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2018 | Nr. 71

Zeitschrift des Pförtner Bundes e. V.


INHALT Geleitwort des Vorsitzenden Grußwort des Rektors Minister – Macher – Mensch Erinnerungen an Curt Becker Interview mit Pfarrer Daniel Schilling-Schön

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Grußwort des Vorsitzenden des Pförtner Bundes e. V. » Gestaltwerdung einer Idee » Eröffnung der Landesschule Zur Pforte in Meinerzhagen »

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Vergangenes aus der Pforte Erinnerungen an Pforta Mädchen in Pforta

475-Jahrfeier der Landesschule Pforta 475. Gründungsjubiläum der Landesschule Pforta Festrede des Ministerpräsidenten Rede des Vorsitzenden des Pförtner Bundes Die Schülersprecher beim Festakt Predigt zum Schulfest 2018 Die King’s Singers in der Klosterkirche

Vor 50 Jahren wurde Meinerzhagen gegründet

Vom Pförtner Bund Bundesverdienstkreuz für Karl Büchsenschütz Verdienstorden für Siegfried Pank Zum Tod von Hans Joachim Männig Nachruf auf Peter Groeger Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung Rückblick auf die Altschülertreffen in Berlin Ecce 2018 Gänseessen Gänseessen überall Klassentreffen 12B2/1956 Tabula Gratulatoria Haushaltsrechnung Verschiedenes Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta Pförtner Abende Impressum

2 | Inhalt

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Geleitwort des Vorsitzenden

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In dieser Ausgabe finden Sie ein schönes Lesezeichen und ein Informationsblatt der Pförtner-Bund-Stiftung. Was es damit auf sich hat – dazu gleich mehr. Vielleicht findet dieses Lesezeichen Verwendung in jüngst erschienener Pforta-Literatur. Kurz vor dem Jahreswechsel hat der Historiker und Pforta-Kenner Dr. Jonas Flöter seinen Band »Schulpforte im Kontext« veröffentlicht. Flöter stellt in seinen Beiträgen die Frage, in welchen geistesgeschichtlichen und bildungspolitischen Kontext die Landesschule Pforta eingebunden war und welche personellen Wechselwirkungen zwischen Schulpforte und anderen Gelehrtenschulen und Universitäten bestanden haben. Das Buch ist im Besucherzentrum Schulpforte erhältlich und auch im Internetshop der Stiftung Schulpforta. Seit dem Weihnachtsfest liegt eine erste Stasi-Akte aus Schulpforte auf meinem Schreibtisch. Ein Pfortenser, der in den 80er Jahren signalisierte, statt Geschichte lieber Theologie studieren und statt Unteroffizierslaufbahn nur den Grundwehrdienst absolvieren zu wollen, sollte fortan kaltgestellt werden. Eine Relegation sei zu prüfen, forderte die Kreisdienststelle der Staatssicherheit Naumburg. Verbindungsmann in der Schule war IM »Eberhard Kraul«. Sein Klarname ist bekannt. Und er war nicht der

einzige Inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit in Schulpforte. Doch der betroffene Schüler verhielt sich, den Umständen entsprechend, taktisch klug. Er fiel nicht provokant auf, missionierte nicht, zeigte brauchbare schulische Leistungen und bot so keinerlei Anlass für einen Ausschluss vom Abitur. Ein Stasi-Anwerbeversuch des ideologisch unzuverlässigen, gerade 18-Jährigen schlug fehl. Das ist nur eine konkrete, mir den Atem raubende Reaktion auf den InterviewBand »Wendejahre«, der im letzten Mai zum Jubiläumsschulfest erschienen ist. So stellt sich die Frage, ob die im Band mangels Belegen ausgesparte Thematik Staatssicherheit in Schulpforte nicht doch noch eine faktenbasierte Aufarbeitung erfahren kann. Das 475. Gründungsjubiläum mit vielen Höhepunkten zum Schulfest im Mai erfuhr im Herbst einen einzigartigen Nachklang mit dem Konzert der King’s Singers in der Klosterkirche. Dieses Benefiz-Konzert von Deutscher Stiftung Denkmalschutz und Deutschlandfunk (DLF) brachte mehr als 10.000 EUR Erlös. Geld, das für denkmalpflegerische Aufgaben in Schulpforte zur Verfügung steht. Mehr später im Heft. Dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gerade Schulpforte als Konzertort vorgeschlagen hat, liegt nicht nur an der besonderen Aura und schö-

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nen Akustik der Klosterkirche. Zwei Treuhandstiftungen in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz widmen sich dauerhaft und ausschließlich dem Erhalt der historischen Bausubstanz in Pforta. Neben der Friderun-undHans-Hadlich-Stiftung ist es auch unsere eigene Stiftung: die PförtnerBund-Stiftung. Vor 23 Jahren wurde sie vom Vorstand ins Leben gerufen mit der Hoffnung, dass zahlreiche weitere Zustifter den Kapitalstock anwachsen lassen werden. Bisher haben wir auf intensive Werbung, auch aufgrund zahlloser weiterer Projekte und Fördervorhaben, verzichtet. So halten sich Zustiftungen in engen Grenzen. Die Wirkung der Erträge ist damit auch angesichts der derzeitigen Zinslage gering. Immerhin konnten wir uns mit Mitteln dieser Stiftung an verschiedenen Denkmalschutzmaßnahmen beteiligen und außerdem die Restaurierung der östlichen Tür des heutigen Ludoriums komplett finanzieren. So sei Ihnen heute empfohlen: Wenn Sie eine dauerhafte Wirkung Ihrer finanziellen Mittel, auch im Rahmen einer Nachlass-Regelung, in Schulpforte wünschen, dann ziehen Sie eine Zustiftung zur Pförtner-BundStiftung in jeder Höhe in Erwägung. Die Mittel werden treuhänderisch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sicher und ertragbringend

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angelegt und verwaltet. Über die Verwendung der Erträge entscheidet der Vorstand der Pförtner-Bund-Stiftung, in dem zwei Vorstandsmitglieder des Pförtner Bundes e. V. die Mehrheit haben. Jede Zustiftung ist selbstverständlich steuerlich absetzbar. Eine knappe Antwort auf die Frage, warum es neben der Vereinsarbeit auch noch eine Stiftung braucht: Die Wirkung einer Stiftung und ihrer Einlagen ist grundsätzlich auf Dauer angelegt, während die einem Verein zufließenden Mittel zeitnah dem Förderzweck dienen sollen. Mit der Arbeit des Pförtner Bundes konzentrieren wir uns in erster Linie auf die Förderung von Bildung, Schule und Schülern. Die Pförtner-Bund-Stiftung fördert dagegen langfristig den Erhalt der Bausubstanz in Pforta. Für 2019 sehnen wir den baldigen Abschluss der Sanierungsarbeiten an der Totenleuchte herbei. Schon heute sei der Schulfest-Termin 2019 vorgemerkt. Das gemeinsame Feiern von Ehemaligen und heutigen Schülern, Lehrern und Angestellten der Landesschule Pforta erfolgt vom 24. bis 26. Mai. MATTHIAS HAASE VORSITZENDER DES PFÖRTNER BUNDES E. V.


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Grußwort des Rektors

Liebe Pförtnerinnen und Pförtner, die zu unserer Landesschule gehörende Kirche war in ihrer Urfassung ein flach gedeckter und verputzter Bruchsteinbau, fertiggestellt um das Jahr 1150. Bereits 1220 setzte erneute Bautätigkeit ein, die im 14. Jahrhundert mit der Errichtung der neuen Westfassade ihren vorläufigen Abschluss fand. Seitdem hat diese Schöpfung der Zisterzienser keine wesentlichen baulichen Änderungen erfahren. Das in ihr beheimatete religiöse Leben erlebte vor allem im 20. Jahrhundert grundsätzliche Änderungen. In dieser Zeit wurden die Klostermauern, die unser Schulgelände und damit auch die Zeitzeugen des Klosters »Sankt Marien zur Pforte« umgeben, fast fünf Jahrzehnte dazu genutzt, um die kulturhistorischen Bauwerke von besonderem Wert den Blicken der Öffentlichkeit zu entziehen. Mit der Wiederherstellung der Einheit Deutschlands fand diese Epoche ihren Abschluss, in der das mittlerweile sanierungsbedürftige Kirchengebäude zuletzt als Lagerhalle für Baumaterial genutzt worden war, zu dem auch Lehrkräfte und Schülerschaft keinen Zutritt mehr hatten. Im Herbst des Jahres 1990 kam mit den letzten Seminaristen des Kirchlichen Proseminars Naumburg auch Frau Pastorin Huppenbauer-Krause nach Schulpforte. Auch dank des Engage-

ments der Verantwortlichen des hiesigen Kirchenkreises gelang es nachfolgend, dass an unserer Einrichtung mit Frau Huppenbauer-Krause dauerhaft wieder eine Pfarrerin tätig wurde. Ihre sehr großen Verdienste sind u. a. darin erkennbar, dass während ihrer aktiven Phase an unserer Landesschule eine ganze Reihe an Pfortenser Schülerinnen und Schüler eine große Begeisterung für eine intensive Auseinandersetzung mit theologischen und philosophischen Frage- und Problemstellungen entwickelten, die in nicht wenigen Fällen in die Aufnahme eines Studiums der Theologie mündete. Nach dem Wechsel von Frau Huppenbauer-Krause in den Ruhestand konnten wir mit Frau RiemerRanscht, die zuvor am Gymnasium Laucha lehrte, eine Fachlehrkraft für den evangelischen Religionsunterricht an unserer Schule begrüßen, die sich seit mehreren Jahren aktiv im regionalen Kirchenkreis und nun gemeinsam mit Frau Flöter und Herrn Jende für ein lebendiges religiöses Leben hier an der Kleinen Saale engagiert. Auf eine Pfarrerin oder einen Pfarrer, die oder der regelmäßig direkt vor Ort als Ansprechpartner für unsere Schülerschaft zur Verfügung steht, konnten wir allerdings nach dem endgültigen Ausscheiden von Frau Huppenbauer-Krause (die bis heute die TheoPhil-AG leitet) offiziell nicht mehr zurückgreifen. Während seines

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Besuches des Festaktes anlässlich der Gründung unserer Schule vor 475 Jahren im Mai letzten Jahres fragte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff bei der Besichtigung der vom Sturm zerstörten Totenleuchte nach, welche Pfarrerin bzw. welcher Pfarrer unserer Kirche vorsteht. Die entsprechende Antwort führte dazu, dass dieses Thema zur Chefsache ernannt und mit Herrn Stehli, dem Justitiar des Bildungsministeriums, der ein sehr profunder Kenner unserer Landesschule ist und sich dieser sehr verbunden fühlt, genau die Person eingebunden wurde, die den Dialog der nach einer Lösung suchenden Verantwortungsträger aus den Bereichen von Staat und Kirche zielführend moderierte. Dem festen Willen, weiterhin hier in Schulpforte einen aktiv betreuten Pfarrbereich vorzuhalten und vor allem der Bereitschaft von Pfarrer Daniel Schilling-Schön aus Goseck, seinen Zuständigkeitsbereich, der bisher in Almrich endete, bis nach Schulpforte auszudehnen und dafür regelmäßig auch an unserer Landesschule vor Ort zu sein, ist es zu verdanken, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler wieder regelmäßig an einen Pfarrer wenden können und gemeinsam mit unseren Religionslehrkräften tatkräftige Unterstützung bei der Gestaltung des religiösen Lebens vor Ort erfahren. Somit wissen wir in unserem Kreis ei-

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nen weiteren externen Unterstützer, der uns Lehrkräfte bei unserer Arbeit begleitet und zugleich die Außenperspektive eines nicht Lehrenden besitzt. Dass Amtspersonen der Kirche der Schweigepflicht unterliegen, ist ebenfalls ein Umstand, der für einen jungen Menschen, der privat gerade eine große Herausforderung meistern muss, von großer Bedeutung sein kann. Wir wünschen Herrn SchillingSchön, der über verwandtschaftliche Beziehungen sehr gut mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut ist, viele schöne und erlebnisreiche Stunden in unseren Gemäuern. Ziel ist es, in den kommenden Jahren den Kreis externer Unterstützer weiter zu vergrößern und ein multiprofessionelles Team aufzubauen. Über die dabei erzielten Fortschritte kann ich Ihnen dann vielleicht schon in der nächsten Ausgabe der »Pforte« berichten. Verbunden mit dem Wunsch, dass Sie auch im Jahr 2019 oft mit Freude an Ihre Zeit in Schulpforte zurückdenken und den aktuellen Werdegang unserer Landesschule verfolgen, danke ich Ihnen für Ihre Unterstützung unseres Schul- und Internatslebens. Herzliche Grüße THOMAS SCHÖDEL RECTOR PORTENSIS


Minister – Macher – Mensch ZUM TOD VON CURT M. BECKER (AL. PORT. 48 – 53)

D

Die Verdienste unseres Mitschülers Curt Becker, der am 22. Mai 2018 völlig unerwartet gestorben ist, um unsere alma mater portensis zu würdigen, grenzt an eine Herkulesaufgabe. Diese sind ja nicht mit dem Aufzählen seiner Funktionen und Initiativen ausreichend beschrieben, auch nicht mit dem Hinweis auf den zeitlichen Einsatz oder die Langjährigkeit seines Engagements ausreichend gewürdigt. Das Verdienst des Juristen und Politikers, des Regional-Lobbyisten Curt Becker hat vor allem etwas mit ihm ganz persönlich zu tun, mit ihm als Mensch.

Bilder. 2018. Curt Becker radelt im SportOutfit nach Pforta. Er verbindet körperlichen Ausgleich mit Terminen. Er ist immer in Bewegung. Er ist knapp über 80. Das Alter macht um ihn scheinbar einen Bogen. Beratungen in Schule oder Stiftung. Curt Becker hört zu, will verstehen, aber er will auch gestalten, machen, verändern, verbessern.Er kennt Leute. Im doppelten Sinn: Er kennt viele Leute – und er kennt ihre Eigenheiten, weiß wie man sie kriegt, wie man sie einbindet. Er kann »netzwerken«. Hier ein Anruf oder ein hand-

schriftlicher Brief, dort ein kurzes Treffen, manchmal auch ein langes Gespräch, bei dem es scheinbar vor allem um »Leichtes« geht. Taktik: Curt Becker nutzt die gesellige Form, um Vertrauen zu schaffen, Bindung, Verständnis. Er kann auch aufbrausen, ja man kann sich an ihm reiben. Eine andere Meinung muss man gut begründen können. Auch das ist Curt Becker.

Vision. Als Curt Becker, 1936 in Naumburg geboren, 1990 zurückkehrt und sich um die Position des Bürgermeisters, später Oberbürgermeisters bewirbt, muss er bereits ein Bild davon gehabt haben, wie seine alte Heimat einmal aussehen soll. Naumburg soll nicht nur wiedererblühen, sondern ausstrahlen. Mit seiner Geschichte, seiner mittelalterlichen Bausubstanz, mit herausragenden Kunstwerken und Baudenkmälern. Dazu zählt auch die geschichtsträchtige Umgebung. Vor allem Schulpforta, seine alma mater, liegt Curt Becker von Anbeginn am Herzen. Schule von Weltruf. Zisterziensisches Erbe, viele Baudenkmäler sind erhalten geblieben und in die neue Zeit zu retten. Das alles hat Weltrang, soll überregional, möglichst international anziehend wirken.

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Arbeit. Nach der Wende müssen verwaltungstechnische Grundlagen geschaffen werden. Der Jurist Curt Becker bringt neben anderen das nötige Know How aus dem Westen mit. Die »Wende« dauert länger. Menschen müssen mitgenommen, überzeugt und begeistert werden. Ost-West-Konflikte müssen ausgehalten und ausgetragen werden. In Schulpforte erhoffen und erstreiten Ehemalige die Wiederaufnahme der Stiftungsarbeit. Frühere Flächen der Landesschule sollen rückübertragen werden. Die Erträge sollen der Schule zufließen. Eine Stiftungsverwaltung wird aufgebaut, Curt Becker ist 1991 bereits Teil des Kuratoriums der Stiftung Schulpforta und bleibt bis zum Frühjahr 2018 einer der aktivsten Vertreter in diesem Gremium. Darüber hinaus Berater für alle schulischen Belange.

Erfolge. Curt Becker ist Naumburger mit ganzem Herzen. Er engagiert sich auch als Landtagsabgeordneter und als Justizminister für seine Heimat. Er bindet Menschen von außerhalb an seinen Wirkungskreis. Er knüpft und nutzt Kontakte, um für Pforta zu werben, die Schule und Stiftung Schulpforta voranzubringen. Nach dem Ausscheiden aus der Landespolitik wird Curt Becker 2007 Domherr

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der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz. 2008 wird der Welterbeverein gegründet, mit dem Ziel, die gesamte mittelalterliche Region mit Klöstern und Burgen um Naumburg mit seinem Dom zum Welterbe erklären zu lassen. Im gleichen Jahr wird er Mitglied im Stiftungsrat der Naumburger Friedrich-NietzscheStiftung. 2013 wird Curt Becker Dechant der Vereinigten Domstifter und begründet die Kulturakademie Naumburg. Kulturinteressierte Menschen aus ganz Deutschland kommen seit 2014 jährlich im Herbst, und seit 2018 auch im Frühjahr, ins Saaletal, um Geschichte und Kultur der Region kennenzulernen, sich in Kursen und Workshops auch in Schulpforte mit Baukunst, Weinbau und historischen Persönlichkeiten zu beschäftigen. Der zähe Kampf um den Welterbe­ titel und zwischenzeitliche Niederlagen schweißen die Naumburger Akteure weiter zusammen. Curt Becker ist einer der Unermüdlichen. Welterbe-Wandertage führen durch das Saaletal. Die Zahl der Touristen steigt durch Ausstellungsprojekte und die positive Entwicklung der touristischen Infrastruktur – auch in Schulpforte. Seit 2014 werden hier Gäste im neugebauten Besucherzentrum der Stiftung Schulpforta empfangen. Das


Führungsangebot wird ausgebaut. Curt Becker ist auch hier Motor. 2017 initiiert der Rektor der Landesschule Pforta gemeinsam mit Curt Becker ein beratendes Schulkuratorium mit Persönlichkeiten aus Bildung und Politik. Die Schule soll in inhaltlichen Fragen Fürsprecher und Berater bekommen. Der Bildungsminister des Landes Sachsen-Anhalt gehört von Beginn an dem Kuratorium an und fördert das Anliegen. Das große Schulfest vor Augen, die anstehende Welterbeentscheidung zum Naumburger Dom im Blick, wäre das Jahr 2018 für Curt Becker ein Jahr der Ernte geworden. Die Nachricht von seinem plötzlichen Tod (ein Tag vor dem großen Festakt) ließ am 22. Mai alle Mitstreiter in Naumburg und Schulpforte innehalten. Gerade noch hatte Curt Becker mit Mitarbeitern der Domstifter beraten, hatte am Abend zuvor Mails versendet mit Anmerkungen zu Presseveröffentlichungen, wenige Tage zuvor bedauert, bei einer Buchvorstellung im Vorfeld des Schulfestes nicht selbst anwesend sein zu können. Man hatte sich gegenseitig getröstet, dass am Festwochenende reichlich Gelegenheit sei, sich auszutauschen … Schock und Trauer in Schulpforte waren so groß, dass für die Schulleitung

kurzzeitig die Frage aufkam, ob ein freudiger Festakt zum 475. Jubiläum in Anwesenheit des Ministerpräsidenten angesichts dieses bestürzenden Verlustes überhaupt angebracht sein konnte. Letztlich war es Ministerpräsident Dr. Haseloff, der neben dem Rektor sehr persönlich würdigende Worte zu Beginn des Festaktes fand und damit die Trauer um Curt Becker hinüberführte in das Hier und Jetzt, in die Feier einer 475-jährigen Schulgeschichte. Curt Becker konnte das wunderbare Schulfest mit so stimmigem Programm und vielfältigen Begegnungsmöglichkeiten im Park nicht mehr miterleben. Eine Schulgemeinschaft, die fröhlich und selbstverständlich

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das feiert, was seit der Wende von vielen Menschen aufgebaut, von Curt Becker aber besonders begleitet und gefördert wurde: Die Landesschule Pforta als moderne begabtenfördernde Internatsschule, die sich vielfach über ihre Wurzeln und Traditionen definiert, überregional Ausstrahlung besitzt und sich nun auch baulich wieder sehen lassen kann. Auch die Entscheidung des UNESCO Welterbe-Komitees vom 1. Juni, dem Naumburger Dom dem Welterbe der Menschheit zuzurechnen, konnte Curt Becker nicht mehr selbst erleben. Am 28. Mai zeigte die Trauerfeier im Dom zu Naumburg noch einmal die hohe Wertschätzung, die Stadt und Landkreis, Bundesland und viele ehemalige Weggefährten Curt Becker entgegenbrachten. Hunderte Menschen folgten nach einem auch musikalisch berührenden Trauergottesdienst dem Zug zum Friedhof. Die Kondolenz-Zeremonie am Grab nahm mehrere Stunden in Anspruch. Versammelt waren neben aktiven und früheren Akteuren der Landespolitik auch zahlreiche Vertreter von Verbänden, Vereinen und Stiftungen. Für Rektor, Kuratoren und Prokurator der Stiftung Schulpforta und den Vorsitzenden des Pförtner Bundes ist sicher: Curt Beckers Engagement wirkt

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weiter. In Projekten, die begonnen, aber noch nicht vollendet sind. In der Erinnerung an Angedachtes und Verabredetes. In dem Wissen um die Notwendigkeit eines unermüdlichen inneren Motors, der zum Weiterentwickeln antreibt. Landesschule Pforta, Stiftung Schulpforta und Pförtner Bund bleiben der Witwe Doris Becker in engem Kontakt freundschaftlich verbunden. Sie hat ihre weitere Anteilnahme am Geschehen in Pforta signalisiert: Ein schönes Zeichen dafür ist ihr Beitritt zum Pförtner Bund e. V. Wir behalten Curt Becker in dankbarer Erinnerung: agil, lebendig, zuversichtlich, motivierend, inspirierend und vor allem wertvoll mitmenschlich. Have cara anima! LANDESSCHULE PFORTA RECTOR PORTENSIS THOMAS SCHÖDEL STIFTUNG SCHULPFORTA DAS KURATORIUM/PROKURATOR ALEXANDER PAPE/ARNDT GERBER PFÖRTNER BUND E.V. VORSITZENDER MATTHIAS HAASE


Erinnerungen an Curt Becker MITSCHÜLER PROF. DR. ING. DR. PHIL. FRANK MÜLLER-RÖMER ERINNERT SICH

ten Staatsexamen. Nach der Referendarausbildung folgte 1965 das zweite Staatsexamen.

Curt Becker begegnete ich zum ersten Mal am 1. September 1948 zu Beginn des Schuljahrs. Wir trafen uns im damaligen »Roten« Schlafsaal und belegten zwei Betten nebeneinander. Diese erste Begegnung war der Beginn einer Freundschaft, die nie abriss, ganz gleich, wo wir beide uns aufhielten. Während unserer gemeinsamen Schulzeit in Pforta verbrachten wir insbesondere an den Wochenenden viel Zeit gemeinsam. Ich erinnere mich an viele Erlebnisse und Unternehmungen. Schule und Internatsleben haben uns beide in besonderer Weise geprägt. Auf die Mitmenschen und die Gemeinschaft zu schauen haben wir dabei gelernt. Auch nach meinem Wechsel an die Kreuzschule in Dresden im Herbst 1952 hielten wir weiterhin Kontakt.

Der berufliche Weg führte Curt Becker zuerst nach Ellwangen/Jagst zum Landgericht, zur Staatsanwaltschaft und zum Amtsgericht. Von 1967 bis 1972 war er dann als Staatsanwalt bei der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg tätig, ehe er für zehn Jahre in verschiedenen Positionen im Sozial- und Gesundheitsministerium des Landes Baden-Württemberg arbeitete; zuletzt als Ministerialrat zuständig für Kabinetts-, Landtags- und Bundesratsangelegenheiten. 1982 wurde er zum Verbandsdirektor des kommunalen Landeswohlfahrtsverbandes Württemberg-Hohenzollern in Stuttgart ernannt.

C

Nach der Flucht seiner Eltern in den Westen nach Stuttgart im Sommer 1953 besuchte Curt Becker die Internatsschule in Urspring bei Schelklingen in Baden-Württemberg. Dort legte er 1955 das Abitur ab. Nach meiner Übersiedlung nach Stuttgart im Herbst 1954 trafen wir uns wieder regelmäßig. Tübingen war über viele Jahre hinweg unser gemeinsamer Treffpunkt. Sein Jurastudium in Tübingen beendete er 1960 mit dem ers-

Auch nach meinem Wechsel zu Siemens nach München im Jahr 1970 trafen wir uns mit unseren Familien regelmäßig zu Wanderungen im Bayerischen Wald, den Curt besonders liebte. Curt Becker hat die politische Entwicklung Deutschlands immer intensiv verfolgt und auch den Kontakt zu seiner früheren Heimat nie abreißen lassen. Oft haben wir über politische Fragen diskutiert. So war es nicht verwunderlich, dass er 1989 nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze

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der Stadt Naumburg Hilfe durch den Wohlfahrtsverband WürttembergHohenzollern bei der Ausrüstung des Krankenhauses mit modernen Gerätschaften anbot. Er fühlte sich sofort wieder seiner alten Heimat verbunden. Ein neuer Lebensabschnitt begann für ihn. Ohne zu zögern gab er die Position als Verbandsdirektor des Wohlfahrtsverbandes Württemberg-Hohenzollern auf und stellte sich zur Wahl zum Bürgermeister von Naumburg. Dieses Amt übte er elf Jahre lang – ab 1994 als Oberbürgermeister – bis 2001 aus. Die tiefe Verbundenheit zu dieser Stadt ist für seine Tätigkeit immer die Basis gewesen. Curt Becker verhalf Naumburg zu einer modernen Infrastruktur und effektiven Verwaltung. Für seine langjährige und erfolgreiche Tätigkeit wurde ihm später die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen. Bei vielen Besuchen in Naumburg konnte ich beobachten, wie sehr Curt Becker in seiner Heimatstadt verwurzelt war. Sein uneigennütziges Engagement für Naumburg wurde von den Bürgern voll anerkannt. Seine »westliche« Erfahrung in kommunalen Fragen konnte er zum Wohl der Stadt und ihrer Entwicklung nach der Wiedervereinigung erfolgreich einbringen. Bereits 1990 wurde Curt Becker für die CDU, der er seit 1967 angehörte,

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direkt in den Landtag des Landes Sachsen-Anhalt gewählt. Er gehörte ihm die ersten vier Wahlperioden bis 2006 an. Als Kommunalpolitiker der ersten Stunde und als Innenpolitscher Sprecher der CDU-Landtagsfraktion hat er den Prozess der Wiedervereinigung Deutschlands aktiv mitgestaltet und sich mit großer Tatkraft dem Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen – vor allem im kommunalen Bereich – gewidmet. Seine Kontakte zu Parlamentskollegen, zu Regierungsmitgliedern und zu den Behörden Sachsen-Anhalts ermöglichten vielfältige finanzielle Unterstützung für Renovierungsund Bauarbeiten an Gebäuden der Landesschule Pforta. Während seiner Zeit als Landtagsabgeordneter haben wir oft über die Fragen der notwendigen Verringerung der Kluft zwischen Ost und West diskutiert. Curt Becker war mit seinem Einsatz für seine frühere Heimat nach der Wiedervereinigung ein großes Vorbild für mich und seine Freunde. Bewundert habe ich auch sein Engagement in der Landespolitik. In einem Alter, in dem man mit 65 Jahren bereits in den Ruhestand geht, hat er sich entschieden, dem Ruf zum Justizminister des Landes SachsenAnhalt in der Wahlperiode 2002 bis 2006 zu folgen. In dieser Zeit vertrat er auch das Land Sachsen-Anhalt im Bundesrat.


Auch nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik war Curt Becker weiterhin in seiner Heimatstadt Naumburg aktiv: Im Jahr 2007 wurde er mit 71 Jahren Mitglied des Domkapitels der Vereinigten Domstifter zu Merseburg, Naumburg und des Kollegialstiftes Zeitz, welches u. a. auch für den Unterhalt des Naumburger Domes verantwortlich ist. Im Jahr 2013 wählte ihn dann das Domkapitel zum Domdechant und damit zum Vorsitzenden. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tod am 22. Mai 2018 inne. Im Herbst 2013 initiierte Curt Becker die Gründung der KulturAkademie Naumburg, die heute in zwölf dreitägigen Seminaren Einblicke in die geschichtsträchtige Kulturlandschaft in und um Naumburg anbietet und weit über Naumburg hinaus bekannt ist und deren 1. Vorsitzender er war. Auf

seine Bitte hin half ich ihm bei der Gründung der KulturAkademie mit meinen Erfahrungen. Er hatte wie so oft in seinem Berufsleben das richtige Gespür für etwas Neues für seine Heimatstadt. Die Begegnungen und Gespräche mit Curt Becker waren stets geprägt von großer Offenheit und Spontanität. Mit ihm konnte man über alles reden. Seine Sachkenntnis in Politik, Geschichte und Kunst, seine vielfältigen Aktivitäten und seine Herzlichkeit – aber auch seine Beharrlichkeit in Fragen, von deren Richtigkeit er überzeugt war, habe ich immer wieder bewundert. Ich werde ihn sehr vermissen. PROF. DR. ING. DR. PHIL. FRANK MÜLLER-RÖMER (AL. PORT. 48 – 52 V.)

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Interview mit Pfarrer Daniel Schilling-Schön

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Nach dem Ausscheiden von Pfarrerin Huppenbauer-Krause stand vor allem die Frage, wie die seelsorgerliche Betreuung der Schulgemeinde fortgeführt werden kann. Der Religionsunterricht in katholischer und evangelischer Religion ist durch Lehrkräfte abgesichert. Aber eine ordinierte Theologin/Theologe ist nicht darunter. Seit Beginn des Schuljahres 2018/2019 unterstützt nun Pfarrer Daniel Schilling-Schön aus Goseck die Landesschule Pforta. Herr Schilling-Schön, wie kam es zu Ihrem Engagement in Schulpforte? Schon seit dem Ausscheiden von Pfarrerin Hupenbauer- Krause suchte der Kirchenkreis Naumburg-Zeitz nach einer sinnvollen Betreuung der Landesschule. Zusammen mit dem Kirchenamt in Erfurt wurden verschiedene Lösungen angedacht. Leider kam es zu keinem befriedigenden Ergebnis. Die Stelle hier in Pforta steht im Spannungsfeld von Kirche und Schule. Die Frage nach der Stellung eines Pfarrers zwischen diesen beiden Institutionen ist schwer zu beschreiben. Nach einer Initiative des Ministerpräsidenten kam es zu einer neuen Anfrage an den Kirchenkreis. Gerne habe ich im Kreiskirchenrat meine Bereitschaft erklärt, die Schüler*innen geistlich

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zu betreuen. Unsere Superintendentin regelte dann zügig die Fragen der Verwaltung. Und schnell erfolgte die Beauftragung. Welche Kontakte, Berührungspunkte zu Pforta gab es davor? Die Pforte hat mich von Beginn meiner Kindheit an begleitet. Mein Vater kam gleich nach dem Krieg her und dies hat ihn lebenslang geprägt. Es war damals die Chance eines Neuanfangs mit humanistischen Werten. Hier lernte er die alten Sprachen und die Grundlagen der Philosophie. Die Geschichten aus dieser Zeit haben in mir die Hoffnung auf ein solch offenes Bildungssystem geweckt. Dabei lernte ich auch, dass die innere Verbindung zur Pforte ein Leben lang halten kann. Für mich selbst als Pfarrerkind, in klarer Opposition zum Staat, kam dieser Bildungsweg leider nicht in Frage. Aber bald schon lernten hier meine Nichten und Neffen. So ist mir das Jugendleben in der Schule nicht völlig fremd. Goseck selbst ist ein äußerst geschichtsträchtiger Ort, Pforta umso mehr, als es früher Kloster und später jahrhundertelang eine protestantisch geprägte Schule war. Macht es die sichtbare Vergangenheit leichter, christliche


Themen zu setzen oder zu diskutieren? Sicher ist die Verbindung zur Geschichte, in Goseck wie in der Pforte, ein guter Zugang für viele Menschen, um Fragen nach dem Glauben zu stellen. In Architektur wie in den Kunstwerken wird Glaube ja sichtbar über die Generationen transportiert. In Goseck gelang es der Stiftung seit einigen Jahren, die Schlosskirche zu restaurieren. Dadurch findet das Schloss wieder zu seiner Geschichte und vielleicht bald auch zu einer neuen Spiritualität. Die Kirche in Schulpforte erlebe ich als einen Raum, der viele Möglichkeiten bietet. Er wird sich weiter entwickeln. Hier bin ich auf ein sehr reges geistliches Leben getroffen. Die Gruppe der Custodes begleitet Andachten und Gottesdienste. Dahinter steht ein sehr ernsthaftes Ringen um den eigenen Glauben. Hier begleiten zu dürfen, ist eine gute Erfahrung. In Zukunft werde ich, in Nachfolge von Regine Hupenbauer- Krause, mich in die Geschichte der Zisterzienser einarbeiten. Dieses Erbe sollte unbedingt weiter gestärkt werden. Auf der anderen Seite kann unser Glaube aber auch keine Traditionsverwaltung bedeuten. Die Tradition soll uns Ansporn sein, nach uns selbst zu fragen. Jede Generation von Schü-

lern wird den Ort prägen und soll ihre Spuren hinterlassen, so wie es die Zisterzienser zu ihrer Zeit taten. In welchem Bereich und in welchem Umfang werden Sie für die Schülerinnen und Schüler da sein? Dies kann erst in Zukunft genau festgelegt werden. Der Kirchenkreis gab mir den Auftrag der Betreuung und wird nach einer Einarbeitungszeit bestimmen, welchen Umfang die Beauftragung hat. Ich selbst plane die Begleitung der Andachten am Montag, einen wöchentlichen Dienst an einem Wochentag und Dauerbereitschaft für

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Anfragen. Deshalb haben alle Schüler meine Kontaktdaten. Gute Erreichbarkeit scheint mir wichtig, um im Seelsorgefall schnell vor Ort sein zu können. Daneben kann ich mitunter im Religionsunterricht vertreten, denn der Kontakt zu den Schülern wird so leichter. Gehören Gottesdienste, evtl. Taufen oder gar Konfirmationen etc. mit zu ihren Aufgaben in Pforta? Mit Freuden! Die Gottesdienste gehören ja schon zur Aufgabenbeschreibung. Leider sind bei den Kasualien noch recht wenig Anfragen. In Zukunft würde ich mich freuen, eine größere Zahl an Ehemaligen zu Hochzeiten und Taufen in der Pforte zu begrüßen. Eine Idee könnten auch Konfirmationskurse für die Schüler sein, die erst später zum Glauben finden. Da kann noch viel wachsen. Daneben wird unsere Region in Zukunft Vikare zur Ausbildung schicken. Mit den jungen Theolog*innen wird gewährleistet, dass frische Ideen hier eingetragen werden können. Wo – glauben Sie – muss besonders hingeschaut werden? Worauf werden Sie insbesondere Ihr Augenmerk legen? Dies jetzt schon festzulegen, scheint mir vorschnell. Zuerst will ich hören

und sehen. Dies wird Zeit und Ruhe brauchen. Was mir aus meiner Erfahrung am Herzen liegt, sind die Gespräche mit Schülern und Lehrern. Immer wieder erlebe ich Menschen, denen der Leistungsdruck zu schaffen macht. Da kann die Botschaft der Bibel entspannen. Hier liegt auch die Chance, dass ich nicht als Religionslehrer an der Schule bin, sondern von außen schaue. Die Schülerschaft in Pforta ist sehr heterogen. Christlich geprägte Schülerinnen und Schüler sind nur ein Teil der Schulgemeinschaft. Pfarrerin Hupenbauer-Krause hat im Unterricht, aber auch im TheoPhil-Kurs am Nachmittag, vor allem mit ihrem geschichtlich fundierten und tiefgreifendem Wissen um Religionsgeschichte und Philosophie die Schülerschaft begeistert – sicher auch für christliche Werte oder ein christliches Selbstverständnis. Viele ihrer Schüler haben daraufhin später selbst Theologie studiert. Können/wollen Sie da anknüpfen? Das sind ja mehrere Fragen. Zuerst – ich kann und werde nicht Frau Hupenbauer-Krause ersetzen. Sie war eine sehr prägende Größe in ihrem Fach. So bin ich froh, wenn sie noch

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lange bereit ist, den TheoPhil-Kurs weiter zu leiten und Schüler zu begeistern.

denen ich mit den Regisseuren von Oper oder Theater des DNT diskutierte – da könnte man gerne anknüpfen.

Mein Profil liegt in der Literaturwissenschaft, die ich mit Gewinn studiert habe. Hier bei Bedarf Kurse zu Religion und Literatur zu begleiten, würde mich erfrischen. Daneben kann ich mir auch eine Zusammenarbeit mit dem Musikzweig und dem Kunst­ unterricht gut vorstellen. Ich hege die Hoffnung, dass der Pförtner Bund dabei ein starker Partner ist, um solche Ideen zu realisieren. In Goseck gab es lange Zeit Theatergottesdienste, in

Zuletzt: Schüler zum Theologiestudium zu animieren, wäre sicher eine schöne Entwicklung, aber ebenso wichtig scheint es mir, innerhalb der heterogenen Schülerschaft das Bewusstsein für Sinnfragen und Glauben wach zu halten. Dazu bietet sich in einem ehemaligen Zisterzienserkloster wohl gute Gelegenheit. DIE FRAGEN STELLTE MATTHIAS HAASE

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Vergangenes aus der Pforte *  *  *


Erinnerungen an Pforta Rudolf Louis Irmisch (1863 – 1941, al. port. 1878 – 1882), Pfarrer in Nausiß und Tottleben, erinnert sich in handschriftlich überlieferten Erinnerungen an seine Zeit in Pforta:  

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Während des Halbjahres Ostern bis Michaelis 1878 wurde die Freistelle der Stadt Eilenburg an der Landesschule Pforta frei. Der Inhaber Hermann Großmann, Sohn des Eilenburger Bäckermeisters, kehrte, an Lungenschwindsucht unheilbar erkrankt, nach Hause zurück. Alsbald bemühte sich mein Vater beim Magistrat um diese Freistelle für mich und erhielt sie auch. Das war mir nicht lieb, denn ich wusste aus den Schilderungen meines Freundes Max Meister, der seit 1 ½ Jahren schon in Pforta war, und ich sah es an der Krankheit von Hermann Großmann, den ich in den Ferien besuchte, welcher spartanischen Zucht und rauen Lebensweise ich in Pforta entgegen ging. Mein guter Vater bettelte und rang förmlich um meine Zustimmung, nach Pforta gehen zu wollen und versprach mir 5 Taler, damals eine große Summe, wenn ich einwilligte. So gab ich nach und das Geld benutzte ich zum Ankauf eines guten geographischen Atlas und anderer Bücher. Also noch einmal Schulwechsel. Eine Prüfung war für die Aufnahme in Pforta vorgeschrieben, die zwei Tage dauerte, einen Tag schriftlich und einen mündlich. Mir wäre sehr recht gewesen, wenn sie ne-

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gativ ausgefallen wäre. Mein Vater und ich wohnten in den Tagen im Gasthof »Zum mutigen Ritter« in Kösen. Und ich sehe noch die Unruhe, mit der mein guter Vater in Pforta hin und her lief durch Kreuzgang und Schulgarten, um das Ergebnis der Prüfung abzuwarten. Das Ergebnis war befriedigend, ich wurde aufgenommen, und zwar nach Obertertia, der Klasse, aus der ich kam, während es bei der Aufnahme in Pforta die Regel war, dass die Schüler eine oder zwei Klassen zurückversetzt wurden. Das hatte ich also noch meinem lieben Lehrer Dr. Zwirnmann in Eilenburg zu verdanken, seiner gründlichen Vorbereitung in Latein und Griechisch. Das Leben der Schüler in Pforta war in der Tat spartanisch. Früh 10 vor 5 Uhr im Sommer und 10 vor 6 Uhr im Winter wurde von dem Inspektor, einem Oberprimaner, durch den von 30 – 40  Schüler eng belegten Schlafsaal unter dem Dach des langen Schulgebäudes, das noch aus der Klosterzeit stammte, gerufen: »Steht auf, steh auf, macht rasch!« Dann stürzte alles die Treppe hinunter in den im Nebengebäude befindlichen Waschsaal, der lange Waschtische und fließendes Wasser hatte. Um ¼ 6 resp. ¼ 7 Uhr musste jeder an seinem Platz in der Schülerwohnstube sitzen und die erste Arbeitsstunde begann. Die Schülerwohnstuben enthielten zwei bis vier Tische mit je vier Schülern,


einen Oberen (Primaner), Mittleren (Sekundaner) und zwei Unteren (Tertianer), denn die Schule enthielt nur die sechs Klassen von Untertertia bis Oberprima. Die Tische waren schwarz gestrichen, die Stühle – schwere Eichenstühle – ungestrichen. Ringsum an den Wänden einfache, rot gestrichene Schränke, für jeden Schüler einen, in der Mitte geteilt, rechts für Kleider, links für Wäsche und Bücher. Die Unteren waren den Oberen und Mittleren zu allerlei Dienstleitungen verpflichtet, auch mussten sie der Reihe nach eine Woche lang für die ganze Stube die Wasserkrüge am laufenden Brunnen des Schulhofes füllen, was im Winter oft halsbrecherisch war und manchen Krug kostete. Nach halbstündiger Arbeitsstunde gab es um ¾ 6 resp. ¾ 7 Kaffee und Milch, die in großen Krügen vom Aufwärter in die Stuben getragen wurden. Tasse musste sich jeder selbst halten. Dazu brachte der Aufwärter trockene Semmeln von großem Format, für jeden eine. Man durfte aber beliebig viel Milch in den Kaffee nehmen. Von 6 bis ¼ 7 Uhr oder im Winter von 7 bis ¼ 8 Uhr war Morgenandacht für sämtliche Schüler in der Aula, damals noch Schulsaal genannt. Dieselbe hielt der Hebdomadar, der Lehrer, welcher eine Woche lang die Aufsicht im Alumnat hatte und während dieser Zeit auf der Inspize, der mitten zwischen den Schülerzimmern gelegenen Lehrer-

wohnung, Tag und Nacht zubringen musste. Die Andachten waren gut und haben mir viel Segen gebracht. Auf dem langen Korridor trat der ganze Coetus an, von den Stubenältesten, die Inspektoren hießen, geordnet und wurde dann vom Hebdomadar in guter Ordnung je zwei und zwei in den Schulsaal geführt. Die Andacht umfasste Kirchenlied, Bibellesung fortlaufend, Gebet und Vaterunser, Schlussvers. Danach geordneter Rückzug. Nun stürzte alles in die Schulklassen. Die Unterrichtsstunden waren von 6 ¼ – 12 im Sommer, von 7 ¼ – 12 Uhr im Winter, dazwischen eine Arbeitsstunde auf den Stuben. Nachmittags waren noch 2 – 4 Uhr Unterrichtsstunden. Nur Mittwoch und Sonnabend waren davon frei. Nach dem Mittagessen von 12 – 2 Uhr und von 4 – 5, im Sommer auch von 7 – 8 durfte man in den Schulgarten gehen. Früh um 9 Uhr, mittags um 12 Uhr und Nachmittag 4 Uhr und abends 7 Uhr wurde der ganze Coetus wieder geordnet aufgestellt und zwar im Kreuzgang und vom Hebdomadar in das Coenaculum, den Speisesaal, geführt. Da saßen die Schüler in Tischgenossenschaften von je zehn Schülern unter Aufsicht eines Primaners, der die Speisen austeilte, an langen hufeisenförmig aufgestellten Tafeln. Mittag und abends wurde von einem der Inspektoren Tischgebet gesprochen auf einem eigens dafür in der Mitte der Tafel aufgestellten Katheder. Zu

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Mittag wurde auch von dem ganzen Coetus nach dem Essen stehend das Dankgebet der Zisterziensermönche gesungen: Gloria tibi Trinitas, aequalis una Deitas, et ante omnia saecula et nunc et in perpetuum. Das war ein machtvoller Gesang aus 180 kräftigen Jungenkehlen, den man sein Leben lang nicht wieder vergisst. Das Essen war gut und reichlich und wohlschmeckend, manchmal freilich auch schlecht zubereitet. Es gab zum Frühstück große Semmeln aus schwarzem Mehl mit Butter. Zu Mittag immer Fleisch, oft Gemüse, am Mittwoch Schweinebraten und Klöße. Sonntags Suppe, Braten, Naumburger Weißwein von kräftiger Säure. Auch abends gab es oft warmes Essen. Also wir hatten es mit dem Essen nicht schlecht. Und wenn wir auch einmal eine tote Maus aus der Schüssel mit Backpflaumen heraus löffelten, so focht uns Jungen das nicht viel an. Am Donnerstagabend gab es regelmäßig frische Wurst. Da bekam jeder ein großes Stück Leberwurst, Blutwurst und Schwartenwurst. Das durfte man sich einwickeln und mit auf die Stube nehmen. Dort wurde dann die Wurst mit Brot und Senf und Wasser in Tischgenossenschaften der Freunde verspeist und mancher übermütiger Scherz (»Wurstschlang«) dabei getrieben. Jede Woche gab es einen Studientag, der vollkommen frei war von Unter-

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richt, da saß dann alles still auf den Stuben und las die lateinischen und griechischen Klassiker im Zusammenhang ganzer Bücher. Jeden Monat einmal musste dann jeder Schüler bei den Fachlehrern sich ausweisen über das, was er erarbeitet hatte. So habe ich in Obertertia viel von Xenophon und Caesar, in Unter- und Obersekunda den ganzen Homer und viel von Cicero gelesen. Die Sprach- und Literaturkenntnis und die Fähigkeit selbständig zu arbeiten, wurde durch diese Einrichtung mächtig gefördert. An den Nachmittagen der Studientage durften übrigens auch mathematische Arbeiten und deutsche Aufsätze gefertigt werden. Jeden Sonntag früh 9 Uhr wurde der ganze Coetus in die Kirche geführt, um am Hauptgottesdienst teil zu nehmen, den der 1. Geistliche, damals Professor Witte, hielt. Viele empfanden diese Kirchführung als lästigen Zwang, wohl auch deshalb, weil Professor Witte nicht gerade volkstümlich und anpackend zu reden verstand. Mir ist die regelmäßige Teilnahme am Gottesdienst sehr zum Segen gewesen. Ich stehe deshalb auf dem Standpunkt, dass junge Menschen auch im Kirchengehen unter den Zwang einer heilsamen Gewöhnung gestellt werden dürfen, ja gestellt werden müssen. Am Sonntagnachmittag waren zwei Stunden von 2 – 4 Uhr zum Spaziergang außerhalb der Klostermauern freigegeben. Es war die einzige Zeit,


in der man sich einmal frei bewegen konnte. Wir Sekundaner und Primaner, die sich ganz tadellos hielten und von den kleinen Ordnungsstrafen der Inspektoren und Hebdomadare frei blieben, was recht schwer zu erlangen war, durften als sogenannte Kleinoder Großexaminierte drei oder vier Stunden am Sonntag spazierengehen, und die Primaner hatten an zwei Tagen in der Woche von ½ 1 bis 2 Uhr die Erlaubnis auszugehen. Diese Einrichtung war getroffen, um der vielen tollen Truppen willen, die beim Sonntagsspaziergang sich betranken. Ich habe diese Beschränkung aber immer als einen Gartenzwang empfunden. In der kurzen Zeit von zwei Stunden konnte man nur einen Gang nach Kösen machen, wo man dann in die Konditorei von Hämmerling einkehren durfte, nur hier, um Kaffee, Schokolade und Kuchen zu genießen. Auf die Dauer wurde aber das recht langweilig. Jetzt ist das in Pforta besser, da haben die Schüler viel größere Freiheit und es werden wahrscheinlich weniger Exzesse vorkommen als damals. Unsere Lehrer hatten wenigstens die Freundlichkeit, uns bei schönem Wetter am Mittwoch- oder Sonnabendnachmittag einmal auf weitere Spaziergänge zu führen. So habe ich wenigstens einige Male die Rudelsburg gesehen. Höhepunkte des Schullebens waren die Schulfeste am 21. Mai jeden Jahres, dem Gründungstag der Schule (1543

von Kurfürst Moritz von Sachsen, der das Kloster in eine Lateinschule umgewandelt hat). Da gab es Festgottesdienst, Festakt, Festessen, Festfeier am Nachmittag im Schulgarten mit Turnspielen und Tanz und abends ein Freudenfeuer. Und besondere Festtage waren die beiden Tage vor Fastnacht. Da gab es zwei Tage vormittags Studienfreiheit, nachmittags riesige Fastnachtskräpfel mit Mus gefüllt und dann Spaziergang. Abends aber Theatervorstellungen, am Montag der Obersekundaner, am Dienstag der Primaner in der Turnhalle. Das waren schöne Festtage für uns Jungen. Auch sonst gab es manche guten Gebräuche, auf die ich nicht näher eingehen will. Der Unterricht der Lehrer, von denen die sechs ersten den Titel Professor führten, die an ihrer Stelle hingen, nicht als besondere Ehre, verliehen wurde, während die jüngeren Lehrer den Titel Adjunkt führten, war im ganzen interessant und sehr gründlich. Besonders schön, lebendig, eindrucksvoll war der Unterricht von Professor Plüß in den Homerstunden der Obersekunda. Ein kleiner zarter Mann mit geistvollem Gesicht, dunklen lebhaften Augen und langen Locken – das war dieser Professor Plüß, ein Schweizer, der leider nicht lange den Zwang und Zopf des Pförtner Lebens ertrug und bald wieder in seine Heimat zurückkehrte. So gründlich

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der Unterricht in den alten Sprachen war, zumal mit Hilfe der Studientage, so sehr bedauerte ich doch, da ich auf einer Realschule meine Vorbildung erlangt hatte, die geringe Pflege, die den Naturwissenschaften und neueren Sprachen gewidmet wurde. Erdkunde und Naturkunde, die ich besonders liebte, gab es überhaupt nicht. Und Englisch wurde nicht einmal fakultativ angeboten. Das habe ich sehr vermisst und darum nicht in das hohe Lob uneingeschränkt einstimme, das die meisten alten Pförtner, die nichts Besseres gekannt haben, der wissenschaftlichen Ausbildung in Pforta zollen. Auch der harte Zwang des Anstaltslebens hat mich oft in der Seele verwundet. Dazu das Misstrauen, mit dem die meisten Lehrer uns Jungen beobachteten und behandelten.

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So habe ich mich in Pforta nie ganz wohl gefühlt, zumal auch meine Gesundheit unter der rauen Zucht und ungenügenden Lüftung der Wohnstuben und Schlafsäle bald ins Wanken geriet. So wurde ich zwar regelmäßig versetzt, musste aber krankheitshalber, völlig zusammengebrochen, im vierten Jahr die Anstalt verlassen. Ich war im letzten Jahr der Unterprima Famulus des Direktors Professor Dr. Volkmann, eines edlen, feinsinnigen Gelehrten, der sehr gütig zu mir war. Aber ich konnte nur ½ Jahr in Unterprima dem Unterricht folgen, dann wurde ich als krank nach Hause entlassen und erhielt auf meinen Antrag Michaelis 1882 meine Schulentlassung mit dem Zeugnis für Oberprima. Was sollte nun werden? RUDOLF LOUIS IRMISCH (AL. PORT. 1878 – 1882)


I

Mädchen in Pforta

Im Sommer 1949 war die Willy-Lohmann-Schule in Köthen aufgelöst worden.1 Die Schüler des 9. Jahrgangs, die dort im Schülerheim gewohnt hatten, wurden nach Pforta verwiesen, wo sie eine eigene, mathematischnaturwissenschaftliche 10. Klasse bildeten, weil es in Pforta bisher nur altsprachliche Klassen gab. Unter diesen Schülern waren auch neun Mädchen, für die nun eine Unterbringung im Internat organisiert werden musste2. Sie wurden zuerst in der »Krankelei«, später im Ost- und Südflügel des Kreuzgangs untergebracht, sehr bald »Backfisch-Aquarium« genannt, befand sich dort doch auch der Waschsaal3. Doch schon vor 1949 wurden Mädchen in Pforta unterrichtet, für die als Extraneer (Fahrschüler) aber nicht das Problem ihrer Unterbringung bestand. Christa Sywottek, geb. Friedrich (al. port. 1948 – 54), erinnert sich: Sie war 1948 zusammen mit ih-

1  Dirk Heinecke, Beucha 2017, S. 85.

Schulpforta

rem Zwillingsbruder Michael aus Bad Kösen in Pforta eingeschult worden, weil hier noch eine differenziertere Ausbildung schon ab Klasse 7 gewährleistet wurde. Neben ihr gab es noch ein Mädchen aus Bad Kösen, dessen Vater Dr. Bucke als Arzt für Schulpforte zuständig war. Außerdem gehörten der Klasse zwei weitere Mädchen an, die in Schulpforte lebten, weil ihre Väter hier arbeiteten. Das traf auch für zwei Mädchen in Klasse 8, ein Mädchen in Klasse 9 und zwei in Klasse 12 zu. Die schulischen Unterlagen ergeben: 1946 nahmen drei Mädchen am Unterricht in Pforta teil, zwei waren Lehrerstöchter, die andere die Tochter eines Chemikers, der in Schulpforte wohnte. MALWINE MASER

1945 – 1958,

2  Karlheinz Klimt, »Eine neue Klasse. Erinnerungen und Wertungen eines in Schulpforte Dabeigewesenen.«, Halle 2009, S. 26. 3  Wie die ersten Mädchen nach Pforte kamen. Die »Köthener« und Pforte – Ein Leserbrief beseitigt Mißverständnisse, in: Die Pforte. Zeitschrift des Pförtner Bundes, NF 20, 1967, S. 29 – 32.

5 Mädchen in Schulpforte in den 1950er Jahren Foto: Bibliothek der Landesschule Pforta

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475-Jahrfeier der Landesschule Pforta *  *  *


475. Gründungsjubiläum der Landesschule Pforta

D

Das Schulfest 2018 stand ganz im Zeichen des 475. Gründungsjubiläums, dem sicherlich weniger Gewicht und Symbolkraft innewohnen durfte als der 450-Jahrfeier kurz nach der wieder erlangten Einheit Deutschlands. Dennoch sollte auch dieses Vierteljahrhundert Geschichte mit dem sowohl baulichen als auch inhaltlichen Wiedererblühen der Alma Mater so gewürdigt werden, dass es einmal als Danksagung an die »Ermöglicher« und andererseits auch als Zwischenbilanz einer Schule präsentiert wurde, die sich bei großem Traditionsbewusstsein als eine Bildungsstätte im stetigen Wandel verstehen möchte. Mit dem für den Mittwoch (23. Mai) vor dem eigentlichen Schulfest angesetzten Festakt wurde diesem Vorhaben Rechnung getragen. Der Einladung der Landesschule folgten Vertreter aus Politik, Bildung und Förderer und Wegbegleiter der Schule. Rektor Thomas Schödel begrüßte sie alle in seinen einführenden Worten und dankte zugleich für die kontinuierliche Unterstützung in vielen Bereichen des schulischen Lebens. Ministerpräsident Reiner Haseloff hielt die Festrede, nachdem er in sehr berührender Weise den so plötzlich am Tag zuvor verstorbenen politischen Weggefährten Curt Becker gewürdigt hatte. Die Festgesellschaft erhob sich

zu einer Schweigeminute, und der gemischte Chor der Landesschule Pforta sang zu Curt Beckers Gedenken das »Locus iste« von Bruckner. Die Schulleitung hatte kurzzeitig überlegt, aufgrund des herben Schlages den Festakt abzusagen bzw. zu verschieben, jedoch erschien es letztlich angebracht, beim vorgesehenen Programm zu bleiben, auch im Sinne des Verstorbenen, der nicht nur freudig mitzufeiern gedachte, sondern selbst für das Wochenende noch ein Klassentreffen organisiert hatte. Mit Curt Becker betrauerte der Ministerpräsident einen charismatischen politischen Streiter für Naumburg, für die Saale-Unstrut-Region, für das Welterbe-Anliegen und nicht zuletzt für die Landesschule Pforta. Hier wirkte Curt Becker als Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Schulpforta seit den 90er Jahren netzwerkend, verbindend und fördernd. Sein letztes verwirklichtes Vorhaben, der Schule ein beratendes Kuratorium an die Seite zu stellen, fand Eingang in die Rede des Rektors. Kultusminister Marco Tullner bekräftigte die Richtigkeit dieser Gründung durch einen Zwischenruf aus dem Publikum. Mit weiteren Ansprachen durch Schüler und den Vorsitzenden des Pförtner Bundes, der auch für die Stiftung Schulpforta

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sprach, und umrahmt durch Chormusik ging dieser Festakt als Auftakt des Schulfestes zu Ende. Am Abend stellte das Schulorchester bei einem Konzert in der Aula die Ergebnisse seiner Arbeit des laufenden Jahres vor. Am nächsten Abend fand die Orgelnacht als Wandelkonzert in der Klosterkirche statt. Das eigentliche Festgeschehen startete – wie bereits erstmals im Vorjahr – mit dem Bezug des »Schulfest-Zeltplatzes« durch Ehemalige am Freitagnachmittag. Am Mittag hatten bereits Goldene, Diamantene, Eiserne und auch ein erster Gnadenabiturient, nämlich unser langjähriger Archivar Dr. Klaus-Dieter Fichtner, ihr Jubiläum in der Aula gefeiert. Seit 2017 wird das alljährliche Schulfestprogramm ergänzt durch ein in weitgehender Eigenregie der Schülerschaft (mit großer Unterstützung der Lehrerin Anne Gnielka) organisiertes Festumfeld. Die Schülerschaft betreibt dazu eine Schulfest-Webseite, entwirft Logos und Werbematerialien, Armbändchen und Merchandising-Artikel, managt das Zelt-Areal (mit Frühstücksangebot), gestaltet Stände und Aktionen im Park und kümmert sich um das kulturelle Programm im Festzelt.

Für das Jubiläumsfest sollte es am Samstag-Nachmittag noch ein besonderes Ereignis geben. Gäste und Schüler stellten am späten Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein das überdimensionale Pforte-Logo im Park nach. Eine Luftaufnahme davon ist inzwischen als Postkarte in der Stiftung Schulpforta erhältlich. Im Anschluss daran spielte die Simon-&-GarfunkelRevival-Band als Geschenk des Pförtner Bundes für die Festgesellschaft im Park, bevor der Abend mit Disco und einem Abendliedersingen unter der Platane ausklang. Schon am Samstagnachmittag konnte der restaurierte Blüthner-Aliquotflügel bei der Kammermusik würdig und unter fachlichen Erläuterungen durch Lehrerin Silvia Heyder eingeweiht werden. Am Vormittag tagte der Pförtner Bund zu seiner turnusmäßigen Mitgliederversammlung im Kleinen Festsaal. Während sich die Schüler und Gäste in der Abendsonne des Parks niederließen, probten die Chöre sowie Schülerinnen und Schüler des Gottesdienst-Teams den Durchlauf für den mdr-Radio-Gottesdienst am Schulfest-Sonntag. Auf Initiative des Vorsitzenden des Pförtner-Bundes, der auch die Koordination des Ablaufs und der Proben übernommen hatte, konnte der

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Festgottesdienst live bei MDR-Kultur übertragen werden. Vikarin Dr. AnnaMaria Klassen (al. port. 2000 – 2005 v.) leitete den Gottesdienst und hielt die Festpredigt. Zur musikalischen Ausgestaltung konnte der frühere Orgellehrer in Pforta, Hans-Christian Martin, Organist an St. Wenzel in Naumburg, gewonnen werden. Zudem übernahm ein liturgischer Chor den Psalm-Gesang und eine Oboen-Solistin untermalte die Lesung des Predigt-Textes. Die Chöre der Landesschule zeigten mit Eingangs-Chorstück, Kyrie, Locus iste und einem Segenslied das musikalisch Mögliche an der Landesschule Pforta. Die Resonanz der Radiohörer war sehr erfreulich. Am Hörertelefon, das nach Schulpforte umgeleitet wurde und von Schülern und Lehrern der Landesschule betreut wurde, gab es ausnehmend positive Reaktionen auf den überwiegend von Schülern gestalteten Gottesdienst. Am Sonntagmittag stellte Berndt Seite (al. port. 54 – 58 v.), früherer Ministerpräsident in Mecklenburg-Vorpommern, im vollbesetzten Kleinen Festsaal sein Buch »Gefangen im Netz der Dunkelmänner« vor. Eine harte Abrechnung mit der Staatssicherheit der DDR, die ihn und seine Familie über Jahre observierte und zersetzen wollte.

Das Kreuzgangkonzert am Sonntagnachmittag mit beiden Chören im fast überfüllten Kreuzgarten bildete den sonnigen Abschluss dreier Festtage, die bei den anwesenden Ehemaligen in guter Erinnerung bleiben werden, auch durch die besondere Gastfreundschaft der heutigen Schülerschaft, die allerorts Speisen und Getränke anbot, Zuschauer im Ludorium zum Theaterspiel begrüßte (»Die Welle«, »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui«, »Der kleine Prinz«) und Ehemalige auf dem Zeltplatz willkommen hieß. Dort konnte man neben kleinen und großen Zelten auch erstmals Wohnmobile finden. Auch das ist ein Zeichen, dass mit solchen Angeboten Ehemalige verschiedener Generationen erreicht werden. Stiftung Schulpforta und Pförtner Bund haben das Jubiläums-Schulfest mit insgesamt 10.000 EUR unterstützt. Geld, das u. a. für Licht- und Tontechnik, Pagoden-Zelte und andere Dienstleistungen benötigt wurde. Mittel, die nicht aufgebraucht wurden, werden für künftige Schulfeste eingesetzt.

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MATTHIAS HAASE


W

Festrede des Ministerpräsidenten

Wir feiern heute eine Bildungseinrichtung, die es durch hervorragende pädagogische Arbeit über Jahrhunderte hinweg zu beträchtlichem Ansehen gebracht hat. Ihr hohes Renommee reicht weit über unser Bundesland hinaus. Auch bei dieser Veranstaltung wird deutlich, wie sehr sich viele Ehemalige weiterhin mit Schulpforta identifizieren und die Arbeit der Schule unterstützen. Die Feier findet übrigens an keinem gewöhnlichen Tag statt. Heute ist der 23. Mai, der 69. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes. Seit 1990 gilt es für ganz Deutschland. Der 23. Mai ist unser Verfassungstag. Leider wird er oft gar nicht mehr zur Kenntnis genommen. Früher wurde noch alle fünf Jahre der Bundespräsident an diesem Tag gewählt, aber das hat sich aus bekannten Gründen inzwischen geändert. Möglicherweise ist es Zufall, dass diese Veranstaltung genau an diesem Tag stattfindet. Wenn das so ist, dann ist es ein sehr glücklicher Zufall. Das 475-jährige Bestehen von Schulpforta trifft zusammen mit einem anderen Jubiläum, das wir in diesem Jahr in Sachsen-Anhalt feiern, dem 25.  Gründungsjahr der Straße der Romanik. Erst vor gut zwei Wochen haben wir das mit einem Festakt im Magdeburger Dom gewürdigt. Die Landesschule Pforta residiert in ei-

nem Gebäude, das Bestandteil der Straße der Romanik ist. Beide Jubiläen unterstreichen den immensen kulturellen Reichtum unseres Heimatlandes. Das Jubiläum der Landesschule verweist zudem auf eine seit 1543 gewachsene humanistische Bildungstradition. Sie ist ein Schmuckstück der Bildungslandschaft unseres Landes. Begabtenförderung ist ein Thema, über das wir viel zu wenig sprechen. Manchmal wird das Thema geradezu verschämt umgangen. Das ist nicht akzeptabel. Begabungen unabhängig von der sozialen Herkunft zu fördern ist notwendig, um die Zukunft Sachsen-Anhalts erfolgreich zu gestalten und Herausforderungen wie den heraufziehenden Fachkräftemangel zu meistern. Begabtenförderung beinhaltet auch die Förderung von Eliten, ein Begriff, mit dem wir in Deutschland Probleme haben. Die Verschämtheit, von der ich eben gesprochen habe, ist im Umgang mit Eliten besonders ausgeprägt. Was für andere Länder selbstverständlich ist, wird bei uns kritisch hinterfragt. Das liegt hauptsächlich an unserer Vergangenheit. In Deutschland haben die Eliten vor und nach 1933 versagt. Sie wurden ihrer Verantwortung nicht gerecht. Viele liefen oder machten aktiv mit. Die Machtübernahme der Nazis wurde als

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»Befreiung von den Übeln der Demokratie« begrüßt. Zum Versagen der Eliten kam noch der Missbrauch des Begriffs. Führende Nazis verstanden sich als Elite. Ihr Elitebegriff war freilich antidemokratisch und rassistisch, eingebettet in ein biologistisches Weltbild. Nach 1945 musste es in der Bundesrepublik erst wieder zu einer Versöhnung von Demokratie und Eliten kommen. Anders als in der DDR. Denn dem Marxismus war und ist das Elitedenken keineswegs fremd. Denken Sie an die Avantgarde des Proletariats oder die Kader. Es besteht wahrlich kein Anlass zu einer Idealisierung der Eliten. Aber ebensowenig ist uns mit ihrer Verteufelung geholfen. Mit dieser Einstellung werden wir die Zukunft nicht gestalten können. Eine demokratische Gesellschaft braucht Eliten. Eliten, die sich einmischen, die Verantwortung übernehmen und dem Gemeinwohl verpflichtet sind. Wir brauchen verantwortungsbewusste Eliten. Von ihnen hängt die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft in hohem Maße ab. Die Globalisierung schreitet immer mehr voran. Ihre politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Folgen stellen unsere Gesellschaft vor enorme Herausforderungen. Hier sind hauptsächlich unsere Eliten in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur gefordert. Jede Gesellschaft, will sie im globalen Wettbewerb bestehen, muss ihr intel-

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lektuelles Potential fördern. Eliten gehören zum wichtigsten Kapital einer Nation. Aber wer zählt zu den Eliten und was versteht man unter dem Begriff? Gehört zur Elite, wer das von sich behauptet? Wohl kaum. Um es vorweg zu sagen: Mein Verständnis von Eliten impliziert eine klare Absage an einen »elitären« Elitenbegriff. Es darf keine Trennung geben zwischen den Eliten und der Bevölkerung. Elitenbildung hat mit Persönlichkeitsbildung zu tun. Zugehörigkeit zu einer Elite ist eine Auszeichnung. Das ist ihr wesentliches Kennzeichen und daraus leitet sich eine besondere Verpflichtung ab. Man könnte auch von Leistungseliten sprechen. Leistung sollte als Dienst an einer Sache verstanden werden. Diese kann durchaus nur mäßige persönliche Vorteile einbringen. Es kommt weniger auf das Wort als die Sache an. Künstler und Kulturschaffende gehören zwar zu keiner funktionalen Elite. Aber gerade ihnen verdankt die Gesellschaft wichtige Impulse. Ich stimme in diesem Punkt ausdrücklich Horst Köhler zu. Anlässlich seiner Antrittsrede als Bundespräsident am 1. Juli 2004 führte er unter anderem aus: »Wir brauchen auch die Kraft, Lagerdenken in unserer Gesellschaft zu überwinden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Kultur, Wissenschaft und


Wirtschaft – wir sitzen alle in einem Boot. Jeder kann Verantwortung für das Wohl des Landes übernehmen. Jeder kann Vorbild sein, zum Beispiel der Krankenpfleger, die Lehrerin, der Jugendtrainer im Sportverein, die Journalistin, der Unternehmer.« Dahinter verbirgt sich ein klares Plädoyer gegen sich abschottende Eliten. Sie würden ihren Auftrag verfehlen. Köhlers Elitebegriff ist demokratieverträglich. Im Gegensatz zu Herrschaftseliten in früheren Zeiten unterliegen moderne Eliten nämlich einem Rechtfertigungszwang. Sie sind kein Selbstzweck, sondern müssen dem Gemeinwohl dienen. Bemerkenswerte abstrakt-analytische Fähigkeiten müssen einhergehen mit einem menschlich-sensiblen und emphatischen Umgang. Das Leistungsprinzip darf nicht gegenüber dem Machtprinzip vernachlässigt werden. Eliten haben eine Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit. Diese haben sie wahrzunehmen und zu akzeptieren. Das heißt: Eliten müssen auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren und die Menschen auf dem Weg des Wandels mitnehmen. Sie sind Vorbilder und geben Orientierung. Jede Funktionselite muss auch eine Werteelite sein. Diese Forderung erhob bereits der Philosoph Baruch de Spinoza. Sein Funktionsbegriff der Elite war mit einem besonderen Wertgehalt verbunden. Verstand und

Tugend ergänzten und durchdrangen einander. Auch die frühbürgerlichen Demokratietheorien postulierten die Notwendigkeit von Eliten. Sie, die Eliten, stehen nicht im Widerspruch zur neuzeitlichen Theorie der Politik. Sie sind vielmehr als deren Errungenschaft zu verstehen. In der Neuzeit stellte das Bürgertum zunehmend die Herrschaft und die Vorrechte des Adels in frage. Geburtsständische Privilegien wollte es durch persönliche Verdienste ersetzen. Seine Repräsentanten verlangten eine gerechtere politische Ordnung und Selbstbestimmung. Diese Forderungen könnte man modern als »Demokratisierung der Zugangswege zur Macht« beschreiben. Sie standen am Beginn der uns heute vertrauten Erscheinungsformen der Eliten. Demokratie beruht auf Wahlen. Elite bedeutet ursprünglich Auswahl oder Auslese. Hier wird der Zusammenhang mit der Demokratie sichtbar. In Demokratien gelangt die politische Elite durch freie Wahlen, in freiem Wettbewerb mit garantierter Chancengleichheit an die Macht. Diese Macht ist auf Zeit verliehen. Dann hat die oppositionelle Elite die Chance, die herrschende Elite abzulösen. Im Gegensatz zu vordemokratischen oder nicht demokratischen Gesellschaften prägt nicht eine Elite die

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ganze Gesellschaft. Vielmehr handelt es sich um einen Elitenpluralismus, um Offenheit und Konkurrenz untereinander. Das heißt, es existieren mehrere grundsätzlich gleichberechtigte Eliten ohne politischen Herrschaftsanspruch. Sie sind grundsätzlich allen offen und das heißt: sie sind sozial heterogen. Das ist das Kennzeichen von Eliten in modernen Gesellschaften. Gäbe es hingegen nur eine Elite und keine weiteren, wäre das für jede demokratische Gesellschaft eine große Gefahr. Wie man führt und wer führt oder führen darf: das macht den Unterschied aus zwischen dem Elitenmodell Platons, einer Geistesaristokratie, oder einer Geburtselite und unserem heutigen, pluralen Verständnis von Eliten. Aber wie verträgt sich dieser Gedanke von pluralen Eliten in einer Demokratie mit dem Grundsatz der Gerechtigkeit? Warum dürfen oder sollen einige führen und andere nicht und was qualifiziert sie zur Führung? Mein Elitebegriff ist ein humanistischer. Er basiert wesentlich auf der Bildungsidee. Das ist ein sehr deutsches Wort. Das Wort Bildung in seiner deutschen Bedeutung gibt es in anderen Sprachen nicht. Diese Bildungsidee, das ist das Entscheidende, erkennt den Menschen Selbstverantwortung und Freiheit zu. Das heißt aber nicht grenzenlose Freiheit und

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rücksichtslose Verfolgung der eigenen Interessen. Diese Bildungsidee verlangt vielmehr vom Einzelnen, Verantwortung zu übernehmen: politische, historische und kulturelle. Sie und viele andere genießen das Privileg, sich bilden zu können. Dieses Privileg sollte als ein wichtiger Beitrag zur Kultivierung der Gesellschaft verstanden werden. Ohne Bildung gibt es keine Eliten. Bildung zeichnet den modernen, pluralistischen Elitebegriff aus. Sie soll die Fähigkeit stärken, verantwortlich Freiheit wahrzunehmen. Bildung kann zudem die Einsicht in die Vorläufigkeit und Unzulänglichkeit des eigenen Handelns schärfen. Das schützt gleichzeitig vor Elitedünkel. Ich bin der festen Überzeugung, die Landesschule Pforta trägt zur Herausbildung von Eliten in diesem, modernen Sinne bei. Wir können froh und stolz sein, solch eine Bildungseinrichtung im Land zu haben. Verständlicherweise erlebte Schulpforta auch schwierige Perioden. Die Schule konnte sich dem Lauf der Geschichte nicht entziehen. So führte sie der 30-jährige Krieg an den Rand der Existenz. Und das nach einer Zeit der Stabilität und Kontinuität, auch bedingt durch die außergewöhnlich lange Amtszeit von Justin Bertuch als Konrektor (seit 1593) und Rektor (1601


bis 1626). Mehrfach musste die Schule im Laufe der Jahrzehnte geschlossen werden. Eine interessante Begebenheit aus dem 18. Jahrhundert ist die zeitweilige Verpfändung der Schule an SachsenWeimar (1712 – 1733). Zu diesem Schritt sah sich August der Starke gezwungen, weil das Kurfürstentum Sachsen durch Kriege und Verschwendung in Bedrängnis geraten war. Eine Zäsur war dann der Übergang der Schule an Preußen in Folge des Wiener Kongresses. Die Bildungseinrichtung durchlebte tiefgreifende Veränderungen. So wurden jahrhundertealte Stellen wie die des adeligen Schulinspektors und des Schulverwalters abgeschafft. Gegen den Willen des Rektors und des Kollegiums hielt 1817 der Turnunterricht Einzug. Die Eingliederung in das preußische Schulsystem unter Mitwirkung Wilhelm von Humboldts brachte die Schule den Ideen des Neuhumanismus näher und führte sie in Richtung eines modernen Gymnasiums. Die Weltkriege und der Nationalsozialismus zehrten in hohem Maße an der Schule. Viele Pförtner, Lehrer und ältere Schüler, fielen an der Front. Das dunkelste Kapitel der Schule war sicherlich das als Nationalpolitische Erziehungsanstalt von 1935 bis 1945. In der DDR-Zeit nahm die historische Bausubstanz großen Schaden.

Nach der Wiedervereinigung konnte die Schule an Traditionen wieder anknüpfen, die in der DDR nicht mehr gepflegt worden waren. Die Schule erlebt heute eine neue Blütezeit und hat deutlich mehr Schüler und Lehrer als in vergangenen Jahrhunderten, auch bedingt durch die nun angebotenen Spezialisierungsrichtungen (rund 300 Schüler/ innen, über 40 Lehrer/innen). Viele der Absolventinnen und Absolventen haben der Schule seit 1990 zu hoher Anerkennung verholfen. Zu nennen sind nicht nur die immer aufs Neue beeindruckenden Leistungen der Chöre, sondern auch die vielen Preisträger von Wettbewerben wie »Jugend forscht«. Der Weitblick Moritz´ von Sachsen hat sich ausgezahlt. Nicht nur, dass seine Schulgründungen bis heute existieren, auch der Gedanke der Begabtenförderung unabhängig von der sozialen Herkunft konnte die Jahrhunderte überdauern. Gestatten Sie mir noch eine humorvolle Bemerkung. Moritz ließ sich von den aufgenommenen Schülern bekanntlich zusichern, später in Sachsen zu arbeiten. Ich muss sagen, das ist mir in gewisser Weise sympathisch, aber ganz so weit würde ich dann doch nicht gehen. Kernaufgabe gelingender Bildungsund Erziehungsarbeit ist es, junge

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Menschen auf ihrem Weg zu selbständig und sozial kompetent handelnden Persönlichkeiten zu unterstützen. Das gilt im Wandel der Zeiten unverändert. Ich bin sicher, dass die Landesschule Pforta weiterhin offen für Neues ist und sich den künftigen Herausforderungen erfolgreich stellen wird. Wir alle wissen, dass vor allem ein leben-

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diges geistiges Innenleben die Qualität einer Schule ausmacht, auch wenn die räumlichen Voraussetzungen und die Ausstattung eines Lernortes nicht ganz unwesentlich sind. Hier will das Land weiter gern seinen Beitrag leisten, beispielsweise mit der Sanierung und Modernisierung in den nächsten Jahren. REINER HASELOFF


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Rede des Vorsitzenden des Pförtner Bundes

Ein Geburtstagsgast sollte drei Dinge nicht vergessen. Zum einen Geschenke. Im Fall der Stiftung Schulpforta für die ich stellvertretend sprechen darf und des Alumnivereins Pförtner Bund, dessen Vorsitzender ich bin, darf ich kundtun, dass unser Geschenk passend zum Jubiläum etwas größer ausgefallen ist. Mit je 5000 Euro helfen wir, das Fest zu organisieren. Und wir haben das gern getan, weil wir sehen, wie stark sich Schülerinnen und Schüler für dieses Fest engagieren. Meine Damen und Herren, verehrter Herr Ministerpräsident, geschätzter Bildungsminister, liebe Ehrengäste, liebe zu feiernde Schul- und Festgemeinschaft. Porta semper reformanda, hieß es zum Reformationsjubiläum. Die immer wieder zu reformierende Pforte: Ein Hinweis darauf, dass diese Schule nicht nur Ergebnis der Reformation in Mitteldeutschland war, sondern seither immer wieder Reformen, Umbrüche und inhaltliche Erneuerung erlebt hat. Augenzwinkernd, vielleicht auch etwas baumüde, fügte ein hiesiger Lateinlehrer hinzu. Porta semper renovanda. Jüngster Beleg ist die einfühlsam restaurierte Klausur mit Internats- und Probenräumen. Pforte kann sich heute sehen lassen. Wir dürfen dankbar anerkennen: Das größte Geburtstagsgeschenk hat das

Land Sachsen-Anhalt seiner Schule innerhalb der letzten 25 Jahre gemacht, mit der andauernden, tiefgreifenden Restaurierung des gesamten Ensembles. Und dafür gilt es an dieser Stelle Danke zu sagen. Ganz anders die Situation vor 30 Jahren. Die Kirche – kurz vor dem Einsturz. Die Internate desolat, marode Sanitäranlagen. Dann die Wende. Und der Beginn der substanziellen Rettung. Wer denkt, dass zum großen Schulfest vor 25 Jahren das Gröbste vorbei war, der irrt. Sicher, die Kirche war gerettet, die Dächer dicht, aber mit dem heutigen baulichen Zustand war auch drei Jahre nach der friedlichen Revolution die Situation in Pforta nicht zu vergleichen. Aus einem abrissreifen Lehrlingswohnheim wurde ein provisorisches Internat hergerichtet. Lehrer räumten damals die Möbel. In einem anderen Internat – eine funktionierende Toilette für 70 Mädchen. Wer würde sein Kind dahin schicken? Doch paradoxerweise war die Nachfrage immens: Zuerst aus der früheren DDR. Bisherige, auch politisch motivierte Zugangsbeschränkungen fielen weg. Außerdem erlebte Pforte ein zunehmendes Interesse aus Westdeutschland. Plötzlich trafen hier junge Lehrer aus Ost und West auf junge Schüler aus Ost und West, de-

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nen es nicht einfiel, am Äußeren der Schule zu mäkeln.

auch in Zukunft Lehrern und Schulverwaltung Weitsicht und Umsicht.

Kommen wir zum zweiten Punkt, den ein Geburtstagsgast nicht vergessen sollte: Gute Wünsche.

Die Landesschule Pforta braucht auch im 21. Jahrhundert Menschen, die Schülern das sind, was diese nötig haben: Vorbilder, aufrichtige Begleiter, Fürsprecher, Anker, Bahnbrecher, Seelsorger, Wegeebner. Und das nicht nur bis zur letzten Unterrichtsstunde, sondern auch als Hauseltern, als Ansprechpartner im Internat. Wir wissen, in Schulpforte Schüler sein, ist mehr, als zur Schule zu gehen. In Schulpforte Lehrer sein – ist eben mehr, als einen Job zu haben. Wir dürfen Ihnen versichern: Stiftung Schulpforta und Pförtner Bund werden gerade deshalb der Schule in jeder Lage hilfreiche Begleiter bleiben.

Vor über 25 Jahren hat diese Schule einen schmerzvollen, aber auch euphorischen Aufbruch erlebt, einen Neuanfang, ein Gestaltenwollen und Bewegenwollen in aller materieller Bescheidenheit. Dieser Elan hat Berge versetzt und hat junge Menschen begeistert, die in Schulpforte beides gesehen haben – eine große Tradition und eine Schule mit Zukunft. Und heute? Schauen wir auf ein Vierteljahrhundert Leben in Freiheit, Demokratie und zumeist bescheidenem Wohlstand. Was das mit Menschen macht, sehe ich ja auch an mir. Man wird zufrieden, manchmal genügsam und hin und wieder träge. Doch Trägheit taugt nicht für Schule. Und für Schulpforte gleich gar nicht. Deshalb wünsche ich der Schule vor allem Mitstreiter und Weggefährten mit Mut, Elan und Ideen. Wir sollten uns auch in vorgeblich ruhigen Zeiten immer vergegenwärtigen, dass neben dem semper renovanda auch stets das semper reformanda zu dieser Schule gehört. Kontinuität darf nicht mit Stillstand verwechselt werden und Innovation nicht mit Mode. Für diesen fortwährenden Prozess wünsche ich

Und der dritte unverzichtbare Punkt für einen würdigen Geburtstagsgast – das fröhliche Feiern. Lassen wir uns also einladen von den Schülerinnen und Schülern zu Theater, Musik und Diskussion, zur Begegnung unter der Platane, beim Forum portense, oder zum Rundfunkgottesdienst am Sonntag. Immer wieder werde ich gefragt: Was ist das Besondere an dieser Schule? Was sorgt dafür, dass die Herzen der Absolventen ein Leben lang an ihr hängen? Dass sie so abgeschieden und romantisch im Saaletal liegt? Dass sie aussieht, wie von Joanne K. Rowling

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ausgedacht? Dass sie sich mit großen Namen früherer und heutiger Zeiten schmücken kann? Heute antworte ich: Das Besondere ist für mich, dass diese Schule junge Menschen hervorbringt, die etwas vorhaben, die an etwas hängen, die sich einbringen und Verantwortung übernehmen wollen, die Zukunft gestalten können, weil sie den Wert unseres kulturellen Erbes schätzen gelernt haben. Ein Erbe, das sie hier hautnah täglich erleben können. Eine Schule mit der so traditionsreichen Einheit von Lernen und Leben im Internat. Mit Naturwissenschaften: wo auch Chancen und Grenzen menschlicher Erkenntnis zu diskutieren sind, mit Sprachen, darunter auch den alten, weil sie uns die Basis dessen vermitteln, was sich bis heu-

te nur im Altgriechischen mit einem Wort beschreiben lässt: Logos – Wort, Rede, Sinn, geistiges Vermögen. Und nicht zu vergessen die Musik, die uns unsere Wurzeln erfahren lässt und uns hilft, das Menschsein zu verstehen und manchmal zu verkraften. Und natürlich ist es immer dieser magische Ort, der Menschen verzaubert. Das Geheimnis dieser Magie ist die wunderbare Emulsion von bedeutender Historie und stets jungem Leben. Lassen Sie mich mit einem so treffenden Ausspruch früherer Schülergenerationen schließen: Portae portae gloria – floreat in saecula. MATTHIAS HAASE

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Die Schülersprecher beim Festakt Die Schülersprecher Tobias Gresse, Pia Sonnenkalb und Samuel Winkler sprachen beim Festakt zur 475-Jahrfeier der Landesschule:

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Wir haben eine Beichte abzulegen. Obwohl unsere Lehrer zwölf Jahre lang predigten, Aufgaben nicht erst einen Tag vor der Abgabe zu erledigen, haben wir genau das mit dem Schreiben dieser Rede getan – wir haben einen Tag vorher angefangen. Jedoch waren wir weder unmotiviert noch zuviel beschäftigt. Ganz im Gegenteil – wir haben seit unserer letzten Abiturprüfung ständig darüber nachgedacht, welche Aussage wir hier treffen könnten, ohne dabei Moritz von Sachsen oder Nietzsche in den Mund zu nehmen. Als Teil der Schülerschaft war unser erster Ansatz, die externen Gäste für einen kleinen Moment spüren zu lassen, wie es ist, Pfortenser zu sein. Doch nach einigen Versuchen stellte sich das als Problem heraus. Wie die Atmosphäre an diesem Ort wirkt, nach Jahren seine Freunde besser zu kennen als die eigene Familie, wie es ist, in seiner Schule zu wohnen – all das lässt sich nicht mit Worten beschreiben. In der Schule wohnen – zumindest beschreiben es so meine Verwandten. Bei diesem Ausdruck wird mir aber immer ein wenig unwohl, weil es den Kern Schulpfortes nicht mal zu streifen vermag. Schul-

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pforte besteht in meinen Augen aus zwei Dingen – Schule und Pforte, die voneinander zu trennen sind. Der schulische Teil ist oftmals der präsentere in den Zeitungen oder im Netz. Erfolgreiche Teilnahmen an Wettbewerben, oftmals auch auf Bundesebene, lassen diese Schule glänzen, mit Sicherheit auch zu Recht. In diesen vier Jahren verbringen wir tatsächlich sehr viel Zeit im Unterricht. Das war sicherlich auch in den zurückliegenden 475 Jahren der Fall. Doch die Frage ist, was nimmt man aus diesen Unterrichtsstunden mit? Ist es das pure Fachwissen oder vielleicht doch die eine oder andere Lebensweisheit, die so manchem Lehrer bewusst oder auch unbewusst über die Lippen geht? Oder ist es das Gefühl, dass man den da vorn gar nicht als unnahbaren Lehrer wahrnimmt, sondern als treuen Wegbegleiter, der sich auch für Liebeskummer oder Fußballergebnisse interessiert? Ohne diese Momente wäre der schulische Erfolg sicherlich nicht der, den Schulpforte schon seit 475 Jahren stets aufrechterhält. Doch er wäre auch nicht jener, wenn Schulpforte keine Internatsschule wäre. Gemeinsames Wohnen, Essen, Schlafen, Lachen, Traurigsein und Blödsinnmachen. All diese Dinge sind die Quelle, aus der wir die Kraft für den schulischen Alltag und Höchstleistungen schöp-


fen. Das lässt sich an Gesprächen mit Ehemaligen erkennen, die einen ganz anderen Alltag schildern, als man ihn selbst erlebt. Dennoch lässt sich bei all diesen Menschen zum Schulfest, zwischen Pfortewein und Gegrilltem, eine noch immer tiefe Verbundenheit mit Pforte feststellen, denn alle hatten diese Momente in ihrer Pfortezeit, die ich gerade zu schildern versuchte. Den Pfortegeist macht etwas Undefinierbares aus, für jeden unterschiedlich, dennoch irgendwie für alle gleich im Gefühl. Diesen gemeinsamen Nenner gilt es für immer zu bewahren, während man täglich versucht, Schulpforte zu modernisieren und zu verbessern. Eine Goldgrube für diesen Vorgang ist ohne Frage die eben benannte Kraft und Kreativität der Schülerschaft, die schon jetzt daran beteiligt ist. Jedoch wäre es im Antlitz der Geschichte Pfortes unangemessen, sich damit zufrieden zu geben. Doch was ist nun eigentlich dieses Pforte? Wagen wir wenigstens den Versuch, dieses zu beschreiben. 475 Jahre Landesschule Pforta. Eine Schule mit Traditionen, berühmten Schülern wie Fichte oder Nietzsche und langjährigen Wurzeln in der deutschen Geschichte – so wird sie zumindest in allen öffentlichen

Medien beschrieben. Ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein, macht einen sicher auch ein wenig stolz. Angekommen in der 9. Klasse hatte sicher jeder zunächst das Ferienlagergefühl. Man kam in ein leeres Zimmer, wo ein paar Möbel drin standen. Und das soll nun mein neues Zuhause werden? Sobald man den Schrank einräumte und die erste Schublade zusammenbrach, merkte man jedoch – die Schule gibts schon ein paar Jahre länger. Spätestens nach der ersten Unterrichtsstunde bei Frau RHK, also Frau Regine Huppenbauer-Krause, stellt man dann auch fest, dass man voll und ganz richtig lag. Doch nach vier Jahren kann man sagen, dass ein Zimmer immer mehr von vielen Dingen gefüllt wurde, welcher jeder einzelne mit bestimmten Erinnerungen verbindet. So lernt man den Charme der fast schon antiquierten Möbel immer mehr zu schätzen. Wer will schon eine Couch von Ikea, wenn man eine ramponierte Couch von über 50 Generationen vererbt bekommen kann, welche so durchgesessen ist, dass man schon fast auf dem Boden sitzt? Doch Pforte ist viel mehr als das – ein Ort, wo Lehrer zu Freunden werden, aber auch Freunde zu Lehrern. Liebes Schulpforte, ich hoffe wir konnten dir in unseren vier Jahren ein Stück von dem zurückgeben, was du

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seit 475 Jahren über 21.000 Schülerinnen und Schülern geschenkt hast. Inzwischen hat sich die Landesschule im Laufe der 475 Jahre einen Namen machen können vor allem wegen zweier wichtiger Faktoren: Wegen des guten Weins und irgendwie auch wegen der guten Schüler. Was den Wein angeht, kann ich wenig über dessen Reife aussagen. Wohl aber über die Reife unserer Schüler: Pfortenser findet man auf der ganzen Welt – ganz gleich ob Exer, Jetzer oder Balder – und all diese Menschen teilen einen gemeinsamen, einschneidenden Lebensabschnitt miteinander – die Zeit in Schulpforte. Wenn man einmal hier war, ist es unmöglich, von Pforte ohne Hochachtung zu sprechen. Keinen Pfortenser gibt es auf der Welt, der nicht zurückdenkt, ohne glänzende Augen zu kriegen in Erinnerung an eine so fabelhafte Zeit, die sich herausstellt durch eine so freundliche und menschliche Atmosphäre. Denn seit 475 Jahren lebt in den Gemäuern dieser Schule alles Gute dieser Welt. Und seit 475 Jahren wird dieses Gute wachgehalten von den Schülerinnen und Schülern, von Lehrerinnen und Lehrern, von allen Menschen, die hier arbeiten und leben. Die nicht nur die Ehre dieses Ortes aufrechterhalten, sondern ihm vor allem Leben schenken, Liebe und Persönlichkeit.

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Schulpforte wurde gegründet, um eine Bildungselite herauszustellen und besonders zu fördern. Diesem Anspruch kann die Schule mit Sicherheit Genüge tun, doch erfüllt sie durch das gemeinsame Zusammenleben aller Schüler und teilweise auch der Lehrer einen weitaus größeren Effekt. Schulpforte ist ein Ort, den bisher 21.291 Schüler nicht nur als Bildungsstätte erleben konnten, sondern als Zuhause. Als Ort, an dem man sich geborgen fühlen kann. Ein Ort, an dem man Akzeptanz finden kann, und ein Ort, an dem man eine gezielte Förderung erhält. Schulpforte beheimatet einen Zeitgeist, eine unsterbliche Glückseligkeit mit all seinen Schülern, die diesen Ort ihr Zuhause nennen durften. Nach 475 Jahren sind wir nun hier versammelt und blicken mit Ehrfurcht auf die Historie, die Jahrhunderte überdauern und Menschen zu sich selbst finden lassen konnte. Auch wenn es uns nicht bewusst ist, wird ein jeder, der an dieser Schule tätig ist, Teil einer unendlichen Historie. Vor dem Hintergrund dieser besonderen Würde sei ein Dank ausgesprochen an jeden von uns, die wir einer Bildungsstätte eine einmalige Persönlichkeit verleihen. TOBIAS GRESSE, PIA SONNENKALB UND SAMUEL WINKLER


Predigt zum Schulfest 2018 Wie schrecklich ist dieser Ort! Eine Geschichte der Angst

Wirklichkeit werden? Wollte Gott für immer bei ihm sein?

Jakob schlug die Augen auf. Er zitterte am ganzen Körper. Etwas Schweres schien auf seiner Brust zu sitzen und drückte ihm die Luft ab. Sein Herz raste. Schweißperlen standen auf seiner Stirn. Wie schrecklich ist dieser Ort! schrie er. Er sprang auf, wollte seine Sachen packen, weiter fliehen!

Wie schrecklich ist dieser Ort! Man könnte Jakobs Geschichte als Geschichte der Angst schreiben. Jakob hat sein Leben lang Angst, vor Esau, vor Laban, um seinen Sohn Joseph, vor Gott.

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Er hatte deutlich das Bild seines Bruders Esau vor Augen. Vor Wut schnaubend stand er da. Mit erhobener Faust hatte er ihm gedroht: Ich werde dich eines Tages umbringen! Jetzt erst wurde Jakob klar, was er angerichtet hatte. Er hatte seinen einzigen Bruder betrogen, seinen Vater belogen und dadurch seine ganze Familie verloren. Es gab keinen Weg zurück. Er fühlte sich schrecklich einsam. Im Traum war ihm Gott begegnet. Gott war da, ganz nah. Aber auch das beruhigte ihn nicht. Vor Esau konnte er fliehen, vor Gott und seinem Zorn nicht. Zu Abraham und Isaak, so erzählte man sich, hatte Gott gesagt: »Fürchte dich nicht.« Jakob konnte sich nicht daran erinnern, diese Worte gehört zu haben. Er zweifelte. Wollte Gott ihn strafen oder beschützte er ihn? Konnte sein schöner Traum

Auch der Traum von der Himmelsleiter kann in einen Albtraum verwandelt werden, wenn man Jakobs Angst in den Mittelpunkt stellt. Sprachlich erfordert das nur eine kleine Änderung am Luthertext, die durchaus zulässig ist. Es heißt dort: Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Anders könnte man übersetzen: Und Jakob fürchtete sich und sprach: Wie furchterregend ist dieser Ort! Furcht und Ehrfurcht sind im Hebräischen nicht klar zu unterscheiden. Der ehrfurchtgebietende, heilige Ort kann zum schrecklichen, furchterregenden werden. Nur die Wüste, der Ort des Todes, wird sonst so bezeichnet.

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Als ich zur Vorbereitung mit den Schülerinnen über den Predigttext gesprochen habe, sind wir an dieser Stelle hängengeblieben. Wir haben uns gefragt: Warum fürchtet sich Jakob? Man könnte sagen: Jakob ist ehrfürchtig, weil Gott zu ihm gesprochen hat und weil ihm Gottes Macht bewusst wird. Man könnte aber auch sagen: Jakob hat Angst um sein Leben und vor dem, was kommt. Man könnte diese Geschichte als ewig gleichen Mythos lesen. Als Geschichte über die Angst des Menschen und seine Sehnsucht nach Geborgenheit. Angst vor der Zukunft und der Ungewissheit. Angst vor dem Neuen und dem Fremden. Angst zu versagen und ausgelacht zu werden. Angst nicht geliebt zu werden. Angst, jemanden zu verlieren. Angst vor dem Tod. Und mitten in der Nacht der Traum davon, dass mich jemand liebevoll anspricht und mich in den Arm nimmt, der Traum, dass ich ruhig werde und mich geborgen fühle, der Traum, dass ich anerkannt werde, der Traum, dass wir für immer zusammenbleiben können.

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II Die Angst in den Griff bekommen: Sehnsucht nach Sicherheit Um unsere Angst in den Griff zu bekommen, bauen wir Zäune und Mauern. Planen das Leben bis ins letzte Detail. Kümmern uns um unsere Gesundheit. Zeigen uns stark. Berechnen Risiken und Nebenwirkungen. Schließen Versicherungsverträge ab. Meiden das Neue und Unbekannte. Normieren unser Leben. Legen fest, was falsch und richtig, wahr und unwahr ist. Das alles, um uns sicher zu fühlen. Und Jakob? Der formuliert Vertragsbedingungen für seinen Glauben an Gott: »Gott soll sichtbar bei mir sein, indem er mich mit den Dingen des täglichen Lebens versorgt. Gott soll mir meinen sehnlichsten Wunsch erfüllen: Er soll mich zurückbringen in das Haus meines Vaters. Dann kann ich glauben, dass er für mich da ist. Dann ist er mein Gott.« Wenn alles läuft, wie vorgestellt und geplant, wenn wir uns in Sicherheit wiegen können, dann ist es ein gutes, erfülltes Leben. Dann ist das Glück uns hold, dann ist Gott auf unserer


Seite. Dann haben wir unsere Angst im Griff. Ist es so? Jakob jedenfalls wird seine Angst nicht los. Sein Leben lang bleibt er unruhig und rastlos, muss immer wieder neu anfangen. Alt und gebrechlich muss er eine letzte Reise in die Fremde wagen, nach Ägypten zu seinem Sohn Joseph.

III Fürchte dich nicht! Eine Geschichte der Zuversicht Da aber sagt Gott zu ihm: »Ich bin Gott, der Gott deines Vaters; fürchte dich nicht.« Vielleicht sind es diese Worte, die wir in unserer Geschichte von der Himmelsleiter schon zwischen den Zeilen lesen können. »Fürchte dich nicht. Denn ich bin bei dir. Dir steht der Himmel offen.

Hier und jetzt.« Und dann sagt Jakob: »Dieser Ort ist die Pforte des Himmels«. So wird aus der Geschichte der Angst eine Geschichte der Zuversicht, eine Geschichte des Zuspruchs: »Fürchte dich nicht.« Blättern wir weiter im Buch der Bücher, so begegnen wir vielen Ängstlichen, Zweiflern, Verzweifelten, Verfolgten. Und immer wieder werden wir an die Worte erinnert: »Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.« Für mich klingt das so: Das Leben steckt voller Heraus­ forderungen. Es ist nicht leicht. Du wirst immer wieder an deine Grenzen kommen. Das wird so bleiben.

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Aber ich, dein Gott, bin dabei. Fürchte dich nicht. Und ich fühle mich getröstet, sage voller Zuversicht: »Dieser Ort ist die Pforte des Himmels.«

IV Dieser Ort ist die Pforte des Himmels: Ein Stückchen Himmel auf Erden An diesem Ort wird unsere Sehnsucht nicht ein für allemal gestillt. Aber hier ist es, als würde der Traum Wirklichkeit werden, als könnten wir ein Stück vom Himmel sehen. Der Himmel auf Erden hat keinen festen Ort, er kann überall und plötzlich da sein, er lässt sich nicht einfangen. Im Gespräch haben die Schülerinnen und ich solche Momente gesammelt, wo wir ein Stück vom Himmel sehen: Morgens in der Wüste sitzen und von der Schönheit eines Sonnenaufgangs überwältigt werden. Nachts an der Saale unter dem Sternenhimmel liegen und über die Weite des Universums staunen. Mitten im größten Stress mit Freunden zusammensitzen, Wein

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trinken und tiefsinnige Gespräche führen. Mitten in tiefer Trauer das Locus iste von Bruckner hören und mich dadurch getröstet fühlen. Nach vielen Jahren Freunde wiedertreffen und es ist so, als hätten wir uns eben gerade erst verabschiedet. Mit mir bis dahin Fremden Zeit verbringen und das Gefühl haben, wir würden uns schon ewig kennen. Zusammen lachen und zusammen weinen. Erfüllt sein, von dem, was ich mache. Jemanden wie verrückt lieben. Vertrauen in Gott, in mich selbst, ins Leben spüren. Hier, an diesem Ort, in Schulpforte, Gottesdienst feiern. Gemeinsam mit Menschen aus aller Welt singen und beten. Mitten in Angst und Unruhe die Worte hören: »Fürchte dich nicht. Ich halte dich, ich behüte dich, ich bin bei dir.« Amen. VIKARIN DR. THEOL. ANNA-MARIA KLASSEN (AL. PORT. 2000 – 2005 V.)


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Die King’s Singers in der Klosterkirche

Der Termin war lange angefragt und bestätigt. Doch erst nach dem Jubiläumsschulfest Ende Mai war endlich Zeit, die Planungen für ein besonderes Konzerterlebnis im September zu intensivieren. Deutschlandfunk und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützen seit der Wiedervereinigung 1990 herausragende Kulturdenkmale vor allem im Osten Deutschlands mit der Benefiz-Konzertreihe Grundton D. Zehn Konzerte pro Jahr in ausgewählten Objekten, die der denkmalpflegerischen Fürsorge besonders bedürfen, schaffen öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung. Außerdem fließen die Konzerterlöse direkt in den Denkmalschutz am Ort. Für die Klosterkirche in Schulpforte war dabei am 17. September 2018 an die King’s Singers gedacht. Jenes britische Männer-Ensemble, welches seit 50 Jahren (in wechselnden Besetzungen) Maßstäbe im a-cappella-Gesang gesetzt hat und seit Anbeginn immer wieder für die Benefizreihe gebucht wurde. Doch auch ein Tropfen Wehmut gehört in die schöne Geschichte um das Ausnahmekonzert in Schulpforte. Denn es sollte zugleich das letzte Konzert jener Reihe sein. Dafür aber eben ein hochkarätiges, das auch jene Protagonisten des Deutschlandfunks

anzog, die die Reihe vor fast 30 Jahren ins Leben gerufen hatten. Während Deutschlandfunk und Deutsche Stiftung Denkmalschutz für Künstlerverträge und den großen Rahmen sorgten, lag die Vor-OrtOrganisation mit Ticket-Verkauf, Catering, Künstlerbetreuung etc. in den Händen der Stiftung Schulpforta, bzw. des Autors dieses Artikels. Dass die Nachfrage nach Karten groß sein würde, war zu ahnen. Dass aber bereits nach wenigen Tagen ein Großteil der geplanten Sitzplätze vergeben war, erstaunte die Organisatoren. Kartenbestellungen kamen natürlich aus Naumburg und Umgebung, aber auch von Eltern und Verwandten der Schüler und natürlich von Konzertfreunden aus ganz Deutschland. Die Bestuhlung wurde auf 44 (!) Stuhlreihen erweitert. Dazu vergünstigte »Wandelkarten« für Pfortenserinnen und Pfortenser. Auf die Chöre der Landesschule Pforta wartete eine zusätzliche Chance und Herausforderung. Das Management der King’s Singers offerierte die Möglichkeit, zwei Titel gemeinsam mit den Profis aufzuführen und aufzuzeichnen. Nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine logistische Maßarbeit. Wie kann man 100 Schülerinnen und Schüler in der Kirche noch hinter

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den Künstlern positionieren, wenn diese selbst den Altarraum als »Podest« benötigen? Bereits am Nachmittag des Konzerttages fand die einzige gemeinsame Probe statt. Ein akustisch schwieriges Unterfangen. Die Solisten sollten schließlich nicht Richtung Chor, sondern in den Kirchenraum singen. Für jeden Choristen bedeutete das, besonders die Ohren zu spitzen, um sowohl Ton als auch Metrum perfekt aufzunehmen. Um die Künstler und den Raum adäquat in Szene zu setzen, wurde mit dem Beleuchtungsunternehmen »Live Light One« aus Erfurt eine Firma beauftragt, die vor allem im Fernsehund Eventbereich tätig ist. Lichtmeister Mario Erdenberger richtete Lichtmischpult, unzählige Scheinwerfer, Spots und Fluter bereits am Wochenende ein und hatte sich selbst zur Aufgabe gesetzt, Kirchenraum und Musiker dramaturgisch konsequent zu inszenieren. So changierten Gewölbe, Bögen, Altar und Künstler immer wieder in anderen Farbnuancen, mal warm und herzlich, mal kontrastreich und farbintensiv. Selbst die Westfassade der Kirche konnte für die Gäste in der Pause illuminiert werden. Direkt vor dem Rektoreneingang, aber auch im Kreuzgang sammelten sich hunderte Besucher bei sommerlichmilden Temperaturen, um in der Kon-

zert-Halbzeit Kloster-Pforta-Wein und Brezeln zu genießen. Und der Musik-Genuss? Die King’s Singers hatten ein breitgefächertes Programm ihrer Jubiläums-Tour »GOLD« im Gepäck. Schütz, Palestrina und Byrd. Die Romantiker Reger, Saint-Saëns und Rheinberger, daneben einen modernen Teil mit Musik u. a. von Eric Whitacre und Arvo Pärt. Im zweiten Programmteil durfte sich das Zuhörerherz über »leichte Muse« freuen. Und nicht zu vergessen, die Bob-Chilcott-Arrangements, für die die King’s Singers berühmt sind. Den Abschluss bildete der anrührende Billy-Joel-Klassiker »And so it goes«, gemeinsam gesungen mit den Chören der Landesschule Pforta. Die King’s Singers der jüngsten Generation überzeugten vor allem mit britischem Vokal-Perfektionismus, aber auch mit dem Charme des deutsch sprechenden Basses Jonathan Howard, der mit weichem, aber füllenden Timbre sowohl das stimmliche, als auch das menschlich prägende Fundament zu sein schien. Im oberen Stimmbereich mochte sich manch Kenner nach einem David Hurley früherer Jahre sehnen und nach einem insgesamt noch angeglichneren Gesamtklang. Doch insgesamt für Freunde guter Vokalmusik ein Abend mit herausragend interpretierter Musik.

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Natürlich; die Frage, ob sechs Stimmen über das lange, schmale Mittelschiff bis zur letzten Reihe tragen konnten, kann berechtigt sein. Ohren in Reihe 35 oder 44 waren viel weniger dicht am Geschehen, jedes Rascheln und eventuelle Störgeräusche des Publikums schlugen hier intensiver zu Buche, so dass es lohnend sein wird, den Konzertmitschnitt des Deutschlandfunks nochmals in aller Ruhe zu Hause zu genießen.

SENDUNG: Deutschlandfunk Sonntag, 3. März 2019, 21.05 Uhr Konzertdokument der Woche MATTHIAS HAASE

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Vor 50 Jahren wurde Meinerzhagen gegründet *  *  *


Grußwort des Vorsitzenden des Pförtner Bundes e. V.

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Liebe Meinerzhagener, liebe Landesschüler, liebe Akel-Mitglieder, liebe Pförtner Freunde. Das Gründungs-Jubiläum der Evangelischen Landesschule zur Pforte in Meinerzhagen berührt mich zutiefst, obwohl oder gerade deshalb, weil ich als DDR-Pfortenser das »West-Schulpforte« nie kennengelernt habe. Im vergangenen Jahr recherchierte ich zu den Wendeumbrüchen in Schulpforte und stieß dabei natürlich auf das »Zueinanderfinden« beider Schulen. (Wendejahre – Schulpforte 1985 – 1995, Universitätsverlag Leipzig). Ich lernte in einem Gespräch den letzten Rektor Eurer alma mater kennen, hörte und las von gegenseitigen Besuchen 1990; von der Freude einer DDRMusiklehrerin, die in Meinerzhagen erste Impulse empfing, die Kontakte zu alten Pförtnern knüpfte, sich aus der Geschichte Pfortas berichten ließ. Aus Nachlässen erhalte ich hin und wieder Material, das den Beginn in Meinerzhagen dokumentiert. Welche Kraft, welcher Wille und Optimismus steckte damals in jedem Dokument und jedem Brief an Mitstreiter, Ehemalige und Unterstützer der Idee, eine neue Schule für das alte ErziehungsIdeal zu bauen. Meinerzhagen sollte das geistige Erbe der Fürstenschulen

retten, sollte Traditionen fortführen und in die Zukunft tragen. Die alten Pförtner mussten in den 60er Jahren nach Teilung und Mauerbau annehmen, dass im Osten all das verloren ist. Diese Aufgabe war nicht auf Zeit gedacht. Dass es letztlich eine kommissarische Aufgabe wurde – und die Geschichte das Schicksal Eurer Schule auf diese Weise besiegelte –, war nicht die Absicht der Gründungsväter. Über die Vermeidbarkeit des Endes in Meinerzhagen wird man weiter diskutieren können. Zur Wahrheit gehört, dass sich die alten Pförtner im Pförtner Bund nach dem Mauerfall schnell und energisch ihrer Schule im Osten zugewandt haben. Hier galt es, den Verfall schnellstmöglich zu stoppen, denn das gesamte Bauensemble war desolat bis gefährdet. Der Reiz, Pförtner Erziehungsprinzipien wieder nach Pforte zu tragen, war groß. Der erste Rektor in Schulpforte wurde noch vor der Wiedervereinigung ein Meinerzhagener Lehrer. Rund 20 Jahre nach dem Ende der Schule in Meinerzhagen und dem bedauerlichen Abriss der meisten Gebäude steht der Grundstein Eurer Schule in Schulpforte. Er fordert uns auf, daran zu erinnern, dass es diese Episode ist, die mit dafür gesorgt hat, dass sich die Landesschule Pforta des

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21. Jahrhunderts so sicher in den Spuren der alten Landesschule bewegen kann. Für jeden einzelnen Alumnus, jede Alumna in Meinerzhagen mischt sich in die schönen Erinnerungen an die eigene Schulzeit natürlich die Wehmut über das Ende des Hauses. Was ist schlimmer, als des Ortes der Erinnerung beraubt zu werden. Bei dieser verständlichen Wehmut darf ich tröstend festhalten: Eure Schule hat die Brücke gebaut

ins Heute, auch wenn sie selbst vergangen ist. Denn ohne die Lebendigkeit eines Bildungsprinzips wäre ein Neuanfang in Schulpforte, mit der bewussten, wenn auch nicht vollständigen Rückbesinnung auf alte Traditionen der Landesschule wohl kaum denkbar gewesen. Das bleibt der unschätzbare Wert Eurer alma mater: Dafür gilt es Dank zu sagen – und das tue ich im Namen des Pförtner Bundes. MATTHIAS HAASE

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Gestaltwerdung einer Idee DIE GRÜNDUNG DER EVANGELISCHEN LANDESSCHULE ZUR PFORTE IN MEINERZHAGEN

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Im Jahre 2018 hätte die Evangelische Landesschule zur Pforte in Meinerzhagen ihr 50-jähriges Bestehen feiern können, wenn sie denn noch bestehen würde. So konnte lediglich der Aufnahme des Schulbetriebs vor 50 Jahren gedacht werden. Was mit der Schließung der Schule verlorengegangen ist, kann ein Blick auf ihre Gründung zeigen, die hier in einigen knappen Zügen skizziert sei. Die ersten Ideen zur Gründung einer Schule, die die Tradition der ehemaligen mitteldeutschen Fürstenschulen in der Bundesrepublik fortführen sollte, gingen auf das Jahr 1952 zurück, als sie bei einem Pförtner-Abend in Hamburg von AltAfranern vorgetragen worden sind. Theodor Schecker erinnerte sich an diesen Moment in seiner Ansprache zum Schulfest 1960 in Detmold: »Die Reaktion war, wie das in Hamburg zu erwarten ist, sehr reserviert, und die Skepsis war groß. Die Hamburger sind nun einmal nüchtern. Aber die Probleme wurden weiter erörtert, und man kam schließlich doch

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zu der Überzeugung, dass man alles versuchen sollte, um diesen Plan zu realisieren. Von Anfang an stimmte man darin überein, dass die Schule wieder auf einem Freistellenwerk basieren müsste. Die Gespräche wurden weitergeführt, und ich möchte hier eines Mannes gedenken, der uns sehr geholfen und uns Mut gemacht hat: Hermann Ehlers, der inzwischen verstorbene Präsident des Deutschen Bundestages, ist von unserem Freund Kuckuck angesprochen worden. Das Ergebnis der Gespräche mit Hermann Ehlers in seinem Godesberger Heim war, dass er den Plan einer Schule auf stiftischer Grundlage begrüßte und ihn auch für durchführbar hielt. Aber seine Frage lautete, und sie musste lauten: ›Was steht hinter Ihnen?‹ Wir konnten ihm natürlich nur sagen, dass hinter uns keine materielle Macht steht, auch keine politische Macht. Aber sein Wort hat uns zu denken gegeben, und es ist dann zu einer verstärkten Sammlung der ›Ehemaligen‹ gekommen, die ihren sichtbaren Ausdruck darin fand, dass die Pförtner-Abende sich vermehrten, dass die Unterhaltungen im Verein ehemaliger Fürstenschüler weitergingen, und dass wir erneut in Verbindung traten mit den ehemaligen Schülern von Grimma, Meißen und danach auch von Joachimsthal. […] Wir kamen ganz von selbst dazu, dass wir uns nicht mit dem Austausch von Erinnerungen zufriedengaben.


Sonst wären wir ein aussterbender Verein gewesen, und wir hätten uns ausrechnen können, wann die letzten Mitglieder hätten antreten müssen, um das restliche Vereinsvermögen zu verzehren.« In der Zwischenzeit (1956) war in Hannover ein Schulausschuss gegründet worden, um das Schulprogramm auszuarbeiten, das unter Federführung von Karl Gumpricht und HansReimer Kuckuck entstand. Der fertige Entwurf wurde im Januar 1959 verschickt und diente als Grundlage für die Entscheidung, die im Mai 1959 in Detmold fiel, die Schulneugründung tatsächlich in Angriff zu nehmen, um »das Geistesgut, das wir als wertvoll erkannt haben«, zu erhalten (Schecker zur Eröffnung der Beratung des Schulprogramms 1959 in Detmold). Dass dieses Programm auf breite Zustimmung der Ehemaligen stieß, ist vor allem dessen Autoren zu verdanken, denen es ausdrücklich darum ging, »erprobte Erziehungsformen für unsere Zeit fruchtbar zu machen« – und nicht darum, »altehrwürdige Einrichtungen zu restaurieren«. Es ging nicht um die Hülle der Tradition, sondern um die durch sie transportierten Inhalte, um den Geist, der die alten Schulen beseelte: Erziehung zur Selbständigkeit im Arbeiten und Handeln, zur Freiheit des Denkens und Unabhängigkeit des Urteils, zur Verantwortung für ein Gemeinwesen.

Die grundlegenden Punkte, die im Schulprogramm formuliert wurden, vereinten sowohl die pädagogische Situation der Gegenwart als auch die kritische Verwertung der Formen und Erfahrungen aus den alten Fürstenschulen: 1. Kopplung der humanistischen mit den mathematisch-natur­ wissenschaftlichen Fächern. 2. Evangelische Grundhaltung. 3. Internatsschule auf stiftischer Grundlage, die eine BegabtenAuslese aufgrund von Freistellen ermöglicht. 4. Keine Koedukation. Internatsschule nur für Jungen. 5. Erziehung zur Verantwortung durch Ausbau einer [Schüler-] Mitverwaltung. 6. Anleitung zum selbständigen Arbeiten durch [wöchentliche] Studientage. 7. Sachliche und persönliche Verbindung zu Hochschulen. 8. Stundenbeschränkung und Freigabe der Lehrer für wissenschaftliche Arbeiten. Die stiftische Grundlage sollte laut Erklärung zu Punkt 3 »Freiheit von staatlichen, kirchlichen und politischen Institutionen gewährleisten«, womit in weiser Voraussicht benannt war, welche Gefahren der Schule (und den heutigen Schulen) drohen würden. Zudem sollte auf diese Weise

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gewährleistet werden, dass die Schule selbst ihre Lehrer wählen könne. Um die Frage der Freiheit drehte sich auch eine längere Diskussion des Punktes 2, die evangelische Grundhaltung, der schließlich bejaht wurde. Sowohl der Spruch auf dem Grundstein (Ubi spiritus domini ibi libertas | Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit), der sich mittlerweile in Schulpforte befindet, als auch die Adresse (Auf der Freiheit) legen von diesem hohen Ideal der Freiheit, unter deren Vorzeichen nicht nur die Schulgründung, sondern dann auch das Leben der Schule selbst stand, Zeugnis ab. Das scheint gerade insofern bemerkenswert, als in einem Internat ja naturgemäß die persönliche Freiheit stark beschränkt wird. Dieser Widerspruch ist aber nur ein scheinbarer. Christian Hartlich beschrieb 1967 in einem Vortrag vor dem Meinerzhagener Rotary Club das geplante Internat als ein »sich selbst verwaltendes Gemeinwesen«, das »in der Form einer res publica junge Menschen zu politischer und sozialer Verantwortung führen« solle, wozu sie »soweit als irgend vertretbar an der Formung und Ordnung des gemeinschaftlichen Lebens verantwortlich beteiligt werden« sollten. Diese Gemeinschaftsform hatte ihr Urbild in der Ordensgemeinschaft: »Das Individuelle, Persönliche, Private wird bei all dem keineswegs ausgelöscht, sondern ständig gefordert,

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durchpulst und überstrahlt von dem ›Ganzen‹, dem Verpflichtenden des Gemeinwesens«. Eines der ganz wesentlichen Prinzipien stellte dann auch die erzieherfreie Internatserziehung dar. Die Lehrer waren von Anfang an im Internat als Hebdomadare und Tutoren tätig. Als Hebdomadare hatten sie ca. 4 Mal im Schuljahr Dienst im Internat zu tun, wozu sie für je eine Woche in das Internat zogen. Da damit eine einzige erwachsene Person für 150 bis 180 Schüler verantwortlich war, war diese auf Gedeih und Verderb auf die Zusammenarbeit mit den Schülern (Präfekten) angewiesen. Die Schüler wurden mit zunehmendem Alter mit wachsender Verantwortung betraut, wirkten in alle Gremien mit bzw. bildeten selbst – lehrerfreie – Gremien, in denen sie Fragen des Zusammenlebens regelten. Als Tutoren hatten Lehrer die Schutzaufsicht über eine Tutele (Schüler eines Arbeitszimmers), deren Interessen sie im Lehrerkollegium vertraten und Kontakt zu den Eltern hielten. Als Schulstandort Nordrhein-Westfalen zu wählen, war dadurch begründet, dass hier a) ein Schulgesetz galt, das Schulen in freier Trägerschaft großzügig entgegenkam und ihnen große gestalterische Spielräume ließ und b) die Evangelische Kirche von Westfalen zu gleicher Zeit den


Wunsch hegte, ein eigenes evangelisches Schulwesen in die Wege zu leiten, einschließlich einer evangelischen Internatsschule (Friedrich Bruns in Detmold 1959). Und wenn es c) eine dritte Partei, die Ehemaligen, gab, die bereits ein fertiges Schulprogramm vorlegen konnten, dann schien ein Zusammengehen dieser drei Akteure fast zwangsläufig (zu dieser Koinzidenz vgl. Hans Thimme zum 10. Schuljubiläum). Der in Detmold erweiterte Schulausschuss entwickelte eine rege Aktivität, einen geeigneten Ort für die Schule zu finden. Bei dem Besuch aller namhaften Internate Deutschlands fanden Hospitationen und eigener Unterricht statt, um Eindrücke vom zeitgenössischen Internatsleben zu sammeln. Zudem wurden Schlösser und Klöster besichtigt und auf ihre Tauglichkeit als Internate geprüft. Die so gesammelten Erfahrungen machten deutlich, dass ein Neubau, der die speziellen Bedürfnisse berücksichtigen könne, vorzuziehen sei, so dass sich die weitere Suche auf das Finden eines geeigneten Baugrundstücks konzentrierte. Dieses wurde im November 1959 von Werner Lauer gefunden, der in Lüdenscheid unweit Meinerzhagens wohnte. Als vorteilhaft wurden die abgeschiedene Lage, die eine Konzentration auf das innere Leben der Schule ermöglichte, die lockere

Verbindung zum Dorf (Meinerzhagen erhielt erst 1964 wieder Stadtrechte, weil dazu u. a. ein Gymnasium gehört, das als Reaktion auf die Gründung der Landesschule vor Ort gegründet und noch vor dieser eingeweiht wurde) und zur Natur gesehen. Die Evangelische Kirche von Westfalen erklärte sich im März 1960 einverstanden, das Grundstück zu erwerben, auf diesem die Gebäude für Schule und Internat zu errichten und die Trägerschaft für beides zu übernehmen. Als Bedingung für die Verwirklichung dieses Vorhabens wurde die Bildung einer Stiftergemeinschaft für das geplante Freistellenwerk formuliert. Im Dezember 1961 wurde diese Voraussetzung zur Gründung der Meinerzhagener Schule durch das Ins-Leben-Rufen der Melanchthon-Stiftung erfüllt, deren erster Satzungsentwurf ebenfalls 1959 zur Diskussion gestellt worden war. Der Stiftungsaufruf wurde von hochrangigen Personen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kirche unterzeichnet. Das ehrgeizige Ziel bestand darin, Freistellen für »mindestens die Hälfte der Gesamtzahl von Schülern, welche Aufnahme finden können«, an anderer Stelle ist die Rede von 150 Freistellen bei 210 Schülern, gewähren zu können. Zur Grundsteinlegung der Schule 1965 konnte bereits von 80 eingeworbenen Freistellen berichtet werden.

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Nun war es höchste Zeit, das Kind bei einem Namen zu nennen, um weitere Außenstehende für die Idee dieser Schule gewinnen zu können. Es wurden die Namen Melanchthon-Gymnasium und Helmuth James Graf von Moltke-Gymnasium diskutiert und verworfen. St. Afra und St. Augustin waren an Klöster gebunden, Joachimsthal passte nicht zu dem Berg, auf dem die neue Schule entstehen sollte. Lediglich »zur Pforte« war von St. Marien ablösbar, ohne den Symbolgehalt von ›Porta Coeli‹ einzubüßen. Es war der Alt-Afraner Hartlich, der 1965 gegenüber Joachimsthalern diesen Namen rechtfertigte: »[…] ich darf betonen, dass die Pförtner, denen zweifellos bei der Neugründung der erste Preis gebührt, sich in dieser Frage äußerst zurückgehalten haben und die Annahme des Vorschlags ausdrücklich von der freien Entschließung der Anderen abhängig gemacht haben.« Der erste Spatenstich erfolgte im November 1964, die feierliche Grundsteinlegung im Mai 1965. Als Architekt wurde Gerd Sauerzapf vom Büro Sauerzapf und Nathow (Solingen) gewonnen, dem es beeindruckend gelang, das 1962 auf der Grundlage des Schulprogramms vorgelegte Raumprogramm in Architektur umzusetzen, mithin der Idee architektonische Gestalt zu verleihen. Der Blick

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auf den Grundriss (s. Glastafel über dem Grundstein) führt die Einheit von Schule und Internat vor Augen. Während das Hebdomadariat den Dreh- und Angelpunkt des Internatskomplexes bildete, stellten Kapelle und Agora die Verbindung zwischen Schule und Internat her. Der Schulhof bildete in abstrahierter Form einen Kreuzgang nach. War der Bereich von Schulgebäude, Speisesaal, Kapelle (und geplanter, aber nie realisierter Aula) seiner Form nach streng, lockerte sich die bauliche Gliederung zum Internatsbereich hin zunehmend auf, wobei gewährleistet blieb, dass alle Bereiche trockenen Fußes untereinander zugänglich waren, was in einem der regenreichsten Orte Deutschlands von nicht zu unterschätzender Bedeutung war. Wer den 1961 fertiggestellten DominikanerKonvent bei Lyon (Le couvent dominicain de la Tourette) betrachtet, kann bis in Details (z. B. die runden Oberlichter) Parallelen zu den Meinerzhagener Gebäuden finden, so dass auch auf dieser Ebene der Bezug zu klösterlichem Zusammenleben manifestiert wurde. Sauerzapf, ein Schüler Le Corbusiers, stand in der Tradition des französischen Purismus und richtete sich nach einem der Hauptlehrsätze seines Lehrers: »Architektur ist die plastische Gruppierung der Volumen unter dem Licht.« Die Bauten waren niedrig und erstreckten sich weitläufig über das Gelände (sie bildeten ins-


gesamt 10.000 m² überbauter Fläche resp. 50.000 m³ umbauten Raums). Neben der Organisation des Schulund vor allem Internatsalltags (Trennung zwischen altersgemischten Arbeitsräumen à acht Schüler und altershomogenen Schlafräumen à vier Schüler, täglich zweistündige Silentien, die in Präfekten umbenannten Inspektoren etc.) fanden schnell auch weitere Elemente der alten Schulen Aufnahme in den Alltag. Der humanistische Bildungsanspruch zeigte sich darin, dass die Schule als eines von wenigen Gymnasien Griechisch bis zum Abitur anbot und dass die Abschlussfahrten nach Griechenland, zu deren Vorbereitung eigens das Fach Griechenlandkunde eingeführt wurde, legendär wurden. Dazu zählte auch eine sehr gut ausgestattete Bibliothek (erste Stiftungen wurden bereits 1963 in Aussicht gestellt), die es den Schülern ermöglichte, bei den Studientagen – wöchentlich fanden diese wohl leider nie statt – erste Erfahrungen tatsächlich wissenschaftlichen Arbeitens zu sammeln. Die Ausstattung der Schule wurde durch Zuwendungen Ehemaliger z. B. um eine Sternwarte und ein Bootshaus (mit Ruder- und Segelbooten) erweitert. Es wurden Gänseessen, Ecce-Feiern, Schulfeste veranstaltet. Ehemalige kamen zu Gast und begleiteten die Entwicklung der Schule. Die Archive der Ehemaligenvereine fan-

den in Meinerzhagen eine Heimstatt, wobei das 1978 gegründete Archiv des Pförtner Bundes in späteren Jahren durch die regelmäßige, am aktuellen Geschehen stets äußerst interessierte Anwesenheit seines Archivars Justus Weihe zu einer festen Größe in dem Komplex wurde. Dieser Schnelldurchgang durch den keinen Aufwand scheuenden, konsequent von der ersten Anregung bis zur Umsetzung verfolgten Idealismus einiger Weniger, der durch die ideelle Unterstützung Vieler tatsächlich die materielle Gestalt einer Schule annahm, führt eindrucksvoll vor Augen, dass Erinnerungen dahingehend aktiviert werden können, dass sie in die Zukunft weisen. Die Kraft der Idee und »eine gewisse Verwegenheit«, ohne die »selten eine große und schwierige Sache geglückt« sei (Fritz Brühl 1962 im Westdeutschen Rundfunk), ließ die in alle Entscheidungen eingebundenen Vertreter der drei alten Fürstenschulen sowie Joachimsthals vereint zusammenarbeiten. Der Alt-Afraner Wolfgang Schöne schrieb 1959 beispielsweise an Kuckuck, dass er durch die Vorarbeiten und Erfolge des Pförtner Bundes »bekehrt« worden sei und seine Skepsis gegenüber einer Schulneugründung im Westen abgelegt habe (er wurde dann 1962 stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Melanchthon-Stiftung). So fand das gemeinsame Werk

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mehr und mehr Unterstützer. Der Gefahr der Restauration war gerade dadurch gut zu begegnen, dass alle vier Schulen ihre je etwas verschiedenen Strukturen und Traditionen hatten. Die Evangelische Landesschule zur Pforte in Meinerzhagen existiert nicht mehr als Institution und als Gebäude. Das Archiv des Pförtner Bundes bewahrt jedoch in dem ihm eingegliederten »Illgen-Archiv« als geschlossene Einheit das, was materiell überlebte: Archivalien (Schriftstücke, Tonträger, Bilder, Fotos, Filme, Digitalisate und sonstige Gegenstände, die im Zusammenhang mit der Geschichte der ehemaligen Evangelischen Landesschule zur Pforte in Meinerzhagen, deren Lehrern, sonstigen Beschäftigten und Schülern stehen). Es wäre wünschenswert, wenn auf deren Grundlage einmal eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Bedeutung der Evangelischen Landesschule zur Pforte erfolgen würde. Welche Stellung kam ihr in der pädagogischen Landschaft der Bundesrepublik zu (man führe sich nur vor Augen, dass diese

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Schule ausgerechnet 1968 ihren Betrieb aufnahm!)? Welche Rolle spielte sie für die Ehemaligen, sich nach 1989 voller neuem Elan wieder ihren alten Schulen zuwenden zu können? Wurde die Gemeinschaft der Ehemaligen nicht gerade durch die Meinerzhagener Schule zusammengehalten? War es nicht auch die Meinerzhagener Erfahrung, die lehrte, die Schulen ihren je eigenen Weg gehen zu lassen, nicht restaurativ einzugreifen, sondern sich darauf verlassen zu können, dass die Traditionen – in neu zu findender Gestalt – ihre eigene Kraft entfalten würden, da sie durchaus gegenwartstauglich sind? Die Melanchthon-Stiftung besteht weiterhin und fördert Schüler der Landesschule Pforta, des Gymnasiums St. Augustin zu Grimma, des Sächsischen Landesgymnasiums St. Afra in Meißen und der Stiftisch von Witzleben’schen Klosterschule Roßleben. ANNE HULTSCH (AL. PORT. MEINERZ. 1990 – 1992)


Eröffnung der Landesschule Zur Pforte in Meinerzhagen Ein Bericht über das Ehemaligentreffen zum 50. Jahrestag am 29. und 30.9.2018

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Das Schulfestwochenende in der Meinerzhagener Landesschule war immer am letzten Septemberwochenende. An diesem traditionellen Wochenende finden jährlich die Treffen des AkeL e. V. (Arbeitskreis ehemaliger Landesschüler) statt. 2018 jährte sich die Eröffnung der Meinerzhagener Landesschule zum 50. Mal. Als einziger Treffpunkt bei sonst wechselnden Veranstaltungsorten kam hier Meinerzhagen in Frage und das Gemeindezentrum war bereits vor einem Jahr reserviert worden. Das Treffen wurde vor Ort maßgeblich organisiert von Dr. Viktoria Alberts. In der Organisation waren aber neben dem Vorstand noch viele weitere Personen beteiligt.

Schule gesät. In der Landeskirche in Westfalen wurde ein Träger gefunden, der das Geld und die Möglichkeiten hatte, ein Grundstück zu erwerben, ein Schul- und Internatsgebäude zu bauen und eine Schule zu etablieren. Die Grundsteinlegung fand 1965 statt. Etwa zeitgleich baute die Landeskirche auch das evangelische Gymnasium auf dem Bamberg, das viele sehr ähnliche Bauelemente unserer Landesschule aufweist.

Das Konzept

Zur Geschichte der Landesschule – Der Anfang

Das Konzept der Landesschule in Meinerzhagen wurde teilweise aus den Vorgängerschulen übernommen, teilweise aber auch neu konzipiert. Viele alte Fürsten- und Landesschüler haben damals ihren Wunsch nicht ideal umgesetzt gesehen. Dennoch fanden die Ehemaligenverbände alle eine neue Heimat in der Landesschule in Meinerzhagen. Das Konzept war damals und ist bis heute einmalig!

Mit der Teilung Deutschlands und dem Mauerbau 1961 war klar, das der Zugang zu den alten Fürstenschulen im Osten Deutschlands nicht mehr möglich war. Aus diesem Grund haben sich die ehemaligen Schüler der Internatsschulen St. Afra in Meißen, St. Augustin in Grimma, Schulpforta bei Naumburg und Joachimsthal in Templin vernetzt und den Gedanken einer neuen

Vertrauen in die Jugend war ein wesentlicher und aus Sicht von Pädagogen damals wie heute ein mutiger Grundpfeiler des Systems. Neben einem Rektor und einem weitgehend jungen Kollegium für die Schule für das junge humanistisch altsprachliche und naturwissenschaftliche Gymnasium musste das mutige Konzept Internatsschüler durch die Pubertät führen und auf das Leben vorbereiten.

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Dazu hatte ein Lehrer wochenweise wechselnd die Verantwortung für das Internat, der Hebdomadar. Ansonsten waren keine Erzieher oder Erwachsene im Internat. Nur die Quartaner hatten eine Erzieherin als direkte Ansprechpartnerin neben einem Team von 3 Obersekundanerinnen und Obersekundanern, den sogenannten Senioren. Innerhalb der 4 Internats­ teile waren die Unterprimaner für die Einhaltung des Tagesablaufes zuständig, die Präfekten. Dies fing mit dem Wecken an und endete mit der Überwachung der Zubettgehzeiten. Dazwischen lagen die Aufgaben im Vorleben und in der Überwachung der zwischenmenschlichen Regeln. Auch die Hausaufgabenbetreuung unterlag dem Präfekten. Wichtiger Bestandteil war die Auslotung der Grenzen auf allen Seiten. Neben menschlicher Stärke und Argumentationssicherheit wurden ein starkes soziales Verständnis und eine soziale Verantwortung und ein objektiver Gerechtigkeitssinn geschult. Daraus entstanden ist ein selbstlernendes System mit rein durch Schüler besetzten juristischen Gremien, mit Schülern und Lehrern paritätisch besetzten Gremien bei schwereren Vergehen und bei schweren Vergehen ein Gremium, das auch aus Schülern bestand. Das System hat sich in der Schulgeschichte leicht gewandelt,

war vom Prinzip aber ein grunddemokratisches System. Es war ein pädagogisch mutiges System, aber aus Sicht der meisten Schüler und – so glaube ich – auch aus Sicht der mit uns verbundenen älteren Generation der Eltern, Lehrer und Mitarbeiter sehr erfolgreiches System. Über die nur 28-jährige Schulgeschichte von 1968 – 1995 haben etwas über 1000 Schüler diese Schule besucht, im Durchschnitt 120 Schüler gleichzeitig. Manche Schüler blieben nur einen Tag und andere sogar 9 Jahre bei Führung nur 7 möglicher Klassen (Quarta bis Oberprima, 7 – 13).

Das Ende Die Landeskirche hat das Konzept der Schule, vielleicht auch den nie geäußerten »Elite«-Gedanken in den letzten Jahren des Bestehens abgelehnt. Der Beginn dieser Ablehnung kann auf Ende der 80er Jahre klar datiert werden. Der Fall der Mauer führte noch einmal zu einem kurzzeitigen Aufleben der Landesschule. Aber mit der Einführung eines erdrückenden Systems mit Erziehern und Aufnahme von Schülern mit sozialen und schulischen Problemen war das System nicht weiter selbsterhaltend. Die Demokratie kippte – die Anmeldungen blieben aus. Die Landeskirche entschied die Schließung der Schule und des Internats im Sommer 1991. Schu-

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lisch bestand eine Kooperation mit dem evangelischen Gymnasium am Bamberg seit 1989, diese wurde bei einem einheitlichen Schulträger weiter ausgebaut. Der letzte Schüler verließ 1995 das Internat – Clemens Garbe. Die verlassenen und zurückgelassenen Lehrer konnten auf dem Bamberg weiter unterrichten, manche hatten die Internatsschule bereits verlassen. Für viele Mitarbeiter war es eine fast die gesamte Arbeitspanne des Lebens füllende Zeit, bis zum Abschluss haben sie engagiert am Bamberg gelehrt bzw. in der Hauswirtschaft gearbeitet. Am Wochenende 29./30.9.2018 trafen sich ungefähr 110 ehemalige Schüler im Gemeindezentrum am Fuße des ehemaligen Landesschulgeländes. Die Johanneskirche war die Hauskirche des ehemaligen Internats. Das Internat war 2005 abgerissen worden. Im Gemeindehaus trafen sich die ehemaligen Schüler, Lehrer und Mitarbeiter. Begonnen wurde mit Kaffee, Tee und Kuchen. Die Wiedersehensfreude war bei bestem Herbstwetter groß. Zur Jahressitzung waren 60 Teilnehmer gekommen. Der Vorstand bestehend aus Oliver Linke, Martin Gerlach und Wolfgang v. Hänisch wurde entlastet und in seinem Amt für drei weitere Jahre bestätigt. In das Präsidium wurden neu gewählt Ulrike Soltau und Andreas Bieber. Es wurde dem Beirat als zusätzliche Aufgabe die

Planung der jährlichen Treffen zugeordnet. Gewählt wurden Gesa Winter, Doerthe Winter und Jan Lepnis. Das nächste Treffen wird in Erfurt am 28. und 29.9.2019 stattfinden. Nach der Sitzung wurde gemeinsam ein Gedenkstein zur Landesschule Zur Pforte in Meinerzhagen an der Johanneskirche enthüllt. Dabei handelt es sich um einen Findling, der mit einer Gedenkplatte versehen wurde. Der Text der Gedenkplatte ist ähnlich wie der am Grundstein der Meinerzhagener Schule, der sich in Schulpforta befindet. Es fand noch ein Gang auf dem Gelände des ehemaligen Gebäudes statt und hier wurde ein Grußplakat für den langjährigen Archivar und ehemaligen Lehrer Herrn Christoph Illgen entrollt, weil dieser nicht teilnehmen konnte wegen einer schweren Erkrankung, und mit einer Drohne fotografiert. Anschließend wurde im Gemeindezentrum bis nach Mitternacht zusammengesessen, gemeinsam gegessen und getrunken, viel geredet und gelacht. Über die verschiedenen Schülergenerationen hinweg kam es zu einem freudigen Austausch. Viele Ehemalige kamen zusätzlich nur für den Gesellschaftsabend. Musikalisch untermalt wurde der Abend von Auftritten ehemaliger Schüler und von Musik aus den 60er, 70er, 80er und 90er Jahren, der alten Schulzeit.

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Am Sonntagmorgen haben sich die ehemaligen Schüler, die ehemaligen Mitarbeiter, die Freunde der Schule und die Gemeindemitglieder zu einem gemeinsamen Gottesdienst getroffen. Die Predigt wurde von Wolf von Northeim gehalten, der ebenfalls ehemaliger Schüler der ersten Jahrgänge war. In einer sehr bewegenden Zeremonie wurde der 48 bekannten Verstorbenen gedacht. Für jeden Verstorbenen wurden Kerzen angezündet. Um den gesamten Kirchenraum wurde ein großer Kreis gebildet. Mit den Kerzen der Verstorbenen in der Mitte wurde gemeinsam das Abend-

mahl eingenommen. Dies war aus meiner Sicht einer der bewegendsten Momente des AkeL und vielleicht auch der Schule. Ausklingen konnten wir das schöne Wochenende bei einem gemeinsamen Mittagessen, bevor alle wieder nach Hause gefahren sind mit dem klaren Ziel 2019: Erfurt! Gerne sind auch Schüler und Ehemalige aus Schulpforta willkommen. DR. WOLFGANG VON HÄNISCH, VORSITZENDER DES AKEL E.V.

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Vom Pförtner Bund *  *  *


Bundesverdienstkreuz für Karl Büchsenschütz

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Der frühere Rektor Karl Büchsenschütz (rect. port. 1992 – 2005) hat das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten. Die Verleihung erfolgte am 12. November 2018 in der Staatskanzlei Magdeburg durch Ministerpräsident Reiner Haseloff. In der Laudatio wurden die herausragenden Verdienste des früheren Rektors um die Landesschule Pforta und die kulturelle Entwicklung im Burgenlandkreis hervorgehoben. Nach der Wiedervereinigung habe er die Landesschule wieder in sicheres Fahrwasser gebracht und sie über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Mit großem Engagement habe Büchsenschütz ferner seit 2008 die Arbeitsgruppe des

Fördervereins Welterbe an Saale und Unstrut geleitet und mit dazu beigetragen, dass der Naumburger Dom ins Welterbe der UNESCO aufgenommen worden sei. An der Feierstunde nahmen auch Lehrerinnen und Lehrer sowie Angestellte der Landesschule teil, ebenso der Vorsitzende des Pförtner Bundes e. V. Karl Büchsenschütz hatte zuvor Rektor Schödel ausdrücklich gebeten, das zeitgleich stattfindende Gänseessen der Schülerschaft nicht zu versäumen, so dass der Rektor später persönlich gratulierte. Eine weitere Würdigung des mit dem Bundesverdienstkreuz Geehrten erfolgte beim Rotary-Benefizkonzert am 30. Januar 2019 in der Aula der Landesschule Pforta.

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Verdienstorden für Siegfried Pank

Im Oktober 2018 erhielt unser Mitschüler, der Musiker Prof. Siegfried Pank (al. port. 48 – 52) den Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt. In seiner Laudatio würdigte Ministerpräsident Reiner Haseloff den Gambisten als »einen Diener der Kunst, der auf sympathische Weise für das Musikland Sachsen-Anhalt wirbt«. Mit großem Engagement widme er sich seit vielen Jahrzehnten der Musikpflege und habe auch als Initiator des Internationalen Viola da gamba Wettbewerbs und des TelemannWettbewerbs große Verdienste erworben, so Haseloff. Den Musiker charakterisierte der Ministerpräsident mit den Worten: »Sie verbinden große wissenschaftliche Kompetenz, Produktivität, rastloses Engagement für die musikalische Kunst und für das Gemeinwohl sowie die Identifikation mit der Heimatregion in überzeugender Weise. All diese Eigenschaften und Ihr fachkundiges Urteil werden ebenso geschätzt wie Ihr visionäres Handeln sowie Ihre menschliche Verlässlichkeit und Wärme.«

ment um das Kloster Michaelstein. Hier wurde er bereits zu DDR-Zeiten zum Brückenbauer, dem es gelang, Kontakte in die Bundesrepublik, nach Österreich und in die Schweiz aufzubauen, die der Arbeit am damaligen Institut für Aufführungspraxis nützlich waren. 1991 war Pank Gründungsmitglied der Internationalen Telemann-Gesellschaft und seit 2012 ist er ihr Präsident. Siegfried Pank wurde 1936 in Salzwedel geboren. Von 1948 bis 1952 besuchte er die heutige Landesschule Pforta. Er wurde als Hochschullehrer und als Musikerpersönlichkeit der »Alten Musik« weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Insbesondere als Meister an der Viola da gamba findet er international Beachtung.

Geehrt wurde Prof. Pank auch für sein großes ehrenamtliches Engage-

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Zum Tod von Hans Joachim Männig

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Als ich Anfang der 90er Jahre in den Vorstand des Pförtner Bundes gewählt wurde, fühlte sich das für mich als Mittzwanziger aus der früheren DDR an wie ein Wurf in kaltes Wasser. Nicht nur das Alter trennte mich von den gestandenen Herren der Runde, sondern auch Herkunft und Lebenserfahrung. Jochen Männig, geb. 1931, war einer der wenigen weiteren ostdeutschen Vertreter in diesem Gremium und fiel mit seiner Art auf: Ein zupackender Händedruck mit festem Blick in die Augen. Das Wort Kameradschaftlichkeit fällt mir ein. In meiner Erinnerung empfand ich diesen Blick und Händedruck als Frage: Bist Du aufrichtig und ein anständiger Kerl? Wenn ja, dann kannst Du Dich auf mich verlassen. Jochen war Diplomingenieur und in Bauangelegenheiten sachverständig. Seine Aufmerksamkeit galt vor allem den Baulichkeiten in Pforta. Er mahnte und insistierte, wo er schnelles Handeln für angebracht hielt. Sicherheit, Brandschutz und Sparsamkeit standen ganz oben auf seiner Agenda. Er, der Atheist aus Überzeugung, wollte die Totenleuchte auf dem Friedhof, als besonderes Kulturzeugnis der Saale-Mönche, gesichert wissen und engagierte sich bei einer ersten Restaurierung im Jahr 2001. Damals wurden unter fachlicher Auf-

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sicht der Denkmalbehörden Säuberungsarbeiten an der Außenhaut der Totenleuchte durchgeführt, Fugen gesichert, abhanden gekommenes Material ergänzt und das Innere des Bauwerks durch eine Bodenplatte ergänzt. Jochen waren diese Arbeiten Herzensangelegenheit. Erst am Grab mutmaßte seine Frau Christa, ob ihn dabei vielleicht auch das Thema der eigenen Endlichkeit und eine gewisse Sehnsucht nach Unendlichkeit bewegt haben könnten. Jochens Schulzeit in Pforta ist zweigeteilt. Er hat die Napola und den Neuanfang nach dem Kriege erlebt. Über die erste Zeit konnte er bis zur Wende wie viele andere ehemalige »Napolaner« kaum sprechen. Dabei stand er dem Nationalsozialismus mit dem Heranwachsen im östlichen Nachkriegsdeutschland – ganz auf der Linie des jungen Staates DDR – absolut ablehnend gegenüber. 1998 lud der damalige Rektor Büchsenschütz neben Ernst Wassermann (al. port. 35 – 40) auch Jochen Männig zu einem Gesprächsabend im Kleinen Festsaal ein. Zwei Männer mit gleicher Schulvergangenheit und danach grundverschiedenen Lebensläufen sollten Schülern berichten und Fragen beantworten. In meiner Erinnerung war Jochens Botschaft eindringlich. Sie klang wie DDRPropaganda-Jargon und war doch redlich und aus tiefstem Herzen ge-


sprochen: »Von Deutschland darf nie wieder Krieg aus gehen. Wir dürfen unsere Kinder nicht auf irgendein Schlachtfeld schicken. Frieden steht über allem.« Und dann: »Die friedliche Einheit Deutschlands ist unser größtes Glück.« Soweit meine Erinnerung an dieses Gespräch. Im Nachgang schrieb Jochen für »Die Pforte« als Fazit seiner Napola-Generation: »Das Erlebnis ›Schulpforta‹ in seinen positiven Prägungen zu bewahren und aus den Erlebnissen der verordneten Hinwendung zu einer verfehlten und verbrecherischen Ideologie seine eigenen Lehren für die Zukunft gezogen zu haben.« Nach dem Krieg führte Jochens Weg erneut nach Schulpforte, wo er den nicht minder spannenden Neubeginn miterleben konnte und 1949 das Abitur ablegte. In diese Zeit fällt auch ein Brand im Bereich des Keilturms, im Klausurtrakt, der nur durch Umsicht so rechtzeitig gelöscht werden konnte, dass kein größerer Schaden entstand. Jo-

chen Männig hat diese Schreckstunden miterlebt. Als nach umfassender Sanierung 2016 die Klausur wieder als Internat der Schülerschaft übergeben werden konnte, war es Jochen, der als Ehrengast vor der Westfassade der Kirche von seinen aufwühlenden Erlebnissen berichten konnte. Für ihn war bis zuletzt jeder Gedanke an seine Pforte, angesichts auch der baulichen Fortschritte, ein beglückender. Wir telefonierten noch im Jahr vor seinem Tod am 21. Juni 2017. Er sprach über seinen Wunsch, dass die Zuleitung von der Klopstockquelle zum Brunnen am Forum, also gegenüber dem Fürstenhaus, wiederhergerichtet werden sollte. Dieser Wunsch ist noch offen. Aber auch das hat Jochen in all seinen aktiven Jahren in Pforta erkennen müssen: Das Wasser der »Kleinen Saale« fließt manchmal träge. Aber es fließt! MATTHIAS HAASE

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Nachruf auf Peter Groeger

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Als ich vor 20 Jahren nach Schulpforte kam, war ich damit die dritte Generation unserer Familie, die bald diese Schule zur alma mater haben würde. Mein Großvater gab mir damals, teils im Ernst und teils im Scherz, zwei Aufträge. Hier das Abitur abzulegen, was den ersten beiden Generationen aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich war, und an meinen Großvater in der Ecce-Feier zu erinnern. Ersteres habe ich lieber erfüllt als Zweiteres. Und trotzdem war es mir sehr wichtig, in diesem Herbst für meinen Großvater nach Schulpforte zu reisen und dort in diesem besonderen Rahmen an sein Leben und Wirken zu erinnern.

Mein Großvater Peter Groeger wurde 1933 in Gröbzig bei Köthen in Sachsen-Anhalt geboren und wuchs in einer Kaufmannsfamilie auf, was vermutlich einen großen Einfluss auf sein späteres Arbeitsethos haben sollte. Von 1948 bis 1951 besuchte er die Landesschule, die er liebevoll seine »Penne« nannte. Ein herausragender Schüler war er nicht, denn er verbrachte seine Zeit nach eigener Aussage hauptsächlich mit Theaterund Schlagzeug spielen. Die Liebe zur darstellenden Kunst bzw. die Unlust auf das schulische Curriculum kosteten ihn schließlich auch sein Abitur. Er reiste während des laufenden Schuljahres mit seinem damals engen Freund Achim Freyer zum Zoo in Frankfurt, um sich dort als Safariassistent bei dem Tierfilmer Grzimek anzubieten. Der hat die beiden Schulschwänzer aber postwendend an die Landesschule zurückgeschickt, wo sie aber in der Zwischenzeit schon rausgeflogen waren. Noch im selben Jahr begann mein Großvater im ersten Jahrgang der neu gegründeten Staatlichen Schauspielschule Berlin, die später den Namen »Ernst Busch« verliehen bekam, sein Schauspielstudium. Vorgesprochen hatte er zuvor bei Brecht persönlich. Nach dem Studium folgten Regieassistenzen u.a. am Theater der Freundschaft und am Deutschen Theater in Berlin. Derart motiviert studierte er

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dann Regie am Moskauer Theaterinstitut GITIS. Wieder zurück in Berlin wechselte mein Großvater als Regisseur vom Theater in den Rundfunk. Bis zur Wende inszenierte er dort sehr erfolgreich Hörspieladaptionen internationaler Autoren, was seinerzeit »Internationale Funkdramatik« hieß. Gewürdigt wurde seine Arbeit u.a. mit dem Nationalpreis der DDR für »seine beispielhaften Inszenierungen, mit denen er Maßstäbe für die sozialistische Hörspielkunst setzt«. Trotzdem gab es durch die Darstellung gerade ausländischer Blickwinkel auch immer wieder Konflikte mit der politischen Zensur. Im Fernsehen war mein Großvater ebenfalls zu sehen. Am bekanntesten ist hier vermutlich die Serie »Das unsichtbare Visier«.

Die Wendejahre bedeuteten für meinen Großvater, wie für so viele andere Ostkünstler, eine Neuorientierung. Die Regiearbeit rückte etwas in den Hintergrund, die Arbeit als Synchronsprecher wurde häufiger. Zudem kamen Schauspiel- und Synchronrollen, die ihn für ein breiteres Publikum bekannt machten, aber vielleicht nicht immer zu 100 Prozent seinen inneren Künstler befriedigten. Besonders stolz war mein Großvater daher, als seine Hörspielinszenierung der Tagebücher Viktor Klemperers »Zeugnis ablegen« große Beachtung fand und u.a. mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde. Bei einem stetig wachsenden Publikum erreichte die Stimme meines Großvaters große Beliebtheit, als er diese u.a. dem Charakter Quark in

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der Fernsehserie »Deep Space Nine« oder Dr. Watson in der Hörspielreihe »Sherlock Holmes – Die neuen Fälle« lieh. Mein persönlicher Favorit waren allerdings immer seine »bösen Russen«. Im Jahr 2007 kehrte mein Großvater schließlich zurück auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Er schloss sich dem Ensemble des Berliner Kriminal Theaters an und überzeugte das Publikum in diversen Haupt- und Nebenrollen. Mit eiserner Disziplin stand er hierfür noch weniger als einen Monat vor seinem Tod trotz schwerer Krankheit auf der Bühne. Im Januar 2018 erlag mein Großvater einer schweren Erkrankung. Er hinterließ neben seinem künstlerischen Werk seine Ehefrau, seine Tochter, zwei Enkelinnen und drei Urenkel. Was er mir persönlich gegeben hat, ist ein Vorbild an Selbstdisziplin und Arbeitsmoral, das seinesgleichen sucht. Er war streng mit anderen und am strengsten wohl mit sich selbst. Und natürlich schenkte er mir die Pforte.

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Schließlich war es mein Großvater, der mich motiviert hat, mein Glück an dieser besonderen Schule zu versuchen. Dass Schulpforte für meinen Großvater viel bedeutet hat, wurde auch noch einmal deutlich, als ich ihn kurz vor seinem Tod zu seiner Pfortezeit interviewt habe. Hier sagte er: »Mein einziger Wille etwas zu leisten lag beim Theater. Und da hatte ich in Schulpforta natürlich ein Betätigungsfeld, das ich nirgendwo anders gehabt hätte. Und mit all diesen Rollen, die ich dort gespielt habe, bin ich nach dem Vorsprechen (an der Schauspielschule) in die Profiebene gerutscht. Und habe dann an der Busch-Schule studieren können […] Ohne Schulpforta wäre ein Typ wie ich in diesen Nachkriegswirren versandet. […] Schulpforta ist ein Bonus. Ob man den nutzt oder nicht, ist eine andere Frage.« MARIA JOANNA NIEMIEC (AL. PORT. 98 – 03 V.)


Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung

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Versammlungsort: Schulpforte, Kleiner Festsaal Zeit: 11.00–12.31 Uhr Versammlungsleiter: Matthias Haase Protokollantin: Anne Hultsch Anwesend: 47 stimmberechtigte Mitglieder des Pförtner Bundes e. V.

entnommen, die Sicht und authentischen Erfahrungen unterschiedlicher Generationen zusammengeführt oder begeisternde Orchestermusik genossen werden. Haase wird als Versammlungsleiter bestätigt und die Tagesordnung angenommen.

Die Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung erfolgte fristgerecht in Die Pforte. Schulpforta-Nachrichten Nr. 70, 2017.

TOP 1: Bericht des Vorsitzenden

Begrüßung Haase begrüßt die Anwesenden. Es wird an den am 22. Mai 2018 gestorbenen Minister a. D. Curt Becker (al. port. 48 – 53) erinnert, der sich in hohem Maße über viele Jahre um die Landesschule verdient gemacht und deren Entwicklung engagiert begleitet hat, und seiner in einer Gedenkminute gedacht.

Grußwort – Thomas Schödel – rector portensis Schödel dankt dem Pförtner Bund für die gewährte Unterstützung, die nicht nur finanzieller Natur ist, sondern u. a. auch in der von Haase betreuten Medienarbeit und in dem sich-aktiv-Einbringen Ehemaliger besteht. Dadurch können den sozialen Medien und der Presse kontinuierlich Informationen über die Landesschule Pforta

Die größte Herausforderung bestehe momentan in dem Wiederaufbau der zu Jahresbeginn vom Sturm zerstörten Totenleuchte, dessen Kosten mit 50.000 EUR veranschlagt sind. Da sich die Totenleuchte auf dem Schulgelände befindet, gehört sie zum Besitz des Landes, das sich nicht selbst fördern kann, mithin ist eine Finanzierung aus öffentlichen Fördermitteln nicht möglich. Dankenswerterweise sind bereits Spenden Ehemaliger in Höhe von ca. 5.000 EUR eingegangen, am 17. September 2018 findet ein Konzert im Rahmen der Reihe Grundton D des Deutschlandfunks in Schulpforte statt, dessen Einnahmen ebenfalls dem Denkmalschutz zugeführt werden, und es besteht Hoffnung auf anderweitige Förderung. Um das Vorhaben bis zum Herbst umsetzen zu können, hat der Vorstand in seiner letzten Sitzung den Beschluß gefasst, es großzügig zu unterstützen. Für das Jubiläums-Schulfest sind Mittel als Anschubfinanzierung zur

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Verfügung gestellt worden, die sicher nicht ausgeschöpft werden, weil Schüler in Begleitung einer Lehrerin sehr engagiert und kreativ Ideen entwickelt haben, wie sie Mittel einwerben können. (Weitere Förderprojekte können dem Handzettel zur Mitgliederversammlung entnommen werden.) Die Abiturienten treten komplett dem Pförtner Bund bei, was ihre Verbundenheit zeige (s. Altersstruktur auf dem Handzettel). Von dem Buch Wendejahre. Schulpforte 1985 – 1995, das den Vorsitzenden im vergangenen Jahr viel Zeit gekostet hat, haben sich seit seinem Erscheinen vor einer Woche bereits 90 Exemplare verkauft. Die Zahl der Gänseessen, die sehr unterschiedliche Formen aufweisen, nimmt rapide zu. Die Finanzsituation des Pförtner Bundes ist solide (s. TOP 2). – Es ergeht ein herzlicher Dank an alle Spender! Die Unterstiftung Pförtner-BundStiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz soll nach Beschluss des Vorstandes zunächst beibehalten werden. Für ihre sinnvolle Arbeit müsste das Kapital jedoch erhöht werden. Um Zustiftungen wird gebeten.

Als wesentliche Aufgaben für die nächsten zwei Amtsjahre nennt der Vorsitzende a) die Begleitung der zu erwartenden Veränderungen auf dem Schul- und Stiftungsgelände (Ansiedlung des Landesweinguts, Her-/Einrichtung des Museums Portaneum) und b) Werbung für die Schule zu machen. Jeder, der vor Ort ist, zeigt sich begeistert von dessen gesamter Atmosphäre, es gelte also vor allem, die Menschen hinzulocken, damit sie diese Begeisterung selbst verspüren können. Desweiteren hat die Schatzmeisterin angekündigt, bei der nächsten Vorstandswahl nicht wieder zu kandidieren, so dass bis dahin ihre Nachfolge geklärt werden muß (Interessierte dürfen sich gerne melden!).

TOP 2: Bericht der Schatzmeisterin In Die Pforte Nr. 70, 2017 befindet sich die Haushaltsrechnung für das Jahr 2016. Der Jahresabschluß für 2017 liegt ebenfalls bereits vor und erscheint in Die Pforte Nr. 71, 2018. Der Freistellungsbescheid, der sich neben der Förderung von Bildung/Erziehung auf die Bereiche Denkmalschutz/-pflege bezieht, ist erteilt. Die Einnahmen (aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden) lagen 2016 bei knapp 40.000 EUR, 2107 bei knapp 32.000 EUR. Der ausführliche Bericht liegt als gesonderte Anlage vor.

76 | Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung


Es wird allen Spendern, von denen einige exemplarisch namentlich erwähnt werden, gedankt, die durch Einzel- oder Sammelspenden die Arbeit des Pförtner Bundes unterstützen. Ausgewählte Projekte werden genannt (vgl. Handzettel), die durch den Pförtner Bund finanziert werden konnten. Herzlicher Dank an Rektor, Vorstandskollegen, Prokurator der Stiftung für die gute Zusammenarbeit.

TOP 3: Berichte der Rechnungsprüferinnen für die Haushaltsrechnungen 2016 und 2017 Die Prüfung erfolgte durch Kerstin Hoffmann und Hans-Peter Spengler. Letztgenannter verliest die Kassenprüfberichte, in welchen die ordnungsgemäße Kassenführung bestätigt wird. Alle Einnahmen und Ausgaben sind sachlich gerechtfertigt, korrekt belegt und satzungsgemäß eingesetzt worden. Ein geringfügiges Anlagevermögen (u. a. ein Cembalo, eine Münzsammlung), das die Bücher noch ausweisen, wird demnächst dadurch aufgelöst, dass es dokumentiert an die Schule übergeben wird. Rücklagen wurden gebildet und werden ordnungsgemäß gepflegt. Die Berichte über die Kassenprüfungen liegen als gesonderte Anlage vor.

TOP 4: Entlastung des Vorstandes und der Rechnungsprüferinnen Die Entlastung erfolgt bei 39 JaStimmen, keinen Gegenstimmen und 3 Enthaltungen. Die Kassenprüfer werden ohne Gegenstimmen wiedergewählt.

TOP 5: Bericht des Archivars Fichtner zieht die Bilanz seiner Amtszeit, denn er hat sich aus persönlichen Gründen entschieden, sein Amt niederzulegen. Er hat das Archiv 1994 von Justus Weihe übernommen. Zu dieser Zeit bestand es aus fünf Schränken, die in dem Gebäude Schulstr. 24 untergebracht wurden. Mit der Errichtung des Zentrums Pförtner Bund im Neugotischen Haus fand 2007 der Umzug an den heutigen Standort statt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt umfasst es einschließlich des Illgen-Archivs der Meinerzhagener Bestände 23 Schränke. Alles Material ab 1926 und davor wurde katalogisiert und eingeordnet. In seiner Arbeit haben ihn besonders U. Schiller, Seifart, Heimbürge, Sommer und Mücke unterstützt. Eigene Schriften wurden abgeliefert von Seite, Berger, Seifart, Heimbürge. Kontakte bestehen nach Salem, Maulbronn und in die Schweiz. Er habe 4 Prokuratoren, 5 Rektoren sowie seiner Frau und Tochter zu danken. Die Übergabe werde in den nächsten Wochen erfolgen.

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TOP 6: Verabschiedung und Würdigung des Archivars Haase betont, dass sich Fichtner zwar vom Amt, nicht jedoch von Schulpforte verabschiede. Das Archiv spiegle aufgrund der in es aufgenommenen Meinerzhagener Archivalien ein Stück Teilungsgeschichte. Als Ausdruck des Danks werden Fichtner Blumen und die Medaille Moritz von Sachsens mit einer Namensgravur auf der Rückseite überreicht. Zur Nachfolgerin Fichtners wird Mücke ernannt, die bereits Mitglied im Vorstand des Pförtner Bundes ist, so dass keine Zuwahl erforderlich ist.

TOP 7: Verschiedenes Appell Haases, keine Daten an Dritte weiterzugeben, sondern diese nur für die satzungsgemäßen Zwecke zu verwenden, denen die Mitglieder zugestimmt haben. Es gibt Wortmeldungen, mit denen a) Grüße von mag. port. Hädecke übermittelt werden; b) nach der Zusammensetzung der Gästeliste für den Festakt anlässlich des 475. Gründungsjubiläums der Schule gefragt wird: dies lag in Händen der Schule und mußte die räumliche Kapazität der Kirche berücksich-

tigen, neben Schülern und Personal handelte es sich v. a. um Personen des öffentlichen Lebens; c) Beispiele für private Werbemaßnahmen für die Schule zur Nachahmung empfohlen werden, denn in Westdeutschland sei die Schule wenig bekannt: Verteilung der Flyer bspw. im Zug, begeistertes Informieren, außerdem werden die Aufgaben der Stiftung Schulfporta (z.B. durch gezielte Angebote für Siebtklässler) immer wichtiger für die Werbung sowie die Ausstrahlung und Identifizierung der Lehrer mit der Schule; d) nach dem Umgang mit Zahlungssäumigen gefragt wird: sie werden, sofern ihre Adresse aktuell ist, – meist erfolgreich – gemahnt, das Problem stellen diejenigen dar, zu denen der Kontakt verloren gegangen ist; e) nach der Pressestrategie gefragt wird: Anzeigen in überregionalen Zeitungen sind erfahrungsgemäß unverhältnismäßig teuer und ohne nachweisbare Wirkung, denn nach wie vor rekrutieren sich die meisten Bewerber aus dem Kreis von Verwandten/Bekannten ehemaliger Schüler. Dresden, am 28. Mai 2018 gez. Hultsch – Schriftführerin – gez. Haase – Vorsitzender –

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Rückblick auf die Altschülertreffen in Berlin

V

Von 2004 bis 2017 konnte ich zu den Altschülertreffen in Berlin einladen. Vorher hat das Dr. Günter Feyerabend getan und ab 2018 hat es Sieghard Metzner übernommen. Ich habe für die Veranstaltungen immer einen Aufhänger gesucht. So gab es nicht nur Informationen, Gespräche und Erinnerungsaustausch, sondern im Frühjahr Besuche in Museen, von neuen Ausstellungen oder Orten, zu denen man nicht alltäglich geht. Wir hatten z. B. Besuche und Vorträge in der Sternwarte Treptow, im Luftwaffenmuseum, im Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt sowie in der Porzellanmanufaktur KPM.

informiert. Die Rektoren Westermeyer und Schödel haben dem Berliner Kreis ihre jeweiligen Vorstellungen von der Schule vorgestellt, als sie gerade neu in ihrem Amt waren.

Zum Martinitreffen – über viele Jahre im Hotel Holiday Inn am Gesundbrunnen – passten Vorträge. So gab es 2006 Informationen zur Schlacht von Jena und Auerstedt oder 2013 zu der von Leipzig. »Die Gräber von Eulau« (bei Goseck gelegen) brachte uns Ursprünge der Heimatgegend näher. Als Voreinstimmung auf das Lutherjahr 2017 referierte ein Insider aus Wittenberg. Zur »Napola Pforta« haben wir 2017 von einer Dozentin aus Cambridge eine interessante Sicht von außerhalb gehört. In Vorbereitung auf das Weltkulturerbe von Naumburg sprach Rektor em. Büchsenschütz.

Bei den Frühjahrstreffen haben sich immer um die 60 Interessenten zusammengefunden, während wir bei einem Herbsttreffen den Rekord von 100 Beteiligten hatten.

Zu aktuellen Themen von Pforta haben die Prokuratoren Keller und Reiche und die Bibliothekarin Mücke

Als jährliches, drittes Treffen habe ich den Schlössertag ab 2004 eingeführt. Ich selbst wollte gern bei den Führungen etwas von den Schlössern in Berlins Umgebung kennenlernen. Anfang Januar – nach den Feiertagen – schien eine günstige Zeit zu sein. Das Vorhaben wurde gut angenommen. Die Teilnehmerzahl hat sich dann bei gut 40 eingepegelt, was meistens zwei Führungen bedeutete.

2003 ist es uns gelungen, den Schulchor mit mehreren Auftritten nach Berlin zu holen. Die Schüler konnten wir bei Gasteltern unterbringen. Diese Übernachtungsmöglichkeit mündete dann von 2003 bis 2008 in die »Studienorientierung«. Als besondere Veranstaltung haben wir die Schüler der 11. Klassen zum Schuljahresende eingeladen. Ich habe Studenten gesucht und gefunden, die die Interessenten aus Pforta mit in ihre Hochschulveranstaltungen genommen haben. Mit der Übernachtung

Rückblick auf die Altschülertreffen in Berlin | 79


bei Altschülern, die jedes Jahr neu gefunden werden mussten, gab es für die Schüler zusätzlich Informationen vom »alten Pforta«. »Dankeschönabende« gemeinsam für Gasteltern und beteiligte Studenten haben besondere Bindungen aufgebaut. Ein Höhepunkt in den 14 Jahren war 2011 eine Aufführung vom Pfortenser Schülertheater in Berlin. Das Stück »Katzenmord« hat die Abiturientin Lisa Hartke geschrieben, die auch Regie führte. Es ging um ein Jugendthema in Gymnasium und Internat, was ich nach beeindruckender Aufführung zum Schulfest in Pforta dem Berliner Kreis empfahl. Es bedurfte aber eines ganz außergewöhnlichen Organisationsaufwandes: Im »GalliTheater«, einer kleinen Bühne in der Oranienburger Straße, konnten die Schüler schließlich auftreten. Im Berliner Kreis waren Altschüler und Stu-

denten von Pforta zu finden und für den Besuch der Aufführung zu motivieren. Ein Buffet und Getränke habe ich organisiert. So hatten wir mit fast 80 Teilnehmern einen erfolgreichen Theaterabend. Mein Hobby hat mich bei mindestens sechs Pfortensern aus unserem Kreis mit Bauarbeiten aktiv tätig werden lassen. Eine deutlich größere Zahl konnte ich besuchen oder mich mit ihnen zum Meinungsaustausch privat treffen. So sind außer den Absprachen zur Gastelternschaft und zu den »Studentenführungen« engere Kontakte unter den Altschülern entstanden. Es gab zu allen Treffen gute Beteiligungen und anerkennende Rückmeldungen.

80 | Rückblick auf die Altschülertreffen in Berlin

HELMUT HEIMBÜRGE (AL. PORT. 55 – 57 V.)


Ecce 2018 Ehrhardt Arndt * 25.11.1942   † 30.1.2018 (al. port. 56 – 60 v.) Curt Martin Becker Jurist, Oberbürgermeister Naumburg, Justizminister Sachsen-Anhalt, Kuratoriumsmitglied der Stiftung Schulpforta * 19.6.1936   † 22.5.2018 (al. port. 48 – 53 v.) MDP Dr. Rembert Behrendt Jurist, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium SachsenAnhalt 1994 – 1998 * 9.7.1937   † 15.2.2018 (al. port. 46 – 54 v.) Ingeborg Böhm, geb. Holzapfel * 15.9.1942   † 4.2.2018 (al. port. 57 – 60) Horst Dikomey Dipl.-Ing. Elektrotechnik * 7.2.1938   † 6.12.2017 (al. port. 52 – 56 v.) MDP Käte Fischer, geb. Funke Ehefrau von Erich Fischer (mag. port. 1958 – 1988), Küchenhelferin in Pforta 1958 bis ca. 1963 * 11.10.1925   † 4.11.2018

Peter Groeger Schauspieler, Regisseur und Synchronsprecher * 1.6.1933   † 16.1.2018 (al. port. 49 – 51) Fritz Hacker Verwaltungsangestellter * 26.9.1913   † 29.7.2018 (al. port. 29 – 34 v.) MDP Günter Helmrich Lehrer * 14.3.1938   † 6.1.2018 (al. port. 50 – 51) Franz Ilausky Sanitätsrat, Facharzt für Allgemeinmedizin * 3.10.1939   † 5.7.2015 (al. port. 53 – 57 v.) Dr. med. Peter Kaulfersch Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe * 26.5.1941   † 14.10.2018 (al. port. 55 – 59 v.) Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Eberhard Klitzsch Geologe * 18.8.1933   † †20.9.2018 (al. port. 44 – 45 und 46 – 48) MDP

Ecce 2018 | 81


Ilse Sophie Kohler, geb. Sauer Erzieherin * 18.3.1949   † 10.9.2015 (al. port. 63 – 67 v.)

Ulrich Piehler Lehrer * 14.1.1950   † 23.5.2018 (al. port. 64 – 68 v.)

Hans Joachim Männig Dipl. Ing., Vorstandsmitglied des Pförtner Bundes * 25.6.1931   † 21.6.2018 (al. port. 42 – 45 und 45 – 49 v.) MDP

Dr. Denis Pondorf Dipl. Informatiker * 1.9.1976   † 1.2.2018 (al. port. 94 – 95 v.) MDP

Dr. Andreas Metzner Mediziner * 1.12.1960   † 25.9.2018 (al. port. 75 – 79 v.) MDP Heinz Mußbach Oberlehrer * 8.11.1926   † 10.12.2017 (al. port. 37 – 44) MDP Günter Nebe Oberlandeskirchenrat * 24.2.1931   † 12.11.2018 (al. port. 48 – 49 v.) MDP Hans Nöll * 1.12.1927   † 24.2.2018 (al. port. 39 – 45)

82 | Ecce 2018

Hermann Karl Christoph Reymann Oberstleutnant a. D. * 15.5.1914   † 22.7.2018 (al. port. 27 – 28) Arnold Runschke Dipl. Ing. * 28.4.1934   † 25.1.2018 (al. port. 47 – 50) MDP Udo Schlegel * 26.6.1931   † 3.12.2017 (al. port. 42 – 43) Helmut Schmidt Lehrer * 5.12.1938   † 21.11.2017 (al. port. 53 – 57 v.)


Marvin Stage * 27.11.2001   † 26.11.2017 (al. port. 2015 – 2017) Manfred Stahl Lehrer * 27.4.1944   † 21.9.2017 (al. port. 58 – 62 v.) Heinz Winkler * 30.9.1927   † 24.12.2017 (al. port. 38 – 41) Dr. Ekkehard Wirth-Steinbrück Lehrer * 15.2.1950   † 15.2.2018 (mag. port. 1991 – 2001) Horst Zweigler Diplomkaufmann * 8.6.1934   † 6.10.2018 (al. port. 48 – 53 v.) MDP Astrid Reddemann, geb. Messerschmidt Lehrerin * 23.1.1957   † 26.4.2016 (mag. port. 1999 – 2002)

Ecce 2018 | 83


Gänseessen IN BAD HOMBURG

IN HEIDELBERG

Wir trafen uns am 17.11. in Bad Homburg und besuchten zunächst ein Klavierkonzert in der Englischen Kirche mit Werken von Beethoven und Tschaikowski. Boris Lewantowitsch – ein russischer Pianist – verzauberte mit seinem grandiosen Spiel und vielen Zugaben. Anschließend trafen wir uns mit den Dazugekommenen im Restaurant »Zur Traube« und verlebten dort einen sehr netten Abend bei köstlichen Speisen und Getränken nach Wahl. Natürlich war unser AltAfraner Professor Lutz wieder dabei und auch die Ehefrau von unserem leider verstorbenen Rembert Behrend war meiner Einladung gefolgt und fühlte sich wohl in unserem Kreis. Der Jüngste in der Runde hatte gerade Abitur gemacht, unsere Studenten berichteten von den Fortschritten in ihrer Ausbildung. Es wurde über Physik, Polizeiarbeit, Wirtschaft, Medizin und ein bisschen Politik gesprochen, auch der Schulalltag von Pforte früher und jetzt kam nicht zu kurz. Unser Kreis verjüngt sich zusehends und die Zeit verging viel zu schnell. Alle freuen sich auf’s nächste Treffen, und ich denke, dass dann vielleicht auch Ehemalige aus Wiesbaden und Mainz dazukommen werden. Erste Anmeldungen liegen schon vor.

Nachdem wir im letzten Jahr die Tradition des Gänseessens auch in Heidelberg wiederbelebt hatten, haben wir auch im Jahr 2018 wieder einen Ehemaligen-Abend für alle Pfortenser aus dem Südwesten organisiert. In guter Manier bei Gans und Klößen kamen zu diesem Anlass ehemalige Schülerinnen und Schüler allen Alters und von überall zusammen: Vertreten waren die Jahrgänge v. 1956 bis v. 2016 und so war es ein wirklich spannender und unterhaltsamer Abend. Wir hatten das Glück, einen Weinkeller zur Verfügung zu haben, in dem wir bis in den späten Abend hinein beisammen sein konnten. Auch geographisch waren wir sehr bunt durchmischt, kamen zwar die meisten Pfortenser aus Heidelberg und Mannheim, aber auch Frankfurt, Stuttgart, Freiburg, München und sogar Jena waren vertreten. Schon jetzt sei angekündigt, dass auch für November 2019 wieder ein Gänseessen geplant ist, wir aber bis dahin noch viele weitere Gelegenheiten nutzen wollen, uns im pfortensischen Kreis im Rhein-NeckarGebiet zu treffen.

SIBYLLE FINK (55 – 59 V.)

84 | Gänseessen

DIETRICH HAUSSECKER & MAXIMILIAN BÖCK


IN LEIPZIG

IN DRESDEN

Zum zweiten Mal trafen sich die Leipziger Pfortenser zum traditionellen Gänseessen am 11.11.2018. In der Gaststätte »Kollektiv« versammelten sich etwa 30 Ehemalige ganz unterschiedlicher Jahrgänge. Zahlreich vertreten war der aktuelle Abiturjahrgang von 2018, unser ältester Teilnehmer machte bereits 1955 Abitur an der Landesschule. Es fanden sich schnell kleine Gruppen mit Teilnehmern aus ähnlichen Abiturjahrgängen, welche zu regen Unterhaltungen führten. Bei unterschiedlichen Gerichten verbrachten wir gemeinsam einen sehr netten Abend und freuen uns schon auf ein neues Treffen 2019.

Wie in der letzten Ausgabe der Pforte schon angekündigt, sollte es beim traditionellen Rahmenprogramm des Dresdner Pförtnerabends in 2018 hoch hinausgehen. Am 9. November trafen wir uns in der auf den Hügeln über Radebeul gelegenen Volkssternwarte, wo wir eine Vorstellung im Zeiss-Planetarium über den aktuellen Sternenhimmel, die Entwicklung der astronomischen Beobachtungstechnik bis hin zu schwarzen Löchern und Co. bekamen. Und sogar ein kurzer Einblick in das Observatorium der Sternwarte war zum Freitagnachmittag noch drin. Die Kuppel kam uns sogar kleiner vor als die der Sternwarte in Pforta. Anschließend fanden wir uns in einer Gaststätte in Altkötzschenbroda zu Gans und Wein ein, erfreut viele neue Gesichter begrüßen zu können. In gemütlicher Runde gab es wieder viel über Pforta zu erzählen, darunter auch Erlebnisse von der Pfortenser Sternwarte. Im Dezember traf sich noch einmal eine kleine Gruppe zu einem Besuch auf dem Striezelmarkt. Für das Martini-Gänseessen 2019 kann schon mal der 15. November vorgemerkt werden. Beim Rahmenprogramm kann ich schon so viel verraten – es wird beklemmend. PATRICK SOFF (AL. PORT. 92 – 96 V.)

Gänseessen | 85


G채nseessen 체berall

86 | G채nseessen 체berall


Klassentreffen 12B2/1956

N

Nach acht Jahren hatte uns unser Klassenkamerad Karlheinz Steppan wieder in seine schöne Heimat in Friedrichshafen eingeladen – vom 11. bis 13. September 2018. Trafen sich beim ersten Treffen am Bodensee im Jahr 2010 zehn Pfortenser so waren es dieses Mal sieben, fünf von ihnen mit ihren Partnern. Wenn man bedenkt, dass wir das Abitur vor mehr als 62 Jahren absolviert haben, alle von uns das 8. Lebensjahrzehnt erreicht oder schon überschritten haben und das Reiseziel am südlichen Ende der Republik gelegen ist, kann man auf eine solche Beteiligung stolz sein. Gekommen waren: Angelika und Dieter Bartsch, Alfred Dell mit seiner Lebenspartnerin Dorothee, Christine und Adolf Koschitzki, Kurt Kretzschmar, Edith und Horst Neumann, Helga und Klaus Völlger, Karsten Schröder – ein Mitschüler der damaligen C-Klasse, der schon an vielen Treffen unserer Klasse teilgenommen hat – und unser Gastgeber Karlheinz Steppan mit seiner Lebenspartnerin Gudrun. Beim ersten gemeinsamen Abendessen wurde gegenseitig darüber berichtet, was man so seit dem letzten Treffen vor zwei Jahren in Schulpforte zum Diamantenen Abitur erlebt und erlitten hat. Ausgetauscht wurden

Neuigkeiten aus der Pforte, vor allem vom Schulfest zum 475. Bestehen unserer Schule – an dem auch eine große Zahl unserer Klassenkameraden teilgenommen hatte – und Informationen über die Freunde, die zu unserem Treffen diesmal nicht anreisen konnten. Nach dem Frühstück wurde am Donnerstag das obligate Gruppenfoto aufgenommen. Danach erkundeten die Teilnehmer unseres Treffens in eigener Regie neue Ziele in der Umgebung oder besuchten Orte die ihnen beim vorigen Treffen liebgeworden waren. Nachdem die Ersten am Nachmittag abgereist waren gab es dann am Freitag nach dem Frühstück den endgültigen Abschied vom schönen Bodensee mit einem herzlichen Dank an die Gastgeber. Über ein nächstes Klassentreffen gab es dieses Mal keine Entscheidung, darüber soll beim Besuch des nächsten Schulfestes beraten werden. Unser fester Vorsatz: Wir wollen uns in drei Jahren ganz bestimmt zur Feier des Eisernen Abiturs in der Pforte wiedersehen! ALFRED DELL (AL. PORT. 52 – 56 V.) HORST NEUMANN (AL. PORT. 53 – 56 V.)

Klassentreffen 12B2/1956 | 87


Tabula Gratulatoria Vorname Wolf-Dietrich Heinrich Heinrich Ilse

Name Bindemann Zander Heitmann Hossfeld

Rose

Drechsler

Christian Erika

Hübener Wallat

Klausjürgen

Miersch

Werner Klaus-Herbert Erika

Heilemann Hildebrand Zinck, geb. Klose

Werner Peter Rainer Helmut Klaus-Dieter Hans Manfred Friedemann Friedrich

Leich Vollrath Wohlfeil Pilch Hahne Hipp Hiese Gottschick Gabert

Friedrich Henry Edelgard

Lochner Thiele Schröder, geb. Düffort

Georg Hartmut

Wohlfeil Kraffczyk-Krahn

88 | Tabula Gratulatoria

Pforta 32 – 36 33 – 39 v. 34 – 35 W Volker H. (27 – 34 v.) W KarlHeinz D. (25 – 32 v.) 33 – 34 W.Berthold W. (33 – 37) grim. 38 – 43/48 45 – 47 v. 37 – 44 W Adolf Zinck (36 – 39 v.) 37 – 39 37 – 45 38 – 45 v. 41 – 45 38 – 45 38 – 45 46 – 47 v. mag. port. 50 – 53 und 55 – 57 39 – 45 39 – 44 W Robert Schr. (46 – 48) 38 – 45 48 – 49 v.

MDP

MDP MDP

Geburtstag 29.03.19 5.02.21 11.07.21 27.08.21

MDP

16.10.21

98

MDP

13.12.21 21.09.24

98 95

MDP

27.08.25

94

30.8.26 11.08.26 2.10.26

93 93 93

31.01.27 21.02.27 27.04.27 21.09.27 9.10.27 5.02.28 7.03.28 30.03.28 21.04.28

92 92 92 92 92 91 91 91 91

1.07.28 12.07.28 23.11.28

91 91 91

21.01.29 25.01.29

90 90

MDP

MDP

MDP

MDP

Alter 100 98 98 98


Vorname Oskar Otto Hannes Hans-Curt Justus Sigismund Wolfgang Jochen Christoph Malte

Name Schmidt Ther von Pannwitz Müller-Hofstede Conrad Conrad Kreyssig Polster von Bargen

Klaus Günter Klaus-Dieter Wilhelm Klaus-Dieter Klaus-Peter

Abramowski Feyerabend Scharfenberg Joppich Fichtner Person

Martin Karlheinz Reiner Robert-Martin Herbert Ehrhardt Manfred

Dürr Eichhorn Kamprath Südmeyer Backert Wichmann Simon

Herbert Wolfgang Paul Georg Achim Johannes Anita

Zander Engelmann Bieber Richter Freyer Meinel Krause, geb. Hussel Uhde, geb. Stadelmann Müller-Römer

Hannelore Dietrich

Pforta 39 – 40 39 – 45 Roßleben 45 – 47 v. 41 – 45 41 – 45 45 – 50 v. 45 – 48 v. F Werner v.B. (11 – 16 v.) 47 – 49 41 – 49 v. v. 46 – 47 v. 46 – 48 v. F Kurt Person (rec. 35 – 45) 46 – 48 v. 45 – 47 v. 40 – 45 40 – 45 52 – 53 v. 47 – 50 mag. port. 57 – 59 mag. 57 – 91 45 – 51 49 – 52 47 – 52 46 – 49 46 – 52 v. 49 – 52 v.

MDP

MDP

Geburtstag 1.02.29 11.04.29 22.04.29 9.05.29 22.05.29 22.05.29 2.07.29 14.07.29 7.08.29

MDP MDP MDP MDP MDP

26.08.29 27.08.29 14.09.29 27.09.29 8.10.29 17.11.29

90 90 90 90 90 90

9.12.29 15.12.29 20.12.29 25.12.29 23.01.34 27.01.34 30.01.34

90 90 90 90 85 85 85

10.2.34 26.02.34 27.02.34 19.03.34 30.03.34 14.04.34 15.04.34

85 85 85 85 85 85 85

17.04.34

85

1.05.34

85

MDP MDP MDP MDP

MDP MDP MDP

MDP

MDP MDP

52 – 53 v. 46 – 52 v.

MDP

Alter 90 90 90 90 90 90 90 90 90

Tabula Gratulatoria | 89


Vorname Hans Thomas Herbert Heiner Manfred Jürgen Karlheinz Helmuth Ernst Traugott Dietrich Hans-Joachim Hannelore Horst Erhard Dorothea Hans-Jürgen Peter Gertrud Ruth Walter Klaus-Dieter Klaus Achim Edith Lothar Gerd Günter Gudrun Rolf Arno Dieter Joachim

Name Schubert Mulert Simmich Am Wege Strümpfel Pfeiffer Klimt Ludewig Schultze-Rhonhof Eberhard Kaulbach Becher Fichtner Haber Seydel Lorenz, geb. Marx Rieseweber Hielscher Zimpfer Diekow, geb. Steller Wöller Weigert Rietschel Putze Donath, geb. Watzka Sitzmann Köppel Steckbauer Bohley, geb Niehle Hartleben Rothe Zimmermann Sauer

90 | Tabula Gratulatoria

Pforta 49 – 52 v. 46 – 49 52 – 53 v. 48 – 50 (mag 58 – 67) 46 – 52 v. 49 – 52 v. 45 – 51 v. 46 – 47 46 – 52 v. 52 – 53 v. 49 – 52 v. 47 – 47 – 52 – 50 – 52 – 49  – 49 –

53 53 53 52 53 50 52

45 54 50 53 53

– – – – –

52 58 57 57 57

v. v. v. v.

53 53 53 53 53 53 46 53

– – – – – – – –

57 55 57 57 57 57 52 57

v. v. v. v. v. v.

MDP

MDP MDP MDP MDP

v. v. v. v. MDP v.

v.

MDP

MDP

MDP MDP MDP MDP

Geburtstag 11.05.34 13.05.34 18.05.34 24.05.34 25.05.34 25.05.34 26.05.34 20.6.34 14.06.34 16.06.34 1.08.34 1.08.34 3.08.34 7.10.34 3.110.34 16.11.34 20.11.34 3.12.34 5.12.34 14.12.34

Alter 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85

15.12.34 23.01.39 31.01.39 21.02.39 11.04.39

85 80 80 80 80

25.04.39 2.05.39 8.05.39 11.05.39 11.05.39 13.05.39 25.05.39 8.06.39

80 80 80 80 80 80 80 80


Vorname Dieter Heide Renate Gisela Hans-Walter Siegrid Gudrun Lothar Carla Juliane Albrecht Klaus Horst Werner Manfred Irmtraud Günther Erika Jürgen Ilse Christel Karin Jost Horst Ingrid Heidrun Karl Peter Lutz

Name Köhler Bretschneider Robinski, geb. Rehländer Burkhardt, geb. Dettmar Radtke Siebahn, geb. Ludewig Stüber Rudolph Grabow, geb. Dix Schwerdtfeger Fickweiler Schulze Schmidt Burisch Wolfram Meyer, geb. Willemer Schmidt Burmeister, geb. Schirmer Land Freund, geb. Wasner Janda Lehrke Pasternack Mandt Hartmann Meißner, geb. Haedicke Malling Ludwig

Pforta 53 – 55 v. 54 – 58 v. 54 – 58 v.

MDP

Geburtstag 12.06.39 14.06.39 15.06.39

53 – 58 v.

MDP

29.06.39

80

MDP

30.06.39 8.07.39

80 80

30.07.39 16.08.39 20.08.39 5.09.39 12.09.39 14.09.39 19.09.39 26.09.39 6.10.39 16.10.39

80 80 80 80 80 80 80 80 80 80

22.10.39 22.11.39

80 80

54 – 59 v. 55 – 59 v.

27.11.39 29.11.39

80 80

54 – 58 v. W. Joachim MDP L. (55 – 57 v.) 59 – 63 v. 58 – 62 v. 58 – 62 v. 58 – 62 v. MDP

18.12.39 28.12.39

80 80

1.01.44 5.01.44 6.01.44 24.01.44

75 75 75 75

58 – 62 v. 58 – 62 v.

5.02.44 17.02.44

75 75

53 – 57 v. 53 – 57 v. 53 53 53 53 53 53 53 53 54

– – – – – – – – –

57 57 57 55 57 57 57 57 59

v. v. v. v. v. v. v. v. v.

MDP MDP MDP MDP

MDP 54 – 58 v. 54 – 58

MDP

Alter 80 80 80

Tabula Gratulatoria | 91


Vorname Rainer Peter Jürgen Ursel

Name Nitsche Kamerknecht Engelbrecht Scholz-Fliedner, geb. Fliedner

Ekkehard Bodo Werner Siegfried Astrid Karin Elke Ernst-Friedrich Lutz Christel

Seyfarth von Harbou Ulbrich Köhler Gladisch-Martin Schattke Alsleben Siebert Toepfer Richter, geb. Schlichting Raßbach, geb. Hofmann Schöffel

Ursula Reglindis

92 | Tabula Gratulatoria

Pforta 58 – 62 v. 58 – 62 v. 58 – 62 v. f Gerhard Fliedner (28 - 33 v.)

MDP MDP

Geburtstag 20.02.44 25.02.44 26.02.44 28.03.44

MDP

59 – 63 v.

31.03.44 10.04.44 28.05.44 29.05.44 31.05.44 22.06.44 10.08.44 11.08.44 12.10.44 21.10.44

75 75 75 75 75 75 75 75 75 75

59 – 63 v.

4.12.44

75

13.12.44

75

61 58 58 58 59 59

– – – – – –

63 62 62 62 63 63

v. v. v. v. v. v.

59 – 63 v.

MDP MDP MDP

MDP

Alter 75 75 75 75


Haushaltsrechnung vom 1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2017

1. EINNAHMEN- UND AUSGABENRECHNUNG 1. Einnahmen

Mitgliedsbeiträge Spenden Zins- und Kurserträge Einnahmen aus Umsatzerlösen Summe Einnahmen

2. Ausgaben

31.12.2016 EUR

14.297,23 17.637,33 73,20 3.485,75

35.493,51

Abschreibungen Übrige Ausgaben Ausgaben für sonstige betriebliche Aufwendungen

- 1.428,00 - 37.913,02 - 241,55

Summe der Ausgaben

- 39.582,57

Vereinsergebnis

- 4.089,06

VERMÖGENSENTWICKLUNG – STATUS Vermögensposten Inventar Bankguthaben PB 10584 200 DB 6463376 00 DB 6463376 68 DB 6463376 69 SPK BLK Summe

31.12.2017

6.094,00 €

97.257,85 € 4.650,05 € 134.046,58 € 39.871,23 € 1.226,76 €

283.146,47 €

Haushaltsrechnung | 93


Verschiedenes Anselm Oelze (al. port. 2000 – 05 v.) hat mit »Wallace« ein beachtetes Debüt als Roman-Autor gegeben. Er tourt gerade über Buchmessen und Funkhäuser und ist wohl für einen Lit Cologne Preis nominiert. Denis Scheck empfiehlt den Roman auf Deutschlandfunk Kultur.

Danilo Scholz (al. port. 1998 – 2003 v.) bekommt den Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste Ende März

94 | Verschiedenes

Thomas Nathan Krüger (al. port. 01 – 06 v.) erhält den Thüringer Kompositionspreis 2019 Jonas Flöter hat das Buch »Schulpforte im Kontext« im Univerlag Leipzig herausgebracht. Eine lesenswerte Artikelsammlung aus seiner Feder. Anlass war das Schuljubiläum 2018.


W

Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta

Wenngleich auch an anderen Stellen unseres am 22. Mai 2018 verstorbenen langjährigen stellvertetenden Vorsitzenden des Kuratoriums Curt Becker gedacht wurde, will doch auch die Stiftung Schulpforta seine besonderen Leistungen gebührend würdigen. Er hat maßgeblich die Wiederbelebung und Inwertsetzung der Stiftung Schulpforta nach der politischen Wende ermöglicht und mitgestaltet. Seine deutlichen Spuren werden uns noch lange positiv begleiten: Danke, lieber Curt Becker! Der lange Weg zum Welterbe ist geschafft. Zur letzten Sitzung des Welterbe-Komitees am 1. Juli 2018 in Bahrain wurde der Beschluss gefasst, dass der Naumburger Dom auf die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wird. Als Mitglied des Fördervereins Welterbe an Saale und Unstrut sind wir glücklich über diesen Erfolg und möchten uns bei allen Unterstützern und Förderern herzlich bedanken. Bekanntlich wurde das Antragsgebiet zuvor auf Empfehlung des internationalen Rates für Denkmalpflege ICOMOS auf den Naumburger Dom fokussiert, deshalb wurde das Kloster Pforte und die hochmittelalterliche Kulturlandschaft kurz vor dem Ziel aus dem Antragsgebiet herausgenommen. Die feierliche Übergabe der Welterbe-Urkunde erfolgte am 21.10.2018 im Naumburger Dom. Im Anschluss besuchten die UNESCO

Botschafter und einige internationale Gäste unsere Klosteranlage. Anlässlich des 25-jährigem Jubiläums der Straße der Romanik im vergangenen Jahr fanden auch im Kloster Pforte eine Reihe von Veranstaltungen statt. Ein besonderer Höhepunkt war die Durchführung des internationalen Festivals für mittelalterliche Musik »montalbâne« vom 6. bis 8. Juli 2018 in der Klosterkirche Schulpforte. Unsere Klosteranlage ist eine der Stationen an der Straße der Romanik, die eine Verbindung romanischer Bauwerke aus dem Mittelalter darstellt. Auf Grundlage der uns seit Mitte des letzten Jahres vorliegenden Feinkonzeption für die Gestaltung des Schulund Klostermuseums PORTANEUM werden die weiteren Planungsschritte vorbereitet. Die letzten Beratungen mit den Fördermittelgebern stimmen uns wieder zuversichtlicher für die weitere Projektentwicklung. Zwischenzeitlich hatten geänderte Förderrichtlinien die Finanzierungs- und Terminplanungen in Frage gestellt. Bis zur nächsten Kuratoriumssitzung im Frühjahr 2019 soll ein aktualisierter Kosten- und Finanzierungsplan vorgestellt werden, der insbeondere auch die laufenden Unterhaltungsund Bewirtschaftungskosten darstellt. Die Stiftung Schulpforta kann dieses Projekt nur mit maßgebender finanzieller Förderung realisieren.

Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta | 95


Anfang Dezember 2018 wurde durch die Landesweingut Kloster Pforta GmbH bekanntgegeben, dass der geplante Neubau des Weingutes auf dem Klosterareal nicht stattfinden wird. Diese Nachricht kam, sicherlich nicht nur für uns, sehr überraschend. Die Einstellung des Projektes wurde durch die zu erwartenden deutlich erhöhten Aufwendungen für die statische Gründung des Bauwerkes begründet. Der im Zuge des Architektekurwettbewerbes hervorgegangene Siegerentwurf hatte vorgesehen, die Kellergeschosse bis zu 8 Meter unter der vorhandenen Geländeoberfläche auszubauen. Alle planungs- und bauordnungsrechtlichen Vorgaben waren nahezu erfüllt. Die behördlichen Genehmigungen, der nicht immer unumstrittenen Ansiedlung des Weingutes im Kloster Pforte, standen kurz vor dem Abschluss. Umso bedauerlicher ist, dass das Vorhaben zu diesem weit vorangeschrittenen Projektstatus an der Finanzierbarkeit gescheitert ist. Die Geschäftsführung des Weingutes hält daran fest, dass der derzeitige Standort in den Saalbergen aus bekannten Gründen dauerhaft nicht wirtschaftlich zu betreiben ist. Es wird intensiv nach einem geeigneten Standort im Umfeld der eigenen Rebflächen gesucht. Dabei spielen

96 | Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta

auch die Nähe zum Kloster Pforte und die Umverlegung der Vinothek vom derzeitigen Standort neben der Tordurchfahrt in das ehemalige Speichergebäude neben dem neuen Besucherempfangszentrum eine Rolle. Der Wiederaufbau der durch den Sturm im Januar 2018 nahezu völlig zerstörten Ewigen Lampe (Totenleuchte) auf dem historischen Friedhof ist im vollen Gange. Gemeinsam mit dem Pförtner Bund e.V. unterstützt die Stiftung Schulpforta dieses Vorhaben. Nach Auskunft der Bauhütte Naumburg soll die Fertigstellung der Restaurierungsarbeiten kurzfristig bis zum Frühjahr erfolgen. In Kooperation mit dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt bereitet die Stiftung Schulpforta anlässlich des 200-jährigen Jubiläums des Thüringisch-Sächsischen Altertumsvereins (ThSAV) eine Fachtagung mit Exkursion für den Sommer 2019 vor. Der Verein wurde 1819 in Naumburg gegründet und 1823 an die Universität Halle (Saale) angegliedert. Die Vereinstätigkeit war durch ein exquisites bürgerschaftliches Engagement in der Archäologie und der Baudenkmalpflege geprägt – lange vor der Etablierung entsprechender staatlicher Institutionen. Unter den 14 Gründungsmitgliedern sind neben fünf Naumburger Bürgern auch


drei Portenser zu finden. Bereits am 1. Dezember 2018 hatte zu diesem Thema eine Auftaktveranstaltung in Schulpforte stattgefunden. Weitere Projektpartner sind die Landeszentrale für politische Bildung SachsenAnhalt, der Burgenlandkreis und die Stadt Naumburg. Mittlerweile haben sich die Pfortenser Frühjahr-, Herbst- und Weihnachtsmärkte als feste Größen im jährlichen Veranstaltungskalender etabliert. Bemerkenswert ist vor allem das Engagement der Schülerinnen und Schüler unserer Schule. Mit einer Vielzahl von Angeboten konnten sie an eigenen Verkaufsständen den Bestand ihrer Klassenkassen aufbessern. Für die neue Saison sind wieder Erweiterungen der Führungsangebote geplant. So werden neben der im Vorjahr erfolgreich gestarteten Themenführung »Junger Wein in alten Mauern« spezielle Angebot für Schülerinnen und Schüler der Zielgruppe 10 bis 14 Jahre konzipiert, die die Geschichte des Klosters und der Schule erlebbar machen und didaktisch vermitteln sollen.

Abstimmung zwischen dem Rektor der Landesschule und dem Pförtner Bund e. V. Die entsprechenden Finanzen sind ein fester Bestandteil der jährlichen Haushaltsplanungen. Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung Schulpforta sowie den ehrenamtlichen Mitwirkenden danke ich besonders für Ihr Engagement im Interesse der Weiterentwicklung unseres Ortes. ARNDT GERBER (AL. PORT. 86 – 88 V.), PROKURATOR

Öffnungszeiten Besucherzentrum (mit Audio-Guide-Verleih)

Apr – Okt: tägl. 10 – 18 Uhr Nov – Mrz: Di – So 10 – 16 Uhr Besuch und Besichtigung der Klos­ teranlage sind ganzjährig möglich.

Öffentliche Führungen Sa. und So. 13:30 Uhr

Themenführungen

www.stiftung-schulpforta.de

Wie gewohnt wird die Stiftung Schulpforta auch in diesem Jahr die Landesschule bei den verschiedenartigsten Projekten unterstützen. Dies geschieht in der bewährten

Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta | 97


Pförtner Abende Aachen

Halle/Saale

Schweiz

Gerda Lachmann Jakobstraße 28 52064 Aachen Tel. 0174 | 5939949 gerda.lachmann@ rwth-aachen.de

Karsten Müller An der Johanneskirche 1 06110 Halle/Saale Tel./Fax 0160 | 97714276 mueller.magdeburg@gmx.de

Berlin

Maximilian Böck boeck.max@googlemail.com Tel. 0163 | 6134692 & Dietrich Haußecker dietrich.haussecker@ googlemail.com

Franziska Baum Das Querigfeld 5 99092 Erfurt Tel. 0171 | 2603498 teichertfranziska@ gmail.com

Leipzig

Dr. Wolfgang von Hänisch Königsberger Straße 8 88212 Ravensburg Tel. 0751 | 9587766 www.akel.de

Sieghard Metzner Kastanienallee 53 10119 Berlin Tel. 0157 | 7176 7624 s.metzner@smlan.eu

Braunschweig

Luisa Kynast luisa.kynast@ wuk-gmbh.com

Dresden

Patrick Soff Hafenstraße 2 01097 Dresden Tel. 0176 | 57649628 patrick.soff@gmail.com

Frankfurt – Hessen

Dr. Sibylle Fink Münzenberger Straße 14 61352 Bad Homburg v. d. H. Tel. 06172 | 1010793 sibylle.fink@gmx.de

Bodensee

Elisabeth Günther Paulinenstr. 92 (WG 28) 88046 Friedrichshafen guenther.elisabeth@ gmx.net

98 | Pförtner Abende

Heidelberg

Ruth Lüthke Platnerstraße 3 04155 Leipzig Tel. 0170 | 4020057 ruth.luethke@gmx.de

Lübeck

Dr. Jana Langenhan Tannenweg 1a 23923 Selmsdorf Tel. 0176 | 23397619 jlhan@gmx.net

München

Ursula Meier-Credner Arno-Assmann-Straße 5 81739 München Tel./Fax: 089 | 6706366 mcredner23@t-online.de

Rostock

unbesetzt

Virginie Bigler Mösliweg 7 3098 Köniz Tel. 0041 | 319719191 Ginie@gmx.ch

Thüringen

AkeL

Landesschule Pforta

Schulstraße 12 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 350 Fax 034463 | 26839 www.landesschule-pforta.de Initiatoren weiterer Pförtnerabende und Gänse­essen bitte bei unserem Regional-Beauftragten Patrick Soff (patrick.soff@ gmail.com) melden. Beiträge für DIE ­PFORTE bitte bis zum Jahresende 2019 an peter.maser@t-online.de.


Impressum Archivar

Petra Mücke Bibliothek der Landesschule Pforta Tel.: 034463 | 35-110 bibliothek@schulpforte.de

Vorsitzender

Druckerei Schöpfel GmbH www.druckerei-schoepfel.de

Matthias Haase Heichelheimer Gasse 21 99439 Kleinobringen Tel. 03643 | 418888 matthias-haase@t-online.de

Schatzmeisterin

Claudia Pohland Richard-Kanzler-Str.5 06628 Naumburg OT Bad Kösen cpohland@aol.com

Schriftführerin

Dr. Anne Hultsch a.hultsch@web.de

Redaktion

Prof. Dr. Peter Maser Berbigstraße 7 06628 Naumburg OT Bad Kösen Tel. 034463 | 62490 peter.maser@t-online.de

Gestaltung

David Ortmann Haunstetter Straße 12 86161 Augsburg Tel. mob. 0176 | 50071529 david.ortmann@gmail.com

Gesamtherstellung

Konten Pförtner Bund e. V.

Mitgliedsbeitrag 40 Euro Postbank Hamburg IBAN: DE15 2001 0020 0010 5842 00 BIC: PBNKDEFF Deutsche Bank Naumburg IBAN: DE46 8607 0024 0646 3376 00 BIC: DEUTDEDBLEG

Melanchthon-Stiftung

Sitz der Stiftung: Bielefeld Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax. 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de Volksbank Hamburg Ost-West IBAN: DE80 2019 0206 0053 2226 01 BIC: GENODEF1HH1

Stiftung Schulpforta

– Stiftung des öffentlichen Rechts – Prokurator Arndt Gerber Schulstraße 22 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 61761 mit Online-Shop www.stiftung-schulpforta.de info@stiftung-schulpforta.de

8 Foto (4. Umschlagseite): Photo Tempel, Naumburg, 2013

Herausgeber

Pförtner Bund e. V. Schulstraße 22 06628 Naumburg OT Schulpforte vorstand@pforta.de www.pforta.de


Nr. 71 | 2018 018 2

Profile for David Ortmann

DIE PFORTE Nr. 71/2018  

Die 71. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

DIE PFORTE Nr. 71/2018  

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