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NEUE  PAVILLONS IN  DER  ARCHITEKTUR PHILIP JODIDIO


Autor: Philip Jodidio Übersetzung der englischen Ausgabe: Antoinette Aichele-Platen, München; Norma Keßler, Aschaffenburg Redaktion: Cornelia Hellstern (Projektleitung), Eva Schönbrunner (Lektorat) Satz: Roswitha Siegler Hergestellt in China durch Imago Titel der englischen Originalausgabe: The New Pavilions Veröffentlicht im Rahmen einer Kooperation mit Thames & Hudson Ltd, London, The New Pavilions © 2016 Thames & Hudson Ltd, London Text © 2015 Philip Jodidio, Illustrations © 2016 the Photographers Deutsche Erstausgabe: Neue Pavillons in der Architektur © 2016, erste Auflage DETAIL – Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH & Co. KG, München www.detail.de ISBN 978-3-95553-337-3

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Zeichnungen, der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Vervielfältigung dieses Werks oder von Teilen dieses Werks ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes in der jeweils geltenden Fassung zulässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechts. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche National­ bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Cover: Snøhetta, Norwegian Wild Reindeer Pavilion, 2001; ­Rückseite, im Uhrzeigersinn von oben links: Arne Quinze, ­Uchronia, 2006; Stamberg Aferiat + Associates, Shelter Island Pavilion, 2010; Heatherwick Studio, Bombay Sapphire Distillery, 2014; THEVERYMANY, Vaulted Willow, 2014; Studio Joseph, Webb Chapel Park Pavilion, 2012; Sou Fujimoto, Serpentine ­Pavilion, 2013; DHL Architecture/Bureau LADA, Archive, 2008; SelgasCano, Serpentine Pavilion, 2015 Seite 2: Matthew Woodward, Wirra Willa Pavilion, 2013


INHALT

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EINFÜHRUNG: VIELFALT IN FORM UND FUNKTION

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TREFFPUNKTE

68

KUNSTWERKE

106

FORSCHUNGSOBJEKTE

138

AUSSTELLUNGSORTE

174

VERANSTALTUNGSRÄUME

198

RÄUME ZUM LEBEN, ARBEITEN UND SPIELEN

246

SCHÜTZENDE RÄUME

280

PROJEKTÜBERSICHT

285

LITERATURVERZEICHNIS

286

BILDNACHWEIS

287

AUTORENVITA

288

REGISTER 5


David Benjamin/ The Living, Hy-Fi, Long Island City, New York, USA 2014 (links); Sou Fujimoto, Serpentine Pavilion, London, UK 2013 (rechts)


mit Professor Jan Kippers, Leiter des Instituts für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen (ITKE), ebenfalls an der Uni Stuttgart ansässig, erforschte Menges, was er als »interdisziplinären Ansatz auf der Basis der Vernetzung von Architektur, Ingenieurwesen und Biologie«, bezeichnet, aus dem »ein extrem effizientes Gebäude, das zugleich eine ein­ zigartige räumliche Erfahrung bietet«, hervorging. Auch wenn die am MIT und in Stuttgart entworfenen Pavillons nicht als »schön« im her­ kömmlichen Sinne beschrieben werden können, wurden hier doch Formen erzeugt, die mit keinem bisher bekannten Gebäude in Zusammenhang stehen, die aber eng mit der Natur verbunden sind, von deren Effizienz die Architektur offensichtlich viel Nützliches lernen kann. Computergesteuerte Analysen, Design und Herstellung imitieren erfolgreich die scheinbar komplexe Erzeugung von natürlichen Modellen, wohingegen »organische« Archi­ tektur in der Vergangenheit ein eher subjektives und ästhetisches Streben war, üblicher­ weise ohne Bezug zu realer materieller Effizienz. Die Projekte von Neri Oxman und Achim Menges sind zwar von geringer Größe und ihr potenzieller Einfluss auf größere und auf Langlebigkeit ausgerichtete Gebäude hat sich noch nicht gezeigt, aber sie beschreiten mit ihren Pavillons neue Wege, erweitern die Quellen und die Begrenztheit der Architektur weiter in das Feld der Wissenschaft und computerisierten Verfahren hinein. TREFFPUNKTE

Pavillons, die von Professoren in Labors konzipiert werden, sind möglicherweise nicht ganz so präsent in der Öffentlichkeit wie die temporären Strukturen, die von berühmten Archi­ tekten an bekannten Standorten gebaut werden. Die Serpentine Gallery fordert schon seit vielen Jahren Persönlichkeiten wie Zaha Hadid, Frank O. Gehry, Alvaro Siza, Rem Koolhaas und viele andere zur Gestaltung ihrer Sommerpavillons auf, die dann für verschiedene kul­ turelle Ereignisse und Veranstaltungen genutzt werden. Der erfindungsreiche japanische Architekt Sou Fujimoto wurde 2013 eingeladen; sein Sommerpavillon bestand fast aus­ schließlich aus 20 mm dünnen weißen Stahlkantprofilen, die eine Art Gitterstruktur bilde­ ten (siehe S. 44–47). Fujimoto ist bekannt für seine Werke, mit denen er einige fundamen­ tale Aspekte der Architektur in Frage stellt. Aufgrund des temporären Wesens des Baus entschied er sich dafür, auf Wände, Decken und Türen zu verzichten. In der Architektur gibt es so viele Wiederholungen von konventionellen Rauminterpretationen, dass Fujimotos radikaler Ansatz andere zum Nachdenken und möglicherweise zur Nachahmung veran­ lasst hat. Im Jahr zuvor arbeiteten die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron mit dem VIELFALT IN FORM UND FUNKTION

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Die Stufen des Pavillons bestehen aus teilvorgespanntem Dreifach-Verbundglas, das in Österreich hergestellt wurde. Die Setzstufen lassen sich zum Austausch der LED-Leuchtmittel herausnehmen.

PERKINS EASTMAN / CHOI ROPHIA

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UCHRONIA

BLACK ROCK CITY, USA, 2006

KÜNSTLER: ARNE QUINZE

Uchronia, eine runde Holzkonstruktion mit 60 m Durch­ messer, wurde für das sechstägige Burning Man Festi­ val, das jedes Jahr in der Black Rock Desert in Nevada stattfindet, errichtet. Das Festival geht auf eine Aktion von Larry Harvey und Jerry James aus dem Jahr 1986 zurück, die eine 2,4 m große Figur bauten und an einem Strand von San Francisco verbrannten. Damals nahmen 35 Menschen an der Aktion teil. 2006, als Arne Quinze (siehe auch S. 78/79) seinen Pavillon baute, waren es 69 613 Teilnehmer. Das Festival experimentiert, so die Organisatoren, mit Formen von Gemeinschaft, extremer Selbstdarstellung und Selbstvertrauen. Seinen Namen erhielt es, weil jedes Jahr am 6. Tag des Festivals eine große Holzskulptur oder Figur verbrannt wird. Uchronia wurde also gebaut, um zerstört zu werden. Ein Team von 25 Mitarbeitern errichtete sie für das »finale Feuer«, den Höhepunkt des Festivals. Quinze verar­ beitete 150 km Zedernholzlatten und 350 000 Nägel, die mit der Nagelpistole eingeschossen wurden. Das damalige Unternehmen des Künstlers, Quinze & Milan, hatte bereits ähnliche, aber kleinere Skulpturen für die 100 % Design in London und Messen in der Design Post in Köln gebaut. Vergleichbar ist auch eine große Holzskulptur von 2007/2008 in Brüssel mit dem Titel »Cityscape«. Für jedes Brett, das Quinze für die Instal­ lation in Nevada verwendete, ließ er einen Baum in Belgien pflanzen, und die Asche aus Nevada wurde als Dünger verwendet. »So haben wir Burning Man auf die anderes Seite der Welt gebracht«, erklärt er. Nicht ver­ wendetes Holz ging an die Organisation Habitat for Humanity in Reno. Teil der Installation, in der jeden Abend große Partys stattfanden, war auch eine große Beschallungsanlage. Finanziert wurde das Projekt von einem belgischen Heizungshersteller; dessen CEO Jan Kriekels fungierte als Art Director.

Drei Wochen lang baute ein Team aus 25 Personen dieses Kunstwerk, dessen einziger Zweck es war, am letzten Tag des Festivals verbrannt zu werden.

ARNE QUINZE

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PEACE PAVILION

LONDON, UK, 2013

ARCHITEKT: ATELIER ZÜNDEL CRISTEA

ArchTriumph ist eine Londoner Organisation, die Archi­ tektur- und Designwettbewerbe veranstaltet, um die Ideen innovativer Köpfe aus diesen Bereichen in die Öffentlichkeit zu bringen. 2013 gewann das Atelier Zündel Cristea mit dem Peace Pavilion, einer sym­ metrischen, selbsttragenden Struktur aus 78 m2 PVC-Membran, die jährliche Triumph Pavilion Competi­ tion. »Für die Schaffung einer solch komplexen Form nutzten wir hochentwickelte parametrische DesignTools, beschäftigten uns mit zugbelastbaren Membra­ nen und der geometrischen Konzeption von doppelt gekrümmten Oberflächen, im Zusammenspiel mit ­digitaler Fabrikation«, erläutern die Architekten ihre Herangehensweise. Die erforderlichen Elemente wurden mit CNC-Fräsmaschinen hergestellt. Zweck des für ca. 26 000 € hergestellten Pavillons war, bei den Besuchern ein Gefühl der »Harmonie, Stille, Reinheit, Freundlichkeit, Freude, Besänftigung, Ruhe, Versöh­ nung, Heiterkeit, Glück (und) Beschaulichkeit« zu wecken. Das wird erreicht durch ein Objekt, das die Architekten im Wesentlichen als »eine einfache topo­ logische Deformation eines Torus« beschreiben. Der bis zu 4 m hohe Peace Pavilion in Bethnal Green im Londoner East End war eine aufblasbare Röhre aus einer durchsichtigen, zugbelastbaren Membran, die auf einer 32 m2 großen Edelstahlbasis stand. Besucher konnten unter dem Objekt durchgehen und sogar auf der Röhre sitzen. Die räumliche Präsenz dieser computergesteuert hergestellten Röhre, die nur einen Monat lang im Park ausgestellt war, lässt sie eher wie eine Skulptur als wie ein architektonisches Objekt wirken.

ATELIER ZÜNDEL CRISTEA

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FORSCHUNGSOBJEKTE


Der Pavillon in Mumbai, wo das Thema รถffentlicher und privater Raum erforscht wurde.

ATELIER BOW-WOW

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BOMBAY SAPPHIRE DISTILLERY

LAVERSTOKE, UK, 2014

ARCHITEKT:Â HEATHERWICK STUDIO


Seinen Gestaltungsansätzen treu bleibend setzt Heatherwick überraschende Formen und Materialien bei diesem Pavillon ein, dessen wesentlicher Zweck es ist, Besuchern den Destillationsprozess näher zu bringen.

Thomas Heatherwicks 1994 gegründetes und nach ihm benanntes Studio war bis vor kurzem vor allem für sein Produkt- und Ausstellungsdesign bekannt. Spätestens mit Heatherwicks Erstplatzierung beim Wettbewerb für die Gestaltung des UK-Pavillons auf der Expo 2010 in Schanghai wurde deutlich, dass er größere Ambitionen hegte. Sein erstes Projekt in Großbritannien verwirk­ lichte er auf einem Grundstück im Dorf Laverstoke am Fluss Test. 1718 erwarb Henry Portal die einstige Mühle, um dort eine Produktion für Banknotenpapier aufzubauen. Im Laufe der nächsten zweihundert Jahre wurde das Gelände mit einer laut Heatherwick »unkoordinierten Ansammlung von über vierzig Gebäu­ den« zugebaut. Zum Komplex gehörten einige denk­ malgeschützte Bauten, die jahrelang leer standen und dem Zerfall preisgegeben waren, ehe die Firma Bacardi das Areal für die Herstellung ihrer Gin-Marke Bombay Sapphire kaufte. Bacardi beauftragte Heatherwick mit der Sanierung des Geländes und der Errichtung einer Brennerei und eines Besucherzentrums. Ein zentraler Hof dient als Treff- und Orientierungspunkt. Dort ent­ stand als Besucherzentrum ein unkonventioneller Pavillon aus zwei ineinandergreifenden Gewächs­ häusern, eines davon mit tropischem, das andere mit mediterranem Klima. Die asymmetrischen Strukturen bestehen aus 893 einzeln gefertigten Glaselementen, eingefasst in einen bronzefarben lackierten Edel­ stahlrahmen. In beiden Gewächshäusern werden die zehn für den besonderen Geschmack des Bombay ­Sapphire Gin benötigten Pflanzen- und Kräuterarten kultiviert; Besucher können dort das Destillierverfahren aus erster Hand erleben. Die Brennerei erhielt die BREEAM-Bewertung »ausgezeichnet« für ihr Design und war damit zugleich die erste Destillerie und das erste Sanierungsprojekt, das mit dieser Nachhaltig­ keitsauszeichnung geehrt wurde.

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VERANSTALTUNGSORTE


Von außen besticht der Pavillon durch seine klaren, einfachen Linien, die im Kontrast zu der zerklüfteten Landschaft stehen.

SNØHETTA

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HOUSE OF VISION

TOKIO, JAPAN, 2013

ARCHITEKT: HIROSHI SUGIMOTO

Hiroshi Sugimoto (siehe auch S. 242–245) schrieb zu seinem House of Vision: »Ich bin […] eher ein anachronistischer Mensch, will nicht ultramodern sein und fühle mich in der verflossenen Vergangenheit wohler.« Deutlich wird das bei seinem House of Vision, das auf den ästhetischen Grundlagen des Teehauses mit einer Kombination aus traditionellen Konstruktionsmethoden und neuen Bautechniken basiert. Sugimoto entwarf einige Objekte für das Haus, so auch seinen Fünf-Elemente-Stuhl, der von der Form buddhistischer Pagoden inspiriert ist. Das Dach des Hauses ist aus korrodiertem galvanisiertem Eisen und mit Ziegeln aus der Stadt Nara gedeckt. Der Zaun um das Gebäude besteht aus chinesischen Bambusruten. Sugimoto ­verbindet unterschiedliche Elemente, wie einen alten Holzgitterrahmen aus dem 8. Jahrhundert, Trittsteine vom Berg Fuji und optisches Glas, das er bereits bei ­früheren Arbeiten einsetzte, so auch bei seinem Go-Oh Shrine auf der Insel Naoshima von 2002.

Das Projekt wurde im Rahmen der »House Vision« gezeigt, einer von Kenya Hara kuratierten Ausstellung, die sich mit der Zukunft des Wohnens in Japan befasste. Weitere Entwürfe stammten von Shigeru Ban und Toyo Ito.

HIROSHI SUGIMOTO

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MARTYRS PAVILION

OXFORD, UK, 2009

ARCHITEKT: JOHN PAWSON

Die minimalistische Schlichtheit dieses 203 m2 großen Pavillons ist typisch für die Arbeiten von John Pawson.

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John Pawson gehört zu den ganz Großen, wenn es um reduzierte, minimalistische Ausdrucksformen in der zeitgenössischen Architektur geht. Sein Buch »Minimum« von 1996 macht dies deutlich und der Martyrs Pavilion für die Cricketspieler der St Edward’s School in Oxford unterstreicht es. Er besteht im Wesentlichen aus einer Bodenplatte und einem überstehenden Dach, das vor Sonne und Regen schützt. Das Gebäude auf einem begrünten Hügel mit Blick über den gesamten Platz lebt von seiner eleganten Schlichtheit, die typisch für den Architekten ist. »Angesichts der zurückhaltenden Gesamtform wird der Einsatz von Marmor an den Rändern von Dach und Bodenplatte eine wichtige Geste, der Naturstein bringt eine gewisse Materialvielfalt und tritt in Dialog mit den senkrechten Eichenbrettern der Wandverkleidung«, so der Architekt. Der eingeschossige Bau beinhaltet einen Gemeinschaftsraum, Umkleideräume, Duschen und eine Küche. Die Wände bestehen aus Sichtmauerwerk und sind innen und außen zum Teil mit Eichenbrettern verkleidet. Die Veranda ist mit echtem Marmor eingefasst, und auch für das Dach wurde Marmor verwendet. Das Gebäude wurde 2010 mit dem Oxfordshire Preservation Trust Award ausgezeichnet.

RÄUME ZUM LEBEN, ARBEITEN UND SPIELEN


BEETLE’S HOUSE

LONDON, UK, 2010

ARCHITEKT: TERUNOBU FUJIMORI

Terunobu Fujimoris 4 m2 großes Beetle’s House wurde im Londoner Victoria and Albert Museum als eines von sieben Werken während der Ausstellung »1:1 Architects Build Small Spaces«, die vom 15. Juni bis 30. August 2010 zu sehen war, aufgebaut. Die anderen Beiträge stammten unter anderem von Studio Mumbai (siehe auch S. 252 /253) und Sou Fujimoto (siehe auch S. 44–47). Fujimori ist emeritierter Professor des Institute of Industrial Science der Universität von Tokio und hat sich mit seinen Arbeiten, die sich durch subtile Modifikationen traditioneller japanischer Architektur auszeichnen, einen Namen gemacht. In seiner Heimat entwarf er eine Reihe von Teehäusern, einige davon stehen wie das Beetle’s House hoch über dem Boden. Fujimori schreibt dazu: »In der globalen Architektur­ geschichte ist das japanische Teehaus das einzige Beispiel eines kleinen Gebäudes, das als Gebäudetypus anerkannt ist. Vor diesem historischen Hintergrund habe ich ein Teehaus entworfen, das dem Teegenuss im Vereinigten Königreich gewidmet ist. Als Referenz an den schwarzen Tee wurden sowohl Außen- wie Innenwände aus angekohltem Holz gearbeitet.« Fujimori wollte die Struktur eigentlich von der Decke abhängen, entschied sich am Ende aber dafür, sie auf Stützen zu stellen. Dennoch steht das Objekt im Einklang mit seinem skurrilen Stil und seiner Neuinterpretation japanischer Architektur, die innerhalb des westlichen Kontexts der Ausstellung besonders erfrischend wirkte. Das angekohlte schwarze Holz wurde wegen seiner Haltbarkeit gewählt – es ist resistent gegen Wasser und Ungeziefer. Es bestimmt die äußere Erscheinung und wurde auch im Innenraum in einem sorgfältig arrangierten Muster eingesetzt.

TERUNOBU FUJIMORI

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WEBB CHAPEL PARK PAVILION

DALLAS, TEXAS, USA, 2012

ARCHITEKT: STUDIO JOSEPH

2002 startete das Dallas Department of Parks and Recreation einen langfristigen strategischen Entwicklungsplan mit dem Ziel der Sanierung, Planung und Errichtung einer Reihe von Unterständen und Pavillons in den Parks der Stadt. Der Webb Chapel Park Pavilion von Studio Joseph wurde neben einem Spiel- und Fußballplatz errichtet und bietet den Nutzern des Erholungsgeländes schattige Sitzgelegenheiten. Die monumentale Ortbetonstruktur steht auf nur drei massiven Stützen und nutzt ein einfaches passives Kühlkonzept, das eine Pause vom heißen texanischen Klima ermöglicht. Vier pyramidenförmige, nach oben offene Hohlräume im Dachraum fördern den natürlichen Luft­ austausch, indem sie über Temperaturunterschiede Konvektionsströme erzeugen, die den darunterliegenden Sitzbereich kühlen. »Der Entwurf ist streng geo­ metrisch und erreicht gleichzeitig eine gewagte Form und Funktion. Ein überhöhtes Schutzdach aus Beton ermöglicht eine einfache Struktur mit nur minimal sichtbaren Stützen und gewährleistet so praktisch unbegrenzt Ausblicke auf die Umgebung«, schreiben die Architekten. Der Pavillon ist von der traditionellen mexikanischen PalapaHütte inspiriert, die keine Wände hat; warme Luft zieht nach oben zum Dachraum und hält den Bereich darunter kühl.

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SCHÜTZENDE RÄUME


Neue Pavillons in der Architektur  

Zelte, Musikpavillons und Ausstellungsräume, Orte zum Verweilen, zum Sehen und Gesehen werden – Pavillons gibt es in unzähligen Formen und m...

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