– Perspektivwechsel: ein Common Data & Information Environment (CDIE) als Digital Twin – The next big „BIM“ is „open(source)BIM“ – CDE mit CSA (Common sense approach) – ISO 21597 als das ROZ 98 für jede CDE? – Interoperabilität für Mensch und Maschine – Green CDE: Common Data Environment-Technologie für ein nachhaltiges Datenmanagement – Der Fehmarnbelt-Tunnel – ein europäisches Megaprojekt: Volle Kontrolle über die Projektdaten mit CDE – Vom CDE zum CBE – CDE – Common Data Environment ≠ Change Data Endless CDE – Common InformationsmanagementEnvironmentDataPlanen+Bauen2022Ernst&SohnSpecialAugust2022ISSN2750-5030A61029
Kernthema des vierten Symposiums #4_IngD4C ist die Frage nach einem möglichst geringen CO2-Fußabdruck unserer gebauten Umwelt durch bevorzugtes Bauen mit und im Bestand. Zu Beginn fordern junge Tragwerks planer:innen ganzheitlich sinnhaftes Bauen. Auf Baustoffebene geht es weiter mit einer Diskussion zu Recycling-Beton und nachfolgend auf Bauteil ebene mit modernen Tools der Wiederverwendung. Abschließend geht es bei Brücken und Hochbauten um Sanierung und Bestandserhalt von Bau werken. Zusammen mit aktuellen Projekten von Ingenieur:innen aus Deutschland werden weitere bekannte Diskutanten den Dialog der Bau branche zu den Zukunftsfragen bereichern und das Publikum einbeziehen.
Im Anschluss findet die Verleihung des Deutschen Ingenieurbaupreises 2021 an gleicher Stelle statt.
Köln + Online
Ingenieur bau kunst Construction Infos + Blog www.ingd4c.org
Design for
MAK von 10–18 Uhr Das Symposium Ingenieurbaukunst – Design for Construction betrachtet die Zukunft des Planens und Bauens mit spektakulären Projekten, innovativen Entwicklungen und neuen Umsetzungskonzepten ganzheitlich. Grundlage ist das Jahrbuch Ingenieurbaukunst. Im Mittelpunkt des Symposiums steht die Ingenieurbaukunst in Entwurf, Tragwerksplanung und Bauausführung – immer in enger Kooperation mit Architekt:innen und Baufirmen. Ausgehend von außergewöhnlichen aktuel len Bauprojekten werden Zukunftsthemen für das Bauen diskutiert.
Bauen29.DesignIngenieurbaukunst4_#IngD4CforConstructionNovember2022mitundimBestand
Veranstalter Mitveranstalter ©Bollinger+Grohmann
Die CDE verwaltet nicht nur strukturiert alle Daten zu einem Projekt bzw. Asset, sondern reichert diese auch mit Metadaten an, verwaltet die Versionen von Daten, ermög licht die Verknüpfung von alphanumerischen Daten und Dokumenten zu IFC Modellen und kann oftmals auch für das Workflow-Management verwendet werden. Für das Projekt ist die CDE also das Allroundtalent der modellba sierten MithilfeKollaboration.derCDEgelingt
Editorial 3Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
Der synchrone, bidirektionale Digital Twin ermöglicht nicht nur die Planung und Rückführung von Informatio nen rund um Maßnahmen im Gebäudebetrieb, sondern auch die Analysen von Nutzungsdaten, Daten zum Raum klima und Zustandsdaten auf Basis von Sensorik sowie die InwieweitEchtzeit-Gebäudeautomatisierung.könnenCDEsdafürzukünftig
Informationen bereitstellen, in Echtzeit agieren und dennoch Dateninteg rität gewährleisten? Eine Antwort auf diese Frage erhoffen wir uns aus der Umsetzung offener Schnittstellen wie die openCDE Spezifikation oder die Entwicklung der open CDE API bei buildingSMART. Doch auch hier sind noch nicht alle Potenziale ausge schöpft: Daten, die durch die intensive Nutzung der CDE gesammelt werden, können Grundlage für die Anwendung von Verfahren der künstlichen Intelligenz sein. Für das Bauwesen zeichnen sich bereits jetzt praktikable Anwen dungsfelder ab. Letztlich stellt sich die Frage: Können Projektdaten für die Forschung, die Datenanalyse und Prognosen genutzt wer den, ohne die Integrität oder die Sicherheit der Daten zu gefährden? Ein erster Lösungsschritt ist die Erstellung von Knowledge Bases (Wissensbasen) im Kontext des Projek tes oder der Organisation, um Mehrwerte aus abgeschlos senen Projekten zu generieren und hohe Wiederverwend barkeit zu schaffen. Bei der Umsetzung werden Projekt informationen semantisch miteinander verknüpft, um Informationen übergeordnet zur Verfügung zu stellen.
Mit der Verabschiedung der Masterpläne für BIM im Be reich des Bundesfernstraßenbaus und des Bundes(hoch) baus im September 2021 stellt die öffentliche Hand sich der Herausforderung, BIM schnellstmöglich und flächen deckend einzuführen und die Potentiale dieser digitalen Methode zu entfalten.
In Bezug auf das Informationsmanagement und die trans parente Zusammenarbeit benennen beide Ressorts die CDE als einheitliche Datenumgebung, die sowohl die mo dellbasierte Kommunikation in den Planungsphasen als auch zukünftig die Dokumentation über alle Phasen des Bauwerkslebenszyklus sicherstellen soll. Dies ist ein wich tiger Schritt in die richtige Richtung. Doch gerade aus Sicht der Wissenschaft sind wir hiermit noch am Anfang der Möglichkeiten zur Digitalisierung des Bauwesens.
die Realisierung des Langzeitzu griffs auf Bauwerksdaten über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Die kontinuierliche Anreicherung mit Bauwerks informationen und die sinnvolle semantische Verknüpfung der Informationen bilden das Fundament für die Erstel lung von Digital Twins.
Hierbei sind auch Aspekte von Linked (Building) Data in teressant, dessen Anwendungsfelder u. a. die Modellierung von wiederverwendbaren Bauproduktdaten, Workflows, Entwurfsmustern und Bauteilparametern sind, welche so mit in Projekten immer wieder referenziert werden kön Ichnen.bin davon überzeugt, dass die strukturierte Verwaltung von Informationen in CDEs ein zentraler Drehpunkt für die Digitalisierung im Bauwesen ist. Um in Zukunft für den Betrieb von Bauwerken auf zuverlässige Datensätze zurückgreifen zu können und das volle Potenzial der Digi talisierung auszuschöpfen, ist der Einsatz von CDEs aus meiner Sicht bereits heute absolut gewinnbringend.
Viel Freude beim Lesen der zweiten Ausgabe des E & SSpecials: CDE wünscht Ihnen Liebe Leserinnen und Leser, ich freue mich zu beobachten, dass BIM mittlerweile in allen Bereichen der deutschen Bauwirtschaft Einzug hält.
Inhalt 4 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen EDITORIAL 3 Markus König ZUVOR Ulrich Hartmann 5 DIN SPEC 91391 – Wenn Sie heute ein CDE auswählen dürften ... DISKURS Jens Bredehorn, Dr. Dennis Geesen, Lukas Besser, Markus Kiefl 6 Perspektivwechsel: ein Common Data & Information Environment (CDIE) als Digital Twin Herausforderung Digital Twin: Der Weg zum integrierten Lebenszyklus Tim Hoffeller 11 Gastkommentar: The next big „BIM“ is „open(source)BIM“ Andres Garcia Damjanov 13 CDE mit CSA (Common sense approach) Philipp Dohmen 17 ISO 21597 als das ROZ 98 für jede CDE? Simone Meier 22 Interoperabilität für Mensch und Maschine Dirk Thiesen 26 Auswahl eines CDE-Systems – geht das auch schlauer? SOFTWARE Stefan Kaufmann 31 Green CDE: Common Data Environment-Technologie für ein nachhaltiges Daten management 34 „Es geht um vielmehr, als ein einfaches Usermanagement mit der Vergabe von Logins“ 7 Fragen an Dr. Christian Müller, Bereichsleitung Collaboration Solutions, AWARO Mike Riegler 39 Gastkommentar: CDE – das IT-Fundament für BIM und Daten 41 Zukunftssicherung für Architekten und Ingenieure THEORIE UND PRAXIS Christof Lorenz 42 Der Fehmarnbelt-Tunnel – ein europäisches Megaprojekt Michael Müns 47 BIM – Kollaboration und Kommunikation Matthias Liechti 51 Vom CDE zum CBE Nils Aleweiler, Volker Seebode 54 CDE – Common Data Environment ≠ Change Data Endless 60 Die Zeit zwischen Zuschlag für ein Projekt und Beginn der Arbeiten um 92 % verkürzen Interview mit Mark Buckle, TCO bei Tilbury Douglas, London 62 Impressum Special 2022 CDE – Common Data Environment Damit die Bauindustrie zunehmende Belastungen durch steigende Baustoff- und Ener giepreise sowie enorme Probleme mit Lieferketten, kombiniert mit immer strengeren Umwelt- und Nachhaltigkeitsauflagen schultern kann, ist eine durchgängige Digitalisie rung aller Bauphasen unumgänglich. Im Mittelpunkt stehen dabei BIM und CDE als Single-Source-of-Truth. Die Digitalisierung vereinfacht Prozesse und die Zusammen arbeit aller Beteiligten. Das zeigt eindrucksvoll die Mammutaufgabe des weltweit größten Absenktunnel- und Kooperationsprojektes zweier Länder: der FehmarnbeltTunnel. Das Projekt stellt Christof Lorenz, Head of Presales Consulting bei Thinkproject, in seinem Beitrag vor. (Abb.: Femern AS) Beitrag siehe S. 42 ff. Ernst & Sohn Special 2022 CDE – Common Data Environment ISSN A610292750-5030 Ernst & Sohn GmbH Rotherstraße 21 D-10245 Berlin Telefon: (030) 4 70 31-200 Fax: (030) 4 70 www.ernst-und-sohn.deinfo@ernst-und-sohn.de31-270
DIN SPEC 91391 –
Zuvor 5Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
Für das Management von Informationen gäbe es auch ein paar auf den ersten Blick plausible Möglichkeiten: Man nehme E Mail für die Kommunikation, eine DropBox für den Datenaustausch und ein Dateisystem für Ab lage und Archivierung. Dazu noch jede Menge manuelles genUmbenennen,Speichern,VerfolvonTerminen,Prüfen auf Vollständigkeit von Unterla gen und geduldiges Suchen nach aktuellen Versionen, Up dates oder Freigaben. Aber Geduld und starke Nerven sind bei Bauleuten ja ohnehin vorhanden … Allerdings, mit dem richtigen Werkzeug wären diese Energien an anderer Stelle womöglich besser eingesetzt. Denn das Bestellen, Liefern, Prüfen, Koordinieren und Verteilen von Informa tionen mit einer Vielzahl wechselnder Projektteilnehmer entlang der Zeitachse ist ein komplexes Unterfangen und manuelles Informationsmanagement ist nicht nur zeitrau bend, sondern auch fehleranfällig. Ein weiterer Grund, warum die „oberste BIM Norm“, die ISO 19650, eine Gemeinsame Datenumgebung als Pflichtbestandteil in jedem BIM-Projekt vorsieht.
Auch der Blickwinkel hat sich erweitert. Standen bisher bei BIM die erzielbaren Mehrwerte einzelner Projekte im Fokus, setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass wir unsere Gebäude zwecks entscheidend wichtiger Nachhaltigkeitsziele smarter machen müssen. Es geht um eine ganzheitliche Betrach tung des Bausektors und dessen ökologischen Fußabdruck, von der Abfallvermeidung bei der Bauproduktion, über eine ganz heitliche Energiebilanzierung bis zur Wiederverwendbarkeit. Der damit verbundene Informationsbedarf macht ein systema tisches Management von Informationen zum Schlüsselfaktor. BIM ist nicht nur Building Information Modelling: Erfolgreiches BIM ist Building Information Management. – i –Wie aber wird das Building Information Management praktisch umgesetzt? Für das Erstellen von Plänen, Zeichnungen, Modellen und anderen Dokumenten gibt es eine Fülle von SoftwareWerkzeugen. Pläne könnte man beispielsweise mit Word, MS Paint oder Power Point zeichnen. Macht man aber nicht. Aus gutem Grund: sie haben nicht die erforderliche Funktionalität. Wenn Sie heute ein CDE auswählen Informationsmanagementdürften ...mitBIMnicht
dem Zufall überlassen
Lesen Sie den ausführlichen Beitrag von Ulrich Hartmann weiter auf www.bauingenieur24.de CDE ist ein Pflichtbestandteil in BIM-Pro jekten, aber was sind die Pflichtbestand teile eines CDE? Ist eine Dateiablage, eine Austauschplattform, ein Archiv oder ein Koordinationsinstrument bereits ein CDE? –Es gibt zahllose herstellereigene Interpre tationen.
Was ist eine CDE – Anwender brauchen Klarheit über Einsatzgebiete (Abb.: Oracle)
Ulrich Hartmann, Produktmanager, BIM- und AEC-Industrie-Experte bei Oracle Construction and Engineering
Eine wichtige Säule von BIM ist das Erstellen von hochwertigen intelligenten Modellen. Der ganze Nutzen der Methodik er schließt sich jedoch erst, wenn die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt für Entscheidungen und Abläufe zur Verfü gung stehen.
Dabei werden alle Modelle und ihre Inhalte einer On tologie zugeführt und dadurch in einen Kontext gesetzt, der die langfristige Abbildung eines Digitalen Zwillings ermöglicht. Jeder Datensatz kann durch Anreicherung und Verlinkung zu anderen Informationen und Daten somit sukzessive den realen Zustand einer Immobilie abbilden.
Dadurch wird der Nutzer befähigt, integriert in seinen be kannten Prozess, seine Daten bereitzustellen und zu ver walten, um so den Digitalen Zwilling zum einen zu erstel len und zum anderen kontinuierlich zu pflegen.
In diesem Zusammenhang werden alle Dimensionen der Verfügbaren Informationen genutzt und sie führen zu ei ner Anreicherung des entsprechenden Assets. Diese Entwicklung ist begleitet von umfassenden Change Aktivitäten, um neben den technischen Vorausset zungen auch die prozessualen Grundlagen zu vermitteln.
Der Duden definiert Integration als die „Einbeziehung, Eingliederung in ein größeres Ganzes“ sowie fachsprach lich als die „[Wieder]herstellung einer Einheit [aus Diffe renziertem]; Vervollständigung“.
In der gesamthaften Betrachtung aller notwendigen Bestandteile ist also festzustellen, dass nach wie vor eine starke Trennung der Projekt- und Betriebsphase sowie de ren Standards und Tools vorliegt. Das teils in der Literatur formulierte Ziel der Integration eines sog. „Digitalen Zwil lings“ lässt sich derzeit nur bedingt in den real verfolgten Lösungsan sätzen finden. Dies ist, in Bezug auf die BMW Group darin zu begrün den, dass es bis dahin keine zentral zur Verfügung gestellte Lösung gab, die eine Heimat für Pläne, Modelle und Do kumente im Verlauf des Lebenszyklus einer Immobilie dar stellt.
Diskurs 6 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen Dabei steht nicht im Vordergrund, als Ergänzung zu den existierenden Standards, Richtlinien und Systemen der Projektphase einer Immobilie, ein weiteres System für den Betrieb zu schaffen, sondern viel mehr die Grundlage einer Verbindung zwischen Projekt und Betriebsphase zu schaffen. Entscheidend sind hierbei neben den Prozessen und deren Standards, das dazugehörige Informationsmo dell mit seinen Perspektiven sowie der technische Rahmen in Form eines einheitlichen Common Data Environments.
Das teils in der Literatur formulierte Ziel der Integration eines sog. „Digitalen Zwil lings“ lässt sich derzeit nur bedingt in den real verfolgten Lösungsansätzen finden.
Themen wie IT-Sicherheit, Datenhoheit oder Anpassbarkeit auf eigene Anforderungen spielen dabei eine immer stärkere Rolle.
Das CDE im Fokus des Digital Twins Ein CDE beschreibt das Zusammenwirken von Daten, Strukturen, Workflows, Systemen, Schnittstellen und An Eine Vielzahl von Organisationen im Bereich des Real Estate und Asset Managements beschäftigt sich mit der Digitalisierung von Bauprozessen. Zunehmend ist zu beobachten, dass Projekte digi tal geplant und realisiert werden. Geht es um den Betrieb von Gebäuden stellt sich vielerorts aber noch die Frage: Wie können die Informationen digitaler Modelle auch später genutzt werden?
Anfangs bedienten sich die meisten Organisationen für das Speichern und den Austausch von Daten an am Markt vorhanden Pro dukten. Im Zusammenhang mit BIM kam die Frage auf nach einer integrierten Betrachtung und schnittstellenfreien Lösung, die es ermöglicht die durch BIM gewonnen Informationen nach Ab schluss eines Projekts verlustfrei in den Betrieb zu übergeben.
– i Grundlage– einer Verbindung zwischen Projekt und Betriebsphase
Standards zur Definition von Informationsanforderungen sind da bei weniger die Herausforderung. Es fehlt viel mehr an einer technischen Grundlage oder einer Plattform über die Informatio nen ausgetauscht und bereitgestellt werden können.
Der Ansatz eines integrierten Lebenszyklus einer Im mobilie und somit die Idee des Digitalen Zwillings ist da her nur Hand in Hand mit den entsprechenden Standards in Form von Liefervorschriften, Prozessen, einem Informa tionsmodell und einer durchgängigen Plattform zu realisie ren.
Aus diesem Grund wurde im Juli 2021 die Entschei dung getroffen, eine eigene Plattform für die Abwicklung von Projekten sowie für die Verwaltung von Bestandsplä nen und Modellen zu entwickeln. Das Ziel ist dabei die Einordnung aller Daten in ein zentral vorgegebenes Infor mationsmodell, dass die Informationen des Real Estate Ma nagement klar strukturiert und somit auch eine objektori entierte Steuerung von Projekten und Assets ermöglicht.
Das Ziel ist es, mittels eines geometrischen, wie auch semantischen Informationsmodell über den gesamten Le benszyklus einer Immobilie alle relevanten Perspektiven abdecken zu können. Hierzu sind die entsprechenden Pro zesse und Systeme auf unterschiedlichen Ebenen ein Teil des in einer Plattform abzubildenden Digitalen Zwillings.
– ii Umsetzung/Perspektivwechsel:–
Perspektivwechsel: ein Common Data & Information Environment (CDIE) als Digital Twin
Herausforderung
Digital Twin: Der Weg zum integrierten Lebenszyklus
In einer dezidierten Untersuchung der Integration von BIM in den Betrieb wurde festgestellt, dass eines der Haupt probleme bei der Akzeptanz von BIM in der mangelnden Verfügbarkeit liegt, beginnend damit, dass das Öffnen von Modellen eine Hürde darstellt und bereits so die Weiterver wendung der im Modell hinterlegten Attribute verhindert wird. Auch der projektbezogene Einsatz externer CDELösungen und die nicht funktionierende Rückintegration in bestehende Systeme wurden als Hindernisse der Imple mentierung von BIM wahrgenommen.
Das Ziel ist es, mittels eines geometrischen, wie auch semantischen Informationsmodell über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie alle relevanten Perspektiven abdecken zu können. Hierzu sind die entsprechenden Prozesse und Systeme auf unterschiedlichen Ebenen ein Teil des in einer Plattform abzubildenden Digitalen Zwillings.
es darum, den Teppich hochzuheben und die Daten zu strukturieren, die die letzten Jahre hier drunter gekehrt worden sind. Es geht nicht darum, SoftwareHierbeiabzulösen.kannman sich des Ansatzes des Retrofittings bedienen. Im Kontext von Industrie 4.0 bedeutet dies, dass existierende Maschinen auch ohne programmierbare Steuerungen oder digitalen Schnittstellen durch Sensorik eingebunden und intelligent gemacht werden.
Also geht es darum, den Teppich hochzuheben und die Daten zu strukturieren, die die letzten Jahre hier drunter gekehrt worden sind. Es geht nicht darum, Software abzulö-
Dersen.Ansatz eines integrierten Lebenszyklus einer Immobilie und somit die Idee des Digitalen Zwillings ist daher nur Hand in Hand mit den entsprechenden Standards in Form von Liefervorschriften, Prozessen, einem Informationsmodell und einer durchgängigen Plattform zu realisieren.
wird eine Identifikation sichergestellt. Es ermöglicht die Anbindung verschiedenster Viewer, Systeme, Datenbanken oder Applikationen innerhalb einer Organisation. Aus dem CDE wird also ein CDIE – Common Data and Information Environment. Das Informationsmodell bildet den Kern eines digital Twins und nicht die visuelle Repräsentanz.
Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen wendern innerhalb eines Projekts oder einer Organisation und nicht nur eine Technologie wie es oftmals im BIMKontext vermittelt wird. Der wichtigste Baustein dabei ist das Strukturieren von Daten. Doch allein die systemübergreifenden, strukturierten Daten reichen nicht aus, um einen Digitalen Zwilling abzubilden. Die Kunst besteht darin, aus Daten Informationen abzuleiten und aus Informationen Wissen zu generieren.
Dass bestehende Technologien und Tools dem „Planen, Bauen und Betreiben 4.0“ nicht standhalten, ist eine einfache und schwer verifizierbare Aussage, hinter der sich viele vermeidliche nutztedendtionsmodellistVorhineinverstecken.SpezialistenWieimbeschrieben,jedochdasInforma-entschei-undnichtdiege-Software.Alsogeht
Ein einheitliches und neutrales Informationsmodell ermöglicht es Daten innerhalb eines Projektes oder gar einer ganzen Organisation für jeden auffindbar und nutzbar zu machen. Ziel dabei ist es, verbindliche und dennoch adaptive Standards zu schaffen, um Daten eineindeutig klassifizieren zu können. Informationen lassen sich auf solch einer Grundlage optimierter weiterverarbeiten. Insbesondere die Klassifizierung von Bauteilen, Anlagen, Aggregaten, Komponenten und Datenpunkten, aber auch von damit in Zusammenhang
Übertragen auf die proprietären Bestandssysteme im Gebäudebetrieb und den notwendigen Austausch von konsistenten Informationen, bedeutet dies die Herstellung einer offenen Vernetzung von Software durch das Beschreiben von systemunabhängigen Schnittstellen.
ÜberTypKomponente,Ort,denenbasierttionsmodells.mitDokumentenstehendenerfolgtHilfedesInforma-Diesesaufverschie-Aspekten,wieSystem,Funktion,Signal,oderDokument.dieseAspekte
– iii Retrofi–t: Never change a running system
Diskurs 7
Das Retrofitting bindet aufbauend auf dem Informationsmodell somit existierende Software intelligent ein.
Dabei setzt Retrofit zum größten Teil auf vorhandene Schnittstellen bzw. Standards auf und kann dadurch nach träglich ergänzt werden. Es ist kein Austausch von Soft ware notwendig, sodass dieses Vorgehen herstellunabhän gig und schnittstellen-neutral ist. Mit diesen Erkenntnissen können auch bestehende Systeme und Applikationen, die gewohnten Workflows, wie die Kollaboration zwischen Projektbeteiligten, die Instand haltung und Wartung oder das Flächenmanagement durch geführt werden. Auf Grundlage der einheitlichen Sprache über das Informations modell können jeder zeit weitere Applikatio nen in den Digital Twin aufgenommen und neue Workflows und Anwen dungsfälle erzeugt wer den. Die Verknüpfung der Daten innerhalb des CDIE bietet neue Möglichkeiten. Beispielsweise wird das Entscheidungsmanagement durch die Anreicherung und Vernetzung von Informationen aus anderen Perspektiven und Ebenen unterstützt. Das Baumangement eines Real Estate Unternehmens, kann somit beispielhaft auch über regionale wartungs- und instandhaltungsrelevante Informa tionen wie Störmeldungen aus vergleichbaren Projekten abrufen. Somit ist die Entscheidung für ein Anlagenherstel ler bzw. die Produktauswahl nicht mehr allein der Preis und die Funktion, sondern auch die Zuverlässigkeit und Nach haltigkeit. Zudem werden die noch sehr manuell geprägten Use Cases wie Technical Due Dilligence, Nachhaltigkeits reports oder Ressourcenmanagement unterstützt, die mo mentan auf Grundlage der vermeidlich „vorhandenen“ Im mobiliendaten durchgeführt werden.
Diskurs 8 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
– iv Kollektive– und konsistente Methoden und Technologien zusammenbringen Hat man als Organisation eine Umgebung, wie ein CDIE geschaffen, das verschiedene Systeme und Prozesse mitei nander in Verbindung setzt und idealerweise dem Anwen der einen zentralen Einstiegspunkt (Single Sign On) bietet, öffnen sich neue Betrachtungsweisen auf einen Digitalen Zwilling. Auch wenn BIM als Zugpferd der Digitalisierung im Kontext der Bau- und Immobilienbranche gilt, gibt es weitere Technologien, die in ein CDIE eingebunden wer den können. Mit Hilfe von GIS lassen sich die (BIM)-Da ten in einem räumlichen, globalen und georeferenzierten Kontext stellen. Kartendienste können aus Anwendersicht dabei helfen Informationen schneller zu finden. Ein digi tales Abbild des Immobilienportfolios der eigenen Organi sation, das spielerisch zu bedienen ist. Je nach Rolle oder Verantwortung lassen sich Informationen auf der entspre chenden Flughöhe finden. Ein Zoom von einer globalen Ansicht bis runter auf einzelne Komponenten, verknüpft mit den entsprechenden Daten und Informationen. Der Anwender entscheidet, was wichtig ist und, was in welcher Detailierung zu sehen sein soll. Im Hintergrund sucht das CDIE auf Grundlage des einheitlichen Informationsmo dells aus den notwendigen Zielsystemen die entspre chende Information. Der Anwender steht vermehrt im Fokus und die Frage: Welche Informationen benötigst du? Über ein CDIE lassen sich statische-, historische- oder Livedaten verschiedenster Zielsysteme miteinander in Ver bindung bringen. Es geht darum die Mehrwerte einzelner Stakeholder, Technologien und Systeme miteinander zu kombinieren und aus den eigenen Daten Wissen entstehen zu lassen.
Auf Grundlage der einheitlichen Sprache über das Informationsmodell können jeder zeit weitere Applikationen in den digital Twin aufgenommen und neue Workflows und Anwendungsfälle erzeugt werden. Die Verknüpfung der Daten innerhalb des CDIE bietet neue Möglichkeiten.
– vi Erkenntnis:– What you see is what you get Die Idee des Digitalen Zwillings ist nicht neu. Dennoch wird mehr denn je – insbesondere im Kon text der Bau- und Immo bilienbranche – darüber gesprochen. Dabei unter scheiden sich die Sicht weisen darauf, was ein Digitaler Zwilling ist. Für die einen ist es die Visua lisierung – für uns sind es die Daten!Inder Theorie ist ein Digitaler Zwilling eine, wie der Name schon sagt, digitale Repräsentanz. Diese digitale Repräsen tanz kann ein materielles oder immaterielles Ob
Diskurs 9Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen – v –Ein Blickwinkel aus dem „Orbit“ hilft für das Verständnis Wie sieht ein CDIE technisch aus? Was steckt dahinter? Vermehrt ist festzustellen, dass insbesondere Organisatio nen mit großen Immobilienportfolios von ähnlichen Fra gen getrieben werden: Wie erhalte ich vollständige Kon trolle über meine Daten? Wo kann ich meine Daten sicher speichern? Wie stelle ich einen reibungslosen tionnenübersetztverbindet.vorgesehenedendesnenjedensierenVisualisierengen,schiedlichenWorkflowsmelnren.eindeutigmöglichennenbestehenddasher?denlebenszyklusübergreifenundZugriffaufDatenKerndesCDIEistInformationsmodell,ausverschiedeAspekten,dieeseralle„Assets“zuidentifizieUmdiesenKerntumsichverschiedenemitunterAnforderunwiedemManagen,oderAnalyvonDateien.FürWorkflowgibteseiConnectorzumKernCDIE,dereinefürjeweiligenWorkflowAppdamitDerConnectordieInformatioausderZielapplikaindaseinheitliche
Informationsmodell und ermöglich dem Anwender Zugriff darauf. Das CDIE ist um weitere Workflows und Applika tionen beliebig skalierbar. Eine Organisation kann also aus vorhandenen Systemen und Apps einen Digitalen Zwilling erzeugen, behält den Zugriff auf Daten und macht sich weniger abhängig vom am Markt angebotenen Tools. Vor aussetzung dafür ist, dass man im Sinne des Best-of-Breed Gedankens weiß, dass gewisse Schnittstellen und Ober flächen selbst zu entwi ckeln sind.
Diskurs 10 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen jekt sein. Je nach Bereich in der Bau- und Immobilienbran che gibt es unterschiedliche Ausprägungen: Ein Digitaler Zwilling kann der Scan eines Gebäudes in Form von Punkt wolken oder Bildern sein. Ein Digitaler Zwilling kann ein BIM-Modell mit darin gespeicherten Informationen sein. Ein Digitaler Zwilling kann die Abbildung von Datenpunk ten von Sensoren in Räumen in einer Appli kationObwohlsein. es sich je weils um unterschiedli che Ziele und Techno logien handelt, haben alle drei Beispiele eines gemeinsam: Es geht um Immobiliendaten, die in irgendeiner Form analysiert oder genutzt werden. Das Problem dabei ist, dass aus Anwendersicht nicht immer alle Daten für jeden sichtbar sind. Das liegt oft daran, dass innerhalb einer Organisation nicht jeder Zugriff auf alle eingesetzten Systeme oder Applikation hat. Wenn man den Blickwinkel jedoch etwas erweitert und eine gesamte Organisation und nicht nur eine einzige Sicht betrachtet, kann man erkennen welche Daten innerhalb der verschie denen Systeme oder Applikationen in Verbindung stehen und entsprechen nutzbar sind. Die Frage lautet also: wie verknüpfe ich die Daten und schaffe es, dass jeder Anwen der den richtigen Zugang bzw. Zugriff auf diese Daten er hält?
Jens Bredehorn, Dr. Dennis Geesen, Lukas Besser, Markus Kiefl www.vrame.com
Die Antwort: ein gut organisiertes CDIE. Immobi liendaten neu denken ist das Stichwort. Die immer noch sehr greifendereinjektplattformenjekträumenunterschiedlichenbrachtnisationaufSichtweisenunterschiedlichenmüssenEbeneeinerOrgazusammengewerden.AusProundProwirdlebenszyklusüberDaten-und Informationsraum. Aus gewachse nen Datenstrukturen wird ein neutrales Datenmodell. Da ten als Erfolgsfaktor einer Organisation und ein CDIE als Umschlagsplatz dieser Daten.
“No matter how much twin or technology you implement. If no one understands it, it’s useless.”
Kern des CDIE ist das Informationsmodell, bestehend aus verschiedenen Aspekten, die es ermöglichen alle „Assets“ eindeutig zu identifizieren. Um diesen Kern tummeln sich verschiedene Workflows mit unter schiedlichen Anforderungen, wie dem Ma nagen, Visualisieren oder Analysieren von Dateien.
Ein Digitaler Zwilling kann der Scan eines Gebäudes in Form von Punktwolken oder Bildern sein. Ein Digitaler Zwilling kann ein BIM-Modell mit darin gespeicherten Informationen sein. Ein Digitaler Zwilling kann die Abbildung von Datenpunkten von Sen soren in Räumen in einer Applikation sein. (Abb.: VRAME)
The next big „BIM“ is „open(source)BIM“
Mit freier Software und offenen Standards Systemlandschaft fördern Die Idee hinter open(source)BIM ist, mit freier Software und offenen Standards eine Systemlandschaft zu fördern, Mit BIM setzte vor einigen Jahren das Um denken in der Baubranche ein. Datensilos sollten aufgebrochen werden, damit Unter nehmen und Projektteams in den Nutzen sinnvoll fließender, valider Daten gelangen.
Die Zusammenarbeit verschiedener Teams und Gewerke sollte damit einfacher wer den, Ineffizienzen vermieden und Fehleran fälligkeit reduziert werden.
Mitte der 90er Jahre entwickelt, um die Interoperabilität verschiedener Soft wareanwendungen unterschiedlicher Her steller zu unterstützen, ist IFC mehr als nur ein Dateiformat für den Austausch von In formationen. IFC ist vor allem ein Schema, das beschreibt, wie Daten organisiert und übertragen werden sollen. Die Implemen tierung ist allerdings nicht gerade einfach. Hier kommt IFC.js ins Spiel. Einzigartige Produkte oder Lösungen zu entwickelt bzw. anzubieten, bedeutet eben nicht immer wieder die Neuerfindung des Rades. Im Gegenteil sollten Sie beim nächsten Mal auf der Hut sein, wenn Sie ein solches Versprechen hören. Die Gefahr besteht, dass Sie für eine beispiellose Res sourcenverschwendung bezahlen.
Ein lautes Nein open(source)BIM ist ein lautes Nein gegen die Ver schwendung von Zeit, Kreativität und Erfindungsgeist. Hinter open(source)BIM steht eine weltweite Commu nity von Entwicklern, die ihre Arbeit miteinander teilen, damit andere darauf aufbauen, sie weiterentwickeln oder sogar verbessern können. Diese Brain-Power und dieses Potenzial an Innovationsfähigkeit können große Soft wareanbieter nur schwer erreichen. An zwei beeindru ckenden Open-Source-Projekten möchte ich einmal zei gen, was die open(source)BIM-Community zu leisten in der Lage ist und wie sie damit eine ganze Branche be wegt.Als erstes ist IFC.js zu nennen. IFC ist als offener Stan dard in der BIM-Welt keine Unbekannte und gut etabliert. Mitte der 90er Jahre entwickelt, um die In teroperabilität verschie dener schreibt,einnen.tauschformatmehrunterstützen,licherdungenSoftwareanwenunterschiedHerstellerzuistIFCalsnureinDateifürdenAusvonInformatioIFCistvorallemSchema,dasbewieDatenorganisiert und übertragen werden sol len. Die Implementierung ist allerdings nicht gerade ein fach. Hier kommt IFC.js ins Spiel.
Diskurs 11Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen in der viele spezialisierte Tools für jede Leistungsphase un abhängig vom Softwarehersteller in einem gemeinsamen Projekt frei kombiniert werden können. Das setzt natür lich voraus, dass Prozesse rund um Bauprojekte auch mög lichst kleinteilig beschrieben werden können, damit sie sich als Module unabhängig voneinander entsprechend der Anforderungen neu kombinieren lassen. Ein solches Vorgehen hat den Vor teil, Abläufe, die zu ei nem ähnlichen oder sogar gleichen Ergebnis führen, nicht immer wieder neu erdenken zu müssen. Einzigartige Produkte oder Lösun gen zu entwickelt bzw. anzubieten, bedeutet eben nicht immer wieder die Neuerfindung des Rades. Im Gegenteil sollten Sie beim nächsten Mal auf der Hut sein, wenn Sie ein solches Versprechen hören. Die Gefahr be steht, dass Sie für eine beispiellose Ressourcenverschwen dung bezahlen.
GASTKOMMENTAR
Woher kommen Innovatio nen? Denken Sie jetzt viel leicht an einen Ihrer Wettbe werber? An den unterneh menseigenen Innovation Hub? Oder überlegen Sie erst einmal grundlegend, was in der Baubranche eine Innova tion wäre? Meine Antwort als Software-Entwickler ist ganz einfach: Innovationen kommen aus anbieterentwickelnSource-Welt.der Open-OhneFragegroßeSoftwarebeeindruckende Tools und haben einen großen Anteil an der Digitalisierung der Baubranche. Aber es sind auch in sich geschlossenen Welten, die Nutzern oft nur wenig Spielraum für die Lösung geben, die sie eigentlich brauchen und die eher noch weiter in die Abhän gigkeit eines Produktes führen, auch wenn die Lizenzgebühren viele Unternehmer eigentlich in die andere Richtung treiben sollten. Dabei ist auch kein Geheimnis, dass diese Tools auf oft mals veraltete Systemkerne aufsetzen. Neben fast schon siche ren Performance-Einschränkungen ist das IT-seitig ein Alptraum. Wofür ich hier also eine Lanze brechen will, ist, Sie ahnen es vielleicht schon, open(source)BIM. Mit BIM setzte vor einigen Jahren das Umdenken in der Baubranche ein. Da tensilos sollten aufgebrochen werden, damit Unternehmen und Projektteams in den Nutzen sinnvoll fließender, vali der Daten gelangen. Die Zusammenarbeit verschiedener Teams und Gewerke sollte damit einfacher werden, wartenschritten,nichtchesierungwerden.anfälligkeitvermiedenIneffizienzenundFehlerreduziertDieDigitaliderBaubranistaberlängstsoweitfortgewiemanerkönnte,wenn man hinüber zu anderen Branchen schielt. Ein Grund da für ist sicherlich der Charakter der Baubranche selbst. In ihrer Vielfalt und Funktionalität ist sie so komplex, dass monolithische Konzepte („God Software“) diese gar nicht abdecken können, auch wenn das einige große Soft wareanbieter für sich beanspruchen.
Die Zeit proprietärer Datenformate ist abgelaufen Tim Hoffeller, CEO ekkodale
Die Fragen sind jetzt aktuell, wenn Sie Ihren Invest steu ern möchten.
Je proprietärer die Lösung, desto geringer die Chance Fangen Sie nun an zu überlegen, was das für Sie im Kon text einer CDE-Lösung bedeutet? Wie sieht es mit der Pro duktverfügbarkeit, und damit mit Ihrem Datenbestand in 10, 20 oder 50 Jahren aus? Gibt es den Software-Anbieter noch? Sind Ihre Daten noch verfügbar? Lesbar? Geord net? Interpretierbar?
Die Idee hinter IFC.js ist es, durch frei nutzbare Soft warebausteine und Dokumentationen die Entwicklung von IFC-Anwendungen einfacher und kostengünstiger zu machen. IFC.js soll dadurch auch kleinere Softwareunter nehmen und Entwicklerteams in die Lage versetzen, da rauf aufbauend direkt in die Softwareentwicklung zu star ten. Durch niedrige Einstiegshürden wird auf diese Weise die Produktvielfalt im Markt gefördert, was einen positiven Einfluss auf die Verbreitung der BIM-Arbeitsweise in der Baubranche hat. Setzt IFC.js auf einen einheitlichen, grundlegenden (Entwickler-)Standard, um das Problem mangelnder In teroperabilität von Tools zu lösen, geht das zweite OpenSource-Projekt, das ich erwähnen möchte, einen anderen Weg. Speckle setzt nicht auf ein einheitliches Dateifor mat, sondern auf sogenannte Konnektoren („Connec tors“), die es damit verbundenen Tools ermöglichen, Da ten in Echtzeit auszutauschen. Speckle wendet sich konsequent von der Idee ab, Dateien als solche zur Infor mationsübermittlung zu nutzen. Statt dessen werden die Daten einer Anwen dung über den Speckle-Konnektor als „Stream“ erfasst. Jeder Stream wird im Web gehostet und alle Berechtigten, die über einen Connector verfügen, können durch eine einfache URL auf einen solchen Datenstrom zugreifen. Speckle verfolgt alle Änderungen, die an den in einem Stream erfassten Ele menten vorgenommen werden, und sendet eine Benach richtigung über Aktualisierungen in Echtzeit an alle, die diesen Stream in einer anderen Anwendung nutzen. Der zeit gibt es etwa 18 Konnektoren für die gängigen Tools und weitere sind in der Entwicklung. Auf diese Weise von proprietären Dateiformaten „be freit“, können Entwickler sich ganz darauf fokussieren, wie die Zusammenarbeit dank geteilter Daten noch besser werden kann, statt zunächst erst einen Weg finden zu müs sen, wie die Daten in ihr Tool kommen. Durch das Prinzip der Konnektoren können sie einfach mit den Datenströ men in Speckle arbeiten. Die Tatsache, dass Speckle kos tenlos und quelloffen ist, senkt die Eintrittsbarriere genau wie bei IFC.js. (siehe Bild)
Je proprietärer die Lösung, desto geringer die Chance. Können Sie sich erinnern, dass uns vor 30 Jahren erzählt wurde, CDs sind unkaputtbar? Mittlerweile sind viele schon nicht mehr abspielbar.
Diskurs 12 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
Wie sieht es mit proprietären Gra fik-Formaten aus, für die ich in einigen Jahren keine Software mehr zum Lesen und Schreiben bekomme. Bei offenen Datenformaten und Datenbanken habe ich zumindest die Möglichkeit, Ent wickler zu engagieren, die eine Migration durchführen.
Positiver Einfluss auf Verbreitung der BIM-Arbeitsweise
Fazit Indem Open-Source-Lösungen wie IFC.js und Speckle Technologie für jedermann frei zur Nutzung, Weiterent wicklung und Verbesserung bereitstellen, bereiten sie ei nen fruchtbaren Boden für viele kleinere Entwicklerteams, die kostengünstig sehr spezialisierte Tools und Lösungen für die Baubranche entwickeln können. Damit entsteht ein gesundes Gegengewicht zu kommerziell verfügbaren Soft warelösungen. Die steigende Zahl an Entwicklern von open(source)BIM-Lösungen erhöht die Wahrscheinlich keit und Geschwindigkeit von Innovationen am Markt. Außerdem ist es großartig zu sehen, wie Menschen zusam menarbeiten, um ihre Fähigkeiten, Interessen und Ressour cen zu bündeln, damit Open-Source-Softwarelösungen entstehen, die eine ganze Branche in Bewegung setzen.
Tim Hoffeller, ekkodale GmbH, Wiesbaden www.ekkodale.com Es ist großartig zu sehen, wie Menschen zu sammenarbeiten, um ihre Fähigkeiten, Inter essen und Ressourcen zu bündeln, damit Open-Source-Softwarelösungen entstehen, die eine ganze Branche in Bewegung setzen. Bearbeiten von alten Formaten (Foto/Abb.: ekkodale)
Diskurs 13Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen – i Aufgepasst– mit den Monokulturen
Die Digitalisierung hat uns versprochen Daten sichtbar, und uns intelligenter zu machen, um bessere Entscheidungen treffen zu können, und um unsere Geschäfte nachhaltiger, profitabler und besser zu gestalten.
Leben wir jetzt eigentlich im Informations- oder doch eher im Energiezeitalter? Sollte der notorische Satz, „data is the new oil“ stimmen, dann doch wohl eher in beiden. Vor etwas mehr als hundert Jahren war auch schon mal Energiezeitalter angesagt. Wir erfassten das Potenzial der Petroleum-Energie und demokratisierten es, und jetzt sind wir so weit. Die Lobbies um dieses Geschäft haben dermaßen alle Politik und Machtstrukturen dieser Welt infiltriert, dass wir keine Chance haben, die Energiewende hinzubekommen, den Klimawandel zu verhindern, die Welt noch irgend zu retten. Und nun sind also Daten „the new oil“ und natürlich bauen wir gerade wieder neue LobbyStrukturen auf, schalten Alternativen aus, und entwickeln eine Eigendynamik, die share-holder-driven, statt stake-holder-driven ist. Die Markt- und Shareholder getriebenen Corporations be treiben derzeit Ihre üblichen Verwirrungs-Aktivitäten und über zeugen uns von der unbegrenzten Macht der Big Data. Dass man dabei gleichzeitig auf den gesunden Menschenverstand zugrei fen sollte, wird dabei meistens nicht erwähnt, da man das ja weder als Consulting verkaufen, noch leicht messen kann (Thick Data vs Big Data). Wir sehen schon die ersten Fälle der neuen Variante des Industrialisierungs-Virus’ „death by process“, näm lich den „death by data analytics“. Technologie ist hier, um unsere Welt besser zu machen und die großen Fragen zu beantworten und große Herausfor derungen zu lösen. Nur weil etwas digital möglich ist, ist es nicht unbedingt spannend – sorry.
Wenn nach viel Consulting (Geld aus geben) keine diedreinfenEntscheidungenbesserengetrofwerden,undobendas„Lernen“und„Intelligenz“aufden Maschinen uns fremder Unterneh men passiert, die a) uns unsere eigene Intelligenz zurück verkaufen b) unsere Intelligenz an Dritte verkaufen … dann ist etwas schiefgelaufen. Aufgepasst also mit den Monokul turen.Doch zurück zum Thema CDE. Es kommt öfters vor, dass wir einem Unternehmen unsere norwegische Open BIM CDE vorführen, und am Ende die Frage vernehmen, ob wir nicht einen Knopf hät ten, um „dann mal alle Pläne direkt zum Drucker zu schi cken“. Das benötigt einen gesunden Grad an Schizophre nie. Und dabei erwähne ich hier noch nicht einmal, dass
CDE mit CSA (Common sense approach)
Über Thick Data vs. Big Data, death by data analytics, über die ISO 19650 als eine gute Richtlinie und über ernstgenommene Ökosysteme Bild 1. Informations- oder doch noch eher Energiezeitalter?
Wenn nach viel Consulting (Geld ausgeben) keine besseren Entscheidungen getroffen werden, und obendrein das „Lernen“ und die „Intelligenz“ auf den Maschinen uns fremder Unternehmen passiert, die a) uns unsere eigene Intelligenz zurückverkaufen b) unsere Intelligenz an Dritte verkaufen … dann ist etwas schiefgelaufen.
a): CDEs (also Kollaboration in Projekten) aufsetzen, in dem man Vertraglich die „Rollen und Verantwortun gen (also die Risiken) festlegt.
Diskurs 14 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
Der rational gläubige und diesseits orientierte Denker kommt natürlich sofort auf die Idee: Man muss sehr, sehr klar alles im Voraus definieren. Ist aber leider falsch. Je mehr detaillierte De finition für das Da tenmanagement, umso weniger wahrschein lich ist es, dass irgend jemand dieses Filig rane hinbekommt, ab gesehen davon, dass der Widerstand von Tag eins an schon bei 150 % liegt. Der Ansatz muss auf Flexibilität basieren. Da her ist die ISO19650, richtig verstanden, eine gute Richt linie. Sie sagt grundsätzlich nur man sollte:
b): Die Quellen der Informationen jedes Mal definieren soll c): Das Abrufen, Verwalten und Verteilen der Information festlegen muss d): und das für jeden Informations-Container e): Vor allem aber mit einem Prozess (der verwaltet wer den muss).
Aber zurück zum Thema „Ängste und Skeptizismus“ gegenüber der Normalisierung des kollaborativen Daten managements, auch als ISO 19650 Ängste bekannte.
Wenn wir jetzt nicht in der digitalen Ära wären, würde es auch so schon Sinn ergeben, denn das ist was wir seit ewig tun (also CSA Common Sense Approach). Wichtiger aber ist der Fakt, dass ein System beschrieben wird, und kein Je mehr detaillierte Definition für das Datenmanagement, umso weniger wahr scheinlich ist es, dass irgendjemand die ses Filigrane hinbekommt, abgesehen da von, dass der Widerstand von Tag eins an schon bei 150 % liegt. Der Ansatz muss auf Flexibilität basieren. Daher ist die ISO 19650, richtig verstanden, eine gute Richtlinie.
– ii Etwas–Grandioses an Fortschritt Normalerweise ist es eine gute Gewohnheit, bevor man eine initiative kritisiert, sich zu fragen: „warum machen wir das hier. Was ist der Grund und was ist der Mehrwert“? Es geht ja garantiert nicht darum, den Beteiligten der Industrie das Leben schwerer zu machen. Da sollte man sich also fragen: „Welches Problem versuchen wir hier zu lösen?“ Wenn Ex perten so viel Liebe und Zeit in diese Idee gesteckt haben, und so viele „Machtstrukturen“ jetzt langsam dahinterste cken, muss das ja etwas Grandioses an Fortschritt mit sich bringen. Es ist bekannt, dass die Industrie stark fragmentiert ist, und dass Bauvorhaben einen hohen Grad an Komplexi tät mit sich bringen. Daher besteht hier ein Versuch, die Informationsflüsse so zu gestalten, dass es zu reibungsloseren, dem zufolge effi zienteren Projekten kommt. Wie versucht die ISO 19650 dies mit einem Com mon Data Environment zu lösen? Und was steckt hinter dem Buzz word „OPEN CDE“ alles? Als wir vor mehr als einem Jahr zehnt mit der Resistenz gegen die erste BIM-Welle (im Sinne des Modellierens) kollidierten, bestand der Trick da Als wir vor mehr als einem Jahrzehnt mit der Resistenz gegen die erste BIM-Welle (im Sinne des Modellierens) kollidierten, bestand der Trick darin, zu verstehen: „Es geht hier nicht um ein Projekt, sondern um viele Projekte (Also um Portfolio Manage ment). rin, zu verstehen: „Es geht hier nicht um ein Projekt, sondern um vi ele Pro jekte (Also um Portfolio Manage ment).Diesmal haben wir genau die gleiche Situation vor uns. Man ver sucht die Kollaboration mit anderen aus der Perspektive eines Projektes zu verstehen. Das wird aber nichts, denn bekanntlich sind Projekte „zeitlich begrenzte Abschnitte“ deren „Um fang / Inhalt progressiv definiert wer den muss“ und die einen „Einmaligen Output“ haben, der aus zwei Konzep ten besteht: Einmal das Produkt oder Service, und auf der anderen Seite ein Satz von Information, der in kom menden Projekten verwendet werden kann (auch Kontinuierlicher Verbes serungs-Prozess genannt). – iii –ISO 19650 – richtig verstanden eine gute Richtlinie. Wie soll also ein Organismus / Unternehmen, das von vielen Projekten lebt, sich jedes Mal in eine Überorgani sation einreihen, in der jeder Beteiligte seine eigene DatenLandschaft generiert?
Bild 2. Server Farm – nach Yuval Noah Harari war die Industrialisierung der Bodennutzung die erste Katastrophe der Menschheit. Übernehmen nun Daten das Farming?
50 % der Informationsverarbeitung in unserem Land mit Strom bewirkt werden, der aus einem Kohle Kraftwerk kommt, in dem man Turbinen mit Wasserdampf in Bewe gung setzt (ein Patent dass jetzt einige Jahrhunderte alt ist, aber immer noch unschlagbar, wenn es darum geht CO2 zu generieren). Gott sei Dank haben wir wenigstens ein Welt klasse Funk-Netz ;-).
Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen technologisches Labyrinth, wie einige es dann aber verste hen. Hier kommt Gott sei Dank etwas ins Spiel, das leicht mit einem Buzzword zu verwechseln ist: Das Ökosystem.
– v –Welt der offenen Formate Mit dem neuen Konzept CDE, oder besser OPEN CDEÖkosystem, geschieht nun das Nämliche. Es ist eine Welt Nach 10 Jahren haben wir genug Expertise im BIM-Modellieren und -Projektieren auf dem Markt, um sowohl den Schulungs drang zu befüttern, als auch die Projekte zu machen.
2) Erweitern sie Ihr Denken von Projekt zu Projekte / Porfolio. Das Ökosystem muss alle Ihre Projekte wie ein Portfolio verwalten können, sonst sitzen Sie weiterhin mit drei verschiedenen, nicht standardisierbaren Teams im Büro: Die Oldtimers 2D Projekt Menschen, die 3Dler die zwar BIM-Softwares einsetzten, aber nicht 100 % austau chen oder ausschöpfen, und ihr Galaktisches Dream Team, die nur die „wichtigen großen“ Projekte mit Kollabora
Und wieder die Antwort wie letzten Mal: Wir werden 3 Wellen haben. Die Vorreiter, die Opportunisten und am Ende ein ausge glichener Markt der „das kann“. Und auf diesem Weg werden wir auch wieder enorm viel Frustration erleben. Dies ist normal, da die Vorreiter ihre persönlichen Süppchen kochen, die Opportunisten dann ein wenig low Quality Chaos dazu mischen … doch am Ende wird es dann sitzen.
Diskurs 15
der offenen Formate, der Datenimport- und -export- Akti vitäten, der Filter (wer darf was) der Konnektoren und des Allgemeinen Verständnisses, wie man als Unternehmen temporär mit Anderen so etwas aufsetzt und den ACL (Acess Controll) verwaltet, also die Interessen seines Eige nen Unternehmens schützt. Wie man sieht, sind die Skills der Profis, die so etwas verstehen und können, nichtmehr die gleichen wir beim BIM-Manager oder -Koordinator.
Die Bekämpfer der „Modellbasierten Projek tierung“ hört man ja praktisch gar nicht mehr. Nicht einmal mal mehr das Thema Durchbrü che ist als BIM Party Thema prickelnd.
Die Rolle des CIO oder Informations-Verantwortlichen im Unternehmen (auch bei Kleinst-Unternehmen) ist nun ge fragt … und wieder die Frage: Wer kann das? Gibt es über haupt genug davon? Wo sind die und wer sind die? Und wieder die Antwort wie letzten Mal: Wir werden 3 Wellen haben. Die Vorreiter, die Opportunisten und am Ende ein ausgegli chener Markt der „das kann“. Und auf diesem Weg werden wir auch wieder enorm viel Frus tration erleben. Dies ist normal, da die Vorrei ter ihre einOpportunistenSüppchenpersönlichenkochen,diedannweniglowQuality
Chaos dazu mischen … doch am Ende wird es dann sitzen. Und jetzt die Frage: Ja was macht man denn solange? Was sind die Best Practices in so einem Fall? Wir wollen ja nicht stehen bleiben und den Zug verpassen. Dazu ein paar praktische Ratschläge: – vi –Das Wort „Ökosystem“ ernst nehmen 1) Nehmen Sie das Wort „Ökosystem“ ernst. Versuchen Sie nicht die eierlegende Wollmilchsau zu finden, sondern verstehen Sie sich selber als ein Unternehmen, dass das Glück hat in der Zukunft immer wieder neue, bessere oder kosteneffizientere Tools wie Legosteine zusammenzu bauen. Es ist wichtiger, ein Ökosystem zu haben, bei dem ich das Modellier-Tool oder des Qualitätssicherungs-Tool relativ leicht austauchen kann, als dass diese definitiv die aller, aller besten der ganzen Welt sind (denn sie werden es nicht kontinuierlich 20 Jahre lang sein.) Das Wort OPEN (wie bei open BIM und Open CDE ist der Clou, ob es schmeckt oder nicht). Alle Informationen, die in ein Tool fließen, müssen auch wieder herauskommen. Black box ist ein No-Go. Zu glauben, man habe ein flexibles Ökosystem, weil man bei einem Anbieter verschiedene Le gosteine kauft, dann aber alle Daten wieder einmal pro pietär in einer undurchschaubaren Dose liegen, ist Täu schung. Schauen Sie sich um nach offenen Schnittstellen (APIs) und offenen Formaten.
Und genau darum geht es. In digitalisierungswelle Phase 1, haben wir einfach unsere Dokumente (z. B. Verträge oder Pläne) digital hergestellt. In der zweiten Welle kamen wir mit den virtuellen Ge bäuden in Kontakt. Der erste Traum war diese für absolut alles zu benutzen, und alles andere zu ersetzen. Mittlerweile ist es aber klar, dass es nur eine weiter Dimen sion ist, die uns ermöglicht, unser Leben leichter zu ma chen und besseren Kontext zu schaffen. Die Bekämpfer der „Modellbasierten Projektierung“ hört man ja praktisch gar nicht mehr. Nicht einmal mal mehr das Thema Durch brüche ist als BIM Party Thema prickelnd. – iv –Bis wohin digital und Bildschirm Sinn ergibt Auf der Baustelle ist mittlerweile die Erkenntnis angekom men, was praktisch ist und Mehrwert bringt, und was nicht. Sogar wenn wir immer wieder mit galaktischen Lin kedIn-Videos bombardiert werden, in denen VR-Brille und Robohund auf Abenteuer gehen, haben die Profis auf der Baustelle gelernt, bis wohin digital und Bildschirm Sinn ergeben, und wo sie nur nerven. Und sie geben nun Feed back and die Zentrale Planung zurück. Im Jahr 2013 wurde ich in eine „Denkerrunde“ in der Schweiz eingeladen. Auf die Frage, wie sieht es aus mit der bevorstehenden BIM-Welle (vor allem für Universitäten), beschrieb ich folgendes Szenario: Da es nicht genug Ex pertise auf dem Markt gibt, werden wir meh rere Wellen haben. Konkret drei (wie sie die meisten Revolutio nen der Menschheit an scheinend auch haben). Erst kommt ein Pull (also Business opportunity) der sofort von den bestehenden Software-Vertrieblern und einigen BIM-Consultings ausgenutzt werden wird. Danach, (da Business besteht) werden immer mehr Akteure auf den Zug aufspringen … während die Resultate der ersten Welle lei der viel Frust auf dem Markt schwappen werden: „nichts geht, haben wir schon probiert, Katastrophe“. Dennoch werden mehr und mehr Professionelle mit mehr und mehr Information anfangen mehr und mehr Erfahrung zu sam meln. Nach 10 Jahren haben wir genug Expertise im BIMModellieren und -Projektieren auf dem Markt, um sowohl den Schulungsdrang zu befüttern, als auch die Projekte zu machen.
Was werden die großen, globalen Soft ware-Monokulturen versuchen? Mir viel Consulting verkaufen, und dann das „Ler nen“ selber in ihren Systemen aufbauen. Wie? Wie immer, indem sie Angst um die Daten aufbauen. Indem sie den Markt mit der Message bombardieren, dass irgendwo riesige Gefahren lauern, und man nur über leben wird, wenn man sich in ihr geschos senes, durch-zertifiziertes System begibt.
Diskurs 16 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen tivem Design & Construction durchführen. Ein System, das alle drei Arten Projekte standardmäßig beinhalten kann und Ihnen dann erlaubt Daten zu kreuzten. 3) Befassen Sie sich mit dem Gedanken, dass neben Ihren BIM-Managern und eventuell BIM-Koordinatoren eine neue Rolle entsteht. Ob wir das Datenmanager, Schnittstellenexperte, CIO oder sonst was nennen ist ab solut4)irrelevant.StellenSie sich bitte die Frage: Wofür machen wir das alles? Ich hoffe, dass die Antwort nicht ist: Um Bessere Projekte zu liefern, sondern eher, um die vier wichtigen Themen zu adressieren, die wir als Bauindustrie auf dem Tisch haben: CO2 (CO2 ist selbstredend monothemati scher Allerweltsdiskurs – mindestens CO2 und alle ande ren Emissionen, Ener gie, Wasser, Abfall und die komplexen Zusam menhänge, die sie ein gehen). Das klingt jetzt nach Greenwashing, ist es aber nicht. Für Sie als Unternehmen wird es in den kommenden Jahren immer mehr da rum gehen, zu bewei sen, dass Ihre Projekte die Fähigkeit haben, diese vier As pekte zu bearbeiten, oder Ihrem Kunden diese Fähigkeit zu vermarkten. Das geht aber nur mit Informations-Ma nagement und Simulationen (Und nicht im Sinne einer VR-Brille und Visualisierung, sondern im Sinne von Da ten). Wir kommen aus einer Ära, in der es wichtig war, dem Kunden seine Zukunft präsentieren zu können. Da her haben wir schicke Karton-Modelle und Pläne pro duziert. Dieser Kunde verändert sich jetzt ra dikal über die nächs ten 20 Jahre. Wer dem Kunden die Zukunft mit schicken GesundereinmalviellenweisbarenSimulationenKonsum-undbeÖko-Vorteipräsentiert,wirdgewonnenhaben.5)Unddannnochganzwichtig:Menschenverstand (CSA). Was werden die gro ßen, globalen Software-Monokulturen versuchen? Mir viel Consulting verkaufen, und dann das „Lernen“ selber in ihren Systemen aufbauen. Wie? Wie immer, indem sie Angst um die Daten aufbauen. Indem sie den Markt mit der Message bombardieren, dass irgendwo riesige Gefah ren lauern, und man nur überleben wird, wenn man sich in ihr geschossenes, durch-zertifiziertes System begibt. Da nach sitzt man da und kommt nicht mehr raus. Der ge sunde Menschenverstand ist da sehr hilfreich, und kann einem helfen zu verstehen, dass die Welt der Lobbies, Großkonzerne, Zertifizierungen etc. Ihre Eigendynamiken hat. Das kenne wir ja in unserer Welt alles schon von frü her und es wird allmählich langweilig. Es werden Ressour cen aufgestellt, die beim Normen und Zertifizieren mit Hilfe der Arbeitsgruppen der Non Profit Organisations mithelfen und dann den Eintritt des gesunden Wettbe werbs blockieren. – So viel zu den Klassikern. – vii Nachhaltigere–
Nachhaltigkeit
Die Wiener Germanistin Eva Horn sagte einmal in einem Interview zum Thema Ökosystem: „Begriffe wie Ökologie oder auch Nachhaltigkeit sind in einer gewissen Weise zu begrenzt, weil sie sehr stark diese lokale Perspektive und diese Stabilitätsperspektive noch mittransportieren. Nach haltigkeit impliziert ja immer so ein bisschen, dass die Dinge möglichst nachhaltig so bleiben können, wie sie sind, oder dass man eine Technologie so einsetzt, dass sie immer weitergeht und nicht irgendwann Zerstörung oder Vergiftungserscheinungen erzeugt oder auf Ressourcenpro bleme stößt. Das ist Nachhaltigkeit.“ Halten wir nach einer Nachhaltigkeit Ausschau, durch die uns die Zukunft nicht im Nacken sitzt. Andres Garcia Damjanov Bild 3. Wenn Monokulturen nur mono wären … (Fotos: iStock)
Um Bessere Projekte zu liefern, sondern eher, um die vier wichtigen Themen zu ad ressieren, die wir als Bauindustrie auf dem Tisch haben: CO2 (CO2 ist selbstredend mo nothematischer Allerweltsdiskurs – mindes tens CO2 und alle anderen Emissionen, Ener gie, Wasser, Abfall und die komplexen Zu sammenhänge, die sie eingehen). Das klingt jetzt nach Greenwashing, ist es aber nicht.
Der Untertitel der Norm lautet: „Information container for linked document delivery“ und wir behelfen uns in diesem Text mit dem daraus abgeleiteten – ausnahmsweise mal nicht dreibuchstabigen – Akronym ICDD. Seit etwas mehr als zwei Jahren haben wir die ISO 2159711 und manche sagen, sie sei noch ein Baby.
– iii Weiter–Software kaufen So weit, so gut! Das Problem besteht darin, dass die Lö sung von einer Branche kommt, die Daten zu schätzen weiß. Die IT-Branche ist sogar auf Daten angewiesen, weil sie nichts anderes hat. Und sie trifft auf eine Branche, wie Um Wissen produktiv zu machen, müssen wir lernen, sowohl den Wald als auch den einzelnen Baum zu sehen. Wir müssen lernen, Zusammenhänge herzustellen.
Diskurs 17
Okay, wir werden alle bald auf Elektroautos umsteigen, aber bis dahin ist ROZ 98 ein Standard, der die Mehrheit unserer Autos antreibt und die Mobilität gewährleistet. Natürlich erwarten wir, dass ein Auto mit Benzin oder Diesel funktioniert, nicht mit Brennstäben; warum sollten wir nicht auch von unseren CDEs erwarten, dass sie mit demselben Kraftstoff funktionieren? – i Was–wäre, wenn … Die ISO 21597 definiert einen Informationscontainer für den Austausch von Dokumenten. Es ist eine großartige Möglichkeit, Informationen zu erfassen und auszutau schen, ohne die wertvollen Beziehungen zwischen Doku menten und den darin enthaltenen Objekten zu verlieren.
Das stimmt, wenn man die ISO 9001 betrachtet, die aus dem Jahr 1987 stammt, aber die ICDD ist heute schon in dustrietauglich! Wir haben erfolgreich Projekte mit Giga bytes von Daten und Millionen von Relationen übergeben, und es funktioniert! – ii Verbesserung– heutiger Informationsübergabe
Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen mationen übergeben. Viele unserer Softwares bescheren uns Inkompatibilitäten, da sie auf proprietären Formaten basieren. Mit offenen Standards wie IFC decken wir aber nicht alle Informationen ab, mit denen wir täglich arbeiten müssen. Und natürlich sind viele Informationen in Dateien mit unterschiedlichen Formaten, ob proprietär oder offen, von anderen Informatio nen in anderen Dateien abgeleitet. Das bedeutet, alles hängt irgendwie zusammen und gerade diese wichtigen Zusammenhänge gehen beim Exportieren, sprich Austausch, oft verloren! Wie der Ökonom Peter F. Drucker einmal sagte: „Um Wissen produktiv zu machen, müs sen wir lernen, sowohl den Wald als auch den einzelnen Baum zu sehen. Wir müssen lernen, Zusammenhänge herzustellen.“
Mit diesem jungen Standard kann man jetzt nicht nur Dateien, unabhängig von dem Format, übergeben, er öff net auch die Tür um die Zusammenhänge zu retten und weitergeben zu können … und er kann von unspezifischer Software gelesen werden.
Die ICDD verbessert die Art und Weise, wie wir heutzu tage Projektdokumentationen und darin enthaltene Infor
Das ist ein bedeutungsvolles Wort: „unspezifisch“, und wir können seinen Wert nicht hoch genug einschät zen. „Unspezifisch“ bedeutet im Prinzip, dass ich mit jeder Software lesen kann, ob nun mit einem ERP oder CRM oder einer Software, die ich erst in der Zu kunft haben werde.
ISO 21597 als das ROZ 98 für jede CDE?
Bild 1. Was uns bewegt
Solange wir in einer Softwareumgebung bleiben, haben wir meist die richtigen Zusam menhänge, nur wenn wir diese verlassen und Inhalte weitergeben, wird es schwierig.
Über Information container for linked document delivery und über die semantische Interoperabilität zwischen Systemen
Das ist möglich, weil ICDD auf anderen Standards wie RDF ba siert. Wir werden hier nicht ins Detail gehen und versu chen es möglichst einfach zu halten: RDF, das „Ressource Description Framework“ ist ein Standard des World Wide Web Consortium (W3C), der ursprünglich als Datenmodell für Metadaten entwickelt wurde und inzwischen als allge meine Methode zur Beschreibung und zum Austausch von Graphdaten verwendet wird. Graphen sind vereinfacht ausgedrückt, kleine Sätze aus Subjekt, Prädikat und Ob jekt, mit denen sich Beziehungen beschreiben lassen (z. B.: Dokument-x „ist alte Version von“ Dokument-y).
Anwender bräuchten nicht einmal zu verstehen, was ein Graph ist, aber Sie könnten trotzdem damit arbeiten und sinnvolle Abfragen stellen, weil sie Zugang zu Infor mationen über Informationen hätten.
Wenn Ihnen das bekannt vorkommt … – wir nennen es auch: Metadaten. Metadaten werden oft als Daten be zeichnet, die andere Daten beschreiben. Metadaten sind strukturierte Referenzdaten, die helfen, die Attribute der von ihnen repräsentierten Informationen zu sortieren und zu identifizieren. In „Zen und die Kunst der Metadatenpflege“4 schreibt John W. Warren: „Metadaten sind sowohl ein Universum als auch eine DNA. Oft als ‚Daten über Daten‘ definiert, können Metadaten im weiteren Sinne als Informationen definiert werden, die Inhalte beschreiben, oder als ein Element, das ein anderes Element beschreibt.
Das Eingeben von Informationen ist ein fach, die Handhabung … nun ja, das hängt vom Anbieter ab, aber das Herausholen von Daten ohne den Verlust von wichtigen In formationen ist eine Mammutaufgabe. Also lassen wir es bleiben und zahlen astrono mische Preise.
Bild 2. Ausschnitt des ISO 21597 Schemas als Graph
Plattform handelt. Wir geraten immer in Abhängigkeiten: Das Eingeben von Informationen ist einfach, die Handha bung … nun ja, das hängt vom Anbieter ab; aber das Her ausholen von Daten ohne den Verlust von wichtigen Infor mationen ist eine Mammutaufgabe. Also lassen wir es blei ben und zahlen astronomische Preise. – iv –Auch Metadaten sind Daten Was wäre, wenn eine CDE das ICDD als Grundkonzept verwenden würde? Was wäre, wenn Software-Anwender nicht einmal verstehen müssten, wie ICDD funktioniert, aber dennoch in der Lage wären, ein solches zu überge ben?Während(Bild 2) eines Projekts legen wir ständig Dokumente an, die alle einen Dateityp und ein Format haben (= for mat-string), wir sortieren und kombinieren sie in Ordnern (= belongsToContainer), wir aktualisieren sie (= priorVer sion) oder wir legen Alternativen an (= alternativeDocu ment)Was… wäre also, wenn eine CDE all dies im Hinter grund verfolgt und standardisiert als Graph speichert?
Diskurs 18 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen die Bauindustrie, bei der es seit Jahrzehnten an Innovation und Digitalisierung mangelt. Alle sind damit beschäftigt, Dateien und nicht Daten zu produzieren, und tun sich schon schwer damit dieses BIM zum Laufen zu bringen und wer in unserer Branche versteht schon was Graphen sind?Auf der einen Seite haben wir also hervorragende Standards, die der Digitalisierung dienen, und auf die sich sogar die GAFAs2 haben einigen können, wie z. B. die ge meinschaftliche Aktivität von schema.org3 zeigt. Schema. org hat die Aufgabe, Schemata für strukturierte Daten im Internet, auf Webseiten, in E-Mails und darüber hinaus zu erstellen, zu pflegen und zu tionendieeinerSeiteAuffördern.deranderenhabenwiresmitBranchezutun,unbedingtInformaaustauschenund weitergeben muss, die aber immer noch wenig digitalisiert ist … Statt bestehende offene Standards für sich zu adaptie ren, kauft man in der Bauindustrie weiterhin Software. Und natürlich braucht es Software um zu arbeiten, aber das Traurige daran ist, dass all die Software, die wir kaufen, uns in diese winzigen Welten einsperrt, die kaum Möglichkeiten zur Zusammenarbeit bieten. Unsere BIMund CDE-Werkzeuge selbst wurden von Unternehmen ent wickelt, die dafür of fene Werkzeuge und dieselbe Sprache (wie Python, C++ oder C#) verwenden und Dinge wie JSON als sprachun abhängiges Datenfor mat nutzen. SoftwareAnbieter verwenden diese offenen Werkzeuge, um Produkte zu entwickeln, die Kunden an ihre proprietären Formate binden. Dabei ist es egal, ob es sich um ein BIM-Werkzeug oder eine CDEAlle sind damit beschäftigt, Dateien und nicht Daten zu produzieren, und tun sich schon schwer damit dieses BIM zum Lau fen zu bringen und wer in unserer Branche versteht schon was Graphen sind?
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Das gehört in die Zeit der Lochstreifen! Abgesehen davon, dass diese formalen Vorschriften jeden in einem Projekt in den Wahnsinn treiben, kann keine Organisation dem eigenen Unternehmensstandardfolgen,sondernmussmitjedemProjektimmerwiedereineneue„Sprache“lernen.EsfehltdiesemSystemaberaucheineanderewichtigeEigenschaft:
Mehrdeutigkeit. Dinge sind nicht immer eindeutig; ein Fenster kann ein Fenster für thermische Berechnungen sein und eine Tür für die Berechnung von Fluchtwegen.
Wenn wir mit Variationen arbeiten, kann es UndkönnenSachenenverschiedenegleichzeitigVersioeinundderselbengeben,undallegültigsein.eineDetailzeich nung kann in vielen verschiedenen Teilen eines Gebäudes verwendet werden. Und fangen wir erst nicht mit der Länge von Zeichenkette für Dateipfade in Windows an, die heutzutage lang aber immer noch begrenzt ist und ei „Muss sechs Zeichen lang sein“ und „muss den Projektcode verwenden“ und optionale xxx oder 000 Platzhalter für Dinge, die wir nicht genau definieren können … Das ge hört in die Zeit der Lochstreifen!
All die Metainformationen, die wir so mühsam in NamingConventions pressen, sind viel einfacher als Relation in dem ICDD abbildbar. Solange Sie davon ausgehen, dass Ihr Projekt dateibasiert ist, deckt so ein ICDD-Container alle notwendigen Bedürfnisse ab, aber es gibt noch mehr. ICDD ist zwar ein Standard, der für die Übergabe von dateibasierter Dokumentation entwickelt wurde, egal ob es sich um eine Tabelle, ein Dokument oder ein Modell handelt. Aber wir können Elemente in Modellen und En titäten in den Dokumenten auf dieselbe Weise ansprechen.
Wenn wir die ICDD um andere Dinge wie BOT5, die Gebäudetopologie-Ontologie erweitern, haben wir auch eine Definition von Beziehungen zwischen den Teilkom ponenten eines Gebäudes. BOT wurde als erweiterbare Grundlage für die Verwendung zusammen mit domänen spezifischeren Ontologien vorgeschlagen und folgt den allgemeinen W3C-Grundsätzen, die Wiederverwendung von Bezeichnungen zu fördern und das Schema nicht komplexer als nötig zu machen. (Vergleichen Sie mal dazu das IFCUndSchema)esgibtnoch viele weitere Konverter6, die Daten aus einem anwendungsspezifischen Format konvertieren. Alle diese Daten können dem Container hinzugefügt und Teil Ihrer CDE werden. Auf diese Weise wird die CDE zur Bild 3. Beispiel einer Standard Naming Convention wie sie heute verwen det wird.
Bild 4. Im 21. Jahrhundert beziehen sich Metadaten in der Regel auf digi tale Formen, aber auch traditionelle Zettelkataloge enthalten Metadaten, wobei die Zettel Informationen über die Bücher in einer Bibliothek enthalten (Autor, Titel, Thema usw.).
„Muss(Bild 3)sechs Zeichen lang sein“ und „muss den Pro jektcode verwenden“ und optionale xxx oder 000 Platzhal ter für Dinge, die wir nicht genau definieren können …
In diesem Sinne sind Metadaten mehr als nur grundle gende beschreibende Daten. Genug des Meta, es sind Da ten, basta. – v Komplex– und nicht kompliziert
Aber warum schreiben wir immer noch alles in den Dateinamen, wenn wir seit Jahrzehnten Meta-Tags haben?
ner der Gründe für all diese kryptischen Abkürzungen war.
In Projekten versuchen wir normalerweise Inhalte von Do kumenten zu beschreiben, indem wir strenge Namenskon ventionen verwenden. Und streng bedeutet oft wirklich sehr strikt, wenn man keine Datei in ein System hochladen kann, die nicht den Regeln entspricht. Auf diese Weise le gen wir im Voraus fest, was auf uns zukommt, aber die Planung von Bauwerken ist komplex und nicht kompli ziert, so dass wir am Ende kontinuierlich doch etwas an deres brauchen, als am Anfang festgelegt. Hier ein Beispiel aus einem Projekthandbuch: „Der erste Teil der Benennungskonvention ist der Projektcode; dieser muss zwischen zwei und sechs Zeichen lang sein und aus Buchstaben oder Zahlen bestehen. Der Projekt code sollte bereits in den Informationsanforderungen des Arbeitgebers festgelegt worden sein. Alle am Projekt betei ligten Parteien müssen denselben Projektcode verwenden und dürfen ihn nicht für ihre eigenen Organisationen an passen.“
Wobei 256 Zeichen eh mehr sind, als jemand sinnvoll le sen kann; aber warum schreiben wir immer noch alles in den Dateinamen, wenn wir seit Jahrzehnten Meta-Tags haben?All das kann durch „Tags“ abgedeckt werden, und es ist flexibler, verzeiht Fehler, ist leicht erweiterbar und lässt sich auch besser von Menschen und Maschinen abfragen! (Bild 4) – vi –Eben weil sie verknüpft sind
Erstens handelt es sich um eine Norm und keine Individuallösung. Zweitens sind die Inhalte erweiterbar; Bild 5. (Fotos/Abb.: Doh HIGHLAND COUNCIL TION PROJECT TION, 4 org/licenses/by-sa/3.0/)https://creativecommons.
– viii Großartige– Verbindungsmöglichkeiten Dadurch, dass es ein Standard ist, können wir die Über gabe nach ISO 21597 in der Planungs- und Bauphase, bei jedem Meilenstein und am Ende jeder Phase heute schon einfordern. Auf diese Weise würden wir lernen, die norma lerweise verborgenen, und bei traditioneller Übergabe ver lorenen Beziehungen des Projekts zu erhalten und zu nut zen. Wie man elegant mit den Informationen in Modelle arbeiten kann, zeigen eine Reihe schöner Anwendungen, die in letzter Zeit auf ifc.js8 gebaut wurden. Da dies auf three.js9 basiert, bietet es großartige Möglichkeiten, um Modelle mit jeder möglichen Software zu verbinden.
für Betrieb und Instandhaltung wirklich nutzbar zu machen. Für die Be triebsphase ist das einzige, was wirklich zählt: Funktion, beschrieben als ein System von Systemen. Während der Planung steht aber zum Zwecke der Koordination eher die Disziplin im Vordergrund und für den Bau die Lose nach denen vergeben wurde. Daher sollte jedes „Ding“ in einem Gebäude auf eine andere Art und Weise dargestellt wer den, als es ursprünglich beabsichtigt wurde. So lässt sich die Struktur ändern und so gestalten, dass sie unseren Be dürfnissen in jeder Phase entspricht.
1 Philipp
FOR
Darüber hinaus ist es mit Hilfe von Identi fikatoren möglich, auf jedes Element in jeder Datei (pro prietär oder nicht) zu verweisen, indem man die entspre chende Anweisung (eindeutige ID, Zellindex, SQL-Abfrage und mehr) angibt. Dies bedeutet, dass man auf jeden Da tenpunkt in jeder Detailstufe und jede Beziehung zwischen ihnen verweisen kann.
Wenn z. B. ein Fenster im BIM-Modell auch in einem Produktinformationsblatt katalogisiert ist und Teil einer Aufgabe im Pro jektplan ist oder sogar während einer Be standsaufnahme mit dem Laser gescannt wurde, kann man sicherstellen, dass diese Beziehungen formal im Container regis triert werden.
men; 2 u. 5 Amberg; 3
Die Vorteile der ICDD-Nutzung, wie Manos Argyris in ei nem seiner Mediumartikel 20217 schrieb sind: „Kurz ge sagt, mit ICDD kann man auf jedes Dokument, jede Da tenbank oder jede juristische Person, die an einem Projekt beteiligt ist, verweisen, ebenso wie auf ihre Beziehungen untereinander.
Wenn z. B. ein Fenster im BIMModell auch in einem Produktinformationsblatt katalogi siert ist und Teil einer Aufgabe im Projektplan ist oder so gar während einer Bestandsaufnahme mit dem Laser ge scannt wurde, kann man sicherstellen, dass diese Beziehungen formal im Con tainer registriert werden. Das Interes sante an ICDD ist, dass es sehr generi sche Konzepte definiert, die flexibel genug sind, um sich an DadurchdenenerdassProjektmanagementstileunterschiedlicheanzupassen.“DieseFlexibilitäthättedenVorteil,alles,wasineinemICDD-Contaigespeichertist,aufvieleverschieArtengenutztwerdenkönnte.ergebensichMöglichkeiten,diese
DOCUMENTA
– vii –Auf jeden Datenpunkt in jeder Detailstufe und jede Beziehung zwischen ihnen verweisen
FILE NAMING CONVEN
Diskurs 20 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen echten, einzigen Quelle der Wahrheit (SSoT). Und selbst wenn die „wahren“ Informationen nicht unbedingt darin, sondern in einer anderen Quelle gespeichert sind, können wir sie dennoch suchen, abfragen und darauf zugreifen, eben weil sie „verknüpft“ sind.
Unsere interne L-CDE (Linked Common Data Envi ronment) verwendet den three.Js Viewer direkt mit einer Graphdatenbank. Es befinden sich also alle Geometrien in dieser Datenbank, ebenso wie alle Be ziehungen, alle Attribute und alle Ver knüfpungen zu externen Quellen. So kann man all diese Beziehungen leicht erforschen und tief in die eignen Daten eintauchen und formatübergeifend nach Inhalten suchen – ohne spezielle Software zum Öffnen und Suchen ver wenden zu müssen. Wir haben mit der, von der ISO definierten Norm, nur an der Oberflä che gekratzt, aber wir haben hier einen hervorragenden Ausgangspunkt für weitere Schritte.
Und es bietet die Möglichkeit, damit einen echten in ternen Wissensgraphen aufzubauen. Also? Um ehrlich zu sein, wird ICDD nur ein Teil des Puzz les sein. Und es gibt zugegebenermaßen wird sie als allei nige Struktur nicht ausreichen. Aber wir können ja, wenn wir es als ICDD vorlie gen haben, dem Zweck entsprechend andere SchemasDennanwenden.letztendlich geht es uns ja nicht um die Durchsetzung eines Standards, sondern um die seman tische Interoperabilität zwischen Systemen in der Bau branche.Somit ist die ICDD ist ein guter Ausgangspunkt. Be trachten wir sie als eine von mehreren Möglichkeiten. So wie wir ja, neben Super, auch noch Normal 95 und Diesel haben.Digitale Technologien werden zunehmend in allen Phasen des Lebenszyklus von Bauwerken eingesetzt, vom Scannen, über BIM und der Beschaffung bis hin zum Lie ferkettenmanagement und der Bauverwaltung. Die Viel falt, das Volumen und die Geschwindigkeit digitaler Infor mationen wird zunehmen und eine Automatisierung des Informationsaustauschs zwischen Aufgaben und Systemen erfordern, da manuelle Verarbeitungsschritte zunehmend zu Engpässen werden.
Amberg
für
Diskurs 21Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen wenn Sie einmal gelernt haben, wie man ICDD-Container empfängt, können Sie für Ihre eigenen spezifischen Be dürfnisseDrittensweiterverwenden.könnenwirnicht nur Beziehungen zwischen Dateien aufzeigen, sondern auch die Beziehungen des In halts, wie Elemente oder Entitäten in die sen Dateien, erhalten. Jedes Element in ei nem Modell (siehe ifc Wall Bild 5) kann ne ben all seinen Attributen auch individuelle Links zu De tailzeichnungen, technischen Spezifikationen oder jeglichen anderen Informationen haben … – ix –Fazit Hat ICDD also das Potenzial, die allgemeine Struktur für alle CDE zu werden, wie der ROZ 98-Kraftstoff, der alle unsere Fahrzeuge antreibt? Wenn wir denselben Kraftstoff verwenden, könnenwir leicht von einer Anwendung zur anderen wechseln. Viel leicht ändern sich die Dinge, oder wir suchen nach etwas Billigerem oder Leistungsfähigerem. Wir können die CDE, die wir am besten kennen, un abhängig von der im Projekt verwendeten nutzen und trotzdem nahtlos zusammenarbeiten.
Gesichtspunkt ist
Philipp
Schweiz Literatur [1] https://www.iso.org/standard/74389.html [2] Google, Amazon, Facebook, Apple [3] https://schema.org/ [4] ext;rgn=mainhttps://quod.lib.umich.edu/j/jep/3336451.0018.305?view=t [5] https://w3c-lbd-cg.github.io/bot/ [6] https://www.w3.org/wiki/ConverterToRdf [7] https://medium.com/amberg-digital/aec-information-containers-as-project-apis-91b6a846d31 [8] https://ifcjs.github.io/info/ [9] www.AmbergDigital.comhttps://threejs.org/
Die Verbesserung der Gesamtproduktivität im Bauwe sen hängt jedoch entscheidend von der Bereitstellung digi taler Ontologien für das Bauwesen ab, die den Informati onsfluss von Maschine zu Maschine unterstützen. ICDD wird nicht das „Rückgrat“ einer jeden CDE sein, sondern ein wichtiger Teil derselben. Unter diesem die ISO 21597 aber der Ausgangspunkt etwas wirklich Großartiges. Dohmen, Corporate Chief Digital Officer, Group AG,
Wir können das CDE, die wir am besten kennen, unabhängig von der im Projekt verwendeten nutzen und trotzdem nahtlos zuWennsammenarbeiten.Sieeinmal gelernt haben, ICDD-Container empfängt, können Sie sie für Ihre eigenen spezifischen Bedürfnisse weiterverwenden.
wie man
Frage an Anbieter und sich selbst: Was kann mein CDE Ökosystem Was kann es nicht? Was soll es mind. kennen?
Bild 1. Ein CDE-Ökosystem sollte heute bereits viel können, um Arbeit zu vereinfachen.
Was wäre aber, wenn die Plattformen schlicht statt 1990er Technologien zumindest auf 2010er-Jahre Technologie setzen würde, welche kaum Probleme hat mit mehreren parallel genutzten, offen dokumentieren Datenformaten, ,Bezeichnungslisten‘ und Maschine-zu-Maschine-Verknüpfung. Stattdessen freuen wird uns schon, wenn wir mehrere Dateien nicht einzeln herunterladen müssen, sondern eine ZIP-Datei bekommen.
Falls Sie ein Ökosystem von Plattformen passend für Ihr Projekt und vorhandene Software finden wollen, dann wünsche ich Ihnen viel Ausdauer und vor allem einen willensstarken Charakter. Hintergrund ist die Empfehlung, dass Sie sich nicht für mehr als vier Jahre auf ein Produkt festlegen sollten: die Entwicklung ist aktuell so schnell, dass es gute neue Produkte gibt, die Sie selbst integrieren oder integrieren lassen sollten. Aber ein Wechsel der Plattform im laufenden Projekt ist derzeit real mit viel Aufwand oder Informationsverlust und entsprechendem Frust verbunden.
Kaum eine Plattform ist wirklich projektspezifisch mit notwendigen Tools derart verknüpfbar, dass man die oft gewünschte Produktivitätssteigerung erreichen würde.
– i Sachlicheres– Licht Dieser Kommentar nennt pointiert Beispiele und grundlegende Erwartungen, um Hype und Selbstbeweihräucherung zu Plattformen in ein sachlicheres Licht zu stellen.
Das Fazit: die Entwicklung hat erst begonnen, die zahlenInteroperabilität für Mensch und Maschine Weshalb die bekannten CDEs meist noch dem Entwicklungsstand einer Produktidee gleichen Managed Governance Prozesse RollenAPIKontrolle Berechtigungen
Diskurs 22 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen den Kunden finanzieren die nächsten Entwicklungsschritte. Kaum eine Plattform ist wirklich projektspezifisch mit notwendigen Tools derart verknüpfbar, dass man die oft gewünschte
Die Entwicklung ist aktuell so schnell, dass es gute neue Produkte gibt, die Sie selbst integrieren oder integrieren lassen sollten. Aber ein Wechsel der Plattform im laufenden Projekt ist derzeit real mit viel Aufwand oder Informationsverlust und entsprechendem Frust verbunden.
Erlauben Sie mir einige Punkte zu beschreiben, die einen verwundern (bzw. ernüchtern oder auch verärgern), wenn man in dutzenden Projekten mit gleich undVertriebsberater:innenvieleneinemDutzendPlattformen in der Praxis zu tun hatte. Ein CDE ist ja das Zusammenspiel aus Technik und den damit ermöglichten Prozessen. Die Prozesse wählt ja jede Die meisten CDEs sind faktisch Plattformen, welche noch immer ungern die Daten an andere Plattformen weitergeben. Dieses Nicht-Vernetzen-Wollen ist ein Problem, da darunter die Produktivität leidet und man als Nutzer stets gezwungen wird, seine Prozesse den Möglichkeiten der einen Plattform anzupassen statt andersherum. Die Autorin vertritt die Grundhaltung, dass die Vielfältigkeit der gebauten Umwelt einerseits, und die noch zu erschließenden Möglichkeiten der Digitalisierung andererseits sich weder mit einem einzigen Produkt noch mit nur einem Datenformat abbilden lasse. Auch werde ein komfortabel zu bedienendes Ökosystem von Tools den Nutzer:innen jene gewünschte Effizienz bringen. Anbieter reden sich dann raus, dass man entweder das Bauwesen industrialisieren müsse, um Schnittstellen zu reduzieren oder man eher im eigenen Ökosystem vieles bereits individualisieren könne.
lenden.VerbesserungenhinNutzer:in/Monatbeichigenpro200.000BeivonfristigreichenduktivitätssteigerungPro-er-würde.Lang-müsstenwirwegeinzelnenDateien.eherkonservativenNutzer:innenJahrimdeutschspra-Raumwärendadurchschnittlich5€/immer-12Mio€jeJahrfürvorhan-Wahrscheinlichzah-SiefürallerleiSoftware- und Plattform-Lizenzen eher das 10-fache je Mitarbeiter. – ii Pessimismus–
– v Hype–um digital Twins Manche Plattformen können leider Aufgaben per BCFAPI nur in eine Richtung mit anderen BCF-Plattformen automatisch synchronisieren. Z. B. von der Plattform zu nur einer Software – aber nicht von der Software zur Platt form. Es wird dann mit BCF-API geworben. In der Praxis ist der Frust dann groß.
Diskurs 23Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen am Projekt beteiligte Firma individuell so dass die eigenen unternehmerische Ziele erfüllt werden. In einem realen Projekt besteht die Technik wahrscheinlich aus drei Platt formen und zehn oder 20 Softwares, die eigentlich zusam menspielen sollten. Wir brauchen diese Tools eben, weil wir verschiedene Spezialisten haben (Kosten, Bauphysik, Tragwerk, Termine, Darstellung, Bestellung, Bauen, Ab nahme, …). Der Austausch erfolgt meist über Dateien –nichts mit Plugins. Microsoft Office Softwares zeigen doch, dass es Plugins gibt, die aussehen, als sei es Office. Auch Google Produkte bieten es an. Warum nicht im Bauwesen? – iii –Wie machen’s die Großen? Nehmen wir das Beispiel, dass Sie eine Datei „Haus B Tragwerk-Erdgeschoss.ifc“ auf einer Plattform mit StatusAttribut ,diese Datei wird geteilt‘ an andere versenden möchte. Allerdings können erstaunlich wenig Plattformen dateien mit Metadaten wie jene 19650 normkompatible Statusinformationen aufzunehmen. Trauriger ist allerdings, dass die Tragwerkplanerin in nerhalb des Büros eigentlich eine andere Dateibezeich nungslogik verwendet – muss sich aber nun den Vorgaben des BIM-Beraters unterwerfen. Um die Diskrepanz zwi schen IT und Bau-IT zu erläutern, hier der Verweis auf den etab lierten IT-Standard der UUIDs. Was ist das? Die vier Buchstaben stehen einfach für Uni versally Unique Identi fier und bedeuten, dass eine Datei nicht mit ihrem Dateinamen abgelegt und ge funden wird, sondern eine Identifikationsnummer be kommt und für den Menschen dann damit ein Dateiname dargestellt wird.
Machen Sie das mal in Ihrer jetzigen CDE … In der BauPraxis wäre das schön, weil jede Beteiligte die für Sie inter essanten Dateien oder Verzeichnisse einfach stets mit der selben Adresse erreichbar hat. Für Mensch und Maschine.
Bild 2. Der analoge Server liefert das, was man bestellt oder meldet dessen Nichtvorhandenheit. – Er serviert freilich den Tee heiß. Man kann die ‚Datei‘ live bearbeiten: ohne Informationsverluste. Machen Sie das mal in Ihrer jetzigen CDE … In der Bau-Praxis wäre das schön, weil jede Beteiligte die für Sie interessanten Dateien oder Verzeich nisse einfach stets mit derselben Adresse erreichbar hat. Für Mensch und Maschine.
Das führt dazu, dass Sie den Pfad der Datei aus dem Brow ser einfach kopieren können, Sekunden später die Datei umbenennen oder gar verschieben können. Man kann da bei die ‚Datei‘ live bearbeiten: ohne Informationsverluste.
– iv Verlorene– Dateien Auch könnten eigentlich unterschiedliche Nutzer verschie dene für sie jeweils passende ‚Dateinamen‘ vergeben. Der Server sollte die passende Datei über die ID zuordnen. Unverständlich, dass kein mir bekannter Bau-CDE-An bieter das so offeriert. Dadurch bekommt man einen Effi zienzgewinn hin und muss nicht im BAP zig Seiten zur ‚Policy‘ abhandeln, die eh niemand einhalten möchte. Die meisten Plattformen nutzen allerdings Pfadlogiken mit dem echten Verzeichnis- und Dateinamen. Beispielsweise (fiktiv) giltanmancheoreferenziertklassischenet.renDateistatus%20in%20Arbeit/A%20EG.ifchttps://meineplattfom.xyz/projekt-12/phase%203/.VerschiebtmaneineineinanderesVerzeichnis,dannistsieverloren.EinedurchauszentraleTätigkeitistdasKommentieinProjekten.DasBCF-FormatisthierfürbestensgeeigEsgibtsogarAnbietervonWebplattformendiedasBCFaufPDFsanwenden.UndzwardirektgeaufeinenBereichimPDFundnichtwiePlattformenumständlichein3D-Objekterwarten,dasdannKommentarundPDFangehängtwerden.Waseshiernunzuverbessern?
Bei manchen Anbietern ist das eine Option, bei GoogleDrive beispielsweise der Standard. Die Adresse einer Tabelle im Google-Drive folgt stets derselben Logik: https://docs. google.com/spreadsheets/d/ + ID. ID ist eine lange, welt weit eindeutige Zeichenfolge (z. B. ikgh98f7fh9d87fyxcdf).
Bild 3. Das Menu nennt, was man bestellen kann – in der Bauwelt sollte man stets seine eigene Zusammenstellung kreieren können.
Und: es bleibt uns nicht verwehrt, noch einige Zeilen zum Hype um den Digitalen Zwilling zu lesen. Jene digital Twins sind technisch gesehen wohl eher Digitale Fünf linge. Also je Anwendungsfall hat es ggf. zwei Dateien oder Datenbanken zu ein und demselben physischen Bauteil. Nehmen Sie z. B. 3D-Laserscans eines Sanitärraums. Der ist wichtig, weil dort auch geneigte Wände erkennbar sind. Aber sie brauchen noch die Information zu Typ und Her steller des Waschbeckens. An welches Laser-Pixel wollen Sie das nun hängen? Am einfachsten geht es in einem Raumbuch in einer Tabelle. Da braucht man keine 3DGeoemtrie dazu. Hätten wir schon zwei ‚Twins‘ … Übrigens gibt es bei der Darstellung von 3D-Geome trien auch vieles im Vorfeld zu prüfen: kann die Plattform auch die von Ihnen gewünschte IFC-Version darstellen? Dürfen die Geometrien im absoluten nationalen Koordina tensystem sein und ist dann die 3D-Naviga tion noch sinnvoll? Für Bauherren bzw. Bauwerksbesitzer stellt sich die Heraus forderung, dass sie zu erst eigentlich ihre Se mantik von Bauteilen, Attributen und Attri butwerten fix und abschließend erstellt haben sollten, um mit den üblichen Plattformen arbeiten zu können. Das bedeutet, dass Sie sich bei den meisten Plattformen früh entscheiden müssen, ob ein Raum nun ‚Seminarraum‘ oder ‚Seminar‘ oder ‚Konferenzraum‘ heißt. Und zwar über all ihre Bauten. Hintergrund ist, dass kaum eine Plattform aus dem BIM-Bereich sich so einstellen lassen kann, dass eine Suche nach ‚Konferenzraum‘ auch gleich ‚Seminarraum‘ ausgibt. Und falls Sie noch Bauten in ande ren Sprachregionen haben, dann wird es wirklich dünn. Sie machen dann faktisch zwei Suchen (zusätzlich z. B. ‚salle de conférence‘) oder sie bekommen eine Spezialsoft ware entwickelt, die dann für Sie sucht. Informatiker wun dern sich ob dieser Beschreibung, nennt man solche Kon vertierungen doch ETL (Extract, Transform, Load) und ELT und sie lassen sich eigentlich automatisch ‚on the fly‘ machen.
Diskurs 24 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
– vi Richtige– Interoperabilität
Bild 4. Kochbücher sind für CDEs selten vorhandene Konfigurationsrezepte. Stattdessen gibt‘s ja Berater, die dem desinteressierten Nutzer die Konfigu ration machen (Abb./Fotos: 1 Simone Meier; 2 pxhere; 3 u. 4 pixabay)
Apropos Daten: Manche Tools haben noch immer kein UTF-8 (Unicode Transformation Format) und deshalb Pro bleme mit é und ö. Ebenso wenig verstehen die Vertriebs berater:innen meist die Frage nach der Historisierung von Änderungen. Also bei spielsweise, dass ver merkt wird, wann je mand nun im sollteraum‘raum‘zeichnungBIM-FM-CDEzentralendieBe‚Seminarin‚Konferenzänderte.ManjadieUrsprungsdaten nicht löschen, weil man in ein paar Jahren froh ist, wenn man weiß, was früher mal ein Seminarraum war. Dies ist deshalb wichtig, weil Bauherren beispielsweise ihre semantischen Anforderungen an die In formationsbereitsteller geben wollen. Z. B. das Raumpro gramm oder die möglichen Attributwerte. Das geschieht leider meist als PDF oder Tabelle. Kaum eine Plattform bie tet eine maschine-maschine Anbindung an: dass der Bauin genieur beispielsweise in seinem Autorentool sich per Serververbin dung mit der Bezeich nungsliste des Auftrag gebers verknüpft. Die Software weiß dann, dass es ,C 35‘ und nicht mehr ,B 25‘ für die Materialisierung gibt. Falls Sie nun meinen, dass sei Fiktion, dann schauen Sie sich mal an, was schema.org für die IT ist oder was in Tirol von der Firma Muigg an Plugins programmiertPlattforenwurde.sindalso weit mehr als Dateiaustausch. Eine richtige Interoperabilität hinzubekommen, wird real sehr schwierig, da die Geschäftsmodelle sich signifikant ändernAh,werden.onemore thing: bitten Sie ihre Plattform-Anbieter im rechtsgültigen Angebot anzugeben, welche Daten bei Vertragsende garantiert nicht derart exportiert werden, dass man sie mit keinem oder wenig IT-Aufwand in eine andere Umgebung importieren könnte. Also nicht nur Da
Übrigens gibt es bei der Darstellung von 3D-Geometrien auch vieles im Vorfeld zu prüfen: kann die Plattform auch die von Ih nen gewünschte IFC-Version darstellen? Dürfen die Geometrien im absoluten natio nalen Koordinatensystem sein und ist dann die 3D-Navigation noch sinnvoll?
Kaum eine Plattform bietet eine maschinemaschine Anbindung an: dass der Bauinge nieur beispielsweise in seinem Autoren tool sich per Serververbindung mit der Bezeichnungsliste des Auftraggebers ver
Eineknüpft.richtige Interoperabilität hinzubekom men, wird real sehr schwierig, da die Ge schäftsmodelle sich signifikant ändern werden.
Leider sind es halt in manchen Plattformen stets nur einzelne Dateien, die angezeigt werden, statt Gruppen von 3D-Dateien zum Koordinieren. Und falls das ginge, können noch weniger diese Gruppierung auch spei chern. Aber … immerhin kann man meist im Browserfenster was Buntes drehen.
z. B. bei den Dateiforma ten oder der Raumbezeichnung sollten der Vergangenheit angehören. Ebenso die Not wendigkeit von Dateien oder händischem Up- und Download. Es scheint, dass es noch lange dauern wird, bis den Endnutzern jene belastbaren und skalierbaren Grundarchitekturen ange boten werden können, auf die eine Person, eine Firma oder nur ein Projekt beruhigt setzen kann.
Diskurs 25Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen teien, sondern auch Metadaten wie beispielsweise Status infos, Autoren, etc. Diese kleine Frage klärt die konkrete Offenheit des Produkts vergleichsweise schnell. – vii Optimismus–Hey, es gibt auch was Positives bzgl. CDEs. Wir können nun Dateien austauschen. Und wir können auch umfas sende 3D-Geometrien im Webbrowser dar stellen. Und leider sind es halt in manchen Plattformen stets nur einzelne Dateien, die angezeigt werden, statt Gruppen von 3D-Da teien zum Koordinie ren. Und falls das ginge, können noch weniger diese Grup pierung auch speichern. Aber … immerhin kann man meist im Browserfenster was Buntes drehen. Positiv ist auch, dass es zahlreiche neue Anbieter gibt, die sehr interessante Lösungen anbieten. Dort spricht man dann meist noch mit den Gründern selbst und bekommt ehrlicheAberAntworten.warumist es positiv, dass wir nun Dateien aus tauschen können? Erinnern Sie sich noch an die Zeit um das Jahr 2010 hinsichtlich Plattformen? Da kamen Servi ces wie DropBox auf. Ohne Werbung für diese Plattform zu machen: aber das war damals vor allem ein Komfortge winn. Man konnte ohne eine technisch anmutende Soft ware (vgl. FTP-Client) einfach Dateien mit anderen Personen tei len. Ein kleines Pro grämmchen installiert, das zu synchronisie rende Verzeichnis aus wählte, und man konnte mit anderen zusammenarbeiten. Aber grundsätzlich würden wahrscheinlich auch heute noch viele Projekte von einer solch einfachen Dateisyn chronisation mehr profitieren als von 3D-online-Viewern. – viii –Warum von Maschine zu Maschine zu Mensch synchronisieren?
Dieser Text formulierte anhand von Beispielen die feh lende Interoperabilität und Anpassbarkeit von Plattformen und damit verbundener Software und Menschen. Einen Schlüssel sehe ich in der kritischen Analyse des jetzigen Angebots und dem Einfordern aktueller, etablierter Lösun gen aus der Web-IT. Nur dann sind umfassende Automati sierungen möglich. Es kann auch gleich eine Nutzungs freundlichkeit integriert werden. Dies geschieht, indem Nutzer von untereinander kommunizierenden Maschinen entlastet werden. Ggf. auch nur die Daten übertragen wer den, welche aus der Fachdisziplin kommen. Einschränkun gen z. B. bei den Dateiformaten oder der Raumbezeich nung sollten der Vergangenheit angehören. Ebenso die Notwendigkeit von Dateien oder händischem Up- und Download. Aber vor allem die Notwendigkeit von dicken BIM-Execution-Plans und Plattformhandbüchern verdeut licht: einfach ist es nicht. Es wird nicht kinderleicht, aber eine Bauphysikerin kann ihre Zeit produktiver in ihrem Fachgebiet einsetzen, als mit dem Erlernen von verschie denen projektindividuellen Plattformen. Sie sollte inner halb weniger Stunden ehere produktiv am Entwurf arbei ten können, statt auf Plattformen lange nach der aktuells ten Datei zu Übergeordnetsuchen.stellt sich die Frage, warum es so wenig Initiative von Berufsverbänden wie BDA, VDI, oder SIA gibt, eine arbeitserleichternde technische Funktionalität in Plattformen zum Standard zu machen. Z. B., dass sich Da teien und deren Metadaten von der einen zur anderen Plattform kopieren lassen. Und zwar derart gut, dass es Versionierungen der Dateien gibt, man auch die Status informationen wie ‚vom Auftraggeber freigegeben‘ etc. mit senden kann. – ix –Fazit Eine Plattform warb mit einer SharePoint-Synchronisa tion: es wurden real aber nur Dateien vom SharePoint auf die Plattformen gela den (und nicht von der Plattform auf Share Point), und dann liegen Sie noch in einem an deren Bereich als die 3D-IFC-Dateien. Das führt dazu, dass eine 3D-Datei (z. B. IFC 2x3) aus dem lokalen Laufwerk zwar über Sharepoint in jene BIM-Plattform gelangt, dort aber erst im Webinterface in den 3D-Bereich verschoben wer den muss, um sichtbar zu sein. Es scheint, dass es noch lange dauern wird, bis den Endnutzern jene belastbaren und skalierbaren Grund architekturen angeboten werden können, auf die eine Per son, eine Firma oder nur ein Projekt beruhigt setzen kann. Es fehlt sozusagen das Äquivalent zum USB C Stecker für die BIM-Welt. Also ein Standard, der zwar nicht alles kann, aber einem Käufer die Sicherheit gibt, dass auch in Zukunft vieles möglich sein wird.
Einschränkungen
Simone Meier
Diskurs 26 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen erfordernissen, eigene Kriterienkataloge. Hierbei entste hen jedoch verschiedene Probleme: Die Kataloge werden einmal erstellt und immer wieder Kriterienverwendetsind über die Zeit veraltet bzw. bessere Frage stellungen zu neuen Lösungen wären nun sinnvoll Unwichtige Kriterien blähen den Katalog enorm auf und schaffen Verwirrung und Dopplungen Ja/Nein-Antworten werden von den Anbietern fast im mer mit einem „interpretierten“ Ja beantwortet.
Eine fehlerhafte Entscheidung für ein CDE im Unterneh men oder einer Behörde ist ein Pflock, den man erst ein mal für die nächsten Jahre nicht mehr so schnell herauszie hen kann. Die Entscheidung ist gefallen und ein Rück schritt bedeutet Gesichtsverlust, Vergaben sind getätigt und Integrationsstrategien mit Vernetzungen werden ge startet. Die Kosten des CDEs sind hierbei eher marginal im Vergleich zu dem Aufwand und der Mehrarbeit, die diese In klassischen Computerzeitschriften ist es gang und gäbe: der Software- und Hardwarevergleich von Produkten. Jedes Jahr werden Drucker, Bildschirme, Virenprogramme und sonstiges ITEquipment verglichen. Jeder will in das für sich beste und pas sendste Produkt investieren. Genauso läuft es auch mit Projektplattformen oder neudeutsch CDEs (Common Data Environments). Das System soll immerhin über mehrere Jahre erfolgreich im Projekt eingesetzt werden und die Teilnehmer auf allen Ebenen zufrieden stellen. Das rich tige CDE für sich zu finden ist jedoch ungleich komplexer als den richtigen Drucker für die Urlaubsabzüge der heimischen Bil derwand. Die CDE-Systeme integrieren sich tief in die Projektin frastruktur, werden von unterschiedlichsten Personen mit den verschiedensten Anforderungen verwendet, sollen hohe Akzep tanz aufgrund guter Benutzerführung erfahren und auf zukünftige Entwicklungen vorbereitet sein. Und dann sind da noch die The men sicheres Rechenzentrum mit hoher Verfügbarkeit, DSGVO und eine gute Administration. Ziel soll es sein eine richtige Vorgehensweise bei der Aus wahl eines CDE-Systems zu finden. Wir starten also mit der Frage zum eigentlichen Einsatzgebiet des CDEs, einer Betrachtung der Ausgangsituation des Käufers, den Bewer tungsblickwinkeln und deren Gewichtungen, den CDEPhilosophien und dem Modulreichtum der Anbieter, be leuchten die Innovationsstrategien sowie den Aufbau des Kriterienkataloges, prüfen die Servicequalität vor und nach der Beauftragung und schließen mit harten Fakten zu Anwenderzahlen und der Nutzerzufriedenheit.
– i –Das passende CDE – Diese Punkte sollten Sie beachten Bei der Auswahl eines CDEs haben Kriterienkataloge schon einmal mehr als 200 Einzelkriterien. Doch ist der Gewinner der umfangreichen Excel-Tabelle nachher auch der passende Kandidat für die eigene Baukoordination?
Viele Plattformen widmen sich der passenden Aus wahl von Softwaresystemen wie Planen-Bauen-4.0, BIMS warm, Capterra oder etwas aus der Vogelper spektive der Blog Extra net Evolution von Paul Wilkinson. Der Markt ändert sich schnell, die Anbieter sind innovativ und es ist fast ein Ganztagsjob, die verschiedenen Platt formvergleichstabellen auf dem neuesten Stand zu halten.
Viele CDE-Suchende gehen bei der Plattformauswahl einen eigenen Weg und erstellen aufwändig, teils mit Hilfe von Projektsteuerungsbüros, basierend auf ihren Projekt Nicht zu vergessen: der Frust der Mitarbei ter. Nach der zweiten Fehlentscheidung bei einer Softwareimplementierung sollte man in Bezug auf die Mitarbeiter ein dickes Fellhaben.Auswahl
eines CDE-Systems – geht das auch Vonschlauer?derFragedes eigentlichen Einsatzgebietes bis zu harten Fakten über Anwenderzahl und Nutzerzufriedenheit
Bild 1. Common und Data in ihrem Environment Bild 2. Sichten nicht nur Funktionen
Achten Sie auf die Interaktion zwischen den Anwen dungsszenarien und bewerten Sie eine Funktion nicht zu isoliert. Im Internet ist alles mit allem verbunden. Ebenso sollte die CDE Ihre Module verbinden und da mit Doppelarbeiten vermeiden. Modulübergreifendes Arbeiten ist hier das Zauberwort. Wie viel wird nun durch den Anbieter in Folien (poten ziell mit Videos) präsentiert und wie viel live direkt am System. Hierbei erhalten Sie sofort einen Eindruck über Eine binäre Antwort im Stil von Ja / Nein oder etwas erweitert 0 % / 50 % / 100 % sind sehr „interpretierbar“ und werden im Zwei fel durch den Anbieter für seine eigene Sichtweise und gegen ihr Wunschbild der entsprechenden Funktion bewertet.
Achten Sie auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Eine binäre Antwort im Stil von Ja / Nein oder etwas er weitert 0 % / 50 % / 100 % sind sehr „interpretierbar“ und werden im Zweifel durch den Anbieter für seine eigene Sichtweise und gegen ihr Wunsch bild der entsprechen den Funktion bewertet. Mein Vorschlag wäre die Beantwortung im Prosastil. Dieser ist aufwendiger für beide Seiten, dadurch jedoch auch viel aussagekräftiger. Meine Empfehlung: 30–40 % sollte der Bewertungs anteil für den Kriterienkatalog darstellen.
IT-Infrastruktur ist in meinem Unternehmen und bei den anderen Projektteilnehmern vorhanden? CAD-Autorensoftware, Office365, Kalkulationssysteme, ERP-Systeme, Active Directory usw. – iii –Den Fokus auf das Wesentliche legen Bevor wir uns nun vollständig im Fragen-Dschungel verlie ren und dem Bewertungsgorilla zum Opfer fallen, sollten wir uns wieder mehr in die Vogelperspektive begeben und uns die Frage stellen: Wie sehen denn generell die Bewertungsblickwinkel bei der Auswahl einer Plattform aus?
Der nächste Schritt ist der Kriterienkatalog, auf dessen potenziellen Inhalt ich später noch eingehen werde. Ne ben den klassischen Funktionskriterien können Sie den Umfang des Kataloges beliebig ausweiten.
Soziale Eignungskriterien des Unternehmens Wirtschaftlichkeit des Unternehmens Sicherheitsaspekte und Zertifikate der IT-Infrastruktur Funktionsumfang des eigentlichen CDE-Systems Übergabekonzept zur Archivierung bzw. Schnittstelle in die Betriebsphase
Meine Empfehlung: 10 %–30 % sollte der Bewer tungsanteil für den Preis darstellen. 2. Kriterienkatalog zur Bewertung der Einzelkriterien
Daraus ergeben sich einige technische Fragen: Wie verteilen sich meine Medienanteile? Gescannte Pläne, Vektorpläne, 3D-Modelle, BIM-Mo delle, Punktwolken, Dokumenttypen, usw. Welche Größen haben meine Dokumente und welche klassischen Grenzwerte werden hierbei für mich rele Welchevant?
1. Preis Oftmals wird der Preis als maßgebliches Kriterium bei der Auswahl einer Plattform herangezogen. Wie wir aber im Bauwesen wissen, werden bis zu 80 % der Kosten in der letzten Leistungsphase bei dem Betrieb der Immobilie auf gewendet. Eine höhere Anfangsinvestition kann signifikant die Betriebskosten senken. (https://buildingradar.com/de/ construction-blog/lebenszykluskosten/). Ähnlich verhält es sich bei Projektplattformen. Eine günstige Plattform im Ein kauf kann durch ein schlechtes User-Interface, mangelnde oder fehlende Schnittstellen, komplizierte Administration, hohe Servicekosten, Leistungsschwäche, fehlende Innova tion und, nicht zu vergessen, frustrierte Nutzer einen erheb lichen Schaden erzeugen, welcher als Kollateralschaden die Kosten der Plattform um ein Vielfaches überschreitet.
Diskurs 27Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen Entscheidung nach sich zieht. Nicht zu vergessen: der Frust der Mitarbeiter. Nach der zweiten Fehlentscheidung bei einer Softwareimplementierung sollte man in Bezug auf die Mitarbeiter ein dickes Fell haben. – ii Initiale– Fragestellungen Wie kann die Entscheidung für ein CDE also zielgerichte ter zustande kommen? Die Erstellung und die Beantwortung eines Kriterien kataloges sind von Natur aus immer mangelhaft. Der Vari antenreichtum ist einfach zu hoch. Sinnvoll aufgebaut lie fert er aber in jedem Fall einen ersten Überblick. Verschiedene Fragen sind hierbei zu Beginn wichtig: Für welche Leistungsphase will ich ein CDE einsetzen? Steht das Thema CAFM (Computer Aided Facility Ma nagement) im Raum? Wie viele analoge Bestandspläne muss ich verwalten und notfalls digitalisieren? Ist mein Team IT-affin oder eher konservativ unterwegs? Wie intensiv will ich die BIM-Methode zum Einsatz bringen oder realisiere ich ohne BIM? Sind alle Vorbereitungen für BIM getroffen oder benö tige ich einen BIM-Berater, um meine Prozesse später sauber abzubilden (idealerweise hat der Berater Platt formerfahrung, potenziell haben die CDE-Anbieter auch passende Partner)?
3. Teststellung oder Proof of Concept Diesem Bewertungskriterium gilt meine höchste Aufmerk samkeit. Denn hier muss der Anbieter „Farbe bekennen“ und muss deutlich und klar seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. All seine „Ja“-Kriterien müssen dem Reali tätscheck standhalten und gegebenenfalls werden hier durch Kriterien noch einmal neu bewertet. Hier gibt es nun einiges zu beachten: Definieren Sie Ihre Teststellung „locker“ nach Ihren im Haus existierenden oder anstehenden Anwendungssze narien. Eine zu starre Definition ist hier eher kontrapro duktiv und limitiert Ihr Gesamtbild.
Vorteil –
–
–
–
–
Tabelle 1.
Alle Module aus eigenem Hause Multimodulanbieter durch Zukäufe Vorteil – Module bauen aufeinander auf – Einheitliche Bedienkonzepte – Modulübergreifende Dashboards und Auswertungen – Kaum Schnittstellen – Hohe Innovation durch organisch gewachsenes Programmierteam, oftmals in einer Sprache und an einem Ort. – Hohes Fachwissen und Spezialisten für jedes Modul – Einzelsysteme können schnell auf neue Anforderungen angepasst werden, sofern eine Interaktion mit anderen Modulen nicht ge wünscht ist.
Nachteil – Wissen muss künstlich auf hohem Niveau gehalten werden.
– Geringer interner Konkurrenzdruck – Anbieter kann sich „verzetteln“ und zu viele Module gleichzeitig entwickeln. Hier leidet die Qualität.
Hiergeworden?drängtsich ebenfalls eine Vergleichsmatrix auf, wel che die Vor- und Nachteile gegenüberstellt.
– Hohe Schnittstellenanforderungen, die teils nur schlecht umgesetzt sind – Verbindung zwischen Modulen nur recht simpel oder nicht vorhan den – Unterschiedliche Philosophien und Datenmodelle der Systeme – Unterschiedliche Bedienkonzepte – Schwieriger Einstieg für Neulinge – Konkurrenz der Spezialsysteme im eigenen Hause und daher hohe Belastung der Programmierer-Ressourcen durch parallele Entwick lung – Schwaches Dashboard bzw. Übersicht über die eigenen Kundenpro jekte – Teils hohe Kosten da jedes Modul separiert fakturiert wird.
Von diesen beiden Grundkonzepten „generalisiert“ vs. „spezialisiert“ sowie „homogener Anbieter“ vs. „anor ganischem Multimodullieferanten“ kommen wir nun zu den üblichen CDE-Funktionen, welche die meisten Anbie ter auch als Ihre Standardfunktionen verstehen. Hierzu gehören die klassische Dateiverwaltung, Workflows, Rech
Tabelle 2.
die Anwendungsgeschwindigkeit, die Bedienbarkeit, die Flexibilität und die multiplen Ansichtsmöglichkeiten des FordernSystems.Siewährend der Präsentation eine Umkonfigu ration des Systems und bewerten Sie hieraus die Admi nistrationsleistung und Komplexität der Admin-Umge bung. Wie hoch ist der Aufwand, diese Adminkennt nisse in Ihrem Haus aufzubauen? Meine Empfehlung: 40–60 % sollte der Bewertungsanteil für die Teststellung darstellen. – iv Welche– CDE-Philosophie passt zu mir? Was können Sie nun am Markt von den verschiedenen Anbietern erwarten? Nur wenn ein Überblick der verschie denen CDE-Philosophien vorhanden ist, kann der Bewer ter die richtigen Fragen stellen und damit gezielte Erläute rungen des Anbieters erwarten.
Vom der CDE-Philosophie wechseln wir direkt in die Leistungsbandbreite des Anbieters: Wollen Sie vielleicht nur Mängelmanagement über die Plattform abwickeln oder die gesamte Immobilie über all ihre Leistungsphasen digital verwalten? Welchen Fo kus setzt der Anbieter? Kann der Anbieter all ihre Wünsche aus einer Hand erfüllen oder müssen Sie mit mehreren Anbietern in Kontakt treten? Bietet ein Anbieter alle Leistungen an? Dann stellt sich die Frage: Sind diese aus einem Guss oder durch Zu käufe des Anbieters im Laufe der Zeit anorganisch zu einem Modulsammelsurium oder einer soliden Einheit
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Diskurs 28 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
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Generalisiert Spezialisiert Hoch flexibel – Sehr viele Szenarien abbildbar Unternehmensprozesse können nahezu 1:1 ins System überführt werden Hohe Performance und neueste Technologien Gute Anwendungsfreundlichkeit Schnelle Umsetzung von Kundenwünschen – Einfache Administration – Klassische Anwendungsfälle werden schnell und effizient umgesetzt Hohes Innovationspotential für das eigene Unternehmen Kundenwünsche werden oftmals langsam und teuer umgesetzt Komplexe Administration User Interface und Bedienung oftmals nicht auf neuestem Stand – Geringe Plattformperformance – Interne Prozesse werden teils ohne Reflexion 1:1 übernommen und damit schlechte Prozesse digitalisiert Blockierer von Innovation – Grenzen in Flexibilität und Anpassbarkeit
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Nachteil –
Der Konfigurationsansatz des CDEs kann „generali siert“ oder „spezialisiert“ sein. Beide Konzepte haben ihre Vor- und Nachteile. Ausnahmen bestätigen hier die Regel.
Hat der Viewer ein vollständiges Kommentarmanage ment und wie wird der Import und Export von BCF realisiert? Kann ein manueller BCF-Im- und -Export sogar umgangen werden, in dem Plugins direkt eine Ver bindung zwischen den Autorensoftwaresystemen und dem CDE herstellen?
Gibt es umfangreiches online Dokumentationsmaterial oder Videounterstützung etwa durch Webinare oder KommenYouTube-Videos?wirnunzu den Hintergründen des Anbieters. Dieser Blickwinkel eröffnet sehr schnell, ob der Kunde Bild 3. … nicht nur guys, auch Bewertungskriterien
Die Liste ließe sich ewig erweitern. Prüfen Sie „offen“ Ihre Anwendungsfälle und spielen Sie in der Teststellung diese gemeinsam mit dem Anbieter durch. Zu viele Vorgaben in der Teststellung schaffen einen inflexiblen Korridor, der es den Anbietern ermöglicht eben nur die „geforderte“ Leis tung vorzustellen und nicht die realen Bedürfnisse zu er füllen. – vi Service– und Philosophie von CDE-Anbietern
Wird der Support von einem kleinen Team oder eher von einer anonymen Hotline geleistet?
Spannend wird es bei besonderen Funktio nen der Anbieter, die sich nur schwer in einen Kriterienkatalog abfragen lassen, durchaus aber die Entscheidung für oder gegen ein System beeinflussen können.
Werden wir noch einmal etwas softer, entfernen uns von den Funktionen und wenden uns dem Service zu. Und das mit sehr klaren Fragen.
eigenen Servern) entstehen. Gerade im Bereich von FM setzen viele Anbieter noch auf eine On-Premise-Lösung. Wenn Sie den ganzen Lebenszyklus ihrer Immobilie digi talisieren wollen, sollten Sie hier aufpassen. Für mich ist SaaS die Zukunft. – v BIM-Fähigkeit– eines CDE Und gerade bei SaaS trennt sich im Bereich BIM die Spreu vom Weizen. Was bedeutet das? Relativ simpel: Ist die Platt form nur BIM-ready oder später hinzugefügt worden oder ist BIM ein essenzieller und zentraler Bestandteil der Projekt plattform? Hierzu gibt es mannigfaltige Themen, die Sie un bedingt umfangreich in die Teststellung aufnehmen sollten. Wie leistungsstark sind die Funktionen des Viewers, wie schnell werden Modelle aufgebaut, welche Anzeigegren zen sind zu berücksichtigen?
Kann der Viewer Messen, Schneiden, Filtern, Ausblen den und gleichzeitig auf alle Aufgaben, Mängel, Check listen, Bilder und andere Informationen zugreifen?
Ist ein Partnerprogramm vorhanden, um tiefere Vor-OrtUnterstützung zu leisten?
Ist der Viewer ein zentraler Bestandteil des CDE und direkt beim Anwählen einer Datei, Aufgabe, Checkliste oder eines BCF-Elementes aufrufbar?
Gibt es kostenfreie Testversionen, Proof-of-ConceptIdeen, Schritt-für-Schritt-Agenten und weitere kosten freie Hilfestellungen bereits vor Vertragsabschluss?
Diskurs 29Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen tekonzepte, Dateinamenskonventionen, volle ISO 19650Abbildung sowie Standards für Datensicherheit, volle DSGVO-Unterstützung und hohe Skalierbarkeit. Lediglich beim Redlining und bei der Office365-Integration sollten Sie genauer hinschauen. Diese Funktionen sollten Sie in ihren Katalog aufnehmen und auch sofort zu einem AKriterien umwandeln. Denn ohne diese Funktionen haben Sie keinen vollwerti gen Anbieter vor sich. Spannend wird es bei besonderen Funk tionen der Anbieter, die sich nur schwer in einen Kriterienkatalog abfragen lassen, durchaus aber die Entscheidung für oder gegen ein System beeinflussen können. Lassen Sie sich diese, wenn möglich, live vorstellen. Performance bei großen Modellen Grafischer Offline-FunktionalitätMobile 2D-/3D-DarstellungWorkflowdesignerlokalund mobil Anzeige von 2D/3D/360°/Punktewolken Navigation zwischen verschiedenen Plan-sichten Augmented Reality Einbindung künstlicher Premise-ModelljedochBeiüberPlattformenstrukturGeradeStellen2D-/3D-/4D-/5D-/6D-/7D-DarstellungenIntelligenzSiezudemoffeneFragenzurLeistungsfähigkeit.MaximaleDateigrößenzumUpload,DarstellungsgrenzenundLimitationenjeglicherArt.UnlimitiertgibtesbeikeinemAnbieter.UmfangderAPI-SchnittstelleundLeistungsfähigkeitinBezugaufAntwortzeiten.SystemanforderungenanDesktopBetriebssystem,MobileHardwareoderetwa360°-KamerasdieSystemanforderungensolltenmitihrerInfraübereinstimmen.DiemeistenAnbietervonCDE-sindalsSaaS-(SoftwareasaService)KonzeptdasInternetmiteinemaktuellenBrowsererreichbar.einemMultimodulanbieterkanndurchZukäufehieraucheinMixzwischendemSaaSunddemOn-(lokaleInstallationderSoftwareaufhaus
Lassen Sie sich die Release-Berichte der letzten Jahre zei gen und prüfen Sie den Innovationsdruck des Unterneh mens und des Produktes, das Sie einkaufen möchten. Las sen Sie sich das Entwicklungskonzept vorstellen und prü fen Sie hier besonders die Aktualität in Bezug auf neue Technologien. Die Roadmap des Anbieters ist hier ein gu tes Mittel. Vor allem die Roadmaps der letzten Jahre und wie die Umsetzung der geplanten Funktionen auch wirk lich stattgefunden hat. All diese Funktionen helfen Ihnen sich einen Ein druck über das vorliegende CDE-System zu bilden und idealerweise mit einem guten Bauchgefühl eine Entschei dung für das eine und gegen das andere System zu fällen. Eine Ressource sollten wir aber nicht vergessen: Die Anwender am Markt. Lassen Sie sich keine vordefinierten und geschönten Referenzen nennen, machen Sie sich Ihr eigenes Bild. Sprechen Sie mit Planern, Projektsteurern, Partnern und bewegen Sie sich auf Baustellen. Was wird dort verwendet oder sogar empfohlen? Was wird von den Personen täglich genutzt und wie fühlen sich die Teilnehmer und warum? Wird eher eine Top-Down Strategie des Anbie ters favorisiert und der Nutzer ignoriert oder ein Bottom-Up Ansatz gefahren, der die Überzeugung der Nutzer als Basis für die Entscheidung der Führungsebene heranzieht?
In diesem Zusammenhang sind drei Zahlen des CDEAnbieters absolut entscheidend: Wie viele Projekte werden je Monat im Schnitt neu er Wiestellt?hoch ist die gesamte aktive Nutzerzahl des Anbie Wieters?hat sich diese Nutzerzahl in den letzten Jahren ent Diesewickelt?Zahlen geben übergeordnet einen Zufriedenheits index wieder, der alle zuvor gestellten Fragen einschließt.
Diskurs 30 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen hier König oder doch eher nur möglichst schnell „zu er schließendes Potential“ ist. Ist das Unternehmen Eigentümer geführt oder wird es durch einen Finanzinvestor getrieben? Wie ist das Verhältnis von Programmierern und der Ad Istministrative?dasWachstum der letzten Jahre eher organisch oder anorganisch entstanden? Ganz entscheidend für eine langjährige zukünftige Part nerschaft: Wie viel wird in Entwicklung investiert oder geht doch viel des Gewinns an die Shareholder?
Denn Empfehlungsmarketing durch tiefe Überzeugung ist die beste Werbung, die es gibt. – vii –Fazit Wie lautet nun das Fazit aus dieser Betrachtung? Die Aus wahl eines CDE-Systems sollte weniger nach dem Preis er folgen, sondern idealerweise mit einer Teststellung sehr ge nau validiert werden. Achten Sie auf ein Gesamtbild, statt nur Funktionen zu sichten. Prüfen Sie den Innovationsdruck des Anbieters und bestätigen Sie diesen mit einem Rückblick der Innovationen der Vergangenheit. Prüfen Sie die Service qualität und Inklusivleistungen. Und am wichtigsten: Prüfen Sie das Marktbild, das der Anbieter aktuell hat und fragen Sie die Anwender statt die Führungsetage. Dann sollte die richtige Entscheidung in greifbarer Nähe liegen. Dirk Thiesen, Dalux Germany GmbH www.dalux.com Bild 6. In diesem Suchbild ist kein Fehler versteckt – wer findet ihn? (Fotos: Dalux) Bild 4. Vor den %-Zeichen: Platz für eigene Notizen
Bild 5. Ja, mach nur einen Plan! / Sei nur ein großes Licht! / Und mach dann noch’nen zweiten Plan / Gehn tun sie beide nicht. / Denn für dieses Leben … braucht der Mensch Plan C(DE)
Um das Potenzial der Digitalisierung voll aus schöpfen zu können, müs sen Unternehmen dafür sorgen, dass ihr Daten bestand nachhaltiger ge nutzt und gepflegt werden kann. Dabei steht der Ein satz von BIM im Mittel punkt der
– ii Building– Information Model Maintenance (BIMM) –Das Dilemma Effektives und kontinuierliches Datenmanagement ist ei ner der grundlegenden Vorteile von BIM und gleichzeitig eine große organisatorische und technologische Heraus forderung. Denn Datenverfügbarkeit, Datensouveränität und Langzeitpflege der Modelle müssen auch dann ge währleistet werden, wenn viele Softwareprodukte unter schiedlicher Hersteller im gleichen Projekt im Einsatz sind und sich Software und Modellziele im Laufe des langen Bauwerkslebenszyklus ändern.
Software 31Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen rung verursachen, ohne dass sie in Erkenntnisse oder in Unternehmenser folg umgewandelt werden.
Auf allen politischen Ebenen steigt aktuell der Druck auf Inves toren, Bauherren und Planer, Gebäude zu entwickeln, die an den Nachhaltigkeitszielen der UN ausgerichtet sind. – Eine so arge wie bekannte Zahl: Das Bauen und Betreiben von Bauwerken verursacht weltweit über 40 % der klimaschädlichen CO2-Emis sionen. Daher zielen neue politische Rahmenbedingungen wie beispielsweise die aktuelle Taxonomie-Verordnung der EU, die CO2-Bepreisung oder die Bundesförderung für effiziente Ge bäude (BEG) darauf ab, die Ökobilanz von Bauprojekten zu ver bessern und gleichzeitig den Energieverbrauch in der Betriebs phase zu reduzieren. Ganzheitliche Bewertungsansätze zur Nachhaltigkeit wie die Environmental Social Governance (ESG) bilden die Grundlage dafür, ob und wie die Unternehmensführung ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte beach ten sollte.
Die Herausforderungen bei der Transformation der Immo bilienwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit sind enorm und vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sowie der ambitionierten Klimaziele nur in Verbindung mit der Digitalisierung zu bewältigen. Dabei rückt auch das Daten management im Bauwerkslebenszyklus in den Fokus des Interesses. Vielen Unternehmen der Immobilienbranche ist es nicht bewusst, wie viele Daten sie täglich erfassen oder wie sie diese besser nutzen können. Es wird geschätzt, dass es sich bei 70–90 % der von Unternehmen erfassten Daten um „dunkle Daten“ handelt. Das sind Daten, die unnötige Energiekosten für die Übertragung und Speiche Green CDE: Common Data Environment-Technologie für ein nachhaltiges Datenmanagement Bild 1. Es wird geschätzt, dass es sich bei 70–90 % der von Unternehmen erfassten Daten um „dunkle Daten“ handelt. Das sind Daten, die unnötige Energiekosten für die Übertra gung und Speicherung verursachen, ohne dass sie in Erkenntnisse oder in Unterneh menserfolg umgewandelt werden.
– i Ökologische– Transformation in der Baubranche
Informationenligtecher,Recycling.hindersamtenBeteiligtendieBIM-ModelleBetrachtung.verbessernKommunikationallerüberdengeLebenszyklus–vonVorentwurfsphasebiszuBau,BetriebundSiestellensidassalleProjektbeteiimmeraufgenaudiezugreifen können, die sie benötigen, um kompetent zu handeln und – im Sinne der Nachhaltigkeit – gute Entscheidungen zu treffen. Das ist ein großer Vorteil, vor al lem, weil bei der Ent wicklung von ergono mischen, teilfliktebäudenzeitiglanglebigenökologischen,undgleichbezahlbarenGeneueZielkonzusteuernsind.EinweitererVorvonBIMistdieMaschinenlesbarkeit der Daten. Im Gegensatz zu 2D-Plänen sind Informationen in BIM-Mo dellen hoch strukturiert. Einmal erstellt, können sie über den gesamten Bauwerkslebenszyklus hinweg vielfältig ge nutzt werden.
Die herstellerneutrale IFC-Schnittstelle ermöglicht den file basierten Upload von Fachmodellen aus jeder BIM-Soft ware in die Cloud. Die leistungsfähige und moderne Pro grammierschnittstelle (Rest API) erlaubt Anwender:innen die Nutzung der Datenbank auf vielfältige Weise mit unter schiedlichen Softwareprodukten. Software und Cloud-Ser vices lassen sich direkt mit der Datenbank verbinden, um Modelle neu zu strukturieren, zu analysieren, mit Informa tion anzureichern oder mit externen Datenquellen zu ver linken. Dazu kann beispielsweise Excel genutzt werden oder die Facility-Management-Lösungen von Spacewell. Die BIM-Datenbank optimiert Planungsprozesse durch ein effizientes Revisionsmanagement. Müssen bei den alten filebasierten CDEs zur Aktualisierung ganze Ge bäudemodelle ausgetauscht werden, können mit Hilfe der BIM-Datenbank gezielt einzelne Bauteile oder Attribute ergänzt und gepflegt werden. Ein integriertes Prozessma nagement nach ISO 19650 ermöglicht ein fein abgestimm tes Freigabemanagement und bietet ein Koordinationsmo dell, das jedem Planungsbeteiligten die für ihn relevanten Informationen liefert. In Bimplus entsteht kein weiteres Bild 3. Nach den mehrfach schnellsten Kapseln für die Röhre baut das Team von TUM Hyperloop nun einen Prototyp in Echtgröße. (Abb./Fotos: 1 iStock; 2 Lattke Architekten; 3 TUM München)
Bild 2. 3D-Modell einer Turnhalle, Gymnasium in Marktoberdorf, Bayern.
In der Annahme, dass BIM-Modelle nach dem IFC-Export nicht mehr bearbeitbar sind und die BIM-Anwendungsfälle in den fol genden 50 Jahren noch unbekannt sind, wird vom Bauherrn in der Planungsphase heute eine irrational hohe Informationstiefe verlangt und trotzdem verlieren ungepflegte OPEN-BIM-Modelle mit der Zeit ihre Aktu alität und ihren Wert.
Software 32 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
Dabei steht die gesamte Baubranche vor einem Di lemma: Setzt sie beim Datenmanagement auf Closed BIM, also auf die Nutzung herstellerspezifischer Dateiformate, kann sie die Bauwerksmodelle kurzfristig verlustfrei pfle gen. Dafür benötigt sie für jedes Modell spezifische Soft ware und Experten, die diese bedienen können. Sie ist ge fangen in den vielen Datensilos der Softwarehersteller und bekommt keinerlei Garantien, dass auf lange Sicht eine Pflege der Daten gewährleistet ist. Setzt sie auf OPEN BIM, also auf die Nut zung herstellerneutra ler Datenformate wie IFC, ist der langfristige Zugriff auf die Modelle garantiert. Datenhal tung und Datenver arbeitung sind profes sionell getrennt. In der Annahme, dass BIMModelle nach dem IFCExport nicht mehr bearbeitbar sind und die BIM-Anwen dungsfälle in den folgenden 50 Jahren noch unbekannt sind, wird vom Bauherrn in der Planungsphase heute eine irrational hohe Informationstiefe verlangt und trotzdem verlieren ungepflegte OPEN-BIM-Modelle mit der Zeit ihre Aktualität und ihren Wert.
– iii –Next Level BIM – objektbasierte BIM-Datenbanken für den Digitalen Zwilling Neueste CDE-Technologie löst das „BIMM-Dilemma“ und stellt zudem sicher, dass die Daten lange verfügbar sind und maximalen Mehrwert entfalten. Mit Bimplus hat ALL PLAN eine cloudbasierte Plattform entwickelt, die im Be reich des Modell-Managements bereits heute eine Techno logie bereitstellt, die über das Konzept klassischer CDEs nach DIN Spec 91391 hinausgeht. Technologische Grund lage für die Plattform bildet eine Projektdatenbank, mit der geometrische und alphanumerische Informationen aller Einzelkomponenten des Bauwerks verwaltet werden. Das hochstrukturierte Datenmodell gewährleistet langfristig und höchste Datenqualität. Es ermöglicht ein performan
tes und dynamisches Informationsmanagement für trans parente und reibungslose BIM-Prozesse – auch bei großen und hochattribuierten BIM-Modellen mit einer Vielzahl an Modellrevisionen.Durchdiezentrale Koordination und Visualisierung ergeben sich neben einer erhöhten Planungsqualität auch eine bessere Zusammenarbeit auf der Baustelle sowie um fassende Auswertungsmöglichkeiten, etwa zur Mengener mittlung oder der Bauzeitenplanung. Über ein integriertes Issue-Management werden Aufgaben modellbasiert lokali siert, beschrieben, verwaltet und transparent kommuni ziert. Das erleichtert das Beheben von Planungsfehlern und Baumängeln. Ergänzende Informationen wie Pläne, Fotos und Dokumente können revisionssicher verwaltet, mit den Gebäudekomponenten verlinkt und dokumentiert freigegeben werden. – iv Systemoffenheit– garantiert den Werterhalt der Bauwerksmodelle
Software 33Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
G. Gaganelis, P. Mark, P. Forman Optimization Aided ReinforcedDesign Concrete 2022 · 184 pages · 200 figures · 6 tables Softcover ISBN 978-3-433-03337-1 € 69* eBundle (Softcover + ePDF) ISBN 978-3-433-03338-8 € 99* Georgios Gaganelis, Peter Mark, Patrick Forman Optimization Aided Design Reinforced Concrete numerous examples e.g. columns, beams, deep beams, corbels, cantilevers, frame corners, pylons, parabolic trough solar collectors, fiber reinforced concrete the book is suitable for graduates, young professionals and for teaching & research useful introduction to optimization methods for practicing engineers Reinforced concrete is the dominating building material and contributes to resource consump tion and climate change. The book provides design methods for minimal material use in its outer and inner shape. Numerous examples illustrate the application in theory and practice. ORDER +49 (0)30 470 marketing@ernst-und-sohn.de31–236 www.ernst-und-sohn.de/en/3337 * All book prices inclusive VAT. 1396.indd 15 26.04.2022 13:27:33
Langzeitnutzbarkeit und Datensouveränität von Bauwerksdaten werden zum zentralen Erfolgsfaktor für Unternehmen der Baubranche, die den Wert ihres Datenschatzes erkennen und nutzen wollen. Dabei setzen führende Unternehmen auf smarte OPENBIM- Lösungen in der Cloud. Die Entscheidung für Bimplus ist nicht nur der Beginn einer neuen Form der ortsungebundenen modellbasierten Zusammenarbeit, sondern die Geburtsstunde eines zukunftsfähigen Digitalen Zwillings, der hilft, Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit von Gebäuden über den gesamten Bauwerkslebenszyklus hinweg sicherzustellen.
Langzeitnutzbarkeit und Datensouveränität von Bauwerksdaten werden zum zentralen Erfolgsfaktor für Unternehmen der Baubranche, die den Wert ihres Datenschatzes erkennen und nutzen wollen.
Stefan Kaufmann, Product Manager BIM and New Technologies, ALLPLAN www.allplan.com
Das gilt auch für Bauwerke der Infrastruktur. Nachhaltige Mobilität ist nur möglich, wenn die Industrie hoch innovative Technologie zuliefern. Bereits bei der aktuell laufenden Entwicklung des 1:1-Prototypen der vakuumierten Tunnelröhre des Hyperloops setzen die Expert:innen der Technischen Universität München (TUM) München auf BIM. portfürHyperloop-TechnologieSolltedenPersonentrans-einesTagesRealität werden, sind Reisegeschwindigkeiten von bis zu 1000 km/h bei einem Energieverbrauch möglich, der nur die Hälfte von Hochgeschwindigkeitszügen beträgt.
Sollte Hyperloop-Technologie für den Personentransport eines Tages Realität werden, sind Reisegeschwindigkeiten von bis zu 1000 km/h bei einem Energieverbrauch möglich, der nur die Hälfte von Hochgeschwindigkeitszügen beträgt.
für eine nachhaltige gebaute Umwelt
Datensilo. Ein Export von Modellen als IFC-File ist jederzeit möglich. – v Datenmanagement–
3. AWARO beansprucht einen USP in Sachen Projektorgani sation für sich. Wollen Sie das unseren Lesern ein wenig ausführen?
Ich bin sehr froh darüber, dass sich durch BIM ein gemeinsames Verständnis digitaler und durchgängiger Ar beitsmethoden und der damit verbundenen Vorteile her ausgebildet hat. In den Startlöchern steht mit OpenCDE übrigens nun ein Standard zur Kommunikation mit und zwischen CDE der verschiedenen Anbieter.
„Es geht um vielmehr, als ein einfaches Usermanagement mit der Vergabe von Logins“ 7 Fragen an Dr. Christian Müller, Bereichsleitung Collaboration Solutions, AWARO
Dr. Christian Müller
1988–1994 Diplomstudium der Elektrotechnik am KIT Karlsruhe 1995–1999 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für in dustrielle Bauproduktion (ifib) der Architekturfakul tät am KIT und Leiter des Softwarelabors „Bau“ 1999 Promotion zum Thema „Virtueller Projektraum“ am ifib 2000 Mitgründer und Geschäftsführer der kopsis GmbH; Entwicklung des Projektraums „projectSphere“ 2003–2006 Mitgründer und Geschäftsführer der AWARO GmbH; Entwicklung der nächsten Projektraumge neration „AWARO“ seit 2007 Geschäftsbereichsleiter „Collaboration Solutions“ nach Übernahme des AWARO Portfolios durch die AirITSystems GmbH
Software 34 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
Konzept digitaler Projekträume maßgeblich mitgeprägt.
Damals war der Begriff „CDE“ noch gänzlich unbekannt, man sprach von „Projekträumen“ oder „PKMS“. Daher heißt unsere CDE-Lösung übrigens immer noch AWARO | Projektraum. Von daher darf ich mich also durchaus als Pionier beim Thema CDE betrachten.
Im Prinzip geht es darum, das für ein Projekt so wichtige Projektorganigramm, d. h. die Aufbauorganisation mit den 1. Herr Müller, wie „common“ stellt sich Ihnen ein Data Environment dar, ohne die notorische eierlegende Wollmilchsau zu sein? „Common“, wörtlich übersetzt, bedeutet ja „gemeinsam“ und das betont den kollaborativen Charakter der Software. Dies bedeutet aber nicht, dass ein Common Data Environ ment alles kann oder alle Funktionalitäten in sich vereinen muss.In einer BIM-Systemlandschaft unterscheidet man ja prinzipiell unterschiedliche Klassen von Tools. Zum einen sind da die Autorenwerkzeuge, sprich die CAD-Software, um die Modelle zu erzeugen. Zum anderen braucht man im BIM-Kontext Tools für die Qualitätssicherung. Hierbei spielen Modelchecker, wie z. B. Solibri zur Kollisionsüber prüfung eine zentrale Rolle. Dann gibt es noch zahlreiche spezialisierte Analyse-und Simulationsanwendungen, die für sinnvolle Auswer tungen wie z. B. von Kosten oder Bauabläu fen genutzt werden. Um einen reibungslo sen allsicherzustellen,InformationsflussmüssendieseAnwendungen Daten teilen. Diese werden von ganz unterschiedlichen Projektbeteiligten („Stakeholdern“) erstellt, verändert oder genutzt. Genau das sollte m. E. der funktionale Fokus ei ner CDE sein: ein kollaboratives Informationsmanage ment, die Unterstützung digitaler Workflows und idealer weise offene Schnittstellen, um einen einfachen und fehler toleranten Datenaustausch innerhalb der oben genannten Systemlandschaft zu unterstützen. Das macht aber auch klar, dass die Anforderungen an ein CDE viel höher sind als an eine der üblichen Dateiaus tauschplattformen wie Sharepoint, Cloudspeicher etc. 2. 1999 war selbst BIM für den Bau noch beinah Neuland, als Sie bereits über das Thema CDE promovierten. Was führte sie dazu und wie sehen Sie die Entwicklung des Themas seither? Tatsächlich war es mein Interesse an Architektur, das mich als Fachfremder – ich habe Elektrotechnik mit Schwer punkt Informationsverarbeitung studiert – an das damalige Institut für industrielle Bauproduktion am heutigen KIT in Karlsruhe geführt hat. Das Team um Prof. Kohler beschäf tigte sich sowohl mit der Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden als auch mit dem Thema einer integralen und vernetzten Planung. Man erkennt hier deutlich schon die wesentlichen Aspekte, für die sich in den Jahren danach der Begriff BIM als umfassende Methode etabliert hat. Im Rahmen meiner Promotion habe ich untersucht, wie wich tig Plattformen zur computerunterstützten Zusammenar beit für die integrale Planung in Bauprojekten sind und das „Common“, wörtlich übersetzt, bedeutet ja „gemeinsam“ und das betont den kollabo rativen Charakter der Software. Dies be deutet aber nicht, dass ein Common Data Environment alles kann oder alle Funktio nalitäten in sich vereinen muss.
Also übrigens auch Frau Richter, die mittlerweile das Pla Im Prinzip geht es darum, das für ein Pro jekt so wichtige Projektorganigramm, d. h. die Aufbauorganisation mit den verschie denen Funktionen wie z. B. Projektleitung, Controlling, Teilprojektleitung TGA oder Construction Management, nutzbringend in ein CDE zu transformieren. nungsteam der Architektur verstärkt hat, was der TGAPlaner aber noch nicht wusste. Die Vergabe der Lesebe rechtigung für die bereitgestellten Pläne erfolgt funktional, d. h. für die Funktion „Planung Archi tektur“. Dies bedeutet, dass selbst in späteren Projektphasen hinzukom mende Architekten automatisch Zugriff auf die für sie gelieferten Pläne haben.
Ich bin sehr froh darüber, dass sich durch BIM ein gemeinsames Verständnis digita ler und durchgängiger Arbeitsmethoden und der damit verbundenen Vorteile her ausgebildet hat.
Bild 1. OpenBIM Systemlandschaft mit AWARO als CDE
Um sich das besser vorstellen zu können, möchte ich Ihnen ein kleines Beispiel für das „funktionale Arbeiten“ geben: Stellt der TGA-Planer in AWARO Pläne bereit, so schickt er diese nicht persönlich an die ihm aktuell be kannten User Frau Mayer und Herrn Schmidt des Archi tekturbüros, sondern an die Funktion „Pla nung Architektur“, die er intuitiv über das Or ganigramm auswählt. Was bedeutet das nun? Alle User der Funktion „Planung Architektur“ werden zunächst auto matisch benachrichtigt und haben in ihrer Funktion Zu griff auf die Benachrichtigung in der Inbox der Funktion.
Software 35Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen verschiedenen Funktionen wie z. B. Projektleitung, Con trolling, Teilprojektleitung TGA oder Construction Ma nagement, nutzbringend in ein CDE zu transformieren.
In AWARO bilden wir diese Funk tionen inklusive der entsprechenden Systemprivilegien als explizite Ele mente im System ab und bauen sie in einem übersichtlichen, hierarchischen Organigramm zusammen. Über diese Funktionen steuern wir, wer welche Funktionalität/Module in der CDE nutzen darf (Sys temprivilegien). Sie dienen als Bezugssystem für die Be rechtigungsvergabe, sind aber auch die wichtigsten adres sierbaren Einheiten für Kommunikationsvorgänge oder Prozessschritte in Workflows. Jeder Projektbeteiligte, d. h. jeder CDE-User, wird dann einer Funktion zugeordnet und arbeitet damit im System zuverlässig gemäß seiner im Pro jekthandbuch definierten Rolle.
Ich könnte Ihnen an dieser Stelle noch viele weitere konkrete Vorteile für das Arbeiten mit Funktionen erläutern. Es ist mir aber wichtig, noch auf die methodische Dimension unseres Funktionskonzeptes hinzuweisen. Denn es fördert schon beim Setup eine intensive Beschäftigung mit den Rollen und den Anforderungen der verschiedenen Stakeholder im Projekt. Nur wenn sie diese kennen und adäquat umset zen, bekommen sie ein CDE, dass auch für alle Nutzen generiert und eine hinreichende Akzeptanz erfährt. Es geht also um viel mehr als ein einfaches Usermanagement mit der Vergabe von Logins.
4. Das Thema der Einbettung in die Arbeitsumgebung dürfte Erz- und Kardinalthema sein: Wie handhaben Sie das bei AWARO?
Da haben Sie absolut Recht! Der Trend und die Erwartung gehen ganz klar in Richtung Interoperabilität und Integra tion. Die verschiedenen Tools sollen, wo sinnvoll, auf tech nischer Ebene Daten austauchen und so durchgängige di gitale Workflows ohne Medienbrüche erlauben. Daher haben wir bei AWARO von Anfang an auf ein durchgehen des und offenes Schnittstellenkonzept gesetzt, das wir üb rigens auch selbst konsequent für unser Webinterface oder die Mobilversion nutzen. Beim Thema Integration verfol gen wir mehrere Ansätze.
Software 36 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
Zum einen geht es um die Einbindung marktführen der Cloud-Anwendungen, denn nicht erst seit COVID 19 heißt es in vielen großen und kleinen Unternehmen „cloud first“.Konkrete Beispiele in AWARO sind hierfür Cloudspei cher wie Microsoft OneDrive oder Google Drive, die immer mehr die Speicherung auf Netzlaufwerken ablösen. Darü ber hinaus haben wir „Microsoft Office für das Web“ in unser Dokumentenmanagement integriert, so dass man in AWARO direkt und 100 % cloudbasiert Dokumente bear beiten und versionieren kann. So wie man es eben auch von Teams kennt. Und wenn sie eine rechtssichere Unterschrift für ein Dokument be nötigen, fordern Sie aus AWARO heraus direkt eine digitale Sig natur über die E Signa ture Plattform „Docu Sign“ an, wobei nach erfolgreicher Unter zeichnung das schriftsexemplarUnterautomatisch und zuverlässig wieder in AWARO abgelegt und verknüpft wird. Zum anderen geht es um BIM spezifische Aspekte. Hier positionieren wir uns bei AWARO ganz klar als Un terstützer einer OpenBIM Strategie. Daher spielen die of fenen und vom buildingSMART standardisierten Formate eine zentrale Rolle. Neben IFC ist vor allem das BIM Col laboration Format „BCF“ und die zugehörige API wichtig, um im Bereich eines modellbasierten Issuetrackings einen reibungslosen digitalen Workflow mit Modelcheckern zu etablieren.Unser Bekenntnis zu offenen Standards schließt aber explizit nicht aus, dass wir dort, wo es einen Mehrwert schafft, auch den ein oder anderen Closed BIM Marktfüh Bild 3. Durchgängiges Schnittstellenkonzept von AWARO mit Anbindung an viele Apps Bild 2. Gefilterte Ansicht mit einzelnen BCF Issues in AWARO
Der Trend und die Erwartung gehen ganz klar in Richtung Interoperabilität und Inte gration. Die verschiedenen Tools sollen, wo sinnvoll, auf technischer Ebene Daten austauchen und so durchgängige digitale Workflows ohne Medienbrüche erlauben.
Software 37Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen rer in AWARO integrieren. Sie sehen, Integration ist und bleibt auch in Zukunft für unsere AWARO CDE ein be stimmendes Thema. 5. Open CDE hat nach Ihrer Einschätzung noch keine Rele vanz am Markt. Was muss passieren, damit sich das ändert? Zunächst einmal muss man festhalten, dass Teile von open CDE – wie z. B. BCFAPI – bereits heute etabliert sind und funktionieren. Wichtige Erweiterungen zum Zugriff auf Dokumente sind aber noch in einem frühen Proto typenstatus. Dies bedeutet, dass noch im Detail gearbeitet werden muss, um auch alle sinnvollen UseCa ses abdecken zu kön nen. Wie man beispiels weise bei BCF gut se hen konnte, dauert es oft Jahre, bis ein Stan dard eine signifikante Relevanz erlangt. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass eine Verbreitung erst richtig Fahrt aufnimmt, wenn es eine kritische Masse an kompatiblen Anwendungen gibt. Bausoftwareanbieter müssen also erst einmal „strate gisch“ in Entwicklung investieren, ohne dass in der Praxis aufgrund von nur wenigen kompatiblen Pendants ausrei chend Mehrwerte geschaffen werden. Von diesen „FirstMovern“ gibt es leider nicht sehr viele. Ich bin optimistisch, dass sich auch open CDE am Ende durchsetzen wird. Die Vor teile offener Standards sind weitgehend bekannt und liegen gerade für die hetero gene, stark segmentierte und projektorien tiert arbeitende Bauindustrie mehr als auf der Hand.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch ein unterneh menspolitischer. Proprietäre Standards, insbesondere wenn es de facto-Standards sind, bringen die entsprechen den Unternehmen in eine bessere Wettbewerbssituation und eine enge Kundenbindung, schlicht durch die fehlende Möglichkeit einer im Aufwand vertretbaren Migration zu einem anderen Anbieter. Und nebenbei lässt sich so auch Bild 4. Anbindung von AWARO an Solibri über den BCF Live Connector (Abb.: AWARO)
Berufsportal mit Stellenmarkt für Bauingenieure [seit 2001] Marc Olscher, Bauingenieur „Interessante Jobangebote finde ich im Stellenmarkt von bauingenieur24.“
Daher begreifen wir AWARO als integriertes Lösungs angebot, bei dem wir uns auch über ein umfassendes Ser Benutzerfreundlichkeit ist ja nicht nur eine Frage von Softwareergonomie, sondern hat entscheidend auch etwas mit gutem und nachvollziehbaren Setup der Plattform zu tun. viceangebot und unser Know-how dafür verantwortlich fühlen, echte Mehrwerte für alle Stakeholder zu schaffen.
6. Das Wort „Lösung“ ist allzu leicht PR-Sprech. Wie verstehen Sie es im Gegensatz dazu? Vieles beim Thema BIM wird m. E. zu sehr auf eine tech nologische Sichtweise verengt. Natürlich geht es um Mög lichkeiten und Fähigkeiten – sprich Features. Es wird aber oft vergessen, dass man die PS auch auf die Straße bringen muss, um den entsprechenden Nutzen zu generieren. Und das ist gerade für ein BIM CDE aus verschie denen Gründen beson ders Projekteherausfordernd.werden von immer neuen und teils sehr großen Pro jektteams in heterogenen Tool-Landschaften bearbeitet.
Software 38 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
das eigene Produktportfolio besser vermarkten – Stichwort „ClosedAberBIM“.ichbin optimistisch, dass sich auch openCDE am Ende durchsetzen wird. Die Vorteile offener Standards sind weitgehend bekannt und liegen gerade für die hetero gene, stark segmentierte und projektorientiert arbeitende Bauindustrie mehr als auf der Hand.
7. Sie begreifen sich mit AWARO als „Fachplaner für Informationsmanagement“ und plädieren dafür, ins jeweilige Projekt aufgenommen zu werden. Wie sieht das praktisch aus? Die Einbindung ins Projekt ist insbesondere zu Beginn sehr intensiv. Hier arbeiten wir schwerpunktmäßig im Team mit dem Projektmanagement, dem BIM-Manage ment aber auch den BIM-Koordinatoren zusammen. Das Ziel in dieser Phase ist es, wie bereits erwähnt, die Anfor derungen und BIM-Anwendungsfälle zu verstehen und über CDE-Anwendungsfälle zu unterstützen. Dadurch, dass wir den Funktionsumfang von AWARO bis ins Detail kennen, aber auch auf Erfahrung aus vielen Best-Practices zurückgreifen können, bringen wir uns aktiv an der Gestal tung von Strukturen und Prozessen mit ein. Bei großen Enterprise Kunden geht es hier auch oft noch um die Ent wicklung von Projektstandards. Jedes Projekt hat übrigens einen festen AWARO-Berater. Das fördert die Teamarbeit und stellt die Kontinuität und den Wissenstransfer sicher. Steht das Basissetup, erfolgt ein Roll out der CDE über Schulungen und/oder Einführungsworkshops. Bei großen Kunden bilden wir oft auch sogenannte „PowerUser“ aus. Diese unterstützen das Projektteam auftragge berseitig über Qualitätssicherung und Administrationsauf gaben.Kommen während der Projektlaufzeit neue Stakehol der oder neue Anforderungen hinzu – die insbesondere bei Phasenwechseln entstehen –, so werden diese wieder im bewährten Team analysiert, bearbeitet und umgesetzt. Zu nehmende Bedeutung erhalten hier auch technische Inte grationsthemen: Hierbei geht es um die Integration von AWARO in eine Systemlandschaft. Und nicht zu verges sen: die Anforderungen an die Übergabe der Daten nach Projektabschluss. Entweder in ein Kundensystem oder eine integrierte Übernahme in unsere Bestandsdatenraum lösung AWARO | Life Cycle. Sie sehen, wir sind eigentlich bis zum Ende des Pro jektes mit dabei. Und manchmal auch darüber hinaus. www.awaro.com
Übliche Strategien zum kontinuierlichen Aufbau einer tragfähigen gemeinsamen CDE bezogenen Wissens- und Erfahrungsbasis, wie sie beispielsweise für CAD-Anwen dungen im Unternehmen praktiziert wird, fallen damit flach.Um sich an die verschiedenen Projektanforderungen (organisatorisch wie auch technologisch) anpassen zu kön nen, müssen CDEs von Hause aus sehr flexible und hoch konfigurierbare Werkzeuge sein – wenn sie so wollen eine Art „Baukasten“. Von der Qualität, wie sie organisatori sche Vorgaben und Prozesse in der CDE-Plattform umset zen, hängt entscheidend der Nutzen aber auch die Akzep tanz der Teilnehmer ab. Denn Benutzerfreundlichkeit ist ja nicht nur eine Frage von Softwareergonomie, sondern hat entscheidend auch etwas mit gutem und nachvollzieh baren Setup der Plattform zu tun. In der BIM-Methode spricht man hier vom Design und der Umsetzung von „CDE Anwendungsfällen“.
Wie sie vielleicht erahnen, eine durchaus sehr anspruchsvolle Aufgabe.
Und spätestens seit dem Pariser Klima-Abkommen vor sieben Jahren, wissen wir, dass gerade auch auf unsere Branchen er hebliche Anstrengungen für einen besseren Klimaschutz zu kommen. Wer aber hat vor drei Jahren mit COVID 19 gerech net – und vor allem jetzt mit einem Krieg in Europa? Und so sprechen wir nun auch über unterbrochene Lieferketten und In flation mit explodierenden Kosten für Baumaterialien, Benzin und BIMEnergie.istnicht das Problem, sondern Teil der Lösung Gleichzeitig erleben wir aber auch eine Fülle von Entwick lungen aus der Dynamik der Digitalisierung heraus. Ganz gleich, ob neue Produkte und Methoden, neue Technolo gien in IT, IoT, VR, AR, Robotik oder KI – wer etwa die digitalBAU in Köln besuchte, konnte sich von dem groß artigen Einfallsreichtum der Ingenieure, Architekten, Bau unternehmer, Dienstleister, Wissenschaftler, Entwickler und IT-Anbieter selbst überzeugen. Eines wurde allerdings ebenfalls deutlich: Die weiter wachsende Komplexität der Aufgaben und Projekte wer den die Beteiligten nicht länger allein in den Griff bekom men: Zur Lösung der Probleme und einer besseren Wett bewerbsfähigkeit gehört vernetztes Denken und Handeln dazu. Eine frühzeitige Zusammenarbeit und eine verbes serte Kommunikation bilden die grundlegende Vorausset zung für den Erfolg. Gerade in der stark fragmentierten Bauwirtschaft führen Silos von Fachbereichen und Ein zelthemen in eine Sackgasse. Und eben hier ist BIM nicht das Problem, sondern Teil der Lösung. Denn das wichtigste Nutzen versprechen von BIM liegt in der kollaborati ven, konstruktiven Zu sammenarbeit entlang eines durchgängigen digitalen Datenmanagement im ge samten Immobilien- Lebenszyklus – bis zum Rückbau und zur Wiederverwendung von Ressourcen.
Mike Riegler, Geschäftsführer, PMG Projektraum Management GmbH
Durch ESG und Taxonomie gewinnt das durchge hende digitale Datenmanagement auch aus Investoren sicht rasant an Bedeutung. Wer nachhaltig investieren möchte oder muss, der benötigt Datentransparenz. Um nur auf die ökologische Dimension einzugehen: Energiever bräuche zu analysieren, entsprechende Maßnahmen zur Reduktion einzuleiten und zu überwachen – das erfordert eine Vielzahl von Daten und deren Analyse. Die daraus erwachsende Komplexität ist so hoch, dass sie sich mit bis Jede Zeit hat ihre eige nen 10temangelszunehmendenDiechenTransformationkeitenÜbereindarstellt,diesemwirtschaftBau-chenteilnehmernchesgen.HerausforderunDasSzenario,wel-sichdenBranderundImmobilien-jedochinSommer2022istallerdingssehrspezielles:dieNotwendigderdigitalensprewirseit20Jahren.FolgendesweiterFachkräfwerdenseitJahrendiskutiert.
Software 39Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen BIM ist das Mindset – Daten sind die DNA So viel zum BIM-Nutzenversprechen. Wo aber steht die Branche im Jahr Sieben nach Veröffentlichung des Digita len Stufenplans, der seinerzeit zweifelsfrei einen ersten BIM-Hype ausgelöst hatte? Weiter, als gemeinhin ange nommen wird. BIM lehrt uns ein Mindset, wie Daniel Mondino, BIM-Pionier, Mitverfasser des Stufenplans und Geschäftsführer im Planungsbüro CORE Digital Enginee ring, es unlängst auf den Punkt brachte. Die Projekt- und Objektdaten aber sind die DNA. Mit dem richtigen Mind set kriegen wir auch die Daten in den Griff. Haben wir erst die Daten, lösen wir auch die Herausforderungen.
Und was dazu in den zurückliegenden Jahren geleistet wurde, ist beachtlich: Es sind vor allem die Verbände und auch Vereine, wie etwa buildingSMART oder DIN – um nur Zwei zu nennen – deren Arbeit für einen standardisier ten Datenaustausch gar nicht hoch genug einge schätzt werden kann. Und ihr Verdienst: Nie mand muss heute noch länger auf ein kollaboratives Arbeiten warten, weil ihm Standards fehlten. Auch wenn noch verschiedentlich Wor karounds erforderlich sind und Lücken bestehen – wie etwa bei der TGA oder beim Übergang vom Bau in den Betrieb: Eine Ausrede lässt sich für die Unwilligen daraus nicht länger ableiten. Datenkollaboration und Mehrwert Im vernetzen Planen, Bauen und Betreiben mit vielen Be teiligten ist der Austausch von Informationen über stan dardisierte Schnittstellen und mit einheitlichen Attributen wesentlich für Wirtschaftlichkeit, Projekt- und Produktqua lität. Durch die geregelte Weiterverwendung von bereits generierten Daten können in der Wertschöpfungskette Bau Ressourcen geschont und die Wirtschaftlichkeit er höht werden. Wenn alle einmal für das Projekt erfasste Daten durchgängig nutzbar gemacht werden, können auch Doppel- und Mehrfacherfassung vermieden, der Verwen dung veralteter Plandaten vorgebeugt und Konflikte redu ziert werden. Das digital erzeugte Bauwerk kann als Pro dukt bereits in der Planungsphase frühzeitig perfektioniert werden, bevor auf der Baustelle Fakten geschaffen werden.
GASTKOMMENTAR : CDE – das IT-Fundament für BIM und Daten
Gerade in der stark fragmentierten Bau wirtschaft führen Silos von Fachbereichen und Einzelthemen in eine Sackgasse. Und eben hier ist BIM nicht das Problem, son dern Teil der Lösung.
Niemand muss heute noch länger auf ein kollaboratives Arbeiten warten, weil ihm Standards fehlten. Auch wenn noch ver schiedentlich Workarounds erforderlich sind und Lücken bestehen – wie etwa bei der TGA oder beim Übergang vom Bau in den Betrieb: Eine Ausrede lässt sich für die Unwilligen daraus nicht länger ableiten.
2. Datenaktualität und -qualität sind Voraussetzung, damit eine CDE gerade auch in komplexen Projekten als die ein zige Wahrheitsquelle fungieren kann. Diese können in ei nem kollaborativen Zusammenarbeiten ganz unterschied licher beteiligter Firmen aber nur schwer verordnet wer den. Die Plattform muss daher nicht nur leicht zugänglich und bedienbar sein, sondern auch als vertrauensvolle Lö sung erfahren werden, in die man gerne hineinarbeitet.
Dass sich diese Sonderausgabe ganz dem Thema CDE widmet, hat vor diesem Hintergrund einen sehr guten Grund: Denn CDE bildet die Basis in jeder IT-Ziel-Land schaft, in einer CDE kann sich das BIM-Nutzenverspre chen erfüllen. Natürlich muss dafür eine Reihe von Vor aussetzungen erfüllt sein. Welche das sind, wird ideal be schrieben in der DIN SPEC 91391: In deren ersten Teil etwa geht es um die Module und Funktionen. Mindestum fang und Zusatzfunktionalitäten werden beschrieben und ein Überblick über Anwendungsfälle gegeben. Im zweiten Teil wird das ebenso bedeutende Schnittstellenkonzept für den Datenaustausch in offenen BIM-Projekten – Open BIM – dargestellt. Schließlich müssen unterschiedliche Softwarelösungen angebunden und ein reibungsloser und sicherer Datenaustausch zwischen verschiedenen Plattfor men angestrebt werden. Drei maßgebliche Anforderungen an ein CDE
mit kollaborativen Arbeiten und vernetzen digitalen Da tenmanagement seit bald 25 Jahren. Aus dieser Perspektive heraus halte ich drei Aspekte für einen erfolgreichen Ein satz von CDE für maßgeblich:
Neben diesen beschriebenen Anforderungen ist aber auch die Erfahrung von CDE-Anbietern von nicht unerhebli cher Bedeutung – bzw. die der Anwender, die ja immer neu in die Weiterentwicklungen einfließen. Wir befassen uns
Die kluge Verbesserung analoger Prozesse und ihre Trans formation in digitale Workflows sind der Schlüssel für Ef fizienzgewinn. Neben der Verfügbarkeit der daraus resul tierenden Daten ist die Datenqualität entscheidend – auch, um Prozesse zu automatisieren und maschinenlesbar ma chen zu können. Erst wenn die Datenanalyse nicht länger eine Black Box darstellt, können relevante Entscheidun gen gezielter getroffen werden.
herigen Ansätzen nicht lösen lässt. Das gilt umso mehr, wenn man bedenkt, dass es nicht mehr genügen wird, un ternehmenseigene Daten auszuwerten. Datenkollabora tion wird erfolgsentscheidend sein, um Mehrwerte zu ge nerieren – auch weit über sichvongentümeraspekteNachhaltigkeitshinaus.FürEischonlangeBedeutungwirkenunvollständigeDa ten und mangelnde Datenqualität auch bei einer etwaigen Veräußerung nun negativ auf den Wert der Immobilie aus. Entscheidend ist die Datenqualität
CDE – die Basis jeder IT-Ziel-Landschaft
1. Die Anwendung einer CDE muss einfach sein. Nur wenn der Daten In- und Output ohne Spezialkenntnisse möglich ist, erschließen sich den Anwendern auch unmit telbarer Nutzen und Erfolgserlebnisse. Bedenken wir, dass der überwiegende Teil der an einem Immobilien- und Bau projekt beteiligten Büros und Betriebe kleine und mittel ständige Unternehmen sind. Deren Mitarbeiter arbeiten meist nur phasenweise in der CDE – einige sogar parallel in ver schiedenen tennerNurMarketinghülsekeitAnwenderfreundlichSystemen.darfdaherkeinesein.wennsieerwieseMaßeneingehalwirdundsichmitden
3. Eine wesentliche Voraussetzung für Vertrauen ist wiede rum die Sicherheit – die meiner Daten als Mitarbeiter ebenso wie als Dateninhaber. Gerade im deutschsprachi gen Markt ist das Sicherheitsbedürfnis bei browserbasier ten Cloudlösungen besonders ausgeprägt. Und das völlig zu Recht, denn der durch Hackerangriffe verursachte Schaden hat erheblich zugenommen. Nicht zuletzt aber zählt auch die Verlässlichkeit des Anbieters selbst – mit Tradition und Innovation, Made in Germany.
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Mike Riegler, Geschäftsführer, PMG Projektraum Management GmbH www.pmgnet.de Anwenderfreundlichkeit darf daher keine Marketinghülse sein. Nur wenn sie erwie sener Maßen eingehalten wird und sich mit den Anwendergewohnheiten mitentwi ckelt, kann eine CDE überhaupt erst eine ihrer bedeutendsten Eigenschaft erfüllen: Als Single Source of Truth.
Anwendergewohnheiten miten twickelt, kann eine CDE überhaupt erst eine ihrer bedeu tendsten Eigenschaft erfüllen: Als Single Source of Truth.
Datenkollaboration wird erfolgsentschei dend sein, um Mehrwerte zu generieren –auch weit über Nachhaltigkeitsaspekte hinaus.
Natürlich darf man sich als Softwarehaus nach der Einführung einer komplett neuen Version nicht ausruhen, sondern muss darauf aufbauend gleich weiter in die Zukunft schauen. Hier geht es zum einen ganz klar weiter in Richtung mehr Automatismen und Prozess-Unterstützung, und zum anderen in Richtung BIM. Zurzeit befindet man sich bei BIM zwar noch in der „es-wird-noch-sehr viel-geredet-Phase“ und es fehlen noch viele Vorgaben, aber es werden sich sicher einige nützliche Effekte für das Handling von Daten während der Planung und in der Nutzungsphase ergeben. Was sich schon abzeichnet, ist eine Kommunikation der Planungs- und Baubeteiligten direkt am bzw. über das Modell. So leistet OfficeWare seinen Beitrag für eine nachhaltige Digitalisierung im Bauwesen.
Zwei der wichtigsten Themen für ein neues Organisations- oder Projekt-Managementsystem sind die Kommuni-
Die Entscheidung für ein neues Organisationssystem trifft heute nach wie vor die Unternehmensleitung. Im Gegensatz zu „früher“, wo die Chefs ein System ausgesucht haben und die Mitarbeiter mussten dann eben damit arbeiten, ist es heute vielfach etwas anders geartet. Es werden viel früher die Mitarbeiter mit ins Boot geholt, denn nur wenn jeder Anwender für sich einen Vorteil erkennt, ist die Einführung kein Problem mehr, und die Mitarbeiter möchten das System nach kürzester Zeit nicht mehr missen. (siehe Bild)
OfficeWare hat sich neu erfunden
Das neue OfficeWare 7 … pimpt die Organisation im Architektur- und Ingenieurbüro auf
Die allgemeinen Entwicklungen der letzten zwei Jahre haben so einiges verändert, und auch das OfficeWare-Team dazu bewogen einiges zu überdenken. So wie viele Entwicklungen ihre Licht- und Schattenseiten haben, so ist es auch beim Thema Home Office, oder besser gesagt, beim mobilen Arbeitsplatz. Es ist hier durchaus möglich, dass Kosten gespart werden und oft sogar produktiver gearbeitet wird, aber andererseits leidet dadurch auch öfters – vor allem bei neuen Mitarbeitern – die Identifikation mit dem Unternehmen. Ein Wechsel in ein anderes Büro ist dann keine große Hürde mehr. Mit einem Management-System wie dem neuen OfficeWare 7 gelingt es, sowohl neue Mitarbeiter, als auch „alte Hasen“ besser ans Unternehmen zu binden.
Startseite von OfficeWare 7 (Abb.: OfficeWare GmbH) www.officeware.de
Zukunftssicherung für Architekten und Ingenieure
Das Projekt-Managementsystem
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Software 41Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen kation und die Dokumentation. Bei der Kommunikation geht es schwerpunktmäßig darum, die E-Mail-Flut in den Griff zu bekommen. OfficeWare leistet hier durch viele Automatismen einen entscheidenden Beitrag dazu. Der Mitarbeiter soll natürlich keine Mehr- oder Doppelarbeit vornehmen. Gleichzeitig werden Alternativen zur E-Mail angeboten, um z. B. große Datei-Anhänge an die Empfänger zu übermitteln.Einlästiges „Übel“ ist immer das Führen von Listen, z. B. Planlisten. Ein Management-System macht das natürlich automatisch. Und das Wichtigste: jeder soll alle Daten schnell finden können. Die schnellste Suche ist, wenn z. B. ein Anruf eingeht und das Managementsystem sucht sofort alle aktuellen Daten (Notizen, Dokumente, E-Mails) zum Anrufer automatisch, und das unabhängig davon wer diese Daten erzeugt und abgelegt hat. In der immer komplexer werdenden Projektbearbeitung ist die Maßgabe für ein Managementsystem, dass es nicht zu viel und nicht zu wenig kann. OfficeWare bietet deshalb eine Desktop- und eine funktionsreduzierte MobileVersion an. Die Einarbeitungs- bzw. Einführungszeit muss auf ein Minimum begrenzt sein. Das OfficeWare SupportTeam übernimmt den größten Teil der erforderlichen Vorarbeiten, so dass die Einführung an einem Tag erfolgen kann.
www.officeware.de
– i Wichtige– Rolle im Nord-Süd-Korridor Europas Durch den Fehmarnbelt-Tunnel wird neben einer vierspu rigen Straße auch eine elektrische Bahntrasse für Hochge schwindigkeits- und Güterzüge führen. Bisher dauert die reine Fahrzeit mit der Fähre 45 Minuten – ohne Warteund Ladezeiten zu berücksichtigen. Künftig wird es nur noch 10 Minuten mit dem Auto und 7 Minuten mit dem Zug von Küste zu Küste dauern. Wer von Hamburg nach Kopenhagen mit dem Zug reist, benötigt zukünftig ledig lich 2,5 Stunden statt heute rund 5, und Güterzüge sparen den ca. 160 km langen Umweg von Hamburg an den Öre sund über Jütland und Fünen. Das stärkt die umwelt freundliche Bahn und spart umfassend Emissionen.
– ii Tunnelelemente– werden in eigens errichteten Anlagen vor Ort gefertigt Die 18 km lange Querung wird als Absenktunnel realisiert. Diese Bauweise hat sich bereits bei der Öresund-Querung bewährt. Dabei werden 79 bis zu 217 m lange Tunnel-Ele mente aus Stahlbeton in eigens dafür an den Tunnelporta len errichteten klimatisierten Produktionsanlagen vorgefer tigt. Hinzu kommen noch einmal 10 kürzere Spezialele mente mit einem Untergeschoss. Anschließend werden die Elemente durch Verschließen der Enden mit Schotten schwimmfähig gemacht und per Schlepper zum Absenk punkt transportiert, um dort in den Tunnelgraben abgesenkt und mit den anderen Elementen verbunden zu werden. Die Projektgesellschaft Femern A/S, eine Tochter der dänischen, staatseigenen Sund & Bælt Holding A/S, fun
Nach dem Start der Bauarbeiten auf dänischer Seite im Jahr 2020 nehmen seit dem Spatenstich am 29. November 2021 auch auf deutscher Seite die Arbeiten an Fahrt auf – für den Bau des Fehmarnbelt-Tunnels. Nordeuropas größtes Infrastrukturprojekt wird nach der geplanten Fertigstellung im Jahre 2029 die Inseln Fehmarn auf deutscher und Lolland auf dänischer Seite verbin den. Der weltweit längste Absenktunnel gilt aufgrund der Bau weise und Länge als Pionierprojekt. Gleichzeitig müssen sowohl in der Vorbereitung als auch während des Baus zahlreiche Vor gaben im Hinblick auf die Umweltverträglichkeit eingehalten werden. Zusätzlich nimmt der Bauherr Femern A/S, eine staatlich-dänische Projektgesellschaft, seine soziale Verantwortung sehr ernst und setzt mit den beauftragten Firmen umfassende Maßnahmen für die Mitarbeitenden um.
Theorie und Praxis 42 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
Der Fehmarnbelt-Tunnel – ein europäisches VolleMegaprojektKontrolleüberdie Projektdaten mit CDE Bild 1. DESITE md pro von Thinkproject: Tunnelportal bei Rødbyhavn, Däne mark Bild 2. Bild von der dänischen Tunnelbaustelle: Tunnelportal bei Rødby havn, Dänemark
Ein BIM-kompatibles CDE als zentrale Plattform zur Ver waltung aller Projektdaten und -prozesse optimiert die Kommunikation und Zusammenarbeit aller Projektbetei ligten und trägt somit maßgeblich zur Einhaltung der Kos ten-, Termin- und Qualitätsvorgaben bei.
Das mit 7,1 Mrd. € budgetierte Großprojekt soll ähn lich wie die Öresund-Brücke zwischen Kopenhagen und Malmö durch Maut gebühren refinanziert werden. Nach der Fer tigstellung wird der Tunnel im transeuro päischen Verkehrsnetz TEN V eine wichtige Rolle im Nord-SüdKorridor vom finni schen Helsinki bis nach Valetta auf Malta spielen. Deshalb wird der Bau mit 589 Mio. € für den Tun nel und 117 Mio. € für die Schienenanbindung auf däni scher Seite durch das EU-Förderprogramm für Infrastruk tur (CEF) unterstützt.
Das mit 7,1 Mrd. € budgetierte Großprojekt soll ähnlich wie die Öresund-Brücke zwi schen Kopenhagen und Malmö durch Mautgebühren refinanziert werden. Nach der Fertigstellung wird der Tunnel im trans europäischen Verkehrsnetz TEN V eine wichtige Rolle im Nord-Süd-Korridor vom finnischen Helsinki bis nach Valetta auf Malta spielen.
– iii Minimierung– der CO2-Emissionen und soziale Verantwortung im Fokus Um die Nachhaltigkeit des Projekts und den Schutz der Natur beim Bau des Tunnels zu gewährleisten, hat Fe mern A/S zahlreiche Maßnahmen er griffen, die die Auswirkungen der Ar beiten auf die Umwelt so gering wie möglich halten. Dazu zählt u. a. eine Minimierung der CO 2 -Emissionen. Einerseits gab es die klare Zielvorgabe, die Emissionen während der Bauphase unter die in der Umweltverträglichkeits studie budgetierten Werte zu bringen. Andererseits ging es dem Unternehmen darum, auch den CO2-Fußabdruck der verwendeten Baumaterialien zu mi nimieren. Zusätzlich fördert Femern A/S über die Auftrag nehmer den Einsatz von alternativen Kraftstoffen auf der Baustelle und nutzt die Erkenntnisse, um in Zukunft noch nachhaltigere Projekte zu realisieren.
Die soziale Verantwortung bekommt von Femern A/S im Hinblick auf die Nachhaltigkeit des Projekts ebenfalls eine hohe Priorität eingeräumt. Beispielsweise wurden alle beauftragten Bauunternehmen verpflichtet, sich an die auf dänischer bzw. deutscher Seite geltenden Tarifverträge bzw. gesetzlichen Vorgaben zu halten, was sowohl die Ver gütung von Überstunden als auch Urlaubsgeld und den Mindestlohn betrifft. Außerdem hat der Bauherr alle Auftragnehmer dazu ver pflichtet, angemessene Unterkünfte für die Mitarbeitenden sicherzustellen. Auf der dänischen Tunnelbaustelle entsteht daher eine Wohnanlage für ca. 1300 Be schäftigte mit Kantine und Gemein schaftseinrichtungen. Die Unterkünfte selbst müssen Mindestanforderungen hinsichtlich Raumgröße, Schall- und Lichtdämmung, Raumklima, Möblierung und Internetzugang erfüllen.
Theorie und Praxis 43Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen giert mit 160 Mitarbeitern als Bauherr für das Mammut projekt und verantwortet Planung und Bauausführung. Dabei kommt der Termin- und Kostentreue, aber auch der Beachtung von strengen Umweltschutzauflagen eine be sondere Bedeutung zu.
– iv –Bau der Tunnelportale hat begonnen Auf dänischer wie deutscher Seite entsteht jeweils ein Ar beitshafen. Derzeit wird der große Arbeitshafen bei Rødby havn fertiggestellt, und auch der kleinere bei Puttgarden soll im kommenden Jahr in Betrieb genommen werden. Über diese Häfen wird das für den Bau benötigte Material angeliefert und anschließend verteilt. Dadurch kann der Bild 3. DESITE md pro von Thinkproject: Standardelement des Fehmarnbelt-Tunnels
Aber auch die Artenvielfalt wurde bei den Planungen berücksichtigt. Umfangreiche Voruntersuchungen durch Experten haben ergeben, dass weder der Bau noch der Be trieb des Tunnels wesentliche Beeinträchtigungen für die lokale Pflanzen- und Tierwelt sowie die Lebensräume von beispielsweise Schweinswalen und Vögeln darstellen. Die unverzichtbaren Veränderungen, die etwa durch den Bau der Zufahrtsstraßen, die Fabrik für die Tunnelelemente oder die Arbeitshäfen auftreten, werden durch Ausgleichs flächen kompensiert. Dadurch entstehen beispielsweise auf dänischer Seite neue, grüne Korridore, die zur Ent wicklung der Bestände von geschützten Tieren und Pflan zen wie Kröten oder Orchideen beitragen.
Um die Nachhaltigkeit des Projekts und den Schutz der Natur beim Bau des Tunnels zu gewährleisten, hat Femern A/S zahlrei che Maßnahmen ergriffen, die die Auswir kungen der Arbeiten auf die Umwelt so ge ring wie möglich halten. Dazu zählt u. a. eine Minimierung der CO2-Emissionen.
Ein CDE stellt Funktionalitäten zum Erstel len von Workflows zur Verfügung, die vor allem bei oft sehr komplexen Plan- und Modellprüfläufen oder Rechnungsgenehmi gungen zum Einsatz kommen. Damit wird eine Automatisierung und Standardisierung von Prozessen geschaffen, die eine deutli che Verbesserung der Transparenz und Ver bindlichkeit zur Folge hat, sowie die Feh leranfälligkeit auf ein Minimum reduziert.
Theorie und Praxis 44 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
– v CDE ––Mehr als nur Dokumentenmanagement Ein CDE ist eine zentrale Cloud-Plattform zum Verwalten aller Projektdaten und -dokumente sowie den damit ver knüpften Prozessen. Zugänglich via Browser und zusätz lich über eine App für Android oder iOS sorgt das CDE dabei für eine effiziente, sichere und transparente Zusam menarbeit zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer ein schließlich aller internen und externen Projektbeteiligten –vom Bauherrn über den Architekten, die Fachingenieure, die Behörden, die ausführenden Bauunternehmen bis zu den Fachfirmen.DasCDEfungiert dabei zum einen im Sinne einer Single-Source-of-Truth als zentrale und revisionssichere Datenbank für alle Projektdokumente. Jedes Projektmit glied hat also Zugriff auf die jeweils aktuellen, nach einem rollenbasierten Rechtekonzept für ihn verfügbaren Doku mente wie z. B. Pläne, BIM-Modelle oder Abnahmeproto kolle. Zum anderen stellt ein CDE Funktionalitäten zum Erstellen von Work flows zur Verfügung, die vor allem bei oft sehr komplexen Planund Modellprüfläufen oder Verbesserungfen,vonundeinekommen.migungenRechnungsgenehzumEinsatzDamitwirdAutomatisierungStandardisierungProzessengeschafdieeinedeutlichederTransparenz
Als Bauherr zählen zu den Aufgaben von Femern A/S u. a. Ausschreibungen, Auftragsvergaben, Abnahmen so wie die Planungs- und Projektkoordination. Die Anzahl der an der Planung und dem Bau beteiligten Firmen ist groß und die damit verbundene Prozess-Struktur sowie das Datenvolumen ebenso. Für Femern A/S war daher von Anfang an klar, dass die Masse an Projektdaten in Form von Tausenden Plänen und Hunderten BIM-Modellen nur mittels eines digitalen Projektraums – einem CDE – effizi ent, nachverfolgbar und sicher zu verwalten ist.
Bild 4. DESITE md pro von Thinkproject: Standardelement des Fehmarnbelt-Tunnels, Bewehrung Für Femern A/S war von Anfang an klar, dass die Masse an Projektdaten in Form von Tausenden Plänen und Hunderten BIMModellen nur mittels eines digitalen Pro jektraums – einem CDE – effizient, nachver folgbar und sicher zu verwalten ist.
Großteil des Baumaterials über den Seeweg angeliefert wer den, was das örtliche Verkehrsnetz auf Lolland und Feh marn schont. Über den deutlich größeren Hafen bei Rødby havn sollen schließlich die Tunnelelemente von den Pro duktionsanlagen bis in den Fehmarnbelt transportiert werden. Seit 2021 wird am Grund des Fehmarnbelts der Graben für den Tunnel ausgehoben, in den die Elemente später abge senkt werden. Auch die Produktionsanlage für die Tunnelelemente auf dänischer Seite wird derzeit errichtet. Mit den Arbeiten für den Bau der Portale auf beiden Seiten, also den Einfahrten in den Tunnel, wurde in diesem Jahr begon nen.
und Verbindlichkeit zur Folge hat, sowie die Fehleranfälligkeit auf ein Minimum reduziert. – vi Passende– Lösung für jeden Einsatzzweck Zum Einsatz beim Fehmarnbelt-Tunnel kommt nun die Lösung TP CDE, die sich u. a. aufgrund des modularen Aufbaus besonders gut für das individuelle Projekt eignet.
Femern A/S die folgenden nicht-funktionalen Anforderungen an ein CDE zu beson ders wichtigen HochverfügbareKriterien:undperformante SaaS-Lösung basie rend auf nativer Cloud-Technologie Zertifizierung nach ISO 27.001 durch den TÜV Rhein Datenverschlüsselungland bei Speicherung und Netzwerk Rechenzentrenverkehr mit nachgewiesenem Disaster-RecoverySicherstellungAktionsplan der Datenintegrität durch dedizierte ImTeamsHinblick
Theorie und Praxis 45Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
auf diese Anforderungen hat sich Femern A/S nach einem längeren Evaluationsprozess für das Common Data Environment TP CDE und die BIM-ManagementLösung DESITE BIM md pro aus dem Hause Thinkpro ject entschieden. Ausschlaggebend war dabei, dass die Lö sung als Single-Source-of-Truth volle Revisionssicherheit, Nachverfolgbarkeit und Transparenz gewährleistet. Auf Grundlage eines rollenbasierten Zugriffskonzeptes können alle Beteiligten zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort auf die aktuellen Daten zugreifen. – viii Metadaten– und Log-Protokolle über Container verfügbar
Ein weiterer Punkt war die modulare Struktur von TP CDE, die es ermöglicht, verschiedene Aspekte des Daten-, Plan- und Dokumentenmanagements effizient zu struktu rieren und zu individualisieren. Gerade das Datenmanage ment überzeugte damit, dass es über Container, welche die eigentlichen Dateien und Dokumente enthalten, auch die zugehörigen Metadaten und die Log-Protokolle zur Verfü gung stellen kann. Somit ist TP CDE in der Lage, die Do kumenthistorie, Klassifikationen, Dependenzen, Revisio nen und Verknüpfungen abzubilden. Letzteres auch zu externen Datenspeichern und -quellen, die vor allem beim Design Management wichtig sind.
Bild 5. Stand der Arbeiten in Rødbyhavn Juni 2022
Bild 6. Visualisierung des Tunnelportals auf dänischer Seite Die beiden wesentlichen Anwendungsfälle eines CDE für Femern A/S waren das Deli very und Package Management – also das Koordinieren und Prüfen von durch Auftrag nehmer eingereichten Plänen und Doku menten – sowie der Design Review, also das Prüfen von 3D-BIM-Modellen.
Um die Vorteile von BIM auch direkt auf der Baustelle zu nutzen, eignet sich die jüngste Erweiterung des Thinkproject-Portfolios: Mit der Lösung Kairnial sind Apps für Tablet und Smartphone verfügbar, die ein umfassendes Mängelmanagement, Baubegehungen, techni sche Gebäudeausrüstung sowie die Baufort schrittskontrolle ermöglichen.
Die beiden wesentlichen Anwendungsfälle ei nes CDE für Femern A/S waren das Delivery und Package Management – also das Koordi nieren und Prüfen von durch Auftragnehmer eingereichten Plänen und Dokumenten – sowie der Design Review, also das Prüfen von 3DBIM-Modellen.Dafürerklärte
Für andere Einsatzzwecke hat Thinkproject als eines der europaweit führenden Unternehmen im Bereich der Con struction Intelligence auch noch weitere leistungsstarke und in Großprojekten bewährte, BIM-fähige CDE-Lösun gen im Portfolio. Als Komplettlösung mit einem hohen Grad an Automatisierung bietet sich für eineCONCLUDEEPLASSstrukturprojekteVerkehrsinfraetwaCDEan.CDEistsehrschnellzu implementierende und kosteneffiziente Lösung für Bau herren, Projektsteuerer und Projektentwickler. CDE ist heutzutage ein Bestandteil eines BIM-Tool sets. Zum Zweck der inhaltlichen Prüfung von BIM-Mo dellen kommen, neben einem CDE, spezielle Lösungen zum BIM-Informationsmanagement zum Einsatz. Es wird für regelbasierte Qualitäts- und Kollisionsprüfung der ver schiedenen Fach- und Koordinationsmodelle und der Ver knüpfung des BIM-Modells mit Kosten- und Terminpla nung eingesetzt. Zusätzlich schafft das Add-On TP Control weitere Möglichkeiten der Kostenverfolgung und beinhal tet Funktionen zum Kosten- und Nachtragsmanagement.
– vii –TP CDE als Lösung der Wahl für Femern A/S
Christof Lorenz, Head of Presales Consulting, Thinkproject Eine ausführliche Übersicht der wichtigsten Kriterien für die CDE-Auswahl und spezifische Anforderungen findet sich in Form einer CDE-Checkliste auf der u. s. Homepage. Mehr Infos zum Fehmarnbelt-Tunnel: www.femern.de www.thinkproject.com Bild 7. Stand der Arbeiten März 2022 in Puttgarden (Abb./Fotos: 1, 3 u. 4 Thinkproject; 2 u. 5–7 Femern A/S) Aktuell nutzen ca. 250 interne und externe Projektbeteiligte, verteilt auf 24 Firmen das CDE, um mehr als 4.000 Dokumente sowie eine entsprechende Anzahl von Revisionen zu managen.
Theorie und Praxis 46 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
Ergänzende Punkte, die für die Wahl von TP CDE und DESITE BIM md pro letztlich für Femern A/S ent scheidend waren, sind: Ein leistungsstarkes BIM-Informations- und Qualitäts management für BIM-Modelle mit regelbasierter Mo dellprüfung. Dabei können die BIM-Modelle auch mit Daten aus GIS-Applikationen wie zum Beispiel Punkt wolken oder digitalen Geländemodellen kombiniert Nachverfolgbarewerden. und standardisierbare Review-Pro zesse für 2D-Plandaten und 3D-BIM-Modelle (Koordi nations- und Fachmodelle). Sehr flexibles Workflowdesign zum Abbilden von kom plexen und automatisierbaren Genehmigungsprozessen. Dashboard-Funktionen zum Bereitstellen der wichtigs ten Projektdaten (zum Beispiel offene Genehmigungs prozesse) auf einen Blick sowie digitale und abgesi cherte Bereiche für Ausschreibungen, Submissionen und RFIs. – ix Kosten-– und Zeitrahmen werden leichter eingehalten Aktuell nutzen ca. 250 interne und externe Projektbetei ligte, verteilt auf 24 Firmen das CDE, um mehr als 4.000 Dokumente sowie eine entsprechende Anzahl von Revi sionen zu managen. Zudem werden mit DESITE BIM md pro aktuell mehr als 400 BIM-Modelle geprüft. TP CDE bietet zudem die inte grierte istgenCDE-biniertenModelle.BIM-ViewerDarstellungfürIFC-MitderkomNutzungderundBIM-LösunvonThinkprojectdieseanspruchsvolle Verzahnung der verschiedenen Beteiligten mit ihren unterschiedlichen Workflows trans parent, nachvollziehbar und einheitlich möglich. Mit TP DE und DESITE BIM md pro verfügt Femern A/S über eine leistungsstarke und robuste Daten- und Prozess-Ma nagment Lösung, die einen wesentlichen Beitrag zur Ein haltung der Projektziele – Termin-, Kosten- und Qualitäts treue liefert.
Kollaboration und Kommunikation
Bei jedem Projektbeteiligten entstehen Re dundanzen, früher analog – heute digital. Lösungen für E Mail-Management, besser noch die gemeinsame Datenablage über CDE-Plattformen sind gefragt. Workflows sollen die Kommunikation sicherstellen, je der muss Bescheid wissen! Behandeln wir hier die Symptome, aber nicht die Krank heit?
Theorie und Praxis 47Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen klärt und das Wissen in jedem Büro in diversen Ordnern und Planschubern archiviert. Es wurde viel miteinander gesprochen, auch am Telefon. – ii –Die Digitalisierung beginnt In den 90er Jahren begann der Computer langsam den Zei chentisch abzulösen. Gezeichnet haben wir am Anfang wie mit dem Reißbrett. Nur Ändern ging besser, der Bild schirm bekam keine Löcher. Denken wir weniger und än dern wir seitdem mehr als früher? 1992 habe ich als Lehrling das erste Mal 3D gezeich net. Das gab einen Anschiss: „Für solch einen Firlefanz haben wir keine Zeit!“. 30 Jahre später lerne ich in Archi tekturbüros unterschiedlicher Größe immer noch erstaun lich viele „Flachzeichner“ kennen.
Gestank in der Luft. Mit der Reisschnur kämp fen. Endlos viel Papier, schneiden und falten, bis die Finger schwarz sind. Stundenlang im Keller stehen. Das Kratzen der Rasierklinge auf Transparent. Anfangs konnte ich ein mal, später dann drei- bis viermal ändern. Jede Änderung wurde überdacht und auf der Indexliste festgehalten. So kurz wie möglich, da mit jeder Bescheid wusste. Irgendwann den Planindex hoch zählen. Gut überlegen, wann man diesen Schritt vollzieht – der Keller rief! Meist zum Jour fixe, um die Ände rungen mit den Beteiligten zu besprechen und die Pläne gleich mitgeben zu können. – Meine ersten Erfahrungen mit der Architektur als Bauzeichner Lehrling. Kommunikation erfolgte gesteuert, im persönlichen Kontakt, gerne auch hitzig. Pläne wurden auf Papier aus getauscht, Probleme zwischen den Treffen per Fax abge –
In den 90er Jahren begann der Computer langsam den Zeichentisch abzulösen. Ge zeichnet haben wir am Anfang wie mit dem Reißbrett. Nur Ändern ging besser, der Bildschirm bekam keine Löcher. Denken wir weniger und ändern wir seitdem mehr als früher?
Kommunikation wurde durch E Mails anscheinend auch einfacher. Keiner muss mehr im Keller stehen. E Mails sind im Ver gleich zum persönli chen Gespräch ein asynchrones Feierabendnicht.nehmendiesevon,richtversendekationsmedium.KommuniIchmeineNachunabhängigdaobderEmpfängersofortentgegenkannoderSchnellnochvorsenden,dann
ist das Problem vom Tisch. Wird seitdem weniger miteinander gesprochen? – iii –„Hab’ Dir gerade ’ne Mail geschickt“ Mit Anhängen versendete E Mails sind nicht nur asynchron, sie bergen Risiken: Hat der Empfän ger die Mail tatsächlich erhalten? Hat er den Anhang wahrgenommen, oder nur die Mail gele sen? Stellt er ihn seinen Kollegen zur Verfügung und wenn ja, wie? Oder blieb die Mail im SpamFilterBeihängen?jedem Projektbeteiligten entstehen Red undanzen, früher analog – heute digital. Lösun gen für E Mail-Management, besser noch die gemeinsame Datenablage über CDE-Plattformen sind gefragt. Workflows sollen die Kommunika tion sicherstellen, jeder muss Bescheid wissen! Behandeln wir hier die Symptome, aber nicht die Krankheit?Ungernwird zugegeben: Die Kommunika tion mit Projektbeteiligten erfolgt heute immer Zusammenarbeit ist das Thema bei BIM, nicht Management –BIC statt BIM, also Building Information Cooperation. Dass das nicht zu „big“ ist, zeigt der Beitrag im Durchgang durch unseren Weg von der analogen zur digitalen Kommunikation bis hin zur Interaktion von Prozessen und Werkzeugen sowie „agilem“ Scheitern und Fehler-Machen, um daraus Rückschlüsse für Ver besserungen zu ziehen. Am Ende ist der Vorhang zwar nicht zu, aber doch eine entscheidende Frage offen … – i Analoge– Kommunikation
BIM
Über Partizipation, Verhaltensänderungen, den erforderlichen Mehrwert und über GROW Bild 1. Analoge Kommunikation – es wurde viel miteinander gesprochen …
Ammoniak
1. Alle beteiligten Akteure müssen daran partizipieren können.
Ansätze setzen immer häufiger auf agile Teams, die selbstverantwortlich arbeiten. Das Ma nagement wird vom Team übernommen. Das Projektziel ist variabel, nur die Faktoren Zeit und Kosten sind fix. Das agile Manifest setzt daher auf: Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und WerkzeugeBild 2. Kooperation in der Cloud
Nicht jeder Beteiligte hat eine Modellierungssoftware. Alle brauchen aber eine Möglichkeit, die verschiedenen Mo delle zusammen zu sehen, um zu partizipieren. Wer das nicht hat, ist aus der Kommunikation ausgeschlossen und schreibt fleißig E Mails.
2. Alle Beteiligten ändern Ihr Verhalten. Keine Mails mehr mit Anhängen, alle ändern ihr gewohn tes Verhalten und lassen sich auf diese Methode ein!
3. Es muss ein Mehrwert geboten sein Als Systemcoach habe ich eins gelernt: Der Mensch ändert sein Verhalten nur, wenn er einen Mehrwert für sich er kennt. Es ist also weniger Chance als vielmehr Change, dieses BIM. – v –3D ist nur die halbe Wahrheit Mit den 3D-Modellen allein ist es nicht getan. Jeder Betei ligte produziert zusätzlich Dokumente in Form von Da ten/Dateien, die zum Bauwerk gehören: Pläne, Details die auf der Baustelle für die Umsetzung genutzt werden, tech nische Beschreibungen von Gebäudeteilen, Ausschrei bungstexte und Vergabeunterlagen, Aufmaße, Rechnun gen, Mangelrügen − der ganze Prozess wird von Doku menten begleitet, die für die Projekt-Kooperation notwendig sind. Nicht nur im Büro, auch in der Bespre chung und auf der Baustelle werden Daten produziert und für die Arbeit benötigt. Wie soll das alles am BIM-Modell erfolgen? Wie geht das auf der Baustelle? Wie wird denn ab nun dokumen tiert, was geändert wurde? Wie sehe ich, was noch zu än dern ist? Wo sehe ich die Verknüpfung zu den übrigen Daten, die nicht 3D sind? Das Modell ist im mer nur eine Moment aufnahme. Es braucht also ein System, dass die 2D- und 3D-Inhalte miteinander nachvollziehbar verbinden kann. IFC-Daten, CDE und die Projekt Kommunikation, im BIM-Prozess steht dafür das BIM Collaboration Format (BCF) zur Verfügung. Offene Standards für offene Kommunikation. Die Herausforderung bei BIM ist die Zusammenar beit, weniger das Management. Software kann helfen, Pro zesse zu vereinfachen. Sie kann keine organisatorischen oder zwischenmenschliche Probleme lösen. – vi –Wir müssen unsere Prozesse überdenken! Software wurde früher im Wasserfallverlauf sequenziell entwickelt. Die Ergebnisse waren stets unbefriedigend. Was herauskam entsprach nicht den Vorstellungen der An wender. Das führte zu agilen Methoden, unter anderem Scrum: Kleinere Zyklen – „Sprints“ – schufen Abhilfe. Nach jedem Sprint wurde das geplante Ergebnis gemein sam geprüft, Verbesserungen identifiziert und in den nächsten Zyklus übernommen. Dabei wird viel miteinan der gesprochen.AktuelleManagement
Die Herausforderung bei BIM ist die Zusam menarbeit, weniger das Management. Software kann helfen, Prozesse zu vereinfa chen. Sie kann keine organisatorischen oder zwischenmenschliche Probleme lösen. Bild 3. Hab’ dir grad ’ne Mail geschickt
Theorie und Praxis 48 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen noch überwiegend durch E Mails. Speziell wenn der Zeit druck zu groß wird, trotz eines vorgegebenen CDE. Arbei ten wir eigentlich weiter wie früher, nur eben digital, aber mit zusätzlichen Problemen, die wir vorher nicht hatten? – iv –Ich denke, also BIM ich! Es soll Abhilfe geben: BIM! Kooperation und Kommuni kation an einem computergenerierten 3D-Modell. Jeder weiß: Ein Modell gibt es nicht! Es sind immer mehrere Fachmodelle zu koordinieren. Kommunikation mittels 3DModellen kann nur erfolgreich sein, wenn mindestens diese drei Punkte erfüllt sind:
Theorie und Praxis 49Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
Funktionierende Software mehr als umfassende Doku Zusammenarbeitmentation mit dem Kunden mehr als Vertragsver Reagierenhandlung auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Interaktion(https://agilemanifesto.org/iso/de/manifesto.html)PlansvorProzessenundWerkzeugen?Klingt plau sibel, aber die Zusammenarbeit von den Beteiligten mit dem Kunden ist wichtiger als die Vertragsverhandlung? Nicht nur in Bauprojekten bereitet dieser Passus Kopfzer brechen. In „Der Agile Festpreis“ entwickeln die Autoren fast einen HOAI-Ansatz für die Softwarebranche. Das Pro jekt wird in Phasen unterteilt, nach denen die Vertragspart ner bei Bedarf jeweils aussteigen können. (Opelt et al., 2014, S. 47) – vii –Was sollen wir nun tun? Seit meiner Ausbildung zum Systemcoach beschäftige ich mich mit Organisationsformen, die horizontal strukturiert sind. Für Alfred Adler (Begründer der Individualpsycholo gie) führt Wettbewerb in sozialen Systemen zum individu ellen Unglück. Für Ihn gibt es entweder vertikale, also hi erarchisch geordnete, oder horizontale, also gleichberech tigte Beziehungen, in denen sich keiner aus der Menge hervorhebt. Alle verstehen sich als Teil eines Ganzen und gehen in diesem auf. Fatal ist: Nach Adler ist das eine Grundsatz haltung, beide Strukturen parallel zu leben ist nicht mög lich. (Adler, 1933, S. 189 ff.) So geht es in der agilen Welt von Anfang an darum, als Team gemeinsam schnell zu scheitern, Fehler zu ma chen und daraus Rückschlüsse für Verbesserungen zu zie hen. Das Ergebnis kann in Softwareprojekten auf Grund zu Beginn fehlender Entscheidungen nicht schon bis zum Ende durchgeplant werden. Die Abweichung zu messen und gegenzusteuern ist wichtig. Die Voraussetzungen im Bauen sind dieselben. Aller dings lässt der Rahmen, in dem in Deutschland Baupro jekte abgewickelt werden, keinen Erkenntnisgewinn zu. Nur wenn ein Totalunternehmer alle Transaktionskosten eliminiert, kann er mit einem Team auf Augenhöhe agieren. Echte Kooperation – also nicht die bloße Koordinie rung von Vorgängen – funktioniert nur auf Augenhöhe, wenn alle Akteure im Team das gleiche Ziel verfolgen. Sonst kollaborieren die Beteiligten im eigentlichen Sinn des Begriffs.
– viii –Aber wer hält den Kopf hin? Unsere Gesetze, durch HOAI, VOB und unzählige DINNormen, fordern aber Verantwortung. Wer trägt diese im Team, das auf Augenhöhe kooperiert? Sind deshalb Bau projekte in Deutschland vertikal organisiert? Sind wir da durch gehemmt offen zu kommunizieren? „Wissen teilen beinhaltet auch, alle Fehler und alles ,Nicht-Wissen‘ zu veröffentlichen.“
Neben den vielen rechtlich Fragen – wer ist der Ur heber der Modellzusammenstellung, wie sind die Verwer tungsrechte? – spielt hinsichtlich der nachPunktKommunikationoffeneneinmeinerMeinungdieEntscheidende Rolle: Wissen teilen beinhaltet auch, alle meine Fehler und all mein Nichtwissen preiszu geben.Es gibt viele Publikationen, die sich mit agiler Projekt organisation im Bauwesen beschäftigen. Diese beschrän ken sich aber im Wesentlichen auf die Prozessebene, weni ger auf die Ergebnisse und die Interaktion zwischen den beteiligten Firmen. Über die gelungene Einführung gibt es nicht nur in der Softwarewelt Diskussionen.
Echte Kooperation – also nicht die bloße Koordinierung von Vorgängen – funktioniert nur auf Augenhöhe, wenn alle Akteure im Team das gleiche Ziel verfolgen. Sonst kol laborieren die Beteiligten im eigentlichen Sinn des Begriffs.
– ix –Die Lösung für Ihren eigenen Weg finden – GROW! Eine für Sie maßgeschneiderte BIM-CDE-Lösung aus der Schublade gibt es nicht. Es geht vielmehr darum herauszu finden, wie Sie in Zukunft zusammenarbeiten und kom munizieren wollen. Um die für Ihre Art zu arbeiten rich tigen Ansätze und Lösungen zu finden, könnte eine Coaching Methode weiterhelfen: Der GROW Ansatz! (Blickhan, 2021, S. 65) G wie Goal – Was genau ist Ihr Ziel? Nicht die Frage „wie machen wir BIM?“, sondern „wozu machen wir BIM?“ ist wichtig. Dazu sollten Sie über Ihren Tellerrand schauen und Ihre Mitarbeiter und Kollegen aus anderen Fachdisziplinen, mit denen Sie Projekte erfolg reich umsetzen wollen, einbeziehen. Wie lautet Ihre Zielformulierung hinsichtlich einer BIM-CDE-Lösung? Die Kommunikation zwischen allen Projektbeteiligten verbessern, im Sinne der oben beschrie benen offenen Kommunikation? Soll es möglich sein, ein „Wissen teilen beinhaltet auch, alle Fehler und alles ,Nicht-Wissen’ zu veröffentlichen.“ Bild 4. Erfindung eines Lügners
Theorie und Praxis 50 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen fach und nachvollziehbar Prozesse selbst zu gestalten?
An der Benutzung des Smartphones ist gut zu erken nen, wie disruptive Technologie unser Verhalten verändert. Der Impact: Alle hängen vor diesem Ding! (Geramanis et al., 2021, S. 147 ff.) Wie wir sie in einer gesunden Form nutzen, muss sich erst noch zeigen.
„Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.“ (Förster, Pörksen, 2019, S. 29) Bleiben Sie offen, erweitern Sie Ihren Horizont! In dieser Diskus sion sollten alle im Team wertfrei gehört werden. Jeder einzelne hat seine Sicht auf die Dinge. Jede Firma ist eine einzigartige Organisation. Daher gibt es hier kein richtig oder falsch, nur gut be gründet. Wer Ihnen gegenüber behauptet als ein ziger die Wahrheit zu wissen lügt! Heinz von Förster hat mit Bernhard Pörksen darüber ein sehr lesenswertes Gespräch geführt.
R wie Reality – wo stehen Sie im Moment? Die Bestandsaufnahme: Wo stehen Sie heute? Können Sie das exakt im Team (intern und extern) offen, ehrlich und konstruktiv beschreiben? Wie gehen wir bisher mit Feh lern um? Suchen wir den Schuldigen oder die Lösung und lernen dann daraus? Was brauch zu viel Zeit und daher zu viel Geld? Wie kommunizieren Sie im Team? Was passiert mit den „Flachzeichnern“, wenn wir alle 3D konstruieren?
Eigene Fragen, die in diesem Prozess weiterhelfen, finden Sie vielleicht durch folgende Überlegung: Woran würden Sie erkennen, dass Sie Ihr Ziel erreicht haben? Welche Unterschiede gäbe es zur jetzigen Situation – Ihrer Realität?
O wie Opportunities – welche Chancen haben Sie? Welchen Mehrwert könnte jeder einzelne und die Organi sation bei diesem Change erfahren? Wird Ihr Büro attrak tiver für neue Mitarbeiter? Bekommen Sie neue oder inte ressantere Auftraggeber? Sie reduzieren Transaktionskos ten mittels einer Planungsgemeinschaft? Kommen Sie so an größere Aufträge? Das O könnte auch für „Obstacles“ stehen: Hinder nisse. Für Menschen, die Veränderung scheuen das Para dies, im Change Prozess ohne externe Unterstützung oft ein Pulverfass! W wie Way – welcher Weg ist der Beste? Ist ein agiler Implementierungsansatz für Sie die Lösung? Soll die Auswahl der zu Ihnen passenden Lösung schritt weise erfolgen? Verkraftet jeder einzelne, unsere Organisa tion und das Umfeld keine oder flache Hierarchien? Wie verkaufen wir das intern unseren Kollegen, damit der Change gelingt und nicht eine Chance verloren geht? Ist ein Change für uns ohne externe Unter stützung überhaupt denkbar?
Kann gut sein, dass es sich mit der BIM-CDE Kommu nikation genauso verhält … Michael Müns, Dipl.-Ing. (FH) Architekt, Catenda Literatur Adler, A. (1933): Der Sinn des Lebens, Wien/Leipzig: Dr. Rolf Blickhan,Passer D., (2021): Positive Psychologie im Coaching: Von der Lösungs- zur Wachstumsorientierung, Paderborn: Junfer Förster,mannH., Pörksen, B., 2019: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners, (12.Aufl.), Heidelberg: Carl Auer Geramanis, O., Hutmacher, S., Walser, L., (2021): Kooperation in der Digitalen Arbeitswelt: Verlässliche Führung in Zeiten virtueller Kommunikation, Wiesbaden: Springer Opelt, A., Gloger, B., Pfarl, W., Mittermayr, R., (2014): Der Agile Festpreis: Leitfaden für wirklich erfolgreiche IT-Projektver träge, München: Hanser www.catenda.com Bild 5. Kann nur erweitert werden (Fotos: pxhere) Bleiben Sie offen, erweitern Sie Ihren Hori zont! In dieser Diskussion sollten alle im Team wertfrei gehört werden. Jeder ein zelne hat seine Sicht auf die Dinge. Jede Firma ist eine einzigartige Organisation. Daher gibt es hier kein richtig oder falsch, nur gut begründet.
– x –It’s time for a change! Insbesondere COVID 19 hat die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren verändert. Der Computer hat uns geholfen, das Virus im Homeoffice einzudämmen, durch virtuelle Besprechungen und Daten ablage in der Cloud. Ja, Digitalisierung mittels BIM und CDE kann dazu beitragen den Alltag zu erleichtern. Sie kann helfen einen Wandel ChangenenFunktionenumzusetzen.alleinkönabernichtdenbestimmen.Der Faktor Mensch steht an erster Stelle und beeinflusst den Erfolg bis hin zum Scheitern.
Wirklich alle Beteiligten sollen am Prozess teilhaben kön nen, um so Planungssicherheit für alle zu schaffen? Möch ten Sie keine Wäschekörbe von Akten mehr auf die Bau stelle schleppen, sondern alles in der Cloud sehen können? Wer sich nicht über das Ziel im Klaren ist, sollte sich nicht wundern, wenn er nie irgendwo oder wo anders raus kommt als ursprünglich gedacht.
Theorie und Praxis 51Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen es nicht besser wäre, wenn die Fehler bereits bei der Erstel lung der Fachmodelle beseitigt würden, statt bis zur nächs ten Koordinationssitzung zu warten.
Building Environment“ für digitale Anwendungsfälle auf der Basis von ISO 19650 Bild 1.
Dieser Ansatz hat aus unserer Sicht einige entschei dende Vorteile. Indem der Fachplaner die Fehler direkt an der Quelle behebt, sprich bei der Erstellung des Fachmo dells in seinem BIM-Autorensystem, werden diese nicht in die Koordinationssitzung „verschleppt“. Dadurch erkennt der BIM-Koordinator dann auch weniger Mängel und der Aufwand für das Be sprechen, Festhalten und Bereinigen der da mit verbundenen, uner ledigten Punkte redu ziert sich dadurch. Die BIM-Koordination ist sowohl technisch als auch organisatorisch eine anspruchsvolle Aufgabe. Ein frühzeitiges Beheben der Fehler im Modell reduziert die Anzahl der Iterationen bei der Konfliktbereinigung und entlastet damit den Prozess.
Vom CDE zum CBE Ein
BUILDing360
Dies spart Zeit und Kosten und führt nebst der damit ver bundenen Effizienzsteigerung letztendlich auch zu einer höheren Qualität im Planungsprozess. Allerdings gilt es hier noch zwischen der geometri schen Datenprüfung, bei der etwa Kollisionen von Elemen ten unterschiedlicher Gewerken festgestellt werden, und alphanumerischen Prüfung zu unterscheiden. Bei letzterer überprüft der BIM-Koordinator z. B., ob die angeforderten Informationen in den Modellen korrekt abgebildet sind. Ob also die Wände etwa die physikalischen Kennwerte für Energiesimulation aufweisen oder ob Räume und Anlagen gemäß den Vorgaben des Betreibers gekennzeichnet sind.
Diese Informationen lassen sich sehr wohl bereits bei der Erstellung der Modelle überprüfen und es spricht vieles dafür, den Planer hier mit technischen Hilfsmitteln zu un terstützen, so dass die Modelle bereits bei der Datenab gabe im CDE eine hohe Qualität aufweisen.
Auch wenn die Definition des Begriffs „Common Data Environment“ (CDE) eine große Unschärfe aufweist und daher in der BIM-Szene unterschiedlich interpretiert wird, so ist seine Be deutung als verbindendes Element in der kollaborativen BIM Projektabwicklung heute doch unbestritten. Für die erfolgreiche Umsetzung von digitalen Anwendungsfällen im Lebenszyklus eines Bauwerks reicht ein CDE allein allerdings nicht aus. Dazu braucht es aus unserer Sicht zwingend ein zweites, ergänzendes Konzept: Jenes des „Common Building Environment“ CBE. Wa rum das so ist, aus welchen Elementen es besteht und wie eine konkrete Anwendung aussieht, darauf geht der folgende Artikel näher ein. – i –Das CDE: Herausforderungen im Kontext der ISO 19650 Ein CDE stellt ein zentrales Element bei der Anwendung der neuen Norm ISO 19650 dar, welche das Informations management über den gesamten Lebenszyklus eines Bau werks unter Verwendung der BIM-Methode regelt. Die zahlreichen, auf dem Markt verfügbaren Systeme erleich tern insbesondere das Bereitstellen und den Zugriff auf aktuelle Projektdaten. Sie fördern damit die Zusammenar beit und Kommunikation zwischen den Projektbeteiligten und erfüllen so ein großes Wertversprechen der BIM-Me thode. So bildet ein CDE beispielsweise die Grundlage für die BIM-Koordination, bei der die Fachmodelle im Digita len Zwilling hinsichtlich Baubarkeit und Einhaltung der Bauvorschriften überprüft werden. Dieser Anwendungsfall zeigt auf, wie das „System CDE“ die Architekten, Ingeni eure und Fachplaner mit den Projektdaten verbindet und damit den Prozess der BIM-Koordination digital unter stützt. Das Beispiel zeigt aber auch, dass in dem Fall die Probleme erst gelöst werden, wenn die Modelle im Rah men der Koordination geprüft werden und dadurch ein großer zeitlicher Versatz zwischen der Erstellung und Prü fung des Modells entsteht. Es stellt sich also die Frage, ob „Common Gliederung der BIM Content Cloud innerhalb des Common Building Environments von
Dieser Ansatz hat aus unserer Sicht einige entscheidende Vorteile. Indem der Fachpla ner die Fehler direkt an der Quelle behebt, sprich bei der Erstellung des Fachmodells in seinem BIM-Autorensystem, werden diese nicht in die Koordinationssitzung „verschleppt“.
1. Eine frei zugängliche BIM Content Cloud bestehend aus generischen Bauteilkatalogen für Architektur und Gebäudetechnik sowie ausgewählte Herstellerdaten.
Was lernen wir daraus? Damit sowohl die Projektinforma tionsanforderungen als auch jene des Bestellers korrekt in den Modellen abgebildet werden, benötigt der Fachplaner Unterstützung durch geeignete Werkzeuge.fenterungensoreichenddiesbezüglichCAD-ProgrammeHerkömmlichesindoftunzuausgestattet,dasshieraufErweizurückgegrifwerdenmuss.BeiderBuildingInformationTechnologyAG(BIT)hatsichdaherdieErkenntnisdurchgesetzt,dassdie BIM-Autorensoftware allein nicht ausreicht, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Mit dem Common Building Environment CBE haben wir daher ein Frame work entwickelt, welches die CAD-Software mit den fol genden Schlüsselkomponenten für eine erfolgreiche BIMProjektabwicklung erweitert:
Die Inhalte dieser Kataloge basieren auf einem Informa tionsmodell, welches nach „Best Practice“-Grundsätzen definiert und kontinuierlich an die wachsenden Bedürf nisse der BIM-Anwendungspraxis angepasst wird.
3. Ein Add-on für die BIM-Autorensoftware für den einfa chen und schnellen Zugriff auf Bauteile und Informa tionsstandards in der Content Cloud direkt aus der CADAnwendung. Dieser Programmzusatz kann mit kunden spezifischen Anforderungen erweitert werden, um die Workflows des Unternehmens noch besser abzubilden.
5. Eine Management-Console. Damit haben Administrato ren Zugriff auf Dashboards zur Nutzung der Bauteile in den Projekten sowie fortgeschrittene Funktionen zur Verwaltung der Bauteile in der Datenbank.
2. Eine unternehmensspezifische BIM Content Cloud für Planer, Unternehmer und Betreiber mit der Möglichkeit, projekt- und unternehmensspezifische Informationsan forderungen nach ISO 19650 abzubilden. Diese bildet eine wichtige Voraussetzung um aus dem Informations modell für die Bereitstellungsphase (Project Informa tion Model) ein Informationsmodell für die Betriebs phase (Asset Information Model) abzuleiten. Ausge wählte BIM-Content-Manager haben die Möglichkeit, Damit sowohl die Projektinformationsanfor derungen als auch jene des Bestellers kor rekt in den Modellen abgebildet werden, benötigt der Fachplaner Unterstützung durch geeignete Werkzeuge. Herkömmliche CAD-Programme sind diesbezüglich oft unzureichend ausgestattet, so dass hier auf Er weiterungen zurückgegriffen werden muss.
6. Eine RESTful API für Anwendungsentwickler, mit der der BIM-Content in Drittapplikationen bereitgestellt und verarbeitet werden kann. – iii –Das CBE von BUILDing360: Ein Werkzeugkasten für digitales Bauen Mit BUILDing360 hat BIT eine Plattform geschaffen, mit der sich ein Common Building Environment mit diesen Schlüsseleigenschaften realisieren lässt (s. Bild 1). Die Bauteildefinitionen für die unterschiedlichen Ge werke eines Gebäudes werden dabei in einer Datenbank verwaltet und gepflegt. Diese Datenbank befindet sich im Amazon-Rechenzentrum in Frankfurt und kann über ent sprechende Benutzerschnittstellen (Web Browser, CAD) angesprochen werden. Die Bauteilkataloge sind versio niert und können so kontinuierlich an die wachsenden Bedürfnisse der BIM-Anwendungspraxis angepasst wer den. Änderungen an den Bauteilen stehen sofort allen Nut zern zur Verfügung ohne vorgängigen Download. Damit wird verhindert, dass die Nutzer mit veralteten Bauteil definitionen arbeiten. Durch die Versionskontrolle können die Modelle bei Bedarf auf den neusten Informationsstan dard angehoben werden (s. Bild 2).
Theorie und Praxis 52 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen – ii –Das CBE: Umsetzung von Informationsstandards bei der Modellierung
neue Bauteile hochzuladen und die Inhalte in der Bau teildatenbank zu bearbeiten.
4. Einen WebCatalogBrowser für das Durchsuchen der Bauteilkataloge für nicht CAD-Anwender im Web Brow ser.
Bild 2. Vom standardisierten Bauteil in der Cloud zur Abgabe des IFC-Modells: Das CBE von BUILDing360 aus Sicht des Planers
Matthias Liechti, building-IT www.building-it.com Bild 3. (Abb.:mentsmon19650managementInformationsnachISOaufBasisdesComBuildingEnvironvonBUILDing360buildingIT)
Im vorliegenden Artikel haben wir aufgezeigt, dass für die Nutzung von Modellen in digitalen Anwendungsfällen ein CDE allein nicht ausreicht. Insbesondere zur Sicherstel lung der Qualität im Bereich des Informationsgehaltes ei nes Modells sind die Planer auf zusätzliche Hilfsmittel angewiesen. Und mit der zunehmenden Verbreitung von Projekten, die nach der neuen BIM-Norm ISO 19650 ab gewickelt werden, erhalten alphanumerisch korrekte Mo delle als Grundlage für digitale Anwendungsfälle einen immer höheren Stellenwert.
Das Cloud-basierte Common Building Environment CBE von BUILDing360 fördert damit die Standardisie rung sowohl im Unternehmen als auch in den Projekten –eine wichtige Voraussetzung für den Projekterfolg und die Demokratisierung der BIM-Methode in der Bauwirtschaft.
Planungsservice für die Gebäudetechnik: Eine Anwendung des Common Building Environment von BUILDing360 In einem durch Innosuisse – der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung – mitfinanzierten Projekt hat BIT in Zusammenarbeit mit Partnern aus Forschung und Entwicklung ein System entwickelt, welches die techni schen Anlagen, Installationen und Geräte im Gebäude au tomatisch im Modell platziert, dimensioniert, berechnet und auslegt. Nach den vom Ingenieur vorgegebenen Opti mierungszielen ist das System in der Lage, aus den Bauteil daten des CBE, einem digitalisierten Regel werk aus dem Ingeni eurwesen sowie Algo rithmen für die Platzie rung und Orientierung von Apparaten opti male Varianten für die Auslegung zu berechnen und daraus ein BIM-Modell zu erstellen. Dabei nutzt das System die RESTful API von BUILDing360, so dass für den Modellentwurf kein manu eller Eingriff mehr notwendig ist. Die Anwendung verdeutlich die Vorteile einer Cloudbasierten Arbeitsweise, bei der sowohl Mensch wie Ma schine standortunabhängig auf Bauteilinformationen zu greifen können. Durch den zentral verwalteten Informa tionsstandard entstehen Modelle aus Räumen, Anlagen und Bauteilen, die vorgegebenen Regeln entsprechen –eine wichtige Voraussetzung für die Weiterverarbeitung in digitalen Anwendungsfällen im Bauprojekt.
Theorie und Praxis 53Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
– v Fazit:–Ein CBE als Voraussetzung für die Projektabwicklung nach ISO 196950
Das Common Building Environment von BUIL Ding360 schafft damit die Voraussetzung für ein Informa tionsmanagement über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks, wie es in der ISO 19650 vorgesehen ist – einer Norm, die mittlerweile auch auf europäischer und nationa ler Stufe verbindlich ist (s. Bild 3).
Das hier vorgestellte Konzept des „Common Building Environment“ mit der Plattform BUILDing360 als kon krete Umsetzung adressiert ebendiese Herausforderungen. Aus unserer Sicht ist ein CBE für digitale Anwendungsfälle im Kontext der ISO 10650 eine unabdingbare Vorausset zung. Es ermöglicht ein Informationsmanagement, wel ches die Bedürfnisse über den gesamten Lebenszyklus ei nes Bauwerks abdeckt.
Durch die zentrale Verwaltung der Bauteile bietet sich insbesondere Unternehmen mit einer dezentralen Organisationsstruktur die einmalige Chance, diesestandortübergreifendFachmodellstandardszuentwickelnundindenProjektendurchzusetzen.
Durch die zentrale Verwaltung der Bauteile bietet sich insbesondere Unternehmen mit einer dezentralen Organi sationsstruktur die einmalige Chance, Fachmodellstan dards standortübergreifend zu entwickeln und diese in den Projekten durchzusetzen. Der Aufwand für die Qualitäts kontrollen kann dadurch erheblich reduziert werden, was sich positiv auf den Projekterfolg auswirkt. Ein großer Vorteil des WebCatalogBrowsers besteht ferner darin, dass auch nicht technische Projektbeteiligte Zugang zu BIM-Informationen erhalten. Damit wird im Unternehmen zusätzlich das gemeinsame Verständnis für Bauteile und deren Bedeutung im BIM-Prozess gefördert. – iv Wissensbasierter–
Aspekte zum Thema nebst einem best-practice-Blick in die Niederlande und Dänemark Bild 1. Informationsverluste in den verschiedenen Phasen des Projekts [Eigene Darstellung in Anlehnung an Borrmann, Petzold, Münzner 2015 [1]]
ÜberEndlesswichtige
Theorie und Praxis 54 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen Anforderungen an die einzelnen Projektphasen Planung, Ausführung und Betrieb klar definiert, können Informa tionsverluste [Bild 1] bereits von Beginn an vermieden wer den. Notwendig ist ein Daten-Managementsystem ein soge nanntes CDE, das zum einen alle Projektphasen hinsicht lich ihrer Informationslieferungen miteinander verbindet, strukturiert und idealerweise so weit anreichert, dass eine nachhaltige und nachvollziehbare Daten-Bereitstellung und Bauwerks-Dokumentation für die Betriebsphase er reicht werden kann. – i –CDE was ist das genau? Im CDE werden graphische und nicht-graphische Daten sowie alle projektrelevanten Dokumente abgelegt [Bild 2]. Das CDE soll das gesamte Informationsmanagement über alle Projektphasen hinweg gewährleisten. Im Zentrum steht die Weitergabe der Bauprojektdaten zwischen den Phasen, Planen, Bauen und Betreiben. Idealerweise sollte das CDE eine Archiv-Funktion beinhalten, um für die Zu kunft eine zentrale Ablage für das Bauwerk vorzuhalten. Die genaue Definition zur Archivierung der Bauprojektda ten wird jedoch nicht durch die Systemlösung des CDEAnbieters festgelegt, sondern in den AIA. Allerdings müs sen sich die Anbieter der Software-Lösungen der Heraus forderung stellen, Daten zukünftig in lesbare Formate zu bringen bzw. die Dateiformate entsprechend up-to-date zu halten.
Environment
Kommunikation, Kollaboration und Datenmanagement in Bau projekten ist eine der gegenwärtigen und auch zukünftigen gro ßen Herausforderungen der gesamten Bauwirtschaft. Hinzu kommen eine große Anzahl an Projektbeteiligten, der vermeint liche Unikatcharakter eines Bauwerks, die Aufteilung der ein zelnen Arbeitspakete an eine große Anzahl an Nachtunterneh mern, die projektspezifischen Anforderungen und das Auftreten von Änderungen, durch die Bauprojekte zu einer komplizierten Aufgabe werden können. Dies alles sind bekannte Faktoren, aus denen sich komplizierte Projekte zu komplexen Projekten ent wickeln. Hinzu kommen hohe Anforderungen an Kostenkon trolle, Terminbindung und Qualität. Durch die Umsetzung des Stufenplans kommt nun noch die Förderung zur Umsetzung der BIM-Methodik hinzu. Wie soll das alles im Projekt kommuniziert werden? Vor allem, wenn sich die Kommunikation im Wesent lichen über Telefonate und eine Vielzahl von Emails erstreckt, führt dies zu Missverständnissen und mangelhafter Kommunika tion. Diese führt dann zu Planungs- und Ausführungsfehlern, die nur mit enormem Aufwand zu korrigieren sind. Schätzungsweise entfallen 20 % der Ausführungsfehler auf fal sche Planindizes und falsche Planstatus, deren Ursache in den meisten Fällen eine ungenügende Kommunikation darstellt. Diese verursachten Kosten in Höhe von 18,7 Mrd. E€ im Jahr 20201
Betrachtet man den derzeitigen Stand der Technik, so stel len Projektplattformen und gemeinsame Datenumgebun gen ein mächtiges Werkzeug für die Kommunikation und die Verwaltung von graphischen und nicht graphischen Daten dar. Werden diese richtig eingesetzt und sind die
Common Data ≠ Change Data
CDE –
Die Umsetzung der modellbasierten Arbeitsweise Building Information Modeling und der kollaborierten Projekt arbeit stellt den Projektteilnehmern Modelle mit einer Vielzahl an Informationen zur Verfügung. Wie bei der kon ventionellen papierbasierten Projektarbeit besteht jedoch weiterhin die Gefahr einer unstrukturierten Informations ablage und Informationsbereitstellung.3 Wie Borrmann beschreibt, führen unstrukturierte Daten zu Schwierigkei ten beim Auffinden und so zu Kostensteigerungen von 20–25 % in Bauprojekten. In verwandten Branchen wie der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und dem Schiffsbau wurde dies bereits vor Jahren erkannt und ent sprechende IT-Systeme und Strukturen aufge baut. Um hier klare Regeln, ein strukturier tes Vorgehen bei dertenstellungBauprojektendatenerderzugewährleisunddieUmsetzungBIM-Methodevor anzutreiben, wurden 2013 Leitfäden wie der BIM Guide Singapore [BCA 2013] und British Publicity Available Spe BIM-Anwendungsfälle sind nicht konklu dent zu den CDE-Anwendungsfällen. Die CDE-Anwendungsfälle dienen der Umset zung der meisten BIM-AF. Dieses Verständ nis ist deshalb so wichtig, weil auf Basis der CDE-Anwendungsfälle das entspre chende System zu konfigurieren ist. Die DIN SPEC 91391 gibt hier Unterstützung und schreibt explizit Mindestfunktionen vor, die in den System-Lösungen enthalten sein müssen. cification [PAS] 1192-2 entwickelt [Borrmann und Pätzold 2018]. In diesen Dokumenten wird auch das CDE und dessen Funktionen wie folgt beschrieben: „Bei einem CDE handelt es sich um die ‚Single Source of Truth‘. Dies be zeichnet eine vereinbarte Quelle von Informationen für ein gegebenes Projekt oder ein Einbauteil […] mittels ge steuerter Prozesse werden Bauprojektdaten gesammelt, bearbeitet und verteilt.“4 Dies steht im Gegensatz zu dem immer noch gängigen Verständnis, dass es sich File-Server oder file-sharing eben falls um eine CDE handelt. Die anfallenden Informationen werden an beliebigen Stellen und Strukturen auf einem Projektserver oder so gar der lokalen Fest platte abgelegt. Jegli cher Emailverkehr wird durch das „cc“ dann auf einen firmeneige nen Server abgelegt, ohne dass dieser struk turiert oder verlinkt wird. Hier beginnt die unstrukturierte Samm lung diverser Daten. Darüber hinaus spielt es eine unterge ordnete Rolle, welche Vakanz diese Daten per se besitzen; es ist unklar wem diese zuzustellen sind, eine Revision findet nicht statt. Entsprechend führen solche Arbeitswei sen über lokale Festplatten, USB-Sticks, per file-sharing und file server zu einem collect data endless CDE.
Die DIN SPEC 91391 gibt hier Unterstützung und schreibt explizit Mindestfunktionen vor, die in den SystemLösungen enthalten sein BIM-Anwendungsfällemüssen.sindnicht konkludent zu den CDE-Anwendungsfällen. Die CDE-Anwendungsfälle die nen der Umsetzung der meisten BIM-AF. Dieses Verständ nis ist deshalb so wichtig, weil auf Basis der CDE-Anwen dungsfälle das entsprechende System zu konfigurieren ist.
Theorie und Praxis 55Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
Der Aufbau eines CDE ist modular [Bild 3]. Dabei sind die unterschiedlichen Module mit Funktionen ausge statten, die die Umsetzung der Projektanforderungen und BIM-Anwendungsfälle gewährleisten. An dieser Stelle sei erwähnt, dass BIM-Anwendungsfälle nicht konkludent zu den CDE-Anwendungsfällen sind. Die CDE-Anwendungs fälle dienen der Umsetzung der meisten BIM-AF. Dieses Verständnis ist deshalb so wichtig, weil auf Basis der CDEAnwendungsfälle das entsprechende System zu konfigurie ren ist.
Die DIN SPEC 91391 gibt hier Unterstützung und schreibt explizit Mindestfunk tionen vor, die in den System-Lösungen ent halten sein Grundsätzlichmüssen. ist in der DIN SPEC 91931 festgelegt, dass Systemlösungen, die nicht in der Lage sind die netnichtrungenMindestanfordezuerfüllenauchalsCDEbezeichwerden.Alswesent liche Funktionen sind hier das Projektmanagement, die Rechte – und Rollen-verwaltung sowie das Dokumentenund Modellmanagement zu nennen – ii CDE ––Was passiert dort eigentlich?
„Arbeitsweisen über lokale Festplatten, USB-Sticks, per file-sharing und file server führen zu einem collect data endless CDE. Im Ergebnis liegt nun eine große Anzahl an (unstrukturierten) Daten vor. Doch das eigentliche Pro blem tritt erst vollständig zu Tage, wenn aus diesen [un strukturierten] Daten keine Informationen gewonnen wer den können und diese somit wertlos sind.“
Im Ergebnis liegt nun eine große Anzahl an (unstruk turierten) Daten vor. Doch das eigentliche Problem tritt erst vollständig zu Tage, wenn aus diesen [unstrukturier Bild 2. Abgelegte Informationen in einem CDE2
Bei einem CDE handelt es sich um die ‚Sin gle Source of Truth‘. Dies bezeichnet eine vereinbarte Quelle von Informationen für ein gegebenes Projekt oder ein Einbauteil […] mittels gesteuerter Prozesse werden Bauprojektdaten gesammelt, bearbeitet und verteilt. Arbeitsweisen über lokale Festplatten, USB-Sticks, per file-sharing und file server führen zu einem collect data endless CDE. Im Ergebnis liegt nun eine große Anzahl an (unstrukturierten) Daten vor. Doch das ei gentliche Problem tritt erst vollständig zu Tage, wenn aus diesen [unstrukturierten] Daten keine Informationen gewonnen werden können und diese somit wertlos sind.
Theorie und Praxis 56 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen
baus, der Vorbereitung und des Trainings. Mangelhaftes Training für solche digitalen Anwendungen und auch ein fehlendes persönliches Verständnis im Umgang mit digita len nichtvorhandenendererseitsodernichtistfachanalogenis,ausarbeit.ordnungneuenführenArbeitsmethodensonstzueinerundgroßenUnundDoppelDiesresultiertdemMissverständdassmanbisherigeProzesse„eindigitalisiert“.Dieseinerseitshäufigmöglichund/sinnvollundanwurdendieProzesseausreichendoder
Durch das Hinzufügen von Punkten zwischen den Zahlen werden diese in einen Kontext gebracht und können als ein Datum interpretiert werden. Genau diese Zusammen hänge müssen bei der Datenablage und der späteren Infor mationsgewinnung in einer CDE berücksichtigt werden. – iii Ordnung– muss sein – Rollen, Sphären, Bereiche und Status Wie strukturiert man ein CDE? Wichtig ist zu Beginn, vor zugsweise in der (Vor-) Planung, eine frühestmögliche Ein bindung des Auftragnehmers, um zum einen Gruppen-, Rollen und Rechtbilder klar zu definieren und zum anderen alle notwendigen Prozesse z. B. für Freigaben, Nachweis bringung, Bemusterung etc. klar und eindeutig zu definie ren. Viele Baubeteiligte sind sich bewusst, dass eine CDE und andere digitale Hilfsmittel ihnen dabei helfen sollen, ihre Tätigkeiten strukturiert und kontrolliert und transpa renter auszuführen. Dies bedarf jedoch eines Wissensauf
Mangelhaftes Training für solche digitalen Anwendungen und auch ein fehlendes per sönliches Verständnis im Umgang mit digi talen Arbeitsmethoden führen sonst zu einer neuen und großen Unordnung und Doppelar beit. Dies resultiert aus dem Missverständ nis, dass man bisherige analoge Prozesse „einfach digitalisiert“. Dies ist einerseits häufig nicht möglich und/oder sinnvoll und andererseits wurden die vorhandenen Pro zesse nicht ausreichend oder gar nicht auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft.
Beispiel: Daten: 06091977 → kein Kontext erkennbar, ggf. Zahlenkombination o. ä. Informationen: 06.09.1977 → Datum, die Zah len stehen im Kontext zueinander
gar nicht auf ihre Funktionsfähig keit geprüft. Das Ergebnis kann in solchen Fällen wie folgt formuliert werden: Wenn man einen ungenügenden analo gen Prozess digitalisiert, erhält man am Ende (einen) unge nügend digitale(n) Prozess(e). Aus diesen resultiert dann ein kaum beherrschbares Chaos im Projekt. Eine klare Rollenbeschreibung und die damit verbun dene Definition der Verantwortlichkeiten sind ein essen zieller Bestandteil für das Funktionieren des Informations flusses in einem CDE. Im Zuge der Umsetzung der Metho dik BIM und dem Einsatz eines CDE entwickeln sich neue Rollen in den klassischen Berufsbildern in einem Baupro jekt. Hierzu gehören z. B. Project Information Manager, der Lead Designer, Task Team Manager, Task Information Manager sowie der Interface Manager. – iv Sphären– des CDE Sind nun Gruppen-, Rollen- und Rechtekonzepte sowie die Prozesse fertiggestellt, müssen in der CDE entsprechende Sphäre bereitgestellt werden. In diesen Sphären werden die Datensätze der jeweiligen Projektbeteiligten entspre chend der definierten Status’ z. B. nur in der „eigenen geschlosse nen“ Sphäre des Un ternehmens etc. geteilt. Man bezeichnet dies als Mandantenfähig keit. Dieser Begriff ent stammt der IT und be schreibt die Fähigkeit von Server oder Soft ware mehrere Kunden, Auftraggeber etc. ver walten zu können, ohne dass diese die Daten des jeweils anderen einsehen können. Diese Tech nik ermöglicht es Daten in Datenbanken logisch voneinan der zu trennen und zu verwalten. Entsprechend können Daten unterschiedlicher Unternehmen, Abteilungen, Standorten etc. getrennt voneinander bereitgestellt wer den.5 Bild 3. Module und Aufbau eines CDE [Eigene Darstellung in Anlehnung an DIN SPEC 91391-1:2019-04]
Der Begriff „Mandantenfähigkeit“ ent stammt der IT und beschreibt die Fähigkeit von Server oder Software, mehrere Kunden, Auftraggeber etc. verwalten zu können, ohne dass diese die Daten des jeweils an deren einsehen können. Diese Technik er möglicht es, Daten in Datenbanken logisch voneinander zu trennen und zu verwalten. Entsprechend können Daten unterschied licher Unternehmen, Abteilungen, Stand orten etc. getrennt voneinander bereitge stellt werden.
ten] Daten aber keine Informationen gewonnen werden können und diese somit wertlos sind. Verlinkungen sind nicht vorhanden und ein Kontext ist nicht ersichtlich. So mit ist es sehr schwierig bis unmöglich, Zusammenhänge zu erkennen und wertvolle Informationen zu gewinnen, insbesondere wenn der Projektabschluss längere Zeit zu rückliegt. Im allgemeinen Sprachgebrauch verwischen die Grenzen zwischen Informationen und Daten. Genau diese Unterscheidung ist aber ein zentraler Punkt, um zu begrei fen, warum ein CDE für einen reibungslosen Projektablauf so wichtig ist. Was ist nun der Unterschied zwischen Infor mationen und Daten? Bei Daten handelt es sich um einzelne Einheiten wie z. B. Zahlen, Buchstaben, Zeichen, Sonderzeichen etc.
Allein diese Frage legt, beschränkt auf die Ausführungs phase, die grundlegenden Defizite offen, die aus einer man gelhaften Kommunikation und Datenverteilung in deut [Eigene Darstellung in SPEC 91391]
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Bild 4. Informationslieferungen entsprechend dem Mandantenprinzip
Der Begriff „Mandantenfähigkeit“ entstammt der IT und beschreibt die Fähigkeit von Server oder Software, mehrere Kunden, Auftraggeber etc. verwalten zu können, ohne dass diese die Daten des jeweils anderen einsehen können. Diese Technik ermöglicht es, Daten in Datenban ken logisch voneinander zu trennen und zu verwalten. Entsprechend können Daten unterschiedlicher Unterneh men, Abteilungen, Standorten etc. getrennt voneinander bereitgestellt werden. In einem CDE ist diese Technik in doppelter Hinsicht ein wichtiges Kriterium. Einerseits ist sie Teil der DSGVO und andererseits stellt sie die Wahrung von UnternehmensKnowhow in einer gemeinsamen Datenumgebung eines Bauprojekts sicher. Die unterschiedlichen Projektbeteilig ten erstellen eine Vielzahl an Dokumenten, Plänen und Modellen in den unterschiedlichen Phasen eines Projekts. Dabei erfolgt die Lagerung dieser Informationen anfangs in den einzelnen Unternehmenssphären. In diesen Sphä ren hat nur die jeweilige Organisation bzw. der Ersteller Zugriff auf die Daten. Nur diese können anschließend über einen definierten Prozess ihre Informationen mit weiteren Projektpartner teilen und sichtbar machen. Das Kriterium der Mandantenfähigkeit ist DIN SPEC 91391 eine grundlegende Fähigkeit eines CDE. Die Umsetzung erfolgt entspre chend dem Schema in Bild 4. – v Bereiche– des CDE Diese vier Bereiche bilden den „Kern“ des CDE [Bild 5]. Um jederzeit eine eineindeu tige Identifikation der Informationen in dem CDE zu gewährleisten, ist ein MetadatenManagement einschließlich einer Revisionsund Zustandskodierung zwingend erforder lich. Die einzelnen Phasen entstammen der PAS 1192-2 und wurde in die DIN 91391 übernommen. – vi –Best Practice Erfahrungen aus Projekten D, NL, DK Ein Blick in die Nachbarländer zeigt ein an deres Verständnis, wie Bauprojektdaten ver waltet werden. In den Niederlanden bspw. erfolgt dies häufig auf Grundlagen von bestpractice Ansätzen, die gleichfalls die Grund lagen für die Entwicklung der zugehörigen Normen bilden. Hieraus haben sich viele In stitute entwickelt, die die Normen, Standards und Richtlinien detailliert ausarbeiten und großen Wert darauf legen, praktische An sätze zu integrieren. Der Grundsatz „Keep It Simple, Stupid“ wird immer wieder berück sichtigt. In den Niederlanden wurde das Thema der modelbasierten Arbeitsweise be reits Mitte der 2000er angegangen, auch wenn es zum damaligen Zeitpunkt keine ein deutigen und per Norm definierten Standards existierten. Dies wurde in den vergangenen Jahren sukzessiv angegan gen und mittlerweile gehören digitale Methoden und Pro zesse zum Standard in den meisten Projekten. Insbeson dere Themen wie CDE, Anforderungsmanagement oder Lean-Management stehen hier im Fokus und sollen zu künftig für noch bes sere Projektabläufe sor gen Beispielhaft sei hier die Frage eines nie derländischen Kollegen zitiert: „Warum setzt ihr eure Bauleiter lichinPlanungskoordinatorenundDeutschlandeigentpermanentalsFeuerlöscher ein, anstatt Ihnen eine geordnete Baustelle zur Verfügung zu stellen, in denen die sich auf Qualität und Richtigkeit konzentrieren können?“
Anlehnung an DIN
Um jederzeit eine eineindeutige Identifika tion der Informationen in dem CDE zu ge währleisten, ist ein Metadaten-Manage ment einschließlich einer Revisions- und Zustandskodierung zwingend erforderlich. Die einzelnen Phasen entstammen der PAS 1192-2 und wurde in die DIN 91391 übernommen.
Theorie und Praxis 58 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen schen Bauprojekten resultieren. Das Fehlen von Kommu nikation, Prozessen, Standards und Strukturen, verursacht auf vielen Baustellen in Deutschland seit langer Zeit ein großes Chaos. Aus dem folgt zwangsläufig Ineffizienzen, doppelte Arbeit und eine materielle und per sonelle schwendung.RessourcenverEinweiteresBeispielistbeiunseremnördlichenNachbarnin Dänemark zu fin den. Auch dort werden Bauprojekte anders angegangen. Deutlich wird vor allem bei der Implementierung neuer Methoden wie VDC, BIM u. a. In Dänemark setzt die Da nish Building Authority seit 2007 auf verbindliche Regula toren bzgl. Informations- und Kommunikationstechnolo gien in öffentlichen Bauprojekten. Diese bilden seit 2011 in den Regulation concerning the use of information and communication technology (ICT) in public construction die Grundlage für die Umsetzung der BIM-Methodik in Projekten ab 5 Mio. DKK (ca. 670.00 €)6. Hierbei spielt neben den Normen, Standards und der Erkenntnis Bauprojekte effizienter umzusetzen, auch wei che Faktoren wie das Mindset, eine wichtige Rolle. In Skandinavien scheinen die Men schen offener gegenüber neuen Methoden und Technologien zu sein. Diese werden als Werkzeuge und nicht als Zwang durch das Management wahrgenommen und entspre chend im Projekt umgesetzt. Den öffentlichen Auftraggebern in Däne mark ist bewusst, dass es noch einige Zeit dauert bis die BIM-Methode und damit ver bunden CDE vollflächig auf den Baustellen bzw. in der Herstellungsphase etabliert sind, jedoch wird hier ebenfalls auf den bestpractice Ansatz gesetzt. Der Grund liegt nicht etwa in der Hemdsärmeligkeit der dänischen Behörden. Vielmehr haben diese erkannt, dass momentan noch zu wenig Forschung und Dokumentation in diesem Bereich statt finden, es aber vielversprechende Ansätze der Projektbeteiligten gibt. Das Fazit der Danish Building and Property Agency fällt somit deutlich aus: [Die Methode] BIM ermöglicht eine bessere Kommunikation in Projekten inkl. Einer effizienten digitalen Qualitätssi cherung durch Nutzung von funktionieren den Prozessen, Gruppen, Rollen und Rechte bildern, sowie festdefinierten Status und Sphären.Vereinfacht kann man sagen: In den Nie derlanden und Dänemark gibt es funktionie rende und praktische Standards, die national abgestimmt sind. Somit sind Firmen und Un ternehmen in der Lage flexibel und schnell agieren zu können um komplexe Projekte strukturiert und geordnet durch Nutzung ei ner CDE abwickeln zu können. Vergleicht man die Beispiele im Umgang mit neuen Technologien unserer Nachbarlän der so ist festzustellen, dass Deutschland um Jahre ziem lich abgeschlagen ist. Dies liegt vor allem daran, dass von staatlichen Stellen zu erst Standards geschaf fen werden, ohne hier für auf ein belastbares Know-how zurückgrei fen zu können. Das Fehlen von Erfahrun gen und praktischem Wissen wird oftmals durch den Einsatz von Task-Forces und Kommissionen verdeckt, die letztendlich nur die Erkenntnisse aus der Literatur wiedergegen und selten aus realen Projekten. – vii –Fazit und Ausblick Abschließend ist hervorzuheben, dass es bei der Imple mentierung von CDE in Deutschland nicht an der Technik scheitern wird. Aufgrund der Vertragssituation und der unterschiedlichen Fokussierung von Auftraggebern und Bild 5. Die vier Teilbereiche des Common Data Environment entsprechend DIN EN ISO 19650 (Abb.: 1 Münzer, D. IM bei Infrastrukturprojekten – Neue Herausforderungen, 13. BuildingSmart Anwendertag 2015, Boll und Partner, Beratende Ingenieure VBI, GmbH & Co. KG, Stuttgart; 2 Quelle:www.thenbs.com; 3 DIN SPEC 91391-1:2019-04 Common Data Environments (CDE) for BIM projects, Beuth Verlag, Berlin; 4 DIN EN ISO 19650 Organiza tion and digitization of information about buildings and civil engineering works, Beuth Ver lag, Berlin; 5 DIN ISO 19650) „Warum setzt ihr eure Bauleiter und Pla nungskoordinatoren in Deutschland eigent lich permanent als Feuerlöscher ein, anstatt Ihnen eine geordnete Baustelle zur Verfü gung zu stellen, in denen die sich auf Quali tät und Richtigkeit konzentrieren können?“
Das Fazit der Danish Building and Property Agency fällt somit deutlich aus: [Die Me thode] BIM ermöglicht eine bessere Kom munikation in Projekten inkl. Einer effizien ten digitalen Qualitätssicherung durch Nut zung von funktionierenden Prozessen, Gruppen, Rollen und Rechtebildern, sowie festdefinierten Status und Sphären.
für den Datenschutz und die Informationsfreiheit [6] Bekendtgørelse om anvendelse af (bygst.dk) Nils Aleweiler, Volker Seebode www.thenbs.com Das CDE für den Bau & Immobilien Life Cycle PMG Projektraum Management GmbH www.pmgnet.de · anfrage@pmgnet.de 089 33037820 1.000 mehr als parallele Projekte 80.000 mehr Benutzerals 100 MRD mehr als Euro Projektvolumen Mehr Sicherheit, Flexibilität, Effizienz und Nachhaltigkeit für Ihre Projektentwicklungen! Projekt A (Kommunikation, Vertragsmanagement) Projekt B (Kommunikation, Planschlüssel, Planfreigabe) Projekt C (Planview, Kommunikation, Planschlüssel) Projektraum A Projektraum B Projektraum C • Plan- und Dokumentenmanagement • Automatisierte BaustellendokumentationWorkflows • Baukostenmanagement • Kommunikation • BIM ready ESG Checkliste • Transaktion Die Basis für BIM Collaboration in Bauprojekten und dank ESG Dokumentation und Checkliste beste Unterstützung zur Erreichung Ihrer ESG Ziele. Lediglich bei der HOAI wird BIM und damit verbunden auch CDE als eine „besondere Leistung“ bezeichnet, wobei auch hier die Frage erlaubt sei, ob dreidimensionale Bauwerksmodelle im Jahr 2022 immer noch eine besondere Leistung darstellen?
Theorie und Praxis Auftragnehmern in Projekten, liegen die Ursachen für das Fehlen eines funktionierenden CDE und dessen Implementierung vielmehr im organisatorischen, regulatorischen und honorartechnischen Bereich. Z. B. sehen Verordnungen wie die VOB oder HOAI, BIM, geschweige denn ein CDE, überhaupt nicht vor bzw. sie werden hier nicht beschrieben. Lediglich bei der HOAI wird BIM und damit verbunden auch CDE als eine „besondere Leistung“ bezeichnet, wobei auch hier die Frage erlaubt sei, ob dreidimensionale Bauwerksmodelle im Jahr 2022 immer noch eine besondere Leistung CDEsdarstellen?werden sich etablieren, daran besteht kein Zweifel. In vielen Projekten gibt es bereits gute und vor allem funktionierende Ansätze. Um BIM, wie es der Stufenplan vorsieht, in den nächsten Jahren vollflächig zu implementieren, bedarf es zwingend einer gemeinsamen Datenumgebung. Diese bildet das Rückgrat bei der Umsetzung von BIM. Das „C“ in CDE steht somit für Collaboration, was den Kern der BIM-Methodik darstellt. Getreu dem Motto: „Wissen ist ein Phänomen: es vermehrt sich, wenn man es teilt“.Die Erfahrungen unserer Nachbarländer (anerkannte Regeln der Technik) die Übernahme der British Standard PAS 1192 in die ISO-Normen geben allen Beteiligten ein gutes Rüstzeug an die Hand. Jetzt muss es endlich genutzt werden.Alle an und in Bauprojekten beteiligten Personen, Institutionen und Gesellschaften in Deutschland müssen endlich den Mut haben, sich auf neuen Arbeitsweisen und Technologien einzulassen. Wir müssen weg von dem Gedanken „[..] es hat doch bisher immer geklappt, warum sollten wir es ändern?“ und „(…) was habe ich davon, das ist eine gesonderte Leistung (…)“. Genau diese festgefahrenen Meinungen und Statements sind der Grund, warum die Bauwirtschaft in Deutschland weiter an Produktivität verliert, Gewinnmargen bei den meisten Unternehmen bei 2–5 % verharren und eine Tätigkeit für die nachfolgende Generation als unattraktiv gilt, da die Bauwirtschaft als technologisch rückständig gilt.
[2] DIN SPEC 91391-1:2019-04 Common Data Environments (CDE) for BIM projects [3] Borrmann, A.; Pätzold, F.; Soham, S.; Deepak, R. E., Common Data Environments – Advanced Topics ion Building Information Modeling, Technical Univerity Munich – Faculty of Civil, Geo and Environmental Engineering: Chair of Compitational Modeling and Faculty of Architecture: Simulation & Chair of Architectual Informatics, 2018, München [4] Institution, British Standards, PAS 1192-2:2013 Specification for information management for the capital/delivery phase of construction projects using building information modelling, 2013, London [5] Ständige Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder Arbeitskreis Technische und organisatorische Datenschutzfragen, Technische und organisatorische Anforderungen an die Trennung von automatisierten Verfahren bei der Benutzung einer gemeinsamen IT-Infrastruktur, 2012, Der Landesbeauftragte
Auch müssen alle Beteiligten wieder ein gemeinsames Ziel haben, welches darin besteht, Wissen zu teilen und nicht für sich zu behalten. Nur so ist ein gemeinsamer Projekterfolgt bei der steigenden Komplexität zukünftiger Projekte möglich. Hierzu passt das Zitat des Bentley Managers Phil Jackson: „[…] die Technik bekommen wir in den Griff, bei den Menschen bin ich mir da nicht so sicher […]“ Literatur [1] BauInfoConsult GmbH, Luegallee 7, D-40545 Düsseldorf. Bauinfoconsult – Marktforschung für den Bau-, Installationsund Immobilienbranche. [Online] 03.08.2018, 18:54. August 2018. „[…] die Technik bekommen wir in den Griff, bei den Menschen bin ich mir da nicht so sicher […]“
Zu Mark Buckle: Buckle wurde vor einem Jahr vom Bereichsleiter für den Süd osten auf den neuen Posten befördert, der geschaffen wurde, um sich auf die Entwicklung, den Einsatz und die Umsetzung moderner Konstruktionsmethoden und das Design for Manu facture and Assembly im gesamten Unternehmen zu konzent rieren. Zu Buckles Aufgaben gehört auch die Gesamtverant wortung für die digitale Konstruktion, das Design und die Nach haltigkeitsstrategie von Tilbury Douglas – PPP (People, Planet, Performance). Er leitet jetzt ein Team von 16 Mitarbeitern, das weiter wächst, wobei alle angeschlossenen Arbeitsbereiche einem einzigen Ansprechpartner unterstellt sind. (Foto: Tilbury Douglas)
Herr Buckle, führen Sie uns durch die digitale Strategie von Tilbury Douglas Vor etwa 18 Monaten haben wir beschlossen neu anzufan gen. Die meisten Unternehmen, die sich auf die digitale Reise begeben, müssen sich mit Altsystemen herumschla gen und sie alle irgendwie miteinander verbinden. Wir sind nicht an Altsysteme gebunden. Wir haben alles auf die neu esten Cloud-Systeme umgestellt, in die neuesten Mobil telefone investiert, und das ermöglichte uns die Freiheit, die Branche etwas anders zu betrachten als alle anderen.
müssten.Die
Zeit zwischen Zuschlag für ein Projekt und Beginn der Arbeiten um 92 % verkürzen Interview mit Mark Buckle, TCO bei Tilbury Douglas, London über einen neuartigen Digitalisierungsansatz und LiDAR als Schlüssel zu mehr Effizienz
Wir stellen fest, dass die Dominanz einiger großer An bieter im digitalen Bereich die Menschen dazu bringt, die digitale Reise auf eine Art und Weise anzutreten, die kaum logisch wäre, wenn sie sich nicht um die dominanten Ak teure herum bewegen müssten.
Theorie und Praxis 60 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen im Bauwesen, sondern in anderen Sektoren wie der Luft fahrtplanung.Wirverwenden unser eigenes Repository (in etwa: Depot, die Red.) und unsere Datenbank als Kommunika tionsmittel zwischen den Modulen. Wir haben beschlos sen, der Übersetzer zu sein. All dies wird im Laufe des Jahres bei Tilbury Douglas Connect in einer Reihe von Modulen zum Tragen kommen. Wenn wir dann einen As pekt aktualisieren wollen, können wir einfach das Modul ändern. Können Sie uns ein Beispiel nennen? COBie ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Da es sehr begrenzt ist in Bezug auf die Daten, die tatsächlich in das System aufgenommen werden können, mussten wir eine COBie+Lösung entwickeln, um alle Informationen, die wir spei chern wollten, zu ermöglichen. So werden beispielsweise nicht nur unsere Teile-Nummern gespeichert, sondern auch die Fertigungsinformationen der Lieferkette.
Asite ist unser Partner für die Bereitstellung der ge meinsamen Datenumgebung und der zentralen Plattform für die Verwaltung von Informationen, von der Angebots Mark Buckle ist technischer Leiter bei Tilbury Douglas in London. Nach einem Jahr in seiner neuen Rolle als techni scher Direktor spricht er mit Denise Chevin für das onlineMagazin BIM+ über die bevorstehende Einführung von Tilbury Douglas Connect und warum LiDAR der Schlüssel zur Effizienz ist. Das Unternehmen verfolgt einen neuen, ganz anderen Ansatz bei der Digitalisierung. Es fasst alle seine Anwen dungen unter einer übergreifenden Schnittstelle zusam men, die es jedem – von einem Schulleiter bis zum Baulei ter – ermöglicht, in das System einzusteigen und Projekt daten zu interpretieren. – Ein ehrgeiziges Ziel, das die Zeit von der Gewinnung von Projekten bis zum Einsatz vor Ort verkürzen soll.
Wir haben einen ‚Hub-and-Spoke‘-Ansatz* gewählt und nutzen Apps und Module. In der Branche setzt man normalerweise auf die großen, etablierten Softwaremarken und dann auf alles, was sich damit verbinden lässt. Wir haben gefragt, was für unsere speziellen digi talen Anforderung das Beste ist. Bei der 5DKostenplanung z. B. su chen wir nach dem Bes ten in der Branche und nach der besten App, die das kann, unabhän gig davon, ob sie nur mit etablierten Systemen oder etwas anderem kommuniziert. Manchmal liegt die Lösung nicht * nach Wikipedia: Die Begriffe Hub and Spoke, (Nabe und Spei che) werden im Transportwesen und in der Informationstechnik benutzt. Allgemein bezeichnen sie die Verbindung zwischen zwei Endknoten A und B nicht direkt, sondern über einen Zentralkno ten Z, die Nabe (englisch: hub), geführt wird. Die Verbindungen der Endknoten A und B zum Knoten Z bezeichnet man hierbei als Speichen (englisch: spokes).
Wir stellen fest, dass die Dominanz einiger großer Anbieter im digitalen Bereich die Menschen dazu bringt, die digitale Reise auf eine Art und Weise anzutreten, die kaum logisch wäre, wenn sie sich nicht um die dominanten Akteure herum bewegen
Die Benutzeroberfläche ist eine einzige App: Wir wollen, dass jeder, vom technisch versierten Projektmanager bis zu jeman dem mit weniger technischen Vorausset zungen, darauf zugreifen kann. Und wir wollen, dass auch die Kunden Zugang zu Informationen über ihre Projekte haben.
Wir werden einen sehr großen SoftwareAnbieter nicht dazu bewegen, seine Vorge hensweise zu ändern, obwohl wir versu chen, über die UK BIM Alliance und ver schiedene andere Initiativen Einfluss zu nehmen. Wir haben also einen ‚Übersetzer‘ dazwischengeschaltet, damit die inkompa tiblen Systeme miteinander kommunizieren können.
Unser Ziel ist es, die Zeit zwischen dem Zu schlag für ein Projekt und dem Beginn der Arbeiten vor Ort um 92 % zu verkürzen. Wir halten das für erreichbar.
Im Aintree Hospital in Liverpool z. B. setzen wir Ho loLens ein und verwenden Augmented Reality auf Baustel len. Wir sehen viel Potenzial für LiDAR***, das wir beim ** britisches Äquivalent zu HOAI-Leistungsphasen *** LiDAR steht für Light Detection and Ranging und ist eine beliebte Methode zur Umfelderfassung.
Wie lösen Sie das Problem? Wir werden einen sehr großen Software-Anbieter nicht dazu bewegen, seine Vorgehensweise zu ändern, obwohl wir versuchen, über die UK BIM Alliance und verschie dene andere Initiativen Einfluss zu nehmen. Wir haben also einen ‚Übersetzer‘ dazwischengeschaltet, damit die inkompatiblen Systeme miteinander kommunizieren kön nen. Sehen Sie mehr Automatisierung auf der Baustelle? Meiner Meinung nach wird die Einführung von Robotik und Automatisierung auf der Baustelle keine entschei dende Rolle spielen. Die Einrichtung solcher Technologien für ein kleines oder mittleres Projekt zur Robotik oder Au tomatisierung kann länger dauern, als wenn jemand ein fach Einloslegt.großes Potenzial sehr ich allerdings für das Li DAR-Scannen. Die Baustelle kann z. B. zur Feststellung des Fortschritts über Nacht gescannt werden, so dass der Scan etwa zeigen kann, dass die Rohrleitungen noch nicht installiert wurden. Außerdem las sen sich damit auch Werte ermitteln: Da das System Objekte er kennen kann, erhält man eine sofortige Be wertung seines Pro jekts, weil man ja die Kosten jedes Objekts kennen und so feststellen kann, ob die Objekte innerhalb der Toleranzgrenzen installiert wur den.
Scannen von Baustellen einsetzen, und wir haben einige Zulieferer, deren Arbeiten wir mit LiDAR scannen und dann am Rechner bewerten. Natürlich machen wir das im Augenblick noch parallel zur konventionellen Methode, aber die Ergebnisse sind sehr interessant. Wie sieht es mit Offsite-Fertigung oder Ähnlichem aus? Wir überlegen auch, wie wir digitale und moderne Bau methoden in unsere Arbeitsabläufe einbinden können, um alle Arten von Verschwendung zu reduzieren. Unsere Bau ingenieure und Architekten verbringen drei Monate mit der Planung. Dann geben wir sie an Spezialisten weiter, die sie in 10 Wochen so umgestalten, dass sie für ihre automa tisierte Fertigungsstraße verwendet werden kann. Dabei konzentrieren wir uns darauf, wie unsere Sys teme ihnen die von ihnen benötigten Informationen lie fern. Auch hier geht es wieder um die Dominanz bestimm ter Anbieter, deren IT-Programme für die Fertigung sich von denen für die Konstruktion unterscheiden.
Ob Spot, der Roboterhund von Boston Dynamics, für LiDAR-Scans auf Baustellen eingesetzt wird oder ob un sere Mitarbeiter mit tragbaren Scannern auf Baustellen unterwegs sind – unsere digitalen Systeme bieten erstaun licheIchMöglichkeiten.glaubeauch, dass sich die Lieferketten immer mehr zusammenschließen werden, und dass wir immer mehr Produkte als Gesamtlösung und nicht als einzelne Komponenten anbieten werden. Dies lässt sich nur er
Theorie und Praxis 61Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen phase bis zur Übergabe. Wir arbeiten mit Asite an der Ent wicklung des integrierten Systems, einschließlich der Dashboards, und an einer möglichen Integration mit unse rem neuen Finanz- und unserem Planungssystem. Was ist das Ziel? Die Benutzeroberfläche ist eine einzige App: Wir wollen, dass jeder, vom technisch versierten Projektmanager bis zu jemandem mit weniger technischen Voraussetzungen, dar auf zugreifen kann. Und wir wollen, dass auch die Kunden Zugang zu Informationen über ihre Projekte haben. Egal, ob es sich um einen Schulleiter oder einen Leiter außerdemdeuten.einzusehenDatenMöglichkeithandelt,Immobilienabteilungdersiewerdendiehaben,überihrProjektundzuSiewerdeninderLage sein, das Modell selbst in einem einfachen Format zu durchlaufen.Wirbeginnen mit dem Entwurf der RIBA-Phase 2 oder 3** bis hin zur Übergabe. Und alle unsere Abläufe und Arbeitsabläufe sind auf eine einzige Benutzeroberflä che ausgerichtet. Wir planen, das gesamte System, Tilbury Douglas Connect, noch in diesem Jahr auf den Markt zu bringen. Das wird kein separates kommerzielles Produkt sein, sondern ausschließlich für den internen Gebrauch und unsere Kunden bestimmt sein. Sie haben offensichtlich enormes Geld und viel Zeit inves tiert: Auf welche Ergebnisse zielen Sie als ROI ab? Unser Ziel ist es, die Zeit zwischen dem Zuschlag für ein Projekt und dem Beginn der Arbeiten vor Ort um 92 % zu verkürzen. Wir halten das für erreichbar. D. h. nicht, dass wir das heute schaffen können, aber das sind von uns angestrebten Ziele. Dabei gehen wir natürlich davon aus, dass wir klein anfan gen und dann innerhalb von etwa fünf Jahren einen expo nentiellen Anstieg verzeichnen werden. Abgesehen von der Software, wie will Tilbury Douglas die neuen Technologien nutzen? Wie unsere Marktbegleiter beschäftigen wir uns mit allen möglichen Dingen – 3D-Druck, Ziegelverlegungsmaschi nen, Robotik, Boston Dynamics’ Roboterhund Spot. Aber es gibt derzeit viele Technologien, die tendenziell einmalig sind. Auch wird viel Wert auf Neubauprojekte gelegt, wäh rend sich beträchtliche Teile der Branche eher mit Sanie rung und Bauen im Bestand beschäftigt.
Theorie und Praxis 62 Ernst & Sohn Special 2022 · CDE – Informationsmanagement Planen und Bauen reichen, wenn wir die Mengen liefern können, die sie be nötigen, um die Schnittstellenprobleme und die allgemei nen Qualitätsprobleme zu lösen. Die Frage, wie oft dies in verschiedenen Gebäuden vorkommt, war schon immer eine ressourcenintensive Frage und hat das industriali sierte Bauen außerhalb des Brot-und-Butter-Ansatzes ein geschränkt.
Beilagenhinweis: Diese Ausgabe enthält folgende Beilagen: Ernst & Sohn GmbH, 10245 Berlin
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Mikrofilm
Meetings mit dem Kunden per Mausklick von BIM zu digitaler Realität wechseln können. Haben Sie Dank, Herr Buckle, für dieses Interview www.tilburydouglas.co.uk Das Interview erschien zuerst auf BIM+ am 21.4.2022 –Deutsch von DeepL und Burkhard Talebitari ErnstImpressum&SohnSpecial: Common Data Environment Ernst & Sohn GmbH Rotherstraße 21, 10245 Berlin, Tel. (030) 470 31-200, Fax (030) 470 31-270 www.ernst-und-sohn.de Redaktion Dr. Burkhard Talebitari (verantw.) Tel. (030) 470 31-273, Fax (030) 470 31-229 btalebitar@wiley.com Kunden-/Leserservice Wiley-VCH Kundenservice für Ernst & Sohn Boschstraße 12, D-69469 Weinheim Tel.: +49 (0)800 1800 536 (innerhalb Deutschlands) Tel.: +44 (0)1865476721 (außerhalb Deutschlands) Fax: +49 (0)6201 606184 Schnelleinstieg: BestellnummerEinzelheftEinzelheft-Verkauf:www.wileycustomerhelp.comCS-Germany@wiley.com25,–€inkl.MwSt.undVersand/Porto2134-2218 Weitere Sonderhefte online bestellen auf: Gesamtanzeigenleitungwww.ernst-und-sohn.de/sonderhefte Sigrid Elgner Tel. (030) 470 31-254, Fax (030) 470 31-230, Essigrid.elgner@wiley.comgiltdieAnzeigenpreisliste 2022. Bankverbindung J.P. Morgan AG Frankfurt IBAN DE55 5011 0800 6161 5174 43 BIC/S.W.I.F.T.: CHAS DE FX Gestaltung/Satz LVD GmbH, Berlin Druck Druckhaus Gera © 2022 Ernst & Sohn GmbH, Berlin Die im Special veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Kein Teil dieses Specials darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner
Eine Sache, auf die ich sehr gespannt bin und die sich sehr schnell abzuzeichnen scheint, ist die Umstrukturierung des Webs. Manche nennen es Web 3 oder das Seman tische Web. Hier werden Daten die wich tigste Ware sein, und die Anwendungen werden stärker webbasiert sein.
Gibt es noch etwas Spannendes am Horizont? Eine Sache, auf die ich sehr gespannt bin und die sich sehr schnell abzuzeichnen scheint, ist die Umstrukturierung des Webs. Manche nennen es Web 3 oder das Semanti sche HierWeb. werden Daten die wichtigste Ware sein, und die Anwendungen werden stärker webba siert sein, d. h., man wird ins Web gehen und ein Produkt auf einer Pay-as-you-go-Basis nutzen können, anstatt Desk top-Anwendungen zu verwenden. Diese beiden Vorteile zusammen bedeuten, dass wir endlich anfangen werden, die disruptiven und innovativen denenlisierungspartner,unsereglaublichserestellen,nen.imund‚Supertechnologien‘ihreMöglichkeitenBauwesenzuerkenIchkannmirvordassdasfürunBrancheganzunist,wiez.B.Connect-Visuamitwirwährendeines Form durch Fotokopie, oder andere Verfahren repro duziert oder in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsan lagen, verwendbare Sprache übertragen werden. Auch die Rechte der Wieder gabe durch Vortrag, Funk oder Fernsehsendung, im Magnettonverfahren oder auf ähnlichem Wege bleiben vorbehalten. Warenbezeichnungen, Handelsna men oder Gebrauchsnamen, die im Special veröffentlicht werden, sind nicht als frei im Sinne der Markenschutz- und Warenzeichen-Gesetze zu betrachten, auch wenn sie nicht eigens als geschützte Bezeichnungen gekennzeichnet sind. Ich glaube auch, dass sich die Lieferketten immer mehr zusammenschließen werden, und dass wir immer mehr Produkte als Ge samtlösung und nicht als einzelne Kompo nenten anbieten werden.
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Ulrich Hartmann Building Information Modeling –Grundlagen, Standards, Praxis Digitales Denken im Ganzen - breite Übersicht zum Building Information Modeling - Einführung in alle relevanten Normen - praktischer Start aus Sicht wichtiger Gewerke Durchgängiges Informations-Management beim Planen, Bauen und Betreiben ist der Grundgedanke von BIM und Digitalisierung. Mit technischen Grundlagen, aktuellen Normen und einem prak tischen Einstieg aus unterschiedlichen Perspektiven gelingt allen Akteuren das digitale Miteinander. Ulrich Hartmann Building Information Modeling –Grundlagen, Standards und Praxis Digitales Denken im Ganzen 10 / 2022 · ca. 161 Abbildungen ·ca. 582 Seiten ·ca. 15 Tabellen Softcover ISBN 978-3-433-03256-5 ca. € 89* eBundle (Softcover + ePDF) ISBN 978-3-433-03302-9 ca. € 115* Bereits vorbestellbar. Abb.vorl. * Der €-Preis gilt ausschließlich für Deutschland. Inkl. MwSt. BESTELLEN +49 (0)30 470 31–236 marketing@ernst-und-sohn.de www.ernst-und-sohn.de/3256
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der DigitaleBauwirtschaftHelferlein und der BIM-Prozess Virtual Reality und BIM: Ist JSON das bessere IFC in der virtuellen VonRaumplanung?Materialien mit Identität, mangelnder Digitalisierung und dem New Normal in Sachen Nachhaltigkeit Kreislaufgerechtes Bauen: Die Aufgabe der nächsten Jahrzehnte Optimaler Workflow für die Modellierung von Fertigteilträgerbrücken Durchsetzung von BIM-Standards durch zentral verwalteten BIM-Content Das Funktionieren von OPEN-BIM in der TGA mit Hilfe der EN ISO 16757 April 2022 · 92 Seiten · Deutsch Bestell-Nr.: 2134 2204 Special print / online: € 23,36*
August 2022 · 100 Seiten · Deutsch Bestell-Nr.: 2134 2218 Special print / online: € 23,36* CDE Common Data Environment 2022
November 2021 · 100 Seiten · Deutsch Bestell-Nr.: 2134 2113 Special print / online: € 23,36* Ernst Sohn Special April 2022 Bauprodukte digital2022
Für die einen business as usual, für die anderen ein Abenteuer, für dritte gar eine Episode – Relevanz und Aktualität des Themas BIM bleiben uns aber erhalten. Längst geht es nicht bloß mehr – doch immer auch – um das Modeling, sondern um das Management von Informationen und um die Frage, wer wann und warum über welche Daten verfügen soll. Auch die Normung, bei der gern gegähnt wird, spielt eine entscheidende Rolle – von DIN bis ISO. Diese Themen werden im Heft ebenso verhandelt wie die jetzt aktuellen Themen des E-Learnings und der virtuellen Konferenzen, aber auch Dauerbrenner wie die Schnittstellenproble matik. Common Data Environment – also die gemeinsame Datenumge bung. Fluch und Segen zugleich? Schließlich erfordert die Digitalisie rung im Bauwesen mehr Gemeinsamkeit, mehr Kommunikation, mehr Transparenz –und alle Plattitüden hierzu seien explizit nicht erwähnt. Also wieder ein Tool im großen Veränderungsprozess Digitalisierung? Ja, denn spätestens wenn der Bauherr ein CDE für sein Projekt verlangt, sollten Planer, Ingenieur und Architekten eine Antwort haben. Und noch immer fragt sich der ein oder andere: Was ist überhaupt ein CDE, was darf sich so nennen, wer liefert wichtige Bausteine dazu, was gehört überhaupt in ein CDE und wie verändern sich die Arbeitsweisen? Auch die Frage, gibt es das CDE auch nach Projektende noch?
Bauprodukte digital 2022 BIM, die Digitalisierung des Bauens und die Bauprodukthersteller –das ist inzwischen eine klassische Trias. Wer den Diskurs um diese Themen mit Hilfe der letzten Bauprodukte digital-Ausgaben ver folgt hat, weiß, dass die Rolle der Hersteller von Bauprodukten für alle am Prozess der Digitalisierung Beteiligten immer wichtiger wird. Da geht es nicht nur um die so ewigen, wie wichtigen Schnitt stellenfragen und Austauschformate, nicht nur um Normung und die Rolle der Planungsportale, sondern besonders auch um neue Techno logien. Common Data Environments sind längst stateoftheart, Industrie 4.0, KI, blockchain, Roboting –Themen und LinkedOpen Data (LOD) gehören fast schon dazu.
Daten sind Team-Player Warum wir über marode BIM-Daten reden sollten Datenwellen treffen die Baubranche – Beginnende Uberisierung