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Sommer ° 2019 evangelisch und sächsisch

Entscheidung: Dann bleibe ich zu Hause

Perfekt in Familie und Beruf – geht das?

Geliebt: Mein unperfektes Kind

M I T   FA M I L I E N -T I P P S , C O M I C   U N D  V I E L E M  M E H R


Ohne S ONNTAG fehlt Dir was! Gerhard Schöne

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© Steffen Giersch

Inhalt • im Sommer

4 Kinderumfrage Müssen Eltern perfekt sein? 5 Aktuelles

12 Veranstaltungen Unterwegs in der Sonne 12 Impressum 18 Comic Lena hat Angst 21 Rätsel

14 Titelillustration: Diana Griesbach

6 Titelgeschichte Ich bleibe zu Hause

22 Tipps zum Lesen und Vorlesen

14 Interview Wo Eltern auftanken

28 Selber machen Den Stand nach Hause holen

24 Reportage Ja zum unperfekten Kind

30 Fabian Vogt Absolut perfekt

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser, alles gut? Perfekt!  Muss ja, heutzutage. Kann doch nicht so schwer sein, perfekt zu sein im Beruf, in der Familie, in der Partnerschaft. Seltsamerweise sehen so viele Menschen nur gar nicht so glücklich dabei aus, perfekt zu sein. Was das kleine Wort im Lateinischen meint: vollendet sein. Oder: abge­ schlossen. Besser geht nicht. Aber auch nicht einsamer. Perfekt ist der Gipfel. Aber auch Endstation. Da gibt es keinen Weg mehr, nichts mehr zu verbessern, zu bereuen oder zu verzeihen. Ziemlich kalt muss es da sein.

Und ziemlich weit entfernt vom wirk­ lichen Leben. Das ist nicht abgeschlossen, sondern eine offene Straße mit vielen Kurven und Abzweigungen. Die Chemnitzer Familie Sporbert etwa wollte Beruf und Familie perfekt in Einklang bringen und gab ihren Sohn Ole mit einem Jahr zu einer Tagesmutter – dann sahen sie seinen Trennungsschmerz. Und entschieden sich um. Ihre unabgeschlossene Geschichte lesen Sie ab Seite 6. Und es gibt Kinder, bei denen Eltern und Ärzte schon vor ihrer Geburt das Unperfekte feststellen: ein veränder-

© Steffen Giersch

© Steffen Giersch

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tes Gen. Und die dennoch Ja sagen. Die Reportage ab Seite 24 erzählt davon, wie schwer diese Entscheidung ist – und mit welchem Lachen und Tanzen sie belohnt werden kann. Perfekt? Nein. Aber schön. Einen sonnigen Sommer wünscht Ihnen und Ihrer Familie

Andreas Roth

Verantwortlicher Redakteur

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Meine Eltern sind cool. Sie können mir nicht alle Wünsche erfüllen, aber das ist in Ordnung. Keiner ist perfekt. Elisabeth, 13

Perfekt bist du ja, so wie du bist. Meine Eltern sind perfekt, weil sie mir vieles erlauben und helfen, wenn ich in gefährlichen Situationen bin. Phillip, 13

Müssen Eltern perfekt sein? NACHGEFR AGT Phillip, Elisabeth, Johanna, Ruth und Tabea besuchen die Freie Evangelische Oberschule (FES) in Dresden.

Meine Eltern sind für mich total richtig. Sie sind nicht perfekt, aber dafür gibt es ja Gründe. Johanna, 12

Meine Eltern sind cool. Sie müssen mir nicht alles erlauben. Sie sind perfekt, auch wenn sie nicht alles erlauben. Tabea, 11

Eltern müssen nicht perfekt sein. Gerade beim ersten Kind ist alles neu und man lernt daraus. Ich habe eine große Schwester und da merke ich das. Ruth, 12

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• Interview & Fotos: Karola Richter


© AceClipart_Etsy/pixabay

der Eltern von Neugeborenen in Sachsen sind unverheiratet – bundesweit sind es nur 35 Prozent.

35 % 59 %

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8 %

42 % ARTZ IV H

42 Prozent

So leben Familien in Sachsen

der Alleinerziehenden lebten in Sachsen 2015 von Hartz IV – 2005 waren es noch 54 Prozent. Bei Paarfamilien sind es nur 8 Prozent.

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Der Sozialbericht der sächsischen Regierung zeigt das Leben von Kindern und Eltern in Zahlen Wie geht es eigentlich den Sachsen? Das fragte sich die Landes­ regierung und ließ Statistiken von 2005 bis 2015 auswerten. Das Ergebnis: Es gibt immer mehr Geburten, mehr Hochzeiten, weniger Scheidungen. Und mehr Mut zu mehreren Kindern. Dass in 77 Prozent der Familien beide Elternteile Arbeit haben, könnte ein Grund dafür sein – 2005 waren es nur 65 Prozent. Doch in rund jeder vierten Familie in Sachsen leben nur Vater oder Mutter – und 42 Prozent von ihnen sind von Hartz IV abhängig.

9 Prozent

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aller Familien haben drei oder mehr Kinder – 2005 waren es nur 6 Prozent.

Quelle: Sozialbericht des sächsischen Sozialministeriums, erstellt in Kooperation mit dem Prognos-Institut und dem Institut für Therapieforschung München

• Alle Informationen im Internet unter www.sozialbericht.sachsen.de ANZEIGE

Nachhaltig gerüstet für die Schulzeit Der Schultaschenher­steller ergobag bietet innovative Begleiter für den Schulstart die auch nach der Einschulung nicht ausgedient haben. Die ergobag-Schultüte lässt sich Dank ihres flexiblen Materials www.ergobag.de zu einem Kissen, Aufbewahrungsbeutel oder zur Sammelstelle für Lieblingskletties umfunktionieren. So bleibt sie den kleinen I-Dötzchen lange als besonderer Begleiter erhalten. Genauso wie die ergobag-Schultasche: Sie wächst mit und lässt sich der Größe des Kindes anpassen. Noch dazu sorgen individuelle und kreative Kletties dafür, dass die Schultasche immer wieder neuge­ staltet werden kann und so immer zum Geschmack des Kindes passt.

Schwere Geburt Was Hebammen und werdende Eltern in Sachsen belastet Zwar gibt es keinen flächendeckenden Mangel an Hebammen in Sachsen – doch in den wachsenden Großstädten Leipzig, Dresden und Chemnitz werden sie knapp. Das zeigt die erste Studie zur Hebammenversorgung im Freistaat. Und sie weist auf Mängel in den Arbeitsbedingungen der Geburtshelferinnen hin. Die sächsische Regierung reagiert darauf unter anderem mit mehr Ausbildungsplätzen und der Förderung der Online-Vermittlungsplattform www.hebammen-sachsen.de.

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© mferreiradg/pixabay

gab es 2015 in Sachsen – die Zahl steigt seit Jahren wieder. Aber 1990 waren es 27 Prozent mehr.

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36 466 Neugeborene

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© MarkWiesenbach/pixabay

2015

1990

59 Prozent

© Beide: Mohamed Hassan/pixabay

Aktuelles • Sommer


Ihr Sohn sollte mit anderthalb Jahren zur Tagesmutter und sie wollte wieder arbeiten – Luise und Nils Sporbert wollten Familie und Beruf verbinden wie tausende andere Eltern. Nur kam der Schmerz der Trennung dazwischen, der Zweifel, das Leben eben. Und die Einsicht, dass man sich manchmal entscheiden muss. Auch wenn es etwas kostet.

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Titelstory

Dann bleibe ich zu Hause Der Plan war klar. Denn auch die Sache mit dem Kind muss heutzutage geplant werden. Wenn Ole anderthalb Jahre alt ist, sitzt seine Mutter wieder 30 Stunden pro Woche als Betriebswirtin eines großen Chemnitzer Energiever­ sor­gers am Schreibtisch. Sein Vater entwickelt als Konstrukteur Maschinen. Und um Ole kümmert sich eine Tagesmutter. Geht doch alles. Nur dass Ole schon am ersten Tag seine Straßenschuhe in der Garderobe der Tages­mutter suchte, um nach Hause zu gehen. Und weinte. Und schrie. Er ist kein Faktor in ­einem Plan. Dabei schien der perfekt zu sein. Luise und Nils Sporbert, ein Paar von 29 Jahren mit einer Wohnung am grünen Rand von Chemnitz und guten Berufen, hatten für ihren ersten Sohn Ole sogar eine gute Tagesmutter gefunden: nett, sympathisch, an einem Wald und mit Tieren. Nur über die Zeit, die Ole zu Hause betreut werden sollte, waren sie sich uneinig. Luise Sporbert, aufgewachsen in einer christlichen Großfamilie, war für zwei Jahre. Ihr Mann Nils, dem die Mutter einst als Lehrerin manchmal vom Schulfenster aus beim Schlafen in der Kinderkrippe zugesehen hatte, war für ein Jahr. Sie einigten sich in der Mitte.

Zeit mit Ole ist wichtiger als Geld: Luise und Nils Sporbert haben sich entschieden, ihn länger zu Hause zu behalten.

Das schien schlüssig. Beide gehen gern ar­beiten und das Geld für die Wohnung, zwei Autos, größere und kleinere Urlaube und Hobbys will auch verdient werden. Dann wurde Ole anderthalb Jahre alt. Und alles kam anders als geplant. Die Eingewöhnung begann an einem Donnerstagnachmittag. Auch die folgte einem Plan. Luise Sporbert ging zum ersten Mal mit ihrem Sohn zu der Tagesmutter und blieb mit ihm ­z usammen eine Stunde in der Gruppe. Am Freitag auch, und am Montag der folgenden Woche wieder. Am Dienstag trennte sie sich eine halbe Stunde von Ole. Eine kurze Weile ließ er sich vom Aquarium der Tagesmutter ablenken, denn er interessiert sich für Fische durch die Angelausflüge mit seinem Vater, doch dann kam der Schmerz.

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Am Mittwoch sollte die Trennung laut Plan eine Dreiviertelstunde dauern. Luise Sporbert wartete draußen im Garten der Tagesmutter. Sie hörte Ole weinen und schreien. Als sie später in die Gar­derobe trat, sah sie ihren Sohn ganz aufgelöst dasitzen. Er versuchte, sich die Straßenschuhe anzuziehen. Er wollte nach Hause. Eine Viertelstunde brauchte er, um sich zu beruhigen. »Mir tat das so in der Seele weh«, erinnert sich Luise Sporbert noch heute und knetet Oles Stoffhasen in ihren Händen, »ich musste im Auto selbst erst einmal weinen.« Sie rief ihren Mann Nils an. Sie mussten etwas entscheiden. Nils Sporbert ist Ingenieur. Er ist es gewöhnt, die Dinge rational zu betrachten. Doch das hier war anders. Abends wog das Paar die Fragen hin und her. »Wie machen wir das jetzt? Man zweifelt an der Entscheidung«, sagt Nils Sporbert. »Wir waren verunsichert. Als ich davon hörte, wie Ole in der Garderobe saß und versuchte, nach Hause zu gehen, da lief es mir eiskalt über den Rücken.« Er trägt noch die Erinnerung an seine eigenen Tage in der Krippe in sich und daran, dass fast immer eines der Kinder weinend auf einer Bank saß. Er wollte nicht, dass es Ole ist.

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Auch Eltern-Sein ist Arbeit: Am meisten Spaß macht sie gemeinsam mit Ole – und wenn es anstrengend wird, denken Luise und Nils Sporbert an seine Trennungstränen bei der Tagesmutter. Dann wissen sie, warum sie sich entschieden haben.

Luise Sporbert rief beim Chemnitzer Verein Nestbau Familie an. Der will Mütter wie sie beraten und begleiten. Kurz darauf saß Nestbau-Chefin Romy Richter im weiß strahlenden Wohnzimmer der Sporberts. »Der Anspruch in den Medien und der Wirtschaft, Familie und Beruf perfekt zu jonglieren, macht den Frauen so viel Druck – und dann stehen sie mit Ängsten oder gar Depressionen vor mir«, sagt Romy Richter, die mit ihren ehrenamtlichen Mitstreiterinnen Müttern Mut machen will zum Muttersein ohne Spagat. »Eltern sollen in Zeiten des Fachkräftemangels schnell wieder an den Arbeitsplatz zurückgebracht werden. Chefs üben Druck aus auf Frauen – und die müssen das Ende ihrer Elternzeit viel zu früh festlegen. Oft werden sie dann eiskalt erwischt.« Das ist auch politisch gewollt. Zwar stehen allen Eltern drei Jahre Elternzeit zu. Doch das 2007 eingeführte Elterngeld bezahlt der Staat in voller Höhe nur 14 Monate lang. Danach wird es finanziell eng. Für viele Mütter und Väter ist dadurch eine neue Norm entstanden: Die Zahl der Unter-Dreijährigen in Kitas und bei Tagesmüttern stieg seit 2007 von 34 084 auf 57 382 im vergangenen Jahr.

Wir waren verunsichert. Als ich davon hörte, wie Ole in der Garderobe saß und versuchte, nach Hause zu gehen, da lief es mir eiskalt über den Rücken. Nils Sporbert Oles Vater


Titelstory • »Dann bleibe ich zu Hause«

Betreuung der Kinder unter drei Jahren in Kitas und bei Tagesmüttern

Ole ist nicht darunter. Er bleibt zu Hause. Der Grund ist einfach: Seine Mutter hat auf ihr Mutter­ herz gehört. Und sein Vater auf sein Vaterherz. »Für mich war es eine der schwierigsten Entscheidungen«, sagt Nils Sporbert. »Als junge Familie will man schon auch ein bisschen verreisen, will sich auch mal etwas leisten. Doch die finanziellen Aspekte standen im Konflikt mit dem Wohl von Ole. Ich hadere immer noch manchmal mit der Entscheidung.« Seine Frau Luise schaut ihn an: »Ich habe da Gottvertrauen: Ich bin da nicht allein, wir schaffen das.« – »Dass Du in verzwickten Situationen, wo es keine optimale Entscheidung geben kann, so zuversichtlich sein kannst – ich bin da fast neidisch«, sagt Nils, der Ingenieur, zu seiner Frau. »Das hat mir auch sehr viel Zuversicht gegeben, dass es schon passen wird.« Und es passte wirklich. Auch wenn die Familie seitdem nur noch von einem Einkommen leben muss – aber es reicht. Obwohl Luise Sporbert unsicher war, wie ihre Chefs reagieren würden, wenn sie ihre Elternzeit so kurzfristig verlängert – aber sie hatten Verständnis. Obwohl manche in ihrem Umfeld ihre Entscheidung nicht verstehen. Und obwohl sich die Eltern nun manchen Kauf mehrmals überlegen müssen. Sie fühlen sich privilegiert. Nicht nur finanziell.

Quelle: Statistisches Landesamt

Es beginnt morgens, wenn Ole nicht geweckt werden muss, weil Krippe und Arbeit rufen. Das gemeinsame Frühstücken in Ruhe, der eigene Rhythmus. Luise Sporbert stellt ihrem Sohn eine Schale Weintrauben hin und er untersucht und sortiert sie in aller Ruhe. Auch die Mutter hetzt nichts. Als Ole weint, nimmt sie ihn auf den Arm und streicht über seinen Kopf. »Wieder gut?« An einigen Vormittagen gehen sie zum MutterKind-Kreis in die Kirchgemeinde, an anderen in den nahen Wald. Oder auf den Spielplatz. Und ­gerade winkt Oles einjährige Cousine durch die Balkontür. An Kontakten zu anderen Kindern mangelt es ihm nicht. Dann Mittagessen, Mittagsschlaf, Kochen und Wäscheberge. »Sicher gibt es auch Tage, die nerven. Da wäre es schön, auf Arbeit zu gehen«, sagt Luise Sporbert. Aber dann blickt sie auf Ole, denkt an den Tag in der Garderobe seiner Tagesmutter. Und an die vielen Tage, die noch kommen werden und für Beruf oder Karriere genug sein werden.

Eltern sollen in Zeiten des Fachkräftemangels schnell wieder an den Arbeitsplatz zurückgebracht werden. Romy Richter Nestbau Familie

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Titelstory • »Dann bleibe ich zu Hause«

In unserer schnelllebigen Zeit genießen manche die Zeit mit ihren Kindern gar nicht. Luise Sporbert Oles Mutter

Nachmittags halb vier kommt Oles Vater. Um mit seinem Sohn zu malen oder an der kleinen hölzernen Werkbank im Wohnzimmer zu stehen, fährt er extrazeitig auf Arbeit. Ole sägt etwas Unsichtbares mit dem hölzernen Fuchsschwanz, Vater und Sohn arbeiten ziemlich konzentriert. Nils Sporbert weiß: Mit Geld ist das hier nicht aufzuwiegen. Und doch ist es für viele Familien am Ende auch eine Frage des Geldes. Zu Hause bleiben mit dem Kind muss man sich leisten wollen. Und können. »Kinderkrippenplätze werden vom Staat mit 1000 Euro im Monat subventioniert – aber Eltern sollten selbst entscheiden können, ob sie dieses Geld für Betreuung in einer Kita, bei einer Tagesmutter oder zu Hause nutzen wollen«, fordert Romy Richter vom Verein Nestbau Familie. »Erst mit einem solchen Betreuungsgeld bekommen wir eine Wahlf reiheit.« Das sächsische Landeserziehungsgeld ­ dagegen beträgt für das erste Kind nur 150 Euro monatlich und richtet sich bloß an Familien mit sehr geringem Einkommen. Für Familien wie die Sporberts ist es keine Hilfe. Doch sie haben auch so ihre Entscheidung getroffen. Ole tippt auf den Bauch seiner Mutter. »Hast Du dem Baby was gegeben?«, fragt Luise Sporbert lächelnd ihren Sohn, als er sie mit einer Weintraube füttert. Bald wird er einen Bruder haben. Er soll nicht auch so früh den Trennungsschmerz kennenlernen, da sind sich die Eltern

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e­ inig. Und Ole wird erst in anderthalb Jahren in einen Kindergarten gehen. Draußen wird das Sonnenlicht milder. Ole macht »Brumm« und fährt mit seinem Laufrad über die Wiese vor dem Haus. Das hat er gerade gelernt. »Oh, klasse«, sein Vater blickt ihm stolz nach. Dann drehen beide das Rad herum und unter­ suchen es wie in Papas Werkstatt. Ole zeigt fachmännisch auf die Gabel und klingelt. Luise Sporbert sieht ihren Jungs aus der Ferne zu. »In unserer schnelllebigen Zeit genießen manche die Zeit mit ihren Kindern gar nicht«, sagt sie leise. Das zu können ist eine Gabe, ein Geschenk. Planen lässt es sich jedenfalls nicht. • Text: Andreas Roth Illustrationen: Diana Griesbach Fotos: Steffen Giersch

HILFE FÜR ELTERN Vereine wie Nestbau Familie in Chemnitz sowie die Familien- und Erziehungsberatungsstellen der Diakonie in ganz Sachsen sind für Eltern bei Fragen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf da. www.nestbau-familie.de


Zu hoch gegriffen Die Geschichte von der Perfektion beginnt im Paradies. Und sie endet mit dem Verlust des unbekümmerten Lebens. Eva und Adam ging es gut, sie waren entspannt – nur von dem einen Baum sollten sie nicht essen. Quatsch, sprach die Schlange zu Eva: »An dem Tag, da ihr davon esst, werdet ihr sein wie Gott.« Dann werden die Menschen perfekt sein. Und genau das wollten schon Adam und Eva. Das Ergebnis ist bekannt: Aus der Vollkommenheit wurde nichts – dafür wurden Kinderkriegen und Arbeit zur Qual. Und das Paradies wurde für die Menschen geschlossen. Mit Perfektion ist es offensichtlich nicht zu öffnen.

Das große L-Wort Ja, okay, an frommen Sprüchen herrscht kein Mangel in der Bibel. Aber auch an Gescheiterten nicht. Und einer der größten von ihnen hieß Paulus. Erst verfolgte er die Jünger Jesu brutal – aufgehalten hat er sie nicht. Dann verwandelte er sich zum übereifrigen Prediger für Christus – und erntete reichlich Spott. Am Ende landete er im Gefängnis. Paulus hatte erfahren müssen, dass das mit der Perfektion so eine Sache ist. »Und wenn ich wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben«, schreibt er, »und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.«

Raus aus dem Hamsterrad Der Wunsch, perfekt zu sein, verstellt manchmal den Blick. Eine kleine unscheinbare Geschichte in der Bibel erzählt davon. Jesus wird in einem Dorf von einer Frau namens Marta aufgenommen. Sie will eine gute Gastgeberin sein und fährt groß auf. Schnell wird es stressig. Ihre Schwester Maria dagegen setzt sich einfach zu Jesus. »Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll!«, bittet Marta Jesus etwas ungehalten. »Maria hat die richtige Wahl getroffen«, erwidert ihr Jesus. Manchmal ist Dasein wichtiger als Tun.

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FÜR A NFÄ NGER

Perfekt sein ist schöner, keine Frage: Als Mutter oder Vater, im Beruf oder als Partner wird überall nur das Beste verlangt. Das muss schiefgehen. Aber das ist nicht schlimm, meint die Bibel. Sie ist voller Geschichten vom Scheitern, aus dem Neues und Großes erwächst. Scheitern ist nicht Schluss Genau genommen ist diese Geschichte von Jesus auch eine Geschichte des Scheiterns. Vielleicht des größten überhaupt: am Kreuz, Todesstrafe, wie ein Verbrecher. Als seine drei Freundinnen Maria, Maria Magdalena und Salome sein leeres Grab finden, fürchten sie sich nur. Aber das ist nicht das Ende dieser Geschichte. Sie geht weiter. Und unzählige Menschen haben seitdem berichtet, dass dieser Jesus ihnen nahe ist. Irgendwie. Gerade, wenn sie scheiterten. • Text: Andreas Roth, Illustrationen: Diana Griesbach

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Veranstaltungen • Unterwegs in der Sonne

Feiern, Singen und Staunen ANZEIGE

Urlaubszeit – Guter Begleiter erwünscht! Ob als Familie, Alleinerziehend, Geschieden oder einfach Lust drauf: Zahlreiche Sachsen machen sich in den Sommer­ ferien allein mit Kind(ern) auf Reise. Man möchte nicht unvorbereitet verreisen, um während der Reise zu merken, was man hätte anders machen können. Der junge Verlag »World for kids!« bietet in diversen Reiseführern für Kinder spannende Infos und Wissen zu konkreten Zielen von der Ostsee bis nach Thailand. Bunt und kindgerecht gestaltet und mit Erzählungen gespickt, entdecken Kinder die Länder im Buch. Für Eltern ist »Reisen mit Kindern – 11 Blogger verraten ihre besten Tipps« zu empfehlen. Im Ratgeber erzählen reiseerfahrene Blogger, wie man sich auf Flüge mit Kleinkindern vorbereitet, was man einpacken sollte, wie Kultur nicht langweilig wird, welche Reisezeit für welche Ziele ideal ist und viele weitere wertvolle Anregungen, die das Reisen erleichtern und zu einem intensiveren Erlebnis machen. Alle Autoren sind erfahrene Weltreisende mit Kind. Auch die Dresdnerin Jenny Menzel vom Blog »Weltwunderer« ist darin vertreten. Für Alleinerziehende kommt im Juni »Allein mit Kind unterwegs« von Angela Misslbeck in die Buchläden – ein weiterer Ratgeber aus der Serie Reisen mit Kindern. Gepäck alleine wuppen, Sicherheit auf Reisen, die lange Autofahrt: Die Autorin kennt die Herausforderungen, vor denen Alleinreisende Eltern stehen – mit ihrem Buch zur Hand kann nichts mehr schiefgehen.

kurz gemeldet »Evas unter sich« sind Abende für Frauen und Freundinnen mit einem für sie inte­ ressanten Thema, das vielfältig mit Gesang, Texten und Gedichten beleuchtet wird, wobei die Botschaft Jesu den besten Platz innehat. Das nächste Treffen findet am 26. Juni in der Christusgemeinde Freiberg statt. www.evas-freiberg.de Argentinische Klänge gibt es vom 28. bis 30. Juni beim 15. Musikfest des Vereins Via Regia im Bischof-Benno-Haus Schmochtitz mit »Ciudad de la Plata« aus Argentinien. Am Sonntag ist Familientag in Koope­ration zwischen dem Bischof-Benno-Haus, der Kreismusikschule Bautzen und anderen Partnern. www.musikfest-schmochtitz.de In diesem Jahr findet der Tag der Sachsen in Riesa an der Elbe unter dem Motto »Wie die ›Wiesn‹. Nur besser!« statt. Vom 6. bis 8. September präsentieren sich allerlei Vereine und Organisationen sowie die Evan­gelischLutherische Landeskirche Sachsens einem breiten Publikum. Die Kirchenmeile wird rund um die Lutherkirche zu finden sein.

• Mehr unter www.world-for-kids.com

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Anlass des Stadtfestes in SchirgiswaldeKirschau am 8. September ist das 150-jährige Crostauer Kirchweihjubiläum und 600 Jahre Crostau. Die neu gegos­sene Glocke wird feierlich eingeholt, anschließend lädt die Gemeinde zum Erntedank-Festgottesdienst. Der Tag des offenen Denkmals am 8. Sep­ tember dreht sich um das 100-jährige Jubiläum des Bauhauses. Kirchen und Museen vom Vogtland bis in die Ober­lausitz lassen einen Blick hinter sonst verschlossene Türen werfen und geben interessante Informationen preis.

Reiseführer für Kinder und Ratgeber für Eltern im Buchhandel oder auf

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© Verein Historische Mönchszüge Berg Oybin e. V.

Oberwiesenthaler Marktplatzfest lädt zur Olympiade Buntes und abwechslungsreiches Bühnenprogramm, kulinarische Leckerbissen und tolle musikalische Untermalung Vom 9. bis 11. August findet im Kurort Oberwiesenthal das traditionelle Marktplatzfest statt. Nicht nur Livemusik, auch der Bergmannszug gehört zu diesem besonderen sommerlichen Ereignis zum Zuhören, Staunen und Mit­ machen. Für Kinder gibt es viele Attraktionen, wie Spiele, Basteleien und andere Stände. Am Samstag lockt von 10 bis 15 Uhr die Marktplatzolympiade mit Torwandschießen, Laserbiathlon und mehr. Auf der Handwerkermeile können die Besucher erfahrenen Handwerkern über die Schulter schauen oder sich auch einmal selbst versuchen und die eigenen Fingerfertigkeiten austesten. Am Sonntag feiert um 10 Uhr die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde am Fichtelberg & Bärenstein Gottesdienst im Rahmen des Marktplatzfestes.

Historischer Mönchszug auf dem Berg Oybin Erlebnisreiche Abende in romantischer Kulisse und stimmungsvolle Chormusik

• Weitere Termine und Infos unter www.moenchszug-oybin.de

IMPRESSUM FamilienSONNTAG | Sonderveröffentlichung von DER SONNTAG – Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens | Internet: www.familiensonntag.org | Herausgeber: Evange­lischer Medienverband in Sachsen e. V. (EMV) | Redaktion: Andreas Roth (verantwortlich), Karola Richter; familien@sonntag-sachsen.de | Gestaltung: Anja Haß | Verlag: Evangelisches Medienhaus GmbH, Postfach 22 15 61, 04135 Leipzig, Geschäftsführung: Sebastian Knöfel | Vertrieb: Christine Herrmann, herrmann@emh-leipzig.de | Anzeigen­ service: Tel. (0341) 711 41 35, anzeigen@emh-leipzig.de; m-public Medien Services GmbH, Tel: (030) 325 321 434, hirschel@m-public.de; Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr 2. vom 1. Januar 2019 | Druck: Schenkelberg Druck Weimar GmbH, Hergestellt aus 100 %-Recyclingpapier | Copyright: Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung innerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes bedarf der Zustimmung des Verlags. Für unverlangt eingesandte Manus­k ripte und Fotos wird keine Gewähr übernommen. | Redaktionsschluss: 6. Juni 2019

• Weitere Informationen unter www.oberwiesenthal.de © Gästeinformation Kurort Oberwiesenthal

Der Verein »Historische Mönchszüge – Berg Oybin e. V.« gestaltet auf dem Berg Oybin in den Sommer­ monaten den »Historischen Mönchszug«, unter anderem am 22. Juni, begleitet vom Chornett Mittelherwigsdorf, oder am 20. Juli um 21 Uhr der 400. Jubiläumsmönchszug mit dem Cölestiner­ chor und Kaiserzug Karl IV. Diese Veranstaltung beruht auf der Geschichte der Cölestinermönche, die von 1366 bis 1547 dort lebten. Im Jahr 1851 wurde der erste Mönchszug durchgeführt. Der Oybin wird dabei stimmungsvoll beleuchtet, während die Mönche singend und im Fackelschein über den Berg in die Klosterkirche einziehen.

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Christiane Händel Zur Person ist Referentin für Frauengesundheit bei der Kirchlichen Frauenarbeit in Sachsen. Die gelernte Ergothera­peutin (52) blieb für ihre drei Söhne fast zehn Jahre zu Hause, studierte danach Soziale Arbeit und begann beruflich noch einmal auf neuen Wegen.

Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen: Das kann passieren, wenn Eltern Familie und Beruf zugleich stemmen wollen. Oder müssen. In einer Mutter- oder VaterKind-Kur können sie auftanken. Christiane Händel von der Kirchlichen Frauenarbeit Sachsen bearbeitet die Anträge – sie weiß, warum solche Angebote für Familien wichtig sind. Und was sich ändern muss.


Interview

»Viele reiben sich auf zwischen Kindern und Beruf« Frau Händel, kleine Kinder zu haben und Erfolg im Beruf – das scheint kein Problem zu sein in unserer Gesellschaft und wird zum Leitbild. Überfordert das Eltern? Christiane Händel: Auf jeden Fall ist das eine große Herausforderung. Denn wenn sich Paare für ein Kind entscheiden, sind sie meist auch in der heißen Phase des Berufseinstiegs – und dann geraten sie unter Druck. Sie haben den Wunsch, allem gerecht zu werden: Kinder gut aufwachsen zu lassen und zugleich sich selbst zu verwirklichen in einem erfüllenden Beruf. Gerade Frauen haben dann oft ein schlechtes Gewissen, weil alles nicht gut unter einen Hut zu bringen ist. Kann das krank machen? Studien zeigen, dass besonders Mütter in dieser Lebensphase unter Druck stehen und das Wohlbefinden leidet, weil der Spagat zwischen Familie und Beruf zu viel Kraft kostet. Die Fürsorge für andere lässt sie die Fürsorge für sich selbst vergessen. Da beginnt ein Kreislauf, der viele Frauen krank macht. Ein anderer Grund, der zur Erschöpfung vieler Mütter beiträgt, ist auch die geringe Anerkennung ihrer Hausarbeit.

Woher rührt dieser Druck, Familie und Beruf zugleich und gleich gut stemmen zu müssen? Es sind die vielfältigen Rollenanforderungen, denen Frauen in unserer Gesellschaft unterliegen. In erster Linie ist noch immer die Mutter die zuständige Person für Kinder und Haushalt. Und dann die Erwartung und der Anspruch, dass die Kinder gut geraten – alles muss perfekt funktionieren. Dazu kommt, dass immer mehr Frauen im Beruf ihre Erfüllung suchen. Das ist ja auch gewollt. Von wem? Von den Frauen selbst. Denn eine berufliche Tätigkeit ist anders anerkannt als Hausarbeit. Die Sorgearbeit in der Familie hat in unserer Gesellschaft keinen hohen Stellenwert. In einem Beruf dagegen können sich Frauen mit ihren Gaben ganz anders zeigen. Männer tun das doch auch – ist diese Gleichberechtigung für Frauen nicht ein Gewinn? Auf jeden Fall ist sie ein Gewinn. Das Dilemma ist nur, dass es nicht gut funktioniert. In Kur-Anträgen lesen wir, wie viele Frauen sich aufreiben zwischen der Notwendigkeit zur Vollzeit-

Arbeit und dem Wunsch, ihre Kinder gut zu begleiten. Wenn dann eine Krankheit, Beziehungsprobleme, beruflicher oder finanzieller Stress dazukommen, bringt sie das an ihre Grenzen. Ist auch der eigene Anspruch, in der Familie und im Beruf immer gut sein zu müssen, eine Falle? Der Anspruch, das Beste für sein Kind zu wollen, das Beste im Beruf zu erreichen, die Partnerschaft am Laufen zu halten, ist bei vielen Frauen perfek­ wwder Konkurrenzdruck sind in unserer Leistungsgesellschaft eine Herausforderung. Das Familienbild, das in den Medien vermittelt wird, trägt vielleicht auch einen Teil dazu bei. Wenn das Leben dann nicht so ist, wie es erwartet wird, kann sich eine Spirale aufschrauben, die der Gesundheit schadet. Warum fällt es vielen Eltern schwer, sich dann Hilfe zu holen? In dieser Situation ist die Suche nach Unterstützung noch eine zusätzliche Aufgabe zu allem anderen: auch noch an sich zu denken. Das tun viele Menschen erst, wenn der Alltag kaum noch zu bewältigen ist.

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Am Ende bleibt das berufliche Risiko der Elternschaft nach wie vor bei den Frauen? Das ist meist noch immer so. Das liegt auch daran, dass Väter in klassischen Männerberufen oft mehr verdienen als Mütter in klassischen Frauenberufen. Und erst recht, wenn sie in Teilzeit arbeiten. Dann ist die innerfamiliäre Aufgabenverteilung schnell in Bahnen gelenkt, die schwer zu verlassen sind.

Eine berufliche Tätigkeit ist anders anerkannt als Hausarbeit. Die Sorgearbeit in der Familie hat in unserer Gesellschaft keinen hohen Stellenwert.

Was sind Warnsignale einer Überlastung für Eltern? Erschöpfung, Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Angstgefühle, Kopf- und Rückenschmerzen. Und wenn es einem Elternteil nicht gut geht, hat das auch unmittelbare Auswirkungen auf die ganze Familie. Was kann Familien vor einer solchen Überlastung bewahren? Individuell ist es immer hilfreich, Freunde, Familie und Nachbarn zu haben, die ein Netzwerk bilden und Aufgaben abnehmen können. Das ist heute bei vielen nicht mehr selbst­ verständlich. Besonders Familien in prekären Situationen und viele Allein­ erziehende haben ein solches Netz nicht mehr und sind dann ganz allein mit ihren Problemen.

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Gibt es eine echte Wahlfreiheit für Familien, zu entscheiden, ob sie ihr Kind in eine Kita geben oder zu Hause betreuen? Eine Wahlfreiheit gibt es für Familien, die genug Geld haben und bei denen ein Elternteil so viel verdient, dass es für alle reicht. Alleinerziehende haben es dagegen am schwersten. Für Frauen, die länger zu Hause bleiben, ist es zudem sehr schwer, wieder in ihren Beruf einzusteigen. Väter dagegen nehmen als Hauptverdiener meist nur zwei Monate Elternzeit. Den Frauen hilft das wenig dabei, die Aufgaben in der Familie gleichberechtigt aufzu­ teilen.

Das klassische Modell: Der Mann ist zum Ernährer bestimmt und die Frau zur häuslichen Mutter – ist das nicht viel weniger stressig? Es stimmt einfach nicht. Ein Vater kann genauso zugewandt und verantwortungsvoll für seine Kinder da sein wie eine Mutter. Und immer mehr Paare wollen sich die familiäre Arbeit und Verantwortung auch teilen. Aber es ist eben nicht einfach die alten Muster aufzubrechen. Was müssten Politik und Gesellschaft tun, um Familien da zu entlasten? Eine finanzielle Absicherung für Eltern, die ihr Kind nicht in einer Einrichtung betreuen lassen wollen, wäre wichtig. Es gibt Ansätze wie das Elterngeld plus, aber das reicht nicht. Oft höre ich auch, dass es Väter in ihren Firmen nicht leicht haben, Elternzeit zu nehmen. Und klassische Frauenberufe müssen unbedingt besser entlohnt werden, damit Väter nicht immer zu Hauptverdienern werden. Grundsätzlich ist es wichtig, den Menschen, die ihre Arbeit der Erziehung, Bildung und Pflege widmen mehr Wertschätzung zu geben. Wenn die Doppelbelastung zwischen Familie und Beruf Eltern zerreißt: Was bringt dann eine Mutter- oder Vater-Kind-Kur? Die Mütter oder Väter sind einmal weg von Zu Hause und diesem Hamsterrad, das sie so bedrängt. In den Kurhäusern sind die Mütter unter sich. Die Hausar-


Interview • mit Christiane Händel

Hier gibt es Hilfe beit fällt weg, das Kind ist gut versorgt. Es ist eine Erholungszeit, eine Zeit, um den eigenen Fragen nachgehen zu können und entspannt die Beziehung zum Kind zu gestalten. Drei Wochen Kur können nicht das ganze Leben ändern – aber diese Zeit schafft die Möglichkeit, über Veränderungen nachzudenken, andere Handlungswege zu probieren. Und für Väter? Für manche Väter bleibt neben dem Berufsleben, zum Teil mit Schichtdiensten, zu wenig Zeit, die Erziehungsverantwortung wahrzunehmen und eine stabile Bindung mit ihren Kindern zu haben. Auch sie sind erschöpft und unzufrieden.

Gewinnen sie während einer solchen Mutter- oder Vater-Kind-Kur auch Mut, nicht perfekt sein zu müssen auf allen Baustellen in Familie und Beruf? Während einer Kur gibt es die Möglichkeit, mit professioneller Hilfe die indi­ viduellen Problematiken zu bearbeiten. Auch der Austausch mit anderen Müttern oder Vätern verhilft zu einem anderen Blick auf die eigene Situation. Mit einem Abstand relativieren sich manche Probleme. Die eigenen Stärken und Ressourcen können wieder wahr­ genommen werden. Dann sehen sie: So, wie ich es mache, ist es eigentlich gut genug. •

www.frauenarbeit-sachsen.de In 41 Erziehungs- und Schwangerschaftsberatungsstellen der Diakonie in Sachsen sowie bei den Kirchenbezirks­ sozialarbeiter*innen werden überlastete Eltern beraten, auch hinsichtlich der Mutter-/Vater-Kind-Kuren. Etwa 1700 Anträge für eine Mutteroder Vater-Kind-Kur wurden 2018 über die Beratungsstellen der Diakonie in Sachsen gestellt. Diese Zahl steigt seit Jahren. Zirka 8 Prozent davon kamen von Vätern.

Die Fragen stellte Andreas Roth. Fotos: Steffen Giersch

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EVANGELISCHES MEDIENHAUS Blumenstraße 76, 04155 Leipzig (Stichwort: Engelreflektor)

Name, Vorname

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Ja, ich möchte einen Engelreflektor und ein Probeheft des SONNTAGs zugesendet bekommen. Meine Adresse wird nur für diesen Zweck verwendet und nicht gespeichert.

oder per Fax: 03 41 / 7 11 41-50

Für Rückfragen: Telefon 03 41 / 7 11 41-16 E-Mail: aboservice@sonntag-sachsen.de

Datum

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Unterschrift . . . . . . . . . . . . . . . .


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Comic • Lena hat Angst

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Rätsel • zum Mitmachen

Mutig bleiben und raten ­Die

Rätselseite f ür ausgeschlafene Schlauköpfe Bitte schickt das Lösungswort bis zum 15. August 2019 an familien@sonntag-sachsen.de oder FamilienSONNTAG, Blumenstraße 76, 04155 Leipzig. Zu gewinnen gibt es je ein Exemplar:

Finde den Weg durch das Labyrinth

Das ist der Lösungsweg aus dem FamilienSONNTAG Frühling 2019:

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Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte ... Teilen oder nicht teilen – eine Frage, die in den ersten Jahren alle Kinder und Eltern beschäftigt Der Bär findet im Wald drei Pilze, die er stolz mit nach Hause nimmt. Dort bereitet das Wiesel aus den Pilzen ein köstliches Mahl. Doch dann gibt es Streit, denn wie soll man drei Pilze gerecht aufteilen? Der Bär meint Anrecht zu haben auf zwei der drei Pilze, denn er ist groß und hat außerdem die Pilze gefunden. Das Wiesel sieht das ganz anders. Es ist klein und muss noch wachsen und sollte aus diesem Grund zwei der drei Pilze essen dürfen. Außerdem hat es ja gekocht. So streiten beide ein Weilchen und bemerken nicht, dass sich inzwischen der listige Fuchs angeschlichen hat, der sich ganz schnell den dritten Pilz schnappt und isst. Verdutzt vergessen sie nun ihren Streit, bis zum Nachtisch. Denn da gibt es drei Waldbeeren. Geht es nun wieder von vorne los? – Streit ums Teilen, ein leidiges Thema für Kinder und Erwachsene. Dieses Bilderbuch mit ausdrucksstarken, aber nicht überfrachteten Illustrationen nähert sich dieser,

für Kinder erkennbaren, Situation auf eine humorvolle Weise. Dieses Buch bietet sich an, um mit Kindern übers Teilen, über einen fairen Umgang miteinander und Gerechtigkeit zu sprechen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Helena Schäuble/eliport.de Zwei für mich, einer für dich Jörg Mühle | Frankfurt: Moritz 2018 | 32 Seiten, gebunden | 12,95 Euro (D) | ISBN 978-3-89565-357-5

Kindern eine Chance geben: Soziale Gerechtigkeit ist gefordert

Gott kommt zu Besuch – wie würden Sie sich vor­bereiten?

Keine Geschichte, sondern Realität und Alltag vieler Familien in Deutschland

Im Wald herrscht große Aufregung ob des angekündigten Besuchs

Bernd Siggelkow, der Gründer der offenen Kinder- und Jugendeinrichtung »Die Arche«, möchte mit diesem Buch das Bewusstsein der Gesellschaft für eine große Gruppe schärfen, die im ewigen Kreislauf einer veralteten »Sozialreform« festsitzt, ohne wirklich die Hilfe und Unterstützung zu bekommen, den Weg daraus zu schaffen. Egal ob Happy End oder Achterbahnfahrt ohne Ende – anschaulich berichten Arche-Mitarbeiter von Kindern, die sie begleitet haben. Es sind konkrete Schicksale und Maß­nahmen, die geschildert werden, und man spürt die Kraft, die dies auf allen Seiten zehrt. FS

Die Tauben erzählten es weiter, dass der liebe Gott zu Besuch kommen wird. Schnell verbreitet sich die Nachricht im ganzen Tierreich und alle möchten etwas Besonderes vorbereiten. Jeder übt aufgeregt seine Tänze und Kunststückchen. Nur die Eule sitzt ruhig und gelassen auf ihrem Ast. Der Fuchs kann nicht verstehen, dass sie nichts einstudiert und lässt die Eule nicht ausreden. Dabei hat sie etwas Wichtiges zu sagen. Kurzweilig erzählt Franz Hübner diese Geschichte, die sehr gut zum Vorlesen geeignet ist sowie durch die große Schrift auch für Erstleser. Jede einzelne Seite ist sehr liebevoll gestaltet. FS

Hilf mir – jetzt! Unsere Kinder sind es wert Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher | Topicus 2019 | 364 Seiten, kartoniert | 9,99 Euro (D) | ISBN 978-2919804573

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Purzelbäume für den lieben Gott Franz Hübner | Illustrationen von Angela Glökler und Rea Grit Zielinski | Freiburg im Breisgau: Herder 2019 | 32 Seiten, gebunden | 15 Euro (D) | ISBN 9-783451-714993


Bücher • Tipps zum Lesen und Vorlesen

Aufstieg, Abstieg und die Realität

Der Klassiker – für Pfadfinderinnen und Pfadfinder

Was zählt wirklich im Leben – Geld oder Liebe, Familie oder Freunde?

Hier finden Sie Abenteuer in und um die Bibel

Die Erzählerin Resi ist Mitte 40, Schriftstellerin und Mutter von vier Kindern. Aus der unteren Mittelschicht stammend wuchs sie mit Freunden aus der Oberschicht auf und landet nun in einer Art sozialen Midlife-Crisis. Aus dieser heraus rechnet sie gnadenlos ab mit ihren nicht genutzten Chancen und vor allem mit dem, was die privilegierten Freunde nicht wahrgenommen haben. Als Fazit könnte man feststellen: Jeder ist seines Glückes Schmied, aber Schuster bleib lieber bei deinen Leisten und denk nicht drüber nach, wenn du glücklich sein möchtest. Aber auch mit Sprichworten dieser Art kämpft Resi und versucht, das in ihren Augen einzig sinn­ volle zu tun: Ihre ganze Erkenntnis an ihre 14-jährige Tochter weiterzugeben, auf 260 aufgewühlten Seiten. FS

Eine Bibel für Pfadfinder? Das Buch der Bücher spricht für sich selbst, sollte man denken. Aber hier präsentiert die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) neben der Heiligen Schrift auch viele Informationen zu Pfadfindern, Abenteuern in der Bibel und führt diese anhand von Beispielen und Impulsen aus. Zahlreiche Seiten ergänzen diese Bibel mit Informationen zur Schrift an sich und zur Pfadfinderbewegung. In mehreren ergänzenden Teilen werden für die verschiedenen Altersstufen der Pfadfinder Vorschläge zur Herangehensweise an die Bibelarbeit, aber auch Anregungen für Gruppen­ stunden, Leiterrunden, Gottesdienstmodelle und Reisesegen gegeben. Gut Pfad! FS

Schäfchen im Trockenen Anke Stelling | Berlin: Verbrecher 2018 | 266 Seiten, gebunden | 22 Euro [D] | ISBN 978-3-95732-338-5

Die Bibel für Pfadfinder und Outdoorfreunde Einheitsübersetzung | Mit 96 Sonderseiten für Pfadfinderinnen und Pfadfinder | Katholisches Bibelwerk 2018 | 1642 Seiten, gebunden | 24,95 Euro [D] | ISBN 978-3460440388

Was im

wirklich zählt

Worum es geht Poetisches für die Suche nach dem guten Leben 80 Seiten | Hardcover ISBN 978-3-96038-190-7 € 12,00 [D]

Was macht mich aus, wo liegen meine Talente? Welchen Lebensweg werde ich einschlagen? Worauf kann ich mich verlassen? Vom Suchen und Finden des eigenen Platzes in der Welt erzählt dieses Buch. Mit wegweisenden Texten, u. a. von Dietrich Bonhoeffer, Bertolt Brecht und Dorothee Sölle, aber auch von Sido, Clueso, Julia Engelmann und Curse.

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Martha tanzt gern, Rudolf liebt das Klettern – doch vor ihrer Geburt hat ein Bluttest ihre Eltern vor eine kaum fassbare Frage gestellt: Soll ein Kind mit Down-Syndrom wie sie leben? Solche Tests könnten nun zum Alltag werden. Marthas und Rudolfs Eltern wissen, wie schwer eine solche E ­ ntscheidung ist. Sie haben ihre Antwort nie bereut.

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Martha springt über die Hügel im Pfarrgarten ihrer Eltern wie ein Fohlen. Sie liebt den großen Auftritt: Beim Krippenspiel hat sie schon fast alle Rollen einmal übernommen. Solo tanzen vor Publikum? Auch kein Problem.


Reportage

»Wollen Sie das wirklich?« Martha macht Bilder. Das Kornblumenblau des Lampenschirms fängt sie ein mit ihrer Kamera, die Wärme einer ­hölzernen Kiste, die Explosion der Farben von bunten Federn. Alles Dinge aus ihrer Schule. Dinge, die andere oft übersehen. Unscheinbar und erstaunlich wie das Leben. »Das ist der Händetrockner und da bin ich drauf«, erklärt Martha. Im Spiegel der verchromten Armatur ist ein Blitzlicht zu sehen, ein Handy und unscharf dahinter der Kopf eines Mädchens. Wenn andere sich ein Bild von Menschen wie Martha machen wollen, sollten sie Martha selbst fotografieren lassen. Als Marthas Mutter das erste Bild ihrer Tochter sah, war da nur Angst. Es war nicht der Schmerz. Es war die Nadel, die sie auf dem Bildschirm der Görlitzer Frauenarztpraxis sah. Die in das Fruchtwasser in ihrem Bauch fuhr und die feststellen sollte, ob ihr Kind das ist, was oft behindert genannt wird. In diesem Moment hoffte Ines Mory nur, dass die Nadel der Ärztin ihr Kind nicht verletzt. Dass es lebt. Wenige Tage zuvor, es war Sommer und Ines Mory war in der 16. Schwangerschaftswoche ihres zweiten Kindes, hatte die Oberlausitzer Pfarrerin mit dem blonden Pferdeschwanz einen Anruf bekommen. Die Werte eines Bluttests stimmten nicht, habe ihre Ärztin ihr gesagt, das könne auf einen offenen Rücken oder eine Trisomie bei ihrem Kind hindeuten. Schon einmal sei bei einer Patientin ein Kind im Mutterleib an so etwas gestorben, das wolle sie nicht noch einmal erleben. So waren die ärztlichen Worte, wie sie bei Ines Mory ankamen und ihr bis heute im Gedächtnis blieben, ein Schock. Und sie waren ein Missverständnis. Ines Mory hatte nie einen solchen Bluttest gewollt. Sie wollte diese Entscheidung nie. Nun stand sie vor ihr. Sie begann mit ihrem Mann Matthias, auch er ist Pfarrer, nach Fakten zu suchen. Und die sind so: Trisomie bedeutet, dass im Genom ein Chromosom dreifach statt nur doppelt vorhanden ist. Bei der Trisomie des 13. oder 18. Chromosoms sind die Folgen schwerwiegend und viele Kinder sterben noch vor oder nicht lange nach der Geburt. Bei der Trisomie des 21. Chromosoms – dem sogenannten Down-Syndrom – ist das anders. Ines Mory und ihr Mann wollten Gewissheit.

Wer sich ein Bild von Martha machen will, muss ihre eigenen Bilder betrachten. Sie fotografiert gern – auch die FamilienSONNTAG-Reporter Steffen Giersch (re.) und Andreas Roth.

Die kam nach der Untersuchung des Fruchtwassers, die Ines Mory im gleichen Moment noch bereute, nach den Ängsten und zweieinhalb Wochen Warten. Es war ein verregneter Freitag im August und ihr Mann hielt gerade eine Trauerfeier, als wieder ihr Telefon klingelte. Sie solle am Montag in die Praxis kommen, sagte eine Vertretungsärztin, sie müsse mit ihr sprechen. Erst nach vielen Bitten gab sie am Telefon die Diagnose preis: Trisomie 21. »Das kann nicht sein«, dachte Matthias Mory. »Gott sei Dank nicht Trisomie 13 oder 18«, dachte seine Frau. Dann nahmen sie sich in die Arme. »Ich hatte das Gefühl: Mein Mädchen, das ich mir immer gewünscht habe, ist gestorben«, sagt Ines Mory. »Und mein Beruf ist passé.«

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Reportage • »Wollen Sie das wirklich?«

UMSTRIT TENER GENTEST Derzeit diskutieren Ärzte und Wissenschaftler in Deutschland heftig über die Zulassung eines Bluttests zur vorgeburtlichen Feststellung von Trisomie als Kassenleistung. Dafür spricht: Ein solcher Test kann die für Mutter und Kind riskante Untersuchung des Fruchtwassers überf lüssig machen. Dagegen spricht: Immer mehr werdende Eltern könnten sich dadurch für eine Abtreibung von Kindern mit Down-Syndrom entscheiden – und dies könnte zum Normalfall werden.

HILFE UND BER ATUNG Eltern und werdende Eltern finden bei Vereinen und Selbsthilfegruppen wie dem Deutschen Down-Syndrom-Infocenter oder dem Sonnenwind 21. e. V. in der Oberlausitz sowie bei den Schwangerenberatungsstellen der Diakonie Rat und Begleitung. www.ds-infocenter.de www.sonnenwind21.de

Bei der Frauenärztin fand das Paar am Montag auch nichts ­Ermutigendes. »Im Gegenteil«, sagt Ines Mory. Über Fristen für eine Abtreibung seien sie aufgeklärt worden und darüber, dass ihr Kind vielleicht einen schweren Herzfehler haben – und womöglich nie sprechen oder laufen könne. Martha springt über die Hügel im Oppacher Pfarrgarten wie ein Fohlen. Oder vielleicht ist sie gerade wirklich eines. Nein, ruft sie lachend, gerade seiw sie ein Einhorn. Ein Einhorn, das Karate kann. Und lachen. Und sehr viel Freude hat in diesem Moment. In diesem Leben. 17 Jahre ist Martha mittlerweile alt. Einen blonden Dutt hat sie wie viele 17-jährige Mädchen. Und sie mag Tiere. Die Pfarrhauskatze hat sie auch schon oft fotografiert. »Sie ist schwarz wie der schwarze Mann bei Harry Potter«, lacht Martha. Ihre Mutter beugt sich zu ihr und hört ihr aufmerksam zu. Auch sie muss manchmal zwei Mal hinhören, um Martha zu verstehen. Dann muss sie auch lachen.

Martha liebt nämlich Harry Potter. Den Film, das Buch ist viel zu dick. Obwohl sie auch etwas lesen kann. Sie geht auch in eine ganz normale 10. Klasse, eine Lernbegleiterin hilft ihr dabei. Und sie dreht mit dem Handy kleine Videos. Mit SchminkTipps zum Beispiel. Was junge Menschen im Youtube-Zeitalter eben so machen. Zwei Jahre nach Marthas Geburt saß im Pfarrgarten ihrer Eltern ein Ehepaar, das sich all das gar nicht vorstellen konnte. Ein fröhliches Kind mit dieser Diagnose. Bei Manfred Schreiber und seiner Frau kam der Verdacht aus dem Bluttest, den die Ärztin seiner damals 34-jährigen Frau aufgrund ihres Alters empfohlen hatte, mit der Post: Trisomie 21. »Ich weiß, dass das Leben unseres Sohnes am seidenen Faden hing«, sagt Manfred Schreiber, ein bedächtiger Ebersbacher, der bis zu seinem Ruhe­stand IT-Fachleute ausbildete. »Ich war damals schon 54 und ich war mir nicht sicher, ob ich das noch packen würde.« Es war die 20. Schwangerschaftswoche. Als der Termin für die Abtreibung im Görlitzer Krankenhaus herangekommen war, bat das Paar den Arzt noch einmal um eine Untersuchung ­ihres ungeborenen Kindes. Kein Herzfehler, nichts. Alles gut auch mit Down-Syndrom. »Da haben sich meine Frau und ich angesehen: Der Junge ist gesund, ja, er soll leben – und sind zur Krankenhaustür hinausgegangen«, sagt Manfred Schreiber. »Da fiel alles ab, was bis dahin so schwer war.« Wenn er nun über seinen Sohn Rudolf spricht, erzählt er über einen 15-Jährigen, der gut reden kann und erst mit zwei Jahren das Laufen lernte, der mutig auf Bäume klettert und Gefahren leicht übersieht, der auf der Gitarre schrammelt und mit Zahlen bis 100 rechnet. Der Fahrstuhl-Mechaniker werden will. Er ist fasziniert von Fahrstühlen. Doch Rudolfs Eltern haben wie Marthas Eltern immer wieder diese eine Frage gehört: Muss das heute noch sein? Die Frage kam auch aus der eigenen Familie, von Gläubigen und Ungläubigen, laut oder stumm gestellt. Es ist diese Frage, die Eltern wie sie fürchten bei der aktuellen Diskussion um Zulassung eines Bluttests zur vorgeburtlichen Diagnose des Down-Syndroms auf Kassenkosten. Dass der Druck steigt, nicht perfektes Leben schon vor der Geburt auszusortieren.

Da haben sich meine Frau und ich angesehen: Der Junge ist gesund, ja, er soll leben – und sind zur Krankenhaustür hinaus­gegangen – da fiel alles ab, was bis dahin so schwer war. Manfred Schreiber Rudolfs Vater

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Unser Glaube mit seinem »Ja« zu allem Leben hat uns da die Entscheidung abgenommen. Matthias Mory Marthas Vater

Für Marthas Eltern kam eine Abtreibung nie in Frage. »Unser Glaube mit seinem »Ja« zu allem Leben hat uns da die ­E ntscheidung abgenommen«, sagt Matthias Mory. Weil auch der nicht perfekte Mensch Gottes Ebenbild ist. Aber was, wenn die Diagnose Trisomie 13 oder 18 gelautet hätte mit der hohen Wahrscheinlichkeit, dass ihr Kind vor oder kurz nach der Geburt stirbt? »Das weiß ich nicht«, sagt Matthias Mory. »Die ­E ntscheidung ist eigentlich zu schwer.«

Countdown zum Schulstart Geschenkideen für den großen Tag Der Schulstart rückt in greifbare Nähe. Die passende Schultasche ist bereits besorgt, nun stehen Erstausstattung und liebevolle Geschenke zur Einschulung auf dem Plan. ergobag bietet dafür eine Vielzahl an raffiniertem Zubehör und kreativen Accessoires. www.ergobag.de

Auch so war vieles schwer genug. Marthas Herzoperation zum Beispiel. Und Rudolf lebt seit zwei Jahren die Woche über in einem Herrnhuter Internat und nicht mehr bei seiner Familie. Aber manchmal ist es auch nur die Frage, wie man die Schwere trägt. Martha an ihrem Holzschreibtisch schreibt und zeichnet mit sauberer Schrift ganze Seiten aus den Chemieund Physikbüchern ihrer Mitschüler ab, auch wenn sie sie nicht versteht. Sie spricht lachend mit unsichtbaren Freunden, wo der Abstand zu den Interessen der anderen 17-Jährigen aus ihrer Umgebung immer größer wird. Und sie dreht den englischen Pop ganz laut und tanzt und singt wie ein Star in ihrer eigenen Sprache. Kurz vor Rudolfs Geburt waren seine Herztöne kaum noch zu hören. Kaiserschnitt. »Als die Schwester mir das Bündel herausbrachte, hatte ich mich zuvor gefragt: Was bekomme ich da für ein mongoloides Geschöpf in die Hand?«, erinnert sich Manfred Schreiber. »Aber ich guckte ihn an und dachte: Och, ist der süß! Dann habe ich ihn gehuschelt, das war so schön.« Martha hatte in der 38. Schwangerschaftswoche aufgehört zu wachsen. Bevor die Geburt eingeleitet werden sollte, hörte Ines Mory von einem Arzt die Frage: Sollen auch alle möglichen Maßnahmen zur Rettung des Kindes eingeleitet werden? »Zwischen den Zeilen stand: Wollen Sie das wirklich?« Dann hielt sie ihr Kind im Arm. Martha, ein kompletter Mensch. Was sie ist, hat sie schon als kleines Mädchen mit ­Farbe selbst gemalt. Das Bild hängt an ihrer Zimmerwand: Ein Mensch, dessen Lachen fast größer ist als sein Kopf. • Text: Andreas Roth, Fotos: Steffen Giersch


Selber machen • im Sommer

Material 1 Schuhkarton mit Deckel • 2 oder mehr Toilettenpapierhülsen • Schwammtücher in gelb und grün • Buntpapier in blau, grün, gelb und/oder braun P  • feifenreiniger in verschie­denen Farben, für die Bienchen flauschige Pfeifenreiniger in gelb und schwarz • Wackelaugen oder kleine Perlen • Muscheln in verschiedenen Größen und Formen •

s0mmer Selber machen

Sommer, Sonne und mehr – nach Hause geholt

Unsere Basteltipps für Groß und Klein für dein ganz persönliches Strandfeeling zu Hause

In dieser Ausgabe möchten wir Ihnen und Euch passend zur Urlaubszeit den Strand ganz einfach nach Hause bringen. Wir basteln kleine süße Spielfreunde und setzen sie in eine Strand­szene.

Der Strand Der Schuhkarton wird der Hintergrund für unsere Szenerie. Dafür kleben wir den Deckel als Strand­ verlängerung vorn an den Boden des Kartons. Dann teilen wir den Boden in drei parallele Bereiche. Vorn kleben wir als Meer blaues Buntpapier ein. Der Strand und die Wiese werden mit den Schwammtüchern entsprechend ausgekleidet. Für die Palmen haben wir Toilettenpapierhülsen mit Buntpapier beklebt. Der Strand und die Wiese können dann mit allerlei kleinen sommerlichen Dingen gefüllt werden.

• Eine ausführliche Anleitung

für alle Projekte finden Sie auf www.familiensonntag.org

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• T ext + Fotos: Karola Richter


Kleine bunte Krabbelkrebse erobern jeden Kinderzimmerstrand ANLEITUNG Für die Krebse suchen wir uns möglichst große Muscheln aus. Wir nehmen von den Pfeifenreinigern 4 Stücke in etwa 10 cm Länge. Diese legen wir exakt über­ einander und verdrehen sie in der Mitte, sodass sie einen gemeinsamen Mittelpunkt erhalten und aneinanderhalten. Nun biegen wir die Drähte in Form für die Beine. Diese kleben wir mit der Heißklebepistole an die Unterseite der Muscheln. Danach können gerne die Beine noch einmal ausgerichtet werden, damit die Krebse auch gerade stehen können. Nun nur noch die Augen aufkleben – fertig! PROFI-TIPP Gerne können die Muscheln auch mit Acrylfarbe oder Nagellack bunt bemalt werden, bevor sie sich in Krebse verwandeln.

Flauschige Bienchen, die kuscheln statt stechen ANLEITUNG Für die Bienchen braucht man nur sehr wenig Material und sie sind schnell gebastelt. Gelber flauschiger Pfeifenreiniger wird einfach um schwarzen gewickelt. Nehmen Sie nicht zu kurze Drahtstückchen – lieber am Ende überstehenden Pfeifenreiniger abschneiden. Den Kopf des Bienchens verstärken wir, indem wir den Anfang des Drahtes als kleine Öse formen. Für die Flügel schneiden wir kleine Ovale aus Papier aus, die wir mit Heißkleber auf den vorderen Rücken der Bienchen setzen. Die Augen aufkleben und fertig. PROFI-TIPP Nehmen Sie Heißkleber statt Bastelkleber, da dieser schneller fest wird und die Flügel und Augen so auf dem Flausch nicht verrutschen. Durch die Fasern kann leicht Heißkleber sickern. Diese Aufgabe erledigen deshalb am besten die Eltern, damit sich kein Kind mit dem Heißkleber die Finger verbrennt.

Kinder brauchen Werte: Mit

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Grund zum Feiern • von Fabian Vogt

Absolut perfekt In der Filmkomödie »Manche mögen’s heiß« entpuppt sich eine attraktive Frau am Ende als verkleideter Mann. Was den verliebten Millionär Osgood zu dem berühmten Satz verleitet: »Nobody is perfect«. Tja: Keiner ist perfekt!

Also die Zusage Gottes: »Selbst, wenn du was falsch gemacht hast, liebe ich dich«. Außerdem könnte es sein, dass Gottes Bild von einem »perfekten« Menschen ohnehin ganz anders aussieht als unseres.

Oder vielleicht doch? Zumindest leben wir inzwischen in einer Welt, in der viele gerne perfekt wären … zumindest ab und an. Perfekt, also: vollkommen. Ideal. Makellos. Einwandfrei. Was natürlich ganz schön unter Druck setzt. Und mal ehrlich: Ist es wirklich so schlimm, wenn man mal was falsch macht? Eigentlich nicht. Im Gegenteil: Wer ständig Angst hat, was falsch zu machen, der riskiert ja nichts mehr. Der wagt immer weniger. Und der lernt auch kaum noch was dazu – weil nur diejenigen, die gelegentlich ein Vorhaben »in den Sand setzen«, daran arbeiten, es beim nächsten Mal besser hinzubekommen. In der Bibel wird übrigens ein wunderbares Gegenmittel gegen den Perfektionismus angepriesen: nämlich die Vergebung.

Geschenke für die

Das macht vor allem eine Geschichte sehr schön deutlich: Der Prophet Samuel soll aus einer Familie den König Israels auswählen. Und der Vater Isai präsentiert stolz seine sieben knackigen Söhne. Doch jedes Mal, wenn der Prophet denkt: »Wow, echt ein perfekter Typ!«, sagt Gott: »Nein, das ist nicht der Richtige«. Irgendwann murmelt Samuel: »Isai, sind das wirklich alle?« »Naja«, sagt der Vater, »es gibt da noch so einen Kleinen, der auf die Schafe aufpasst – aber der ist es bestimmt nicht«. Sie holen den unscheinbaren David vom Feld, und Gott sagt: »Doch, genau der ist perfekt«. Und dann fügt er hinzu: »Ein Mensch sieht immer nur auf das Äußere, aber ich schau mir das Herz an«. Sprich: Ein weites Herz – und das steht hier natürlich für einen liebevollen Charakter – ist viel wichtiger als äußere Perfektion. Und wer so ein Herz hat, der scheut sich auch nicht, mal einen Fehler zu machen. Warum auch? •

Schultüte Gott versp ric „Ich send e einen En ht: gel vor di der dich auf dein em Weg be r her, hütet.“ 2. Mose 23 ,20 Engel kan n man nic ht sehen – aber dieser kle erinnert Dic ine »Engel« h immer dar dass Du nic an, ht allein bis t. Stell Dir vor : Der Himme l schickt sein (das Wort e Boten los »Engel« hei ßt nämlich damit die Bote), Menschen erkennen »Gott küm mert sich um Und am lieb uns!« sten flüster n die Eng »Hab’ keine el: Angst!« Kannst Du es hören?

Schutzengel für den Schulweg 32 Seiten, 11,6 x 15 cm Bestellnr. 207305 5,99 €

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Legespiel Alphabet

Ob an der Bekleidung, am Fahrradkindersitz oder am Schulranzen: Der Engel-Reflektor sorgt für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

Mit diesem Alphabet-Puzzle können Kinder spielerisch die Welt der Buchstaben entdecken. Ein wertvolles Geschenk, das lange Freude bereiten wird.

Weichplastikreflektor, 51 × 56 mm Bestellnr. 207408 | 1,99 € ab 11 Stk. 1,79 € / Stk.

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FamilienSonntag 2/2019 – Sommer  

Alles perfekt? Muss ja, heutzutage. Kann doch nicht so schwer sein, perfekt zu sein im Beruf, in der Familie, in der Partnerschaft. Seltsame...

FamilienSonntag 2/2019 – Sommer  

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