIBAATWWXXX; Reichweite: 10.000 Leserinnen. Hinweis: Eine geschlechtergerechte Formulierung ist uns in der Bio-Fibel ein großes Anliegen. Da wir gleichzeitig eine gut lesbare Zeitschrift herausgeben wollen, haben wir uns entschieden, keine geschlechtsneutralen Begriffe zu verwenden, sondern alternierend entweder nur weibliche oder nur männliche Bezeichnungen. Wir sind uns dessen bewusst, dass diese Generalklausel einer geschlechtergerechten Formulierung nicht ganz entspricht, wir denken aber, dass die gewählte Form ein Beitrag zur publizistischen Weiterentwicklung für mehr sprachliche Präsenz weiblicher Begriffe sein kann.

Bio-Fibel 4/2016

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Bild: Lenos Verlag

SCHWATZHAFTE TOMATE, WEHRHAFTER TABAK

WINTER – DIE JAHRESZEITEN KOCHSCHULE


SHORTCUTS

GLOBAL GARDENING Autoreifen aus Löwenzahn, Plastik aus Kartoffeln oder Sprit aus Zucker: von der Bioökonomie erhofft man sich Lösungen für zentrale Fragen des 21. Jahrhunderts. Regierungen, Wissenschaftler und Unternehmen rund um den Globus verbinden damit die Hoffnung einer großen Transformation unseres Wirtschaftens. "Biomasse" soll eine wachsende Weltbevölkerung mit gesunder Nahrung, Energie, Stoffen und Materialien versorgen. Wie kann das gelingen in Zeiten des Klimawandels, steigender Bevölkerungszahlen und schwindender Ressourcen? Und ist die Bioökonomie nun ein "totalitärer Ansatz", wie Kritiker warnen oder sind diese neuen Technologien sinnvoll? Die Journalistin Christiane Grefe ist diesen Fragen nachgegangen und hat mit Politikern, Ökologen, Naturschützern und Bauern gesprochen. In spannenden Reportagen, Streitgesprächen und Analysen zeigt sie in ihrem Buch "Global Gardening Bioökonomie – neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft" Risiken und Chancen der Bioökonomie auf. Und sie zeigt, wie nötig eine Debatte darüber ist, welche Technologien und welche Natur wir in Zukunft wollen.

Bild: Verlag Antje Kunstmann

KONZENTRATION KOMPLETT

Quelle: bioland, 10/2016 ek

Quelle: Verlag Antje Kunstmann, www.kunstmann.de ek

Bild: Jürgen Schmücking

LABONCA SALAMISTANGERLN Rund um Norbert Hackl und sein Labonca-Projekt geht es rund zur Zeit. Tierschutzpreis und Klimaschutzpreis innerhalb weniger Wochen. Und zwischen den Ehrungen kurz nach Wieselburg. Dort wurden auf der BIO ÖSTERREICH einige Neuheiten vorgestellt. Darunter ein paar Salamistangerln, die – in bewährter Labonca-Tradition – alle Stückerln spielen. Es gibt sie mit Bergkäse und Sesam, mit Paprika oder mit Mohn und schwarzem Pfeffer. Allesamt großartig, aber der primus inter pares ist das mit den mediterranen Kräutern.

Der deutsche Chemiekonzern Bayer übernimmt den US-amerikanischen Agrarkonzern Monsanto für 66 Milliarden Dollar. Mit dieser Fusion entsteht der weltweit größte Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln. Bereits heute kontrollieren sechs Unternehmen drei Viertel des globalen Agrarchemiemarktes und über 60 % des Saatgutmarktes. Bio- und Umweltorganisationen befürchten, dass durch den aktuellen Zusammenschluss die politische Einflussnahme zugunsten von Gentechnik und chemischsynthetischem Pflanzenschutz weiter wachsen werde. Auch entwicklungspolitische Organisationen wenden sich gegen diese Großfusion. Sie befürchten nicht nur eine stärkere Abhängigkeit der Bauern, sondern auch steigende Saatgutpreise – insbesondere Kleinbauern in den armen Regionen der Welt wären davon massiv betroffen. Ob die Kartellbehörden den Zusammenschluss genehmigen werden, ist derzeit noch offen.

Zu mir oder zu dir?

Quelle: www.labonca.at js

Im BioLaden ab Hof, am Bio BioMarkt oder im BioKistl direkt bei dir zu Hause oder im Büro. Mit uns ist Bio wo du bist. www.adamah.at // 02248 2224

Bio-Fibel 4/2016 BioProdukte mit Biographie


Teilnehmer/innen für Bio-Studie gesucht! Wir brauchen Ihre Expertise und Ihr Knowhow! Machen Sie mit bei der großen Konsument/innen-Studie "Bio 3.0 - Neue Wege zu mehr Bio" und gestalten Sie mit uns gemeinsam die Zukunft der biologischen Landwirtschaft! In Gruppendiskussionen wollen wir gemeinsam mit Ihnen Szenarien entwickeln, die für die Zukunft des biologischen Landbaus und damit für die Produktion unserer Lebensmittel entscheidend sein sollen. Haben Sie Lust zu helfen, neues Wissen zu schaffen und mit uns Strategien zu entwickeln, um die biologische Landwirtschaft in die Mitte der Bevölkerung zu bringen? Dann schreiben Sie bitte ein kurzes Mail an: biostudie@science.co.at Die Studie des FREILAND VERBANDs (www.freiland.co.at) wird vom FiBL ÖSTERREICH (www.fibl.org) in Kooperation mit dem unabhängigen Forschungsverein SCIENCE COMMUNICATIONS RESEARCH (research.science.co.at) durchgeführt. Die Gruppendiskussionen finden im Jänner und Februar 2017 an einem gut erreichbaren Ort in Wien statt. Jede/r Studienteilnehmer/in wird an einem Abend zu einer Gruppendiskussion eingeladen. Die Gruppendiskussion beginnt entweder um 17:00 oder um 19:30 Uhr und dauert ca. 2 Stunden. Für Ihre Teilnahme an einer der Gruppendiskussionen erhalten Sie ein kleines Bio-Dankeschön. Außerdem wird unter allen Teilnehmer/innen ein BioferienGutschein (www.bioferien.at) im Wert von 100 Euro verlost! Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen an der Zukunft der biologischen Landwirtschaft zu arbeiten!

Nähere Infos auch unter ull.at www.biodrein

Bio-Fibel #33 04 2016  

Lothar Greger - System(at)isch zu mehr Bio Netto-Lebensmittelproduktion - NLP mal anders Bio-Safran - Das rote Gold Marokkos Guter Geschmack...

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