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Die Zeit zwischen Zuschlag für ein Projekt und Beginn der Arbeiten um 92 % verkürzen

Interview mit Mark Buckle, TCO bei Tilbury Douglas, London über einen neuartigen Digitalisierungsansatz und LiDAR als Schlüssel zu mehr Effizienz

Mark Buckle ist technischer Leiter bei Tilbury Douglas in London. Nach einem Jahr in seiner neuen Rolle als technischer Direktor spricht er mit Denise Chevin für das onlineMagazin BIM+ über die bevorstehende Einführung von Tilbury Douglas Connect und warum LiDAR der Schlüssel zur Effizienz ist.

Das Unternehmen verfolgt einen neuen, ganz anderen Ansatz bei der Digitalisierung. Es fasst alle seine Anwendungen unter einer übergreifenden Schnittstelle zusammen, die es jedem – von einem Schulleiter bis zum Bauleiter – ermöglicht, in das System einzusteigen und Projektdaten zu interpretieren. – Ein ehrgeiziges Ziel, das die Zeit von der Gewinnung von Projekten bis zum Einsatz vor Ort verkürzen soll.

Herr Buckle, führen Sie uns durch die digitale Strategie von

Tilbury Douglas

Vor etwa 18 Monaten haben wir beschlossen neu anzufangen. Die meisten Unternehmen, die sich auf die digitale

Reise begeben, müssen sich mit Altsystemen herumschlagen und sie alle irgendwie miteinander verbinden. Wir sind nicht an Altsysteme gebunden. Wir haben alles auf die neuesten Cloud-Systeme umgestellt, in die neuesten Mobiltelefone investiert, und das ermöglichte uns die Freiheit, die Branche etwas anders zu betrachten als alle anderen. Wir stellen fest, dass die Dominanz einiger großer Anbieter im digitalen Bereich die Menschen dazu bringt, die digitale Reise auf eine Art und Weise anzutreten, die kaum logisch wäre, wenn sie sich nicht um die dominanten Akteure herum bewegen müssten. Wir haben einen ‚Hub-and-Spoke‘-Ansatz* gewählt und nutzen Apps und Module. In der Branche setzt man normalerweise auf die großen, etablierten Softwaremarken und dann auf alles, was sich damit verbinden lässt. Wir haben gefragt, was für Wir stellen fest, dass die Dominanz einiger unsere speziellen digigroßer Anbieter im digitalen Bereich die talen Anforderung das Menschen dazu bringt, die digitale Reise Beste ist. Bei der 5Dauf eine Art und Weise anzutreten, die Kostenplanung z. B. sukaum logisch wäre, wenn sie sich nicht um chen wir nach dem Besdie dominanten Akteure herum bewegen ten in der Branche und müssten. nach der besten App, die das kann, unabhängig davon, ob sie nur mit etablierten Systemen oder etwas anderem kommuniziert. Manchmal liegt die Lösung nicht

* nach Wikipedia: Die Begriffe Hub and Spoke, (Nabe und Speiche) werden im Transportwesen und in der Informationstechnik benutzt. Allgemein bezeichnen sie die Verbindung zwischen zwei Endknoten A und B nicht direkt, sondern über einen Zentralknoten Z, die Nabe (englisch: hub), geführt wird. Die Verbindungen der Endknoten A und B zum Knoten Z bezeichnet man hierbei als Speichen (englisch: spokes). (Foto: Tilbury Douglas)

Zu Mark Buckle:

Buckle wurde vor einem Jahr vom Bereichsleiter für den Südosten auf den neuen Posten befördert, der geschaffen wurde, um sich auf die Entwicklung, den Einsatz und die Umsetzung moderner Konstruktionsmethoden und das Design for Manufacture and Assembly im gesamten Unternehmen zu konzentrieren. Zu Buckles Aufgaben gehört auch die Gesamtverantwortung für die digitale Konstruktion, das Design und die Nachhaltigkeitsstrategie von Tilbury Douglas – PPP (People, Planet, Performance). Er leitet jetzt ein Team von 16 Mitarbeitern, das weiter wächst, wobei alle angeschlossenen Arbeitsbereiche einem einzigen Ansprechpartner unterstellt sind.

im Bauwesen, sondern in anderen Sektoren wie der Luftfahrtplanung.

Wir verwenden unser eigenes Repository (in etwa: Depot, die Red.) und unsere Datenbank als Kommunikationsmittel zwischen den Modulen. Wir haben beschlossen, der Übersetzer zu sein. All dies wird im Laufe des Jahres bei Tilbury Douglas Connect in einer Reihe von Modulen zum Tragen kommen. Wenn wir dann einen Aspekt aktualisieren wollen, können wir einfach das Modul ändern.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

COBie ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Da es sehr begrenzt ist in Bezug auf die Daten, die tatsächlich in das System aufgenommen werden können, mussten wir eine COBie+Lösung entwickeln, um alle Informationen, die wir speichern wollten, zu ermöglichen. So werden beispielsweise nicht nur unsere Teile-Nummern gespeichert, sondern auch die Fertigungsinformationen der Lieferkette.

Asite ist unser Partner für die Bereitstellung der gemeinsamen Datenumgebung und der zentralen Plattform für die Verwaltung von Informationen, von der Angebots-

phase bis zur Übergabe. Wir arbeiten mit Asite an der Entwicklung des integrierten Systems, einschließlich der Dashboards, und an einer möglichen Integration mit unserem neuen Finanz- und unserem Planungssystem.

Was ist das Ziel?

Die Benutzeroberfläche ist eine einzige App: Wir wollen, dass jeder, vom technisch versierten Projektmanager bis zu jemandem mit weniger technischen Voraussetzungen, darauf zugreifen kann.

Und wir wollen, dass auch die Kunden Zugang zu Informationen über ihre Projekte haben. Egal, ob es sich um einen Schulleiter oder einen Leiter der Immobilienabteilung handelt, sie werden die Möglichkeit haben, Daten über ihr Projekt einzusehen und zu deuten. Sie werden außerdem in der Lage sein, das Modell selbst in einem einfachen Format zu durchlaufen.

Wir beginnen mit dem Entwurf der RIBA-Phase 2 oder 3** bis hin zur Übergabe. Und alle unsere Abläufe und Arbeitsabläufe sind auf eine einzige Benutzeroberfläche ausgerichtet. Wir planen, das gesamte System, Tilbury Douglas Connect, noch in diesem Jahr auf den Markt zu bringen. Das wird kein separates kommerzielles Produkt sein, sondern ausschließlich für den internen Gebrauch und unsere Kunden bestimmt sein.

Die Benutzeroberfläche ist eine einzige App: Wir wollen, dass jeder, vom technisch versierten Projektmanager bis zu jemandem mit weniger technischen Voraussetzungen, darauf zugreifen kann. Und wir wollen, dass auch die Kunden Zugang zu Informationen über ihre Projekte haben. Unser Ziel ist es, die Zeit zwischen dem Zuschlag für ein Projekt und dem Beginn der Arbeiten vor Ort um 92 % zu verkürzen. Wir halten das für erreichbar.

Sie haben offensichtlich enormes Geld und viel Zeit investiert: Auf welche Ergebnisse zielen Sie als ROI ab?

Unser Ziel ist es, die Zeit zwischen dem Zuschlag für ein Projekt und dem Beginn der Arbeiten vor Ort um 92 % zu verkürzen. Wir halten das für erreichbar. D. h. nicht, dass wir das heute schaffen können, aber das sind von uns angestrebten Ziele. Dabei gehen wir natürlich davon aus, dass wir klein anfangen und dann innerhalb von etwa fünf Jahren einen exponentiellen Anstieg verzeichnen werden.

Abgesehen von der Software, wie will Tilbury Douglas die neuen Technologien nutzen?

Wie unsere Marktbegleiter beschäftigen wir uns mit allen möglichen Dingen – 3D-Druck, Ziegelverlegungsmaschinen, Robotik, Boston Dynamics’ Roboterhund Spot. Aber es gibt derzeit viele Technologien, die tendenziell einmalig sind. Auch wird viel Wert auf Neubauprojekte gelegt, während sich beträchtliche Teile der Branche eher mit Sanierung und Bauen im Bestand beschäftigt.

Im Aintree Hospital in Liverpool z. B. setzen wir HoloLens ein und verwenden Augmented Reality auf Baustellen. Wir sehen viel Potenzial für LiDAR***, das wir beim

** britisches Äquivalent zu HOAI-Leistungsphasen *** LiDAR steht für Light Detection and Ranging und ist eine beliebte Methode zur Umfelderfassung. Scannen von Baustellen einsetzen, und wir haben einige Zulieferer, deren Arbeiten wir mit LiDAR scannen und dann am Rechner bewerten. Natürlich machen wir das im Augenblick noch parallel zur konventionellen Methode, aber die Ergebnisse sind sehr interessant.

Wie sieht es mit Offsite-Fertigung oder Ähnlichem aus?

Wir überlegen auch, wie wir digitale und moderne Baumethoden in unsere Arbeitsabläufe einbinden können, um alle Arten von Verschwendung zu reduzieren. Unsere Bauingenieure und Architekten verbringen drei Monate mit der Planung. Dann geben wir sie an Spezialisten weiter, die sie in 10 Wochen so umgestalten, dass sie für ihre automatisierte Fertigungsstraße verwendet werden kann.

Dabei konzentrieren wir uns darauf, wie unsere Systeme ihnen die von ihnen benötigten Informationen liefern. Auch hier geht es wieder um die Dominanz bestimmter Anbieter, deren IT-Programme für die Fertigung sich von denen für die Konstruktion unterscheiden.

Wie lösen Sie das Problem?

Wir werden einen sehr großen Software-Anbieter nicht dazu bewegen, seine Vorgehensweise zu ändern, obwohl wir versuchen, über die UK BIM Alliance und verschiedene andere Initiativen Einfluss zu nehmen. Wir haben also einen ‚Übersetzer‘ dazwischengeschaltet, damit die inkompatiblen Systeme miteinander kommunizieren können.

Sehen Sie mehr Automatisierung auf der Baustelle?

Meiner Meinung nach wird die Einführung von Robotik und Automatisierung auf der Baustelle keine entscheidende Rolle spielen. Die Einrichtung solcher Technologien für ein kleines oder mittleres Projekt zur Robotik oder Automatisierung kann länger dauern, als wenn jemand einfach loslegt.

Ein großes Potenzial sehr ich allerdings für das LiDAR-Scannen. Die Baustelle kann z. B. zur Feststellung des Fortschritts über Nacht gescannt werden, so dass der Scan etwa zeigen kann, dass die Rohrleitungen noch nicht installiert wurden. Außerdem lassen sich damit auch Werte ermitteln: Da das System Objekte erkennen kann, erhält man eine sofortige Bewertung seines Projekts, weil man ja die Kosten jedes Objekts kennen und so feststellen kann, ob die Objekte innerhalb der Toleranzgrenzen installiert wurden.

Ob Spot, der Roboterhund von Boston Dynamics, für LiDAR-Scans auf Baustellen eingesetzt wird oder ob unsere Mitarbeiter mit tragbaren Scannern auf Baustellen unterwegs sind – unsere digitalen Systeme bieten erstaunliche Möglichkeiten.

Ich glaube auch, dass sich die Lieferketten immer mehr zusammenschließen werden, und dass wir immer mehr Produkte als Gesamtlösung und nicht als einzelne Komponenten anbieten werden. Dies lässt sich nur er-

Wir werden einen sehr großen SoftwareAnbieter nicht dazu bewegen, seine Vorgehensweise zu ändern, obwohl wir versuchen, über die UK BIM Alliance und verschiedene andere Initiativen Einfluss zu nehmen. Wir haben also einen ‚Übersetzer‘ dazwischengeschaltet, damit die inkompatiblen Systeme miteinander kommunizieren können.

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