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eco.nova SPEZIAL Kunst 2012

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eco nova Ausgabe Nr. 12 / SPEZIAL Oktober 2012, P.b.b. Verlagspostamt 6020 Innsbruck, ZNr. GZ 02Z030672 M, Euro 3,00

Spezial

Kunst 2012 Die Suche nach dem Echten

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eco.edit Lieber Leserinnen, liebe Leser! Der Pop-Art-Künstler Andy Warhol sprach es einst hemmungslos aus: „Kunst und Geld gehören zusammen.“ Auf dem heutigen Kunstmarkt gilt das mehr denn je. Kunst.spezial 2012 versucht sich der komplexen Dualität zwischen Kunst und Geld anzunähern. Mit „Kunst = Kapital. Oder umgekehrt?“ wird ein Finanzexperte vorgestellt, der eine vielbeachtete Sammlung auf ökonomische Kunstbegriffe aufgebaut hat. Gefallen uns manche Dinge besser, nur weil sie teuer sind? Und gilt dies auch für Kunst? Ja, sagt der Chef der deutschen Auktionshäuser, für den Kunst das Statussymbol schlechthin ist und exorbitante Preise deshalb auch keine Seltenheit: „Was sind 100 Millionen für ein Bild der Begierde?“ Die „100-Millionen-Dollar-Babys“ werden auf Seite 7 gebeten. In „Der Suche nach dem Echten“ wird der künstlerische Eigenwert beleuchtet: Ein Experte erklärt die Unterscheidungsmerkmale

zwischen Original und Kopie und warum die Suche nach echter Kunst auch eine Suche nach dem eigenen Ich ist. Bürobilder und ihre Besitzer werden auf den Seiten 10–11 vorgestellt und damit das individuelle Unterstatement beleuchtet. Der Zustand der Architektur und die Beziehung zum menschlichen Körper steht auf der diesjährigen Architektur-Biennale im Mittelpunkt: „Aus Händen fl ießen keine Tränen“, so der geheimnisvolle Titel des Österreich-Beitrags für Venedig, der auf Seite 14 von Kommissär Arno Ritter erklärt wird. Dass sie millionenfach im Umlauf sind, wissen wir, doch dass sie auch künstlerisch wertvoll sind, übersehen wir nur allzu oft: Münzen! Auf Seite 21 wird das Museum „Münze Hall“ und das „harte Geld“ als Kunstprodukt hochgehalten. Gehören Geld und Kunst nun wirklich zusammen? Wir leben heute in einem Umfeld,

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das vielfach von kommerziellen Kräften beherrscht wird, damit droht die Unterscheidung zwischen Kunst und Kulturgut, Statussymbol und Investmentobjekt schön langsam verloren zu gehen. eco.nova versucht alljährlich das umfangreiche Kunstangebot in den Galerien und Museen Tirols vorzustellen, damit Sie sich selbst ein Bild machen können. Lassen Sie sich von „Der Suche nach dem Echten“ inspirieren und bleiben Sie uns und der Kunst gewogen! Ihre Julia Sparber

Julia Sparber eco.nova-Kulturredaktion sparber@econova.at

PS: Wer den kreativen Querdenker kennen lernen will, der das Titelbild des Kunstmagazines fotografiert und inszeniert hat, blättert auf Seite 16: Porträt über Fotograf, Journalist und Autor Gert Chesi und seinen Bildband „Menschenbilder“!

26. OKTOBER TAG DER OFFENEN TÜR IN DEN TIROLER LANDESMUSEEN

04 Die Suche nach dem Echten! Experte erklärt anhand des Tiroler Künstlers Alfons Walde die Kunst des Kunsterkennens

07 Die 100 Million Dollar Babys Die teuersten Kunstwerke der Welt

08 Kunst = Kapital. Oder umgekehrt? Der ökonomische Zweck als Kunstbegriff

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Kunst im Büro Bürobilder und ihre Besitzer

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Galerie Widauer Maschinelle Meditation

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Kunstraum Innsbruck Interview mit der neuen Kuratorin Karin Pernegger

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mit Kaiserjägermuseum

Aus Händen fließen keine Tränen Der österreichische Beitrag zur Architektur-Biennale in Venedig

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FERDINANDEUM ZEUGHAUS VOLKSKUNSTMUSEUM HOFKIRCHE TIROL PANORAMA

Menschenbilder Der Tiroler Fotograf, Autor und Journalist Gert Chesi im Porträt

20 Galerie Rhomberg

9.00 - 17.00 UHR GRATIS-EINTRITT IN ALLE HÄUSER WWW.TIROLER-LANDESMUSEEN.AT

Ein „neuer Wilder“ und ein „Flaneur“

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Die Münze als Kunstprodukt Museum Münze Hall und die kunstvolle Wirkung des „harten Geldes“

22 FO.KU.S / Premierentage / Kunststraße Imst / ubuntu 23 Altstadtgalerie Hall Galerie mit Geschichte

24 Galerie im Andechshof Pro junge Kunst

25 Galerie im Taxispalais Galerie des Landes Tirol

26 Galerie Sandhofer Die mit dem roten Stern

27 Galerie Nothburga Kunstvolle Dialoge

28 Kunst in Kürze 29 ART Innsbruck 30 Kunstvolle Bücher

Impressum Herausgeber & Medieninhaber: eco.nova corporate publishing Hunoldstraße 20, 6020 Innsbruck, Tel. 0512/290088, Fax: 290088-70 E-Mail: redaktion@econova.at, www.econova.at Gesamtkoordination: Julia Sparber Autoren dieser Ausgabe: Julia Sparber Grafik: Eva Christl, Jahresabo: EUR 25,– (17 Ausgaben), Druck: A-print Titelseite: Gert Chesi Unternehmensgegenstand: Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art, insbesondere der Zeitschrift eco.nova. Grundlegende Richtung: Unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit & Wellness, Steuern, Recht, Kulinarium und Lifestyle beschäftigt. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie anderwertige Vervielfältigung sind nur mit vorheriger Zustimmung des Herausgebers gestattet. Für die Rücksendung von unverlangt eingesandten Manuskripten und Bildmaterial wird keine Gewähr übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. Quellen: • www.artnet.de • www.zeitonline.de • www.focus.de • www.stern.de • www.ARTcoming.de • www.morgenwelt.de • „Die Kunst des Fälschens“ von Kristy Augustin • www.wikipedia.at

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Die Suche nach dem Echten Es scheiden sich die Geister darüber, wie Kunst daherkommen muss, um als solche zu gelten. Ihre Echtheit ist aber in jedem Falle wichtig. Einige mögen zwar Fälschungen zu Dekozwecken in Kauf nehmen, für wahre Kunstfreunde jedoch sind sie eine Lüge an sich selbst. Ein Experte erklärt anhand des großen Tiroler Künstlers Alfons Walde die Merkmale des Kunst-Erkennens und warum die Suche nach dem Echten auch eine Suche nach dem eigenen Ich ist. Fotos: Florian Schneider / Aigner / Konzert

Die Walde-Klassiker: „Bauernsonntag“, 1927 (Museum Kitzbühel) und „Aufstieg“, 1927 (Museum Kitzbühel)

Der große Sammlerwunsch, sich die Wohnung mit echten Namen auszustatten, belebt den Kunstmarkt stetig. Obwohl ein Großteil der angebotenen Kunstwerke gar nicht echt ist. Scheinbar blind vor Liebe für den Künstler lassen sich viele Sammler täuschen. Die Zeiten, in denen es den Fälschern jedoch leicht gemacht wurde, sind längst vorbei. Neue naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden machen es den Nachahmern und Kopisten schwer. Die Forschung ist inzwischen so weit, dass die Echtheit bereits anhand von Faserstücken überprüf bar ist. Alle Untersuchungsmethoden basieren auf dem Alter der Kunstwerke. Bei

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moderner Kunst ist die Fälschungsanalyse sehr viel schwieriger. Kristy Augustin schreibt im Magazin „Morgenwelt“: „Die meistgenutzte analytische Methode ist aber immer noch ein kritischer Blick.“ Erfahrung, Wissen, Sensibilität für das Kunstwerk und die Schärfe der eigenen Augen – all das seien wichtige Faktoren im Enttarnen von Fälschungen. Peter Konzert ist gerichtlich beeideter Sachverständiger und Schätzmeister für Werke der bildenden Kunst, für Graphik, Plastik und für Antiquitäten in Innsbruck. Er hat diesen kritischen Blick und gilt als großer Walde-Kenner.

Er enttarnte bereits viele Fälschungen des bekannten Kitzbüheler Malers, der zu den meist gefälschten Künstlern der jüngeren Kunstgeschichte Österreichs zählt. Warum?

Die Kunst von Alfons Walde Dazu müsse man tiefer in die Welt von Alfons Walde eintauchen. Peter Konzert erzählt leidenschaftlich gern vom großen Kitzbüheler Maler: Alfons Walde (1891–1958) widmete sich auf seinem künstlerischen Weg in erster Linie dem Landschafts- und Lebensraum in und um Kitzbühel. Die Natur, die Bergwelt und die bäuerlichen Menschen waren seine

bevorzugten Motive. Als sich der Tourismus in Kitzbühel entwickelte, begann Walde auch die Facetten des Wintersportes in seiner Malerei aufzunehmen und war als Künstler in der mondänen, reichen Welt gefragt. „Walde war zeitlebens ein Maler der heilen Welt. Bilder voller Leichtigkeit und Lebensfreude, die nie schwer zu entschlüsseln waren.“ Waldes malender Gegenpol zu dieser Zeit war Albin Egger-Lienz (1868–1926). Seine bäuerlichen Motive kamen schwermütig, schicksalsbeladen, monochrom daher und waren von einem Symbolismus getragen, mit dem sich der Betrachter befassen musste. Walde war stets der


Fälschung

Original Das „Auracher Kirchl“ um 1927/30, Öl auf Karton, 60 x 42 cm im Original (Kunsthandel Wienerroithner & Kohlbacher) und eine Fälschung im selben Format aus dem Jahre 2009

beliebtere und geschäftstüchtigere Künstler. Der Handel mit Walde-Kunst blühte bereits in den 20er Jahren. Der Künstler selbst gründete 1923 einen eigenen Kunstverlag, vertrieb seine beliebten Motive als Postkarten und Plakate und wiederholte seine Schöpfungen – wie das „Auracher Kirchl“ – unzählige Male. Peter Konzert spricht von ca. 40 bis 50 Wiederholungen, von denen auch die eine oder andere weniger gelungene dabei ist. Die Beliebtheit und das Preisgefüge der Walde-Arbeiten wurden dadurch aber nie beeinflusst: „Die Leute liebten ihn und lieben ihn heute noch, ob sei-

Für Peter Konzert ein besonders plakatives Beispiel: „Hier wurden alle Merkmale eines originalen Walde-Werkes ad absurdum geführt. Weder der pastose Farbauftrag, noch die Tiefenwirkung, noch die Licht- und Schattenspiele kamen annähernd an das Original heran.“

perten sind die Arbeiten von Alfons Walde heute sehr überteuert: „Das letzte Auktionsergebnis zu seinem Werk „Bauernsonntag“ beläuft sich auf € 435.000. Wenn man bedenkt, wie viele gleiche Motive es gibt, eine ungeheure Summe.“ Trotzdem Walde seine Motive selbst sehr oft wiederholte und sogenannte Fassungen (ähnliche Motive) sowie Repliken (idente Motive) existieren, ist ein echter Alfons Walde nur schwer zu kopieren. Peter Konzert spricht von seinen „traumwandlerischen Fähigkeiten“, die kaum einer nachmachen konnte: Sein Pinselduktus und die Darstellung von dreidimensi-

„Die meistgenutzte analytische Methode ist aber immer noch ein kritischer Blick.“ Kristy Augustin

ner leichtfüßigen Buntheit und seiner einfachen Aussagen.“ Der Kunstexperte weiß aber auch von „Walde-Werken für Feinschmecker“, die kaum gefälscht wurden: „In seinen frühen Jahren, als er noch auf der Suche nach einem eigenen künstlerischen Ausdruck war, entstanden Aktbilder, Stillleben und auch ein Selbstporträt Waldes im Stil des Secessionismus. Diese Arbeiten existieren nur sehr selten und sind auch kaum gefälscht worden“, erklärt Peter Konzert. Das berühmte „Gasslrennen“ aus dem Jahre 1913 ist für Konzert ein weiteres Beispiel eines nichtplakativen Walde-Klassikers, in dem wirklich Schöpferisches erkennbar ist. Für den Kunstex-

onaler Tiefe sowie Licht- und Schattenspielen war einzigartig. „Ich achte aber auch sehr auf die Rahmung. Massive Holzrahmen in Hohlbauweise sind für Walde typisch. Sobald ein Walde mit irgendeinem Rahmen daherkommt, werde ich schon hellhörig.“

Der umstrittene Nachlassstempel Großes Aufsehen erregte das gefälschte Walde-Werk „Begegnung 1913“. Der steirische Sammler Bernd Aigner hat es im Jahre 2004 samt Nachlassstempel von der Walde-Tochter Guta E. Berger erworben und wenig später im Wiener Auktionshaus um € 28.000 verkauft. Eine frühe, unbekannte Arbeit von Alfons Walde: „Erotik“, um 1925, Öl auf Karton, Innsbruck, Privatbesitz

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Peter Konzert erklärt das Walde-Werk „Bauernhof mit Wildem Kaiser 1937“ im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Besonders die Rahmung ist ein wichtiges Merkmal der Echtheit.

Signaturen:

Konkrete Merkmale für die Echtheit eines Werkes von Alfons Walde: PINSELDUKTUS: Der pastose Farbauftrag und die spontane Pinselführung sind Merkmale, die des Kenners Auge nicht täuschen. Kaum ein Fälscher brachte es zustande, „die Farben derart erhaben auf das Bild zu bringen, wie Walde selbst dies beherrschte“, so Peter Konzert. DREIDIMENSIONALE TIEFE: Eine von Waldes großen Fähigkeiten war, die Architektur der Häuser, die natürliche Umgebung und den Himmel in voller Tiefe erkennbar zu machen. Vorder-, Mittel- und Hintergrund waren bei Walde von einer dreidimensionalen Tiefe, die ein besonderer Faktor der Echtheit ist. LICHT- UND SCHATTENSPIELE: Feine Strukturen und unterschiedliche Färbungen ergeben perfekte Licht- und Schattenspiele, ganz dem realen Sonnenstand entsprechend. Die Wintermotive Waldes lassen besonders die Schneedarstellung lebendig wirken. „Wenn Schnee einem Betonteil ähnelt, ist es garantiert eine Fälschung.“ HOLZRAHMUNG UND GEGENKASCHIERUNG: Massive Holzrahmen in Hohlbauweise wurden speziell für die populären Arbeiten in den gängigen Formaten Waldes hergestellt. Walde malte fast ausschließlich auf gegenkaschiertem Karton, sodass durch den pastosen Farbauftrag keine Wölbung entstehen konnte. Die Gegenkaschierung auf der Rückseite wurde in Brombeerfarben gehalten. Rahmen und Rückseitengestaltung sind also ebenso wichtige Merkmale der Unterscheidung zwischen einem echten oder gefälschten Walde-Werk.

Die Fälschung: Das vom Walde-Sammler Bernd Aigner erworbene Gemälde „Begegnung 1913“ mit dem Nachlassstempel auf der Rückseite

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Das „Gasslrennen“ aus dem Jahre 1913. Für Peter Konzert ein herausragendes Walde-Werk, in dem der Jugendstil (Secessionismus) noch sehr deutlich erkennbar ist.

also gespannt sein, wie dieser Prozess ausgeht und wie sehr der spätere Umgang mit Nachlassstempeln dadurch beeinflusst wird.

Nach drei Jahren entpuppte sich das Werk als Fälschung. Bernd Aigner sollte das Geld zurückzahlen, reichte eine Klage bei Gericht ein und unterlag. Daraufhin klagte er Guta E. Berger auf Schadenersatz, ging durch drei Instanzen und verlor auch hier.

Die Suche nach dem Original und nach sich selbst

Laut OGH-Urteil ist die heute 80-jährige Berger nicht für eine Auskunft haftbar, da diese „freiwillig und unentgeltlich“, also aus Gefälligkeit erteilt wurde. Bernd Aigner und sein Anwalt Andreas Cwitkovits gingen erneut an die Öffentlichkeit, weil sie die Bedeutung des

„Der weitest angereiste Sammler kam aus Montevideo. Leider war auch sein Walde gefälscht und die Enttäuschung groß“, erzählt Peter Konzert. Warum ist es so wichtig, ein echtes Werk zu besitzen: „Kunst ist ein Statussymbol und spielt sich im Kopf des Besitzers ab.“ Wer erfährt, dass er einer Fälschung aufgesessen ist,

Kunst zu besitzen ist in jedem Fall ein Statussymbol, das seinen Besitzer erhaben macht, weil es ein seltenes, ideelles und zumeist wertvolles Gut ist. Nachlassstempels geklärt haben möchten. Frau Berger gebe im Jahr ca. 10 Nachlassstempel auf die Werke ihres Vaters und bestätigt damit „laut einhelliger Meinung aller Marktteilnehmer die Echtheit eines Werkes und damit den Wert der eigenen Walde-Sammlung“, so der Anwalt. Walde-Enkel Michael Berger entgegnete, dass dies seine Mutter „stets nach bestem Wissen und Gewissen tat“. Er hat nun ein Gremium ins Leben gerufen, dem auch der WaldeKenner Peter Konzert angehört, um Echtheitsfragen grundlegend klären zu können: „Ein Stempel ist schnell angebracht und die Familie wird natürlich die Werke ihres Vaters zu erkennen glauben. Doch ein Nachlassstempel kann nie Beweis genug für die Echtheit sein“, gibt Peter Konzert zu bedenken. Der WaldeSammler hätte ein Expertengutachten einholen müssen. Bernd Aigner hat die Wiederaufnahme des Verfahrens angestrengt, die am 22. Oktober stattfinden soll. Rechtsanwalt Andreas Cwitkovits hat inzwischen ein betriebswirtschaftliches Gutachten eingeholt, das belegt, dass die kritisierte Stempelvergabe der Erben zu deren eigenen Nutzen war und ist. Man darf

wird schwer enttäuscht sein. Auch wenn die Fälschung gut gemacht ist. Natürlich gebe es Menschen, die Fälschungen zu Deko-Zwecken in Kauf nehmen. Das seien aber keine wahren Kunstfreunde, weil ihnen der Sachverstand dazu fehle, erklärt Kunstexperte Konzert. Kunst zu besitzen ist in jedem Fall ein Statussymbol, das seinen Besitzer erhaben macht, weil es ein seltenes, ideelles und zumeist wertvolles Gut ist. Ältere Kunst ist ein Bekenntnis zu Tradition und Geschichte, Zeitgenössisches zeugt vom Sinn für Fortschritt und dem intellektuellen Grad des Besitzers. Die Echtheit ist ein wichtiges Kriterium und Kopien sind eben Fälschungen, egal wie gut sie gemacht sind. Der wahre Kunstfreund begibt sich auf die Suche nach Originalen. Und damit auf die Suche nach einem Bild von sich selbst: „Kunst müsse zum Wesentlichen im Menschen führen“, sagt der Schweizer Schriftsteller und FriedrichHölderlin-Preisträger Klaus Merz, für den die Auseinandersetzung mit echter Kunst oft mehr vom Wesen des Menschen offenbare als das reale Vorbild.

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Die 100-Million-Dollar-Babys Von Krisenstimmung keine Spur. Der internationale Kunstmarkt liefert Rekorde.

Dieser Rekord überbot das Ergebnis von 106,4 Millionen Dollar, das 2010 für Pablo Picassos „Nackte, grüne Blätter und Büste“ im Auktionshaus Christie,s erzielt wurde. Der spanische Maler (1881–1973) hat das Gemälde im Jahre 1932 an nur einem Tag fertig gestellt. Wenn er damals ununterbrochen gemalt hätte, könnte er sich über einen Sekundenlohn von rund 1232 Dollar freuen. Heute tun dies die Erben eines kalifornischen Sammlerpaares, aber auch das Auktionshaus selbst. Dank der vereinbarten Provision blieben Christie,s vom erzielten Ergebnis immerhin mehr als 11 Millionen Dollar.

Versteigerung zu Edvard Munchs „Der Schrei“ bei Sotheby‘s: Tobias Meyer, der deutsche Chefauktionator, leitete das Bieterduell zwischen den anonymen Käufern. © dpa/Andrew Gombert, © Wikipedia/Munch-Museum Oslo

„Schreitender Mann I“ von Alberto Giacometti erzielte 104,3 Millionen Dollar. © Wikipedia/Zeit.de

Die Agentur Artprice berichtet auf ihrer Website, dass 2011 die 10-Milliarden-Grenze erstmals überschritten und ein Wachstum von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erreicht wurde. Weltweit wurden also 11,5 Mrd. Dollar (8,77 Mrd. Euro) mit Kunst umgesetzt. Das diesjährige Ergebnis dürfte allerdings noch besser ausfallen, denn der Kunstmarkt hat seit Mai 2012 einen neuen Rekord: Das legendäre Gemälde „Der Schrei“ des norwegischen Malers Edvard Munch (1863–1944) wurde bei Sotheby ,s in New York für fast 120 Millionen Dollar (90 Millionen Euro) versteigert. Angeblich auf Auftrag des Emirs von Katar hatte ein anonymer Käufer das Gemälde per Telefon ersteigert. Diese Summe wird zumeist nicht einmal für eine gesamte Auktion erzielt. Wer verkauft dieses Bild? Petter Olsen, ein norwegischer Kaufmann, dessen Vater einst Nachbar von Edvard Munch war. Vor mehr als 70 Jahren gekauft, will Olsen Sohn nun ein MunchMuseum bauen, das zum 150. Geburtstag des Künstlers im kommenden Jahr eröff net werden soll. Edvard Munch schuf exakt vier „Schreie“, drei davon hängen in norwegischen Museen und sind eigentlich unverkäufl ich. Der versteigerte „Schrei“ aus dem Jahre 1895 zeigt die schreiende Figur mit den stärksten Konturen und gilt als der eindrucksvollste.

104,3 Millionen Dollar brachte Alberto Giacomettis „Schreitender Mann I“ ebenfalls 2010 bei Sotheby ,s ein. Von Giacomettis berühmter Skulptur gibt es insgesamt sechs Abgüsse, die meisten Menschen werden den „L’ Homme qui marche I“ aber von der Schweizer 100-Franken-Note kennen, auf der sie abgebildet ist. Zur Arbeit des Schweizer Bildhauers (1901– 1966) gibt es eine positive Geschichte zur Bankenfusion: Die Dresdner Bank hatte eine umfassende Kunstsammlung, deren wichtigstes Werk in der Empfangshalle in Frankfurt stand – Giacomettis „Schreitender Mann“ aus dem Jahr 1961. Die Bankenkrise 2008 setzte der Dresdner Bank derart zu, dass sie von der Commerzbank aufgekauft wurde. Diese wollte den mageren Mann mit dem gebeugten Oberkörper nicht aufstellen und ließ ihn gewinnbringend versteigern. So profitierten nicht nur Aktionäre und Manager, sondern auch ausgewählte Museen, die mit dem Auktionsergebnis seither zahlreiche Restaurierungsprojekte finanzieren konnten. Zu den 100-Millionen-Dollar-Babys kann aber noch ein weiterer Picasso gezählt werden: Bereits 2004 wurde sein „Junge mit Pfeife“ um 104,2 Millionen Dollar bei Sotheby´s versteigert. Robert Ketterer, Chef der deutschen Auktionshäuser, lässt im Magazin Stern aufhorchen, weil er eine weitere Steigerung prognostiziert: „Geld ist in Hülle und Fülle da. Es gibt Kunden, die wissen gar nicht, wohin mit ihrem Geld.“ Kunstwerke seien einfach das Statussymbol schlechthin. „Was sind 100 Millionen für ein Bild der Begierde?“, sagte Ketterer.

„Nackte, grüne Blätter und Büste“ von Pablo Picasso erzielte 2010 das Rekordergebnis von 106,4 Millionen Dollar.

„Junge mit Pfeife“ von Pablo Picasso brachte 104,2 Millionen Dollar ein.

© Wikipedia/The New York Times

© Wikipedia/Privatbesitz

Nicht nur in Europa und den USA gebe es Milliardäre, die ihr Geld in Kunst anlegten, sondern auch aus China, Indien und Russland kämen inzwischen Kunden, sagte Ketterer. Die Angst vor Inflation lässt Reiche immer mehr in Kunst investieren, andererseits wollen sich

die Besitzer aufgrund der Inflationsangst nicht von ihrem Kunstbesitz trennen. Das Angebot sei deshalb begrenzt, so Ketterer, das aber wiederum die Nachfrage und somit die Preise antreibt. 100 Million-Dollar-Babys wollen eben gebeten werden.

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Kunst = Kapital. Oder umgekehr t ? Einerseits verdrängt der ökonomische Zweck den rein künstlerischen Eigenwert. Andererseits zeigt ein Finanzexperte, dass mit einem ökonomischen Kunstbegriff eine vielbeachtete Sammlung entstehen kann. Der Versuch einer Annäherung.

Eduard Pomeranz Kunstsammler und Finanzexperte. 1969 in Odessa geboren, kam 1976 nach Österreich, wo er Wirtschaft studierte und als Wertpapieranalyst tätig war. Seit 1995 Chef der FTC Capital GmbH. Gemeinsam mit seinem Kurator Ami Barak baute er eine Sammlung zeitgenössischer Kunst auf, die nach den Mechanismen der Finanzwelt funktioniert. „Die Kunst ist längst ein Riesengeschäft geworden. In der Kunst wirken dieselben Marktmechanismen wie an der Börse, dessen muss man sich bewusst sein.“

Piroschka Dossi Autorin und Kuratorin, befasst sich mit den Wechselwirkungen von Kunst und Ökonomie. Sie untersucht die kulturellen Grundlagen und ökonomischen Mechanismen des Kunstmarktes und ihre Auswirkungen auf die Kunst. „Um den Eigenwert von Kunst überhaupt wahrnehmen zu können, bedarf es vor allem jener Ressource, die im beschleunigten Kunstmarkt zum größten Luxus geworden ist: Muße, Kontemplation, Zeit. Spätestens da merkt man: Zeit ist eben doch nicht Geld.“

Fotos: Courtesy Galerie Konzett, Wikipedia, Elfie Semotan, The Ukrainian Week

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Joseph Beuys / Kunst = Kapital. Banknoten mit handschriftlichem Text. Schon im Jahre 1979 hat der Künstler Joseph Beuys die kritische Reflexion zwischen Kunst- und Geldwert in seinem Schaffen thematisiert.

Das Galerienetzwerk artnet ist das größte seiner Art: Mehr als 2.100 Galerien in über 250 Städten präsentieren online 173.000 Arbeiten von 37.000 Künstlern und unterstützen bei Recherchen, wie und wo man Kunst kaufen und verkaufen kann. Ein Online-Netzwerk für Händler und Kunstkäufer gleichermaßen und Ausdruck eines Trends, der am Kunstmarkt immer stärker zu beobachten ist: Das Netzwerk bestimmt den Wert einer Arbeit! Viele Sammler kaufen Kunst bei renommierten Galerien, weil sie wissen, dass der Galerist oder Händler ihnen den Marktwert des Werkes garantiert. So werden letztlich die Kontakte zu Personen und Institutionen, die sich mit Kunst beschäftigen, wichtige Kriterien für den Wert des Künstlers. Autorin Eva Komarek schreibt dazu im Wirtschaftsblatt: „Die aufstrebenden Länder nehmen mit zunehmendem Reichtum auch mehr und mehr am Kunstmarkt teil. So wird letztlich das Kunstwerk zum Spielball der Globalisierung.“ Losgelöst vom Inhalt des Kunstschaffens. Ein Gegenstand wird dann zur Kunst, wenn ihn der Künstler dazu erhebt. Das wissen wir seit Marcel Duchamp. 1917 besorgte sich Duchamp (1887–1968) ein Urinal, gab ihm den Titel „Fountain“ und signierte mit dem Synonym „R.[ichard] Mutt“. Duchamps Ansichten stellten den gängigen Kunstbegriff damals radikal in Frage, weil er die Meinung vertrat, dass bereits die Auswahl eines Gegenstandes ein künstlerisches Werk sei. Bei der Vielzahl an unterschiedlichem Kunstschaffen ist es heute unmöglich, ein Kunstwerk nach seinen tatsächlichen Eigenschaften und vor allem danach zu bewerten, inwieweit es einem Maßstab des Schönen entspricht. Folglich ist das Netz-

werk aus Galeristen, Händlern, Sammlern und Werbern immer wichtiger geworden. Sie definieren den Kunstmarkt, sie bestimmen letztlich die Begehrlichkeit und den Preis.

Kunst wird als Statussymbol und als lukratives Investment angeboten. Dadurch werden nicht nur Kunstsinnige angesprochen, sondern durchaus auch „nur“ Kapitalkräftige, für die kunstvolle Aussagekraft sekundär ist.

Sammlung nach finanziellen Kriterien Die Kuratorin und Autorin Piroschka Dossi befasst sich eingehend mit den Wechselwirkungen von Kunst und Ökonomie und stellte fest, dass Geld für die Positionierung und Bewertung von Kunst heute eine wesentliche Rolle spielt: „Deshalb kann man von einem neuen Kapitel in der Kunstmarktgeschichte sprechen.“ Weil Sammler aus dem Finanzsektor die Bühne betraten, die ein geschultes Auge für die finanziellen Anreize des Kunsterwerbs haben. Der Hedgefondsmanager Edi Pomeranz hat das sogenannte geschulte Auge. Er analysiert den Kunstmarkt nach den Parametern der Finanzwelt und hat innerhalb von vier Jahren eine spektakuläre Sammlung internationaler Konzept- und Minimalkunst aufgebaut. Im Jüdischen Museum in Wien wurden Teile davon unter dem Titel „Fremde überall“ gezeigt und im Film-Loop zur Ausstellung wurde des Sammlers eigenwilliger Kunstbegriff erklärt: „Die Kunst ist längst ein Riesengeschäft geworden. In der Kunst wirken dieselben Marktmechanismen wie an der Börse, dessen muss man sich bewusst sein.“ Pomeranz hat seine Sammlung von Beginn an logistisch aufgebaut, Kuratoren eingesetzt und

ein Computerprogramm entwickelt, das eine Shopping-Shortlist erstellt. „Ich lege die Mechanismen der Finanzwelt auf die Kunst um“, erklärt der Kunstinvestor. Das Ergebnis, das aus dem Screening des Kunstmarktes entstand, vereint laut Pomeranz drei Funktionen von Kunst: Investment, Prestigeobjekt und Sinnenfreude. Der Hedgefondsmanager definiert seine Grundidee in der Zusammensetzung des Portefeuilles, wie bei Aktien: Künstler, die von der Kunstgeschichte und vom Markt anerkannt sind. Jene Künstler, die noch immer unterbewertet sind, und die ganz jungen, die schon erste Ausstellungen haben und gut vernetzt sind. In der österreichischen Zeitschrift „Format“ wird Edi Pomeranz gefragt, ob er für diesen pragmatischen Kunstzugang nicht auch angegriffen werde? „Natürlich wird mir vorgeworfen, dass ich sehr rational an die Sache herangehe, zu wenig Emotion zeige. Aber ich hänge nur an dem, was lebt.“ Der Erfolg gibt Herrn Pomeranz Recht: Die Sammlung aus 200 Arbeiten – osteuropäische, Performance-, Konzeptkunst und Minimal Art – wird von internationalen Kunstexperten honoriert und entspricht internationalen Standards. Für ihn ist die durchaus schwierig zu erschließende Kunst von Interesse, weil er nicht den Anspruch hat, „dass das Bild zur Couch passen muss. Aber Kunst muss zu mir passen und mein Wertesystem fordern“, erklärt Pomeranz. Und sein Wertesystem ist ein simples und zugleich diffiziles. Immobilien, Hedgefonds und Aktien werden mit seinem Sinn für Kunst, besonders für die gesellschaftskritische, ausgebaut. „Ich werde als Finanzexperte permanent nach der Performance gefragt, daher interessiert mich auch die Performancekunst.“


Beispiele zeitgenössischer Kunst aus der Pomeranz Collection:

Marcel Duchamp / Fountain. Dieses „Ready-made“ des Künstlers aus dem Jahre 1917 stellte den damals gängigen Kunstbegriff radikal in Frage: Er besorgte sich ein Urinal, signierte und zeigte es im Rahmen einer „Nicht-Ausstellung“. Heute gilt das Urinal seiner Synonym-Unterschrift zu den Schlüsselwerken der modernen Kunst.

Martin Kippenberger „Onkel Bonbon“ / 1983 Die exorbitanten Summen, die am Kunstmarkt im Umlauf sind, erklärt er so: „Hat man 120 Millionen Dollar am Konto, können sie weg sein. Kauft man aber einen Munch, behält man zumindest 80 Millionen Dollar sicher. Im Krisenfall kann man natürlich davon nichts abschneiden, aber man hat einen Wert für die nächste Generation.“

Waren früher Kunst und Finanzen zwei unvereinbare Genres, sind sie heute zum neuen Geschäftszweig geworden. Museumsdirektoren, Kunsthändler und Fondsmanager kommen bei Konferenzen zusammen, bilden ein gewieftes Netzwerk, das die kulturelle Verschiebung von künstlerischen auf ökonomische Bewertungskriterien vorantreibt.

Kunst wird mit Geld neu definiert Kunstindexe und Rankings sind akzeptierte Instrumente zur Bemessung künstlerischen Erfolgs und werden als Indikatoren künstlerischer Qualität herangezogen. Piroschka Dossi auf artnet: „Qualität wird zu einer Frage der Quantität, indem sie auf drei Kernfragen reduziert wird: Mit wem? Wie oft? Wie teuer?“ Drei Fragen, die nichts mit dem Werk selber zu tun haben, sondern mit anderen Aspekten wie der sozialen Intelligenz des Künstlers, wo er das Kunstsystem betreten hat – was zu Startvorteilen und damit zu nicht mehr einholbaren Wettbewerbsvorsprüngen führen kann – sowie den Geschmacksvorlieben von Kuratoren und Sammlern und deren Kaufkraft. Rankings und Indexe quantifizieren den künstlerischen Erfolg und verstärken die Tendenz des Marktes, die Nachfrage auf wenige Starkünstler zu konzentrieren. „Der Kunstmarkt ist ein sogenannter ‚The-Winner-takesit-all-Markt‘. Sein Kennzeichen ist ein enormes

Preisgefälle bei geringen oder nicht existenten Leistungsunterschieden“, so die Kuratorin auf artnet. Deshalb ist der Beruf des Künstlers kein stabil einkommensstarker, sondern das Gegenteil. Ein kleines Hochpreissegment und ein enorm großes Niedrigpreissegment erklärt die sogenannte „Künstlerarmut“. Die Idee von Kunst als Investment gewinnt zunehmend an Bedeutung, zieht neue Konsumenten in den Markt, die sich auf Steigerung versprechende Künstler fokussieren. Der ökonomische Wettlauf verdrängt damit immer mehr den künstlerischen Wettstreit um kreative Sinnhaftigkeit, tiefe Auseinandersetzung und qualitativen Ausdruck.

Die Arbeit des deutschen Malers, Bildhauers und Produzenten zahlreicher Künstlerbücher gilt als Beispiel seiner furchtlosen Annäherung an gesellschaftskritische Themen und verweist auf die perverse Realität des Kindesmissbrauchs.

Kunst und Geld können nicht voneinander getrennt werden, wenn aber kommerzielle Kräfte dominieren, verschwimmt die Grenze zwischen Kunst als einzigartigem Kulturgut oder reinem Investmentobjekt.

Bewusstsein formt Kultur und Kultur prägt den Markt Aber auch umgekehrt werden wir vom Markt geprägt. Der mit Geld dynamisierte Kunstmarkt, der immer mehr zu einem spekulativen Geschäft wird, kann leicht zu einem Burnout führen: Kunst wird als Vision, als kreative Hervorbringung von wagemutigen Künstlern zunehmend an Bedeutung verlieren. Deshalb soll der Eigenwert der Kunst – gegenüber der zunehmenden Wirkungsmacht des Geldes – wieder mehr in den Vordergrund gestellt werden. Piroschka Dossi: „Um den Eigenwert von Kunst überhaupt wahrnehmen zu können, bedarf es vor allem jener Ressource, die im beschleunigten Kunstmarkt zum größten Luxus geworden ist: Muße, Kontemplation, Zeit. Spätestens da merkt man: Zeit ist eben doch nicht Geld.“

Claire Fontaine „The Weeping Wall Inside Us All“ / 2009 Claire Fontaine ist ein Künstlerkollektiv aus Paris, das sich den Namen einer bekannten Schulbuchmarke zulegte und zur „Ready-made“-Kunst bekannte. Der Schriftzug soll dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern eine existenzielle Dimension verleihen.

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Kunst im Büro Für Unternehmer und Manager gehört es immer mehr zum persönlichen „Understatement“, sich in ihren Büros mit Kunst zu umgeben. Selten nur aus dekorativen Gründen, vielmehr weil sie eigene Geschichten damit verbinden und erzählen wollen. Bürobilder und ihre Besitzer:

Benedikt Gratl, Architekt: Ein Kunst-Wohnbüro Für den Architekten gibt es keine strikte Trennung zwischen Lebens- und Arbeitswelt: „Gute Architektur kann beide Welten vereinen.“ Benedikt Gratl lebt im Elternhaus in Hall, das sein Vater 1981 erbaute. Für die damalige Zeit ein sehr progressives Refugium, das mit Kunst der 60er Jahre beständig erweitert wurde. „Heute lebe ich mit meiner Familie auf einer Dauer-Baustelle, weil jede Renovierung einer Sonderanfertigung bedarf. Aber das Haus mitsamt der Kunst lebt und wächst mit uns mit.“ Vater Richard ist begeisterter Kunstsammler, der seit Jahrzehnten Künstlerfreundschaften pflegt. Der bekannte Tiroler Bildhauer Franz Pöhacker ist Benedikts Taufpate. Dieser habe seinen Blick für Ästhetik und Aussage bereits als Kind geschärft: „Die gemeinsam erlebten Geschichten sind für mich das Berührende an Kunstwerken.“ Er erzählt beispielsweise von einer Reise nach Mali mit dem Kärntner Künstler Peter Krawagna, dessen Arbeiten im Haus zahlreich zu finden sind. Auf der Rückseite eines Bildes schreibt der Künstler: „Lieber Benedikt. Damit auch mal was aus Kärnten nach Tirol kommt. Das schöne Licht in dem Dorf in Mali, von dem wir gesprochen haben …“ Des Architekten Lieblingswerk hängt im Wohnzimmer. An sich monochrom dezent, wirkt es durch ein architektonisches Detail fast monumental: Grün-schwarzes Acryl von Hans Grosch, von oben durch eine Luke beleuchtet. Für Benedikt Gratl ein Ort der unbewusst inszenierten Kunst: „Mich interessiert, wie sich Kunst im Raum auswirkt, wie sie atmosphärisch im Raum und mit dem Raum spielt.“ Zum räumlichen Ideenschöpfen geht der Architekt am liebsten auf die jüngst umgebaute Terrasse: „Adam“, eine massive Bronzeskulptur des ladinischen Künstlers Lois Anvidalfarei, wacht über dem schönen Aussichtsplatz und eine Plastik von Walter Nagl thront am Geländer. Die Vorliebe für skulpturale Werke ist im Hause Gratl unübersehbar: „Weil Skulpturen architektonische Feinheiten zur Geltung bringen können.“ Er blickt auf eine bunte Stahlarbeit des österreichischen Künstlers Gerhard Moswitzer, den sein Vater in den 60er Jahren für sich entdeckt hat. Prompt fällt ihm dazu eine Anekdote ein: „Mein Vater schwärmte immer wieder von Moswitzers Arbeit. Eines Tages parkte eine kleine Ente in unserer Einfahrt und der Künstler packte die sperrige, große Skulptur aus. Wir konnten nicht glauben, dass die im 2 CV Platz fand.“ Seither hat sie einen festen Platz im kunstvollen Wohnbüro Gratl in Hall – früher beim Vater, heute beim Sohn.

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Architekt Benedikt Gratl in seinem Wohnzimmer mit dem „Grosch-Monument“ – von oben beleuchtet. Lois Anvidalfareis „Adam“ wacht über der Terrasse, Walter Nagls Plastik thront am Geländer.


Dagmar Wresnik, Geschäftsführerin Berufsförderungsinstitut Tirol: Ein Kunstbergwerk Gleich beim Öff nen der Bürotür werden Dagmar Wresniks Leidenschaften allgegenwärtig: Eine für den Beruf als Geschäftsführerin des größten Bildungsinstitutes in Tirol, eine für die Kunst und eine für das Bergsteigen. Letzteres ist für sie eine Metapher für das Weiterkommen in allen Bereichen des Lebens: „Ohne dass man Hürden nimmt, dass man Berge erklimmt und sich dafür auch anstrengt, um aufzusteigen – ohne all das sind wir Menschen nicht zufrieden.“ In ihrem Beruf begleiten sie und ihre Mitarbeiter Menschen, die weiterkommen wollen. Mit dem eigenen Berge erklimmen in der Freizeit holt sie sich die Energie dafür. „Und wenn ich keine Zeit zum Bergsteigen habe, so sehe ich mir Nino Malfattis Bergbild im Büro an“, erklärt sie lachend. Eine weitere Bergansicht des in Berlin lebenden Tiroler Künstlers hängt im Foyer. Malfatti ergründete Strukturen der Bergwelt, die abstrakten Anmutungen, die realistisch auf Leinwand übertragen werden, hängen direkt neben Luis Trenker und Hermann Buhl. Die beiden Bergsteigerlegenden in Öl auf Leinwand stammen vom Osttiroler Künstler Othmar Trost. Dagmar Wresnik sammelt seit 35 Jahren Kunst: „Als Studentin habe ich mir Arbeiten auf Raten gekauft, also mich anstrengen müssen, um es endlich mein eigen nennen zu können.“ Als heutige Geschäftsführerin will sie deshalb die Tiroler Kunstszene aktiv fördern: Einmal jährlich werden sechs Unterrichtsräume im BFIZentrum in der Innsbrucker Ing.-Etzel-Straße zur kunstvollen Bespielung freigemacht. Jeder Künstler hat einen Raum zur Verfügung, um seine Arbeiten zu präsentieren. Eine von ihr genannte Lieblingsentdeckung sind Skulpturen aus Recyclingkapseln und Kaffeefi ltern der Südtirolerin Ruth Gamper. Dagmar Wresnik hat mittlerweile 20 ihrer Objekte gesammelt, die in der gesamten Vorstandsetage einen ästhetischen Reflexionsprozess in Gang setzen sollen. Wie auch Arbeiten von Patricia Karg, Michael Unterluggauer und Johannes Haider die repräsentativen Räumlichkeiten des BFI zu einem Kunstbergwerk machen, das mit kreativer Kompetenz Menschen Berge geben will.

Dagmar Wresnik und Nino Malfattis Bergbild im Hintergrund. Skulpturen aus Recyclingkapseln der Südtirolerin Ruth Gamper in der Vorstandsetage des BFI.

Josef Graber, Direktor der Raiffeisen-Regionalbank Hall: Ein Kunst-Brückenschlag Mit der Galerie Kunstbrücke und dem Kunstpreis beleuchtet die Raiffeisen-Landesbank das wandlungsfähige System aus Kunst und Wirtschaft. In Hall wird eine „regionale Brücke“ geschlagen, die den kunstvollen Aspekt der Region in den Blick nimmt: „In Hall gibt es einige große Künstler, diese zu fördern und zu zeigen, sehen wir als unsere Aufgabe“, erklärt Direktor Josef Graber. So hängt in seinem Büro einer der wohl berühmtesten Söhne Halls, Max Weiler. „Dieses Werk wurde Anfang der 90er Jahre bei einer Benefi zveranstaltung im Kurhaus um ATS 12.000 angeboten, die RRB Hall kaufte es um ATS 40.000, um den sozialen Zweck zu erhöhen. Heute wäre es natürlich ein Vielfaches wert.“ Das vor 12 Jahren entstandene Bankinstitut in Hall ist ein lichtdurchflutetes Haus, das Kunst am Bau integriert. Den zweiten Stock des Bankinstitutes prägt Hans Grosch, der 1953 in Hall geborene und heute noch in Hall lebende Künstler. Mit schwarzroter Geometrie im Großformat auf Sichtbeton. Und noch einen Stock höher „erscheint“ die bekannte Haller Künstlerin Eva Schlegel: Auf Glas mit Schriftzügen als unscharfer Text. „Eine Arbeit, die den Rahmen des schönsten Bildes rundum vorgibt: die Stadt von oben.“ Josef Graber ist gebürtiger Haller, der seit 1987 der RaiffeisenRegionalbank vorsteht und dem die kreative Entwicklung der Region ein Herzensanliegen ist. Deshalb setzte er sich auch für den Erhalt des 1958 von Max Weiler gestalteten Mosaiks am alten Rettungshaus ein, das am heutigen „Haus am Milsertor“ – dem Private Banking der RRB – einen würdigen Platz bekommen hat. Josef Graber schätzt kunstsinniges Schaffen, nicht zuletzt weil es in seiner Verwandtschaft auch einen Künstler gab: Alfons Graber (1901–1990), ein bekannter Maler aus Steinach, dem heute ein Museum dort gewidmet wird, war Cousin seines Vaters. Er selbst ist aber lieber Banker geworden, der seit 2002 im Aufsichtsrat der RLB Tirol tätig ist und seit 2009 als Aufsichtsratvorsitzender fungiert. „Als Banker ist man durchaus kreativ gefordert – die Zahlen im Griff zu behalten.“ Er selbst betrachtet Kunst als eine Investition, die mehr Emotion lukrieren als Gewinn maximieren kann: „Ich würde kein einziges Werk mehr hergeben, zu sehr sind die Arbeiten von Max Weiler, Hans Grosch, Peter Willburger u.v.a. mit dem Haus eins geworden.“ Direktor Josef Graber mit einer Weiler-Arbeit in seinem Büro. Geometrie auf Sichtbeton von Hans Grosch und Schriftzüge auf Glas von Eva Schlegel – die Kunst in der RRB Hall.

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Gerald Hauska, Rechtsanwalt: Eine Kunstkanzlei

Rechtsanwalt Gerald Hauska am Stuhl von Franz West, dahinter die reduzierte Skulptur von Erwin Wurm. Fotografien von Paul Graham im Sekretariat, Bronzeskulptur von Manfred Wakolbinger beim Eingang.

Die Anwaltskanzlei in der Innsbrucker Salurner Straße, in der etablierter Kunstsinn spürbar ist: Gleich beim Eingang empfängt eine Skulptur von Manfred Wakolbinger aus Bronze und Glas, im Sekretariat hängen sozialdokumentarische Fotografien von Paul Graham und in der Bibliothek die Klassiker von Man Ray. Gerald Hauska betreibt seit 1989 eine kunstvolle Kanzlei: „Mit Kunst zeigt man, dass ein frischer Wind durchs Hirn bläst“, lacht er. Ansonsten ist Gerald Hauska kein Freund von Flapsigkeiten. Als Anwalt ist für ihn das Durchdringen von geistiger Materie immens wichtig und auch die Kunst müsse grundlegend verstanden werden. Gefallen allein sei kein Kriterium für Kunst: „Einfach etwas schön zu finden ist gefährlich und verleitet zur Oberflächlichkeit. Die Philosophie dahinter ist das Maß aller Dinge“, so Hauska. Er erzählt vom Expressionisten Kandinsky, der mit Punkt, Linie und Fläche eine objektive Bildsprache entwickelte und damit das Geistige zu entschlüsseln versuchte. Für Hauska ein lebenslanges Faszinosum: „Die Sensibilität der Künstler, den Zeitgeist zu erfassen und in ihrer Sprache bewusst zu machen, ist sehr reizvoll. Jedoch das intellektuelle, hintergründige Verstehen macht Kunstschaffen erst wirklich spannend.“ Seine Kanzlei-Kunstwerke hat er seiner persönlichen Konstante entsprechend ausgesucht: Im Flur steht eine frühe, reduzierte Arbeit von Erwin Wurm, die noch nichts von seinen satirischen „One Minutes Sculptures“ erahnen

Maschinelle Meditation

lässt, und in Hauskas Büro die „Murphy“ von Bruno Girconcoli. Eine Skulptur des großen österreichischen Bildhauers aus dem Jahre 1968. Hans Weigand hängt großformatig oberhalb des Schreibtisches, vis-á-vis findet sich eine strenge architektonische Komposition von Hubert Schmalix, neben schwarz-weißen Ameisen von Peter Kogler. Hinter der Tür ein Stuhl des heuer verstorbenen Künstlers Franz West: „Dieser Stuhl hat mir eine heftige Auseinandersetzung beschert.“ Schweres, dunkles Metall mit grün-buntem Bezug. Warum gibt es darüber eine Diskussion? „Genau darum! Ich wollte erklären, was daran Kunst ist, einige fühlten sich dadurch provoziert.“ Neben der intensiven Beschäftigung möchte Hauska auch das Ironische nicht missen: „Wirkliche Kunst ist, das Spielerische wahrzunehmen und locker damit umzugehen.“ Soll die Kunstkanzlei noch weiter wachsen? Ein „Passstück“ von Franz West, das hätte er noch gerne: „Einmal stand ich kurz vor der Investition, doch bis ich die Kraft zur Entscheidung auf brachte, war es schon verkauft.“ Heute sind die transportablen, undefinierbaren Formen, die als Stützen, Prothesen oder Gewächse an den Körper gelegt werden können, im Wert wesentlich gestiegen und Gerald Hauska trauert heute noch ein wenig: „Das Dilemma des Kunstsammlers ist immer die eigene Begrenztheit“, gesteht er. Die inneren Grenzen können aber gleichzeitig einen Reflexionsprozess über Kunst einleiten. Besonders in der Kanzlei, in der sich Anwalt und Klient nur innerhalb wirtschaftsrechtlicher Grenzen bewegen, „kann Kunst den Horizont ungemein erweitern. Das finde ich nun wirklich schön.“

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Fotos: Nikolaus Schletterer

documenta-Künstler Thomas Bayrle in der Galerie Widauer.

Galerie Johann Widauer Erlerstraße 13 A-6020 Innsbruck Tel.: +43 (0)512 58 38 48 Mobil: +43 (0)664 43 30 550 E-Mail: johann.widauer@utanet.at

Öffnungszeiten: Di. – Do. 14 – 18 Uhr u. Fr. 9 – 13 Uhr

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Der Frankfurter Künstler Thomas Bayrle bekam auf der Kasseler Weltkunstschau die größte Einzelpräsentation, die es jemals in der documenta-Halle gegeben hat. Der deutsche Pop-Artist erforschte die industrielle Ästhetik, indem er den Rhythmus der Maschinen und die religiöse Meditation künstlerisch formulierte. Ein acht mal 25 Meter messendes Papprelief namens „Carmageddon“ ist eigens für die documenta entstanden. Diese überdi-

mensionale Arbeit hat die Galerie Widauer mit der Innsbrucker Firma Dinkauser umgesetzt. Auch ältere Werke wie das Flugzeug aus anderthalb Millionen kleinen Fliegern waren Teil der Ausstellung. Meditation, Arbeit und Gebet, der Gleichklang von Mensch und Maschine als Synonym für die Trance der unteren Produktionsebene, kombiniert mit der Monotonie des Rosenkranz-Betens. Der Künstler

habe sich jahrelang gefragt, ob er das einmal zum Ausdruck bringen könne. Auf der documenta ist es ihm gelungen. Die Galerie Widauer als Dependance der documenta: Teilstücke von „Carmageddon“ waren zu sehen sowie Auseinandersetzungen des Künstlers Bayrle mit Berglandschaften als weitere Pappreliefs, die eigens für die Ausstellung in der Galerie in der Erlerstraße entstanden sind.

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Die Frau für die neue Kunstraum-Identität Mit Stefan Bidner hat Karin Pernegger vor zwei Jahren Tirol verlassen, um heute als dessen Nachfolgerin zurückzukommen: Mit 1. Jänner 2013 übernimmt sie die künstlerische Leitung des Kunstraum Innsbruck. eco.nova erzählt sie von einer „spezifischen Identität“, die künftig für den Ort avantgardistischer Kunst vorgesehen ist, und dass sie mit dem Nimbus „Alphaweibchen“ leben kann.

eco.nova: Sie ließen vor zwei Jahren verlauten, dass Ihnen die Arbeitsbedingungen den Abschied aus Tirol leicht machen würden. Heute kehren Sie genau an diesen Ort zurück? Meine Aussage war an eine Situation geknüpft, in der ich keinerlei Unterstützung hatte. In Schwaz war es damals sehr schwierig für mich, da sich politisch niemand eindeutig für die Stadtgalerie entschieden hat. Die damalige Uneinigkeit mit dem künftigen Namen – die Stadtgalerie ist ja ein Einkaufszentrum geworden – konnte ich nicht nachvollziehen. Ich war jetzt zwei Jahre lang weg von Tirol, habe aber den Kontakt nie ganz verloren. So gesehen, ist es wie ein Nach-Hause-Kommen.

en auf der Seite der Künstler setzen und im ersten Jahr verstärkt die Künstler fokussieren, die man hier noch nicht entdeckt hat. Ich spreche von Künstlern, die erfolgreich auf internationalen Biennalen unterwegs sind, die aber noch keine lokale Verankerung haben, weil sie in ihrem Land auf kein Kunstsystem zurückgreifen können. Künstler aus den ex-sowjetischen Ländern zum Beispiel, oder auch mit einem afrikanischen Künstler werde ich zusammenarbeiten. Kreative Menschen, die aus einer unmöglich erscheinenden Situation für unseren westlichen Blick eine selbstverständliche, künstlerische Praxis entwickelt haben, um das Grenzüberschreitende zu definieren.

Der Kunstraum wurde in den letzten Jahren zunehmend finanziell ausgehungert. Erlaubt das derzeitige Budget die Umsetzung von umfangreichen Projekten? Der Kunstraum hat eine gute Reputation und seiner Tradition entsprechend sollen Produktionen vor Ort stattfinden. Diese sind aufgrund der finanziellen Situation leider immer schwieriger geworden, weil es in den letzten Jahren wesentliche Budgetkürzungen gegeben hat. Es wird wichtig sein, dass sich die finanzielle Situation wieder verbessert, weil sonst die Gefahr der Improvisation besteht. Es ist wichtig, dass man der Kultur wieder mehr Platz gibt.

„Weiß man noch worauf die Kunst fußt?“

Wie werden Sie den Dialog zur Kulturpolitik gestalten? Wenn ein Dialog versagt, haben immer beide Seiten ihren Anteil daran. Der damalige Dialog zwischen Kunstraum und Kulturpolitik baute auf gewachsenen Strukturen auf. Ich bin heute sehr dialogbereit, weil ich quasi von außen neu dazu komme. Mit einem leeren Rucksack, den ich für den Kunstraum neu füllen möchte. In Tirol ist es wichtig, Signale zu setzen, um dieses Bundesland im positiven Sinne zu modernisieren und der Welt zu öffnen. Öff nen und modernisieren – streben Sie das mit Ihrer neuen Kuratorentätigkeit an? Das Echo des Kunstraum Innsbruck ist so stark, dass ich mich nur mehr in diesem Kanon einstimmen muss bzw. gefordert bin, mich einzustimmen. Ich werde versuchen eine spezifische Identität für den Kunstraum zu schaffen.

„Ich möchte die Kriterien auf der Seite der Künstler setzen.“ Wird künftig ein besonderer Aspekt im Kunstraum geschärft? Ich will keine Diskussion über ökonomische Weltgefüge oder Ähnliches anstreben, das würde den Rahmen sprengen. Aber Kunst kann nicht etwa nur der Kritik willen etwas schaffen, sondern vor allem des besseren Verständnisses wegen. Somit will ich dem Kunstraum auch etwas geben, um über die Kunst an sich nachzudenken und einen anderen, neuen Blick auf die Welt zu entwickeln. Ihre Definition des neuen Programms? Es ist einfach zu definieren, ein globales oder ein internationales Programm zu machen. Aber was sind die Kriterien? Ich möchte die Kriteri-

Welche Themen werden im neuen Programm fokussiert? Themen, die einen Blick von außen auf die Welt schaffen, aber auch die künstlerische Praxis in ihren Theoriemodellen diskutieren. Wir stehen in einem wesentlichen Umbruch. Ich frage mich, wohin eine Identität der Kunst des 21. Jahrhunderts geht? Anfang der 90er Jahre hat man sich nur auf die technologische, mediengestützte Kunst konzentriert. Inzwischen hat man sich wieder auf alte Techniken besonnen. Parallelitäten haben sich rasend schnell entwickelt und ich möchte die Frage stellen, ob man denn noch weiß, worauf die Kunst fußt. Deshalb möchte ich Projekte zeigen, die sich über künstlerische Prozesse auseinandersetzen und Fragen stellen, was künstlerische Praxis ist. Ich mache ein Programm auf Ort und Zielgruppe zugeschnitten und orientiere mich an den Kollegen des Kunstbetriebes im urbanen Raum. In einem ersten Pressebericht zu Ihrer neuen Funktion wurden Sie als Alphaweibchen bezeichnet. Wie ging es Ihnen damit? Wenn man einer Sache Form geben will, ist man sehr präsent. Diese Präsenz wird bei uns Frauen immer an den Rand gestellt, denn Frauen sollen ja in erster Linie brav, fleißig und harmonisierend sein. Wenn sich eine Frau einer Öffentlichkeit stellt, dann muss sie sich auch diesen Zuschreibungen aussetzen. Das Wichtige an meiner Arbeit ist die Strategie der Behauptung. Ich muss mich als Frau im positiven Sinne behaupten, um den Sinn der künstlerischen Inhalte zu definieren. Wenn ich dabei als „Alphaweibchen“ tituliert werde, naja dann ist es ebenso.

„Das Wichtige an meiner Arbeit ist die Strategie der Behauptung.“ Was nehmen Sie von Ihren Erfahrungen in der Kunsthalle Krems mit? In Schwaz arbeitete ich auf einem selbst improvisierten Niveau und hatte eine Halbtagsstelle. In Krems bin ich in einen voll durchstrukturierten Betrieb gekommen, der größere Organisationsschritte hat. Teilweise haben 15 Personen an einer Ausstellung gearbeitet: Administration, Sekretariat, Kunstvermittlung, Presse und Marketing. Diese straff organisierte

Maschinerie kennen zu lernen, war sehr wichtig für mich. Man kann barrierefrei kommunizieren und Ressourcen teilen. Ein großer Vorteil, den ich bis dato noch nicht kannte. Diese Erfahrungen aus Schwaz und Krems nun in Innsbruck verknüpfen zu können, ist ein großer Vorteil für meine neue Tätigkeit. Wo liegen die Nachteile? Wenn man alleine am Feld steht und alleine entscheiden kann, hat man natürlich die größtmögliche Freiheit, die man in einem Team nicht hat. Aber es besteht auch die Gefahr, dass man die Sicht verliert. Wenn man mit einer Mannschaft am Feld steht, muss man anders koordinieren, aber natürlich auch Erwartungen erfüllen. Ist Ihnen die One-Woman-Show lieber? Ich versuche verschiedene Systeme zu optimieren und sehe in beiden bewusst Vor- und Nachteile. Das beste System wäre natürlich eine politische Rückbindung und damit die absolute Freiheit, aber das ist eben keine reale Ausgangsposition. Also bleibt nur das eigene, individuelle System und mit diesem gilt es umzugehen. Wie würde eine Paradesituation für den Kunstraum ab 2013 für Sie aussehen? Der Kunstraum liegt in bester Innenstadtlage, also kann man von einer Paradesituation ausgehen. Es ist aber auch an der Zeit, die Fehler der Vergangenheit zu erkennen und sie nicht wieder zu begehen. Man hätte früher Strukturen verändern können, um die Weichen für ein Kunsthaus zu stellen etc., dann müssten wir uns heute nicht über ein Wunschszenario Gedanken machen. Die Künstler, mit denen ich für 2013 zusammenarbeite, müssen mit schwierigen Rahmenbedingungen zurechtkommen. Sie entwickeln aber Kraft und Energie aus ihrer inneren Überzeugung heraus. Diese innere Überzeugung habe ich als Kuratorin für den Kunstraum ab 2013 ebenso.

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Programm Kunstraum 2012 unter Kurator Veit Loers: MARGRET Bild- und Textchronik einer Affäre bis 3. November 2012 Projektraum: ELI CORTIÑAS Love is worn around the neck bis 3. November 2012 NEIL BELOUFA Raumszenarien-Eröffnung im Rahmen der Premierentage: 10. November, 12.30 Uhr bis 31. Dezember 2012

Kunstraum Innsbruck Maria-Theresien-Straße 34 Arkadenhof 6020 Innsbruck Tel.: 0512/ 584000 office@kunstraum-innsbruck.at www.kunstraum-innsbruck.at

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Österreich-Beitrag auf der „La Biennale di Venezia 2012“: „Hands have no tears to flow. Report from/without architecture.“

Aus Händen fließen keine Tränen Ein Forschungsprojekt über den Zustand der Architektur für den Österreich-Pavillon in Venedig

Fotos: Günter Wett, Christian Grass, Annika Rytterhag, Martin Perktold

Arno Ritter, seit 1995 Leiter des „aut. architektur und tirol“, ist der Kommissär für den österreichischen Beitrag zur 13. ArchitekturBiennale 2012. Zusammen mit dem Architekten Wolfgang Tschapeller und den beiden Künstlern Martin Perktold und Rens Veltman will Arno Ritter für die diesjährige Architekturbiennale die Beziehung zwischen dem menschlichen Körper und der Zukunft der Architektur ergründen. „Aus Händen fl ießen keine Tränen“, so der deutsche Titel des Konzeptes zur Bespielung des Österreich-Pavillons, klingt ganz und gar nicht nach einem gewöhnlichen, umbauten Raum. Für den Kommissär war schnell klar, dass es keine Personale und keine klassische Architekturausstellung werden soll, sondern eine interaktive Installation, die die Beziehung zwischen dem humanen Körper und den „dafür“ konstruierten Räumen der Architektur widerspiegelt. Ein animiertes Szenario von „menschlichen“ Figuren, die eine soziale Physik repräsentieren, die aus einer angenommenen Zukunftsperspektive heraus unsere Gegenwart und damit die Diskussion über Architektur reflektieren sollen.

Figuren wie Architekturen konstruiert

„Hands have no tears to flow“ – Die 13. Internationale Architekturbiennale Venedig dauert bis zum 25. November 2012. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. www.labiennale.at

Arno Ritter: Kommissär

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ein sehr geheimnisvoller Satz, der aus einem Gedicht von Dylan Thomas stammt, den Marshall McLuhan am Ende seines Gedichtes „Counterblast“ zitiert. Wolfgang Tschapeller hat ihn gewählt, weil er darin eine Metapher für die möglichen Aggregatzustände der Menschen in Zukunft wähnt. Arno Ritter: „Wenn

Wolfgang Tschapeller: Architektur

Martin Perktold: Visuelle Konzeption und Animation

wir die derzeitigen wissenschaftlichen Entwicklungen ähnlich weiterschreiben wie bisher und wenn der Mensch zu einem technologisch veränderten und bearbeiteten ‚Produkt‘ wird, stellt sich die Frage, welche Rolle die Architektur unter diesen Voraussetzungen spielt.“ Werden sich unsere Körper und die Architektur so weit verändern, dass beide Systeme symbiotisch werden? Dazu wurde eine virtuelle Welt mit einem technologisch anspruchsvollen Konzept entwickelt, in dem keine klassische Projektion mit fi lmischen Mitteln vorgesehen war, sondern eine zukünftige Welt generiert wurde. Arno Ritter beschreibt den Besucher als Bestandteil der Projektion, der eine Rolle mit Namen in der Dramaturgie übernimmt: der Regenmacher, die Schläfergruppe, die Zeitzone. Dafür wurden reale Menschen gescannt und diese „Daten“ zu virtuellen Wesen transformiert, die als animierte, intelligente Persönlichkeiten erscheinen. Wesen, die zwar nicht miteinander reden, aber zueinander in Beziehung treten … Die baulichen Maßnahmen sind bei der utopischen Installation minimal geblieben: „Wir respektieren den Pavillon in seiner Grundkonfiguration“, so Arno Ritter. Der österreichische Pavillon der Biennale von Venedig wurde 1934 nach Plänen von Josef Hoffmann errichtet, einem der Gründer der Wiener Secession (1897). Für die Installation 2012 wurde nur eine abgehängte Decke aus lichtundurchlässigem, dunklem Stoff eingezogen, die auf den von Josef Hoffmann dafür vorgesehenen Gesimsen als Auflager montiert wurde. Als dominierendes Element wurde

Rens Veltman: Visuelle Konzeption, Produktion und Interaktivität

ein 18 Meter langer Spiegel angebracht, der die Projektion ebenso wie die Besucher reflektiert. „Diese Reflexion ist ein spannendes Experiment, denn wir können nur erahnen, wie die Besucher diese Inszenierung wahrnehmen und letztlich auch verstehen können.“ Die Installation für die Architekturbiennale Venedig wird von vielen Fragen begleitet: Muss man die Architektur körperhafter, wie einen „lebenden Organismus“, denken oder wird unser Körper zunehmend architektonisch behandelt und damit die Raumproduktion eine andere Bedeutung bekommen? Werden wir noch mit den gleichen Materialien und Konstruktionen Architektur errichten, oder wird sich unsere Umwelt in dem Maße verändern, dass neue Kategorien des Raumdenkens erforderlich sind? In welchem Verhältnis wird das Individuum zum Kollektiv stehen? Die eigentliche Grundidee spannt sich um das Weiterweben von Utopien und versucht den fundamentalen Fragen nachzugehen, welche Auswirkungen die extrem beschleunigte, technologische Entwicklung der letzten Jahrzehnte auf das architektonische Denken hat bzw. welche Konsequenzen der in Zukunft technologisierte Körper auf die reale Raumproduktion haben könnte.

Ästhetischer Wahrnehmungsraum Arno Ritter erzählt von einem „Wahrnehmungsraum, den viele Besucher als rein ästhetisches Phänomen erleben werden. Die Assoziationen werden auf jeden Fall höchst unterschiedlich ausfallen. Ich denke, dass die Ausstellung aber einen Blick auf die Verfremdungen und Verformungen in der Konstruktionsgeschichte des Menschen wirft, den Körper in den Mittelpunkt der Projektion rückt und damit die Diskussion über Architektur erweitert.“ Eines der primären Ziele der Biennale wird damit erfüllt – einen breiten Diskurs über das Phänomen Architektur zu eröff nen. „Aus Händen fl ießen keine Tränen“ ist ein Statement zur Zukunft der Architektur und soll mehr Fragen aufwerfen als Antworten anbieten.

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Unsere Wasserkraft!

TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG


Menschenbilder Kreativer Querdenker, Kenner ferner Kulturen und begeisterter Menschenfotograf: Gert Chesi. In seinem aktuellen Bildband nimmt er sich gesellschaftlichen Randgruppen an und zeigt Menschen in einer bislang unbekannten Ästhetik.

Ein Pendler zwischen den Welten: Gert Chesi.

BIOGRAFIE Gert Chesi wurde 1940 in Schwaz geboren und ist Fotograf, Autor und Journalist. Seine Passion sind die Kulturen der Welt, bevorzugte Reisegebiete Afrika und Asien. In den 60er Jahren veröffentlichte er Publikationen von seinem Aufenthalt im Urwaldspital von Albert Schweitzer in Gabun. Seither beschäftigt er sich mit afrikanischer Kunst und veröffentlichte 1968 gemeinsam mit dem österreichischen Künstler Ernst Fuchs sein erstes Buch: „Im Zeichen der Sphinx“. Ende der 70er Jahre erreichte Gert Chesi durch den Bildband „Die letzten Afrikaner“ internationale Bekanntheit. Von seinen zahlreichen Reisen brachte er Fotografien und Reportagen mit sowie unschätzbare ethnographische Objekte, die Fundament seiner umfangreichen Sammlung sind. 1995 eröff nete Chesi das „Haus der Völker“ in seiner Heimatgemeinde Schwaz. Mit mehr als tausend Exponaten in ständigen Ausstellungsräumen sowie laufenden Sonderschauen liefert das Museum für Kunst und Ethnographie breitgefächerte Informationen zu den Kulturen der Welt. Gert Chesi lebt heute in Togo, Thailand und in Schwaz.

HAUS DER VÖLKER Gert Chesis Museum für Kunst und Ethnographie stand im Jahre 2009 kurz vor dem Aus, weil das angeschlossene Sozialpädagogische Zentrum mehr Platz brauchte. Man einigte sich auf einen Zubau, mit dem im Juni 2012 begonnen wurde. Das neue Haus der Völker mit 1000 m 2 Ausstellungsfläche soll im Mai 2013 wiedereröff net werden. Gert Chesi wird als Obmann des Fördervereines „Haus der Völker“ weiterhin die leitende Funktion übernehmen.

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Gert Chesi gründete 1960 den ersten Jazzclub Österreichs, 1962 hob er die Galerie „Eremitage“ in Schwaz aus der Taufe, die 1974 zum Jazzclub und Kulturverein umbenannt wurde. Noch heute ist das Lokal ein Kultur-Restaurant, in dem Gert Chesis Fotografien aus aller Herren Länder zum kultigen Interieur gehören. Es waren stets die Menschen, die ihn inspirierten und berührten. Beim Kaffeeplausch im „Haus der Völker“, das er seit 1995 als Museum für Kunst und Ethnographie führt, erzählt er: „Ich war immer ein Menschenfotograf. Mit der Zeit bin ich über das Porträt hinausgegangen, weil der Mensch in seiner reinsten Form nackt sein muss.“ Nackte Menschen im Bild würden den Entwicklungsgrad der Gesellschaft messen lassen: „Inwiefern es akzeptiert wird, wenn der Künstler seine Sicht von Nacktheit darstellt und inszeniert.“ In den Anfängen seiner künstlerischen Karriere hat das Bürgertum dies nicht mitgetragen. Nicht selten erntete er herbe Kritik. Heute kommen seine früheren Kritiker zu seinen Ausstellungen, um sich die einst verschmähte „Negerkunst“ anzusehen. Aber auch bei der Eröffnung seiner letzten Ausstellungen im Schwazer Rabalderhaus wunderte er sich: „Das gesetzte Bürgertum findet meine Bilder voller Nacktheit und Exotik wirklich gut? Ohne Aufschrei? Ich habe für mich folgende Lösung gefunden: Menschen, die in den 60er und 70er Jahren jung waren, haben eine gewisse nostalgische Verbindung zu diesen Motiven.“ Gert Chesi steht in einer ständigen Reflexion zum Menschen, die sich in Bildern und Worten widerspiegelt. „In den 70er Jahren wurde die Gesellschaft offener. Heute leben wir im Vergleich dazu in einer Diktatur: Man darf in Lokalen nicht mehr rauchen, man darf nicht schnell fahren und „oben ohne“ im Schwimmbad gilt als unmöglich. In den 70er Jahren war das kein Problem. Wir haben im Hinblick auf die Freiheit eine rückschrittliche Bewegung.“

Das innere Menschenbild Das Bild, das sich ein Mensch vom anderen macht, ist immer in einem Weltbild gefangen, das er aus ideologischen, religiösen oder ethischen Positionen bezieht. Diesem philosophischen Aspekt steht ein ganz realer gegenüber, der zeigt, was ist, und beschreibt, was sein sollte. In frühester Kindheit las Gert Chesi begeistert in Missionszeitschriften, in denen edle, wilde Menschen in Afrika abgebildet wurden. Als er mit 24 Jahren nach Gabun reiste und Afrika an der Seite von Albert Schweitzer zum ersten Mal kennen lernte, war er zunächst enttäuscht. Missionare steckten die Menschen in westliche, minderwertige Kleidung, sie durften plötzlich ihre Nacktheit nicht mehr zeigen. „Seither bin ich ein großer Gegner der Mission, weil sie den Menschen ihre Natürlichkeit geraubt hat.“ Das ursprüngliche Afrika, in dem Menschen mit Masken tanzen und vom Tourismus und anderen schädlichen Einflüssen noch weitgehend unberührt sind, ist längst Geschichte. Gert Chesi beobachtet eine christliche wie islamische Bigotterie und Prediger schüren die Angst der Menschen vor Verdammung. „Die Prediger werden reich, das

Land aber versinkt im Sumpf dieser Sektierer.“ Auch im Laufe seiner zahlreichen Reisen durch Indien und Thailand nahm er zunehmend eine Entfremdung von den Ursprüngen wahr. Eine Entwicklung ging vonstatten, die nirgendwo aufzuhalten ist. Doch wie wollen sich die dort lebenden Menschen selbst sehen?

Das andere Menschenbild Im Fotoprojekt „Menschenbilder aus anderen Welten“ rückte er ganz besondere Menschen in den Mittelpunkt, die sich selbst inszenierten. Die Protagonisten stammen aus drei gesellschaftlichen Randgruppen. Es sind Menschen, die im Umfeld afrikanischer Voodoogesellschaften leben, thailändische Transsexuelle und indische Eunuchen. Sie alle nehmen kulturelle und soziale Sonderstellungen ein, sie sind von ihrer Umgebung oft gefürchtet, selten geliebt. Unter diesen Umständen haben sie sich zusammengeschlossen und eigene Gruppen gebildet, die eingebettet in alte Kulturen neue Wege suchen. Ihre Rezeption innerhalb der Völker, denen sie angehören, ist problematisch. Nur selten erhalten sie Gelegenheit, sich als das zu präsentieren, was sie sein wollen, immer wird ihr Bild von anderen gestaltet, vorzugsweise von jenen, die ihnen mit Argwohn begegnen. Gert Chesi hat eine Fotoserie geschaffen, die abseits ethnografischer Kriterien auf einer künstlerischen Ebene diesen Menschen die

Möglichkeit gibt, sich selbst darzustellen. Attribute aus ihren Kulturen dienen als Hinweise auf ihre Herkunft. „Mir ging es um die Ästhetik, ich wollte niemals eine Ideologie verfolgen oder gar einem sexuellen Vorbild dienen oder entgegensteuern“, erklärt der Fotograf, dem vielfach Voyeurismus vorgeworfen wurde. Ursprünglich fotografierte er seine Nachbarn in Togo, für die Voodooriten alltäglich sind. Das Wort Voodoo stammt auch aus Togo und bedeutet Schutzgeist, aber auch Gott. Voodoo basiert nicht auf Schriften, sondern auf der Praktizierung von Riten. Gert Chesi erklärt die Entstehung seiner Idee: „Ich sah vorerst keine Möglichkeit, diese Bilder öffentlich zu zeigen. Erst als ich in Thailand den sogenannten Ladyboys begegnet bin, dachte ich an eine Gegenüberstellung dieser Parallelwelten.“

Das ästhetische Menschenbild Die Menschen haben sich selbst bemalt und aus einem Fundus an Requisiten ausgewählt, was sie tragen möchten. Fotograf Chesi hat sie in überhöhter Form dargestellt, wollte aber jegliche ethnografische Interpretation vermeiden. Im vorliegenden Bildband ist zu jeder fotografierten Gruppe eine Art Homestory zum zivilen Alltagsleben zu lesen, in den inszenierten Bildern werden die Menschen im rituellen Zusammenhang gezeigt. „Als ich die Gegenüberstellung fertig hatte, sah ich, wie ästhetisch die Bilder geworden waren und hatte Angst,


„Ich sitze bei einer thailändischen Prostituierten genauso wie bei einem heiligen indischen Guru. Für mich ist jeder Mensch gleich.“

Inszenierte Fotografien, aber auch natürliche Porträts, in denen klare Unverfälschtheit im Mittelpunkt steht.

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Eine Gegenüberstellung der verschiedenen Menschen und ihrer Kulturen ließen fantastische und bizarre Bilder entstehen, die eine noch unbekannte Seite ihre Existenz zeigen.

„Ich fühle mich wohl mit Menschen. Auf meinen Reisen kann ich zum Teil die Sprache der Menschen nicht verstehen, kommunizieren kann ich aber trotzdem sehr schnell.“

als Kitschbruder verteufelt zu werden.“ Diese Idylle wollte er brechen, in dem er den schönen Menschen der Voodos und Ladyboys, Menschen gegenüberstellte, die aus dem Umfeld der indischen Eunuchen kommen und als hässliche Menschen gelten, die ein furchtbares Schicksal erleiden müssen. „Die Exotik und die Symbolik, die sich aus der Tradition ergibt, war für mich ausschlaggebend. Ich bin nicht zum Regisseur der Bilder geworden, sondern zeige diese Menschen wie sie sind – als Selbstdarsteller!“

Sein eigenes Menschenbild

Bildband „Menschenbilder aus anderen Welten“ Herausgeber: Gert Chesi Verlag Haus der Völker Schwaz/2011

www.gertchesi.com

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Im Jahr 2000 - nach mehr als hundert Reisen nach Afrika - zog Gert Chesi erstmals persönliche Bilanz und schrieb von seiner Sicht auf die Menschen: Von seiner gescheiterten Beziehung zu einer Afrikanerin, von seiner Rolle als Europäer und Einzelkämpfer in exotischen Ländern, von seinem Sohn der ihm entzogen wurde und an dem er noch immer sehr hängt, von seiner Krankheit. Mit dem Buch „Afrika im Herzen“ schildert er Episoden und Eindrücke von Reisen, gepaart mit kulturellen Aktivitäten in der Tiroler Heimat. „Das Buch ist in der Zeit eines inneren Konfl iktes entstanden. Es zeigt aber, wie sehr unser eigenes Verhalten, auch unser Wohlbefinden, mit dem anderer

Menschen verbunden ist.“ Gert Chesi ist zeitlebens ein Trendsetter geblieben, wollte nie ein Trendfolger sein. Kritisch, unangepasst. Können Sie gut mit Menschen umgehen, Herr Chesi? „Ich fühle mich wohl mit Menschen. Auf meinen Reisen kann ich zum Teil die Sprache der Menschen nicht verstehen, kommunizieren kann ich aber trotzdem sehr schnell. Auf einer einfachen, bodenständigen Ebene.“ Man dürfe den Menschen in diesen Kulturen nur nichts vormachen und auch ein Standesdünkel ist völlig fehl am Platz: „Ich sitze bei einer thailändischen Prosituierten genauso wie bei einem heiligen, indischen Guru. Für mich ist jeder Mensch gleich.“ Mit Menschen in Kontakt treten, die Domäne des Menschenfotografen, der „nie die Geduld hätte 10 Stunden zu warten, bis ein Hamster aus dem Loch guckt.“ Er möchte mit Menschen reden, von ihnen zu lernen, sie fotografieren und beschreiben.

Gert Chesi – ein Pendler zwischen den Welten. 6 Wochen Togo, 14 Tage Schwaz, 6 Wochen Bangkok. „Das tut mir gut, sonst würde mir langweilig werden.“ Er hat sich allerorts Ateliers und gute Wohnmöglichkeiten geschaffen,

wie auch ein stetiger Freundeskreis nirgends zu kurz kommt. „Ich habe überall die gleichen Lebensbedingungen. Sogar im Gegenteil: Wenn ich in Thailand senil werden würde, könnte ich mir eine Krankenschwester leisten. Hier in Tirol wäre das nicht möglich.“ Die privateste aller Fragen zum Schluss: Sie leben ohne Partnerschaft? „Ich war nie verheiratet. Hatte aber früher Partnerinnen, die hier leben. Heute bin ich ein alter Mann und für einheimische Frauen nicht mehr attraktiv.“ Sie meinen für junge, einheimische Frauen sind Sie nicht mehr attraktiv? „Bei uns entsteht Liebe aus der Attraktivität des Menschen, aus seiner Jugend, aus seiner Vitalität und vielleicht auch seiner Intelligenz. Ein Mann mit 70 Jahren gilt bei uns gleich als Lustgreis. In Afrika hingegen ist man erst ab einem bestimmten Alter und ab einer gesellschaftlichen Position attraktiv. Junge Afrikanerinnen können Liebe für einen älteren Mann entwickeln, weil er Sicherheit gibt.“ Gert Chesi ist ein Pendler zwischen den Lebenswelten. Da wie dort hat er Menschenbilder entwickelt. Einige lebt er privat, ganz im Stillen aus. Andere wiederum macht er öffentlich: stolze, beseelte, erhabene, vertiefte und eindringliche Menschenbilder aus anderen, fernen Welten.

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Ein „neuer Wilder“ und ein „Flaneur“ Ausstellungen in der Galerie Rhomberg.

3 Beispiele aus dem mannigfaltigen Werk von A. R. Penck. © Galerie Rhomberg

men Kommunismus und Kapitalismus. Penck geriet in die Mitte des Eisernen Vorhangs und wurde dabei immer erfolgreicher. Ein westdeutscher Galerist hatte ihn entdeckt und ausgestellt, die aufstrebenden Maler Jörg Immendorff und Markus Lüpertz wollten Penck unbedingt kennen lernen und besuchten ihn im Osten. Mit seinem Aufstieg im Westen verschärften sich die Repressionen und Schikanen im Osten. Er wechselte laufend seine Pseudonyme, um seiner Wut in düsteren und aggressiven Werken Ausdruck verleihen zu können.

Eine malerische Position des Künstlers Michael Ziegler. © Galerie Rhomberg

Ausstellungen: A. R. Penck bis 3. November 2012 Michael Ziegler Eröffnung am Samstag, 10. November 2012, 10 Uhr, im Rahmen der Premierentage

GALERIE RHOMBERG Templstraße 2-4 6020 Innsbruck Tel.: 0512/588080-0 rhomberg@galerie-rhomberg.at www.galerie-rhomberg.at Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9.30 – 18 Uhr Samstag 9.30 – 12.30 Uhr

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A. R. Penck Eigentlich heißt A. R. Penck Ralf Winkler. 1939 in Dresden geboren, spielte er zeitlebens mit vielen Pseudonymen wie Mike Hammer, T. M., Mickey Spillane, a. Y. oder ganz einfach nur mit Y. Der deutsche Maler, Grafi ker und Bildhauer gehörte in den 60er Jahren zu den bekanntesten inoffiziellen DDR-Künstlern, der in den 80er Jahren mit seinen „Welt- und Systembildern“ sowie seinem „Standard-System“ zu Weltruhm kann. 1968 nahm er das Synonym A. R. Penck an, das er dem Eiszeitforscher Albrecht Penck entlieh und bis heute behielt. 1968 herrschte Eiszeit zwischen den zwei deutschen Staaten, zwischen den Syste-

Dem Künstler geht es auch heute noch um die rationale Bewältigung der Wirklichkeit. Dabei setzt er sich aus kritischer Perspektive mit der soziokulturellen und politischen Problematik der Systeme in Ost und West auseinander. Auch nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung ist sein engagiert-konstruktiver Grundzug zu erkennen, der in der Galerie Rhomberg als repräsentativer Überblick gezeigt wird. Die Ausstellung umfasst Arbeiten aus den 60er bis zu den 90er Jahren, die des Künstlers Identität repräsentieren: Jene an Höhlenmalerei erinnernden Bilder von Strichmännchen, die den Maler in den 80ern zum Star der Kunstwelt machten. Als „Neuer Wilder“ fühlte er sich den Graffitikünstlern näher, jedoch machten seine kraftvollen Strichmännchen seinen Stil unverwechselbar. A. R. Penck wirft durch seine Reduktion auf das Elementare den Betrachter stets auf das naive Sehen zurück, jenseits aller Ideologien.

Michael Ziegler Kunsthistoriker Peter Weiermair bezeichnet den Zeichner, Maler und Fotografen Michael Ziegler als „Flaneur“. Einer, der ständig aufnahmebereit und sensibel für Details ist – sei-

en sie auch noch so weit entfernt. Ein Flaneur nehme das Eigenartige und Besondere einer Situation wahr, verbunden mit einer Absichtslosigkeit des Vorgehens. Die Fotografie ist für Ziegler eine Art intimes Tagebuch, in dem er die Blicke auf seine unmittelbare Umgebung verdichtet. Die Zeichnung ist für ihn das „durchlässigste“ Medium, in dem er blitzschnell auf weit auseinander liegende Wahrnehmungen und Erfahrungen eingeht. Er will mit seinen Zeichnungen präsente, aktuelle Bilder hinter den Bildern aufspüren. Mit der Malerei versucht Michael Ziegler eine Ruhigstellung der Ideen, die in der Zeichnung oft nervös auseinanderlaufen. Zumeist realisiert er diese im kleinen Format, in dem er malerische Positionen viele Male durchdenkt und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren versucht. In der Ausstellung der Galerie Rhomberg werden die drei selbstständigen Werkgruppen Michael Zieglers vereint. Clemens Rhomberg bietet in seiner gleichnamigen Galerie ein breites Repertoire an Ausstellungen von etablierten KünstlerInnen wie Andy Warhol, Hermann Nitsch, David LaChapelle, Hubert Scheibl, Manfred Schluderbacher, Max Weiler, Paul A. Leitner, u.v.a. präsentiert aber auch immer wieder junge, noch unterbewertete Künstler. „Die Kunst ist immer eine gute Investition, nur muss man sie länger liegen lassen können.“ Clemens Rhomberg zeigt und berät in seiner Galerie, im angrenzenden Möbelhaus präsentiert er ausgewählte Werke, um sie in der Realität des künftigen eigenen Wohnzimmers vorstellbar zu machen: „Kunsthändler müssen ja auch ein Lager haben“, lacht er. Das Möbelhaus Kranewitter fungiert aber vielmehr als erweiterter Schauraum der Galerie Rhomberg.

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Meilensteine der Münzkunst: Die Dekadrachme des Kimon (um 406 v. Chr.)

2 Euro-Gedenkmünze anlässlich des Jubiläums „10 Jahre Euro“ Entwurf des Graveurs Helmut Andexlinger

Goldmünze „Wiener Philharmoniker“ Entwurf Thomas Pesendorfer

Die Münze als Kunstprodukt Sie sind millionenfach im Umlauf, doch ihr künstlerischer Wert wird oft übersehen: Münzen! Im Museum der Münze Hall wird die prägende Geschichte des Talers und heutigen Dollars aufbereitet und die kunstvolle Bedeutung der Münze hochgehalten.

Numismatik – die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem „harten“ Geld und seiner Geschichte, aber auch das Sammeln von Münzen. Das Wort kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „das Gesetzmäßige“. Seit dem 19. Jahrhundert ist die Numismatik eine typische, interdisziplinäre Museumswissenschaft. Münzkabinette sind fester Bestandteil von großen Kunstmuseen und Graveure echte Künstler, die an der Akademie für angewandte Kunst ausgebildet werden. Die Münze ist also zweifelsohne ein Kunstprodukt: Früher wurden kunstvoll gefertigte Arbeitsstempel von den Graveuren direkt in Stahl verewigt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Münzbild als Gipsmodell geschaffen, mit Hilfe einer Reduziermaschine auf Münzgröße verkleinert und auf einen Stempelstahl übertragen. Heute ist die Computer- und Lasertechnologie ein Teil des „Werkzeugkastens“ eines Graveurs. Ihre gekonnte Bedienung ist zu einem kreativen Kunsthandwerk avanciert.

Graveure sind Künstler Dietmar Spranz, Vizepräsident der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft, spricht von einem gewissen Understatement in diesem Beruf: „Die meisten Graveure, die für die Münze Österreich zahlreiche international preisgekrönte Münzen entwarfen, bezeichnen sich bescheiden als gewöhnliche Handwerker. Doch ein Thema, das zunächst nur im Geist existiert, zu einer Münzkreation werden zu lassen ist eine große, kreative Leistung.“ Die Materialisierung der Gedanken beherrsche nur ein Künstler und Kreativität ohne Handwerk sei nur Dilettantismus: „Graveure sind Künstler und ihre Schöpfungen Kunstwerke“, unterstreicht Dietmar Spranz. Zur Zeit des Talers kamen einige der besten Graveure aus Tirol: Die Münze Hall kann auf eine langjährige Tradition verweisen und einige berühmte Beispiele echter Graveurkunst sind heute noch im Museum Münze Hall zu sehen.

Münze Hall

Die weltweit einzigartige Walzenprägemaschine in der Münze Hall

Münze gewidmet ist. Jüngster Meilenstein der Münzkunst war der Wettbewerb zum 10. Jubiläum der Euro-Einführung. Der Entwurf des österreichischen Graveurs Helmut Andexlinger wurde für die 2-Euro-Münze ausgewählt.

Erfolgsgeschichte Wiener Philharmoniker Von dieser Goldmünze wurden von 1989 bis 2012 rund 14 Mio. Stück mit einem Gesamtgewicht von 9,4 Mio. Unzen (ca. 300 Tonnen) verkauft. Seit 2008 gibt es auch eine Silberversion, von der bis dato rund 50 Mio. Stück mit einem Gesamtgewicht von 1500 Tonnen verkauft wurden. Der Graveur Thomas Pesendorfer entwarf den Wiener Philharmoniker und schuf damit die einzige Gold- und Silberanlagemünze Österreichs mit einem Euro-Nennwert. Der Wiener Philharmoniker konnte sich im Wettbewerb mit namhaften US-amerikanischen, kanadischen, australischen und südafrikanischen Konkurrenzprodukten behaupten.

Münzen als begehrte Sammlerobjekte Meilensteine der Münzkunst Der griechische Stempelschneider Kimon (zwischen 415 und 400 v. Chr.) war einer der Ersten, der seine Signatur auf den Münzbildern verewigte und damit eine bis heute übliche Praxis einleitete. Die Römer wiederum wollten mit Münzbildern die Porträts des jeweiligen Herrschers bis in die entferntesten Provinzen bekannt machen und engagierten für die Münzgestaltung die besten Künstler. „Auch damals war ‚The art of minting‘ schon wirkliche Kunst“, erklärt Vizepräsident Spranz. Heute sind besonders Gedenk- und Sammlermünzen ein vielfältiges Betätigungsfeld für Münzdesigner, die manchmal mittels Wettbewerben und E-Voting ermittelt werden. Dabei zählt nicht nur die Motivauswahl, sondern auch das Interesse am Ereignis, dem die

Ein facettenreiches, vielseitiges Kleinod in der österreichischen Museumslandschaft: Dort kann man der Vergangenheit nachspüren, in der Reichtum bare Münze bedeutete, die Währung so hart war wie das Material, aus dem es geprägt wurde, und Münzfälscher ein schlimmes Schicksal erwartete. Im Museum ist der erste Taler der Welt zu sehen und der weltweit größte Silbertaler mit mehr als 20 kg Silber. Die Besucher in der Münze Hall (ein Unternehmen der Hall AG) werden mit modernen Audioguides durch ein halbes Jahrtausend europäische Münzgeschichte geführt. Wer mehr über die Numismatik wissen will, kann mit Lupen alle versteckten Details auf Münzen erforschen.

Mit dem Münzkauf hat man zweierlei – die Investition in ein Kunstprodukt und in Edelmetall. Anleger investieren oder trennen sich auch wieder aus vielfältigen Gründen: Zinsen-, Wechselkurs- und Aktienkursentwicklungen stehen dabei im Vordergrund. Ein Numismatiker aber setzt nicht nur auf Wertsteigerung und Werterhalt, er sieht auch den Kunstsinn des „harten“ Geldes und investiert in eine Leidenschaft: Das Sammeln und Bewahren von echter Münzkunst. Facettenreiches Wissen rund um die Numismatik – das weltweit einzigartig, aber noch wenig präsent ist – wird im Museum der Münze Hall entsprechend zur Schau gestellt.

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Fotos: Münzkabinett der Staatlichen Museen Berlin, Münze Österreich Wien, Florian Schneider

Öffnungszeiten: Sommer (April bis Oktober): Di. – So.: 10:00 – 17:00 Uhr Winter (November bis März): Di. – Sa.: 10:00 – 17:00 Uhr letzter Einlass um 16:00 Uhr

Münze Hall & Münzerturm Ein Unternehmen der Hall AG Burg Hasegg 6 6060 Hall in Tirol Tel.: 05223 / 5855 165 info@muenze-hall.at www.muenze-hall.at

www.salzraum.at Die geschichtliche Aufarbeitung der Münzprägekunst findet im Salzraum Hall eine zeitgemäße Erweiterung: Die Burg Hasegg, das Salzlager und das Kurhaus sind allesamt als gediegene Räumlichkeiten zu mieten, die von einer einmaligen Geschichte erzählen und ein stilvolles Ambiente für jeden Anlass bieten.

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Premierentage 2012 Premie Wege zur ur K Kunst Innsbruck 9 9.– – 10. 10. November Nov vember

THE SOUL OF LAOS Fotoausstellung von Tommy Seiter mit Kalenderpräsentation: „Der Welt ein Kinderlachen“ WANN? Donnerstag, 11. Oktober 2012 / 19 Uhr

www.patrickbonato.com

WO? Hermann-Gmeiner-Akademie Hermann-Gmeiner-Straße 51 / 6020 Innsbruck

Der Fotograf Tommy Seiter hat entlegene Gebiete in Laos besucht. Auf seinen ausgedehnten Reisen, abseits der Touristenpfade, suchte und fand er seine Motive: Menschen in ihren Lebenswelten, Menschen in ihren Stimmungslagen, Menschen voller Anmut und Würde, voller Trauer und Demut, aber auch voller Lust am Leben und Lieben … Die Kinder in Laos müssen zumeist in Armut leben, sie erfahren sich aber in einer Gemeinschaft. Sie spielen und lachen gemeinsam … Ihr vielfältiges Lachen zeigt sich im neuen ubuntu-Fotokalender, der im Rahmen der Ausstellung präsentiert wird.

Die KUNSTSTRASSE richtet einen neuen Blickwinkel auf bestehende vorgegebene Bedingungen und Lokalitäten. Die gebotene Kunst stellt einen L(ICH)TBLICK im städtischen Bereich dar und verdeutlicht dem Besucher die Möglichkeit eines vielfältigen Kunsterlebnisses auf kommunikativer Ebene. Die ausgewählten Künstler der KUNSTSTRASSE fungieren in temporär adaptierten, ansonsten leer stehenden Räumlichkeiten als Galeristen und bieten Malern, Fotografen, Keramikern, Wort- und Performancekünstlern sowie Musikern Platz. An zwei Wochenenden, vom 16.–18. und 23.–25. November, jeweils Freitag, Samstag und Sonntag von 16 bis 20 Uhr, wird sich Imst mit kulturellen L(ICH)TBLICKEN als KUNSTSTRASSE präsentieren. Die Eröff nung findet am Freitag, 16. November um 16 Uhr im ubuntu-forum in Imst statt, im Anschluss werden auch die übrigen Galerien öff nen.

Bild: © Sascha Weidner. Code II, Pigmentprint 2012; 110x110 cm. Courtesy Galerie Conrads, Düsseldorf.

www www.premierentage.at

FO.KU.S Foto Kunst Stadtforum

Kulturreferat STADT IMST Kuratorinnen: GR Sandra Friedl-Dablander, Alexandra Rangger, Gabriella Schatz kultur@imst.gv.at www.imst.gv.at

SASCHA WEIDNER JUST LET GO 6. September 2012 – 20. Oktober 2012

FO.KU.S BTV Stadtforum 6020 Innsbruck Telefon +43/(0) 5 05 333-1417 E-Mail info@btv-fokus.at www.btv-fokus.at

Öffnungszeiten Mo bis Fr 11–18 Uhr, Sa 11–15 Uhr. In der Langen Nacht der Museen am 6. Oktober 2012 von 18–1 Uhr. Dauer der Ausstellung bis 20. Oktober 2012. Eintritt frei.

Öffentliche Führung durch die Ausstellung: Samstag, 20. Oktober 2012, 11.00 Uhr; Schüler und Gruppenführungen gerne auf Anfrage.


Galerie mit Geschichte Moderne Kunst im renovierten Altbau: Die Altstadt Galerie Hall.

Das Gewölbe im Schaufenster: Die Altstadt Galerie Hall

Ein mittelalterliches Bürgerhaus in der Haller Schlossergasse schreibt seit mehr als fünf Jahrhunderten Geschichte: Eine Leinenweberei, eine Tischlerei und später der Getränkeerzeuger Chabeso waren dort beheimatet. Im Jahre 1988 kaufte die aus Hall stammende, ehemalige Innsbrucker Bürgermeisterin Hilde Zach das Haus und leitete die erste Renovierung ein. 1993 gründete sie gemeinsam mit Hannes Niederlechner die Altstadt Galerie Hall: „Seither hat sich viel getan. Drei Stockwerke wurden vollständig renoviert und das Repertoire beständig erweitert.“ Seit nunmehr 20 Jahren leitet Hannes Niederlechner – der selbst aus dem künstlerischen Fach kommt – die Galerie in der Haller Altstadt mit großem Enthusiasmus. Er sanierte die Räumlichkeiten in liebevoller Detailarbeit. Böden wurden abgeschliffen, die Wände neu verputzt, altes Fachwerk freigelegt und der abgerissene Dachboden gibt heute eine Terrasse frei, die in der Altstadt ihresgleichen sucht. Der Galerist erzählt von einem 250 Jahre alten Rosenkranz, der als Segensgruß in einer Wand eingemauert war und bei der Renovierung zutage trat. Das wertvolle Relikt wurde wieder an derselben Stelle angebracht, um der Geschichte des Hauses Wertschätzung zu verleihen. „Leider wird heute vielerorts zu Tode saniert und dem alten Bestand zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei finde ich gerade das Unperfekte am alten Gemäuer so reizvoll.“ Hannes Niederlechner war in der Renovierung der Altstadt Galerie stets konsequent, wie auch in seinem eigenen Kunstbegriff: „Es gibt keine moderne Kunst. Es gibt nur eine Kunst und die ist immer modern und steht über der Zeit.“ Besonders für das Gegenständliche in Malerei und Plastik ist die Altstadt Galerie Hall bekannt. Aber auch das Genre der abstrakten Kunst – auf das wesentliche Reduzierte – findet sich im Ausstellungsprogramm. Hannes Niederlechner schätzt Kunst mit Bodenhaftung: Er entwickelte im Laufe der Jahre großes handwerkliches Geschick und seine Liebe zu Pinsel und Farbe ist für ihn ebenso ein Handwerk, das nur mit inspirierter Gewissenhaftigkeit ausgeführt zum Erfolg führt. „Die zu bemühte, abgehobene Beschreibung von abstrakter Kunst liegt mir fern. Kunst muss auch ohne Worte erkennen lassen, was sie sagen möchte“, erklärt er. Die Altstadt Galerie Hall bietet auf drei Geschossen mit altem Gewölbe einen ehrwürdigen Rahmen für modernes Kunstschaffen. Sammler und Kunstliebhaber aus ganz Österreich und dem benachbarten Ausland schätzen die profunde Beratung und die hohe Qualität der künstlerischen

Raum und Rahmen für Kunst: Die Stube stammt vom ehemaligen Fechtl-Wirt am Innsbrucker Marktgraben und wurde im Haller Bürgerhaus umsichtig eingebaut.

Positionen, die von Hannes Niederlechner individuell ausgewählt werden:

Erwin Burgstaller Der Künstler setzt sich mit der reduzierten Form auseinander: Er lässt Holz, Gips, Beton, Metall oder Ton voll spielerischer Leichtigkeit oder philosophischer Strenge in Erscheinung treten. Der Bildhauer Burgstaller geht in all seinen Arbeiten auf existenzielle Fragen sowie religiöse Gedanken ein. Seine Werke sind – ob ruhend oder als Mobile bewegt – Visualisierungen menschlicher Befindlichkeiten. Burgstaller ist ein „Entschleuniger“ und als Künstler prädestiniert für eine Galerie mit jahrhundertealter Geschichte: „Bildhauerei ist ein langwieriges Handwerk. Bronze schmilzt eben erst bei mehr als 1080 Grad, selbst wenn ich es noch so eilig habe.“ Die Ausstellung von Erwin Burgstaller ist noch bis 20. Oktober 2012 zu sehen. Karl Stark: „Bunter Blumenstrauß“, 1980, Gouache, 63,5 x 47 cm

Rudolf Stüssi ist ein weiterer Künstler aus dem Genre der gegenständlichen Kunst der Altstadt Galerie Hall. Der Maler widmet sich in seinen Arbeiten den verschiedensten Stadtansichten, in denen er die üblichen Grenzen der perspektivischen Wahrnehmung überschreitet. Der Schweizer Maler hat jahrelang Zeichentrickfilme illustriert, die bemerkenswert schiefen Perspektiven prägen sein heutiges Schaffen.

Karl Stark lehnte zeitlebens die abstrakte Malerei ab und wandte sich dem klassischen Expressionismus eines Paul Cézannes zu. Der 2011 verstorbene Künstler Stark hatte den pastosen Farbauftrag zum dominierenden Bildbestandteil gemacht, der über die reine Abbildhaftigkeit hinaus echten Materialcharakter erhält. Karl Stark war ein kühner Einzelgänger, der eine große malerische Tradition auf seine Art vollendet hat, die nun als künstlerische Position in der Altstadt Galerie in Hall vertreten wird.

Rudolf Stüssi: „Hall in Tirol“, 2012, Öl auf Leinwand, 80 x 120 cm

Erwin Burgstaller: „Betrachter“, 2012, Bronze, 27 cm

Ausstellungen: Erwin Burgstaller / Plastiken, Mobiles noch bis 20. Oktober 2012 Hans Fronius / Ölgemälde, Zeichnungen und Graphik 30. Oktober bis 17. November 2012

Hannes Niederlechner stellt mit zeitgenössischer, gegenständlicher Kunst im mittelalterlichen Bürgerhaus eine stilsichere, homogene Symbiose her. Die alten Räumlichkeiten geben der Kunst einen realistischen Rahmen, in dem die authentische Wirkung der Arbeit zu Hause vorstellbar wird. Der Galerist erzählt von der Überlieferung, dass alle im Bürgerhaus ansässigen Betriebe nur ein paar Jahre durchgehalten haben. Er schreibt seit nunmehr 20 Jahren Geschichte und somit scheint das Haus in der Haller Schlossergasse seine wirkliche Bestimmung gefunden zu haben.

Öffnungszeiten: Di. – Fr. 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr, Sa. 10 bis 12.30 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung: 0699/11158584

Altstadt Galerie Hall Schlossergasse 6 6060 Hall in Tirol Tel.: 05223/56710 altstadtgalerie@tele2.at www.altstadtgalerie-hall.at

. Galerist Hannes Niederlechner

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Pro junge Kunst! Die städtische Galerie im Andechshof

Die Galerie im Andechshof bietet seit 20 Jahren jungen Künstlern eine Ausstellungsfläche und ein professionelles Netzwerk, das bis nach New Orleans reicht: Seit dem Jahr 2000 werden Tiroler Künstler ausgewählt, ihre Arbeiten dort zu präsentieren – das Austauschprogramm wird auch umgekehrt gelebt. Heuer zeigen Ina Hsu und Wolfgang Wirth vom 14. Oktober bis 3. November in der St. Claude Gallery in New Orleans ihre ausgewählten Arbeiten. Neben dem internationalen Austauschprogramm wird auch jährlich der „Josef-Franz-Würlinger-Preis“ verliehen, der die würdigste und qualitätsvollste Arbeit in der Galerie im Andechshof mit € 3500 prämiert. Die diesjährige Preisträgerin ist die Tiroler Künstlerin Ursula Groser.

Rückblick –

20 Jahrreie Andechsgale

Fotos: Galerie im Andechshof

Rechts: Patrick Bonato mit Vogel. Links unten: Ein dreidimensionaler Raum mit raumgreifenden, kontrastierenden Farbbändern von Anemona Crisan. Rechts unten: Die Wahrnehmung von Burka-tragenden Frauen im öffentlichen Raum: Eine Auseinandersetzung von Nicole Weniger.

20 Jahre Tiroler Kunstszene Von 1991 bis 2011 gestalteten 237 KünstlerInnen insgesamt 232 Ausstellungen in der städtischen Galerie. Zu diesem besonderen Jubiläum ist eine außergewöhnliche Ausstellung im Innsbrucker Stadtmuseum zu sehen: Die KuratorInnen Renate Mairoser und Franz Was-

Ausstellungen: „20 JAHRE GALERIE IM ANDECHSHOF“ bis 11. Jänner 2013 Öffnungszeiten: Mo.–Fr. 9–17 Uhr Stadtmuseum Badgasse 2 6020 Innsbruck PATRICK BONATO „U.F(?).O. – Und er fliegt doch“ bis 21. Oktober 2012 NICOLE WENIGER „Inkognito“ Eröffnung & Performance: Freitag, 9. November 2012 / 19.30 Uhr bis 25. November 2012 ANEMONA CRISAN Eröffnung: 12. Dezember 2012 / 18 Uhr bis 6. Jänner 2013

Galerie im Andechshof Innrain 1 / Altstadt 6020 Innsbruck Öffnungszeiten: Mi. –Fr. 15 bis 19 Uhr, Sa. & So. 15–18 Uhr Tel.: 0512/5360-1651 post.kulturamt@innsbruck.gv.at www.innsbruck.gv.at

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sermann lassen eine interaktive Ausstellung – bestehend aus einer Zeitkapsel in Form eines Kartons und einem Porträt – entstehen. 121 teilnehmende KünstlerInnen der Andechsgalerie nahmen die Einladung an, ihre Kunst und ihre Entwicklung mithilfe von 255 Kartons miterleben zu lassen: Ein Karton steht für ein Leben, ein Leben für einen Abschnitt in der Geschichte der Galerie, und so entsteht aus jeder kleinen Geschichte eine größere – die der letzten 20 Jahre in der Galerie im Andechshof. Teilnehmende KünstlerInnen sind u.a. Maurizio Bonato, Barbara Doser, Thomas Feuerstein, Christoph Hinterhuber, Annja Krautgasser, Elisabeth Moser, David Rych, Ian Sand, Michael Strasser, Marco Szedenik, Wolfgang Wirth, Tom Zabel u.v.a.

Nächste Künstlergeneration In der Oktober-Ausstellung der Galerie im Andechshof zeigt Patrick Bonato erstmals in

einer Schau seine aktuellen Grafi ken und Illustrationen. Im Zentrum steht ein Vogel und dessen vom Menschen entworfene Behausung, der Käfig. Sie dienen dem Künstler als illustrativer Ausgangspunkt, um sich thematisch mit in der (Um)welt vorherrschenden Gegensätzen und Realitätsebenen zu widmen. Der 1983 in Rum geborene und heute in Luzern lebende Künstler zeigt in dieser Ausstellung auch sein „buntes Buch verhaltensgestörter Tiere“. Im Rahmen der diesjährigen Premierentage am 9. und 10. November steht auch die Andechsgalerie im Zeichen zeitgenössischer Kunst und zeigt die junge ambitionierte Künstlerin Nicole Weniger. Während ihres Studiums der Transmedialen Kunst bei Brigitte Kowanz an der Universität für angewandte Kunst in Wien führte sie ein Künstlerstipendium nach Istanbul. Der intensive Kontakt mit der abendländischen Kultur inspirierte die Künstlerin zur

Ausstellung „Inkognito“, in der sie die Wahrnehmung der Burka im urbanen Raum hinterfragt, um einen allgemeinen Nachdenkprozess zu initiieren.

Abschluss des Kunstjahres 2012 mit Anemona Crisan Die 1980 in Bukarest geborene und in Tirol aufgewachsene Künstlerin verbindet fi ligrane Grafi karbeiten mit kontrastierenden Farbbändern zu einem dreidimensionalen Raum. Ihre Installationen wirken durch die geometrischen Linienführungen wie „Cyberspaces“, in denen sich die Besucher der Galerie bewegen und deren Wirkung sie erfühlen können. Die Galerie im Andechshof ist eine Initiative zur Förderung der kreativen Szene im urbanen Raum und wichtiger Impulsgeber für eine lebendige Stadt Innsbruck, die als Standort für Unternehmen und als Lebensraum attraktiv und wertvoll bleiben soll.

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Markus Bacher, Bluechip, 2012 © Rainer Iglar

Marianne Vlaschits, Malibu Sunrise, 2012 © Rainer Iglar

Herbert Hinteregger, Untitled (Water reflections on river Shannon), 2012 © Courtesy Georg Kargl Fine Arts, Wien

Manuel Gorkiewicz, Ohne Titel, 2012 © Rainer Iglar

Die Galerie im Taxispalais Galerie des Landes Tirol.

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie im Taxispalais untersucht den gegenwärtigen Malereidiskurs in Österreich und reflektiert die Themen- und Spannungsfelder, die die Künstler in ihrer Auseinandersetzung mit dem Medium Malerei beschäftigen. Elf avancierte künstlerische Positionen der österreichischen Kunstszene zeigen, wie dynamisch und divergierend sich die Malerei entwickelt:

IMMER BUNTER – Aktuelle Malerei aus Österreich Markus Bachers (1983 in Kitzbühel geboren, lebt und arbeitet in Wien und Köln) großformatige Bildschöpfungen im Innen- und Außenbereich der Galerie im Taxispalais sind nur vordergründig abstrakt. Seine Malerei ermöglicht durch ihren freien Gestus und den intensiven Einsatz von Farbe immer auch eine narrative Lesbarkeit. In den dichten malerischen Strukturen seiner Gemälde tauchen figürliche Reminiszenzen auf, die wieder verschwinden und so unsere Sehkonventionen und unsere Wahrnehmung herausfordern. Herbert Hintereggers (1970 in Kirchberg geboren, lebt und arbeitet in Kirchberg und Wien) Werke basieren auf einem spezifischen Vokabular systematischer, geometrischer Abstraktion, das er mit subtilen narrativen und romantischen Elementen anreichert. Die mehrfarbigen Streifenbilder hat Hinteregger wie in früheren Werken aus mehreren Schichten Kugelschreiberfarbe aufgebaut. Zur Gewinnung der Farbe öff net er tausende einzelne Stifte und lässt die Farbe in einem gemächlichen Prozess aus den Minen tropfen. Hinteregger postuliert diese Form der Langsamkeit als Statement gegen die Massenfertigung von Bildern. Manuel Gorkiewicz (1976 in Graz geboren, lebt und arbeitet in Wien) umkreist in seinem konzeptuellen künstlerischen Œuvre die Schnittstellen und Wechselbeziehungen zwischen Kunst-, Konsum- und Arbeitswelt. Er greift auf Alltagsmaterialien aus der Warenwelt zurück und überführt diese in Form von Objekten, Malerei und räumlichen Installationen in den Kontext des Kunst- und Museumsraums. In der für die Ausstellung konzipierten Wandarbeit setzt er handelsübliche Lidschatten als Farb- und Formenquelle ein. Marianne Vlaschits (1983 in Wien geboren, lebt und arbeitet in Wien) beschäftigt sich in ihren Malereien, Installationen und Performances mit der Verlebendigung von Bildern rund um Lust und Begehren sowie den damit

Niklas Goldbach, Ten, 2010 Courtesy Galerie Anita Beckers, Frankfurt

Anan Tzukerman, Gym, 2005 Courtesy Givon Gallery Tel Aviv; Galerie Christian Ehrentraut, Berlin

Olaf Nicolai, A Portrait of the Artist as a Weeping Narcissus, 2000 Courtesy Galerie Eigen+Art Leipzig/Berlin, © Uwe Walter

Luis Camnitzer, Narcissus, 2011

Ausstellungen:

verknüpften Denkmustern. In „Malibu Sunrise“ inszenierte sie eine ins Kitschige und Künstliche driftende Bildlichkeit, die mit der Vorstellungswelt rund um das Bild des Südens, mit Strandleben und exotischen Beachboys verbunden ist. Weitere Künstler in der Ausstellung: Christian Falsnaes, Luisa Kasalicky, Katrin Plavčak, Alfons Pressnitz, Martina Steckholzer, Maja Vukoje, Herwig Weiser.

Der Spiegel des Narziss – vom mythologischen Halbgott zum Massenphänomen Die nächste internationale Gruppenausstellung in der Galerie im Taxispalais thematisiert die Ichbezogenheit der gegenwärtigen Gesellschaft, indem sie Bezüge zur mythologischen Figur des Narziss herstellt. Der antike Mythos Narziss, der sich in sein Spiegelbild verliebte,

inspirierte nicht nur zahlreiche Maler, Dichter und Komponisten. Auch Sigmund Freud entwickelte eine Reihe seiner wichtigsten Theorien an dieser Figur und legte damit den Grundstein für die weitreichende, psychoanalytische Beschäftigung mit diesem Thema, das bis heute von großer gesellschaftlicher Relevanz ist. Die Rolle des Individuums, die Frage nach dem Ich und dem Selbst bilden zentrale Themen, die auch in der zeitgenössischen Kunst auf vielfältige Weise zum Ausdruck gebracht werden. KünstlerInnen: Barbara Bloom, Felix Burger, Luis Camnitzer, Niklas Goldbach, Conny Habbel, Katja Hammerle, Ely Kim, Jürgen Klauke, Franticek Klossner, Urs Lüthi, Bjoern Melhus, John Miller, Olaf Nicolai, Helmut Schober, Johanna Smiatek, Anan Tzuckerman, Wainer Vaccari et al.

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IMMER BUNTER Aktuelle Malerei aus Österreich bis 18. November 2012 Der Spiegel des Narziss – Vom mythologischen Halbgott zum Massenphänomen Eröffnung: 30. November 2012 bis 1. Februar 2013 Künstlergespräche Donnerstag, 11. Oktober 2012, 19 Uhr, mit Luisa Kasalicky und Martina Steckholzer Samstag, 10. November 2012, 16 Uhr, im Rahmen der Premierentage Innsbruck mit Markus Bacher und Herbert Hinteregger

Galerie im Taxispalais Maria-Theresien-Straße 45 6020 Innsbruck Tel.: 0512/5083171 taxis.galerie@tirol.gv.at www.galerieimtaxispalais.at Öffnungszeiten: Di. bis So. 11–18 Uhr, Do. 11–20 Uhr Mo. geschlossen

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Agata Kus: „Der Taucher 2010“ aus dem blauen Zyklus, Öl auf Leinwand, 180 x 160 cm, und O. T. aus dem Zyklus „Die Erste 2010“, Öl auf Leinwand, 100 x 140 cm

Die Galerie mit dem roten Stern Im Parterre eines Jahrhundertwendehauses in der Innsbrucker Claudiastraße leuchtet ein roter Stern: Die Galerie Sandhofer. Agata Kus

Julita Malinowska

Galeristin Kasia Sandhofer präsentiert mit Agata Kus eine neue Entdeckung. Die junge Künstlerin arbeitet noch an ihrer Diplomarbeit an der Akademie der schönen Künste in Krakau, kann aber bereits auf eine rege Ausstellungstätigkeit verweisen. Bekannte Galerien und zwei Museen in Polen widmeten Agata Kus umfassende Personalen. Sie wagt sich durchwegs an große Formate, füllt diese mit detailgetreuen Darstellungen, die teils mythisch aufgeladen im dunklen Schatten erscheinen. Aber auch den hellen, bunten Duktus feiert Kus in ihrer Malerei und in ihren collagenartigen Zeichnungen.

Feminine, maskuline und kindliche Gesten, Tätigkeiten des Menschen in all ihrer lebendigen Buntheit vereint die Künstlerin Julita Malinowska in ihren Arbeiten. Sie absolvierte die Akademie der schönen Künste in Krakau, graduierte in England und arbeitet heute an ihrem Doktorat. Ihr Kunstschaffen ist eine feinstoffliche Auseinandersetzung mit dem menschlichen Wesen und seiner Motorik, nicht jedoch in seinen Gesichtsausdrücken. Emotionen entladen sich in den Bewegungen der dargestellten großen und kleinen Menschen, ihre Gesichter werden nie en face gezeigt, um den Gefühlen des Betrachters nicht im Wege zu stehen.

Beata Cedrzynska

Julita Malinowska: „Swimming Pool III 2006“, Öl auf Leinwand, 200 x 255 cm

Ausstellungen: Agata Kus: „Es war einmal eine böse Wölfin“ 12. Oktober bis 14. November 2012 Beata Cedrzynska 16. November bis 16. Jänner 2012

Galerie Sandhofer Claudiastraße 10 6020 Innsbruck Tel.: 0650/7283828 info@galerie-sandhofer.com www.galerie-sandhofer.com

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Das Logo der Innsbrucker Galerie entspricht dem pointierten Fokus ihres Programms: Junge und etablierte Positionen zeitgenössischer Kunst aus den Genres Malerei, Zeichnung, Grafi k, Objektkunst sowie Schmuck-Unikate mit Schwerpunkt Polen. Der Stern steht für das Land, das lange Jahre geteilt und von einem kommunistischen Regime beherrscht wurde. Erst durch die Gründung der Gewerkschaft Solidarnosc unter Lech Walesa kam der revolutionäre Umschwung, der 1989 zu den ersten freien Wahlen im Ostblock führte. Anschließend wurde das kommunistische Regime durch eine demokratische Regierungsform ersetzt und auch das Kunstschaffen im Land konnte sich freier entwickeln. Die „Galerie mit dem roten Stern“ verfolgt in der Auswahl der Künstler kein starres Konzept: Der Facettenreichtum zeitgenössischer Kunst aus Polen, der den komplexen Wandel von Zeit und Geschichte widerspiegelt, wird in der Galerie Sandhofer im 2-Monats-Rhythmus zur Schau gestellt. Als „roter Faden“ ist die gegenständliche Kunst zu entdecken, die der Wirklichkeit entsprechende Personen, Landschaften und Objekte gemäß unserer sinnlichen Wahrnehmung darstellt.

Die ewige Dualität von Körper und Seele, von Material und Spiritualität, steht im Zentrum des künstlerischen Schaffens von Beata Cedrzynska. Bewegungslos und unreal scheinen ihre Existenzen zu schweben, die einen Hauch Melancholie im Betrachter hervorrufen. Die bekannte und vielfach ausgezeichnete Künstlerin, die an der Akademie der schönen Künste in Danzig unterrichtet, will mit ihren Arbeiten die innere Reflexion anregen, die den Menschen in seiner Ganzheit erfassen soll. Für Cedrzynska ist Kunst ein ganzheitliches Ausdrucksmittel, über sich selbst zu erzählen, aber auch ein wunderbares Instrument, mehr über sich selbst zu lernen.

Beata Cedrzynska: „Spiegelungen Diptychon Teil I“, Acryl auf Leinwand 2010, 200 x 150 cm

Die gezeigte Kunst der Galerie Sandhofer ist in Ausformungen und Ausdruck unterschiedlich, jedoch eint sie das gemeinsame Interesse am gegenständlichen Sujet als Mittel der Innenschau und Weltsicht. Galeristin Kasia Sandhofer konzipiert alle Ausstellungen in enger Zusammenarbeit mit den Künstlern. Neben den laufend wechselnden Ausstellungen tritt die Galerie Sandhofer als professionelle Vertretung der polnischen Künstler auf und berät umfassend beim Kunstkauf. Auch angewandte Kunst, wie Autorenschmuck und signierte SchmuckUnikate, kann man in der Galerie Sandhofer besichtigen und erwerben.

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Kunstvolle Dialoge in der Galerie Nothburga am Innsbrucker Innrain.

Georg Loewit, Zitrone, 100 x 100 x 3 cm, Acryl auf Leinwand

Vergangener Dialog: Michael Kravagna: Ohne Titel / 40 x 40 x 4 cm / Ölfarbe auf Leinen (links) Rudolfine Rossmann: PAINTink / 22 x 30 cm / Xuan Paper (rechts)

Aktueller Dialog: KUSSFLUSS 2011, eine Kaltnadelradierung auf Papier und Stoff von Elisabeth Melkonyan nach einem Foto von Sabine Groschup (links)

Œuvres, die im Dialog miteinander entstehen: Das Miteinander aus KünstlerInnen und KuratorInnen ist dem Team der Galerie Nothburga ein wichtiges Anliegen. Jede Ausstellung wird von zwei KünstlerInnen gestaltet, die ihre unterschiedlichen Techniken und Zugänge vereint: „Mit ungewöhnlichen Verbindungen kann man interessante Ausstellungen kreieren, die der Galerie Nothburga eine besondere Note verleihen“, so Dr. Sibylle Saßmann-Hörmann, die als Vorsitzende auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Im demokratischen Verfahren wird das Jahresprogramm gestaltet und die Ausstellungen von den KuratorInnen der Galerie organisiert. Das Team besteht aus: Mag. Anna Maria Achatz, Johanna Bair-Hauser, Martina Geroldinger, Walter Klier, Ina Luttinger, Mag. Elisabeth Melkonyan, Inge von Reusner, Dr. Sibylle Saßmann-Hörmann, Gebhard Schatz, Gabriela Nepo-Stieldorf, Mag. Romana Trägner-Giffi nger, Edith Vetter.

Dialog der Künstler lebt vom Dialog der Unterstützer Etablierte Tiroler Künstler, aber auch junge, noch weniger bekannte Künstler aus verschiedensten Kulturen sind in der Galerie Nothburga Programm. Die Ausstellungen werden von umfangreichen Veranstaltungen begleitet: Lesungen, Konzerte und Vorträge sollen die kunstvollen Aussagen erklärend auf bereiten, aber auch „nur“ unterhalten, denn ein kunstvoller Dialog lebt vom positiven kulturellen Austausch. Dieser wurde besonders beim alljährlichen Freundeskreisfest der Galerie Nothburga gepflegt. Heuer feierten Künstler, Unterstützer und Freunde gemeinsam das 33. Jubiläum der Galerie und zu diesem Anlass fand wieder ein großes Fest mit verschiedenen künstlerischen Workshops statt. Die Galerie wird finanziert von der Stadt Innsbruck, dem Land Tirol und den Mitgliedern. „Ab € 33 jährlich kann ein wertvoller Beitrag zur Förderung von Kunst und Kultur geleistet werden. Unsere große Palette an unterschiedlichen Veranstaltungen ist deshalb realisierbar, weil wir von öffentlicher Seite unterstützt werden und verlässliche Freunde haben“, so Sibylle Saßmann-Hörmann.

Aktuell Elisabeth Melkonyan ist Künstlerin und Kuratorin sowie Kunsterzieherin an der Kath. Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in Innsbruck. Ihre „Dialog-Partnerin“ zur Ausstellung, die noch bis 6. Oktober in der Galerie Nothburga gezeigt wird, ist die Künstlerin, Filmemacherin und Autorin Sabine Groschup. Melkonyan und Groschup widmen sich in „Mixed Media“ dem Spannungsfeld zwischen dem Eigenen und Fremden und realisieren einen bildnerischen und medialen Dialog: Während Groschup durch das tägliche Fotografieren eines Motivs den stetigen Fluss der Zeit erspürt und dies in einem Animationsfi lm dokumentiert, lässt sich Elisabeth Melkonyan von Landschaften und Menschen inspirieren und transformiert in unterschiedlichen Techniken: Malerei, Druckgrafi k, Objektkunst.

Vergangen Die universelle Sprache der Bildhauerei sowie „Die Stadt und die Berge“ standen in der Jänner/Februar-Ausstellung von Michael Defner und Walter Klier im Mittelpunkt. Die menschliche Wahrnehmungsfähigkeit in der Malerei wurde im Februar/März von Rudolfine Rossmann und Michael Kravagna eingehend erforscht. Georg Loewit und Michael Hedwig nahmen sich im April/Mai mit Malerei und Objekten dem Themenkomplex „Mensch-Raum-Ort“ an. Im Mai/Juni wurde mit der Schau von Hildegard Gauf und Irmgard Schaumberger bewusst gemacht, was Zeichnen bedeutet – mit der Linie zu arbeiten und die Striche zur räumlichen Fläche werden zu lassen.

Kommend Der Kunsthistoriker Maurizio Bonato lebt als Maler und Videokünstler in Innsbruck. Er wird gemeinsam mit dem Skulpturenkünstler Johann Feilacher die Nothburga-Ausstellung ab 23. Oktober gestalten. Während Bonato die Materie und den Geist aufspürt, zeichnet und malt, schaff t Johann Feilacher monumentale Skulpturen aus Holz. Das Organische als Gegenpol zur künstlichen Welt unserer digitalen Zeit ist Inhalt der kommenden Ausstellung, die von Gabriela Nepo-Stieldorf kuratiert wird.

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Michael Defner: Raumplastik Johann Feilacher: Monumentales aus Holz (unten)

Ausstellungen 2012: 11.9. bis 6.10.2012: Elisabeth Melkonyan und Sabine Groschup: Mixed Media 11. bis 14.10.2012: Sonderausstellung Geladener Wettbewerb in Zusammenarbeit mit dem Hotel Hospiz und der Tiroler Glasmalerei 6. 10. 2012: Lange Nacht der Museen – Sonderprogramm 23.10. bis 17.11.2012: Maurizio Bonato und Johann Feilacher: Malerei und Skulptur 9. bis 10.11.2012: Premierentage 27.11. bis 23.12.2012: Weihnachtsausstellung: Mixed Media

Galerie Nothburga Innrain 41 6020 Innsbruck Tel.: 0512/563761 info@galerienothburga.at www.galerienothburga.at

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Kunst in Kürze Digitale Kunstmomente

Kunstbiennale Venedig

„Google Art Project“ ermöglicht digitale Nonplusultra-Ausstellung im Netz

Österreich-Beitrag von Mathias Poledna

Werke, die man sonst nur alle zwanzig Jahre zu Gesicht bekommt, sind nun in bester Qualität zu sehen. Das „Google Art Project“ zeigt Kunstwerke in einer virtuellen Galerie, die man online vorüberziehen lassen oder sich seine eigene Sammlung zusammenstellen kann. So ist etwa Albrecht Dürers „Feldhase“ nun hochaufgelöst im Netz zu finden. Die österreichische Beteiligung beim „Google Art Project“ kommt vom Kunsthistorischen Museum, der Albertina und dem Leopold Museum in Wien. Das „Google Art Project“ soll aber die Betrachtung des Originals niemals ersetzen, sondern nur als digitale Vorbereitung dienen.

Kunstbiennale-Kommissär Jasper Sharp wollte eine frühe Entscheidung, weil der Künstler möglichst viel Zeit haben soll. Deshalb steht schon jetzt fest: Der 47-jährige Mathias Poledna wird Österreich bei der Kunstbiennale Venedig 2013 vertreten. Kernthema in Polednas Werk ist die Reflexion moderner Kultur in Film, Architektur und Design. Er versucht die Geschichte neu zu inszenieren und wählt dabei die verschiedensten Disziplinen. Sharp lobt Polednas Gesamtwerk als „einfach wie komplex, humorvoll und herausfordernd.“

www.googleartproject.com

55. Kunstbiennale in Venedig von Juni bis November 2013

Albrecht Dürers „Feldhase“ 1502. © Albertina Wien

Tiroler Museen auf einen Blick Die Museumsdatenbank Tirol ist online Kunstinteressierte in Tirol können sich durch eine neue Museumsdatenbank klicken, die umfangreiche Informationen zur vielfältigen Tiroler Museumslandschaft bietet. Die Datenbank listet neben Museen, privaten Sammlungen, Erinnerungsstätten und museumsähnlichen Einrichtungen auch museale Erlebniswelten auf. Auf jeder Website finden die Nutzer Kontaktdaten, Öffnungszeiten und Informationen zum museumspädagogischen Angebot sowie Auskünfte über spezielle Besucherservices. Das Online-Service dokumentiert den Status quo der Museen und öffentlich zugänglichen Sammlungen in Tirol.

www.tirol.gv.at/themen/kultur/kulturportal/museumsportal/museenintirol

V. li. : Kommissär Jasper Sharp, Kulturministerin Claudia Schmied und Künstler Mathias Poledna. © BMUKK/Georg Molterer

Kunst per Mausklick Ein Trend, der Künstler und Sammler einander näherbringt ARTcoming ist eine neue Plattform für Kunst des 21. Jahrhunderts. Internet-affine Freunde der Gegenwartskunst treffen auf noch unentdeckte Talente, deren Werke sich auch unter dem Gesichtspunkt der Wertsteigerung zu kaufen lohnt. ARTcoming bietet Orientierung, Preistransparenz und die Sicherheit, sich für ein Kunstwerk mit der Expertise eines renommierten Kuratoriums entschieden zu haben. Künstlern bietet ARTcoming die Chance, sich eine Alternative zum herkömmlichen Galeriebetrieb zu eröff nen. Der Zugang zur Kunst online ist einfach und Künstler sowie Sammler kommen mit ARTcoming einander näher. Die Einstiegspreise liegen bei moderaten € 400.

www.ARTcoming.de

Kunst am Weg zum Lago Das moderne Museum MART in Rovereto Der Gardasee – das Naherholungsgebiet für viele Tiroler. Neben dem nahen italienischen Flair und Vergnügen für Surfer hat die Fahrt an den Lago auch für Kunstfreunde einiges zu bieten: Das MART in Rovereto, ein modernes Haus für internationale, zeitgenössische Kunst, entworfen vom Architekten Mario Botta. 6000 qm für Kunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert, 5000 qm werden der Forschung und Didaktik sowie Archiv und Gastronomie gewidmet. Das MART verfügt über mehr als 30.000 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen, die aus Ankäufen, Schenkungen oder Nachlässen wichtiger Privatsammlungen stammen. Es wird jedes Jahr eine Auswahl an wechselnden Kunstwerken aus der ständigen Sammlung gezeigt und laufend werden thematische Sonderausstellungen junger, zeitgenössischer Kunst präsentiert.

Online-Fotogalerie Hochwertige Fotokunst zu leistbaren Preisen

Erin Cone: „Discourse“

www.mart-trento.it

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Echte Fotokunst kann man in der Regel nur als teures Unikat in Galerien erwerben und simple Drucke entsprechen nicht dem eigenen Bedürfnis nach Individualität. Wer etwas dazwischen sucht, ist bei LUMAS richtig: Ein facettenreiches Portfolio mit Werken von rund 160 etablierten Fotokünstlern, Newcomern und historischen Beständen wird online angeboten. Die mehr als 1400 Werke sind als handsignierte Originalfotografien in limitierten Auflagen von meist 75 bis 150 Exemplaren oder als Open Edition erhältlich. Die Auflagen ermöglichen durchaus erschwingliche Preise zwischen € 120 und € 800. Bei LUMAS kann sich jeder hochwertige künstlerische Fotografien in musealer Qualität leisten – selbst in größeren Formaten. Die Welt der Fotokunst ist schwarz-weiß und bunt, überraschend und verzaubernd, lebendig und inspirierend ...

www.lumas.com


Zum 17. Mal Kunst für Liebhaber und Sammler Jährlich im Frühjahr wird auf der ART Innsbruck internationale zeitgenössische Kunst des 20./21. Jahrhunderts – schwerpunktmäßig nach 1960 – präsentiert. 70 Galeristen, Kunsthändler und Institutionen aus 10 Nationen zeigen vom 21. bis 24. Februar 2013 Arbeiten von 700 KünstlerInnen.

Foto @ DieFotografen

„Eigentlich gibt es für die Kunst keine Sommerpause“, sagt ART Innsbruck-Chefin Johanna Penz. Die ART internationale messe für zeitgenössische kunst innsbruck, die im nächsten Jahr ihre 17. Auflage erlebt, hat sich längst zu einem Ganzjahresprojekt ausgewachsen. „Das Interesse in der mittelständischen Galeristenszene ist sehr groß“, freut sich Penz. „Denn wir bieten unseren Ausstellern nicht nur ein exzellentes Werbeumfeld, sondern für eine internationale Kunstmesse dieser Größenordnung auch überdurchschnittlich viele

Besucher/innen.“ Das sei natürlich das Ergebnis einer jahrelangen konsequenten Auf bauarbeit. Die Programmierung der ART Innsbruck-Sonderschauen liegt der engagierten Messemacherin dabei seit jeher besonders am Herzen. „Die Sonderschauen sind die thematischen Zugpferde der ART Innsbruck“, sagt Penz. Die unglaubliche Resonanz der letztjährigen „Russen-Sonderschau“ hat sie freilich selber überrascht. Eine Sonderschau müsse ihrer Meinung nach durchaus ein wenig exotisch und anders sein. „Sie soll das Publikum ani-

mieren, inspirieren, vielleicht auch gelegentlich zum Widerspruch provozieren.“ Auf das Thema der nächstjährigen Sonderschau freut sich Penz besonders: Da werde es um die Schnittstelle Kunst und Design gehen. Für Konzeption und Bestückung der Sonderschau konnte Penz erneut den bekannten Innsbrucker Galeristen Clemens Rhomberg gewinnen. Rhomberg, der schon seit vielen Jahren Stammaussteller auf der ART Innsbruck ist, hat ja als Inhaber eines exklusiven Designermöbelgeschäftes schon von Berufs wegen eine besondere Affinität zu Künstlern, die immer mal wieder auch Exkursionen in die Objektkunst unternehmen und neben den klassischen Kunstformen eben auch sinnfällige Wohnoder Gebrauchsobjekte kreieren. So werden in der Sonderschau unter anderem Objekte von herausragenden zeitgenössischen Künstlern wie Michelangelo Pistoletto, Peter Kogler und Damian Roland zu sehen sein. „Wenn Künstler sich der so genannten angewandten Kunst zuwenden, also Alltagsgegenständen ihre Formensprache aufprägen, dann werden diese Gebrauchsgegenstände fast immer dem Alltag und der Alltäglichkeit entrückt. Plötzlich ist ein Tisch eben nicht mehr nur ein Tisch, eine Lampe nicht mehr nur eine Lampe. Die Objekte erzählen einem ganz andere, ganz neue Geschichten“, schwärmt Penz.

Johanna Penz, Direktorin und Gründerin der ART Innsbruck Foto @ Günther Egger

Nachdem die Sonderschau Russischer Kunst 2012 so gut angekommen ist, plant Penz bereits jetzt ein Ausstellungs-Sequel, für das sie mit der Allrus Gallery Wien/Moskau zusammenarbeiten wird. Die Sonderschau wird den Titel „Österreich in den Augen russischer Meister“ tragen. Die 17. ART Innsbruck verspricht also erneut kurzweilige und anregende Messe-Spaziergänge. art KUNSTMESSE GmbH Gutenbergstraße 3, 6020 Innsbruck Tel. +43(0)512 567101 info@art-innsbruck.at www.art-innsbruck.at 21. – 24. Februar 2013 Innsbruck, Messehalle D + E Öffnungszeiten: Do. – Sa.: 11 – 20 Uhr, So.: 11 – 17 Uhr

Bild links: Crieger Axel: „Avalon 2011“, digital painting on canvas Foto © Galerie Augustin Bild Mitte: Russland-Schwerpunkt: Evsin Sergey: „Belvedere 2011“, Foto © Allrus Gallery Bild rechts: Sonderschau Galerie Rhomberg: Roland Damian: „Bananenregal“, Bronze gegossen Foto © Galerie Rhomberg

21–24 feb 2013 auflage 17 · messehalle d + e · innsbruck

internationale kunst des 20./21. jhdts. 70 galerien aus 10 nationen · 700 künstler kuratierte sonderschau russische kunst

internationale messe für zeitgenössische kunst international fair for contemporary art

workshops . expertengespräche do – sa 11 – 20 uhr | so 11 – 17 uhr www.art-innsbruck.at · tel. 0512 567101

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Kunstvolle BÜCHER: Weltarchiv der Kostümgeschichte Die Entwicklung des modischen Stylings bis 1888 Auguste Racinet schrieb ursprünglich zwischen 1876 und 1888 an einer weitreichenden Studie über die Geschichte der Kleidung. Seine Publikation erschien in Frankreich in sechs Bänden mit insgesamt 500 Abbildungen. Im Taschen Verlag ist nun ein vollständiger Nachdruck erschienen, in dem Racinets Aufteilungen nach Kulturen und Themen erhalten blieb. Band 1 zeigt alle Abbildungen in brillanter Qualität, Band 2 enthält die erklärenden Texte zu den Bildern. Exquisite Bände, in denen Kleidungsstücke aller Art zu finden sind – vom Gewand der alten Etrusker über den Eskimo-Kasack bis hin zu den Couture-Roben französischer Damen im 19. Jahrhundert. Ein kultiges Nachschlagwerk für Modeinteressierte, aber auch für Freunde der dekorativen Kunst. „The Complete Costume History“ Vollständige Kostümgeschichte 2 Bände im Schuber / TASCHEN-Verlag

The „American Way of Life“ Monographien der US-Künstler Edward Hopper und Walker Evans Edward Hopper (1882–1967) brachte den amerikanischen Lebensstil malend auf den Punkt, Walker Evans gelang dies mit den Mittel der Fotografie. Das Gefühl, Amerikaner zu sein, verband die beiden unterschiedlichen Künstler, denen nun zwei Monographien gewidmet wurden: Im Hopper-Buch werden bekannte Gemälden weniger bekannten „Ledger-Book“-Zeichnungen gegenüber gestellt. Das Buch über Walker Evans ist eine deutsche Neuauflage des vom Künstler selbst gestalteten Buches, das 1938 erschienen ist. Edward Hopper: Gemälde & Ledger-Book-Zeichnungen / 152 Seiten Walker Evans: American Photographs / 208 Seiten Schirmer/Mosel Verlag

Bei großen Sammlern und Galeristen zu Hause Stilvolle Homestorys Craig Kellogg, Redakteur beim Magazin „Interior Design“, ist das schier Unmögliche gelungen: Er hat 32 der führenden Sammler und Galeristen dazu gebracht, ihre Häuser und Wohnungen zu öffnen. Das Ergebnis ist ein opulenter Bildband mit über 280 großformatigen Fotos voller Inspirationen für das eigene Heim. Dieses stilvolle Buch zeigt atemberaubende Interieur-Kompositionen, die Sinn für Ästhetik, Kunst und Persönlichkeit wiederspiegeln. Craig Kellogg: Mit Stil 2012 / 384 Seiten / 284 Farbfotos Callwey Verlag München

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