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Gastkommentar: CDE – das IT-Fundament für BIM und Daten
GASTKOMMENTAR:
CDE – das IT-Fundament für BIM und Daten
Jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen. Das Szenario, welches sich den Branchenteilnehmern der Bau- und Immobilienwirtschaft jedoch in diesem Sommer 2022 darstellt, ist allerdings ein sehr spezielles: Über die Notwendigkeiten der digitalen Transformation sprechen wir seit 20 Jahren.
Mike Riegler, Geschäftsführer, PMG Die Folgen des weiter Projektraum Management GmbH zunehmenden Fachkräf-
temangels werden seit 10 Jahren diskutiert. Und spätestens seit dem Pariser Klima-Abkommen vor sieben Jahren, wissen wir, dass gerade auch auf unsere Branchen erhebliche Anstrengungen für einen besseren Klimaschutz zukommen. Wer aber hat vor drei Jahren mit COVID 19 gerechnet – und vor allem jetzt mit einem Krieg in Europa? Und so sprechen wir nun auch über unterbrochene Lieferketten und Inflation mit explodierenden Kosten für Baumaterialien, Benzin und Energie.
BIM ist nicht das Problem, sondern Teil der Lösung
Gleichzeitig erleben wir aber auch eine Fülle von Entwicklungen aus der Dynamik der Digitalisierung heraus. Ganz gleich, ob neue Produkte und Methoden, neue Technologien in IT, IoT, VR, AR, Robotik oder KI – wer etwa die digitalBAU in Köln besuchte, konnte sich von dem großartigen Einfallsreichtum der Ingenieure, Architekten, Bauunternehmer, Dienstleister, Wissenschaftler, Entwickler und IT-Anbieter selbst überzeugen. Eines wurde allerdings ebenfalls deutlich: Die weiterwachsende Komplexität der Aufgaben und Projekte werden die Beteiligten nicht länger allein in den Griff bekommen: Zur Lösung der Probleme und einer besseren Wettbewerbsfähigkeit gehört vernetztes Denken und Handeln dazu. Eine frühzeitige Zusammenarbeit und eine verbesserte Kommunikation bilden die grundlegende Voraussetzung für den Erfolg. Gerade in der stark fragmentierten
Bauwirtschaft führen Silos von Fachbereichen und Einzelthemen in eine Sackgasse. Und eben hier ist BIM nicht das Problem, sondern Gerade in der stark fragmentierten Bau- Teil der Lösung. Denn wirtschaft führen Silos von Fachbereichen das wichtigste Nutzenund Einzelthemen in eine Sackgasse. Und versprechen von BIM eben hier ist BIM nicht das Problem, son- liegt in der kollaboratidern Teil der Lösung. ven, konstruktiven Zusammenarbeit entlang eines durchgängigen digitalen Datenmanagement im gesamten Immobilien- Lebenszyklus – bis zum Rückbau und zur Wiederverwendung von Ressourcen.
BIM ist das Mindset – Daten sind die DNA
So viel zum BIM-Nutzenversprechen. Wo aber steht die Branche im Jahr Sieben nach Veröffentlichung des Digitalen Stufenplans, der seinerzeit zweifelsfrei einen ersten BIM-Hype ausgelöst hatte? Weiter, als gemeinhin angenommen wird. BIM lehrt uns ein Mindset, wie Daniel Mondino, BIM-Pionier, Mitverfasser des Stufenplans und Geschäftsführer im Planungsbüro CORE Digital Engineering, es unlängst auf den Punkt brachte. Die Projekt- und Objektdaten aber sind die DNA. Mit dem richtigen Mindset kriegen wir auch die Daten in den Griff. Haben wir erst die Daten, lösen wir auch die Herausforderungen.
Und was dazu in den zurückliegenden Jahren geleistet wurde, ist beachtlich: Es sind vor allem die Verbände und auch Vereine, wie etwa buildingSMART oder DIN – um nur Zwei zu nennen – deren Arbeit für einen standardisierten Datenaustausch gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Und ihr Verdienst: Niemand muss heute noch länger auf ein kollaboratives Arbeiten warten, weil ihm Standards fehlten. Auch wenn noch verschiedentlich Workarounds erforderlich sind und Lücken bestehen – wie etwa bei der TGA oder beim Übergang vom Bau in den Betrieb: Eine Ausrede lässt sich für die Unwilligen daraus nicht länger ableiten.
Niemand muss heute noch länger auf ein kollaboratives Arbeiten warten, weil ihm Standards fehlten. Auch wenn noch verschiedentlich Workarounds erforderlich sind und Lücken bestehen – wie etwa bei der TGA oder beim Übergang vom Bau in den Betrieb: Eine Ausrede lässt sich für die Unwilligen daraus nicht länger ableiten.
Datenkollaboration und Mehrwert
Im vernetzen Planen, Bauen und Betreiben mit vielen Beteiligten ist der Austausch von Informationen über standardisierte Schnittstellen und mit einheitlichen Attributen wesentlich für Wirtschaftlichkeit, Projekt- und Produktqualität. Durch die geregelte Weiterverwendung von bereits generierten Daten können in der Wertschöpfungskette Bau Ressourcen geschont und die Wirtschaftlichkeit erhöht werden. Wenn alle einmal für das Projekt erfasste Daten durchgängig nutzbar gemacht werden, können auch Doppel- und Mehrfacherfassung vermieden, der Verwendung veralteter Plandaten vorgebeugt und Konflikte reduziert werden. Das digital erzeugte Bauwerk kann als Produkt bereits in der Planungsphase frühzeitig perfektioniert werden, bevor auf der Baustelle Fakten geschaffen werden. Durch ESG und Taxonomie gewinnt das durchgehende digitale Datenmanagement auch aus Investorensicht rasant an Bedeutung. Wer nachhaltig investieren möchte oder muss, der benötigt Datentransparenz. Um nur auf die ökologische Dimension einzugehen: Energieverbräuche zu analysieren, entsprechende Maßnahmen zur Reduktion einzuleiten und zu überwachen – das erfordert eine Vielzahl von Daten und deren Analyse. Die daraus erwachsende Komplexität ist so hoch, dass sie sich mit bis-
herigen Ansätzen nicht lösen lässt. Das gilt umso mehr, wenn man bedenkt, dass es nicht mehr genügen wird, unternehmenseigene Daten auszuwerten. Datenkollaboration wird erfolgsentscheidend sein, um Mehrwerte zu generieren – auch weit Datenkollaboration wird erfolgsentschei- über Nachhaltigkeitsdend sein, um Mehrwerte zu generieren – aspekte hinaus. Für Eiauch weit über Nachhaltigkeitsaspekte gentümer schon lange hinaus. von Bedeutung wirken sich unvollständige Daten und mangelnde Datenqualität auch bei einer etwaigen Veräußerung nun negativ auf den Wert der Immobilie aus.
Entscheidend ist die Datenqualität
Die kluge Verbesserung analoger Prozesse und ihre Transformation in digitale Workflows sind der Schlüssel für Effizienzgewinn. Neben der Verfügbarkeit der daraus resultierenden Daten ist die Datenqualität entscheidend – auch, um Prozesse zu automatisieren und maschinenlesbar machen zu können. Erst wenn die Datenanalyse nicht länger eine Black Box darstellt, können relevante Entscheidungen gezielter getroffen werden.
CDE – die Basis jeder IT-Ziel-Landschaft
Dass sich diese Sonderausgabe ganz dem Thema CDE widmet, hat vor diesem Hintergrund einen sehr guten Grund: Denn CDE bildet die Basis in jeder IT-Ziel-Landschaft, in einer CDE kann sich das BIM-Nutzenversprechen erfüllen. Natürlich muss dafür eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein. Welche das sind, wird ideal beschrieben in der DIN SPEC 91391: In deren ersten Teil etwa geht es um die Module und Funktionen. Mindestumfang und Zusatzfunktionalitäten werden beschrieben und ein Überblick über Anwendungsfälle gegeben. Im zweiten Teil wird das ebenso bedeutende Schnittstellenkonzept für den Datenaustausch in offenen BIM-Projekten – Open BIM – dargestellt. Schließlich müssen unterschiedliche Softwarelösungen angebunden und ein reibungsloser und sicherer Datenaustausch zwischen verschiedenen Plattformen angestrebt werden.
Drei maßgebliche Anforderungen an ein CDE
Neben diesen beschriebenen Anforderungen ist aber auch die Erfahrung von CDE-Anbietern von nicht unerheblicher Bedeutung – bzw. die der Anwender, die ja immer neu in die Weiterentwicklungen einfließen. Wir befassen uns mit kollaborativen Arbeiten und vernetzen digitalen Datenmanagement seit bald 25 Jahren. Aus dieser Perspektive heraus halte ich drei Aspekte für einen erfolgreichen Einsatz von CDE für maßgeblich:
1. Die Anwendung einer CDE muss einfach sein. Nur wenn der Daten In- und Output ohne Spezialkenntnisse möglich ist, erschließen sich den Anwendern auch unmittelbarer Nutzen und Erfolgserlebnisse. Bedenken wir, dass der überwiegende Teil der an einem Immobilien- und Bauprojekt beteiligten Büros und Betriebe kleine und mittelständige Unternehmen sind. Deren Mitarbeiter arbeiten meist nur phasenweise in der CDE – einige sogar parallel in verschiedenen Systemen. Anwenderfreundlichkeit darf daher keine Marketinghülse sein. Nur wenn sie erwiesener Maßen eingehalten wird und sich mit den Anwendergewohnheiten mitentwickelt, kann eine CDE überhaupt erst eine ihrer bedeutendsten Eigenschaft erfüllen: Als Single Source of Truth.
2. Datenaktualität und -qualität sind Voraussetzung, damit eine CDE gerade auch in komplexen Projekten als die einzige Wahrheitsquelle fungieren kann. Diese können in einem kollaborativen Zusammenarbeiten ganz unterschiedlicher beteiligter Firmen aber nur schwer verordnet werden. Die Plattform muss daher nicht nur leicht zugänglich und bedienbar sein, sondern auch als vertrauensvolle Lösung erfahren werden, in die man gerne hineinarbeitet.
3. Eine wesentliche Voraussetzung für Vertrauen ist wiederum die Sicherheit – die meiner Daten als Mitarbeiter ebenso wie als Dateninhaber. Gerade im deutschsprachigen Markt ist das Sicherheitsbedürfnis bei browserbasierten Cloudlösungen besonders ausgeprägt. Und das völlig zu Recht, denn der durch Hackerangriffe verursachte Schaden hat erheblich zugenommen. Nicht zuletzt aber zählt auch die Verlässlichkeit des Anbieters selbst – mit Tradition und Innovation, Made in Germany.
Anwenderfreundlichkeit darf daher keine Marketinghülse sein. Nur wenn sie erwiesener Maßen eingehalten wird und sich mit den Anwendergewohnheiten mitentwickelt, kann eine CDE überhaupt erst eine ihrer bedeutendsten Eigenschaft erfüllen: Als Single Source of Truth.
Mike Riegler, Geschäftsführer, PMG Projektraum Management GmbH
www.pmgnet.de









