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PFORTE

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2015 | Nr. 68

SCHULPFORTA-NACHRICHTEN

Zeitschrift des Pförtner Bundes e. V.


Inhalt Geleitwort des Vorsitzenden Grußwort des Rektors

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Vergangenes aus der Pforte Ironisches Vorbild Vor 200 Jahren wurde Pforta preußisch Pfortas Schadow-Altar Göttliche Dreifaltigkeit 25 Jahre Landesschule Pforta Frank-Thomas Gericke Ulrich Schiller

Aktuelles aus der Landesschule Predigt zum Schulfest in Pforta Brauchen wir heute noch Eliten? Wem viel gegeben wird, von dem wird viel verlangt. Blütenlese von europäischem Rang Kurzmeldungen

Vom Pförtner Bund Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung Ecce 2015 Klassentreffen 2015 Berliner Treffen 2015 Gänse-Essen in Thüringen Gans – à la carte Aachen hat jetzt einen eigenen Pförtner Abend! Pfortenser Altmannen Tabula Gratulatoria Haushaltsrechnung Kalenderjahr 2014 Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta Pförtner Abende Impressum

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Geleitwort des Vorsitzenden

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Es ist das umfangreichste Förderprojekt des Pförtner Bundes e.V. bisher. Noch nie haben wir so viel Ged ausgegeben. Noch nie haben wir eine Idee so umfassend konzeptionell und in der Umsetzung begleitet, von den ersten Wünschen der Schüler bis zur Fertigstellung. Die Landesschule Pforta hat nun ein eigenes, hochmodernes Schultheater. Mehr noch – eine Spielstätte für Kleinkunst, Musik und Improvisation, ein Podium für Debatte und Diskussion, für Vortrag und Vorlesung, eine Arbeitsstätte für Kreative aller Art. Mit 200.000 Euro haben wir uns insgesamt engagiert. Einen Großteil investierten wir (über einen Fördervertrag mit dem Land als Eigentümer der Liegenschaft) direkt in die Bausubstanz der alten Turnhalle. Dabei wurden unsere Gestaltungswünsche hinsichtlich der künftigen Nutzung umgesetzt. Besonderer Dank gilt dafür Sabine Albrecht, der projektbetreuenden Mitarbeiterin des BLSA. Im Foyer (früher das Mattenlager) wurde die Decke abgehängt und mit modernen Leuchten versehen. Leitungen für Wasser/Abwasser und Heizung liegen jetzt unter Putz. Die gesamte Elektrik wurde erneuert und für die künftige Bühnentechnik im Saal vorbereitet. Die historische Osttür ist seit einigen Monaten restauriert, und eine neue, dicht schließende Fluchttür wurde im Inneren dagegengesetzt.

Die gesamte technische Ausstattung des Saales wurde zum Großteil durch den Vorsitzenden selbst konzipiert und beauftragt. An einer raumgreifenden Alu-Traversenkonstruktion wurden mehr als 20 hochmoderne LED-Scheinwerfer montiert, dazu Lautsprechertechnik, elektrische Bühnenvorhänge und Leinwände. Die Bühne selbst besteht aus einzelnen Modulen, die mit einem mattschwarzen Bühnenbelag überzogen sind und mit diversen Treppenaufgängen eine ideale Spiel- und Auftrittsfläche bieten. Damit Theaterspiel auch bei Tageslicht möglich ist, wurde die gesamte Fensterfront mit einem elektrisch zu betätigenden Verdunklungssystem ausgestattet. Im hinteren Zuschauerbereich wurde ein Regiepult als Möbelbau realisiert. Hier finden das digitale Tonmischpult, sowie das computergestützte Lichtsteuerpult mit 2 Monitoren Platz. Für den Möbelbau und die Farbgestaltung des gesamten Hauses konnte die Weimarer Architektin Gabriele Kruse gewonnen werden, die mit in Farbe und Form reduzierten, geradlinigen Bar-Möbeln und einer durchdachten Farbkonzeption für Saal und Foyer einen singulären, modernen Eindruck

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schafft, der die historische Substanz und den geschichtlichen Kontext hervorhebt. Die Funktionalität aller Einbauten korrespondiert mit der modernen Bühnenkonstruktion. Eine große magnetische und beschreibbare Info-Tafel ist am Eingang Blickfang, eine Sitzecke lädt in Pausen und Arbeitsphasen zum Verweilen ein. Das große Regal-/Türelement als Durchgang zum Saal ermöglicht mit der großen, verschließbaren Glasfront Einblick in den Saal und bringt zugleich Tageslicht ins Foyer. Viele Gewerke haben hier gemeinsam ihr Bestes gegeben. Die meisten technischen Installationen wurden in Eigenregie durch den Vorsitzenden, einige Schüler und Ehemalige übernommen. Wenn am 28. Januar 2016 das Haus bei einer festlichen Einweihung seiner Bestimmung übergeben wird, darf der Dank an die vielen Spender nicht vergessen sein. Es sind vor allem ehemalige Schülerinnen und Schüler, die sich für Pforta engagieren. 940 Mitglieder zählt der Pförtner Bund heute – deshalb an dieser Stelle Danke für die Bereitschaft aller, für die Zukunft unserer Alma Mater einzutreten. MATTHIAS HAASE VORSITZENDER DES PFÖRTNER BUNDES E.V.

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L

Grußwort des Rektors

Liebe Pförtnerinnen und Pförtner, zuerst möchte ich Ihnen, auch im Namen meines Kollegiums, unserer Schülerinnen und Schüler und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Ihre auch in diesem Kalenderjahr gewährte große Unterstützung danken. Im Rahmen unserer Schulentwicklungsarbeit im Jahr 2015 haben wir nach Möglichkeiten gesucht, das große soziale Engagement unserer Schülerinnen und Schüler, welches tagtäglich innerhalb der Klostermauern von den Pfortenserinnen und Pfortensern »gelebt« wird, im stärkeren Maße auch zum Wohle der hiesigen Region zu nutzen. Unter dieser Zielsetzung fand am Ende des Schuljahres 2014/15 ein zweiwöchiges Sozialpraktikum für unsere Zehntklässler statt. Können für über 70 Jugendliche in Naumburg und Umgebung überhaupt Plätze für ein solches Sozialpraktikum zur Verfügung gestellt werden? Diese sich eingangs stellende Frage konnte in sehr kurzer Zeit mit einem klaren »Ja« beantwortet werden, summierten sich die eingehenden Angebote aus den Kindergärten, den Grundschulhorten, dem Kinderheim, den Alten- und Pflegeheimen, den Kurkliniken etc. doch auf über einhundert Praktikantenstellen. Letztendlich haben beide Seiten von unserem Sozialpraktikum profitieren können – die Menschen, ob (sehr) jung oder

(sehr) alt, die Hilfe bedürfen und sich von engagierten Jugendlichen umgeben sahen, die diese Hilfe gern geben und die mit viel Freude und Elan an diesen vierzehn Tagen an ihren Praktikumsstätten tätig waren. Und unsere Schülerinnen und Schüler, denen das dankbare Feedback der von ihnen Unterstützten unmittelbar das Gefühl vermittelte, dass ihr Tun Gutes bewirkt und ihr Engagement gebraucht wird. Natürlich standen die Sozialpraktikanten auch vor Herausforderungen, deren Bewältigung nicht immer einfach gewesen ist. In Gesprächen zeigte sich, dass ein derartiges soziales Engagement auch tiefe Spuren hinterlässt, zum Nachdenken anregt und zum Handeln ermutigt. Aufgrund des positiven Ergebnisses einer im Anschluss an das Sozialpraktikum erfolgten kleinen Evaluation wird ein solches auch am Ende des aktuellen Schuljahres wieder für unsere Schülerinnen und Schüler aller drei zehnten Klassen den Schulalltag bereichern. Frau Schmidt und ihr Team sind bereits mit den entsprechenden vorbereitenden Arbeiten beschäftigt. Möglichkeiten des sozialen Engagements bieten sich unseren Pfortenserinnen und Pfortensern auch im Rahmen unserer Kooperation mit den Kurkliniken in Bad Kösen. Hier engagieren sich unsere Schülerinnen und Schüler an den Internatswochenenden bei der Betreuung älterer Patienten und/oder erteilen jungen Kurgästen Nachhil-

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feunterricht, damit diese nach ihrem Kuraufenthalt gut vorbereitet an ihre heimischen Schulen zurückkehren können.

ihre Zeit in Schulpforte zurückblicken und den Werdegang unserer Landesschule verfolgen, verbleibe ich mitbesten Grüßen,

Das soziale Engagement unserer Schülerinnen und Schüler umfasst auch die Integration von Flüchtlingen. So berichteten im vergangenen Schuljahr im Ethikunterricht in Naumburg untergebrachte Flüchtlinge von den Motiven der Flucht aus ihrer Heimat und den damit verbundenen Strapazen. Dieser Kristallisationspunkt hat in der Zwischenzeit dazu geführt, dass unsere Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Flüchtlingen in Naumburg gekocht haben, diese auch zu Veranstaltungen hier an unsere Landesschule einladen und sie beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen werden.

THOMAS SCHÖDEL RECTOR PORTENSIS

Erfreulicherweise stehen bei unseren hier vor Ort lebenden und lernenden Jugendlichen nicht die theoretische Debatte über soziales Engagement und die Flüchtlingsthematik im Vordergrund, sondern das praktische Handeln als Reaktion auf die existierenden Realitäten. Auf unsere Schülerinnen und Schüler können wir somit zurecht mit Stolz blicken. Mit einer solchen Jugend lässt sich mit Zuversicht in die Zukunft schauen! Verbunden mit dem Wunsch, dass Sie auch im Jahr 2016 oft mit Freude an

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Vergangenes aus der Pforte *  *  *


Ironisches Vorbild

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SCHULPFORTE BEI JEAN PAUL

Jean Pauls Armenadvokat Siebenkäs erzählte seinem allzu bescheidenen Freund Leibgeber, der »am liebsten ungenannt« leben wollte, mehrfach die Anekdote, »daß Klopstock die Prachtausgabe seines Messias an die Schulpforte abgeschickt mit dem Wunsche, der würdigste Schulpförtner möge auf das Grab seines Lehrers Stübel Lenzblumen streuen, dabei des Gebers Namen Klopstock leise nennen; – worauf Siebenkäs, wenn Leibgeber etwas auffuhr, noch damit fortfuhr, daß der Sänger vier neue Pförtner, jeden zu drei Vorlesungen aus seiner Messiade aufgerufen, und jedem dafür eine goldene Medaille zugesagt, die ein Freund hergebe; und jetzo endlich harrte er auf Leibgebers Sprudeln und Stampfen über einen, der (leibgeberisch zu sprechen) sich selber als sein eigenes Reliquiarium voll heiliger Knochen und Glieder anbetet.«1 Tatsächlich hat Klopstock im März 1800 seiner alten Schule, die er von 1739 bis 1745 besuchte, eine Prachtausgabe seines »Messias« geschickt. Rektor Carl Wilhelm Ernst Heimbach veranlasste daraufhin am Ostersonntag, dem 13. April 1800, eine Feier, wie sie Klopstock in einem begleitenden Brief gewünscht und Jean Paul sie zitiert

1   Jean Paul, Siebenkäs, 1. Bändchen, 2. Auflage 1817, S. 55f.

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hat. Nach der Ehrung am Grabe des Konrektors Johann Friedrich Stübel in der Kirche wurde die Prachtausgabe des Messias feierlich in die Bibliothek überführt. Noch im selben Jahr ließ Rektor Heimbach »Klopstocks Feyer in Schulpforte« bei Göschen »als Beyspiel dankender Liebe« im Druck erscheinen: »Bey der Verehrung, welche das deutsche Vaterland gegen den Sänger des Messias empfindet, wird es dem Publicum nicht unangenehm seyn, eine kurze Nachricht von einer Handlung zu empfangen, welche das so warm und zart empfindende Herz des ehrwürdigen Greises in dem mildesten Lichte zeigt.« LESEFRUCHT MITGETEILT VON MALWINE MASER


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Vor 200 Jahren wurde Pforta preußisch

EIN RÜCKBLICK

Am 9. Juli 1815 wurde die seit Jahrhunderten bestehende sächsische Landesschule Pforta preußisch. Warum geschah das, und welche Folgen hatte es ? Einen Monat zuvor wurde Napoleon von den Armeen Blüchers und Wellingtons bei Waterloo endgültig besiegt, nachdem ihm eine letzte Rückkehr gelungen war. Er wurde auf die Insel St. Helena verbannt. Der sächsische König Friedrich August – zuvor Bundesgenosse des Franzosen – war in preußische Gefangenschaft geraten. Seit September 1814 berieten in Wien die Siegermächte unter Teilnahme vieler europäischer Staaten über die Herstellung des Zustandes vor 1792, um die absolutistische Herrschaftsform zu erhalten und revolutionäre Ideen zurückzudrängen. Daraus folgernd erhielt Preußen mit 42% einen großen Landesteil Sachsens zugesprochen. Das betraf u.a. auch unsere Region mit Schulpforte und trat am 9. Juli in Kraft.

Die Landesschule als preußischer Landesteil Die Verwaltung dieser neuen Anteile übernahmen zunächst der russische Fürst Nikolai G. Repnin-Wolkonski, danach der preußische Minister

Eberhard Freiherr von der Reck(e) und General Friedrich Freiherr von Gaudy, der dabei seinen Sohn Franz (1800–1840), ein später zu seiner Zeit vielgelesener Autor, als ersten Alumnatsschüler unter dem neuen preußischen Regime in Pforta eintragen ließ. Der Herrschaftswechsel bedeutete für die Landesschule zunächst äußerlich wenig, denn Rektor Karl David Ilgen aus Seena bei Eckartsberga, von 1802– 1831 an der Spitze der Landesschule, brauchte um seine Dienststellung nicht zu bangen, ebenso führte die Lehrerschaft ihren Unterricht fort. Ilgen erhielt von Wilhelm von Humboldt, seinem Studienfreund aus der Jenaer Zeit, der preußischer Vertreter im Wiener Kongress gewesen war, einen ermunternden Brief, dass er beruhigt sein solle und durch ihn Unterstützung erhalten würde. Das gab Ilgen die Kraft, sich lange anstehenden Streitfragen zuzuwenden und zunächst die Kompetenzen zwischen Rektor und Verwalter zugunsten seiner Person zu verändern. Rektor Ilgen selbst aber war von den vielen Reformen letztlich vermutlich überfordert. Angesichts seiner langen Bemühungen und Leistungen um Erhaltung und Weiterführung der Landesschule übertrug man ihm nach 29 Jahren Rektorat eine Professur in Jena und beendete sein Dienstverhältnis in der Landesschule Pforta.

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Des weiteren erbot sich die Möglichkeit, 1817 das Justizamt von Schulpforte nach Naumburg zu verlegen, um damit Urteile über »Hals und Hand« nicht mehr fällen zu müssen. Die Verlegung des Justizamtes nach Naumburg schuf im Fürstenhaus durch die Freigabe von Räumen die Möglichkeit, Wohnraum für bis dahin im Schulhaus lebende Lehrerfamilien zu schaffen. Ein anderes Problem war schwerwiegender: Es mussten neue Lösungen für die Freistellen gefunden werden. Die im nun preußischen Bereich wurden übernommen, im verbleibenden sächsischen Landesteil durch Abfindungen oder Tausch geregelt. Damit bestanden 46 Freistellen im preußischen, 34 im sächsischen Landesteil durch Tausch und weitere neue 20 »Koststellen«, sodass die vorherige alte Gesamtzahl von 100 fortgeführt werden konnte. Eine ähnliche Lösung wurde für den Landbesitz der Landesschule gefunden, indem ehemals sächsische Besitzteile mit 160.000 Talern an Sachsen abgefunden wurden.

Inhaltliche Veränderungen Nach diesen Regularien fanden die schon länger bestehenden Reformversuche an der Schule nun ein erstes Ergebnis. Neu war die Einführung des Abiturs, bis dahin reichte das Anfertigen einer Valediktionsarbeit. Beide

Formen bestanden jedoch weiter, in Einzelfällen sind solche Valediktionsarbeiten noch freiwillig bis Mitte des 20.Jahrhunderts vorgelegt worden. Beachtlich sind die Eingriffe in die Vergütung des Lehrkörpers: Bisher wurden die Lehrer anteilig mit Naturalien honoriert. Nun erhöhte sich der finanzielle Anteil der Lehrergehälter und nur noch geringe Anteile im Naturalbereich blieben, die sogar noch 60 Jahre später gültig waren. Auch im Unterricht spiegelten sich die neuen Vorstellungen wider. Während der Altsprachenunterricht bisher im Vordergrund stand, erhielten nun der Unterricht in Deutsch und Mathematik einen höheren Stellenwert. Ebenso verbesserte sich die methodische Ausstattung in den Klassenzimmern, wozu nötige Unterrichtsmaterialien angeschafft wurden.

Erweiterung des Lehrkörpers Der Lehrkörper bestand in den folgenden Jahren aus zwölf Lehrern, acht Professoren und vier Adjunkten mit gleicher Rechtsstellung. Den Erfordernissen des 19. Jahrhunderts entsprechend kam es zur Einstellung eines deutschen Französischlehrers, da der von einem Muttersprachler bis 1806 gehaltene Unterricht nicht mehr durchgeführt worden war. Ebenso wurde ein eigens ausgebildeter Mu-

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siklehrer eingestellt. Der Turnunterricht fand in der Schule mit der Einstellung des Tänzers F.A. Roller aus Budapest seinen Anfang, dessen Namen die neue Sporthalle der Landesschule trägt. Der äußere Umbau von einer sächsischen zu einer preußischen Schule dauerte etwa 50 Jahre. Er vollzog sich im Rahmen einer insgesamt ungestörten Entwicklung bis hin zum Ersten Weltkrieg. Genannt seien hier nur die Installation des Altartriptychons von Wilhelm Schadow 1825, die mehrfachen Restaurierungen am Kirchengebäude Mitte des Jahrhunderts, der Bau der Turnhalle 1848 und des Torhauses ab 1857. Ein großer Waschsaal verbesserte die hygienischen Bedingungen, und zuletzt kam der Westflügel mit Aula und Bibliothek hinzu (1884). Die Dreihundertjahrfeier 1843 war ein absoluter Höhepunkt in der Schulgeschichte.

Übergangsprobleme Natürlich blieb es nicht aus, dass auch Widerstände offenkundig wurden. Unter den Schülern gab es nicht nur Zustimmung zur »preußischen« Schule, sondern auch Ablehnung. Das entsprach den Problemen unter der Bevölkerung, wie sie bei einem Wechsel der Herrschaftsverhältnisse üblich sind. So gab es beispielsweise in einer Übergangszeit die gleichzeitige Ver-

wendung von sächsischem und preußischem Geld, allgemein als »gutes« oder »schlechtes« Geld bezeichnet. Im Tagesablauf zeigen die Quellen kaum größere Abweichungen gegenüber der sächsischen Zeit; manche schulischen Gewohnheiten oder Traditionen wurden unverändert fortgeführt. So sang man vor dem Essen täglich einen lateinischen Hymnus, das »Gloria« (dem Lob der göttlichen Dreieinigkeit gewidmet). Dieser Brauch wurde noch bis 1947 beibehalten.

Zu Preußen noch eine Anmerkung Noch heute erinnern die historische Fahne der Landesschule und die Farben des Covers unserer Mitgliederzeitschrift »Die Pforte« mit den Farben »schwarz-weiß-violett« (schwarz-weiß für Preußen und die violette Farbe der Kirche ) an die preußische Geschichte der Landesschule Pforta, die vor 200 Jahren begann und bis 1947 reichte, als der Staat Preußen durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 aufgelöst wurde. KLAUS-DIETER FICHTNER (AL. PORT. 46–48 V.)

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Pfortas Schadow-Altar GLANZSTÜCK DER AUSSTELLUNG »NAUMBURG UND DIE DÜSSELDORFER MALERSCHULE (1819– 1918)«

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»Der Verein Kunst in Naumburg e.V. nutzt die Gunst der Stunde und führt eine ambitionierte Ausstellung in der leerstehenden JVA Naumburg durch. Ihr ehemaliges Verwaltungsgebäude wurde 1859 nach Plänen von Reinhold Persius als Königlich-Preußisches Schwurgericht erbaut und mit einem monumentalen Gemälde des damaligen Direktors der Düsseldorfer Kunstakademie, Eduard Bendemann, ausgestattet. Weitgehend in seiner originalen Architektur erhalten, bietet es den museumsgleichen Rahmen für eine Ausstellung mit etwa 100 Zeichnungen, Studien und Gemälden der Düsseldorfer Malerschule«, hieß es in einer Pressemitteilung des Vereins Kunst in Naumburg vom 11. Mai 2015. Die sehr erfolgreiche Ausstellung wurde vom 2. Mai bis 30. August 2015 gezeigt. In ihrem Mittelpunkt stand Eduard Bendemanns monumentales Wandgemälde »Der Tod Abels« von 1861/64 im Treppenhaus des ehemaligen preußischen Schwurgerichtsgebäudes in Naumburg, was den spektakulären Titel der Ausstellung »Brudermord im Schwurgericht« rechtfertigte. Bendemanns »Tod Abels« verdient über alle künst-

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lerische und justizhistorische Bedeutung hinaus übrigens auch noch unter einem anderen Gesichtspunkt Beachtung, stellt das Bild doch auch ein einzigartiges Monument deutschjüdischer Beziehungsgeschichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts dar. Dass ein prominenter Maler jüdischer Herkunft zur monumentalen Ausgestaltung eines preußischen Schwurgerichts mit einer Szene aus der hebräischen Bibel aufgefordert wurde, war keineswegs selbstverständlich, signalisiert aber bis heute auf eindrucksvolle Weise, welche Fortschritte Emanzipation, Assimilation und Integration des deutschen Judentums damals machten – unmittelbar bevor der rassische Antisemitismus in Deutschland gesellschaftsfähig wurde. Der Kunstverein um Guido Siebert präsentierte in der seit September 2012 leerstehenden Justizvollzugsanstalt jedoch nicht nur die in und um Naumburg vorhandenen und bisher wenig beachteten Werke der Düsseldorfer Malerschule, sondern konnte auch wichtige Leihgaben von außerhalb hinzugewinnen. Der voluminöse, inhaltsreiche und aufwendig illustrierte Katalog, der 288 S. stark pünktlich im Michael Imhof Verlag in Petersberg vorgelegt werden konnte, hält die Erinnerung an ein großes Kunstereignis in Naumburg auch für die Zeit wach, in der Bendemanns


3Foto: Constantin Beyer

Auferstandene zwischen den Evangelisten Johannes und Matthäus«, das 1824 für die Klosterkirche in Pforta gemalt und nun als Leihgabe von der Landesschule Pforta zur Verfügung gestellt wurde. Bedauerlicherweise wurde es in der Ausstellung völlig unangemessen plaziert: Dieses großformatige Meisterwerk der Düsseldorfer Malerei hätte in der Mitte der »Apsis« des Schwurgerichtssaales in Szene gesetzt werden müssen, nicht aber an eine Seitenwand abgeschoben werden dürfen, wo der Zusammenhang der drei Altartafeln auch noch durch einen breiten Pilaster mit umfangreicher Texttafel empfindlich gestört und auseinandergerissen wurde.

Wandgemälde in der Abgeschiedenheit der leerstehenden und zumeist unzugänglichen JVA Naumburg wieder einer ungewissen Zukunft entgegensieht. Das bedeutendste Exponat neben Bendemanns Wandbild in der Naumburger Ausstellung war nach künstlerischer Qualität und inhaltlichem Anspruch zweifellos das Altartriptychon Wilhelm von Schadows »Christus der

Der Beitrag von Prof. Dr. Cordula Grewe/Philadelphia lenkt den Blick auf Geschichte und Inhalt eines Kunstwerks, das auch in Pforta noch nicht wieder seinen richtigen Platz gefunden hat. Die Hängung im Neugotischen Haus kann nur als Notlösung betrachtet werden. Eine Wiederaufstellung auf dem Altar der Klosterkirche ist schwierig, weil die gotisierende Rahmung der Altartafeln verloren gegangen ist. Hoffen wir also auf das geplante Museum, wo Schadows Meisterwerk den richtigen Platz finden muss. PETER MASER

Pfortas Schadow-Altar | 13


Göttliche Dreifaltigkeit TRIPTYCHON IN SCHULPFORTE WIRD ZUM DURCHBRUCH FÜR WILHELM SCHADOW ALS HISTORIENMALER1

I

Im Gefolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses war 1815 das sog. Herzogtum Sachsen, das am längsten in der erst 2009 in der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland aufgegangenen Kirchenprovinz Sachsen nachlebte, in preußischen Besitz übergegangen. Im November 1821 inspizierte Kultusminister Karl Freiherr vom Stein zum Altenstein die Landesschule Pforta und monierte dabei: »Bei meiner neulichen Anwesenheit in der Landesschule zu Pforta habe ich bemerkt, daß die Altar-Gemälde in der dortigen Kirche einen unerfreulichen Anblick gewähren und mehr geeignet sind, die Andacht zu stören, als wohlthätig auf

1  Der Text von Frau Prof. Grewe erschien am 5. November 2015 im »Burgenland-Journal« des »Naumburger Tageblatts« und wird hier mit freundlicher Genehmigung der Autorin nachgedruckt. Vgl. auch Cordula Grewe: Bildtheologie und malende Dichtung im Werk Wilhelm Schadows. Schulpforta – Naumburg – Düsseldorf, in: Guido Siebert (Hg.), Brudermord im Schwurgericht. Naumburg und die Düsseldorfer Malerschule (1819–1918), Petersberg 2015, S. 109–143. – Bereits 1993 hatte Helmut Börsch-Supan die besorgte Frage gestellt »Wer rettet Wilhelm Schadows Altargemälde für Schulpforta?«, vgl. Die Pforte. SchulpfortaNachrichten. Zeitschrift des Pförtner Bundes 46, 1993, S. 29–32. 2003 wurden die Altartafeln restauriert und dank der Spenden von Ehemaligen neu gerahmt.

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dieselbe einzuwirken. Aus diesem Grunde habe ich beschlossen, statt jenem, ihrem Zweck nicht genügenden Bilde, ein schönes passendes Altargemälde für die dortige Kirche durch einen unserer vorzüglichsten Künstler anfertigen zu lassen.« Der Dreikönigsaltar des Hans Topher, um 1510, den Altenstein so entschieden ersetzen wollte, befindet sich heute – nach manchen Zwischenstationen – als Leihgabe in der Schatzkammer des Naumburger Doms. Der neue Altar wurde der Landesschule vom Minister praktisch aufgezwungen. Alleine seine gotisierende Rahmung sollte die Schule 1100 Taler kosten. Den Auftrag für die Altargemälde erhielt Wilhelm Schadow (1788–1862, geadelt 1843/45), der sein neues Werk im Juni 1824 dem König in Berlin präsentieren konnte. 1825 wurde das Triptychon in der Kirche in Pforta installiert. Als Begründer der Düsseldorfer Malerschule hat Wilhelm Schadow deutsche Kunstgeschichte geschrieben. Dennoch ist sein malerisches Werk vielen unbekannt. Um so erfreulicher ist es, dass es Guido Siebert, dem Kurator der Ausstellung »Naumburg und die Düsseldorfer Malerschule (1819–1918)«, für den Verein Kunst in Naumburg gelungen ist, erstmals ein bislang weitgehend unbekanntes Hauptwerk Schadows der breiten Öffentlichkeit vorzustellen: das le-


bensgroße, 1824 für die Landesschule Pforta vollendete Triptychon »Christus, der Auferstandene, zwischen den Evangelisten Johannes und Matthäus«. Der Altar war Schadows Durchbruch als Historienmaler. Er vereint bereits all jene stilistischen Merkmale, welche zum Kennzeichen der Düsseldorfer Malerschule werden sollten: glatte, cremige Malweise, exquisites Kolorit und ein ausgefeiltes Modellstudium, das sich durch eine behutsame Idealisierung in Schadows typischen naturalistischen Idealismus verwandelt.

Unter der Oberfläche brodelt es Doch die sanfte Ruhe täuscht. Unter der glatten Oberfläche brodelt es. Denn Schadows Altar ist ein Schlachtruf in den heftigen ideologischen Auseinandersetzungen um Religion, Christentum und die Zuverlässigkeit der biblischen Offenbarung, die in diesen Jahrzehnten die deutschen Lande erschütterten. Auch die Bibel wurde nicht verschont. Ausgerüstet mit den Waffen der Philologie und Geschichtswissenschaft sezierte die historisch-kritische Bibelforschung die Bibel und fördert schon bald beunruhigende Unstimmigkeiten zwischen den biblischen Büchern hervor, nicht zuletzt zwischen den Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas (den sogenannten Synoptikern) auf der einen Seite und von Johannes auf der anderen.

Ausgerechnet in Schulpforte besaß die historisch-kritische Bibelforschung nun einen prominenten Vertreter mit dem 1802 ernannten Rektor der Schule Karl David Ilgen (1763–1834). In diesem Kontext entpuppt sich Schadows Triptychon als programmatische und provokante Antwort der christlichen Gegenseite. Mit Bild und Bibelzitat argumentiert der Maler gegen die Degradierung der Heiligen Schrift vom göttlich inspirierten Text zum rein historischen Dokument. Hinter der sanften Ruhe von Schadows Altarbild verbirgt sich eine komplexe Bildsprache mit einem theologischen Bekenntnis.

Einheit von Vater und Sohn Das erste ist das Bekenntnis zu einem trinitarischen Gottesverständnis, das die Liebe zu Christus als Teil der Liebe zu Gott begreift. Der Mensch kann sich Gott nur durch den Glauben an Jesus Christus nähern, verkündet uns der Altar und verweist mit dem Zitat unter dem Mittelbild, »Alles, was der Vater hat, das ist mein!« (Joh. 16,15) auf die Einheit von Christus und Gott. Diese Idee bestimmt auch die Spruchauswahl unter dem Bild des Johannes: »Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben« (1 Joh. 5,12). Ausgehend vom Dogma des trinitarischen Gottesverständnisses veranschaulicht der Altar das Heilsversprechen der Gottesschau. Als lebensgroße Figur erscheint der Heiland lebendig vor uns, steht uns gleichsam unmittelbar vor

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Augen, und zwar nicht als der historische Jesus, sondern als der Verklärte, der den Tod überwunden hat. Die Verkündigung des lebendigen Christus in den Evangelien wird im Bild zu materieller Realität. Schadows Triptychon veranschaulicht damit jene Verheißung der Evangelien, die dem Christen, der an den Auferstandenen glaubt, das ewige Leben verspricht. Das zweite Bekenntnis ist es das Bekenntnis zu der Notwendigkeit wahrer Innerlichkeit, die dem Befolgen der Gebote innewohnen muss. So heißt es unter der Gestalt des Matthäus: »Selig, die reinen Herzens sind« (Mt. 5,8). Dieses Zitat bringt zugleich den Gedanken der Überlegenheit des Neuen über das Alte Testament ins Spiel. So richtet sich die antikultische Tendenz dieses Verses gegen die Säuberungsgesetze der jüdischen Religion als einem rein äußerlichen Tun, denen das Matthäusevangelium das Gebot innerer Reinheit entgegenhält. So spricht Jesus in der Bergpredigt: »Wenn Du nun Almosen gibst, sollst Du nicht lassen vor dir posaunen, wie die Heuchler thun in den Schulen und Gassen, auf daß sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin« (Mt. 6,2). Das Verhältnis von christlicher und jüdischer Lehre sollte nur ein Jahr später ins Zentrum einer 1825 für den Naumburger Domherrn Baron von Ampach gemalten Leinwand rücken: In dem Altarblatt »Christus,

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das Gesetz erklärend« stehen sich Altes und Neues Testament in Gestalt von Pharisäer und Apostel unmittelbar gegenüber. Sie verkörpern eine moderne Umsetzung des traditionellen Gegensatzpaares der blinden Synagoge und visionären Ecclesia. So ist der Blick des Schriftgelehrten durch einen Schattenriegel verdunkelt; er bleibt Gottes Offenbarung gegenüber blind. Johannes hingegen ist im wahrsten Sinne des Wortes erleuchtet. Als Sohn einer konvertierten Jüdin blieb Schadow dem modernen rassentheoretisch und biologisch argumentierenden Antisemitismus stets fern; dennoch sind seine Bilder missionarisch. Jüdische Emanzipation ist in Schadows Augen nur denkbar als Konversion zum Christentum. Das dritte Bekenntnis ist das Bekenntnis zur Authentizität der Evangelien und deren göttlicher Inspiration. Dazu greift Schadow auf das Motiv der Evangelienharmonie zurück. Dem Motiv liegt der Gedanke der Einheit der vier Evangelien in Christus zugrunde; künstlerisch fand es seine Umsetzung als Versammlung der Evangelisten, die im gemeinsamen Abfassen ihrer Bücher begriffen sind. Damit ist das Motiv schlechthin unhistorisch. Das biblische Geschehen – und seine Aufzeichnung – werden nicht als geschichtliches Ereignis präsentiert, sondern als reines Sinnbild. Dementsprechend ist auch nicht der historische Jesus Inspirationsquelle der schreibenden Evangelisten, son-


dern der Christus logos, jener fleischgewordene Geist, von dem Alles seinen Ausgang nahm: »Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott« (Joh. 1,1). Der Pfortenser Altar gab dieser theologischen Quintessenz frische Gestalt. Dabei gewinnt die Komposition an schlichter Eindrücklichkeit durch die Reduzierung auf nur zwei Evangelisten, wobei Matthäus für die gesamte Gruppe der Synoptiker steht. Das Gemälde für Ampach spitzte diese Idee noch weiter zu. So übergibt hier Johannes dem Heiland nicht sein eigenes, sondern das Evangelium des Matthäus. Indem Christus für die Belehrung des Pharisäers auf das ihm präsentierte Buch zurückgreift, autorisiert er damit gleichsam alle der kanonischen Schriften. Schadows Triptychon ist ein Bekenntnisbild, in dem es, künstlerisch wie theologisch, um die Unmittelbarkeit der Ansprache geht. Bibelzitate wie Bildgeschehen verkünden die Fortsetzung von Christi Offenbarungswerk durch den Heiligen Geist.

Dazu bedarf es jedoch des Platzes auf dem Altar und der auf dem Altargehäuse angebrachten Bibelzitate. Als diese verlustig gingen, zerbrach auch die ersehnte Engführung von Bild und gelebtem Christentum. Schadow ging es nicht zuerst um die Kunst, sondern um den Glauben. Die Welt des Museums verwandelt jedoch das geistliche Werk ins reine Kunstwerk. Und so bedarf es der Rückbesinnung auf die geschichtlichen und ikonographischen Wurzeln des Pforta-Altars, um den theologischen Geist wiederzuerwecken, in dem das Werk gemalt wurde. PROF. DR. CORDULA GREWE, PHILADELPHIA Cordula Grewe ist Professorin und Inhaberin des Lehrstuhls für Kunstgeschichte der Universität von Pennsylvania in Philadelphia (USA). Ihre Forschungsschwerpunkte sind die deutsche Kunstgeschichte und Kunsttheorie des 18. und 19. Jahrhunderts.

Geistgetragene Predigt wirkt fort Dahinter steht der Glaube, dass Jesu Wort in der geistgetragenen Predigt der Kirche lebt und fortwirkt. Wort und Bild, statisches Kunstwerk und lebendes Ritual, real erlebter Gottesdienst und Bildgeschehen sollen hier zu einem Moment lebendig gewordener Überlieferung verschmelzen.

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25 Jahre Landesschule Pforta EINE SPURENSUCHE NACH TRADITIONEN

I

In den 1980er Jahren leiteten die Direktoren Werner Gaudig (rect. port. 1980–1987) und Heinz Erhardt (rect. port. 1988–1990) die Geschicke der Pforte. Gaudig war von 1953–1957 selbst Alumnus Portensis und kam als Schulleiter einer POS aus dem Kreis Naumburg an seine ehemalige Alma Mater zurück. Er war, wie sein AmtsVorgänger Gerhard Arnhardt (rect. port. 1969–1980), Naturwissenschaftler. Auch Heinz Erhardt war Mathematiklehrer in Bad Kösen, bevor er an die Pforte kam. Durch eine staatliche Anordnung von 1980 war es möglich geworden, dass vereinzelte Schulen der DDR zu Spezialschulen ausgestaltet werden konnten. Dazu gehörte auch die EOS Pforte. Zum Schuljahr 1981/82 wurden zwei Spezialklassen mit verstärktem Englisch- bzw. Französischunterricht eingerichtet, die aus den sogenannten »K-Klassen« (Klassen mit einer verstärkten Ausbildung in modernen Fremdsprachen) hervorgingen, welche bereits in den 1970er Jahren gebildet worden waren. Ein Schuljahr später, 1982/83, wurden auch Klassen mit verstärkter musikalischer Ausbildung eingerichtet. 39 SchülerInnen sind zum 1.9.1981 in neue Sprachenklassen aufgenommen worden, 25 SchülerInnen zum 1.9.1982 in der

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Musikklasse. SchülerInnen für die naturwissenschaftlich-mathematische Ausbildung kamen, wie alle anderen EOS-Schüler in der DDR ab 1983 auch, erst ab Klasse 11 und nur für zwei Schuljahre an die EOS. Im Grunde waren damit in Pforta die »traditionellen« modernen Spezialzweige gebildet worden. Eine Aufnahmeprüfung bildete die Zugangsvoraussetzung für diese Spezialklassen. Pforta hatte dadurch wieder die »traditionelle« Auswahl der Bewerber erhalten. Das traf allerdings nicht auf alle SchülerInnen zu. Durch die Schließung der EOS in Naumburg–Stadt kam ein großer Teil der SchülerInnen jetzt aus der unmittelbaren Umgebung. Viele dieser Jugendlichen konnten aus Kapazitätsmangel nicht in den vorhandenen Internaten untergebracht werden und mussten deshalb täglich fahren. Die Konsequenz war, dass damit das Konzept der Einheit von Schule und Internat zunehmend aufgehoben werden musste. Laut Schulstatistik waren 1989 von den insgesamt 287 immatrikulierten SchülerInnen nur noch 137 in den Internaten untergebracht – nicht einmal die Hälfte der Schülerschaft. Die Schule verlor damit eine ihrer großen Traditionen. Nur noch zwei Jahre Pforta und das als Fahrschüler – der innige Bezug zum »locus iste« ging für viele SchülerInnen verloren. Das verbindende Element des Internatslebens lernten sie erst gar nicht kennen. Andererseits verweisen


auswärtige Besucher der Schule in ihren Beschreibungen Ende der 1980er Jahre stets positiv verwundert darauf, dass höflich grüßende Mädchen und Jungen hier noch gute Sitte wären und die Mädchen und Jungen stolz seien auf Schulpforta. Zur Sicherung der Bildungsqualität – vor allem aber zur Absicherung der notwendigen Anzahl von Schüler­ Innen mit bestandenem Abitur zur weiteren Ausbildung an den Hochschulen der DDR – wurde das Fach Wissenschaftlich-praktische Arbeit (WPA) seit 1983 in der DDR bereits Ende der Klassenstufe 11 abgeschlossen. Auch Geschichte und Erdkunde endeten mit einer Prüfung und Endnote, die in das Abiturzeugnis aufgenommen wurde, bereits nach der 11. Klasse. Zwischen Biologie und Chemie sowie Musik und Kunsterziehung mussten sich die SchülerInnen der Klassen 11/12 entscheiden. So wurde auch in der EOS Schulpforta ein Gerüst umgesetzt, das es erlaubte, den vorgegebenen Stoff zu schaffen und damit das Abitur abzusichern. Fragt man SchülerInnen und LehrerInnen der oben beschriebenen Zeit nach »Traditionen« oder prägenden Pfeilern des Schullebens der EOS Schulpforta, so gleichen sich die Antworten auffallend. Das strenge Zeitregime wird reflektiert: 6:00 Uhr Wecken durch Klingel, Unterricht,

danach Arbeitsstunde, AG-Arbeit, zweite Arbeitsstunde für 9er und 10er, Nachtruhe um 22:00 Uhr. Das Wort »Appell« taucht in vielen verschiedenen Zusammenhängen auf: gepaart mit Schule, FDJ, DSF, GST, Sport, Feiertagen... Die »Klasse vom Dienst« und der »Schüler vom Dienst« (SvD) werden oft beschrieben. Und die damit verbundenen Aufgaben: der Küchendienst einerseits, mit Kartoffelschälen, Tische abwischen und Geschirrspülen, der Wachdienst andererseits, der in speziellen Wachräumen und am Torhaus das Internats- und Schulleben kontrollierte – auch nachts. Es gab Ämter mit Einfluss innerhalb der FDJ-Struktur aber auch in den Internaten. Einen Hygienerat zum Beispiel, der sich mit den Bedingungen in den Massen-Waschsälen auseinandersetzte. Einen zentralen Punkt in den Erinnerungen spielt die vormilitärische Ausbildung. Sie war unterrichts­ immanent und in der Zivil-Verteidigung (ZV) scheinbar allgegenwärtig und umfasste einen ZV-Lehrgang der Mädchen der Klassenstufe 9 sowie einen DRK-Lehrgang der 11erinnen. Beide hatten militärischen Charakter. Die Jungen absolvierten ihre Ausbildung im zentralen ZV-Lager in Breege auf Rügen oder im GST-Lager TambachDietharz. Hier waren Ablauf und Inhalte stark an die NVA-Vorschriften angelehnt: Appelle, Sturmbahnlauf, Schießausbildung und Märsche mit Gepäck gehörten u. a. dazu.

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»Traditionen« im weiteren Schuljahresgeschehen waren das »NeunerSchwoofen«, das in den 1980er Jahren vor allem aus einer Disco bestand, bei der die »kleinen Neuen« neugierig »beguckt« werden konnten. Ein »Duschen« der 9er durch Größere aus »disziplinarischen Gründen« war dem Vernehmen nach eher ungewöhnlich und die Ausnahme. Im Dezember war natürlich das Weihnachtskonzert (von dem es nur eins gab) der Höhepunkt. »Traditionell« erklang darin »Tausend Sterne sind ein Dom«. Der Karneval oder Fasching spielte im Februar eine wichtige Rolle im Kulturgeschehen. Legendär sind die Lehrerprogramme, die ein zentraler Baustein der Faschingsfeiern gewesen sein sollen. Das traditionelle Schulfest aber spielte in den 1980er Jahren kaum noch eine Rolle. Dem Anspruch, den es als ehemaliges Gründungsfest eigentlich erfüllen müsste, wurde es mit den verbliebenen Sportwettkämpfen, Fahnenappellen und den wenigen Aufführungen in der Aula nicht annähernd gerecht. Das lag vor allem daran, dass der eigentliche historische Hintergrund seit den 1950er Jahren verschwunden war. Das Theaterspielen ist auch zu DDR-Zeiten gepflegt worden. Herr Konetzny und Herr Gericke inszenierten z.B. Aufführungen mit SchülerInnen, aber auch Schülerensembles ohne Lehreranleitung führten zu den Schulfesten Stücke auf.

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Unter dem Eindruck der Friedlichen Revolution und der Umbrüche in Staat, Gesellschaft und Schulleben reichte Erhardt zum 31.7.1990 seine Kündigung ein, und der Altphilologe Eberhard Horn (rect. port. 1990– 1992) aus Meinerzhagen ließ sich am 6. September als Rektor Portensis ins Amt einführen. Schon bei dieser Inszenierung und seiner Verkündigung eines neuen Schulprogramms wurde deutlich, dass er eine andere Vorstellung von Traditionen hatte, als die SED-Führung der DDR. Er legte Wert auf eine Rückbesinnung und begann, alte Traditionen neu zu etablieren: der Tagesablauf wurde verändert, die alte Keilglocke ersetzte die Schulklingel – es konnte wieder gekeilt werden. Das angestammte Lehrerkollektiv wurde fast komplett ausgetauscht. Das Tutorensystem hielt Einzug und verband Lehrer und Schülerschaft enger. Der Chor nahm wieder kirchliches Liedgut in sein Repertoire auf. In der Abtskapelle fand 1990 der erste Gottesdienst nach 38 Jahren statt. Für Mai 1991 wurde ein groß angelegtes Schulfest geplant. Dann stolperte Rektor Horn über eine Affäre, und es war dem folgenden Rektor Karl Büchsenschütz (rect.  port. 1992–2005) gegeben, den Strukturwandel in Schulpforta zu einer Landesschule mit Strahlkraft strategisch und taktisch zu meistern. Er konnte auf Horns Ansätze zurück-


5Chor der EOS Pforte beim Chortreffen 1979 in Schwerin (im FDJ-Hemd). 4Gericke als Chorleiter: Chor der EOS Pforte 1984 in Ungarn (hier am Balaton).

greifen, musste der Schule aber ein eigenes Gesicht geben. Und das unter Zeit-Druck, denn 1993 stand das 450ste Gründungsfest an. Dass in diesem Zusammenhang alte Traditionen recherchiert, hinterfragt, adaptiert und in die neue Zeit geholt wurden, ist nicht verwunderlich. Das Begehen des Schulfestes selbst wurde nicht nur zum Zeichen dieser Entwicklung, sondern seine Vorbereitung eben auch Katalysator dieser. In seinen Erinnerungen stellte Büchsenschütz 2009 dar, dass es eine Vielzahl von verschiedenen Ritualen innerhalb eines Schuljahres gegeben hat, die eine Verbundenheit der Schüler untereinander und zu ihrer Alma Mater schufen und schaffen. Über die Praxis im Umgang mit solchen Festen, Feierlichkeiten und anderen Schulveranstaltungen resümierte er: »In Schulpforta war ihre Anzahl besonders groß. Manche waren historisch überliefert, andere situativ neu hinzu erfunden. Alte wurden ersetzt oder mit neuen verschmolzen

und von Schülern ganz schnell als zur Tradition gehörend bezeichnet und ihre Ausgestaltung als selbstverständlich eingefordert.« Er stellte für seine Zeit als Rektor 15 Veranstaltungen im Jahreszyklus vor, die Pforta ein besonderes Gepräge gaben und geben. Zu diesen kam eine Reihe weiterer nicht zyklischer Veranstaltungen, die der Internatsschule ein besonderes Fluidum gaben. Zu den wichtigsten gehörten und gehören u.a. gemeinsames Musizieren oder Theaterspielen, Rituale zur Aufnahme neuer Schüler, Bergfeste, Abiturientenverabschiedungen oder der Brauch des Gänseessens am Martinitage. Eine noch höhere Bedeutung hätten verbindende Feste, die auch nach außen wirkten und wirken. Solch ein Fest war und ist in erster Linie das Schul- und Stiftungsfest, das in Pforta als Gründungsfest der Landesschule in den ersten Jahrhunderten noch traditionell am 1. November gefeiert wurde. An dem Tag, an dem der erste Schüler in die Schule aufgenommen wurde, ein gewisser Nikolaus Lutze aus Kindelbrück. Mit Unterstützung des Pförtner Bundes e.V. und der Stiftung Schulpforta, namentlich des damaligen Prokurators Jochen Kreyssig,

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gelang es Büchsenschütz, eine Reihe alter Traditionen neu zu etablieren: das Ecce war am 26.11.1990 durch die Altpförtner zurück in die Kirche St. Marien gekommen (die nun aufwändig gesichert, teilsaniert und wieder benutzt wurde). Es wurde fortan wieder jährlich abgehalten. Auch der Pförtner Bund e.V. mit seinem Archiv fand wieder zurück an seine Alma Mater. Die evangelische Pfarrerin Regine Huppenbauer-Krause betreut seit 1991 seelsorgerisch die Schulgemeinde. Sie impliziert, zelebriert und/ oder betreut regelmäßig Andachten, Gottesdienste, Kreuzweg, eine TaizéNacht… Es gibt wieder Konfirmationen von Alumni, kirchliche Trauungen ehemaliger Alumni und Taufen der Kinder von Alumni quondam in unseren Klostermauern. Der Stiftung gelang es, Teile der enteigneten Güter zurück zu erhalten. Einnahmen zur Förderung standen nun wieder auch der Schule zur Verfügung. Für die SchülerInnen Pfortas beginnt das Leben als Alumni Portensis heute wieder mit der traditionellen festlichen Immatrikulation in der Kirche und dem Einschreiben in das Schulbuch, in eine Liste mit inzwischen weit über 20.000 Eintragungen. Das gemeinsame Martini-Gänseessen, das nun in der Regel jährlich am Martinitag im November für alle Alumni und Magistri im Refektorium stattfindet, wurde zu einem gemeinsinn-

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stiftenden Fest ausgebaut und ist heute kaum mehr fortzudenken. Der »Schwoof« der 9er wurde ausgebaut. Das »Neunerduschen« entwickelte zum Teil ein Eigenleben und musste in sinnvolle Bahnen gelenkt werden. Der 11er-Rat übernimmt nun »traditionell« jeweils für ein Jahr das Ausgestalten der Schüler-Kultur-Events und Diskos. In den Internaten etablierten sich neue Strukturen. Das »Wichteln« mit seinen Wichtelaufgaben zur Weihnachtszeit ist im Chor und in den Internaten heute wichtiger traditioneller Bestandteil des Miteinanders. Nietzsche ist wieder im Schulleben verankert. Es gibt Tagungen, Workshops, die NietzscheGesellschaft ist regelmäßig zu Gast im Haus. Das Theaterleben, eine traditionelle Ausdrucksform der Portenser, hat seit 1990 deutliche Spuren hinterlassen. Eric Nikodym (al. port. 2000–2005) baute 2004 federführend das legendäre »Ludorium« in der ehemaligen »Delfa-Halle« als Spielstätte aus. U.a. David Ortmann (al. port. 2001–2006) und Franz Werfel (al. port. 2003–2007) lieferten große Inszenierungen ab. Die Studiobühne entstand. Die alte Turnhalle wurde 2015 umgebaut – zu einem hochmodernen Multifunktionsgebäude, zur Bühne mit Eventcharakter. Neben all diesen, das Schulleben tragenden »Traditionen« – und es konnten nicht annähernd alle aufgezeigt


werden – Schulpfortas Schüler schreiben heute mit Abstand – und Erfolg – die meisten Besonderen Lernleistungen einer Schule in Sachsen-Anhalt, die so hohes Niveau erreichen, dass sie prüfungsrelevant sind und einzelne Abitur-Prüfungen damit ersetzt werden können. Das erinnert an die einstmals traditionellen Valediktionsarbeiten. »Traditionell« liegt der Abiturdurchschnitt unserer Alumni deutlich unter dem der Landeskinder. Und nach in der Regel vier aufregenden, prägenden Schuljahren endet die Schulzeit unserer Alumni wieder mit der traditionellen feierlichen Exmatrikulation in der Kirche. Ein Großteil unserer Abiturienten tritt vorher, nach einem gemeinsamen (inzwischen traditionellen) Kaffeetrinken der Abiturientia mit der Lehrerschaft, kurz vor der Exmatrikulation in den Pförtner Bund e.V. ein, dessen Durchschnittsalter damit seit Jahren deutlich sinkt. Was aber viel wichtiger ist: auf diese Weise wird die enge Verbundenheit der Alumni mit ihrer Alma Mater und den Traditionen dieses außergewöhnlichen Ortes, dieser außergewöhnlichen Schule und den außergewöhnlichen Lernumständen deutlich... Traditionen, die sich lohnen. DR. DIRK HEINECKE (MAG. PORT.)

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Frank-Thomas Gericke MAG. PORT. 1953–1995, AM 12. JANUAR 2016 IN WEIMAR GESTORBEN Zwei ehemalige Schüler, Helmut Heimbürge und Sven Golembowski, hatten der Redaktion der »Pforte« Beiträge zum 85. Geburtstag von FrankThomas Gericke am 19. März 2015 eingesandt. Diese wurden inzwischen zu Nachrufen auf eine Lehrerpersönlichkeit, die wie keine andere in der DDR-Zeit und noch danach prägend in Pforta gewirkt hat:

W

HELMUT HEIMBÜRGE (AL. PORT. 55–57 V.): Wir hatten im April 2015 unser Klassentreffen in Weimar und meine Spekulation ist aufgegangen, dass wir unseren Klassenlehrer für zwei Stunden bei uns haben konnten. Wenige Tage nach seinem Jubiläum am 19. März hatte dann seine Frau ihren 90. Geburtstag. Als weiteres Jubiläum stand für sie beide im Mai auch noch ihre Diamantene Hochzeit an. Von Pforta ist Herr Gericke 2005 wegen der Krankheit seiner Frau nur schweren Herzens weggezogen. Weimar mit der Nähe zum Sohn ist die neue Heimat geworden. Die Musikstadt hat ihn mit vielen unterschiedlichen Darbietungen bald versöhnt und die bequemeren Gelegenheiten zur Musik nutzen lassen.

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42 Jahre im Beruf war Pforta der Erfüllungsort. Das hat meines Wissens kein anderer Lehrer vor ihm in Pforta geschafft. So viele Schüler und Klassen sind durch seinen Musikunterricht gegangen. Besonders sind ihm seine Choristen ans Herz gewachsen. Der Aufbau und die ständige Erneuerung des Chores war sein Anliegen, der Kammerchor die herausragende Spitze dabei. Auf die Auftritte in der Schule und in der Öffentlichkeit hat er immer hin gearbeitet und sich voll dafür engagiert. Er hat mindestens vier unterschiedliche Zeitabschnitte in Pforta gemeistert: Die Anfangsjahre bis 1958, danach die politisch sehr restriktiv geprägte Zeit unter SED-nahen Direktoren. Den Aufbau des Musikzweiges ab 1982 hat Herr Gericke entscheidend geprägt. So konnte die Internatszeit ab der 9. Klasse in Pforta aufrecht erhalten werden. Das Argument dafür: In weniger als zwei Jahren kann keine Qualität für die Stimmbildung und den Chor erreicht werden. Die anderen »erweiterten Oberschulen« in der DDR hatten nur noch die 11. und 12. Klasse. Für den Musikzweig sind Herrn Gerickes Erfahrungen und fachlichen Kompetenzen in der Musikpädagogik voll zur Wirkung gekommen. Nach 1990 gehörte er zu


den wenigen Lehrern, die weiter an der Schule in Pforta geblieben sind. Zum 450-jährigen Schuljubiläum 1993 ist seine Tätigkeit in Schulpforte (fast ein Zehntel der Pfortenser Schulgeschichte) mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt worden. Wir waren eine seiner ersten Klassen, die er als Klassenlehrer betreut hat.

I

SVEN GOLEMBOWSKI (AL. PORT. 82–86 V.): Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Aufnahmeprüfung in Pforte. Im praktischen Teil musste ich, nachdem ich ein Lied zur Gitarre vorgesungen hatte, Noten vom Blatt singen. Ich hatte eine vage Ahnung davon, ob es nach oben oder unten ging. Von Intervallen hatte ich noch nie etwas gehört. Ich wurde trotzdem angenommen (männliche Bewerber hatten einen Geschlechterbonus). Limitierte Vorkenntnisse brachte nicht nur ich mit. Aber nach vier Jahren verabschiedete sich unsere Klasse mit einem zweistündigen »Abiturprogramm«, was in meiner (verklärten) Erinnerung aus hoch professionellen Darbietungen in der Art eines »Kessel Buntes« (Instrumentalstücke, Theater »Auerbachs Keller«, Musical »Cats«, Kabarett, Lehrergesangsratespiel u.a.) bestand. Eröffnet wurde der Kessel feierlich mit einer eigens hierfür geschriebenen Kantate. Wir präsentierten stolz, was wir in vier Jahren gelernt hatten. Die Kantate widmeten wir Herrn Gericke und unserem Klassenlehrer, Herrn Otto Democh. Wir waren Herrn Gerickes erste Musikklasse. »Ihr werdet immer etwas Besonderes für mich bleiben!«, betonte er nicht selten, wenn wir uns z.B. zu Klassentreffen wieder trafen. Erst später wurde mir klar, dass 1982,

Frank-Thomas Gericke | 25


mit der Schaffung des Musikspezialzweiges, ein langer Traum Herrn Gerickes in Erfüllung ging. Seit den 50er Jahren hatte er die musikalischkünstlerische Qualität an der Schule mit begabten Schülern ausgebaut, die bei musikalischer Eignung zur Teilnahme am Chorsingen zwangsverpflichtet wurden (und das in aller Regel nicht bereuten). Nun aber hatte er Schüler um sich, die vorrangig der Musik wegen nach Pforta kamen! Für mich kam die Pforte-Zeit zur rechten Zeit; ich bekam Nahrung, Antworten und Horizonte während der fragenden und suchenden Lebensphase. Herr Gericke war während dieser Zeit mein Mittelpunkt als Lehrer, Pädagoge und Mensch. Er war Humanist, vermittelte Werte, die damals wie heute Bestand haben. Er hatte einfach alles in der Hand. Aus seiner Zeit als Einzelkämpfer war er gewohnt, vom morgendlichen Wecken (an Chorwochenenden) bis zum abendlichen Betthupferl alles selbst zu übernehmen. Sein Arbeitspensum war enorm. So wurden seine hohen Forderungen an andere nachvollziehbar. Neben seiner Beharrlichkeit bewies Frank-Thomas Gericke Weitsicht in der Personalauswahl seines Teams. Noch während unserer Anwesenheit

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Mitte der 80er zogen die Familien Jende und Lachmann in Schulpforte ein. Der Staffelstab war zur Übergabe bereit.


Ulrich Schiller ZUM 100. JAHRESTAG SEINER GEBURT AM 14. MÄRZ 2016

nem gemeinsamen deutsch-französischen Denkmal ihren Ausdruck fand.

Es gibt einige Ehemalige, deren Bindung über Jahrzehnte eng mit unserer Schule besteht und sich über 80 Jahre erstreckt. Zu ihnen gehörte Ulrich Schiller, dessen Brüder Friedrich und Klaus gleichfalls Schüler in Pforta waren. Schon der Vater hatte hier 1899 sein Abitur abgelegt, zusammen mit dem Vater seines Mitschülers Bertling.

In den ersten Friedensjahren sammelte Ulrich seine Klassenkameraden und die Witwen der Gefallenen zu jährlichen Treffen, die er bis ins hohe Alter organisierte. Sie waren alle Mitglied des Pförtner Bundes geworden und spendeten wiederholt, z.B. den Billardtisch im Internat 3. Von 1963–1970 leitete Ulrich Schiller als Schriftführer die »Pforte«, zugleich beteiligte er sich als Vorstandsmitglied des Pförtner Bundes intensiv an dessen Arbeit.

E

Ulrich besuchte die Alma mater, die noch nicht von dem Übergang zur NPEA geprägt war, von 1929–1935. Die engen Bindungen zu den Zimmergenossen und Mitschülern hielt er ein Leben lang aufrecht. Durch den 2.Weltkrieg erlitt die Familie große Verluste: Bruder Friedrich fiel, Bruder Klaus verlor einen Arm und Ulrich ein Bein. Zwölf der Abiturienten von Ulrich Schillers Jahrgang kehrten nicht aus dem Krieg zurück. Ulrich war trotz seiner Behinderung aktiv in der Industrie und als Bürgermeister von Wülfrath (1975–1984) tätig, förderte die Partnerschaftsbeziehung seiner Stadt zur englischen Gemeinde Ware in der Grafschaft Hertfordshire. Zu dem französischen Regiment, dem er 1940 im Kampf gegenüber stand, entwickelte er eine Freundschaftsbeziehung, die in ei-

Zu seiner großen Familie besaß er ein enges Verhältnis und ließ alle an seinem Schaffen teilnehmen. Ulrich Schiller starb am 16. April 2011. Er war mir als Archivar des Pförtner Bundes immer eine wertvolle Hilfe und Unterstützung. Zum 100. Jahrestag seiner Geburt am 4. März 2016 sei ihm ein ehrendes Gedenken gewidmet. KLAUS-DIETER FICHTNER (AL. PORT. 46–48 V.)

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Aktuelles aus der Landesschule *  *  *

3Foto: Hamish John Appleby


Predigt zum Schulfest in Pforta Predigt im Gottesdienst 472. Schuljubiläum am 31. Mai

D

zum

Das Wort aus der Heiligen Schrift, unter das wir uns heute Morgen stellen, finden wir geschrieben im 1. Buch Mose Kapitel 28, Verse 10–22. Ich lese den Text so, wie ich ihn übersetzt habe. Jakob aber zog weg von Beer-Scheba und ging nach Haran. 11 Und er gelangte an einen Ort und musste dort übernachten, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen von den Steinen des Ortes, richtete ihn für seinen Kopf und legte sich an jenem Ort hin. 12 Und er träumte: Siehe, eine Treppe war auf die Erde gestellt, und ihre Spitze berührte den Himmel. 13 Und siehe, Boten Gottes stiegen darauf hinan und herab. Und siehe, der HERR stellte sich darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, dir und deinen Nachkommen will ich es geben. 14 Und deine Nachkommen werden sein wie der Staub der Erde, und du wirst dich ausbreiten nach Westen und Osten, nach Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen werden alle Geschlechter der Erde gesegnet werden. 15 Und siehe, ich bin mit dir und behüte dich, wohin du gehst, und ich werde dich in dieses Land zurückbringen. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich getan, was ich dir gesagt habe. 10

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Da erwachte Jakob aus seinem Schlaf und sprach: Fürwahr, der HERR ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht. 17 Und er fürchtete sich und sprach: Wie furchtbar ist dieser Ort! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und dies ist das Tor des Himmels. 18 Und Jakob stand am Morgen früh auf und nahm den Stein, den er unter seinen Kopf gelegt hatte, richtete ihn als Mazzebe auf und goss Öl oben darauf. 19 Und er nannte jenen Ort Bet-El, früher aber hiess die Stadt Lus. 20 Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wenn Gott mit mir ist und mich auf diesem Weg, den ich gehe, behütet, und mir Brot zu essen und Kleider anzuziehen gibt 21 und ich mit Frieden zum Haus meines Vaters zurückkehre, so soll der HERR mir Gott sein. 22 Und dieser Stein, den ich als Mazzebe aufgerichtet habe, soll ein Gotteshaus werden und alles, was du mir geben wirst, will ich dir getreulich verzehnten. 16

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Amen. Liebe Festgemeinde, Friedrich Wilhelm Nietzsche, den ich an dieser Stelle erwähnen möchte, weil er wohl einer der berühmtesten Schüler von Pforta ist, lobte das Alte Testament im Vergleich zum Neuen Testament in hohen Tönen. Während Nietzsche das Neue Testament


nicht mochte, es als sektiererisches Evangelium ungebildeter und eingebildeter frommer Männer verachtete, schrieb er zum Alten Testament: »Das alte Testament – ja das ist ganz etwas Anderes: alle Achtung vor dem alten Testament! In ihm finde ich grosse Menschen, eine heroische Landschaft und Etwas vom Allerseltensten auf Erden, die unvergleichliche Naivität des starken Herzens; mehr noch, ich finde ein Volk.« Ich möchte nicht eine vorschnelle Interpretation von Friedrich Nietzsches Worten geben, denke aber, dass sein Bild der »heroischen Landschaft« mit Texten wie Genesis 1 übereinstimmt. Dort heisst es: »Bereschit bara elohim et haschamaim we’et haarez. Wehaarez haita tohu wawohu wechoschech al pene tehom weruach elohim merachefet al pene hamaim.«1 »Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde aber war tohuwabohu, Irrsal und Wirrsal.« Die Erde war Ursuppe. »Und Finsternis war über der Urflut; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.« Wir können uns ein urwüchsiges beeindruckendes Durcheinander von Fels und Wassermassen vor dem Hintergrund

1  Lauttranskription.

eines bedrohlichen Himmels vorstellen. Darin, im Alten Testament, findet Nietzsche auch ein Volk. Was für eine Vorstellung hat Friedrich Nietzsche von »einem Volk«? Was findet er bewunderungswert an diesem alten Volk der Bibel? Was ist eigentlich ein Volk? An dieser Stelle möchte ich innehalten und Ihnen, meinen Gastgeberinnen und Gastgebern, darlegen, was der Begriff Volk in mir erweckt. Als Schweizerin verstehe ich das Volk als eine multikulturelle Gesellschaft, in der Menschen mit verschiedenen Sprachen und Religionen Platz haben. Es ist für mich selbstverständlich, dass das Volk in direkter Demokratie politische Verantwortung übernimmt, durch Initiativen und Referenden den Alltag des Landes lenkt (auch wenn diese Konflikte im In- und Ausland hervorrufen) und in der Legislative und Exekutive durch Frauen und Männer vertreten ist. Der Zusammenhalt von Schweizern und Schweizerinnen ist in der Volksseele tief verankert, was Friedrich Schiller treffend aufgenommen hat. So schwören im Schauspiel »Wilhelm Tell« die Eidgenossen am Rütli: »Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr. Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,

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eher den Tod, als in der Knechtschaft leben. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.« Eigentlich unnötig noch zu erwähnen, dass die Schwestern, die Frauen heute gleichberechtigt zum Volk der Schweizer gehören. Die Familien, die Stämme, die Völker, welche das Land der Bibel bewohnen, sind unterschiedlich. Doch Nietzsche denkt sicherlich an das Volk Israel, aus dem die biblische Figur – Jakob –, mit der wir uns befassen, stammt. Wo platziert Friedrich Nietzsche in seiner Betrachtung des Alten Testaments die Figur Jakob? Sollte Jakob einer von diesen Menschen sein, dessen starkes Herz unvergleichliche Naivität beherbergt, dann bedarf diese Aussage einer kritischen Hinterfragung, denn Jakob ist uns vielmehr als zwiespältiger Mensch bekannt, der hinterlistig, berechnend, rücksichtslos war, ein Mensch mit Schwächen. Auf diese menschlichen Schwachheiten hinzuweisen ist ein Leichtes: Als Betrüger und Erbschleicher erweist sich Jakob, indem er auf Anstiftung seiner Mutter Rebekka von seinem alten, halbblinden Vater Isaak den Erstgeburtssegen erlistet, durch den rechtskräftig Wohlstand und Fami-

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lienherrschaft weitervererbt werden. Somit beraubt Jakob seinen älteren Bruder Esau des ihm zustehenden Erbes. Auch in der Fremde tritt Jakob als Gauner auf, denn er wendet einen Trick an, um von seinem Onkel Laban reichen Lohn an Kleinvieh, Kamelen und Eseln zu erhalten (Gen 30,43). Schwieriger ist es, Jakobs starkes Herz auszumachen. Aber sind wir denn überhaupt in der Lage, menschliche Vorzüge bei den biblischen Figuren auf Anhieb zu entdecken, wenn diese nicht ausführlich beschrieben werden? Wer sich in die Bibel vertieft, dem fällt auf, dass Gehorsam Gott gegenüber als eine Stärke angesehen wird. Ob Gottesgehorsam allerdings aus zeitgenössischer Sicht als menschliche Qualität betrachtet wird, ist zu bezweifeln. Dennoch ist ein Mensch, der nach Gottes Anweisungen handelt, tugendhaft, so geht es aus der Bibel hervor. Demzufolge hat auch Jakob ehrenhafte Züge. Immer dann wenn Gott, der HERR, direkt und hörbar zu Jakob spricht, dann befolgt Jakob Gottes Befehle, zum Beispiel als er mit seiner Grossfamilie von Haran in Mesopotamien ins etwa 700 Kilometer entfernte Beer-Scheba im heutigen Israel heimkehrte. Auch wenn es in unseren Ohren seltsam klingen mag, aber ich denke, Jakob bewies innere Stärke, als er am Fluss Jabbok den Angriff eines wie aus dem Nichts auftauchenden, geheimnisvollen Man-


nes eine Nachtlang abzuwehren versuchte und diesen beim Anbruch der Morgenröte mit den Worten »Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn« (Gen 32,27) zurückhielt. Im Bibeltext wird denn auch Jakobs körperliches und seelisches Durchhaltevermögen gewürdigt. Er erhält den neuen Namen »Israel«, mit der Begründung »denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast gewonnen« (Gen 32,29). Seinen ursprünglichen Namen – Jakob –, der auch hebräisch Betrüger bedeutet, legt er nun ab. In diesem Zusammenhang erlaube ich mir einen kurzen Exkurs. Mit ein wenig Humor könnten wir fragen: Ist Nomen Omen? Der hebräische Name Jaakow kann tatsächlich volksetymologisch abgeleitet Betrüger, Hinterlistiger bedeuten, womit wir Jakob unvermeidlich in Verbindung bringen. Kaum bekannt, jedoch wahrscheinlicher ist die Herleitung vom hebräischen Verb »aqaw« »schützen, bewachen«. Jakob ist dann derjenige, den »Jahwe, der HERR, schützt«. Wählen Sie denn aus! Trotz seiner unmoralischen Haltung wird Jakob von Gott auserwählt. Dies wird sogar vor seiner Geburt im Geburtsorakel festgelegt: »Zwei Völker sind in deinem Leib, und zweierlei Volk wird sich scheiden aus deinem Leibe; und ein Volk wird dem andern überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen« (Gen 25,23). Es

erscheint willkürlich, dass Gott den jüngeren Zwilling Jakob und nicht den älteren Esau erwählt und zum Ahnen des Volkes Israel macht. Jakob hat es ebenso wenig verdient wie Esau, von Gott bevorzugt behandelt zu werden. Warum Gott gerade Jakob auserwählt? Sind wir wie Jakob und Esau bereits vor unserer Geburt mit einer Lebensaufgabe von Gott determiniert? Gibt es also eine Prädestination? Ich denke eher »nein«, aber eine zufriedenstellende Antwort bleibe ich Ihnen jetzt schuldig. Deshalb stelle ich Ihnen eine neue Frage: Sind wir Menschen denn überhaupt in der Lage, Gottes Pläne und Vorhaben zu verstehen? Von heldenhafter Landschaft, von der Naivität des grossen Herzens, von einem Volk und von einem Gauner war bis anhin die Rede. Und was hat es mit der Leiter auf sich? Völlig überraschend träumt der trickreiche, sich auf der Flucht vor der Rache Esaus befindende Jakob von einer auf den Erdboden gestellten Leiter, die bis in den Himmel hinaufragt. Oder handelt der Traum etwa von einer Himmelstreppe? Wir können nur Vermutungen anstellen, wie die Verbindung zwischen Himmel und Erde ausgesehen hat, denn das hebräische Wort »sullam« kommt in der Bibel nur an dieser einen Stelle vor. Da sich »sullam« von der hebräischen Wortwurzel »sll« herleitet, was so viel wie »aufhäufen«

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oder »Strasse aufschütten« bedeutet, ist wohl eher an eine Treppe, eventuell an eine Rampe oder einen Stufenturm zu denken. Wir würden heute vielleicht von einem Lift träumen. Oder wir stellen uns vor, dass die lilablühende Jakobs- oder Himmelsleiter, die ich Ihnen aus dem Kloster Wettingen zur Erinnerung mitgebracht habe, kerzengerade in den Himmel hinaufwächst. Wie auch immer Jakob diese Himmelsverbindung im Traum gesehen haben mag, sie hat ihn unerwartet mit dem Himmel, mit Gott verbunden. Mehr noch: Der HERR zeigt sich Jakob zum ersten Mal und verspricht ihm Land, Nachkommen und seine immerwährende Gegenwart. Warum gerade Jakob? Wir wissen es nicht. Hat er es verdient? Nein, seine Bevorzugung ist auch hier allein Gnade, allein Gottes Geschenk. Offen bleibt auch, wo genau der HERR sich Jakob offenbart, denn der hebräische Text lässt verschiedene Übersetzungen zu. Der Kontext mit den hinauf- und hinuntersteigenden Engeln Gottes legt nahe, dass der HERR sich oben auf die Treppe stellt, was die Luther-Bibel deutlich macht. Aber ebenso gut begründen könnte man: Der HERR steht vor Jakob, wie die Zürcher Bibel übersetzt. Oder man könnte darlegen, dass der HERR über ihm, dem schlafenden Jakob, steht, wie Martin Buber verdeutscht. Wahrscheinlich

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ist der Text mit Absicht mehrdeutig, um anzuzeigen, dass Gott sich nicht auf eine Offenbarungsstelle festlegen lässt, sondern sich überall offenbaren kann. So interpretiert Jesus, wenn er sagt: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinaufund herabfahren über dem Menschensohn« (Joh 1,51). Nach diesen Worten Jesu ist uns allen verheissen, dass wir – im Unterschied zu Jakob sogar im Wachzustand – den offenen Himmel sehen werden. Gott kann auch uns, wie Jakob, unvermittelt begegnen, unabhängig davon, ob wir Atheisten, Agnostiker, fromme Christen oder Angehörige einer anderen Religion sind. Der Traum von der Leiter, der Treppe löst in Jakob Erschauern, Erschrecken, Entsetzen, Ehrfurcht aus. »Wie furchtbar ist dieser Ort.« Die Erscheinung Gottes ist ein »mysterium tremendum et fascinosum« (furchtbares und faszinierendes Geheimnis), wie der Theologe und Religionswissenschaftler Rudolf Otto dargelegt hat. Was in Jakob innerlich vorgeht, können wir nur erahnen. Aber er muss zutiefst bestürzt sein über seine Unzulänglichkeit angesichts der Herrlichkeit und Heiligkeit Gottes, ähnlich wie Jesaja, der sagt: »Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen«. Jesajas Schuld wird gesühnt, wie wir in der Lesung gehört haben. Bei Jakob


bleibt das Bild von der Leiter und die tröstende Zusage Gottes »Ich bin mit dir« haften. Auch wir dürfen erhoffen, dass Gott mit uns unvollkommenen Menschen ist, wie er mit dem Volk, mit Jakob, und vielen anderen gewesen ist. Wir dürfen in aller Naivität mit starkem Herzen glauben, dass die Worte, die Gott, der HERR an Jakob richtet und die Jesus Christus wiederholt, uns ebenso gelten: »Und siehe, ich bin mit dir und behüte dich, wohin du gehst (…), ich verlasse dich nicht.« Amen. Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. PFARRERIN DR. CHRISTINE STUBER KANTONSSCHULE WETTINGEN/ SCHWEIZ

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Brauchen wir heute noch Eliten? VORTRAG VON MINISTERPRÄSIDENT DR. REINER HASELOFF IN DER LANDESCHULE PFORTA AM 18. FEBRUAR 2015

S

Sehr geehrter Herr Rektor Schödel, liebe Schülerinnen und Schüler! Vielen Dank für die Begrüßung und die Möglichkeit, heute mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. In Ihrer Einladung baten Sie mich um einen Vortrag zum Thema: Brauchen wir heute noch Eliten? Das birgt Brisanz. Aber wir müssen uns diesem Thema stellen. Sie werden mir gewiss nicht in allen Punkten zustimmen. Das sollen Sie auch nicht. Ich freue mich jedenfalls auf die anschließende Diskussion. Brauchen wir heute noch Eliten? Das Thema ist nicht neu. Es beschäftigt uns nicht erst seit gestern. Es bewegt vielmehr die abendländische Philosophie seit der Antike. Im Folgenden werde ich mich auf die Situation in Deutschland fokussieren. Der Begriff »Elite« ist in unserem Land sehr umstritten. Lange Zeit war er tabuisiert. Bis heute ist in Deutschland die Diskussion über Sinn und Zweck von Eliten nicht abgeklungen. In Frankreich hingegen ist die Rekrutierung von Eliten staatspolitische Pflicht der Fünften Republik. Denken Sie an die Grandes Écoles, die französischen Eliteuniversitäten. In Frankreich entstand auch im 14.

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Jahrhundert die Rede von den Eliten, und zwar auf den Marktplätzen. Gemeint waren zunächst ausgezeichnete Waren. Diderot erwähnt im 18. Jahrhundert als Beispiele für auserlesene Waren die Elite-Gänseleber und das Elite-Garn. Er sprach aber auch schon im Hinblick auf Personen von Eliten. Was für andere Länder selbstverständlich ist, wird in Deutschland kritisch hinterfragt. Das liegt hauptsächlich an unserer Vergangenheit. In Deutschland haben die Eliten vor und nach 1933 versagt. Sie wurden ihrer Verantwortung nicht gerecht. Viele liefen oder machten mit. Die Machtübernahme der Nazis wurde als »Befreiung von den Übeln der Demokratie« begrüßt. Zum Versagen der Eliten kam noch der Missbrauch des Begriffs. Führende Nazis verstanden sich als Elite. Ihr Elitebegriff war freilich antidemokratisch und rassistisch, eingebettet in ein biologistisches Weltbild. Nach 1945 musste es in der Bundesrepublik erst wieder zu einer Versöhnung von Demokratie und Eliten kommen. Anders als in der DDR. Denn der Marxismus weist den Eliten wichtige Funktionen zu. Denken Sie an die Avantgarde des Proletariats oder die Kader. Es besteht wahrlich kein Anlass zu einer Idealisierung der Eliten. Aber ebenso wenig ist uns mit ihrer Verteufelung geholfen. Der Elitenbegriff ist


Jede Gesellschaft, will sie im globalen Wettbewerb bestehen, muss ihr intellektuelles Potential fördern. Eliten gehören zum wichtigsten Kapital einer Nation.

kein Überbleibsel aus vordemokratischen Zeiten. Wer so denkt, wird die Zukunft nicht gestalten können. Eine demokratische Gesellschaft braucht Eliten. Eliten, die sich einmischen, die Verantwortung übernehmen und dem Gemeinwohl verpflichtet sind. Wir brauchen verantwortungsbewusste Eliten. Von ihnen hängt die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft in hohem Maße ab. Die Globalisierung schreitet immer mehr voran. Ihre politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Folgen stellen unsere Gesellschaft vor enorme Herausforderungen. Hier sind hauptsächlich unsere Eliten in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur gefordert.

Aber wer zählt zu den Eliten und was versteht man unter dem Begriff? Gehört zur Elite, wer das von sich behauptet? Wohl kaum. Um es vorweg zu sagen: Mein Verständnis von Eliten impliziert eine klare Absage an einen »elitären« Elitenbegriff. Es darf keine Trennung geben zwischen den Eliten und der Bevölkerung. Elitenbildung hat mit Persönlichkeitsbildung zu tun. Zugehörigkeit zu einer Elite ist eine Auszeichnung. Das ist ihr wesentliches Kennzeichen und daraus leitet sich eine besondere Verpflichtung ab. Man könnte auch von Leistungseliten sprechen. Leistung sollte als Dienst an einer Sache verstanden werden. Diese kann durchaus nur mäßige persönliche Vorteile einbringen. Es kommt weniger auf das Wort als die Sache an. Künstler und Kulturschaffende gehören zwar zu keiner funktionalen Elite. Aber gerade ihnen verdankt die Gesellschaft wichtige Impulse. Ich stimme in diesem Punkt ausdrücklich Horst Köhler zu. Anlässlich seiner Antrittsrede als Bundespräsident am 1. Juli 2004 führte er unter anderem aus: »Wir brauchen auch die Kraft, Lagerdenken in unserer Gesellschaft zu

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überwinden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft – wir sitzen alle in einem Boot. Jeder kann Verantwortung für das Wohl des Landes übernehmen. Jeder kann Vorbild sein, zum Beispiel der Krankenpfleger, die Lehrerin, der Jugendtrainer im Sportverein, die Journalistin, der Unternehmer.« Dahinter verbirgt sich ein klares Plädoyer gegen sich abschottende Eliten. Sie würden ihren Auftrag verfehlen. Köhlers Elitebegriff ist demokratieverträglich. Im Gegensatz zu Herrschaftseliten in früheren Zeiten unterliegen moderne Eliten nämlich einem Rechtfertigungszwang. Sie sind kein Selbstzweck, sondern müssen dem Gemeinwohl dienen. Bemerkenswerte abstrakt-analytische Fähigkeiten müssen einhergehen mit einem menschlich-sensiblen und emphatischen Umgang. Das Leistungsprinzip darf nicht gegenüber dem Machtprinzip vernachlässigt werden. Eliten haben eine Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit. Diese haben sie wahrzunehmen und zu akzeptieren. Das heißt: Eliten müssen auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren und die Menschen auf dem Weg des Wandels mitnehmen. Sie sind Vorbilder und geben Orientierung. Jede Funktionselite muss auch eine Werteelite sein. Diese Forderung erhob bereits der Philosoph Baruch de Spinoza. Sein Funktionsbegriff

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der Elite war mit einem besonderen Wertgehalt verbunden. Verstand und Tugend ergänzten und durchdrangen einander. Auch die frühbürgerlichen Demokratietheorien postulierten die Notwendigkeit von Eliten. Sie, die Eliten, stehen nicht im Widerspruch zur neuzeitlichen Theorie der Politik. Sie sind vielmehr als deren Errungenschaft zu verstehen. In der Neuzeit stellte das Bürgertum zunehmend die Herrschaft und die Vorrechte des Adels infrage. Geburtsständische Privilegien wollte es durch persönliche Verdienste ersetzen. Seine Repräsentanten verlangten eine gerechtere politische Ordnung und Selbstbestimmung. Diese Forderungen könnte man modern als »Demokratisierung der Zugangswege zur Macht« beschreiben. Sie standen am Beginn der uns heute vertrauten Erscheinungsformen der Eliten. Demokratie beruht auf Wahlen. Elite bedeutet ursprünglich Auswahl oder Auslese. Hier wird der Zusammenhang mit der Demokratie sichtbar. In Demokratien gelangt die politische Elite durch freie Wahlen, in freiem Wettbewerb mit garantierter Chancengleichheit an die Macht. Diese Macht ist auf Zeit verliehen. Dann hat die oppositionelle Elite die Chance, die herrschende Elite abzulösen. Im Gegensatz zu vordemokratischen


oder nicht demokratischen Gesellschaften prägt nicht eine Elite die ganze Gesellschaft. Vielmehr handelt es sich um einen Elitenpluralismus, um Offenheit und Konkurrenz untereinander. Das heißt, es existieren mehrere grundsätzlich gleichberechtigte Eliten ohne politische Herrschaftsgarantie. Sie sind grundsätzlich allen offen und das heißt: sie sind sozial heterogen. Das ist das Kennzeichen von Eliten in modernen Gesellschaften. Gäbe es hingegen nur eine Elite und keine weiteren, wäre das für jede demokratische Gesellschaft eine große Gefahr. Wie man führt und wer führt oder führen darf: das macht den Unterschied aus zwischen dem Elitenmodell Platons, einer Geistesaristokratie, oder einer Geburtselite und unserem heutigen, pluralen Verständnis von Eliten. Aber wie verträgt sich dieser Gedanke von pluralen Eliten in einer Demokratie mit dem Grundsatz der Gerechtigkeit? Warum dürfen oder sollen einige führen und andere nicht und was qualifiziert sie zur Führung? Man kann diese Frage unter Rekurs auf den amerikanischen Philosophen John Rawls und sein Hauptwerk »Eine Theorie der Gerechtigkeit« in einem Satz beantworten: Ungleichheit ist immer dann gerechtfertigt, wenn sie allen und besonders den Schwachen in der Gesellschaft nützt.

Aber wie kann die Ungleichheit den Schwächeren nützlich sein? Wie soll das funktionieren? Denken Sie an ein egalitäres System ohne Leistungsanreize und ohne Lohnunterschiede. Jeder bekommt in diesem System den gleichen Lohn. Und dann stellen Sie sich ein System vor, in dem die Löhne nach Leistungen gestaffelt sind. Im zweiten System wird nun deutlich mehr produziert als im ersten System. Von den dafür – je nach Leistung – gezahlten Löhnen profitieren auch die am schlechtesten Gestellten. Sie verdienen mehr als diejenigen im ersten System ohne Lohndifferenzierung. »Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten sind so zu regeln, dass sie […] den am wenigsten Begünstigten die bestmöglichen Aussichten bringen«, so fasste es Rawls zusammen. Das ist ohne Zweifel im zweiten Lohnsystem der Fall. Ebenso wichtig wie dieses Differenzprinzip waren für Rawls Chancengerechtigkeit, gleiche Zugänglichkeit zu Ämtern und der Primat gleicher individueller Freiheitsrechte. Rawls »Theorie der Gerechtigkeit« zählt zu den bedeutendsten und einflussreichsten Werken der politischen Philosophie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Theorie der Gerechtigkeit als Fairness zeigt: Demokratie und Elitenherrschaft widersprechen sich nicht. Ich gehe noch einen Schritt weiter. Starke Eliten können zu ei-

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nem Garanten des demokratischen Staates werden. Mittlerweile halten wir unsere freiheitlich-demokratische Verfassung in gefährlicher Weise für selbstverständlich. Die Geschichte sollte uns aber eine Mahnung sein. Wir müssen achtsam bleiben. Scheiterte die Weimar Republik nicht auch, weil ihre Eliten zu schwach, zu fragmentarisch und zu orientierungslos waren? Das Bekenntnis zur Demokratie schließt aus meiner Sicht auch das Bekenntnis zu ihren Eliten ein. Für den deutschen Politologen Otto Stammer war – vor diesem Hintergrund – das Elite-Thema eine Überlebensfrage der Demokratie. Wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Vergiftung des Elitenbegriffs durch die Nazis lautete sein Fazit: Gleichheit als Durchsetzungschance für jedermann und Demokratie als Garant der freien Bahn – das und nichts anderes waren und sind die Voraussetzungen dafür, dass sich in einer pluralistischen Vielfalt eben auch Eliten bilden. Das erinnert zum einen an Rawls und setzt zum anderen die Demokratisierung der Bildung voraus. Und diese Demokratisierung der Bildung, die prinzipielle Offenheit einer Gesellschaft, unterscheidet den modernen oder demokratischen Elitebegriff vom antiken. Dieser war restriktiv und Bildung war nur wenigen vorbehalten. Denken Sie an Platons Philosophenkönige.

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Deshalb braucht die Demokratie Eliten. Ja, für keine andere Staatsform sind sie unentbehrlicher. Demokratien brauchen die Unabhängigkeit im Denken und Urteilen einzelner. Eliten in einer Demokratie sind immer plural. Das heißt, die unterschiedlichsten Eliten sind am Entscheidungsprozess beteiligt. Das fortwährende Auswählen und Ausgewähltsein ist konstitutiv für eine Demokratie und für ihre Eliten. Und das heißt auch: Es muss ein belastbares Vertrauensverhältnis zwischen Regierten und Regierenden bestehen. Ich komme damit zu meinem letzten Punkt. Mein Elitebegriff ist ein humanistischer. Er basiert wesentlich auf der Bildungsidee. Das ist ein sehr deutsches Wort. Das Wort Bildung in seiner deutschen Bedeutung gibt es in anderen Sprachen nicht. Diese Bildungsidee, das ist das Entscheidende, erkennt den Menschen Selbstverantwortung und Freiheit zu. Das heißt aber nicht grenzenlose Freiheit und rücksichtslose Verfolgung der eigenen Interessen. Diese Bildungsidee verlangt vielmehr vom Einzelnen, Verantwortung zu übernehmen: politische, historische und kulturelle. Sie und viele andere genießen das Privileg, sich bilden zu können. Dieses Privileg sollte als ein wichtiger Beitrag zur Kultivierung der Gesellschaft verstanden werden. Ohne Bildung gibt es keine Eliten. Bildung zeich-


net den modernen, pluralistischen Elitebegriff aus. Sie soll die Fähigkeit stärken, verantwortlich Freiheit wahrzunehmen. Bildung kann zudem die Einsicht in die Vorläufigkeit und Unzulänglichkeit des eigenen Handelns schärfen. Das schützt gleichzeitig vor Elitedünkel. Ich sprach von der Übernahme politischer Verantwortung. Die repräsentative Demokratie ist auf lebendige Teilnahme und soziales Kapital angewiesen. Alle können sich einbringen. Demokratie lebt vom Mitmachen und Einmischen. Teilhabe und Engagement setzen aber auch Wissen und Kenntnisse voraus. Wer mitreden will, muss informiert sein und wissen, über was er spricht. Demokratie will gelernt, geübt und entwickelt werden. Demokratie lässt sich aber nicht verordnen. Das würde ihrem Kerngedanken widersprechen. Demokratie beruht auf Freiwilligkeit. Sie lebt von Voraussetzungen, die sie selbst nicht garantieren kann. Deshalb muss sie aus Überzeugung gelebt und vorgelebt werden. Sie muss sich von unten nach oben entwickeln, das heißt von unten wachsen und von oben gefördert werden, und sie will gestaltet sein. Ein Schlüssel liegt in der Bildung. Demokratie braucht politische Bildung. »Gerade die republikanische Regierungsweise«, war sich der französische Denker Montesquieu sicher, »braucht die ganze Macht der Bildung.«

Politische Bildung und die Erziehung zum mündigen und kritischen Bürger beginnen im Elternhaus und setzen sich in der Schule fort. Die Schule ist mehr als nur ein Ort sachlicher Wissensvermittlung. Um Wissen geht es auch. Aber auch um eine ganzheitliche Bildung und um die Persönlichkeitsentwicklung. »Den ganzen Menschen bilden«, nannte das Johannes Rau. Zur Erziehung und Bildung gehört auch die Werteerfahrung und -vermittlung. Schulen sind Orte praktischer Demokratievermittlung. Abgesehen vom Elternhaus – wo können junge Menschen besser die gestalterischen Möglichkeiten der Demokratie und den Vorteil gemeinschaftlichen Handelns erfahren als in der Schule? Wo können sie besser demokratische Spielregeln und Strukturen einüben und erlernen? Schulen sind neben den Eltern der zweite Pfeiler für die persönliche Identitätsentwicklung. Ihrem Bildungsauftrag entsprechend, können die Schulen sehr viel dazu beitragen, dass Jugendliche früh den Wert demokratischen Engagements für sich und die Gesellschaft entdecken. Das freiwillige Engagement ist nicht nur ein wichtiger Teil der persönlichen Identität, sondern darüber hinaus auch der demokratischen Kultur. Nicht zuletzt stärkt ein bürgerschaftliches Engagement das Vertrauen in die Institutionen unseres

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Staates und erhöht die Identifikation mit unserer Gesellschaft. Von Abraham Lincoln, US-Präsident während des Amerikanischen Bürgerkrieges, stammt die klassische Definition der repräsentativen Demokratie als einer Regierung des Volkes, für das Volk und durch das Volk. Eine Demokratie muss, was an ihr Elite ist, aus sich schöpfen. Nur dann bleibt sie, was sie sein will: freie Herrschaft eines freien Volkes für seine Freiheit. Ihre Eliten haben eine zivilisatorische Kraft, sie sind formbildend und kreativ und deshalb unentbehrlich. Denn Werte und Orientierungen in unserer Gesellschaft stellen keine unerschöpfliche Ressource dar. Werte sind nicht einfach da. Sie müssen vielmehr gepflegt, begründet und glaubhaft vorgelebt werden. Unser Staatswesen ist eingebettet in die christlich-abendländische Tradition. Zu dieser Tradition gehört auch die Aufklärung. Stichwort: aufgeklärtes Christentum. Unser Rechtssystem und unsere staatliche Ordnung sind nicht loszulösen von der christlichhumanistischen Überlieferung, vom Zeitalter der Aufklärung und von der Geschichte Europas. Denken Sie in diesem Zusammenhang nur an die einschlägigen Artikel unseres Grundgesetzes, an den Gottesbezug in der Präambel, an den Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar, an die Freiheit der Person und die Gleichheit

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vor dem Gesetz in Artikel 2 und 3 oder den Stellenwert von Ehe und Familie in Artikel 6. Diese Werte müssen glaubhaft vorgelebt werden. Sie brauchen das Zeugnis glaubwürdiger Vermittler und Vorbilder. Unsere Eliten können hierzu wichtige Beiträge leisten, und deshalb braucht gerade eine Demokratie Eliten. DR. REINER HASELOFF


Wem viel gegeben wird, von dem wird viel verlangt. ANSPRACHE DES VORSITZENDEN DES PFÖRTNER BUNDES E.V. BEI DER IMMATRIKULATIONSFEIER AM 26. AUGUST 2015

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Verehrtes Lehrerkollegium, sehr geehrter Herr Rektor, liebe Eltern, vor allem aber: Liebe neue Portenserinnen und Portenser! Ich habe Euch drei Dinge mitgebracht. Eine Begrüßungsmappe mit einigen Informationen und viel Platz für Eure Dokumente, einen PfortaPin und ein Zitat, das angesichts der aktuellen Lage in unserem Land in vielfacher Hinsicht bedeutsam ist. Wem viel gegeben wird, von dem wird viel verlangt. Dieses Zitat wird Johann Gottfried Herder zugeschrieben. Herder war kein Schüler Pfortas, aber im Geiste stimmte er in manchem mit dem Fichtes überein. Selbstverständlich ist dieser Satz nur eine Abwandlung des biblischen Lukastextes: Denn welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und welchem viel befohlen ist, von dem wird man viel fordern. (Lukas 12,48) Bleiben wir bei dem vermeintlichen Herderwort: Wem viel gegeben wird, von dem wird viel verlangt. Das klingt nach Erwartungsdruck. Und ihr habt doch jetzt ganz andere Sorgen. Ab-

schied und Ankunft. Zurechtfinden im Neuen. Das wäre jetzt auch eine gute Gelegenheit, Euch zu gratulieren, aber das mache ich jetzt nicht. Sondern ich sage zu Euch: Wem viel gegeben wird, von dem wird viel verlangt! Passt dieser Satz nicht auch auf Euch? Euch ist ja schon viel gegeben. Ihr habt die Aufnahmeprüfung geschafft. Ihr seid begabt, sprachlich, musikalisch oder naturwissenschaftlich. Ihr habt Talent oder Ehrgeiz oder beides – und jetzt habt ihr einen Platz an dieser Schule. Na klar, ich gratuliere Euch. Aber mir ist es heute vor allem wichtig, zu sagen, dass es in Pforta nicht nur um die Entfaltung individueller Talente geht – nicht nur um die Frage, wie gut die Schule auf einzelne Studienfächer vorbereitet. Und auch nicht nur um die Frage, ob man hier gute Freunde findet, mit denen man jede Menge Spaß haben kann. Mir geht es heute um die Frage, ob uns eigentlich immer klar ist, dass Menschen, die eine besondere Gabe haben, auch in besonderer gemeinschaftlicher Verantwortung stehen müssen. Wo gibt es einen Ort, an dem das jungen Menschen auch bewusst gemacht wird? Ist Pforta dieser Ort? Eine Schule und ihre Lehrer haben heute viele Herausforderungen zu

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meistern: inhaltliche Profilierung, Konkurrenzdruck, soziale Probleme, Lernen im digitalen Zeitalter, beschleunigter Wissenszuwachs, Europäisierung der Bildungslandschaft und so vieles mehr. Aber wer geht eigentlich auf die künftigen Leistungsund Hoffnungsträger einer Gesellschaft zu und erinnert sie daran, dass ihr Mehr-Können eines Tages auch eine Aufforderung zum Mehr-Geben ist? Wie kann man vermitteln, dass die daraus erwachsende Verantwortung keine Last sein muss, sondern eine Chance ist? Herzensbildung gehört dazu. Kritisches Nachdenken über gesellschaftliche Prozesse und vor allem aktives Mittun. Insofern bin ich Rektor Thomas Schödel dankbar dafür, dass auf seine Inititative hin seit letztem Schuljahr Sozialpraktika in den 10. Klassen stattfinden. Die Erfahrungen ermutigen alle Beteiligten. Unsere Gesellschaft wird eben nicht durch Facebook-Einträge zum Positiven verändert. Deshalb: Mehr Tun – weniger Liken! Wir einen die Gesellschaft auch nicht durch polemische Kommentare in sozialen Netzwerken, sondern durch beispielgebendes Handeln. Pforta ist der beste Ort, an dem man üben kann, wie gemeinsame Verantwortung das Gemeinwohl fördert.

Aber was heißt gemeinsame Verantwortung? Ich will es ganz praktisch sagen. Mit 200.000 Euro haben wir vom Pförtner Bund jetzt einen sehr ansehnlichen Theater- und Veranstaltungsraum in der alten Turnhalle eingerichtet. Alle Ehemaligen und Spender und ich ganz persönlich wünschen sehnlichst, dass dieses neue Angebot von Euch vielfältig genutzt, aber auch geschätzt und erhalten wird. Hier braucht es die gemeinsame Verantwortung, die dafür sorgt, dass dieser wunderbare Ort auch lange wunderbar bleibt. Das kann kein Schüler, kein Lehrer allein, aber es darf sich auch nicht jeder darauf verlassen, dass es schon irgendjemanden geben wird, der zuständig ist. Wir müssen gemeinsam Regeln erarbeiten, die von allen getragen werden – vor allem von Menschen, die im Zweifel bereit sind, etwas mehr zu tun als das Mindeste. Und das gilt nicht nur für diese spendenfinanzierte Bühne, das gilt auch für jede Schule, jeden öffentlichen Park – und auch die Sitzgruppe auf dem Köppelberg. Deshalb heute eine ganz persönliche Bitte an die älteren Jahrgänge, die gern ein wohlwollendes Auge auf die Neuen werfen. Beklagt bitte nicht den Verfall der guten

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Sitten und Bräuche bei den Jüngeren, sondern lebt zuerst das, was ihr fordert, als Vorbild. Ihr lieben neuen Portenserinnen und Portenser! Heute steigt ihr ein in den neuen Lebensabschnitt – und wir vom Pförtner Bund e.V. haben Euch eine Mappe zusammengestellt, die Euch die nächsten vier Jahre begleitet, und wichtige Zeugnisse, Urkunden, Belege Eurer Arbeit aufnehmen kann. Wenn Eure Eltern mögen, mögen Sie zumindest für Eure Schulzeit als Förderer Mitglied im Pförtner Bund werden. Nach dem Abitur laden wir Euch dann ein, unserem Verein beizutreten, so wie es vor vier Monaten gerade 60 Abiturienten getan haben. Ihr werdet nach vier Jahren aus dieser kleinen Welt in eine große Welt gehen, die dringend gute Geister braucht. Ich wünsche Euch, dass Ihr dann zu denen gehört, denen viel gegeben worden ist und von denen man deshalb auch guten Herzens viel verlangen darf. MATTHIAS HAASE (AL. PORT. 83–87 V.)

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Blütenlese von europäischem Rang KONZERT DES MDR FIGARO AM 24. NOVEMBER 2015

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Die umfassende Motettensammlung »Florilegium portense« aus Pforte bei Naumburg nutzte schon J. S. Bach für praktische Musikübungen. Ideengeber für die Sammlung war der spätere Thomaskantor Sethus Calvisius, dessen Todestag sich am 24. November 2015 zum 400. Mal jährte. Von Dirigent Peter Kopp und Musikwissenschaftler Christoph Koop wurde die Motettensammlung gemeinsam mit dem Vocalconcert Dresden, Musikern der Cappella Sagittariana Dresden und Schülern der mitteldeutschen Landesschulen St. Afra, St. Augustin und Schulpforta zu neuem Leben erweckt, zu hören im Konzert bei MDR FIGARO.

Jubiläum eines Ideengebers Gesammelt und zusammengetragen wurden die etwa 270 Motetten vom damaligen Kantor aus Schulpforte, Erhard Bodenschatz. Den Anstoß dazu gab allerdings sein Vorgänger Sethus Calvisius. Am 24. November 2015 jährte sich der 400. Todestag von Sethus Calvisius (1556–1615), des einstigen Universalgelehrten und Leipziger Thomaskantors. Der Thüringer Calvisius studierte in Leipzig gleich mehrere Fächer. Und er blieb in der Stadt bis an sein Lebensende, mit einer Ausnahme: er ging als Kan-

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tor nach Schulpforte bei Naumburg. Mit dieser Anstellung konnte er sich später als Leipziger Thomaskantor empfehlen. Denn das ehemalige Zisterzienserkloster Pforta wurde nach der Säkularisierung zu einer Gelehrtenschule. Die Sammlung »Florilegium Portense« ist ein üppiger »Blumenstrauß«, der nicht nur wirkungsvoll etwas hermachte, sondern auch in den Alltag Einzug fand. Er galt als maßgeblicher Standard für die praktische Musikausübung an den Schulen und Kirchen in Mitteldeutschland und Brandenburg über einen langen Zeitraum (bis Ende des 17. bzw. Mitte des 18. Jahrhunderts). Auch Johann Sebastian Bach orientierte sich an der Sammlung.

Zurück an den Ort der Entstehung Der Dresdner Dirigent Peter Kopp hat vor zehn Jahren gedanklich dieses umfangreiche Projekt vorbereitet, zusammen mit dem Musikwissenschaftler Christoph Koop. Beiden ging es darum, diese Werke an den Ort der Entstehung zurückzuführen und sie den heutigen Schülern näher zu bringen. Dazu sind sie bewusst an die drei mitteldeutschen Landesschulen gegangen: Nach St. Afra in Meißen, St. Augustin in Grimma und nach Schulpforte bei Naumburg.


Für das Konzertprogramm hatte Peter Kopp einen repräsentativen Ausschnitt aus dem üppigen Opus »Florilegium portense« zusammengestellt. Außerdem las der langjährige Rektor portensis Karl Büchsenschütz (bis 2005 stand er acht Jahre als Rektor der Landesschule Pforta vor) aus historischen Aufzeichnungen: aus der Gründungsurkunde vom 21. Mai 1543, vom Schulalltag der Knaben an der Fürstenschule, aus Briefen ehemaliger Schüler und einem Edikt zum Eheverbot für Lehrer. Es moderierten: Peter Kopp und MDR FIGARO-Musikredakteurin Grit Schulze. Das Konzert wurde am 30. August 2015 in der Klosterkirche Pforta aufgezeichnet. GRIT SCHULZE (Der Beitrag wurde für den Abdruck in der »Pforte« redaktionell leicht gekürzt, vgl. http://www.mdr.de/mdrfigaro/musik/florilegium-portense110. html).

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Kurzmeldungen »Internatsstreit nach 60 Jahren Klassenkampf in Schulpforta«

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Am 24. September 2015 strahlte Deutschlandradio Kultur in der Sendereihe »Zeitfragen« ein (Streit-)Gespräch über Pforta in der Nachkriegszeit aus, in dem es vor allem um eine 1949 von Köthen komplett nach Pforta übergewechselte Klasse, die Rolle der FDJ und das Wirken des »fortschrittlichen« Geschichts- und Staatsbürgerkundelehrers und Direktors in Pforta 1951–1955 Werner Ostrowitzki ging. Die Sendung kann unter http:// www.deutschlandradiokultur.de/internatsstreitnach-60-jahren-klassenkampf-in-schulpforta.976. de.html?dram:article_ id=331955 nachgehört und -gelesen werden. Gesprächspartner des von Florian Felix Weih moderierten Gesprächs waren Traugott Eberhard (al. port. 46–52 v.), Dietrich Müller-Römer (al. port. 46–52 v.), Hans Schubert (al. port. 49–52 v.) und Dirk Heinecke (mag. port. ab 1995), der Verfasser der 2012 an der FU Berlin angenommenen Dissertation »Transformationsprozesse im Schulsystem der Sowjetischen Besatzungszone/ frühen Deutschen Demokratischen Republik 1945 bis 1958 am Beispiel der ehemaligen Fürstenschule und Nationalpolitischen Erziehungsanstalt Schulpforta«, vgl. http://www.diss. fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFile-

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NodeServlet/FUDISS_derivate_000000013270/Dissertation_Heinecke.pdf.

Keller einer Pförtner Grangie in Erfurt entdeckt

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Bei Ausgrabungen in der Erfurter Innenstadt sind die Archäologen auf einen »Prachtkeller« aus dem 12. Jh. gestoßen. Eine Urkunde von 1193 belegt, dass der Fundplatz einst dem Kloster Pforta gehörte, auf dem sich in massiver Steinbauweise das Gebäude einer sog. Grangie, eines Stadthofes und Kornhauses, erhoben haben dürfte. Das repräsentative Gebäude wurde erst nach der Säkularisierung Pfortas an die Stadt Erfurt verkauft. Endgültige Grabungsbefunde dürften im kommenden Jahr vorgelegt werden können, teilte der Präsident des Thüringischen Landesdenkmalschutzamtes PD Dr. Sven Ostritz mit.

Mineraliensammlung von Prof. Kühn als Schenkung in der Landesschule

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Die Mineraliensammlung des Physikers Berthold Kühn (al. port. 46–48 v.), der in den Kernforschungszentren Rossendorf und Dubna tätig war, wurde von den Angehörigen des im Januar 2014 verstorbenen Gelehrten der Landesschule als Schenkung übereignet. Geologielehrer Michael Heinze wird die Sammlung, die aus


1700 Stücken mit einem Gesamtgewicht von 800 Kilogramm besteht, katalogisieren. Sie ergänzt in willkommener Weise die in Pforta bereits vorhandenen Kollektionen der Lehrer Ernst Sagorski (1847–1929) und Ludwig Henkel (1859–1936) aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

»Schulpforta – Napola, Rotes Kloster, Eliteschule«

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Unter diesem Titel zeigte der MDR erstmals am 16. Juni 2015 und inzwischen mehrfach wiederholt eine halbstündige Fernsehsendung in der Sendereihe »Der Osten – Entdecke wo du lebst« (Moderation: Axel Bulthaupt), in der die Landesschüler Elisabeth Geller, Mirjam Spring und Leonhard Schwager die Ehemaligen Hans Joachim Männig (42–49 v.), Peter Maser (57–59) und Sandra Archut, geb. Littmann, (87–91 v.) sowie Musiklehrerin Ilona Jende nach Erinnerungen an ihre Zeit in Pforta befragten. Die Sendung, die vom 29. bis zum 31. Mai 2015 aufgezeichnet wurde, kann bis auf weiteres in der MDR-Mediathek unter http://www.mdr.de/ mediathek/mdr-videos/c/ video277996.html aufgerufen und angeschaut werden.

Bad Kösens Eingemeindung nach Naumburg wurde im ZPB unterschrieben

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Ein Interview mit dem im September 2015 aus dem Amt scheidenden früheren Bürger- und nach der Eingemeindung Bad Kösens nach Naumburg Ortsbürgermeisters und Fachbereichsleiters der Naumburger Stadtverwaltung Gerd Förster im »Naumburger Tageblatt« vom 20. September 2015 erinnert an eine heute schon weithin vergessene Tatsache: Die »Kapitulationsurkunde« Kösens, korrekter ausgedrückt: der Eingemeindungsvertrag Bad Kösens mit Naumburg wurde am 22.  Juni  2009 von Oberbürgermeister Bernward Küper und Gerd Förster im Zentrum Pförtner Bund (ZPB), das sich im Dachgeschoss des Neugotischen Hauses befindet, feierlich unterzeichnet. Pforta und das ZPB hatte man wegen seiner Mittellage zwischen Kösen und Naumburg für den historischen Akt gewählt.

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Vom Pförtner Bund *  *  *


Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung 2016 Hierdurch lädt der Vorstand satzungsgemäß zur ordentlichen Mitgliederversammlung unserer Vereinigung ein. Diese findet im Rahmen des Schulfestes am Samstag, dem 21. Mai 2016, im Kleinen Festsaal der Landesschule, statt. Zeit: 11:00 – 12:30 Uhr. Für die Mitgliederversammlung wird folgende Tagesordnung vorgeschlagen: 1. Bericht des Vorsitzenden 2. Bericht der Schatzmeisterin 3. Berichte der Rechnungsprüfer 4. Entlastung des Vorstandes und der Rechnungsprüfer 5. Bericht des Archivars 6. Vorstandswahlen 7. Verschiedenes Wenn aus dem Kreis der Mitglieder Wünsche für die Erweiterung der Tagesordnung vorgeschlagen werden, bitten wir, diese bis spätestens 16. April 2016 an den Vorsitzenden schriftlich (auch per eMail) einzureichen. gez. Matthias Haase, Vorsitzender des Pförtner Bundes e.V.

52 | Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung 2016


Ecce 2015 Dr. Hans-Ulrich Block Architekt * 2.3.1943   † 31.5.2015 (al. port. 57–61 v.) Dr. habil. Burkard Böttger Archäologe * 30.11.1934   † 28.10.2015 (al. port. 48–54 v.) MDP Günter Dreyer IC-Chef der Dt. Bundesbahn * 24.9.1932   † 8.2.2015 (al. port. 43–45) MDP Eberhard Ebert Dipl. Ing. * 12.12.1931   † 10.12.2014 (al. port. 42–45) MDP Kurt Fechtner FDJ-Sekretär in Pforte 1954–1957 Kaderchef für Lehrer bei der SEDKreisleitung * 13.8.1926   † 5.8.2015 Siegfried Franke Diplomlehrer und Ing. i.R. * 7.2.1934   † 19.1.2015 (al. port. 47–53 v.) Frida Gawenda Sekretärin der EOS Pforte 1978–1986 * 10.3.1926   † 16.8.2014

Manfred Günzel JustizOAR a. D. * 12.10.1931   † 14.6.2015 (al. port. 42–49 v.) MDP Hendrik Hofacker Journalist der Mitteldt. Zeitung * 16.10.1941   † 11.1.2015 (al. port. 56–60 v.) Hannelore Hollmann, geb. Klose * 3.9.1944   † 25.9.2015 (al. port. 59–63 v.) Dr. med. Jürgen Krautheim Chefarzt Innere Medizin Plettenberg * 14.11.1937   † 7.10. 2015 (al. port. 50–53 v.) MDP Dr. Horst Lehmann Dipl. Chemiker * 11.2.1927   † 2.5.2015 (al. port. 37–45) MDP Karl-Heinz Marmulla * 11.8.1942   † 27.1.1995 (al. port. 58–60) Bernd Mauerhoff Medizintechniker * 18.8.1943   † 2015 (?) (al. port. 57–61 v.)

Ecce 2015 | 53


Jürgen Meier Dipl. Mathematiker * 5.2.1937   † 15.8.2015 (al. port. 49–55 v.)

Alexandra Schulz, geb. Finsch Lehrerin * 19.4.1940   † 20.1.2015 (al. port. 56–60 v.)

Elisabeth Müller, geb. Gümbel Gemeindepädagogin * 12.5.1966   † 23.4.2015

Egon Seifert Lehrer und stellv. Direktor der EOS Pforte * 9.6.1926   † 10.8.2015 (mag. port. 58–90)

Renate Nedela, geb. Henze * 8.2.1940   † 27.12.2014 (al. port. 54–58 v.) Franz Ramisch Lehrer, Oberstudienrat * 1.2.1933   † 17.9.2015 (al. port. 47–51 v.) MDP Oswald Richtscheid * 8.11.1943   † Juni 2013 (al. port. 58–62 v.) Ulrich Schlase Dompfarrer i.R. * 14.7.1931   † 16.12.2014 (al. port. 48–50 v.) Prof. Dr. Martin Anton Schmidt Theologe * 20.7.1919   † 4.4.2015 (al. port. 32–34) MDP

Gisela Wassermann, geb. Ruta * 18.7.1943   † April 2015 (al. port. 58–62 v.) Albrecht Weinert Kapitän zur See a.D. * 10.7.1923   † 14.8.2015 al. afr. St. Afra 1935 Schriftführer des Vereins ehemaliger Fürstenschüler VeF Kuratoriumsmitglied der Melanchthonstiftung MDP Christa Wolf Journalistin * 24.12.1948   † 27.11.2014 (al. port. 64–68 v.)

Gerhard Schreiter Dipl. Volkswirt * 24.6.1930   † 22.12.2013 (al. port. 40–45) MDP

54 | Ecce 2015

4Foto: Photo-Tempel


Klassentreffen 2015 Jahrgang

Anlass

Datum

Tage Ort

Teilnehmer

Altschüler

1952 C

jährlich

12.–14.10. 2015

3

Leipzig

12

8

1952 B

jährlich

8.9.–11.9.2015

3

Wernigerode

12

20

1954 B+C

jährlich

27.–29.8.2015

3

Wismar

26

16

1955

60

Schulfest

3

Pforta

55

40

1965

50

Schulfest

3

Pforta

38

33

1956 C

jährlich

16.–20.9.2015

4

Dörscheid bei Kaub/ Rhein

12

9

1957 B

alle 2 Jahre

16.–17.4.2015

2

Weimar

16

11

1958 A

alle 2 Jahre

14.–16.8.2015

3

Erfurt

12

9

1970 B

45

29.–31.5.2015 Schulfest

3

Pforta, Naumburg

20

20

1975

40

05.09.2015

1

Naumburg

35

35

1985

30

25.04.2015

1

Pforta

13

13

1995

20

1

Pforta

15

15

2000

15

30.–31.5.2015 Schulfest

2

Pforta/Bad Kösen

20

20

2005 S

10

30.–31.5.2015 Schulfest

2

Pforta

19

19

2005 N

10

30.–31.5.2015

2

Pforta

14

14

2010 M

5

5.–7.6.2015

3

Dessau und Umgebung

13

13

57–64

jährlich

19.– 20.11.2015

1

Pforta

25

23

56 | Klassentreffen 2015


zusammengetragen von HELMUT HEIMBÜRGE (AL. PORT. 55–57 V.)

Schwerpunkte

Übernachtung, Gaststätten

Informant

Organisator/Ansprechpartner

Grassi-Museum: Völkerkunde, Angewandte Kunst

Hotel Michael

Dr. Dietrich Müller-Römer

Dr. Dietrich MüllerRömer

Rose-Marie Kampe

Paul Bieber

Prof. Frank Müller-Römer, Curt Becker

Dieter Scheidereit

Jürgen Bergmann

Helmut Brade u. a.

18. Klassentr. Stadt, Schlossbesichtigung, Bahn zum Brocken Stadtbesichtigg, Schiffsfahrt, Zisterzienserkirche Bad Doberan

Hotel Stadt Hamburg

DiamantAbi GoldAbi

Rittergut Kreipitsch

Lutz Lose

Roland Schunk, Lutz Lohse

K loster Eberbach, Bad Kreuznach, Rhein in Flammen

Hotel Aachen?

Elke Weisbrod

Wolfgang Wagner

Anna-Amalia-Bibliothek, Schloss, Goethehaus

Hotel Anna Amalia, Köstr.Schwarzbierhaus

Dr. Helmut Heimbürge

Dr. Helmut Heimbürge

Stadt, Musikabend

Pensionen, Waldkasino

Elke Junghans

Dr. Irmgard Rath, geb. Bastian

Schulfest, Klassentreffen

Hotel Stadt Naumburg, Bürgergarten

Monika Freiberg

Peter Kaule

3 Parallelklassen: Klassentreffen

Bürgergarten

Martin Bölke

Gabi Amling, Silvia Graller, Marion Lückert

Klassentreffen: "Konetzny"

Steinmeister Gästehaus

Heidi Kunze

Heidi Kunze, Birgit Schunke

Klassentreffen

Fischhaus

Christian Carius,

Schulfest, Klassentreffen

Pension Kreisel, Mutiger Alexander TimRitter mel

Schulfest, Klassentreffen

mehrere Gruppen

Kathi Huber

Schulfest, Klassentreffen

mehrere Gruppen

Kathi Huber

Künauer See bei Dessau

"Naumburger Kreis". Gesprächsrunde, Ecce

Bismarckturm und Roßbach

Franziska Teichert, Marcel Schweizer, Alexander Timmel

Pauline Albrecht

Maria Susanne Simon, Anika Licht und AnnaKatharina Voigt.

Dr. Helmut Heimbürge

Reinhold Steppan, Hubert Kinzel

Klassentreffen 2015 | 57


Berliner Treffen 2015

D

Der traditionelle Schlössertag im Januar hatte diesmal das Zentrum von Berlin zum Ziel. Wir haben uns am Samstag, 10. Januar in der unmittelbar neben dem Schloss stehenden Informations-Box über den (Wieder-) Aufbau des Berliner Schlosses informieren lassen. Der größte Teil der tragenden Mauern hatte schon die Höhe des Dachansatzes erreicht, so waren äußerlich bereits die Umrisse des künftigen Schlosses voll zu erkennen. Die angemeldete Führung hat viele interessante und bemerkenswerte Informationen vermittelt. Es standen verschiedene Modelle des Schlosses und seines Umfeldes bereit. Die Gruppe war mit 56 Teilnehmern für eine Führungskraft aber wohl etwas zu groß. Zum gemeinsamen Mittagessen hatten wir uns im 2. Obergeschoss der Humboldt-Box angemeldet. Dort hatten wir von der Dachterrasse aus auf der einen Seite eine vorzügliche Aussicht auf Lustgarten und Museumsinsel und auf der anderen den Rohbau des Schlosses. So konnten wir die Ausmaße des Schlossbaus bestaunen und uns einen Überblick über das derzeitig größte Kulturbauvorhaben Europas verschaffen. Bei den Erläuterungen sind wir darauf hingewiesen worden, dass nach dem für Juni 2015 geplanten Richtfest zwei Tage der offenen Baustelle folgen. Das haben am Samstag, 13. Juni, auch 13 Mitglieder unseres Berliner Kreises wahrgenommen und sich in kleineren Gruppen

58 | Berliner Treffen 2015

ein noch intensiveres Bild vom Rohbau und den künftigen Nutzungen machen können. Zum Frühjahrstreffen am Freitag, 13. März, haben wir die Chinesische Botschaft besucht. Wir hatten eine Führung im Hause, einen Vortrag und einen Film über Schwerpunkte der Entwicklung in China. Das Thema China hat ein großes Interesse gefunden und 78 Teilnehmer angelockt. Im China-Restaurant dicht daneben konnten wir uns über unsere Eindrücke weiter austauschen. Das Buffet war ansprechend, es war insgesamt ein gut gelungenes Treffen, zu dem es zufriedene Rückmeldungen gab. Zu seiner Buchlesung am 3. September hatte uns Berndt Seite (al. port. 54–58 v.), Ministerpräsident a. D. des Landes Mecklenburg-Vorpommern, in die Landesvertretung seines Landes eingeladen. Es gab 17 Teilnehmer aus unserem Kreis der Altschüler mit Anhang. In dem Buch mit dem Titel »Gefangen im Netz der Dunkelmänner« sind seine Erlebnisse und die seiner Familie in der DDR-Zeit aufgeschrieben. Es thematisiert mit einem Rückblick auf die DDR die Mechanismen der Stasi und deren Auswirkungen bis in die einzelnen Familien. Es gibt geschichtliche Einblicke und will den Blick für Werte wie Freiheit und Demokratie schärfen.


Bei unserem Herbsttreffen hörten wir einen Vortrag »Hochmittelalterliche Herrschaftslandschaft und das Zisterzienserklosters Pforta«. Dr. Dirk Heinecke, Lehrer für Geschichte an der Landesschule Pforta, vertritt Pforta im Naumburger Gremium für den Antrag zum Welterbe. Er kennt den Inhalt des Antrages bestens und hat uns entsprechend informiert. Mit dem kurzen Film, der in Begleitung zum Antrag gerade fertig gestellt worden war, hat er uns das Welterbegut und die beteiligten Örtlichkeiten nahe gebracht. Dem sehr gut vorbereiteten und gut vorgetragenen Vortrag, unterstützt mit Powerpoint, sind alle gespannt und mit großem Interesse gefolgt. Es gab viele anerkennende Stimmen. Allgemeine Zufriedenheit der 78 Teilnehmer gab es auch zum Martiniessen: Gänse- und Entenbraten waren schmackhaft und wurden zügig serviert. Auch die gewählten anderen Gerichte mit Fisch, Vegetarischem und Berliner Kost haben gut gemundet.

des Adventssingens sehr gefragt. Wie in den letzten Jahren konnten die letzten Anmeldungen nicht mehr berücksichtigt werden. Wir durften der Landesvertretung aber eine begrenzte Adressenliste von unseren Berliner Ehemaligen übergeben, die im Nachgang zum Stammpublikum eingeladen wurden. So konnten 42 Ehemalige den Chor und Soli von Schülern hören. Der Französische Dom war mit über 500 Besuchern gefüllt. Die hohe Qualität der Darbietungen war ein Genuss. HELMUT HEIMBÜRGE (AL. PORT. 55–57 V.)

Die Landeschule war daran interessiert, dass der Chor von Pforta beim Adventssingen in Berlin nach 2005 erneut auftritt. Das Adventssingen im Französischen Dom organisiert die Landesvertretung Sachsen-Anhalt in jedem Jahr mit einem anderen Chor aus Sachsen-Anhalt. Der Auftritt des Chores der Landesschule am 30. November war bei den Stammbesuchern

Berliner Treffen 2015 | 59


Gänse-Essen in Thüringen

A

Am 14. November 2015, nur einige Tage nach dem Martini-Fest und dem Gänse-Essen in Schulpforte trafen sich im Jenaer Traditionsgasthaus »Zur Noll« die ehemaligen alumni portenses aus Thüringen. Es gab köstlichen Gänsebraten, vom Chef des Hauses persönlich zerlegt, dazu Rosenkohl, Klöße und Salat. Es war sehr lecker und es war ein wunderschöner, unterhaltsamer Abend. Aus den unterschiedlichsten Jahrgängen waren Pförtner an diesem Abend vertreten. Herr Ludewig und Herr Dr. Arnold feiern nächstes Jahr »65 Jahre Abitur« und waren an diesem Abend unsere »Alterspräsidenten«. Es war

60 | Gänse-Essen in Thüringen

ein fantastischer Abend mit vielen interessanten Gesprächen und lustigen Anekdoten. Allen Teilnehmern vielen Dank für die Zeit und die angenehme Gesellschaft. Nächstes Jahr soll das Gänse-Essen am 26. November 2016 in Schulpforte im Fischhaus stattfinden. Die Thüringer wollen dazu mit anderen Organisatoren in der Region ins Gespräch kommen und ein größeres Treffen organisieren. Wir werden an entsprechender Stelle darüber informieren. FRANZISKA TEICHERT (AL. PORT. 96–00 V.)


Gans – à la carte ZUM EINJÄHRIGEN WIEDERSEHENSTREFFEN DER PFÖRTNER IN MÜNCHEN

N

Nun haben sich die »neuen« Münchner Pförtner bereits zum vierten Male getroffen. Es ist zwar (noch) ein kleiner Kreis, der da zusammenkommt, aber es sind Pförtner mit »Leib und Seele«, und der Kreis ist absolut ausbau- und erweiterungsfähig! Vor einem Jahr, im November 2014, trafen wir uns ein erstes Mal zum »Kennenlernen« im Augustiner in der Münchner Innenstadt. Darüber berichtete ich in der »Pforte« 2014 / Nr.67. Damals war ich noch ein wenig unerfahren in der Auswahl geeigneter Lokale. Der Lärmpegel der »bayerischen Gemütlichkeit« wirkte sich etwas ungemütlich auf unser Kommunikationsbedürfnis aus, sodass beschlossen wurde, nicht nur den Tisch zu wechseln, sondern auch bei künftigen Treffen die »kommunikative Eignung« des Treffpunktes zu berücksichtigen. Die positive Stimmung aber war dadurch nicht beeinträchtigt worden. Es gab eine Reihe älterer Pförtner, die aus verschiedenen Gründen an diesem ersten Treffen nicht teilnehmen konnten und dies sehr bedauerten. Das veranlasste mich, im Januar 2015 ein »Pförtner-Seniorentreffen« im Münchner Ratskeller zu organi-

sieren. Im König Ludwig I.– Gästeraum, unter den Augen seiner Majestät höchstpersönlich – vor dem fast lebensgroßen Gemälde – versammelten sich dreizehn Pförtner (Ehemalige und Freunde) der fortgeschrittenen Jahrgänge zu angeregtem Gedankenaustausch – dieses Mal völlig unbehelligt von äußeren akustischen Störungen. Kurz nach Ostern, Ende April, fand bei mildem Frühlingswetter draußen an der Isar im Biergarten des Gasthofes Hinterbrühl, die nächste Begegnung statt. Thema war in der kleinen, aber feinen Runde unter anderem das bevorstehende Schulfest in Schulpforta im Mai, bei dem sich dann auch einige aus der Runde einfanden. Das diesjährige Herbsttreffen der Münchner Pförtner, natürlich zeitnah an St. Martin und darum wieder im November, stand ganz im Zeichen der Martinsgans. Da der Gasthof Hinterbrühl als eines von wenigen Wirtshäusern die Gans »à la carte« anbot, trafen wir uns dort, in der Isarstubn. Gemäß der Pförtner-Tradition wurde die Gans nicht nur verzehrt (von einigen), sondern auch besungen oder gepriesen, oder sagen wir besser »bedichtet«. So will ich denn von drei vorgetragenen Gänsegedichten eines hier zu meinem Bericht hinzufügen, in dem es ebenfalls um die Gans »à la carte« geht. Das Gedicht wurde im

Gans – à la carte | 61


Jahre 19691 verfasst von meinem Vater Heinrich Beucke, alumnus in Pforta von 1917 bis 1922, und Betreuer der Pförtnerabende in München von 1963 bis 1979.

MARTINI 1969 Heinrich Beucke (al. port. 17–22 v.) Man sprach in der Vergangenheit schon immer von dem `Geist der Zeit´: einst war er klein, jetzt ist er groß, und wer ihn rief, wird ihn nicht los. Der Zeitgeist ist, gesehn im Ganzen, das goldne Kalb, um das wir tanzen. Er fordert lauthals: seid extrem, seid radikal, seid unbequem! Stellt diese morsche Welt infrage, ihr ändert sie mit einem Schlage! ´Infragestelln` ist hier wie dort das zeitgemäße Losungswort. Wenn solches dürfen die Rebellen2, dann darf auch ich ´infragestellen´. Und mit dem Mut des freien Manns tat ich es mit der Martinsgans: Gans oder Nicht-Gans war die Frage in diesem Jahr zum Martinstage, ihr ging ich – denn das ist modern – durch Meinungsforschung auf den Kern.

1   Das Gedicht stellt einen Zusammenhang her zu dem politischen Hintergrund der damaligen Zeit, in der ich übrigens auch Abitur machte. 2   Gemeint sind die revoltierenden Studenten von 1968.

62 | Gans – à la carte

Und siehe da, man sagte mir: nicht jeder liebt das Gänsetier. Den einen plagt zuviel Gewicht, den andern plagt bereits die Gicht, des dritten Magen ist empfindlich, des vierten Pein ist unergründlich, und allen ist von A bis Zet die Gans zu braun, zu schwer, zu fett. Der fünfte sagt sich: durch Diät wird vorgebaut, eh es zu spät. Der sechste ist ganz anderer Meinung: ein Mann von strahlender Erscheinung, der gern mit seinen Muskeln protzt und vor Gesundheit nur so strotzt, sagt von der Gans im vornherein: die war mir jedes Mal zu klein! Der letzte Meckrer schließlich ist grundsätzlicher Non-Konformist3, er schätzt die ungebundne Art des freien Speisens à la carte. In Summa hörte ich es so: viel ´contra` und nur wenig ´pro`. Das hat nun unsre Gans davon: […]4 Da steh ich nun, ich armer Tor, um vieles klüger als zuvor und sage vor dem Martinsmahl: 3  ����������������������������������������� »Non-Konformismus« war eines der Schlagwörter der 68er. 4   Hier fehlt eine Zeile auf Griechisch, die ich als »Viertel-Halb-Humanistin«, als Neusprachlerin mit Latein ab Sexta, jedoch ohne Griechisch und Hebräisch, wahrscheinlich nicht korrekt abgeschrieben hätte.


»O, bitte, ganz nach freier Wahl.« (Die wenigen, die die Gans noch wählen, die will ich wägen und nicht zählen.)

Ob mit, ob ohne Gansgenuß, berechtigt scheint mir dieser Schluß: Es ist so vieles Schall und Rauch und Gansgedichte sind´s wohl auch, denn sie verdanken insgeheim ihr Dasein meist der Lust am Reim. Ob wir noch oft die Gans bedichten, ob wir in Zukunft drauf verzichten: Am Ende reimen alle Worte sich uns auf unsre Mutter Pforte. URSULA MEIER-CREDNER (GEB. BEUCKE)

Nun frage ich aus solcher Sicht: was soll da noch ein Gansgedicht? Was man nicht selber will verspeisen, kann man mit Fug doch auch nicht preisen! Portenses quondam, höret an, was man im Ernst hier sagen kann. War uns nach Pförtner Tradition die Gans zumeist die Hauptperson, wenn knusprig-braun am Martinstag sie in der großen Schüssel lag, so war dies ein gar hübscher Brauch! »Brauch oder nicht! Es gibt sich auch.« Wer Tradition noch heute preist, meint nicht die Form. Er meint den Geist. Wir können doch zu Nutz und Frommen auch ohne Gans zusammenkommen, um enger unsern Kreis zu schließen und die Erinnerung zu genießen.

Gans – à la carte | 63


Aachen hat jetzt einen eigenen Pförtner Abend!

O

Organisiert wurde das erste MartiniGänseessen von Gerda Lachmann (al. port. 2003–2007). Am 13. November 2015 trafen sich 9 Ehemalige, darunter ein Lehrer aus Meinerzhagen. In kleiner Runde im »Goldenen Schwan« ging es vor allem um Biografisches der Teilnehmer und Aktuelles aus Schulpforte. Nach dem erfreulichen Auftakt wird Gerda Lachmann auch im Jahr 2016 die Organisation für den Raum Aachen übernehmen.

64 | Aachen hat jetzt einen eigenen Pförtner Abend!


D

Pfortenser Altmannen

Die Altmannen des Jahrgangs 42 (–45) trafen sich vom 9.–12.6.2015 nun zum 11. Mal in Pforta. Es erschienen Manfred Günzel (Braunschweig), Dieter Hempel (Magdeburg), Oldwig v. Fischer mit Sohn York (Hamburg), Rudolf Förster (Pfalzgrafenweiler/ Schwarzwald), Hans-Hinrich Habermann (Berlin), Christian Uhlig (Bochum). Aus verschiedensten Gründen fehlten Ulrich Boessenroth (Seattle/ USA), Rüdiger Rollert (Berlin), Udo Schlegel (Bad Harzburg), Gottfried Stefke (St. Pölten/Österreich), HansJoachim Männig (Markkleeberg/ Leipzig), Helmut Sedlaczek und Frau (Karlsruhe) sowie Werner Scheel (Landau). Traurig stellten wir fest, dass wir wieder weniger geworden waren: unsere treuen Freunde Eberhard Ebert (Aue) und Otto Leiser (Falkensee/Berlin) sind seit dem letzten Treffen 2013 verstorben. Wir waren also nur zu sieben Mann und hatten uns wieder im Rittergut Kreipitzsch über der Rudelsburg eingemietet. Das Programm hatten Hans-Joachim Männig mit Oldwig v. Fischer vorgeschlagen: Nach dem Wiedersehen in Pforta machten wir einen Rundgang vor allem zur Kirche und dann zur »Ewigen Lampe«. Bei einem ECCE gedachten wir mit ehrenden Worten von Christian Uhlig unserer beiden verstorbenen Freunde Otto Leiser und Eberhard Ebert und wie immer unseres früh verstor-

benen Klassenkameraden Siegfried Lau. Nach dem obligaten Gruppenbild ging es nach Bad Kösen zu Café Schoppe, alle lechzten schon nach der Torte! Den Abend verbrachten wir in guter Runde im Hotel. Am Mittwoch besuchten wir Naumburg. Am Donnerstag verließen uns die v. Fischers sowie Dieter Hempel und Manfred Günzel. Die restlichen drei Musketiere Habermann, Förster und Uhlig beschlossen ein Alternativprogramm. Sie besuchten die Ausstellung »Naumburg und die Düsseldorfer Malschule« im ehemaligen preußischen Schwurgericht, nahmen das Mittagessen in Freyburg/Unstrut ein und guckten von Burg und Schloss Neuenburg auf die Rebflächen an der Unstrut. Den Abend beschlossen wir in unserem Hotel. Trauriger Nachsatz: Wir waren kaum wieder zu Hause angekommen, da erhielten wir die Nachricht vom plötzlichen Tode unseres Freundes Manfred Günzel, den wir gerade wenige Tage vorher in Kreipitzsch verabschiedet hatten. Wir denken an ihn! CHRISTIAN UHLIG (AL. PORT. 44–45)

Pfortenser Altmannen | 65


Tabula Gratulatoria Vorname Werner-Rolf Fritz Dieter Elisabeth Wolf-Dietrich

Name Pick Hacker Koch-Weser Axthelm Bindemann

Pforta 26 – 32 v. 29 – 34 v. 28 – 35

Karl H. Karl-Heinz Frank-Dieter Charlotte Heinrich Heinrich Ilse Rose Christian Hans Franz Joachim Erika Wigand Klausjürgen Klaus-Herbert Werner Erika Heinz Uwe

Merkel Bickmann Gerhardt Kaiser-Dieckhoff Zander Heitmann Hossfeld Drechsler Hübener Rettkowski Kramer Gernhuber Wallat Bruns Miersch Hildebrand Heilemann Zinck Mussbach Storm

35 – 37 36 – 39 34 – 39 v.

Günter Burkhard Martin Oldwig Joachim Heinrich Hans Karl-Heinrich Axel Hans Joachim

Nebe Hildebrand Schmiedt Fischer Münzenberg Geyer Herrmann Hemmerling Hübschmann Männig

48 41 45 43 48 45 45 46 45 42

66 | Tabula Gratulatoria

MDP MDP MDP MDP MDP

32 – 36

33 – 39 v. 34 – 35

33 36 36 36

– – – –

34 42 v. 41 v. 40 v.

38 – 43 v.

MDP MDP

MDP MDP MDP MDP MDP

MDP MDP

37 – 44 45 – 47 v. 37 – 44 41 – 45

– – – – – – – – – –

49 45 47 45 49 49 49 50 49 49

MDP MDP v.

MDP MDP

v. v. v.

MDP

v. v.

MDP MDP

MDP

Geburtstag 25.8.13 26.9.13 13.7.16 6.12.16 29.3.19

Alter 103 103 100 100 97

22.9.19 9.2.20 27.8.20 8.12.20 5.2.21 11.7.21 27.8.21 16.10.21 13.12.21 14.5.22 28.4.23 18.7.23 21.9.24 15.8.25 27.8.25 11.8.26 3.8.26 2.10.26 8.11.26 27.1.31

97 96 96 96 95 95 95 95 95 94 93 93 92 91 91 90 90 90 90 85

24.2.31 14.2.31 25.3.31 6.3.31 14.3.31 29.3.31 5.4.31 29.4.31 18.4.31 25.6.31

85 85 85 85 85 85 85 85 85 85


Vorname Udo Claus Wilhelm Eckart Hans-Hinrich Kurt Christian Kirykos Sigrid Hermann Joachim Hartmut Christa Michael Rosemarie Ferdinand Herbert Gisbert Siegfried Günther Georg Frank Udo Franz Heiner Klaus Erich Karl-Heinz Klaus Wolfram Horst Curt M. Elsa Dorothea Bernhard Erika Vilja Jörg Eva-Maria Hartmut Gerhard

Name Schlegel Behnke Lutz Kissling Habermann Richter Uhlig Kotsianos Branscheid Schinkel Genscher Dürr Sywottek Friedrich Bucke Uhl Gröbner Krusche Pank Schulz Garbers Müller-Römer Gleitsmann Heydt Zetzsche Vogt Schulze Stock Kuntze Buschbeck Sitta Becker Leiß Muschik Künzel Frenkel Rodigast Reling Behrends Riebe Sywottek

Pforta 42 – 43

MDP

42 – 45 46 – 49 v. 44 47 – 52 v. 51 50 47 48 48 48 51 50 50 48 47 46 48 48 51 52 50 48 48 51 45 48 48 51

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

53 52 52 54 54 54 55 55 54 52 53 47 52 54 54 56 53 54 52 55 49 53 54 54

55 50 51 46

– – – –

55 52 55 50

MDP MDP MDP MDP MDP

v.

v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v.

MDP MDP MDP MDP

MDP MDP MDP MDP

MDP

v.

v. v. v. v. v. v. v.

51 – 55 v. 48 – 54 v.

MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP

Geburtstag 26.6.31 27.7.31 22.7.31 20.7.31 12.8.31 24.9.31 20.9.31 2.9.31 2.10.31 15.1.36 8.1.36 29.1.36 31.1.36 31.1.36 23.2.36 11.2.36 12.2.36 20.2.36 24.3.36 1.3.36 2.3.36 24.3.36 7.4.36 12.4.36 12.4.36 5.4.36 1.4.36 11.4.36 13.5.36 31.5.36 5.5.36 6.36 1.6.36 1.6.36 22.6.36 29.6.36 12.7.36 28.7.36 11.7.36 16.8.36 12.8.36

Alter 85 85 85 85 85 85 85 85 85 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80

Tabula Gratulatoria | 67


Vorname Albrecht Artur Dieter Rudolf Günther Anne-Marie Roland Wolfgang Horst Helga Rosemarie Helga Ursula Albrecht Horst Maximilian Jutta Hans-Ulrich Elfriede Peter Ingrid Hartmut Helga Jürgen Helmut Dietrich Rudolf Barbara Bernd-Jörg Detlev Christine Renate Dietmar Ingeborg Joachim Uwe-Jens Gisela Klemens Christel Karl-Otto Frank

Name Blumenthal Denda Scheidereit Walter Engelmann Nießen Weber Bauer Krumbholz Wiecker Voigt Hoßbach Kalitowski-Adolf Friedrich Dietz Meichßner Mehler Reyher Hübner Kaulfersch Becker Steinrück Papenroth Spatz Ramisch Rutz Ottilie Gahlert Paradowski Burkert Pehse Gamisch Schmidt Witt Kraft Jürgensen Müller Müller Hartinger Zabel Brügmann

68 | Tabula Gratulatoria

Pforta 56 – 50 48 – 54 48 – 54 51 – 55 51 – 55 51 – 55 52 – 56 51 – 55 51 – 55 51 – 56 51 – 55 55 – 59 54 – 57 55 – 59 55 – 59

MDP MDP v. v. v. v.

MDP

MDP v. v. v. v. v. v. v. v.

MDP MDP

MDP MDP

55 55 58 55 55 55 55 55 55 55 58 55 56 56 56 56 56 56 56 55 56 56 56 56 56

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

59 59 60 59 59 59 59 59 59 59 60 59 60 58 60 60 60 60 60 59 60 60 60 60 60

v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v.

MDP

MDP

v. MDP v. v. v. v. v. v. v.

Geburtstag 5.8.36 3.9.36 24.9.36 4.9.36 26.10.36 14.11.36 2.11.36 16.12.36 .12.36 21.12.36 8.12.36 13.1.41 30.1.41 2.1.41 17.2.41 16.2.41 18.2.41 29.3.41 20.4.41 26.5.41 28.5.41 15.5.41 24.5.41 25.6.41 11.7.41 6.7.41 21.8.41 3.8.41 21.8.41 30.8.41 11.9.41 16.9.41 29.9.41 10.9.41 25.9.41 26.9.41 9.10.41 23.11.41 13.12.41 11.12.41 26.12.41

Alter 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75 75


Haushaltsrechnung Kalenderjahr 2014 Finanzamt Naumburg Steuer-Nr. 119/142/03726

1. EINNAHMEN- UND AUSGABENRECHNUNG 1.1 Einnahmen

Mitgliedsbeiträge Erbschaften/Vermächtnis Spenden erstattete Kapitalertragssteuer und Solz Einnahmen aus Umsatzerlösen, Chor, Verkäufe Zins- und Kurserträge Summe der Einnahmen

EURO

14.756,23 56.273,25 63.777,19 6.842,96 5.638,80 231,12 147.519,55

147.519,55

1.2 Ausgaben

Ausgaben, Kosten der Vereinsverwaltung, Internet Beihilfen Landesschule, Archiv, Die Pforte, Pforta Info... Zinsen, Bankgebühren Ausgaben für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren Abschreibungen Summe der Ausgaben

− 130.427,88 − 192,11 – 528,44 – 1.428,00 – 132.576,43

Vereinsergebnis

– 132.576,43 14.943,12

2. VERMÖGENSENTWICKLUNG Sonstiges Inventar Kassenbestand

Bank- und Girokonten Postbank Hamburg 10584 200 Deutsche Bank 6463376 00 Deutsche Bank 6463376 68 Deutsche Bank 6463376 69 Sparkasse Burgenlandkreis durchlaufende Posten Summe Gebundene Rücklage gem. § 62 Abs. 1 Nr. 1 AO Rücklage Dornier Stiftung Rücklagen Dr. Rocha-Stiftung Rücklagen Dr. Weihe-Stiftung Rücklagen Ausstattung Theater und Veranstaltungsspielstätte Rücklage Die Pforte; und Pforta-Info Rücklage aus Vermögensverwaltung Umsatzsteuer Kapitalvorträge Vereinsergebnis 2014

10.378,00 137,64

176.517,97 49.798,39 73.345,44 205.774,53 1.230,80 95,00 517.277,77

517.277,77

– 50.349,00 – 84.237,06 – 903,35 – 2.718,66 – 200.000,00 – 4.000,00 – 3.266,00 – 582,70 – 156.277,88 – 14.943,12 – 517.277,77

– 517.277,77

Haushaltsrechnung Kalenderjahr 2014 | 69


Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta

D

»Der Naumburger Dom und die hochmittelalterliche Landschaft an den Flüssen Saale und Unstrut«, so lautet der Titel des modifizierten Welterbe-Antrags, der spätestens bis zum 1. Februar 2016 in englischer Sprache bei der UNESCO in Paris vorliegen muss. Die nunmehr auf Empfehlung der UNESCO rund 250 Seiten umfassende Bewerbung ist damit deutlich knapper als der erste Antrag. Dabei wird insbesondere der Naumburger Dom mit seinen weltweit einzigartigen zwei Lettnern und seinen Stifterfiguren als herausragendes Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft und somit als ein von der UNESCO gefordertes Alleinstellungsmerkmal in den Mittelpunkt des Antrages gestellt. Darüber hinaus werden die Verbindung des Doms zu weiteren zehn Monumenten des Antragsgebietes und deren kultur- und kunsthistorischen Werte reflektiert. Das Zisterzienserkloster in Schulpforte ist eines dieser herausragenden Monumente inmitten des Antragsgebietes und gilt als beispielgebend für den Abschnitt der kulturhistorischen Entwicklung und damit der Wechselwirkung zwischen Mensch und Landschaft. Wird der Antrag im Februar 2016 nach dessen formaler Prüfung von der UNESCO angenommen, erfolgt voraussichtlich im Spätsommer 2016 die erneute Prüfung des Antragsgebietes vor Ort durch den Internationalen Rat für Denkmalpflege ICOMOS. Mit einer

70 | Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta

Entscheidung über die Vergabe des Welterbe-Titels durch das UNESCOWelterbe-Komitee wäre dann Mitte 2017 in Vietnam zu rechnen. Die Stiftung Schulpforta unterstützt weiterhin die modifizierte Bewerbung als aktives Mitglied des Fördervereins Welterbe an Saale und Unstrut e.V. In diesem Zusammenhang findet der 3. Welterbe-Wandertag am 16. April 2016 im Kloster Pforte statt. Zuvor waren die Städte Freyburg (2014) und Naumburg (2015) Startund Zielpunkt. Derzeit werden die Wander- und Radtouren geplant. Das Rahmenprogramm soll rund um das Besucherempfangszentrum auf dem Klostergelände stattfinden. Nicht nur wegen der Bedeutung des Klosters Pforte im Welterbe-Antragsgebiet, sondern auch wegen dessen Einfluss auf die Entwicklung in der Region, im Land Sachsen-Anhalt, in Deutschland und Europa plant die Stiftung Schulpforta schon seit einiger Zeit die Errichtung einer Dauerausstellung zur Geschichte des Zisterzienserklosters und der Landesschule Pforta. Mit dem Vorhaben soll erstmalig ein angemessener Ausstellungsstandort zur Geschichte von Schulpforte entstehen. Seit Ende November 2015 liegt dafür ein Ausstellungs(grob)konzept vor. Das »Portaneum – Bildungs- und Ausstellungshaus Schulpforte«, so der


vorläufige Arbeitstitel, wird nun als Grundlage für die weitere inhaltliche Ausgestaltung der verschiedenen Epochen seit der Klostergründung im Jahr 1137 für die zukünftige Dauerausstellung dienen. Für die erforderliche Bauinvestition laufen derzeit die Vorbereitungen für die Fördermittelantragsstellung. Standort für die Dauerausstellung soll das ehemalige Rinderstallgebäude auf dem Gutshof werden. Im April 2015 wurde die Stiftung Schulpforta mit dem Romanikpreis 2014 ausgezeichnet. Mit der jährli-

chen Verleihung des im Jahr 1995 erstmals ausgelobten Preises wird besonderes Engagement zur Steigerung der kulturtouristischen Bekanntheit der »Straße der Romanik« gewürdigt. Der Stiftung Schulpforta wurde im Rahmen einer Feierstunde in der Backsteinkirche St. Nikolaus im altmärkischen Dorf Beuster eine Silbermedaille verliehen. Zu den gewürdigten Projekten zählen unter anderem der Neubau des Besucherempfangszentrums mit Parkplatz sowie die Neugestaltung der angrenzenden Freiflächen und Gartenanlagen nach historischen Vorlagen. Die Preisver-

Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta | 71


leihung unterstreicht die hohe Wertschätzung der bisherigen Aktivitäten und Leistungen aller Vorstände, Kuratoren, Mitarbeiter und Unterstützer der Stiftung Schulpforta. Seit Ende September 2015 ist die Restaurierung des Holztafelkreuzes (1240/1250) abgeschlossen. Geringfügige Restarbeiten sind lediglich noch an der Aufhängung erforderlich. Im Frühjahr 2016 soll entschieden werden, ob für die Sanierung der beiden Joche im Kirchenraum oberhalb des Kreuzes finanzielle Mittel akquiriert werden können. Sollte dies nicht kurzfristig ermöglicht werden, würde das Holztafelkreuz zum Schulfest 2016 wieder an seinem angestammten Platz der Öffentlichkeit präsentiert werden. In den letzten Monaten verdichteten sich die Überlegungen des Landesweingutes »Kloster Pforta«, seinen Standort auf stiftungseigenen Flächen im Klosterareal anzusiedeln. In diesem Zusammenhang besteht jedoch noch Klärungsbedarf, insbesondere wegen der Denkmalpflege, Flächennutzung und Bauleitplanung. Das Landesweingut hat zwischenzeitlich Machbarkeitsstudien und weitere detaillierte Voruntersuchungen als Entscheidungsgrundlage erstellt. Eine Entscheidung über die Standortfrage soll im Frühjahr 2016 erfolgen.

72 | Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta

Beginnend mit dem Schuljahr 2015/16 wurde wieder eine Reihe von Förderanträgen für die Ausreichung von Sozialstipendien an Schüler der Landesschule Pforta an die Stiftung Schulpforta übergeben. Es wird festgestellt, dass der Bedarf für derartige Leistungen in den letzten Jahren stetig angestiegen ist. Durch den Rektor der Landeschule wurde diesbezüglich die Anfrage auf eine mögliche Erhöhung des Budgets an die Stiftung Schulpforta gestellt. Zur letzten Sitzung des Kuratoriums Ende November 2016 wurde diesem Antrag einstimmig zugestimmt. Derzeit erhalten rund 25 Mädchen und Jungen der Landesschule Pforta ein monatliches Stipendium. Das neue Besucherempfangszentrum hat eine sehr gute Resonanz in der Öffentlichkeit gefunden. Nach internen Auswertungen haben sich die Besucherzahlen in den letzten Jahren weiter erhöht. Im Jahr 2015 konnten wir rund 22.000 Besucher verzeichnen, wobei die Zahlen nicht die tatsächliche Besucherdichte wiederspiegeln. Da die Klosteranlage nicht wie andere kulturtouristische Einrichtungen mit einer zentralen Eingangs- und Kassensituation ausgestattet ist, können nicht alle Besucher im Besucherempfangszentrum gezählt werden. Für das Jahr 2016 erfolgte die 2. Ausgabe des Fotokalenders Schulpforte. Der Kalender mit jährlich wechselnden


Fotos aus Schulpforte soll auch in den Folgejahren im Besucherempfangszentrum und im Online-Shop der Stiftung angeboten werden. Zur Information möchten wir allen Interessenten die Öffnungszeiten des Besucherempfangszentrums mitteilen: Besuch und Besichtigung der Klosteranlage sind ganzjährig möglich.

Öffnungszeiten des Besucherempfangszentrums April – Oktober: Mo. bis So. 10:00– 18:00 Uhr November – März: Di. bis So. 10:00– 16:00 Uhr

Öffentliche Führungen ohne Voranmeldung

April – Oktober: Sa. und So. 14:00 Uhr November – März: Sa. und So. 13:30 Uhr

Individuelle Führungen / Sonderführungen / Arrangements ganzjährig nach Voranmeldung Audio-Guide-Führungen jeweils zu den Öffnungszeiten des Besucherempfangszentrums ARNDT GERBER (AL. PORT. 86–88 V.), PROKURATOR

Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta | 73


Pförtner Abende Aachen

Frankfurt – Hessen

Gerda Lachmann Jakobstraße 28 52064 Aachen Tel. 0174 | 5939949 gerda.lachmann@ rwth-aachen.de

Dr. Sibylle Fink Münzenberger Straße 14 61352 Bad Homburg v. d. H. Tel. 06172 | 1010793 sibylle.fink@gmx.de

Berlin

Renate Frankenberger geb. Winkelmann Heidelberger Straße 17 76344 Eggenstein-­ Leopoldshafen Tel. 07247 | 22372

Dr. Helmut Heimbürge Myslowitzer Straße 8 12621 Berlin Tel. 030 | 5671582 heimbuerge@gmx.net

Bonn/Rheinland

AkeL- und Pförtnerabend Dr. Hans-Hoyer von Prittwitz und Gaffron Helmholtzstr. 20 53123 Bonn Tel.: 0228 | 626926 H.v.Prittwitz@gmx.de

Dresden

Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de

Hamburg

Günther Schedlinski Melkerstieg 12 A 22559 Hamburg Tel. 040 | 862626 Fax 040 | 861093

74 | Pförtner Abende

Karlsruhe/Oberrhein

Halle/Saale

Karsten Müller An der Johanneskirche 1 06110 Halle/Saale Tel./Fax 0160 | 97714276 mueller.magdeburg@gmx.de

München

Ursula Meier-Credner Arno-Assmann-Straße 5 81739 München Tel./Fax: 089 | 6706366 mcredner23@t-online.de

Schwerin/MecklenburgVorpommern zurzeit nicht besetzt

Thüringen

Franziska Teichert Das Querigfeld 5 99092 Erfurt Tel. 0171 | 2603498 teichertfranziska@gmail.com

Münster

zurzeit nicht besetzt Initiatoren weiterer Pförtnerabende sind willkommen. Bitte unter ­vorstand@pforta.de melden.

AkeL

Dr. Wolfgang von Hänisch Königsberger Straße 8 88212 Ravensburg Tel. 0751 | 9587766 www.akel.de

Landesschule Pforta

Schulstraße 12 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 350 Fax 034463 | 26839 www.landesschule-pforta.de info@landesschule-pforta.de Beiträge für DIE ­ FORTE bitte an peter. P maser@t-online.de, oder direkt an Pförtner Bund e.V., Schul­straße 22, 06628 Naumburg OT Schulpforte. Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: Ende November 2016


Impressum

Redaktion

Prof. Dr. Peter Maser Berbigstraße 7 06628 Naumburg OT Bad Kösen Tel. 034463 | 62490 peter.maser@t-online.de

Gestaltung

David Ortmann Ungerstraße 17 04317 Leipzig Tel. mob. 0176 | 50071529 david.ortmann@gmail.com

Vorsitzender

Matthias Haase Heichelheimer Gasse 21 99439 Kleinobringen Tel. 03643 | 418888 matthias-haase@t-online.de

Schatzmeisterin

Claudia Pohland Kirchplatz 16 06642 Kaiserpfalz OT Bucha cpohland@aol.com

Schriftführerin

Dr. Anne Hultsch

Archivar

Dr. Klaus-Dieter Fichtner Richard-Kanzler-Straße 1 06628 Naumburg OT Bad Kösen Tel. 034463 | 27544 fichtnerkd@t-online.de

Gesamtherstellung

Druckerei Schöpfel GmbH www.druckerei-schoepfel.de

Konten Pförtner Bund e. V.

Mitgliedsbeitrag 40 Euro Postbank Hamburg IBAN: DE15 2001 0020 0010 5842 00 BIC: PBNKDEFF Deutsche Bank Naumburg IBAN: DE46 8607 0024 0646 3376 00 BIC: DEUTDEDBLEG

Melanchthon-Stiftung

Sitz der Stiftung: Bielefeld Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax. 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de Volksbank Hamburg Ost-West IBAN: DE80 2019 0206 0053 2226 01 BIC: GENODEF1HH1

Stiftung Schulpforta

– Stiftung des öffentlichen Rechts – Prokurator Arndt Gerber Schulstraße 22 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 61761 mit Online-Shop www.stiftung-schulpforta.de info@stiftung-schulpforta.de

Foto (4. Umschlagseite): Photo-Tempel

Herausgeber

Pförtner Bund e.V. Schulstraße 22 06628 Naumburg OT Schulpforte vorstand@pforta.de www.pforta.de


Nr. 68 | 2015 015 2

DIE PFORTE Nr. 68/2015  

Die 68. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

DIE PFORTE Nr. 68/2015  

Die 68. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

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