Bulletin 68 - Hiver 2021 - Version DE

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°68

Das Wesentliche näherbringen Den Zugang zu einer Grundgesundheitsversorgung für gefährdete Bevölkerungsgruppen weiteraufbauen

© FFL/ T. Winn

AM 31. JANUAR 2021 ist der 68. Weltlepratag

204, route d’Arlon L-8010 Strassen

(+352)44 66 06-1

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Inhaltsverzeichnis 4

Eine Frage des Standpunktes

6

Was wissen Sie über NGOs?

7

5 Fragen an die R-FFL

8

Prophylaxe vs. Heilung?

9

Kleine Mittel, große Wirkung

Wie möchten Sie uns unterstützen?

IBAN LU38 0019 1100 2081 3000 (BCEELULL)

10 Konkret WWW.FFL.LU

12 Koexistieren

WIR SIND UMGEZOGEN! Sie haben gespendet? Vielen Dank von ganzem Herzen! Wussten Sie, dass jede Spende steuerlich absetzbar ist? Sie erhalten eine Spendenbescheinigung, die Sie als Nachweis in Ihrer Steuererklärung verwenden können.

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Für weitere Fragen: finances@ffl.lu | 44 66 06-52

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„Weil jeder Spender das Recht hat zu wissen, wie sein Geld ausgegeben wird und ob es gut verwaltet wird.“


Editorial

Es ist so weit: Die Fondation Follereau Luxembourg beginnt ihr 55. Bestehungsjahr. Ein weiteres Jahr, eine Kerze mehr und viel Hoffnung, besonders nach so einem Jahr wie 2020. Zugegebener Weise hat 2020 uns auf eine harte Probe gestellt. Es hat uns aber auch die Entschlossenheit, das Wohlwollen und den starken Willen jedes einzelnen gezeigt. Als NGO hat die Stiftung alles in ihrer Macht Stehende getan, um den Alltag der Projektempfänger möglichst authentisch und effizient zu unterstützen, zu begleiten und zu vertreten. Seit nun fast 55 Jahren machen sich unsere Teams und Partner dafür stark, die Lebensbedingungen von Menschen zu verbessern, die nicht das Glück haben in Sicherheit und in einem stabilen Umfeld geboren worden zu sein, damit wir als NGO eines Tages unsere Aufgabe erfüllt hätten. Trotz allem müssen wir Jahre später feststellen, dass wir dieses Ziel noch nicht erreicht haben. Wer hätte damals gedacht, dass wir in 2021 immer noch von Lepra sprechen? Auch heute begegnen unsere Partner vor Ort in abgelegenen Dörfern Menschen, die von dieser Krankheit und anderen vernachlässigten Tropenkrankheiten betroffen sind.

und Früherkennungsstationen als auch den Zugang zu Trinkwasser und Sanitärstrukturen, zu Impfungen wenn möglich, damit bei anderen Tropenkrankheiten, wie bei Lepra, die Anzahl der Fälle möglichst reduziert wird und noch wichtiger, der Zugang zu Gesundheitsstrukturen gewährleistet werden kann. All diese Aktivitäten umfassen Vorsorge und Heilung. Zwei wesentliche, sich ergänzende Aspekte, die eine schnelle Früherkennung, Patientenversorgung und den Rückgang der Krankheitsfälle ermöglichen. Es ist doch eindeutig, dass diese Kette dank vieler verschiedener Elemente funktioniert. Wenn auch nur eines dieser Elemente wegfiele, würde die Kette zerfallen. Das vergangene Jahr kannte viele Hindernisse, die Kette wäre mehrmals fast unterbrochen worden, doch dank Ihrer Unterstützung konnten wir dies vermeiden. Die Großzügigkeit der Einwohner Luxemburgs hat uns sehr berührt. Wir sind Ihnen sehr dankbar, dass Sie, den Dienst, den wir leisten,weiterhin sichern mit Ihrer Unterstützung. Vielen herzlichen Dank! Jean HILGER Präsident

Unsere Projekte sichern das Wesentliche ab, sowohl den Bau von Gesundheitszentren

TEAM Conny Reichling (Direktorin), Laila Agouni, Lara Beauguerlange, Aurélie Costantini, Nathalie Davila-Levy, Naristé Grün-Sonunbekova und Fabian Martin. VERWALTUNGSRAT (Foto gegenüber, von links nach rechts) Jean Hilger (Präsident), Jean-Luc Pauly, Marie-Thérèse Ney, Dr. Jean Smit, Georges Keipes, Julio Nerin (Vizepräsident), Anne Majerus und Brigitte Bontemps-Loschetter.


Eine Frage des Standpunktes

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ZUM NACHDENKEN

SDG 10: Ungleichheit innerhalb und zwischen Staaten verringern. Agenda 2030, Vereinte Nationen

Dafür arbeitet die Fondation Follereau Luxembourg Seite an Seite mit lokalen Partnerorganisationen, um das Wohlergehen jener Menschen, die bedingt durch ihren Geburtsort in schweren oder sogar unmöglichen Situationen leben, zu verbessern. Ungleichheiten verringern ist ein zentrales Element der Aktivitäten der Stiftung.

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Und dennoch, trotz des Einsatzes der Zivilgesellschaft und trotz der Großzügigkeit jener, die sich der Fondation Follereau Luxembourg anschließen, bleiben die Ungleichheiten weiter bestehen. Aufzugeben ist keine Option; im Gegenteil ist die internationale Solidarität heute mehr denn je gefordert. Die NGOs, zu denen auch die Stiftung zählt, nehmen eine zentrale Rolle in der Entwicklungszusammenarbeit (Nord-Süd) ein, besonders wenn sie im Namen der Projektempfänger sprechen. Sie achten darauf, wie die Informationen aus den Projekten übermittelt werden. Es ist tatsächlich entscheidend darauf aufzupassen, dass die von Partnern und Begünstigten übermittelte Information nicht verformt wird, dennoch verständlich für ein Luxemburger Publikum bleibt. Das Team der Fondation Follereau Luxembourg ist multidisziplinär und multikulturell. Dennoch haben nicht alle Mitarbeiter afrikanische Wurzeln. Daraufhin könnte man sich die Frage stellen: wie können sie über Kontexte reden, die ihnen nicht eigen sind?

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Wir sind uns alle einig: das vergangene Jahr war turbulent, geprägt von einer globalen sanitären Krise, die Europa in diesem Ausmaß seit über 100 Jahren nicht erlebt hat. Nichtsdestotrotz, bei kurzer Überlegung, hat diese Pandemie uns beigebracht, widerstandsfähiger zu sein, keine Vorurteile oder vorgefasste Vorstellungen zu haben und vor allem sich solidarisch zu zeigen. In dieser sehr speziellen Zeit bewundern wir die vielen Solidaritätsgesten in Bezug auf die Arbeit der Fondation Follereau Luxembourg, sei es in Form einer Spende, durch den unermüdlichen Einsatz von unseren Partnern hierzulande und anderswo und von unseren Freiwilligen für ein gemeinsames Ziel: die Eingliederung der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen in die Gesellschaft.


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Am 24. Oktober hat die Fondation Follereau Luxembourg in Zusammenarbeit mit anderen NGOs eine Vorführung des Dokumentars „Stop Filming Us“ von Joris Postema im CNA in Düdelingen veranstaltet. Dieser Dokumentarfilm wirft genau diese Frage der Fundiertheit des „Nord“-Blicks auf eine „Süd“Situation auf. Es ergibt sich, dass ein Blick auf jemand anders nie wirklich neutral ist. Er kann sowohl von Vorurteilen als auch von Wohlwollen geprägt sein, aber er bleibt immer subjektiv. Wie im konkreten Fall eines Dokumentars spiegelt das Endprodukt immer die Ideen dessen wieder, der es erschaffen hat. Auch wenn man in diesem Fall mit Objektivität rechnet, erreicht man diese kaum, weil das Material ausgesucht, verarbeitet und auf eine bestimmte Art und Weise gehandhabt wurde. „Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind, wir sehen sie so, wie wir sind.“(Anaïs Nin, US-Autorin) Hauptziel dieser Vorführung war, es die Teilnehmer dazu zu bringen, sich der Gefahr bewusst zu werden, die eine einzelne Version der Geschichte bergen kann. Auch wenn eine Aktion wohlwollend gedacht wurde, kann sie ungewollt Schaden anrichten. Somit sollte sich vor jeder Aktivität die Frage der Zweckbestimmtheit gestellt werden. Jede Sensibilisierungskampagne sollte so gedacht sein, dass sie die Mehrheit der Gesellschaft anspricht, aber auch im Respekt der Lebensbedingungen vor Ort. Es geht darum, die Vielfältigkeit der Alltage, die es auf der Welt gibt, zu teilen, eine Lebensgeschichte zu erzählen in der Hoffnung, einen positiven Impakt auf diese haben zu können. Geschichte, die die großen Siege und wenig ruhmreichen Niederlagen der Menschheit aufzeichnet, u.a. die Kolonialzeit, die Nazi-Besatzung, die Sklaverei, die Kindersoldaten, lässt uns oftmals ohnmächtig und erfüllt mit Schuldgefühlen. Diese Ohnmacht bleibt weit über die betroffene Generation hinaus bestehen. Wir tragen sie mit uns, immer wenn die Erinnerung an diese vergangenen Ereignisse reaktiviert wird.

Und gleichzeitig ist es nicht einfacher, aus einem externen Standpunkt zu beobachten und zu verstehen? Man sollte davon Abstand gewinnen, damit Emotionen nicht so leicht Überhand nehmen können. Der Alltag in der Fondation Follereau Luxembourg ist sehr geprägt vom Austausch zwischen den Teams aus Luxemburg und aus Afrika. Dieser Alltag sieht von Unterschieden in der Hautfarbe und der Distanz ab und verbindet uns durch gemeinsame Projekte, obwohl unsere Realitäten eigentlich sehr verschieden sind. Sich diesen Unterschieden und Gleichheiten bewusst zu sein, ist ausschlaggebend. Sie formen die Basis und den Reichtum unserer Arbeit zugunsten der gemeinsamen Ziele. Der Solidaritätsaufruf der NGOs durch Erfahrungsberichte oder Bildmaterial aus den Projekten muss respektvoll und authentisch sein. Man sollte sich aber auch gleichzeitig bewusst sein, dass eine Übernahme aus einem Kontext in einen anderen immer Unterschiede im Narrativ einer Geschichte erzeugt und den übermittelten Worten und Bildern je nachdem mehr oder weniger Gewicht verleihen kann. In einer idealen Welt wären NGOs wie die Fondation Follereau Luxembourg überflüssig. Leider ist dieser Weg in eine bessere Welt noch lang. Stück für Stück gehen wir Diesen zusammen mit Ihnen, damit die Lebensbedingungen von Menschen, denen das Glück verwehrt wurde in einer sicheren Umgebung geboren zu sein, verbessert werden können und wir als NGO keinen Existenzgrund mehr hätten. Noch einmal vielen herzlichen Dank für Ihre Unterstützung und Ihre Solidaritätsgesten über die vielen Jahre. CONNY REICHLING Direktorin direction@ffl.lu

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VERSTEHEN

VTK/NTD, BU, SDG, … unzählige Abkürzungen, die wir im NGO-Alltag benutzen und über die wir stundenlang mit Ihnen diskutieren könnten. Genau dies tun wir seit nun 55 Jahren: Ihnen den Kontext, in dem wir arbeiten, näher bringen. Wie wäre es mit einem kleinen Quiz, um in das neue Jahr gut zurutschen?

Was wissen Sie über NGOs?

Achtung, Stifte auspacken... Fertig? Los!

Versuchen Sie für jede Abkürzung die richtige Definition zu finden !

1

VTK (englisch - NTD): A. Verschwundene tropische Krankheiten B.

Verstellbare transparente Krankenbetten

C. Vernachläßigte tropische Krankheiten AURÉLIE COSTANTINI Kommunikationsverantwortliche presse@ffl.lu

2

BU: A. Biodynamischer Ulkus B.

Buruli Ulkus

C. Basis Ulkus

3

ZNE (englisch - SDG):

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A. Ziele für neue Energien

4

B.

Ziele für nachhaltige Entwicklung

C.

Ziele für nachhaltige Energien

PGS: A. Periphere Gesundheitsstrukturen B.

Periphere Gasstationen

C. Palliative Gesundheitsstrukturen

5

ZFBBU: A. Zentrum für Früherkennung und Behandlung von BU B.

Zentrum für Frühstück und Behandlung von BU

C. Zentrum für Frühbuchung und Begleitung von BU

Das ZFBBU spielt eine zentrale Rolle in der Realisierung des Nationalen Plans zur Bekämpfung von Lepra und Buruli Ulkus in Benin. 5. A. Zentrum für Früherkennung und Behandlung von BU Als periphere Gesundheitsstruktur bezeichnet man ein Gesundheitszentrum im ländlichen Raum mit einem Behandlungsraum, einer Mutter-Kind-Station und einer Apotheke. 4. A. Periphere Gesundheitsstrukturen Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung wurden in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen festgelegt.

SIND SIE SATTELFEST IN NGO-ABKÜRZUNGEN?

3. B. Ziele für nachhaltige Entwicklung BU ist eine Krankheit, die durch eine Bakterie aus der gleichen Familien wie bei Lepra, ausgelöst wird. 2. B. Buruli Ulkus Es gibt offiziel 17 VTK, darunter auch Lepra und auch die Gierkrankheit (Pian). 1. C. Vernachläßigte tropische Krankheiten -6-

GESCHAFFT, 5/5?

Sensibilisierungscampagne im Nachbardorf von Kpokissa (Bénin), ein Dorf ohne fließendes Wasser und ohne Strom.


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Fragen an die R-FFL Die formelle Repräsentation der FFL in Benin

Um gewisse Schwierigkeiten im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten besser zu verstehen, haben wir unserem Partner in Benin über das Projekt zur Früherkennung und Behandlung von Buruli Ulkus (Hautgeschwüre) ein paar Fragen gestellt.

1 Mangelnde Hygiene trägt zur Verbreitung dieser Krankheiten bei, sauberes Wasser ist oft nicht zugänglich. Wie kann man in diesem Fall trotzdem die Hände waschen? Eine der Strategien der Weltgesundheitsorganisation gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten heißt WASH (Water, Sanitation & Hygiene). Diese Komponente ist ausschlaggebend sowohl bei der Früherkennung als auch bei der Behandlung. In den ärmeren Dorfgemeinschaften, wo diese Krankheiten noch auftreten, gibt es leider oft keinen Zugang zu sauberem Wasser oder zu sanitären Strukturen. In diesen Bedingungen weichen die Dorfbewohner meist auf andere Wasserquellen, zum Beispiel Wasserströme oder Bäche, aus. Nationale wie international NGOs setzen sich für die Sanierung des Wassers ein, u.a. durch Aquatabs oder durch Chlorierung des Wassers.

2 Ist die Diagnose der Hautgeschwüre einfach? Nein, die Diagnose ist nicht einfach, weder für die betroffenen Dorfbewohner noch für das Gesundheitspersonal. Die Dorfgemeinschaften, die diesen Krankheiten stark ausgesetzt sind, werden auch oft stigmatisiert und besuchen deshalb nicht gerne ein Gesundheitszentrum. Im Fall von Buruli Ulkus tun die Geschwüre nicht einmal weh, weshalb die Kranken sich nicht direkt untersuchen lassen. Das größte Problem für das Gesundheitspersonal ist zwischen den verschiedenen Geschwüren (Buruli Ulkus, Bluthochdruck, Diabetes oder Sichelzellen) zu unterscheiden und die richtige Diagnose zu stellen. Um Gewissheit zu geben, werden die Proben im Labor des Zentrums für Früherkennung und Behandlung des Buruli Ulkus in Allada ausgewertet.

3 Kann es vorkommen, dass ein Patient mehrmals behandelt werden muss? Kann die Krankheit wiederkommen nach einer gewissen Zeit? Bei Buruli Ulkus wird die Behandlung meistens gut verträglich und dauert 8 Wochen. Bei anderen Geschwüren ist die Behandlung viel teurer und nur schwer zugänglich für die Patienten. Wenn ein Patient, meistens ein Bauer, geheilt ist, kann er sich bei Feldarbeiten wieder verletzen und die Wunde kann sich durch die schlechten Hygienebedingungen wieder entzünden. Die Krankheit bricht wieder aus.

5 Über die Aufklärungskampagnen, die Früherkennung und die Behandlung hinaus, was könnten wir zusätzlich tun?

4 Können bei der Behandlung dieser Krankheiten Nebenwirkungen auftreten? Ja, in den meisten Fällen benötigen die Patienten eine Hauttransplantation an der Stelle, wo das Geschwür ist. Diese transplantierten Stellen reagieren sehr empfindlich.

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Den besseren Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen für die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen gewährleisten.


ERKLÄREN

Prophylaxe vs. Heilung? Sie werden relativ schnell fündig im Internet was die Bereitschaft der Bevölkerung anbelangt sich langsam aber bestimmt von einem ausschließlich kurativen Gesundheitssystem zu lösen, um sich dem präventiven System zuzuwenden. Sei es durch wirtschaftliche, gesellschaftliche oder ganz einfach menschliche Argumente, viele sind der Meinung dass die beiden Aspekte nur getrennt funktionieren. Bei der Fondation Follereau Luxembourg sind wir der Meinung, dass beide Systeme Hand in Hand gehen und sich ergänzen.

Emile sensibilisiert Eltern über Buruli Ulkus in Sédjé-Dénou, einem Dorf in Benin. René, Arzt, und Amélie, Krankenschwester, versorgen Moniques Buruli Ulkus. Sie kommt jeden Tag ins Zentrum, um 2 Antibiotika zu nehmen, eines durch orale Verabreichung und eines intravenös. Die Behandlung in ihrem Heimatsdorf ermöglicht es ihren Eltern ihre Aktivität beizubehalten. Die Fondation Follereau Luxembourg errichtet seit vielen Jahren Gesundheitszentren und Mutter-Kind-Häuser in Westafrika mit dem Ziel, Menschen, die in abgelegenen Zonen leben, den Zugang zu einer Basis-Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Infrastrukturen aufzubauen und Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, bilden die Grundsteine des kurativen Aspekts in unseren Projekten. Obschon dieser therapeutische Aspekt ausschlaggebend ist, wird manchmal nicht genug über die Aktivitäten geredet, die sich im Vorfeld abspielen und die oftmals einen großen Impakt auf die Projekte haben können.

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Diese Aktivitäten lassen sich unter einem Sammelbegriff zusammenfassen: die Vorbeugung. In den Gesundheitsprojekten versteht sich Prävention in verschiedenen Komponenten: Sensibilisierung, Schulung, Information, Bildung, Kommunikation und Früherkennung. Wenn diese Aktivitäten umfassend, klug und gut koordiniert durchgeführt werden, ist das Resultat eindeutig: die Anzahl der in den Gesundheitszentren zu behandelnden schweren Krankheitsfällen wird abnehmen. Gleichermaßen erleichtert es das Leben eines Patienten, wenn er sich keine Sorgen machen muss über Kosten und Transport in ein anderes Dorf und die Aktivitäten seiner Familie durch seine Krankheit nicht beeinträchtigt werden. Die Teams vor Ort besuchen regelmäßig die Bewohner abgelegenere Dörfern, um dort Sensibilisierungsaktivitäten zu diesen spezifischen Themen zu organisieren. Die Teams nutzen diese Treffen, um ihnen Prävention näher zu bringen, Beratung anzubieten und Früherkennung von Verdachtsfällen zu machen, damit die Kranken frühzeitig behandelt und schlimmere Komplikationen verhindert werden können.

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Vorbeugung und Heilung gehen somit Hand in Hand und bilden die Basis unserer Gesundheitsprogramme. Beide Aspekte sind unzertrennlich. Deshalb legt die Fondation Follereau Luxembourg großen Wert darauf, dass diese immer gleichermaßen in ihre Projekte eingebaut werden. NATHALIE DAVILA LEVY Projektverantwortliche projets@ffl.lu

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Zu Zeiten der Pandemie, wo die Diskussionen über die Verfügbarkeit eines Impfstoffes, seine Wirksamkeit, die damit verbundene Logistik und administrative Prioritäten stark in den Medien präsent sind, betrachtet die Fondation Follereau Luxembourg diese Problematik aus einem anderen Blickwinkel.

Von Anfang an im Gesundheitsbereich tätig, setzt sich die Fondation Follereau Luxembourg dafür ein, dass in jedem von ihr aufgebauten Gesundheitszentrum Impfprogramme durchgeführt werden. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsvorsorge in den Ländern, in denen die Bevölkerung nicht komplett statistisch umfasst werden kann und wo Impfpässe noch die Ausnahme sind. Jedes Jahr baut die Stiftung durchschnittlich acht Gesundheitszentren in den neun Ländern, in denen sie aktiv ist. Aktuell werden 35 Zentren noch von ihren lokalen Partnern begleitet, die älteren Gesundheitsstrukturen sind autonom. In den abgelegenen, schwer erreichbaren Regionen, in denen die Stiftung aktiv ist, erlangt der Begriff Herdenimmunität seine volle Bedeutung. An diesen Orten wird nicht darüber diskutiert, den 30% der Bevölkerung, die misstrauisch sind, die Impfung zu erlassen. Ganz im Gegenteil: die Gesundheitsschutzmaßnahmen werden hier als ein seltenes Gut betrachtet, das man nicht ablehnt. Herdenimmunität hilft auch beim Einschätzen der Impfkampagne, wenn die Bevölkerung nicht zu 100% registriert ist, sei es, weil die Menschen zu abgelegen wohnen oder weil es keinen Zivilstand für sie gibt. Wenn die Krankheit ausgelöscht ist, ist die nötige Immunität erreicht; wenn sie wieder aufflammt, werden die Impfungen wieder aufgenommen. „Impfen wird von der Bevölkerung generell akzeptiert, die es als ein wirksames Mittel zur Krankheitsvorbeugung ansieht. Zusätzlich vereinfachen sowohl die Unentgeltlichkeit der Impfungen für Kinder bis 11 Monate und für Schwangere, als auch die Sensibilisierungskampagnen die Akzeptanz der Gesellschaft für diese Antigene.“ (R-FFL, Représentation formelle de la FFL au Bénin) -9-

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Kleine Mittel, große Wirkung

SDG 3: Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern. Agenda 2030, Vereinte Nationen

In Benin ist die Tetanusimpfung für Schwangere obligatorisch. Doch nicht jede Frau hat die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Gesundheitshelfer passen deshalb darauf auf, dass jede Frau die nötige Fürsorge und auch die fünf Dosen Tetanusimpfung erhält. Um dies zu ermöglichen, muss man sich auch mit der Logistik befassen. Die Transportmethode und die Konservierung der Impfstoffe sind wichtige Aspekte! In diesen Regionen zählt man Entfernung in Stunden, nicht in Kilometern. Die Temperaturen fallen nur selten unter 30°C, auch in der Nacht und am Ende der Strecke ist man nicht sicher, ob man auch ein stabiles Stromnetzwerk vorfindet, damit die Kühlschränke funktionieren. Diese Problematik der Kühlkette gehört zu den Erfahrungen der Stiftung. Deshalb sind alle Gesundheitszentren mit Kühlapparaten ausgestattet, die den Normen der Weltgesundheitsorganisation entsprechen und mit Solarpanels und einem zusätzlichen Generator ausgestattet sind. 2019 konnten dank der bestehenden Gesundheitszentren 1.206 Säuglinge in der Gemeinde von Zè in Benin geimpft werden und in Burkina Faso 3.797 Impfungen über alle Gesundheitszentren verteilt werden. Durch Ihre Unterstützung macht sich die Fondation Follereau Luxembourg für die Menschen vor Ort weiterhin stark, um ihnen eine medizinische Grundversorgung zu ermöglichen. JEAN HILGER Präsident


HANDELN

Konkret In der Region Waldguinea (Guinée forestière) kommen oft schwere Behinderungen durch vernachlässigte Tropenkrankheiten vor. Am häufigsten tritt Buruli Ulkus in Sumpfgebieten und in den Tälern von Flüssen auf. In diesem Rahmen finanziert die Fondation Follereau Luxembourg zwei Projekte in Zusammenarbeit mit den Zentren für Früherkennung und Behandlung von Buruli Ulkus (französisch: CDTUB) und zwar seit 1999 in Allada (Benin) und in seit 2007 in N’Zérékoré (Guinea). Der Bau, sowie die Ausstattung der Zentren wurden durch diese Projekte finanziert, um den Zugang zu einer Gesundheitsversorgung der Menschen vor Ort zu gewährleisten. Im Vordergrund stehen die Sensibilisierung, die medizinische Versorgung und die Fortbildung vom Gesundheitspersonal und von Freiwilligen in den umliegenden Gesundheitszentren. Das Ziel der Projekte ist, die Anzahl der Krankheitsfälle zu verringern und die Kranken zu behandeln.

KAPAZITÄTSAUFBAU GEGEN TROPISCHE GESCHWÜRE (GUINEA CONAKRY)

Lebenserwartung (2018)

61,2 Jahre

SENEGAL

50

100 150km

MALI

GUINEA BISSAU

GUINEA

Zielgebiete

N’ZÉRÉKORÉ GUÉCKÉDOU MACENTA LOLA BEYLA YOMOU

WALDGUINEA CONAKRY SIERRA LEONE

(WALDGUINEA)

GUÉCKÉDOU

BEYLA MACENTA N’ZÉRÉKORÉ

YOMOU

NORDATLANTIK

DAS ZIEL?

LIBERIA

ELFENEINSKÜSTE

174/189 0

75% Niedrige Trinkwasserversorgung (65% in ländlichen Gebieten)

HDI* (2018)

FRÜHERKENNUNG ZWECKS SCHNELLER BEHANDLUNG

MÖCHTEN SIE UNS UNTERSTÜTZEN Bei der Bekämpfung von tropischen Hautgeschwüren in der Waldguinea.

IM JANUAR - SEPTEMBER 2020

3.600

114

Menschen wurden aufgeklärt

Krankheitsfälle wurden behandelt

IBAN LU38 0019 1100 2081 3000 (BCEELULL)

160€ finanzieren einen Teil der Medikamente.

* HDI: Human Development Index Quellen: Databank, undp.org - 10 -


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VORSORGE UND BEHANDLUNG VON HAUTGESCHWÜRE (BENIN)

SDG 17: Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben. Agenda 2030, Vereinte Nationen

DORF Bei einer Sensibilisierungskampagne ist die ganze Dorfgemeinschaft sowie die anliegenden Dörfer eingeladen. Diese Treffen finden meistens auf dem Gemeindeplatz statt, aber auch in Schulen oder jedem anderen Ort, wo sich mehrere Menschen versammeln können. Diese Sensibilisierungen erlauben es, dem Gesundheitspersonal und den Freiwilligen auch Früherkennung durchzuführen, gegebenenfalls Krankheitsfälle ambulant zu behandeln. Bei fortgeschritteneren Erkrankungen hat das Gesundheitspersonal die nötige medizinische Ausstattung, war ermöglicht, die Kranken vor Ort zu versorgen und ihnen etwaige Transportkosten zum nächsten Krankenhaus zu ersparen.

GEMEINDEPLATZ

Währenddessen werden Patienten mit tropischen Geschwüren im fortgeschrittenen Stadium für eine intensivere Behandlung ins nächste Gesundheitszentrum oder ins CDTUB in Allada weitergeleitet. Im Zentrum werden die Patienten zuerst medizinisch versorgt. Bei offenen Wunden kommt es zu einem chirurgischen Eingriff. Eine Reha ist ebenfalls vorgesehen falls nötig. Eine Rehabilitation ist nur dann nötig, wenn Gliedmaße ihre motorische Funktion teilweise oder ganz verloren haben, zum Beispiel sich nicht biegen könen. Dieser Muskelwiederaufbau wird je nach Schwere des Krankheitsbildes entweder im Gesundheitszentrum oder, wenn möglich, direkt zuhause beim Patienten vom Gesundheitspersonal durchgeführt, das dank dieses Projektes dafür ausgebildet wird.

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CDTUB ALLADA


ENTDECKEN

Koexistieren LARA BEAUGUERLANGE Fundraiser mecenat@ffl.lu

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Wenn Ihre Haut gereizt ist und eine herkömmliche Lotion dies nicht beheben kann, wenden Sie sich an Ihren Hautarzt. Wussten Sie, dass Sheabutter solche Hautirritationen in bestimmten Fällen auch vorbeugen kann? In vielen afrikanischen Ländern existieren moderne Medizin und traditionelle Heilpraktik ganz natürlich nebeneinander und beide haben ihre Anerkennung in der Gemeinschaft; die moderne Medizin hat ihren Platz gefunden, obschon sie noch für viele unzugänglich bleibt. Es sollte sowohl in Afrika als auch in Europa doch möglich sein, dass moderne Medizin und Heiler koexistieren, sich ergänzen und eine Gesamtmedizin oder eine personalisierte Medizin bilden könnten. Es ist uns von großer Wichtigkeit, dieses Thema anzusprechen.

Wussten Sie schon •

In Afrika bezeichnet man als traditioneller Heilpraktiker einen Menschen, der eine Form von traditioneller Heilkunde betreibt, sie werden umgangssprachlich Heiler genannt.

Dank der modernen Medizin konnten enorme Entwicklungen im Gesundheitsbereich erreicht werden und Millionen von Menschen können jedes Jahr dadurch geheilt werden; Dabei geht es um die Analyse eines oder mehrerer physischen Symptome, die es den Medizinern erlaubt eine Erkrankung festzustellen.

Sheabutter (Karitébutter) wird aus dem afrikanischen Karitébaum gewonnen, dem Butyrospermum parkii. Kariténüsse enthalten natürlich fettende Inhaltsstoffe, die verarbeitet viele wertvolle kosmetische Eigenschaften haben. Sheabutter wird vor allem für seine feuchtigkeitspendenden, regenerierenden und wohltuenden Eigenschaften geschätzt und bei Hautpflege von Kleinkindern gerne eingesetzt.

Immer öfters jedoch scheint die moderne Medizin individualisierte Diagnose einzuschließen, die auch psychische und psychosomatische Aspekte berücksichtigt. Sie basiert sich auf natürliche Praktiken und nimmt somit eine präventive Vorgehensweise ein (z.B. durch Ernährungsumstellung), aber auch eine kurative durch medizinische Behandlung. Auf diese Weise schließt sich die moderne Medizin der Heilpraxis an, wie das in Afrika zum Beispiel schon der Fall ist.

© FFL/ T. Winn

Tatsächlich erlaubt die Kombination von beiden bei der Diagnose die physische und mentale Gesundheit als Ganzes zu betrachten und dabei Unausgewogenheit, Gleichgewicht zwischen Körper und Seele, Energiefluss, Unwohlsein, Vorgeschichten usw. festzustellen.

Falls Sie Sheabutter kaufen möchten, können Sie im Geschäft Missbak (missbak.com) nachfragen. Seine Besitzerin Ahoua ist eine engagierte Mutter und Unternehmerin, die sich mit natürlichen und ethischen Produkten beschäftigt.

Für die Menschen, die beide Ansätze verbinden möchten, um ihre Gesundheit zu pflegen, gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Möglichkeiten. Es gibt sicherlich keine Gebrauchsanweisung, um herauszufinden, wie und was zu tun ist. Aber wie man sagt: „auch nur ein Schritt vorwärts ist schon ein Fortschritt“. Jene, die diesen ersten Schritt machen möchten, finden hier den ersten Baustein dafür.

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AUF DEM FOTO: WALDGUINEA, DAS ABGELEGENE UND TROPISCHE GEBIET IN GUINEA-CONAKRY.


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