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Bio-Fibel Zeitschrift für Wissen aus der Biologischen Landwirtschaft

Petra Jens – Wien geht zu Fuß Olivenöl – Der Bio-Ölmulti aus der Seidengasse Cityfam – Bringt Garten ins Leben SpeiseLokal – Genießen, was um uns wächst

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Editorial

Auf’s richtige Pferd setzen! Da haben wohl ein paar Lebensmittelherstellerinnen auf’s falsche Pferd gesetzt. So wie man uns Österreicherinnen keinen Hund ins Laberl faschieren darf, so darf man den Britinnen kein Pferd als Schwein verkaufen. Ekel bleibt Ekel! Unter dem Gesichtspunkt wundert es wenig, dass sich das „ein bisserl“ untergejubelte Pferdefleisch zu einem europäischen Lebensmittelskandal auswuchs. Was schon etwas verwunderte war die Entrüstung in Österreich, in einem Land, in dem große Wege gegangen – oder eher gefahren – werden, um an den heiß geliebten Pferdeleberkäse zu kommen. Als man ein wenig nachforschte, da fanden sich im Diskont doch tatsächlich in Tortellini, deren Preis nicht einmal die Verpackung rechtfertigte, Spuren von Pferdefleisch. Undeklariert! Wo man doch gutgläubig annehmen durfte, dass die ausgelobte „Schweinefleischfülle“ von glücklichen Schweinen stamme. Wenig erstaunlich entflammte daraufhin eine öffentliche Diskussion, die in Österreich reflexartig funktioniert. Eine Deklaration muss her und zwar eine, die sicher stellt, von wo die Ingredienzien stammen. Herkunft Österreich ist gut, aus dem Ausland ist schlecht, so einfach ist das. Nicht diskutiert wurde, warum es fleischgefüllte Tortellini zu derartigen Dumpingpreisen überhaupt geben kann, ebenso wenig ging es darum, was ich und die Nutztiere davon haben, wenn ich weiß, dass das eingefüllte Quälfleisch aus dem einen oder anderen Land stammt. Länderangaben sind doch vollkommen wertlos, wenn die Qualität des Fleisches „unter jeder Sau“ ist, also die Haltungsbedingungen der verarbeiteten Tiere Tierleid vermuten lassen. Die Biologische Landwirtschaft garantiert über die EU-Bio-Tierhaltungsbedingungen und flächendeckende Kontrollen eine gute Tierhaltung. Wenn das sicher passt, dann gebe ich beim Einkauf Bio aus Österreich selbstverständlich den Vorzug. Je näher der Ursprung zu meinem Wohnort liegt, desto lieber! In dieser Bio-Fibel widmen wir uns kleinen, feinen Initiativen und Projekten, die so nahe liegen, dass sie von Wien aus „fußläufig“ bestens erreichbar sind. Die zuletzt vermehrt geäußerte Kritik an der BioSupermarktware besteht ja gerne darin, dass diese so „anonym“ und „großindustriell“ sei. Das kann man gut und gerne in den Details diskutieren. Fakt ist, dass wir in der glücklichen Lage sind und es selber in der Hand haben, zu entscheiden, was und wo wir einkaufen. Es gibt nämlich wirklich zahlreiche Initiativen, die mit unglaublichem Einsatz und Herzblut ihren Traum von (der) Bio(-Vermarktung) leben. Diese Menschen zu unterstützen bedeutet für mich als Konsumenten aber auch, einen Mehraufwand in Kauf zu nehmen, jedenfalls zeitlich, vielleicht auch finanziell. Was man sicher sagen kann: Wenn Sie auf Bio setzen, bestmöglich auf Regionales vom „Bio-Dealer“ Ihres Vertrauens, dann setzen Sie jedenfalls immer auf’s richtige Pferd.

Reinhard Geßl, Herausgeber

Inhalt Es geht so! Bedürfnis nach Nähe Schönbrunn muss Brooklyn werden Grünes Gold Heute schon eine Schnecke geküsst? Griechische Leidenschaft# Fish 'n' Chips Shortcuts Impressum, Offenlegung

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Im Gespräch

Es geht so! Wien hat seit Anfang 2013 eine Beauftragte für Fußgängerinnen. Wer sich diesen lächerlich und aussichtslos erscheinenden Job ernsthaft antut, ist entweder naiv oder besonders mutig. Petra Jens ist vielleicht beides. Jedenfalls traut man ihr das Unmögliche zu: Wien begehbar zu machen.

Erinnern Sie sich? Wien hatte ein veritables Hundekotproblem. Hundescheiße wohin man stieg. Petra Jens, Obfrau und Sprecherin der Initiative „Eltern gegen Hundekot“ wollte 2006 nicht mehr nur sudern und Schuld zuweisen. Quasi im Alleingang, aber mit 158.000 Unterschriften zur HundstrümmerlPetition im Gepäck, zwang sie 2006 die Wiener Stadtregierung zur Sackerlkampagne, und siehe da: Seither sind die Gehsteige begehbar.

Die Gehsteige sollten der studierten Nutztierethologin in ihrem neuen Job dennoch weniger wichtig sein, als vielmehr die bisher politisch nicht oder zu wenig vertretenen Interessen der Menschen, die sich darauf bewegen. Das Konfliktpotenzial des neu geschaffenen Posten ist groß: Anlässlich ihrer Bestellung füllten Spott und Häme die Onlineforen, vom Versorgungsposten war die Rede und abstruse Angstphantasien der Autofetischistinnen machten sich breit. Wir trafen die verheiratete Mutter von drei Kindern, die auch privat sehr gut ohne Auto auskommt, im Café des Albert Schweitzer-Hauses. Knapp drei Monate nach ihrer Bestellung zur Wiener Fußgängerinnenbeauftragten plauderten wir über das Glück von Milchkühen, das Pech von Schülerinnen, die Nachteile autofreundlicher Wohnungen, Fußballfelder für Autos, die Erotik des zu Fußgehens und die gute, alte Zeit, als noch Zeit für’s Käsen war.

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Im Gespräch

Frau Jens, wie geht’s Ihnen so als Beauftragte für Fuß­ gängerinnen? Gute Frage…? Es geht so. Im Moment ist alles sehr anspruchsvoll rundherum. Welche Handbewegung hätten Sie eigentlich bei der legen­ dären Robert Lembke Rateshow „Was bin ich?“ gemacht? Ich würde eine Fußbewegung machen. Sooo…. Bleiben Sie bitte sitzen. Wir hätten noch ein paar Fragen an Sie. Zum Beispiel was eine Beauftragte für Fußgängerinnen so macht? Diese Position ist neu in Wien. Es geht vor allem darum, ein Bewusstsein für das zu Fuß gehen zu schaffen. Fußgängerinnen und Fußgänger sind Verkehrsteilnehmer, die noch keine organisierte Lobby haben. Nicht so wie bei den Autofahrern mit ihren großen Interessensvertretungen. Auch beim öffentlichen Verkehr gibt es für die Teilnehmerinnen Fahrgastbeiräte. Die Interessen der Fahrradfahrenden wurden 2011 mit einem eigenen Beauftragten der Stadt Wien gestärkt. Und jetzt sollen die Fußgänger politisch auf Touren kommen? Richtig. Hier gab es bisher keine Vertretung. Zu Fuß gehen erscheint den meisten von uns als eine Selbstverständlichkeit, ein ganz alltägliches Ereignis. Deshalb finden es viele auch nicht der Mühe wert, einen genaueren Blick drauf zu werfen.

Was wir gerne mit Ihnen tun möchten. Zuvor noch ein kurzer Abstecher in Ihre Biografie: Sie sind studierte Nutztierethologin – danach waren Sie bei der Diakonie tätig und sind nun Fußgängerinnenbeauftragte. Gibt es gar einen Konnex zwischen Nutztieren und Menschen? Ja, die Frage stellt sich schon – wie geht mein Studium der Nutztierethologie, also die Lehre vom Verhalten landwirtschaftlicher Tiere, mit meiner Arbeit für Fußgängerinteressen zusammen? Darüber habe ich mir auch in der Diakonie schon Gedanken gemacht. Was kann ich in diesem sozialen Bereich von meinem landwirtschaftlichen Studium einbringen? Interessanterweise waren da wie dort die Fragestellungen überraschend ähnlich: Mit wie viel Personaleinsatz wird gearbeitet, welcher Medikamenteneinsatz kommt zur Anwendung – oder wie viel Fläche steht den Menschen zur Verfügung, welcher Zeitaufwand ist für die Betreuung und Beziehungsarbeit notwendig? Tierische und „menschliche“ Haltungssysteme haben also eine frappierende Ähnlichkeit? Mitunter, ja… In der Diakonie habe ich mich schwerpunkt­ mäßig mit Bildung beschäftigt, speziell mit Schularchitektur. Es war für mich erschütternd, dass man eigentlich im modernen Stallbau den Bedürfnissen der Nutztiere mehr Bedeutung zumisst als jenen der Kinder und Lehrenden im Schulbau. Manche Milchkühe leben also „artgerechter“ im Stall als Kinder in der Schule?! Der Schulbau basiert im Prinzip noch immer auf dem Konzept der Kasernen aus der Zeit von Kaiserin Maria Theresia. Mit diesem Kasernenkonzept wollte man die Menschen, also auch die Kinder, disziplinieren. Und dieser Gedanke zieht sich bis

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heute architektonisch im sogenannten modernen Schulbau fort. Man hat sich da nie konsequent gefragt, was haben eigentlich Kinder für Ansprüche, Bedürfnisse an Bewegung und Ruhe – diese wichtigen Funktionskreise mit den wir uns in der Tierhaltung beschäftigen, haben in der Schularchitektur noch wenig Eingang gefunden. Kehren wir zurück zu den Fußgängerinnen in Wien. Von „artgerechter“ Haltung kann hier auch keine Rede sein: Den Autofahrerinnen steht in der Bundeshauptstadt eine 60 mal größere Fläche als den Fußgängerinnen zur Verfügung. Da läuft doch was schief? Oder man sieht es andersrum! Als erfolgreiche Politik für den motorisierten Individualverkehr. Freilich, bezogen auf ein gesell­schaftliches Interesse zu einer bestimmten Zeit. In der Nachkriegszeit galt ja der Individualverkehr als wichtig und förderungswürdig. Platz für das Autofahren zu schaffen, flott im öffentlichen Raum voranzukommen.

Das mit den „Grantlern“ halte ich für eine Pauschalverurteilung, die ich so nicht unterschreiben würde. Ich erlebe täglich auch viele Autofahrerinnen, die mir einen Vorrang einräumen – wofür ich mich dann auch mit einem Handzeichen bedanke. Aber am liebsten wäre es mir, könnten all diese Damen und Herren stressfrei zu Fuß unterwegs sein. Und in diesem Zusammenhang ist eines noch sehr wichtig: Das Miteinander reden – das ist ein wichtiger Aspekt der Verkehrssicherheit, den wir lange vernachlässigt haben. Nur ein Beispiel: Wenn Sie in einer süditalienischen Stadt unterwegs sind, zu Fuß oder mit dem Fahrrad – da sind die Straßen wesentlich schlechter als hier, gar nicht vergleichbar mit Wien. Es ist eng, es ist laut, es ist viel los – und trotzdem ist es weniger stressig. Es wird viel gehupt, aber auf eine andere Art und Weise als in Wien. Daran möchte ich ebenso arbeiten, diese Bereitschaft, die Kommunikation zwischen Autofahrerinnen, Fußgeherinnen und auch Fahrradfahrerinnen zu erhöhen.

Und heute werden wir von einer Blechlawine erdrückt… Autofahrerinnen sind auch Menschen. Ja, und natürlich sind sie auch Zufußgehende, das sollten wir nicht vergessen. Die Wohnung, in der man direkt ins Auto steigt, muss erst erfunden werden. Und die Straßen sind ja auch ein wichtiger, notwendiger Raum für den öffentlichen Verkehr in Wien, der allen zugutekommt. Während ein Auto in Wien auf durchschnittlich 7,8 m² Platz findet, darf sich ein Kind über 0,55 m² Spielplatzfläche freuen. Mit dem gegenseitigen Aufrechnen wäre ich sehr vorsichtig. Wir haben in Wien sehr viele Grün- und Freiflächen. Nicht jeder Park ist speziell als Spielplatz in der Statistik ausgewiesen. Was vor allem wichtig für Wien ist, sind die kurzen Wege. Das macht Wien zu einer attraktiven Stadt für Fußgängerinnen. Die kurzen Wege zwischen den Wohnungen, Parks, Arbeitsplätzen, Ausbildungsstätten und Geschäften. Diese Qualität müssen wir schon sehen und betonen. Wien ist ein spannender Ort zum zu Fuß gehen. Ich kann meine Routen gut durch einen Park legen, oder einfach ein, zwei Stationen früher bei den Öffis aussteigen. Natürlich ist das zu Fuß gehen auch eine wichtige, sinnvolle Alternative für die Autofahrerinnen – jede vierte Autofahrt ist bekanntlich kürzer als ein Kilometer. Da fällt doch niemanden ein Zacken aus der Krone, wenn er diese Strecke geht! Vielleicht ist es gar nicht so gut, wenn Sie die Autofahrerinnen aus ihren Panzern locken. Stellen Sie sich vor, hunderttau­ sende „Grantler“ laufen plötzlich frei rum und zeigen sich gegenseitig den Vogel.

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Im Gespräch

Das wird wohl schwierig mit den vielen Kampfhennen? Das bedingt in jedem Fall einer Geschwindigkeitsreduktion. Das Kommunizieren braucht Zeit, das braucht Vorbereitung. Ich muss rechtzeitig die anderen wahrnehmen, um mit ihnen kommunizieren zu können. Das Kommunizieren gewährleistet dann aber auch einen flüssigen Verkehrsverlauf. Ihre Bestellung im Jänner 2013 scheint mit einem Paradigmenwechsel in der Wiener Verkehrspolitik einher zu gehen. Wie kommen Sie aktuell mit Ihrer Arbeit voran? Ich bin die Ansprechperson fürs „Zufußgehen“ in Wien, so eine Art Ombudsfrau. Die Menschen können sich direkt an mich wenden. Das war auch mein erster Schritt, die vielen Anfragen entgegen zu nehmen und ein Beschwerdemanagement aufzubauen. Analysieren, bei welchen Problemen langfristigeres Lobbying notwendig ist, was man gleich beantworten kann,

wem man schnelle Hilfe geben kann. Parallel dazu entsteht freilich auch ein klares Arbeitsprogramm mit vielen verschiedenen Strategien, Konzepten und Maßnahmen für Fußgängerinnen und Fußgänger. Wer gehört zu Ihren Zielgruppen? Wie gesagt, zu Fuß gehen alle. Prinzipiell möchten wir alle ansprechen. Aber auf Kinder, ältere Menschen iund mobilitäts­ eingeschränkte Personen werden wir uns besonders konzentrieren. Klingt irgendwie nach einer „Loser-Truppe“. Die einen sit­ zen im Auto und die anderen latschen… Wer zu Fuß geht, ist ganz und gar keine Verliererin. Mit unserem Engagement möchten wir von Beginn an wichtige Gesellschaftsgruppen stärken. Von meiner Arbeit bei der Diakonie weiß ich, dass die Mobilität von Menschen im Alter – also die Möglichkeit sich selbstständig zu bewegen – überaus wichtig ist. Davon hängt es ja letztlich ab, ob und wie lange diese Menschen in ihrer eigenen Wohnung leben können. Dazu gehört auch das zu Fuß gehen – dass sie sich in ihrem Wohnumfeld gut und sicher bewegen können. Bei Kindern ist das ähnlich: Kinder gehen viel zu Fuß, da braucht es ein sicheres Umfeld – sei es das Wohnumfeld, der Weg zur Schule, zum Spielplatz oder zu den Öffis. Warum wir diese Zielgruppen zum Start unserer Arbeit gewählt haben, ist ganz einfach zu verstehen: Diese Menschen gehen jetzt schon mehr als andere Gesellschaftsgruppen zu Fuß und ihre Interessen sollen daher besser wahrgenommen und vertreten werden. Bei aller Euphorie: Viele Gehsteige sind eine Rumpelkammer für Verkehrsschilder, Reklameständer und vielem mehr – also nicht gerade einladend… Genau, die Verkehrsflächen für die Zufußgehenden sind oft sehr klein bemessen und noch dazu vielen Begehrlichkeiten ausgesetzt – als Aufstellfläche für jegliches Stadtmobiliar, als Werbefläche für die Gastronomie und den Einzelhandel. Keine Frage, viel zu viele Begehrlichkeiten für diese kleine Fläche. Daher muss hier die Strategie lauten: die Fläche zu vergrößern und den Respekt vor ihr zu erhöhen. Denn der Gehsteig ist kein Radweg und auch kein Parkplatz fürs Auto. Ist eine Verschönerungskur für das graue „GehsteigAmbiente“ auch geplant? Wir möchten verstärkt Projekte fördern, die sich mit Platzund Raumgestaltungen für Fußgänger auseinandersetzen. Das können auch Mikroräume sein, wo man sich hinsetzt und ein Glas Wasser trinkt, sich mit Menschen trifft und unterhält. Da sind eine Reihe von Maßnahmen und Aktionen geplant. So

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wird es auch ausgewiesene Flaniermeilen geben. Denn um das Zufußgehen aufzuwerten, sind Vorzeigerouten wichtig. Routen, bei denen ich mich als Fußgeher wirklich bevorzugt fühle. Dazu gehört etwa auch ein spezielles Leitsystem – womit mir gezeigt wird, wie ich am geschicktesten von einem Ort zum anderen komme. Statistisch betrachtet geht jede Wienerin täglich nur 450 Meter zu Fuß. Kann es sein, dass Gehen einfach nicht sexy ist? Nein, das glaube ich nicht. Gehen ist durchaus sexy. Sehen Sie sich doch einmal auf der Kärntner Straße um oder auf der Meidlinger Hauptstraße, am Reumann Platz… Da sehen Sie dann schon, dass Gehen für die Menschen immer attraktiver wird. Und zu Fuß gehen ist für alle ein Gewinn: Es hält uns fit und gesund, verursacht keine Schadstoffe wie der motorisierte Verkehr und ist infrastrukturell kostengünstig zu bewerkstelligen.

Das ist eine gesunde Ernährung. Und eine wesentliche Voraussetzung dafür – die Boden­gesundheit. Deshalb bin ich auf die Universität für Boden­kultur gegangen. Dort habe ich dann gelernt, dass es überhaupt kein Problem ist, Lebensmittel nachhaltig zu erzeugen. Ja, eine nachhaltige, umweltschonende, gesunde Lebens­mittel­produktion ist nicht die Schwierigkeit – viel mehr haben wir ein Verteilungsproblem. Ich glaub’, es ist auch kein Zufall, dass ich dann in einer sozialen Organisation gelandet bin und jetzt bei diesem Verkehrsthema. Mir geht es im Leben immer sehr um den Aspekt der sozialen Gerechtigkeit. Wenn eine Stadt Erholungsflächen anbietet, die allen frei zugänglich sind, dann ist das auch ein sozialer Aspekt. Und wenn wir eine Stadt so gestalten, dass Kinder und Erwachsene sicher eine Straße betreten können, dann steckt dahinter eine soziale Handlung.

Wie schon eingangs erwähnt, haben Sie Landwirtschaft stu­ diert. Was waren da Ihre Beweggründe? Ich hab das studiert, weil ich mich gefragt habe, was die Menschheit am meisten braucht?

Ein kleiner „imaginärer“ Schritt fehlt uns noch bis zum Interviewende – nämlich jener zu Ihrem Kühlschrank. Welche Bio-Lebensmittel befinden sich gerade in Ihrem Kühlschrank? Bio hat bei uns einen sehr großen Anteil. Die Milchprodukte sind praktisch ausschließlich Bio. Fleischprodukte sowieso auch, wobei unser Fleischkonsum sehr gering ausfällt. Das Gemüse ist mindestens zu 90 Prozent Bio, und das Obst zu 100 Prozent. Die Eier ebenfalls. Es gibt auch einen kleinen Prozentsatz von Selbstgemachtem – Marmelade, Kompotte, Fruchtsäfte. Leider habe ich nun nicht mehr genügend Zeit, um selber Käse zu machen.

Jetzt sind wir aber gespannt!

Danke für das Gespräch!

Bevor unser Interview dem Ende zu geht, noch eine neidi­ sche Frage: Wann bekommt der Bio-Landbau von der Stadt Wien eine Bio-Beauftragte? Ich sag’ nur: Her damit!

Wilfried Oschischnigg und Reinhard Geßl

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Das Gute liegt so nah: Judith Schachinger im SpeiseLokal!


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Bedürfnis nach Nähe Freitagvormittag, 10.00 Uhr: Zahlreiche sym­ pathische Menschen unterschiedlichsten Alters tummeln sich in einem ehemaligen Lagerraum eines Bio-Bauernhofs in Maria Anzbach.

Verantwortlich dafür sind drei engagierte Frauen. Judith Schachinger, Juliana Lutz und Sabine Rosenberger waren aus unterschiedlichen Gründen auf der Suche nach neuen beruflichen Herausforderungen. Sie beschlossen gemeinsame Sache zu machen und gründeten vor etwa eineinhalb Jahren die Initiative „SpeiseLokal!“. „Wir wollten Akzente setzen gegen Entwicklungen in der Lebensmittelproduktion, die weltweit zu ökologischen, ökonomischen und sozialen Problemen beitragen. Mit der Aufforderung ‚SpeiseLokal!‘ möchten wir Lust auf lokale und saisonale Bio-Lebensmittel machen und eine Alternative zur Agro-Industrie schaffen“, schildert Judith Schachinger die Intention des Projekts. Genießen, was rund um uns wächst und gedeiht – das fördert nicht nur die lokale, kleinstrukturierte und ökologische (Land-)Wirtschaft, sondern schafft auch Nähe und wechselseitige Verantwortung zwischen Konsumentinnen und Produzentinnen. In Zeiten wie diesen kommt eine Initiative wie „SpeiseLokal!“ gerade richtig. Angeboten wird eigentlich alles, was man so an Lebensmitteln braucht: Milch(produkte), Brot und Gebäck, Fleisch, Wurst, Fisch, Gemüse, Obst, Eier, Teigwaren, Honig, Gewürze, Säfte, Bier und vieles mehr. Ebenso vielfältig wie das Angebot sind auch die Kundinnen und deren Beweggründe bei „SpeiseLokal!“ einzukaufen. „Unsere Stammkundschaft könnte unterschiedlicher nicht sein. Nicht nur zugezogene Jungfamilien zählen zur Stammklientel, auch viele Einheimische kommen regelmäßig, darunter zahlreiche ältere Leute, die die persönliche Greißleratmosphäre zu schätzen wissen“, freut sich Schachinger. Neben hochwertigen Bio-Lebensmitteln organisiert „SpeiseLokal!“ Veranstaltungen und Exkursionen zu den Produzentinnen. Dieser direkte Kontakt schafft Vertrauen und sorgt für ein solidarisches Miteinander sowie für die Bereit­ schaft, für hochwertige Lebensmittel faire Preise zu bezahlen. Das saisonale Angebot und die Zusammenarbeit mit zahlreichen kleinen Betrieben erfordern Flexibilität – auch von den Konsumentinnen. Doch die Kundinnen haben Verständnis

wenn es – in seltenen Fällen – mal zu Engpässen kommt und die Zucchini wegen Schlechtwetters nicht rechtzeitig reif wurden. Auch ein Ergebnis des persönlichen und vertrauensvollen Umgangs miteinander. Die Stärke und gleichzeitig auch die Voraussetzung für das Funktionieren von „SpeiseLokal!“ ist, neben persönlichem Engagement aller Beteiligten, die Regionalität. Das bedeutet, nicht nur die Lebensmittel, auch die Kundinnen kommen aus der näheren Umgebung und stellen dadurch sicher, dass die positive Klimabilanz saisonaler Bio-Produkte nicht durch eine lange Einkaufs-Autofahrt beeinträchtigt wird. Für eine Ausweitung der Biolandwirtschaft sind neben regionalen Kooperationen möglichst vielfältige Vermarktungwege wünschenswert: Neben Direktvermarktung, Bio-Märkten, Biokistln, Foodcoops uvm. zählen dazu, trotz berechtigter Kritikpunkte, auch die Supermärkte, die einer breiten Konsumentinnenschicht den Zugang zu qualitativ hochwertigen Bio-Lebensmitteln ermöglichen. Dennoch, für eine ökologisch und sozial nachhaltige Lebensmittelproduktion brauchen wir noch viel mehr Initiativen wie „SpeiseLokal!“ – umso erfreulicher, dass demnächst eine Filiale in Neulengbach eröffnet werden soll. Elisabeth Klingbacher

Zahlen und Fakten Verein: SpeiseLokal!. Initiatorinnen: Judith Schachinger, Juliana Lutz, Sabine Rosenberger. Info: Bestellung über den Webshop, Abholung Freitags von 10-13 Uhr und 16-18 Uhr am 3er-Hof in Maria Anzbach. Die meisten Lebensmittel stammen aus einem Umkreis von 30 km. 50 Bio-Bäuerinnen liefern für mittlerweile 200 Stammkundinnen. Um den Transportaufwand möglichst gering zu halten, werden die Produkte mehrerer Betriebe gemeinschaftlich ins „SpeiseLokal!“ gebracht. Nähere Infos unter www.speiselokal.org Infos: - Die 500 größten Nahrungsmittelkonzerne entscheiden über 70 Prozent unseres Speiseplans. Die zehn größten Unternehmen verdienen zusammen 1,1 Milliarden US-Dollar pro Tag. - In Foodcoops schließen sich Konsumentinnen zusammen und beziehen selbstorganisiert, nach ökologischen und sozialen Kriterien Bio-Lebensmittel direkt von regionalen Bauernhöfen, Gärtnereien, Bäckereien, ...

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Foto: Cityfarm Schönbrunn

Junges Gemüse: Wolfgang Palme und Lisa Reck mit Nachwuchsgärtnerinnen


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Schönbrunn muss Brooklyn werden 1914 war’s, als eine junge Lehrerin namens Ellen Shaw in New York eine außergewöhnliche Initiative ins Leben rief, die auch fast hundert Jahre später nicht aktueller sein könnte: den Children`s Garden von Brooklyn.

Seit damals erleben New Yorker Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichsten sozialen Schichten mitten in der Großstadt, wie bereichernd es sein kann, gemeinsam Gemüse und Obst zu pflanzen, zu pflegen und zu ernten. 2012 war es dann schließlich auch in Schönbrunn soweit: Wolfgang Palme, Leiter der Abteilung Gemüsebau am LFZ Schönbrunn und Gartenpädagogin Lisa Reck öffneten die Tore zur Junior City Farm. Reck, die ein Jahr im Brooklyn Children's Garden gearbeitet hatte, war davon so begeistert, dass sie ihre Erfahrungen auch in Österreich umsetzen wollte. Durch einen glücklichen Zufall lernte sie Wolfgang Palme kennen. Als Feuertaufe diente den beiden der Junior City Farmer Wettbewerb 2011: Im Rahmen dieser Aktion kamen in einer Maiwoche über 400 Kinder zum „Garteln“ nach Schönbrunn. Nachdem dieser erste Schritt bravourös gemeistert worden war, gründeten Palme und Reck den Verein „City Farm Schönbrunn – Verein zur Förderung von Urban Gardening, Gartenpädagogik und ökologischer Bildung“. „Wir bringen Garten ins Leben“ lautet das Motto. Durchaus zu Recht, wurde doch auf geschichtsträchtigem Boden – Kaiserin Sissis ehemaliger Kuhweide – ein einzigartiger Erlebnisort für urbanes Gärtnern geschaffen. Hier wird Kindern die Freude an Garten und Gemüsevielfalt vermittelt. Schönheit, Duft und Geschmack der Pflanzen werden hier oft das erste Mal entdeckt. Seit April 2012 wird also nach Herzenslust gegärtnert und schon im ersten Jahr ihres Bestehens besuchten über 2000 Kinder und 500 Erwachsene die Junior City Farm, eine Idylle mitten in der Stadt. „Vor allem Kinder aus dem städtischen Umfeld wissen heute immer weniger über die Zusammenhänge von Lebensmitteln und Landwirtschaft Bescheid. Wenn man ihnen die Gelegenheit gibt, selbst zu pflanzen, zu jäten und zu ernten, lernen sie bewusster mit der Natur umzugehen. Natürliche Kreisläufe und ökologische Zusammenhänge werden dadurch erleb- und begreifbar“, ist Wolfgang Palme überzeugt. Die Kinder können allerdings nicht nur ihr eigenes Bio-Gemüse hegen und pfle-

gen, sie lernen auch, es zu verarbeiten. Von Kräuteraufstrich über Kürbissuppe bis hin zu Marillenmarmelade und Apfelsaft reicht die kulinarische Palette: „Die Kinder sind von der Aussaat bis zur Ernte und Zubereitung dabei. Sie entwickeln dadurch ein Nahverhältnis zum Gemüse und lernen den Wert regionaler und saisonaler Lebensmittel zu schätzen“, erzählt Palme, den es rührt, wenn Volksschülerinnen voller Freude mehr als zehn Brote mit selbst zubereitetem KräuterAufstrich verspeisen. Und die Begeisterung der Kinder ist ansteckend: Neben Pädagoginnen helfen zahlreiche Freiwillige – von der Studentin bis zur Pensionistin – regelmäßig bei den Workshops. Bei unserem Besuch Anfang Februar präsentiert sich das Gelände zwar noch tief verschneit, doch auch wenn die Freilandsaison noch warten muss, die Kinder sind auch bei Minustemperaturen mit Feuereifer bei der Sache. Die anwesenden Volksschülerinnen kann man getrost als alte Hasen bezeichnen. Sie gehören zu einer jener Klassen, die während des gesamten Schuljahres regelmäßig vorbeikommen, um zu gärtnern. Die Kinder haben eigene Beete angelegt, für deren Pflege sie verantwortlich sind und erleben so ein Gartenjahr und die damit anfallenden unterschiedlichen Tätigkeiten ganz aktiv mit. An diesem winterlichen Vormittag zieht es die Gruppe allerdings in die Glashäuser. Schwerpunkt: Südfrüchte. Auf die Frage, wie er denn die Blüten des Orangenbaums beschreiben würde, antwortet ein Achtjähriger: „Schön!“ Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Elisabeth Klingbacher

Zahlen und Fakten Projekt: Junior City Farmer Schönbrunn, Projektkoordination: DI Wolfgang Palme, Mag. Lisa Reck Burneo Info: - Workshops für Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 16 Jahren. Kosten: 6,50 Euro/Workshop und Kind inkl. Essen; Besuch von Schulklassen einmalig oder regelmäßig möglich; Workshops werden auch privat für Kinder angeboten z.B. „Gartenspaßwochen“ während der Sommerferien - Programm für Erwachsene : Gartenerlebnis­führungen, Gemüse­ raritäten­verkostungen, Urban Gardening Workshops, … www.cityfarmschoenbrunn.org

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Griechenland at it's best: Das Mani-OlivenÜl von Manfred Bläuel


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Grünes Gold Wie eine Motorradtour in den Süden des Peloponnes nicht nur das Leben zweier Brüder, sondern auch das zahlreicher griechischer Bäuerinnenfamilien nachhaltig verändert...

Mitte der 1970er Jahre zog es Manfred und Fritz Bläuel ins damals noch exotische und touristisch kaum erschlossene Griechenland. Schnell knüpften sie Kontakte zu den Einheimischen, lernten deren Gastfreundschaft und Lebensart zu schätzen, bekamen aber auch Einblick in die alltäglichen Probleme der Landbevölkerung. Für Fritz Bläuel war rasch klar: Er würde gemeinsam mit seiner Frau den Lebensmittelpunkt in die verschlafene, uralte Kulturlandschaft der Mani verlegen. Bei dieser Entscheidung stand aber nicht der Wunsch nach Aussteigerleben inklusive Selbstfindung im Vordergrund – die freundschaftliche Beziehung zu den Bewohnerinnen der umliegenden Bergdörfer weckte in den Bläuel-Brüdern vielmehr den Wunsch, gemeinsam ein ökologisch und sozial nachhaltiges Projekt zu realisieren. Zu dieser Zeit hatte die Abwanderung aus den ländlichen Regionen längst begonnen. Zudem wurde selbst in der entlegenen Mani auf eine Intensivierung der Landwirtschaft gesetzt: Der Einsatz von Kunstdünger wurde stark subventioniert, landwirtschaftlich genutzte Flächen sogar aus Hubschraubern mit Pestiziden besprüht. Vor diesem Hintergrund initiierten die Bläuels vor mittlerweile mehr als 30 Jahren das erste zertifizierte Bio-Projekt Griechenlands: die Produktion von BioOlivenöl nach traditionellen Anbau- und Herstellungsverfahren. Schon bald waren die Bäuerinnen vor Ort vom Erfolg des Unternehmens überzeugt. Saidonia war schließlich das erste Bergdorf der Mani, das geschlossen zum Biolandbau „überlief“, zahlreiche weitere Betriebe folgten. „Der erste Öltransport nach Wien erfolgte im eigenen PKW. Das Olivenöl wurde händisch in Bierflaschen abgefüllt, verkorkt und an Freunde weitergegeben“, erinnert sich Manfred Bläuel an die Anfänge. Zu dieser Zeit war die Nachfrage nach hochwertigem Bio-Olivenöl noch längst nicht mit den sprichwörtlich „warmen Semmeln“ gleichzusetzen. Bläuel fand damals keinen Importeur, sodass er – der ehemalige Maschinenbauingenieur – die Sache selbst in die Hand nahm. Während sein Bruder das Unternehmen in Griechenland leitet,

kümmert sich Manfred Bläuel bis heute mit Begeisterung um den Öl-Vertrieb in Österreich. Wie beim Wein sind auch für die Ölqualität zahlreiche Faktoren wie optimaler Standort, professioneller Baumschnitt, beste Qualität der Früchte, gewissenhafte Verarbeitung, Lagerung und Abfüllung verantwortlich. „Für unsere Öle, die der höchsten Güteklasse ‚nativ extra‘ entsprechen, verwenden wir Koroneïki-Oliven, die sich über Jahrhunderte perfekt an die lokalen Bedingungen angepasst haben. Geerntet wird in der Mani ab erstem November, die handgepflückten Oliven werden dann in traditionellen Mühlen gemahlen und kalt extrahiert“, erklärt Bläuel. Neben hunderten kleinbäuerlichen Familienbetrieben, die den wertvollen Rohstoff für das Öl liefern, beschäftigt die Firma Bläuel 40 Mitarbeiterinnen am Betrieb und gehört somit zu einem der größten Arbeitgeber in der Region. Das bedeutet eine wirtschaftliche und soziale Stabilisierung der Dorfgemeinschaften und eine Zukunft mit Perspektiven für die junge Generation. In Zeiten wie diesen nicht nur in Griechenland keine Selbstverständlichkeit. Neben ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit kommen natürlich auch Qualität und Genuss nicht zu kurz – aber da sprechen begeisterte Kundinnen und zahlreiche internationale Prämierungen ohnehin für sich. Elisabeth Klingbacher

Zahlen und Fakten Betrieb: Bläuel Greek Organic Products, Seidengasse 32, 1070 Wien. Betriebsleiter: Fritz Bläuel; Vertrieb Österreich: Manfred Bläuel. Info: Jährliche Produktion ca. 150 t Tafeloliven und ca. 700 t Olivenöl. ManiOlivenbäume werden traditionell sehr stark beschnitten und liefern nur etwa vier Liter Öl statt der sonst üblichen 15 Liter. www.blauel.gr oder www.mani.at Infos - Zahlreiche Studien bestätigen den positiven Einfluss von hochwertigem Olivenöl auf die Gesundheit. - 100 Kilogramm Oliven liefern etwa 15 Kilogramm Olivenöl - Der Säuregehalt von Olivenöl ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Bei Olivenöl nativ extra darf der Säuregehalt max. 0,8 g/100 g betragen. Je niedriger der Säuregehalt, desto höher die Qualität.

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Entdeckung der Landsamkeit: Schneckenbauer Andreas Gugumuck


Bio-Wissen

Heute schon eine Schnecke geküsst? Kaum ein anderes Tier versetzt uns in ähnlich kollektiven Ekel wie die spanische Wegschnecke. Es ist also schwer vorstellbar, dass derzeit ein Wiener Schneckenbauer als einer der inno­vativ­ sten Bauern Europas gefeiert wird.

„Heute schon eine Schnecke geküsst“ heißt ein naturwissenschaftlich „schräges“ Buch von Eike Braunroth. Darin geht es um eine neue Art des Kooperierens mit der Natur. Demnach sind Schnecken keine schleimigen Massen, die es bösartig auf unser Gartengemüse abgesehen haben. Vielmehr sollte man Schnecken als „Gartenpolizei“ herzlich willkommen heißen. Schnecken sind ein wichtiger Teil der Natur, also sollte man sie nicht hasserfüllt zerschneiden oder in Bier ersäufen, sondern mit ihnen ehrlich und freundschaftlich kommunizieren. So kann man Grenzen und Gebiete abstecken, die klar machen: „Gemüse und Blumen gehören mir, der Rest steht euch zur Verfügung.“ Ob das funktioniert? Selber ausprobieren! Eine feine Art des Schneckenküssens ermöglicht uns Andreas Gugumuck. Er ist Bauer in Simmering, ein allseits tolerierter und mit zahlreichen Innovationspreisen ausgezeichneter Massentierhalter. 150.000 Tiere mästet er in ganzjähriger Freilandhaltung auf nur 1500 m² Fläche. Jedem Tier stehen also bloß 0,01 m² zur Verfügung, der gebotene Auslauf wird trotzdem nur sehr zögerlich genutzt. Gugumuck arbeitet mit Weinbergschnecken – genauer gesagt mit zwei „Rassen“: der heimischen Helix pomatia und der französisch-stämmigen Gefleckten Weinbergschnecke (Helix aspersa). Die Helix aspersa kann keinen Kalkdeckel bilden, ist frostempfindlich, muss also im Keller überwintert werden. Die beiden großen Vorteile: Die „Ernte“ ist schon im ersten Jahr möglich, Schneckenkaviar – also die Eier – kann hygienisch und gut kontrollierbar „im Stall“ abgesammelt werden. Die heimische Weinbergschnecke lagert hingegen Futterkalk ein, gräbt sich vor dem Winter in den Boden, bildet einen Kalkdeckel und überwintert bis etwa Ostern im Freien. Die Ernte kann erst nach der Paarung etwa Ende Mai erfolgen. Dazu werden die Schnecken etwa eine Woche vor der „Schlachtung“ auf Diät und damit „in Ruhe“ gesetzt und dann im kochenden Wasser getötet. Die Haltung im Freien stellt keine besonders hohen An­forderungen. Schnecken sind nur in der Nacht aktiv, unter-

tags brauchen sie Schatten. Mangold und Sonnenblumen haben sich als rasch wachsende Schattenspender gut bewährt. Gefüttert werden die Schnecken mit Gemüse: Karotten, Gelbe Rüben, Pastinaken und Sonnenblumen haben sich gut bewährt. Gugumuck ist selbstverständlich Mitglied bei Slow food, aber kein anerkannter Bio-Betrieb. Das wäre er gerne, nur gibt es bis jetzt keine zertifizierbaren Bio-Richtlinien für Schnecken. Also kommen seine Produkte – Schnecke (mit Haus) zum Grillen, die (hübsch schneckenförmig gedrehte) Schneckenleber und der große, weiße Schneckenkaviar – bis jetzt nur slow auf den Markt. Nachahmerinnen hat Gugumuck bisher noch keine gefunden. „Dazu sind der Handarbeitsaufwand und die notwendige Mühe für die Vermarktung einfach viel zu hoch“, ist er überzeugt. „Weil traditionell wäre es schon, denn Wien war bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine Hochburg der Schneckenproduktion“. Und wer braucht nun Schnecken? „Schnecken sind derzeit Spezialitäten! Ich bin aber überzeugt, dass sie ein Lebensmittel der Zukunft sind, da Schnecken Abfälle fressen, die Umwandlungsrate in tierisches Eiweiß hervorragend ist, die Haltung unkompliziert ist und auch die Schlachtung wenig problematisch erscheint. Eine wirklich nachhaltige Fleischproduktion!“, sagt Andreas Gugumuck und küsst eine Schnecke. Reinhard Geßl

Zahlen und Fakten Betrieb: Andreas Gugumuck, Rosiwalgasse 44, 1100 Wien (neben dem Bio-Hascha-Hof), www.wienerschnecke.at Info: - Weinbergschnecken sind die größten Landschnecken Europas. Sie erreichen eine Kriechgeschwindigkeit von 0,003 km/h. - Schneckenhäuser haben fast immer die Form einer rechtsgängigen Spirale. Nur bei etwa einem von 20.000 Exemplaren ist sie linksgängig. - Im 19. Jahrhundert galten Schnecken als Fastenspeise, weil genießerische Mönche meinten, Schnecken gehörten zu den Fischen.

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T(r)ipps für Seele & Magen

Griechenland - Google Maps

http://maps.google.at/maps?f=q&source Adresse

Griechische Leidenschaft Für Plätze, die nicht ganz so einfach zu finden sind, haben Journalistinnen oft die Formulierung „... kommt man nicht zufällig vorbei. Da muss man schon hinwollen.“ Für Milia gilt das auch.

Allerdings reicht der Wille alleine bei Weitem nicht aus, um auch wirklich dort anzukommen. Zuerst einmal braucht man Zeit. Immerhin liegt das Dorf auf Kreta. Die Insel ist zwar – ökologisch korrekt – einfach mit der Fähre zu erreichen, die Fahrt von Athen dauert aber. Dann braucht man wieder Zeit und eine sehr genaue Karte.

Milia Mountain Retreat, Kreta

Mo un tai nR

Py rg os etr ea t

strikt autofrei, der Parkplatz liegt daher besagte zehn Minuten oberhalb. Es gibt einfachere Anreisewege. Was Sie in Milia aber erwartet, ist einzigartig. Ein altes kretisches Bergdorf, das in den letzten Jahrzehnten zu einem der spannendsten Ökotourismusprojekte Europas geworden ist: Milia Mountain Retreat. Hier anzukommen bedeutet nicht einfach nur Entschleunigung. Es ist das abrupte Abbremsen auf null. Die Häuser von Milia wurden behutsam renoviert und stehen jetzt genauso da, wie vor hundert Jahren. Bis ins kleinste Detail und das heißt auch 1 von 1 ohne Stromversorgung. Wer abends lesen möchte, zündet sich eine Kerze an. Oder zwei. Je nach Sehkraft. Klimaanlage? „Sie werden keine brauchen.“, sagt Iakovos lächelnd. Auf seinem Mist ist das ganze Projekt hier entstanden. Und er hat recht. Massive Wände aus Stein und üppiger Baumwuchs sorgen auch in den heißen Monaten für kühle Nächte. Für die Herbst- und Wintermonate verfügt jedes Haus über einen offenen Kamin.

Fotos: Schmücking

Milia ist ein Bergdorf im gebirgigen Westen der Insel und die Wege dahin sind verschlungen. Navi? Viel Glück! Nachdem die Straßen nach Milia – vor allem gegen Ende hin – nicht nur verschlungen, sondern auch uneben und steinig sind, ist auch ein halbwegs geländegängiges Fahrzeug von Vorteil. Dann brauchen Sie für die letzten zehn Minuten Fußmarsch noch feste Schuhe und einen sicheren Tritt. Das Dorf selbst ist nämlich

Mi lia

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Wer „bespielt“ und unterhalten werden will, ist hier eindeutig falsch. Hier wird man für die Dauer des Aufenthalts auf sich selbst zurückgeworfen. Kein iPad, kein Facebook, kein „Homeland“ (oder was auch immer Sie an TV-Serien konsumieren). Auf die früher scheinbar hin und wieder gestellte Frage, was denn hier sonst noch geboten wird, haben Iakovos und seine Leute eine treffende Standard-Antwort: „Nothing. Read a book. Or play backgammon with someone.“ Wobei – ganz stimmt das natürlich nicht. Milia ist umgeben von biologischer Landwirtschaft. Oliven, Wein, Gemüse, Hühner, Schafe, Ziegen. Der Selbstversorgungsgrad ist enorm hoch. Und wer möchte, kann sich auch an der Arbeit in der Landwirtschaft beteiligen. Weinernte ist von Ende September bis Mitte Oktober, die Olivenernte ein paar Wochen später. Dazwischen wird Raki gebrannt.

Foto oben und Mitte: Selene, Foto unten: Schmücking

T(r)ipps für Seele & Magen

Information: www.milia.gr

Restaurant Selene, Santorini Über Santorini ist eigentlich schon alles gesagt oder geschrieben worden. Caldera, Sonnenuntergänge, die Orte Thira, Ia oder Megalochori atemberaubend in die Innenwand eines (möglicherweise) erloschenen Kraters gebaut. Deswegen war man schon dort oder will einmal hin. Es gibt aber auch handfeste kulinarische Gründe, der Insel einen Besuch abzustatten. Die Restaurants Ochre und 1800 in Ia gehören zu den besten Adressen des Landes und das Selene in Pyrgos stellt so manchen hierorts gehypten Haubentempel in den Schatten. Überhaupt Pyrgos. Bei meinem ersten Besuch war das Lokal noch in Fira. Über der Stadt und mit atemberaubenden Blick über die Caldera. Auf den ersten Blick war die Übersiedlung völlig unverständlich. Die Begründung ist aber absolut schlüssig und unterstreicht den Qualitätsanspruch der SeleneMannschaft. „Wir haben festgestellt, dass viele Leute wegen der spektakulären Aussicht zu uns gekommen sind. Wir wollten aber, dass sie wegen unserer Leidenschaft für unsere regional inspirierten Gerichte kommen.“ Nach Pyrgos kommt man nicht wegen der Aussicht. Das Dorf liegt zwar hoch und auch recht schön, was aber viel wichtiger war, ist die Nähe zu den Weingärten und landwirtschaftlich genutzten Flächen von Santorini. „Regional“ konsequent weitergedacht. Ich sage jetzt nicht, dass ein Besuch im Selene die Reise nach Santorini rechtfertigt. Aber wenn Sie schon einmal da sind, fahren Sie nach Pyrgos. Im Selene werden ganz traditionelle griechische Gerichte modern interpretiert: Stifado vom Hasen mit gedämpftem Zwiebel, geschmortes Lamm mit geräucherten Melanzani oder – sehr zu empfehlen – das Risotto mit Weinblattpesto und Kumquat-Konfit. Griechenland kann kulinarisch weit mehr als Souvlaki, Tsatsiki und Moussaka. Und nirgends können Sie sich besser davon überzeugen, als in diesem Restaurant. Jürgen Schmücking

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Guter Geschmack

Fish 'n' chips Der Anfang der 2013er Tasting_forum-Serie gehörte einem Klassiker: Fish 'n' chips. Englisches Streetfood also. Laut wurde ausgerufen: Vorsicht, heiß und fettig – und die Nachfrage war groß wie nie! Gereicht wurde allerdings allerfeinste Ware aus der Erde und dem Bioteich. Papierstanitzel mussten sein, die Fritteuse auch. Der Rest war aber anders, großartig anders!

Fish & Chips?! Fettige Finger, formloser Allerweltsfisch, labbrige Pommes, Übelkeit. Das muss nicht sein! Christoph Fink, Christian Mezera und Alex Schönlechner sind drei großartige Köche, die sich dem autochthonen Geschmack verschrieben haben. Die Aufgabe, Fish n‘ chips in einer Gourmetvariante zu servieren, reizte sie. Rasch war klar, dass das Englische ins Waldviertlerische übersetzt werden musste. Statt Kabeljau & Co gab es das Beste aus den Waldviertler Biofisch-Teichen. Und von den Waldviertler Bio-Äckern der Arche Noah. Als ideale Ergänzung und für den regionalen Ausgleich kamen die Weine vom Lesehof Stagård aus Spitz in der Wachau und der Erdäpfelvodka (wieder aus dem Waldviertel).

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Um die kulinarische Verzückung der über 60 Verkosterinnen zu erden, wurden fachliche Hintergrundinfos von Marc Mößmer von der Arge Biofisch, Mara Müller von der Arche Noah, Axel Hein vom WWF sowie von den Köchen und den Winzerinnen gereicht.

Die Rote Emma Als Name eigentlich eine Mogelpackung. Eher blassviolette Erdäpfel. Geschmacklich aber ein echter Burner. Fleischig, würzig, bissfest und überraschend intensiv. Übrigens auch eine recht junge Neuzüchtung.

Der Blaue Schwede Dafür ist das ein alter Schwede. Um genau zu sein, so alt, dass nicht ganz klar ist, wie alt eigentlich. Der „Blaue Schwede“ ist deutlich dunkler als die Rote Emma und schmeckt dafür nicht ganz so intensiv. Dafür hat er ziemlich beeindruckende Muster im Fleisch.

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Guter Geschmack

Die Cyclame

Der Milchner

Die Sorte ist charakterisiert durch eine kräftig rote Schale. Innen ist sie hingegen winterweiß. Oder „crème“, wie das modern heißt. Der Geschmack ist ausgeprägt und vermutlich ist die Cyclame eine gute Wahl, wenn es darum geht, Erdäpfelknödel zu machen.

Und dann waren da noch die Dingsda, die Eier halt. Vom männlichen Karpfen. Herrliche Gonaden, ebenfalls schön herausgebacken. Irgendwo zwischen Hirn und Bries vom Kalb. Ganz großes Fischkino!

Die Chips Die Sorte Agria, eher mehliges Wald- und Weinviertel. Am Vorabend gewaschen, geschält, geschnitten, gedämpft, vakuumentfeuchtet, in Rinderschmalz vorblanchiert und vor Ort bei 190°C in Rindernierenfett frittiert. Außen goldbraun und knusprig wie dünnes Glas, innen luftig, samtig und cremig.

Das Ketchup Ketchup dazu? Meint er das ernst? Ja! Das war nämlich nicht irgendein Ketchup. Selbst gemacht von reifen Ochsenherz-Paradeisern. Und mit roten Ribiseln. Ich bin grundsätzlich Ketchupverweigerer. Jetzt noch mehr als vorher. Entweder so oder gar nicht. Unbeschreiblich aromatisch. Leicht süßlich und trotzdem säuerlich frisch.

Die Barbara Eine mehlige Sorte. Leicht gescheckte Schale, gelbliches Fleisch. Prägnant im Geschmack, aber nicht sehr intensiv. Kartoffelpüree! Und erprobterweise keine schlechte Wahl für Kartoffelpuffer!

Die Schleie Leider hat sich die Schleie schon recht rar gemacht in unseren Fischteichen. Wirklich schade, denn dieser karpfenähnliche Fisch hat echt was drauf. Roh mariniert mit etwas Olivenöl und Limetten war es der Fisch unter den Fischen, der seine Eigenart am kräftigsten durchsetzen konnte: Fest und nussig.

Der Karpfen Geschröpftes Karpfenfilet, noch einmal grob geschnitten und in einem geheimnisvollen Backteig (angeblich mit einem beherzten Guss Brotschnaps dabei) herausgebacken. Da können sich die Engländerinnen mit ihrem Kabeljau warm anziehen. Zartes Fleisch, kräftiges Aroma. Wenn man weiß, wie es geht (und Marc Mößmer weiß sehr gut, wie es geht) gibt’s da kein Grundeln, Miachteln oder Muffeln. Erdig, ja, aber das hat Stil und Charakter!

Das Steinzeug Das war der Wein. Nicht der einzige des Abends, aber der, den wir zu den Fish & Chips gereicht haben. Die Stagårds haben ihr Steinzeug selbst präsentiert und sind sichtlich stolz darauf. Zu Recht. Der Wein ist halbtrocken (was man allerdings dazusagen muss), mineralisch bis zum Abwinken und die Gerbstoffe haben ihn fest im Griff. So etwas kriegt man nicht jeden Tag und in Verbindung mit dem Karpfen und dessen Sperma ist er überhaupt kaum zu toppen. (Ah ja, es ist ein Riesling)

Der nørderd pure potato vodka: Erdäpfel in destillierter Form. Was diesen Vodka von vielen anderen Unterscheidet ist, dass er nicht nach nichts schmeckt. Vollmundig, üppig und breit kommt er am Gaumen daher. In der Nase so deutlich Kartoffelstärke, dass es eine Freude ist. Ein großartiger Abend, an dem nicht nur die Münder glänzten, sondern vor allem auch die Augen. Offene Geheimnisse zu den besten Bio-Chips zum Nachkochen unter www.freiland.or.at Reinhard Geßl und Jürgen Schmücking

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Mit einer provokanten Guerilla-Aktion wurde im Rahmen der Kampagne „Öko + Fair ernährt mehr!” auf Intrans­parenz in der Nahrungsmittelproduktion und unfairen Handel aufmerksam gemacht: Die fiktive Firma „agraprofit“ präsentiert auf einem Wochenmarkt ihr innovatives Verkaufskonzept: Billige Produkte bei gleichzeitig voller Transparenz der Produktionskette. Unverhohlen werden Preis- und Lohndumping sowie Missachtung von Tier- und Arbeitsschutz eingeräumt, Kinderarbeit als legitime Produktionsmethode dargestellt: “Kinderarbeit? – Dann sind sie wenigstens weg von der Straße!” Wie aufgewühlt, beunruhigt oder auch unbeeindruckt reagieren Menschen, wenn sie direkt hören, welche Zustände andernorts mit ihrem Einkauf verbunden sind? Der Film dokumentiert die teilweise schockierenden Reaktionen, hinterlässt die Frage, wie man selbst reagiert hätte und zeigt wieder einmal: Wer volle Transparenz will, muss bei Kauf von Billigwaren mit Bildern von Legebatterien, Kinderarbeit und Pestizideinsatz leben. Wer gesunde, faire und nachhaltig produzierte Lebensmittel möchte, wird feststellen, dass diese zum Discountpreis nicht zu haben sind. Den sehenswerten Kurzfilm gibt es als Download unter www.agraprofit.de. Die am Marktstand angebotene Ware stammte übrigens zur Gänze aus Bioanbau und fairem Handel.

Foto: www.agroprofit.de

Hauptsache billig

Best of BIO Olive Oil 2013: Sting gewinnt! Eineinhalb Tage lang schmeckten sich die Verkosterinnen unter der Leitung von Amadeus Löw durch die 27 Olivenöle der Endrunde. Am Vortag hatten sie in einem Workshop gelernt, wie ein Öl fachmännisch zu bewerten ist. Insgesamt waren 80 Bio-Öle von Produzentinnen aus Italien, Spanien, Griechenland, Portugal, Tunesien und Palästina ins Rennen geschickt worden. Die Auswahl der Siegerinnen erfolgte in zwei Stufen. Im ersten Schritt kosteten sich die mastri oleari, eine Gruppe von geschulten und offiziell anerkannten Expertinnen aus Italien, durch die Proben und teilte sie in drei Kategorien ein: in die fruchtig-delikaten Öle (delicato), die mittleren (medio) und die intensiven Sorten (intenso). Auf dieser Basis bestimmten sie dann die 27 Olivenöle für die zweite Runde, die von genussaffinen Gästen der BIO-Hotels ebenfalls in Blindverkostung bestritten wurde. Bei dieser Finalrunde wählten die Verkosterinnen in neun Flights die 17 Best of Bio-Öle aus, darunter auch ein Olivenöl von Il Palagio, einem toskanischen Betrieb, der dem Sänger Sting gehört. Alle Ergebnisse und Bilder auf: www.biohotels.info/de/best-of-bio/olive-oil-2013 js

Quelle: www.oekoplusfair.de ek

Impressum Bio-Fibel – Zeitschrift für Wissen aus der Biologischen Landwirtschaft: Medieninhaber, Verleger und Herausgeber: Freiland Verband für ökologisch-tiergerechte Nutztierhaltung und gesunde Ernährung; Seidengasse 33/13, 1070 Wien; Fon 01/4088809; Fax 01/9076313-20; e-mail: office@freiland.or.at; net www.freiland.or.at; DVR-Nummer 0563943; Chefredakteur: Dipl.-Ing. Reinhard Geßl (rg), Leiterin der Redaktion: Dipl.-Ing. Elisabeth Klingbacher (ek); Mitarbeit: Irene Pratsch, Wilfried Oschischnig, Jürgen Schmücking (js); Redaktion: Forschungs­institut für biologischen Landbau (FiBL Österreich), Seidengasse 33/13, 1070 Wien; Fon: 01/9076313-0, net: www.fibl.org/de/ oesterreich. Alle nicht anders gekennzeichneten Fotos: Geßl & Wlcek OG; Druck: gugler GmbH Melk; Layout: Geßl & Wlcek OG. Namentlich ge­kennzeichnete Artikel müssen nicht unbedingt der Meinung des Herausgebers entsprechen. Vertriebspartner: Adamah Biokistl. Offenlegung: Die Bio-Fibel ist zu 100 % im Besitz des gemeinnützigen Vereins „Freiland Verband für ökologisch-tiergerechte Nutztierhaltung und gesunde Ernährung“; Adresse s. o.; Eingetragen im Vereins­register der BPD Wien zu Zl.IV-SD/2063/VVM/94; DVR-Nummer 0563943. Die redaktionelle Arbeit erfolgt in engster Zusammen­ arbeit mit dem gemeinnützigen Forschungs­verein „Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Österreich)“; Adresse s. o.; Grundlegende Richtung: Förderung einer ökologisch-tiergerechten Landwirtschaft und gesunden Ernährung. Information von Konsumen­tinnen und Konsumenten über die Vorzüge und Besonderheiten von Lebensmitteln aus Biologischer Landwirtschaft in Form von Interviews, Kurz­re­por­ta­gen und Tipps zum weiten Feld der Ernährung. Die Bio-Fibel wird vor allem über Bio-Kisten der Bio-Hauszusteller sowie über den Bio- und Natur­kost­fachhandel in Österreich vertrieben. Die Bio-Fibel erscheint mindestens vier Mal im Jahr und ist kostenlos. FREILAND-Spendenkonto: Erste Bank, BLZ 20111, Ktnr. 08210993; Auflage: 13000 Stück. Hinweis: Eine geschlechtergerechte Formulierung ist uns in der Bio-Fibel ein großes Anliegen. Da wir gleichzeitig eine gut lesbare Zeitschrift herausgeben wollen, haben wir uns entschieden, keine geschlechtsneutralen Begriffe zu verwenden, sondern alternierend entweder nur weibliche oder nur männliche Bezeichnungen. Wir sind uns dessen bewusst, dass diese Generalklausel einer geschlechtergerechten Formulierung nicht ganz entspricht, wir denken aber, dass die gewählte Form ein Beitrag zur publizistischen Weiterentwicklung für mehr sprachliche Präsenz weiblicher Begriffe sein kann.

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Foto: Schmücking

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Hinter der Marke

Bio-Wissen: Jetzt bestellen!

Die unabhängige Hilfs- und Entwicklungs­organisation Oxfam hat die selbstgesteckten sozialen und ökologischen Ziele der zehn größten Lebensmittelkonzerne überprüft. In der Studie „Behind the Brands“ hat Oxfam unter anderem Coca-Cola, Danone, Unilever, Kellogg‘s, Mars und Nestlé auf den Zahn gefühlt – mit dem nicht besonders überraschenden Ergebnis, dass die Konzerne trotz „sozialer Unternehmensverantwortung“ weit von sozialen und ökologischen Standards entfernt sind. Nicht einmal auf dem Papier zeigen die Unternehmen ein ausreichendes Problembewusstsein Die Firmenriesen nehmen täglich zusammen etwa 1,1 Milliarden Dollar ein. Dennoch bezahlen sie den Bäuerinnen keinen fairen Preis. Es fehlen Standards gegen Landgrabbing und gegen die Diskriminierung von Frauen. Keines der Unternehmen schneidet in den Bereichen Arbeitsrechte, Rechte von Kleinbäuerinnen, Frauen, Schutz von Land, Wasser und Klimawandel sowie Transparenz auch nur annähernd gut ab.

Geballtes Bio-Wissen als exklusive Plakatkollektion! Gewohnt vielfältig und bekennend un-konventionell veranschaulichen die Plakate MessWerte und Größen-Ordnungen rund um biologische Lebensmittel und bringen zahlreiche „visuelle Argumente“ für Besonderheiten und Einzigartigkeit der Biolandwirtschaft vor. Ein schönes und sinnvolles Geschenk!

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Clemens Arvay gibt sich gerne als Retter der wahren Bio-Werte. Seine im Buch „Der große Bio-Schmäh“ abgedruckten persönlichen Wunschbilder zur Landwirtschaft brachten ihm reges mediales und virtuelles Echo, der Bio-Landwirtschaft haben sie weder geholfen noch geschadet. In seinem neuen Buch „Friss oder stirb“ versucht er seine bisher eher allgemein gehaltenen Vorwürfe zu untermauern und dokumentiert dazu seine fact finding-Tour durch Europa. Neues hat er nicht gefunden, denn seine (wenigen) Beispiele sind zwar kein Ruhmesblatt für Bio, werden aber großteils schon länger strafrechtlich verfolgt. Sein Vorschlag für einen Ausweg aus dem Dilemma: Kleinstrukturierte Landwirtschaft und Vermarktung – eine andere allerdings, als sie in der österreichischen Bio-Landwirtschaft gelebt wird, denn die ist ja nach seinem Denken „böse“. Wer kein Fan von „Die …-Lüge“-Bücher ist, wird mit Friss oder stirb wenig anfangen können.

Durchaus erfreuliche Entwicklungen zeichnet die neueste Ausgabe von „The World of Organic Agri­c ulture“. Das um­fassende Standard­ werk zum Bio­land­bau hat er­hoben, dass weltweit bereits mehr als 37 Millionen Hektar Land­­wirt­schafts­fläche biologisch bewirtschaftet werden. Das größte Flächenwachstum gab es in Asien, Europa und Nordamerika. In Europa legte die Biofläche auf 10,6 Millionen Hektar zu. Australien ist nach wie vor das Land mit der größten Biofläche (12 Millionen ha, davon 97 % Weideflächen), zu den Ländern mit dem größten BioflächenAnteil zählen hingegen die Falklandinseln (36 %), Lichtenstein (29 %) und Österreich (20 %). Von den weltweit über 1,8 Millionen zertifizierten Biobetrieben liegen rund 80 Prozent in den sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern, die größten Märkte für Bioprodukte finden sich hingegen in den USA und Europa – dort werden 90 Prozent des weltweiten Bio-Umsatzes gemacht. Trotz Wirtschaftskrise stieg der Umsatz für Bio-Lebensmittel im Jahr 2011 auf 63 Milliarden US Dollar – ein Zuwachs von 170 Prozent seit dem Jahr 2002.

www.ecowin.at

Quelle: www.organic-world.net, www.fibl.org

rg

ek

Quelle: www.oxfam.de ek

Friss oder stirb

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Foto: www.fibl.org

Zahlen, die für Bio sprechen


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Gut geht anders

Fleischatlas – Tiere als Nahrung

Peter Gnaiger ist Redakteur bei den Salzburger Nachrichten. Gerne wirft er kritische Blicke in fremde Kochtöpfe, geht dubiosen Machenschaften auf den Grund und lässt so manches Lügengebäude einstürzen. Für sein neues Buch wollte er dahinterkommen, welche Abgründe sich hinter dem unglaublichen Erfolg der Bio-Kräuterfirma Sonnentor auftun. Also zog er Sonnentorgründer Hannes Gutmann quasi die alte Lederhose und die rote Brille aus. Was er fand? Lesen Sie selbst und entdecken Sie die etwas andere Geschichte eines Spinners, der mit einem einfachen Lebenskonzept die modernen Wirtschaftstheorien Lügen straft. Mit einer Tasse Sonnentor-Tee oder -Kaffee lässt sich das Lesevergnügen weiter steigern.

Essen ist nicht nur lebensnotwendig, sondern besitzt auch eine politische und ethische Dimension: Was hat das Schnitzel auf unserem Teller mit dem Regenwald im Amazonas zu tun? Wie werden die Tiere gehalten und welche Auswirkungen hat Massentierhaltung auf Hunger und Armut? Wo gibt es bäuerliche und ökologische Viehzucht, bei der Tierzahl und Landflächen aufeinander abgestimmt sind? Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen stehen nicht auf den Verpackungen, sondern im aktuellen, von Heinrich Böll Stiftung, BUND und Le Monde Diplomatique herausgegebenen Fleischatlas. Auf 53 Seiten werden „Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel“ präsentiert, über die vielfältigen Dimensionen der Fleischproduktion informiert, Alternativen aufgezeigt und mit zahlreichen Karten und Grafiken veranschaulicht. Die Herausgeberinnen laden mit ihrem Atlas zu einer Reise um die Welt ein und geben spannende Einblicke in globale Zusammenhänge der Fleischerzeugung. Den Fleischatlas gibt es kostenlos als PDF unter http://www. boell.de/downloads/2013-01-Fleischatlas.pdf

www.ecowin.at und www.sonnentor.com rg

ADAMAH BioCatering für alle Anlässe! Bio Lebensmittel mit Biographie gibt´s jetzt auch als feine Speisen von unserem BioCatering. Egal ob für ihr Familien Fest, Geschäftliches oder eine Tagung. Von Fingerfood bis zum ausgefallenen Menü ist alles möglich - wir beraten Sie gerne. Frische Infos: www.adamah.at // 02248-2224

Henne & Hahn: Tonis Junghahnprojekt Bei seinem neuen Projekt, der Initiative „Henne & Hahn“, geht es Toni Hubmann um nichts anderes als die Lösung eines der ältesten Probleme der modernen Legehennenhaltung: der Nichtnutzung männlicher Küken. Bisherige Praxis ist, dass männliche Küken unmittelbar nach dem Schlupf getötet und entsorgt werden. Europaweit sind das mehr als 335 Millionen Tiere, die als „Eintagsküken“ zu Tierfutter verarbeitet werden. Für Toni Hubmann liegt die Lösung des Problems in der Tradition der gemeinsamen Aufzucht von Legehennen und Masthähnen. „Diese Haltungsform ist irgendwann auf halbem Weg verloren gegangen. Inzwischen haben wir alle vergessen, wie Junghähne aussehen und vor allem wie sie schmecken“, meint der Hendlbauer. Es ist ein erster Schritt, den Toni Hubmann und sein Team da getan haben. Es ist aber ein wesentlicher Schritt. Zu kaufen gibt es die Junghähne in ausgewählten BILLA-Filialen in Wien, Neulengbach und Graz sowie bei Meinl am Graben. www.tonis.at js

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Foto: Schmücking

BioCatering schmeckt einfach besser!

Quelle: www.boell.de ek


BIO kann man aus vielen Gründen haben wollen: Wenn man an die Umwelt denkt, wenn man an die Tierhaltung denkt und natürlich wenn man an höchste Lebensmittelqualität denkt. Achten Sie deshalb beim Einkauf auf das AMA-BIOZEICHEN – ein Zeichen für ein gesundes Ego! Näheres auf www.bioinfo.at

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Bio-Fibel #18  

Zeitschrift für Bio-Wissen 01/2013

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