FAMILOTEL® | Ferienmagazin 06/2024

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148 SEITEN

LESEN, SPIELEN & GANZ VIEL SPASS

URLAUBSTIPPS

MATHE CHALLENGE MIT TIKTOK-STARS

GEWINNSPIELE

30 JAHRE FAMILOTEL

KINDERBETREUUNG

Viel Spaß beim Lesen!

Den Urlaub genießen. Wir stellen die schönsten Familotel-Regionen vor

URLAUBSTIPPS

Die Highlights aus zahlreichen Regionen

30 JAHRE FAMILOTEL

Mitmachen & gewinnen

KINDERBETREUUNG

Macht den Kids Spaß und die Eltern haben Zeit für sich

GEMEINSAM SPIELEN

Dafür ist im Familotel-Urlaub immer Zeit

LESEN IM URLAUB

Ausgesuchte Buchtipps und Leseproben für Kinder und Erwachsene

GEWINNSPIELE

Im ganzen Ferien Magazin

Kinderbetreuung im Familotel-Urlaub in einer besonderen Qualität 6 34 4 44

Unglaublich! Familotel feiert 30-jähriges Jubiläum mit vielen Aktionen

Der Urlaub fängt mit der Anreise an –wir haben die besten Spieletipps

MATHE LOHNT SICH

Die Video-Challenge mit tollen Preisen für Zahlenfans und Mathe-Muffel

ENTSPANNT INS URLAUBSGLÜCK

Die besten Spiele für die Anreise

OUTDOOR-SPASS MIT SEIFENBLASEN

Die schillernden Kugeln ganz einfach selbst machen

POOL-KNIGGE

Ein paar einfache kleine Regeln sorgen für mehr Urlaubsfreude

SONNENSCHUTZ

Das sollten Eltern wissen

DIE WASSERSCHWEINE SIND LOS!

Reinlesen, beim Quiz mitmachen und schon bist du ein großer Fan dieser Tiere

SHOPPING-

Mitfeiern! Uuuuund gewinnen!

30

JAHRE WOCHEN CHANCEN

Familotel, die führende Hotelkooperation für Familienurlaub in Europa, feiert in diesem Jahr 30. Jubiläum. Der perfekte Anlass für einen ungewöhnlichen Geburtstag: Beim großen Gewinnspiel und vielen weiteren Aktionen mitmachen und am besten auch noch gewinnen.

Seit 30. März verlost Familotel jede Woche (!) eine Urlaubsreise für die ganze Familie – 30 Wochen am Stück. Das klingt tatsächlich nach purem Familienglück in einem Familotel nach Wahl.

So nehmt ihr am Gewinnspiel teil: Einfach unter www.familotel.com/30Gewinne die Gewinnspielfragen beantworten. Bitte Teilnahmebedingungen beachten und schon gehts los. Ganz klar: Wer nicht mitmacht, kann auch nicht verreisen. Die Redaktion wünscht viel Spaß und Glück!

Noch mehr tolle Partneraktionen und Jubiläumsangebote unter www.familotel.de/30-jahre-jubilaeum

Teilnahmebedingungen: Der jeweilige Teilnahmeschluss kann der Gewinnspielseite entnommen werden. Teilnahme ab 18 Jahren. Eine Auszahlung ist ausgeschlossen. Die Kosten für Hin- und Rückfahrt trägt der Gewinner. Es entscheidet das Los. Mehr Infos und Teilnahmebedingungen auf der Gewinnspiel-Website: www.familotel.com/30Gewinne

Findet euer PERFEKTES FAMILIENHOTEL

Vom Urlaub an der Nordsee über Reiterferien in Mitteldeutschland, Wellness mit Kindern, Wandern in Süddeutschland oder Österreich, bis zum Skispaß – Urlaubsregionen und Hotels für die ganze Familie müssen die Bedürfnisse der großen und kleinen Gäste abdecken. Wir stellen euch in den nächsten Magazinen die Highlights vor.

TIROL

Urlaub mit Kindern in Tirol heißt spannende Abenteuer, Erholung und Spaß in der Natur erleben! Hier könnt ihr unzählige Erlebnisparks besuchen, wandern, am See die Seele baumeln lassen oder euch bei einem Bummel durch die wunderschöne Stadt Innsbruck treiben lassen. Lasst euch von unseren Tipps für den Urlaub in Tirol mit der Familie inspirieren und verbringt einen wunderbaren Urlaub in den Bergen.

Tirol Hoteltipps

KINDERHOTEL

SAILER

Willkommen im Pitztal in Tirol! Hier zeigen sich Berg und Tal von ihren schönsten Seiten. Und mittendrin liegt das Familienhotel Sailer für aktive Familien, wo ihr euch wie zu Hause fühlen könnt. Euch erwartet kein Luxushotel, dafür aber ein Familienhotel mit viel Herz und ebenso viel Erfahrung. Maximal 17 Familien können hier wohnen und die schönste Zeit des Jahres genießen.

ADLER FAMILIEN- & WOHLFÜHLHOTEL

Etwas Zeit für Mama und Papa, viel Kinderspaß und ganz viel Raum für die Familie: Das erwartet euch im kleinen, gemütlichen Familien- und Wohlfühlhotel in Serfaus. Erlebt inmitten der Urlaubsregion Serfaus-Fiss-Ladis, dem Familienparadies in den Alpen, zu jeder Jahreszeit unvergessliche Urlaubsmomente. Ausgezeichnete Küche, ein helles Kinderspielzimmer, Familiensauna mit kleinem Schwimmbad und gemütliche Familienzimmer lassen eure Urlaubsherzen höherschlagen.

ALMFAMILYHOTEL SCHERER

Willkommen auf dem Gipfel der Urlaubsfreuden! Hier erwartet euch auf 1.450 m Höhe nicht nur eine ursprüngliche Bergidylle weitab vom Stadtlärm, sondern alles, was euren Urlaub mit Kind und Kegel schöner macht: von A wie Action, über S wie Skispaß pur, bis Z wie familiengerechte Zimmer. Da versteht es sich schon fast von selbst, dass ihr in einer Wellnesslandschaft mit Sonnenterrasse und einer exzellenten Küche mit Leib und Seele verwöhnt werdet.

KINDERHOTEL STEFAN

Fühlt euch wohl in der familiären, lockeren Atmosphäre des Familienhotels und genießt den Rundum-Service. Alles ist inklusive, alles ist perfekt. Im Winter warten schneesichere Skigebiete mit bis zu 3.400 m Höhe auf euch und im Sommer erhaltet ihr mit der „Pitztal Sommer Card“ freien Zutritt zu den Gondeln. Im Panorama-Infinity-Pool könnt ihr über den Dächern des Pitztals wunderbar entspannen.

Tirol Hoteltipps

HOTEL TIROLERHOF

Das kleine und feine Familienhotel Tirolerhof begrüßt euch im malerischen Bergdorf Ehrwald auf 1.000 m Höhe, direkt am Fuße der Zugspitze. Hier stehen Natur-Outdoor-Erlebnisse im Vordergrund, ebenso wie die wertvolle, gemeinsame Familienzeit. Familiengeführt in dritter Generation, ist für euren perfekten Familienurlaub alles vorbereitet: Von großzügigen Familienzimmer über regionale Tiroler Küche und Wellnessangebote bis hin zu einer ganztägigen Babyund Kinderbetreuung ist hier an alles gedacht.

KAISERHOF

Herzlich willkommen in Berwang, dem höchstgelegenen Ort der Tiroler Zugspitzarena! Auf 1.342 m Höhe begrüßt euch das Familienhotel Kaiserhof mit jeder Menge Spaß, Unterhaltung und Abwechslung zu jeder Jahreszeit. Hier spielen Wald und Natur eine besondere Rolle. Deshalb nimmt euch das Familienhotel mit auf eine Entdeckungsreise, bei der ihr die wunderschönen Seiten der Natur erkunden dürft. Egal ob in der liebevollen Kinderbetreuung, beim Urlaub mit Baby oder in der Wellness-Wasserwelt –die Natur und das beeindruckende Bergpanorama sind immer an eurer Seite.

KÄRNTEN

Verbringt die schönste Zeit des Jahres gemeinsam in Kärnten. Im Familienurlaub mit Kindern rund um Großglockner und Wörthersee könnt ihr in wunderbarer Natur die Seele baumeln lassen, in glasklaren Bergseen schwimmen oder euch beim Wandern in den Bergen auspowern. Egal, wie ihr euch am liebsten erholt, Kärnten hat für die ganze Familie die richtigen Aktivitäten! Erlebt die sonnige Region in Österreichs Süden und freut euch auf einen tollen Urlaub mit Kindern.

Kärnten Hoteltipps

HOTEL ALPENGASTHOF HOCHEGGER

Saftige Almwiesen im Sommer, verschneite Pisten im Winter. Klare, würzige Bergluft und die Sonne des Lavanttales garantieren euch Urlaubsträume auf dem Klippitztörl in Kärnten.

Mittendrin liegt das Hotel Alpengasthof Hochegger zum rundum Wohlfühlen.

Abenteuerreicher Familienurlaub, familiäre Atmosphäre, echte Kärntner Gemütlichkeit, authentische Naturerlebnisse, Winterzauber auf den Pisten: Hier findet jeder sein Erlebnis am Berg!auf alle Naturliebhaber.

FAMILIEN RESORT PETSCHNIGHOF

4-Sterne-Hotelluxus vereint mit Urlaubsabenteuer am Bauernhof – das erwartet euch in eurem Familienurlaub in Kärnten. Entdeckt die Familienwasserwelt, die Indoor-Waldspielarena und erlebt unvergessliche Familienmomente beim Reiten, Tiere füttern und Wandern, mit oder ohne Alpakas. In einer einzigartigen Panorama-Alleinlage stehen euch über 230.000 qm mit Badesee, Wald, Bächen und Wiesen zur Verfügung. Die tägliche Kinderbetreuung ermöglicht euch Eltern pure Erholung im Alm-Spa.

DER KIRCHHEIMER HOF SUPERIOR REFUGIUM

Im Herzen des Biosphärenparks Nockberge gelegen, erwartet euch auf 1.080 m Höhe ein Familienurlaub mit unbegrenzten Möglichkeiten. Egal ob im Sommer, Herbst, Frühjahr oder Winter, zu Fuß, auf dem Mountainbike oder auf Skiern – der Kirchheimerhof ist der perfekte Urlaubsort für alle naturbegeisterten Familien. Das Familienhotel und seine einzigartige Umgebung bieten euch alles, was einen unvergesslichen und erholsamen Familienurlaub ausmacht.

EMSLAND

Abenteuer, Sport, Natur und Erholung –ein gemeinsamer Urlaub im Emsland ist für die ganze Familie das Highlight des Jahres. Freut euch auf unberührte Natur, malerische Wasserlandschaften und jede Menge Abwechslung im Nordwesten

Deutschlands und der deutsch-niederländischen Grenze. Erfahrt hier, was im Urlaub mit Kindern im Emsland auf euch wartet.

Emsland Hoteltipp

GUT LANDEGGE

In absoluter Alleinlage in der Natur und gut erreichbar liegt das Gut Landegge in unmittelbarer Nähe der Ems. Die familiär geführte Hotelanlage mit unverwechselbarem Ambiente und vielen Tieren vereint Tradition und Moderne. In der geschlossenen, zusammenhängenden Park- und Spielanlage – kindersicher und ohne Verkehr – entdecken eure Kinder die Natur, aber auch die wetterunabhängige Spiel- und Erlebniswelt.

Gemeinsam erkundet ihr die Umgebung oder ihr seid sportlich aktiv mit Reiten, Radfahren, Yoga oder Fitness. Auf dem großen Areal mit märchenhaften Bäumen, Obstgärten, duftenden Rosen und großartigen Hortensien laden viele Nischen zum Verweilen ein.

MÜNSTERLAND

Das Münsterland ist die bekannteste deutsche Pferderegion und wird als Urlaubsziel kleine und große Pferdefreunde begeistern. Aber nicht nur die! Das Münsterland hat noch einiges mehr zu bieten: ausgezeichnete Wanderwege, unberührte Natur und historische Städte wie Münster oder Tecklenburg. Wir verraten euch, was ihr in eurem Familienurlaub im Münsterland unbedingt erleben müsst.

Münsterland Hoteltipp

LANDHUUS LAURENZ

Heu statt Hektik. Lust statt Frust. Spaß statt Stress. In eurem Familienurlaub im Landhuus Laurenz im Münsterland könnt ihr euch auf dem 11 Hektar großen Hotelareal einfach mal erholen und jede Menge erleben.

Durch die idyllische Lage am Waldrand ergeben sich zahlreiche Wander-, Spiel- und Ausflugsmöglichkeiten. Auf alle Tierfreunde warten Ponys, Reitpferde, Hunde, Ziegen, Kaninchen u. v. m. Bei jeder Wetterlage können eure Kids die liebevolle Kinderbetreuung besuchen und sich in der beheizten IndoorSpielscheune und auf dem XXL-Außenspielgelände so richtig austoben. Danach geht‘s in komfortable Familien-Suiten oder ihr genießt die kulinarischen Highlights!

MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE

Beim Familienurlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte ist für jeden etwas dabei. Egal ob Sport, Action, Tiere, Natur oder die Entspannung. Genießt die Ruhe des Müritz Nationalparks und die unberührte Natur der Region. Wie ihr euren Familienurlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte noch besser gestalten könnt, erfahrt ihr hier.

BORCHARD‘S ROCKHUUS

Gemütlich – natürlich – persönlich. So ist es im Familienresort im Müritz-Nationalpark. Auf der 40.000 qm großen Hotelanlage mitten im Wald dürft ihr es euch einfach gut gehen lassen.

Entspannend für die Großen und spannend für die Kleinen: Spielplätze, Indianerlager, Abenteuerfloß, Zirkuszelt, Tiere, Hallenbad mit Rutsche u. v. m.

Das Motto von Familie Borchard „Friede, Freu(n)de, Eierkuchen“ steht für unberührte friedliche Natur, herzliche Gastgeber und ein All-Inclusive Angebot, das keine Wünsche offenlässt.

Gut zu wissen: Im Hotel werden ausschließlich Familien als Gäste aufgenommen.

Mecklenburgische Seenplatte Hoteltipp

UNGARN

Ob Badespaß am Balaton, Abenteuer in der Puszta oder Wandern im Nationalpark – ein Familienurlaub in Ungarn ist unglaublich vielseitig und bedeutet Erholung, Spaß und Action für Groß und Klein. Badeurlaub am Plattensee, Wassersport, Thermalbäder und eine wunderschöne Landschaft – das alles ist Ungarn! Erfahrt hier, was ihr im Familienurlaub am Plattensee keinesfalls verpassen dürft.

Ungarn Hoteltipp

KOLPING HOTEL SPA & FAMILY RESORT

Eine Erholungsinsel im Herzen Ungarns: Das Kolping Hotel Spa Family Resort in der Nähe des Hévízer Thermalsees und des Plattensees bietet die besten Voraussetzungen für einen Urlaub, der alle Generationen begeistert.

Es erwartet euch ein riesiger Spielbereich mit erlebnisreichen Familienprogrammen. Auf den Riesentrampolinen werden Salto-Sprünge geübt und kleine Piloten testen die Kettcars im Park. Während ihr Eltern im romantischen Badebereich mit Schwimm- und Thermalbad, Licht- und Tontherapie sowie Saunapark die Zweisamkeit genießen könnt, kümmern sich deutschsprechende Betreuerinnen um eure Kleinen.

Kinderbetreuung Altersgerechte

... MACHT DEN KIDS SPASS UND DIE ELTERN ENTSPANNEN!

Mama, können wir hier wohnen?

Kinder spielen, Eltern entspannen. Kinderbetreuung in Familienhotels trägt entscheidend zum Urlaubsvergnügen bei, wie Lisa, Mutter von zwei quirligen Kindern, beschreibt

Ich bin Lisa und es hat lange gedauert, bis ich mir eingestehen musste: „Ich brauche dringend einen erholsamen Urlaub.“ Mein Mann klotzt beruflich gerade ziemlich ran, wir haben das auch so vereinbart, aber es zehrt schon an den Nerven, wenn ich zumindest tagsüber zusätzlich zu meinem Halbtagsjob der zentrale Ansprechpartner für alle(s) bin. Luxusproblem auf hohem Niveau, stell dich nicht so an, dachte ich eine Zeit lang, wahrscheinlich viel zu lang.

Meine beiden liebevoll-quirligen Kinder, Marlene, 5 Jahre alt, und Fabian, 8 Jahre alt, liebe ich über alles. Andere Mütter werden jedoch verstehen, dass ich mich dennoch nach ein paar ruhigen Momenten gesehnt habe – nur für mich. Meine Freundin hat mir Familotel empfohlen und ich war ehrlich gesagt ziemlich kritisch. Das klang alles so sehr nach einem Paradies für Familien mit Kindern, das in der Realität ein Alptraum werden kann, wenn die Betreuung keinen hohen Standard hat. Nach dem Vergleich mit anderen Anbietern habe ich dann doch gebucht –und habe es nicht bereut.

Als wir im Familotel ankamen, waren Marlene und Fabian sofort begeistert. Fabian rannte zur Rezeption und fragte: „Gibt es hier eine Rutsche?!“ Marlene sprang aufgeregt auf und ab und rief etwas zu laut: „Wo ist Clown Happy?!“ So ist sie halt, es hat aber keinen gestört, das gefiel mir. Ich fühlte mich bereits entspannter, als uns die vielen Spielmöglichkeiten gezeigt wurden. Also ab ins Zimmer und Koffer auspacken.

Nach dem Check-in brachte ich die Kinder in den Happy-Club, wo sie fröhlich empfangen wurden. Marlene strahlte über das ganze Gesicht, als sie den Basteltisch entdeckte, an dem sie mit Naturmaterialien basteln konnte. „Mama, schau mal, ich mach ein Eichhörnchen aus Tannenzapfen!“, rief sie begeistert.

Fabian stürzte sich sofort auf die Bobby-Car-Rennstrecke. „Bestes Hotel EVER!“, schrie er, während er mit einem roten Bobby-Car über die Strecke flitzte. Ich schmunzelte und verabschiedete mich erleichtert von meinen glücklichen Kindern. Meine Bedenken, ob die beiden Betreuer auch wissen, was sie tun, blieb bestehen. Was soll ich sagen: Es sind meine Wunschkinder. Andrea, eine der Betreuerinnen, hatte das offenbar bemerkt und sagte, sie seien alle nach Familotel-Standard bestens ausgebildet und meine Rasselbande bei ihnen in guten Händen. Also, liebe Lisa, lerne loszulassen, dachte ich mir. Nun war es Zeit für mich, mir eine Massage im Spa-Bereich zu gönnen.

Während ich mich entspannte, erlebten Marlene und Fabian offensichtlich den Abenteuerurlaub ihres Lebens. Fabian fand schnell zwei Freunde und sie spielten Ritter und Drachen auf dem Waldspielplatz, wo sie ein echtes Tipi-Bau-Projekt hatten. Er kam abends stolz mit einem selbst geschnitzten Holzschwert zurück, das er natürlich mitnehmen wollte. Na toll. „Mama, ich bin jetzt ein echter Ritter!“, sagte er mit funkelnden Augen.

Marlene genoss besonders die Zeit mit den Tieren auf dem Bauernhof. Sie streichelte Hasen und fütterte Ziegen. „Mama, ich möchte einen Hasen haben!“, bat sie jeden Abend beim Abendessen. Auch das noch. „Lass mich mal kurz darüber nachdenken“, sagte ich ihr, um eine Sekunde später auf die Frage zu antworten: „Gerne in deiner eigenen Wohnung, wann du mal ausziehst.“ Ein Hase als drittes Kind, keine Chance, auch wenn sie wirklich süß sind. Insgeheim genoss ich die Ruhe und einen leckeren Wein – und hatte fast ein schlechtes Gewissen. Außerdem nenne ich meinen Mann auch Hase, und zwei Hasen. Definitiv nein!

Die Zeit verging wie im Flug. Leider. Am letzten Abend gab es eine große Show im Familotel. Clown Happy trat auf und brachte alle Kinder zum Lachen. Naja, ich mochte Clowns noch nie und hatte als Kind ziemlich viel Angst. Aber meinen zwei Rabauken hats gefallen. Fabian durfte sogar bei einem Zaubertrick helfen und Marlene bekam ein riesiges Luftballontier geschenkt. Logisch, dass es im Zimmer nicht lange hielt und es bittere Tränen gab. Beim Frühstück am Abreisetag kam Marlene auf meinen Schoß geklettert und sagte: „Mama, können wir hier wohnen?“

Ich war schon ein wenig traurig, als wir unsere Koffer packten, gleichzeitig freute ich mich schon auf zu Hause und meinen Mann. Wir hatten zwar oft telefoniert, aber das reicht nicht. Mein Fazit: Geschenkt bekommt man den Urlaub nicht, doch ich war erholt, die Kinder glücklich. Vielleicht kommt das nächste Mal mein Mann mit oder Oma und Opa.

Danke ans Familotel-Team, das mich gebeten hat, meine kleine Geschichte zu erzählen.

DIE WICHTIGSTEN INFOS ZUM THEMA KINDERBETREUUNG

IN FAMILOTELS

Im Familienurlaub sollten sich Eltern und Kinder entspannen und unterhalten können. Mit einer umfassenden Kinderbetreuung sowie Spiel-, Sport- und Abenteuerprogrammen ist dafür gesorgt, dass bei uns keine Langeweile aufkommt – auch nicht an Regentagen.

IN JEDEM UNSERER FAMILOTELS ERWARTEN EUCH DIESE STANDARDS:

• Mindestens 35 Stunden Kinderbetreuung pro Woche

• Erlebnis-, Sport- und Abenteuerprogramme für drinnen und draußen

• Pädagogisch geschulte Mitarbeiter

• Geräumige Spielzimmer und eine eigene Spielebibliothek

• Mindestens zwei Familienprogrammpunkte pro Woche

• Spaß mit Clown Happy, unserem FamilotelMaskottchen

• Mitarbeiter mit Erste-Hilfe-Schulung für Kleinkinder

• In Babyhotels: Baby- und Kleinkindbetreuung, mindestens 30 Stunden pro Woche

Die qualifizierten Kinderbetreuer kümmern sich im Familotel Happy-Club engagiert um die kleinen Gäste. Jedes Familotel arbeitet nach individuellen Betreuungskonzepten mit einem abwechslungsreichen Wochenprogramm, das je nach Jahreszeit vielfältige Aktivitäten bietet – von Basteln und Handwerken mit Naturmaterialien bis zu Outdoor-Erlebnissen wie Lagerfeuer oder Tipi-Bau. Auch der Umgang mit Tieren, Spiel und Tanz sowie die Nutzung der hoteleigenen Außenanlagen gehören dazu.

Besonders berücksichtigt wird das Alter der Gästekinder: Familotel bietet altersgerechte Betreuung für Kinder unter drei, unter sieben, unter elf und unter sechzehn Jahren an. In unseren Happy-Clubs werden die Kinderbetreuer regelmäßig gemäß den

Altersstufen geschult, sodass ihr sicher sein könnt, dass eure Kinder nicht nur betreut, sondern qualifiziert und altersgerecht umsorgt werden.

Auch in puncto Sicherheit setzen wir hohe Standards: Alle Betreuer haben spezielle Erste-HilfeSchulungen absolviert, um im Notfall sofort helfen zu können. Die Spielräume sind so geprüft, dass sie für Kinder ungefährlich sind.

Unsere Babyhotels bieten zudem liebevolle Betreuung für Säuglinge und Kleinkinder, sodass ihr als Eltern auch einmal Zeit zu zweit genießen könnt. Eine umfassende Babyausstattung sowie altersgerechte Betreuung sorgen dafür, dass euer erster Urlaub mit Baby entspannt und komfortabel verläuft. Vom Wickeltisch bis zum Babyphone – alles ist bereits vorhanden, damit ihr euch um nichts sorgen müsst.

Genießt einen unbeschwerten Familienurlaub mit rundum-glücklich-Angeboten in unseren Babyhotels. Nur entspannte Eltern sind glückliche Eltern, daher stehen euch professionelle Babybetreuer zur Verfügung, die eure kleinen Schätze liebevoll umsorgen.

IN UNSEREN BABYHOTELS ERWARTET EUCH:

• Säuglingsgerechte Ausstattung und stillfreundliches Umfeld

• Stilltee, Milchnahrung und hausgemachte Beikost

• Umfassende Babyausstattung inklusive Wickeltisch, Fläschchenwärmer und Babyphone

• Leihbare Kinderwagen, Buggys und Rückentragen

• Speziell eingerichtete Babyzimmer

• Altersgerechte Babybetreuung von mindestens 30 Stunden pro Woche

• Gönnt euch und euren Kindern einen entspannten und abwechslungsreichen Urlaub bei Familotel.

Schon gewusst?

INFOS ZU DEN FAMILOTEL

KINDERALTERSSTUFEN

Ein dreijähriges Kind befindet sich in einem ganz anderen Entwicklungsstadium als ein zehnjähriges Kind. So ist auch das Spielund Freizeitverhalten je nach Alter und Entwicklung der Kinder unterschiedlich. Bei Familotel gibt es deshalb die Familotel Kinderaltersstufen, die eine entwicklungsgerechte Betreuung erlauben:

Unter 3 Jahre

Unter 7 Jahre

Unter 11 Jahre

Unter 16 Jahre

In unseren Happy-Clubs werden passend zum Alter differenzierte Betreuungskonzepte angeboten. Die Kinderbetreuer werden regelmäßig gemäß den Altersstufen geschult. So könnt ihr euch sicher sein, dass euer Kind nicht einfach nur „betreut“ ist, sondern eine qualifizierte und altersgerechte Kinderbetreuung erhält.

Alle Betreuer haben eine spezielle ErsteHilfe-Schulung für Kinder absolviert, sollte einmal etwas passieren. Sicherheit wird selbstverständlich auch im Rahmen der Kinderbetreuung groß geschrieben. Die Spielräume sind so geprüft, dass weder spitze Kanten, Steckdosen oder Türen für die Kinder zur Gefahr werden können.

Richtig viel Abwechslung bieten die verschiedenen Spielbereiche in den Familienhotels. Ob auf den riesigen Spielplätzen, der Kartbahn oder den Softplayanlagen –einfach vorbeikommen und Spaß haben.

Mathe im Urlaub?

NA KLAR!

Alles ist MATHE ist alles. Auch im Urlaub spielen Zahlen eine große Rolle. Bei dieser VideoChallenge ist (fast) alles erlaubt. Die TikTok-Stars von MatheMind zeigen dir, wie‘s geht. Und wenn du mitmachst, kannst du mit etwas Glück mit coolen Preisen rechnen

MEHRERE NÄCHTE IM

Anfang Juli startet die coolste Challenge dieses Sommers – und Familotel unterstützt die Aktion mit Übernachtungen für die ganze Familie. Dazu suchen wir dich – auch wenn du ein Mathe-Muffel bist. Diese Video-Challenge ist kein stumpfes Abfragen von Formeln, Zahlen und Lösen von Rechenaufgaben. Die TikTok-Mathe-Stars (wow, insg. 200 Mio. Aufrufe mit Mathevideos!) zeigen dir, dass Mathe Spaß macht – auch im Urlaub! Sende uns dein Video (max. 90 Sek. Hochformat) zu einem Thema deiner Wahl, in dem Mathematik vorkommt, mit dem Stichwort „Video-Challenge 2024“ an mkj-challenge@mathe-mind.de und lass deiner Kreativität freien Lauf. Du kannst dein Video auch auf Insta/TikTok hier hochladen: #mkjchallenge2024. Die beste Idee gewinnt. Mitmachen können Schülerinnen und Schüler mit Wohnsitz in Deutschland. Die Challenge läuft bis einschließlich 29. September 2024. Alle Teilnahmebedingungen findest du in Kürze auf www.mathe-mind.de/mkj-challenge.

DIE MATHE-TIKTOKSTARS JOHANNES & JOSEF BESUCHEN DEINE KLASSE

ANIO 6 KINDER SMARTWATCHES

MITMACHEN & GEWINNEN!

HOL DIR DIESE UND WEITERE PREISE BEI DER ULTIMATIVEN VIDEO-CHALLENGE „MATHE KANN JEDER“

MATHE-ESCAPEGAME VOM FRIEDRICH VERLAG

BUCHPAKETE VON DTV

DIE BESTEN SPIELE FÜR DIE ANREISE

Entspannt ins Urlaubsglück

„Mama, Papa, mir ist soooooooooo langweilig.“ Wenn du mit Kindern im Auto oder im Zug sitzt, um in den Familotel-Urlaub zu fahren, ist es oft eine echte Herausforderung, sie unterwegs bei Laune zu halten. Familotel Ferien Magazin hat kreative und sinnvolle Ideen zur Unterhaltung zusammengestellt. Einfach ausprobieren, mitmachen, kleine Wettbewerbe starten und so schon die Anreise zum Erlebnis machen. Einsteigen und losspielen. Juchu!

Hörbücher –der ewige Klassiker

Es gibt eine riesige Auswahl an spannenden Geschichten, die speziell für Kinder verschiedenen Alters entwickelt wurden. Lass sie während der Fahrt in fantastische Welten eintauchen. Dann vergeht die Zeit buchstäblich wie im Flug.

Autofarben-Challenge und Autokennzeichen raten

Beim Autofarben-Wettbewerb versuchen die Kinder, so viele Autos wie möglich in einer bestimmten Farbe zu zählen. Setze ein Zeitlimit oder wähle eine Strecke aus und schaue, wer die meisten Autos einer Farbe entdecken kann. Beim Spiel „Autokennzeichen raten“ versuchen die Kinder, die Herkunft der Kennzeichen zu erraten oder Buchstaben- und Zahlenkombinationen zu entschlüsseln, was besonders bei Fahrten durch verschiedene Länder spannend sein kann.

Mal- und Zeichenbücher –für die kreativen Köpfe

Mit ein paar einfachen Utensilien wie Malbücher, Buntstifte und vielleicht etwas Glitzer können deine Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen und ihre eigenen Kunstwerke schaffen. Und wann hast du als Erwachsener das letzte Mal etwas ausgemalt?

Kinderlieder

Stark sein! Such wenn deine Kinder gerne (falsch) singen, erstelle eine Playlist mit ihren Lieblingsliedern oder Kinderliedern, die alle mitsingen können. Musik macht gute Laune und die ganze Familie kann mitmachen.

Tablets mit vorinstallierten

Apps und Spielen

Sie können auch sehr hilfreich sein. Stelle sicher, dass die Inhalte kindgerecht sind und lege feste Zeiten fest, wie lange die Kinder das Tablet nutzen dürfen, u. a. um Augenbelastungen zu vermeiden.

Rätsel- und Ratespiele –immer eine sichere Sache!

„Ich sehe was, was du nicht siehst“ ist ein Klassiker, der immer gut funktioniert. Du kannst auch Spiele wie „Stadt, Land, Fluss“ anpassen, indem du Kategorien wählst, die für deine Kinder interessant sind. Solche Spiele fördern die Aufmerksamkeit und das logische Denken. Mit Spaß spielerisch lernen – auf dem Weg in den Urlaub? Na klar, kleine Teams bilden und feststellen, wer nach 5 Runden die Nase vorn hat! Pro richtige Aussage gibt’s 1 Punkt.

Interaktive

Reisetagebücher

Gib ihnen ein kleines Notizbuch und einige Stifte, damit sie alles aufzeichnen können, was sie auf der Reise sehen und erleben. Das kann später auch eine schöne Erinnerung für die ganze Familie sein. Lest euch die Abenteuer doch einfach gegenseitig vor und lasst den Urlaub zusammen mit Opa und Oma, Onkel und Tanten und Freunden Revue passieren.

Weiche Spielzeuge oder Bücher – für die Kleinsten

Von der Spielkiste ins Reiseset. Für die ganz Kleinen sind weiche Spielzeuge oder Bücher mit verschiedenen Texturen zum Fühlen interessant. Solche sensorischen Spielzeuge können beruhigend wirken und gleichzeitig die Sinne anregen.

Reisezeit schätzen

Dabei können die Kinder ausrechnen, wie lange beispielsweise das Auto für den Weg ins FamilotelFerienhotel braucht. Du kannst ihnen die Gesamtstrecke und die durchschnittliche Geschwindigkeit geben, und sie versuchen dann, die Fahrzeit zu berechnen. Dies fördert ihre mathematischen Fähigkeiten und macht sie neugierig auf das Ziel. Ansonsten gilt: vorrechnen :-)

Vergiss nicht regelmäßige Pausen einzulegen. Kinder brauchen die Möglichkeit, sich zu bewegen und etwas zu essen oder zu trinken. Ein kurzer Halt auf einem Spielplatz oder an einem Rastplatz mit einer Grünfläche bietet die perfekte Gelegenheit zum Austoben.

Viel Spaß auf der Reise ins Familotel!

Der Sommerspaß für den Urlaub und zu Hause. Und warum Seifenblasenflüssigkeit kaufen, wenn selbstgemachte Seifenblasen einfach und günstig herzustellen sind?

Liebe Kinder, lasst euch unbedingt von einem Erwachsenen dabei helfen! Für die Seifenblasenlösung benötigst du 1 Tasse Wasser, 2 Esslöffel flüssiges Geschirrspülmittel, 1 Esslöffel Glycerin und 1 Teelöffel Zucker. Am besten funktioniert destilliertes Wasser und ein sanftes Geschirrspülmittel.

Seifenblasen Urlaubsspaß mit

Zuerst gießt du das Wasser in eine Schüssel oder ein Glas und fügst das flüssige Geschirrspülmittel hinzu. Dann rührst du vorsichtig um, um Schaum zu vermeiden. Falls Glycerin und Zucker verwendet werden, fügst du diese nun hinzu und rührst langsam, bis sich alles gut vermischt hat. Glycerin und Zucker helfen dabei, die Seifenblasen haltbarer zu machen. Die Mischung dann über Nacht ruhen zu lassen, so werden die Seifenblasen stabiler und schweben länger in der Luft. Tage mit hoher Luftfeuchtigkeit sind ideal für den schillernden Spielspaß. Für das Seifenblasenwerkzeug nimmst du am besten einen Drahtbügel und biegst diesen zu einem Kreis oder in eine andere Form. Der Griff des Bügels kann als Griff verwendet werden. So, ist doch wirklich ganz einfach. Ein wichtiger Tipp! Nicht im Hotelzimmer oder zu Hause verwenden. Die Flüssigkeit ist rutschig und sollte zudem auf keinen Fall in Auge oder Mund landen. Also raus aus dem Zimmer und rein in die Natur!

Ein Pool-Knigge? Warum das denn? Ganz einfach, mit ein paar kleinen Regeln haben alle Spaß – im Pool und um den Pool herum

Die Gesundheit deiner Familie und der ultimative Spaß in euren Ferien ist uns einfach superwichtig:

Der Poolspaß im sauberen Wasser ist noch größer. Daher dusche bitte vor dem Betreten des Pools, um Schmutz und Schweiß zu entfernen. Super, vielen Dank!

Du bist schon drin? Mega! Bitte achte stets auf andere Schwimmer. Der eine möchte in Ruhe schwimmen, die andere tauchen und auch die Arschbomben-Fans sollen nicht zu kurz kommen. Schubsen, andere untertauchen und alles, was den Spaß verdirbt, besser sein lassen. Denn mit ein wenig Rücksicht haben alle eine tolle Zeit im Pool.

Esse bitte nicht direkt am Pool. Das zieht u. a. Bienen und Ameisen an, es riecht und sieht einfach nicht schön aus. Nehme Snacks und Getränke nur in den ausgewiesenen Bereichen zu dir und lasse nichts liegen. Schon mal in eine Scherbe getreten? Das ist das Gegenteil von Urlaubsglück! Vermeide daher auf jeden Fall Glasbehälter, um Unfälle zu verhindern.

Damit grundsätzlich auf keinen Fall etwas passiert: Achte als Erwachsener auf die Sicherheit von Kindern und beaufsichtige sie – immer! Oft gesehen und schmerzhaft geendet: in flache Bereiche springen.

Und jetzt rein ins nasse Vergnügen – viel Spaß beim Schwimmen und Erholen!

Pool-Kniggefür Kids

DAS SOLLTEN ELTERN WISSEN Sonnenschutz

Sommer, Sonne, Familotel –immer gesund bleiben!

Beim Schutz deiner Kinder vor der Sonne (und dich selbst darfst du natürlich auch nicht vergessen) und der Verwendung von Sonnencreme gibt es einige wichtige Punkte, um Sonnenbrand zu vermeiden und vor schädlichen UV-Strahlen zu schützen. Kinderhaut ist besonders empfindlich und benötigt besonderen Schutz. Wähle eine Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor (mindestens SPF 30), die sowohl gegen UVA- als auch UVB-Strahlen schützt. Ein häufiger Fehler ist, die Sonnencreme nicht großzügig genug aufzutragen. Creme deine Kinder mindestens 20 Minuten vor dem Aufenthalt in der Sonne ein. Eine wichtige Regel: Die Sonnencreme alle zwei Stunden und nach dem Schwimmen oder starkem Schwitzen erneut auftragen.

SONNENCREME REICHT NICHT AUS Oft werden bestimmte Körperstellen wie Ohren, Nacken, Füße und die Rückseite der Knie vergessen. Halte deine Kinder während der Mittagssonne zwischen 10 und 16 Uhr im Schatten, da die UV-Strahlung in dieser Zeit am intensivsten ist. Schutzhüte, Sonnenbrillen und leichte, aber langärmelige Kleidung bieten zusätzlichen Schutz. Babys unter einem Jahr sollten möglichst gar nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden.

Achte unbedingt darauf, dass die Sonnencreme für Kinder geeignet und hautverträglich ist, um Hautirritationen zu vermeiden. Lass die Sonnencreme gut einziehen, bevor deine Kinder ins Wasser gehen oder im Sand spielen, um den Schutz aufrechtzuerhalten.

Viel Spaß mit der gesunden Bräune – deine Kinder werden es dir danken!

FAMILOTEL HAT EINEN BESONDEREN TIPP FÜR DICH: VERTBAUDET, DEIN ULTIMATIVER ONE-STOP-SHOP FÜR JUNGE FAMILIEN!

Tauche ein in eine Welt voller kreativer Baby- und Kinderprodukte, die dir einen Schwung Lebensfreude ins Haus zaubert.

ALLES FÜR DEN START

Die Vorfreude auf dein erstes Kind wächst und wächst? Bei vertbaudet findest du eine breite Auswahl an hochwertigen Produkten, von weichen Stramplern über stilvolle Möbel bis hin zu praktischen Wickeltaschen, die euch helfen, perfekt vorbereitet zu sein.

EINLADENDES ZUHAUSE

Wenn ihr nach Hause kommt, soll alles bereit sein. Gestalte mit liebevollen Möbeln und Deko-Artikeln von vertbaudet ein gemütliches Kinderzimmer, in dem sich dein kleiner Schatz von Anfang an wohlfühlt. Vom Wickeltisch über Regale bis hin zu gemütlichen Betten –vertbaudet bietet alles, was du für ein einladendes Zuhause benötigst.

SPASS UND ENTWICKLUNG

Sobald dein Kind die Welt entdeckt, unterstützt vertbaudet dich mit einer Vielzahl von Spielzeugen, die nicht nur Spaß machen, sondern auch die Entwicklung deines Kindes fördern. Besonders begeistert sind wir von den Montessori-inspirierten Optionen, die die Kreativität und Selbstständigkeit deines Kindes anregen.

FÜR ALLE ALTERSSTUFEN

vertbaudet ist nicht nur für Babys da. Kinder bis 12 Jahre finden hier trendige Mode und praktische Artikel, die den Bedürfnissen junger Familien gerecht

werden. Vom süßen Strampler für Neugeborene über robuste Jeans für Kinder bis hin zu festlichen Outfits für besondere Anlässe – hier findest du alles unter einem Dach.

STILVOLLE UMSTANDSMODE

Und du kommst bei vertbaudet auch nicht zu kurz. Entdecke moderne Umstandsmode, die Komfort und Stil vereint. Clevere Schnitte und durchdachte Details sorgen dafür, dass du dich während deiner Schwangerschaft und darüber hinaus rundum wohlfühlst.

NÜTZLICHE TIPPS UND RATGEBER

Erhalte wertvolle Informationen rund um Schwangerschaft, Baby und Kindererziehung auf den Ratgeberseiten von vertbaudet. Hier findest du hilfreiche

Tipps und Empfehlungen, um die spannende Zeit des Elternseins bestmöglich zu meistern.

FREUE DICH AUF

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zertifizierte Bio-Kollektionen & nachhaltige Materialien personalisierbare Produkte

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Shopping Erlebnis

Der perfekteSchulstart

Der Schulanfang ist eine aufregende Zeit für Kinder und Eltern. Der Familotel-Partner vertbaudet unterstützt euch dabei, perfekt vorbereitet in das neue Schuljahr zu starten.

STYLISCHE UND PRAKTISCHE

SCHULOUTFITS

Die Auswahl an Schulkleidung bei vertbaudet ist vielfältig und trendy. Ob robuste Jeans für den Schulhof oder elegante Blusen und Hemden für die Einschulung – bei vertbaudet findest du alles, was dein Kind für einen erfolgreichen Schultag braucht. Die Kleidung überzeugt nicht nur durch modernes Design, sondern auch durch hohen Tragekomfort und Langlebigkeit.

SCHULTASCHEN UND ZUBEHÖR

Neben der Kleidung bietet vertbaudet auch eine breite Auswahl an Schultaschen und Zubehör. Von Rucksäcken bis hin zu trendigen Federmäppchen und Lunchboxen – hier findet ihr alles, um eure Kinder optimal auszustatten.

ORGANISATION UND

AUFBEWAHRUNG

Ein gut organisierter Arbeitsplatz ist wichtig für den Lernerfolg. vertbaudet bietet praktische Aufbewahrungslösungen für das Kinderzimmer, die dabei helfen, Schulmaterialien ordentlich zu verstauen. Regale, Schreibtische und Aufbewahrungsboxen sorgen dafür, dass alles seinen Platz hat und leicht wiedergefunden werden kann.

RATGEBER UND TIPPS

Auf den Ratgeberseiten von vertbaudet findet ihr hilfreiche Tipps und Tricks rund um das Thema Schulstart. Von ausgewählten Kollektionen über Empfehlungen bis hin zu Schreibtisch- und Stuhlratgeber.

Starte bestens vorbereitet in das neue Schuljahr mit vertbaudet!

Bienvenue chez vertbaudet!

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DIE WASSERSCHWEINE SIND LOS!

Wer dieses Buch gelesen hat, beendet die letzte Seite als Wasserschwein-Fan. Emmy, Tristan und Raul erobern die Herzen von Kindern und Eltern

Die drei kleinen Wasserschweine Emmy, Tristan und Raul sind gute Freunde und leben zusammen mit ihrer Herde auf einer Wiese im Zoo.

Die drei Freunde fragen sich, ob es außerhalb ihres Geheges mehr gibt, als sie zu sehen im Stande sind und was wohl hinter dem Zaun liegen könnte. Mit Mut, Geschick und etwas Glück gelingt es ihnen, die Absperrung zu überwinden und so das „Mehr“ und die Welt um sie herum zu erkunden. Auf ihren nächtlichen Ausflügen lernen sie die benachbarten Tiere kennen und erleben spannende und lustige Abenteuer.

Matthäus Bär (Text), Anika Voigt (Illustration): Drei Wasserschweine brennen durch dtv, 144 Seiten, € 15,00, ISBN: 978-3-423-76487-2

SO TICKEN WASSERSCHWEINE

Viel Platz zum Erkunden und Bewegen: Wasserschweine (Capybara) sind die größten lebenden Nagetiere der Welt und soooo süß

Sie sind eng mit Meerschweinchen verwandt, in Südamerika beheimatet und leben in Gruppen in der Nähe von Gewässern wie Flüssen, Seen, Sümpfen und Feuchtgebieten. Ihre soziale Struktur ist interessant, da sie eine komplexe Hierarchie innerhalb der Gruppe aufweisen. Sie kommunizieren mit einer Vielzahl von Lauten, von leisen Grunzlauten bis hin zu lauteren Warnrufen.

Aufgrund ihrer Größe und ihres sozialen Verhaltens sind Wasserschweine faszinierende Tiere, die sowohl in freier Wildbahn als auch in Zoos und Tierparks beliebte Beobachtungsobjekte sind. Trotz ihrer Anpassungsfähigkeit und ihres breiten Lebensraums sind sie in einigen Gebieten aufgrund von Lebensraumverlust und Jagd in Gefahr.

Sogar das Halten von Wasserschweinen als Haustiere ist mit einer entsprechenden Genehmigung in einigen Ländern möglich, erfordert aber umfassende Kenntnisse über ihre Bedürfnisse sowie spezielle Pflege. Zu ihren Bedürfnissen gehören:

GROSSER LEBENSRAUM

Wasserschweine benötigen viel Platz zum Erkunden und Bewegen sowie Zugang zu einem Gewässer, da sie gerne schwimmen und im Wasser spielen.

SPEZIELLE ERNÄHRUNG

Ihre Ernährung sollte hauptsächlich aus Gras und Wasserpflanzen bestehen, ergänzt durch Heu, Gemüse und spezielles Nagetierfutter, um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten.

„Jeder kann ein wenig Wasserschwein im Herzen vertragen“

Marktforschung oder lange geduscht, bis die Idee Wasserschwein-rund wurde? Wir haben Autor

Matthäus Bär gefragt, ob auch ein paar WasserschweinCharakterzüge in ihm stecken und wie es weitergeht …

Wie kommen Sie auf Wasserschweine als Protagonisten für Ihr aktuelles Buch?

In meiner Internetblase schon, zudem gibt es weltweit mittlerweile sehr viel Wasserschwein-Content.

SOZIALE BEDÜRFNISSE

Als hochsoziale Tiere benötigen sie die Gesellschaft anderer Wasserschweine, um Verhaltensprobleme zu vermeiden.

PFLEGE UND MEDIZINISCHE

VERSORGUNG

Sie benötigen regelmäßige tierärztliche Kontrollen und Pflege, einschließlich der Überwachung ihrer Zähne und Nägel, die kontinuierlich wachsen.

RECHTLICHE ÜBERLEGUNGEN

In vielen Gebieten ist eine spezielle Genehmigung erforderlich, um Wasserschweine legal zu halten. Es ist wichtig, lokale Vorschriften und Gesetze zu überprüfen, bevor man sie als Haustiere hält.

Ich glaube behaupten zu können, dass meine Familie und ich Early Adopters des Wasserschweins sind: Einige Episoden aus dem Buch sind bereits 2019 entstanden und da waren diese Tiere noch nicht übermäßig populär. Wir waren und sind große Fans von der Gemütlichkeit der Tiere, das hat mich einfach angesprochen. Also keine Marktforschung, sondern eher Zufall.

Es gab aber eine Art Initialzündung?

Ja, als meine Kinder noch kleiner waren, hatten wir eine Jahreskarte für den Wiener Zoo. Dort haben wir oft und gerne das Wasserschweingehege angesteuert und uns gefragt, was diese wunderbaren Tiere machen, wenn die Menschen ihnen nicht zusehen. Das war der Ausgangspunkt.

Wasserschweine sind also DIE Trendtiere 2024/2025?

In den USA werden sie sogar teilweise als Haustiere gehalten.

Die Tiere brauchen jedoch viel Auslauf, in einer Zweizimmerwohnung wird das in puncto Tierschutz aber natürlich problematisch.

Hand aufs Herz: Wie viel Wasserschwein-Charakterzüge stecken denn im Bär(en), also in Ihnen?

Leider viel zu wenige. Positiv formuliert, sind Wasserschweine tiefenentspannt, kommen mit allen Lebewesen klar und sind sehr resilient. Von dieser Resilienz könnte ich mehr brauchen, überhaupt jeder kann ein wenig Wasserschein im Herzen vertragen.

Nach dem Buch ist vor dem Buch. Was kommt als nächstes?

Die Illustratorin Anika Voigt und ich würden uns schon sehr über ein Plüsch-Wasserschwein freuen.

Ansonsten haben wir viele Ideen für mindestens eine Fortsetzung, in der die jungen Leserinnen und Leser erfahren, welche Abenteuer die Wasserschweine außerhalb ihres Geheges sonst noch so erleben können.

Sie waren bereits erfolgreicher (Kinder-)Musiker, die Musik musste jetzt jedoch Ihrem Job als Autor weichen. Also wirklich kein Wasserschwein-Album in Sicht? Nein, ziemlich sicher nicht. Das Buch erscheint aber bei Argon auch als Hörbuch und ich durfte einen Titletrack dazu beisteuern. Dietmar Bär hat das Hörbuch eingesprochen und das ganz wunderbar gemacht.

Also vom Bär zu Bär. Sozusagen. Den WasserschweinSong zu machen, war auch superlustig, aber musikalisch habe ich die Zielgruppe Kinder fürs Erste hinter mir. Kinderbücher zu schreiben, macht mir großen Spaß, und mal schauen, wie weit die Wasserschwein-Reise noch geht.

Das große WASSERSCHWEIN QUIZ

Wasserschweine sind faszinierende Tiere. Kannst du alle Fragen beantworten?

Frage 1: Wie groß kann ein ausgewachsenes Wasserschwein werden?

A) So groß wie eine Katze

B) So groß wie ein Hund

C) So groß wie ein Schaf

D) So groß wie ein Elefant

Frage 2: Wo leben Wasserschweine in der Wildnis?

A) In der Wüste

B) Im Regenwald

C) In der Arktis

D) In den Alpen

Frage 3: Sind Wasserschweine gute Schwimmer?

A) Ja, sie lieben es zu schwimmen

B) Nein, sie schwimmen nie

C) Sie können nur tauchen

D) Sie schwimmen nur im Notfall

Frage 4: Was ist die Hauptnahrung von Wasserschweinen?

A) Fische

B) Nüsse

C) Gräser

D) Beeren

Frage 5: Wie leben Wasserschweine?

A) Alleine

B) In großen Gruppen

C) Nur in Paaren

D) Für immer mit ihren Eltern

Frage 6: Wie kommunizieren Wasserschweine miteinander?

A) Durch Tanzen

B) Durch Gerüche

C) Durch Laute

D) Sie kommunizieren nicht

Frage 7: Was machen Wasserschweine, wenn es ihnen zu heiß wird?

A) Sie graben sich ein Loch

B) Sie suchen Schatten

C) Sie gehen ins Wasser, um sich abzukühlen

D) Sie fliegen in kühlere Gegenden

Frage 8: Wasserschweine haben eine besondere Beziehung zu welcher Vogelart?

A) Papageien

B) Spatzen

C) Störche

D) Reiher

URLAUB

Endlich Zeit zum Spielen

LESEN – DENKEN – RATEN

Da könnte sicher auch der ein oder andere Erwachsene mitmachen: DAS DINGS ist ein kommunikatives Ratespiel, das (Vor-)Lesen und Zuhören trainiert.

Dieser Lernspielklassiker macht Spaß und ist effizient. Denn nur wer gut zuhört und schnell reagiert, vorhandenes Wissen aktiviert und im gesuchten Zusammenhang anwendet, kann bei DAS DINGS punkten.

Eine Person liest nach und nach die sechs Hinweissätze auf jeder Karte vor. Die anderen raten, welcher Begriff sich hinter den Hinweisen verstecken könnte – so lange, bis das versteckte DINGS gefunden ist.

Inhalt: 120 Ratekarten mit 240 zu erratenden Begriffen

Ab 7 Jahren, ab 1 Spieler

GEWINNSPIEL

Gewinne 1 von 3 Spielen nach Wahl aus diesem Magazin. Sende das Stichwort

„Spielen“

per E-Mail an mms@hup.de.

Teilnahmeschluss ist der 31. August 2024. Das Los entscheidet. Alle Daten werden nach dem Gewinnspiel gelöscht. Die Barauszahlung ist nicht möglich. Teilnahme ab 18 Jahren. Viel Glück!

WERTE SAMMELN, TAUSCHEN, LERNEN

Die Wertemonster bringen Ruhe und Struktur in die Bude – ob zu Hause oder im Hotelzimmer! Jede der 40 liebevoll illustrierten Monsterkarten steht für je einen Wert wie Fleiß oder Fürsorge. Nach kurzer Zeit werden die Monsterchen zum Sammel- und Tauschhit. Die Kinder strengen sich an, Regeln einzuhalten und positive Werte zu leben, um von den anderen mit einem Wertemonster belohnt zu werden.

Das Spiel enthält 40 Karten und eine Spielanleitung.

Ab 6 Jahren

BAUKLÖTZE STAUNEN

PotzKlotz gehört zu den beliebtesten Geometriespielen – und zieht Kinder wie Erwachsene in seinen Bann! Schon Kinder ab 7 Jahren können mit PotzKlotz Zug um Zug ihr räumliches Vorstellungsvermögen erweitern. Weil sich die Ausgangslage für den eigenen Spielzug ständig verändert, sind alle Spielenden mit Spannung bei der Sache. Wer gewinnen will, muss aufmerksam beobachten und perspektivisch Denken.

Alles beginnt mit einem Würfelgebäude aus fünf Holzwürfeln. Die Spielenden erhalten eine vereinbarte Anzahl von Karten. Auf jeder Karte sind verschiedene Würfelgebäude aus fünf Würfeln abgebildet. Reihum werden die Spielenden nun zu Architekten und Architektinnen: Durch das Umlegen von nur einem Würfel müssen sie das Gebäude so umbauen, dass es der Abbildung auf einer ihrer Karten entspricht. Gelingt dies, dürfen die Spielenden die Karte ablegen und Gewinnpunkte sammeln. Gewinner oder Gewinnerin ist, wer am Ende aller Spielrunden die meisten Punkte sammeln konnte.

Inhalt: 5 Holzwürfel, 56 Spielkarten, 1 Spielplan

Ab 7 Jahren, für 2-6 Spieler

TIERISCHES RATESPIEL

DAS DINGS TIERE fördert spielerisch das (Vor-) Lesen und Zuhören. Die Regeln sind schnell erklärt: Eine Mitspielerin oder ein Mitspieler liest nach und nach die sechs Hinweissätze auf jeder Karte vor. Die anderen raten, welcher Begriff sich hinter den Hinweisen verstecken könnte – so lange, bis das versteckte DINGS gefunden ist.

Die zu erratenden Begriffe sind rund um das beliebte Thema Tiere ausgewählt. Das Spiel umfasst 15 Kategorien, u. a. Afrika, Vögel, Fische, Hunde, Tierbabys, Wohnorte, Berufe, Comic und Märchen.

Inhalt: 120 Ratekarten mit 240 zu erratenden Begriffen

Ab 7 Jahren, ab 1 Spieler

70 SEITEN LESEPROBEN

URLAUB Endlich Zeit zum Lesen

Lesetipps für das Frühjahr

dtv, 192 Seiten, 14 Euro

Lesealter: ab 8 Jahren

ISBN: 978-3-423-76496-4

Knut Krüger: Mensch, Bär!

dtv, 112 Seiten, 15 Euro

Lesealter: ab 5 Jahren

ISBN: 978-3-423-76480-3

KINDERBUCH

POSTSTREIK MAL ANDERS

Alles beginnt mit einem dicken Klumpen Glück. Kalles Papa hat frei und jetzt wollen sie zusammen nach Italien fahren. Seit Mama zum Forschen am Nordpol ist, haben sie keinen Urlaub mehr gemacht und jetzt freuen sich Kalle und Klein-Frieda wie verrückt auf Sonne, Meer und Glückszeit. Doch dann bekommt ihr Vater einen Anruf vom Chef. Er wird dringend gebraucht und der Urlaub muss ausfallen. Als Kalle das hört, rollen ihm die Tränen über die Wangen. Kalles Papa merkt, wie traurig Kalle ist und lenkt kurzentschlossen das Postauto auf die Autobahn und fährt mit seinen Jungs und einem Haufen Päckchen nach Italien … Das Abenteuer kann beginnen!

KINDERBUCH KLEINER BÄR – GROSSER MUT

Auf seinen Streifzügen durch den Wald lernt der kleine Bär Bruno einen Menschenjungen kennen. Und obwohl ihn seine Mutter immer vor den Menschen gewarnt hat, kommt ihm dieser hier gar nicht gefährlich vor! Tatsächlich haben die beiden sogar richtig Spaß. Als sein neuer Freund in einer Sturmnacht in Gefahr gerät, entdeckt der furchtsame Bruno, wie viel Mut tatsächlich in ihm steckt.

Jasmin Schaudinn: Päckchensommer

NEUANFANG IN DER PROVENCE

Agneta reicht es. Sie ist 49 und fühlt sich, als ob das Leben an ihr vorbeizieht.

Ihre Kinder melden sich nur, wenn sie Geld brauchen, für die Kollegen ist sie unsichtbar und ihren Mann Magnus sieht sie neuerdings nur noch in Radlershorts oder Neoprenanzug. Weißbrot, Käse, Wein – strengstens VERBOTEN.

Also alles, was Agneta liebt – und seit Neuestem hinter dem Kühlschrank versteckt.

Als sie eines Tages eine seltsame Zeitungsanzeige entdeckt, fasst sie einen Entschluss. Kurz darauf findet Agneta sich in einem malerischen Städtchen in der Provence wieder. Es beginnt ein Abenteuer, in dem sie endlich die Liebe zu sich selbst entdeckt – und vielleicht auch die zu einem anderen Mann.

Dr. ned. Marianne Koch: Mit Verstand altern dtv, 144 Seiten, 20 Euro ISBN: 978-3-423-28408-0

Lucas Vogelsang:

Nachspielzeiten

Tropen, 304 Seiten, 22 Euro

ISBN: 978-3-608-50224-4

SACHBUCH

EINE GROSSE LIEBESERKLÄRUNG

AN DEN FUSSBALL

Fußball war immer schon mehr als nur Fußball. Deshalb macht sich Lucas Vogelsang auf den Weg, an die Ränder des Spiels, zu den Helden von einst, trifft Paul Gascoigne und Vinnie Jones in England, Mehmet Scholl in München und Rehhagels rechte Hand in Thessaloniki. Er tanzt mit Beckenbauer und Pelé im Studio 54, wirft sich mit Tim Wiese in den Ring und geht mit Häßler, Legat und Hartwig in den Dschungel. So sind seine NACHSPIELZEITEN eine Reise durch die Bilder und Biografien. Aber vor allem eine große Liebeserklärung an den Fußball und die Menschen, die ihn prägen. Wie konnte Otto Rehhagel 2004 Europameister werden, Paul Gascoigne in einer einzigen Nacht ein ganzes Land verändern und Franz Beckenbauer Ende der Siebzigerjahre New York erobern? Lucas Vogelsang schaut noch einmal genau hin und erzählt in seinem neuen Buch von den langen Augenblicken nach dem Abpfiff, dem schnellen Leben nach der Karriere, den kleinen und großen Dramen des Spiels. So nimmt er uns mit, auf eine Ehrenrunde durch die Momente und Zitate, hinein in die Erinnerungen und den Jubel. Und liefert damit, ganz nebenbei, auch die nächste Ladung Legenden.

SACHBUCH

FIT IM KOPF

EIN LEBEN LANG

Wie wir das Zusammenspiel der Milliarden Nervenzellen unterstützen, Gehirnzellen stärken und Alterungsprozesse ausgleichen können. Jeder Herzschlag, jeder Gedanke, jedes Gefühl wird von unseren Nerven bestimmt. Ständig kommunizieren sie miteinander. Doch wie altern Nerven? Wie altert das Gehirn? Und was können wir tun, um unseren Geist und die Seele – und damit auch unseren Körper – jung und gesund zu erhalten? Marianne Koch erklärt, was gegen Alzheimer und andere Demenzen schützt, warum es für unsere kognitive Reserve so wichtig ist, lebenslang zu lernen und Erfahrungen zu sammeln, warum wir auf guten Schlaf achten sollten, wie wir Schmerzen begegnen können, was wir gegen Alterseinsamkeit und das Gefühl, überflüssig zu sein, tun können. Sie ermuntert uns dazu, den Jahren mit Mut und Zuversicht zu begegnen und streut Erfahrungen aus ihrem eigenen Erleben ein.

Sacha Bachim: Faktencheck Psyche

dtv, 304 Seiten, 18 Euro

ISBN: 978-3-423-26390-0

SACHBUCH LASSEN SIE SICH NICHT VERRÜCKT MACHEN!

„Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“, „Früher war alles besser“ oder „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Solche Sprüche kennen wir alle. Doch was davon trifft zu, was ist Quatsch? Selbst wenn Sie glauben, gegen solche Mythen immun zu sein, werden Sie ihnen schon einmal aufgesessen sein – denn sie durchdringen unsere Erziehung und prägen uns viel stärker, als wir glauben. In „Faktencheck Psyche“ räumt Sacha Bachim mit den gängigsten Mythen der Psychologie auf.

Mit Humor und Feingefühl beleuchtet er jenes psychologische Halbwissen und zeigt uns einfache Übungen für den Alltag, mit deren Hilfe wir uns entspannt durch den Mythen-Dschungel bewegen und endlich gelassen leben können.

Emma Hamberg: Bonjour Agneta dtv, 416 Seiten, 17 Euro
ISBN: 978-3-423-26386-3

Leseprobe für Kids

DIE WASSERSCHWEINE SIND LOS!

Die drei kleinen Wasserschweine Emmy, Tristan und Raul sind gute Freunde und leben zusammen mit ihrer Herde auf einer Wiese im Zoo.

Die drei Freunde fragen sich, ob es außerhalb ihres Geheges mehr gibt, als sie zu sehen im Stande sind und was wohl hinter dem Zaun liegen könnte. Mit Mut, Geschick und etwas Glück gelingt es ihnen, die Absperrung zu überwinden und so das „Mehr“ und die Welt um sie herum zu erkunden. Auf ihren nächtlichen Ausflügen lernen sie die benachbarten Tiere kennen und erleben spannende und lustige Abenteuer.

Will ich haben! Link zum Shop

Matthäus Bär (Text), Anika Voigt (Illustration): Drei Wasserschweine brennen durch dtv, Hardcover, 144 Seiten, € 15,00, ISBN: 978-3-423-76487-2

Lesealter ab 6 Jahre

Matthäus Bär

Drei Wasserschweine brennen durch

Mit Illustrationen von Anika Voigt

Kapitel 1 Die Wasserschweine und das Mehr

»Das kann doch nicht alles sein«, schnaubte Raul. »Es muss einfach mehr geben.«

Zornig stampfte er auf den hart getrampelten Boden.

»Im Schlamm liegen, aufs Futter warten, fressen, ausruhen, baden, in den Tümpel furzen, schlafen, übrig gebliebenes Futter suchen, ein wenig faulenzen, noch einmal fressen und wieder schlafen. Das kann es doch nicht gewesen sein.«

Die anderen Wasserschweine sahen ihn verständnislos an.

Emmy schwamm eine kleine Kurve und ließ verlegen ein paar Luftblasen aus dem Wasser aufsteigen.

»Jeden Tag dasselbe! Aufs Fressen warten und schlafen! Habt ihr euch noch nie gefragt, ob es nicht vielleicht mehr als das gibt?«, fauchte Raul und platschte neben Emmy in den Tümpel.

»Ab und zu ärgern wir ja auch die Emus«, sagte Tristan leise, aber Raul hörte ihm gar nicht zu.

Er blickte zum anderen Ende des Geheges, zu den Ameisenbären, zum Zaun, zu den Menschen dahinter und noch weiter. Manchmal schien Raul überhaupt ganz woanders zu sein mit seinen Gedanken. Den übrigen Wasserschweinen fiel es schon

schwer, sich überhaupt vorzustellen, was nach der zweiten Fütterung passieren oder wie sich das Tümpelwasser am nächsten Morgen anfühlen würde. Sie verstanden nicht, wie Raul an Dinge denken konnte, die keines von ihnen je gesehen oder erlebt hatte. Dafür bewunderten sie Raul, aber ein bisschen unheimlich war er ihnen deshalb auch.

Wasserschweine wundern sich nicht gern. Unbekanntes und Überraschungen machen ihnen kalte Füße. Nicht umsonst heißt das wichtigste Wasserschweinsprichwort: »Schlaf heilt alle Wunder!« Also stiegen sie aus dem Wasser, beäugten Raul verwirrt und ruhten sich ein wenig unter dem Großen Baum aus.

Nach dem ersten Nachmittagsschläfchen streunten die Wasserschweine auf der Suche nach Essbarem umher. Nur Raul stand abseits und starrte auf die Absperrung, die ihr Gehege umschloss. Da stupste ihn jemand an.

»Glaubst du wirklich, dass dahinter noch etwas ist?«, fragte Emmy und rollte ihm einen angeknabberten Apfel zu. Krachend biss Raul hinein.

»Natürlich! Woher denkst du, kommen die denn? Die können doch nicht aus dem Nichts auftauchen.«

Emmy folgte Rauls Blick und bemerkte die Zweibeiner hinter dem Zaun, die ebenfalls zu ihnen herübersahen und mit ihren fleischigen Fingern auf sie zeigten.

»Darüber hab ich noch nicht nachgedacht.« Schnell drehte sie sich um. Der Gedanke an die Menschen und an das, was hinter der Absperrung sein konnte, fühlte sich ungemütlich an.

Im Tümpel vor ihnen blubberte es und Tristan tauchte aus dem trüben Wasser auf. Ein Seegrashalm hing ihm aus dem Maul.

»Und du meinst«, prustete er, »dass es hinter dem Zaun mehr gibt? Mehr von was eigentlich?«

Alle drei wandten sich wieder den Menschen zu. Ehe Raul antworten konnte,

sahen sie einem rotwangigen Zweibeiner dabei zu, wie er in den großen Beutel griff, den er an zwei Riemen auf seinem Rücken trug. Er holte ein kleines, in Papier eingewickeltes Päckchen daraus hervor. Papier, das wussten die Wasserschweine, war eine tolle Sache. Einmal hatte der Wärter einen Zettel auf der Wiese verloren, mit dem hatten sie sich einen ganzen Nachmittag prächtig amüsiert.

Dass man in Papier auch Dinge verstecken konnte, war ihnen jedoch neu. Der Mensch hinter dem Zaun faltete die Verpackung auseinander und zog einen handlichen Brocken hervor, an dem er sofort und sichtlich erfreut zu knabbern begann. Das Papier allerdings zerknüllte er und warf es lässig über die Absperrung. Sanft landete die Kugel im Tümpel und trieb, kleine Wellenkreise schlagend, in Richtung der drei Freunde, die die Szene gespannt beobachtet hatten. Mit ein, zwei Schwimmzügen war Tristan schon bei der Papierkugel angelangt, fasste sie mit den Zähnen und brachte die Beute sicher ans Ufer.

»Mmh, wie das riecht!«, sagte er und schnüffelte gierig. »So ähnlich wie die alten Brotstücke, die wir an besonderen Tagen bekommen. Nur irgendwie noch aufregender. Ich glaub, das ist gar nichts zum Spielen. Papier kann man anscheinend auch essen!«

Auch Emmy sog begeistert den Duft ein. Doch sie musste Tristan enttäuschen: »Das ist nur die Schale. Offenbar ungenießbar. Der Mensch hätte doch nicht sein Futter weggeworfen! Schade, riecht wirklich gut, viel spannender als das, was wir sonst immer bekommen.«

Traurig betrachtete Tristan die zerknitterte Brottüte. Raul allerdings strahlte ihn an. »Seht ihr?!«, jubelte er. »Diese komische Schale ist der Beweis. Hinter dem Zaun gibt es anderes Fressen als hier auf unserer Wiese. Und das bedeutet  …« Er kniff verschwörerisch die Augen zusammen. »… hinter dem Zaun gibt es ein Mehr.«

Emmy legte die Ohren an. »Hinter dem Zaun, dort wo die Menschen sind?«

Tristan aber sah Raul begeistert an. »Ein Mehr? Vielleicht auch mehr … Futter?«

»Ja, wahrscheinlich. Und wer weiß, was dort sonst noch so alles auf uns wartet. Das müsste alles erst erforscht werden«, murmelte Raul. Schlagartig verfinsterte sich seine Miene jedoch. »Dazu muss man aber hinter die Absperrung kommen. Und ich hab keine Ahnung, wie das gehen soll.«

Erleichtert schnappte Emmy nach einem Gänseblümchen.

»Ich auch nicht, Raul, leider.«

Tristan räusperte sich und roch noch einmal genüsslich an der Papierkugel. »Ich glaube fast, ich hätte da eine Idee«, sagte er.

»Also, vielleicht.«

Nach der Abendfütterung, kurz vor Sonnenuntergang, suchten sich die Wasserschweine gemütliche Kuhlen für die Nachtruhe und kuschelten sich unter dem Großen Baum aneinander. Nur drei Tiere standen mit aufgestellten Ohren am Wiesenrand. Verstohlen schielten sie zur Eingangstür.

Der Wärter, der heute das Futter gebracht und soeben die letz-

ten Karotten und Orangenstücke verteilt hatte, wollte gerade das Gehege wieder verlassen. Als er an Raul, Emmy und Tristan vorüber war, hefteten die sich an seine Fersen und trappelten ihm, so schnell ihre kurzen Beine sie tragen konnten, hinterher.

Heimlich und unbemerkt wollten sie mit dem Wärter durch die Tür schlüpfen. Und zu ihrem eigenen Erstaunen schien der Plan aufzugehen. Sie kamen ihrem Ziel näher und näher.

Knapp vor der Tür bemerkte der Wärter aber trotzdem etwas, stutzte und drehte sich urplötzlich um. Ruckartig blieben die Wasserschweine ebenfalls stehen, senkten die Köpfe und taten so, als fräßen sie ein wenig Gras, gerade hier an dieser Stelle. Einen Augenblick lang wunderte sich der Wärter über die drei, die da direkt hinter ihm standen. Das kam ihm nun doch verdächtig vor. Er betrachtete sie eine Weile, zuckte aber schließlich mit den Schultern und marschierte weiter in Richtung Ausgang. Raul, Emmy und Tristan nahmen die Verfolgung sofort wieder auf und versuchten, mit ihm Schritt zu halten. Der Wärter hatte die Tür erreicht und legte schon seine Hand an die Klinke, da drehte er sich noch einmal um. Wieder senkten die drei die Köpfe und knabberten besonders eifrig an ein paar Halmen. Der Wärter war nun allerdings misstrauisch geworden. Ohne die Wasserschweine aus den Augen zu lassen, öffnete er die Tür, trat hindurch, und schloss sie langsam wieder.

Raul sah, dass ihre einzige Chance, das Gehege zu verlassen, Zentimeter für Zentimeter kleiner wurde. Wild entschlossen sprengte er los und galoppierte auf den sich schließenden Spalt zu. Der Wärter stieß einen Schreckensschrei aus und beeilte sich,

die Tür zu schließen. Raul hob ab und sprang mit einem gewaltigen Satz auf ihn zu. Donk. Sein Kopf knallte gegen einen harten Widerstand. Der Wärter war schneller gewesen. Die Tür war zu.

»Beim allmächtigen Capybara, wir haben es vermasselt.«

Raul rannte gleich noch ein zweites Mal mit einem lauten Bumms gegen die Tür, aber es tat sich nichts. Emmy legte sich ins Gras. Tristan starrte auf die geschlossene Tür.

»Das war’s«, sagte Raul enttäuscht. »Schlafen und fressen. Und ab und zu im Tümpel baden. Mehr gibt es für Wasserschweine nicht zu erwarten.«

Völlig niedergeschlagen machte er sich auf den Weg zurück zum Großen Baum. Emmy trottete ihm mit hängendem Kopf hinterher. Die beiden waren schon ein Stück gegangen, als sie plötzlich Tristan hinter sich hörten: »Er hat nicht zugesperrt. Vor lauter Schreck hat der Wärter vergessen zuzusperren.«

Neugierig schauten die drei sich um. Tristan war gerade groß genug gewesen, um die Türklinke mit der Schnauzenspitze hinunterzudrücken.

Nun standen sie in einem kleinen, fensterlosen Raum. An den Wänden hing allerhand Werkzeug: Rechen, Harken und Mistschaufeln. In einer Ecke stapelten sich mehrere Paar grüner Gummistiefel – genau von der betörend duftenden Sorte, die die Wärter immer trugen. Auf der linken Seite lag ein zusammengerollter Gartenschlauch auf einem großen, hohen Tisch. Gegenüber, rechts vom Eingang, standen enorme henkellose Bottiche.

Und die waren bis obenhin gefüllt mit Karotten, Äpfeln, Orangen und Gurken.

»Wahnsinn, hier wächst also unser Futter.« Tristan war völlig außer sich.

Raul sah ihn streng an. »Hhmm, ich glaub nicht, dass unser Futter hier wächst. Hier drinnen gibt es nicht einen klitzekleinen

Flecken Erde, und sogar das langweilige Gras auf unserer Wiese braucht Erde, um zu wachsen.«

Doch Tristan hatte schon den Kopf tief über einen der Bottiche gebeugt und ließ es sich lautstark schmecken. Emmy tat es ihm gleich.

»Na ja, wenn wir schon mal da sind«, seufzte Raul und biss ebenfalls in eine Gurke.

Nachdem sie sich satt gefressen hatten, sprang Emmy begeistert zwischen den Tischbeinen herum. »Das ist sooo aufregend, Raul! Ist dir eigentlich bewusst, dass wir die allerersten Wasserschweine sind, die jemals hier waren?«

»Jetzt wissen wir sogar, wo unser Futter herkommt«, jubelte Tristan und kostete auch gleich ein wenig von den Gummistiefeln.

»Natürlich ist mir das bewusst. Noch nie zuvor hat ein Wasserschwein diesen Boden betreten.« Erhobenen Hauptes stolzierte Raul durch den kleinen Raum. »Wir drei, wir sind die ersten unserer Art, die diese Wände sehen. Hab ich euch nicht gesagt, dass es mehr gibt als unser Gehege?« Er wies auf die zweite Tür in dem Raum. »Und könnt ihr euch vorstellen, was hinter dieser liegt?«

Tristan und Emmy blickten ihm treuherzig entgegen. »Nein, das können wir nicht, Raul«, sagte Emmy.

Tristan sagte nichts, er hatte das Maul voller Karotten. Emmy bekam ein flaues Gefühl im Magen.

»Was ist, wenn dahinter gar nichts ist? Einfach nichts?«, sorgte

sie sich. »Vielleicht ist dahinter ein tiefes, schwarzes Loch und du fällst hinein und kommst nie mehr raus?«

Raul holte tief Luft und es war, als wäre er gerade ein Stückchen größer geworden.

»Für uns ist es nur ein kleiner Schritt. Aber wie wird es das Leben der anderen Wasserschweine verändern, wenn wir endlich wissen, was es rund um unsere Wiese alles gibt? Stellt euch vor, wie es sich anfühlen wird, zu wissen, wie viel Mehr es gibt.«

Rauls ruhige Stimme füllte den Raum. Sogar Tristan hörte kurz auf zu kauen. Allen war klar, was sie als Nächstes tun würden.

Mit einer wackeligen Schweineräuberleiter schafften sie es, auch die nächste Tür zu öffnen. Raul stieg als Erster über die Schwelle und trat auf einen kleinen Vorplatz hinaus. In der Dunkelheit waren die Umrisse einzelner Sitzbänke zu sehen. Vorsichtig tapsten die drei Wasserschweine vorwärts. Seltsame Düfte stiegen in ihre Nasen. Es roch nach Tier, nach großen, gefährlichen Tieren, und nach altem Essen, nach Apfelresten und Bananenschalen und süßem Zeug. Am anderen Ende des Platzes wuchs ein kleines Häuschen aus den Schatten, offenbar eine Futterstelle der Menschen. Der herrliche Geruch, der davon ausging, erinnerte verdächtig an die Papierkugel, die Tristan aus dem Wasser gefischt hatte.

Tapfer schritt Raul voran. Emmy und Tristan folgten dicht aneinandergedrängt. Da öffnete sich die Wolkendecke und helles, klares Mondlicht drängte die Finsternis an die Ränder des

kleinen Platzes zurück. Raul trat mitten auf den vom Mond nun hell erleuchteten Platz und reckte die Schnauze in den Nachthimmel, mutig und zuversichtlich. Emmy und Tristan hielten den Atem an.

In diesem Moment schien es nichts anderes zu geben als Raul und das Mondlicht. Alle Gefahren und Unsicherheiten, die da draußen lauern konnten, verblassten.

Langsam drehte sich Raul um und ging zu Emmy und Tristan zurück.

»Raul, das war … das war so … unglaublich schön«, flüsterte Emmy.

»Einfach saucool«, bestätigte auch Tristan.

Raul nickte und schloss die Augen.

Die drei standen noch eine Weile auf dem Vorplatz

und sogen die fremden Gerüche auf. Sie konnten nicht genau erklären, warum, aber sie wussten, dass sich etwas verändert hatte. Morgen würde anders sein, das spürten sie in ihren Barthaaren.

Sie warfen noch einen letzten Blick auf den Platz und auf die unbekannten Möglichkeiten, die vor ihnen lagen. Dann staksten sie müde, aber mit leichten Füßen, zu ihrem Gehege zurück. Die anderen Wasserschweine schliefen bereits tief und fest unter dem Großen Baum. Zufrieden schmiegten sich Raul, Emmy und Tristan an den Stamm. Und während sie schon beinah träumten, stellten sie sich vor, was sie am nächsten Tag alles erleben könnten. Da draußen im großen, unendlich weiten Mehr.

ES IST NIE ZU SPÄT FÜR DIE LIEBE.

ABER MANCHMAL ZU FRÜH

Sommer 1988. Friederika hat große Füße und nennt sich Frie. Robert, neu an der Schule und schüchtern, verliebt sich sofort, aber zeigt es nicht. Vielleicht flirtet sie nur zum Spaß mit ihm?

Winter 2002. Frie ist Mutter einer kleinen Tochter, Robert ist Musiker. Nach Jahren der Funkstille und einer zufälligen Begegnung bestätigt sich: Wann immer die beiden aufeinandertreffen, wird es kompliziert. Sommer 2022. Frie, inzwischen fünfzig und seit dem Ende ihrer letzten Beziehung wieder Single, fährt zum Abitreffen. Mit dabei: all die Erinnerungen an Robert, den sie seit einer halben Ewigkeit nicht gesehen hat. Was wird diesmal zwischen ihnen passieren?

Ein mitreißend und liebevoll erzählter Roman übers Jungsein und Erwachsenwerden in den Neunzigern, über gelebte Träume und verpasste Gelegenheiten – und über eine neue Chance im Hier und Jetzt.

Will ich haben!

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Julia Karnick: Man sieht sich dtv, Hardcover, 480 Seiten, 23,00 €, ISBN: 978-3-423-28391-5

Leseprobe für Eltern

PROLOG

MAI 2022

Eine Frau macht sich fertig

Das Wasser ist so heiß, dass es fast wehtut.

Frie mag es, wie die Hitze sie erst beißt und sich dann, nach dem ersten Schock, in ein Liebkosen verwandelt. Aber die Zeiten, in denen man so lange so heiß duschen konnte, wie man wollte, ohne sich deshalb schlecht zu fühlen, sind vorbei, außerdem sind heiße Duschen nicht gut für die Haut.

Sie dreht das Wasser aus.

Nee, denkt Frie, nicht schon wieder.

Das ist ihr schon gestern und vorvorgestern passiert, dass sie unter der Dusche stand und nicht wusste, was das Shampoo und was die Spülung war. Die zwei Flaschen sind nicht zu unterscheiden – außer durch die Beschriftung, die zu klein ist für Fries Augen. Nackt und nass huscht sie über die Flurdielen ins Schlafzimmer, wo sie die Brille abgelegt hat.

Nach den Haaren wäscht Frie sich das Gesicht und unter den Armen und jenen Teil ihres Körpers, der in ihrer Kindheit unten hieß: Friederika, wasch dich bitte gründlich, auch unten nicht vergessen! Als Emma klein war, hieß er Mumu. Inzwischen studiert Emma im fünften Semester Physik und sagt Vulva dazu, so wie sie ihren Mund Mund nennt und ihren Rücken Rücken, Frie gewöhnt sich nur langsam daran.

Eigentlich müsste sie sich rasieren, unter den Armen und unten und die Beine. Aber sie ist eh schon spät dran. Sie

muss spätestens um Viertel nach aus dem Haus, und heute Abend ist sowieso niemand da, dem sie ihre Beine oder Achseln zeigen möchte.

Und unten schon mal gar nicht.

Frie trocknet sich ab, kämmt sich, putzt die Zähne, schlüpft in den Slip und trägt Deo auf. Eines der Häkchen am BH ist verbogen. Während sie es in die Öse fummelt, guckt sie in den Spiegel über dem Waschbecken. Sie mag ihre grünen Augen und dass ihre Schlüsselbeine sich so deutlich abzeichnen. In der Mitte zwischen den Schlüsselbeinen hat sie eine ausgeprägte Vertiefung, auf die sie stolz ist seit jenem Frühsommerabend vor hunderttausend Jahren, in der Robert plötzlich den Arm nach ihr ausgestreckt und sie berührt hat, nachdem sie in Pottloch baden waren.

Frie erinnert sich so gestochen scharf daran, wie man sich nur an die bedeutsamsten Erlebnisse erinnert, zum Beispiel daran, wie es war, ganz jung zu sein, weil da fast alles bedeutsam war. »Du hast ein schönes Jugulum«, hatte Robert gesagt und seine ostseekalte Zeigefingerspitze in die Kuhle unter ihrem Hals gelegt, zart, nur einen Augenblick lang, und Frie hatte gelacht, weil er plötzlich so ernst aussah, fast traurig. Am nächsten Tag war sie zu Hause ans Bücherregal im Wohnzimmer gegangen, in dem das Lexikon stand. Sie hatte erst den richtigen Band und dann darin das Wort gesucht und gefunden: Jụgulum [lat.] das, Drosselgrube, Kehlgrube, Grube oberhalb des Brustbeins zw. den Schlüsselbeinen. Gut, dass Robert nicht kommt, denkt Frie.

Sie knöpft das weiße Hemd mit den breiten Manschetten zu und überlegt, wie lange es her ist, dass sie ihn zuletzt gesehen hat. Fast zwanzig Jahre.

Emma hat geschrieben: Viel Spaß!

Frie markiert die Nachricht ihrer Tochter mit einem Herzen und antwortet: Danke, werde berichten. Küsschen,

Mama. Sie bezweifelt, dass sie viel Spaß haben wird auf ihrem dreißigjährigen Abitreffen. Sie hat noch nie verstanden, warum man wild darauf sein soll, lauter Menschen wiederzusehen, die man vor langer Zeit aus den Augen verloren hat – aus guten Gründen, sonst hätte man ja noch Kontakt. Der Sinn eines solchen Treffens kann nur darin bestehen, dass man sich gegenseitig versichert, man sei zufrieden, selbst wenn man in Wahrheit froh ist über jeden, dessen Leben noch mittelmäßiger verlaufen ist als das eigene.

Frie hat sich nur angemeldet, weil Anneke sie dazu bequatscht hat. Aber nun hat Anneke abgesagt, im letzten Augenblick.

Frie versucht, sich vorzustellen, mit wem sie wohl stattdessen rumstehen, Bier trinken und an früher denken wird. Vielleicht mit Andi Stubbe, Mareike Kupsky und den anderen und mit Christoph, dessen Nachname ihr gestern Abend wieder eingefallen ist, aber erst, als sie aufgehört hat, sich unbedingt an ihn erinnern zu wollen. Wenn Frie an die Leute aus ihrer Schulzeit denkt oder von ihnen erzählt, dann immer mit Vor- und Nachnamen. Robert ist der Einzige, an den sie nur mit seinem Vornamen denkt, geht ihr auf, als sie sich die Wimpern tuscht.

Er ist auch der Einzige, nach dem sie sich bei Sebastian Bruns erkundigt hat.

Danke für die Orga, viele Grüße und bis dann, Friederika, hat sie geschrieben. P. S. Hast du zufällig etwas von Robert gehört? Sebastian antwortete zwei Tage später: Robert Haase? Ja, er hat sich für die Einladung bedankt, kann aber leider nicht kommen.

Frie entscheidet sich für den rostroten Lippenstift und sucht in der ganzen Wohnung nach dem Schlüsselbund. Sie findet ihn in der Tasche des Blousons, den sie längst übergezogen hat.

Sie schließt oben ab und unten das Fahrradschloss auf. Bis gerade eben war der Himmel bedeckt, nun ist er wolkenlos. Aus einem fahlen Tag ist ein leuchtender Frühlingsabend geworden, als hätte er im allerletzten Augenblick entschieden, sich doch zu etwas Frohsinn aufzuraffen.

So ähnlich wie ich, denkt Frie.

Sie fährt an der Diako vorbei, in der sie zur Welt gekommen ist, und biegt ein in die Toosbüystraße. Linker Hand grüßen die Zartrosa und Schneeweiß tragenden Bäume und Sträucher, zwischen denen hindurch ein Weg zu der Parkbank führt, auf der sie mit Oliver Grothe geknutscht hat, was nicht mal halb so romantisch war, wie sie es sich ausgemalt hatte. Der Fahrtwind streichelt Fries Gesicht, die abendliche Maisonne taucht die Stadt in ein zuversichtliches Strahlen. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als gute Laune zu bekommen. Als das Rad immer schneller wird, bremst sie ab. Früher hat sie sich auf den steilen Straßen der Westlichen Höhe ungebremst bergabwärts rollen lassen, oft mit Anneke hinter sich, weit abgeschlagen. Anneke, die sich nicht mal als Kind getraut hat, bergabwärts zu rasen, und die später eine der Ersten war, die sich einen Fahrradhelm kaufte. Nur Robert war genauso furchtlos wie Frie: »Wer als Erstes unten ist!«

Einmal ist er morgens um vier auf die Schiffbrücke gerast, ohne nach rechts und links zu schauen, er wäre fast überfahren worden. Frie wird heute noch flau, wenn sie daran denkt.

Sie denkt fast jedes Mal daran, wenn sie hier entlangfährt.

Vielleicht ist es doch ein bisschen schade, dass Robert nicht kommt, denkt Frie.

Vielleicht ist es auch beides, schade und gut so.

So ist es ja eigentlich immer gewesen zwischen ihnen, schade, aber eigentlich gut so.

Eigentlich gut so. Aber auch schade.

Sie umrundet die Hafenspitze und fährt am Ostufer zwischen Lagerhallen und Kränen geradeaus, bis am Ende des Kais ihr Ziel auftaucht, ein vor einigen Jahren auf Brachland errichtetes Ausflugslokal. Frie ist noch nie dort gewesen, dabei hat sie auf dem Rad keine fünfzehn Minuten gebraucht. Vor dem Lokal sitzen und stehen schon viele Leute mit Gläsern oder Tellern in der Hand. Frie ist noch zu weit weg, um jemanden erkennen zu können, aber nah genug dran, um zu hören, dass die Stimmung gut ist und die Musik schlecht.

Irgendein schlimmer Achtzigerjahre-Hit.

Die Sackgasse weitet sich am Ende zu einem Wendehammer, an dessen Rand Brombeeren so dicht und hoch wuchern, dass man sich dahinter verstecken könnte. Vor den Brombeeren steht ein perlweißes Rad, auf dem Rahmen der Schriftzug eines sehr guten Hotels. Links liegt das Hafenbecken. Auf den Steinen, die hier an der Kaispitze die Böschung befestigen, sitzt jemand und schaut aufs Wasser.

Ein Hinterkopf aus gewellten braunen Haaren, noch dicht, aber schon ziemlich grau. Ein Mann.

Würde er rauchen, wäre Frie sicher, dass er es ist.

Sie schiebt das Rad in seine Richtung, da dreht er sich um.

»Hey«, sagt Robert. »Wollen wir nicht lieber woandershin?«

DAMALS · AUGUST 1988

mal. Als er im zweiten Stock ankam, zweigte ein Flur nach links ab, aber keiner nach rechts. Geradeaus ging es noch ein paar Meter weiter, allerdings nur zu den Toiletten und zu einem Putzraum. Robert ging links an Klassenräumen vorbei, die noch verschlossen waren. Auf dem Flur lärmten Schülerinnen und Schüler, die aussahen wie zwölf oder dreizehn und sich benahmen wie kleine Kinder. Sie tobten und schrien, warfen Jacken, zeigten mit dem Finger aufeinander und streckten die Zunge raus. Robert suchte Raum 1.2.8, fand aber nur einen Raum 2.2.8. Er ging zurück. Erst ins erste Stockwerk, wo die Raumnummerierung mit 2.1.1 begann, dann wieder ganz runter ins Erdgeschoss. Dort blieb er stehen in der Mitte eines Stromes aus Kindern, Jugendlichen und wenigen Erwachsenen, der in alle möglichen vom Eingang wegführenden Richtungen floss. Seine unsichtbare Hülle hatte jetzt die Konsistenz einer Eierschale. Er versuchte, sich umzuschauen, ohne auszusehen wie einer, der zu blöd war zu verstehen, wo er hinmusste.

»Weißt du nicht, wo du hinmusst?« Das Mädchen war ungefähr so alt wie er.

»Nicht so ganz«, sagte Robert. »Zu Herrn Rasmussen, 11b, Raum – warte –«

Das Mädchen zog ihn am Ärmel mit sich. »Ich weiß schon. Du bist einer von den Lateinfreaks? Komm, ich bin im selben Flur, wir müssen die Treppe da hinten nehmen. Bist du eben da hoch?«

»Ja.«

»Da geht’s in den Neubau. Die Oberstufe ist im Hauptgebäude, hier entlang.«

Unter der hohen, schmalen Taille ihrer Jeans sah der Po des Mädchens aus wie ein sehr rundliches, auf den Kopf gestelltes Herz, das im Takt der Stufen sanft hin und her pendelte. Die blonden Haare reichten bis zur Mitte ihres

Rückens. Die Füße waren auffällig breit und groß, mindestens Größe vierzig, vielleicht sogar größer. Das Mädchen ging ein bisschen zu sehr nach außen, wie eine Ballerina, aber schlurfte dabei ganz leicht – in dunkelgrauen Espadrilles, die mit unterschiedlichen Garnen geflickt und auf die Blumen aus Perlen und das Friedenszeichen gestickt worden waren. Ihr Gang erinnerte ihn an den einer Ente.

Raum 1.2.8 lag ganz am Ende des Flurs, dort herrschte eine erwachsenere Sorte Lärm als im Neubau. Tiefere Stimmen, weniger schrilles Gelächter, mehr Unterhaltungen und nur im Vorbeigehen hörbare dünne Musikreste, die aus Sony-Kopfhörern rieselten. Sie schlängelten sich durch Trauben von Schülerinnen und Schülern. Das Entenmädchen winkte immer wieder, manchmal rief sie »Hi!« oder »Moin!«. Sie durchquerten eine Cool-Water-Duftwolke, die von dem Geruch nach scharfen Putzmitteln und altem Rauch verdrängt wurde, der aus einer halb geöffneten Toilettentür kam. Im Toilettenraum sah Robert ein älteres Mädchen vor einem angeschlagenen Spiegel stehen, das sich mit großer Konzentration Lipgloss auftupfte, schon fast eine Frau.

Vor dem vorletzten Klassenraum machte das Entenmädchen halt.

»Hier.«

»Danke«, sagte Robert.

Die Tür zum Klassenraum stand offen. Im Raum saßen vor zum Lüften weit geöffneten Fenstern seine zukünftigen Klassenkameraden, darunter nur wenige zukünftige Kameradinnen. Ein überraschend junger Mann in einem Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln beugte sich über das Lehrerpult und suchte etwas zwischen losen DIN -A4-Blättern, die in einer behördengrünen Pappmappe lagen. Das Entenmädchen lächelte mitleidig.

»Neu sein ist beschissen. Aber deine Klasse ist ganz okay. Viel Glück.«

»Danke, wird schon.« Er nickte Richtung Tür. »Man sieht sich.«

Das Entenmädchen hob den Daumen und lachte, als hätte er etwas Witziges gesagt. Dann hastete sie, sprang geradezu in den nächsten, den letzten Klassenraum ganz am Ende des Flures. Robert sah ihr nach. Selbst wenn er sie immer nur von Weitem wiedersähe, bliebe sie die Erste an seiner neuen Schule, die an der Eierschale gekratzt hatte. Es war also möglich, auch hier.

»Und deine neuen Mitschüler, wie sind die so?«

»Ganz in Ordnung.«

»Wie schön.« Mama tat, als ob ganz in Ordnung dasselbe wäre wie super. »Da ist noch ein bisschen Teig. Willst du noch einen?«

Sie trug diesen scheußlichen Hausanzug aus violettem Samt, den sie anzog, wenn sie nicht im Bademantel herumlaufen wollte, aber zu müde war, sich was Richtiges anzuziehen, und darüber die uralte geblümte Schürze, an der sie so hing, weil Oma sie ihr geschenkt hatte.

»Ja, bitte«, sagte Robert, obwohl er eigentlich satt war und sie eine Fertigmischung benutzt hatte, weshalb die Pfannkuchen nicht halb so gut schmeckten, wie wenn sie den Teig aus frischen Zutaten anrührte. Aber Mama hatte den Hausanzug angezogen und ein Mittagessen vorbereitet für ihn, also würde er alles aufessen, was sie ihm anbot. Beim Aufstehen stützte sie sich seufzend auf dem Küchentisch ab. Er fragte nicht, wie es ihr heute ging, sie würde sowieso nicht die Wahrheit sagen. Ein paar Minuten später saß sie wieder auf ihrem Küchenstuhl vor der Heizung und sah ihm, die knorrigen Hände im Schoß, dabei zu, wie er

DAMALS

NOVEMBER 1989

Aber Friederika hatte nichts zu sagen. Und in nicht mal einem Monat würde auch er ihr nichts mehr zu sagen haben.

Sie war noch nicht oft zu Robert gefahren, und wenn, dann nur, um ihn abzuholen. Er wollte sich immer woanders verabreden, in Kneipen, draußen oder bei ihr zu Hause. Am Anfang hatte sie angeboten, sie könnte ja auch mal zu ihm kommen. Er hatte sie abgewimmelt. Seine Mutter sei immer da, das würde nerven.

»Aber meine doch auch«, hatte Frie geantwortet.

»Aber die ist anders«, hatte Robert gesagt.

Diesen Sommer waren sie oft nach Solitüde gefahren. Meistens hatte er mit seinem Rad schon vorn an der Bismarckstraße gestanden, wenn sie kam. Zwei-, dreimal war sie zu früh gewesen und hatte unten geklingelt. Aber weiter als bis ins Treppenhaus hatte sie es nie geschafft und nur ein einziges Mal bis vor seine Wohnungstür, wo Robert sie gebeten hatte zu warten, seine Mutter sei krank und nicht ordentlich angezogen. Da hatte sie verstanden. Nicht nur hinter ihrer Haustür gab es Sachen, die keiner sehen sollte.

Aber das hier ist ein Notfall, rechtfertigte sich Friederika vor sich selbst.

Bevor sie die Klingel drückte, musste sie kurz überlegen, welche die richtige war: Haase, nicht Hase. Lustiger Zufall, dass neben den Haases ausgerechnet ein Herr Hase wohnte. Friederika dachte daran, wie sie Robert nach seinem Nachnamen gefragt hatte.

»Hase wie Hasenfuß?«

»Nein, mit Doppel-a. Aber wie kommst du jetzt gerade auf Hasenfuß?«

Sie hatte nicht erklären können, warum sie nicht Hase wie Igel oder wie Hasenbraten gesagt hatte. Vielleicht weil

er ihr zuerst so scheu vorgekommen war. Er hatte es sich gemerkt. In den Herbstferien war er wie schon im Vorjahr mit Christoph auf Sylt gewesen und hatte ihr eine Karte geschrieben: Du hast gewonnen! Ich habe mich doch nicht mehr ins Wasser getraut. Bis Montag, dein Robert (Haasenfuß)

Friederika war froh, als der Türöffner summte.

Noch froher war sie, als sie Robert sah. Er stand mit ungekämmten Haaren und verschränkten Armen in der Wohnungstür und guckte verwirrt.

»Moin. Was machst du denn hier?«

Er sprach so gedämpft, dass sie es ihm automatisch nachtat.

»Moin. Ich wollte eigentlich anrufen von unterwegs, tut mir leid.« Sie hatte es so eilig gehabt, von zu Hause fortzukommen, dass sie nicht daran gedacht hatte, ihr Portemonnaie oder ein paar Münzen für die Telefonzelle einzustecken. »Mein Vater ist eben so richtig übel ausgeflippt, ich wollte nur noch weg.«

»Und da kommst du zu mir?« Jetzt sah er erfreut aus.

Friederika antwortete nicht, weil sie nicht wusste, was sie antworten sollte, ohne dass es klang, als wäre Robert nur ein Lückenfüller oder bekanntermaßen Experte für Scheißeltern.

Beides traf zu, jedenfalls ein bisschen.

Caro war auf einem Chorwochenende, Sandra bei ihrem Vater in Kappeln und Mareike immer so nervig stolz auf ihre nette Mams und ihren super Paps, also nicht die Richtige für dieses Thema. Zu Anneke hätte sie können, aber mit Anneke verabredete Friederika sich nur noch ganz selten und wenn, dann aus schlechtem Gewissen. Das Einzige, was sie noch regelmäßig machten zu zweit, war, zusammen zur Schule zu fahren oder zurück. Anneke rauchte nicht,

trank nichts, ging nicht gern auf Partys, erst recht kiffte sie nie, denn sie hatte Wir Kinder vom Bahnhof Zoo gelesen und war sicher, dass ihr erster Zug an einem Joint auch der erste Schritt auf dem Weg zum nächsten Babystrich wäre. Wahrscheinlich war sie schon immer langweilig gewesen, aber Friederika hatte das erst in der Oberstufe bemerkt.

»Komm rein, aber leise«, flüsterte Robert. Er tat, als hätte er nie etwas dagegen gehabt, von Friederika besucht zu werden, was schräg war, aber auch sehr gut. »Kann sein, dass Mama noch schläft.«

»Darf ich mal aufs Klo?«

Friederika ließ die Schuhe vor der Wohnungstür stehen. Sie versuchte, möglichst leise zu spülen, aber es rauschte alles Wasser auf einmal mit einem Riesenradau aus dem Toilettenkasten, der aus derselben weit entfernten Vergangenheit stammte wie die babyrosa Fliesen. Hier war alles so klein und viel weniger hübsch als bei ihr zu Hause. Zum Glück tauchte Frau Haase nicht auf, als sie vom Klo über den engen Flur huschte.

Robert war nicht in seinem Zimmer.

Friederika schaute sich um. Das Zimmer war höchstens halb so groß wie ihres. Links vor einer schwarz gestrichenen Wand stand sein Bett, über dem Bett hing ein R. E. M.Poster. Vor dem Fenster ein winziger, unordentlicher Schreibtisch, die Tischplatte tapeziert mit massenhaft alten Werbeaufklebern. Sie hatte in der Fünften und Sechsten auch Aufkleber gesammelt, aber ihr Vater hatte es ihr verboten, sie irgendwohin zu kleben. Rechts an der Wand gab es ein fast volles Schallplattenregal mit einem TechnicsPlattenspieler. Über dem Plattenspieler hing ein Foto, das Robert mit einer Stecknadel an die Raufasertapete gepinnt hatte: Robert und sie, eine Großaufnahme ihrer Gesichter. Wange an Wange, beide gebräunt, mit nassen Haaren und

albern aufgerissenen Augen und Mündern. Aus Roberts Mund guckte das Ende eines Noggers, aus ihrem ein Twister. Andi hatte das Foto im Sommer gemacht, aber Monate gebraucht, um den Film zum Entwickeln zu bringen, und dann noch mal Wochen, um Abzüge nachmachen zu lassen. Ihrer lag in einer Schreibtischschublade.

Das Zimmer war ungelüftet, das Bett zerwühlt.

Vor dem Bett, auf dem hellbeigen Teppich, stand ein Bierglas, darin der dunkel schlammige Bodensatz eines ausgetrunkenen Kakaos, daneben ein Teller mit einem halb aufgegessenen Brot. Tütengraubrot. Friederika zog die Bettdecke notdürftig zurecht und setzte sich mit dem Teller aufs Bett. Das Brot schmeckte auf eine billige, fast anrüchige Weise köstlich.

»Hunger?« Robert trug ein Tablett mit Bechern, Stövchen und einer Teekanne, aus der drei Teebeutel-Etiketten hingen.

»Oh, entschuldige, ja. Ich habe noch gar nichts gefrühstückt.«

Robert stellte das Tablett auf dem Schreibtischstuhl ab.

»Du hast ja das Foto da aufgehängt.« Sie sprach aus, was ihr unausgesprochen irgendwie komisch im Magen lag.

»Ja, stimmt«, sagte Robert. »Soll ich dir noch eins machen?«

Friederika nickte. Sie schenkte sich ein und überlegte, wie viele Jungs sie kannte, die Tee machten und anderen Brote schmierten. Er kochte sogar manchmal, hatte er erzählt.

Zwar nur einfache Sachen, aber sie selbst konnte nur Mirácoli und Tiefkühlpizza und ihr Bruder nicht mal das.

Und Vater weiß bestimmt nicht mal, wie man Wasser zum Kochen bringt.

»Erzähl«, sagte Robert, als sie nebeneinander auf dem Bett saßen.

Er sagte, was ihre Freundinnen sagten, wenn sie wild darauf waren, das Neueste zu hören. Aber Robert war keine Freundin, und er wirkte nicht wie jemand, der auf irgendwas wild war, sondern wie ein Freund, der bereit war zuzuhören. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie hatte gedacht, sie würden sich erst mal warm reden, über andere, harmlose Sachen, und erst dann würde sie sich ein bisschen ausführlicher auskotzen über ihren Vater. Der Ernst, mit dem er sich ihrem Problem widmete, machte sie so verlegen, dass sie sich hinter einem Lachen verstecken musste.

»Ach, ich hab mich schon wieder einigermaßen abgeregt. Mein irrer Vater hat den Zucker durchs Esszimmer geworfen und fast seinen Opa getroffen. Ist ja auch ein bisschen lustig eigentlich.«

»Der lebt noch?«

»Nein!« Sie lachte, bis das Honigbrot auf ihren Beinen wackelte, erleichtert über das Missverständnis, das der Situation etwas von ihrer Schwere nahm. »Der hängt doch bei uns im Esszimmer. Das alte Bild mit dem Mann im Anzug.«

»Und wieso ist dein Vater so durchgedreht?«

»Weil ich neue Pumps gekriegt habe, für seinen Geburtstag, aber ich habe die total versaut gestern. Also so richtig.«

»Wo warst du denn?«, fragte Robert.

»Gestern? Im Kino.«

»Ach, ja, mit Oliver.« Wenn Robert den Namen aussprach, sah er immer ein bisschen so aus, als äße er etwas Versalzenes.

»Und auf dem Nachhauseweg sind wir über eine matschige Wiese gelaufen. Immerhin hat er mit dem Zuckertopf nicht meine Mutter getroffen, war aber ganz schön knapp.«

Das mit dem Lachen funktionierte nur noch so halb.

»Echt? Ich dachte, der brüllt nur rum?«

Roberts Erschrecken war wie ein Bühnenstrahler, in des-

sen gleißendem Licht ihr Kummer zum einzig Wichtigen im Raum wurde. Er war größer, als sie gedacht hatte.

»War ja auch das erste Mal.« Ihre Stimme begann zu zittern.

»Abgefahren. Und deine Mutter, was sagt die dazu?«

»Nichts.«

»Also, ich mag deine Mutter.«

Wenn Robert zu ihr kam, plauderte er immer mit Mutti und schwärmte hinterher von ihr. Das nervte auch sonst, aber heute besonders. Sie atmete und wartete, bis sie sich sicher war, das Zittern im Griff zu haben. Sie wollte nicht traurig, sie wollte wütend sein.

»Meine Mutter traut sich nicht, was gegen meinen Vater zu sagen, die ist feige und vor lauter Feigheit viel zu nett, und ich weiß, das ist voll ungerecht, aber manchmal bin ich so sauer deswegen, da würde ich sie am liebsten anschreien.«

»Ich meine auch. Die ist immer müde.«

Robert schaute zum Fenster, wo es nichts zu sehen gab außer einem regnerischen Himmel hinter einer staubigen Jalousie.

Friederika sah zu Robert.

Er sah nicht so wahnsinnig gut aus wie Oliver, aber auch echt nicht schlecht mit diesem Gesicht, das man eine Weile angucken musste, bevor man das Gefühl hatte, es zu verstehen. Seine Augen waren groß mit langen Wimpern, die Lippen fast mädchenhaft voll, aber das Kinn war eckig und die Nase sehr groß, besonders im Profil. Das Erste, was ihr an ihm aufgefallen war, war, dass er oft nachdenklich wirkte, wenn er sich unbeobachtet fühlte. Außerdem konnte sie besser mit ihm reden als mit anderen Jungs. Als er sich in der Schule eingelebt hatte und lockerer wurde, hatte sie entdeckt, dass man mit ihm auch gut feiern oder rumhängen konnte. Er war keiner von den Typen, die immer schneller

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und lauter sein wollten als die anderen, deren Wettbewerb er lieber vom Rand aus verfolgte, um dann einen Spruch rauszuhauen. Das mochte sie, sogar sehr. Eine Weile hatte sie gehofft, sie würde sich in ihn verlieben, aber das, was am Verliebtsein das Wichtigste war, der Grund, warum man sich verlieben sollte, blieb aus, sie konnte nichts dafür: Das große Kribbeln, das fehlte. Nur ganz manchmal zog es ein bisschen in der Magengegend, wenn sie angeheitert war oder die Musik besonders romantisch. Oder der Sonnenuntergang war ganz besonders schön oder die Stimmung war – so wie jetzt gerade – irgendwie besonders, sodass in der Folge auch Robert etwas Besonderes umgab und er plötzlich aussah wie jemand, von dem Friederika gern gewusst hätte, wie es sich anfühlte, ihn zu küssen. Er selbst hatte noch nie etwas in dieser Richtung unternommen, und sie hatte ihn inzwischen zu gern, um selbst den ersten Schritt zu machen.

Ein Kuss ist schließlich auch ein Risiko, dachte sie.

Und es war cool, mit einem Jungen nur platonisch befreundet zu sein, statt sich wie so ein Null-acht-fünfzehnMädchenmädchen sofort in alle zu verknallen.

Roberts Nase war wirklich riesig. Eine richtige Hakennase.

Im Flur klingelte das Telefon.

Das kleine Ziehen in Friederikas Bauch war schon wieder weg.

Robert sah zur Zimmertür. Er wollte sich gerade vom Bett aufrappeln, da brach das Klingeln ab. Man hörte leise eine Frau reden, aber nur kurz. Jemand ging in die Küche, eine Schranktür klappte, Wasser lief, eine Tür wurde zugezogen. Robert guckte wieder aus dem Fenster.

»Ich glaube, sie ruft manchmal bei der Telefonseelsorge an«, sagte er zu den Regenwolken.

HEUTE · JUNI 2022

NACH DEM ABITREFFEN

Samstagabend

Schweben Sie teilt sich das Schlafwagenabteil mit zwei anderen Frauen. Eine ist ungefähr so alt wie sie, die andere deutlich jünger. Frie hätte auch ein Doppelabteil buchen können, aber zu dritt kann man sich besser davor drücken, mit den Mitreisenden ins Gespräch zu kommen; es sind ja noch zwei andere da, die miteinander reden könnten. Sie schlüpft unter die Decke und ist froh über ihre Wahl. Die Gleichaltrige schläft oben, sie hat sich noch in Hamburg Kopfhörer in die Ohren gedrückt und hinter ihrem iPad verschanzt. Die Jüngere hat das Bett gegenüber bezogen und bis eben gelesen, nun sitzt sie auf der Bettkante und scheint zu meditieren. Die Hände mit den feuerrot lackierten Fingernägeln ruhen auf den Oberschenkeln, sie lächelt mit geschlossenen Augen, milde, fast ein bisschen erleuchtet. Frie dreht sich auf die andere Seite und starrt gegen die Kunststoffwand des Abteils in der Gewissheit, nicht einschlafen zu können, aber das ist nicht so schlimm. Sie fährt nicht mit dem Nachtzug, um gut zu schlafen, sondern um die tausendzweihundert Kilometer bis nach Norditalien nicht mit dem Auto fahren zu müssen. Und wegen Emma, der sie versprochen hat, nicht mehr zu fliegen, wenn man auf andere Weise ans Ziel gelangen kann.

Rr-dum, rr-dum, macht der Zug. Sie hat dieses Versprechen nicht leichtfertig gegeben. Fast jedes Versprechen kann man irgendwie umgehen oder rela-

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tivieren, vor allem die, die man sich selbst gegeben hat. Wenn Emma älter ist, hole ich das zweite Staatsexamen nach. Aber an das, was man seinem Kind verspricht, muss man sich halten, findet Frie. Außerdem ist der Nachtzug die romantischste aller Möglichkeiten zu reisen.

Rr-dumm, rr-dum. Rr-dum, rr-dumm.

Frie ist immer noch wach oder schon wieder. Sie wälzt sich von links nach rechts und wieder zurück, im Kreuz schmerzt es ein bisschen, die Luft ist schlecht, ihr ist zu warm. Die Erleuchtete atmet gleichmäßig, von oben ist gar nichts zu hören. Bremsen kreischen, das Dunkel draußen wird von weißlicher Helligkeit unterbrochen. Frie lugt aus dem Fenster, ein von Neonlicht erhellter Bahnsteig zieht langsam vorbei, das Bahnhofsschild verkündet: Würzburg Hbf. Nur eine Stadt von vielen Städten, in denen sie nie gewesen ist und wahrscheinlich niemals sein wird, obwohl sich ein Besuch lohnen würde. Seit einiger Zeit wird ihr immer klarer, dass sie nicht mehr alles sehen wird, was es verdient hätte, gesehen zu werden.

Immerhin, gerade fährt sie an einen anderen Ort, den sie noch nicht kennt. Nein, besser.

Sie macht eine Reise, in die sie eingewilligt hat, fast ohne nachzudenken, aus dem Bauch heraus, und die sich deshalb anfühlt wie ein Abenteuer.

Ihr erstes seit Ewigkeiten.

»Wirklich?«, hat Anneke gefragt.

»Warum denn nicht?«, hat Frie geantwortet. »Was soll schon schiefgehen?«

Rr-dum, rr-dum.

In Nürnberg macht der Zug laut Fahrplan fast eineinhalb Stunden halt. Frie wacht auf, als er wieder anfährt. Die Nacht geht zu Ende, die Morgenröte greift mit ihren rosigen Fingern nach dem neuen Tag, und Frie wird allmählich

aufgeregter, aber auf eine unaufgeregte Weise. Das klingt unlogisch, hat aber auch etwas mit den Jahren zu tun, die sie schon lebt, manchmal kann sie nicht glauben, wie viele es sind. Augsburg erreichen sie im weichen Glanz eines sehr jungen Sommermorgens, aber als der Zug sich München nähert, ist das Licht fast gleißend. Seit letztem Wochenende hat sie mehrmals täglich die Wetter-App geöffnet, jetzt öffnet sie sie wieder und bekommt noch bessere Laune. Sieben knallgelbe, nur dann und wann von Kleinstwolken begleitete Sonnen versichern:

Du tust das Richtige!

In München schließt sie den Koffer ein, sucht die Bezahltoilette und macht sich frisch. Sie besorgt sich einen Kaffee und die Süddeutsche, hält vor dem Bahnhof Ausschau nach einer Bank und setzt sich auf eine Treppe, die so schmutzig ist, dass sie den Wirtschaftsteil als Unterlage benutzt. In der Sonne ist es fast heiß. Wie gut es tut, unterwegs zu sein. Statt Zeitung zu lesen, beobachtet sie das Geschehen, die anderen Reisenden, die jetzt schon Betrunkenen, die Taxen, und denkt an das erste große Abenteuer ihres Lebens.

Australien. Neunzehnhunderteinundneunzig.

Einunddreißig Jahre ist das her.

Sie war vorher noch nie geflogen, und als sie in Hamburg an Bord ging, tat sie das in der Gewissheit, dass sie als ein völlig veränderter Mensch zurückkehren würde. Der Moment, in dem das Flugzeug abhob, war der Moment, in dem eine Neunzehnjährige glaubte, sie müsse nun Abschied nehmen von sich selbst. Das war beängstigend gewesen, aber auch erhebend, vor allem jedoch hatte es sich überwältigend lebendig angefühlt. Auf der Treppe in München ihren Coffee-to-Go trinkend, findet Frie in sich einen Abglanz dieser Empfindung, dabei weiß sie längst, dass man

nie jemand anderes wird. Man lernt sich nur immer besser kennen.

Um halb zehn fährt ihr Anschlusszug.

Vier Stunden später ist sie endlich da. Fast.

Sie muss noch mit der Seilbahn auf den Ritten fahren, auf den Hausberg der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen, die auf Italienisch Bolzano heißt. Vom Bahnhof zur Talstation sind es nur ein paar Hundert Meter. Die Straße, die sie laut Google Maps immer geradeaus gehen soll, ist viel befahren und von Bahnhofhotels, Parkhäusern und Bürogebäuden gesäumt, aber Frie findet alles wunderbar. Auch das Tabacchi-Schild vor einem der Geschäfte, das sie sofort in Urlaubsstimmung versetzt, obwohl sie seit zwanzig Jahren nicht mehr raucht.

Und natürlich wegen der Berge ringsum.

Seit dem Allgäu-Urlaub mit Anthony kurz vor ihrer Trennung ist sie nie wieder in den Bergen gewesen. Emma wollte immer irgendwohin, wo es Wasser und Gleichaltrige gab, und sie selbst wollte nirgendwo sein, wo sie fürchten musste, an die schlimmste Zeit ihres Lebens erinnert zu werden. Aber als Robert gefragt hat, ob sie ihn besuchen will, hat sie sofort Ja gesagt.

Wenn jemand imstande ist, die Berge zu rehabilitieren, dann er.

Mit ihm verbindet sie nur Schönes, was natürlich eine Verklärung ist und wahrscheinlich ungerecht gegenüber Anthony. Aber warum sollte sie gerecht sein gegenüber einem Mann, der sie mit Baby hat sitzenlassen und dann aus der Versenkung aufgetaucht ist und einen auf Daddy gemacht hat, als Emma alt genug war, um einer Einladung nach Brisbane nicht widerstehen und allein dorthin fliegen zu können. Er hat ihr Surfen beigebracht, der Arsch. Frie löst am Schalter der Talstation eine Fahrkarte.

Robert hat angeboten, sie mit dem Auto in Bozen abzuholen, aber sie hat abgelehnt, weil sie unbedingt Seilbahn fahren wollte. Sie freut sich wie ein Kind darauf.

»Kein Problem, dann lass ich das Auto oben stehen und komme runter?«, hat Robert vorgeschlagen.

»Nein, lass mal. Ich find’s schöner, dich oben zu treffen.«

Sie war froh, dass er das so hingenommen hat, statt sich erklären zu lassen, was sie ihm nicht erklären wollte.

Sie möchte allein sein während der letzten Etappe ihrer Anreise.

Die Fahrt nach Oberbozen dauert zwölf Minuten. Gleich hinter den letzten Häusern der Stadt beginnen die Weinberge. Auf einer Anhöhe stehen drei Zypressen wie die Grazien. Stadt und Tal, durch das ein gletschergrüner Fluss fließt und gleich daneben der Autobahnverkehr, werden kleiner. Sie schweben über eine Hotelanlage mit ausgestorbener Sonnenterrasse und leerem Pool. Frie braucht ein paar Augenblicke, um von hier oben zu verstehen, was da unten nicht stimmt: Ein Teil der Gebäude wurde unter einer Gerölllawine begraben. Hinter dem Hotel liegt wie eine klaffende ockerfarbene Wunde die Felswand, von der sich die Gesteinsmassen gelöst haben. Natur schlägt Mensch, aber Frie hat keine Zeit, Mitgefühl zu empfinden mit denen, die bei diesem Unglück womöglich zu Schaden gekommen sind. Sie muss weiterstaunen über die Landschaft, die sich vor ihren Augen entfaltet.

Eine talabwärts fahrende Gondel kommt ihnen entgegen. Aus dem weiter und weiter werdenden Horizont tauchen mehr und mehr Berge auf. Die mächtige hellgraue Gipfelsilhouette gehört bestimmt schon zu den Dolomiten, die man vom Ritten aus so fantastisch sehen kann, hat Robert geschwärmt. Ein Bauernhof. Unter dem Knallblau des Himmels, dem Grau der fernen Gipfel und dem Tannen-

schwarz der nahen Berge: alle Schattierungen von Frühlingsgrün. Wald, Wiesen, Weiden, auf denen winzige Kühe grasen, von Rebstockreihen oder Obstbäumen bewachsene Hänge. Eine einsam aus Baumwipfeln ragende, gotisch aussehende Kirchturmspitze. Straßen, die sich den Berg hinaufschlängeln, befahren von Matchboxautos und Spielzeugtraktoren. Draußen gleitet wie zum Greifen nah eine der stählernen Seilbahnstützen vorbei, es ruckelt. Sie schweben auf eine flache Kuppe zu, auf der ein kleiner Ort liegt, in der Mitte ein Zwiebelturm. Das muss Oberbozen sein, Soprabolzano. Frie entdeckt ein am Hang gelegenes Freibad, von dessen Becken aus man bestimmt einen fantastischen Ausblick hat. Sie möchte sofort einen Köpfer machen.

Mist, ich habe den Badeanzug gar nicht mitgenommen.

Gleich hinter dem Freibad steht ein riesiges Hotelgebäude mit Türmchen und Giebeln, das nach Zauberberg und Luxus aussieht, auf dem Schindeldach flattert ein rotweißer Langwimpel. Und dann fahren sie in die Bergstation ein, wo ein zweisprachiges Plakat offenbar nicht zu viel verspricht.

Ritten – Das Sonnenplateau, Renon – L’altopiano soleggiato.

Und hier hat er jetzt also ein Häuschen, denkt Frie und hebt ihren Koffer aus der Gondel, da bin ich ja mal gespannt.

Das Café, das Robert als Treffpunkt genannt hat, liegt nur wenige Schritte entfernt und sieht sehr italienisch aus mit der hellgrau-weiß gestreiften Markise, den Bistrostühlen mit den beigen Polstern und den vielen Aperol Spritz, die auf den runden Marmortischchen stehen, obwohl erst früher Nachmittag ist. Frie sucht sich einen Platz und holt die neue Sonnenbrille raus, die gerade noch rechtzeitig fertig geworden ist und die sie auf keinen Fall verlieren darf, weil sie sehr teuer war. Es geht nicht mehr ohne Gleitsicht-

gläser. Sie bestellt einen Cappuccino, weil sie weiß, dass er hier besser schmecken wird als die besten Cappuccinos zu Hause, und geht auf die Toilette. Nach dem Händewaschen prüft sie ihr Gesicht. Robert hat behauptet, sie sähe noch genauso aus wie früher, das war natürlich eine glatte Lüge, aber eine sehr nette. Sie zieht den Lippenstift nach und den Hemdkragen zurecht. Die Sonnenbrille ist wirklich cool, Emma hat sie mit ausgesucht, allein hätte sie sich nicht getraut, eine so auffällige zu nehmen. Als sie von der Toilette zurückkommt, stehen ein Kaffee und ein Glas Wasser auf ihrem Tisch.

Ich hätte doch einen Aperol nehmen sollen, der hätte besser zur Brille gepasst.

Noch eine gute Viertelstunde.

Sie hat behauptet, es kaum vor drei zu schaffen, aus demselben Grund, warum sie nicht abgeholt werden wollte. Sie will sich noch ein paar Minuten auf die fremde Umgebung konzentrieren, aufs Ankommen, auf sich selbst. Als junges Mädchen hat sie es gemieden, allein zu sein, inzwischen braucht sie es genauso, wie sie essen, trinken und schlafen muss. Frie gibt ein halbes Päckchen Zucker in die Tasse, schließlich ist sie im Urlaub. Auf der Straße oberhalb des Cafés kommt ein alter Mercedes angefahren, hellblau metallic, sehr schnittig, todschick, darin ein Paar. Vor der Bergstation hält eine rote Bimmelbahn und entlässt einen Bilderbuchschaffner, eine Kinderhorde und einen Haufen Wandertouristen. Anscheinend hat der Ritten es auf größtmögliche Märklinhaftigkeit abgesehen, aber der Trick scheint zu funktionieren. Frie hat den Rest der Welt da unten schon fast vergessen. Sie löffelt den Schaum vom Cappuccino, schaut noch mal nach dem Wetter und dann wieder zur Bimmelbahn, als sich eine Hand auf ihre Schulter legt.

»Herzlich willkommen.« Robert drückt einen Kuss auf ihre Wange. Es kitzelt ein bisschen. Er setzt sich zu ihr und grinst sie an. Frie hat sich schon gewöhnt an den kurzen Bart, er steht ihm eigentlich ganz gut. Seine Sonnenbrille ist auch ziemlich cool, er nimmt sie ab. Er ist gebräunter, als sie ihn jemals gesehen hat, kein Wunder, er besitzt ein Häuschen auf einem Sonnenplateau. Das olivgrüne Leinenhemd lässt er über die blauen Shorts hängen, wahrscheinlich weil er einen kleinen Bauch bekommen hat, dazu trägt er gelbe Turnschuhe. Frie ist froh, dass sie bei der Auswahl ihrer Reisegarderobe nicht nur auf Bequemlichkeit geachtet hat.

»Wie war die Reise?« Robert winkt der Kellnerin.

»Sehr gut. Ich habe dich gar nicht gesehen, wo kommst du so plötzlich her?«

»Ich parke da oben.«

Er dreht sich um und zeigt auf die Parkplätze vor Moni’s Ladele.

Dort stehen nur zwei Wagen.

Ein Taxi und der hellblaue Mercedes.

»Der Oldtimer da, der gehört dir?«, fragt Frie. Robert nickt. »Ein Youngtimer. Willst du auch einen Aperol Spritz?«

»Ja, bitte.« Frie forscht in seinem Gesicht. »Du hast mit einer Frau darin gesessen, deshalb habe ich dich nicht erkannt. Außerdem bist du zu früh.«

»Das war Geli, eine Nachbarin, die muss runter in die Stadt, die trifft sich dort mit ihrem Mann.« Er erwidert ihren Blick mit warmherzigem Spott. »Ich hatte gehofft, dass du schon da bist. Ich habe mich so auf dich gefreut.«

»Schickes Auto.«

»Ein SL dreihundertachtzig, Baujahr sechsundachtzig, also noch ein bisschen älter als unsere lose Bekanntschaft,

Frau Carstensen. Nun nimm doch mal die Brille ab, ich will deine Augen sehen.«

Frie rückt die Sonnenbrille auf die Nasenspitze und guckt über den Rand zum leicht unscharfen Robert. »Sagen Sie, gibt’s noch mehr Überraschungen, auf die ich mich gefasst machen muss?«

Er seufzt und wiegt den Kopf, als erwarte sie eine ernsthafte Antwort. Dann dreht er das Gesicht in die Sonne, schließt die Augen und macht die Beine lang.

»Du musst ja nicht gleich alles wissen.«

Die Aperols kommen, sie schauen in die Gegend, so wie sie früher zusammen im 439 gesessen und geguckt haben, auf der Fensterbank mit den dunkelblauen Samtvorhängen. Immer noch können sie zusammen auch still sein, obwohl sie einander so viel zu erzählen hätten, aber dafür haben sie ja noch fast eine ganze Woche.

Wie gut, denkt Frie, dass sie nicht Nein gesagt hat an jenem Abend Anfang Mai.

»Was machst du denn hier?«, hat sie gefragt, nachdem sie ihr Rad vor den Brombeeren abgestellt und sich zu Robert auf die Steine an der Kaispitze gesetzt hatte. Im Hintergrund hörte man den nächsten Achtzigerjahrehit und das Rufen und Lachen ihrer ehemaligen Schulkameraden. »Sebastian hat geschrieben, du kannst nicht.«

»Du hast dich nach mir erkundigt?«

»Ja.« Als hätte sie ihn nicht vor zwanzig, sondern vor zwei Jahren das letzte Mal gesehen, bizarr.

»Das höre ich gern«, sagte Robert. »Ich konnte schon, aber ich hatte nicht so richtig Lust, jedenfalls nicht genug, um dafür über tausend Kilometer zu fahren. Aber dann musste ich sowieso nach Hamburg wegen eines Termins, und da dachte ich, dann kann ich ja doch mal vorbeischauen.«

Leseprobe

Leseprobe für Eltern

ER SPIELT DIE ROLLE DEINES LEBENS

Zwei ehrgeizige Ermittler, ein hochintelligenter Serienkiller –ein unerbittlicher Wettkampf gegen die Zeit.

Bereits am ersten Arbeitstag steht das Ermittlerduo Jakob Krogh und Mila Weiss vor einem Rätsel. Am Rande einer Ermittlung stoßen sie auf die Leiche einer älteren Frau, die nachweislich nach ihrem Tod noch lebend gesehen wurde. Wie ist das möglich? Kurz darauf wird ein junger Student in seiner Wohnung gefunden, auch er war nach seinem Tod offenbar noch an der Uni. Aber damit nicht genug: An beiden Tatorten werden Krähen gefunden, ausgehungert und versehen mit einer unheilvollen Botschaft. Jakob und Mila jagen mit dem Team der neuen Gruppe 4 einen Geist, der jeder sein könnte: der Nachbar, der Kollege, der eigene Freund … und jemanden, der noch lange nicht bereit ist, die Zeit der Krähen zu beenden.

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Benjamin Cors: Krähentage dtv, Taschenbuch, 400 Seiten, 13,00 €, ISBN: 978-3-423-22055-2

GEBURT

Die Schritte der alten Frau schleiften über den Asphalt. Ihre abgewetzten Schuhe schoben sich durch den Dreck, vorbei an Pfützen, in denen sich die Fassaden der Wohnblöcke spiegelten. Über ihr das Grau des Himmels, aschfahl und leergeweint. Tagelang hatte es auf die Stadt niedergeregnet. Zwischen Schnee und Regen wurde alles zu Schmutz, hier am Rande der Stadt. Wo die Häuser höher waren als die Träume der Menschen.

Den Blick auf den Gehweg gerichtet, schlich sie durch die Kälte, ihr Atem ging leise. Sie durfte nicht stolpern, nicht fallen. Ihr Körper wäre zu schwach, sie würde nicht mehr aufstehen, nicht in diesem Leben. Ihr Mantel war dünn, sie zog die Schultern ein, den grauen Schal fest um sich gewickelt. Der Wind pfiff zwischen den Betonburgen, wo die Kälte sich eingenistet hatte, seit November schon.

Die Frau lief weiter, das rechte Bein leicht nachziehend. Ihr stumpfes graues Haar steckte bis auf wenige Strähnen unter einer Wollmütze. Ihren Einkaufstrolley zerrte sie hinter sich her wie ein erlegtes Tier. An der Endstation der Straßenbahn warteten die ersten Schichtarbeiter. Und niemand beachtete die alte Frau.

Bald wieder war das rostige Quietschen ihres Trolleys das einzige Geräusch weit und breit. Sie wanderte weiter durch die tote Landschaft, vorbei an einem Sonnenstudio, einem Hundesalon.

Sie schnaufte, als sie die Straße überquerte. Weiter vorne flackerte Licht in einem Hauseingang, ein vergessener Einkaufswagen stand auf einem Parkplatz. Sie blieb stehen, blickte in

das schmutzige Antlitz dieses neuen Tages. Atmete ein, spürte die kalte Luft in den Lungen. Sie schloss die Augen, lächelte.

Gestern hatte sie Geburtstag gehabt.

»Guten Morgen, Frau Nowak!«

Sie war vor dem Gebäude mit der Nummer 87 angekommen, ein gesichtsloser Block, der sich über ihr erhob wie eine dunkle Bedrohung. Zwölf Stockwerke, sie wohnte im zweiten, wo die Sonne selten hinkam. Aus den Briefkästen quollen Werbebroschüren, neben der Tür lagen Zigarettenstummel auf dem Boden. Eine junge Frau hielt ihr die Tür auf, sie lächelte, in der Hand hielt sie eine offene Thermoskanne. Der Dampf verlor sich schnell in der Luft.

»Sie sind aber früh unterwegs, Frau Nowak. Soll ich Ihren Trolley hochbringen?«

Die alte Frau hustete in ihren Schal, wandte sich ab, entschuldigend hob sie die Hand.

»Es geht schon … danke.«

»Sind Sie sicher? Sie sollten sich bei dem Wetter etwas Wärmeres anziehen. Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen später einen Wintermantel vorbeibringen. Ich habe noch einen von meiner Mutter, die braucht ihn ja jetzt nicht mehr.«

Die junge Frau hatte eine orangefarbene Winterjacke an, die braunen Haare waren zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Sie trug Ohrenwärmer und Fingerhandschuhe und pustete in die Thermoskanne, um etwas von der warmen Luft abzubekommen. Frisch und aufgeräumt plapperte sie sich in diesen Tag hinein.

Und die alte Frau dachte sich, dass nicht alles so grau war wie die Wohnblöcke um sie herum.

»Vielen Dank, wirklich«, sagte sie mit dünner Stimme. »Aber ich komme zurecht. Sie müssen bestimmt los.« Ihr letzter Satz ging in einem neuerlichen Husten unter.

»Also gut, Frau Nowak. Aber ich komme die Tage mal vorbei, in Ordnung? Ich bring auch Kuchen mit.«

»Das ist sehr nett«, murmelte die alte Frau und schlüpfte durch die Tür. Als sie drinnen auf den Aufzugknopf drückte, blickte die junge Frau auf ihre Uhr und winkte zum Abschied: »Auf Wiedersehen, Frau Nowak.«

Kurz darauf schlossen sich die Fahrstuhltüren. Die Innenseiten waren übersät mit Botschaften, mit Edding auf das Metall gekritzelt oder mit etwas Scharfem hineingekratzt. Obszöne Grüße, eindeutige Aufforderungen … Sie schloss die Augen, atmete die stickige Luft der Kabine ein und lockerte den Schal. Es ruckelte kurz. Im Spiegel war eine alte Frau zu sehen. Sie hatte etwas Rouge aufgelegt, dazu Lippenstift, um den Hals trug sie ihre Lieblingskette, weiße Perlen mit einem goldenen Verschluss.

Im zweiten Stock war das Licht im Gang defekt, bereits seit einer Woche, sie schlurfte vorbei an den Türen, hinter denen andere Menschen wohnten, mit anderen Leben, aber ähnlichen Aussichten. Direkt neben ihr wohnte seit einem halben Jahr die junge Frau, die sie unten getroffen hatte. Auf dem Klingelschild stand: M. Tschorpik. Marie. Oder Mareike?

Sie schüttelte den Kopf, kramte nach dem Schlüssel in der Außentasche ihres Mantels. Die Kälte, die sie mitgebracht hatte, zog durch die Flure. Sie steckte den Schlüssel ins Schloss, öffnete und zog den Trolley hinter sich über die Schwelle.

Drinnen roch es muffig, aber das machte ihr nichts aus. Für einen kurzen Moment lehnte sie sich an die Innenseite der Wohnungstür, atmete tief ein, während sie den Mantel ablegte und die engen Schuhe auszog.

Sie kicherte.

»Ich habe Brötchen mitgebracht!«, rief sie, und ihre Stimme klang plötzlich kräftiger.

»Und es hat tatsächlich niemand etwas gemerkt.«

Sie bekam keine Antwort, also ging sie die wenigen Schritte in die Küche und stellte ihren Trolley ab. Sie begann leise zu summen, während sie den Kühlschrank öffnete und die Butter herausholte, ein Messer aus der Schublade nahm und die Kaffeemaschine anschaltete.

»Ich habe auch Bohnenkaffee gekauft, richtig guten. Er wird dir schmecken, viel besser als deiner.«

Sie schaltete ein kleines Transistorradio auf der Fensterbank ein, ein Schlager ertönte, und Fröhlichkeit purzelte durch den Raum. Hinter der Scheibe schälte sich der Tag aus der Nacht heraus. Sie summte weiter, macht das Radio wieder aus, sang ein altes Lied, während der Kaffee blubberte und sie die Butter auf den Brötchen verstrich.

»Die Marmelade ist selbst gemacht, aber das weißt du ja.«

Zwei Teller auf einem Tablett, dazu Tassen, die bereits Sprünge hatten, aber auch das machte ihr nichts aus. Zucker, zwei kleine Löffel, der Duft des frisch gebrühten Kaffees stieg ihr in die Nase.

Jetzt, ohne ihren Mantel, ohne die Schuhe, fühlte sie sich besser. Sie streckte sich, dann ging sie mit dem Tablett ins Wohnzimmer zum Couchtisch, strich sich ihren braunen Rock glatt, setzte sich auf die Vorderkante des Sessels und schenkte Kaffee ein.

Eine Tasse für sich.

Und eine Tasse für die alte Frau, die ihr gegenübersaß.

Jede ein Stück Zucker. Sie rührte in beiden Tassen um. Dann nahm sie einen Schluck.

»Ah, der ist wirklich köstlich. Er wärmt die Glieder, du wirst sehen.«

Sie lehnte sich im Sessel zurück und sah sich um. Das Wohnzimmer mit dem Bücherregal, zwei Schneekugeln mit Schneemännern, daneben einige gerahmte Bilder. Die Enkelkinder,

drei, sie lebten weit weg. Der Tisch am Fenster, darauf das Kreuzworträtsel und die Lesebrille. Dahinter Gardinen, links daneben der Fernseher, er wurde nur selten benutzt.

Alles war an seinem Platz. So wie es sein sollte.

»Du lebst ein schönes Leben«, sagte sie leise. Sie bekam keine Antwort.

»Wir leben beide ein schönes Leben.«

Dann beugte sie sich vor und betrachtete den Geburtstagskuchen, der auf dem Couchtisch stand. Er war trocken geworden. Er stand schon seit gestern hier, sie hatte ihn nicht abgedeckt. Sie pickte einige Krümel vom flachen Teller und schob sie sich in den Mund, behutsam, um ihren Lippenstift nicht zu verschmieren.

»Er schmeckt noch immer.«

Sie nahm einen weiteren Schluck Kaffee und runzelte die Stirn.

»Ich habe den Kuchen extra für dich gebacken, du hast ihn kaum angerührt. Und jetzt sagst du kein Wort. Also wirklich, das nenne ich mal undankbar. Und von den frischen Brötchen willst du wahrscheinlich auch nichts.«

Nachdenklich schaute sie Richtung Decke, als sie mit sanfter Stimme weitersprach: »Schokoladenkuchen. Den magst du am liebsten. Ich habe es in einem Brief gelesen, von deiner Tochter. Sie würde dich gern öfter sehen. Aber sie schafft es nicht. Die Arbeit, die Kinder, du weißt schon. Ich habe alle ihre Briefe gelesen, die Postkarten auch. Aber ich fürchte, du bist ihnen egal. Wir beide sind ihnen völlig egal. Das ist die traurige Wahrheit.«

Ihre Stimme war leise, aber sie veränderte sich mit jedem Satz. Sie wurde immer tiefer.

»Weißt du, dort draußen schleichen die Menschen durch ihr Leben. Sie schauen nicht nach links oder rechts, sie blicken in

den Spiegel und sehen nur sich selbst. Und sie glauben, dass sie glücklich sind. Aber das sind sie nicht, verstehst du?«

Die alte Frau ihr gegenüber auf dem Sofa trug ebenfalls einen braunen Rock. Und einen beigen Pullover. Ihre Fingernägel waren schlecht lackiert.

So wie ihre.

Die Haare waren grau und kurz, sie trug etwas Rouge auf den Wangen, die Frau auf dem Sofa. Sie war blass, bis auf die Flecken.

Sie sahen sich beide so ähnlich. Als wären sie ... ein und dieselbe Person.

»So, was wollte ich doch noch … ach ja.«

Sie stand auf, stemmte die Hände in die Hüften und atmete tief ein. Mit festen Schritten ging sie ins Bad und kam mit einem kleinen Spiegel zurück. Sie drehte ihn in der Hand, kurz kam ihr Gesicht darin zum Vorschein, um dann wieder zu verschwinden. Sie lächelte, betrachtete sich, die aufgemalten Falten am Hals und neben den Augen, dann die Nase.

»Gut gemacht, Frau Nowak«, sagte sie leise, dann ging sie zum Sofa und setzte sich neben die andere Frau. Sie legte ihren Kopf auf deren Schulter, genoss für einen Moment die Stille im Raum. Schließlich richtete sie sich auf, reckte ihr Kinn und hielt den Handspiegel vor ihre beiden Gesichter. Zwei alte Frauen, die Haut voller Lebensspuren, die die Zeit in die Körper gemeißelt hatte. Die Haarfarben waren nahezu identisch, ebenso das Make-up, beide trugen einen kleinen Ring am rechten Ohr.

Sie drehte sich zu ihr und gab ihr zärtlich einen Kuss auf die Wange, die kalt war und schlaff.

»Niemand hat etwas gemerkt«, flüsterte sie in ihr Ohr. Sie zupfte ihr einen Fussel vom Rock.

»Sie sind alle so blind, niemand schaut genau hin. Selbst die

junge Frau unten an der Tür nicht. Ein bisschen Husten, ein bisschen Wegdrehen … es ist so einfach.«

Sie fuhr der Frau mit dem Finger übers Gesicht, Kuchenkrümel blieben zurück. Dann glitt ihre Hand weiter hinab, zum Hals, zu den Schultern, wieder hoch zu den Haaren, die sie sanft streichelte.

»Es hat sich gelohnt«, sagte sie. »Ich habe es so sehr genossen. Dein Leben. Deine Welt. Du weißt gar nicht, wie gut du es hast. Die Bäckerin hat mir die Tür aufgehalten, kannst du dir das vorstellen? Tschüss, Frau Nowak, hat sie mir hinterhergerufen. Bis morgen. Niemand schaut genau hin.«

Sie legte den Spiegel auf den Couchtisch und fuhr mit der Hand über ihren eigenen Rock. Dann über den der Frau neben ihr.

»Wie gut, dass du zwei davon im Schrank hattest.«

Schließlich stand sie auf und stellte sich ans Fenster, hinter dem der neue Tag begonnen hatte, trist und müde, so wie die Tage zuvor. Zwischen den Häusern führten Menschen ihre Hunde aus oder umgekehrt. Eine leere Zigarettenpackung wurde vom Wind in ein Gebüsch geweht, sie würde dort liegen bleiben bis in alle Ewigkeit, weil niemand sich hier für irgendetwas interessierte. Und schon gar nicht für eine alte Frau, die Irene Nowak hieß, obwohl sie eine von ihnen war und deshalb genauso unsichtbar wie alle anderen hinter ihren Türen und ihren Balkons.

Aber immerhin, sie führte ein Leben.

Ein Leben, das ihm gehört hatte, für zwei Tage. Die schönsten zwei Tage seit Langem.

Irene Nowak, geboren in dieser Stadt. Mutter und Großmutter, verwitwet und vergessen am Rande ihres Lebens. Und er hatte sie zum Leben erweckt.

Langsam zog er sich die Perücke vom Kopf. Dann das Haar-

netz darunter. Behutsam nahm er die braunen Kontaktlinsen aus den Augen, das falsche Gebiss aus dem Mund. Er zog den Pullover aus und auch den Rock. Die Strumpfhose zum Schluss. Er spürte, dass die Schminke auf seinem Gesicht trocken und rissig wurde.

Es war Zeit, es zu beenden. Sosehr er es auch bedauerte.

Hinter ihm kippte die alte Frau zur Seite wie eine Schaufensterpuppe. Sie lag auf ihrem Sofa, roch jetzt streng.

»Auf Wiedersehen, Frau Nowak«, sagte er. »Sie hatten ein schönes Leben.«

WAS DU LIEBST, LASS FREI

Die See war unruhig. Ein Rollen ging durchs Wasser, ein Stampfen kam aus der Tiefe empor. Schaumkronen hatten sich gebildet, die ausfransten, dort, wo die Kämme brachen. Es lag ein Fauchen in der Luft, wenn die Wellen meterhoch an ihm vorbeispritzten. Er hatte gelernt, die Augen zu schließen, während seine Arme im unermüdlichen Rhythmus das Wasser teilten, so lange, bis sie brannten.

Jakob Krogh schwamm in diesem Meer, seit er ein Kind war. Er kannte die Tücken der Strömung, das Zerren an den Beinen. Kraftvoll pflügte er durch das Wasser. Der Neoprenanzug lag eng um seinen Körper, durch die Schwimmbrille sah er den Horizont, wenn er seinen Kopf aus dem Wasser hob und kurz zur Seite legte, um Luft zu holen. Kleine Bläschen tanzten vor seinen Augen, als er wieder eintauchte und die See ihn zurückholte. Er dachte an Mariella, die bestimmt schon auf der Terrasse stand und aufs Meer hinausblickte, in eine Wolldecke gehüllt und mit einer Tasse Tee in der Hand. Filip schlief wahrscheinlich noch. Er lächelte. Vielleicht war sein Sohn auch schon wach und griff jetzt nach Mariellas Hand. Sie beide waren seine Heimat, und dieses Haus am Meer war ihre Trutzburg. Dort zu sein, mit ihnen, war ein Geschenk, und er würde es bewahren, auch wenn er heute fortmusste.

Über ihm segelte eine Küstenseeschwalbe am grauen Himmel. Sein Neoprenanzug verschmolz mit dem dunklen Wasser. Er holte tief Luft und tauchte hinab in die Tiefe. Er spürte kurz den Luftzug an seinen Füßen, dann umschloss das Wasser ihn vollständig. Er arbeitete sich voran, senkrecht nach unten,

mit kräftigen Zügen und geschlossenen Augen. Er merkte, wie das Wasser noch kälter wurde, wie die Tiefe nach ihm griff.

Und dann war er da, wo nichts mehr war. Und wo nichts mehr zählte. Wo alles sich auflöste: Gedanken, Absichten, Ängste und Hoffnungen. Alles wurde eins, graue Unendlichkeit.

Hier war nur er: Jakob Krogh, zweiundvierzig Jahre alt. Am Ende eines langen Jahres, in dem er gekämpft hatte. Mit dem Tod seines Vaters, mit der Schwere seiner Gedanken und dem Verlust seiner Zuversicht. Und erst jetzt, tief unten im Meer, wusste er, dass alles gut werden würde.

Als sein Herz härter pumpte und die Luft knapp wurde, ließ er sich langsam nach oben treiben.

»Ich muss los, kommt ihr?«

Jakob räumte einen Tretroller unter das Vordach und hob den schwarzen Koffer in seinen Wagen. Er schloss die automatische Heckklappe und drehte sich zum Haus. Wolken schoben sich über dem Meer zusammen. Er betrachtete den Giebel, den er im vergangenen Herbst repariert hatte, die zwei Holzstufen hinauf zur Terrasse, die das gesamte Haus umgab. Es lag an einem sanften Hang, inmitten der Dünen, nur wenige Schritte vom Meer entfernt. Das Reetdach hatten sie erneuert, die Fenster waren frisch gestrichen. Er liebte alles an diesem Ort: die Sonne auf dem Parkett, die Schatten der vorbeiziehenden Wolken an den Wänden, wo Mariella Bilder aus der Galerie aufgehängt hatte und Familienfotos.

»Mariella!«

»Wir kommen!«

Sein Sohn war noch im Schlafanzug, er rieb sich müde die Augen. Die dunklen Haare, die er von seiner Mutter geerbt hatte, waren verwuschelt, in der Hand hielt er ein Blatt Papier.

»Du kannst nicht gehen ohne Filips Geschenk«, sagte Mariella, und wie immer war es, als brächten ihre warme Stimme

und der Singsang, wenn sie Deutsch sprach, die kalte Luft zum Vibrieren. »Er wollte es unbedingt noch fertig malen.«

Jakob nahm seinen Sohn hoch und fuhr ihm durchs Haar.

»Was hast du für mich, Filip?« Er drückte ihm einen Kuss auf die Wange, sein Sohn sträubte sich.

»Du kratzt, Papa!«

Jakob lachte.

»Ich dachte, wenn er etwas länger ist, dann kratzt er nicht mehr. Sagt zumindest Mama. Dann hat sie mich also angelogen, oder?«

Er streckte seinen linken Arm aus und drückte Mariella an sich, sie war frisch geduscht, roch nach Shampoo.

»Ich mag deinen Bart«, sagte sie und strich ihm zärtlich über die Wange. »Sieh zu, dass du schnell wieder zurückkommst.«

»In zwei Wochen, und danach versuche ich, jedes Wochenende hier zu sein. Aber ich muss erst mal starten, und du weißt …«

»Ich weiß …«, flüsterte sie und sah ihn an. »Ich weiß sehr viel, Polizeioberkommissar Krogh.«

»Aber hoffentlich nicht alles«, sagte er und gab ihr einen Kuss. »Und noch bin ich nur Kommissar.«

»Papperlapapp, sie haben es dir doch schon zugesagt.«

Mariella liebte dieses deutsche Wort, sie verwendete es, wann immer sie konnte.

»Das war vor meiner Auszeit. Komm, wir schauen uns lieber das Bild an, Filip, was ist das? Unser Haus? Bin ich das?«

»Das ist Mama«, sagte sein Sohn. »Und ich spiele da unten am Strand, siehst du?«

»Ja, das sehe ich. Das ist ein schönes Bild.« Jakob betrachtete das gemalte Haus. Braune Linien, ein Schornstein, aus dem es rauchte, sogar ein Vogel war zu sehen, direkt neben der Sonne.

Zwei Strichmännchen davor, eine Wasserlinie, vor der Filip sich dargestellt hatte, mit einem eckigen Eimer in der Hand.

Seine ganze Welt auf einem Bild.

»Ich werde es im Büro aufhängen, versprochen. Komm, gib mir auch einen Kuss, ich muss jetzt los.«

»Tschüss, Papa.«

Er blickte seinem Sohn hinterher, als er nach drinnen rannte und ihm kurz darauf durch das Wohnzimmerfenster fröhlich zuwinkte. Dann drückte er Mariella fest an sich.

»Wann fahrt ihr zu deinen Eltern rüber?«

»Vermutlich morgen. Ich will nach Szczecin, wegen der Bilder.«

»Es wird bestimmt ein großer Erfolg. Und ich werde da sein, um mit dir zu feiern.«

Sie blickte ihn ernst an, während er mit den Fingern über ihr Haar strich.

»Versprich nichts, was du nicht halten kannst, Jakob Krogh.« Langsam löste sie sich von ihm und betrachtete ihn.

»Du siehst gut aus. Bereit für einen Neustart.«

»Bin ich auch. Dank dir.«

»Dank uns. Es wird alles gut werden. Und jetzt komm, wir sagen es gemeinsam:

»Co kochasz, niech darmo.«

»Was du liebst, lass frei.«

»Jeśli chodzi o powrót, to do Ciebie.«

»Kommt es zurück, gehört es dir.«

»Na zawsze.«

»Für immer.«

Der Wagen rollte vorbei an kahlen Feldern, an Äckern, über die der Wind fegte. Die Landstraße war kerzengerade, wie ein Strich, der ihn immer weiter fortführte von seinem Haus am Meer. Jakob streckte sich hinter dem Lenkrad, er spürte noch die Anstrengung des Schwimmens. Als er sich kurz im Rückspiegel betrachtete, war er sich mit einem Mal nicht mehr so sicher, ob Mariella recht hatte.

War er bereit, wieder einzusteigen? Die neue Aufgabe würde seine ganze Kraft in Anspruch nehmen, er würde unter Beobachtung stehen und liefern müssen, um keine Zweifel aufkommen zu lassen. Jakob Krogh war wieder im Dienst, in neuer Funktion, aber mit der gleichen Hingabe und Leidenschaft wie vor seiner Auszeit. Das wurde von ihm erwartet. Sie hatten eine neue Einheit gebildet, sie würden ihm die Leitung übertragen, gemeinsam mit einer neuen Kollegin. Die Mittel, die sie bekommen hatten, würden in anderen Abteilungen fehlen, sie würden von Anfang an argwöhnisch beäugt werden, wenn nicht gar behindert. Und selbst die Presse war skeptisch, er hatte die Artikel gelesen. Er bog ab auf eine größere Straße, Richtung Autobahn. Die Stadt, in der er wieder arbeiten würde, war noch weit entfernt.

Dennoch sah er sie deutlich vor sich, ihre Abgründe, in die er tiefer eintauchen würde als je zuvor.

Polizeikommissarin Mila Weiss hatte ihren Wagen in der hintersten Ecke des Besucherparkplatzes abgestellt. Regentropfen klatschten auf das Autodach, als würde jemand den Himmel über ihr auswringen.

Sie zog die Nase hoch, ihr blauer Mantel war feucht, und der graue Wollschal lag schlaff um ihren Hals. Für einen Augenblick betrachtete sie den Ausschnitt ihres Gesichts im Rückspiegel, die kurzen braunen Haare, den Schwung ihrer rechten Augenbraue. Die rot geränderten Augen, die Tränen.

»Ach, Scheiße!«

Milas Blick fiel auf die Uhr am Armaturenbrett. In drei Stunden würde die Pressekonferenz beginnen, und sie wollte vorher noch das Team kennenlernen.

Sie kramte in der Handtasche auf dem Beifahrersitz.

»Mist, verdammt, wo ist denn jetzt …«

Schließlich fand sie eine Packung Taschentücher und beseitigte, so gut es ging, die Spuren der Aufregung. Der Besuch war ein kompletter Fehlschlag gewesen, sie hätte es wissen müssen. Ihre Erwartungen waren viel zu hoch gewesen, ihr Plan, gleich beim ersten Mal den Durchbruch zu schaffen, lächerlich.

»Du bist so dumm«, flüsterte sie ihrem Spiegelbild zu. »Aber du wirst lernen. Und weitermachen.«

Das Geräusch vorhin, als die Eisentür ins Schloss gefallen war, hatte wie ein Schlusspunkt geklungen. Sie war durch den Matsch auf dem Parkplatz gerannt und hatte im Auto schreiend auf das Lenkrad eingeprügelt. Aber es war kein Schlusspunkt gewesen. Zu dieser Erkenntnis hatte sie der Wutausbruch immerhin gebracht.

Mila Weiss, siebenunddreißig, erfahrene Ermittlerin mit einer Aufklärungsquote, die sich sehen lassen konnte. Zumindest in Wien war sie sehr erfolgreich gewesen, aber nun war sie hier, zurück in Deutschland. Sie hatte sich auf die Stelle beworben, weil sie die Richtige dafür war. Und auch, weil sie nicht mehr weinen wollte auf diesem Parkplatz und an diesem Ort, der hinter dem geschlossenen Tor lag.

Ihr Handy klingelte. Mila blickte auf das Display.

Sie fuhr sich mit dem Handrücken über die Nase, holte tief Luft und starrte durch die Windschutzscheibe, wo hinter einer kleinen Böschung die Straße lag, die zurück in die Stadt führte.

In eine Stadt, die sie noch kaum kannte, in der sie aber leben und arbeiten würde. Weil sie es so gewollt hatte.

»Mila? Hier ist Jakob. Wo erwische ich dich gerade?«

Sie hörte Musik im Hintergrund und Fahrgeräusche, offenbar saß er ebenfalls im Auto. Er hatte erwähnt, dass er mit seiner Familie am Meer wohnte, jetzt fuhr er vermutlich gut gelaunt und voller Tatendrang in die Stadt.

»Guten Morgen«, sagte sie kühl und griff nach dem Kaffeebecher in der Mittelkonsole. »Bist du rechtzeitig da?«

Sie wusste, dass er versuchen würde, das Ignorieren seiner Frage zu deuten. So viel hatte sie während der Telefonate, die sie in den vergangenen Wochen geführt hatten, schon über ihn gelernt. Jakob Krogh war verdammt gut in seinem Job.

»Ich bin extra zeitig losgefahren«, sagte er. Er klang beschwingt und entschlossen.

»Es gibt nicht weit vom Präsidium ein kleines Café«, fuhr er fort. »Eher eine Bar. Das Charlies. Wollen wir uns vielleicht da treffen? Ein schneller gemeinsamer Kaffee vor der Pressekonferenz. Wir könnten uns kurz absprechen, was meinst du?«

Mila blickte auf die Uhr, sie wollte noch mal in ihre Wohnung, duschen, sich umziehen. Sich sammeln.

»Ich kann es nicht versprechen. Ich versuche es.«

»Prima. Dann bis später, Mila.«

Sie drückte ihn weg, ohne sich zu verabschieden. Dann fuhr sie rückwärts aus der Parklücke und zur Ausfahrt. Dabei kam die Eisentür wieder in ihr Blickfeld und der Durchgang zum Wachhaus, in dem sie sich vorhin angemeldet hatte.

Die lange Backsteinmauer glitt an ihr vorbei, als sie beschleunigte. Einige Krähen kamen von einem nahe gelegenen Stoppelfeld herbeigeflogen, eine Vogelscheuche, die um diese Jahreszeit ohne Auftrag war, steckte im Boden. Es gab keine Ernte zu schützen, keine hungrigen Vögel zu vertreiben, alles war matschig.

Dazu die feuchte Kälte, die in jede Ritze kroch. Sie drang an die einsamsten Orte vor und auch zu den Menschen, die man für viele Jahre weggesperrt hatte, hinter der schweren Eisentür. Und die dennoch freier waren als die Frau, die sich jetzt eine Zigarette anzündete und sich fragte, wie ihr erster Tag in dieser Stadt wohl verlaufen würde.

Das Charlies hatte sich nicht verändert. Als Jakob die Glastür aufzog und die Bar betrat, reagierte sein Körper sofort. Auf die Gerüche, das diffuse Licht und auf den Anblick der langen Bar, an deren Ende eine enge Wendeltreppe nach oben in die erste Etage führte, wo es weitere Sitzplätze gab. Eine Welle von Erinnerungen überrollte ihn, er meinte das Lachen seiner Kollegen zu hören, die Trinksprüche und das Fluchen, weil das eigene Blatt mal wieder schlechter war als das der anderen. Wie früher war die Wand zu seiner Linken kahl, der Putz blätterte ab, darunter war der nackte Beton zu erkennen. Seine Sohlen blieben kurz am Boden kleben, offenbar wurde nach wie vor nur jeden zweiten Tag gewischt. Die Panoramascheibe war beschlagen, auf der niedrigen Bank davor lagen zwei Kissen, eine Zeitung, ein Aschenbecher stand darauf. Das Rauchen war auch im Charlies längst nicht mehr erlaubt, aber wie kleine Relikte aus einer vergangenen Zeit standen überall Aschenbecher herum.

»Ich bin sofort da!«

Die Stimme kam aus dem Raum hinter der Bar. Langsam ging Jakob an Nierentischen vorbei, an grauen, beigen und roten Stühlen. Ein Bataillon an Spirituosen war hinter der Bar aufgebaut, dazu die Zapfanlage, die Charlie eigens aus Brighton mitgebracht hatte. Hier im Charlies waren Geburtstage gefeiert worden, hatten neue Kollegen ihre Feuertaufe durchlebt. Jeder, der hierherkam, trug sein Päckchen. Dinge, die man nicht vergessen konnte, Dinge, die der Job nun mal mit sich brachte.

Das Charlies war ein Ort des Trostes, wenige Straßen vom Präsidium entfernt.

Es war seine Heimat gewesen, lange bevor er Mariella kennengelernt hatte.

»Ach nee, wen haben wir denn da?«

Charlie stand in der Tür hinter der Bar, in den Händen einen Pappkarton mit Gläsern. Er stellte ihn ab und wischte sich die Hände an einem Spültuch ab.

Leseprobe Benjamin Cors: Krähentage

»Ich werd verrückt. Wenn das nicht Jakob Krogh ist, der verlorene Sohn. Wenn ich mich recht erinnere, hattest du schon mal fröhlichere Farben an, mein Lieber. Kaffee? Schwarz nehme ich an, wenn ich dich so sehe.«

Jakob blickte in den Spiegel gegenüber. Schwarze Hose, schwarzer Rollkragenpullover, darüber eine dunkelgraue Jacke. Sein Bart zeigte Spuren von Grau.

»Du hast zugenommen, Charlie. Treibst du keinen Sport mehr?«

»Geht dich nichts an, Bulle. Hier, ich habe neue Bohnen, beste Ware, probier den mal.«

Jakob setzte sich auf einen der Barhocker, wischte mit der Hand die Krümel weg und trank einen Schluck.

»Nicht schlecht.«

»Nicht schlecht? Du kannst gleich wieder gehen, mein Lieber. Was machst du überhaupt hier, ich dachte, du schaust den ganzen Tag aufs Meer?«

Jakob zog einen der Aschenbecher zu sich heran, es war nur ein Reflex, denn er rauchte längst nicht mehr. Er betrachtete

Charlie, der im speckigen Pullover hinter der Bar stand und Gläser einräumte. Sein Gesicht war etwas aufgedunsen, die Haare waren dünner geworden.

»Siehst ungesund aus, Charlie.«

Der massige Mann rollte mit den Augen.

»Bist du zurückgekommen, um mir eine Predigt zu halten?«

Jakob hob seine Tasse und prostete ihm zu.

»Tut mir leid. Es ist schön, dich zu sehen.«

Der Barbesitzer hob ein halbvolles Wasserglas in seine Richtung und schaltete die Anlage ein. Jakob war nicht zuletzt wegen der Musik so oft hier gewesen. Menschen wie Charlie wussten intuitiv, welcher Song den Raum zum Klingen brachte. So war es damals gewesen, in den lauten Zeiten. Und so war es jetzt, in den leisen.

Days like this. Van Morrison.

Jakob trank seinen Kaffee und sah auf die Uhr. Mila würde hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Charlie sah ihn nachdenklich an, bis sie beide lächelten.

»Es tut verdammt gut, dich zu sehen. Komm her, lass dich umarmen.«

Der Barkeeper drückte ihn an sich.

»Ist ja kaum was dran an dir, mein Gott. Wie willst du da mit aller Kraft wieder einsteigen?«

Jakob lachte.

»Also, erzähl schon«, sagte Charlie. »Wie ist es dir ergangen? Was hast du gemacht?«

»Das ist eine verdammt gute Frage, das wüsste ich auch gern. Was hast du eigentlich die ganze Zeit gemacht, Jakob Krogh?«

Jakob erkannte die Stimme sofort. Er drehte sich um und sah zuerst die schweren Bikerboots, die die enge Wendeltreppe herunterkamen. Dann verwaschene Jeans, die der Mann sich gerade zuknöpfte, das Cordhemd und schließlich das Holster, in dem seine Dienstwaffe steckte.

»Da geht man einmal kurz pissen, und wenn man zurückkommt, sitzt die Vergangenheit am Tresen. Machst du mir auch einen Kaffee, Charlie?«

»Kommt sofort.«

Das Lächeln und auch die Selbstsicherheit, mit der Lasse Callsen die Wendeltreppe heruntergekommen war, waren Jakob noch sehr vertraut. Kein Wunder, denn genau wie er kannte Lasse jeden Quadratzentimeter in dieser Bar, er hatte schon auf jedem Stuhl gesessen und war öfter in weiblicher Begleitung als allein aus dem Charlies getaumelt.

Er sah aus wie immer, eine Zigarette hinters Ohr geklemmt, die er anzünden würde, sobald er aus der Tür war, ein markantes Gesicht, breite Schultern und ein noch breiteres Grinsen.

»Jakob Krogh. Kaum zu glauben.«

»Lasse Callsen. Wen man nicht alles trifft, und das gleich am ersten Tag.«

»Du hättest dich mal melden können.«

»Habe ich aber nicht. So wie du.«

Jakob erhob sich, um den Kollegen zu begrüßen.

»Mein Gott«, sagte Lasse, jetzt mit leiser Stimme. »Du siehst aus wie einer, der was mitgemacht hat. Und trotzdem, du hättest anrufen können, dann hätten wir eine ordentliche Willkommensparty steigen lassen!«

Sie setzten sich an den Tresen, und Jakob hatte plötzlich das seltsame Gefühl, nie aufgestanden zu sein von diesem Hocker. Er zog die Zigarette hinter Lasses Ohr hervor und drehte sie zwischen den Fingern.

»Ich … es ist in Ordnung, wie es war. Ich hätte es nicht geschafft, von hier aus.«

Lasse nickte.

»Dein Vater, ist er …«

»Er ist gestorben. Er ist dann endlich irgendwann gestorben, und es war gut so. Es war ein langer Weg, wirklich hart. Krebs ist nicht schön. Es war richtig hässlich. Aber am Ende war es gut.«

»Wann ist er gestorben?«

»Im Sommer.«

Lasse holte sich die Zigarette zurück und steckte sie wieder hinters Ohr.

»Ich habe versucht, dich zu erreichen, damals. Aber irgendwie … du bist richtig von der Bildfläche verschwunden. Ich meine, wir wussten alle, dass es schlecht steht um den alten Krogh. Einige von uns kannten ihn ja noch. Gab es keine Trauerfeier oder so was? Ich habe mich erkundigt, niemand im Präsidium wusste etwas.«

Jakob drehte den Aschenbecher in der Hand und machte das Feuerzeug an.

»Er wollte es so«, sagte er, während er die Flamme vor seinen Augen tänzeln ließ.

Lasse streckte sich und blickte auf die Uhr.

»Und jetzt? Ich habe gehört, du sollst die neue Einheit leiten. Ganz schöner Kaltstart, ehrlich gesagt.«

Jakob legte das Feuerzeug zurück auf den Tresen und nickte.

»Aber irgendwann muss ich ja wieder anfangen. So ein Haus am Meer will auch bezahlt werden.«

»Aber gleich so eine Aufgabe, Respekt. Hör zu, ich muss leider los. Lass uns bald wieder treffen, heute Abend vielleicht? Ein paar Bier auf die alten Zeiten, was meinst du?«

»Hört sich gut an. Warte, mein Handy …«

Während Lasse Charlie zwei Münzen auf den Tresen legte und seine Jacke holte, zog Jakob das Telefon aus der Tasche und lächelte, als er Mariellas Nummer sah. Als er ranging, hörte er Filips Stimme: »Hallo, Papa, ich bin’s!«

»Hallo, mein Kleiner. Was gibt’s? Wie geht’s dir?«

»Gut! Papa, weißt du, wo mein Hase ist?«

»Dein Hase? Den hattest du heute Morgen doch im Arm.«

Jakob schaltete den Lautsprecher ein und legte das Handy auf den Tresen, um einen Schluck Kaffee zu nehmen. Lasse stand jetzt neben ihm und lächelte.

Lasse flüsterte ihm über die Kinderstimme hinweg zu: »Filip? Wie alt ist er jetzt?«

»Vier.«

»Wahnsinn.«

»Papa, ich finde ihn aber nicht.«

»Dann schau mal in der Kiste neben deinem Bett. Vielleicht hast du ihn da wieder reingelegt.«

»Ja!! Da ist er. Danke und tschüss, Papa!«

»Tschüss, Filip!«

»Du musst sie mir beide mal vorstellen, unbedingt«, sagte Lasse.

»Mach ich. Ich habe gehört, du bist gar nicht mehr in der Mord?«

Sein alter Kollege schüttelte den Kopf.

»Wirtschaftskriminalität. Ich wollte mal was anderes machen, die Dinge etwas ruhiger angehen lassen. Und womöglich wird da ein höherer Besoldungsrang frei, ich rechne mir was aus. Mach’s gut, sag Bescheid wegen heute Abend. Mann, tut das gut, dich wieder hierzuhaben. Ist alles ein bisschen langweilig geworden ohne dich.«

Jakob steckte sein Handy wieder ein und warf ebenfalls einen Blick auf die Uhr. Es wurde langsam zu spät für einen Kaffee mit Mila.

In diesem Moment war ein kalter Luftzug zu spüren.

»Schöne Frau, kommen Sie nur rein«, hörte er Lasses Stimme.

»Dies ist die Heimat der verlorenen und wiedergefundenen

Seelen. Ich bin Lasse. Und Sie sind …«

»Ich bin verabredet. Danke.«

Jakob drehte den Kopf und sah, dass Lasse der Frau die Tür aufhielt. Er hatte es sich nicht verkneifen können, sie anzusprechen. Und er konnte es ihm nicht verübeln, denn Mila Weiss war eine attraktive Frau. Sie trug einen blauen Mantel und einen langen grauen Schal, dazu Jeans und weiße Sneaker. Die kurzen Haare hatten das gleiche Braun wie ihre Augen. Sie war sichtlich genervt und schenkte Lasses Avancen keine Beachtung. Während sie ihr Handy aus der Manteltasche fischte und einen Anruf entgegennahm, drehte Lasse sich zu Jakob um und gab ihm ein Zeichen, das man nur auf eine Weise interpretieren konnte. Sein Kollege war schon immer ein Freund der Abwechslung gewesen und vergaß dabei auch gerne mal die Zeit. Jetzt wartete er lässig an die Wand gelehnt darauf, dass die Frau im blauen Mantel ihren Anruf beendete. So schnell würde er nicht aufgeben.

»Hier ist Mila Weiss. Was gibt es?«

Eine längere Pause, in der Mila zuhörte, während ihr Blick zuerst durch den Raum wanderte, dann an Jakob und schließlich an Lasse hängen blieb, der ihr direkt gegenüberstand. Der Polizist griff in seine Innentasche, holte einen Kugelschreiber heraus und kritzelte seine Handynummer auf einen Bierdeckel, den er von einem der Tische geangelt hatte.

Mila hörte immer noch zu, sie unterbrach ihren Gesprächspartner nur mit kurzen Fragen.

»Wie alt?«

»Wie lange ist das her?«

Lasse hielt ihr mit einem Lächeln den Bierdeckel hin, sie nahm ihn und lächelte zurück. Durchaus charmant, fand Jakob. Sie hielt kurz die Hand vor das Telefon und wandte sich an Lasse.

»Könntest du deinen Namen noch hinschreiben? Gern mit Nachnamen. Ich bin Mila. Mila Weiss.«

Sie sprach weiter in ihr Handy, während sie den Bierdeckel erneut entgegennahm und das Geschriebene betrachtete.

»Vielen Dank, liebe Kollegen, wir machen uns auf den Weg. Und noch etwas: Ich bräuchte eine Personenabfrage. Moment, ich habe hier den Namen: Callsen. Lasse mit Vornamen. Ja, ganz genau. Ja, ich weiß, dass er Polizist ist. Genau, den meine ich. Könnten Sie eine Anzeige aufsetzen? Belästigung einer Beamtin. Nein, das ist kein Scherz.«

»Wie bitte, was soll denn …?« Lasse starrte sie an, aber Mila lächelte nur und reichte ihm den Bierdeckel zurück.

»Danke, ich brauche ihn nicht mehr … Alles klar, Kollege, ich werde das dann unterschreiben, wenn ich im Büro bin.«

Jakob musste sich zusammenreißen, um nicht laut loszulachen. Lasse starrte Mila immer noch mit offenem Mund an.

»Was heißt hier ›Belästigung einer Beamtin‹«, zischte er und trat einen Schritt auf sie zu. »Ich kann dir gleich mal zeigen, was Belästigung ist …«

Aber Mila Weiss zuckte nicht zurück, im Gegenteil.

»Ja? Wie würde das aussehen? Sag schon. Ich freue mich drauf, das alles aufzuschreiben. Komm schon, Lasse Callsen. Oder verzieh dich, du wolltest doch gehen, oder?«

Er starrte sie wütend an, ehe er sich an ihr vorbeischob und fluchend durch die Tür verschwand. Mila drehte sich zu Jakob um.

»Wir müssen los.«

Mit diesen Worten begann der erste gemeinsame Tag von Jakob Krogh und Mila Weiss als gemeinsame Leiter der neu gegründeten Gruppe 4, der Sondereinheit für komplexe Serienstraftaten.

VERWANDLUNG

Licht an.

Die Glühbirnen knistern. Surrend entsteht ein Kranz aus warmem Licht. Jenseits dieses gleißenden Rahmens ist es dunkel. Kein Lichtstrahl dringt in den Raum. Alle Ritzen sind abgeklebt, der Vorhang zugezogen, weil alles draußen bleiben muss.

Alle Lügen. Und alle Wahrheiten auch.

In der Mitte des Spiegels schält sich ein Gesicht aus der Dunkelheit. Es ist sein Gesicht, auch wenn er noch Mühe hat, es willkommen zu heißen.

Es hat feine Linien, wie mit Tusche gezeichnet. Hohe Wangenknochen, auffällige Wimpern, geschwungene Lippen, die Haut ist blass und weich. Die langen Finger, die ihren Platz auf der Ablage vor dem Spiegel suchen, bewegen sich zart und fließend. Ein schlanker Hals, schmale Schultern, die die Last dieser Welt niemals tragen könnten.

Elias.

Ein Kratzen ist zu hören, hinter ihm, in der Dunkelheit. Er ist nicht allein. Er war es nie.

Wie oft hatte er vor dem Spiegel gesessen, den Blick ins Unendliche gerichtet, so lange, bis seine Augen brannten? So lange, bis er sich selbst auflöste und nicht mehr wusste, auf welcher Seite sein wahres Ich saß. Saß er womöglich hinter dem Spiegel und blickte auf sich selbst, umgeben von Pinseln und Quasten, von kleinen Tiegeln, von Schminkkästen und Perücken an der Wand?

Das Kratzen hinter ihm wird lauter.

So wie damals.

Er erinnert sich noch an das erste Mal. Plötzlich waren sie da.

Die Vögel.

Schlugen mit dem Schnabel gegen das Holz. Kratzten mit ihren Krallen über das Dach. Tock, tock.

Und irgendwann zeigten sie sich, kamen zu ihm herein.

Starrten ihn an aus wässrigen Augen, in denen das Mitleid zu schwimmen schien und auch die Häme.

Böse, dunkle Tiere.

Sie waren seine einzigen Besucher.

Er räuspert sich, sieht seinen Kehlkopf zucken. Die Stimmbänder sind noch belegt, es braucht immer seine Zeit, um Leben abzustreifen, um die Stimme, die ihm so vertraut geworden ist, zum Verstummen zu bringen.

Und um daraus eine neue erwachsen zu lassen.

»Guten Tag.« Er kann sie noch hören. Und spüren. Die alte Frau, die eben noch mit dem Einkaufstrolley durch ihr Viertel schlurfte. Und die ihren Geburtstagskuchen nicht anrühren wollte.

»Ich nehme drei Brötchen, bitte.«

Schwach ist die Stimme und leise. Wie die Stimme eines Menschen, der am Ende seines Lebens angekommen ist.

»Einen schönen Tag noch. Einen … schönen … Tag … noch.«

Es ist ihm wichtig, dieses Abschiednehmen. Das Loslassen eines fremden Körpers, das Abstreifen einer alten Haut. Er weiß: Selbst wenn alles gestorben ist – der Körper, der Geist und auch die Seele –, dann ist da immer noch eine Melodie in seinem Kopf, die sich verwebt mit dem nächsten heiseren Krächzen im Hintergrund. Aber sie muss verstummen, für immer. Platz machen für etwas Neues. Und deshalb spricht er diese letzten Sätze. Bis da nichts mehr ist und er loslassen kann.

Der Vogel bewegt sich, will raus. Aber er lässt ihn nicht. Als er sich umdreht zu ihm, blicken ihn diese Augen wieder an. Wässrig, umrahmt von dunklem Gefieder.

»Mein Name ist Irene Nowak. Ich habe heute Geburtstag.«

Tock, tock.

»Mein Name ist Irene Nowak. Ich habe …«

Der Schnabel hackt gegen den Käfig. Das Schlagen eines Flügels, kraftvoll und bestimmt.

»Mein Name ist Irene Nowak.«

Es ist Zeit für neues Leben.

»Mein Name ist …«

Licht aus.

Die Glühbirnen knistern. Der Spiegel wird von Schwärze verschluckt und mit ihm sein Gesicht, sein Blick, die langen Finger und auch die helle Haut.

Das Bild ausgelöscht. Nur noch die Stimme bleibt.

Eine dunkle, kräftige Männerstimme. Es ist nicht seine eigene. Noch nicht.

»Guten Tag. Mein Name ist Ben Richter.«

Tock, tock.

»Guten Tag. Mein Name ist Ben Richter. Ich studiere Jura im fünften Semester. Ich bin vierundzwanzig Jahre alt. Und ich bekomme bald Besuch.«

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IMPRESSUM

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HERAUSGEBER

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CHEFREDAKTEUR

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PROJEKTLEITUNG

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GESTALTUNG

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VERMARKTUNG

REBLZ und Partner / HUP GmbH, Familotel AG

DISTRIBUTION

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REBLZ und Partner, eine Marke des Software- und Medienhauses HUP GmbH, unterstützt Unternehmen, Medienhäuser, Autoren und Influencer mit Marketing-, Digitalisierungs- und VertriebsKnow-how in den C5-Bereichen Consulting, Concepts, Content, Cooperations und Creation. www.reblz.de X

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