Passivhäuser entwerfen

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Praxisbeispiel

Praxisbeispiel Am konkreten Beispiel soll gezeigt werden, wie die Klimaschutzstrategien in einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme – Konversion der Prinz-EugenKaserne in München in ein neues Stadtquartier für 5000 Einwohner mit 1800 Wohnungen, Schule, Kindertagesstätten, Bürogebäuden und Stadtplatz mit Nahversorgung – umgesetzt werden können: • Die Entwurfsidee basiert auf dem Konzept eines kompakt bebauten, nutzungsgemischten Quartiers mit mehreren Baublöcken bzw. Baufeldern, die als eigenständige Nachbarschaften funktionieren (Abb. 6.12 a, b). • Der öffentliche Raum und die Wohnhöfe weisen jeweils eine klare städtebauliche Raumbildung mit differenzierten Raumproportionen auf. Die Schule ist als einer der Bausteine ebenfalls in dieses Grundkonzept eingebunden. • Alle Gebäude erfüllen den Passivhausstandard. Abhängig von Kompaktheit, Orientierung und Verschattung fällt der baulich-technische Aufwand zur Einhaltung der energetischen Kriterien unterschiedlich aus (Abb. 6.12 d). • Die Mehrzahl der Gebäude ist nach Süden orientiert. Eine Südorientierung der Hauptfassaden wurde vor allem bei den weniger kompakten Gebäudestrukturen in teppichartigen Bebauungen und Stadtreihenhäusern vorgesehen. • Auf den südorientierten Dächern sind Flächen für Fotovoltaikfelder reserviert. • Die Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme auf niedrigem Temperaturniveau (Low-EX). Das Hauptnetz ist knapp gehalten, indem nur blockweise Übergabestationen vorgesehen sind (sogenannte Mininetze). Das erforderliche höhere Temperaturniveau für Warmwasser wird mittels AbwasserWärmepumpen erzeugt (Abb. 6.12 c). • Das Mobilitätskonzept basiert auf einer guten Anbindung an den ÖPNV (Straßenbahn, Bus), einer Mobilitätsstation am Stadtplatz sowie Angeboten zu Carsharing und Elektromobilität (Fahrräder, Stadtautos) in jeder Nachbarschaft.

a

b

c

6.12 Stadtentwicklungsmaßnahme Konversion PrinzEugen-Kaserne, München, Wettbewerbsbeitrag, Architekten: Matthias Kroitzsch, Elisabeth Notter, Alexander Reichmann, Rainer Vallentin a Lageplan b stadträumliches Konzept /Freiraumkonzept c Fernwärmeanbindung d Passivhausanforderungen (Randbedingungen siehe Abb. 6.9). Der U-Mittelwert der opak gedämmten Hülle der markierten Baukörper beträgt: 0,08 – 0,10 W/m2K 0,10 – 0,12 W/m2K 0,12 – 0,15 W/m2K 0,15 – 0,20 W/m2K > 0,20 W/m2K

Der städtebauliche Entwurf wird bewusst nicht von energetischen Themen dominiert. Für den Erfolg der Klimaschutzstrategien sind vor allem die energetische Qualität der Gebäude im Passivhausstandard und das Energieversorgungskonzept entscheidend. Diese haben – wenn überhaupt – nur einen geringen Einfluss auf die stadträumliche Gestaltung des Quartiers. d

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