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Gabriele Radecke (Hg.)

Theodor Storm – Theodor Fontane Der Briefwechsel

Leseprobe

Historisch-kritische und kommentierte Ausgabe


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Aus: Gabriele Radecke (Hg.), Theodor Storm – Theodor Fontane, Der Briefwechsel © Erich Schmidt Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2018


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Abbildungsnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XIII Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XV Editionsbericht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXXVII Zur Überlieferungsgeschichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXXVII Gründe für die Neuedition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XLIV Prinzipien der Neuedition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XLVII Prinzipien der Textkonstitution . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . LII Prinzipien der Kommentierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . LX Verzeichnis der editorischen Zeichen und Hinweise zur Textauszeichnung LXV Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . LXVI Die Briefe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 *1. Storm an Fontane, Berlin, Dienstag, 28. oder Mittwoch, 29. Dezember 1852 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 2. Storm an Fontane, <Husum, um den 6. Februar 1853> . . . . . . . . . . . . . 1 3. Fontane an Storm, Berlin, Dienstag, 8. März 1853 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 4. Storm an Fontane, Husum, Montag, 14. März 1853 . . . . . . . . . . . . . . . . 4 5. Fontane an Storm, Berlin, Samstag, 19. März 1853 . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 6. Storm an Fontane, Husum, Sonntag, 27. März 1853 und etwas später . . . 7 7. Fontane an Storm, Berlin, Montag, 11. April 1853 . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 8. Storm an Fontane, Husum, <nach dem 11. April 1853> . . . . . . . . . . . . . 12 9. Fontane an Storm, Berlin, Montag, 2. und 9. Mai und Mittwoch, 25. Mai 1853 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 10. Storm an Fontane, Husum, Sonntag, 5. und 12. Juni 1853 . . . . . . . . . . . 19 11. Storm an Fontane, Husum, Montag, 25. und Mittwoch, 27. Juli 1853 . . . 22 12. Storm an Fontane, Husum, Dienstag, 9. August 1853 . . . . . . . . . . . . . . . 25 13. Fontane an Storm, Berlin, Samstag, 13. und Sonntag, 14. August 1853 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 14. Storm an Fontane, Husum, Sonntag, 21. und Montag, 22. August 1853 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 15. Fontane an Storm, Berlin, Dienstag, 30. August 1853 . . . . . . . . . . . . . . . 34 16. Storm an Fontane, Pöseldorf, Samstag, 3. September 1853 . . . . . . . . . . . 35 VII

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Inhaltsverzeichnis

17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. 34. 35. 36. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54.

Storm an Fontane, Altona, Donnerstag, 29. September 1853 . . . . . . . . . . Fontane an Storm, Berlin, Donnerstag, 6. Oktober 1853 . . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, Altona, Samstag, 8. Oktober 1853 . . . . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, Berlin, Dienstag, 11. Oktober 1853 . . . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, <Berlin, am oder nach dem 17. Oktober 1853> . . . . Storm an Fontane, Segeberg, Freitag, 28. Oktober 1853 . . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, Berlin, Samstag, 5. November 1853 . . . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, Altona, Dienstag, 15. November 1853 . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, Potsdam, <am oder kurz vor dem 21.> Dezember 1853 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, Berlin, Mittwoch, 21. Dezember 1853 . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, P<otsdam,> Dienstag, 3. Januar 1854 . . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, Berlin, Mittwoch, 4. Januar 1854 . . . . . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, Potsdam, Mittwoch, 18. Januar 1854 . . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, <Berlin,> Mittwoch, <18. Januar 1854> . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, Potsdam, Freitag, <3.> Februar 1854 . . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, Berlin, Dienstag, 14. Februar 1854 . . . . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, Potsdam, Montag, 27. Februar 1854 . . . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, Potsdam, Montag, <13. März 1854> . . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, <Potsdam, Freitag, 24. März 1854> . . . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, Berlin, Montag, 27. März 1854 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, Potsdam, Freitag, 31. März 1854 . . . . . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, Berlin, Dienstag, 11. April 1854 . . . . . . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, <Potsdam,> Mittwoch, 12. April 1854 . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, Letschin, Montag, 17. April 1854 . . . . . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, <Potsdam, nach dem 21. April 1854> . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, Berlin, Mittwoch, 3. Mai 1854 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, <Potsdam,> Donnerstag, 4. Mai <1854> . . . . . . . . . . Storm an Fontane, Potsdam, Dienstag, 9. Mai <1854> . . . . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, <Berlin,> Donnerstag, <11. Mai 1854> . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, <Potsdam,> Samstag, <3. Juni 1854> . . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, <Berlin,> Pfingstsonntag, <4. Juni 1854> . . . . . . . . . Storm an Fontane, <Potsdam,> <vor dem 17. Juni 1854> . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, Kränzlin, Dienstag, 20. Juni 1854 . . . . . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, Potsdam, Montag, 24. Juli 1854 . . . . . . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, Berlin, Dienstag, 25. Juli 1854 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Storm an Fontane, <Samstag, Poststempel Potsdam, 5. August 1854> . . . . Fontane an Storm, <Berlin,> Samstag, <5. August 1854> . . . . . . . . . . . . Fontane an Storm, <Berlin,> Freitag, <11. August 1854> . . . . . . . . . . . .

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35 36 38 40 43 43 46 48 48 49 51 52 53 53 54 55 58 60 61 62 64 65 66 67 69 69 73 74 75 75 76 78 79 81 82 85 86 87


Inhaltsverzeichnis

55. Storm an Fontane, Potsdam, Samstag, 19. August 1854 . . . . . . . . . . . . . *56. Fontane an Storm, Berlin, vor dem 24. August 1854 . . . . . . . . . . . . . . . . 57. Storm an Fontane, <Donnerstag, Poststempel Potsdam, 24. August 1854> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58. Storm an Fontane, <Potsdam,> <vor dem 12. September 1854> . . . . . . 59. Fontane an Storm, <Berlin,> Dienstag, 12. September 1854 . . . . . . . . . . *60. Fontane an Storm, Berlin, Donnerstag, 14. September 1854 . . . . . . . . . . 61. Storm an Fontane, Potsdam, Sonntag, 11. Februar <1855> . . . . . . . . . . 62. Fontane an Storm, Berlin, Dienstag, 13. Februar 1855 . . . . . . . . . . . . . . 63. Fontane an Storm, Berlin, Donnerstag, 15. Februar 1855 . . . . . . . . . . . . 64. Storm an Fontane, Potsdam, Donnerstag, 14. Juni 1855 . . . . . . . . . . . . . 65. Fontane an Storm, Berlin, Samstag, 16. Juni 1855 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66. Storm an Fontane, Potsdam, Samstag, 16. Juni <1855> . . . . . . . . . . . . . . 67. Fontane an Storm, Berlin, Sonntag, 22. Juli 1855 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68. Storm an Fontane, Potsdam, Dienstag, 24. Juli 1855 . . . . . . . . . . . . . . . . 69. Fontane an Storm, Berlin, Donnerstag, 30. August 1855 . . . . . . . . . . . . 70. Storm an Fontane, Potsdam, Donnerstag, 30. <August> 1855 . . . . . . . . 71. Fontane an den „Rütli“, London, Mittwoch, 31. Oktober 1855 . . . . . . 72. Fontane an Storm, London, Mittwoch, 4. Februar 1857 . . . . . . . . . . . . . *73. Storm an Fontane, Heiligenstadt, nach dem 12. Januar 1858 . . . . . . . . . 74. Storm an Fontane, Heiligenstadt, Samstag, 23. Juni 1860 . . . . . . . . . . . . 75. Fontane an Storm, Berlin, Donnerstag, 28. Juni 1860 . . . . . . . . . . . . . . . 76. Storm an Fontane, Heiligenstadt, Freitag, 29. Juni 1860 . . . . . . . . . . . . . 77. Fontane an Storm, <Berlin, vor dem 1. August 1860> . . . . . . . . . . . . . . *78. Storm an Fontane, Heiligenstadt, vor dem 13. Dezember 1862 . . . . . . . 79. Fontane an Storm, Berlin, Samstag, 13. Dezember 1862 . . . . . . . . . . . . . 80. Storm an Fontane, Heiligenstadt, Samstag, 20. Dezember 1862 . . . . . . . 81. Fontane an Storm, Flensburg, Sonntag, 25. September 1864 . . . . . . . . . 82. Storm an Fontane, Husum, Montag, 26. September 1864 . . . . . . . . . . . . *83. Fontane an Storm, Berlin, zwischen dem 7. und vor dem 16. Dezember 1864 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84. Storm an Fontane, Husum, Montag, 19. und Dienstag, 27. Dezember 1864 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . *85. Fontane an Storm, Berlin, vor dem 16. Februar 1865 . . . . . . . . . . . . . . . 86. Storm an Fontane, Husum, Donnerstag, 16. Februar 1865 . . . . . . . . . . . *87. Storm an Fontane, Husum, Montag, 22. Mai 1865 . . . . . . . . . . . . . . . . . 88. Fontane an Storm, Berlin, Mittwoch, 31. Mai 1865 . . . . . . . . . . . . . . . . . *89. Fontane an Storm, Berlin, nach dem 27. April 1866 . . . . . . . . . . . . . . . . 90. Fontane an Storm, Thale, Freitag, 22. Mai 1868 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

88 90 91 92 94 95 95 96 97 98 99 100 102 103 104 105 106 111 113 113 115 116 118 120 120 122 123 124 125 125 127 128 129 129 130 130 IX

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Inhaltsverzeichnis

91. Storm an Fontane, Husum, Montag, 25. Mai und Donnerstag, 18. Juni 1868 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92. Storm an Fontane, Husum, Samstag, 17. Oktober 1868 . . . . . . . . . . . . . . 93. Fontane an Storm, Berlin, Freitag, 6. November 1868 . . . . . . . . . . . . . . . 94. Storm an Fontane, Husum, Samstag, 21. November 1868 . . . . . . . . . . . . 95. Storm an Fontane, Husum, Donnerstag, 16. November 1876 . . . . . . . . . 96. Fontane an Storm, Berlin, Sonntag, 14. Januar 1877 . . . . . . . . . . . . . . . . . 97. Fontane an Storm, Berlin, Samstag, 2. November 1878 . . . . . . . . . . . . . . *98. Storm an Fontane, Husum, Mittwoch, 4. Dezember 1878 . . . . . . . . . . . . 99. Fontane an Storm, Berlin, Dienstag, 28. Oktober 1884 . . . . . . . . . . . . . . 100. Storm an Fontane, Hanerau-Hademarschen, Sonntag, 2. November 1884 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101. Fontane an Storm, Krummhübel, Samstag, 17. September 1887 . . . . . . . *102. Fontane an Storm, Berlin, Samstag, 24. oder Sonntag, 25. September 1887 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103. Storm an Fontane, Hanerau-Hademarschen, Montag, 26. September 1887 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104. Fontane an Storm, Berlin, Mittwoch, 12. Oktober 1887 . . . . . . . . . . . . . Rezensionen und Essays Theodor Storms und Theodor Fontanes . . . . . . . . . . <Theodor Storm:> Theodor Fontane. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . <Theodor Fontane:> Theodor Storm. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Theodor Fontane: Theodor Storm. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . <Theodor Fontane:> Th. Storm. Theodor Storms sämmtliche Schriften. Sechs Bände. Braunschweig, G. Westermann, 1868 . . . . . . . . . Th<eodor> F<ontane:> Theodor Storm’s gesammelte Schriften. Band 7–10. Braunschweig, Verlag von G. Westermann. 1877 . . . . . . . . . Theodor Fontane: Erinnerungen an Theodor Storm . . . . . . . . . . . . . . . . Th<eodor> Fontane: Der Tunnel über der Spree. Aus dem Berliner literarischen Leben der vierziger und fünfziger Jahre. Viertes Capitel. Theodor Storm. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Drei Gedichte und ein Prosa-Entwurf Theodor Fontanes . . . . . . . . . . . . . . . . . <Am 14 Sept. dem Geburtstage v. Th. Storm. 36 Jahr.> . . . . . . . . . . . . . . <An Theodor Storm. Zum 14. September 1853.> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . <An Theodor Storm. London, d. 4ten Febr. 57> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sommers am Meer <Ausschnitt> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kommentar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Begriffe des „Tunnels“, der „Ellora“ und des „Rütli“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verzeichnis der Abkürzungen Storms und Fontanes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Siglen- und Abkürzungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . X

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Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Prinzipien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Personen- und Werkregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Register der Periodika . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Register der Werke Theodor Storms . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Register der Werke Theodor Fontanes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

473 485 485 487 512 515 524

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Abb. 5 Theodor Storm an Theodor Fontane, Husum, 9. August 1853. Erste Seite des Briefs mit einer Ansicht von Husum © Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel (Cb 50.51:15,06) Aus: Gabriele Radecke (Hg.), Theodor Storm – Theodor Fontane, Der Briefwechsel © Erich Schmidt Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2018


12. Storm an Fontane, 9. 8. 1853

5

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß, Noch immer hört’ ich, mühsam wie es schien, „Kauft, lieber Herr!“ den Ruf ohn’ Unterlaß; Doch hat wohl Keiner ihm Gehör verliehn.

15

Und ich? – War’s Ungeschick? War es die Schaam, Am Weg zu handeln mit dem Bettelkind? Eh’ meine Hand zu meiner Börse kam, Verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

20

Doch, als ich weiter ging mit mir allein, Erfaßte mich die Angst im Herzen so, Als säß mein eigen Kind auf jenem Stein, Und schrie’ nach Brod, indessen ich entfloh. _________________ Theodor Storm _________________

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Apparat Marktgewühls] Marktgewühls Gebraus

12.

Storm an Fontane, Husum, Dienstag, 9. August 1853 – Abdruck nach H <gedruckt Husum> den 9 August 1853.

Endlich, lieber und geehrter Herr, sende ich Ihnen ein wirklich lÿrisches Gedicht, und wenn auch keine Flocke aus dem goldnen Vließ, so doch ein Stück meiner eignen armen Seele, das, wie ich denke, die Argo nicht verschmähen wird; die letzten Seiten werden ja jedenfalls noch übrig sein, wenn der Druck auch schon begonnen haben sollte. Das Ihnen neulich für diesen Zweck eingesandte Gedicht hat, wenn auch die Idee eine wirklich poëtische und auf rein Menschlichem beruhende ist, doch wohl den Fehler, daß die Ausführung, wie mir neulich übereinstimmend mit meinem eignen Gefühl von einem in dieser Hinsicht sehr sichertreffenden Freunde bemerkt wurde, zu „wirklich“ ist; auch laborirt es, wofür freilich das Gedicht an sich nicht verantwortlich sein kann, daran, daß grade in jüngstverflossener Zeit diese Art Stoffe so vielfach auf triviale und tendenziöse Weise, ja gradezu für Parteizwecke ausgebeutet worden sind. Wenn Sie (d. h. die verehrliche Redaction) daher irgendwie Neigung haben sollten es zurückzulegen, so habe ich, meines Theils, nichts dawider. 25

Aus: Gabriele Radecke (Hg.), Theodor Storm – Theodor Fontane, Der Briefwechsel © Erich Schmidt Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2018

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12. Storm an Fontane, 9. 8. 1853

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In Betreff des nebenstehenden Gedichts bemerke ich Ihnen persönlich, und nur notitiae causa, daß ursprünglich nach der zweiten Strophe noch folgende stand: Mag, wer da will, daß er sich selbst betrüge, Nachrechnen, wo auch wir etwa gefehlt; Nennt nur das Leben eures Volkes Lüge, Und die Begeistrung die euch einst beseelt! So schlagend indeß für die Anwendung diese Strophe auch ist, so werden Sie mir doch zugeben, daß es feiner gedacht und empfunden, und für die Abrundung des Gedichtes vortheilhafter ist, wenn diese Partie des Inhalts nur im Allgemeinen berührt wird. – Mich und meine Angelegenheiten anlangend, so scheint Ihr Kabinett mich ganz vergessen zu haben; ich sitz und warte. So kann es sich ja am Ende noch ereignen, daß ich bei der in Hoffnung stehenden Berliner Reise die ganze verehrliche Argonautenschaft wieder beisammenfinde; und namentlich Sie wieder frisch und kräftig. Die kleine Ansicht von Husum auf diesem Bogen ist sehr ähnlich; hinter der Stadt liegen die Deiche und das Meer, wohin ich jetzt gleich meinen Spaziergang richten werde. Es ist an Sommerabenden, namentlich bei Sonnenuntergang, so schön dort, daß mir, dem hier Geborenen, schwerlich die köstlichste Gegend jemals meine Meeresküste würde ersetzen können. – Wann ich Sie persönlich sehen werde, weiß ich also nicht; bis dahin herzlichen Gruß! Herrn Theodor Fontane in Berlin.

40

Ihr Theodor Storm

Abschied. Kein Wort, auch nicht das kleinste, kann ich sagen, Wozu das Herz den vollen Schlag verwehrt; Die Stunde drängt; gerüstet steht der Wagen, Es ist die Fahrt der Heimath abgekehrt.

45

Geht immerhin – denn eure That ist euer – Und widerruft, was einst das Herz gebot; Und kauft, wenn dieser Preis euch nicht zu theuer, Dafür euch in der Heimath euer Brot!

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12. Storm an Fontane, 9. 8. 1853

Ich aber kann des Landes nicht, des eignen, In Schmerz verstummte Klagen mißverstehn; Ich kann die stillen Gräber nicht verleugnen, Wie tief sie jetzt in Unkraut auch vergehn. –

50

Du, deren zarte Augen mich befragen, Der dich mir gab, gesegnet sei der Tag! Laß nur dein Herz an meinem Herzen schlagen, Und zage nicht! Es ist derselbe Schlag.

55

Es strömt die Luft – die Knaben stehn und lauschen, Vom Strand herüber dringt ein Mövenschrei; – Das ist die Fluth! Das ist des Meeres Rauschen! Ihr kennt es wohl; wir waren oft dabei.

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Von meinem Arm in dieser letzten Stunde Blickt einmal noch in’s weite Land hinaus, Und merkt es wohl, es steht auf diesem Grunde, Wo wir auch weilen, unser Vaterhaus. 65

Wir scheiden jetzt, bis dieser Zeit Beschwerde Ein andrer Tag, ein besserer, gesühnt; Denn Raum ist auf der heimathlichen Erde Für Fremde nur und, was den Fremden dient. Doch ist’s das flehendste von den Gebeten, Ihr mögt dereinst, wenn mir es nicht vergönnt, Mit festem Fuß auf diese Scholle treten, Von der sich jetzt mein heißes Auge trennt! –

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Und du mein Kind, mein jüngstes, dessen Wiege Auch noch auf diesem theuren Boden stand, Hör mich! – denn alles Andere ist Lüge – Kein Mann gedeihet ohne Vaterland!

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Kannst du den Sinn, den diese Worte führen, Mit deiner Kinderseele nicht verstehn, So soll es wie ein Schauer dich berühren Und wie ein Pulsschlag in dein Leben gehn! Theodor Storm.

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13. Fontane an Storm, 13. und 14. 8. 1853 Apparat Husum] <gedruckt Husum> daran,] <über der Zeile L daran, > daß grade] daß wir grade sollten] sollte<hinzugefügt n> beseelt! <Absatz> So] beseelt! <Absatz> 1|2 So Vaterhaus. <Absatz> Wir] Vaterhaus. <Absatz> 3|4 Wir heißes] <über der Zeile L heißes >

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13. Fontane an Storm, Berlin, Samstag, 13. und Sonntag, 14. August 1853. Antwortbrief auf Nr. 12 – Abdruck nach h (TFA) Berlin, d. 13. August 53.

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Sehr geehrter Herr. Noch ganz unter dem Eindruck Ihres schönen Gedichts setz ich mich nieder um Ihnen zu schreiben und – zu danken. Ich las es mit meinem Jungen auf dem Schoß, während so schöne frische Luft durch’s Fenster wehte (ich wohne zum Glück 3 Treppen hoch) wie sie Berlin nur irgend aufzubringen weiß. Ich kann Ihnen gar nicht sagen wie wohl mir in dieser Zeit der fabricierten Poesie Ihre wirkliche, herzgeborne und gebotne thut. Um sofort aus Ihnen zu citieren: Ihre Lieder sind ‚Pulsschläge Ihres Lebens‘ woran man – ohne ein besondrer Doktor zu sein – sofort herausfühlen kann, daß das Blut voll und gesund, ich möchte sagen deutsch, durch Herz und Adern geht, während die Lieder unsrer Dutzendlyriker nur die Pendelschläge zweier Beine sind, wofür unsre liebe Sprache den Ausdruck hat: einen Esel zu Grabe läuten. Wer dabei der Esel ist, die Lyriker selbst, oder das Lied das sie eben zusammenbimmeln oder das Publikum das ihnen andächtig – als wären es Kirchenglocken – zuhört, laß ich ununtersucht. – Doch nun wieder zu Ihrem Gedicht. Ich bin doch für die dritte Strophe und werde sie nur fortlassen, wenn Sie drauf bestehn. Die Deutlichkeit des Gedichts gewinnt dadurch außerordentlich. Wenn man nicht weiß, daß Theodor Storm in Husum lebt und auf dem Punkte steht Schleswig zu verlassen, wenn man ferner nicht weiß daß das Meer in der Nähe braust, daß der Dichter eine liebenswürdige Frau hat die Constanze heißt und vor 4 Wochen seinen Jüngsten hat taufen lassen, so ist es nicht ganz leicht sich sofort in einem derartig reichbelebten Gemälde zurecht zu finden und man darf Dinge nicht streichen, die für den Eingeweihten zwar fehlen dürfen, für das Verständniß des Draußenstehenden aber von Wichtigkeit sind. Sie antworten mir vielleicht: man schreibt eben für einen Kreis Ausgewählter und nicht für die Schafherde (die ihrem Leithammel folgt) welche sich ‚großes Publikum‘ nennt; aber das ist doch nur zum Theil richtig und es ist mindestens unklug wenn nicht geradezu verwerflich der großen Masse vornehm 28

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13. Fontane an Storm, 13. und 14. 8. 1853

den Rücken zuzukehren. Der Instinkt von Gevatter Schneider und Handschuhmacher ist ein viel feineres und beherz<ig>enswertheres Ding als unsre Odenschreiber (Platen) sich träumen lassen. Den kommenden großen Dichtern muß und wird es ein Fingerzeig sein, daß man ein Dutzend deutscher Novellisten über Eugen Sue und Consorten vergessen konnte. – Um noch einmal auf diese 3. Strophe zurückzukommen: sie hat etwas vom Leitartikel-Charakter und kann deshalb manchen wie Phrase berühren. Aber alles was Phrase geworden ist, war anfänglich (in den meisten Fällen) eine Wahrheit, ein beherzigenswerter Grundsatz und Scherenberg sagte mir einmal überaus fein: Dichter sein heißt das Triviale wieder in seine ursprüngliche Schönheit einsetzen. Ich halte viel von dieser Definition und dem nicht neuen Gedanken Nennt nur das Leben eures Volkes Lüge und die Begeisterung die euch einst beseelt haben Sie wieder zu seinem Rechte verholfen, ihm die poetische Weihe gegeben. Nachmittag haben wir Rütli. Ich freue mich sehr Kuglern und Eggers (alles andre ist verreist) Ihren Brief vorlegen zu können. Ich werde Ihnen dann morgen gewissenhaft mittheilen ob jene zwei auf Seite des Dichters oder des – Praktikus (Kritiker wär’ ein zu gutes Wort) getreten sind. Ihr jüngst eingesandtes Gedicht: ‚am 24. Dezember 1852‘ gefiel mir recht gut; ich fand es ein wenig tiftlig, konnte aber keine eigentlich schwache Stelle finden. K. bewährte sich hinterher wieder als der feinere Kritikus. (Sonntag, den 14. August) Er meinte die Grundempfindung sei überaus poetisch und um so allgemeiner ansprechend, als kaum irgend wer an ‚Walddeibeljungen‘ vorübergegangen sei, der nicht ’mal ähnliches empfunden habe; – aber einmal sei die Form etwas schwer (‚steifleinen‘ wie er sich ausdrückte) und zweitens werde das ganze Gedicht durch das ‚und ich entfloh‘ über den Haufen geworfen. In solchem Falle kehrte man entweder um und gäbe dem frierenden Wurm einen Silbergroschen oder man thäte es nicht. Das erstre zu besingen sei prosaisch, das zweite – jämmerlich. („mirig“ sagte er auf gutberlinisch.) Ich faselte als Entgegnung etwas von confessions, von dichterischer Beichte usw. doch lacht’ ich zuletzt laut auf und gab’s unumwunden zu: er habe Recht. – Ich glaube, daß das Urtheil welches Sie mir in Ihrem letzten Briefe mittheilen, auf etwas ähnliches hinausläuft; nur ist es freilich feiner gefaßt. Nun aber von Redaktions wegen. Wir denken unmittelbar hinter Ihrer Novelle 2 Gedichte (vielleicht unter dem Namen ‚Tagebuchblätter‘ – was meinen Sie dazu?!) von Ihnen zu bringen, so daß sich Lied und Erzählung gleichsam ergänzen. Die beiden Lieder können keinen beßren Rahmen haben als Ihre Novelle und diese wiederum empfängt durch jene Gedichte zwei Brillen- oder Vergrößerungsgläser, mit deren Hülfe es auch dem blöden Auge möglich wird die feinen Linien der Novelle zu verfolgen. Diese beiden Gedichte sollen sein: ‚Im Herbst 1850‘ und ‚Abschied‘. Jenes 29

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hatten Sie vor Monaten die Freundlichkeit dem Menschen Th. Fontane zuzustellen; Sie haben vielleicht nichts dagegen wenn der Redakteur gleiches Namens von seinem Menschenthum und den Geschenken die ihm dasselbe eingebracht, den möglichsten Vortheil zieht. Ihre Zustimmung vorweg angenommen, fragen Kugler und ich ganz ergebenst an, ob wir statt der ‚Trikolore‘ nicht ‚drei Farben‘ oder dergl. setzen können, wonach natürlich die correspondierende erste Zeile zu ändern wäre. Nun zum ‚Abschied‘. Ich las dies schöne Gedicht gestern Nachmittag vor. Der Eindruck war wie ich erwartete; auch entschied man sich – ohne daß ich die Schleusen meiner Beredsamkeit aufgezogen hätte – für Beibehaltung der dritten Strophe, zu der Kugler ein kleines aber nicht unwesentliches Amendement stellte, nämlich statt: Nachrechnen wo auch wir etwa gefehlt .......................................wir Armen auch gefehlt oder wo durch Schwäche wir gefehlt (Schwanken) usw. Es ist uns dabei um Beseitigung des etwas prosaischen ‚etwa‘ zu thun. Ich fühle, daß unsre Correkturen sämtlich schlecht sind, doch finden Sie gewiß mit Leichtigkeit das rechte Wort. Lehnen Sie sich in Ihrer Antwort gegen die ganze Strophe nach wie vor auf, so erledigt sich die Sache allerdings am schnellsten. – Ungleich wichtiger ist eine zweite kleine Ausstellung. Sie sagen – während Sie selbst der Gehende sind – ‚geht immer hin‘ usw. Natürlich versteh ich jetzt diesen Ausruf sehr wohl, doch ist er im höchsten Maße verwirrend und nicht jeder Leser dürfte gleich uns – die wir einmal die Kenntnis Ihrer Geschichte und vor allem die Verehrung für Sie mitbringen – befähigt sein, nach zwei oder dreimaligem Anlauf über diese Schwierigkeit hinweg zu kommen. Es soll umgekehrt heißen ‚bleibt immer hin‘ was freilich matt und prosaisch ist, aber es wird Ihnen ein Leichtes sein eine andre Wendung für Ihren indignierten Zuruf zu finden. Das wäre alles. Halt, noch eins: Du deren zarte Augen mich befragen, Der Dich mir gab gesegnet sei der Tag! Wie verhält sich’s hiermit? Die zweite Zeile – wenn ich recht verstehe – stünde wohl am besten in Parenthese; man denkt sonst diese 2. Zeile sei der Inhalt dessen was die Augen fragen und statt des! müsse ein? stehn. Für Husum, das meinen kleinen Jungen fast mehr erfreut als den Alten, dank’ ich schönstens. Wir kriegen nun doch noch vielleicht ein Argo-Bild und wenn überhaupt – so ein famoses, von Adolf Menzel. In 4 Wochen sind wir alle wieder beisammen. Wir freun uns sehr auf Ihr Kommen; Quartier finden Sie unter allen Umständen bei uns. – Mit meiner Gesundheit geht es besser, aber freilich noch immer nicht gut. Ich denke an eine italienische Reise. – Ihrer für den Druck der Gedichte so nötigen Antwort, seh ich umgehend entgegen. Die zugesagten Aushängebogen Ihrer Novelle er30

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14. Storm an Fontane, 21. und 22. 8. 1853

halten Sie wie sich von selbst versteht. – Kugler und Eggers grüßen herzlich Sie und die Ihrigen. So thu ich. Ihr Th. Fontane.

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Apparat beherz<ig>enswertheres] beherzenswertheres <h: TFA>; beherzi<e überschrieben masch. g>ens<e überschrieben masch. w>erteres <h: SHLB> Kuglern] Kuglers <h: SHLB> nichts dagegen] nicht dagegen, <h: SHLB> ändern wäre. Nun] ändern ist <gestrichen T> L wäre T . Nun <h: TFA>; ändern wäre. <Absatz> Nun <h: SHLB> Parenthese] Par<a überschrieben T e>nthese <h: TFA>; Paranthese <h: SHLB>

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14. Storm an Fontane, Husum, Sonntag, 21. und Montag, 22. August 1853. Antwortbrief auf Nr. 13 – Abdruck nach H Husum, Sonntag den 21 August 1853. Lieber und geehrter Herr, Ihr Brief traf mich nicht zu Hause. Ich war einige Tage nach Kiel, um mich zu erfrischen – denn Preußen scheint mich vergessen zu haben, und ich mag die Einzelnen nicht mehr moniren und anbetteln – und mich gelegentlich um eine Klostervogtei zu bewerben, die ich indessen nicht erhalten werde. Und jetzt, um Ihnen rasch zu antworten: 1) Abschied. Nehmen Sie meinethalben die 3te Strophe, obwohl sie nur eine, allerdings bezeichnende, Seitenpartie zur 2ten bildet, in den Druck auf, und zwar, der Redaction zur Liebe, so: Mag, wer da will, daß er sich selbst betrüge, Nachrechnen sorgsam, was auch wir gefehlt! etc. etc. Ich selbst hatte das „sorgsam“ gestrichen, um das „etwa“ zu behalten. So verschieden ist das poëtische Anempfinden. Das „Geht d. h. nach Koppenhagen, zu Moltke, immerhin!“ weiß ich nicht zu ändern, da es mit der poetischen Empfängniß des ganzen Poëms zu genau zusammen hängt, das eben aus den, wenn auch schweigenden Zumuthungen, daß auch ich gehen solle, entstanden ist. Möge denn dieser Ausruf des Unwillens für den, der ihn nicht verstehen kann, unverständlich bleiben. Ich glaube aber jeder wird ihn verstehen, der überhaupt Verständniß hat. Ferner mag so gedruckt werden: 31

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Abb. 6 Theodor Storm an Theodor Fontane, Husum, 9. August 1853. Dritte Seite des Briefs mit Storms eigenhändiger Abschrift seines Gedichts „Abschied“ © Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Kiel (Cb 50.24:06,04) Aus: Gabriele Radecke (Hg.), Theodor Storm – Theodor Fontane, Der Briefwechsel © Erich Schmidt Verlag GmbH & Co. KG, Berlin 2018


Kommentar 74

Herrn Theodor Fontane: Der Adressatenzusatz ist ein Hinweis darauf, dass Storm seinem Brief an Fontane noch eine Beilage für die Redaktion der „Argo“, das Gedicht „24 December 1852“, mitgeschickt hat.

(Zu 12)

Storm an Fontane, Husum, Dienstag, 9. August 1853 – Abdruck nach H

Überlieferung H: SHLB (Cb 50.51:15,06: Brief) und (Cb 50.24:06,04: Gedicht „Abschied“) h: masch. Abschr. TFA (Ca 679) E: Goldammer I, S. 204 f. (Nr. 52) D: Steiner, S. 40 f. (Nr. 10) Z: Gertrud Storm I, S. 218 Handschrift Ursprünglich 1 Doppelblatt (28,2 x 23,2 cm), S. 1–4 beschriftet (S. 1–2 Brieftext; S. 3–4 Gedicht); blaues Papier, schwarze Tinte. Briefbogen vom Verlag des Lithographischen Instituts von D. M. Kanning, Hamburg. Auf S. 1 ist eine farbige Ansicht von Husum abgebildet. Das Doppelblatt wurde getrennt, und Storms Brief an Fontane gelangte nach dem Austausch der Briefe zu Gertrud Storm. Die Seite mit dem Gedicht „Abschied“ blieb zunächst bei Fontanes Erben, wurde dann zusammen mit den anderen Storm-Gedichten „Trost“, „Aus der Marsch“ und „24 December 1852“ verkauft. Die SHLB erwarb die Blätter 1935 (Zugangsnummer 23–25/1935) ebenso wie die Seite 1 und 2 des Briefs an Storm. Heute wird das Doppelblatt getrennt aufbewahrt, wobei der Brief (S. 1, 2) im Konvolut der Briefe Storms an Fontane, die Abschrift des Gedichts „Abschied“ (S. 3, 4) mit Fontanes Ergänzung der dritten Strophe im Konvolut von Storms Gedichten liegt (vgl. LL I, S. 831 f, als H2 festgelegt). Schneide- und Faltspuren zeigen, dass die beiden Blattteile ursprünglich einmal zwei Teile eines doppelten Briefblatts gewesen sind. Sie werden hier durch die Abb. Nr. 5 und 6 wieder zusammengefügt.

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Stellenkommentar ein wirklich lÿrisches Gedicht: Theodor Storms autobiographisches Gedicht „Abschied“ (SHLB Cb 50.24:06). Zur Entstehung vgl. LL I, S. 831–833, zur Interpretation Löding, S. 95–98. Vgl. Abb. Nr. 6. goldnen Vließ < …> Druck: Zur Gründung der „Argo“ vgl. Brief Nr. 5, Anm. 6 „belletristischen Unternehmen < …> verschiedener Aufsätze <…> Mitte Juni“. Mit dem Druck wurde erst nach Storms Berlin-Besuch im Oktober/November 1853 begonnen; vgl. Brief Nr. 13, Anm. 105 „zugesagten Aushängebogen“. 254

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neulich <…> eingesandte Gedicht: Das Gedicht „24 December 1852“, das Storm als Beilage zu seinem Brief vom 25./27. Juli 1853 Fontane hat zukommen lassen; vgl. Brief Nr. 11. sehr sichertreffenden Freunde: Vermutlich Markus Niebuhr. des nebenstehenden Gedichts: Storm hat die Abschrift des Gedichts „Abschied“ auf S. 3 und 4 des ursprünglichen Doppelblatts geschrieben; vgl. Abb. Nr. 6. notitiae causa: (lat.): ‚zu Ihrer Kenntnis‘. nach der zweiten Strophe: In Storms Abschrift des Gedichts „Abschied“ fehlt diese Strophe, die Storm in seinem Brief mitgeteilt hat. Nachdem Storm und Fontane über das Gedicht diskutiert hatten (vgl. Briefe Nr. 13 f.), ergänzte Fontane Storms „Abschied“ um die nachgereichte Strophe auf einem hellgelben Papierschnipsel (Rückseite vakat). Fontanes Abschrift unterscheidet sich nur geringfügig von Storms Niederschrift in seinem Brief: Fontane schrieb „Mag“ statt „Mag,“ und beendete die vierte Zeile nicht mit einem Ausrufezeichen, sondern mit einem Punkt: „Mag wer da will, daß er sich selbst betrüge, / Nachrechnen, wo auch wir etwa gefehlt; / Nennt nur das Leben eures Volkes Lüge, / Und die Begeistrung die euch einst beseelt.“ Am rechten Seitenrand des Beilagenblatts hat Fontane notiert: „diese Strophe ist als dritte einzuschalten!“. In der „Argo“ wurde die eingefügte Strophe nach Storms Vorgabe als dritte Strophe veröffentlicht; der Abdruck unterscheidet sich von Storms Abschrift lediglich durch ein eingefügtes Komma nach „Begeistrung,“ im vierten Vers. Storms Änderungswunsch des zweiten Verses, „Mag, wer da will, daß er sich selbst betrüge, / Nachrechnen sorgsam, was auch wir gefehlt!“, den er Fontane in seinem Brief vom 21./22. August 1853 (Nr. 14) noch mitgeteilt hatte, blieb unberücksichtigt. Mich und meine Angelegenheiten < …> warte: Zu Storms Anstellungsgesuch vgl. Brief Nr. 11, Anm. 14 „nicht erlaubt, meine Probezeit anzutreten“, und die Einführung, S. XXII. Die kleine Ansicht von Husum: Vgl. Abb. Nr. 5. Herrn Theodor Fontane: Der Adressatenzusatz ist entweder ein Hinweis auf einen Einschlussbrief oder eine Möglichkeit, den persönlichen, an Fontane gerichteten Brief und das Gedicht „Abschied“ für den „Rütli“ voneinander zu unterscheiden.

(Zu 13)

Fontane an Storm, Berlin, Samstag, 13. und Sonntag, 14. August 1853. Antwortbrief auf Nr. 12 – Abdruck nach h (TFA)

Überlieferung HBV: 53/32 H: Gertrud Storm (bis 1909), Friedrich Fontane (bis 1934/35), Meyer und Ernst 1933 (Nr. 35, Konvolut-Nr. 598), Stargardt 1933/34 (Nr. 344, Konvolut255

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Kommentar

h: E: D:

Nr. 406; Nr. 345, Konvolut-Nr. 34, und Nr. 353, Konvolut-Nr. 80) und zuletzt vermutlich Kehler, dessen Autographensammlung im Zweiten Weltkrieg „vernichtet“ wurde (vgl. HFA IV/5,II, S. 103) masch. Abschr. TFA (Ca 46) und SHLB (Cb 50.56:51,06) Pniower, S. 1471 f. (TD); Pniower/Schlenther I, S. 77–82 Gülzow, S. 72–78 (Nr. 5); Erler I, S. 127–131; HFA IV/1, S. 355–359 (Nr. 166); Steiner, S. 42–45 (Nr. 11)

Abschrift h (TFA) beschädigt (Blatt eingerissen).

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Stellenkommentar Ihres schönen Gedichts: Storms „Abschied“; vgl. Brief Nr. 12. meinem Jungen: George Fontane. ich wohne <…> 3 Treppen hoch: Die höher gelegenen Wohnungen waren preiswerter und unkomfortabler als die niedrigeren, hatten aber anscheinend doch zumindest einen Vorteil: die bessere Luft. Vgl. Fontanes später entstandenen Erzählentwurf „Die Drei-Treppen-hoch Leute“ (um 1890; HFA I/7, S. 489 f.), in dem über den Zusammenhang zwischen Gesellschaftsschicht und Wohnverhältnissen reflektiert wird: „Aber je höhere Treppen man steigt, desto mehr kommt man auf der Rangleiter nach unten.“ Zeit der fabricierten Poesie: Vgl. Brief Nr. 4, Anm. 21 „ich wenig und langsam Producirender“, und seine Bemerkung über den „faule<n> Fleck“ der „Ueberproduktion“ in seinem Essay „Theodor Storm“, Teilabdr. auf S. 158. Vielleicht ist hier auch Emanuel Geibel gemeint, dessen Gedichte in zahlreichen Auflagen erschienen waren. Auch gegenüber anderen kritisierte Fontane die poetische Vielschreiberei und hob dabei immer Storms herausragende dichterische Qualität hervor. Vgl. Fontane: „Der Tunnel über der Spree. Viertes Capitel. Theodor Storm“, Abdr. auf S. 192. Noch Jahre später äußerte sich Fontane gegenüber seiner Frau sehr kritisch über die „genialen Massenproducenten < …>, denen etwas Kommissiges“ anhafte: „Sehr feine Schriftsteller, die jede Zeile, die sie schreiben, vor Gott und Menschen verantworten können, können nicht 60 oder 70 Bände schreiben, und so stell ich denn freilich – und ich freue mich dies aussprechen zu können – in gewissem Sinne Talente wie Mörike, Tieck, Eichendorff, Keller, Storm höher als beispielsweise Scott.“ (FEF III, 24.6.1879, Nr. 550, S. 182.) ‚Pulsschläge ihres Lebens‘: Anspielung auf den Schlussvers von Storms Gedicht „Abschied“: „Und wie ein Pulsschlag in dein Leben gehn!“. doch für die dritte Strophe: Vgl. Storms Antwort vom 21./22. August 1853; Brief Nr. 14. In der „Argo“ wurde die umstrittene dritte Strophe schließlich doch abgedruckt; in allen weiteren Drucken aber verzichtete Storm darauf (vgl. LL I, S. 832). 256

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seinen Jüngsten hat taufen lassen: Karl Storm wurde am 9. Juli 1853 getauft. Gevatter Schneider und Handschuhmacher: Sprichwort nach einem Zitat aus Schillers „Wallensteins Lager“: „Lass sie gehen. Sind Tieffenbacher, Gevatter Schneider und Handschuhmacher“ (I/10; Jäger). Platen: Zu Fontanes August von Platen-Begeisterung vgl. Brief Nr. 32, Anm. 41 „Schlacht bei Ostrolenka“. Eugen Sue: Der frz. Romancier Eugène Sue war in den 1840er Jahren einer der meistgelesenen Schriftsteller Frankreichs. Er gilt als Begründer des Fortsetzungsromans in Tageszeitungen. Auch in Deutschland war sein Werk verbreitet, etwa „Die Geheimnisse von Paris“ (Berlin: Meyer & Hofmann 1843). Scherenberg sagte mir: Nicht ermittelt. Nennt <…> einst beseelt: Vgl. Storms „Abschied“ und Brief Nr. 12, Anm.17 „nach der zweiten Strophe“. Nachmittag haben wir Rütli: Während der „Rütli“-Sitzung, an der Fontane, Eggers und Kugler teilnahmen, wurde über die „Argo“, insbesondere über Kuglers „Stanislaw Oswiecim“, das ursprünglich auch zum Abdruck kommen sollte, und über Storms Gedichtbeiträge gesprochen. Vgl. Kugler an Clara Kugler, 14. August 1853: „Gestern war halber Rütli wieder bei mir, nemlich Eggers und Fontane (da Bormann in Sacrow bei Potsdam auslüftet), und zwar von halb 5 bis 11 Uhr. Wir hatten nichts zu kritisiren, aber allerleÿ wegen neuer Correcturbogen u andrer Dinge unsres Jahrbuchs zu besprechen. Fontane hatte wieder einige besondre Bedenken wegen meines Polackengedichtes (daß man z.B. von den Äußerungen meines Polacken zu Anfang des Gedichts Einiges als fast zu individuell mir in die Schuhe schieben möchte); es wurde hienach schließlich beschlossen, als versöhnenden Gegensatz jenes kleine Gedicht von mir: – Wenn der Sternenschein bei Nacht / Leis auf meine Pfade schimmert pp. das ja in der That aus derselben momentanen Stimmung, aber als ihr Abschluß, hervorgegangen ist, hinzuzufügen. Ich gab dem Gedicht die Ueberschrift Friede. Außerdem war von Storm (der uns neulich schon ein weniger befriedigendes Gedicht <„24 December 1852“; Anm. G.R.>, gegen welches ich mich auch ausgesprochen, eingesandt hatte) ein sehr schönes Gedicht <„Abschied“; Anm. G.R.> eingelaufen, das mit einem älteren ungedruckten <„Im Herbste 1850“; Anm. G.R.> von ihm in das Jahrbuch aufgenommen werden soll; beide enthalten, in verschiedener Weise, aber beide hübsch ergreifend, das tiefe Schmerzgefühl des Schleswigers unter den jetzigen Zuständen seiner Heimat. Meine Freude ist der frische norddeutsche Zug, den unser Jahrbuch erhalten wird“ (H: BSB – Heyse-Archiv Ana 549, Nr. 114; unveröff.; vgl. Berbig, S. 12–29). jüngst eingesandtes Gedicht: Kugler setzte sich offenbar mit seiner Kritik an der „etwas schwer<en>“ Form durch, denn Storms „24 December 1852“ kam in der „Argo“ nicht zum Abdruck. Storm veröffentlichte es erst in der zweiten Aufl. seiner „Gedich257

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te“ (1856) unter dem Titel „Weihnachtabend“; vgl. LL I, S. 830. Vgl. Storms Antwortbrief vom 21./22. August 1853, in dem er nicht Kuglers, gleichwohl aber Fontanes Kritik beipflichtete (Nr. 14, S. 32). ‚Walddeibeljungen‘: Vgl. die Beschreibung des beliebten, von Kindern gebastelten und für „einige Pfennige“ auf dem Berliner Weihnachtsmarkt feilgebotenen Spielzeugs: „Der Waldteufel selbst ist ein Instrument, dessen Erfindung diesen Buben eigen zu sein scheint. Es besteht aus einer an einer Seite offenen Büchse von Pappe, die mit einigen Pferdehaaren an einem kleinen Stocke befestigt ist und, indem sie herumgeschwungen wird, ein dumpfes, sonderbar klingendes Schnarren hervorbringt“ („Tagebuch eines Fremden“. In: Ruth Glatzer <Hg.>: Berliner Leben. 1648–1806. Berlin 1956, S. 312 f.). Vgl. auch die Notiz im „Volksgarten“ 1864 (Nr. 52, S. 807; Dezember), in der der „fröhliche Lärm und das Brummen der zahllosen ‚Waldteufel‘“ als eine „eigenthümliche Berliner Weihnachtsmusik“ beschrieben wird. „mirig“: jämmerlich, erbärmlich. confessions: (lat.: confessiones): ‚Bekenntnisse“; auch Anspielung auf Augustinus’ „Confessiones“ (um 400). in Ihrem letzten Briefe: Storm an Fontane, 9.8.1853; vgl. Brief Nr. 12. hinter Ihrer Novelle 2 Gedichte <…> ‚Tagebuchblätter‘: Im ersten Band der „Argo“ (1854) wurden dann schließlich neben den beiden hier ausgewählten „Im Herbste 1850“ und „Abschied“ noch fünf weitere Gedichte Storms („Trost“, „Mai“, „Nachts“, „Aus der Marsch“ und „Gode Nacht“) im Anschluss an die Novelle „Ein grünes Blatt“ veröffentlicht, allerdings ohne den von Fontane vorgeschlagenen Sammeltitel „Tagebuchblätter“, sondern schlicht als „Gedichte“; vgl. Storms Antwort vom 21./22.8.1853, Nr. 14. Vermutlich hatte Storm die anderen fünf Gedichte im September 1853 nach Berlin mitgebracht und der „Argo“-Redaktion persönlich übergeben; vgl. Brief Nr. 11, Anm. 2 „Meinem Versprechen gemäß“. Jenes: Storms Gedicht „Im Herbste 1850“, das Storm als Einschlussbrief über Eggers nach dem 6. Februar 1853 Fontane hatte zukommen lassen; vgl. Brief Nr. 2. ‚Trikolore‘ <…> ‚drei Farben‘: Ebenso wie die französische Trikolore bestand das Schleswig-Holsteinische royalistische Lilienbanner aus den drei Farben blau-weißrot, die jedoch nicht längs- sondern quergestreift angeordnet waren. Die Bedenken der Berliner Rütlionen gegen die Verwendung des Wortes „Trikolore“ werden verständlich, wenn man die Konnotation kennt, die im 19. Jahrhundert besonders nach der Revolution von 1848 und den damit verbundenen Hoffnungen auf ein geeintes Deutschland mitschwingt. Im Unterschied zu Storm, der damit einfach nur die „dreifarbige Fahne“ seiner Heimat Schleswig-Holsteins meinte, lasen die Berliner Freunde diese Stelle im Zusammenhang mit der Französischen Revolution als eine Anspielung auf die Ereignisse von 1848 und befürchteten berufliche Schwierigkeiten, insbesondere für die beiden preußischen Beamten Bormann und Merckel; vgl. Lohmeier, S. 44. 258

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Trotz aller Einwendungen der Berliner Freunde blieb es bei der Lesart „Trikolore“; vgl. Storm an Fontane, 21./22.8.1853, Brief Nr. 14, Anm. 43 „Trikolore <…> ‚Husum, Ostern 1853‘“. – Die grundsätzlichen Vorbehalte der Rütlionen waren berechtigt. So hatte auch Friedrich Feddersen politische Bedenken und äußerte sich gegenüber Storm am 17. Februar 1854 sehr besorgt über den Abdruck: „Ich finde es <das Gedicht „Abschied!“; Anm. G.R.> als Gedicht schön, ergreifend, zumal wenn man Sie und die Ihren kennt. Aber hier zu Lande ist es bedenklich mit solchen Gedichten in einem Buche. Sollte Argo auch unter die verbotenen Bücher kommen? Wenn sie Notiz davon nehmen, wahrscheinlich“ (H: SHLB Cb 50.56:48,04; unveröff.). Zu einem Verbot der „Argo“ kam es jedoch nicht; vgl. Einführung, S. XX f. Kugler <…> Amendement < …> Nachrechnen: Obwohl Storm den Kritikern recht gab, entschied er sich für eine Formulierung, die das beanstandete „etwa“ beibehielt: „Nachrechnen, was auch wir etwa gefehlt.“ ‚geht immer hin‘ <…> ‚bleibt immer hin‘: Auch hier unterscheiden sich Fontanes Deutung und Storms dichterische Intention voneinander. Während Fontane die Formulierung wohl als eine allgemeine Anrede Storms an die zurückbleibenden Landsleute verstand, meinte Storm hingegen nur diejenigen Teile der Bevölkerung, die sich mit der eiderdänischen Politik arrangierten. In der seinem Antwortbrief vom 21./22. August 1853 (vgl. Nr. 14, Anm. 16 „,Geht < …> zu Moltke“) nachgeschobenen Erklärung führt Storm dann aus, an wen er bei der Formulierung genau gedacht hatte: an den Chef des 1852 neu geschaffenen dänischen Ministeriums für das Herzogtum Schleswig, Carl Graf Moltke, der aufgrund seines Dienstes für den König eine auf den Erhalt des dänischen Gesamtstaates gerichtete Politik vertrat und als Sohn eines prominenten Nachkommens der schleswig-holsteinischen Bewegung als Parteigänger der Eiderdänen und nationaler Verräter galt; vgl. Lohmeier, S. 44. Trotz Fontanes berechtigtem Einwand blieb es bei dieser Formulierung. Du <…> Tag! <…> in Parenthese: Storm ging auf Fontanes Vorschlag ein; vgl. Brief Nr. 14, S. 31 f.; in der „Argo“ (1854) sowie in allen weiteren Drucken wurden diese beiden Verse nur noch mit einem Gedankenstrich voneinander getrennt abgedruckt: „Du, deren zarte Augen mich befragen, – Der dich mir gab, gesegnet sei der Tag!“ Für Husum: Vgl. Abb. Nr. 5 und Brief Nr. 13, S. 28. doch noch vielleicht ein Argo-Bild < …> Menzel: Die Entscheidung gegen eine „Argo“-Abbildung wurde getroffen, als Storm im September 1853 zu Gast in Berlin war. Wie Storm befürwortete auch Eggers wenigstens ein Frontispiz für die „Argo“. So überredeten beide Menzel, eine Titelradierung anzufertigen, die Merckels übermütige Einleitungsverse abschwächen sollte. Am 19. September 1853 übergab Menzel seine Radierung Kugler, Fontane und Storm. Kuglers Sohn Bernhard war der einzige, dem Menzels Bild gefiel. An seine Mutter schrieb er am 21. September 1853: „<…> gestern hat Menzel die Radirung für die Argo gebracht, ein ganz tolles aber reizendes 259

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Kommentar

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Blatt. Ganz im Vordergrunde liegt die Argo mit einer Harfe u gezeichneten Schwänen am Buge. Einige Argonauten in ihr. Theseus steigt auf einer Treppe an’s Land und schüttelt dem das Vließ bewachenden Drachen, einer grausen, geflügelten, bärenartigen Bestie höchst freundschaftlich die Hand. All’ die griechischen Helden tragen, um doch auch dergleichen zur Wehr zu haben, statt der Schilde, Papierdrachen, mit Klunkerchen und Schwänzen. Ueber dem Drachen schwebt an einem Beine das Vließ in Gestalt eines Hammelfelles mit Kopf u Beinen, u hinter ihm drängt sich abscheulich häßliches Volk mit gekniffenen Gesichtern, die kühnen Schiffer zu sehen, ja ein Kerl schiebt gar einen Flügel des Drachen bei Seite, der ihm im Wege steht. Das Ganze ist höchst spaßhaft u witzig durchgeführt“ (BSB – Heyse-Archiv Ana 549, Nr. 255; unveröff.). Kugler hingegen war entsetzt über Menzels Radierung, die er für „ein Titelbild < …> völlig ungeeignet“ hielt (Kugler an Fontane, 20.9.1853; FKug I, Nr. 16, S. 266). Gegenüber seiner Frau Clara äußerte sich Kugler am selben Tag noch deutlicher: „Dagegen ist mir durch Menzel ein großes Herzeleid bereitet. Er ist durch Eggers u unsern Storm zur Ausfertigung einer Radirung für das Jahrbuch gepreßt worden; es wurde ihm dazu besonders ein etwas verwegenes und herausforderndes Gedicht von Merckel (über den Argo-Titel) zur Illustration empfohlen, damit dieser Uebermuth Merckels durch ihn wo möglich etwas in den Schatten gestellt werde; und nun hat er eine Radirung geliefert, die dies allerdings erfüllt, die allerdings nett kaum ist, dabei aber im Ganzen doch nur den Eindruck eines Kladderadatsch-Witzes (und platterweise keines ganz guten) macht und die in Einzelnheiten barbarisch noch hingehudelt ist. Ich bin formlich unglücklich darüber, um so mehr, als ich mir Vorwürfe mache, dieser Excentricität, deren Möglichkeit bei M. doch vorauszusehen war, nicht rechtzeitig vorgebeugt zu haben; ich habe schon alle Arten der Verwendung des Blattes überdacht und bin für meine Person heimlich schon zu dem Resultat gekommen, das Blatt sammt dem Gedicht gar nicht zu geben“ (BSB – Heyse-Archiv Ana 549, Nr. 124; unveröff.). Nachdem auch Storm seine Bedenken gegen eine Verwendung als „Argo“-Titelblatt geäußert hatte, wurde entschieden, Menzels Radierung nicht zu veröffentlichen. Vgl. Berbig, S. 12–29, sowie Klaus-Peter Möller: Die erste Ausfahrt der „Argo“. Rekonstruktion eines Verlagsprojekts. Mit zwei Briefen Theodor Fontanes an den Gebr. Katz Verlag Dessau. In: FBl 82 (2006), S. 34–57. Vgl. Abb. Nr. 7. Quartier < …> bei uns: Neben Fontane haben auch Eggers und Kugler Storm eine Unterkunft in ihren Wohnungen angeboten; vgl. zu den Vorbereitungen von Storms Berlin-Besuch Briefe Nr. 13–15, Anm. 10 „Kugler <…> an Sie geschrieben“. Gesundheit <…> italienische Reise: Vor allem gegenüber Lepel klagte Fontane immer wieder über die Beschwerden seiner Tuberkulose-Erkrankung, die er als Vorbote einer unheilbaren Krankheit interpretierte. So teilte Fontane am 31. Juli 1853 dem Freund seinen Plan von einer Reise nach Italien mit, von der er sich einen großen Hei260

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Zu Brief 14

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lungserfolg versprach: „Mit mir geht’s wieder schlecht. Drei Tage bin ich erst hier (seit dem 28t) und schon hab ich wieder Husten, Schnupfen, Stiche u. dgl. m. < …>. Könnt’ ich nach Italien so wäre alles gut; aber wie?!“ Trotz aller, auch finanzieller Unterstützung von Lepel (vgl. Briefe vom 2.8. und 16.9.1853) hat Fontane schließlich nach seiner Genesung im Herbst 1853 (an Lepel, 19.9.1853) von seinen Reiseplänen wieder Abstand genommen; vgl. FLep I, Nr. 253–256, S. 373–380. zugesagten Aushängebogen: Die Auslieferung der „Argo“ verzögerte sich. Die endgültigen Beiträge lagen mit den letzten Eingängen (Storms Gedichte und Fontanes „James Monmouth“) erst Mitte September 1853 vor; Ende September begann die Korrektur (vgl. FKug I, 30.9.1853, Nr. 17, S. 267), und am 23. November 1853 schließlich wurde die „Argo“ ausgeliefert; vgl. Brief Nr. 17, Anm. 11 „Bogen meiner Novelle“.

(Zu 14)

Storm an Fontane, Husum, Sonntag, 21. und Montag, 22. August 1853. Antwortbrief auf Nr. 13 – Abdruck nach H

Überlieferung H: SHLB (Cb 50.51:15,07) h: masch. Abschr. TFA (Ca 680) E: Goldammer I, S. 206–209 (Nr. 53) D: Steiner, S. 45–48 (Nr. 12) Handschrift 1 Doppelblatt (28,1 x 23,7 cm), S. 1–3 beschriftet; blaues dünnes Papier. Dem Konvolut liegt der Rest von Storms Manuskript von „Ein grünes Blatt“ sowie die Gedichtabschrift „Im Herbste 1850“ bei. „1853“: von fremder Hand über der Zeile mit Bleistift korrigiert zu „1853 2“. Fontane hat diesen Brief als Einschluss an Eggers weitergegeben und ihn dann am <27. August 1853> von Eggers zurückgefordert; vgl. H: SBB-PK – Nachlass Fontane, St 62,10; FEgg, Nr. 22, S. 118. Edition In Steiners Edition wurden zu diesem Brief fälschlicherweise drei Beilagen ermittelt, da die von Steiner als Beilagenblätter identifizierten Handschriften zusammen mit der Briefhandschrift in der SHLB unter einer Signatur aufbewahrt werden: Storms Reinschrift des Gedichts „Im Herbste 1850“ (in der vorliegenden Neuedition erstmals als Brief Nr. 2 abgedruckt), der zweitletzte Abschnitt der Novelle „Ein grünes Blatt“ sowie „Des Dichters Epilog“ (in der vorliegenden Neuedition beides eine Beilage zu Brief Nr. 6); vgl. auch Lohmeier, S. 46 f. 261

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