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CDE – Common Data Environment ≠ Change Data Endless

Über wichtige Aspekte zum Thema nebst einem best-practice-Blick in die Niederlande und Dänemark

Kommunikation, Kollaboration und Datenmanagement in Bauprojekten ist eine der gegenwärtigen und auch zukünftigen großen Herausforderungen der gesamten Bauwirtschaft. Hinzu kommen eine große Anzahl an Projektbeteiligten, der vermeintliche Unikatcharakter eines Bauwerks, die Aufteilung der einzelnen Arbeitspakete an eine große Anzahl an Nachtunternehmern, die projektspezifischen Anforderungen und das Auftreten von Änderungen, durch die Bauprojekte zu einer komplizierten Aufgabe werden können. Dies alles sind bekannte Faktoren, aus denen sich komplizierte Projekte zu komplexen Projekten entwickeln. Hinzu kommen hohe Anforderungen an Kostenkontrolle, Terminbindung und Qualität. Durch die Umsetzung des Stufenplans kommt nun noch die Förderung zur Umsetzung der BIM-Methodik hinzu. Wie soll das alles im Projekt kommuniziert werden? Vor allem, wenn sich die Kommunikation im Wesentlichen über Telefonate und eine Vielzahl von Emails erstreckt, führt dies zu Missverständnissen und mangelhafter Kommunikation. Diese führt dann zu Planungs- und Ausführungsfehlern, die nur mit enormem Aufwand zu korrigieren sind. Schätzungsweise entfallen 20 % der Ausführungsfehler auf falsche Planindizes und falsche Planstatus, deren Ursache in den meisten Fällen eine ungenügende Kommunikation darstellt. Diese verursachten Kosten in Höhe von 18,7 Mrd. E€ im Jahr 20201

Betrachtet man den derzeitigen Stand der Technik, so stellen Projektplattformen und gemeinsame Datenumgebungen ein mächtiges Werkzeug für die Kommunikation und die Verwaltung von graphischen und nicht graphischen Daten dar. Werden diese richtig eingesetzt und sind die Anforderungen an die einzelnen Projektphasen Planung, Ausführung und Betrieb klar definiert, können Informationsverluste [Bild 1] bereits von Beginn an vermieden werden. Notwendig ist ein Daten-Managementsystem ein sogenanntes CDE, das zum einen alle Projektphasen hinsichtlich ihrer Informationslieferungen miteinander verbindet, strukturiert und idealerweise so weit anreichert, dass eine nachhaltige und nachvollziehbare Daten-Bereitstellung und Bauwerks-Dokumentation für die Betriebsphase erreicht werden kann.

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CDE was ist das genau?

Im CDE werden graphische und nicht-graphische Daten sowie alle projektrelevanten Dokumente abgelegt [Bild 2]. Das CDE soll das gesamte Informationsmanagement über alle Projektphasen hinweg gewährleisten. Im Zentrum steht die Weitergabe der Bauprojektdaten zwischen den Phasen, Planen, Bauen und Betreiben. Idealerweise sollte das CDE eine Archiv-Funktion beinhalten, um für die Zukunft eine zentrale Ablage für das Bauwerk vorzuhalten. Die genaue Definition zur Archivierung der Bauprojektdaten wird jedoch nicht durch die Systemlösung des CDEAnbieters festgelegt, sondern in den AIA. Allerdings müssen sich die Anbieter der Software-Lösungen der Herausforderung stellen, Daten zukünftig in lesbare Formate zu bringen bzw. die Dateiformate entsprechend up-to-date zu halten.

Bild 1. Informationsverluste in den verschiedenen Phasen des Projekts [Eigene Darstellung in Anlehnung an Borrmann, Petzold, Münzner 2015 [1]]

Der Aufbau eines CDE ist modular [Bild 3]. Dabei sind die unterschiedlichen Module mit Funktionen ausgestatten, die die Umsetzung der Projektanforderungen und

BIM-Anwendungsfälle gewährleisten. An dieser Stelle sei erwähnt, dass BIM-Anwendungsfälle nicht konkludent zu den CDE-Anwendungsfällen sind. Die CDE-Anwendungsfälle dienen der Umsetzung der meisten BIM-AF. Dieses

Verständnis ist deshalb so wichtig, weil auf Basis der CDE-

Anwendungsfälle das entsprechende System zu konfigurieren ist. Die DIN SPEC 91391 gibt hier Unterstützung und schreibt explizit Mindestfunktionen vor, die in den System-

Lösungen enthalten sein müssen. BIM-Anwendungsfälle sind nicht konkludent zu den

CDE-Anwendungsfällen. Die CDE-Anwendungsfälle dienen der Umsetzung der meisten BIM-AF. Dieses Verständnis ist deshalb so wichtig, weil auf Basis der CDE-Anwendungsfälle das entsprechende System zu konfigurieren ist.

Die DIN SPEC 91391 gibt hier Unterstützung und schreibt explizit MindestfunkBIM-Anwendungsfälle sind nicht konklu- tionen vor, die in den dent zu den CDE-Anwendungsfällen. Die System-Lösungen entCDE-Anwendungsfälle dienen der Umset- halten sein müssen. zung der meisten BIM-AF. Dieses Verständ- Grundsätzlich ist nis ist deshalb so wichtig, weil auf Basis in der DIN SPEC der CDE-Anwendungsfälle das entspre- 91931 festgelegt, dass chende System zu konfigurieren ist. Die Systemlösungen, die DIN SPEC 91391 gibt hier Unterstützung und nicht in der Lage sind schreibt explizit Mindestfunktionen vor, die die Mindestanfordein den System-Lösungen enthalten sein rungen zu erfüllen auch müssen. nicht als CDE bezeichnet werden. Als wesentliche Funktionen sind hier das Projektmanagement, die

Rechte – und Rollen-verwaltung sowie das Dokumenten- und Modellmanagement zu nennen

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CDE – Was passiert dort eigentlich?

Die Umsetzung der modellbasierten Arbeitsweise Building

Information Modeling und der kollaborierten Projektarbeit stellt den Projektteilnehmern Modelle mit einer

Vielzahl an Informationen zur Verfügung. Wie bei der konventionellen papierbasierten Projektarbeit besteht jedoch weiterhin die Gefahr einer unstrukturierten Informationsablage und Informationsbereitstellung.3 Wie Borrmann beschreibt, führen unstrukturierte Daten zu Schwierigkeiten beim Auffinden und so zu Kostensteigerungen von 20–25 % in Bauprojekten. In verwandten Branchen wie der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und dem

Schiffsbau wurde dies bereits vor Jahren erkannt und entsprechende IT-Systeme Bei einem CDE handelt es sich um die ‚Sin- und Strukturen aufgegle Source of Truth‘. Dies bezeichnet eine baut. Um hier klare vereinbarte Quelle von Informationen für Regeln, ein strukturierein gegebenes Projekt oder ein Einbauteil tes Vorgehen bei der […] mittels gesteuerter Prozesse werden BauprojektendatenerBauprojektdaten gesammelt, bearbeitet stellung zu gewährleisund verteilt. ten und die Umsetzung der BIM-Methode voranzutreiben, wurden 2013 Leitfäden wie der BIM Guide

Singapore [BCA 2013] und British Publicity Available Spe-

Arbeitsweisen über lokale Festplatten, USB-Sticks, per file-sharing und file server führen zu einem collect data endless CDE. Im Ergebnis liegt nun eine große Anzahl an (unstrukturierten) Daten vor. Doch das eigentliche Problem tritt erst vollständig zu Tage, wenn aus diesen [unstrukturierten] Daten keine Informationen gewonnen werden können und diese somit wertlos sind.

Bild 2. Abgelegte Informationen in einem CDE2

cification [PAS] 1192-2 entwickelt [Borrmann und Pätzold 2018]. In diesen Dokumenten wird auch das CDE und dessen Funktionen wie folgt beschrieben: „Bei einem CDE handelt es sich um die ‚Single Source of Truth‘. Dies bezeichnet eine vereinbarte Quelle von Informationen für ein gegebenes Projekt oder ein Einbauteil […] mittels gesteuerter Prozesse werden Bauprojektdaten gesammelt, bearbeitet und verteilt.“4

Dies steht im Gegensatz zu dem immer noch gängigen Verständnis, dass es sich File-Server oder file-sharing ebenfalls um eine CDE handelt. Die anfallenden Informationen werden an beliebigen Stellen und Strukturen auf einem Projektserver oder sogar der lokalen Festplatte abgelegt. Jeglicher Emailverkehr wird durch das „cc“ dann auf einen firmeneigenen Server abgelegt, ohne dass dieser strukturiert oder verlinkt wird. Hier beginnt die unstrukturierte Sammlung diverser Daten. Darüber hinaus spielt es eine untergeordnete Rolle, welche Vakanz diese Daten per se besitzen; es ist unklar wem diese zuzustellen sind, eine Revision findet nicht statt. Entsprechend führen solche Arbeitsweisen über lokale Festplatten, USB-Sticks, per file-sharing und file server zu einem collect data endless CDE. „Arbeitsweisen über lokale Festplatten, USB-Sticks, per file-sharing und file server führen zu einem collect data endless CDE. Im Ergebnis liegt nun eine große Anzahl an (unstrukturierten) Daten vor. Doch das eigentliche Problem tritt erst vollständig zu Tage, wenn aus diesen [unstrukturierten] Daten keine Informationen gewonnen werden können und diese somit wertlos sind.“

Im Ergebnis liegt nun eine große Anzahl an (unstrukturierten) Daten vor. Doch das eigentliche Problem tritt erst vollständig zu Tage, wenn aus diesen [unstrukturier-

ten] Daten aber keine Informationen gewonnen werden können und diese somit wertlos sind. Verlinkungen sind nicht vorhanden und ein Kontext ist nicht ersichtlich. Somit ist es sehr schwierig bis unmöglich, Zusammenhänge zu erkennen und wertvolle Informationen zu gewinnen, insbesondere wenn der Projektabschluss längere Zeit zurückliegt. Im allgemeinen Sprachgebrauch verwischen die Grenzen zwischen Informationen und Daten. Genau diese Unterscheidung ist aber ein zentraler Punkt, um zu begreifen, warum ein CDE für einen reibungslosen Projektablauf so wichtig ist. Was ist nun der Unterschied zwischen Informationen und Daten?

Bei Daten handelt es sich um einzelne Einheiten wie z. B. Zahlen, Buchstaben, Zeichen, Sonderzeichen etc.

Beispiel: Daten: 06091977 → kein Kontext erkennbar, ggf. Zahlenkombination o. ä. Informationen: 06.09.1977 → Datum, die Zahlen stehen im Kontext zueinander

Durch das Hinzufügen von Punkten zwischen den Zahlen werden diese in einen Kontext gebracht und können als ein Datum interpretiert werden. Genau diese Zusammenhänge müssen bei der Datenablage und der späteren Informationsgewinnung in einer CDE berücksichtigt werden.

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Ordnung muss sein – Rollen, Sphären, Bereiche und Status

Wie strukturiert man ein CDE? Wichtig ist zu Beginn, vorzugsweise in der (Vor-) Planung, eine frühestmögliche Einbindung des Auftragnehmers, um zum einen Gruppen-, Rollen und Rechtbilder klar zu definieren und zum anderen alle notwendigen Prozesse z. B. für Freigaben, Nachweisbringung, Bemusterung etc. klar und eindeutig zu definieren. Viele Baubeteiligte sind sich bewusst, dass eine CDE und andere digitale Hilfsmittel ihnen dabei helfen sollen, ihre Tätigkeiten strukturiert und kontrolliert und transparenter auszuführen. Dies bedarf jedoch eines Wissensaufbaus, der Vorbereitung und des Trainings. Mangelhaftes Training für solche digitalen Anwendungen und auch ein fehlendes persönliches Verständnis im Umgang mit digitalen Arbeitsmethoden führen sonst zu einer neuen und großen Unordnung und Doppelarbeit. Dies resultiert aus dem Missverständnis, dass man bisherige analoge Prozesse „einfach digitalisiert“. Dies ist einerseits häufig nicht möglich und/ oder sinnvoll und andererseits wurden die vorhandenen Prozesse nicht ausreichend oder gar nicht auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft. Das Ergebnis kann in solchen Fällen wie folgt formuliert werden: Wenn man einen ungenügenden analogen Prozess digitalisiert, erhält man am Ende (einen) ungenügend digitale(n) Prozess(e). Aus diesen resultiert dann ein kaum beherrschbares Chaos im Projekt.

Eine klare Rollenbeschreibung und die damit verbundene Definition der Verantwortlichkeiten sind ein essenzieller Bestandteil für das Funktionieren des Informationsflusses in einem CDE. Im Zuge der Umsetzung der Methodik BIM und dem Einsatz eines CDE entwickeln sich neue Rollen in den klassischen Berufsbildern in einem Bauprojekt. Hierzu gehören z. B. Project Information Manager, der Lead Designer, Task Team Manager, Task Information Manager sowie der Interface Manager.

Bild 3. Module und Aufbau eines CDE [Eigene Darstellung in Anlehnung an DIN SPEC 91391-1:2019-04]

Mangelhaftes Training für solche digitalen Anwendungen und auch ein fehlendes persönliches Verständnis im Umgang mit digitalen Arbeitsmethoden führen sonst zu einer neuen und großen Unordnung und Doppelarbeit. Dies resultiert aus dem Missverständnis, dass man bisherige analoge Prozesse „einfach digitalisiert“. Dies ist einerseits häufig nicht möglich und/oder sinnvoll und andererseits wurden die vorhandenen Prozesse nicht ausreichend oder gar nicht auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft.

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Sphären des CDE

Sind nun Gruppen-, Rollen- und Rechtekonzepte sowie die Prozesse fertiggestellt, müssen in der CDE entsprechende Sphäre bereitgestellt werden. In diesen Sphären werden die Datensätze der jeweiligen Projektbeteiligten entsprechend der definierten Status’ z. B. nur in der „eigenen geschlossenen“ Sphäre des Unternehmens etc. geteilt. Man bezeichnet dies als Mandantenfähigkeit. Dieser Begriff entstammt der IT und beschreibt die Fähigkeit von Server oder Software mehrere Kunden, Auftraggeber etc. verwalten zu können, ohne dass diese die Daten des jeweils anderen einsehen können. Diese Technik ermöglicht es Daten in Datenbanken logisch voneinander zu trennen und zu verwalten. Entsprechend können Daten unterschiedlicher Unternehmen, Abteilungen, Standorten etc. getrennt voneinander bereitgestellt werden.5

Der Begriff „Mandantenfähigkeit“ entstammt der IT und beschreibt die Fähigkeit von Server oder Software, mehrere Kunden, Auftraggeber etc. verwalten zu können, ohne dass diese die Daten des jeweils anderen einsehen können. Diese Technik ermöglicht es, Daten in Datenbanken logisch voneinander zu trennen und zu verwalten. Entsprechend können Daten unterschiedlicher Unternehmen, Abteilungen, Standorten etc. getrennt voneinander bereitgestellt werden.

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Bereiche des CDE

Diese vier Bereiche bilden den „Kern“ des CDE [Bild 5]. Um jederzeit eine eineindeutige Identifikation der Informationen in dem CDE zu gewährleisten, ist ein MetadatenManagement einschließlich einer Revisions- und Zustandskodierung zwingend erforderlich. Die einzelnen Phasen entstammen der PAS 1192-2 und wurde in die DIN 91391 übernommen.

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Best Practice Erfahrungen aus Projekten D, NL, DK

Der Begriff „Mandantenfähigkeit“ entstammt der IT und beschreibt die Fähigkeit von Server oder Software, mehrere Kunden, Auftraggeber etc. verwalten zu können, ohne dass diese die Daten des jeweils anderen einsehen können. Diese Technik ermöglicht es, Daten in Datenbanken logisch voneinander zu trennen und zu verwalten. Entsprechend können Daten unterschiedlicher Unternehmen, Abteilungen, Standorten etc. getrennt voneinander bereitgestellt werden.

In einem CDE ist diese Technik in doppelter Hinsicht ein wichtiges Kriterium. Einerseits ist sie Teil der DSGVO und andererseits stellt sie die Wahrung von UnternehmensKnowhow in einer gemeinsamen Datenumgebung eines Bauprojekts sicher. Die unterschiedlichen Projektbeteiligten erstellen eine Vielzahl an Dokumenten, Plänen und Modellen in den unterschiedlichen Phasen eines Projekts. Dabei erfolgt die Lagerung dieser Informationen anfangs in den einzelnen Unternehmenssphären. In diesen Sphären hat nur die jeweilige Organisation bzw. der Ersteller Zugriff auf die Daten. Nur diese können anschließend über einen definierten Prozess ihre Informationen mit weiteren Projektpartner teilen und sichtbar machen. Das

Kriterium der Mandantenfähigkeit ist DIN SPEC 91391 eine grundlegende Fähigkeit eines CDE. Die Umsetzung erfolgt entsprechend dem Schema in Bild 4. Ein Blick in die Nachbarländer zeigt ein anderes Verständnis, wie Bauprojektdaten verwaltet werden. In den Niederlanden bspw. erfolgt dies häufig auf Grundlagen von bestpractice Ansätzen, die gleichfalls die Grundlagen für die Entwicklung der zugehörigen Normen bilden. Hieraus haben sich viele Institute entwickelt, die die Normen, Standards und Richtlinien detailliert ausarbeiten und großen Wert darauf legen, praktische Ansätze zu integrieren. Der Grundsatz „Keep It Simple, Stupid“ wird immer wieder berückBild 4. Informationslieferungen entsprechend dem Mandantenprinzip [Eigene Darstellung in sichtigt. In den Niederlanden wurde das Anlehnung an DIN SPEC 91391] Thema der modelbasierten Arbeitsweise bereits Mitte der 2000er angegangen, auch wenn es zum damaligen Zeitpunkt keine eindeutigen und per Norm definierten Standards existierten. Dies wurde in den vergangenen Jahren sukzessiv angegangen und mittlerweile gehören digitale Methoden und Prozesse zum Standard in den meisten Projekten. Insbesondere Themen wie CDE, Anforderungsmanagement oder Lean-Management stehen hier im Fokus und sollen zukünftig für noch bessere Projektabläufe sor- Um jederzeit eine eineindeutige Identifikagen tion der Informationen in dem CDE zu geBeispielhaft sei währleisten, ist ein Metadaten-Managehier die Frage eines nie- ment einschließlich einer Revisions- und derländischen Kollegen Zustandskodierung zwingend erforderlich. zitiert: „Warum setzt Die einzelnen Phasen entstammen der ihr eure Bauleiter und PAS 1192-2 und wurde in die DIN 91391 Planungskoordinatoren übernommen. in Deutschland eigentlich permanent als Feuerlöscher ein, anstatt Ihnen eine geordnete Baustelle zur Verfügung zu stellen, in denen die sich auf Qualität und Richtigkeit konzentrieren können?“ Allein diese Frage legt, beschränkt auf die Ausführungsphase, die grundlegenden Defizite offen, die aus einer mangelhaften Kommunikation und Datenverteilung in deut-

schen Bauprojekten resultieren. Das Fehlen von Kommunikation, Prozessen, Standards und Strukturen, verursacht auf vielen Baustellen in Deutschland seit langer Zeit ein großes Chaos. Aus dem folgt zwangsläufig Ineffizienzen, doppelte Arbeit und eine materielle und personelle Ressourcenverschwendung. Ein weiteres Beispiel ist bei unserem nördlichen Nachbarn in Dänemark zu finden. Auch dort werden Bauprojekte anders angegangen. Deutlich wird vor allem bei der Implementierung neuer Methoden wie VDC, BIM u. a. In Dänemark setzt die Danish Building Authority seit 2007 auf verbindliche Regulatoren bzgl. Informations- und Kommunikationstechnologien in öffentlichen Bauprojekten. Diese bilden seit 2011 in den Regulation concerning the use of information and communication technology (ICT) in public construction die Grundlage für die Umsetzung der BIM-Methodik in Projekten ab 5 Mio. DKK (ca. 670.00 €)6 .

Hierbei spielt neben den Normen, Standards und der Erkenntnis Bauprojekte effizienter umzusetzen, auch weiche Faktoren wie das Mindset, eine wichtige Rolle. In Skandinavien scheinen die Menschen offener gegenüber neuen Methoden und Technologien zu sein. Diese werden als Werkzeuge und nicht als Zwang durch das Management wahrgenommen und entsprechend im Projekt umgesetzt. Den öffentlichen Auftraggebern in Dänemark ist bewusst, dass es noch einige Zeit dauert bis die BIM-Methode und damit verbunden CDE vollflächig auf den Baustellen bzw. in der Herstellungsphase etabliert sind, jedoch wird hier ebenfalls auf den bestpractice Ansatz gesetzt. Der Grund liegt nicht etwa in der Hemdsärmeligkeit der dänischen Behörden. Vielmehr haben diese erkannt, dass momentan noch zu wenig Forschung und Dokumentation in diesem Bereich stattfinden, es aber vielversprechende Ansätze der Projektbeteiligten gibt. Das Fazit der Danish Building and Property Agency fällt somit deutlich aus: [Die Methode] BIM ermöglicht eine bessere Kommunikation in Projekten inkl. Einer effizienten digitalen Qualitätssicherung durch Nutzung von funktionierenden Prozessen, Gruppen, Rollen und Rechtebildern, sowie festdefinierten Status und Sphären. Vereinfacht kann man sagen: In den Niederlanden und Dänemark gibt es funktionie-

Bild 5. Die vier Teilbereiche des Common Data Environment entsprechend DIN EN ISO rende und praktische Standards, die national 19650 (Abb.: 1 Münzer, D. IM bei Infrastrukturprojekten – Neue Herausforderungen, 13. abgestimmt sind. Somit sind Firmen und Un-

BuildingSmart Anwendertag 2015, Boll und Partner, Beratende Ingenieure VBI, GmbH & ternehmen in der Lage flexibel und schnell

Co. KG, Stuttgart; 2 Quelle:www.thenbs.com; 3 DIN SPEC 91391-1:2019-04 Common Data agieren zu können um komplexe Projekte

Environments (CDE) for BIM projects, Beuth Verlag, Berlin; 4 DIN EN ISO 19650 Organiza- strukturiert und geordnet durch Nutzung eition and digitization of information about buildings and civil engineering works, Beuth Verlag, Berlin; 5 DIN ISO 19650) ner CDE abwickeln zu können. Vergleicht man die Beispiele im Umgang mit neuen Technologien unserer Nachbarländer so ist festzustellen, dass Deutschland um Jahre ziemlich abgeschlagen ist. Dies liegt vor allem daran, dass von staatlichen Stellen zuerst Standards geschaffen werden, ohne hier„Warum setzt ihr eure Bauleiter und Pla- für auf ein belastbares nungskoordinatoren in Deutschland eigent- Know-how zurückgreilich permanent als Feuerlöscher ein, anstatt fen zu können. Das Ihnen eine geordnete Baustelle zur Verfü- Fehlen von Erfahrungung zu stellen, in denen die sich auf Quali- gen und praktischem tät und Richtigkeit konzentrieren können?“ Wissen wird oftmals durch den Einsatz von Task-Forces und Kommissionen verdeckt, die letztendlich nur die Erkenntnisse aus der Literatur wiedergegen und selten aus realen Projekten.

– vii –Fazit und Ausblick

Abschließend ist hervorzuheben, dass es bei der Implementierung von CDE in Deutschland nicht an der Technik scheitern wird. Aufgrund der Vertragssituation und der unterschiedlichen Fokussierung von Auftraggebern und

Das Fazit der Danish Building and Property Agency fällt somit deutlich aus: [Die Methode] BIM ermöglicht eine bessere Kommunikation in Projekten inkl. Einer effizienten digitalen Qualitätssicherung durch Nutzung von funktionierenden Prozessen, Gruppen, Rollen und Rechtebildern, sowie festdefinierten Status und Sphären.

Auftragnehmern in Projekten, liegen die Ursachen für das

Fehlen eines funktionierenden CDE und dessen Implementierung vielmehr im organisatorischen, regulatorischen und honorartechnischen Bereich. Z. B. sehen Verordnungen wie die VOB oder HOAI, BIM, geschweige denn ein CDE, überhaupt nicht vor bzw. sie werden hier nicht beschrieben. Lediglich bei der HOAI wird BIM und damit verbunden auch CDE als eine „besondere Leistung“ bezeichnet, wobei auch hier die Frage erlaubt sei, ob dreidimensionale Bauwerksmodelle im Jahr 2022 immer noch eine besondere LeisLediglich bei der HOAI wird BIM und damit tung darstellen? verbunden auch CDE als eine „besondere CDEs werden Leistung“ bezeichnet, wobei auch hier die sich etablieren, daran Frage erlaubt sei, ob dreidimensionale besteht kein Zweifel. Bauwerksmodelle im Jahr 2022 immer In vielen Projekten noch eine besondere Leistung darstellen? gibt es bereits gute und vor allem funktionierende Ansätze. Um BIM, wie es der Stufenplan vorsieht, in den nächsten Jahren vollfl ächig zu implementieren, bedarf es zwingend einer gemeinsamen Datenumgebung.

Diese bildet das Rückgrat bei der Um setzung von BIM.

Das „C“ in CDE steht somit für Collaboration, was den

Kern der BIM-Methodik darstellt. Getreu dem Motto: „Wissen ist ein Phänomen: es vermehrt sich, wenn man es teilt“. Die Erfahrungen unserer Nachbarländer (anerkannte

Regeln der Technik) die Übernahme der British Standard

PAS 1192 in die ISO-Normen geben allen Beteiligten ein gutes Rüstzeug an die Hand. Jetzt muss es endlich genutzt werden. Alle an und in Bauprojekten beteiligten Personen, Institutionen und Gesellschaften in Deutschland müssen endlich den Mut haben, sich auf neuen Arbeitsweisen und

Technologien einzulassen. Wir müssen weg von dem Gedanken „[..] es hat „[…] die Technik bekommen wir in den doch bisher immer geGriff, bei den Menschen bin ich mir da klappt, warum sollten nicht so sicher […]“ wir es ändern?“ und „(…) was habe ich davon, das ist eine gesonderte Leistung (…)“. Genau diese festgefahrenen Meinungen und Statements sind der Grund, warum die Bauwirtschaft in Deutschland weiter an Produktivität verliert,

Gewinnmargen bei den meisten Unternehmen bei 2–5 % verharren und eine Tätigkeit für die nachfolgende Generation als unattraktiv gilt, da die Bauwirtschaft als technologisch rückständig gilt. Auch müssen alle Beteiligten wieder ein gemeinsames

Ziel haben, welches darin besteht, Wissen zu teilen und nicht für sich zu behalten. Nur so ist ein gemeinsamer Projekterfolgt bei der steigenden Komplexität zukünftiger Projekte möglich. Hierzu passt das Zitat des Bentley Managers

Phil Jackson: „[…] die Technik bekommen wir in den Griff , bei den Menschen bin ich mir da nicht so sicher […]“

Literatur

[1] BauInfoConsult GmbH, Luegallee 7, D-40545 Düsseldorf.

Bauinfoconsult – Marktforschung für den Bau-, Installations- und Immobilienbranche. [Online] 03.08.2018, 18:54. August 2018. [2] DIN SPEC 91391-1:2019-04 Common Data Environments (CDE) for BIM projects [3] Borrmann, A.; Pätzold, F.; Soham, S.; Deepak, R. E., Common Data Environments – Advanced Topics ion Building

Information Modeling, Technical Univerity Munich – Faculty of Civil, Geo and Environmental Engineering: Chair of Compitational Modeling and Faculty of Architecture: Simulation & Chair of Architectual Informatics, 2018, München [4] Institution, British Standards, PAS 1192-2:2013 Specifi cation for information management for the capital/delivery phase of construction projects using building information modelling, 2013, London [5] Ständige Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder Arbeitskreis Technische und organisatorische Datenschutzfragen, Technische und organisatorische

Anforderungen an die Trennung von automatisierten Verfahren bei der Benutzung einer gemeinsamen IT-Infrastruktur, 2012, Der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die

Informationsfreiheit [6] Bekendtgørelse om anvendelse af (bygst.dk)

www.thenbs.com

Nils Aleweiler, Volker Seebode

Das CDE für den Bau & Immobilien Life Cycle

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