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DAS WIRTSCHAFTSMAGAZIN

EHRENAMT. Der Wert der Freiwilligkeit SCHÖNE DINGE. Investieren in Sachwerte POLITIK. Werte als Programm? DIE IDEEN SIND FREI. In die Zukunft denken

Wert & Wertigkeit:Warum ein gutes Leben ein Wertefundament braucht.

ACHTUNG! WERTVOLLER INHALT Ausgabe Nr. 08 | September 2019 P.b.b. Verlagspostamt 6020 Innsbruck ZNr. GZ 02Z030672 M | Euro 3.00


© MARIAN KRÖLL

eco.edit

Mag. Sandra Nardin und Christoph Loreck, eco.nova-Herausgeber

WERT & WERTIGKEIT Wir dachten, es würde einfacher werden, sich eine Ausgabe lang mit Werten und Wertegerüsten zu beschäftigen. Letzlich aber finden wir: Es war die Mühe wert.

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einahe täglich kommt uns der Begriff „Wert“ in den unterschiedlichsten Formen unter. Und wir meinen jetzt gar nicht so sehr in monetärer Hinsicht. Fast jedes Unternehmen sagt von sich, bestimmte Werte zu vertreten, eine Gesellschaft baut auf allgemein gültigen Wertegerüsten auf, jeder Mensch hat seine individuellen Wert(e)vorstellungen. Soll der mehr oder weniger nebulöse Begriff aber präzisiert werden, wird‘s schwierig, wie wir feststellen mussten. Wir haben dennoch versucht, uns des Themas auf unterschiedlichste Weisen zu nähern, und haben uns auf die Suche nach den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen dem objektiv konnotieren Preis und dem subjektiv empfundenen Wert gemacht. Zugegeben: Die Ansätze, warum „Die höchste Form menschlicher Werte quasi das Fundament jedes guten Lebens sind, Intelligenz ist die Fähigkeit, mögen fast ein wenig philosophisch geworden sein, aber nach einer langen Auseinandersetzung mit dem Thema zu beobachten ohne zu bewerten.“ können wir eines sagen: Es ist kompliziert. Auch das JIDDU KRISHAMURTI Schreiben darüber. Greifbarer wird es bei Investitionen in reale Werte wie Immobilien oder Gold. Auch der Wert der Kunst lässt sich ziemlich gut erfassen, wenngleich es hier schon wieder ein bisschen abstrakt wird. Weil Kunst eben auch einen emotionalen Wert hat. Ebenso wie Oldtimer. Oder das Ehrenamt, bei dem sich Menschen teilweise unter Einsatz ihres eigenen Lebens dazu entscheiden, das Leben anderer zu retten, ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen. Und letzlich ist es doch so: Die wertvollsten Dinge sind in der Regel ohnehin jene, an die sich kein Preisschild hängen lässt.

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Kennen Sie Ihren Wert. Ihre Redaktion der eco.nova.

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E C O .T I T E L 16 WERT UND WERTIGKEIT

Schätzen wir Dinge, die nicht oder nur schwer zu bepreisen sind, weniger wert? 26 DER WERT DER WERTE Werte sind grundlegend für unsere Entscheidungsfähigkeit und teils gesellschaftlich vorgegeben. Dennoch wollen sie auch individuell erarbeitet werden.

E C O .W I R T S C H A F T 34 OPTIMIERE DEIN SELF

Selbstwert(schätzung): Wer zu viel davon hat, lässt sein Umfeld leiden, bei zu wenig leidet man selbst. 38 WERTE & POLITIK Passt das überhaupt zusammen? Ja, denn wer sonst soll die Wertebasis einer Gesellschaft in Gesetze gießen. 46 EINE FRAGE DER EHRE Ehrenamt macht das Versorgungsnetz in seiner Dichtheit und Effizienz einzigartig. Platz für Einzelkämpfer und „Helden“ ist da nicht. 56 VOM REDEN ZUM TUN Die Idee des SOS-Kinderdorf wird heuer 70 Jahre alt. Die Not hat sich verändert, die Notwendigkeit zu helfen nicht.

ECO.ZUKUNFT 66 DIE IDEEN SIND FREI

Wäre es möglich, die Ideen zu zählen, die täglich in den Köpfen ent­stehen, wir wären sprachlos ob deren Anzahl. Doch nicht jeder Kopf ist dazu geschaffen, eine Idee auch umzusetzen.

ECO.GELD 78 DER WERT SCHÖNER DINGE

Das aktuelle Finanzumfeld spricht für Investments in reale Werte wie Immobilien, Gold, Münzen oder Edelsteine.

ECO.ART 92 DER WERT DER KUNST

Ist Kunst eine gute Investition? Ja, sagt Kunstexperte und Auktionator Otto Hans Ressler – wenn man die Leidenschaft nicht außer Acht lässt.

ECO.MOTOR 102 GOLD-RÄDER

Der Kauf eines Oldtimers war fast immer eine emotionale Angelegenheit. Seit der Wirtschaftskrise zählen die Klassiker auch bei Spekulanten zu den begehrten Objekten. 106 BMW 320D XDRIVE LIMOUSINE 108 KIA PROCEED GT 112 VW T-CROSS 114 BMW-MOTORRÄDER

ENDLICH HAARFREI Kein Rasieren, Zupfen oder Harzen! Venus Velocity entfernt ungewollte Haare in kürzerer Zeit als alle anderen Verfahren, auch bei großen Bereichen am Körper. Schnell und angenehm!

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ECO.LIFE 118 LUXUSDINGE

Man umgebe mich mit Luxus, auf das Notwendige kann ich verzichten. Frei nach Oscar Wilde haben wir uns angesehen, wofür Menschen ihr Geld ausgeben. 124 HALALI Der Tiroler Jägerverband arbeitet an einem ganz speziellen Kalender. Wir sprachen mit dem Fotografen. 03 EDITORIAL 06 KOMMENTAR 08 KOPF DER AUSGABE 86 ECO.STEUERN 88 ECO.RECHT 128 IM GESPRÄCH

INSTITUT

MICRONEEDLING R ADIOFREQUENZ JETPEEL K R YO L I P O LYS E G A N Z KÖ R P E R M A S S AG E N ROBERT FR ANZ SHOP

HER AUSGEBER & MEDIENINHABER: eco.nova Verlags GmbH, Hunoldstraße 20, 6020 Innsbruck, 0512/290088, redaktion@econova.at, www.econova.at GESCHÄF T SLEITUNG: Christoph Loreck, Mag. Sandra Nardin A S SIS TENZ: Martin Weissenbrunner CHEFREDAK TION: Marina Bernardi REDAK TION: eco.wirtschaft: Marian Kröll, Alexandra Keller, Sonja Niederbrunner, MMag. Klaus Schebesta, Renate Linser-Sachers, Barbara Liesener, DI Caterina Molzer-Sauper, Marion Witting, MSc., Stefan D. Haigner // eco.zukunft: Doris Helweg // eco.geld: Dr. Michael Posselt // eco.kultur: Julia Sparber // eco.mobil: Bruno König // steuer.berater: Dr. Verena Maria Erian // recht.aktuell: RA Mag. Dr. Ivo Rungg // eco.life: Marina Bernardi ANZEIGENVERK AUF: Ing. Christian Senn, Bruno König, Hannelore Weissbacher, Matteo Loreck L AYOUT: Tom Binder PRODUK TION: Rabea Siller, Tom Binder DRUCK: Radin-Berger-Print GmbH Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art, insbesondere der Zeitschrift eco.nova. GRUNDLEGENDE RICHT UNG: Unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit & Well­ness, Steuern, Recht, Kulinarium und Life­s tyle beschäftigt. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie anderwertige Vervielfältigung sind nur mit vorheriger Zustimmung des Herausgebers gestattet. Für die Rücksendung von unverlangt eingesandten Manuskripten und Bildmaterial wird keine Gewähr übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. JAHRE SABO: EUR 25,00 (14 Ausgaben). // Sind Beiträge in dieser Ausgabe in der Kopfzeile mit dem FIRMENNAMEN gekennzeichnet, handelt es sich um BE Z AHLTE ANZEIGEN! UNTERNEHMENS GEGENS TAND:

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eco.mmentar

DIE QUADRATUR DES KREISES Migration und Klimawandel – das sind die beiden Megathemen, die uns noch Jahre beschäftigen werden. Auf Ersteres haben rechte Parteien glaubhafte Antworten, auf Zweiteres linke. Jene Partei, welche die Quadratur des Kreises schafft und Lösungskompetenz für beides verkörpert, gewinnt jede Wahl.

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orruptionsfälle, Postenschacher, Chaos in der italienischen Regierung, die deutschen Großparteien unter Druck, ein neuer Ausrutscher von Donald Trump, die Diskussion über die Impfpflicht, geschredderte Festplatten ... Themen wie diese begegnen uns auf den Titelseiten der Tageszeitungen. Sie kommen und gehen, verglühen wie Sternschnuppen im medialen Kosmos und sind einige Wochen später wieder im Dunkel der Druckerschwärze verschwunden. Anders ist es bei den beiden großen Herausforderungen, die uns speziell in Europa mehr und mehr beschäftigen: Migration und Klimawandel. Diese Megathemen schienen lange Zeit weit weg, jetzt haben sie uns eingeholt: Die Migration ist spätestens seit 2015 ein beherrschendes Thema in der Innenpolitik. Auch wenn die aktuellen Zahlen eine Verschnaufpause suggerieren – gelöst ist diese Frage noch lange nicht. Und der Klimawandel sorgt für spürbare Auswirkungen und beunruhigt mit ständig neuen Studien. Eine der aktuellsten prognostiziert für urbane Räume einen massiven Temperaturanstieg in den nächsten 30 Jahren um bis zu acht Grad. Wien soll 2050 das Sommerklima von Skopje haben, London sich wie Barcelona anfühlen – da kann sich jeder ausmalen, wie sich das auf die Landwirtschaft und die Wasserversorgung auswirkt. Diese Themen sind natürlich längst in der Politik angekommen. Alle Parteien haben in unterschiedlicher Ausprägung Antworten darauf – aber keine bietet die Lösungskompetenz für beides, im Gegenteil: Es liegt eine Rechts-Links-Teilung vor. Rechte Parteien signalisieren offensiv, die Sorgen vor einer Migrationsflut ernst zu nehmen. Große Teile der Bevölkerung fühlten sich speziell von der Flüchtlingskrise 2015 überfordert und haben sich in der Folge dem rechten Spektrum zugewandt, das restriktive Antworten auf die Flüchtlingsfrage liefert. Darin liegt ein Hauptgrund für den Rechtsruck der letzten Jahre: Das Hemd ist vielen Menschen näher als der Rock. Soll heißen: Die Ängste vor Migration wirken persönlicher, direkter als das abstraktere Klima. Wenn jetzt Mitte-Links-Parteien nachschärfen – und das passiert sowohl in den Nachbarlän-

V O N K L A U S S C H E B E S TA

dern als auch bei uns –, wird das als halbherzig und verspätet wahrgenommen. Die Lösungskompetenz in puncto Migration ist und bleibt im rechten Spektrum verankert. Wähler vertrauen dem Schmied und nicht dem Schmiedl. Das gilt umgekehrt auch für die Klimakompetenz: Diese ist eindeutig links und hier vor allem bei den Grünen verankert. Grüne Bewegungen setzen sich seit Jahrzehnten für die Umwelt ein, noch lange bevor die wirklich beängstigenden Klimastudien Realität geworden sind. Das verschafft ihnen eine Glaubwürdigkeit, die nicht über die moralische Schiene, sondern höchstens mit anderen Argumenten kompensiert werden kann. Das bedeutet: Der Wähler muss entscheiden. Will er vielleicht aber gar nicht, weil ihm beide Anliegen am Herzen liegen, beide Szenarien Angst machen. Es ist sowohl für linke als auch für rechte Parteien schwierig, die jeweils andere Position authentisch zu verkörpern, aber es gibt einen Unterschied: Linksparteien inklusive der Grünen, die plötzlich eine harte Linie in der Migration einschlagen, sind unglaubwürdig und daher wenig aussichtsreich. Eher könnte eine moderne Mitte-Rechts-Partei das Thema Klimaschutz integrieren – und zwar nicht mit moralischen Argumenten (auch hier Unglaubwürdigkeit), sondern ganz pragmatisch, mit einem geradezu eigennützig und wirtschaftlich formulierten Zugang: Wir retten das Klima, weil wir uns damit selbst retten. Der moralische Aspekt ist eine günstige Nebenwirkung, aber nicht der Treiber. Darüber hinaus lässt sich für Mitte-Rechts-Parteien eine Prise Ethik beim Thema Migration ergänzen, nach dem Motto: Wir stehen zwar für eine restriktive Einwanderung – aber wir sind keine Unmenschen und investieren im Gegenzug massiv in Entwicklungshilfe, weil wir damit die direkte Ursache der Migration bekämpfen und, ganz nebenbei, auch noch historische Verantwortung übernehmen. Wie auch immer: Eine (neue) Partei, welche die Quadratur des Kreises schafft und auf beide Megathemen glaubwürdige Antworten liefert, hat einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Denn Wähler können dann mit einem Kreuzerl am Wahlzettel beiden Zukunftsängsten gleichzeitig begegnen. Nimm zwei, zahl eins – das funktioniert im Supermarkt auch. 


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eco.porträt

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CHRISTOPH HOFINGER Wahlwiener und Wahlforscher. Der gebürtige Innsbrucker Christoph Hofinger ist dem Fernsehpublikum vor allem bei Wahlen durch seine Kompetenz und wohltuend unaufgeregte Art ein Begriff. Doch wie wird man eigentlich zum Mr. Hochrechnung?

© SORA

TEXT: MARIAN KRÖLL


eco.porträt

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ahlen sind das eigentliche Hochamt der Demokratie. Im Wahlkampf macht sich dieser würdevolle Kulminationspunkt allerdings nur allzu selten bemerkbar. Wenn Wahltag ist, dann ist einer in seinem Element, der es schafft, seine Liebe zur Sprache und seine Leidenschaft für Zahlen in seinem Beruf unter einen Hut zu bringen. Und das auch noch vor einem Millionenpublikum. Begonnen hat Christoph Hofinger seine Karriere ursprünglich im Journalismus. Man darf getrost annehmen, dass dessen Ruf heute noch weit ramponierter ist als jener der Demoskopie. Zur Ehrenrettung letzterer hat Hofinger – das kann man ebenso getrost annehmen – jedenfalls viel und nur Positives beigetragen. Auf Sendung wirkt der Sozialforscher ebenso unaufgeregt wie kompetent. Und er kann dazu auch noch auf eine Bilanz verweisen, die in Österreich ihresgleichen sucht. Keiner hat seine Sache bei Wahlen in den letzten Jahren besser gemacht als Hofinger mit seinem SORA-Institut. Doch wie wird man eigentlich zum Hochrechner der Nation? Über Umwege. Da war eben dieser Abstecher in den Journalismus. Mit 17 Lenzen schnupperte er bei der Tiroler Bauernzeitung Branchen- und Landluft. In der Branche hat es Hofinger insgesamt nicht lange ausgehalten. Der Kalender zeigte das Jahr 1985, als es den Sozialforscher nach Wien zog, wo er Germanistik studiert und parallel – aus Neugier, wie er sagt – mit Psychologie begonnen und im Zuge dessen den Grundstein für seinen heutigen Erfolg gelegt hat: „Ich habe alle statistischen Verfahren auf meinem alten Commodore 64 in der Sprache BASIC programmiert. Günther Ogris und ich hatten dann 1994 zum ersten Mal die Gelegenheit, gemeinsam am Wahltag hochzurechnen – unter anderem die Landtagswahl in Tirol. 25 Jahre später sind viele wichtige Teile unseres Programms immer noch in dieser etwas archaischen Programmiersprache verfasst“,

„Für Wahlprognosen gilt das Gleiche wie für das Hafelekar: No risk, no fun.“ CHRISTOPH HOFINGER

erzählt er. Man muss zum BASIC-Programmieren zwar kein Nerd sein, aber schaden tut es ganz bestimmt nicht. Das Hochrechnen bereitet Hofinger nach wie vor Vergnügen und langweilig wird es – live auf Sendung vor einem gespannt wartenden Riesenpublikum – auch nie: „Am Hochrechnen reizt mich, dass gleich alle sehen können, wie gut oder manchmal auch weniger gut wir waren. Für Wahlprognosen gilt das Gleiche wie für das Hafelekar: No risk, no fun.“ Das ist ein Wort.

SAITEN UND SENSEN

Doch Christoph Hofinger besteht keineswegs nur aus Wahlen und Zahlen. Er musiziert gern, mit Familie und Freunden. Anders als im Beruf haut er dabei nicht etwa in die Tasten, sondern zieht ab und zu andere Saiten auf: „Ein paar alte E-Gitarren aus der Schulzeit haben alle WG-Wanderjahre überlebt und ich spiel’ sie immer noch gerne.“ Der Tiroler ist ab und zu auch am Semmering anzutreffen. Dort ist ihm und anderen Familienmitgliedern ein Garten anvertraut. Ein Ort, an dem er Tugenden erkennen lässt, die man Tirolern ganz generell oft nachsagt, und oft nicht zu Unrecht: „Es gibt nichts Schöneres, als an einem heißen Sommertag mit der Sense eine steile Wiese zu mähen und sich dabei in einem nach Wiesenlavendel und Heu duftenden Paradies für Insekten und Vögel zu bewegen. Nicht nur die sinnliche Erfahrung motiviert mich, sondern auch, dass es ein winziger Beitrag gegen das Artensterben ist.“ Und wahrlich, man kann seine Freizeit weit weniger sinnstiftend verbringen. Mit der einstigen Heimat verbinden ihn die Eltern und ein Bruder, die noch in bzw. um Innsbruck leben. Außerdem hat SORA diverse Kunden im Land. „Zum Glück gibt es immer wieder Anlässe, mit dem Zug in diese wunderschöne Stadt – die heute auch viel moderner ist als in den 1980ern, als sie

ZUR PERSON

Christoph Hofinger wurde 1967 in Innsbruck geboren. Er besuchte das Akademische Gymnasium Innsbruck, studierte anschließend Publizistik und Psychologie, machte eine Postgrad-Ausbildung in Soziologie am IHS in Wien und ist seit 1989 in der Sozialforschung tätig. Bei Wahlen ist Hofinger mit seinem gemeinsam mit Günther Ogris geführten SORA-Institut mittlerweile fast schon zum ORFInventar geworden. Hofinger ist mit einer Amerikanerin verheiratet und hat zwei Töchter.

weltanschaulich schon noch recht verstaubt war – zu fahren.“ Dass Innsbruck etwas offener geworden ist als früher, blieb auch dem Wahlwiener keineswegs verborgen.

WAHLEN SIND GEIL

Die Datenschutz-Grundverordnung hat Hofingers Job nicht einfacher gemacht, aber dafür hat der Demoskop volles Verständnis. Reinen Onlineumfragen traut er jedoch mangels Repräsentativität noch nicht. Hofinger plädiert auch für einen verantwortungsvolleren Umgang der Medien mit Umfragen bzw. der oft recht willkürlichen Interpretation selbiger: „Man sollte bei der Interpretation die Kuh im Dorf lassen und nicht trompeten, dass bei einer Veränderung von einem Prozent eine Partei ‚im Aufwind‘ sei – denn diese Veränderung sagt statistisch genau gar nichts aus.“ Medien sollten sich, rät Hofinger, auch einmal mit dem „Beipackzettel“, den vom Verband der Marktforschungsinstitute herausgegebenen Richtlinien für vor Wahlen veröffentlichte Umfragen, befassen. Ein guter Rat. Wahlen sind das Hochamt der Demokratie. Oder, wie es Christoph Hofinger einmal noch weit emotionaler formuliert hat: „Wahlen sind geil. Sie sind schön und wertvoll.“ 

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eco.porträt

JAGD IN TIROL Zugegeben, die Jagd polarisiert und ist vielfach umstritten. In Bezug auf Safariurlaube samt Großwildjagd mit Abschussgarantie auch völlig zu Recht. Doch nicht jeder Jäger schießt aus Spaß an der Freude, eigentlich tut das kaum einer. Jäger haben Aufgaben. Ganz legitime. Dazu ist die Jagd aber auch Wirtschaftsfaktor.

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„Gleichgültig, ob Berufsjäger, Jagdaufseher oder einfacher Jagdkartenbesitzer: Ohne Ausbildung und Prüfungen ist das Ausüben der Jagd in Tirol nicht möglich.“


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eco.porträt

1.247

JAGDGEBIETE

DAVON CA. 300 AN AUSLÄNDER VERPACHTET

8,4 %

3.126 HIRSCHE

MAL FAND BEREITS DER „TAG DES WILDES“ IN INNSBRUCK STATT. BEI DER HEURIGEN 7. AUSGABE AM 5. OKTOBER WIRD IN DER ALTSTADT WIEDER VIEL KULINARISCHES, ABER AUCH HANDWERKLICHES UND MUSIKALISCHES GEBOTEN.

1.860

WURDEN IN TIROL IN DER SAISON 2017/18 GESCHOSSEN

TIERE

AUS DEM BEREICH ROT- UND REHWILD WURDEN 2017/18 IN TIROL IM STRASSENVERKEHR GETÖTET.

1.200

JÄGERINNEN

JAGDPÄCHTER

1.244.466

DIE JAGDGEBIETE SIND MIT AUSNAHME WENIGER EIGENJAGDBESITZER, DIE DIE JAGD SELBST AUSÜBEN, VON JAGDPÄCHTERN GEPACHTET

HEKTAR JAGDFLÄCHE

16.106

JAGD IN ZAHLEN

MITGLIEDER

TIROLER JAGDPÄCHTER GEBEN JÄHRLICH AUS:

• PACHTSCHILLING: 13 MIO. EURO • LANDESJAGDABGABE: 2,6 MIO. EURO • FÜTTERUNG (GESETZL. VORGESCHRIEBEN): 4 MIO. EURO • WILDSCHADEN & VERHÜTUNG: 850.000 EURO • PERSONALAUFWAND: 6 MIO. EURO

ZÄHLT DER TIROLER JÄGERVERBAND. DIE GESETZLICHE VERPFLICHTUNG DES JAGDSCHUTZES ÜBEN CA. 130 BERUFSJÄGER UND 1.300 JAGDAUFSEHER AUS.

430.000 HEKTAR

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WERDEN IN TIROL FORSTWIRTSCHAFTLICH GENUTZT. MEHR ALS EIN DRITTEL DAVON IST PRIVATWALD, RUND EIN DRITTEL GEMEINSCHAFTSWALD, DER REST STAATSWALD.

Quelle: Tiroler Jägerverband, Statistik Austria


WIRTSCHAF

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wirtschaft & unternehmen BUCHTIPPS

IN BESSERER

GESELLSCHAFT Laura Wiesböck Verlag Kremayr & Scheriau 208 Seiten, EUR 22,00 Menschen sind alle gleich. Theoretisch ja, in Wahrheit sind wir aber alle bestrebt, uns von anderen abzugrenzen – in welcher Form auch immer. (Moralische) Überlegenheit ist eine immerwährende menschliche Sehnsucht. Die Soziologin Laura Wiesböck geht diesem Phänomen auf den Grund. Ohne belehrend zu sein schafft sie es mit Witz und Verve, dem Leser einen Spiegel vorzuhalten, ohne dass man ihr dafür böse ist. Damit gibt sie der Diskussion um „gleich und gleicher“ neue Impulse und einen Anstoß, nicht nur andere zu hinterfragen, sondern auch sich selbst.

Ärmel hoch Wie wir schon in unserer heurigen Top-500-Ausgabe Ende Juni festgestellt haben: Im Großen und Ganzen geht‘s Tirol ziemlich gut und der Lagebericht der Wirtschaftskammer Tirol zum dritten Quartal zeigt eine weiterhin optimistische Grundtendenz. Trotz nachlassender konjunktureller Dynamik bleibt die Arbeitsmarktentwicklung in Tirol positiv, auch die aktuelle Geschäftslage wird von 64 Prozent der Tiroler Leitbetriebe als gut eingeschätzt. Die größten Konjunkturstützen sind aktuell der Handel und die Bauwirtschaft. Im Vergleich zum Sommer 2018 lässt sich allerdings ein deutlicher Rückgang bei der Investitionsneigung feststellen. Aktuell planen nur mehr 18 Prozent der befragten Unternehmen, ihre Investitionstätigkeit in den kommenden sechs Monaten auszuweiten, was auf eine Stimmungsabkühlung hindeuten könnte. Es heißt also Ärmel hochkrempeln, um weiterhin erfolgreich zu sein. Geht es nach Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf, braucht sich Tirol allerdings keine allzu großen Sorgen machen: „Tirol ist ein international gefragter Wirtschaftsstandort“, sagt sie und verweist auf 38 Betriebsansiedlungen und -erweiterungen im vergangenen Jahr. Die Erstinvestitionen der Projektbetreiber beliefen sich auf 20 Millionen Euro.

DAS GANZE LEBEN

IN EINEM TAG Andreas Salcher, ecowin Verlag 376 Seiten, EUR 18,99 Stellen Sie sich Ihr Leben in 24 Stunden vor. Alle wichtigen Themen, die normalerweise über Jahre reifen, werden auf einmal übersichtlich und aus neuer Perspektive erlebbar. Manchmal braucht es nur eine kleine Änderung in der Betrachtungsweise und schon entdecken wir völlig neue Handlungsmöglichkeiten. Generelle Voraussetzung für Selbstreflexion: der eigene innere Antrieb dazu. Andreas Salcher liefert Ansätze für die Zeit nach diesem ersten Schritt.


eco.wirtschaft

© JULIA TÜRTSCHER

eco.mmentar

Marina Bernardi, Chefredaktion

Quid pro quo Es gibt nichts geschenkt: in der Wirtschaft wie im Privaten.

UNTERNEHMEN DER AUSGABE Normalerweise zeigen wir an dieser Stelle ein Unternehmen, das uns im Laufe der Vorarbeiten zu den jeweiligen Ausgaben aufgefallen ist – aus welchen Gründen auch immer. Das ist dieses Mal etwas anders, das Unternehmen gibt es nämlich noch gar nicht, sondern wird erst gesucht. Alle zwei Jahre kürt das Land Tirol die familienfreundlichsten Betriebe. Das hat es 2018 getan und 48 Unternehmen ausgezeichnet, im Feber 2020 ist es wieder so weit. Und eben jene werden jetzt gesucht. Mitmachen können private Betriebe, Non-Profit-Organisationen und öffentlich-rechtliche Institutionen. Ziel des Landeswettbewerbs ist es, Betriebe zu familienfreundlichen Maßnahmen wie Betriebskindergärten oder flexiblen Arbeitszeiten zu motivieren Die Einreichfrist läuft bis zum 30. September 2019. Infos gibt‘s unter tirol.gv.at (Themen / Gesellschaft & Soziales) oder www.familienfreundlichsterbetrieb. at. Die Sieger des Landeswettbewerbs qualifizieren sich automatisch für den österreichischen Staatspreis „Familie und Beruf“, der ebenso alle zwei Jahre vom Bund verliehen wird.

Was nichts kostet, ist nichts wert. Es ist ein alltäglicher Satz, der mich aber dennoch einigermaßen verwirrt zurücklässt (auch wenn Kollege Kröll ihn in der Titelgeschichte als Headline verwendet), in einer Zeit, in der man immer öfter versucht, das ultimative Schnäppchen zu machen. Wenn wir aber mit dieser Vorstellung einkaufen, dann bleibt eigentlich nur das Billige. Wenn schon das Durchschnittliche zum Luxus wird, stimmt das Gleichgewicht nicht mehr. Man mag von Religion nichts halten, dass aber Geiz eine der Todsünden ist, hat schon seinen Sinn. Geiz ist der natürliche Feind der Qualität und irgendwie so gar nicht geil. Mein Verständnis von Erotik jedenfalls ist ein anderes. Sei‘s drum: Diese Entwicklung tut nicht gut, weil die Wirtschaft vom Geben und Nehmen lebt und weil es ein Bild zeichnet, das in eine falsche Richtung geht. Geht es sowieso immer noch billiger, fühlt man sich per se über den Tisch gezogen, wenn man den Normalpreis bezahlt und damit vermeintlich nur die Gier der anderen befriedigt (statt der eigenen Begierde). Uns mögen zwar nicht unbedingt die Werte an sich abhandengekommen sein, vielfach aber die Wertigkeit. Nein, es gibt nichts geschenkt. So generell im Leben. Außer Elternliebe ist vermutlich nichts bedingungslos. Letztlich kann das natürliche Gleichgewicht aber nur bestehen, wenn man sich mit Respekt und Anstand begegnet, nicht nur nimmt, sondern auch gibt. Das Leben beruht auf Gegenseitigkeit und Gerechtigkeit hat ihren Preis. Der muss übrigens nicht immer monetärer Natur sein. Anregungen und Kommentare bitte an bernardi@econova.at

STEINBACHER DÄMMSTOFFE: WEITERDENKER GESUCHT! Beim Tiroler Dämmstoff-Spezialisten Steinbacher werden passend zur Philosophie „Dämmt besser. Denkt weiter“ stets energiegeladene Weiterdenker gesucht, die die Zukunft des Familienunternehmens mitgestalten wollen. Steinbacher lebt soziale Verantwortung, honoriert gute Leistungen und fördert eigene Ideen. Und auch mit den Lehrstellen in zukunftsorientierten Berufsfeldern hat man verdämmt gute Aussichten! www.steinbacher.at

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© KUNSTFOTOGRAFIN

eco.mmentar

Wert[er]haltung Messwerte. Sachwerte. Richtwerte. Höchstwerte. Tiefstwerte. Abgaswerte. Verbrauchswerte. Temperaturwerte. Kurswerte. Der Begriff Werte ist mit den unterschiedlichsten Bedeutungen in Gebrauch. Den Grundsatz „alles was messbar ist, messbar machen“ haben wir verinnerlicht und leben ihn täglich. Was aber ist mit jenen Werten passiert, die nicht messbar sind?

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n quantitativer Hinsicht haben wir es bis jetzt meisterhaft geschafft, Werte als Orientierungshilfe zu benutzen. Kein neues Produkt wird ohne Nennung von Werten auf den Markt gebracht. Kein Internetportal ohne Kundenbewertungen. Selbst auf Speisekarten finden sich Kennzeichen, um die Verträglichkeit der angebotenen Gerichte besser einzuordnen. Diese Richtwerte geben Auskunft, ob etwas eher gut oder eher schlecht für uns ist. Eine Hilfestellung, um uns im Dschungel an Informationen rascher und sicher zurechtzufinden. Mit Statistiken haben wir eine wunderbare Möglichkeit, um zu vergleichen. Wir können damit gegenüberstellen, welche Kriterien unter bestimmten Umständen unterschiedlich stark ausgeprägt sind, objektiv beurteilen, uns eine Meinung dazu bilden und Entscheidungen treffen.

VON ALEXANDER M. SCHMID

QUALITÄT. PREIS. WERT.

Dinge, die wir zum Leben benötigen, beurteilen wir gerne nach deren Wertigkeit. In vielen Lebensbereichen verwenden wir, meist aus Bequemlichkeit, Wegwerfprodukte. In manchen kümmern wir uns zumindest um das Recycling oder das Upcycling. In noch [zu] wenigen Bereichen hält eine nachhaltige, oftmalige und langfristige Nutzung Einzug. Das großelterliche „Das ist ja noch gut“ feiert, diesmal aus anderen Gründen, eine Renaissance in unserem Verhalten. Es bekommt eine höhere Bedeutung, weil es uns wichtiger ist. Eine weitere Ausdrucksform dieser Bedeutung ist der Preis. Der Preis einer Ware setzt sich stark vereinfacht aus den Kosten der Herstellung und einem Gewinnaufschlag zusammen. Den Wert bestimmen wir als Konsumenten für uns höchst individuell. Ist uns ein Cappuccino um 6,50 Euro in der Innsbrucker Innenstadt zu teuer, mag das bei einem romantischen Rendezvous am Markusplatz in Venedig ganz anders sein.

GELERNTE WERTVORSTELLUNGEN Wir lernen von unseren Eltern und anderen Bezugspersonen Verhaltensmuster für die verschiedensten Lebenssituationen. Im Kindergarten und der Schule wird auf diesem Fundament aufgebaut. Was wir dort lernen, ist wiederum die Basis für unser Verhalten in der Arbeitswelt. All das, was Sie und ich wertschätzen, setzt sich in unserem näheren und später weiteren Umfeld fort. Ob wir es wollen oder nicht. Ändern wir unser Verhalten, ändert sich auch das Verhalten anderer. Jeder Einzelne hat eine Vorbildwirkung, die unser gesellschaftliches Miteinander beeinflusst. Ihre und meine Verhaltensmuster wirken als Leitlinie, an der wir uns gegenseitig orientieren. Meistens jedenfalls.

GESELLSCHAFTSWERTE

Eine Welt ohne gemeinsame Werte ist schwer vorstellbar. In einer Zeit, in der wir uns technologisch so rasant weiterentwickeln, braucht es eine konsensuale Orientierung für unser Menschsein, einen Wertekompass. Die Kompassnadel allerdings ist in Bewegung. Der technologische Fortschritt wirkt sich auf unsere Gesellschaft aus und induziert einen stetigen Wertediskurs. Beispielsweise haben wir Algorithmen entwickelt, ohne uns zuvor ausreichend darüber Gedanken zu machen, wofür wir diese überhaupt einsetzen wollen und auf welcher Entscheidungsbasis diese arbeiten sollen. Noch lassen sich diese und viele andere Wertediskussionen führen. Die Entscheidungen treffen wir selbst und die notwendigen Verhaltensänderungen sind ein vergleichsweise kleiner Preis für den persönlichen und gesellschaftlichen Mehrwert, ein wertvoller Mensch zu sein. 

ZUR PERSON

Alexander M. Schmid – Der Vereinfacher – beschäftigt sich seit über vier Jahren mit Vereinfachung in Unter­ nehmen, hat darüber ein Buch verfasst und erarbeitet mit Unternehmen Strategien, die sie am Markt einfach einzigartig positionieren. www.dervereinfacher.at


sparkasse.at/wirtschaftsdialog

MOBILITÄT ANDERS DENKEN. IMPULSE FÜR TIROLER UNTERNEHMEN. Wir stehen am Anfang einer Mobilitätswende. Der Wirtschaftsdialog 2019 der Tiroler Sparkassen bringt UnternehmerInnen, DenkerInnen und ExpertInnen zusammen, um mit ihnen die Zukunft der Mobilität zu diskutieren.

Donnerstag, 26.09.2019, 17 Uhr | IVB-Remise, Innsbruck Mobilität der Zukunft erforschen und gestalten

ELISA – erster eHighway Deutschlands

Die Individualisierung des Flugverkehrs

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Markus Mailer – Universität Innsbruck, Institut für Infrastruktur – gibt Ein- und Ausblicke, wie die Forschung die Mobilität neu entdeckt.

ELISA steht für „Elektrifizierter, innovativer Schwerverkehr auf Autobahnen“. Dieses hochinnovative Projekt des Bundeslands Hessen und des deutschen Staats erprobt seit Mai 2019 Oberleitungs-LKWs auf einer zehn Kilometer langen Teststrecke. Hier werden die ersten Erfahrungswerte präsentiert.

FACC mit Sitz in Ried im Innkreis hob 2019 mit dem Prototyp eines Lufttaxis ab. Die Firma arbeitet eng mit dem chinesischen Technologieunternehmen EHang mit Sitz in Guangzhou zusammen. Welche Möglichkeiten und Einsatzgebiete sich für den Tourismus- und Wirtschaftsraum Tirol bieten, zeigt dieser Vortrag.

10 ExpertInnen diskutieren vor 500 geladenen Gästen.

Was zählt, sind die Menschen.


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eco.titel

„WERTE SIND ALSO NICHTS ANDERES ALS EINE HOCHMOBILE GESICHTSPUNKTMENGE. 17

SIE GLEICHEN NICHT, WIE EINST DIE IDEEN, DEN FIXSTERNEN, SONDERN EHER BALLONS, DEREN HÜLLEN MAN AUFBEWAHRT, UM SIE BEI GELEGENHEIT AUFZUBLASEN, BESONDERS BEI FESTLICHKEITEN.“ NIKLAS LUHMANN SOZIOLOGE


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WAS NICHTS KOSTET, IST NICHTS WERT Diese Maxime kursiert schon seit dem 18. Jahrhundert und ist zum geflügelten Wort geworden. Ihr liegt die Annahme zugrunde, dass wir Dinge, die nicht oder nur schwer eindeutig bepreist werden können, weniger (wert)schätzen. TEXT: MARIAN KRÖLL


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Die Einheit des Wirtschaftssystems ist das Ermöglichen von Zahlungen durch Zahlungen. Der Preis ist im Gegensatz zum Wert eine objektive, das heißt, eine sowohl für Käufer als auch Verkäufer gleichermaßen gültige Größe, wohingegen der Wert individuell und subjektiv ist. Der Preis bildet sich unter anderem durch den Abgleich der unterschiedlichen Werte, die einem Gut zugebilligt werden. Diese Werte können situationsabhängig grob unterschiedlich sein. Eine Flasche mit Wasser wird einem beim Durchqueren einer Wüste wertvoller erscheinen als beim Wandern in einem Tal, das ringsum von Bächen gesäumt wird. Wert ist im wirtschaftlichen ähnlich wie im philosophischen Sinn eine relative Größe. Der Wert von Gütern ist immer situations- und auch emotionsabhängig. Einen Wert bekommt ein Gut darüber hinaus erst durch jemanden, der es besitzt oder besitzen möchte. Allgemein wird je nach Verwendungszweck eine Unterscheidung zwischen Tausch-, Gebrauchs- und Entscheidungswert getroffen. Dem Tauschwert wird attestiert, objektiver zu sein als der subjektivere Gebrauchswert. Der sogenannte Entscheidungswert fungiert als mathematisch errechnete Entscheidungsgrundlage für potenzielle Käufe und Verkäufe.

SCHUHE UND SCHULEN

W

ert und Preis sind nicht dasselbe, obwohl sie umgangssprachlich häufig synonym verwendet werden. Der Preis drückt einen in Geldeinheiten gemessenen Tauschwert eines Gutes aus und wird in Geldeinheiten pro Mengeneinheit, also beispielsweise Euro pro Stück, dargestellt. Der Wert drückt dagegen die Wichtigkeit eines Gutes aus, die es für die subjektive Bedürfnisbefriedigung hat. Wirtschaftlich wertvoll können nur Güter sein, die der Knappheit unterliegen.

Mit Werten und Preisen hat sich bereits die griechische Philosophie befasst. Schon Aristoteles hat zwischen Gebrauchs- und Tauschwert unterschieden. Bei ihm wurde ein Schuh draus: „Man kann einen Schuh gebrauchen, um ihn zu tragen, aber auch, um ihn zu tauschen, beides sind Gebrauchsmöglichkeiten ein und desselben Schuhs“, erkannte der Philosoph völlig richtig. Arbeit und Kosten wurden im Mittelalter von den Scholastikern Thomas von Aquin und Albertus Magnus als objektiver Wertmaßstab betrachtet, der Gewinn durfte nach der Kirchenlehre die Kosten nicht übersteigen. Die sogenannte klassische Nationalökonomie – den Begriff prägte Karl Marx – löste den Merkantilismus und Physiokratismus ab. Als eines der Hauptwerke dieser Denkschule wird der Wohlstand der Nationen von Adam Smith betrachtet. Weitere bedeutende Vertreter sind David Ricardo, Thomas Malthus und John Stuart Mill. Die

Marktwirtschaft betrachtete man als sich selbst regulierendes System, welches, angetrieben vom Eigennutz des Individuums, zum Wohle aller wirkt. Adam Smiths Metapher von der unsichtbaren Hand des Marktes wird bis heute gerne missverstanden und in Fällen von offensichtlichem Marktversagen mit spöttischem Unterton zitiert. Die Determinanten des Werts eines Guts sehen die klassischen Nationalökonomen in dessen subjektiven Nutzen, der Arbeitszeit, den Herstellkosten oder im Wechselspiel von Angebot und Nachfrage. Adam Smith fiel auf, dass manche Güter einen hohen Gebrauchswert, aber einen niedrigen Tauschwert haben könnten, und illustrierte das anhand der Beispiele Wasser und Diamanten. Den Tauschwert sieht Smith in direkter Korrelation zur eingesetzten Arbeit, die für ihn als wertbestimmend galt. Diese Arbeitswerttheorie entwickelte David Ricardo später weiter. Der französische Ökonom Jean Baptiste Say argumentierte, dass der Tauschwert der Güter mit ihrer Nützlichkeit zusammenhänge. Diese resultiere aus Bodenrente, Arbeitswert und Kapitalprofit. Say führte die heute noch gängige Erklärung ein, dass sich der Preis aus Angebot und Nachfrage ergebe. Ersteres hänge von den Produktionskosten ab, Zweiteres von der Nützlichkeit.

UND DANN KAM MARX

Wohl keine andere Theorie hatte derart weitreichende praktische Auswirkungen wie jene, die Karl Marx in „Das Kapital“, seiner Kritik der politischen Ökonomie, entwickelt hatte. Und die waren bei Weitem nicht nur segensreich, bildete doch der Marxismus das ideologische Fundament des Leninismus und in der Folge des Stalinismus und Maoismus. Diesen totalitären Ideologien und ihren terroristischen Auswüchsen fielen weltweit Millionen Menschen zum Opfer. Die Verantwortung dafür kann man schwerlich dem bereits 1883 verstorbenen Marx umhängen. In seiner Werttheorie geht er davon aus, dass der Wert einer Ware durch die zu ihrer Herstellung erforderliche Arbeitsmenge bestimmt wird. Der Wert seiner Arbeitskraft wird dem Arbeiter durch den Lohn abgegolten. Die Arbeitswerttheorie darf wirtschaftspolitisch als „links“ gelten und steht damit im Gegensatz zur sogenannten Grenznutzenschule, die von Proponenten wie Carl Menger, Eugen Böhm von Bawerk, Joseph Schumpeter und in weiterer Folge von Ludwig von Mises und Friedrich August

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„Geld ist instituierte Selbstreferenz.“ SOZIOLOGE NIKLAS LUHMANN

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von Hayek vertreten wurde. Sie ist Ausgangspunkt und Teil der sogenannten Österreichischen Schule. Die Grenznutzentheorie ist eine subjektive Wertlehre – das heißt, der Wert einer Sache wird als etwas fundamental Subjektives, sich von Individuum zu Individuum Unterscheidendes angenommen –, die Arbeitswerttheorie dagegen eine objektive. Einen Beweis für die „Richtigkeit“ seiner Arbeitswerttheorie wollte und konnte Marx gar nicht erbringen: „Das Geschwätz über die Notwendigkeit, den Wertbegriff zu beweisen, beruht nur auf vollständiger Unwissenheit, sowohl über die Sache, um die es sich handelt, als die Methode der Wissenschaft“, schrieb er. Darum ging es ihm auch gar nicht, sondern letztlich um eine grundsätzliche Gesellschaftskritik, konkret an der kapitalistischen, deren Gesellschaftlichkeit notwendig über die Kategorie „Wert“ vermittelt wird. Mehrwert, Kapital, Profit und nicht zuletzt die Klassengesellschaft sind für Marx direkte Folgen der kapitalistischen Produktionsweise. Dieser Umgang mit dem „Wert“ führt laut Marx zwingend dazu, dass der Tauschwert sich zum Kapital entwickelt und die den Tauschwert produzierende Arbeit zur Lohnarbeit. Anderes zu erwarten sei, so Marx, ein „ebenso frommer wie dummer Wunsch“. Lohnarbeiter verkaufen ihre Arbeitskraft als Ware. Der Wert der Ware Arbeitskraft wird nach Marx’ Arbeitswert-

lehre von der zu ihrer Erhaltung notwendigen Arbeitszeit bestimmt. Da die Arbeiter länger, also auch unbezahlt arbeiten – sonst werden sie gar nicht erst eingestellt –, entsteht während dieser Mehrarbeitszeit der Mehrwert. Folgt man nun Marx, sei kapitalistisches Wirtschaften auf die Gewinnung von Mehrwert gerichtet. Es ist kompliziert, und die moderne Ökonomie hat es bis heute nicht geschafft, eine überzeugende Synthese zwischen objektiven und subjektiven Werttheorien herzustellen. Vielmehr ist es so, dass einmal diese, einmal jene Strömung in den akademischen Diskursen die Oberhand zu gewinnen scheint. Mit Marx hat man es heutzutage schwer, Marxisten werden allgemein eher belächelt. Ob zu Recht, möge jeder selbst entscheiden. Doch neben dem Match „Arbeitswerttheorie gegen Grenznutzentheorie“ gibt es zum „Wert“ noch andere Überlegungen, die eine Betrachtung wert sind. Eine stammt von einem Soziologen. Ausgerechnet.

DAS GELD ALS KOMMUNIKATIONSMEDIUM

Der Soziologe Niklas Luhmann hielt die Begriffe, die seine Disziplin verwendete, für zu abstrakt, um die Komplexität des wirtschaftlichen Geschehens adäquat fassen zu können. Luhmann legte in seinem Buch „Die Wirtschaft der Gesellschaft“ eine neue

Theorie des Geldes als Kommunikationsmedium vor. Mit Geld lässt sich nämlich eine bestimmte Art kommunikativer Handlungen systematisieren: Zahlungen. Diese seien temporäre, zeitpunktgemäße Ereignisse und ein auf Zahlungen aufgebautes System müsse für immer neue Zahlungen sorgen, sonst würde es aufhören zu existieren. Luhmann bezeichnet die Wirtschaft folglich als „autopoietisches System“, als System, das sich selbst erschafft und erhält. „Geld ist instituierte Selbstreferenz. (...) Die Autopoiesis ist ein selbstreferentielles und eben dadurch endloses Geschehen“, schreibt Luhmann. Geld hat keinen „Eigenwert“, sondern erschöpft seinen Sinn in der Verweisung auf das System, das die Geldverwendung ermöglicht und konditioniert. Stehen Zahlungen als Grundoperationen im Mittelpunkt des Wirtschaftsverständnisses, können alle sonstigen Grundbegriffe der Wirtschaftstheorie – Produktion, Tausch, Verteilung, Kapital, Arbeit – als derivative Sachverhalte behandelt werden. Luhmanns Definition der Differenz von Wert und Preis ist auf den ersten Blick etwas sperrig, aber durchaus aussagekräftig: „Werte repräsentieren im System die gesellschaftliche Relevanz des wirtschaftlichen Geschehens, Preise dagegen die systeminterne Autopoiesis. Denn sobald Zahlungen erbracht werden müssen, sind Preise nötig, die es ermöglichen, Erwartungen in Bezug auf die zu zahlende Summe zu bilden und darüber zu kommunizieren.“ Im autopoietischen System namens Wirtschaft ermöglichen Zahlungen Zahlungen. Dieses System kann sich nicht selbst beenden, weil der Sinn des Geldes im Ausgeben des Geldes liegt. In Bezug auf die Funktion der Wirtschaft argumentiert der Soziologe mit der Knappheit und dem Vorsorgebedürfnis, das entsteht, weil Menschen in der Bestimmung und Befriedigung dessen, was sie als Bedürfnis erfahren, nicht allein und unabhängig voneinander operieren. Jeder müsse langfristig vorsorgen, und dieses Vorsorgen mache alle Güter knapp. Die Wirtschaft ist, mit Luhmann gesprochen, ein sozialer Mechanis-


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„Repeated reflection and inquiry have led me to the some what novel opinion, that value depends entirely upon utility.“ WILLIAM STANLEY JEVONS

mus, der eine zukunftsstabile Vorsorge mit gegenwärtigen Verteilungen verknüpft. Alles Wirtschaften orientiere sich formal gesehen an Knappheit ... oder vielmehr an zwei verschiedenen Knappheiten: Zum einen die weltbedingte Knappheit der Güter und Leistungen, zum anderen die künstliche Knappheit des Geldes. Es sind die Preise, welche die Konditionierung der Beziehungen zwischen diesen beiden Knappheiten leisten. Das Geld selbst muss in dieser Beziehung knapp gehalten werden, auch wenn man weiß, dass es als bloßes Kommunikationssymbol an sich nicht knapp ist. Luhmanns Gedankengebäude hat zwar einen komplexen Grundriss und viele Stockwerke, ist aber sehr grundlegend und plausibel.

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DIE ERMITTLUNG DES WERTS

Das theoretische Wertefundament ist gelegt, kommen wir nun vom Abstrakten zum Konkreteren, von der Theorie zur Praxis. So wie das Kind einen Namen braucht, brauchen Güter, ob beweglich oder unbeweglich, einen Wert, der immer wieder neu ermittelt werden will. Ein Wert ist keine Größe, die sich mathematisch exakt ermitteln lässt. Deshalb kommt der Schätzung hierbei eine wichtige Bedeutung zu. Derzeit befinden wir uns in einer historischen Niedrigzinsphase, in der gerne in sogenanntes Betongold, in Immobilien, investiert wird. Das lässt die Immobilienpreise steigen. Doch wie lässt sich der Markt- bzw. Verkehrswert einer Immobilie bestimmen? Hierzulande ist der Verkehrswert einer Liegenschaft als Preis anzusehen, der bei der Veräußerung einer Sache üblicherweise im redlichen Geschäftsverkehr für sie erzielt werden kann, heißt es im Liegenschaftsbewertungsgesetz. Die besondere Vorliebe und andere ideelle Wertzumessungen einzelner Personen haben bei der Ermittlung des Verkehrswerts außer Betracht zu bleiben. Das ist der sogenannte „Jedermannswert“. Um zum Verkehrswert zu gelangen, gibt es unterschiedliche Wertermittlungsverfahren, darunter das bei gleichartigen Immobilien herangezogene Vergleichswertverfahren und das von Investoren eingesetzte Residualwertverfahren. Der Verkehrswert ist,

ganz gleich welches Verfahren angewendet wurde, immer eine Schätzung des derzeit erzielbaren Marktpreises und deshalb per definitionem keine exakte Wissenschaft. Für die Wertermittlung beweglicher Sachen, seien es Maschinen oder Anlagen im Unternehmenskontext, Hausrat oder Luxusgüter im Privaten, gibt es diverse eigenständige Wertmaßstäbe, darunter Marktwert, Sammlerwert, Substanzwert, Versicherungs- oder Wiederbeschaffungswert. Das ist in etwa so trocken wie es klingt und befeuert doch ganze Wirtschaftszweige, weil die Wertermittlung schlicht und einfach von höchster Relevanz für das Handeln von Wirtschaftssubjekten ist. Ein Zusammenhang zwischen dem Akt des Bewertens und dem danach ausgewiesenen Wert ist hier evident. Dementsprechend sind diese Wertermittlungsverfahren allgemein akzeptiert. Es ist klar, warum sie gebraucht werden.

TRAGISCHE ALLMENDE

Ungleich weniger akzeptiert ist der wirtschaftliche Wert der Natur und dessen Ermittlung. Weder ein einzelner Baum im Wald noch ein Quadratmeter Bachbett, ein Hektar Ozean und erst recht nicht ein Quadratkilo-

meter Himmel tragen ein Preisschild. Und doch sind all diese Dinge zweifellos wertvoll. Doch das macht die Bepreisung nicht einfacher, zumal Natur häufig emotional wahrgenommen wird und die Frage nach dem ökonomischen Wert fern liegt. Moore mögen oberflächlich betrachtet nicht die schönsten Flecken Erde sein, sind aber allein schon deshalb erhaltenswert, weil in ihnen beträchtliche Mengen an Kohlendioxid gebunden sind. Bei Wäldern ist der forstwirtschaftliche Nutzen offenkundiger, doch auch sie „können“ weit mehr. Deshalb ist es fraglich, ob die Abholzung von Wäldern, um auf den brachen Flächen Windparks zu errichten, eine kluge oder gar nachhaltige Idee ist. Wohl kaum. Sicher, es ist nicht besonders romantisch, mittels ökonomischer Methode der Natur ein Preisschild umzuhängen, die Inwertsetzung der natürlichen Ressourcen kann aber hilfreich dabei sein, ein stärker ausgeprägtes Bewusstsein dafür zu entwickeln, was diese natürlichen Ressourcen uns tatsächlich wert sein sollten, und bewusster und sparsamer mit ihnen umzugehen. Hier treffen wir auf ein Problem, das auch als „Tragik der Allmende“ bekannt ist. Das ist die problematische Nutzung natürlicher Ressourcen, über die niemand exklusiv verfügt. Beispielhaft kann hier die Überfischung der Weltmeere oder der Raubbau an den Regenwäldern oder die Verseuchung von Flüssen durch Pestizide und Dünger aus der Landwirtschaft genannt werden. Gemeingüter laden zum hemmungslosen Konsum


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ein. Gibt man den Dingen einen ökonomischen Wert, ein Preisschild gewissermaßen, führt das noch lange nicht und schon gar nicht zwangsläufig zum Ausverkauf der Natur, wie von Umweltschützern kritisiert wird. Die Tragik der Allmende sollte aber nicht als Vorwand für die Privatisierung von Gemeingütern dienen. Obwohl privatisierte Güter, wie man in der Geschichte eindrucksvoll besichtigen kann, fast immer effizienter bewirtschaftet werden als öffentliche oder allgemeine. Ein Allheilmittel für die Allmende-Problematik gibt es nicht, die Inwertsetzung von Allgemeingütern kann dafür sorgen, dass man diese besser zu schätzen weiß und alles halb so tragisch wird. Ein besonders aktuelles und besorgniserregendes Beispiel ist der Amazonas. Die „Grüne Lunge“ des Planeten brennt wie kaum je zuvor. Das ist kein isoliertes Problem der Brasilianer, sondern geht die Menschheit als Ganzes an. Intakte Ökosysteme erbringen nämlich Leistungen, für die ansonsten teils horrend teure und meist unzureichende technische Lösungen erforderlich wären und/oder hohe gesellschaftliche Kosten anfallen. Die Ansicht, dass es neben dem Finanzund Humankapital auch noch ein Umweltkapital gibt, hat sich bis heute noch nicht durchgesetzt. Dabei bedarf auch Letzteres der Pflege und Reinvestition, vor allem vor dem Hintergrund des Bevölkerungswachstums. Schutz und nachhaltige Nutzung von Natur und biologischer Vielfalt lohnen sich, auch ökonomisch gesehen. Das Bewusstsein dafür ist aber unterentwickelt. Schutz und Erhaltung sind billiger als Wiederherstellung und Ersetzung von Naturressourcen. Auch in Tirol musste man in der Vergangenheit schmerzlich erfahren, dass die Begradigung von Wasserläufen und der Verlust von Auenlandschaften, etwa am Inn, einen Preis hat und sich die Natur bei Hochwässern zurückholt, was ihr genommen wurde. Positiv betrachtet zahlen sich intakte Ökosysteme gerade in touristischer Hinsicht aus. Was wäre Tirol ohne seine alpinen Landschaften, und zwar nicht nur die Natur-, sondern auch die bewirtschafteten Kulturlandschaften, beispielsweise die Almen. Es ist wohl jedem nachvollziehbar, dass diese Landschaften zwar nicht alle einen exakten Preis haben, aber sehr wohl von Wert sind. Für die ökonomische Bewertung von Ökosystemleistungen stehen unterschiedliche Methoden zur Verfügung, etwa die Marktpreismethode, Produktionskostenmethode, die Bewertung von Schadenskosten, Vermeidungskosten, Alternativkosten und Wiederherstellungskosten, die Immobilienpreismethode, die Reisekostenmethode, die Zahlungsbereitschaftsanalyse und der Nutzentransfer. Halten wir fest: Wert und Preis sind nicht dasselbe, Geld ist wesentlich (auch) ein Kommunikationsmedium und ohne Werte gibt es kein Wirtschaften. Wert und Preis hat schon die alten Griechen beschäftigt und rein gar nichts deutet darauf hin, dass sich das in Zukunft ändern wird. Es spricht sogar einiges dafür, dass man auch bislang sträflich Vernachlässigtes inwertsetzen sollte, und zwar das Umweltkapital. Es geht dabei nicht um die Ökonomisierung der letzten Lebensbereiche, sondern um die Schaffung eines Bewusstseins für den Wert der Natur und Umwelt, in der Gewissheit: „Was nichts kostet, ist nichts wert.“

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Peter Kranewitter (re.) mit Hypo-Firmenkundenbetreuer Karl Stigger

Bereit für die digitale Zukunft Auf dem besten Weg, das erste voll integrierte und unabhängige Medienunternehmen Europas zu werden, zeigt sich die Koch Media Gruppe aus dem Außerfern mit ihren vier spannenden Unternehmensbereichen für die digitale Zukunft bestens aufgestellt. Das über die Jahre sehr erfolgreiche Geschäftsmodell von Koch Media beruht auf mehreren Säulen. Neben der Entwicklung und Vermarktung von Deep-Silver-Games-Produkten, die übrigens in drei der fünf eigenen Programmierstudios in Amerika, Großbritannien, Deutschland, Italien und Tschechien entwickelt werden, hat sich die Koch Media Gruppe auch im Local Publishing mit internationalen Partnern wie Square Enix oder Codemasters weltweit einen Namen gemacht. Diese Diversifizierung über verschiedene Geschäftsfelder sorgt für langfristige Beständigkeit und macht die Koch Media Gruppe so zum führenden europäischen Publisher und Distributor von digitalen Medienprodukten in Europa. 1994 gegründet, erwirtschaftete das in zwölf Ländern agierende Medienunternehmen zuletzt einen Umsatz von rund 400 Millionen Euro pro Jahr. 2018 wurde die Gruppe von der börsennotierten THQ Nordic AB zu 100 Prozent übernommen. Der Standort Höfen fungiert seither als Headquarter in den Bereichen Finanz und Logistik für die gesamte Unternehmensgruppe und beschäftigt 150 der weltweit 1.350 Mitarbeiter. Seit der Gründung vor 25 Jahren hat sich die Koch Media Gruppe aufgrund ihrer klaren Unternehmensstrategie und durch ein gesundes Wachstum mit Unternehmenszukäufen zu einer verlässlichen und bonitätsstarken Unternehmensgruppe entwickelt. Internationale Geschäftstätigkeiten bedürfen auch verlässlicher und langfristiger Bankverbindungen. „Die Zusammenarbeit mit Karl Stigger und der Hypo Tirol Bank ist durch gegenseitiges Vertrauen geprägt. Speziell die Flexibilität, langfristige Kooperation, kurzfristige Verfügbarkeit und lokale Betreuung in Tirol schätzen wir sehr. Die Unterstützung seit vielen Jahren empfinden wir als sehr positiv und bedanken uns für das entgegengebrachte Vertrauen“, schätzt Peter Kranewitter, Head of Treasury bei Koch Media, die Kooperation mit der Hypo Tirol Bank sehr. PR

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„Eine Gesellschaft, die über Werte diskutieren darf, ist ja prinzipiell etwas Fortschrittliches. Es hat ernste Konsequenzen, wenn dieser Diskurs nicht geführt wird oder gar nicht erst geführt werden darf.“ ANNE SIEGETSLEITNER


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DER WERT DER WERTE Über Werte wurde schon geredet, als es dieses Wort noch gar nicht gab. Sie sind grundlegend für unsere Entscheidungsfähigkeit und teils gesellschaftlich vorgegeben. Dennoch wollen Werte auch individuell erarbeitet werden. Wertbindungen sind intensiv und können uns sogar dazu veranlassen, über uns hinauszuwachsen. Wir brauchen Werte, weil sie an sich nichts sind, aber alles Mögliche sein können. TEXT: MARIAN KRÖLL

A

DER MENSCH IST DAS TIER, DAS WERTET.

llenthalben wird heutzutage über Werte geredet. Meist wird wolkig und abstrakt davon gesprochen, zur Herstellung von Identität oder aber zur Herausstellung von Differenz. Wertegemeinschaft nennt man das dann, nicht selten ist das „westlich“ oder „europäisch“ vorangestellt. Was wir damit meinen? Möglicherweise den Ort, wo im Spätmittelalter Renaissance stattgefunden und der Humanismus Platz gegriffen hat und in der frühen Neuzeit Reformation und Aufklärung, sodann Säkularisierung und die Emanzipation des Menschen. Ein ideelles Erbe, für das keiner der Erben etwas kann, aber auf das man durchaus stolz sein kann. Es hätte auch anders kommen können.

VON WERTEN UND IDEOLOGIEN

Werte sind freilich nichts, was der sogenannte Westen exklusiv für sich reklamieren könnte. „Die Vorstellung von Werten, also einen Wertbegriff, gab es sicherlich in allen Kulturen, auch wenn das nicht unbedingt mit dem Wort ‚Wert‘ ausgedrückt wurde“, sagt Philosophin Anne Siegetsleitner von der Universität Innsbruck. Werte gab es avant la lettre – bevor es das passende Wort dafür gab. Werte sind gut und wichtig, sie geben Halt und Orientierung. Problematisch wird es, wenn Werteordnungen Anspruch auf alleinige Wahrheit geltend machen wollen. Dann erstarrt das Wertesystem zur Ideologie. „Was wir heute unter Werten verstehen, ist so alt wie die Menschheit. Die Frage ist, ob wir das immer als Werte bezeichnet haben. In der griechischen Antike, etwa bei Aristoteles, stand der Begriff des Werts noch nicht im Mittelpunkt. Es war mehr die Rede von Zwecken, von Gü-

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„Werte sind insofern sinnstiftend, als dass sich ein Leben in Übereinstimmung mit den eigenen Werten gut und richtig anfühlt.“

© MARIAN KRÖLL

ANNE SIEGETSLEITNER

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tern, der Frage, wonach wir streben. Diese Überlegungen lassen sich heute aber sehr wohl mit dem Wort Werte übersetzen. Geht es um Verhaltensweisen, war von Tugenden die Rede. Die hängen eng damit zusammen, was wir heute unter Wert verstehen, wurden sprachlich aber noch anders ausgedrückt. Religionen, etwa die christliche, haben ideale Lebensverläufe als Vorbild hingestellt, die Orientierung geben sollten. Es wird zwar nicht explizit von Werten gesprochen, die Funktion ist aber dieselbe“, erläutert Siegetsleitner. Werte seien so grundlegend, dass wir eigentlich keine Entscheidungen treffen könnten, wenn wir keine haben. Die Philosophin bejaht die Frage, ob wir denn als Gesellschaft und Individuen Werte brauchten: „Ja. Werte geben uns Orientierung. Ob sie vorgegeben oder selbst gewählt sind, ist eine andere Frage. Wir könnten nichts entscheiden, wenn wir nicht irgendeinen Orientierungsmaßstab hätten. Das gilt für das Zusammenleben und das individuelle Leben.“ Werte sind also gewissermaßen ein Kompass, der uns leitet. „Werte sind immer dort, wo nicht alles gleich gültig ist. Werte gehören zur menschlichen Lebensform“, präzisiert die Philosophin, die Werte auch als „handlungsleitende Richtziele“ und ganz allgemein als „akzeptierte Vorstellungen davon, was wünschenswert, erstrebenswert oder an-

erkennenswert ist“, beschreibt. Doch wie kamen die Werte eigentlich zur Sprache? „Das Reden von Wert, Value, Valeur hat im Zusammenhang mit der Nationalökonomie im 19. Jahrhundert eingesetzt. Damals kamen die Werttheorien und die Wertphilosophie auf. Eine der ganz wichtigen Fragen zu dieser Zeit war jene, wie unabhängig Werte von menschlichen Werten sind. Moralische Werte sollten der Verfügbarkeit durch die Menschen entzogen werden, damit man ihre Verbindlichkeit leichter rechtfertigen kann“, erklärt Siegetsleitner.

VON WERTEN ERGRIFFEN

Hans Joas, ein deutscher Soziologe und Sozialphilosoph, geht davon aus, dass Wertbindungen nicht absichtlich erzeugbar seien, sondern im Gegenteil ein passivisches Moment enthielten. Joas spricht von der Erfahrung des „Ergriffenseins“. Erleben wir etwas als Wertbindung, würden wir kein Gefühl der Unfreiheit erleben, sondern ein Gefühl des „Bei-sich-Seins“. So wie Reformator Martin Luther dereinst gesagt haben soll: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.“ Er konnte nicht anders, weil er sich an gewisse Werte gebunden gefühlt haben dürfte. Und zwar deshalb, weil ein Handeln gegen diese Werte sein Selbstbild in Gefahr gebracht hätte. Derartige Wertbindungen sind intensiv. Sie geben uns das Gefühl, ganz besonders

identisch mit uns zu sein. Man könnte auch sagen, im Einklang mit uns selbst. So wie Preis und Wert nicht dasselbe sind, sind auch Normen und Werte verschiedene Dinge. Und das, obwohl sie wie ersteres Begriffspaar oft synonym gebraucht werden. „Werte sind attraktiv, Normen sind restriktiv“, unterscheidet Joas. Rechtliche Normen schränkten die Handlungsmöglichkeiten von Menschen ein, Werte seien dagegen konstitutiv und würden jemanden erst dazu veranlassen, bestimmte Dinge zu tun und über das bisherige Ich hinauszuwachsen, argumentiert er. Damit billigt er den Werten eine ebenso wichtige wie positive Funktion zu. Werte sind auch nicht dasselbe wie Wünsche, sondern kollidieren sogar manchmal mit ihnen. „Ein Wert ist kein faktischer Wunsch, sondern ein Wert ist eine Vorstellung über das, was des Wünschens wert ist“, formuliert der Philosoph. Und: „Werte sind Vorstellungen über das Wünschenswerte, die nicht emotional neutral, sondern stark emotional besetzt sind.“ Joas glaubt darüber hinaus nicht, dass es irgendwo ein „Reich der Werte“ gebe, in dem Werte für sich selbst genommen, losgelöst von den Menschen, gleichsam in einem Vakuum, existieren. Werte könne es nur geben, wenn Menschen sich an sie gebunden fühlten oder diese zumindest in irgendwelchen kulturellen Zeugnissen und Schriften niedergelegt seien. „Ich behaupte, Werte entstehen in Erfahrungen der Selbstbildung und Selbsttranszendenz“, so der Sozialphilosoph apodiktisch. Wir kommen nicht mit einem reflexiven Selbst zur Welt, sondern erwerben dieses reflexive Ich-Verständnis hauptsächlich im Kontakt mit emotional stark besetzten Menschen unserer Kindheit. Das sind meist die Eltern oder nahe Verwandte. „Werte entstehen deshalb im Prozess der Selbstbildung in uns, weil wir in ein und demselben Akt, in dem wir uns gewissermaßen mit für uns wichtigen Personen identifizieren, uns mit deren Weltsicht und deren Werten identifi-


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zieren“, bemerkt Joas. In der Pubertät ändert sich das. Es wird rebelliert und aufbegehrt, was das Zeug hält. „Es findet eine Differenzierung statt zwischen der emotionalen Beziehung zur Person und der Reflexion auf die Wertgehalte, die diese Person entweder explizit vertritt oder durch ihr Verhalten verkörpert“, sagt der Philosoph dazu etwas verklausulierter. Doch selbst die Pubertät lassen die meisten Menschen früher oder später hinter sich und entwickeln sich weiter. Mark Twain soll das in seiner unnachahmlichen Art in etwa so beschrieben haben: „Als ich vierzehn war, war mein Vater so unwissend. Ich konnte den alten Mann kaum in meiner Nähe ertragen. Aber mit einundzwanzig war ich verblüfft, wie viel er in sieben Jahren dazugelernt hatte.“ Was einem primärsozialisatorisch – das heißt in der Erziehung und im Kontakt mit den Bezugspersonen – vermittelt wurde, muss man sich reflexiv nochmals aneignen oder aber sich reflexiv davon distanzieren. Selbsttranszendenz meint den psychologischen Prozess, in dem ein bereits geformtes Selbst die Erfahrung macht, über die Grenzen dieses Selbst hinausgerissen zu werden. Das könnte man auch Ergriffensein nennen. Das reflexive Moment der Werte- und Moralerziehung in modernen Gesellschaften betont auch die Philosophin Hannah Arendt mit ihrer Metapher vom Denken ohne Geländer. Wertevermittlung könne in der Moderne nicht mehr als Werte-Implementierung oder gar Indoktrination verstanden werden, sondern muss in einem reflexiven Prozess zustande kommen. Arendt lehnte feste, absolute Wertordnungen aus gutem Grund ab, aus der Erfahrung heraus, dass „diejenigen, die noch sehr fest an die sogenannten alten Werte glaubten, am ehesten bereit waren, ihre alten Werte gegen eine neue Wertordnung einzutauschen, vorausgesetzt, man gab ihnen eine. Und ich fürchte mich davor, weil ich glaube, dass in dem Moment, in dem sie jemandem eine neue Wertordnung – oder jenes berühmte ‚Geländer‘ – geben, dieses sofort ausgetauscht werden kann. Das einzige nämlich, an das sich der Bursche gewöhnt, ist ein ‚Geländer‘“ zu haben und eine Wertordnung, ganz gleich, welche.“ Arendts Ziel war es, Denkprozesse anzustoßen, die vor der banalen Existenz des Gedankenlosen bewahren und die Menschen zu einem eigenen Urteil befähigen. Philosophiegeschichtlich vermag Hans Joas zu erkennen, dass der Begriff des Guten durch das Reden vom Wert ersetzt worden

sei. Und zwar aus zwingenden Gründen. In der Antike hat es noch die Vorstellung eines Objektiv-Guten gegeben, das unabhängig von den Menschen existiert. Der Begriff des Wertes hat diese Auffassung verdrängt, weil sich damit eine Pluralität von Sichtweisen auf das Gute ausdrücken lässt. Es gibt nicht nur das eine Gute, sondern das Gute kann je nach Sichtweise für jeden etwas anderes sein. Joas beschreibt das so: „Der Begriff des Wertes beinhaltet eine Subjektivierung, allerdings nicht derart, dass man so tut, als hätte niemand mehr eine Vorstellung über das Gute, sondern man gibt nur zu, dass es nicht ein völlig menschenunabhängiges Gutes gibt und dass die anderen, die eine andere Vorstellung haben, nicht nur im Irrtum befindlich sind, sondern dass sie gewissermaßen in nachvollziehbarer Weise eine sie tief bewegende Vorstellung über das Gute haben.“ In dieselbe Kerbe schlägt Anne Siegetsleitner: „Werte sind insofern sinnstiftend, als dass sich ein Leben in Übereinstimmung mit den eigenen Werten gut und richtig anfühlt.“ Werte – es gibt erkenntnismäßige, moralische, ästhetische, ökonomische, politische und religiöse – können zwar in unterschiedlichen Lebensbereichen durchaus unterschiedlich sein, müssen aber letztlich im Individuum zusammenwirken. „Ein gänzlich aufgespaltenes Leben ist unerträglich“, sagt Siegetsleitner. Nachsatz: „Ein sinnvolles Leben ist eines, das in Hinblick auf die eigenen Werte einen positiven Unterschied macht.“

DAS GUTE LEBEN

Joas hat argumentiert, dass Werte etwas Immanentes sind. „Es ist eine alte philosophische Streitfrage, ob Werte unabhängig von

Menschen sind und diese sie nur erkennen müssen oder ob Werte erst durch das Werten geschaffen werden“, sagt Siegetsleitner. Sie vertritt die Auffassung, dass Werte nicht weniger Fiktionen seien als Rechtsnormen oder Geld. Werte seien zudem auch, wenn sie von Menschen erschaffen worden seien, nicht immer beliebig, weil sie Voraussetzungen und Konsequenzen hätten. So gelten gemeinschaftliche Werte für alle in einer Gemeinschaft. Manche sind sogar Bedingungen für Gemeinschaft. Höchstpersönliche Werte müssten dagegen nicht für alle gelten. „In liberalen Gesellschaften ist dieser Bereich sehr groß. Wobei die eingeräumte Freiheit diesen Bereich nicht füllt, sondern nur die Voraussetzungen schafft, dass jede und jeder diesen nach eigenen Vorlieben füllt.“ Der Frage nach den moralischen Werten stellt Siegetsleitner eine andere Frage voran, nämlich jene nach dem guten Leben. Was brauchen wir für ein gutes Leben? „Anerkennung, Liebe, Sicherheit, ausreichend Nahrung, Wärme, Gesundheit und ausreichend finanzielle Güter“, so die Philosophin. Die Werte, die uns bei der Erreichung dieser Ziele helfen, benennt sie wie folgt: „Respekt, Ehrlichkeit, Freiheit, Fairness, Vertrauen, Humor, Treue und Verlässlichkeit.“ Dieser Aufzählung, dieser Grundrezeptur für ein gutes Leben, das zwangsläufig auf Werten basieren muss, ist wohl kaum etwas hinzuzufügen. Heute wird, wie eingangs erwähnt, jedenfalls wieder viel über Werte diskutiert. Die Philosophin hat auch dafür eine schlüssige Erklärung: „Es wird viel über Werte geredet, weil bisherige Werte fragwürdig werden. Wir brauchen eine neue Selbstvergewisserung, auch als gesellschaftliche

Anstelle der Formulierung „Die Ethik ist die allgemeine Untersuchung dessen, was gut ist“ hätte ich sagen können, die Ethik sei die Untersuchung dessen, was Wert hat, bzw. dessen, was wirklich wichtig ist. Oder ich hätte sagen können, in der Ethik gehe es darum, den Sinn des Lebens zu erkunden, zu untersuchen, was das Leben lebenswert macht, oder zu erforschen, welches die rechte Art zu leben ist. WITTGENSTEIN, VORTRAG ÜBER ETHIK, OP. CIT., PP. 10 F.

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Gruppen, und zwar von den privaten Beziehungen über Unternehmen bis hin zu den Grundlagen unseres gemeinsamen Staatswesens.“ Viele Menschen hätten in Zeiten wie diesen den Eindruck, dass Grundpfeiler ins Schwanken geraten würden und Wünschens- und Erstrebenswertes nicht mehr selbstverständlich allgemeine Akzeptanz finde. Siegetsleitner sieht diese Diskussionen rund um Werte aber generell positiv: „Eine Gesellschaft, die über Werte diskutieren darf, ist ja prinzipiell etwas Fortschrittliches. Es hat ernste Konsequenzen, wenn dieser Diskurs nicht geführt wird oder gar nicht erst geführt werden darf.“

WERTE SIND GEMACHT

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Der Wert-Begriff ist der Nationalökonomie entlehnt worden. Doch wie ist es um die Verbindung zwischen moralischen und ökonomischen Werten bestellt? „Es gibt einen Zusammenhang, aber keinen ein für alle Mal festgelegten, denn sowohl Moral als auch Ökonomie als Lebensbereiche sind von Menschen geschaffen, werden von ihnen aufrechterhalten und modifiziert“, so Siegetsleitner, die bezüglich der Ökonomie auf mögliche positive wie negative Verbindungen verweist: „Wenn der Zweck von Ökonomie derjenige ist, das menschliche Leben in Hinsicht auf die Bereitstellung von ökonomischen Gütern zu erleichtern und bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen, dann besteht in mancherlei Hinsicht eine positive Verbindung. Wenn es im Letzten um Profitmaximierung einzelner ökonomischer Akteure geht und rücksichtsloser Egoismus als Grundausrichtung ökonomischen Handelns gilt, dann besteht eine negative Verbindung.“ Ökonomie hatte, erinnert die Philosophin, als Haushaltslehre oder auch Volkswirtschaftslehre als wesentliche Bestimmung einen Gemeinschaftsbezug. Das scheint in Zeiten eines sich in der Wahrnehmung vieler rasant beschleunigenden Turbokapitalismus mitunter ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Der Zweifel, ob moralische Werte im Gegensatz zu ökonomischen Dinge „an sich“ seien, scheint jedenfalls berechtigt und die Beweislast der Argumente, dass der Wert erst mit dem Individuum und der Gesellschaft entsteht, ist erdrückend. Wertontologen und diverse Anbieter religiöser Deutungsangebote haben es da schwer. Vieles deutet darauf hin, dass Wertschätzungen perspektiven- und personengebunden sind. Luthers „Nicht-anders-Können“ kann auch

anders gedeutet werden, und zwar anthropologisch. Wir sind nun einmal auswählende Lebewesen und wir sind das, was wir sind, wesentlich durch das, was wir wählen. Könnte es nicht auch sein, dass wir aus den unzähligen Bewertungen, die wir alle tagtäglich treffen, Werte konstruieren, um unser notwendiges Bewerten zu legitimieren, ja zu verbrämen? „Bewerten ist keine besonders vornehme Form menschlichen Tuns, unterschieden von minderen Formen bloßen Erkennens, sondern der Normalfall des animalischen, einschließlich hominiden Wirklichkeitszugriffs. Bewerten steht nicht für ein erhöhtes Maß, sondern oft für einen Mangel an Reflexion“, rückt der Philosoph Andreas Urs Sommer die Überhöhung der Werte bzw. des Wertens zurecht. Der Bewertungszwang in all unserem Erkennen verschleiere Erkennen. Ein durchaus spannender Gedanke. Sommer betrachtet ihre fundamentale Leere als charakteristisch für Werte. In sie könne alles Mögliche hineinprojiziert werden. „Werte sind nicht gegeben, Werte sind gemacht“, ist er überzeugt. Diese Aussage ist durchaus anschlussfähig. Wer in unseren geistesgeschichtlichen Sphären von Werten redet, kommt auch um Friedrich Nietzsche kaum herum. Nietzsche sei es gewesen, so Hans Joas, der als Erster gefragt habe, wie Werte denn überhaupt aufgekommen seien. Die Antworten, die der große Denker auf diese seine Ausgangsfrage gefunden hatte,

hält Joas allerdings für „psychologischen und historischen Unsinn“. Nietzsche habe in der von ihm geforderten „Umwertung aller Werte“ das höchste Glücks- und Freiheitsversprechen gefunden, folgert dagegen Sommer: „nämlich das Versprechen, über sich selbst, seine eigene Welt und damit seine eigenen Werte Herr zu sein“. Das ist nur auf den ersten Blick ein wünschenswerter Zustand, denn eine Gesellschaft ist nun einmal auf ein gemeinsames Wertefundament angewiesen. Aber das dürfte Nietzsche in seinem Nihilismus, der sich selbst als der „Philosoph mit dem Hammer“ betrachtet hatte, nicht weiter bekümmert haben. Es gibt ein berechtigtes Interesse daran, dass in unserer Gesellschaft niemand „jenseits von Gut und Böse“ agieren kann, also völlig außerhalb von traditionellen Werten. Werte sind nicht starr, sie sind wandelbar, anpassungsfähig, flexibel in Begriff, Gebrauch und Geltung. Das macht sie potenziell wirkmächtiger als Grundsätze, Pflichten und Prinzipien. „Wir brauchen Werte, weil sie an sich nichts sind, uns jedoch alles Mögliche sein können. Werte sind nicht gegeben. Werte sind gemacht. Von uns, für uns.“ Gäbe es keine Werte, müsste man sie erfinden. Werte sind teils vorgegeben, teils im Wandel. Und dennoch sollte, nein muss sich jeder Einzelne sein Wertegerüst reflexiv erarbeiten. Das mag zwar mühsam sein, aber wertvoll ist es allemal.


COLE INTERNATIONAL SCHOOLS

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INTERNATIONALITÄT LERNEN

Schreibübungen in der Kindergruppe

Mit viel Freude und frischem Elan starten die COLE International Schools in Innsbruck ins neue Schuljahr.

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ie COLE International Schools – eine unabhängige, internationale Privatschule für Drei- bis Zehnjährige mit einer englischen Kindergruppe / Preschool und einer bilingualen Grundschule mit Öffentlichkeitsrecht / Primary School –

Informatik in der Grundschule

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erfreuen sich beständiger Beliebtheit und wachsen stetig. Mit großem Eifer lernen die Kinder von Beginn an die Weltsprache Englisch und beschäftigen sich mit dem zunehmend wichtig werdenden globalen Umfeld. Ein internationales Lehrpersonal bemüht sich mit großem Engagement um die akademische Orientierung der Lehrpläne in Englisch und Deutsch sowie die Vermittlung kindgerechter Lerninhalte. Die Schulen sind von der Bildungsdirektion Tirol anerkannt und pflegen partnerschaftliche Beziehungen mit der renommierten Privatschule Brighton College in England. In den COLE International Schools werden Kinder ab drei Jahren unabhängig von

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TIROLER VERSICHERUNG

DER WERT DER WURZELN Ist Tradition an sich ein Wert? Ja, sagt Dr. Walter Schieferer, Vorstandsvorsitzender der TIROLER VERSICHERUNG – weil Tradition viel mehr impliziert, als nur lange am Markt zu sein. Tradition steht für Verlässlichkeit, Kontinuität und die Fähigkeit, sich laufend und flexibel an die Bedürfnisse der Kund*innen und des Marktes anzupassen.

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ie Geschichte der TIROLER VERSICHERUNG beginnt 1821 mit der kaiserlichen Genehmigung zur Gründung einer „tirolisch-vorarlbergischen Landes-Brandschadenassekuranz“ als ein Privat-Verein, unter Leitung der Stände von Tirol. Ein Unternehmen, das seit fast 200 Jahren in einer derart umkämpften Branche tätig ist, hat offensichtlich vieles richtig gemacht. Auch, dass das Vorstandsduo Dr. Walter Schieferer und Mag. Franz Mair seit fast 20 Jahren gemeinsam an der Spitze steht, spricht für die Kontinuität des Unternehmens. Tradition, Sicherheit und Verlässlichkeit sind Werte, die gerade für ein Versicherungsunternehmen unerlässlich sind. „Wir sind seit fast 200 Jahren nachhaltig werterhaltend in unserem Kernmarkt Tirol und Osttirol und seit etwas über zehn Jahren auch wieder in Südtirol und Trentino tätig“, erklärt TIROLER-Vorstand Dr. Walter Schieferer. „Doch die TIROLER ist viel mehr als ‚nur‘ Versicherung. Die Organisation als ‚Verein auf Gegenseitigkeit‘ schafft ideale Voraussetzungen, für unsere Kund*innen die bestmögliche Dienstleistung zu erbringen und für unsere Mitarbeiter*innen ein Top-Arbeitgeber zu sein.“

ECO.NOVA: Der Wertebegriff lässt sich über verschiedene Zugänge erörtern. Unabhängig von monetären Unternehmenswerten: Wofür möchte die TIROLER VERSICHERUNG in ihrer Innen- und Außenwirkung stehen? WALTER SCHIEFERER: Für uns ist nachhaltiges Agieren ein ganz besonderer Wert und auch wenn es abgedroschen klingen mag: Das Wertvollste sind unsere Mitarbeiter*innen. Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen und „verkaufen“ eine nicht greifbare „Sache“, nämlich ein

Leistungsversprechen. Wie wir dieses Versprechen einlösen, zeigt sich erst im Schadensfall, dessen Bearbeitung von der Kompetenz und Empathie jedes einzelnen Mitarbeiters/jeder einzelnen Mitarbeiterin abhängt. Die Unternehmenskultur gibt Mitarbeiter*innen ein (Werte-)Gerüst vor, innerhalb dessen sie sich frei bewegen können. Die Arbeitswelt und auch die Gesellschaft verändert sich, ändert sich damit auch die Kultur im Unternehmen? Ich bin überzeugt, dass das der Fall ist. Mit einer Änderung der Kultur geht zwangsläufig eine Änderung von Wertehaltungen und -definitionen einher.

„Die TIROLER ist seit fast 200 Jahren nachhaltig werterhaltend in und für die Europaregion Tirol tätig.“ WALTER SCHIEFERER

Wichtig ist, dass die Mitarbeiter*innen aktiv mit eingebunden werden. Natürlich definiert man als Unternehmen seine Werte und wofür man stehen will, auf der anderen Seite sollen sich die Mitarbeiter*innen damit identifizieren können und das funktioniert nur, wenn man sie in den Prozess mit einbindet. Eine verordnete Kulturänderung ist zum Scheitern verurteilt.

Die Fluktuation in Ihrem Haus ist gering. Was machen Sie anders als andere?

Wir beweisen unseren Mitarbeiter*innen auf unterschiedlichste Art und Weise, dass sie uns wichtig sind. Wir sind seit 200 Jahren ein wertvoller Arbeitgeber und haben vom Jahr 2000 bis heute den Mitarbeiter*innenstand von etwa 200 auf über 300 erhöht. Damit einher geht nicht nur die Steigerung des internen und externen Unternehmenswertes, sondern es zeigt auch, dass wir unsere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrnehmen. Sehr früh haben wir erkannt, dass in der Arbeitswelt mehr zählt als nur eine faire Entlohnung. Wir möchten, dass unsere Mitarbeiter*innen gerne zur Arbeit kommen, und müssen als Arbeitgeber ein entsprechendes Klima dafür schaffen. Deshalb investieren wir viel in Richtung Work-Life-Balance und haben so unter anderem ein vorbildliches betriebliches Gesundheitsmanagement implementiert. Den Job fürs Leben gibt es heute wahrscheinlich nicht mehr. Die junge Generation wechselt ihre Arbeitsstelle im Schnitt alle fünf bis sechs Jahre. Darauf müssen Unternehmen reagieren und sich anpassen. Mittlerweile suchen auch Studienabgänger oder HAK-Absolventen mitunter keinen Fulltimejob mehr. Sie arbeiten, um sich ihre Freizeitaktivitäten zu finanzieren. Das bedeutet nicht, dass sie nicht genauso engagiert sind – aber Arbeit hat für sie eben einen anderen Stellenwert. Das erfordert ein Umdenken und eine neue Offenheit, Mitarbeiter*innen im Einklang mit den Erfordernissen des Unternehmens mehr Freiheiten zu geben. Wir bieten deshalb die verschiedensten Arbeitszeitmodelle an, außerdem informieren wir unsere Mitarbeiter*innen sehr umfassend über das Unternehmen. Jede/r neu eintretende Mitarbeiter*in – egal, in welchem Bereich er/sie schlussendlich tätig sein möchte – durchläuft ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG / FOTO: © ANDREAS FRIEDLE


eine Grundschulung, lernt die TIROLER kennen, die Abteilungen, die Kolleg*innen, die Produktpalette. Das schafft ein hohes Maß an Zufriedenheit und bindet letztlich auch ans Unternehmen, weil man weiß, wofür und wozu man seinen Beitrag leistet. Bei uns liegt die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit bei über 14 Jahren, obwohl wir sehr viele junge Mitarbeiter*innen haben. Ein Zeichen dafür, dass unsere Angebote auch junge Menschen überzeugen. Wie schwer ist es für ein Unternehmen, das über Jahrhunderte gewachsen ist, mit diesen neuen Entwicklungen mitzugehen? Die Frage stellt sich so für uns nicht. Wir merken, dass wir in vielerlei Hinsicht Vorreiter sind und viel moderner agieren als „jüngere“ Unternehmen. Wir pflegen eine sehr flache Hierarchie, wobei es natürlich immer von der jeweiligen Führungskraft abhängt, in welchem Ausmaß sie die vom Vorstand ermöglichten Freiräume auch wirklich an die Mitarbeiter*innen weitergibt. Aber von der Unternehmensleitung her gibt es ganz klare Ansagen: Wir brauchen jetzt und in Zukunft noch viel mehr mutige Menschen, die gerne und mit viel Empathie Verantwortung übernehmen. Unser Schulsystem produziert leider sehr angepasste und stromlinienförmige Typen und hat vergessen, dass Führungsqualität Ecken und Kanten voraussetzt. Echte, mutige, gestaltungswillige, kämpferische und durchsetzungsstarke Führungskräfte werden daher zunehmend Mangelware. Wir suchen diese „Typen“ – bei uns finden sie auch die Freiräume, die sie brauchen.

Die TIROLER VERSICHERUNG ist nach wie vor als Verein auf Gegenseitigkeit strukturiert. Warum? Auch das hat mit Werten zu tun. In unserer Branche gibt es nur zwei Gesellschaftsformen: den Verein auf Gegenseitigkeit, also eine genossenschaftliche Organisation, oder die Aktiengesellschaft. AGs gründet man in der Regel dann, wenn Kapitalbedarf besteht. Man kommt zwar ziemlich schnell zu Geld, gerät aber auch in eine Abhängigkeit, weil das Ziel ist bzw. sein muss, Aktionär*innen entsprechende Dividenden auszuschütten. In einer Vereinsstruktur sind wir ausschließlich unseren Mitgliedern, also Kund*innen, verpflichtet. Unsere Gewinne stärken die Substanz des Unternehmens. Wenn wir investieren, dann in die Verbesserung der Dienstleistung für unsere Kund*innen. Ist für Sie Tradition an sich ein Wert? Ja, selbstverständlich, und zwar in allen möglichen Facetten und unterschiedlichsten Ausprägungen.

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Narziss blickt in den Teich und verliebt sich in sich selbst. Manch einer erblickt im schönen Jüngling eine Metapher für ein heutiges „Zeitalter des Narzissmus“, das von übermäßiger Selbstbezogenheit geprägt sei.


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OPTIMIERE DEIN SELF Es ist so eine Sache mit der Selbstwertschätzung. Wer zu viel davon hat, lässt sein Umfeld leiden, bei zu wenig davon leidet man selbst. Jedenfalls sollte man den eigenen Selbstwert im Auge behalten und wieder mehr wertschätzen. Das macht nicht nur andere glücklicher, sondern auch das eigene Selbst. TEXT: MARIAN KRÖLL

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napchat, Instagram, Facebook (für die Älteren unter uns) sind maßgeblich geworden. Nicht nur dafür, wie wir von der Außenwelt wahrgenommen werden (wollen), sondern auch für die Selbstwahrnehmung. Wohl nie zuvor in der Menschheitsgeschichte ist die Selbstfindung derart exzessiv bewirtschaftet worden. Das Selbst will aber freilich nicht nur gefunden werden, sondern auch optimiert. Und zwar auf der physischen wie auf der psychischen Ebene. Zu einem reinen Hautbild passt nun einmal perfekt eine unvernarbte Seele. Und so muss folglich nicht nur der Körper ins Fitnessstudio, sondern auch die Seele. Entsprechend schießen Achtsamkeitsratgeber in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden. Unzählige Techniken sind mittlerweile erlernbar und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis es Achtsamkeit auf Krankenschein gibt.

BAUSTEINE DES SELBST

Es ist keineswegs selbstverständlich, dass der Selbstwert sich in gesundem Abstand zu den Polen Narzissmus und Selbstwertdefizit bewegt. Beides ist belastend, Narzissmus eher für das Umfeld des Narzissten, bei der Selbstwertinsuffizienz ist der Leidensdruck für den Betroffenen selbst höher. Narzissmus ist zwar ein ungleich negativer konnotierter Begriff als Selbstwertinsuffizienz, beide Enden des Spektrums wirken sich jedoch gravierend auf die Lebensqualität der Betroffenen aus. In der Psychologie ist der Selbstwert bzw. die Selbstwertschätzung einer der drei Bausteine des Selbst. Der Selbstwert ist die affektive Komponente, der mit dem Selbstkonzept eine kognitive gegenübersteht. Die dritte, sogenannte konative Komponente wird von Selbstwirksamkeitserwartung und Selbstdarstellung gebildet. Der Begriff Selbstwertschätzung erscheint angemessener als Selbstwertgefühl, weil es sich dabei streng genommen nicht um eine Emotion handelt. Ersterer kommt auch der Bedeutung des englischen „self-esteem“ näher. Küchenpsychologisch lässt sich die nicht allzu gewagte These aufstellen, dass andere nur wertschätzen – man kann es auch lieben nennen – kann, wer sich selbst genug wertschätzt.

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I wrote her off for the tenth time today And practiced all the things I would say But she came over I lost my nerve I took her back and made her dessert Now I know I‘m being used That‘s okay because I like the abuse I know she‘s playing with me That‘s okay‚ cause I‘ve got no self-esteem AUS DEM SONG „ SELF ESTEEM“ VON THE OFFSPRING

36 Ob das Selbstwertgefühl ausschließlich Nurture oder auch Nature ist, also angeboren bzw. genetisch veranlagt oder aber ausschließlich anerzogen, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Es gibt in der Wissenschaft aber durchaus einige Hinweise darauf, dass auch genetische Faktoren Einfluss auf die Ausprägung des Selbstwerts haben könnten. Überdies deutet die derzeitige Aktenlage darauf hin, dass Männer allgemein einen höheren Selbstwert als Frauen besitzen. Das Selbstwertgefühl ist wie ein zartes Pflänzchen, das entsprechend bewässert werden muss. Im Laufe des Lebens wächst und gedeiht es, ehe es im Alter von etwa 60 Jahren seinen Höhepunkt erreicht. Danach geht es in der Regel auch mit dem Selbstwertgefühl wieder bergab, ebenso wie nicht selten mit dem sozioökonomischen Status und der Gesundheit.

DIE SELBSTWERTQUELLEN SPRUDELN LASSEN

Der bekannte und viel herumgereichte österreichische Psychiater, Psychotherapeut und Neurologe Reinhard Haller zeichnet in seinem aktuellen Buch „Das Wunder der Wertschätzung“ ein pessimistisches Gesellschaftsbild. Er diagnostiziert ein emotionales Erkalten und zunehmende Egomanie, ein Überhandnehmen der Algorithmen und

Gewinnoptimierung. Wertschätzung habe einen Kurssturz erlitten. Der Toleranz und Solidarität ergehe es nicht viel anders. Als Ursachen sieht Haller die Vorherrschaft von Leistung und Profit sowie die Überbetonung von Individualität. Und tatsächlich, die Individualisierung treibt in unserer Gesellschaft seltsame Blüten und die Fetischisierung des Individualismus mündet – welch Ironie! – darin, dass wir uns alle immer ähnlicher werden.

ERKENNE DEIN SELBST

Wer selbst erfahren will, wie es um den eigenen, impliziten Selbstwert bestellt ist, kann das selbst mittels IAT austesten. Die implizite Selbstwertschätzung ist eine spontane, unbewusste Bewertung der eigenen Person. IATs zu verschiedenen Bereichen wie Sexualität, Gewicht, Rasse, Alter oder Nationalismus finden Sie auf Deutsch etwa auf der Website der Universität von Harvard: implicit.harvard.edu/ implicit/germany oder kürzer unter bit.ly/327U0tn

Welche grotesken Auswüchse die multimedial vermittelte Selbstdarstellung mittlerweile angenommen hat, kann man anhand kreativer Neologismen wie des Selfmords oder Selfiecides – das Zu-Tode-Kommen beim Selfie – besichtigen. Are we not entertained? Doch es ist zu früh, um alle Hoffnung fahren zu lassen. Haller scheint, dass der Wind sich gerade dreht, dass die Sehnsucht nach mehr Wertschätzung wächst. Der Zeitgeist sei gefühlskalt, der Mensch bleibe ein liebes- und lobesbedürftiges Wesen, er „dürstet nach seiner emotionalen Milch“, schreibt Haller. Ein Mangel an Wertschätzung öffnet psychischen Problemen Tür und Tor, darunter einer ganzen Palette neurotischer und psychosomatischer Störungen, aber auch Suchterkrankungen. Haller geht sogar so weit, nicht nur suizidale Tendenzen und Beziehungsdelikte, sondern auch Amok und Terror als Resultat von Wertschätzungsproblemen zu benennen. Kann man machen. Muss man aber nicht. Generell vermutet der Psychologe, dass die (Re-)Kultivierung von Wertschätzung nicht nur dem Individuum, sondern der Gesellschaft als Ganzem zugutekomme. „Ein wertschätzendes Klima ist die Voraussetzung für die Entwicklung und Aufrechterhaltung eines gesunden Selbstwertgefühls. Umgekehrt gilt: Nur wer ein stabiles Selbstwertgefühl hat, ist überhaupt in der Lage, den Wert seiner Umwelt anzuerkennen“, schreibt der Autor. Damit darf die vorhin freihändig aufgestellte These von kundiger Seite wohl als bestätigt gelten. Haller bricht in seinem Buch eine Lanze für die Wertschätzung, „weil sie ein wesentliches emotionales Bedürfnis des Menschen sowie einen hohen Wert der Menschlichkeit darstellt“. Wertschätzung wirkt dabei in beide Richtungen, postuliert Haller. „Achtung und Anerkennung anderer stärkt den eigenen Selbstwert.“ Es gibt also wahrlich weit schlechtere Strategien, um den eigenen Selbstwert zu pflegen und gleichzeitig anderen Gutes zu tun. Man bekommt aber den Eindruck, dass Wertschätzung eine Art Allheilmittel für die Wehwehchen unserer Gesellschaft ist. Und tatsächlich bezeichnet der Psychologe sie als „Wunder“ und appelliert, wertschätzendes Verhalten einfach selbst auszuprobieren. Was können wir dabei schon verlieren? „Verwunderlich ist die Diskrepanz zwischen der großen Sehnsucht nach Wertschätzung und der häufig zu beobachtenden geringen Bereitschaft, anderen Wertschätzung entgegenzubringen“, meint Reinhard Haller, der sich dessen bewusst ist,


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„Ich bin mir immer sehr reich vorgekommen, auch wenn ich kein Geld hatte. Ich glaube, Selbstbewußtsein mit einigem, wenn auch bescheidenem Grunde ist das größte Bankkapital. Sicher das sicherste.“

experten.tipp

Dr. Bertram Bitschnau, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates (CH), Belegarzt der Privatklinik Hochrum

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CARL LUDWIG SCHLEICH

Minimalinvasive Verfahren beschleunigen die Rehabilitation.

dass eine Psychologie der Wertschätzung Gefahr läuft, „als Kuschelthema oder Programm für Weicheier und Warmduscher, als Nachhilfe für Sensibelchen und Psychos entwertet zu werden“. Das sollten wir bei aller Wertschätzung nicht tun. Dass es die Wertschätzung heutzutage nicht leicht hat, wird auch in der Alltagssprache bewusst. Folgt nicht auf die einleitende Versicherungsformel „Bei aller Wertschätzung ...“ meist eine nicht immer ganz subtile Verbalinjurie? Das ist besonders im politischen Kontext beobachtbar. Seien Sie auf der Hut, wenn Ihnen ein Berufspolitiker seine Wertschätzung androht und Sie auch noch ideologisch anderweitig verortet sein sollten. Der Mensch braucht Empathie und kann sich ohne die drei großen Z – Zuwendung, Zärtlichkeit, Zeit – nicht zu einem psychisch gesunden Wesen entwickeln. Fürsorgliche Elternliebe ist dem Selbstwertgefühl von Kindern zuträglich, Empathie erzeugt Empathiefähigkeit. Der Begriff hat heute Hochkonjunktur, ob unsere Gesellschaft durch das Herumreiten auf dem Begriff empathischer wird, ist jedoch eher nicht anzunehmen. Oft ist von einer „Generation Me“ die Rede, die selbstzentriert, narzisstisch, konkurrierend und individualistisch geworden sei. Wie alles verallgemeinernde Reden über die gemeinsamen Eigenschaften ganzer Kohorten ist auch dieser Generalvorwurf mit Vorsicht zu genießen. Gerade im Kleinen zeigt sich immer wieder, dass sie nicht ganz aus der Mode gekommen ist, die Empathie. Es ist wohl noch etwas zu früh und pessimistisch, das Zeitalter des Narzissmus auszurufen, wie das Haller in seinem Buch tut. Die Hauptursache für die „Demokratisierung“ des Narzissmus will er in der digitalen Revolution um die Jahrtausendwende herum erkannt haben. „Heute wird Narzissmus nicht als Störung angesehen, sondern als gesellschaftliches Ideal, das von vielen angestrebt wird“, so Haller. Dem könnte man entgegenhalten, dass es sich nur um einen relativ kurzen Flirt mit dem Narzissmus handeln könnte und dass die jungen Leute in zehn, zwanzig Jahren über die teils überaus peinlichen Selbstdarstellungsversuche im Internet, die ihre Eltern unternommen haben, nur noch lachen können. Das Buch des Arztes liest sich streckenweise zwar wie Untergangsprosa, seinem flammenden Appell für die Aufwertung der Wertschätzung kann man aber kaum widersprechen. Wertschätzen und selbst wertgeschätzt werden; das ist gewiss kein schlechter Deal.

Im Laufe des Lebens kommt es bei manchen Menschen zu Abnutzungserscheinungen des Hüftgelenkes, die bei Belastung zu Beschwerden führen und schließlich die Beweglichkeit einschränken. Dauerbelastung, Alterung oder auch eine Fehlstellung können zu einer Abnutzung des Gelenkknorpels führen, der das Kugelgelenk der Hüfte überzieht. Ist der Knorpel verbraucht, scheuern die Knochen aufeinander, der Schmerz entsteht und Betroffene verlieren massiv an Lebensqualität. Der Arzt spricht dann von Koxarthrose oder Hüftgelenksarthrose. Schließlich wird er eine Hüftendoprothetik nahelegen, eine Operation, bei der ein dauerhaftes Implantat das geschädigte Gelenk ganz oder teilweise ersetzt. Die minimalinvasive Methode der modernen Hüftendoprothetik hat sich mittlerweile international etabliert. Die Entfernung des körpereigenen Gelenkes sowie die Einführung des künstlichen erfolgen durch einen möglichst schonenden Zugang in das Hüftgelenk. Die Vorteile dieser Operationsmethode bestehen in einer schnellen Genesung und der beschleunigten Mobilisierung im Vergleich zu einer offenen Operation, weil Weichteile wie Muskelansätze und die Struktur der Muskeln selbst nicht geschädigt werden. Auch die Gabe von Schmerzmitteln kann reduziert werden. Durch die Weiterentwicklung von Instrumenten und Methoden sind heute auch Wechseloperationen minimalinvasiv möglich, wenn das künstliche Gelenk – je nach Lebensstil – nach zehn bis 25 Jahren neuerlich getauscht werden müsste. In der Privatklinik Hochrum werden seit 15 Jahren minimalinvasive Hüftoperationen angeboten. Die Mobilisierung des Patienten mit einem ersten vorsichtigen Auftreten erfolgt meistens schon am ersten Tag nach der OP. Waren früher bei einer Hüftendoprothetik lange Krankenhausaufenthalte erforderlich, bleiben Patienten im Regelfall nur mehr sieben bis zehn Tage im Klinikum – ein weiterer großer Vorteil für Selbstständige und Unternehmer, die häufig den Wunsch äußern, möglichst rasch wieder an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. PR

PRIVATKLINIK HOCHRUM Sanatorium der Kreuzschwestern Lärchenstraße 41, 6063 Rum Tel.: 0512/234-0 www.privatklinik-hochrum.com

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DER PREIS DES WERTS

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Werte und Politik? Passt das überhaupt zusammen? Ja, denn wer sonst soll die Wertebasis einer Gesellschaft in Gesetze gießen? Das erfordert viel Verantwortungsbewusstsein und Zurückhaltung. Aber das ist nun mal der Preis des Werts. T E X T : K L A U S S C H E B E S TA

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erte und Politik – das klingt für viele nach Schein und Sein, nach Soll und Ist, nach oben und unten, auf jeden Fall aber nach zwei unvereinbaren Gegensätzen. Dazu kommt, dass die Protagonisten dieses Berufes, die Politiker selbst, wenig Vertrauen erwecken. Angefeuert wird diese Skepsis durch den Negativdrall in der Berichterstattung, der dazu führt, dass vorwiegend über Skandale und Skandälchen, über Korruption und Misswirtschaft, aber selten über Positivbeispiele berichtet wird. Das bleibt nicht ohne Folgen: So listet etwa der Vertrauensindex des Instituts GfK Feuerwehrleute und Krankenpfleger mit über 95 Prozent Vertrauen auf – das Schlusslicht bilden hingegen Politiker mit mageren 17 Prozent Vertrauenswürdigkeit. Und ausgerechnet „denen“ soll man so etwas Wichtiges wie Werte anvertrauen? Ja – weil es keine Alternative gibt. Werte sind laut Wikipedia „erstrebenswert oder moralisch gut betrachtete Eigenschaften bzw. Qualitäten, die Objekten, Ideen, praktischen bzw. sittlichen Idealen, Sachverhalten, Handlungsmustern, Charaktereigenschaften beigemessen werden. Das aus den Wertvorstellungen bzw. Werten einer Gesellschaft geformte Gesamtgebilde wird als Wertesystem oder Wertordnung bezeichnet.“ Das bedeutet nichts anderes als: Das gegenwärtige Werteverständnis der Gesellschaft wird laufend in Gesetze gegossen, welche die Leitplanken für konformes Verhalten bilden. Und für diese Gesetze führt kein Weg an der Politik vorbei.

Ein Blick auf die ersten Sätze der Parteiprogramme der heimischen Parteien lässt durchaus Einblicke in deren Werteverständnis zu.

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Und weil Parteien ihren Anhängern eine – wie es speziell bei konservativen Gruppierungen so schön heißt – „Wertegemeinschaft“ bieten wollen, gilt es, diesem Wertekodex eine ansprechende Verpackung zu geben. Die nennt sich dann „Parteiprogramm“. Ein Blick auf die ersten Sätze der Parteiprogramme der heimischen Parteien lässt durchaus Einblicke in deren Werteverständnis zu.

WERTE ALS PROGRAMM

So heißt es etwa im „Grundsatzprogramm 2015“ der ÖVP: „Der Staat ist für die Bürgerinnen und Bürger da. Und nicht umgekehrt. Wir treten für Freiheit und Eigenverantwortung der Einzelnen und für die Stärkung ihrer Rechte ein.“ Schon diese ersten drei Sätze – die nicht zufällig am Beginn stehen – geben einen Einblick in die türkise Wertewelt und erklären den jahrelangen Zores mit dem langjährigen Koalitionspartner SPÖ. Deren Grundsätze haben nämlich eine völlig andere Richtung. Im „Grundsatzprogramm 2018“ der SPÖ lauten die ersten Sätze des Kapitels „Unsere Werte“so: „Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen eine Gesellschaftsordnung, deren Ziel die freie Entfaltung jeder und jedes Einzelnen innerhalb der Gemeinschaft ist. Unsere Vision der sozialen Demokratie ist, die Klassengegensät-

ze zu überwinden, alle Lebensbereiche mit Demokratie zu durchfluten und den Ertrag der gesellschaftlichen Arbeit gerecht zu verteilen.“ Da schwingen bereits in den ersten Zeilen Begriffe wie Klassen, Umverteilung oder Chancengleichheit mit – also Kampfansagen, mit denen die traditionelle ÖVP-Klientel so gar nichts am Hut hat. Ganz anders legt es die FPÖ an. Schon der Name des Parteiprogramms von 2011 ist Programm: „Österreich zuerst“. Das bedeutet nichts anderes als: Wir schauen auf die Österreicher (aber nicht auf die Migranten). Die ersten drei Sätze machen klar, wohin die Reise geht: „Freiheit, Sicherheit, Frieden und Wohlergehen für Österreich und seine Bevölkerung sind die Leitlinien und der Maßstab für unser Handeln als soziale, leistungsorientierte und österreichpatriotische politische Kraft. Unsere Verwurzelung in der reichen Geschichte und in unseren Traditionen ist untrennbar verbunden mit der Verantwortung, die daraus für die aktive Gestaltung der Zukunft für kommende Generationen erwächst. Wir bekennen uns zu unserem Heimatland Österreich als Teil der deutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft, zu unseren heimischen Volksgruppen sowie zu einem Europa der freien Völker und Vaterländer.“ Da sind sie also, die Schlüsselund Reizwörter (je nach Sympathie oder Antipathie gegenüber den Freiheitlichen):

Österreichpatriotisch, Verwurzelung, Traditionen, Heimatland, deutsche Sprach- und Kulturgemeinschaft, heimische Volksgruppen, Vaterländer – allesamt Begriffe, die etwa in einem Parteiprogramm der Sozialdemokraten oder der Grünen undenkbar sind. Das führt uns gleich zu den Grünen selbst: Das „Grundsatzprogramm 2001“ verankert in seiner Präambel: „Eine solidarische Gesellschaft freier Menschen in einer intakten Umwelt – das ist unsere Vision. Diese Vision beschreibt keinen idealen Endzustand, sondern eine offene Zukunft, die wir mit unseren Werten, Prinzipien und unserer Politik mitgestalten wollen.“ Und etwas weiter heißt es: „Die Grünen Grundwerte sind: ökologisch, solidarisch, selbstbestimmt, basisdemokratisch, gewaltfrei und feministisch.“ Wer Grün wählt und sich dann etwa über zu viel Basisdemokratie oder Feminismus aufregt, ist selber schuld und hätte besser davor einen Blick ins Parteiprogramm werfen sollen. Abschließend noch ein Blick auf die „Pläne für ein neues Österreich“ der NEOS aus dem Jahr 2016. Dort werden als die drei Grundwerte formuliert: Eigenverantwortung, Nachhaltigkeit, Freiheitsliebe. Und unter „Wofür wir brennen“, also mit anderen Worten, der Wertebasis, heißt es: „Wir sind eine in der Mitte der Gesellschaft verwurzelte Bürger_innen-Bewegung. Uns verbindet das Ziel, unser Land von den Fesseln


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© SORA

„Die Wähler strecken ihre Antennen vor allem nach den Werthaltungen aus, für die ein Kandidat steht. Die Entwicklung eines Landes ist zu komplex und schwer abschätzbar, um sich alles durchzurechnen und eine ‚Rational Choice’-Entscheidung zu treffen. Wir brauchen für Wahlentscheidungen daher auch immer emotionale Einschätzungen, ob ein Politiker der richtige für unsere Interessen und unser Bild einer guten Gesellschaft ist.“ CHRISTOPH HOFINGER, SORA-INSTITUT

der alten Parteien und ihrer Strukturen zu befreien. Mutig, achtsam und entschlossen treten wir gegen Verschwendung und Korruption auf. Wir Bürger_innen holen uns das Land zurück.“ Aus diesem Blickwinkel erklären sich viele der oft streitbaren Auftritte von NEOS-Politikern, die sich diesem „revolutionären“ Ansatz verpflichtet fühlen. Eines ist auch klar: Wenn die NEOS wirklich Österreich von den „Fesseln der alten Parteien“ befreien wollen, wird es für „alte Parteien“ reichlich schwierig, eine halbwegs konfliktfreie Koalition mit ihnen einzugehen.

THEORIE UND PRAXIS So weit die Theorie. Die Parteiprogramme lassen interessante Einblicke in die jeweiligen Wertewelten zu. Aber natürlich leistet sich keine Partei einen groben Patzer im Programm, der sie angreifbar macht. Dafür ist die Tagespolitik mit ihren Ausrutschern, Seitenhieben und Grabenkämpfen zuständig. Die Mutter aller Ausrutscher lieferte dabei HC Strache mit seinem denkwürdigen Ibiza-Auftritt. Dieser erregte zu Recht Aufsehen, weil dort explizit Grundwerte mit Füßen getreten wurden. Pressefreiheit? Ach was –

die KRONE kaufen wir uns! Gesetzeskonforme Auftragsvergabe? Ach was – wir mauscheln und vergeben die Steuermillionen hinten herum! Illegale Parteienfinanzierung? Ach was, da finden wir schon einen kreativen Weg! Strache hat in ein paar Minuten Video geschafft, was „schon immer alle wussten“: Politiker sind korrupt, sie sind hemmungslos und sie pfeifen auf Konventionen. Das empörte flächendeckend, mit Ausnahme von fast 45.000 Kernwählern, die Strache bei der EU-Wahl mittels Vorzugsstimme „das Vertrauen ausgesprochen haben“. In deren www.kia.com

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Werteverständnis hatte Strache offenbar keine Grenzüberschreitung vorgenommen, sondern sich in entspannter Stimmung nur ein paar launige Sager geleistet. Die Parteiprogramme sind das eine. Das andere, der Praxistest, findet sich in den laufenden Aussagen des Spitzenpersonals der jeweiligen Parteien. Hier zeigt sich, inwieweit das Programm nur geduldiges Papier darstellt oder tatsächlich die Leitlinie für das tägliche Handeln bildet. Speziell in der Person des jeweiligen Spitzenkandidaten konzentriert sich das, wofür eine Partei in Bezug auf Werte steht. Dass Parteiprogramme durchschnittliche Wähler erreichen, war schon immer eine Illusion. In Zeiten der zugespitzten Inszenierung des Spitzenpersonals rückt diese Grundlage noch weiter in die Ferne. In Summe ergibt sich jedenfalls aus diesem theoretischen und praktischen Wertefundament ein Wettstreit der Ideen, den jede Demokratie aushalten muss. Mehr Staat oder mehr Privat, mehr Umverteilung oder mehr Leistungsorientierung, mehr Ökologie oder mehr Ökonomie – darüber lässt sich diskutieren. Doch es gibt eine Grenze. Die liegt bei Grundwerten und Menschenrechten, die jahrelang mehr oder weniger unangetastet blieben. Natürlich, Ibiza war ein grober Verstoß gegen das allgemeine Werteverständnis und es hat richtigerweise auch mit einem Rücktritt geendet. Aber was derzeit auf der großen Weltbühne abgeht, gibt Anlass für Sorgenfalten. In der wichtigsten Wirtschaftsmacht der Welt, den USA, regiert ein Präsident, der laufend nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks, sondern der internationalen Wertebasis überschreitet. Die Washington Post hat Donald Trump im akribisch recherchierten „Fact Checker“ 10.000 Fake News – also auf gut Deutsch: Lügen – nachgewiesen. Er hat den Begriff Fake News oder noch verharmlosender als „Alternative Fakten“ salonfähig gemacht. Dabei ist das eine große Mogelpackung: Bei Meinungen kann man eine alternative Ansicht haben. Aber bei Fakten gibt es nur ein Richtig oder Falsch. Doch Trump weigerte sich schon am ersten Arbeitstag als Präsident, die durch Luftbilder klar dokumentierte Tatsache anzuerkennen, dass bei seiner Vereidigung weniger Menschen vor dem Weißen Haus anwesend waren als einige Jahre zuvor bei Barack Obama. Trotz objektiver und für jeden überprüfbarer Luftaufnahmen bestand er auf dem Gegenteil – und hat die Bilder sogar durch seine Pressestelle bearbeiteten lassen, um

zumindest den einen oder anderen seiner Anhänger zu überzeugen. Dieser haarsträubende Umgang mit dem Thema Wahrheit hatte sich schon durch den Wahlkampf gezogen: Laut ZEIT wurden in der Endphase des US-Wahlkampfes 2016 die 20 erfolgreichsten Falschmeldungen öfter geteilt, gelikt und kommentiert als die 20 erfolgreichsten Berichte seriöser Medien. Was mit einer Gesellschaft passiert, die Fakten und Grundwerte nicht mehr akzeptiert, interessiert Trump-Wähler offenbar nicht im Geringsten. Auch nicht, wenn ihr Präsident wörtlich sagt: „Ich könnte mich auf die Fifth Avenue stellen und jemanden erschießen und würde keinen Wähler verlieren.“ Trump kann über „Ausländer aus Dreckslochstaaten“ wüten, Mexikaner generell als „Vergewaltiger“ brandmarken oder sich für die Todesstrafe einsetzen – seine Klientel juckt das nicht. Aber er richtet damit massiven Flurschaden in der Wertelandschaft an: Er verschiebt jahrelang mühsam

aufgebaute Wertegrenzen und kratzt am dünnen Firnis der Zivilisation. Humanistische Werte sind nicht verhandelbar, aber Politiker vom Kaliber eines Donald Trump (und eine beängstigende Menge ähnlicher Figuren auf der internationalen Bühne) ignorieren das. Wo das hinführt, kennt Europa bereits. Auch das Dritte Reich baute auf alternativen Fakten und alternativen Werten auf – die erst nach einem verlorenen Weltkrieg in sich zusammengebrochen sind. So weit muss man gar nicht denken, aber: Es ist allemal ratsam, dem schleichenden Verlust von Grundwerten mit Wachsamkeit zu begegnen – und auch bei Wahlen den „Wutbürger“ zu Hause zu lassen und lieber mit Bedacht zu entscheiden. Das erfordert viel Verantwortungsbewusstsein und Zurückhaltung. Aber das ist nun mal der Preis des Werts. Wenn uns das zu anstrengend ist, können wir uns auf eines einstellen: dass es verdammt ungemütlich wird. Wollen wir das wirklich?


AMS

KARENZ & TEILZEIT Fachkräfte früher zurückgewinnen.

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Deutlich weniger Pension, deutlich weniger Lebenseinkommen bei langjähriger Teilzeitarbeit

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ede zweite Frau in Tirol arbeitet Teilzeit. Teilzeitarbeit ist familienfreundlich und Frauen verdienen im Schnitt immer noch bis zu 40 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Wenn es also darum geht, wer daheim bleibt und für die Kinder sorgt, fällt die Wahl meist auf die Frau. In Hinblick auf die Pension ist langjährige Teilzeitarbeit jedoch fatal und wenn man an den derzeit bestehenden Fachkräftemangel in Tirol denkt, ebenfalls nicht zielführend.

WEIBLICHES POTENZIAL BESSER NUTZEN

Vielen Arbeitnehmerinnen sind die Auswirkungen einer langjährigen Teilzeitarbeit nach der Karenz nicht bewusst. Wenn das Unternehmen hier frühzeitig sensibilisiert, pro-

fitieren beide Seiten: Weibliche Fachkräfte kommen früher wieder an den Arbeitsplatz zurück und übernehmen mehr Wochenstunden, Frauen erhalten höhere Pensionen und haben bessere Chancen, den Sprung in die Führungsebene zu schaffen.

AMS UNTERSTÜTZT BEIM WIEDEREINSTIEG

Das AMS Tirol informiert Dienstnehmerinnen bereits in der Karenz über Auswirkungen von Teilzeit/Vollzeit-Arbeit in Hinblick auf die zu erwartende Pensionshöhe, über Aufschulungs- und Weiterbildungsangebote sowie über mögliche Förderungen, die sowohl für die Dienstnehmerin interessant sind (z. B. Zuschuss zu den Kinderbetreuungskosten), als auch für das Unternehmen (z. B. Kombilohn-, Eingliederungsbeihilfe). PR

Grafik: AMS, Erwerbsverläufe

KONTAKT:

Wenn Sie Interesse an der Thematik „Wiedereinstieg nach der Karenz“ haben, schauen Sie bitte unter www.ams.at/wiedereinstieg. Für Informationen zu den Fördermöglichkeiten für Betriebe wenden Sie sich bitte an das Service für Unternehmen in Ihrer Region. Die Kontaktdaten Ihrer SfU-Beratung finden Sie online unter www.ams.at/ organisation#tirol


MEILENSTEIN REALITÄTEN

Durch das Netzwerk aus vielen starken, regionalen Partnern können alle Interessen – von der urbanen Garconnière bis zum Luxuschalet – bedient werden.

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MEILENSTEINE SETZEN Die im Jahr 2011 gegründete Meilenstein Realitäten GmbH spielt mit Geschäftsführer Alessandro Piglia erfolgreich im Immobilienbusiness mit. Aber nicht nur das: Mit dem Einsatz neuester Technologien und einem österreichweiten Team setzt er im wahrsten Sinne des Wortes Meilensteine in der Branche. T E X T : D O R I S H E LW E G


MEILENSTEIN REALITÄTEN

Geschäftsführer Alessandro Piglia, MBA, hat die Meilenstein Realitäten GmbH erfolgreich in der Immobilienbranche etabliert.

Seit Mai heißt das Team von Meilenstein Realitäten seine Kunden im Innsbrucker Arkadenhof willkommen. Im Bild: Laura Fick, B.Sc., Assistentin der Geschäftsführung.

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or zwölf Jahren ist Alessandro Piglia, MBA, nach seiner Ausbildung zum akademischen Immobilienmanager und dem Masterstudium in Business Administration mit dem Schwerpunkt Immobilienmanagement in das Immobilienbusiness eingestiegen. Im Jahr 2011 hat er sich als Gründungsmitglied der Meilenstein Realitäten GmbH selbstständig gemacht. Mit viel Herzblut und Engagement hat er das Geschäft von der Pike auf kennengelernt und auch sämtliche Höhen und Tiefen des Immobilienmarktes miterlebt.

NEUE RÄUMLICHKEITEN IM ARKADENHOF

Zum achtjährigen Jubiläum bezog das Team Anfang Mai seinen neuen Standort in der Maria-Theresien-Straße 34. Mitten im Herzen von Innsbruck im Arkadenhof gelegen, heißt das Team von Meilenstein Realitäten seine Kunden nunmehr in großzügigen Räumlichkeiten willkommen. Die Eröffnung wurde natürlich auch gebührend gefeiert. Neben Livemusik und einer Vernissage des Künstlers Ype Limburg kam auch der Genuss nicht zu kurz: Eine Weinverkostung des niederösterreichischen Weinguts Heggenberger und ein Buffet der Regiothek sorgten für das leibliche Wohl der zahlreichen Gäste.

VON DER URBANEN GARÇONNIÈRE BIS ZUM LUXUSCHALET

„Wir können den gesamten Markt bedienen und haben für jeden Bereich Spezialisten im Haus“, betont Alessandro Piglia. „Von der Studenten-WG bis hin zum Luxuschalet ist

in unserem Portfolio alles vorhanden.“ Unter der Dachmarke Meilenstein Realitäten bedient das 25-köpfige Team mit seinen vier Gesellschaftern den österreichischen Markt. „Durch das Netzwerk aus vielen starken, regionalen Partnern können wir alle Interessen großflächig abdecken, das ist sicher ein großer Vorteil“, freut sich der Geschäftsführer.

AM NEUESTEN STAND DER TECHNIK

Dank der eher jungen Mitarbeiterstruktur ist die Meilenstein Realitäten GmbH auch auf technische Neuheiten spezialisiert: „Unsere Software automatisiert Abläufe und übermittelt einen Link für eine 360-Grad-Besichtigung, anhand derer der Interessent ganz einfach von seinem Endgerät aus eine erste virtuelle Besichtigung des Objektes vornehmen kann. Das spart sowohl dem Interessenten als auch dem Makler viel Zeit, die wir wiederum für intensive Beratung und Abwicklung einsetzen können. Die Abstimmung und der Informationsaustausch zwischen Kunden und auch unter den Mitarbeitern und den selbstständigen Vertriebspartnern steht bei uns an erster Stelle.“ Ein weiteres interessantes Tool ist die Immobilienbewertung. Um den objektiven Marktpreis zu ermitteln, können Immobilien mit einer von Gutachtern verwendeten Software professionell bewertet werden. Darüber hinaus steht natürlich das Expertenteam in allen Belangen des Verkaufs oder der Vermietung für rechtliche Fragen persönlich zur Verfügung.

SCHWERPUNKT BERATUNG Die Beratung in unterschiedlichsten Immobilienangelegenheiten, die oftmals auch über über das übliche Maß hinausgeht, ist für Alessandro Piglia oberstes Gebot. Dabei werden grundlegende Fragen beantwortet, wie: Worauf sollte man beim Kauf einer Immobilie achten? Wie findet man geeignete Mieter? Oder: Was passiert mit der Immobilie im Falle einer Scheidung? Auch mit Fragen im Bezug auf den Verkaufspreis und Informationen zu rechtlichen Angelegenheiten ist man hier gut beraten. Allein die Website bietet mit ihrem Newsroom zahlreiche Antworten auf verschiedenste Fragen. So findet der User hier unter anderem relevante, aktuelle Themen, die neuesten Wohntrends, aber auch Tipps für den Kauf einer Immobilie. Im Spitzenfeld der Immobilienbranche angekommen, setzt der Experte einen Meilenstein nach dem anderen. Zum einen im Umgang mit neuen Technologien, zum anderen mit dem professionellen, internationalen Netzwerk. Es bleibt also spannend, mit welchen weiteren Innovationen die Meilenstein Realitäten GmbH in Zukunft noch aufwarten wird. PR

MEILENSTEIN REALITÄTEN GMBH Maria-Theresien-Straße 34 6020 Innsbruck Tel.: 0800 221 750 info@meilenstein.co.at www.meilenstein.co.at

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EINE FRAGE DER EHRE 46

Bruno Berloffa, Veronika Kinzner, Marco Daum: Bergretter, Rettungssanitäterin, Feuerwehrmann. Diese drei stehen stellvertretend für Tausende Ehrenamtliche in Tirol, ohne deren Arbeit und Einsatz grundlegende Versorgungseinrichtungen schlichtweg nicht existieren und funktionieren würden. Das Ehrenamt macht das Versorgungsnetz in seiner Dichtheit und Effizienz einzigartig. Und das zeigt wiederum eins: Manches kann und soll auch nicht mit Geld gekauft werden. Weil Hilfsbereitschaft keinen Preis haben darf. TEXTE: SONJA NIEDERBRUNNER


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Rotes Kreuz, Feuerwehr, Bergrettung – sie alle basieren auf dem Teamgedanken. Nur gemeinsam ist man stark. Für Einzelkämpfer und „Helden“ ist das die falsche Bühne.

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DIE AUFSTEIGER In ganz Tirol gibt es kaum einen Ort, wo sie nicht hinkommen: Die Bergrettung Tirol holt Menschen aus (hoch)alpinen Notlagen – das ganze Jahr, rund um die Uhr, ehrenamtlich. Landesleiter-Stellvertreter und Ortsstellenleiter Innsbruck Bruno Berloffa erklärt stellvertretend für über 4.500 Bergretter in Tirol, was der Antrieb dahinter ist.

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eistens ist es ein bestimmtes Erlebnis, das etwas in Gang setzt, das etwas auslöst. In Bruno Berloffas Fall fand das Erlebnis im Hochgebirge statt. Der Innsbrucker war mit den Tourenskiern im Karwendel unterwegs, nach langem Aufstieg genoss er die Rast auf einer Scharte. Von dort aus beobachtete er einen Tourengeher auf der gegenüberliegenden Bergseite, der im Begriff war, eine steile Rinne aufzusteigen. Eine kleine Unachtsamkeit, oder auch einfach nur ein zu rutschiger Untergrund – der Fremde stürzte. In einer derart steilen Rinne gibt es kaum mehr ein Halten. „Ich wusste, ich war weitum der Einzige, und natürlich fragte ich mich, was ich tun sollte, wenn er schwer verletzt wäre. Da gehen einem schlagartig viele Sachen durch den Kopf. Zum Glück ist in diesem Fall nichts passiert, aber dieses Erlebnis hat mich sehr nachdenklich gemacht.“ Der eine belässt es vielleicht beim Nachdenken und vergisst die Angelegenheit nach einer gewissen Zeit, doch Bruno Berloffa ließ das Erlebte nicht mehr los. Was wäre im Ernstfall passiert, was zu tun gewesen, was hätte er tun können und sollen? So kam der ehemalige Profifußballer zur Bergrettung Innsbruck. Das war 2002. „Ich bereue diesen Schritt bis heute nicht, auch wenn die Tätigkeit sehr aufwändig und stressig sein kann. Bergretter zu sein, trifft meine Ideale, die ich im Leben habe: Menschen zu helfen – ohne zu fragen, was die Hilfe kostet. Anzupacken. Einfach Gutes zu tun.“ Gutes zu tun hat sehr wohl einen Preis, es ist nicht nur der persönliche Einsatz, der Zeit und auch Geld kostet, da die Bergrettung komplett ehrenamtlich aufgebaut ist und auch die meisten Kosten, sofern sie nicht von öffentlicher Hand zu einem gewissen Teil mitsubventioniert werden, von den Bergrettern selbst getragen oder aufgetrieben werden müssen. Gutes zu tun bedeutet auch,

„Bergretter zu sein, trifft meine Ideale, die ich im Leben habe: Menschen zu helfen – ohne zu fragen, was die Hilfe kostet.“ BRUNO BERLOFFA

da und dort auf Unverständnis zu stoßen. „Man wird recht schnell mit dem Vorwurf des Helfersyndroms konfrontiert“, sagt Berloffa, der die Ortsstelle Innsbruck seit 2008 leitet. „Aber das ist nicht die Intention hinter dem, was ich und wir tun. Viel mehr geht es bei uns wie in jedem anderen Verein auch um die Kameradschaft. Man trifft hier Gleichgesinnte. Im Grunde ist die Bergrettung ein riesiger Teamsport mit dem Hintergrund, helfen zu wollen.“

STRUKTURIERT

Landesweit ist Berloffa, der mittlerweile auch als Landesleiter-Stellvertreter fungiert, gemeinsam mit anderen Kollegen für über 4.500 Mitglieder zuständig. Die Ortsstelle Innsbruck nimmt dabei eine gewisse Sonderstellung ein. „Lange Zeit wussten viele gar nicht, dass Innsbruck eine eigene Bergrettung hat. Tatsächlich betreuen wir ein mit insgesamt 18 Gemeinden sehr großes Gebiet.“ 90 Mitglieder hat die Ortsstelle Innsbruck, davon 16 Einsatzleiter. Geht ein Notruf bei der Leitstelle ein, werden Letztere sofort verständigt. Einer von ihnen übernimmt den Notfall, bekommt alle relevanten Infos und trommelt umgehend das für den jeweiligen Einsatz erforderliche Team zusammen. „Bei gewissen Einsätzen wie Suche oder Lawine benötigt man sofort die gesamte Ortsstelle, bei anderen, etwa auf den zahlreichen Forstwegen rund um Innsbruck, reicht eine kleine Truppe.“

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BERGRETTUNG TIROL

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Die Bergrettung Tirol ist ein aus 91 Ortsstellen bestehender Verein, der rein ehrenamtlich aufgebaut ist. Jährlich werden um die 2.000 Einsätze abgewickelt, Tendenz steigend. Unterstützt wird die Bergrettung mit einer jährlichen Zuwendung durch das Land Tirol, die einzelnen Ortsstellen auch seitens der Gemeinden, in die sie eingegliedert sind. Weitere finanzielle Unterstützung kommt über die sogenannten Fördermitglieder, für Einsätze wird außerdem eine geringe Aufwandsentschädigung verrechnet. Der materielle Aufwand der einzelnen Ortsstellen ist groß. Einsatzfahrzeuge und Funkgeräte, außerdem Seile, Gurte, Tragen und vieles mehr, das zudem in gewissen Abständen ersetzt werden muss. Allein die zwei 600 Meter langen Rettungsseile der Ortsgruppe Innsbruck kosten einige Tausend Euro und können maximal zehn Jahre verwendet werden. Wer die Bergrettung Tirol unterstützen will, der wird am besten Fördermitglied: Um 28 Euro pro Jahr bekommt man nicht nur eine Bergekostenversicherung für sich und seine Familie, sondern macht überhaupt erst möglich, dass die Bergrettung arbeiten kann. Zudem kann auch gespendet werden www.bergrettung.tirol www.bergrettung-innsbruck.at

Wenn der Einsatzleiter alarmiert, sitzen die Bergretter gerade mit der Familie beim Abendessen oder sind bei der Arbeit, vielleicht auch im Schwimmbad. „Unter den Blaulichtorganisationen sind wir die langsamste“, sagt Berloffa. „Dabei sind unsere Ausrückzeiten dennoch recht gut, wenn man bedenkt, dass wir ja nicht in der Ortsstelle sitzen und darauf warten, dass ein Notruf reinkommt.“ Um schneller durch den Innsbrucker Verkehr zu kommen, hat der Bergretter sich sogar eigens eine Vespa zugelegt. Trotz aller Eile dauert es natürlich ein wenig, bis die Truppe am Berg bei den Verletzten oder Verirrten ist. „Manche reagieren dann genervt. ,Wo seid ihr so lange?‘ fragen sie uns. Wenn man ihnen den Sachverhalt dann erklärt, ist es den meisten auch recht peinlich. Viele wissen einfach nicht, dass wir das ehrenamtlich machen.“

DER LOHN

Fälle, wie etwa jener des deutschen Anwalts, der gerettet wurde und postwendend eine Klage an die Tiroler Bergretter übersandte, sorgen für pures Unverständnis. Nicht nur bei den Bergrettern übrigens. „Natürlich stellt man sich dann die Frage, warum man sich das überhaupt antut. Man opfert viel Zeit, braucht eine Familie, die Verständnis dafür hat, und auch einen Arbeitgeber, der das ermöglicht.“ Doch es sind andere Erlebnisse, die alles wieder gut machen, die einem zeigen: Es ist richtig, so wie es ist, und man macht das Richtige. „Wir hatten zum Beispiel einen Einsatz am Solstein-Gipfel – mitten im wildesten Gewitter kam eine Alarmierung, dass eine Frau gestürzt sei und nicht mehr runterkomme. Ein Hubschrauberstart war aufgrund des Wetters nicht möglich. Wir sind rauf auf die Neue Magdeburger Hütte und von dort aus 800 Höhenmeter aufgestiegen. Mitten in den Felsen saß die Verletzte mit offenem Beinbruch. Einen Menschen unter solchen Bedingungen in derartigem Gelände hinunterzutragen, ist Schwerarbeit. Wenn wir dafür Dankbarkeit bekommen, ist uns das Lohn genug. Das geht in Wahrheit auch nur, weil es Idealisten gibt.“ Oft genug sind die Witterungsbedingungen bei Einsätzen, wie etwa am Solstein, schlecht, manchmal ist es Nacht. Gewitter und Sturm am Berg will eigentlich niemand erleben. Die Bergretter gehen das Risiko ein. Weil da oben jemand ist, der es aus eigener Kraft nicht mehr runterschafft. „Wir müssen unseren Einsatz so gestalten, dass

kein Retter in Gefahr gerät. Das ist etwas, das ich auch jedem neuen Teammitglied ganz deutlich sage. Keiner von uns muss unter Einsatz seines Lebens, wie es gerne dargestellt wird, da rauf. Jeder Einsatzleiter wird auch dahingehend geschult, dass er Gefahren abschätzen kann. Ausschließen kann man natürlich nie etwas, aber wir tun alles Menschenmögliche, um zu verhindern, dass wir selbst unkalkulierbare Risiken eingehen.“

AUSWAHL

Einmal im Jahr, immer im Herbst, findet in der Ortsgruppe Innsbruck ein Interessentenabend statt. Was Berloffa den Anwesenden sagt, ist unter anderem: Der Aufwand ist enorm. Für diese Tätigkeit opfert ihr Zeit für Ausbildung und Einsätze und auch Geld, denn eure Ausrüstung müsst ihr selber kaufen. Sommer wie Winter. „Normalerweise müsste nach so einer Ansprache jeder davonlaufen. Aber einige bleiben immer dabei und ziehen es durch.“ Ein paar Tage nach diesem Abend geht man gemeinsam ins Gelände und beobachtet die Teilnehmer. Die Anforderungen sind hoch. „Ein Bergretter muss Alpinist sein. Wir brauchen zwar keine Spitzenalpinisten, aber man muss sich gut im alpinen Gelände bewegen können. Wenn wir da oben unterwegs sind, kann der Einsatzleiter nicht auch noch auf die eigenen Leute schauen. Das ist auch ein Missverständnis, das es immer wieder mal aufzuklären gilt: Wir lernen niemandem das Bergsteigen, sondern das Bergretten.“ Zwischen zwei und drei Jahre dauert die Ausbildung, jeweils im Winter und Sommer geht es für eine Woche ins Jamtal, wo die Übungsbedingungen perfekt sind. Dazwischen finden immer wieder Schulungen statt und natürlich geht es zu Einsätzen. Man verbringt viel Zeit miteinander. Man erlebt viel gemeinsam. Manches davon ist schön, anderes nervenaufreibend und kräftezehrend – sowohl in psychischer als auch physischer Hinsicht. Aber man schafft gemeinsam etwas, das sehr viel größer ist, als ein Einzelner zu tun vermag. Das ist der Teamgedanke, den Bruno Berloffa angesprochen hat. Über 4.500 Bergretter machen es möglich, dass wir alle uns in unserer Freizeit in den Bergen ein großes Stück sicherer fühlen können. Dafür kann man nicht genug danken. Und aufrichtiger Dank ist das Mindeste, aber auch das Höchste, das man schuldet.


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DIE JACKE PASST „Aus Liebe zum Menschen“ ist der Slogan des Österreichischen Roten Kreuzes. Die rote Jacke kennzeichnet die insgesamt an die 640 Ehrenamtlichen des Österreichischen Roten Kreuzes – Freiwillige Rettung Innsbruck, die sich in verschiedensten Bereichen engagieren. Veronika Kinzner ist eine von ihnen und wenn es nach ihr geht, wird die Jacke noch lange nicht ausgezogen.

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an weiß nie, was einen erwartet. Werden die Rotkreuz-Rettungssanitäter zu einem Einsatz gerufen, ist alles möglich. Veronika Kinzner weiß das. Seit sieben Jahren ist sie ehrenamtlich im Rettungsdienst des Roten Kreuzes tätig. Sie ist eine von etwa 500 Ehrenamtlichen, die für das Österreichische Rote Kreuz – Freiwillige Rettung Innsbruck arbeiten – im Rettungs- und Krankentransport, im Bereich Gesundheit und Soziale Dienste, an der Tafel, bei Ambulanzdiensten, in der Krisenintervention. Seit einigen Jahren ist Veronika auch Bezirks-Freiwilligenkoordinatorin. Sie organisiert, unterstützt und ist Ansprechpartnerin. Der Zeitaufwand ist in ihrem Fall höher und auch von Woche zu Woche verschieden. Noch lässt sich das gut mit ihrem Studium des Nonprofit-, Sozial- und Gesundheitsmanagements verbinden, doch auch danach will die 26-Jährige dabei bleiben. Im Schnitt bleiben Ehrenamtliche vier bis fünf Jahre, aber es gibt auch Ausreißer mit 40 oder 50 Jahren. Geht es nach Veronika Kinzner, wird sie eine davon sein. Insbesondere in Innsbruck melden sich viele Studenten. Der Nachteil dabei ist, dass die meisten mit Eintritt ins Berufsleben ihren Dienst quittieren. Insbesondere die Gruppe der 30- bis 50-Jährigen fehlt. Familie und Karriere stehen bei dieser Altersgruppe im Fokus. Da bleibt oft wenig Zeit für anderes.

ERNST NEHMEN

Ehrenamtliche zu finden, sei generell schwieriger geworden. „Die meisten, die sich melden, möchten gerne schnell und auch unverbindlich helfen und das ist bei uns nicht in allen Bereichen möglich“, sagt Veronika. Während man etwa im Bereich Gesundheit und Soziale Dienste relativ schnell mit aktiver Hilfe loslegen kann, benötigt man für den Dienst im Rettungs- und Krankentransport einen Kurs, und der dauert. Von September bis Juni lernen angehende Rettungssanitäter in Theorie und auch bereits in Praxis alles, was sie für den Dienst wissen

ÖSTERREICHISCHES ROTES KREUZ TIROL

Der Landesverband Österreichisches Rotes Kreuz Tirol vereinigt als Dachverband alle elf im Bundesland Tirol mit eigener Rechtspersönlichkeit ausgestatteten Bezirksstellen. Diesen gehören wiederum 45 Tiroler Rotkreuz-Ortsstellen an. Der nächste Infoabend für alle, die an einer freiwilligen Mitarbeit in Innsbruck interessiert sind, findet am 7. November um 20 Uhr statt (Sillufer 3, Innsbruck). Kontakt: mitarbeit@roteskreuz-innsbruck.at www.roteskreuz-innsbruck.at/spenden/

müssen. Klar, dass Unverbindlichkeit dann keine Option ist. Wer beim Roten Kreuz mithelfen will, der sollte nicht nur etwas Zeit mitbringen. „Hausverstand ist in jedem Bereich bei uns wichtig“, erklärt Veronika. „Auch Offenheit gegenüber Menschen und Situationen und ein prinzipielles Interesse daran, wie es anderen geht, sehe ich als Grundvoraussetzung. Alles andere lernt man im Laufe der Zeit.“ Seit einigen Monaten läuft die Kampagne „Wir haben die passende Jacke für dich“, mit der potenzielle Freiwillige angesprochen und motiviert werden sollen. In regelmäßigen Abständen veranstaltet das Rote Kreuz Innsbruck auch Infoabende für Interessierte. Es kommen viele. Es könnten aber wesentlich mehr bleiben. Natürlich ist es nicht für jeden das Richtige und manchmal muss auch mit falschen Vorstellungen aufgeräumt werden. Wer bleibt, hat recht konkrete Vorstellungen und auch immer ähnliche Beweggründe. „Den meisten geht es darum, dass sie ihre Zeit sinnvoll verbringen möchten und auch etwas Sinnvolles für andere tun wollen. Man will anderen etwas geben und helfen.“ Wer dabei bleibt, der findet eine Gemeinschaft, neue Kollegen und Freunde. Der gemeinsame Nenner, das Helfen-Wollen und vor allem das Tun, schweißt ebenso zusammen wie all die Erlebnisse, die man gemeinsam hat – Schönes genauso wie Dramatisches. Helfen macht Freu(n)de.

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DIE HÜTER Über 32.500 Freiwillige, organisiert in 358 Feuerwehren, rückten vergangenes Jahr in Tirol zu 17.600 Einsätzen aus. „Das österreichische System, das in jeder Gemeinde eine freiwillige Feuerwehr vorsieht, ist einzigartig“, erklärt Marco Daum, Oberbrandinspektor und Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Polling.

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eit seinem 12. Lebensjahr ist Marco Daum Teil der freiwilligen Feuerwehr, gemeinsam mit seinen Freunden meldete er sich damals zur neu gegründeten Jugendfeuerwehr. Jeder von uns kann sich wohl noch gut daran zurückerinnern, wie man als Kind aufblickte zu den Feuerwehrmännern. „Umso cooler, wenn man selbst Teil davon sein kann“, sagt der heute 36-Jährige. Mit 25 Jahren wurde er Kommandant und zeichnet als solcher mittlerweile verantwortlich für 90 Freiwillige. Etwa 50 davon sind aktiv tätig, der Rest besteht aus Reserve und Jugend. Auch Mädchen und Frauen sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. „Durch die Damen hat sich das Niveau bei der Jugendgruppe wohl auch ein wenig gehoben“, meint Marco Daum amüsiert. „Der Umgangston ist etwas gepflegter.“ Nachwuchssorgen hat man vorerst noch keine, obwohl es schwieriger werde, wie Daum betont. „Jugendliche können ab 12 Jahren zu uns. Das ist relativ spät. In diesem Alter sind die meisten schon in einigen Vereinen engagiert, und irgendwann wird es dann einfach zu viel.“

DAZUGEHÖREN

Sehr kameradschaftlich geht es zu bei der Feuerwehr, die auch und insbesondere jenen offensteht, die neu in der Gemeinde sind. „Es gibt auch Mitglieder, die erst mit 30 oder 40 Jahren zu uns kommen, es ist aber eher selten. Gerade für jene, die in unserer Gemeinde ihren neuen Wohnsitz bilden, ist die Teilnahme an einem Verein für das Zugehörigkeitsgefühl aber sicher entscheidend“, macht Daum „älteren“ Neuankömmlingen Mut. „Man wird sofort aufgenommen, lernt Leute kennen, es bilden sich Freundschaften. Und außerdem bekommt man eine gute Ausbildung und tut Gutes.“ Die Ortsausbildung bei der Feuerwehr dauert in etwa ein Jahr,

bevor es für zwei Tage zum Bezirksfeuerwehrverband und für weitere zwei an die Landesfeuerwehrschule geht, wo auch Spezialausbildungen absolviert werden können. Am Programm stehen außerdem laufend Aus- und Fortbildungen. Im regelmäßigem Rhythmus wird zudem in jeder Ortsstelle für diverse Ernstfälle geprobt. „Zweimal jährlich treffen sich die Pollinger Gruppenkommandanten. Dabei reden wir auch darüber, wo es in den vorangegangenen Monaten Probleme gab, wo Nachbesserungsbedarf besteht. Auf Basis dessen werden die Inhalte des Probenplans für das nächste halbe Jahr festgelegt.“ Spezielle Vorkenntnisse sind bei neuen Mitgliedern übrigens nicht erforderlich. „Ein bisschen technisches Verständnis und handwerkliches Geschick sind aber sicher von Vorteil“, sagt Daum. „Die Stärke der Feuerwehr liegt aber gerade in der Vielfalt. Bei uns sind alle möglichen Berufsgruppen vertreten, vom Koch bis zum Elektriker und Schlosser. Das macht uns stark, weil wir je nach Art des Einsatzes die notwendigen Qualifikationen haben. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass nicht jeder alles können muss.“ Muss geflext werden, ist der Schlosser beim Einsatz dabei, die Bauern verfügen über Know-how im Umgang mit speziellen Maschinen und mit Tieren. Und der Koch? „Ein Schnitzel nach einem Einsatz ist doch immer gut.“

ALARM

Je nach Art und Größe des Einsatzes wird die freiwillige Feuerwehr seitens der Leitstelle entweder über Pager oder aber über Sirene informiert. Dann heißt es Tempo. „Drei bis vier Minuten nach Alarmierung fahren wir in der Regel mit dem ersten Wagen raus. Der zweite Wagen wird, wenn erforderlich, mit den nächsten Ankommenden gefüllt und so weiter.“ Etwa 40 Einsät-

ze haben die Pollinger pro Jahr, „da ist alles dabei, von Bränden über Unwettereinsätze, hier ist die Tendenz übrigens steigend, bis hin zur Beseitigung von Ölspuren oder dem klassischen Retten von Katzen aus Bäumen“, sagt Daum. Die zwei größten Einsätze der letzten Jahre waren der Brand eines Wirtschaftsgebäudes im Ortszentrum, wo die Löscharbeiten von Mittag bis zum nächsten Morgen andauerten, und der große Unwettereinsatz 2015, wo 30 Feuerwehren mit 500 Mann vor Ort waren. „Insbesondere nach derartigen Einsätzen ist es wichtig, dass man sich zusammenhockt und darüber redet.“ Der Job des Kommandanten ist jedenfalls ein umfangreicher – an die 1000 Stunden pro Jahr wendet Daum, der hauptberuflich als Filialeiter bei einem großen Handelsunternehmen tätig ist, dafür auf. Ob er es fair findet, dass so wichtige Arbeiten wie die der Feuerwehr auf ehrenamtlicher Basis begründet sind? „Über das Ehrenamt macht man sich eigentlich keine Gedanken. Man hilft. Wenn man Feuerwehrmann ist, ist man Feuerwehrmann.“

FREIWILLIGE FEUERWEHR

358 freiwillige Feuerwehren gibt es in Tirol, 32.500 Ehrenamtliche sind Mitglied. Laufend werden neue Mitglieder gesucht und aufgenommen – ab 12 Jahren können Jugendliche Teil der Feuerwehrjugend in ihrer Gemeinde werden. Auch „älteren“ Interessierten steht der Zugang offen. Nach einer fundierten Ausbildung stehen regelmäßige Weiterbildungen und Proben auf dem Programm. Infos gibt es hier: www.feuerwehr.tirol


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Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. ARTIKEL 3 DER ALLGEMEINEN ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE

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SOS-Kinderdorf setzt im Jubiläumsjahr einen Impuls für die Zukunft: Es werden fünf neue Wohngruppen für jeweils neun Kinder bzw. Jugendliche errichtet: zwei in Imst, eine in Absam, zwei in Nußdorf-Debant.


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VOM REDEN ZUM TUN

Um als Gesellschaft zu funktionieren, braucht es ein Wertegerüst, innerhalb dessen sich jedes einzelne Mitglied nach persönlichem Ermessen frei bewegen kann. Diese Grenzen sind nicht starr, sondern durchaus anpassungsfähig. Dass Toleranz, gegenseitige Achtung und die Einhaltung der Menschenrechte unverrückbare Parameter sind, darüber sollte man nicht diskutieren müssen. In Österreich nicht und nirgends auf der Welt. TEXT: MARINA BERNARDI

ligung. Jedes Kind wird mit diesen Rechten geboren. Jedes Kind sollte gleich sein.

JEDEM KIND EIN LIEBEVOLLES ZUHAUSE

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erte sind essenziell – für den einzelnen Menschen, für Organisationen, Unternehmen, die Gesellschaft. Wertvorstellungen drücken aus, was einem wichtig ist und man für gut und richtig erachtet. Dass sich eigene wie gesellschaftliche Wertegerüste verschieben, ist nichts Ungewöhnliches, solange man sich mit Respekt und Anstand begegnet. Jeder Person gegenüber, egal welcher Ethnie, welchen Geschlechts, welcher sexuellen Orientierung, welchen Alters. Am 20. November 1989 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die UN-Konvention über die Rechte des Kindes. Alle Kinder auf der Welt erhielten damit verbriefte Rechte – auf Überleben, Entwicklung, Schutz und Betei-

Am 25. April 1949 gründete eine Gruppe engagierter Frauen und Männer rund um den Vorarlberger Medizinstudenten Hermann Gmeiner in Innsbruck die „Societas Socialis“. Mit ihrer für die damalige Zeit revolutionären, sozial innovativen Idee legten sie nicht nur den Grundstein für die Entwicklung von SOS-Kinderdorf, sondern leisteten auch einen wichtigen Impuls für die Kinder- und Jugendfürsorge: Statt von der Gesellschaft unerwünschte Kinder in anonymen Heimen und Erziehungsanstalten zu verwahren, sollten sie im Schutz und in der Geborgenheit einer Familie aufwachsen. Denn: Sind Kinder zwar in der Theorie alle gleich, werden sie in der Realität nicht alle gleich behandelt. „Jedes Kind verdient die beste Fürsorge, die es bekommen kann. Auch 70 Jahre nach der Gründung von SOS-Kinderdorf ist immer noch unser Credo: Jedem Kind ein liebevolles Zuhause“, sagt Wolfang Katsch, Geschäftsleiter für Tirol, Vorarlberg und Salzburg. Das Angebot von SOS-Kinderdorf geht dabei längst über die klassische, weiland bekannte „Kinderdorf-Mutter“ hinaus: „Das Zuhause muss nicht in einer Kinderdorf-Familie sein, wie es die ursprüngliche Idee war. Egal, bei wem ein Kind lebt, ist unser Ziel, dass es liebevoll aufgezogen wird. Wir bieten dafür ein breites Angebotsspektrum und bemühen uns um passgenaue Lösungen für jedes Kind – und versuchen wenn möglich, es in seiner gewohnten Umgebung zu belassen. Uns geht

es darum, Familien zu stärken, bei Konflikten zu beraten und die Situation innerhalb der jeweiligen Familie zu stabilisieren.“ Konkret heißt das: mobile Familienarbeit, denn langfristig ist der beste Platz für ein Kind immer noch der eigene Familienverbund.

ECO.NOVA: Das SOS-Kinderdorf besteht seit mittlerweile 70 Jahren. Haben sich Werte und Wertvorstellungen in dieser Zeit verändert? WOLFGANG KATSCH: Natürlich passen sich Wertvorstellungen an sich ändernde Zeiten an. Das ist auch bei SOS-Kinderdorf so. Dennoch gibt es bestimmte unverrückbare Leitsätze. Dieses Wertegerüst muss man aber nicht neu erfinden, denn es gibt es schon: die Menschenrechte und die Kinderrechtskonvention. Diese dort definierten Grundprinzipien sollten uneingeschränkt für alle Menschen gelten. Die Kernbotschaft: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Das hört sich vielleicht lapidar an, aber wir merken immer wieder, dass das nicht selbstverständlich ist. Auch in Österreich scheint nicht jedes Kind gleich zu sein. Es gibt Gesetze, die sind für Kinder und Jugendliche in Oberösterreich anders als in Tirol. Ich frage mich: Wie kann das sein? Daher fordern wir gleiche Chancen und Rechte für alle Kinder.

Was verbinden Sie mit dem Begriff „Familie“? Es gibt unterschiedliche Familienbilder und das ist gut so. Doch egal, in welcher Art von Familie ein Kind aufwächst: Es soll eine liebevolle Umgebung sein. Kinder brauchen in verschiedenen

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Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Solidarität begegnen. ARTIKEL 1 DER ALLGEMEINEN ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE

Teamwork makes the dream work: Helene Didl, Maria Hofer, Hermann Gmeiner und Walter Gstrein.

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Der Vater der Idee: Hermann Gmeiner legte 1949 mit einer Gruppe engagierter Frauen und Männer den Grundstein für SOS-Kinderdorf.

Phasen des Lebens unterschiedliche Betreuung. Wenn Familien Unterstützung benötigen, helfen wir gerne – mit maßgeschneiderten Lösungen, damit jedes Kind die Chance auf eine gute Zukunft hat.

Wie viele Kinder und Jugendliche werden derzeit in Tirol von SOS-Kinderdorf betreut? 2018 wurden in Tirol 688 Kinder und Jugendliche betreut und begleitet. Dafür haben wir eine breite Palette an kurz- und langfristigen Angeboten: Wohngruppen für Kinder und Jugendliche, Kinderdorffamilien, Krisenpflegeplätze und mobile Unterstützung. Pro Jahr rufen außerdem österreichweit rund 80.000 junge Menschen unter der Nummer 147 bei Rat auf Draht an – darunter auch Tausende aus Tirol –, um in ihrer individuellen Not Rat und Hilfe zu suchen. Vom ersten Liebeskummer bis zu tatsächlichen Suizidgedanken ist alles dabei.

Kinderarmut ist nach wie vor ein Thema. Auch in Österreich. Haben Sie die Hoffnung, dass wir in absehbarer Zukunft nicht mehr darüber reden müssen, weil das Problem gelöst ist? Ich würde es mir jedenfalls wünschen. Laut einer Studie ist jedes fünfte Kind in Österreich von Kinderarmut bedroht – das heißt, viele Familien wissen nicht, wie sie ihrem Kind ein Geburtstagsgeschenk kaufen sollen, sie können keine Freunde zu sich einladen oder Ausflüge machen. Es passiert viel Gutes in Österreich, von einer generellen Lösung sind wir aber weit entfernt. Deshalb setzen wir uns vehement für die Kinder und deren Rechte ein, denn sie haben keine eigene Lobby. Es gibt offenbar auch hierzulande viele Familien und Kinder, die Hilfe brauchen. Reichen Ihre Kapazitäten? Ich bin überzeugt, dass man mit einem guten Miteinander und Visionen fast jedes Problem lösen kann. Davon war ich auch überzeugt, als 2015 die vielen Flüchtlinge nach Österreich gekommen sind und SOS-Kinderdorf in kurzer Zeit über 200

neue altersgerechte Betreuungsplätze für minderjährige Flüchlinge geschaffen hat. SOS-Kinderdorf hat 70 Jahre Erfahrung. Wir wissen, wie Hilfe funktioniert. Aber es braucht auch den politischen Willen zu sagen: Jetzt machen wir es! Natürlich geht es um Ressourcen und Geld, aber auch um engagiertes Tun. Es gibt in Österreich so viele hilfsbereite Menschen, Unternehmen und Institutionen, für die es wichtig und wertvoll ist, einem Kind zu helfen – nicht nur aus Wohltätigkeit und Imagepflege, sondern aus der tiefen Überzeugung heraus, dass Kinder unsere Zukunft sind und ihnen alle Chancen offen stehen sollten. Helfen kann man auf viele verschiedene Arten. Damit ein Kind gut aufwachsen kann, braucht es viele, die mitanpacken. Neben jenen, die sich unmittelbar um die Kinder kümmern, braucht es ein großes Netzwerk. Wir sind dankbar für die vielen freiwilligen Helfer, die zum Beispiel beim Aufbau eines Hauses, bei der Gartenarbeit oder bei schulischer Nachhilfe helfen. Viele Unternehmen und Privatpersonen überlassen uns Sach- oder Geldspenden. Es gibt das schöne afrikanische Sprichwort: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Im übertragenen Sinne stimmt das bis heute – auch bei uns. Ist „Gutes tun“ objektiv messbar? Jedem Kind gehört geholfen, hier geht es in erster Linie nicht um monetäre Werte, aber ich verstehe die Frage. Neben dem humanitären Aspekt ist eine Investition in Kinder aber auch eine wirtschaftlich relevante. Wir haben dazu zwei Studien zur

SOS - KINDERDORF ÖSTERREICH

2018 wurden in Österreich in 14 SOS-Kinderdörfern mehr als 1.800 Kinder und Jugendliche in Familien und Wohngruppen betreut. Knapp 1.300 junge Menschen unterstützte SOS-Kinderdorf durch mobile Angebote und die Begleitung von (Krisen-)Pflegefamilien. Rund 2.500 kamen zur Beratung, Diagnostik und Therapie in die Ambulatorien von SOS-Kinderdorf in Wien und Klagenfurt. Nicht zu vergessen: die mehr als 80.000 Telefon- und Chatberatungen und über eine Million Besucher der Website von 147 Rat auf Draht. Die anonyme, kostenlose 24-StundenNotrufnummer für Kinder und Jugendliche hat SOS-Kinderdorf seit 2014 als Träger übernommen. www.sos-kinderdorf.at


eco.wirtschaft

HILFE ZUR SELBSTHILFE Den Jüngsten der Gesellschaft hilft auch der Verein „Kindern eine Chance“ – in diesem Fall tut er dies in Uganda. Gelingen soll es mittels Bildungsangeboten, die in eine selbstbestimmte Zukunft führen sollen.

Prof. DDr. Jürgen Huber mit den Vereinsgründern Gabi Ziller und Stefan Pleger bei der Übergabe der Laptops, die die Universität Innsbruck zur Verfügung stellte.

Wolfang Katsch, Geschäftsleiter SOS-Kinderdorf für Tirol, Vorarlberg und Salzburg

Wirksamkeit sozialer Arbeit erstellen lassen, deren Ergebnis kurz gesagt ist, dass jeder Euro, den man in die Entwicklung eines Kindes investiert, vierfach zurückkommt – quasi als Social Return on Investment. Wenn das Kind einen guten Weg einschlägt und eine Ausbildung absolviert, arbeiten geht und selbst Steuern bezahlt, ist das auch ein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Nutzen. Man muss Kindern also nicht nur aus moralischen Gründen Möglichkeiten eröffnen, ihr Leben selbstständig bestreiten zu können. Dadurch wird ein Mehrwert für die gesamte Gesellschaft geschaffen. Natürlich stellt sich auch für uns als Organisation die Frage, wie wir mit unseren Ressourcen am besten haushalten. Das hat jedoch nichts damit zu tun, dass wir einen Menschen für unterstützenswerter halten als einen anderen. Es geht darum, mit unserer Hilfe etwas zu bewirken. Die Frage ist also: Wo können wir Unterstützung leisten, um nachhaltige Erfolge zu erzielen? Wenn ein paar Leute zusammenarbeiten, kann man vieles ermöglichen. Meistens geht das nicht allein, deshalb versuchen wir immer, möglichst viele, unterschiedliche Leute an einen Tisch zu bekommen und zu schauen, was jeder von ihnen beitragen kann. Im Großen wie im Kleinen. Und wenn man rasch und unbürokratisch helfen kann, ist das nicht nur sinnstiftend und wertvoll. Es macht auch Spaß!

B

ildung ist der Schlüssel für ein autonomes, eigenständiges Leben. Nicht jedes Land bietet jene Voraussetzungen, die wir dabei in Österreich vorfinden. Eigentlich gibt es nur wenige Länder mit einem derart umfangreichen kostenlosen Bildungsangebot. Vor allem in Afrika fehlt es vielfach am Zugang zur Bildung. Das schafft Abhängigkeiten. Der Verein „Kindern eine Chance“ ermöglicht mit seinen Projekten und Programmen Hilfe zur Selbsthilfe. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, benachteiligten Kindern die Chance zu geben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, ohne die Mentalität des ‚Handaufhaltens‘ zu fördern“, so die Verantwortlichen. Ins Leben gerufen wurde der Verein vom Tiroler Stefan Pleger, der viele Jahre immer wieder für Hilfsorganisationen und dabei vorrangig für „Ärzte ohne Grenzen“ in Afrika tätig war. Im Jänner 2008 lernte er ein Waisenkinderprojekt im ugandischen Zigoti kennen, das er seither von Österreich aus unterstützt. Mittlerweile hat die private Initiative eine Vielzahl von Mitstreitern, die sich allesamt ehrenamtlich engagieren. „Wir sind davon überzeugt, dass wir etwas verändern können“, sagt Pleger. Neben Patenkinder-Programmen betreibt der Verein mittlerweile sieben Grundschulen und Kindergärten in der Region, in denen in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung und möglichst nachhaltig das

Bildungsangebot kontinuierlich erweitert und gefestigt wird. Und weil es sich hungrig schlecht lernt, arbeitet „Kindern eine Chance“ seit 2011 eng mit der ugandischen Schulbehörde zusammen und versorgt mittlerweile 60 staatliche Schulen täglich mit einer warmen Mahlzeit. Gemeinsam mit Vereins-Mitgründerin und Lebensgefährtin Gabi Ziller fährt Stefan Pleger regelmäßig nach Uganda, um sich persönlich ein Bild über die Entwicklungen und Fortschritte zu machen und mit anzupacken. Zweimal jährlich verbringen die beiden gemeinsam mit ihrem Sohn insgesamt etwa fünf Monate in Uganda, das für sie damit zur zweiten Heimat geworden ist. Viele Unternehmen und Privatpersonen unterstützen den Verein bereits, Hilfe kann es aber nie genug geben. Infos und Spendenmöglichkeiten gibt’s auf der Homepage, die Spende ist steuerlich absetzbar und kommt zu 100 Prozent dort an, wo sie gebraucht wird. Kürzlich stellte die Uni Innsbruck „Kindern eine Chance“ 24 Laptops für die Arbeit in Uganda zur Verfügung. Speziell in Kulturen, in denen Lesen keinen hohen Stellenwert hat, ermöglicht etwa der Einsatz von Lernvideos ganz neue Zugänge. Die Computer werden in einer landwirtschaftlichen Schule eingesetzt, wo Jugendliche nicht nur den Umgang mit den Geräten erlernen, sondern auch das Recherchieren im Internet, und über Videos aktuelle Lerninhalte vermittelt bekommen. www.kinderneinechance.at

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© IKB

Die IKB betreut die Heizungsanlagen je nach Bedarf des Kunden.

SORGENFREIE ENERGIELÖSUNGEN

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Das technische Anlagenmanagement gestaltet sich aufgrund ökologischer, ökonomischer und technischer Anforderungen immer komplexer. Als Energieunternehmen hat die Innsbrucker Kommunalbetriebe AG (IKB) die entsprechende Expertise auf diesem Gebiet und bietet Unternehmen, Gemeinden wie auch öffentlichen Einrichtungen wirtschaftlich interessante und energieeffiziente Lösungen aus einer Hand. T E X T : D O R I S H E LW E G

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as Bedienen, Überwachen, Reparieren und Instandhalten von Energieanlagen wird immer komplexer. Zum einen verändern sich die Formen der Energiebereitstellung, zum anderen spielt die Energieeffizienz eine immer größere Rolle. Die IKB bietet mit ihrem Anlagenmanagement zu äußerst überschaubaren Beträgen für den Kunden maßgeschneiderte All-inclusive-Pakete. Das beginnt mit der Prüfung der bestehenden Anlage des Kunden auf Energieeffizienz. „Sollte die Heizungsanlage nicht den gesetzlichen Vorgaben der Normen entsprechen, schlagen wir eine Adaptierung der Anlage vor“, erklärt DI Walter Pertinger, Vertriebsleiter Energieservices der IKB. „Die Kundenanlage wird mittels Fernüberwachung rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr kontrolliert. Mit dem Frühwarnsystem erkennen wir bei eventu-

ellen Schwankungen schon vorzeitig, dass es zu einer Störung kommen könnte. Wir schreiten unverzüglich ein und beheben die Störung“, so der Energieexperte. Die Leistungen des Anlagenmanagements richten sich nach der zu betreuenden Anlage. Ob für Wärmepumpen (Erdwärme, Grundwasser oder Luft), Gas- oder Ölheizung, Biomasse (Pellets oder Hackschnitzel), Solar, Photovoltaik oder eine Kombination daraus: Es können individuelle Pakete des Anlagenmanagements geschnürt werden. Beinhaltet ist die gesamte Betreuung, Wartung und Instandhaltung der Anlagen wie stetige Messungen, Heizwasseranalysen, Serviceleistungen, Kaminkehrer und vieles mehr. Die Energiekosten werden nach tatsächlichem Verbrauch und zu einem attraktiven Preis abgerechnet. „Wir übernehmen das Risiko der Wirtschaftlichkeit und

das Wirkungsgradrisiko, die Anlage an sich verbleibt im Eigentum des Kunden“, erklärt Pertinger. „Die Verträge für das Anlagenmanagement laufen ein Jahr. Sollte eine Anlage ineffizient werden, suchen wir gemeinsam mit dem Kunden nach einer optimalen Lösung.“ Diese wird mittels Contracting abgewickelt. Die IKB finanziert und betreut die Anlage über eine Laufzeit von 15 Jahren. Es lohnt sich also, wenn Profis am Werk sind und man das Management von Heizungs-, Kühl- und Lüftungsanlagen in professionelle Hände legt. Das bestätigt Ing. Elisabeth Oberforcher, Immobilien Treuhand Ing. E. & H. Oberforcher OG, und lobt die schnelle Reaktionszeit der IKB: „Als Hausverwaltung ist es für uns sehr wichtig, dass unsere Anlagen heizungstechnisch bestmöglich betreut werden. Das gilt für ältere Heizungsanlagen genauso


wie für hochmoderne Anlagen. Das Anlagenmanagement der IKB gewährleistet, dass Heizungsanlagen optimal eingestellt und energieeffizient betrieben werden. Laufende Kontrollen und regelmäßige Wartungen sowie eine 24-Stunden-Bereitschaft für Störungsbehebungen runden das Gesamtpaket ab. Im Störfall ist die Reaktionszeit sehr schnell, in kürzester Zeit sind kompetente Techniker vor Ort, um das Problem zu lösen.“

© ILVY RODLER

IKB

„Die Spezialisten der IKB sind für unsere Haustechnik eine große Unterstützung, und wir sind für das eingebrachte Expertenwissen sehr dankbar.“ SEBASTIAN SCHNEEMANN, CENTER MANAGER DES KAUFHAUS TYROL

KAUFHAUS TYROL VERTRAUT AUF DIE IKB

Dass Anlagenmanagement kein einfaches Unterfangen mehr ist, weiß auch Sebastian Schneemann, Center Manager vom Kaufhaus Tyrol in Innsbruck. „Wir kooperieren seit der ersten Stunde in bester Zusammenarbeit mit dem Anlagenmanagement der IKB. Wir heizen und kühlen mit Flusswasser. Unsere Prämisse ist, dass der Kunde sich bei uns wohlfühlt, es weder zu heiß noch zu kalt ist. Das ist aber gar nicht so einfach, insbesondere in den Untergeschoßen, wo es durch den großen Eingang zum Einfall kalter Luft kommen kann. Die Experten der IKB führen hier laufend gemeinsam mit unserer Haustechnik Anpassungen, Messungen und Wartungen durch. So ändert sich zum Beispiel auch der Wärmebedarf eines Shops, wenn er von Halogenlampen auf LED-Beleuchtung umstellt. Die entsprechenden Spezialisten der IKB sind für unsere Haustechnik eine große Unterstützung, und wir sind für das eingebrachte Expertenwissen sehr dankbar.“

ATRIUM IMMOBILIEN TREUHAND KG: HÖHERE VERSORGUNGSSICHERHEIT Auch Mag. Sandro Todeschini, Geschäftsführer der Atrium Immobilien Treuhand KG, zeigt sich von der Zusammenarbeit mit der IKB äußerst zufrieden. Aktuell betreut die IKB zwei größere Wohnanlagen, eine im Contracting-Modell und eine mit dem Anlagenmanagement. „Wir stellen eine wesentlich höhere Versorgungssicherheit fest. Sowohl die Hausbewohner als auch wir als Hausverwalter profitieren vom Anlagenmanagement der IKB. Dank der Fernüberwachung werden mögliche Störfälle meistens schon im Vorfeld erkannt und durch Techniker behoben, sodass es erst gar nicht zu irgendwelchen Ausfällen kommt. Auch die 24-Stunden-Bereitschaft erhöht den Nutzungskomfort wesentlich, denn wie es meist ist, tritt der Störfall am Samstag um 23 Uhr

ein oder am Weihnachtsabend. Da sind mir als Verwalter die Hände gebunden, die IKB jedoch ist an 365 Tagen 24 Stunden in Bereitschaft. Insofern kann ich sowohl von Eigentümerseite als auch von meiner Seite als Hausverwalter das Anlagenmanagement der IKB empfehlen.“ PR

KONTAKT Ihre Ansprechperson: Udo Mayr Tel: 0512 502-5235 udo.mayr@ikb.at www.ikb.at

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© ILVY RODLER

Das Kaufhaus Tyrol vertraut auf das technische Anlagenmanagement der IKB.

Für die Atrium Immobilien Treuhand KG betreut die IKB aktuell zwei größere Wohnanlagen.


eco.wirtschaft

ZUKUNFT BRAUCHT HERKUNFT Dass er sein eigenes Unternehmen gründen werde, war Christian Mühlthaler bereits in den Lehrjahren als Radio- und Fernsehtechniker klar. Mittlerweile blickt er auf 30 Jahre erfolgreiches Wirtschaften zurück und das in einer Branche, die ständig im Wandel ist. Auch das ist ein Wert: beständig zu sein und sich gleichzeitig immer wieder an neue Gegebenheiten anpassen zu können. 62

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as Technologie dem Menschen bringt und wie sie in seine Gewohnheiten passt – das ist das oberste Anliegen von Christian Mühlthaler. Mit IQTEC trägt er seine Liebe zu Design gepaart mit hoher Qualität in zweiter Generation weiter und auch seine Söhne sind bereits aktiv im Unternehmen.

erfolgreiche Jahre als Unternehmer in der schnelllebigen Elektrobranche zurück. Am 27. Mai 1989, genau am Geburtstag von Sohn Philipp, hat Mühlthaler das Bang-&Olufsen-Geschäft gemeinsam mit seinem Sandkastenfreund Ing. Hans-Peter Schober in der Pradler Straße eröffnet. Mit dem modernen Markenshop im B&O-Design war er der Erste seiner Art in Tirol und der Zweite österreichweit. Und in den letzten Jahrzehnten hat sich viel getan. Letzter Meilenstein: Das Unternehmen übersiedelte von Pradl nach Rum. Der Standort bietet auf 400 Quadratmetern ein optimales Arbeitsumfeld mit Schauraum, Servicebereich, Lager und insgesamt elf Kundenparkplätzen

Das mittlerweile elfköpfige Team rund um Christian Mühlthaler (stehend, 3. v. r.) ist geprägt durch das ehrliche Bestreben, jeden Tag sein Bestes zu geben und abgegebene Versprechen auch einzuhalten.

direkt vor dem Geschäft und in der Tiefgarage – E-Tankstelle inklusive. Kompetenz und Know-how, aber ebenso viel Empathie für die Wünsche der Kunden haben für Christian Mühlthaler und seine beiden Söhne Philipp und Clemens, die seit drei Jahren zu gleichen Gesellschaftsanteilen ihre Kompetenzen in den Bereichen Elektrotechnik und Elektronik einbringen, oberste Priorität. Dass zur Jubiläumsfeier auch Julius Koppelstätter gekommen ist, zeugt davon, dass Christian Mühlthaler und sein Team vieles richtig gemacht haben. Koppelstätter war der erste B&O-Kunde des damaligen Betriebs Schober & Mühlthaler vor 30 Jahren. www.iq-tec.at

KOMPLETTLÖSUNGEN NACH MASS

Seit drei Jahrzehnten steht das Elektrounternehmen Bang & Olufsen IQ-TEC Mühlthaler für Service, Beratung und fachgerechte Ausführung bei Elektroinstallationen mit ausgefeilter Smarthome-Technik, Photovoltaikanlagen, Videoüberwachung, hochwertiger Netzwerkverkabelung und Multimediainstallationen. Alles aus einer Hand. Begonnen hat der gelernte Radio- und Fernsehtechnikmeister in einer kleinen Werkstatt in der Höttinger Gasse in Innsbruck. Bald war Christian Mühlthaler klar, „dass nur ein gut funktionierendes Zusammenspiel von hochwertigen Fernseh-, Lautsprecher- und Videogeräten sowie technisch durchdachter Vernetzung Aussichten auf Erfolg haben wird“, blickt er heute auf 30

Feierten 30 Jahre IQ-TEC Mühlthaler mit der Präsentation des neuen Beovision Harmony: Clemens, Philipp und Christian Mühlthaler (v. l.) mit Ing. Martin Wetscher, Obmann der Sparte Handel in der Tiroler Wirtschaftskammer (r.), und Julius Koppelstätter (2. v. l.).


promotion

UNTERNEHMENSKULTUR WIRD AUS WERTEN GEMACHT Es sind erst die täglich vorgelebten Werte, die eine glaubwürdige Unternehmenskultur schaffen. In einem Klima der Wertschätzung erbringen Mitarbeiter ihre besten Leistungen und identifizieren sich mit dem Unternehmen. Bei Business Pool weiß man um die Bedeutung von Werten und auch, wie man diese glaubhaft vertritt und seine Mitarbeiter ins Boot holt. TEXT: MARIAN KRÖLL

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ertorientiertes Arbeiten nach innen wie außen und über die Unternehmenskultur vermittelte Wertschätzung gehört zweifellos zum Kerngeschäft von Business Pool. Und das seit 20 Jahren und mittlerweile seit bald fünf Jahren auch in Nordtirol. Geschäftsführer Günther Wurm beschäftigt sich intensiv mit Unternehmenskultur, die ja nichts anderes als ein Wertegerüst ist, das sich jedes Unternehmen – in unterschiedlicher Ausprägung – selbst gibt. Mit schönen Worten allein ist es aber in Sachen Unternehmenskultur längst nicht getan, wie Wurm betont: „Unternehmenskultur entsteht nicht dadurch, dass man sie in Hochglanzbroschüren verschriftlicht.“ Nein, man muss nach den Werten leben, sein unternehmerisches Handeln auf diese aufbauen und sie im tagtäglichen Umgang mit den Mitarbeitern vorleben, kurz gesagt, glaubwürdig sein. Das umfasst auch die Wertschätzung, die man Mitarbeitern entgegenbringen sollte und deren Wirkung auf die Produktivität und Identifikation mit dem Unternehmen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. „Die klare Definition von Werten, Spielregeln und das tägliche Handeln danach ist für alle Unternehmen – große, mittlere und kleine – gleichermaßen unverzichtbar“, weiß Geschäftsführerin Barbara Jäger. Sie

ist überzeugt davon, dass der „Wettbewerb der Zukunft auf dem Marktplatz der Unternehmenskulturen“ geführt werde. Wer sich also eine glaubwürdige Unternehmenskultur aufgebaut hat, wird sich zukünftig zu den „lachenden“ Organisationen zählen können, wie Wurm erläutert: „Diese Organisationen sind agil, kreativ, robust und nicht zuletzt produktiv. Sie werden die Zukunft bestens bewältigen.“ Es wird und wurde viel über die sogenannten Millennials, die nur noch auf Work-Life-Balance bedacht seien, geklagt. Das kann Günther Wurm nicht nachvollziehen, sei es doch gerade für diese Kohorte grundlegend, dass sich die Werte des Unternehmens, in dem sie beschäftigt sind, mit den eigenen Werten deckten. „Millennials lassen sich durch klar kommunizierte und vorgelebte Werte stark an ein Unternehmen binden, auch in emotionaler Hinsicht“, bestätigt Jäger.

WIRKUNG NACH INNEN UND AUSSEN

Der von Business Pool alljährlich vergebene Top Company Award kann auch in dieser Hinsicht einiges leisten, weil die Auszeichnung nicht nur in der Außenwirkung, sondern vor allem auch nach innen zeigt, dass sich das Unternehmen für seine Mitarbeiter und deren Inputs interessiert und bemüht ist, Entwicklungspotenziale zu erkennen und Maßnahmen daraus abzuleiten. „Zufriede-

ne Mitarbeiter fühlen sich stärker ans Unternehmen gebunden und kommen damit dem Unternehmen zugute. Darüber hinaus entlasten sie die Geschäftsführung, die sich vermehrt um die unternehmerische Weiterentwicklung kümmern kann“, erklärt Barbara Jäger. „Nur über ein harmonisches Zusammenspiel zwischen einem Unternehmen, das klare Rahmenbedingungen formuliert, und Mitarbeitern, die sich wertgeschätzt fühlen, kann sich ein Unternehmen gut weiterentwickeln“, weiß Günther Wurm um die Bedeutung einer mitarbeiterorientierten Unternehmenskultur. „Den größten Einfluss auf das Engagement der Mitarbeiter und damit den Unternehmenserfolg haben Mitarbeiterorientierung, die Schaffung von Teamgeist und das Erleben von Zugehörigkeit zum Unternehmen.“ Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass das Unternehmen einen Auftrag zu erfüllen hat: die Produktion oder der Handel von Waren oder der Verkauf von Dienstleistungen. Das Unternehmen ist auf Leistungserbringung ausgerichtet und darf nicht zur „Wohlfühloase“ verkommen. Den Erfolg des Unternehmens macht das sowohl als auch aus: Leistungserbringung und Professionalität, gepaart mit Mitarbeiterorientierung. In einem solchen Umfeld ist die Verantwortung der Führungskräfte gleich wichtig wie die Selbstverantwortung der Mitarbeiter. www.businesspool.at 

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ZUKUNF

bildung & innovation

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Anti-Hatschi Wenn es darum geht, das Immunsystem gegen Krankheitserreger oder Allergene zu aktivieren, stehen die Dendritischen Zellen an vorderster Front. Die Aufgabe dieser Immunzellen ist es, Alarm zu schlagen, indem sie Bestandteile (Antigene) des Allergens aufnehmen, verarbeiten und sie in einer charakteristischen und für die T-Zellen* erkennbaren Form präsentieren. Eine aktuelle Forschungsarbeit aus der Universitätsklinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizin Uni Innsbruck beleuchtet einen neuen Mechanismus, der bestimmten allergischen Immunreaktionen zugrunde liegt. Das Innsbrucker Team um die Biologin Christine Heufler untersuchte so genannte Lipocaline – respiratorische Allergene, die Hundehaar- oder Katzenallergien auslösen – und konnte dabei den Formylpeptidrezeptor (FPR) 3 als zentralen Player dieser allergischen Reaktion identifizieren. Kurzum: Das Forscherteam entschlüsselte eine mögliche Ursache für die Entstehung allergischer Immunreaktionen, wodurch man einer neuen Therapieoption einen großen Schritt näher kommt. Tierhaarallergiker können also berechtigt auf Hilfe hoffen. * T-Lymphozyten oder kurz T-Zellen bilden eine Gruppe von weißen Blutzellen, die der Immunabwehr dient.


eco.zukunft

© FABIAN ISARA

eco.mmentar

Vereinsobmann Josef Gunsch, Agnes Mayr und Michael Grimm, Vertreter des Expertenboards

FORSCHEN FÜRS HERZ Der Verein „Gesellschaft zur Förderung der Herz-Kreislauf-Forschung“ unterstützt Projekte junger Forscher auf eben jenem Gebiet; die Mittel dafür kommen hauptsächlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden von Vertreten der Tiroler Wirtschaft. Aktuell unterstützt der Verein die Tätigkeit von Univ.-Doz. Agnes Mayr von der Universitätsklinik Innsbruck, einer Expertin auf dem Gebiet der Herz-Magnetresonanz-Untersuchung. Sie forscht nach neuen Darstellungsmethoden des Zugangs zum Herzen zur Planung von Herzklappeneingriffen, die den Patienten weniger belasten sollen. Dabei wird eine neuartige MR-Untersuchung ohne Bedarf an Kontrastmitteln evaluiert. Dieses Verfahren könnte in Zukunft die Computertomographie mit Kontrastmittelgabe in diesem Bereich ersetzen.

Die Zukunft war früher auch besser. KARL VALENTIN

E-BIKES FÜR JEDEN Die Financial Times hat Greenstorm im Frühjahr als eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas gereiht. Kein Wunder: E-Bikes boomen. Mit marketplace.greenstorm.eu hat das Unternehmen nun den größten E-Bike-Marktplatz für neue und gebrauchte Räder gelauncht. Zum Start sind bereits über 800 Händler dabei, die ihre E-Bikes hier provisionsfrei verkaufen können.

Hannes Offenbacher

Die Tiroler Wertecharta Anfangs waren es nicht mehr als laut ausgesprochene Spinnereien, die beim Europäischen Forum Alpbach (EFA) erstmals ihre Runde machten. Doch dann ... 2019 stand unter dem Leitthema „Sicherheit und Freiheit“ und im Kontext zu den von Trump ausgelösten globalen Handelskriegen, dem drohenden harten Brexit Englands, dem Versagen der Politik in der Flüchtlingsfrage und dem sommerlichen Kollaps der Brennerautobahn und den damit einhergehenden ersten Fahrverboten schwelte in Tirol die Frage, wie ein kleines Bundesland einer kleinen Alpenrepublik seine Zukunft in einer global vernetzten und digital beschleunigten Welt überhaupt noch aktiv gestalten kann. Abseits des offiziellen Programms luden hochrangige Tiroler Politiker unter dem Motto „Think global – act local“ zu einem Kamingespräch, um einen Abend lang die Einschränkungen des politischen Alltags hinter sich zu lassen und gemeinsam an Visionen für Tirol zu arbeiten. Die damals noch jungen „Sustainable Development Goals“ (SDGs) der Vereinten Nationen waren wichtige Reibungsfläche und Grundstein für das, was später als die „Tyrolian Charta of good life“ international bekannt werden sollte. In Alpbach gestartet, wuchs aus dem kleinen Kamingespräch eine Bewegung, die Tirol zum globalen Pionier einer neu verstandenen Regionalpolitik machen sollte. Die Lebensqualität der Menschen wurde ins Zentrum aller politischen Überlegungen gestellt, was die gesamte Debatte über Nachhaltigkeit veränderte. Von 2019 bis 2022 wurde in vielfältigen Formaten diskutiert, vertieft und an der „Tyrolean Charta“ gearbeitet, bevor sie vom Landtag einstimmig als strategischer Leitrahmen für alle politische Entscheidungen verabschiedet wurde. Umweltschutz und Gesundheit, Energie und Beschäftigung sowie Ernährung und Bildung waren die zentralen Pfeiler und Bewertungsgrundlagen für die Erstellung der zukünftigen Budgets und Aktivitäten. Ein Meilenstein. Der jährliche „Good Life Summit“ wuchs schnell zum wichtigsten europäischen Treffen in Sachen innovativer und nachhaltiger Regionsentwicklung. 2025 wurde Tirol für seine Pionierleistungen von der UN in New York als erstes Bundesland überhaupt mit dem „Sustainable Development Goals Action Award“ ausgezeichnet und von der US-amerikanischen Präsidentin, die selbst gerade an der „USA Sustainable Future Strategy“ arbeitete, zum Austausch ins Weiße Haus eingeladen. Die internationale Aufmerksamkeit war enorm. Die Europäische Union nahm 2026 die Tiroler Bemühungen als Blaupause für ein neues Verständnis eines vernetzten Europas der Regionen und investierte 200 Millionen Euro in die Entwicklung und den Bau eines „Sustainable Regions Research Institute“ am Fuß des Patscherkofels, das 2030 eröffnet wurde und Tirol endgültig zum wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Epizentrum für die Zukunft des alpinen Lebensraums und der ganzheitlichen Lebensqualität machte. Das alles hätte sich damals keiner vorstellen können.

HANNES OFFENBACHER

Diese Kolumne ist Fiktion. Der Unternehmer und Neudenker Hannes Offenbacher schreibt diese aus dem Jahr 2040. www.facebook.com/offenbacher, www.linkedin.com/in/hannesoffenbacher

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eco.zukunft

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„Dinge nur zu kopieren reicht nicht, man muss sie kapieren.“ STEFAN SCHRANZ


T INN IROL OV AT I V

DIE IDEEN SIND FREI

Wäre es möglich, die Ideen zu zählen, die Tag für Tag in Köpfen rund um den Globus entstehen, wir wären sprachlos ob ihrer gewaltigen Anzahl. Doch nicht jeder Kopf ist dazu geschaffen, eine Idee auch umzusetzen. Dazu braucht es – in den meisten Fällen – ganz schön viel Mut und Durchhaltevermögen. Und eine gehörige Portion Nonchalance. TEXT: SONJA NIEDERBRUNNER

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tellen wir uns für einen Moment vor, Ideen wären wie wir, also lebendige Wesen. Mit eigenem Bewusstsein, eigenem Willen und in der Lage, mit uns zu interagieren. Das funktioniert dann ungefähr so: „Hey, da ist ein interessanter Mensch, der könnte mich zur Welt bringen. Ich versuche mal, ihn zu inspirieren.“ Der Moment, in dem uns eine Idee auserwählt, die sich manifestieren will, ist entweder total unspektakulär – weil wir sie inmitten unseres Alltagstrubels einfach nicht bemerken –, oder aber sie trifft uns wie ein Blitz. Dann liegt es an uns: Nehmen wir die Idee an, setzen wir sie um? Haben wir Mut?

Der Gedanke, Ideen seien konkrete Wesen, stammt übrigens von Elizabeth Gilbert, der US-amerikanischen Bestsellerautorin von „Eat Pray Love“, das seit seinem Erscheinen im Jahr 2006 millionenfach verkauft wurde und immer noch wird und unzählige Menschen inspiriert hat. Die Idee zum Buch „Eat Pray Love“ war in den Augen der Autorin genauso eine, die geboren werden wollte (und ihr nebenbei eine hübsche Summe einbrachte und immer noch bringt). Egal, ob Ideen nun körperlose Wesen – eine schöne Vorstellung übrigens – oder ob sie „das Produkt zweier Synapsen“ sind, wie der Tiroler Stefan Schranz (Schranz Management System – Ideen-Entwicklung und Vorträge für Kundenbegeisterung) es beschreibt: Letztendlich ist es der Mensch, der darüber entscheidet, ob eine Idee umgesetzt wird.

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eco.zukunft

1989 hatte Stefan Schranz die Idee, Computerkurse anzubieten. Die Gewerbebehörde glaubte nicht recht daran, Schranz schon. Zu Recht.

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Stefan Schranz erinnert sich genau an all jene Momente, in denen er von einer Idee getroffen wurde. Im Auto zwischen Kehre fünf und sechs auf dem Weg nach Fiss, am Strand sitzend in Cornwall, unter der Dusche – immer unter der Dusche. „Inkubationszone“ nennt Schranz die Nasszelle, nicht zuletzt, weil er sich hier völlig entspannen kann. Zugegebenermaßen ist der Fisser ein höchst willkommenes Opfer für Ideen, wenn wir bei dem Bild der um uns schwirrenden Ideen bleiben wollen. Es scheint sich herumgesprochen zu haben, dass auf ihn Verlass ist, wenn es um die Offenheit gegenüber neuen Ideen geht. Er zählt zu jenen Menschen, die nicht lange fackeln, sondern Nägel mit Köpfen machen. Das sind wohl nicht viele. „Ich denke, nur ein sehr kleiner Teil der Menschen ist innovationstauglich – im Sinne davon, dass sie eine Idee haben und diese dann auch, vorerst einmal, ernst nehmen.“ An der Idee selbst scheitert es für gewöhnlich nicht. Sie ist zwar ausschlaggebend, aber nur der Beginn der Reise. „Ein Prozent im Innovationsprozess, sofern es um ein innovatives Hardware-Produkt geht, macht die Idee aus, zehn Prozent die Entwicklung, der Rest ist Marketing und Vertrieb“, erklärt er. Nur weil man selbst seine Idee gut findet, muss das der Rest der Welt nämlich noch lange nicht. Vor allem muss der Rest der Welt erst einmal wissen, dass es sie gibt.

Als Stefan Schranz vor Jahren die Idee zu seinem Sportspiel Sixcup hatte, war er rundum verliebt in sie. „Und natürlich dachte ich: Bei mir ist alles anders, denn die Welt hat auf mein Spiel gewartet. Hat sie aber dann doch nicht.“ Die Idee an sich ist kostenlos – der ganze Rest nicht. „Hat man nicht die notwendigen finanziellen Mittel, hat man drei Möglichkeiten: Entweder man hört früh genug auf, man sucht sich einen strategischen Partner, der auch über das entsprechende Netzwerk verfügt, auf dem der Vertrieb aufgesetzt werden kann, oder man verkauft seine Idee.“ Natürlich sind manche Ideen auch ohne großes Kapital umsetzbar – selten aber ohne langen Atem. Wirklich gute Ideen, die etwas verändern, die wahre Innovationen sind, sind vor allem eines für alle anderen außer jenem, der sie hatte: fremd. Was man nicht kennt, kann nur verrückt sein. Ob der Walkman von Sony und das damit verbundene Konzept der tragbaren Musik oder die Autowaschstraße – es vergingen viele Jahre von der Idee bis zu dem Zeitpunkt der breiten Akzeptanz bzw. Begeisterung. In beiden Fällen war es nämlich so: Kein Mensch wusste bis zu diesem Zeitpunkt, dass er tragbare Musik brauchte oder eine Anlage, die sein Auto putzt, während er hindurchfährt. Ist der Kern einer guten Innovation, dass sie ein Bedürfnis weckt und in der Folge befriedigt, das noch gar nicht bewusst ist? „Ja“, sagt Schranz. „Und das betrifft sowohl

STEFAN SCHRANZ ÜBER STEFAN SCHRANZ:

Jahrgang 1961, verheiratet, eine Tochter, beide „Mädls“ mögen Papas Querdenken. Wohnt in Fiss und Zams. Betreut seit fast 20 Jahren die medalp Imst, Skischulen, Bergbahnen, Hotels, Gastro, Handel und Gewerbe. Will auf jeden Fall, so Gott und das Glück es will, bis 90 arbeiten.

Hardware- als auch Software-Innovationen. Kein Mensch hat sich jemals ein Smartphone gewünscht. Heute kann kaum mehr jemand darauf verzichten.“

KAPIERT?

Im Gegensatz zu Hardware-Innovationen, die nahezu immer mit hohem Aufwand in Hinblick auf Entwicklung, Produktion und auch Amtswege verbunden sind, sind Service- oder Dienstleistungsinnovationen quasi „billig“ zu haben. „Man muss weder Prototypen bauen noch benötigt man dafür Produktionsanlagen – man kann sich derartige Innovationen aber auch kaum schützen lassen.“ Als Schranz in den 1980er Jahren ein Schuh- und Sportmodengeschäft in Fiss führte, war einer seiner Kunden ein Facharzt für Orthopädie und der zeigte sich recht erstaunt darüber, wie ge-


eco.zukunft

nau der junge Geschäftsinhaber seine Füße und für ihn in Betracht kommende Schuhe in Augenschein nahm. Die beiden kamen ins Gespräch und ins Fachsimpeln und darauf hatte die herumlungernde Idee nur gewartet. In der Folge entwickelten der Orthopäde und der Schuhverkäufer gemeinsam die erste Fußanalyse. Auf Basis von 18 Kriterien wurden künftig Schuhe empfohlen und verkauft – passgenau, bedürfnisgerecht. „Nachdem wir das jahrelang gemacht haben, kamen namhafte Sporthandelsketten und kopierten unser Konzept. Aber in diesem Zusammenhang sei gesagt: Dinge nur zu kopieren reicht nicht, man muss sie kapieren.“ Und kapieren muss man in erster Linie seine Kunden bzw. jene Menschen, für die man innovieren möchte. Das bedeutet zweierlei: Zum einen sollte Innovierenden eine positive Einstellung gegenüber anderen Menschen zu eigen sein. Eine grundlegende Eigenschaft, um überhaupt innovieren zu können, ist Neugierde, und um die zu befriedigen, braucht es Beobachtung und Austausch. Das geht allein schwer. Zum Zweiten: Nur eine Innovation, die Kundennutzen bringt, bringt auch Verkaufserfolg. Wer Nutzen für Kunden will, muss die Kunden kennen.

IoT

„Kein Mensch hat sich jemals ein Smartphone gewünscht. Heute kann kaum mehr jemand darauf verzichten.“ STEFAN SCHRANZ

GANZ SCHÖN EINFACH Generell gilt: Innovationen sollten vereinfachen. Vor allem sollten sie es dem Kunden einfach machen, Geld auszugeben. Im Um-

kehrschluss bedeutet das aber nicht, dass Investition gleich Innovation ist. „Die einfachste Form der Fehlinterpretation. Damit kauft man nur, was bereits erfunden wurde

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„Jene, die Innovation oder Ideen ihrer Mitarbeiter verhindern oder ihnen gleichgültig gegenüberstehen, sind definitiv nicht jene, die selbst Ideen haben.“ STEFAN SCHRANZ

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– nur weil ein Hotelier drei Millionen Euro in eine Wellnessanlage investiert, ist das keine Innovation. Innovation könnte aber sehr wohl bei der Frage beginnen, wie man diese Anlage anders betreibt, Gäste darin überrascht oder begeistert.“ Bei Innovationen geht es nicht zwangsweise nur darum, Geld zu verdienen. Es geht manchmal darum, zu verbessern – Dinge, im wörtlichen wie im weniger plastischen Sinne, zu entwickeln, die unsere Gesellschaft weiterbringen. Manchmal geht das eine mit dem anderen Hand in Hand, manchmal schließt es einander aus. Schranz erinnert sich an ein Gespräch mit Bertrand Piccard, dem Mann, der als Erster mit einem Solarflugzeug um die Welt flog. Er sagte: „Technologie kann helfen, die Qualität unseres Lebens zu verbessern. Oft glauben Leute, dass erneuerbare Energien unsere Lebensqualität mindern würden oder ein Hindernis für Mobilität seien. Diese ,grüne‘ Mentalität – man muss zurückgehen und nicht nach vorne – das ist keine Perspektive für Fortschritt.“ „Was sagt er uns damit?“, fragt Schranz. „Ich denke, die Botschaft ist: Wir müssen nicht zwangsläufig verzichten, wenn wir eine bessere Welt wollen. Wir müssen aber auch nicht zwangsläufig immer mehr konsumieren. In Anbetracht der technischen und gesellschaftlichen Veränderung brauchen wir auf jeden Fall eine Innovation über das Innovieren. Insofern, als dass mehr innoviert wird, mehr Mut zur Veränderung entsteht und das Neue nicht grundsätzlich als Bedrohung betrachtet

wird.“ Entscheidend ist, dass der Nachwuchs diesen Mut hat, man ihm Raum für Mut gibt: „Wenn wir nachkommenden Generationen mit auf den Weg geben, dass alles leicht gehen muss, nichts Zeit kosten darf, dann ist das der falsche Weg. Die Frage ist: Wie können wir jungen Leuten vermitteln, dass es so etwas wie Flow gibt und auch braucht? Dafür benötigt man ein Schlüsselerlebnis. Und das hat man nur, wenn man etwas schafft, etwas gestaltet, man am Ende sieht: Das habe ich gemacht, das ist aus meinen Gedanken oder durch mein Tun entstanden, das war meine Idee. Das macht etwas mit dem Menschen.“

NICHT LOSLASSEN

1989 hatte Stefan Schranz einen damals für ihn schweren Gang zu absolvieren. Es war der zwischen Kehre fünf und sechs entstandenen Idee geschuldete Gang. Der Weg führte ihn zur Gewerbebehörde. Die Idee war, Computerkurse anzubieten. Nochmal: Es war 1989, in Tirol. „Ich hatte ganz schön Bammel, weil ich nicht wusste, ob es überhaupt eine Lizenz dazu gab, aber ich kannte mich gut aus und die Idee, Kurse zu geben, ließ mich einfach nicht los.“ Der Beamte stellte schließlich lediglich zwei Fragen. Die erste ging an Schranz: „Braucht das jemand?“ „Ich glaube schon“, antwortete dieser. Die zweite Frage stellte der Beamte seinem Kollegen: „Was geben wir dem da im Nebenzimmer für ein Gewerbe, der will Computerkurse machen.“ „Gib ihm das Veranstaltungsgewerbe. Dann kann er Zeltfeste auch veranstalten“,

antwortete dieser. „Was er damit sagen wollte“, erinnert sich Schranz amüsiert zurück, „war: Das mit den Computern geht sicher schief. Also geben wir ihm eine Alternative.“ Schranz musste nie ein Zeltfest organisieren, bis heute nicht. Nach seinem Gang zur Behörde gab er seinen ersten Computerkurs. Maria Geiger, Vermieterin und Bauersfrau, war seine erste Schülerin. „Sie wollte sich das einfach mal anschauen. Und ich war happy und aufgeregt.“ Beim zweiten Kurs kamen sechs Teilnehmer, beim dritten zwölf. Schranz musste damals – „um eine Mörderkohle“ – neue Computer kaufen. Darauf folgte eine 15 Jahre lange Erfolgsgeschichte, aus der ganzen Umgebung kamen Leute zu ihm und seinem Team. Seitdem sind 30 Jahre vergangen, und Schranz referiert immer noch, unter anderem auch über die praktische Anwendung digitaler Tools. Was kostete ihn seine Idee? Im ersten Schritt Mut und Überwindung. Im zweiten Zeit im Sinne einer konkreten Planung. Und in Schritt drei eine Investition, die bereits kalkulierbar war. Klingt alles ganz leicht – so leicht war es natürlich nicht. Etwas Neues zu erschaffen, ist ganz selten leicht, weil man zuallererst auch einmal sein Umfeld überwinden muss. Manche entwickeln ihre Ideen als Selbständige, andere als Angestellte. „Führungskräfte nehmen dabei eine zentrale Rolle ein – nämlich insofern, als dass sie diejenigen sind, die Innovation verhindern, zulassen oder sogar fördern können. Eines ist aber klar. Jene, die Innovation oder Ideen ihrer Mitarbeiter verhindern oder ihnen gleichgültig gegenüberstehen, sind definitiv nicht jene, die selbst Ideen haben.“ Weil die Neugierde fehlt, der Mut, die Offenheit. Alle drei sind grundlegende und entscheidende Eigenschaften dafür, dass Neues in die Welt kommen kann. Immerhin braucht auch eine Idee einen guten Nährboden, um zu gedeihen. Und wenn sie den nicht findet, dann zieht sie weiter, zum Nächsten, der ihr genau das bietet. So kommt es, dass wir irgendwann von einer Innovation hören oder lesen und uns denken: Gibt’s doch nicht. Diese Idee hatte ich doch auch schon mal.


DIGITAL TIROL

DIGITALE TRANSFORMATION – AUCH FÜR MICH? Von der Akquise über die Auftragsbestätigung, Produktion bis zur Auslieferung und Nachbereitung sind in Großunternehmen alle Prozesse lückenlos automatisiert. Smarte Technologien, speziell angepasste Software und standardisierte Arbeitsabläufe machen sie nachvollziehbar und effizient. Doch wie funktioniert die digitale Transformation für KMU?

© EMATRIC

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ig Data, Industrie 4.0, Cloudlösungen oder Smart Production – Unternehmen werden heute geradezu überflutet von digitalen Begriffen. Doch wie setzt man sie im eigenen Betrieb um? Rainer Haag, Geschäftsführer von ematric GmbH in Landeck, rät: „Man muss nicht auf einen Schlag das komplette Unternehmen umkrempeln und verändern.“ Wichtig ist, das Unternehmen als Ganzes zu betrachten.

SCHRITT FÜR SCHRITT TRANSFORMIEREN

Eine Bestandsaufnahme aller Abläufe macht Bereiche sichtbar, in denen es durchaus sinnvoll ist, Prozesse weiterzuentwickeln. Mit diesen Erkenntnissen definiert die Geschäftsführung ihre Ambitionen und legt Prioritäten fest. Danach werden die Potenziale erhoben und die verschiedenen Möglichkeiten bewertet. „So entsteht ein Fahrplan, mit des-

sen Hilfe man schrittweise neue Systeme, Anwendungen und Abläufe im Betrieb implementiert“, weiß Haag.

INDIVIDUELLE DIGITALE LÖSUNGEN FÜR KMU

Die digitale Transformation beschäftigt nicht nur große, internationale Konzerne: „Wir bekommen immer mehr Anfragen von kleinen Betrieben, die einzelne Arbeitsschritte automatisieren wollen“, bestätigt Haag. Je nach Branche und Aufgabenbereich benötigen KMU individuelle Lösungen, die ematric entwickelt und implementiert. So wird beispielsweise die Baustelle mit dem Lager verknüpft, wodurch die Monteure über Tablets die benötigten Materialien eingeben können. Der Lagermitarbeiter bereitet die Bestellungen zur Abholung vor. Damit wird nicht nur Zeit eingespart, auch der Ablauf im Lager wird strukturierter. Mit zusätzlichen

Funktionen kann das System automatisch das erfasste Material den jeweiligen Baustellen zuordnen, fehlende Produkte nachbestellen, Montageanleitungen bereitstellen oder verrechnen. „Für ein produzierendes Unternehmen haben wir ein System entwickelt, das einen papierlosen Arbeitsablauf ermöglicht“, erklärt Haag. Dank Handscanner werden alle Abläufe und Produktionsschritte digital erfasst. Dadurch ist der Arbeitsfortschritt festgehalten, Ressourcen können besser geplant werden und alle Maschinen- und Qualitätsdaten sind nachvollziehbar. PR

Eine Information der Plattform digital.tirol (Lebensraum Tirol 4.0, WK Tirol, IV Tirol, UBIT und Standortagentur Tirol) im Rahmen der Digitalisierungsoffensive des Landes Tirol. Mehr Informationen unter: www.digital.tirol


eco.zukunft

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ALLES BLEIBT BESSER Übersetzt man Innovation wörtlich, kommt man über das lateinische Verb „innovare“ zur Erneuerung. Neues muss aber nicht zwangsläufig immer disruptiven Charakter haben. Manche Dinge sind gut und wertvoll, einfach weil sie sind, wie sie sind. REDAKTION: MARINA BERNARDI

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önnen Tradition und Innovation miteinander? Müssen sie sogar! Traditionsunternehmen sind allein schon deshalb im wörtlichen Sinne innovativ, weil sie sich immer wieder in sich erneuern müssen, um so lange am Markt erfolgreich zu sein. Während Startups oftmals wenngleich nützliche und wichtige, aber dennoch kurzfristige Einmal-Ideen produzieren, stehen Traditionsunternehmen für Langfristigkeit und Weitblick und damit für einen volkswirtschaftlich gesehen nicht unerheblichen Wert. Und es gibt sie, die Un-

ternehmen, die heute im Grunde nach das Gleiche tun wie vor 100 Jahren – mit neuen (technischen) Möglichkeiten und angepasst an sich ändernde Bedürfnisse, doch die Basis und der Nutzen des Produktes sind noch dieselben.

SEIFE

Vor über 240 Jahren begann die Firma Walde in der Innsbrucker Innstraße, Seifen zu erzeugen. Fett, Lauge, Hitze. Irgendwann wurde entdeckt, dass bei der Mischung dieser Zutaten und mit Hilfe von Feuer ein che-

mischer Prozess stattfindet, an dessen Ende Seife entsteht. Wer hinter dieser Entdeckung steht, ist letztlich schwerlich zu klären, 1777 jedenfalls machte sie sich Peter Walde I. zunutze und gründete die Seifensiederei, die sein namensgleicher Nachfahre heute in siebter Generation führt. Zu Beginn verarbeiteten die Seifensieder die Abfälle der Bäcker (Aschenlauge) und Metzger (Talge), indem sie sie verseiften. Nach vielen Höhen und Tiefen übernahm Helmut Walde 1968 das Unternehmen, sanierte und modernisierte es mit neuen Produktionszweigen. 1972


eco.zukunft

GLÄSER Insbesondere die jüngere der über 260-jährigen Geschichte von Riedel Glas ist geprägt von hochinnovativen und kreativen Menschen. Mit Maximilian Riedel ist aktuell die elfte Generation im Unternehmen. 1756 begründete Johann Leopold Riedel (dritte Generation) in Böhmen die Geschichte der Familiendynastie, die bis heute untrennbar mit Glas verbunden ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie enteignet und verlor all ihren Besitz. 1946 entkam Claus J. Riedel (neunte Generation) auf der Fahrt über den Brenner dem Gefangenenzug. 1956 konnte er mit seinem aus der russischen Gefangenschaft zurückgekehrten Vater Walter die bankrotte „Tiroler Glashütte“ übernehmen. 1973 kamen die ersten weinfreundlichen und mundgeblasenen Gläser auf den Markt. Sohn Georg J. Riedel präsentierte 1986 die erste auf Rebsorten abgestimmte Maschinenglasserie. 2004 folgte ein weiterer Meilenstein mit der Glasserie „O“, einem funktionalen Glas ohne Stiel, entwickelt von Maximilian J. Riedel, der das Unternehmen seit Juli 2013 in elfter Generation leitet. Riedel Glas beschäftigt heute insgesamt rund 1.300 Mitarbeiter und ist weltweit tätig.

NUDELN

kommen die Kerzenfabrik und das Kerzengeschäft am Domplatz zum Unternehmen. 1993 wird Peter Walde II. Geschäftsführer. In seine Zeit fällt nicht nur der Ausbau der Lohnerzeugung und der Umzug der Produktion in die Dörrstraße, sondern auch der Start der „Tiroler-Reine“-Serie (2010) sowie der Kosmetiklinie „Traubenkern“ (2015). Mit Sohn Lukas und Tochter Lisa arbeitet bereits die achte Generation im Unternehmen mit und macht ... Seifen.

GLOCKEN Die Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck ist wahrscheinlich das älteste Familienunternehmen Österreichs. Mehrere Wander- und Lehrjahre hatte Bartlme Grassmayr hinter sich, als er 1599 in der Hafengießerei (Hafen war der Vorgänger des Kochtopfs) seiner Familie im Ötztal die erste Glocke goss. Seither wurden das Fachwissen und die Geheimnisse der Glockenberechnungen laufend erweitert und immer wieder vom Vater

an den Sohn weitergegeben. 1863 verlegte die Familie den Firmensitz nach Innsbruck in den Ansitz Straßfried in Wilten, wo sich die Gießerei noch heute befindet. Aktuell ist Johann Grassmayr Geschäftsführer. Er und sein Bruder Peter sind „Geheimnisträger“ in 14. Generation. „Es gibt noch 40 Gießereien in Europa. Wir wissen, dass von zehn etwa neun verschwinden werden. Wir müssen aufpassen und weiter innovativ sein, damit wir zu den vier oder fünf Gießereien zählen, die übrigbleiben“, sagt Johann Grassmayr. Es ist die handwerkliche Kompetenz, die das Unternehmen in vielfacher Hinsicht auszeichnet: Glockenguss, Kunstguss, Schlosserei, Bildhauerei, Tischlerei, Vergoldung, Patinierung und Elektrotechnik zählen dazu. Und Forschung. So wurde etwa die größte Klangschale der Welt gegossen und ihre Geheimnisse in Zusammenarbeit mit der Medizinuni Innsbruck erforscht. Tradition braucht Fortschritt und mittlerweile sind Grassmayr-Glocken in über 100 Ländern quer über die Welt vertreten.

Josef Recheis gründete 1889 in Hall die erste Teigwarenmanufaktur Österreichs. 1917 wurde diese zum k.u.k. Hoflieferanten ernannt. Im Jahr 1950 machte Recheis von sich reden, als erstmals Frischeier für die Herstellung der Eierteigwaren verwendet wurden. 1962 erfolgte die Markteinführung der „Recheis Goldmarke“. Mit Stefan Recheis steht aktuell die fünfte Generation an der Spitze des Haller Traditionsunternehmens. Gemeinsam mit Geschäftsführer Martin Terzer hat er Nachhaltigkeit zum obersten Gebot ernannt. Die Herausforderungen, die der Markt dem Unternehmen stellte, waren vielfältig. Vor allem aber hat sich die Handelsstruktur komplett verändert, EU-Beitritt und Erweiterungen öffneten die Grenzen auch für Nudeln, Handelskonzerne gaben den Ton an und mit ihnen mitzuwachsen, war das Gebot vieler entscheidender Stunden. Von Italien aus wurden die Nudelregale gerade überschwemmt und ein Trugschluss hält sich beharrlich: Jener, dass Nudeln per se italienisch sind. „Nudeln sind ein Grundnahrungsmittel und in jedem Land zu Hause“, sagt Recheis.

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eco.zukunft

WISSENSWERTES SICHERN Mit der Plattform „Transkribus“ sind Mitarbeiter der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck federführend dabei, Archive und Bibliotheken digital zu entstauben und die Archivarbeit zu revolutionieren. Historische Handschriften werden mit der Software nicht nur les-, sondern auch durchsuchbar. Aufgrund des großen internationalen Interesses wird das Projekt als europäische Genossenschaft weitergeführt. TEXT: MARINA BERNARDI

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eit 2002 ist Dr. Günter Mühlberger Leiter der Gruppe Digitalisierung und elektronische Archivierung der Universität Innsbruck und hat als solcher unter anderem maßgeblich dazu beigetragen, die Plattform „Transkribus“ zu entwickeln und voranzubringen. Ziel der intelligenten Software ist es, (Hand-)Schriften historischer Dokumente zu entschlüsseln, lesbar und der Allgemeinheit zugänglich zu machen, also Handschriftliches in Digitales zu transformieren. Technischer formuliert ist Transkribus eine Plattform zur Handschriftenerkennung (HTR), Bilderkennung (Layout-Analyse) und Strukturerkennung von Texten. Doch längst geht es nicht mehr nur um die Verewigung in Bits und Bytes, für die Feuer oder Schimmel keine Gefahr darstellen. Es geht darum, die Wissensschätze und Erkenntnisse, die sowohl in analoger wie digitaler Form in Archiven

der Welt schlummern, durch deren Entzifferung heben und damit einen tiefen Einblick in die Geschichte gewinnen zu können. Und das in bislang unmöglicher Art und Weise. Das anfängliche READ-Projekt wurde mit 8,2 Millionen Euro finanziert und von 14 europäischen Partnern unterstützt. Nun geht man einen Schritt weiter und hat „READ – Transkribus“ in ein Unternehmen überführt. Denn letztlich darf und soll auch genau das das Ziel universitärer Projekte sein: Dass sie sich selbst tragen, auch als wirtschaftlich unabhängige Ausgründung funktionieren und Forschung zur Anwendung bringen. „Wir haben von Anfang an nicht nur Forschung, sondern auch intensives Networking betrieben“, sagt Mühlberger. „60 Prozent der Fördergelder gingen in die Grundlagenforschung, der Rest in den Aufbau der Plattform und die gleichzeitige Arbeit mit den Zielgruppen, die diese letzt-


eco.zukunft

Die Nutzung des Expertenprogramms (Daten für die Monate März, April und Mai 2019): Insgesamt wurde das Programm über 30.000 Mal aufgerufen. Knapp eine Million Seiten wurden in diesem Zeitraum von den Benutzern auf die Plattform hochgeladen, was ungefähr fünf Terabyte an Daten entspricht. Mehr als 500 Modelle wurden von den Benutzern trainiert, mit rund 20.000 Seiten, was wiederum einem Arbeitsaufwand von zirka elf Personenjahren entspricht (die man benötigen würde, um diese Daten selbst zu erstellen). Rechnet man das Personenjahr mit 40.000 Euro Superbruttokosten, dann wurde im besagten Zeitraum von den Benutzern ein Wert von über 470.000 Euro geschaffen.

lich nutzen sollen. Wir wollten keinen Demonstrator entwickeln, um damit zu zeigen, was theoretisch möglich ist. Am Ende sollte eine funktionierende Plattform stehen.“ Das tat sie. Seit Beginn des Projekts steigt das Interesse kontinuierlich. Innerhalb von dreieinhalb Jahren konnten die Nutzerzahlen verzehnfacht werden. Aktuell sind über 25.000 Nutzer registriert, 300 davon arbeiten jeden Tag professionell mit der Plattform und auch die Anzahl der hochgeladenen Dokumente ist enorm. Pro Monat sind es im Schnitt fast eine halbe Million an Seiten, die von den Nutzern in die Plattform hochgeladen werden. Was gut ist, weil auch bei Transkribus die Übung den Meister macht. „Man kann es gut mit der Spracherkennung vergleichen: Vor zehn Jahren gab es Sprach­erkennungsprogramme, die man auf den Sprecher hin trainiert hat. Heute ist die Spracherkennung auch ohne jedes Training schon sehr gut, da die Industrie hohe Investitionen in die Erstellung von Trainingsdaten getätigt hat“, erklärt Mühlberger. Bei Transkribus werden die Trainingsdaten direkt von den Nutzern erstellt – und so ein enormer Wert geschaffen. Auf vier bis fünf Millionen Euro schätzt Mühlberger inzwischen den monetären Wert der in Transkribus erstellten Trainingsdaten. So hilft die stark wachsende Zahl an „Trainern“, die in den unterschiedlichsten Archiven und Bibliotheken dieser Welt Transkribus verwenden, das Programm mit jeder transkribierten Seite zu verbessern. Dass sich die Plattform und ihr Können in den letzten Jahren so hervorragend entwickelt haben, führt Günter Mühlberger eben auch auf diese gute Zusammenarbeit zurück. „Von Historikern und Informatikern über Personen aus Institutionen wie Bibliotheken oder Archiven bis hin zu interessierten Privatpersonen: Alle haben zusammengearbeitet und somit dazu beigetragen, dass sich das selbstlernende System auf allen Ebenen rasch und gut weiterentwickeln konnte. Denn: Je intensiver die Plattform genutzt wird, desto mehr Trainingsdaten werden produziert, die dann wiederum die Grundlage für verbesserte Modelle sind. “ So konnte unter anderem die Fehlerquote bei einigen Referenzdokumenten schon jetzt von 15 auf drei Prozent gesenkt werden.

VON DER UNI IN DIE WIRTSCHAFT

Aufgrund des großen internationalen Interesses wird das Projekt nun als europäische Genossenschaft (SCE – Societas Cooperative Europaea) weitergeführt. Mühlberger: „Auch beim Geschäftsmodell wollten wir innovativ sein und haben uns für eine europäische Genossenschaft entschieden. Es handelt sich dabei um eine demo-

Vom EU-Projekt zur europäischen Genossenschaft: Transkribus wurde zur READ COOP SCE. Frank Schütte (Kanzler Universität Greifswald), Tilmann Märk (Rektor Universität Innsbruck), Günter Mühlberger und Andy Stauder (Innsbruck University Innovations GesmbH) sind die vier Gründer (v. r.).

kratisch organisierte Organisation, die offen für neue Mitglieder ist, die wiederum durch den Erwerb von Anteilen zu Miteigentümern werden. Zugleich bietet eine SCE die Möglichkeit, geschäftlich tätig zu werden und so die weitere Zukunft und Weiterentwicklung der Transkribus-Plattform abzusichern.“ Betreut wurde man in der Gründungsphase vom Raiffeisenverband, selbst genossenschaftlich organisiert und daher mit exzellenter Expertise ausgestattet. „Wir leben stark von unseren Nutzern. Diese Struktur ermöglicht es uns, als Unternehmen wirtschaftlich zu agieren und gleichzeitig nicht nur unseren Mitgliedern verpflichtet zu sein. Wir möchten, dass sich die Nutzer mit der Plattform identifizieren und wissen, dass sie ein wesentlicher Teil davon sind. Diese demokratische Grundstruktur ist uns wichtig, der Mitgliedernutzen steht im Vordergrund.“ Das wirtschaftliche Potenzial in der automatisierten Erkennung von historischen Schriften ist enorm: „Bisher sind maximal ein bis zwei Prozent der Archivbestände in Europa und weltweit digitalisiert. Mit der Erschließung dieser Bestände durch die automatisierte Texterkennung werden diese Bestände nun nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für interessierte Familienforscher zugänglich“, meint Mühlberger. Zwei Pilotprojekte, bei denen die Erkennung großer Archivbestände aus Finnland und den Niederlanden erprobt werden, sind in Vorbereitung und werden 2019 und 2020 von der READ-COOP durchgeführt werden. Auch in Tirol werden entsprechende Projekte angestoßen: Im Zuge von „KAtaster TIrol digital“ soll der Franziszeische Kataster, der erste vollständige Liegenschaftskataster, digitalisiert, die Aufzeichnungen für Tirol aufgearbeitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Künftig sollen auch die Kirchenbücher samt Geburten- und Heiratsregister durchsuchbar und damit die Familien- und Heimatforschung erleichtert werden. www.transkribus.eu 

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finanzieren & versichern

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Monkee setzt auf eine Kombination von Erkenntnissen aus den Verhaltenswissenschaften, Gamification und Machine Learning. Heruntergebrochen auf kleine Wochenziele, werden so auch große Träume erreichbar. Der Laptop für das Studium kostet so dann nicht 1.000 Euro, sondern über einen gewissen Zeitraum 10 Euro pro Woche – das macht psychologisch einen großen Unterschied.


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Das Monkee-Team Christian Schneider, Martin Granig und Jean-Yves Bitterlich will zu einem finanziell gesünderen Leben verhelfen.

S PA R E N A L S E R L E B N I S Sparen ist für viele ein notwendiges Übel, um sich für schlechtere Zeiten einen Polster zu schaffen. So mancher hält es sogar für unmöglich, Geld auf die Seite zu legen. Mit ihrem Start-up Monkee wollen die drei Tiroler Christian Schneider, Martin Granig und Jean-Yves Bitterlich sparen sexy machen und Menschen dabei helfen, finanziell gesünder zu leben – indem sie mit einer App den nachhaltigen Umgang mit Geld fördern. Neben einer modernen Benutzeroberfläche setzt Monkee auf Zielsparen und das speziell entwickelte 2-Click-Saving-Feature. Ein digitaler Finanzcoach motiviert zusätzlich und hilft, Ziele auch wirklich zu erreichen. „Nach dem Anlegen des persönlichen Profils wird für den Nutzer kostenlos ein Konto bei unserer Partnerbank eröffnet. Nach dem einmaligen Verbinden des bestehenden Girokontos (bei jeder Bank in Deutschland und Österreich möglich) mit Monkee über ein SEPA-Lastschriftverfahren – wie man es vom Onlineshopping kennt – können Beträge mit zwei Klicks gespart werden. Das Sparkonto läuft bei unserer Partnerbank auf Ihren Namen und nur Sie haben Zugriff darauf. Das heißt auch, dass Sie Ihre Sparziele jederzeit wieder auflösen können und das Geld auf das Referenzkonto zurücküberwiesen wird“, erklärt Granig. Daneben wird auch ein Fokus auf den sozialen Aspekt des Sparens gelegt: So können Verwandte und Freunde eingeladen werden, ein ausgewähltes Sparziel zu unterstützen oder gemeinsam auf ein Geburtstagsgeschenk zu sparen. www.monkee.rocks

FALSCHER FUFFZGER Seit 28. Mai 2019 werden die letzten beiden Euro-Banknoten – 100-Euro- und 200-Euro-Scheine – der zweiten Euro-Banknotenserie (ES2) in Umlauf gebracht. Der Erfolg manifestiert sich in der jüngsten Falschgeldstatistik, die einen starken Rückgang um 26 Prozent für das erste Halbjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ausweist. Die meistgefälschte Note ist nach wie vor der 50-Euro-Schein. Die neuen Banknoten wurden schrittweise in den letzten Jahren eingeführt. Beginnend im Jahr 2013 startete die Ausgabe der 5-Euro-Banknoten, gefolgt von den 10-Euro- sowie der 20- und 50-Euro-Banknoten. Auf Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde keine zweite Serie der 500-Euro-Banknote eingeführt, sie bleibt jedoch gesetzliches Zahlungsmittel.

Jede Wirtschaft beruht auf dem Kredit-System, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andere werde das geborgte Geld zurückzahlen. KURT TUCHOLSKY

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DER WERT SCHÖNER DINGE Negativzinsen bei Bundesanleihen und eine erneut expansive Geldpolitik sprechen für Investments in reale Werte wie Eigentums- oder Anlegerwohnungen, physisches Gold, Sammlermünzen und Barren sowie seltene Farbedelsteine. Worauf private Anleger achten sollten. TEXT: MICHAEL KORDOVSKY


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„Früher hat man das Geld einfach auf ein Sparbuch gelegt. Die heutige Finanzwelt ist komplexer.“ MARKUS HÖRMANN

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ie Europäische Zentralbank (EZB) hat eine noch länger anhaltende Null- bis Negativzinsphase signalisiert und kritische Marktbeobachter trauen der ab 1. November designierten neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde in puncto Negativzins bei gleichzeitiger Abschaffung des Bargeldes so einiges zu. Bereits jetzt liegen die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen bei –0,7 Prozent, der 3-Monats-Euribor (Interbanken-Geldmarktzins) weitete mit mehr als –0,4 Prozent sein Minus weiter aus und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Banken für Geld auf Konten und Sparbüchern „Lagergebühren“ verrechnen. Der Ausweg daraus ist denkbar einfach: In Sachwerte investieren oder noch einfacher gesagt, sich schöne Dinge von bleibendem Wert kaufen. Das beginnt bei der Eigentums-/Anlegerwohnung, geht über zu Diamanten und Farbedelsteinen und endet bei Gold- und Sammlermünzen für den kleineren Geldbeutel.

IMMOBILIEN AUF KREDIT?

Nachdem infolge des heurigen Zinscrashs am langen Ende zehnjährige Fixzinsbindungen sogar bis zu unter ein Prozent per anno möglich sind, lohnen sich kreditfinanzierte Anlageimmobilien schon bei Mietrenditen von 3,5 bis 4 Prozent. Geht man von noch tieferen Zinsen aus, könnte es in den kommenden Jahren unter Umständen erneute Preisschübe am Wohnungsmarkt geben. Eventuell hat diese Phase bereits erneut

Grundsätzlich macht ein Immobilieninvestment nach wie vor Sinn, da die Mieteinnahmen an den Verbraucherpreisindex gekoppelt sind, während der Nominalbetrag des Kredits gleichbleibt.

eingesetzt, wirft man einen Blick auf den Wohnimmobilienpreisindex der Oesterreichischen Nationalbank: Bundesweit stiegen auf Jahresbasis die Wohnimmobilienpreise im ersten und zweiten Quartal um jeweils 5 bzw. 7,3 Prozent. Am stärksten stiegen dabei im zweiten Quartal die Preise für gebrauchte Wohnungen in Wien, nämlich um 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das riecht nach einem neuen Betongold-Rausch, der zuvor auch Innsbruck und Umgebung erfasst hat. Die Preise für Baugründe sind in Tirol – insbesondere Innsbruck und Umland – in den vergangenen Jahren explosionsartig gestiegen. Bauträger mussten bei Neuprojekten diese hohen Grundstückspreise miteinkalkulieren, woraus teils Preise von bis zu über 8.000 Euro pro Quadratmeter resultieren. Arno Wimmer, Berufsgruppensprecher der Immobilienmakler und Geschäftsführer RE/MAX Conterra Immobilien GmbH, skizziert die Preisentwicklung: „Von 2000 bis 2008 und zu Beginn der Finanzkrise waren die Preise recht stabil. Ab

dem Jahr 2009, wo insbesondere in der Stadt Innsbruck eine erhebliche Nachfrage nach Immobilien stattgefunden hat, hat sich der Immobilienboom entwickelt. Seit 2009 sind in Innsbruck die Preise für gebrauchte Immobilien im Durchschnitt um 109 Prozent und für Immobilien im Erstverkauf um 98 Prozent gestiegen. Die Preise für gebrauchte Immobilien sind demnach etwas höher gestiegen als für Neubauwohnungen, wobei festzuhalten ist, dass die Qualität der Neubauwohnungen insbesondere im energetischen Bereich üblicherweise besser ist als bei gebrauchten.“ Nach so einem Höhenflug wird in unseren Breiten schon langsam die Luft nach oben dünner, denn quantitativ wird jene Zielgruppe, die sich hier noch neue Eigentumswohnungen leisten kann, zunehmend kleiner. Auch Mieter haben begrenzte finanzielle Ressourcen, weshalb der relativ zum Einkaufspreis zu erwirtschaftende Ertrag, die sogenannte „Mietrendite“, immer niedriger wird. Enorme Preissteigerungen, hohe Quadratmeterpreise und niedrige Mietren-


Geld lässt sich durch die Bedienung der Notenpresse rascher vermehren als Gold, das mühsam aus dem Boden gefördert werden muss. Deshalb wächst die globale Gold- wesentlich langsamer als die Geldmenge.

Luxus bedeutet Lage. Wir bieten die beste.

diten bei gleichzeitigem zumindest vorübergehenden „Mietpreis-Plateau“ haben zu einer Verschnaufpause am Innsbrucker Immobilienmarkt geführt: „Anleger kaufen üblicherweise, damit sie eine Rendite erwirtschaften können. Nachdem die Nettomietpreise seit zirka zwei Jahren überwiegend stagnieren, zum Teil sogar leicht gefallen und die erzielten Renditen bereits sehr gering sind, wird es für Anleger zunehmend uninteressanter, wenn die Kosten weiter nach oben gehen. Allerdings ist zu erwähnen, dass aufgrund derzeit fehlender Alternativen Anleger vereinzelt mit noch geringeren Renditen zufrieden sind“, erklärt Wimmer. Grundsätzlich macht ein Immobilieninvestment nach wie vor Sinn, da die Mieteinnahmen an den Verbraucherpreisindex gekoppelt sind, während der Nominalbetrag des Kredits gleichbleibt. Die Schulden werden also über den Lauf der Zeit weginflationiert. Wer heute 600 Euro Monatsmiete kassiert, würde in 20 Jahren bei einer jährlichen Inflationsrate von zwei Prozent bereits monatlich rund 892 Euro bekommen – also fast um die Hälfte mehr als heute. Trotzdem sollte man sich nicht blindlings in Betongold stürzen, sondern alle Alternativen mittels handfester Fakten wie Lage, Zustand, Nachbarschaft, Infrastruktur oder anstehende Sanierungsarbeiten überprüfen. Auch juristische Aspekte spielen dabei eine Rolle. Daher ist es ratsam, einen seriösen Immobilienmakler in Anspruch zu nehmen. Wer dabei gerne auf günstigere Alternativen unter den gebrauchten bzw. älteren Wohnungen ausweicht, sollte laut Wimmer Folgendes beachten: „Der Kauf von gebrauchten Immobilien ist selbstverständlich eine Alternative, wenngleich festzuhalten ist, dass auch hier die Preise in den letzten Jahren gestiegen sind. Bei gebrauchten Immobilien ist allerdings zu beachten, ob höhere Betriebskosten anfallen. Für den Mieter ist der Gesamtaufwand von Interesse. Bei höheren Betriebskosten sind geringere Nettomieten zu erzielen und damit auch eine geringere Rendite gegeben.“

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Mit viel Gespür und der Balance zwischen Altem und Neuem wird das bestehende Gebäude um einen zweistöckigen Dachgeschoßausbau erweitert. Dort entstehen 5 stilvolle Wohnungen, die sich jeweils über zwei Etagen erstrecken. Die Lage des Objekts in der stilvollen Colingasse ist eine wahre Rarität. Die pulsierende Innenstadt liegt direkt vor der Haustüre, die Infrastruktur bietet ideale Voraussetzungen. Realisieren Sie sich Ihren Wohntraum und kontaktieren Sie uns.

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PHYSISCHES GOLD ALS ABSICHERUNG

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Geld lässt sich durch die Bedienung der Notenpresse rascher vermehren als Gold, das mühsam aus dem Boden gefördert werden muss. Deshalb wächst die globale Gold- wesentlich langsamer als die Geldmenge. Laut Angaben des World Gold Council wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte rund 190.040 Tonnen Gold gefördert. Derzeit liegen die Minenproduktionsraten bei 3.400 bis 3.500 Tonnen pro Jahr, was in etwa eine jährliche Zunahme um 1,8 Prozent bedeutet. Im Vergleich dazu wuchs in den USA die Geldmenge in den vergangenen 20 Jahren bis März 2019 um 6,1 Prozent per anno. Somit ist eine strukturelle Aufwertung von Gold zum US-Dollar quasi vorprogrammiert. Hinzukommt, dass der Goldpreis im Falle von Aktiencrashs oder geopolitischen Krisenszenarien meist ansteigt. Laut dem „In Gold we Trust Report 2017“ (Stoeferle, Valek 2017) verzeichnete der Goldpreis bei den fünf Rückschlägen des S&P 500 Index, die größer als minus 20 Prozent waren, in vier Fällen ein Plus und nur in einem Fall ein Minus. Das Plus bewegte sich zwischen 14,5 (August 86 bis November 87) und 137,8 Prozent (Dezember 72 bis September 74). Und angesichts der aktuell hohen Rezessionswahrscheinlichkeit stimmt noch folgendes Faktum bullisch für Gold: Bezogen auf alle US-Rezessionsphasen seit 1973 lag die durchschnittliche Goldpreisentwicklung pro Rezession bei 20,8 Prozent (Bandbreite in den sechs Phasen: 1,0 bis 78 %). Besonders bullisch stimmt, dass immer mehr Notenbanken der Schwellenländer massiv Gold ankaufen und stattdessen verstärkt ihren US-Anleihenanteil am Portfolio reduzieren. Goldbullen hoffen bereits auf einen neuen Goldwährungsstandard in diversen Emerging Markets. Fakt ist, dass im vergangenen Jahr 15 Prozent der globalen Goldnachfrage auf Notenbanken zurückzuführen sind, deren Kauflevel ein 50-Jahres-Hoch erreichte. Vor allem China, Russland und die Türkei investieren verstärkt in Gold. Und heuer setzt sich der Nachfragetrend weiter fort. Bereits im ersten Quartal haben die Zentralbanken deren Investments in Gold um gut 70 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf

WIEDERBELEBTES WORT DER AUSGABE Jedes Jahr streicht der Duden Worte aus seiner Printausgabe. Wir machen es uns dieses Jahr zur Aufgabe, einige von ihnen wiederzubeleben. Bullion: Gold- oder Silberbarren, 1934 aus dem Duden gestrichen


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145,5 Tonnen gesteigert. Rechnet man dies auf das Gesamtjahr hoch, erreichen wir in diesem Jahr einen noch höheren Wert als im letzten. Die einfachste Absicherung ist der von der Umsatzsteuer befreite Kauf von gängigen Anlegermünzen im Gewicht von einer Feinunze (31,1 Gramm), da sich hier die Handelsspannen auch in einem überschaubaren Bereich bewegen. Münzen dieser Kategorie wären der Philharmoniker, Maple Leaf oder der Krügerrand. Als kleine Einheit relativ günstig erhält man noch den Dukaten (einfach). Größere Summen können auch in 250-Gramm-Goldbarren der Münze Österreich investiert werden (per 23. August: Preis im Schoeller Münzhandel von ca. 11.100 Euro).

Objekt der Begierde: Aufgrund des Sammlerbonus stieg der Gesamtwert der Rothschild-Barren stärker als der zugrunde liegende Goldwert. Die Besonderheit: Die Goldbarren sind sehr rar.

SAMMLERMÜNZEN UND ROTHSCHILD - GOLDBARREN

Spezieller wird es schon, wenn es um Sammelobjekte geht. Die erste Regel bei der Auswahl von Sammlermünzen lautet: Nicht von „Rabattanreizen“ blenden lassen, die manche Münzversande anbieten, denn diese haben in Wirklichkeit nichts zum Verschenken und haben eben diese Preisnachlässe als Lockmittel sehr wohl einkalkuliert. Wichtig ist eine gewisse Kenntnis des Marktes. Fehlt diese, bleibt nur der Gang zu kompetenten Edelmetallhändlern, denen man auch persönlich vertraut. Dazu Gerald Binder, Inhaber des Edelmetallhandels GOLD = GELD: „Ein Laie kann natürlich nur sehr schwer erkennen, ob es sich wirklich um eine werthaltige Münze oder um einen Barren mit Wertsteigerungspotenzial handelt. Viele Käufer lassen sich leider oft durch ein schönes färbiges Motiv verleiten, im guten Glauben, dass sie eine wertvolle Münze gekauft haben. Dabei handelt es sich oft nur eine minderwertige Medaille, die meistens gar kein Händler mehr zurückkauft, weil es einfach Schrott ist.“

Nachprägungen handelt. Golddukaten aus Österreich sind ab 1915 meistens Nachprägungen. Unterschätzte Feinheiten sind Unterschiede zwischen Münzen und Medaillen als münzähnliche Prägungen, die keinen Geldwert haben und auch jeder im Gegensatz zu Münzen prägen kann. Anhand dieser Kriterien können Experten wie Binder bei Sammlermünzen die Unterschiede zwischen „Kunst oder Krempel“ erkennen. Als konkrete Beispiele beliebter Sammlerobjekte nennt Binder die historischen „Rothschild-Goldbarren“ und Goldbarren der adeligen Familie „Thurn & Taxis“ aus Deutschland sowie viele numismatische Münzen (Haus Habsburg, 100 Schilling Österreich), die Erstausgabemünze vom Krü-

gerrand, die Somalia-African-Wildlife-Serie mit dem Motiv „Elefant“ und „Leopard“ und die Münzen mit dem Motiv „Santa Maria“, „Spiderman“, „König der Löwen“ und „Australian Dolphin“. In welche Höhen die Werte von Sammlermünzen steigen können, illustriert Binder anhand folgenden Beispiels: „Die 100-Schilling-Goldmünze von Österreich vom Jahr 1935 mit dem Motiv ‚Madonna von Mariazell’ und einer Auflage von 951 Stück wird heute zwischen 6.000 und 9.000 Euro gehandelt.“ Aufgrund des Sammlerbonus stieg vor allem der Gesamtwert der Rothschild-Barren stärker als der zugrunde liegende Goldwert. Die Besonderheit laut Binder: „Die Rothschild-Goldbarren sind sehr rar. Jeder Barren ist ein Unikat. Da sie einzeln gestempelt wurden, gleicht kein Barren den anderen. Das macht sie so wertvoll. Je nach Seltenheit, Stempel und Erhaltungsgrad werden sie heute bei den Sammlern über den Goldpreis hinaus gehandelt.“ Die Auflage der Barren ist nicht bekannt. „Die hergestellten Stückzahlen der Rothschild-Goldbarren wurden bis heute nicht offiziell veröffentlicht. Weiterhin unterscheiden sich alle Barren durch feine Nuancen voneinander. So fehlen beispielsweise die Feingewichtsangaben oder die Position des Stempels ist jeweils unterschiedlich“, erklärt Binder.

KUNST ODER KREMPEL?

Seltene Münzen bestehend aus werthaltigen Materialien – ein hoher Gold- oder Silbergehalt ist schon einmal ein gutes Indiz. Seltenheit bedeutet dabei eine niedrige Auflage. Dabei sind laut Binder Erstausgaben einer neu beginnenden Serie immer wertvoller. Eine Rolle spielen noch das Motiv der Münze, das Ausgabeland sowie das Alter und der Erhaltungsgrad bei numismatischen Münzen oder Barren. Auch muss zwischen verschiedenen Arten der Prägung wie Spiegelglanz oder Polierte Platte unterschieden werden. Wesentlich ist außerdem, ob es sich um Original- oder

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DIE LEIDENSCHAFT SPÜREN.

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eco.geld

„Die höchsten Wertsteigerungen gab es bei naturfärbigen Rubinen von hoher Qualität sowie bei Farbdiamanten, gefolgt von naturfärbigen Saphiren sowie Smaragden.“ EDELSTEINEXPERTE DR. THOMAS SCHRÖCK

DIAMANTEN VS. FARBEDELSTEINE

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Noch größer ist die Abhängigkeit von Experten im geheimnisvollen Diamantenhandel. Die elementarsten Grundbegriffe in der Einschätzung des Wertes sind die vier C – Carat (ct, Gewicht), Cut (Schliff), Clarity (Reinheitsgrad) und Colour (Farbe), wobei die wertvollste Farbe eines Diamanten die völlige Farblosigkeit ist. Welche Wissenschaft mit einer gewissenhaften Auswahl von Investmentdiamanten verbunden ist, kann alleine anhand der unterschiedlichen Reinheitsgrade illustriert werden. Dabei gilt: Je weniger Einschlüsse ein Diamant aufweist, desto reiner ist er. Ein hoher Reinheitsgrad ermöglicht eine bessere Lichtdurchdringung und Reflexion und erhöht den Wert des Steines. Lohnt sich der Aufwand für Diamanten oder ist man mit Farbedelsteinen wie Saphiren und Rubinen besser dran? Wir sprachen mit Edelsteinexperten Dr. Thomas Schröck, der als Advisor den weltweit ersten Investmentfonds für Farbedelsteine in Liechtenstein aufgelegt hat:

In den vergangenen Jahren sorgte die spektakuläre Wertentwicklung des Tansanit für Schlagzeilen. Welche Diamant- und Farbedelsteinsegmente brachten es in den vergangenen zehn bis 20 Jahren auf die höchste Wertentwicklung und welche Faktoren waren dafür ausschlaggebend? THOMAS SCHRÖCK: Die höchsten Wertsteigerungen gab es bei naturfärbigen Rubinen von hoher Qualität sowie bei Farbdiamanten, gefolgt von naturfärbigen Saphiren sowie Smaragden. Ausschlaggebend sowohl bei Rubinen und Saphiren als auch bei Farbdiamanten waren die immer

ECO.NOVA:

geringeren Fundmengen sowie die gesteigerte Nachfrage aus Asien. Tansanit ist ein Spezialfall: Der Preis wurde sehr stark gepusht, da der Markt sehr eng ist. Ein Marketingmittel war der Film „Titanic“ und das Collier, das über Bord fiel. Die Preise haben sich nach dem Film wieder reduziert. Nachdem aber Tansanit in etwa fünf bis zehn Jahren komplett geschürft sein wird, kann eine Anlage hier Sinn machen. Wenn ein durchschnittlicher Privatanleger in Diamanten investieren möchte, welches Mindestinvestment ist hier erforderlich und worauf sollte zur Vermeidung von Enttäuschungen genau geachtet werden? Das Mindestinvestment beginnt etwa bei 3.800 Euro für 0,51-ct.-Diamanten im Brillantschliff, Farbe D, Reinheit IF; unbedingt sollte der Stein bei Schliff, Politur und Symmetrie „exzellent“ sein, keine Fluoreszenz aufweisen sowie mit einem GIA-Gutachten („Gemological Institute of America“) ausgestattet sein.

Welche Wertsteigerungen erzielten durchsichtige Diamanten von einem bis fünf ct in den vergangenen zehn bis 20 Jahren und wie war die Entwicklung bei Fancy-Diamanten? Farbdiamanten würde ich mit einer Wertsteigerung von etwa acht Prozent per anno ansetzen; bei weißen Diamanten von einem bis fünf ct ist die Wertentwicklung nahezu null oder negativ für die letzten zehn Jahre. Welche Wertsteigerungen konnten Anleger aus Farbedelsteinen wie Rubinen, Smaragden oder Saphiren in der Vergan-

genheit erzielen und wie sehen die Potenziale für die Zukunft aus? Bei naturfärbigen Rubinen war in den letzten 20 Jahren eine Preissteigerung von im Durchschnitt acht Prozent zu beobachten, bei Saphiren etwa in der Höhe von sechs Prozent – immer bezogen auf sehr gute Qualität. Ich denke, dass diese Entwicklung weiter anhalten wird. Wie hoch sind die Mindestinvestments, sodass sich die Anlage in Rubine, Saphire oder Smaragde wirklich lohnt? Auch bei den Farbedelsteinen gilt, wie beim Diamanten, ein Wert von rund 3.000 Euro.

Wie hoch sind die Nebenkosten beim Kauf von Diamanten und Farbedelsteinen? Die Mehrwertsteuer fällt leider zur Gänze an. Differenzbesteuerung gibt es, allerdings nur für Steine, die in Schmuck gefasst sind. Gutachten erhöhen den Wert eines Steines immer und sind so nicht als Kosten zu sehen. Mit einer Händlerspanne von zehn Prozent ist zu rechnen, diese beinhaltet aber auch Transport und Versicherung. Welche Edelsteininvestments würden Sie einem durchschnittlichen Privatanleger empfehlen? Naturfärbiger Rubin hoher Qualität aus Mozambique, weil er gegen Rubin aus Burma unterbewertet ist. Ich würde ein Investment in Edelsteinen all jenen Privatanlegern empfehlen, die bereits andere Anlageklassen besitzen und nach einem leicht transportablen und weitergebbaren Realinvestment suchen. Edelsteine sind in dieser Hinsicht eine ideale Ergänzung zu Gold.


SPARKASSE promotion TIROL

MOBILITÄT ANDERS DENKEN Wie funktioniert Mobilität in der Zukunft? Autonomes Fahren, Großstädte ohne Verkehrschaos, Autos ohne Emissionen, Reisen ohne Stress, aber mit Hochgeschwindigkeit – was futuristisch klingt, ist bereits in der Gegenwart angekommen. Die Mobilitätswende hat längst begonnen!

Dr. Hans Unterdorfer, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Sparkasse

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er heurige Wirtschaftsdialog widmet sich der Frage, wie wir uns und unsere Warenströme künftig effizient und sicher transportieren wollen. Der Verkehr muss zukünftig gestaltet und nicht nur verwaltet werden. Damit dies gelingt, bedarf es vieler regionaler und überregio-

naler in sich verzahnter Maßnahmen. Dr. Hans Unterdorfer, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Sparkasse: „Noch stehen wir am Anfang der wohl größten Mobilitätswende der Geschichte. Als Wirtschaft und Gesellschaft können und müssen wir diese mitgestalten. Ein konsequenter und direkter Dialog zwischen allen Akteuren ist dafür die Voraussetzung.“ Die offenen Fragestellungen reichen in die unterschiedlichsten Bereiche: von der Umwelt bis hin zu technischen Machbarkeiten. Die fortschreitende Digitalisierung sowie eine bevorstehende Energiewende spielen ebenfalls eine zentrale Rolle in der Frage, wie eine nachhaltige Mobilitätswende zu schaffen ist. Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft liefern die unterschiedlichsten Lösungsansätze und Konzepte. Genau

WER SAGT, DASS IHR MARATHON NICHT AUCH 4,2 KM HABEN KANN? Mit unserem Gesundheitsprogramm Generali Vitality motivieren und begleiten wir Sie auf Ihrem Weg in ein gesünderes Leben. Dabei belohnen wir Sie für jeden Schritt: mit tollen Vergünstigungen bei attraktiven Marken. Und mit der schönsten Belohnung überhaupt: einem besseren Lebensgefühl – das Sie mit nur 9,98 Euro pro Monat gerade mal so viel kostet wie die Schnürsenkel eines guten Laufschuhs. Jetzt anmelden und aktiv werden: generali.at/vitality

hier will Unterdorfer ansetzen: „Die Tiroler Sparkassen sehen hier eine große Chance für die Tiroler Unternehmen. Je zahlreicher die Ideen, umso größer ist die Möglichkeiten, deren Entwicklung und Realisierung von Beginn an mitzugestalten.“ Der 16. Wirtschaftsdialog 2019 der Tiroler Sparkassen stellt bestehende Lösungen und Konzepte vor, analysiert Hintergründe und will Unternehmer inspirieren, in die Mobilität der Zukunft zu investieren. PR

16. WIRTSCHAFTSDIALOG DER TIROLER SPARKASSEN 26. September, 17 Uhr in der IVB-Remise in Innsbruck. Erwartet werden mehr als 500 Gäste aus der Tiroler Wirtschaft. sparkasse.at/wirtschaftsdialog

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eco.steuern

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eco.steuern

SCHWERELOSE BUCHHALTUNG Unglaublich, aber wahr: Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie Ihre Belege einfach wegwerfen. TEXT: STB DR. VERENA MARIA ERIAN, STB RAIMUND ELLER, S T B M A G . E VA M E S S E N L E C H N E R

© HOFER

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ntgegen der weitverbreiteten Meinung, dass jeder Steuerprüfer vom Finanzamt im Falle einer Betriebsprüfung die Originalbelege in Papier haben möchte, ist dies seit einiger Zeit nun nicht mehr zwingend der Fall. Zum großen Erstaunen von so manchem Steuerzahler sind die Damen und Herren vom Finanzamt nun mitunter auch mit einem Stick zufrieden, auf dem sämtliche Belege in gescannter Form vorhanden sind.

Koproduktion der EMF Team Tirol Steuerberater GmbH und der Ärztespezialisten vom Team Jünger: StB Dr. Verena Maria Erian, StB Mag. Eva Messenlechner, StB Raimund Eller, v. l.

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VORAUSSETZUNGEN

Dies ist dann der Fall, wenn es ein sogenanntes revisionssicheres Dokumentenarchiv gibt, sodass die Belege unveränderbar sind und auch gelöschte Dokumente ausnahmslos im System bleiben und nichts verloren gehen kann.

VORBEREITUNG

In der Praxis bedeutet dies nun, dass Sie bei Verwendung einer Software, die genauestens auf eine solche Revisionssicherheit geprüft wurde, Ihre Papierbelege nach dem erfolgreichen Upload in ein solches Archiv entsorgen können. Wird die Buchhaltung von Ihrem Steuerberater erledigt und laden Sie jetzt schon die Belege über ein Klientenportal hoch, so stehen die Chancen gut. Bevor Sie nun Ihre Belege entsorgen, sollten Sie aber unbedingt noch mit Ihrem persönlichen Steuerberater Rücksprache halten. Nur wenn dessen Software eine absolute Revisionssicherheit gewährleistet und erst nach ausdrücklicher Zustimmung Ihres persönlichen Steuerberaters sollten Sie Ihre Buchhaltung in den neuen „schwerelosen Zustand“ überführen.

PRAKTISCHE UMSETZUNG Wichtig ist dann nur noch, dass Sie beim Hochladen keine Belege vergessen. Sobald Sie sich nach sorgfältiger Vorbereitung vergewissert haben, dass tatsächlich alle Dokumente über das Klientenportal im System Ihres Steuerberaters angekommen sind und Sie die Monatsauswertungen nach Erstellung der Buchhaltung korrekt und vollständig in Händen halten, können Sie sich von dem schnöden Papier getrost auf „Nimmerwiedersehen“ verabschieden.

TIPP

Investieren Sie in einen leistungsstarken Scanner. Hier gibt es Modelle, die jedes Papierformat (auch klitzekleine Parkzettel)

mühelos und in beliebiger Reihenfolge verarbeiten können. Vor der Anschaffung kann auch hier ein Anruf bei Ihrem Steuerberater lohnend sein. Er hat sicher schon das eine oder andere Gerät selbst getestet und kann Ihnen mit seinen Erfahrungen verbindlich weiterhelfen.

RESÜMEE

Damit sind wir in der Buchhaltung definitiv im Zeitalter des papierlosen Büros angekommen. So mancher wird sich nun fragen, was er mit dieser Schwerelosigkeit und den leeren Schränken machen soll. Antwort: Ebenso entrümpeln und wegwerfen – so gewinnen Sie mehr Raum und Leichtigkeit für sich selbst.


eco.recht

UPDATE FÜR AKTIENGESELLSCHAFTEN Knapp vor der Sommerpause hat der österreichische Gesetzgeber mit dem so genannten Aktienrechts-Änderungsgesetz 2019 neue Bestimmungen zum Verhältnis Aktionäre und börsenotierte Aktiengesellschaft verabschiedet. T E X T : I V O R U N G G & J O H A N N E S B A R B I S T, B I N D E R G R Ö S S W A N G R E C H T S A N W Ä LT E , I N N S B R U C K

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as Gesetz geht auf eine EU-Initiative zurück und hat zum Ziel, die Transparenz, die langfristige Mitwirkung sowie die Mitbestimmungsrechte von Aktionären börsenotierter Aktiengesellschaften zu stärken. Die Umsetzung der EU-Richtlinie erfolgte dabei in Form einer „Minimalumsetzung“ und ist – ganz im Sinne der derzeitigen politischen Diskussion – davon geprägt, eine Übererfüllung unionsrechtlicher Vorgaben zu vermeiden. Getreu dem Motto „Know your shareholder“ werden börsenotierte Unternehmen durch die Novelle in die Lage versetzt, ihre Aktionäre zu kennen und einen direkten Draht zu ihnen aufzubauen. Dazu müssen insbesondere Wertpapierfirmen, Kreditinstitute und Zentralverwahrer, sogenannte Intermediäre, nunmehr auf Antrag der börsenotierten Aktiengesellschaft Informationen über die Identität sämtlicher Aktionäre preisgeben. Institutionelle Anleger und Vermögensverwalter wiederum müssen eine Mitwirkungspolitik ausarbeiten und veröffentlichen, worin sie darlegen, wie die Aktionäre an der jeweiligen Anlagestrategie mitwirken können. Insgesamt soll dadurch ein wirksamer Corporate-Governance-Rahmen, also ein wirksamer Ordnungsrahmen für das Verhältnis zwischen der Führung eines Unternehmens, seinem Verwaltungsrat, Aktionären und anderen Interessengruppen, sichergestellt werden. Unter dem Schlagwort „Vergütungstransparenz“ erhalten Aktionäre börsenotierter Gesellschaften auch ein Mitspracherecht bei

Dr. Ivo Rungg

der Festsetzung von Vergütungen des Vorstands und des Aufsichtsrates („say on pay“). Dieses Mitspracherecht wird dadurch sichergestellt, dass der Aufsichtsrat zunächst einen Vergütungsbericht ausarbeitet, über den anschließend die Hauptversammlung (die Versammlung der Aktionäre) abstimmt. Eine solche Abstimmung der Aktionäre muss nun entweder alle vier Jahre oder bei „jeder wesentlichen Änderung“ erfolgen und hat aber keinen rechtsverbindlichen Charakter. So ist es Aktiengesellschaften beispielsweise gestattet, von der beschlossenen Vergütungspolitik abzuweichen, wenn bereits vorab festgelegte außergewöhnliche Umstände eintreten. Mit dieser Regelung reagiert der Gesetzgeber auf die in der Vergangenheit des Öfteren geführte Debatte über die Angemessenheit der Vergütungen von Vorstand und Aufsichtsrat. Die dritte wesentliche Neuerung betrifft sogenannte „Related Party Transac-

tions“. Das sind bedeutsame Geschäfte oder Transaktionen, die börsenotierte Aktiengesellschaften mit ihren Aktionären oder Organmitgliedern oder diesen nahestehenden Personen vornehmen. Solche Geschäfte waren der österreichischen Rechtsordnung zwar nicht fremd, bislang existierte jedoch keine einheitliche Regelung und solche Sachverhalte wurden unter Heranziehung zahlreicher Bestimmungen zur Erhaltung des Grundkapitals der Aktiengesellschaft und zum Schutz deren Vermögens gelöst. Nun müssen solche Geschäfte vom Aufsichtsrat genehmigt und zudem bestimmte wesentliche Informationen zum Geschäft (z. B. wesentlicher Inhalt, involvierte Personen und Erwägungen, die für das Geschäft sprechen) nach Geschäftsabschluss veröffentlicht werden. Dies soll die Erhaltung des Grundkapitals und den Vermögensschutz wesentlich effizienter machen und vereinfachen. Die vorliegende Novelle ist ein weiterer Baustein, das Gesellschaftsrecht in der EU moderner und effizienter zu gestalten. Die festgestellten Mängel im Bereich der Corporate Governance spielten eine bedeutsame Rolle bei der letzten Finanzkrise und sollen beseitigt werden. Neben Transparenz und Aktionärsmitwirkung soll damit auch eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Unternehmensausrichtung sichergestellt werden. Die Zukunft wird zeigen, ob die vorgesehenen Maßnahmen in einem angemessenen Verhältnis zum erhöhten Verwaltungsaufwand und den nicht unbeträchtlichen Zusatzkosten stehen.


BFI TIROL

HUMAN RESOURCE DAY – TOTAL DIGITAL Auch Personalverantwortliche stehen vor neuen Herausforderungen, die der digitale Wandel mit sich bringt. Vor allem für das Recruiting und die Personalentwicklung bietet die Digitalisierung interessante Chancen zur Effizienzsteigerung. Eine neue Veranstaltung im BFI Tirol bietet aktuelle und spannende Vorträge.

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ie Nutzung und der Umgang mit digitalen Medien erfordern viel Veränderung und Flexibilität der Mitarbeiter. Es gilt, neue Marktchancen zu erkennen, neues Wissen aufzubauen und mit neuen Systemen umzugehen. Zudem erhöht sich dadurch auch das Arbeitspensum. Gleichzeitig verändern sich die Werte und Einstellungen der Mitarbeiter. Karriere und Geld spielen vermehrt eine untergeordnete Rolle. Themen wie Sicherheit und Selbstverwirklichung gewinnen an Bedeutung. Die digitalen Neuerungen mit zunehmender Automatisierung, Internet of Things und künstlicher Intelligenz stellen Mitarbeiter wie Personalverantwortliche vor neue Herausforderungen. Wie gelingt der Spagat zwischen technischen Anforderungen und menschlichen Bedürfnissen? Am 24. Oktober 2019 ab 12.45 Uhr findet der 1. Human Resource Day am BFI Tirol statt und versucht Antworten auf aktuelle Fragen zu finden. Gleich anmelden! PR

„Die Digitalisierung stellt Personalverantwortliche vor neue Herausforderungen.“ DR. KARIN KLOCKER, GESCHÄFTSFÜHRERIN DES BFI TIROL

BFI TIROL Ing.-Etzel-Straße 7, 6020 Innsbruck info@bfi-tirol.at www.bfi.tirol

PROGRAMM

89 • DEEP TRAINING – EIN NEUER LERNANSATZ IN VIRTUAL REALITY ZUR MEISTERUNG VON SCHLÜSSELMOMENTEN Referent: Sebastian Scheler, M.Sc. • RESILIENZ IM DIGITALEN WANDEL DER ZEIT Referentin: Johanna Constantini, M.Sc. • 1999 BIS 2019: LESSONS LEARNED, METHODS PRACTICED – DIE RICHTIGEN MITARBEITER FINDEN UND BEGEISTERN Referent: Mag. Matthias Lechle • DIGITALE ZUKUNFT – LEBEN IN ZEITEN DER DIGITALEN REVOLUTION Referent: Bernhard-Stefan Müller • UNTERNEHMERISCHE HERAUSFORDERUNGEN MEISTERN – MITARBEITERZUFRIEDENHEIT UND WORK LIFE BALANCE ERMÖGLICHEN Referenten: Peter Dullnig, Carolin Czermak • PODIUMSDISKUSSION Digitale Medien – Zusatznutzen oder Stressfaktor im beruflichen Alltag Informationen und Anmeldung bei Michael Pardeller, MAS, unter 0512/59660 364 oder michael.pardeller@bfi-tirol.at.


© MELANIE MACHOT

KULTU

kunst & design

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Montafoner Tanz für acht Pistenraupen Seit rund zehn Jahren beschäftigt sich die Fotografin und Videokünstlerin Melanie Manchot mit der Landschaft und der touristischen Infrastruktur von alpinen Wintersportorten. Für INN SITU – ein Konzept, das Bild, Klang und Wort vereint und das quasi vor Ort eigens entwickelte Ausstellungen präsentiert – verbrachte sie im vergangenen Winter mehrere Wochen in der Vorarlberger Gemeinde Gaschurn und erweiterte ihre Arbeit „Mountainworks“ um das Kapitel „Mountainworks (Montafon)“. Die neu entstandenen Fotografien und Videoarbeiten werfen einen neugierig forschenden Blick auf ein widersprüchliches Phänomen unserer Zivilisation: die Faszination ursprünglicher Naturräume und die technische Organisation ihrer Zugänglichkeit. Zu sehen ist die Ausstellung im BTV Stadtforum in Innsbruck ab 2. Oktober. Zur Ausstellung erarbeitete der Tiroler Musikschaffende Christof Diez ein Konzertformat mit natürlich gespielten akustischen Instrumenten und Elektronik. Im Dialog mit der Künstlerin reagieren Konrad Kuhn, Experte für die Kulturgeschichte der Berge, und Filmwissenschaftler Christian Quendler auf die Ausstellung. Ausstellungseröffnung: 1. Oktober um 19 Uhr / Dauer: bis 25. Jänner 2020 Dialog: 2. Oktober, 19 Uhr / Konzert: 3. und 4. Oktober, jeweils 19 Uhr Der Eintritt zu Dialog und Konzert ist frei, Anmeldung unter info@innsitu.at

„Auch für mich sind diese Aufnahmen eine völlig neue Perspektive auf Handlungen, die ich schon oft beobachtet habe.“ MELANIE MANCHOT


eco.art

BUCHTIPP

DER PREIS DES LEBENS

La Guitarra Seit der Premiere des 1. Internationalen Gitarrenfestivals La Guitarra Erl im August hat sich ein neuer musikalischer Höhepunkt im Reigen der Kulturveranstaltungen im Kufsteinerland etabliert. Mit ihrem für das Eröffnungskonzert konzipierten Konzertprogramm „Una Noche de Guitarra – Cuerdas Emocianantes“ beeindruckte Gitarristin und Festivalleiterin Julia Malischnig. Die exzellente Akustik und Architektur des Festspielhauses aus südamerikanischem Akazienholz bietet perfekte Bedingungen für musikalischen Hochgenuss mit weltbekannten Künstlern aus den Genres Klassik, Jazz, Flamenco und World. Der große Erfolg der Gitarrenfestivalpremiere – mit vollbesetzten Auditorien und finalen Begeisterungsstürmen – sowie die damit verbundene Kooperation mit den Tiroler Festspielen Erl wird 2020 vom 13. bis 15. August fortgesetzt. Zudem werden die Künstler des Festivals auch im nächsten Jahr das sommer:KIK – die Kreativakademie für junge Menschen von 6 bis 18 Jahren – tatkräftig unterstützen, um die Freude am Gitarrenspiel zu fördern.������������������ www.gitarrenfestival.at

Bernhard Kreutner Benevento Verlag 320 Seiten, EUR 18,00 Tiroler können Krimis. Das zeigt Bernhard Kreutner, der zwar jetzt in der Nähe von Wien wohnt, aber gebürtig aus Tirol kommt, mit seinem „Der Preis des Lebens“, einer morbiden Geschichte, die tief in die Welt des organisierten Verbrechens eintaucht, konkret: Organhandel. Bis jetzt hat Kreutner vor allem Sachbücher verfasst, kann aber offensichtlich auch Krimi. Schauplatz der Geschichte ist Wien, Hauptprotagonisten sind das unkonventionelle Ermittlerduo Michael Lenhart und Sabine Preiss. Lesen!

AUF DES KLANGES SPUREN Im vergangenen Jahr feierten die Klangspuren, das Tiroler Festival für neue Musik, ihr 25-jähriges Jubiläum und auch heuer hat das Team wieder ein buntes Programm aus rund 20 Konzerten zusammengetragen, das vom 6. bis 22. September unter dem Motto „Risse“ steht. Composer in Residence ist heuer der Elsässer Mark Andre (Bild), an seiner Seite steht mit der US-amerikanischen Elektro-Harfenistin und Pianistin Zeena Parkins heuer erstmals in der Geschichte des Festivals ein Improviser in Residence. ������������������������� Programm und Infos unter www.klangspuren.at

Cosima von Bonin, SMOKE, 2008, courtesy of Cosima von Bonin and Galerie Neu, Berlin

© MANU THEOBALD

The Earth without art is just eh.

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eco.kultur

„Investitionen in Kunst sind krisenfest“ Otto Hans Ressler, Österreichs bekanntester Auktionator und Kunstexperte, erzählt, wo man seriöse Informationen über den Wert von Kunst erhält, was Rankings wirklich aussagen und dass Kunst eine gute Investition ist – wenn man die Leidenschaft nicht außer Acht lässt. I N T E R V I E W : J U L I A S PA R B E R - A B L I N G E R

© GÜNTHER RICHARD WETT / GALERIE ELISABETH & KLAUS THOMAN / ELFI TRIPAMER-PICHLER

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eco.kultur

K

unst hat immer noch den Nimbus des Besonderen. Jeder, der sich mit Kunst umgibt, versteht sich als intellektuell und beflissen. Die Künstler selbst leben zumeist am Prekariat und sind chaotisch. Wie viel ist wirklich dran an diesen Stereotypen? „Piroschka Dossi hat in ihrem Buch ‚Hype‘ dieses Phänomen folgendermaßen beschrieben: Das Kunstwerk ist die Verkörperung der Schöpferkraft eines Einzelnen und damit ein Symbol des zentralen Ideals unserer Kultur, der Freiheit des Individuums. Ich denke, das trifft es recht gut“, sagt Otto Hans Ressler, den wir kürzlich zum Interview gebeten haben.

ECO.NOVA: Sie sind Experte in Sachen Auktionen und Bewertungen: Kann man Kunst überhaupt seriös bewerten? OTTO HANS RESSLER: Das ist heute ein kleineres Problem als je zuvor. Die Auktionsdatenbanken von artprice und artnet bieten Millionen Ergebnisse, geordnet nach Künstlern und Techniken. Daran kann man sich gut orientieren. Voraussetzung ist, dass es gelingt, das Werk einem bestimmten Künstler zuzuordnen. Das ist die eigentliche Aufgabe des Experten und sie ist schwierig genug. Es gibt allein in Österreich fast 10.000 bildende Künstler, die meisten sind weitgehend unbekannt. Die Auktionshäuser übernehmen nur

Walter Pichler war Bildhauer, Architekt, Zeichner und Objektkünstler. Seine Eltern verließen im Zuge der Option ihre Heimat Südtirol. Anlässlich des diesjährigen Theaterstückes „Verkaufte Heimat“ von Felix Mitterer, das im Rahmen der Telfer Volksschauspiele aufgeführt wird, zeigt die Villa Schindler Walter Pichlers Zyklus „Für meine Mutter“.

„Kunst hat was mit Bildung zu tun. Immerhin ist die Fähigkeit, Kunstwerke zu schaffen und zu verstehen, neben der Literatur die einzige Fähigkeit, die uns von jeder anderen Spezies auf diesem Planeten unterscheidet.“ OTTO HANS RESSLER

Werke von etablierten Künstlern, und das sind in Österreich maximal 120. Damit wird auch die prekäre Situation vieler Künstler verständlich. Eine Untersuchung des Kunstministers Thomas Drozda aus 2017 hat ergeben, dass bildende Künstler im Durchschnitt 3.500 Euro aus ihrer Kunst erlösen – im Jahr! Welche Faktoren sind bei Bewertungen zu berücksichtigen? Das entscheidende Kriterium für den Preis ist die Bekanntheit des Künstlers. Je berühmter er ist, desto teurer sind seine Werke. Wichtig ist auch, in welcher Technik ein Werk ausgeführt ist: Ölgemälde sind am teuersten, Arbeiten auf Papier schon wesentlich günstiger, Druckgrafik wird von vielen Sammlern überhaupt gemieden und kostet nur einen Bruchteil der Arbeiten auf Leinwand. Daneben spielt bei vielen Künstlern die Entstehungszeit eine Rolle, das Format und natürlich der Zustand.

Ist Kunst als Geldanlage immer noch attraktiv? Obwohl ich den Gedanken, Kunst als Anlage zu betrachten, zurückweise, lässt sich die Attraktivität der Investition in Kunst nicht leugnen. Im Jahr 2000 hat die Dresdner Bank die Rendite von Kunst errechnet und ist bei einem Zeitraum von 125 Jahren auf 7,7 Prozent per anno gekommen. Das ist nach meiner Überzeugung viel zu hoch gegriffen, weil die Kosten für Versicherung, Restaurierungen und für Alarmanlagen etc. ignoriert wurden. Was mich bei dieser Untersuchung jedoch beeindruckt hat, war der Umstand, dass Investitionen in Kunst krisenfest sind. Weder der Erste noch der Zweite Weltkrieg noch die große Inflation Anfang der 1920er-Jahre noch die

OTTO HANS RESSLER

leitete von 1995 bis 2014 das Auktionshaus im Wiener Innenstadtpalais Kinsky. 2015 gründete er mit Partnern das Auktionshaus „Ressler Kunst Auktionen GmbH“ in der Galerie OstLicht, das auf zeitgenössische Kunst vorwiegend österreichischer Provenienz spezialisiert ist.

93 Weltwirtschaftskrise 1929 ebenso wie jene von 2008 konnten der Kunst etwas anhaben.

Was ist die größte Gefahr in Sachen Kunstinvestition? Die größte Gefahr sehe ich darin, Kunst überhaupt als Investition zu begreifen. Meine Erfahrung ist, dass alle, die das tun, scheitern. Sie kaufen zu teuer, weil sie nichts vom Markt verstehen – und nichts von der Kunst. Sie nehmen sich nicht die Zeit, sich mit Kunst zu beschäftigen und herauszufinden, was sie begeistert, was ihnen etwas bedeutet. Sie sind zu gierig und wollen so bald wie möglich mit Gewinn verkaufen. Und das funktioniert nicht. Wer sich mit Kunst auseinandersetzt, wer sich Zeit lässt mit seinen Kaufentscheidungen, wer sein Gespür für Qualität entwickelt und selbst dann nicht enttäuscht ist, wenn er etwas kauft, das sich am Markt nicht sofort positiv entwickelt, wird schlussendlich auch finanziell erfolgreich sein. Mir liegt der Kunst-Guide im Wirtschaftsmagazin Trend vor, in dem Sie auch Teil der Jury sind: Was ist von Kunstrankings wirklich zu halten? Die Kunstrankings sind nichts weiter als die Summe der Meinungen derer, die die


eco.kultur

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Punkte vergeben. Artfacts ist der bessere Gradmesser, denn es werden Punkte für weltweit beobachtete Ausstellungen eingebracht. Mehrere Faktoren spielen eine Rolle: Die Institution, in der ausgestellt wird, die Dauer der Ausstellung, ob es sich um eine Einzel- oder Gruppenausstellung handelt. Nummer eins ist Andy Warhol, zwei Pablo Picasso. Unter den Top 50 sind fünf Österreicher: Erwin Wurm, Franz West, Valie Export, Arnulf Rainer und Heimo Zobernig – eigentlich eine sensationelle Performance. Maria Lassnig etwa ist ein gutes Stück jenseits von 100, auch Hermann Nitsch.

Kunst unterliegt immer noch der subjektiven Empfindung. Ist die persönliche Nuance das wichtigste Kriterium, wenn es um Kunst geht? Es gibt keine objektiven, allgemeingültigen Qualitätskriterien für Kunst. Es kommt nur auf Subjektivität an. Was mir wichtig ist, ist, dass man sich mit Kunst beschäftigt, dass man sich Ausstellungen ansieht und zu Auktionen geht, dass man sein persönliches Qualitätsempfinden verfeinert und verbessert.

Sie sind seit vielen Jahren die profunde Stimme am Kunstmarkt in Österreich. Wie schätzen Sie den heimischen Kunstmarkt ein? Wir haben die Neigung, uns entweder viel kleiner zu machen, als wir sind, oder im Größenwahn abzuheben. Tatsache ist: Wenn man die großen Auktionen von Sotheby’s und

© VIOLETTA WAKOLBINGER

© JORK WEISMANN

Neue, interessante Position aus Tirol: Michaela Schwarz-Weismann

Die Künstlerin Valie Export feierte heuer ihren 80. Geburtstag.

Christie’s unbeachtet lässt (weil sich die Käufe kaum einem bestimmten Land zuordnen lassen), wird in Österreich mehr für Kunst ausgegeben als in jedem anderen Land der Welt. Unsere wichtigen Galerien sind bei allen wichtigen Messen weit über die Größe des Landes hinaus präsent. Österreichische Künstler sind international hervorragend positioniert. Aber: Nur 0,3 Prozent der Bevölkerung sind überhaupt bereit, Kunst zu kaufen.

Welche österreichischen Künstler sind Ihrer Meinung nach eine Investition wert bzw. werden sich noch entwickeln? Wenn wir uns einig sind, dass es pure Subjektivität ist: Arnulf Rainer, Hubert Scheibl, Eduard Angeli, Herbert Brandl, Anselm Glück, Günter Brus, Josef Mikl. Große Entwicklungschancen sehe ich bei Esther Stocker, Claudia Hirtl, Anemona Crisan und Klaus Mosettig.

Gibt es einen Künstler, den Sie für überschätzt halten? Ich halte viele Künstler für überschätzt. Für mich selbst habe ich Qualitätskriterien festgelegt: ästhetische Ausstrahlung, gediegenes Handwerk, eigenständiger Stil, eigenständige Bildsprache, politische Relevanz, Ambivalenz. International ist das leicht festzumachen: Ich halte, was Jeff Koons und Damien Hirst machen, für Kitsch. Aber ich bitte um Verständnis, wenn ich keine Namen österreichischer Künstler nennen möchte. Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis, wenn es um Kunst geht? Es geht bei der Kunst nicht ums Geld. Es geht um Leidenschaft, darum, so richtig gepackt, ergriffen, angerührt und zum Nachdenken angeregt zu werden. Es geht darum, etwas wirklich Neues, Überraschendes, Beeindruckendes zu entdecken.


eco.kultur

Yayoi Kusama hat auf Messen bis dato die meiste Nachfrage erzielt. Die Arbeiten der 1929 in Japan geborenen Künstlerin waren in namhaften Häusern in New York, London und Sydney zu sehen. Ihre Installation „Chandelier of Grief“ ist eine der Wunderkammern in den Swarovski Kristallwelten.

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Kunst in Kürze WIE FUNKTIONIERT EINE AUKTION? Jeder Bieter muss sich zunächst registrieren, um eine Bietertafel zu erhalten. Neben dem Mitbieten im Auktionssaal sind auch telefonische oder online abgegebene Gebote gültig, ebenso kann ein Sensal damit beauftragt werden. Gesteigert wird um rund zehn Prozent vom Ausrufpreis oder ausgehend vom letzten Angebot. Den Zuschlag erhält der Meistbietende mit den Worten „Zum Dritten“ durch den Auktionator und ein Glockenzeichen. Wenn das Gebot unter dem vereinbarten Mindestverkaufspreis liegt, hat das Auktionshaus die Möglichkeit, einen vorbehaltlichen Zuschlag zu erteilen, da zuerst die Zustimmung des Einbringers des Kunstobjektes eingeholt werden muss. Der endgültige Kaufpreis besteht aus dem

Meistbot, der Käuferprovision, der Folgerechtsabgabe und der Umsatzsteuer, die für Kunst mit 13 Prozent berechnet wird.

KLEINER EXKURS DURCH DIE AKTUELLE KUNSTWELT

Laut den neuesten Ergebnissen des Art Basel und UBS Global Art Market Reports ist der globale Kunstmarkt um sechs Prozent angewachsen und hat mit 67,4 Milliarden Dollar den zweithöchsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Das Altersprofil der Sammler wird demnach immer jünger: 46 Prozent der Sammler gehören zur Generation der Millennials. Und zunehmend mehr Frauen investieren in Kunst. Für den Kunstexperten Otto Hans Ressler treffen diese Studien auf den österreichischen Kunstmarkt nicht zu,

er ortet aber „viel Spirit und eine frische Dynamik zwischen jungen Künstlern und einer neuen Generation von Galeristen“. Die Fragen, welche Künstler sich am Markt etablieren, nach welchen Faktoren ein Kunstinvestment erfolgreich sein und wie sich der Wert eines Werkes vervielfachen kann, sind aber immer schwieriger einzuschätzen. Dank der Onlineplattformen artnet und artprice kommt man zwar einfach an Informationen und Zahlen, doch die Kategorisierung ist schwieriger denn je. Bildende und angewandte Kunst sind kaum noch zu unterscheiden, die massive Beschleunigung der Bildproduktion durch Smartphones und andere digitale Technologien ist enorm, so wie die Selbstinszenierung zumeist viel präsenter ist als eine übergeordnete Kunstbewertung.

MESSE VERSUS AUKTION

Die Künstler, die bei Auktionen besondere Aufmerksamkeit erregen, sind am Kunst-


eco.kultur

© DOROTHEUM, PROVENIENZ SAMMLUNG CARLO MONZINO

„Für mich ist Tirol das kunstaffinste Bundesland; nicht nur, weil von dort so viele wichtige Künstler kommen, sondern weil Kunst hierzulande eine wichtige Rolle spielt.“

Immer noch der erfolgreichste Künstler aus Tirol: Max Weiler (1910–2001)

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markt zum Teil weniger präsent. Jeff Koons beherrscht die Mechanismen der Selbstinszenierung perfekt. Wohl deshalb erreichte seine Hasenskulptur im New Yorker Auktionshaus Christie’s den Rekordpreis von 91 Millionen Dollar. Seine Arbeiten jedoch zählen am Kunstmarkt nicht zu den gefragtesten, denn Auktionsergebnisse und Messeauftritte sind nicht miteinander zu vergleichen. Den Kunstmarkt bestimmt, wer auf Messen präsentiert wird. Hier hat die japanische Künstlerin Yayoi Kusama die meiste Nachfrage generiert. Sie machte sich mit Punktemustern und Spiegelkabinetten einen Namen und stach sogar die sogenannten „Blue Chips“ wie Andy Warhol oder Gerhard Richter aus. Kusama ist unter den 30 begehrtesten Künstlern, die auf den großen Kunstmessen der Welt zu sehen waren, die einzige Frau. Wohl auch dieser Umstand dürfte für die Bewertung eine Rolle spielen. Auch Techniken und Genres bestimmen den Wertekanon: Nach wie vor dominiert die Malerei, gefolgt von Skulptur und Fotografie. Gemälde zählen immer noch zum beliebtesten Medium, für Video- oder Konzeptkunst interessieren sich nur rund ein Prozent der Sammler.

DIE BESTEN ÖSTERREICHER

In Österreich führt eine Frau – Valie Export. Lange Zeit war sie in der Szene wesentlich

© FRANZ HUBMANN, MAX-WEILER-ARCHIV WIEN

OTTO HANS RESSLER

bekannter als am Kunstmarkt, doch seit sie von Thaddäus Ropac vertreten wird, der zu den einflussreichsten Galeristen weltweit zählt, ist die Linzer Multimediakünstlerin die Nummer eins. Ihre Arbeiten liegen zwischen 25.000 und 50.000 Euro. Auf Platz zwei steht der „Übermalstar“ Arnulf Rainer, der heuer seinen 90. Geburtstag feiert. Seine Werke hängen in den wichtigsten Museen der Welt und sind um 3.000 (Radierungen) bis zu 450.000 Euro verkauft worden. Auf Platz drei ist ein „Junger Wilder“, der auch schon 60 ist: Herbert Brandl. Seine speziellen Großformate riesiger Bergpanoramen erzielen Preise zwischen 26.000 und 125.000 Euro. Unter den jungen, zeitgenössischen Künstlern Österreichs, deren Preise noch erschwinglich sind, finden sich Nick Oberthaler (38), der sich dem Diskurs über Malerei mit reduzierten Flächen und starken Farben stellt. Seine Werke sind von 2.000 bis 20.000 Euro zu haben. Auf Platz zwei rangiert die Wienerin Verena Dengler (38), die bürgerlich-konventionelle Werthaltungen in Collagen und Installationen hinterfragt. Sie wurde mit dem Strabag Art-Award ausgezeichnet und erzielt Preise in der Höhe von 5.000 bis 20.000 Euro. Auf Platz drei liest sich Zenita Komad (39), die sich mit Konsumkritik beschäftigt und mit „Soft Sculptures“ ein spezielles Œuvre geschaffen hat. Ihre

Arnulf Rainer, frühes Selbstporträt, übermalt: „Wunde“, Öl auf Foto auf Leinwand

Arbeiten auf Papier sind bereits ab 1.700, ihre Malerei ab 12.000 Euro zu haben.

DIE GEFRAGTESTEN KÜNSTLER AUS TIROL

Für Otto Hans Ressler ist es immer noch Max Weiler (1910–2001), der unter den 30 gefragtesten, verstorbenen Künstlern auf Platz sechs rangiert. Im Osttiroler Künstler Albin Egger-Lienz (1868–1926) sieht er einen unterbewerteten Maler, weil seine monumentalen Gemälde unverkennbar sind. Er erwähnt auch Ernst Caramelle, Heinz Gappmayr und Oswald Oberhuber sowie den Bildhauer und Objektkünstler Walter Pichler (1936–2012), dem die Villa Schindler in Telfs derzeit eine Retrospektive widmet. Ressler prognostiziert auch der Südtirolerin Monika Fioreschy gute Entwicklungschancen, weil sie sich mit der neuen Technik des „Transfusionsbildes“ einen Wiedererkennungswert erarbeitet hat. Für Esther Stocker sieht er weitere Aufstiegschancen, da ihre raumgreifenden Linien und Raster voller Ästhetik sind. Unter den interessanten neuen Positionen Tiroler Künstler ist Michaela Schwarz-Weismann, die mit altmeisterlicher Malerei zeitkritische Themen auf die Leinwand malt. „Leider kann ich nicht in die Zukunft schauen, daher ist eine genaue Prognose nicht möglich“, schränkt Otto Hans Ressler ein. Abseits von wichtigen Namen und Rankings sowie von schwierigen Faktoren in der Bewertung ist für den Experten die Kunst immer eine sinnvolle und krisenfeste Investition. Für den Sammler gilt zu jeder Zeit: Die Passion muss vor der Spekulation stehen: „Kunst ist ein Gewinn – meist auch finanziell“, ist der Auktionator überzeugt.


eco.kultur

Der Ferne Osten ganz nah Nach chinesischer Druckgraphik und japanischen Holzschnitten zeigt die Galerie Nothburga zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre Beispiele von gegenwärtiger Kunst aus dem Fernen Osten.18 Künstlerinnen und Künstler aus Südkorea erlauben einen vielfältigen Blick auf das umfangreiche Spektrum des zeitgenössischen koreanischen Holzschnitts.

N

eben China und Japan gilt Korea als die dritte große Holzschneidernation. Nach der Erfindung des Papiers im zweiten Jahrhundert in China entwickelten sich rasch erste Druckformen, die die neue Erfindung für eine breitere Masse nutzbar machten. Nach Schrifttafeln von meist religiösen Texten entstand bald auch ein über den reinen Texttransport hinausgehendes Bedürfnis nach künstlerischen Illustrationen der Texte. So reklamiert heute neben China und Japan auch Korea den ältesten erhaltenen künstlerischen Holzschnitt für sich – eine Papierrolle der „Wahren Worte der Reinen und Makellosen Lichtschrift“, datiert auf die Jahre zwischen 706 und 751.

BUNTE VIELFALT

Im Gegensatz zu Europa, wo der Holzschnitt eine eher kurze Blütezeit nach Erfindung des Buchdruckes zu Zeiten Albrecht Dürers und in der Epoche des Expressionismus erlebte und heute eher eine Randerscheinung im Bereich der Druckgrafik darstellt, hat sich gerade im asiatischen Raum diese uralte Technik bis in die Gegenwart als beliebtes und vielfach gepflegtes Medium in der Kunst erhalten. Der Holzschnitt zählt zu den sogenannten

Naturdarstellungen, Landschaften, Motive aus der traditionellen Malerei ebenso wie Blicke auf eine hochkomplexe technisierte Welt oder rein Abstraktes – die Bandbreite der Darstellungen ist riesig. Hochdruckverfahren, wo eine Darstellung seitenverkehrt auf eine Holzplatte aufgezeichnet wird und danach alle nicht zu druckenden Stellen herausgeschnitten werden. Die übrig gebliebenen, hochstehenden Stellen werden eingefärbt und anschließend auf spezielles Papier gedruckt. Für jede Farbe wird eine eigene Platte geschnitten. Die Ausstellung in der Galerie Nothburga zeigt unterschiedliche und reizvolle Positionen des zeitgenössischen koreanischen Holzschnittes. Eine bunte Vielfalt an Zugängen und technischen Herangehensweisen erlaubt einen kurzen, aber intensiven Blick auf eine oftmals fremde, exotische Welt, die sich letztlich aber auch als gar nicht fern der unseren erweist. Bunt und manchmal schrill, aber auch leise und dezent, gibt die Ausstellung einen Einblick in andere Sichtweisen auf unsere gemeinsame Welt.

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GALERIE NOTHBURGA

Zeitgenössische koreanische Holzschnitte 11. September bis 5. Oktober 2019 www.galerienothburga.at Anlässlich der Langen Nacht der Museen am 5. Oktober 2019 (18 bis 1 Uhr) bietet die Galerie eine letzte Gelegenheit, die Ausstellung zu besichtigen. Neben Kuratorenführungen um 20:30 und 22 Uhr werden zusätzlich Einblicke in die Technik des koreanischen Holzschnitts und in den kore­ anischen Kunstbetrieb mittels eines Videos geboten.


© TIROLER LANDESMUSEEN

© BUCHHEIM MUSEUM DER PHANTASIE, BERNRIED AM STARNBERGER SEE / BILDRECHT WIEN, 2019

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Otto Dix, Mieze, abends im Café, 1923; 56,7 x 38,7 cm, Bleistift und Aquarell auf Papier

Albin Egger-Lienz, Christi Auferstehung, 1923–1924; 197 x 247 cm, Öl auf Leinwand

BILDERWELTEN ZWISCHEN DEN KRIEGEN

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© ZEPPELIN MUSEUM FRIEDRICHSHAFEN / BILDRECHT WIEN, 2019

Otto Dix, Die Witwe, 1922; 49,5 x 45 cm, Aquarell auf Kupferdruckpapier/ Bleistiftvorzeichnung

Der eine posthum von den Nationalsozialisten als „Bauernmaler“ für sich entdeckt, der andere von ihnen verhasst, verleumdet und seines Postens an der Kunsthochschule in Dresden enthoben. Albin EggerLienz und Otto Dix zeichnen in der Sonderausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum ein Bild der Zwischenkriegszeit.

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ie bei dem Deutschen Otto Dix sexuell aufgeladene Figur der Witwe trifft in der Ausstellung auf die gequälten Kriegsfrauen des Tiroler Malers Albin Egger-Lienz. Diese und weitere Begegnungen geben einen Einblick in die tiefen menschlichen Abgründe und existentielle Not, die das prekäre Leben der 1920er-Jahre prägten. Anstatt den Ersten Weltkrieg dokumentarisch abzubilden, kreierten Dix und Egger-Lienz universelle


© LEOPOLD PRIVATSAMMLUNG

© ZEPPELIN MUSEUM FRIEDRICHSHAFEN, LEIHGABE DER KULTURSTIFTUNG DER ZF PASSAU GMBH / BILDRECHT WIEN, 2019

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Albin Egger-Lienz, Die Tochter des Künstlers Ila im Kinderbettchen, 1916; 86,5 x 133 cm, Öl auf Leinwand

Otto Dix, Vanitas, 1932; 100,4 x 70,3 x 2,9 cm, Mischtechnik auf Holz

Ikonen des Leids und der Verwüstung, die bei der Betrachtung besonders berühren. Die aufwändige Präsentation ihrer Werke ist das Ergebnis einer fünf Jahre langen Vorbereitung.

ZWIESPÄLTIGE FASZINATION

Im ersten Bereich der Ausstellung wird eine zwiespältige Faszination für Krieg und Gewalt thematisiert, die die Kunstwelt zu Beginn des Ersten Weltkrieges prägte. „Wer sich Dixʼ farbenprächtigen Gemälden nähert, die ob ihrer künstlerischen Vollkommenheit imponieren, wird mit dem Grauen schonungslos konfrontiert. Menschen, die unvorstellbare Qualen erleiden, im Sterben liegen oder bereits tot sind, bevölkern die brutalen Bilderwelten. Dix gelingt es, den Abschaum auf ästhetische Weise zu verarbeiten. Ein gutes Beispiel dafür sind auch die auf den ersten Blick schwer erkennbaren Motive der Schwarz-Weiß-Grafiken. Erkennt man, womit man es hier zu tun hat, ist ein Entkommen nicht mehr möglich“, so Dr. Helena Pereña, Hauptkuratorin der Tiroler Landesmuseen und Kuratorin der Sonderausstellung. Dix sorgte dadurch zu Lebzeiten für Unbehagen, seine Kunst wurde sogar als „zum Kotzen“ beschrieben.

FRAUENROLLE ZWISCHEN PROSTITUIERTER, WITWE UND MUTTER Im Obergeschoss der Ausstellung sind zwar keine Leichenfelder mehr zu sehen, dafür die Hinterbliebenen in der Nachkriegszeit: Witwen und Prostituierte sowie Kranke und Kriegsversehrte. Juliette Israëls Ausstellungsarchitektur ordnet die verschiedenen Bereiche nach dem Vorbild einer Stadt an, die sich über Straßen und Kreuzungen erkunden lässt. Als zentraler Knotenpunkt dient Dixʼ „Die Irrsinnige“ (1925), eine halb entblößte Witwe, über deren Kopf feuerrote Dämonen kreisen – übrigens zum ersten Mal in Österreich zu sehen. Generell stellen die Witwen einen Schwerpunkt der Ausstellung dar. Dix gestaltete sie oft ähnlich einer Prostituierten. Damit thematisierte er die zwiespältige Rolle der Frau in der Zwischenkriegszeit: Auf der einen Seite tritt sie als Witwe der im Krieg gefallenen Soldaten auf, deren prekäre Situation häufig in die Prostitution führte. Auf der anderen Seite blieb sie immer noch die Mutter, die für die Familie sorgte. Egger-Lienz indes stellte die Witwen als „Kriegsfrauen“ (1918–22) mit verzerrten, maskenhaften Mienen dar. Sie erinnern an Klageweiber, denen Mitsprache und Mitwirkung an ihrer misslichen Lage entzogen wurde. Die Trauer um verlorene Männer und Söhne manifestiert sich in resignierten Gesichtern. Eine noch schärfere Nuance verlieh er ihnen, als er für „Die Mütter“ (1922–23) ein Kruzifix in die Stube legte und damit jeden Hoffnungsschimmer aus den Gesichtern der Frauen und des abgebildeten Säuglings radierte.

PROLETARISCHE KUNST

Die ikonenhafte, universelle Wirkung, die sowohl Egger-Lienz als auch Dix erzielten,

zieht sich auch durch die Werke zu den Themen Arbeit und Industrie, denen ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet ist. „Egger-Lienz reduzierte das Menschliche, von subjektiven Gesichtszügen bis hin zu auffälliger Kleidung, auf ein Minimum und verwendete zudem wenig Farbe. Damit bildete er Arbeiter und Bauern ab, ohne ihren individuellen Charakter zu offenbaren. Der Zweck steht klar im Vordergrund“, so PD Dr. Wolfgang Meighörner, Direktor der Tiroler Landesmuseen. Als Egger-Lienz 1924 den Auftrag annahm, Lünetten für den Sitzungssaal der Industriellen in der Tiroler Handelskammer in Innsbruck zu gestalten, musste er zwangsläufig etwas konkreter arbeiten. Er beugte sich jedoch nicht den Wünschen der Auftraggeber, auch für die Längsseite des Saals Figuren darzustellen, sondern wählte eine menschenleere Fabrik. Auch in Dixʼ Werken ist das Thema Arbeit präsent, bei ihm steht jedoch das Milieu im Mittelpunkt. Trotz seines sarkastisch distanzierten Zugangs scheute er den Blick in die menschlichen Abgründe dabei nicht.

EGGER- LIENZ UND OTTO DIX

Die Sonderausstellung ist noch bis 27. Oktober im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreich bebilderter Katalog im Hirmer Verlag (360 Seiten, EUR 38,50) www.tiroler-landesmuseen.at

TIPPS:

• 5 . Oktober: Lange Nacht der Museen – Spezialprogramm von 18 bis 24 Uhr • 26. Oktober: Tag der offenen Tür – Spezialprogramm von 9 bis 17 Uhr, Eintritt frei

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MOBILITÄ

auto & motor www.eco-mobil.at

Weitere Testberichte, News & Infos: 

Kraftvolle Eleganz 100

Coupés wohnt eine gewisse Geschmeidigkeit inne, Sportlichkeit, aber mit feiner Linienführung. SUV hingegen sind oft Kraftlackel, bullige Alltagsbegleiter. Audi hat mit dem Q3 Sportback einen eleganten Weg gefunden, die starke Präsenz eines SUV mit den fließenden Formen eines Coupés zu verbinden. Die niedrigere Dachlinie lässt ihn im Gegensatz zum Schwestermodell Q3 länger wirken, verleiht ihm aber auch mehr Athletik. Assistenzsysteme, Infotainment und Interieur sind wie bei den vier Ringen gewohnt nahezu perfekt. Der Sportback startet bei ca. 39.500 Euro – der Coupéaufschlag zum „normalen“ Q3 liegt also bei rund 4.000 Euro.

REISEFACHMANN Das neue Sportmodell der Ford-Focus-Baureihe debütiert auch wieder als praktischer Kombi. Der von Ford Performance entwickelte Focus ST Traveller geht mit zwei Motorvarianten an den Start: Der 190 PS starke Diesel beginnt bei 39.750 Euro, der 280-PS-Benziner bei 42.500 Euro. Beide Maschinen bietet Ford mit 6-Gang-Schaltgetriebe an, für den Beziner soll‘s in Bälde auch eine 7-Gang-Automatik geben. Und auch optisch ist der Traveller durchaus wieder gelungen.

S P O R T L I C H E R KO M PA K T E R M I T S U V - Q U A L I TÄT E N Die dritte Generation der Ceed-Familie wächst weiter: Nach dem Grundmodell, dem Kombi und dem fünftürigen Shootingbrake ProCeed bringt Kia mit dem XCeed eine neue Crossover-Variante, die das sportliche Auftreten einer Schräghecklimousine mit den praktischen Vorzügen eines SUV kombiniert. Ein schlauer Zug, werden SUV doch seit Jahren immer beliebter, sind so manchem aber dann doch ein bisschen zu viel Auto. Der XCeed schiebt sich gekonnt dazwischen, Markteinführung ist im September. Zu Beginn steht eine breite Palette an Benzinern und Diesel von 85 bis 150 PS zur Verfügung, Anfang 2020 folgen ein 48-Volt-Mildhybrid und ein Plug-in-Hybrid. Der Einstieg liegt bei ca. 20.000 Euro.


© ANDREAS FRIEDLE

eco.mobil

eco.mmentar

Bruno König, Motorredaktion

Greta-Time M U LT I T A L E N T Wer einen richtigen Geländegänger will, der ist bei Land Rover generell gut aufgehoben. Mit dem Discovery Sport präsentieren die Briten ein richtiges Multitalent, denn das Premium-SUV ist vielfältig versiert, dazu kompakt und leistungsfähig. Im hochmodernen Antriebs­ paket ist neben Allrad und neu abgestimmter 9-Gang-Automatik ab sofort auch das Terrain Response 2 serienmäßig in allen Modellvarianten an Bord. Mithilfe von vier unterschiedlichen Fahrprogrammen passt das Auto dabei alle wichtigen Systeme und Assistenten an den entsprechenden Untergrund an. Zum Marktstart ist außerdem ein moderner 48-Volt-Mildhybrid dabei, ein Plug-in soll folgen. Die Preisliste für den neuen Land Rover Discovery Sport beginnt bei 37.500 Euro.

VIELSEITLING Hyundai setzt bei seinem Kona Hybrid auf Individualität: Zum Start im Herbst kann man zwischen den drei Ausstattungsvarianten Trend, Style und Premium wählen, dazu gibt‘s zahlreiche optionale Aufhübschungen und (Sicherheits-)Features. Doch schon in der Basisvariante ist jede Menge Serienausstattung mit dabei, gestartet wird bei 26.900 Euro. Im Lifestyle-SUV ist ein 141 PS starker Hybridantrieb verbaut, den die Koreaner auch schon im Ioniq eingesetzt haben. Der Kona ist somit mit quasi allen Antriebsvarianten (Benzin, Diesel, batterieelektrisch, Hybrid) zu haben.

Positiv fällt auf, dass Jugendliche anno 2019 überhaupt noch für oder gegen etwas auf die Straße gehen, um ihren Unmut kundzutun. Erwachsene wiederum können der Ikone dieser Jugendbewegung deutlich weniger abgewinnen. Eventuell auch deshalb, weil lebenserfahrenere Menschen wohl etwas schneller die perfekt geschmierte Marketingmaschinerie dahinter ausmachen. Negativ fällt auf, dass auf allen Schauplätzen der „Fridays for Future“-Versammlungen Unmengen an Müll zurückbleiben: Plastikflaschen, Blechdosen, Einwegbecher und Fastfood-Verpackungen, wohin das Auge reicht – schon bedenklich für eine Klimaschutz-Demo, bei der die Rettung unseres Planeten eigentlich im Vordergrund stehen soll. Dazu wird gepostet, gechattet und gelikt, was das Zeug hält. Aber woher soll man auch wissen, dass Onlinesein CO2 produziert. Vielleicht verzichteten die Jugendlichen dafür auf ihren Sommerurlaub. Tourismus ist ja ein CO2-Multiplikator allererster Güte. Anregungen und Kommentare bitte an koenig@econova.at

Nicht das Auto verdirbt den Charakter, aber wer keinen Charakter hat, sollte nicht Auto fahren. FERDINAND PORSCHE

MARKANT CHARMANT Die Löwenmarke präsentierte kürzlich ihren neuen 2008, der mit deutlich robusterem Design, gewachsenen Abmessungen und wie ein optisch geschrumpfter 3008 daherkommt. Das SUV wurde außerdem auch technisch komplett überarbeitet. Franzosen-gewohnt hat auch der Peugeot 2008 das intuitive i-Cockpit mit an Bord, das Premium-Audiosystem übernimmt er von seinen großen Brüdern. Bei Motoren und Ausstattung soll der Kunde freie Wahl haben, deshalb kommt der Charmeur als Benziner, Diesel oder vollelektrisch und in verschiedenen Paketen zu den Händlern. Markteinführung: Ende 2019.

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Oldtimer sind nicht nur bei Liebhabern, sondern auch bei Spekulanten beliebt.

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GOLD-RÄDER Der Kauf eines Oldtimers war fast immer eine emotionale Angelegenheit. Seit der Wirtschaftskrise vor etwa zehn Jahren zählen die Klassiker jedoch auch bei Spekulanten zu den begehrten Objekten. Das trieb die Preise enorm in die Höhe. TEXT: BRUNO KÖNIG

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ldtimer sind nicht nur mehr Hobby allein, sondern auch eine gute Geldanlage. Die Preise für historische Karossen sind in den vergangenen Niedrigstzinsphasen kräftig nach oben gewandert. Die Zeiten, in denen sich das Geld auf der Bank von allein vermehrte, sind vorbei. Spekulanten nehmen deshalb gerne Immobilien und klassische Fahrzeuge ins Visier ihrer Vermögensanhäufung. Das schlug sich in der Wertsteigerung der Fahrzeuge enorm nieder. Auf allen Auktionen weltweit wurden Höchstpreise erzielt. Ältere Porsche, für die sich vor der Wirtschaftskrise kaum jemand interessierte, waren über Nacht begehrt, die Preise verdoppelten und verdreifachten sich zum Teil.


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Der Porsche 911 ist der meistgehandelte Oldtimer.

Verschwundene Marken wie Lancia erfreuen sich erhöhter Nachfrage.

Der Oldtimerkauf sollte immer eine emotionale Angelegenheit sein. 104

Für einen Ferrari 250 GTO zahlte ein Bieter über 60 Millionen Euro.

Ein Bugatti EB110 GT zum Beispiel war vor der Wirtschaftskrise 2008 für rund 200.000 Euro zu bekommen. Im Februar dieses Jahres zahlte ein Bieter auf einer Auktion über zwei Millionen Euro für exakt das gleiche Modell. Das heißt, dass nicht nur für Oldtimer, die älter als 30 Jahre alt sind, exorbitante Preise bezahlt werden, sondern auch für bestimmte „Youngtimer“ aus den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren. Als Youngtimer werden Fahrzeuge bezeichnet, die älter als 15, aber jünger als 30 Jahre sind und schon zur Bauzeit eine erhöhte Begehrlichkeit hatten. Wer jetzt aber glaubt, dass jedes alte Auto automatisch im Wert steigt, der irrt gewaltig. Um überhaupt eine mögliche Wertsteigerung zu erfahren, sind zahlreiche Parameter ausschlaggebend: Zustand, Begehrlichkeit, Stückzahlen, Bauzeit und die historische Bedeutung. Das bislang teuerste Fahrzeug wechselte erst letztes Jahr um rund 60 Millionen Euro den Besitzer. Dabei

handelte es sich um einen seltenen Ferrari 250 GTO aus dem Jahr 1963, der damals bei den 24 Stunden von Le Mans am Start war.

PREISE STEIGEN LANGSAMER

Seit geraumer Zeit halten sich die enormen Zuwächse allerdings spürbar in Grenzen. Das zeigt sich nicht nur auf den einschlägigen Verkaufsportalen, sondern auch beim Oldtimer-Preis-Index des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). So legten die Preise im vergangenen Jahr „nur“ um 1,8 Prozent zu. Vor drei Jahren lag die Wertsteigerung durchschnittlich noch bei 5,6 Prozent. Experten gehen davon aus, dass die Preise in Zukunft noch langsamer ansteigen werden. Zum einen weil eine gewisse Sättigung am Markt zu beobachten ist, zum anderen, weil die entsprechenden Käuferschichten besser informiert sind und nicht mehr jeden verlangten Preis bezahlen. Nicht zu unterschätzen sind auch die Kosten für Instandhaltung, Service, Versiche-

rung und Garagierung. Trotzdem sind für besonders gut erhaltene Fahrzeuge immer noch Traumpreise zu realisieren. Und genau diese Autos entwickeln sich immer noch deutlich über dem Durchschnitt. Aussortiert und wenig nachgefragt werden sogenannte „Blender“, also Klassiker, die entweder schlecht gepflegt, nicht fachmännisch restauriert wurden oder keine nachvollziehbare Historie vorweisen können.

BULLI VOR ENTE UND DEM 2002

Am wertstabilsten über einen langen Zeitraum zeigt sich der VW-Bus (Bulli), gefolgt von der 2CV-Ente und den 2002er-Modellen von BMW. Zu den meistgehandelten Oldtimern zählt der Porsche 911 vor den Mercedes-SL-Modellen und dem VW-Käfer. Bei diesen Modellen sind die Wertzuwächse derzeit eher gering. Deutlich besser sieht es bei Marken aus, die heutzutage verschwunden sind. Dazu zählen etwa Autos der Hersteller von Lancia, Steyr-Puch oder auch Datsun. Am Ende sollte aber nicht die Verlockung nach dem schnellen Geld an erster Stelle stehen. Der Kauf eines klassischen Fahrzeuges sollte immer noch eine emotionale Angelegenheit bleiben – mit schönen Erinnerungen an längst vergangene Tage oder der Erfüllung eines Kindheitstraumes. FOTOS: © KÖNIG, LORENZI, WERK


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Der 3er BMW begeistert seit über vierzig Jahren sportliche Fahrer.

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3ER IN PERFEKTION Sie ist nicht nur die meistverkaufte Premiumlimousine weltweit, sondern auch ein Fahrzeug, das seit Jahrzehnten seine Kunden begeistert. Die Rede ist von BMWs neuem 3er. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

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igentlich beherrschen ja die unterschiedlichsten SUV-Modelle das Geschehen in den Schauräumen der Autohändler. Schön, dass BMW mit einer klassischen Limousine für ein bisserl Abwechslung sorgt. Die 3er-Limousine ist nicht nur ein weltweiter Bestseller im Premiumsegment, sondern auch ein Symbol für sportliche Familienautos. Vom beliebten 2002er über den 323i bis zum heutigen M3 begeistert die Modellreihe unzählige BMW-Freunde. Der brandneue 3er kommt in siebter Generation und mit einer Vielzahl an innovativen Highlights. Die knackige Limousine kann zum Beispiel von ganz allein – per Fernbedienung – aus- und einparken. Oder sie lenkt eigenständig aus einer engen Gasse rückwärts. Die letzten 50 gefahrenen Meter werden nämlich stets abgespeichert. Als Fahrer muss hier lediglich Gas und Bremse betätigt werden.

LÄNGER, BREITER, BESSER Der neue 3er ist sowohl in der Länge als auch Breite gewachsen. Das sorgt zum einen für mehr Platz im Innenraum und zum anderen für eine noch sattere Straßenlage. Als Antrieb dient in unserem Testauto der 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel mit strammen 190 PS. Dieser sorgt in Kombination mit dem xDrive-Allrad für beeindruckende Fahrleistungen bei akustischer Zurückhaltung. Satte 400 Nm Drehmoment liegen schon bei niedrigen Umdrehungen an und werden über eine perfekt abgestimmte Acht-Gang-Automatik auf die Straße übertragen. Innen zeigt sich der Neue modern, volldigital und auf höchstem Niveau verarbeitet. Alle verwendeten Materialien wirken wertigst und vermitteln eine angenehme Haptik. Viele Funktionen lassen sich per Gesten- oder Sprachsteuerung bedienen. Der „Personal Assist“ beantwortet auch Fragen wie „Hi BMW, wie geht’s?“.

BMW 320D XDRIVE LIM. M SPORT Antriebsart: 2,0-Liter-Diesel Leistung: 140 kW/190 PS Drehmoment: 400 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 6,9 sec Spitze: 233 km/h Testverbrauch: 5,9 Liter/100 km CO2 -Ausstoß: 125 g/km Spaßfaktor: 8 von 10 Preis: ab 41.850 Euro

VIER STILRICHTUNGEN Der 3er kann ab Werk in vier unterschiedlichen Stilrichtungen geordert werden. Je nach Geschmack stehen Advantage, Sport Line, Luxury Line und M Sport zur Auswahl. Der Einstieg beginnt bei gut 40.000 Euro, der steigt dank zahlreichen Individualisierungsmaßnahmen und vielen Kreuzchen aber rasch nach oben. Eben ein 3er in Perfektion.


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SHOOTING-STAR Mit einer richtig stylischen Variante – dem ProCeed – hat Kia seine Ceed-Famile erweitert. Wir waren mit dem Topmodell „GT“ unterwegs. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

Stark sind nicht nur Antrieb und Fahrwerk, auch die üppige Ausstattung des ProCeed kann sich sehen lassen.

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Umwerfendes Design trifft auf sportliche Fahrleistungen.

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ie sogenannten „Shooting Brake“ verkaufen sich zwar nicht wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, schauen aber verdammt gut aus. Das dachten sich wohl auch die Kia-Designer und stellten eine neue ProCeed-Variante auf die Räder. Mit der abfallenden Dachlinie sieht Kias Neuer nicht nur besonders sportlich, sondern beinahe unverschämt gut aus. Optisch verwandt mit dem hauseigenen Sportwagen „Stinger“ erinnert das ProCeed-Heck allerdings mehr an einen Sportler aus Germany. Deshalb wird der neue ProCeed gerne auch als „Klein-Panamera“ betitelt. Auf seinen 4,61 Metern Länge versteht es der Koreaner in Perfektion, cooles Design und hohe Alltagstauglichkeit miteinander zu verbinden. Die gelungene Optik geht zwar

etwas auf Kosten des Platzangebotes der zweiten Sitzreihe, das nimmt man jedoch gerne in Kauf.

STARKER ANTRIEB

Die Kraft stammt aus einem potenten 1,6-Liter-Benzinmotor mit Turboaufladung. Das Aggregat leistet 204 PS und harmoniert hervorragend mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Kräftig in jeder Lebenslage und mit kernigem Sound schiebt das Triebwerk den wunderschönen Shooting Brake spielend nach vorne. Die Kraftübertragung erfolgt über moderne 18-Zoll-Räder auf die Vorderachse. Das serienmäßige Sportfahrwerk bringt den ProCeed noch näher an den Asphalt und zeigt sich als Kurvenartist. Stark sind aber nicht nur Antrieb und Fahrwerk, auch

KIA PROCEED GT 1,6 T-GDI Antriebsart: 1,6-Liter-Benziner Leistung: 150 kW/204 PS Drehmoment: 265 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 7,5 sec Spitze: 225 km/h Testverbrauch: 7,1 Liter/100 km CO2 -Ausstoß: 135 g/km Spaßfaktor: 8 von 10 Preis: ab 33.090 Euro

die üppige Ausstattung des ProCeed kann sich sehen lassen: zahlreiche Assistenzsysteme, ein pfiffiges Cockpit, Ledersitze mit roten Nähten und ein serienmäßiges Panorama-Glasschiebedach. Damit kann der fesche Koreaner auf ganzer Linie überzeugen.


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eco.mobil

SCHWEDEN-BEAUTY Volvos sind sicher, das weiß ein jeder. Dass die Schweden 2018 mit dem XC40 jedoch das erste Mal in ihrer Firmengeschichte das „Auto des Jahres“ stellten, wissen wenige.

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ie Wahl zum Auto des Jahres erfolgte zu Recht. Der Volvo XC40 ist nicht nur optisch ein gelungenes Kompakt-SUV, sondern auch innovativ und mit wegweisender Sicherheitstechnik ausgestattet. Für unseren Test stand ein in wunderschönem „Burstingblau“ lackierter XC40 im sportlichen R-Designkleid und modernem Dreizylinder-Benzinmotor zur Verfügung. Optisch orientiert sich der Volvo an seinen größeren Brüdern XC60 und XC90. Durch seine kompakten Abmessungen wirkt der XC40 agil, sportlich und spritzig. Apropos spritzig: Der kleine Dreizylinder leistet 156 PS und ist ein richtig aufgeweckter Kerl. Das 1,5-Liter-Triebwerk packt schon von ganz unten kräftig an und klingt dabei sportlich kernig. Damit passt der kleine Benziner hervorragend zum äußeren Erscheinungsbild des 4,42 Meter langen SUV. Das

manuelle 6-Gang-Schaltgetriebe gefällt mit kurzen Wegen und nordländischer Präzision.

SICHERHEIT UND KONNEKTIVITÄT

Das Volvo-Infotainment-System verbindet auf Wunsch alle neuen Modelle und auch deren Insassen. Der große Touchbildschirm im Hochformat funktioniert dabei wie ein Tablet, lässt sich einfach bedienen und bietet zahlreiche Apps fürs Smartphone. Auch die wegweisenden Sicherheitssysteme hat

der XC40 von seinen großen Brüdern übernommen. Damit zählt er zu den modernsten und bestausgestatteten kompakten Premium-SUV. Das intelligent gestaltete Interieur im Volvo zeigt clevere Lösungen, wie die vielen Staufächer in Türen, Sitzen und Kofferraum oder den klappbaren Haken im Handschuhfach samt Fächern für diverse Karten. Obendrein bietet das Gepäckabteil viel Stauraum.

Die Auszeichnung „Auto des Jahres 2018“ war die erste in der Geschichte der schwedischen Marke.

POWER-COUPÉ Bulliger Auftritt, sportliches Design und ein athletischer Motor machen aus dem Mercedes AMG E53 ein Coupé der Extraklasse.

hochdrehende Reihenmotor und schießt das Coupé in nur 4,4 Sekunden auf Tempo 100 – 4Matic-Allrad sei Dank. Dabei drückt das Aggregat satte 520 Nm Drehmoment auf die Antriebsstränge. Untermalt wird diese Zeremonie stets von einem tiefen Brummen aus den vier Endrohren, das sich mit zunehmender Drehzahl zu einem Blaskonzert steigert. Der mächtige Schub in jeder Lebenslage bringt Spaß bei jedem Gasstoß. Ein kleiner E-Motor zwischen Motor und Getriebe leistet kurzzeitig zusätzliche 28 PS und speist die Leistung ins 48-Volt-Bordnetz. Motoren bauen können sie, die Schwaben, das beweisen sie auch in der Formel 1.

VOM FEINSTEN

Feinste Materialien, traumhafter Motor: AMG E53 Coupé

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underschön ist das ECoupé schon in der Grundausstattung und mit dem 184-PS-Basismotor. Das würde eigentlich schon reichen,

um ein Vielfaches aufregender, begehrenswerter und vor allem sportlicher zeigt sich der Stern aber im bulligen AMG-Kleid und mit dem bärenstarken 3.0-Liter-Sechszylinder-Bi-Turbomotor. 435 PS leistet der

Doch nicht nur der Motor beeindruckt: Exquisite Materialien, beste Verarbeitung und modernstes Design dominieren den Innenraum, gespart wurde hier gar nirgends. Dazu gesellen sich eine Armada an Assistenzsystemen und ein beachtlicher Grad an Vernetzung. Schnäppchen ist das AMG E53 Coupé natürlich keines: Bereits der Einstiegspreis liegt bei 103.000 Euro. Mit vielen Kreuzchen auf der langen Aufpreisliste stehen dann – wie bei unserem Testwagen – 142.000 Euro auf dem Kaufangebot ganz unten rechts.


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Der T-Cross gefällt durch Agilität und Eigenständigkeit.

CROSS UND KNACKIG

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Das kleinste SUV der VW-Modellfamilie ist da. Der T-Cross ist sozusagen das Volkswagen-Baby im Mini-SUV-Segment. Trotzdem fährt er sich wie ein ganz Großer. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

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napp 32 Prozent aller Autokäufer entscheiden sich für ein Fahrzeug aus dem „AO-Segment“. Das ist jene Fahrzeugkategorie, in die auch der fesche T-Cross fällt. Das kleine SUV auf Polo-Basis ist derzeit mit zwei Dreizylinder-Triebwerken mit 95 bzw. 115 PS zu haben. In unserem Testauto steckte das stärkere der beiden Aggregate und lieferte damit gleich die erste Überraschung: So quirlig, so kultiviert und so kraftvoll haben wir bis dato kaum einen Dreizylinder erlebt. Das kleine Triebwerk schiebt den T-Cross schon bei niedrigen Drehzahlen kräftig an und bleibt akustisch unaufdringlich. Das Siebengang-DSG-Doppelkupplungsgetriebe sorgt für überraschend viel Komfort und Souveränität ... kostet allerdings Aufpreis.

WIE EIN GROSSER

In Sachen Fahrgefühl beweist sich der T-Cross ebenfalls als Großer: ausgewogenes Fahrwerk, gutes Platzangebot, moderne Assistenzsysteme und eine ordentliche

Verarbeitung. Natürlich wurde im Innenraum einiges an Hartplastik verarbeitet, doch weder fällt dieses unangenehm auf noch klappert irgendwas. Dank der verschiebbaren Rücksitzbank finden auch Mitfahrer ausreichend Kniefreiheit. Der Kofferraum fasst bis zu 1.281 Liter Volumen – für diese Klasse ordentlich.

EIGENE PERSÖNLICHKEIT

Die markante Front zeigt sich im typischen VW-Design. Das Heck ist eigenständig und

mit den dunklen Rückleuchten unverwechselbar. Dazu kommen mehrere Fahrassistenzsysteme und eine intuitiv bedienbare Konnektivität. Die Sitzposition ist angenehm und zehn Zentimeter höher als im Polo – das sorgt für guten Überblick. Die Preise beginnen bei moderaten 19.290 Euro für den 95 PS starken Fünfgang-Schalter. Das stärkere Modell samt Doppelkupplungsgetriebe startet bei 23.540 Euro. Allradantrieb gibt’s für den T-Cross leider nicht.

VW T-CROSS LIFE TSI DSG Antriebsart: 1,0-Liter-Benziner Leistung: 85 kW/115 PS Drehmoment: 200 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 10,2 sec Spitze: 193 km/h Testverbrauch: 7,3 Liter/100 km CO2 -Ausstoß: 112 g/km Spaßfaktor: 7 von 10 Preis: ab 19.290 Euro


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MIT DER GS AB INS ADVENTURE

BMW hebt die legendäre Großenduro GS mit der 1250er auf ein neues Level. Und bietet auch mit der „kleinen“ 850er jede Menge Fahrspaß. Auf Wunsch auch im wuchtigen Adventure-Kleid. eco.nova hat beide getestet.

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T E X T : K L A U S S C H E B E S TA

A

dventure. Das Wort ist gut gewählt und löst augenblicklich Assoziationen aus. Abenteuer, Freiheit, Erlebnis, Spaß – wer kann da schon nein sagen? Wenn Adventure noch mit dem Kürzel GS verknüpft wird, läuten bei Motorrad-Begeisterten alle Alarmglocken. Die große GS von BMW ist nicht zufällig das meistverkaufte Motorrad in Österreich. Die Reiseenduro ist zwar nicht in jeder Einzeldisziplin die Siegerin, aber immer ganz vorne dabei. Die GS ist mit Abstand das ausgewogenste Konzept, das alle Anforderungen unter einen Hut bringt, mit anderen Worten: ein Universaltalent. GS steht übrigens für Gelände/Straße und soll signalisieren: Ich kann beides.

LANGE GESCHICHTE

Um zu den Anfängen zu gelangen, muss man zurück ins Jahr 1980. Da legte BMW die R 80 G/S auf. Die erste Großenduro mit Boxermotor, langen Federwegen und Kardan. In den letzten 40 Jahren wurde laufend am Konzept gefeilt und Hubraum, Leistung und technische Raffinesse ständig erhöht. Die

GS erhielt eine Telelever-Vorderradaufhängung, einen Vierventilmotor, ein elektronisches Fahrwerk und oben liegende Nockenwellen. Die 1200er wurde seit 2004 gebaut. Den bisherigen Höhepunkt erlebte die GS im Jahr 2013, als der Boxer mit einer Wasserkühlung (mit dem internen Kürzel LC für Liquid Cooled) auf den Markt kam und im Zuge dessen völlig neu konstruiert wurde. BMW hat es mit der großen GS geschafft, ein scheinbar zu Ende entwickeltes Motorrad immer noch um den entscheidenden Tick besser zu machen. Das ganz besondere Grundkonzept ist immer das gleiche geblieben und hat der GS einen geradezu legendären Reifegrad verschafft. Seit letztem Jahr sind wir bei der 1250er angelangt. Und die kann schon wieder einige Dinge besser als die ohnehin schon der Perfektion nahe Vorgängerin. Konkret heißt das: Der Hubraum ist von 1.170 auf 1.254 Kubik gewachsen, aber das ist natürlich noch nicht alles. BMW setzt nun auf die so genannte ShiftCam-Technologie, eine variable Ventilsteuerung, die bei niedrigen Drehzahlen mehr Drehmoment und bei höheren Dreh-

zahlen mehr Leistung generiert. Ganz nebenbei wird auch noch die Laufruhe und Laufkultur verbessert und der ohnehin schon ökonomische Verbrauch weiter gesenkt.

MAN GÖNNT SICH JA SONST NICHTS

Die von uns getestete Maschine war zudem eine Adventure – und das bedeutet gegenüber der „normalen“ GS: Nochmals um zwei Zentimeter mehr Federweg, einen bulligen 30-Liter-Tank, besseren Windschutz, Motorschutzbügel und Kreuzspeichenräder serienmäßig. Die Adventure sieht mit ihrem riesigen Tank und den wuchtigen Zylindern massiv aus, eben genau nach den 268 Kilos, die sie vollgetankt auf die Waage bringt. Aber wie fährt sie sich? Mit einem Wort: souverän. Sobald die dicke Sause anrollt, verschwinden die Pfunde auf wundersame Weise und alles wird ganz leicht. Die 1250er kann alles, was schon die (ausgezeichnete) 1200er konnte – nur eben noch eine Kleinigkeit besser. Die Laufruhe ist für einen Boxer sensationell, da schüttelt und rüttelt nichts, was man vom Zweizylinder in frühen Jahren nicht behaup-


eco.mobil

eco.mmentar

Alexandra Medwedeff, Projektleiterin Innovationen & Projekte

Die große GS von BMW ist nicht zufällig das meistverkaufte Motorrad in Österreich. ten konnte. Die Leistung ist schlichtweg eine Wucht: Schon ab dem Drehzahlkeller packt die große Adventure beherzt zu und dreht nach oben hin befreit und geradezu beängstigend kräftig aus. Kein Wunder: Aus den 125 PS bei 125 Newtonmeter der 1200er sind jetzt 136 PS bei gewaltigen 143 Newtonmeter geworden. Vom Umschalten bei rund 5.000 Touren auf die „schärfere“ Nocke (Stichwort ShiftCam) merkt der Fahrer genau gar nichts, kein Ruckeln, nicht den Hauch eines Klackens. Der Aufwand hat sich gelohnt: Die GS hat dadurch nochmals an Laufruhe und Seidigkeit gewonnen, ohne irgendwelche Einbußen hinnehmen zu müssen. So muss Technik: funktionieren. BMW gönnt jedoch nicht nur der großen 1250er die Kultbegriffe GS und Adventure, sondern auch der 850er. Die folgt optisch ihrer großen Schwester und kommt ebenfalls bulliger daher als die normale 850er, ist aber technisch völlig eigenständig. BMW hat den Zweizylinder-Reihenmotor in Bayern entwickelt und lässt ihn in China bauen. Der Paralleltwin verfügt über 95 PS, die sich seidig entfalten und für ordentlichen Vortrieb sorgen. Der am Testmotorrad verbaute Schaltautomat lässt Schalten ohne Kupplung zu und switcht elegant zwischen den Gängen, sogar ein bisschen weicher als der Schaltautomat bei der 1250er. Die „Kleine“ hängt wunderschön am Gas und beeindruckt mit dem vibrationsarmen Lauf des Zweizylinders. Das größte Hindernis der 850er ist sicher der Preis. Wer bei der kleinen GS beim Ankreuzen der Sonderausstattungen großzügig ist, kommt in die Region einer 1250er mit Basisbestückung. Und die ist selbst mit Serienausstattung eine Klasse für sich. Das bedeutet in Zahlen: Beide getesteten Adventures waren in Bezug auf Sonderausstattungen (dem durchschnittlichen Kundenverhalten entsprechend) üppig ausgerüstet, was bei der 1250er einen Kaufpreis von 28.000 und bei der 850er 22.500 Euro bedeutete. Der Preis für eine 1250er Adventure mit Serienausstattung liegt bei 21.500 Euro. Wer sich auf die beiden allerwichtigsten Extras Dynamic ESA und den Schaltassistenten beschränkt, muss 1.500 drauflegen und ist damit preislich auf Augenhöhe mit einer umfassend ausgestatteten 850er. Für welche Adventure ein Kunde sich auch immer entscheidet: Falsch lässt sich bei diesem technischen Reifegrad nichts machen. Wer Abenteuer und Verlässlichkeit unter einen Hut bringen will, kommt an der GS nicht vorbei.

Über die Zukunft der Mobilität Mobility as a Service bündelt die unterschiedlichen Mobilitätsangebote und macht diese den Kunden einfach zugänglich. Das Ziel von Mobility as a Service (MaaS) ist es, den Menschen eine flexible Mobilität abseits des privaten Autobesitzes zu bieten. Die unterschiedlichen Mobilitätsangebote, wie beispielsweise Bus, Bahn, Car- und Bikesharing oder Taxis, werden dabei gebündelt und den Menschen möglichst einfach zugänglich gemacht. Quasi ein One-StopShop für Mobilität. Der öffentliche Verkehr und die individuelle Mobilität (zu Fuß gehen und Rad fahren) bilden das Rückgrat solcher MaaS-Lösungen. Der Verkehrsverbund Tirol (VVT) hat sein Angebot für den öffentlichen Verkehr gemeinsam mit seinen Partnerunternehmen in den letzten Jahren stetig ausgebaut. Die individuelle Mobilität und Flexibilität droht dabei oft auf der Strecke zu bleiben. Kombiniert man jedoch innovative Mobilitätsdienstleistungen mit dem klassischen öffentlichen Verkehr, so ergeben sich spannende Synergien. In Zukunft will der VVT das Angebot für seine StammkundInnen mit der Einbindung von E-Carsharing erweitern. Ein einfacher Zugang zu einem Netzwerk an Carsharing-Fahrzeugen in ganz Tirol über den VVT Ticketshop ist das Ziel. Projekte wie diese sind wichtig, um nachhaltige Mobilitätsformen bei der Bevölkerung bekanntzumachen. Die Menschen sollen zum Umstieg auf alternative Mobilitätsformen motiviert werden, speziell auch auf Strecken in peripheren Regionen. Perfekt aufeinander abgestimmte und nachhaltige Lösungen wie E-Carsharing werden in Zukunft stark zunehmen, unter anderem auch, um auf die sehr individuellen Mobilitätsbedürfnisse der Menschen in einem Land wie Tirol eingehen zu können. Der VVT legt in seiner Arbeit einen sehr hohen Fokus auf Mobility as a Service. Einerseits, um seine Öffi-StammkundInnen mit neuen innovativen Angeboten versorgen zu können, andererseits um gemeinsam mit dem breiten Partnernetzwerk die Zukunft der Mobilität im Land mitzugestalten. Das ist bei MaaS-Lösungen essentiell, da es hier viele PartnerInnen braucht, die gemeinsam Angebote schaffen. Denn MaaS ist ein Gemeinschaftsprojekt und nur in Kooperation mit allen Beteiligten werden wir es schaffen, die Mobilität der Zukunft auf die Straße zu bringen. www.vvt.at

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LIFESTYL

genuss & trends BUCHTIPPS

CUISINE ALPINE

Andreas Döllerer 304 Seiten, EUR 60,00 Ein Besuch in Andreas Döllerers Restaurant in Golling ist dringend empfehlenswert. Wer seine Küche zuhause ausprobieren möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Darin finden sich 70 Kreationen vorrangig aus der Salzburger Regionalküche, die teils zwar ziemlich ambitioniert, aber zwischendurch auch absolut nachkochbar sind.

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ZU GAST AUF SYLT

Pssssst ... In der heutigen Zeit, die immer lauter wird, tut es gut, mal ganz für sich zu sein. Gut, auch das muss man können, aber wenn man es kann, ist es herrlich. Behilflich sein könnte dabei der Beoplay H9 der dänischen Lifestylemarke Bang & Olufsen, ein kabelloser Over-Ear-Kopfhörer mit innovativer Active Noise Cancellation, mit der Sie nur eines hören: den Klang der Musik. Sonst nichts. Die Akustik wird von den hauseigenen Tontechnikern professionell abgestimmt, wenn es notwendig ist, lassen sich im Transparenzmodus auch Umgebungsgeräusche wahrnehmen. Und dass die Nordlichter was von Design verstehen, ist eh hinlänglich bekannt. Wir lieben das Naturleder der Kopfhörer! Erhältlich in Matte Black und Argilla Bright (ein zartes Rosa) um je 500 Euro. ��������������������������������������������������������������������� B&O erhältlich bei IQ TEC in Rum.

Regina Stahl Callwey Verlag 192 Seiten, EUR 39,95 Wer noch nie auf Sylt war, sollte dort schleunigst mal hin. Regina Stahl zeigt Ihnen hier drin, warum. Sie verrät die besten und schönsten Restaurants (wo Friesisch auf Fusion trifft), Bars und Cafés und gibt dazu Einblicke in die jeweiligen Wirtsfamilien sowie amüsante, kuriose und historische Infos. Es ist ein bisschen so, als wäre man dort. Ein richtiges Urlaubsver­ längerungsbuch.


eco.life

Nomos gibt‘s in Innsbruck unter anderem bei den Juwelieren Witzmann und Leitner. Die Club Campus kostet 1.200 Euro.

L E G O F Ü R E RWAC H S E N E

Schon schön Uhren von Nomos gefallen uns ja vor allem ob ihrer optischen Zurückhaltung – auffällige Unauffälligkeit quasi. Besonders smart ist bei der Club Campus die Verbindung aus römischen und arabischen Ziffern, technisch basiert sie auf den klassischen Club-Modellen. Das 38,5-mm-Edelstahlgehäuse ist rundherum großzügig und robust, die Zeit lässt sich jederzeit und überall gut ablesen und aussehen tut sie sowieso immer gut: zum Anzug, auf der Reise, beim Durch-die-nach-Tanzen. Das Velourslederband sitzt perfekt. Erhältlich in verschiedenen Varianten für sie und ihn.

Er hätte auch gut auf die Auto-Startseite gepasst, ist hier aber ebenso bestens aufgehoben: der 1960er Ford Mustang zum Selberbauen. Lego Creator macht‘s möglich. Um 129,99 Euro kann man sich sein eigenes Muscle-Car zusammenbauen und dazu noch individuell gestalten. Außen hübsch, innen detailreich ... da braucht es durchaus Geduld und fortgeschrittene Fingerfertigkeit. Heraus kommt ein 10 Zentimeter hohes, 34 Zentimeter langes und 14 Zentimeter breites Auto, das ganz schön was hermacht.

MÄNNERSCHMUCK Immer mehr Männer entdecken schmucke Stücke für sich und verschönern vorrangig ihre Handgelenke – nicht nur mit chicen Uhren, sondern immer öfter auch mit Armbändern. Wir mögen jene von SON OF NOA aus Dänemark, weil ihr schlichtes Design herrlich zurückhaltend ist und die edlen Materialien zum eleganten Outfit ebenso passen wie zum sportlichen. Ab 49 Euro gesehen bei Petra Kaminsky in Hall.

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SCHREIB MAL WIEDER Wir schreiben ja generell immer weniger mit der Hand, was wir extrem schade finden. Vor allem, weil es heute so wunderbar stilvoll geht – etwa mit den natürlichen Schönheiten von Faber-Castell. Wie alle Schreibgeräte der Marke ist auch die AMBITION-Nussbaum-Serie mit modernster Technologie ausgestattet und mit ihrem Holzschaft gleichzeitig richtig schön. Der Füllfederhalter (100 Euro) mit hochwertiger Edelstahlfeder verspricht besten Schreibkomfort; der Tintenroller (98 Euro) mit schnell trocknender schwarzer Tinte sowie ein Drehkugelschreiber und ein Druckbleistift mit bruchfester Mine und austauschbarem Radierer unter der Kappe (je 95 Euro) komplettieren die Schreibgeräte-Serie.

REDEWENDUNG DER AUSGABE: EINEN KORB KRIEGEN abgewiesen/zurückgewiesen werden, Ablehnung erfahren, eine Absage (meist in Liebesdingen) bekommen HERKUNFT: Ursprünglich hat sich diese Redewendung aus einem mittelalterlichen Brauch entwickelt. Wenn ein Mann um eine Frau werben wollte, musste er sich von ihr in einem Korb zu ihrem Fenster hinaufziehen lassen. War aber die Angebetete nicht interessiert, zeigte sie ihm das sehr deutlich: Der Boden des Korbes ließ sich mit wenigen Handgriffen lockern und so konnte er das Körpergewicht des Werbers nicht mehr tragen. Ehe er sich versah, landete er nicht wie erhofft im Schlafzimmer der Dame, sondern sehr schmerzhaft auf seinem Hosenboden! Auch wenn diese Art der Ablehnung heute nicht mehr üblich ist, kann es mitunter doch immer noch schmerzlich sein, einen Korb zu bekommen, selbst wenn er nur noch sprichwörtlich verteilt wird.


eco.life

489.000

Um 558.000 US-Dollar oder eben 489.000 Euro wurde am 13. Oktober 2018 eine 0,75-LiterFlasche Romanee-Conti von 1945 aus dem persönlichen Weinkeller von Robert Drouhin (Leiter des Familienbetriebs Maison Joseph Drouhin) bei Sotheby’s versteigert. Damit ist der französische Burgunder der teuerste Wein der Welt. Ursprünglich schätzten Experten die Flasche auf 28.000 Euro. Bei derselben Auktion wechselte einige Minuten darauf übrigens eine zweite Flasche des Weins um 434.000 Euro den Besitzer.

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MAN UMGEBE MICH MIT LUXUS, AUF DAS NOTWENDIGE KANN ICH VERZICHTEN.

Letztlich sind die wertvollsten Dinge zwar ohnehin jene, an die sich kein Preisschild hängen lässt, manchmal gibt’s für Luxus aber doch eine Zahl. Wir sind uns zwar nicht ganz sicher, ob Oscar Wilde mit seiner Aussage wirklich diese Dinge hier gemeint hat oder doch in ein bisschen kleineren Dimensionen dachte, dennoch haben wir uns mal schlau gemacht, wofür Menschen so ihr Geld ausgeben. ZUSAMMENSTELLUNG: MARINA BERNARDI


eco.life

750.000

Wenn es ums Smartphone geht, besonders wenn es ein angebissener Apfel ziert, dann scheint die Preisskala generell nach oben offen. Schon fürs Gerät allein werden gerne über 1.000 Euro hingelegt. Kein Wunder also, dass auch bei den iPhone-Hüllen quasi alles möglich ist. Das Crystal-Cover von Swarovski ist mit 239 Euro dabei noch eine wahre Okkasion. Die goldene Krokodilledervariante von Louis Vuitton um 5.500 Dollar liegt im Dekadenz-Mittelfeld. Richtig arg wird’s dann bei Anita Mai Tan, deren 18-K-Weißgold-Hülle mit 2.200 Diamanten und Drachen- oder Spinnenzeugs drauf wohlfeile 880.000 Dollar kostet, also umgerechnet ca. 750.000 Euro. Ob man das Ding gern im Hosensack mit sich trägt? Man weiß es nicht genau.

49.000.000

Dass teuer nicht zwangsläufig schön ist (wenngleich Geschmäcker natürlich und Gott sei’s gedankt verschieden sind), zeigt die „Hallucination“ aus dem englischen Haus Graff Diamonds. Das Teil besteht aus über 110 Karat seltener farbiger Diamanten, die in ein Armband aus Platin eingefasst sind, und kostet unglaubliche 55 Millionen Dollar, also ca. 49 Millionen Euro. Der Hersteller hatte das Unikat 2014 auf der Baselworld vorgestellt, ein Jahr darauf folgte ein ähnlich teures Modell.

1.000.000.000

Ursprünglich rund 350 Millionen Euro soll dem russischen Multimilliardär Roman Abramowitsch seine „Eclipse“ wert gewesen sein, eine 163,5 Meter lange und 22 Meter breite Yacht, gebaut 2010 von Blohm + Voss. Den Titel „längste Privatyacht der Welt“ hat die Eclipse recht flott an die „Azzam“ (180 Meter, 530 Mio. Euro) von Scheich Khalifa bin Zayed Al Nayan verloren, auch wenn Abramowitsch die seinige nach dem Stapellauf nochmal verlängern ließ. Richtig teuer macht das Ding aber dessen Ausstattung. 2015 erfolgte ein Umbau, seitdem bietet die Eclipse Platz für 36 Gäste und 70 Bedienstete, es gibt eine eigene Disco, ein Kino, zwei Pools, zwei HubschrauberLandeplätze, vier Motorboote und 20 Jetskis. Unglaublich ist das Sicherheitssystem, zu dem ein Raketenabwehrsystem und ein U-Boot gehören.

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eco.life

11.000.000

Es ist der teuerste Neuwagen der Geschichte: der Hypersportler „La Voiture Noire“ von Bugatti – eine Hommage an den legendären Bugatti Type 57 SC Atlantic – den die zum VW-Konzern gehörende französische Luxusmarke anlässlich ihres 110-jährigen Jubiläums auf den Genfer Autosalon mitgebracht hat. Das Einzelstück ist bereits verkauft, der anonyme Käufer hat dafür elf Millionen Euro hingelegt. Netto. Cristiano Ronaldo hat sicherheitshalber schon mal klargestellt: Er war’s nicht. Der La Voiture Noire ist eine Ansammlung von Superlativen, allein die 1.500 PS stehen für sich.

1.400.000 267.000

Ja, Frauen lieben Schuhe. Und Handtaschen. Und hübsch ist sie ja wirklich, die „Himalaya Niloticus Crocodile Diamond Birkin 30“ von Hermès aus mattem Krokoleder und diamantbesetzten Metallteilen aus 18-karätigem Gold. Dass man dafür die stattliche Summe von 236.750 Pfund (ca. 266.000 Euro) bezahlt, wie im Dezember 2018 bei Christie’s in London erzielt, ist dann aber doch nicht ganz so selbstverständlich. Sie übertraf die Schätzungen um 60 Prozent. Der teuerste Schuh der Welt kostet übrigens rund 14,5 Millionen Euro – dafür bekommt man vergoldete und diamantbesetzte Highheels. Wenn man’s mag. Den weißen und weltweit teuersten Sneaker „100 MM Diamond“ von Buscemi gibt’s indes schon für schlappe 132.000 US-Dollar, also ca. 110.000 Euro. Gold und Diamanten auch hier inklusive.

Sachen gibt’s: Auf einer Luxus-Haustiermesse in China ist ein junger Hund für umgerechnet 1,4 Millionen Euro verkauft worden. Seit 2011 hielt die rote Tibet-Dogge namens „Hong Dong“ mit 1,1 Millionen Euro den Rekord, 2014 hat ihm ein einjähriger goldfarbener Mastiff den Rang abgebellt. Seine Tiere hätten „Löwenblut“, erklärt Züchter Zhang Gengyun. Die Tiere mit löwenartiger Mähne sind zwar nicht sonderlich elegant, sehen dafür aber aus wie ein riesiges Sofakissen und sind in China ein beliebtes Statussymbol. Die Tibet-Dogge zählt zu den ältesten Hunderassen der Welt.

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75.000

Willkommen an der Upper East Side, Manhattan. Dort liegt das „The Mark“ und ebendort, im 16. Stock, die teuerste Hotelsuite der Welt. Die Nacht kostet 86.000 Dollar oder 75.000 Euro, dafür hat man auf zwei Etagen immerhin rund 1.100 Quadratmeter Platz sowie unter anderem fünf Schlafzimmer, sechs Bäder inklusive Dampfbad, einen Loungebereich mit Bibliothek und ein Esszimmer für bis zu 24 Personen zur Verfügung (der hauseigene Sternekoch Jean-Georges Vongerichten bekocht Sie gerne) und eine riesige private Dachterrasse mit Blick auf den Central Park. Das acht Meter hohe Wohnzimmer mit Kupfer-Kuppeldach kann zu einem Ballsaal umgestaltet werden. Die gesamte Suite wurde vom französischen Innenarchitekten Jacques Grange gestaltet, die Möbel sind quasi allesamt Einzelstücke. Einige Zeit soll die Dachsuite zum Verkauf gestanden haben, 60 Millionen Dollar wollte dann aber doch niemand bezahlen. Nun ist sie halt auf Monate ausgebucht.


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JEDE ROSE MIT EIGENEM CHARME

Luxus-Chalets am Kraftplatz Ein geselliger Aufenthalt mit guten Freunden, gemeinsam mit der Familie die Bergwelt erkunden oder die romantische Auszeit zu zweit in den Chalets am Lehenriedl im Salzburger Wagrain.

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eim Ausblick eröffnet sich einem eine weitläufige Bergwiese, die im morgendlichen Tau glitzert, samt Nebel, der sich bald lichten wird. Dahinter ein magischer Wald vor imposanten Höhen. Und sonst … nichts. So weit das Auge reicht. Zumindest zur einen Seite des gemütlichen Chalets. Denn auf der anderen war-

tet ein großzügiger Badeteich, der zur ersten Schwimmrunde des Tages einlädt und auch bei kühleren Temperaturen eine Wohltat für Körper und Geist ist. Das köstliche Frühstück wartet bereits – auf Wunsch direkt in der eigenen Küche aufgetischt. Mit viel Liebe von Familie Vorderegger höchstpersönlich und fast unbemerkt. So darf jeder Morgen beginnen. Und am Lehenriedl tut er das auch.

Wo Langeweile ein Fremdwort ist Den Urwald erkunden, Gold waschen, die Greifvögel beim täglichen Ausflug beobachten – wer für den Urlaub im ****Hotel Alpina in Rauris eincheckt, bucht spektakuläre Naturerlebnisse gleich mit.

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und 295 Kilometer markierte Wanderwege und Alpinsteige. Ein Goldwaschplatz, ein Urwald und eine Vielzahl großartiger Wanderdomizile praktisch vor der Hoteltür. Der Sonnblickgletscher nur einen Katzensprung entfernt. Im Raurisertal bietet Mutter Natur ein Unterhaltungsprogramm der Extraklasse. Doch auch die Entspannung kommt nicht zu kurz. Dafür sorgt Familie Prommegger höchstpersönlich in ihrem ****Hotel Alpina. Die Eigentümer stecken viel Herz in ihr Haus, renovieren, verfeinern und überraschen immer wieder mit einer unvergleichbaren Liebe zum Detail. Mit Themenzimmern wie dem Urquell-, Gold- oder

Urwaldzimmer sowie der exklusiven Wellnesssuite mit eigener Infrarotkabine und Blick auf das atemberaubende Panorama

Jedes Chalet hat seine eigene Terrasse, die an schönen Tagen zum Energietanken und Abschalten einlädt. Und wenn die Sonne einmal hinter den Wolken scheint, verspricht der Wellnessbereich – ja, auch hier hat jedes Chalet seinen ganz eigenen – die pure Entspannung in der Sauna oder Infrarotkabine. Oder darf’s vielleicht eine Shiatsu-Behandlung sein? Fakt ist: Die Ruhe hier oben ist kaum zu fassen. Dennoch sind der belebte Ortskern Wagrains und unzählige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung ganz nah. Zeit für sich selbst haben – jeden Tag individuell gestalten – beim Wandern oder Biken in die Salzburger Bergwelt oder einfach nur Tagträumen am Badeteich. An kühleren Abenden gibt der knisternde Naturstein-Kamin wohlige Wärme und mit einem Glas Wein aus dem gut sortierten Weinschrank in der Hand lässt man die Ruhe wirken – die Lehenriedl-Chalets als besonderer Ort, an den man immer wieder gerne zurückkehrt.

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bringen die Gastgeber die Vielfältigkeit des Raurisertals in die eigenen vier Wände.

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Eingebettet im Nationalpark Hohe Tauern bietet das Raurisertal unzählige Möglichkeiten und Aktivitäten für einen abwechslungsreichen Urlaub. Wie man das alles unter einen Hut bekommt? Mit der Nationalpark Sommercard. Sie erlaubt den Gästen ihrer Partnerbetriebe, mehr als 60 Attraktionen gratis zu besichtigen sowie Freizeitanlagen, Sportanlagen und zahlreiche Bergbahnen kostenlos zu nutzen. Mit der Premium Card können Sie bis 31. Oktober 2019 das Tal und seine Umgebung erkunden. Und: Die Card ist im Zimmerpreis inkludiert. ���������������������� www.hotel-alpina-rauris.at


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© RINO HOPFGARTNER

Damit am Ende das (fotografische) Ergebnis stimmt, braucht es viele Mitwirkende, mindestens ebenso viele Arbeitsstunden, gute Planung, Professionalität und Geduld. Und mitunter Wetterglück.


ES DARF GESCHOSSEN WERDEN

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Metallica, Motörhead, Slayer, Lenny Kravitz ... Starfotograf Michael Agel hatte sie alle vor der Linse. Nun macht er in Innsbruck und unter anderem an den steilen Abhängen der Nordkette Jagd auf ganz andere Motive: Jägerinnen und Jäger geraten in den Sucher seiner Leica. Da schadet es nicht, dass Agel selbst passionierter Jäger ist. TEXT: MARIAN KRÖLL / FOTOS: MICHAEL AGEL

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ingefädelt hat den Coup, und als solchen kann man es durchaus bezeichnen, Fiona Arnold. Sie ist Bezirksjägermeisterin in Innsbruck-Stadt und war Michael Agel zufällig auf einem jagdlichen Empfang in München begegnet. „Ich wusste ihn mit meinem rezessiv-dominanten Höttinger Charme sogleich von meinem Projekt zu begeistern“, erinnert sich die Jägerin. Das Projekt ist ein Jagdkalender der besonderen Art. Einer, der „einen künstlerischen Anspruch verwirklicht, unser waidmännisches Werken im einzigartigen alpinen als auch städtischen Raum darstellt, die ‚Typen &

Archetypen’ unseres Jagdbezirkes und unser geliebtes Innsbruck aus einer einzigartigen Perspektive bzw. auch in einem geschichtsträchtigen Kontext zeigt“, so Arnold. Der Kalender, gewissermaßen Work in Progress, soll Anfang Februar 2020 präsentiert und der Erlös einem guten Zweck zugeführt werden. Deshalb arbeiten auch dutzende Freiwillige unentgeltlich und unermüdlich vor und hinter der Kamera daran, dass der Kalender ein denkwürdiges Ereignis wird. Fiona Arnold entwickelt gewissermaßen das „Drehbuch“ für jedes Shooting. Das sieht dann beispielsweise so aus: „Beim Foto mit der jagdlichen Gesellschaft geht es um die Kameradschaft.


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„Du pirschst dich an dein Motiv heran und wenn alles passt, drückst du ab.“ MICHAEL AGEL

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© MARIAN KRÖLL

sich evolutionieren. Ich sehe da ein gewisses Potenzial.“ Vor den Shootings wird Michael Agel von der Bezirksjägermeisterin, der man einen gewissen Hang zum Perfektionismus nicht absprechen kann, penibel gebrieft. Bei einem Shooting sind im Schnitt nicht weniger als 40 Leute beteiligt. Derartiges will gut vorbereitet und koordiniert sein. „Ich bin sicher das perfektionistische Momentum, das versuchen muss, für alle Eventualitäten Vorkehrungen zu treffen“, sagt Arnold.

Es soll etwas Frivoles haben. Eine weitere Szene wird die Gamsjäger darstellen, in Deferegger-Manier. Klobig, hart. Die dritte Szene zeigt das Kasermandl in der Nordkette und soll lustig, verspielt sein, sexy, aber mit Schabernack.“ Arnold betrachtet den etwas anderen Kalender aber auch als willkommene Gelegenheit, das Image der Jagd, nach innen wie außen, zu evolutionieren, wie sie sagt: „Wir haben einen gewissen künstlerischen Anspruch und auch einen provokativen. Das ist mir als Bezirksjägermeisterin, der es darum geht, die Jagd und deren Akteure unter einer anderen Perspektive zu zeigen, wichtig. Wir wollen für eine andere Wahrnehmung sorgen. Wir sind auch im städtischen Raum zugegen und dennoch mit der Natur, den Mythen, Märchen und Sagen, eng verwurzelt. Wir wollen nicht zeigen, wie sich der Jäger gerne selbst am liebsten sieht. Damit polarisiere ich. Das erhitzt vor allem in den eigenen Reihen bisweilen die Gemüter. Man muss aber neue Blickwinkel eröffnen. Ich möchte keinen abrupten Paradigmenwechsel herbeiführen, aber die Perspektive erweitern. Die Jagd und Jägerschaft müssen

ECO.NOVA: Wie hat es sich ergeben, dass einer der weltweit bekanntesten Musikfotografen in Tirol einen Jagdkalender fotografiert? MICHAEL AGEL: Fiona hat mir von ihrer Idee, einen Kalender zu machen, erzählt und mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das umzusetzen. Ich hab’ drüber nachgedacht und zugesagt. Mir war klar, dass es mit einmal hingehen nicht getan sein würde. Ich hatte dann die Idee mit den vier Shootings in den vier Jahreszeiten.

Sie sind selbst Jäger. Hat das bei der Entscheidung für dieses Projekt geholfen? Als Fotograf musst du oft deinem Motiv sagen, wie es sich zu positionieren hat. Guck nach da, halt die Hand so, und so weiter. Da ist es hilfreich, wenn es nicht lächerlich aussieht, wenn man eine Waffe in der Hand hält. Man würde gleich sehen, dass ein Jäger die Waffe niemals so halten würde. Von den Motiven her haben wir aber nicht die typischen Jäger genommen, das sieht man schon an der Kleidung. Alles ist ein bisschen überspitzt, weil es sich ja nicht um einen klassischen Jagdkalender handelt. Das Ergebnis soll kein Vereinskalender für Jäger sein, sondern einer für eine breite Öffentlichkeit. Was ist für Sie das spannende Moment an diesem Projekt? Die Motive habe ich mir nicht ausgedacht. Hinter jedem Motiv steht eine Geschichte, die etwas mit der Gegend, den Bergen zu tun hat. Jede Jahreszeit hat drei Monate und damit drei Geschichten. Das macht die Sache

für mich in der Umsetzung noch interessanter.

Was ist die größte Herausforderung bei diesen Shootings? Du hast als Fotograf die Kontrolle über deine Ausrüstung, mehr oder weniger über die Models und die Location, aber du hast null Einfluss auf die äußerlichen Wetterbedingungen. Da gibt es ein Restrisiko, mit dem man arbeiten muss. Sie haben die größten Rock- bzw. Heavy-Metal-Stars des Planeten live auf den größten Bühnen der Welt fotografiert. Unter wahrscheinlich schwierigeren Verhältnissen. Kann das Kalendershooting dennoch für erhöhten Puls bei Ihnen sorgen? Ich würde gar nicht sagen, dass es schwieriger ist, auf den großen Bühnen Bilder zu machen. Da hat man eine Chance, und wenn man nicht an der richtigen Stelle steht und alles richtig macht, ist sie vertan. Man kann nicht sagen, nochmal! Bei diesen Kalendershootings hast du aber schon den Vorteil, dass du wiederholen kannst.

Sehen Sie Parallelen zwischen der Jagd und der Fotografie? Geht es immer um den richtigen Augenblick? Es gibt eine französische Fotozeitschrift namens Chasseur d’Images, Jäger des Augenblicks. Und im Prinzip ist es ja irgendwie so. Du pirschst dich an dein Motiv heran und wenn alles passt, drückst du ab. Wer war zuerst da? Der Fotograf Michael Agel oder der Jäger? Ich fing mit zwölf Jahren als Wildtierfotograf an. Der Jagdpächter hat mich dann manchmal vom Hochsitz heruntergeholt, weil ich da gestört habe. Er hat mich aber auch manchmal bewusst irgendwo hingesetzt, wo ich auf ein Tier gewartet, es fotografiert und ihm dann ein Bild davon gezeigt habe. So bin ich mit der Jagd in Kontakt gekommen und bin auch mitgegangen. Und irgendwann habe ich dann nicht mehr vor dem Schuss die Fotos gemacht, sondern danach.


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Wie sind Sie Musikfotograf geworden? Indem du Bilder gemacht hast, war es damals ein Weg, um gratis auf Konzerte zu kommen. Früher ging das ja noch. Bei größeren Bands ging’s dann irgendwann nicht mehr und die wollten wissen, für wen man fotografiert. Hat man für eine Zeitung oder ein Magazin fotografiert, gab’s noch Geld für die Bilder. So hatte ich das Benzingeld für die Fahrt zum Konzert auch wieder drin. So ist das gewachsen und hat sich entwickelt. Irgendwann haben die Bands meine Fotos gesehen und wollten sie direkt haben. Für eine CD, für T-Shirts und ja, auch für Kalender und Tourbücher. Ist es hilfreich, wenn man die Bands, die man fotografiert, mag? Eigentlich ist es egal. Ich komm’ ursprünglich mehr aus dem Hardrock-, Heavy-Metal-Bereich, habe aber mittlerweile auch für das Mozarteum sehr viel fotografiert. Wenn du siehst, wie professionell die Jungs beim

Mozarteum arbeiten, gibt es keinen Unterschied zu Metallica, so als Beispiel. Die Musik ist eine andere, die Herangehensweise und Leidenschaft dieselbe.

Welche Aufnahme der bisherigen Kalendershootings gefällt Ihnen am besten? Schwierig. Vielleicht das Geierwally-Bild, das auf der Nordkette entstanden ist. Damals war das Wetter trüb, auf einmal reißt es kurz auf, für Minuten, und dann fliegt auch noch eine Krähe durchs Bild, das Licht ist gut, es klappt einfach alles. Sind Sie ein Perfektionist? Was heißt Perfektionist? Man muss letztlich immer noch spontan mit gewissen Unbekannten zurechtkommen. Du nimmst dir manchmal was vor und dann klappt es nicht auf Anhieb. Dann darfst du nicht verzweifeln. Funktioniert die erstbeste Lösung nicht, muss man eben auf die zweitbeste ausweichen.

Der Verkaufserlös dieses Jagdkalenders kommt einer guten Sache zugute, Sie arbeiten pro bono. Machen Sie das öfter? Ja, ich habe schon öfter Bilder für Auktionen gegeben. Diese signierten Bilder werden für einen wohltätigen Zweck versteigert.

MITWIRKENDE:

• Fotograf: Michael Agel • Setfotograf: Rino Hopfgartner • Produktion: Nadine Kranewitter, Sabine Glatzel • Haare: Charakterköpfe • Make-up: Stevie Scherl • Ausstattung: Heu & Stroh • Models: JägerInnen von Innsbruck Stadt • Außerdem: Franz X. Gruber, Vizebürgermeister der Stadt Innsbruck, und Roland Rieben, Steyr


© IQ-TEC MÜHLTHALER

IM GESPRÄC

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news & events

Tourismusberater Klaus Ennemoser und Harald Ultsch Philipp Mühlthaler (Mi.) mit den langjährigen B&O-Kunden Christian Praxmaier und Daniel Spöndlin

Silvia und Erich Schwarzenberger, Samen Schwarzenberger, und Sonja Ultsch

GRÜEZI MITENAND! Li.: Christian Mühlthaler (re.) mit dem stolzen Vater, Heinz Mühlthaler re.: Georg Giner, Ferienparadies Natterer See (li.) und Martin Wetscher, Obmann der Sparte Handel in der Tiroler Wirtschaftskammer

DREI JAHRZEHNTE BANG&OLUFSEN Seit drei Jahrzehnten steht das Elektrounternehmen Bang & Olufsen IQ TEC Mühlthaler für Service, Beratung und fachgerechte Ausführung bei Elektroinstallationen, Photovoltaikanlagen, Videoüberwachung, Netzwerkverkabelung und Multimediainstallationen. Viele treue Kunden und Freunde – darunter auch Julius Markt, erster B&O-Kunde vor 30 Jahren – folgten der Einladung von Christian, Philipp und Clemens Mühlthaler zum runden Firmenjubiläum im Rahmen der Präsentation des neuesten Prachtstücks aus dem Haus B&O und erlebten die Magie des Beovision Harmony, eines 77-Zoll-Fernsehers mit dänengewohntem hochwertigem Bild, Sound und Design.

Harry’s Home, benannt nach dem Konzepterfinder Harald Ultsch, schließt mit seinem Konzept die Lücke zwischen Hotel und Ferienwohnung. Im August eröffnete der Ultsch‘sche Familienbetrieb ein weiteres Hotel in Zürich. 200 Gäste aus Tirol, der Schweiz und Deutschland (in diesen drei Ländern sind die derzeit sechs Harry‘s Homes bereits vertreten) kamen zur Eröffnung. Harry‘s-Home-GründerSohn und mittlerweile Wirt des Hotel aDLERS, Fabian Ultsch, verwöhnte die internationalen Gäste mit Tiroler Schmankerln und überzeugte mit einer Showküche im Freien und seinem berühmten Kaiserschmarren.

SPONSORINGENGAGEMENT Der Gartengeräte-Hersteller STIHL Tirol mit Sitz in Langkampfen hat in den letzten Wochen sein Engagement für das SOS-Kinderdorf mit einer österreichweiten Aktion fortgesetzt. Die Sponsoring-Partnerschaft geht damit ohne Unterbrechung ins 18. Jahr ihres Bestehens. In den SOS-Kinderdörfern werden nicht nur Kinder und Jugendliche betreut, auch die Grünanlagen und Gärten bedürfen der Pflege. Die Anschaffung von Rasenmähern, Aufsitzmähern, Heckenscheren und anderen Gartengeräten ist daher immer wieder dringend notwendig. Zahlreiche STIHL-Geräte quer durch Österreich wechselten vor Kurzem die Besitzer. Mehr zu SOS-Kinderdorf ab Seite 56.

Jörg Schmidt, Leiter SOS-Kinderdorf Imst, STIHL-Händler Andreas Gstrein, Kinderdorf-Dorfmeister Norbert Grießer und Wolfgang Simmer, Leiter Marketing- und Vertriebsservices STIHL Tirol


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18. tiroler firmenLauf >>> 20 19

SAVE THE DATE

14. SEPTEMBER 2019

GRÖSSTES TEAMEVENT IN TIROL WO LAUFEN MEHR ALS NUR SPORT IST Siegeswille und Spaß passen nicht zusammen? Falsch, denn der Tiroler Firmenlauf vereint Jahr für Jahr genau dies und noch viel mehr. Teamgeist, Freude an der Bewegung und das gemeinsame Erreichen eines Ziels werden am 14. September in Innsbruck großgeschrieben. Genau diese Attribute sind es, die über die Jahre hinweg immer mehr TeilnehmerInnen an den Start locken. 2019 sind es unglaubliche 5.500 motivierte Läufer und Läuferinnen – Teilnehmerrekord! Die Frage warum sich die Veranstaltung zu Westösterreichs größtem Teamevent entwickelt hat, kann Organisator Mag. Ivo Kaltschmid leicht beantworten: „Der Tiroler Firmenlauf bietet den TeilnehmerInnen noch viel mehr als ein bloßes Sportevent, Autowelt Innsbruck

denn bei welcher anderen Veranstaltung kann Networking in einer solch ungezwungenen Umgebung betrieben werden wie hier! Weiters bietet dieser Lauf den Unternehmen die Möglichkeit, die betriebliche Gesundheitsvorsorge zu fördern und langfristig zu prägen.“ Auch die jüngsten MitarbeiterInnen sollen zum Laufen motiviert werden.

So bekommen Lehrlinge die Chance mit eigener Wertung am Lauf teilzunehmen. Die alljährliche Tombola zugunsten der Organisation „Netzwerk Tirol Hilft“ und die nachfolgende Firmenparty vor dem Tiroler Landestheater mit Live-Band und vielseitigem kulinarischen Angebot laden dazu ein, den Abend mit seinen TeamkollegInnen ausklingen zu lassen.

I DER TIROLER FIRMENLAUF IM ÜBERBLICK Datum: Samstag, 14. September 2019 Startzeit: 17:30 Uhr Start/Ziel: Rennweg/Vorplatz Tiroler Landestheater Innsbruck Strecke: ca. 5,5 km Laufen / 4,0 km Nordic Walking durch die Innsbrucker Innenstadt Bewerbe: Laufen im Firmen- oder Businessteam (Damen/Herren/ Mixed), Nordic Walking, Fun-Run & Walk-Talk (ohne Zeitnehmung)


© SCHWAIGER

im.gespräch

P L AT Z 1 B E I M M Y S T E R Y-S H O P P I N G Möbel Freudling gehört zu den führenden österreichischen Möbelfachhändlern der GARANT Austria und erzielte heuer österreichweit das beste Ergebnis beim alljährlichen Mystery-Shopping. Das Unternehmen punktet bei den Testern mit Beratung und Planungskompetenz, besonderer Freundlichkeit und hoher Professionalität am Telefon und im E-Mail-Verkehr, dem Erscheinungsbild des Geschäftes sowie der Produktpräsentation. Getestet wurden österreichweit rund 190 Geschäfte. Christian Wildauer, Geschäftsführer Möbel Freudling (2. v. r.), freut sich über die Auszeichnung

McDonald’sFranchisenehmer und Gastgeber Markus Bock

IMMOBILIENMARKTBERICHT 130

Kürzlich stellte das „prochecked-Team“ die 14. Ausgabe des Immobilienmarktberichts „WOhnen und WIrtschaften in Innsbruck“ vor. Zahlreiche Interessierte sowie Experten aus der Immobilienbranche hatten sich für die Präsentation im Hypo-Saal des Hypo Centers Tirol in Innsbruck zusammengefunden. Die Ergebnisse des Marktberichts basieren auf 915 Kauftransaktionen des Jahres 2018, die vom Team am Grundbuch ermittelt wurden. DER AKTUELLE

MARKTBERICHT IST UNTER WWW.PROCHECKED.AT BESTELLBAR.

B U R G E R-L I E F E R-F E I E R Seit einem halben Jahr liefert McDonald’s Big Mac & Co auch in der Tiroler Landeshauptstadt an die Haustüre. Das wurde Ende August gefeiert: Zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Sport und Medien folgten der Einladung ins McDonald’s-Restaurant im Einkaufszentrum DEZ zur exklusiven McDelivery-VIP-Afterwork-Party. Gemeinsam mit Partnern und Gästen stieß Franchisenehmer und Gastgeber Markus Bock auf das erfolgreiche erste Halbjahr von McDelivery an. „Wir freuen uns sehr, dass unser Lieferservice McDelivery bei den Innsbruckerinnen und Innsbruckern so gut ankommt – Grund genug, Danke zu sagen und diesen Erfolg mit unseren Gästen zu feiern“, so Markus Bock.

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26.10.2019 CESAR MILLAN

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OLYMPIAHALLE OLYMPIAHALLE OLYMPIAHALLE Der Hundeexperte mit seinem neuen Exklusives Italo-Konzert der DJ-Ikone in Die meistbesuchte Eisshow der Welt mit Tirol mit dem Hit: „In my mind“. Entertainment auf Weltklasse-Niveau. Programm „It’s All About Family“.

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VORSCHAU AUF DIE NÄCHSTEN EVENTS 24. Jänner 2020 Beat it! Das Live Musical 26. Jänner 2020 Gregorian Masters of Chant 28. Jänner 2020 One Vision of Queen

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eco.nova September 2019  

eco.nova ist ein unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissensc...

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