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2020 | Nr. 73

Zeitschrift des Pförtner Bundes e. V.


INHALT Geleitwort des Vorsitzenden Grußwort des Rektors Die neue Redaktion stellt sich vor

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Vergangenes aus der Pforte Nietzsche: Zur Erklärung Zum 250. Geburtstag von Wilhelm Traugott Krug Als im Herbst in Pforte die Mauer fiel

Corona-Spezial Wie Ferien ohne Ferien

Aktuelles aus der Landesschule Predigt zum Schuljahresanfang 2020/21 Tierische Landesschüler 450 Jahre historische Bibliothek Schulpforte

Vom Pförtner Bund Vorstellung des neuen Vorstands Abi. Was dann? Pforte verbindet über Grenzen hinweg Der Zukunftsbaum Zur Restaurierung des Lamprecht-Grabmals Die Gefallenentafel im Chor der Kirche Haushaltsrechnung Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung Ecce 2020 In Memoriam: Horst Sitta In Memoriam: Christoph Illgen Tabula Gratulatoria

Pfortenser Allerlei Schulpfortes Skyline Hier könnte Ihr Name stehen! Von Albatros bis Schneehuhn Pfortenser Ecken Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta Pförtner Abende Impressum

2 | Inhalt


Geleitwort des Vorsitzenden

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Liebe Pförtnerinnen und Pförtner, liebe Freunde unserer Alma Mater! In Krisenzeiten rücken Menschen, die einander wichtig sind, enger zusammen. Ich erlebe das in diesem außergewöhnlichen Jahr in der Familie und ich erlebe es bei unserer Arbeit für die Landesschule Pforta. Welche Einschnitte die Corona-Pandemie für das Leben in Pforta brachte, davon konnten Sie bereits in den letzten Ausgaben der Pforta-Info lesen, wir lesen dazu auch im nachfolgenden Bericht des Rektors. Es ist alles anders als normal. Und vor allem das, was unsere Schule ausmacht: die besonderen Pfortenser Gepflogenheiten einer so eng verzahnten, beinahe verschworenen Gemeinschaft von SchülerInnen, konnten seit dem Frühjahr nicht gelebt werden. Schulfest, Chorreisen, Konzerte, Abiball und viele weitere so wichtige »Freu-Momente« mussten sang- und klanglos entfallen. Immerhin fand die festliche Exmatrikulation in beinah gewohnter Form, aber mit Abstand, in der Kirche statt. Und auch die neuen SchülerInnen wurden mit gleichem Ritual aufgenommen. Dass die Chöre nicht in großer Besetzung, eng beieinander stehend, singen können, dass das Gänseessen der SchülerInnen ohne gewohnte Martinslieder und in mehreren Etappen stattfinden muss, dass

das ECCE nicht mit Gästen abgehalten werden konnte; es gäbe so vieles zu bedauern und beweinen. Aber es wird wieder hellere Tage geben und ich möchte Ihnen heute schon von Hoffnung und Lichtblicken berichten. Im Frühjahr 2020 sind weitere 100 Stühle in die Klosterkirche geliefert worden, die wir in Auftrag gegeben haben. Nun ist die Bestuhlung prinzipiell ausreichend. Allerdings freut sich das ein oder andere Sitzmöbel noch über einen individuellen Spender, der dann auch mit Namen verewigt wird. Die Rettung der wertvollen Sammlung von Tierpräparaten ist in voller Fahrt. Es ist beeindruckend, mit welchem Engagement die Initiatorin Frau Dr. Reglich (jüngst zur Vorsitzenden des Welterbevereins gewählt) dieses Vorhaben voranbringt. Auch über Forschritte des Restaurierungsprojektes »Lamprechtgrabmal« werden wir berichten. Hier können wir den Beginn der Restaurierung durch die Bauhütte melden und sind sicher, dass spätestens im Frühjahr der Monolith dem Historischen Friedhof wieder zusätzliche Würde und Ausstrahlung verleiht. Als hätten wir die zweite Welle der Pandemie geahnt, haben wir nach

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Absage des Schulfestes im Vorstand entschieden, die satzungsgemäß vorgeschriebene Mitgliederversammlung mitten im Sommer »open air« in Pforta abzuhalten. So bekam das Gotische Haus mit der Tordurchfahrt eine ganz neue Zweckbestimmung: als Tagungsort mit natürlicher Aerosolvermeidung. Daran hat im späten Mittelalter, als das Haus entstand, wohl auch niemand gedacht. Bei kräftigem Wind, der manche Frisur durcheinander wirbelte, wählten die angereisten Mitglieder den neuen, wieder deutlich jüngeren Vorstand. Der immergrüne coetus, von dem in Schulpforte gesprochen wird, findet auch in der Ehemaligenarbeit seine Fortsetzung, sodass die Blüte unserer Alma Mater möglichst ewig fortdauert. Unser Dank gilt aber vor allem denen, die uns diesen Anschluss ermöglichen und die Geschicke des Vereins in den letzten Jahren in den Händen hielten. Claudia Haferburg (vormals Pohland) hat als Schatzmeisterin unsere Kassen seit 2008 in treuen Händen gehalten. Die Kassenprüfung und das Finanzamt belegen mit Berichten und Bescheiden ihre vorbildliche Arbeit. Ihr Verantwortungsgefühl zeigt sich bis in jüngste Tage. Sie steht dem neu gewählten Schatzmeister zur Seite und gewährt so den wirklich nahtlosen Übergang der Amtsgeschäfte. Ihre Bescheidenheit und Bodenständigkeit bei all der Verantwortung ist

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wunderbar. Und typisch portensisch. Herzlichen Dank dir für alles. Mit Wehmut und ebenso großer Dankbarkeit haben wir auch Prof. Dr. Peter Maser aus der Vorstandsarbeit entlassen. Peter hatte nach Ende seiner akademischen Berufslaufbahn in Münster, gemeinsam mit seiner Frau Malwine (die unermüdlich Gäste durch Pforta führt und auch als Autorin unseres Heftes in Erscheinung tritt), seine neue Heimat in der alten Heimat gefunden. Mit dem Umzug nach Bad Kösen wurde Pforta für ihn zur Aufgabe. Er prägte für die Verbundenheit zu einem so einzigartigen Ort den Begriff Topophilie. Schon seit Jahrzehnten dem Vorstand des Vereins angehörend, übernahm er 2004 den Vorsitz von Jochen Kreyssig, schuf mit Schatzmeister Helmut Duckart und der Stiftung Schulpforta die Voraussetzung für ein dauerhaftes Domizil von Pförtner Bund und dessen Archiv im Neugotischen Haus und konnte den ersten nennenswerten Zuwachs an Mitgliedern vermelden. Krankheitsbedingt und in ernster Sorge um seine künftige Schaffenskraft legte Peter den Vorsitz 2012 nieder, den ich erst kommissarisch mit seinem Stellvertreter Dr. Wolfgang Knackstedt und dann als gewählter Vorsitzender übernahm. Nach überstandener lebensbedrohlicher Erkrankung und trotz leidlicher Gesundheit stand er als Redakteur


unseres Jahresheftes und vielfältiger Ratgeber im Vorstand zur Verfügung. Seine Beharrlichkeit und Ausdauer, ohne jede Spur von Echauffiertheit bleiben bewundernswert. Insofern ist sein lang schon formulierter Wunsch, das Torhaus in dunkler Tageszeit zu erleuchten, dringlichst umzusetzen. Mit Herzlichkeit und stets offener Tür hat Peter Gäste empfangen, Pforte-Themen erörtert, eingeweiht in manch wichtige Interna und vor allem den Anschluss geknüpft, auf dass die nach ihm Kommenden ihre Sache mit allem Wissen um das Bisherige, aber in eigener Form und Verantwortung weiterführen können. Danke Peter, für deine Arbeit, deinen Einsatz, dein fruchtbares Wirken für unsere Pforte. Dem Vorschlag des Vorstands ist die Mitgliederversammlung per Akklamation gefolgt und hat Prof. Dr. Peter Maser am 29. August 2020 zum Ehrenvorsitzenden unserer Vereinigung ernannt.

Manchmal sind es Symbole, die uns in harten Zeiten helfen. Die Platane gehört dazu. Sie steht mit ihrer mächtigen Krone wie ein Schutzschild über vielen Generationen von SchülerInnen, PfortenserInnen die hier gefeiert und ausgeruht, sich verliebt, getroffen und vielleicht wiedergefunden haben.

Und was ist mit unserer Platane? Diese Frage hatten Sie vielleicht schon beim Aufschlagen des Heftes. Wie so oft, ist die Sachlage in Schlagworten nicht treffend zu beschreiben. Der größte Schrecken ist genommen. Die Sorge bleibt. Aber auch dazu lesen Sie mehr im Heft.

MATTHIAS HAASE AL. PORT. 1983 – 1987 VORSITZENDER DES PFÖRTNER BUNDES E. V.

Wir wollen heute schon ein Zeichen setzen: Kein Apfelbäumchen, nein, eine neue Platane wollen wir alsbald im hinteren Parkareal pflanzen. Sie soll Zeit haben, groß zu werden, so lange der bisherige Baum noch Kraft hat, bei uns zu sein. Eine sprichwörtliche Investition in die Zukunft. Dafür brauchen wir Ihre Hilfe. So rücken wir in Krisenzeiten heute schon enger mit Menschen zusammen, denen Pforte erst künftig ans Herz wächst. Ich wünsche Ihnen und uns allen Langmut und den gelassenen, zuversichtlichen Blick auf das Kommende.

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Grußwort des Rektors

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Liebe Pförtnerinnen und Pförtner, im Rückblick auf das Jahr 2020 hört man oft, dass das kommende Jahr 2021 eigentlich nur besser werden kann. Die Hoffnung dieser Aussage stützt sich dabei vor allem auf die Segnungen der Pharmazie, um der aktuell noch sehr präsenten Pandemielage Herr zu werden. Wenn Sie in den Genuss dieser Lektüre kommen, werden, so will man meinen, bereits eine Reihe an Personen einer gewissen heimtückischen organischen Struktur die Weiterverbreitung erschweren – dank der erhaltenen Impfdosen. Vielleicht wird man aber in Rückblick auf das Jahr 2020 auch die Veränderungen in den Fokus rücken, die durch die herausfordernde Situation initiiert oder zumindest in ihrer Entwicklung deutlich beschleunigt worden sind. Und diese Veränderungen mögen vielleicht sogar im besonderen Maße auf den Bereich der Bildung zutreffen. Das zu Ende gehende Kalenderjahr hat uns u. a. eindrücklich verdeutlicht, dass Lernen einerseits ein zutiefst sozialer Prozess ist, der vom gemeinschaftlichen Austausch »face to face« zwischen Lernenden und Lehrenden profitiert. Andererseits wurde deutlich, dass Lernen auch eine sehr ausgeprägte individuelle Komponente aufweist. Unbedingt zu berücksichtigen sind dabei die Schaffung und Gestaltung unter-

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schiedlicher Zugänge zum Kompetenzerwerb, individuelle Formen der Wiederholung, Übung und Sicherung sowie unterschiedliche Lerntempi und Schwerpunktsetzungen bei der Wahl der inhaltlichen Gestaltung von Unterricht. Es gilt also zukünftig im besonderen Maße einen sozialen Prozess so offen zu gestalten, dass gemeinsam vereinbarte Ziele sicher und zuverlässig erreicht werden, die dafür zu beschreitenden Wege aber eine große Varianz aufweisen können. Der in diesem Jahr geschaffene Anschluss unserer Landesschule an das digitale Breitbandnetz bietet hierfür eine gute Voraussetzung. Ebenso ins Leben gerufen wurde die AG Digitalisierung, in der Lehrende, Lernende, Eltern und unsere FördererInnen und UnterstützerInnen gemeinsam Ansätze und Konzepte entwickeln und ausgestalten werden, um das skizzierte Ziel erreichen zu können. Das Jahr 2020 führte zum Verzicht auf vieles, was uns »lieb und teuer« ist – gedacht sei hier unter anderem an das Schulfest, den Abiball, die ECCE-Feier, den Tag der offenen Tür im Herbst und an die Weihnachtskonzerte mit »normaler« Choraufstellung und einer mit begeistertem Publikum gefüllten Kirche. Dieser Verzicht führte jedoch auch dazu, bei der Suche nach Handlungsoptionen, Routinen, Ab-


läufe und Traditionen zu hinterfragen und dabei neue Lösungsansätze zu entwickeln. So hat sich beispielsweise gezeigt, dass wir die große Kreativität unserer Schülerschaft nicht nur für die jeweils eintägige Vor-Ort-Gestaltung unserer Tage der offenen Tür nutzen sollten, sondern diese auch gewinnbringend in die Präsentation unseres Internatsgymnasiums und des Aufnahmeverfahrens auf unserer Webpräsenz und den Social-MediaKanälen einbringen können. Man denke in diesem Zusammenhang auch an unseren Adventskalender, an das virtuelle Krippenspiel und an die »Sonderseiten« auf der Schulhomepage. In den Bereich der Lösungen, die durch besonderes Engagement von »kreativen MitgestalterInnen« geschaffen werden, zählt auch die Initiative der Eltern zur Organisation der Sprachreise nach Conil für das Jahr 2021. Nachdem ein Besuch der Sprachschule in Andalusien in diesem Jahr leider nicht möglich war, wurde mithilfe der Elterninitiative eine Option für einen Studienaufenthalt in Spanien im Mai des kommenden Jahres geschaffen, die derzeit noch Bestand hat. Generell lässt sich für das Jahr 2020 feststellen, dass wir wieder sehr vom großen Engagement unserer FördererInnen und Unterstütze-

rInnen profitiert haben. Neben der Bereitstellung von Sozial- und Leistungsstipendien zählen hierzu die Organisation und Durchführung von Seminaren, Seminarreihen, Workshops und Podiumsdiskussionen, die finanzielle Förderung von Projekten, die Organisation von Spendenaufrufen (Stichwort: Tierpatenschaften), die Einbindung der Landesschule in europäische Initiativen (wie beispielsweise in das Projekt »Cisterscapes – Cistercian landscapes connecting Europe«), das Engagement zum Erhalt und zur Wiederherstellung der lokalen kulturhistorischen Schätze (Restaurierung der Mauer am Lehrerparkplatz, der Gefallenengedenktafel etc.), und die gewährte Vor-OrtUnterstützung, wenn zusätzliche planende Köpfe, zupackende Hände und NetzwerkerInnen gebraucht werden. Gerade in herausfordernden Zeiten ist es eine Wohltat, zu wissen, dass die Pfortenser Schulfamilie auch einen sehr großen und aktiven Kreis an UnterstützerInnen mit einschließt, in dem sich vor allem der Pförtner Bund, die Stiftung, unser Beraterkreis der Schule und unsere Alumni als wahre Leuchttürme erweisen. In Hinblick auf die anstehenden Aufgaben des Jahres 2021, wobei hier insbesondere der Beginn der wahrscheinlich drei Jahre umfassenden energetischen Sanierung unseres Schulgebäudes zu

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erwähnen ist, zählen wir sehr gern weiterhin auf dieses vielfältige und zielorientierte Engagement! Verbunden mit dem Wunsch, dass Sie auch im Jahr 2021 oft mit Freude an Ihre am Fuße des Knabenberges verbrachte Zeit zurückdenken und weiterhin den aktuellen Werdegang

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unserer Landesschule verfolgen, danke ich Ihnen für Ihr Interesse an Ihrer Alma Mater und für Ihre Unterstützung unseres Schul- und Internatslebens. THOMAS SCHÖDEL RECTOR PORTENSIS


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Die neue Redaktion stellt sich vor

Liebe Pförtnerinnen, liebe Pförtner, ein herzliches Hallo! Hier ist sie nun, die Nummer 73 der Schulpforta-Nachrichten. Eine neue Ausgabe mit laufender Nummer, keine Jubiläumsausgabe, kein Schuljubiläum, eigentlich also ein ganz normales Heft – und doch ist diese Ausgabe für uns aus mindestens zwei Gründen etwas sehr Besonderes. Für uns wird dies nämlich die erste Ausgabe werden. Wir sind Sophie Müller und Susanne Neupert und seit der letzten Mitgliederversammlung frisch mit der Redaktion dieses traditionsreichen, feinen Heftes betraut. Sophie ist im Vorstand bereits einige Jahre bekannt, Susanne ist neu dabei. Als Susanne 2005 in der S-Klasse ihr Abitur ablegte, sollte es noch vier Jahre dauern, bis Sophie in die M-Klasse immatrikuliert wurde. Und trotzdem war da sofort diese ganz typische Pfortenser Verbundenheit, die Ihr und Sie sicher alle kennen. So war die Bewältigung einer zweiten Besonderheit des Heftes in trauter Verbundenheit ein Leichtes. Denn eigentlich wollten wir für die erste Ausgabe ganz sanft in die Arbeit gleiten und uns an die bewährten »Klassiker« halten. Doch ein gewisses Virus hat unsere Planung durcheinandergebracht: keine Pförtner Abende, kein Schulfest und damit noch

nicht einmal eine wohltuende Predigt. Es ist schade, dass in diesem Jahr so vieles anders verlief. Allerdings ist das nur die Hälfte der Wahrheit, da ja trotzdem so viel Tolles passierte. Unsere Alma Mater hat wieder einmal gezeigt, wie sie als Gemeinschaft hervorragend funktionieren kann. Und so sprudelten sofort die Ideen für dieses Heft. Ob das gelungen ist, entscheiden diejenigen, die das Heft lesen. Fest steht aber jetzt schon, dass uns die Gestaltung eine Freude war. Wir möchten uns an dieser Stelle bei dem ehemaligen Redakteur Prof. Dr. Peter Maser bedanken! Für die langjährige Redaktion, aber auch für die wunderbare Übergabe mit weisen Einblicken. Wir bedanken uns auch bei David Ortmann, der das Heft weiterhin prägt. Und natürlich danken wir, in Verbundenheit, allen VorgängerInnen. Nicht zuletzt bedanken wir uns bei allen, die an diesem Heft mitgewirkt haben und bei den Mitgliedern des Pförtner Bundes für ihr Vertrauen in uns. Das Heft hat sich mit der Zeit gewandelt und trotzdem seinen Kern bewahrt. Und damit ist es für uns fast so, als würde nicht uns die Aufgabe der Redaktion begleiten, sondern wir die Schulpforta-Nachrichten auf ihrem Weg durch die Zeiten. Darauf freuen wir uns!

Die neue Redaktion stellt sich vor | 9


Foto: Foto-Tempel, Naumburg

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Vergangenes aus der Pforte *  *  *


Nietzsche: Zur Erklärung

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Am 25. August 2020 jährte 120. Mal der Todestag von Nietzsche. Dies nehmen Anlass, um einen anderen Nietzsche zu gewinnen.

sich zum Friedrich wir zum Blick auf

In einem kleinen Album des Naumburger Fotografen Gustav Schulze findet sich eine besondere historische Aufnahme des pfortenser Schülers. Er steht gemeinsam mit einem Mitschüler vor dem Westportal der Kirche. Das Besondere ist aber nicht unbedingt die Fotografie selbst, sondern, dass Nietzsche dazu ein amüsantes Gedicht verfasste.

Zur Erklärung. Wie ich steh bei meinen Schulgenossen, Daß ich’s Dir nicht sag, hat Dich schon oft verdrossen. Willst du’s wissen, schaue her: Also steh ich, wie ein zott’ger Brummelbär. Mit verschränktem Arm und Beinen Brumm ich etwas in den Bart, als hätt’ ich einen. An der Wand mit trotziger Geberde Steht mein Schatten und schaut nieder auf die Erde. Gegenüber meinem Angesichte

Steht ein Mensch, wer’s ist, das sag’ ich nichte. Daß ein Mensch es sei, kannst Du ergründen An dem Rocke und der weißen Halsbinden. Dies besagte Menschenkind steht zweifelnd vor mir, Fraget mich: »Was stehn Sie vor dem Kirchenthor hier?« Denken Sie, ich steh zum Amüsement In der Sonne in einem sonderbaren Herzensdrang? »Blos, damit Mamma es sehe, Wie ich bei meinen Schulgenossen stehe.« Dieses Bild von Schulz, dem Photographen, Soll auf ihrem Weihnachtstische schlafen, Wo es als Entschädigung für die Geschenke Daliegt, die ihr nicht zu schenken ich gedenke. FWN (GSA 71/214)

Foto: Gustav Schulze

12 | Nietzsche: Zur Erklärung


Zum 250. Geburtstag von Wilhelm Traugott Krug

W

Wilhelm Traugott Krug wurde am 22. Juni 1770 in Radis geboren. Sein Vater, Johann Christian Krug (1734 – 1804), war zu der Zeit Pächter des Rittergutes in Radis. Seine Mutter, Christiane Henriette Rosina Steude (1735 – 1790), war mit dem damals sehr bekannten sächsischen Hofmaler Adam Friedrich Oeser (1717 – 1799) verwandt. Da seine beiden älteren Brüder andere berufliche Wege einschlugen, sollte Wilhelm Traugott Krug letztendlich Theologie studieren. Nachdem er durch Hauslehrer unterrichtet worden war und auch in Gräfenhainichen die Stadtschule besucht hatte, führte ihn der Zufall auf der Suche nach einer geeigneten Schule nach Schulpforte. Bei einem Besuch des Kammerherrn von Bodenhausen in Radis lernte die Familie Krug dessen Hauslehrer Friedrich Wilhelm Döring (1756 – 1837) kennen. Als ehemaliger Schüler Pfortes riet dieser dem Vater von Wilhelm Traugott Krug, seinen Sohn dorthin zu schicken. Krug bestand seine Aufnahmeprüfung im Sommer 1782 so gut, dass er durch den Platz, den er in der Tertia zugewiesen bekam, gleich 16 Schüler, darunter zum Teil weit ältere, übersprang. Das Schicksal meinte es auch sonst gut mit ihm, denn er bekam gleich zu Anfang einen freundlichen Obergesellen namens Johann Philipp Leißner (1763 – 1821), der sehr fleißig war, viele griechische und römische Autoren mit ihm las und lateinische Verse übte. Krug er-

lebte die Schule unter den Rektoren Johann Gottfried Geißler (1726 – 1800) und Friedrich Gottlieb Barth (1738 – 1794). In seinen Lebenserinnerungen finden sich Schilderungen seiner Lehrer und insbesondere ein Vergleich beider Rektoren. Während seiner Zeit als Konrektor hatte Barth Krug angeboten sein Famulus zu werden. Doch Krug lehnte aus Eitelkeit ab. Er wollte »Niemandes Diener«1 heißen und sein Rang innerhalb der Tischordnung im Speisesaal war ihm wichtiger als die herausgehobene Stellung als Famulus. Als Famulus eines Lehrers durfte man nämlich weder gleichzeitig Tischinspektor sein noch auf den ersten Platz am Tisch aufrücken, selbst wenn man älter als der Tischinspektor war. Krug empfand jedoch den Gedanken, am Tisch immer nur den zweiten Platz einzunehmen, ganz unerträglich. Insofern muss es für Krug auch sehr ärgerlich gewesen sein, nie den Rang des ›Primus Portensis‹ erreicht zu haben. Zwei Brüder, die eine Klasse höher waren als Krug, und daher in der Rangfolge bei gleich guten Leistungen automatisch vor ihm kamen und im Gegensatz zu

1  Lebensreise: in sechs Stazionen zur Belehrung der Jugend und zur Unterhaltung der Alters beschrieben; nebst Franz Volkmar Reinhard’s Briefen an den Verfasser / / Krug, Wilhelm Traugott. – Leipzig: Baumgärtner, 1825, S. 46

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ihm auch noch Famulaturstellen innehatten, verlängerten ihre Schulzeit mit Erlaubnis der Regierung um ein Jahr und verwiesen Krug so auf den Platz des ›Tertius Portensis‹. Aufgrund einer längeren Erkrankung konnte er seine Valediktionsrede nicht öffentlich vortragen, sondern reichte seine Abschlussarbeit ›De discrimine Poeseos et Eloquentiae‹2 nur beim Rektor ein. Das Abschlusszeugnis, das ihm Rektor Barth ausstellte, gibt Auskunft darüber, dass aus dem kleinen ›Urceus‹ (= lat. Krug) eine schöne Amphore geworden war, die »sowohl unserer Pforte als auch dem Vaterland irgendwann einmal zu nicht mittelmäßigem Ruhme gereichen«3 würde. Rektor Barth sollte Recht behalten. Nach einem Studium der Philosophie und Theologie 1788 in Wittenberg, 1792 an der Universität Jena und 1794 an der Georg-August-Universität Göttingen habilitierte sich Krug 1794

2  Dt. Übersetzung: Über den Unterschied von Dichtkunst und Beredsamkeit 3  Schüleralltag in der Landeschule Pforta im 18. Jahrhundert: vorgestellt anhand der Aufzeichnungen von Wilhelm Traugott Krug / Dorfmüller, Petra. In: Alltagswelten im 18. Jahrhundert: lebendige Überlieferung in Museen und Archiven in Sachsen-Anhalt / Simone Bliemeister. – Halle (Saale): Mitteldt. Verl., 2010, S.181

als Privatdozent in Wittenberg. Mit Vorlesungen über Philosophie und Enzyklopädie versuchte er seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. 1801 erhielt er als außerordentlicher Professor endlich eine Festanstellung an der Brandenburgischen Universität in Frankfurt/Oder. In Frankfurt verliebte sich Krug im Haus des Generalmajors August Wilhelm Hartmann von Zenge (1736 – 1817) in die älteste von insgesamt sieben Töchtern. Wilhelm Traugott Krug und Charlotte Wilhelmine von Zenge (1780 – 1852) heirateten am 8. Januar 1804 in Frankfurt. Im darauffolgenden Jahr kam ihr erster Sohn, August Otto Krug (1805 – 1867), zur Welt. 1805 wurde Wilhelm Traugott Krug der Nachfolger von Immanuel Kant an der Universität Königsberg. Ostern 1809 folgte er einem Ruf an die Universität Leipzig, wo er mit großem Erfolg lehrte und letztendlich auch als Mitwirkender die Zeremonie erleben durfte, die ihn in Kindertagen als Zuschauer zutiefst beeindruckt hatte. 1830 wurde Krug zum Rektor der Universität ernannt. Unter seinem Rektorat wurde in Leipzig die tradierte Einteilung der Universität in Nationes aufgehoben und die Universitätsverfassung an die neue Staatsverfassung angepasst. Ab 1833 war Krug Deputierter der Universität in der Ständeversammlung.

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In welchem Sinne er dort wirkte, kann man dem Artikel über Krug in der Allgemeinen Deutschen Biographie entnehmen. »Er war in der That von einem aufrichtigen Aufklärungsstreben beseelt und förderte so die Verbreitung eines politischen und kirchlichen Liberalismus. Als Philosoph vertrat er auf Kantischer Basis den gewöhnlichen gesunden Menschenverstand…«4 Damit gereichte er seiner Alma Mater durchaus zu nicht mittelmäßigem Ruhm. Als untrügliches Zeichen seiner Verbundenheit mit der Landesschule kann die Tatsache gewertet werden, dass Krugs ältester Sohn Otto von 1818 bis 1823 ebenfalls Schüler der Landesschule Pforta war. Wilhelm Traugott Krug starb am 12. Januar 1842 in Leipzig. Neben seinen zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen sind seine oben erwähnten Lebenserinnerungen besonders erwähnenswert,

4  Artikel »Krug, Wilhelm Traugott« von Carl von Prantl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 220–222, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource. org/w/index.php?title=ADB:Krug,_Wilhelm_ Traugott&oldid=- (Version vom 18. Januar 2021, 15:47 Uhr UTC)

weil sie ebenso geistreich wie amüsant sind: Krug, Wilhelm Traugott. Meine Lebensreise. In sechs Stazionen zur Belehrung der Jugend und zur Unterhaltung der Alters beschrieben. Nebst Franz Volkmar Reinhard‹s Briefen an den Verfasser. Leipzig: Baumgärtner, 1825 bzw. Krug, Wilhelm Traugott. Krug’s Lebensreise in sechs Stazionen von ihm selbst beschrieben. Nebst Franz Volkmar Reinhard’s Briefen an den Verfasser. neue, verb. u. verm. Auflage. Leipzig: Baumgärtner, 1842. PETRA MÜCKE AL. PORT. 1982 – 1986 BIBLIOTHEKARIN

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Als im Herbst in Pforte die Mauer fiel

A

Als ich in diesem Jahr in Leipzig im Forum für Zeitgeschichte war, saß ich plötzlich auf den Schulbänken meiner Kindheit. Die alten Marschmelodien, die Sprachroutinen des sozialistischen Schulalltags – ein bisschen konnte ich die Mischung aus Kernseife und Bohnerwachs wieder riechen. Meine Kindheit steht schon 30 Jahre nach ihrem Ende im Museum. Dort erscheint sie zwar weit weg, aber in der direkten Begegnung wieder sehr nah und präsent. Im Herbst 1989 berührten sich Vergangenheit und Zukunft mitten in Schulpforte und was heute so leicht und selbstverständlich daherkommt – die Freiheit, die Auswahl an tausend Möglichkeiten, die Leichtigkeit des Lebens – all das bleibt für mich ein Wunderwerk des damaligen Herbstes. Bevor die Mauer im November überraschenderweise fiel, kam es auf diejenigen an, die den Mut hatten auf die Straße zu gehen. Mein innerer Mut dafür wuchs vor allem durch mein Engagement in der Jungen Gemeinde in Naumburg damals im Herbst 1989. Dort gab es kritische Geister und Visionen und auch die Überzeugung, dass diese DDR nicht mehr passend war. Doch kritische Menschen haben in Diktaturen kein gutes Leben. Und dann am Montagnachmittag des 16. Oktober 1989 sitze ich als Schülerin der 11. Klasse im Zug nach Leipzig

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– im Gepäck ein vages Versprechen einer Internatserzieherin, dass es bei meiner vermutlich zu späten Rückkehr eine offene Tür in Schulpforte geben würde. Normalerweise wurde das in Pforta schwer geahndet und kaum auszumalen, was passiert wäre, wenn jemand gewusst hätte, dass ich zur Nikolaikirche unterwegs war. Nein, man konnte in jenen Tagen niemandem vertrauen – es war eine heikle Entscheidung, eine Erzieherin zu fragen, ob es an einem Montag möglich wäre, dass eine Tür auch nach halb zehn offen stünde. Eine unausgesprochene Vereinbarung besiegelt durch ein Nicken. Die Bilder aus Leipzig sind bekannt, die Atmosphäre nicht mehr zu beschreiben – aber noch immer bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke. Zur damaligen Zeit war es ein riskantes Unternehmen, sich mit einer eigenen Meinung auf der Straße zu zeigen. Niemand wusste, ob es gut gehen würde – ob die vielen Hundertschaften Polizei und Militär losschlagen würden – ob wir überhaupt zu Hause wieder ankommen – in dieser Nacht. Das Wunder geschah und auch die Tür in Schulpforte stand offen. Mit diesem Erlebnis war mir dann klar: ich werde hier in meiner Heimat dafür einstehen, dass sich die Dinge ändern. Man weiß natürlich in solchen Momenten nicht, ob man wirk-


Foto: Landesschule Pforta lich auf der richtigen Seite steht, denn es gab auch damals MitschülerInnen, die es ganz anders sahen. Eine offene Diskussion war nicht möglich. Ich zog mich oft zurück in mein Zimmer zu meinem (illegalen) Radiosender Rias Berlin – dort gab es die geistige Nahrung für mich, die mir schrittweise soviel Hoffnung machte, so, dass es mich immer wieder mit der Kerze in der Hand in die Wenzelskirche zog. Als dann bei der legendären Pressekonferenz am 09. November 1989 – es war ein Donnerstag – Günther Schabowski die Mauer mit einem Wort »unverzüglich« zum Einsturz brachte, war es für mich erst nicht zu glauben. Ich fuhr nach Hause zu meinen Eltern, zu einem Fernsehapparat und

am nächsten Tag fuhr ich nach Berlin. Mein Gefühl damals: die DDR hatte verloren, aber wir hatten gewonnen. Dass ein Jahr später die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten vollzogen wurde, das war nicht das erklärte Ziel aller, die 1989 in Leipzig auf der Straße standen. Denen ging es um eine bessere sozialistische Gesellschaft, um eine Reform, um ein neues Denken. Doch mit dem Mauerfall lag unsere Geschichte in anderen Händen. Aus heutiger Sicht grenzt auch diese Entwicklung an ein Wunder, denn dass die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs ein vereintes Deutschland mittragen würden, war ja kaum selbstverständlich.

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falsch an und war es auch. Doch wer kennt schon die passende Anleitung für derart komplexe Transformationsprozesse? Und auch der Umgang zwischen LehrerInnen und SchülerInnen war schwierig in dieser ersten Zeit, denn ein auf Sozialismus ausgerichtetes Schulsystem erfindet sich nicht neu über Nacht. Manches ging schnell: kein Unterricht am Samstag mehr und endlich konnte zum Weihnachtskonzert auch »Es ist ein Ros` entsprungen« erklingen. (Wunderbar!) Doch in Geschichte und Staatsbürgerkunde standen eher Misstrauen und Argwohn im Klassenraum. Foto: Landesschule Pforta Und auch in Schulpforte waren viele dieser Entwicklungen umstritten – der Beitritt der DDR zur BRD wurde keineswegs von allen einhellig begrüßt. Zudem traten plötzlich ganz andere AkteurInnen auf den Plan. Es kamen betagte PförtnerInnen aus den alten Ländern, die sich nach ihrer alten Schule sehnten und gerne dort anknüpfen wollten, wo sie aufgehört hatten. Das waren strenge Sitten und viele Verbote, die eher ans Mittelalter als an eine freie Gesellschaft erinnerten. Da hatten wir die Freiheit gerade kennengelernt, da kamen die alten Sichtweisen, die unseren Alltag plötzlich wieder einengten. Das fühlte sich

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Für mich, die am Anfang ihres Erwachsenenlebens stand, kam die Wende zur passenden Zeit. Die freie Welt lag vor uns mit all ihren Chancen und Impressionen. Wir wurden letztlich nicht nur vereinigte Deutsche, sondern Europäer und Europäerinnen. Am Ende aber bleibt man vor allem ein Mensch, dessen Leben sich immer in eines »vor der Wende« und eines danach trennen wird. Wir haben in jenem Herbst die Gnade erlebt, mit dieser friedlichen Revolution Geschichte mitzuschreiben, die das Ende eines Unrechtsstaats bedeutete. Für Schulpforte, mit seiner langen Tradition, war die Wende ein Neustart, der nicht nur den Erhalt der


wunderbaren historischen Bausubstanz ermöglichte, sondern auch eine neue Ausrichtung der Schule. Der sehr umstrittene Austausch eines Großteils der LehrerInnen war ein radikaler Schritt, aber vielleicht war er auch erforderlich, um die Reputation der Schule zügig wieder auf guten Kurs zu bringen. Wenn ich heute nach Pforte komme, träume ich manchmal davon, einfach nochmal hier zu lernen – ich würde es tiefsinnig genießen. SANDRA ARCHUT AL. PORT. 1987 – 1991

Foto: Landesschule Pforta

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Corona-Spezial *  *  *

Foto: Susanne Neupert


Wie Ferien ohne Ferien »ES WAR EIN ANDERES JAHR – KOPFÜBER, SELTSAM, NICHTS WIE ES WAR«

2020 – ein ganz anderes Jahr. Doch wie haben die SchülerInnen, die Lehrkräfte, aber auch diejenigen, die sonst noch in Schulpforte wohnen und walten, den Beginn der Pandemie im März und ihren weiteren Verlauf wahrgenommen und wodurch war – und ist – der Alltag in Pforte – und auch zu Hause – geprägt? Hier lesen wir vier Perspektiven auf Corona. Wir danken Dr. Martina Kirschner (Englisch-/Russischlehrerin), Ulrich Ixmeier (Englisch-/Deutschlehrer, Internatskoordinator), Anne Gnielka (Ethik-/Geschichtslehrerin, Hausmutter) und Emma Franke (Schülerin, 10M) für ihre persönlichen Berichte. M. Kirschner: Die Überschrift dieses Beitrags ist eine ausgeliehene Zeile aus dem Lied Ein anderer Sommer der Band Silbermond. Sie beschreibt wohl am besten, wie ich als Lehrkraft die Zeit der Pandemie, vor Ort, wahrgenommen habe und wodurch der Alltag in Pforte und mit Unterbrechungen daheim geprägt war – und auch immer noch – oder wieder – ist. CORONA - Chaos Oder Routinierte Organisation Normaler Arbeit?

22 | Wie Ferien ohne Ferien

Am Freitag, den 13. März 2020 – ein Schelm, wer bei diesem Datum etwas Böses denkt – verabschiedeten wir uns ins wohlverdiente Wochenende wohl doch schon mit dem ungewissen Gefühl, ob wir uns am Montag wiedersehen werden, denn die allgemeine Situation im Lande bezüglich der Covid-19-Infektionen nahm laut Statistik des Robert-Koch-Instituts bereits eine rasante Entwicklung. Täglich eine Zunahme von mehr als 1000 Infizierten ließ mich daran zweifeln, dass unsere Schülerinnen und Schüler am Sonntagabend anreisen würden. Es kam was kommen musste – noch am späten Freitagnachmittag kam die E-Mail unseres Rektors mit der Information, dass die Landesregierung ab sofort bis zum Ende der Osterferien, also bis zum 14. April 2020, alle Schulen im Land schließt. Von jetzt auf gleich »kopfüber, seltsam …« – was heißt denn das? Was bedeutet das für eine Schule wie unsere, deren Besonderheit auf der gemeinsamen Arbeit, dem intensiven persönlichen Austausch miteinander und sozialer Kompetenz basiert?

*** U. Ixmeier: Als zu Beginn des Jahres die ersten Nachrichten über die Verbreitung des neuartigen Virus zu uns drangen, konnten wir noch nicht


ahnen, wie sehr es sich auch auf unseren Alltag im Saaletal auswirken sollte. Noch wurden in gewohnter Weise Aktivitäten, Reisen, Projekte geplant. Studienfahrten, die Sprachreise nach Conil, der Austausch mit Ecuador, eine Einladung zu einem »Young Leaders Summit« in Singapur, unser großes Abschlusstreffen des ERASMUS+ Projektes »Talking About My Generation« hier in Pforte, die Reise des Jugendchores zu einem Wettbewerb in Italien und andere Highlights wurden vorbereitet, genau wie die eher alltäglichen Dinge: Unterricht, die Zielgerade für unsere 2020er AbiturientInnen und die Vorbereitung der Abifeier im Kreuzgang. Alles ging seinen Gang, auch wenn die Nachrichten aus der Welt, später aus Europa, immer besorgniserregender wurden. Schließlich wurden die ersten Events in Frage gestellt, dann gestoppt und uns dämmerte, dass das Schuljahr wohl noch einige unberechenbare Herausforderungen würde bereithalten. Schließlich ging dann Mitte März alles ganz schnell. Am Freitag, den 13. März fuhren alle ins Wochenende nach Hause, schon mit einem mulmigen Gefühl und der Frage, wie lange wohl der Unterricht in Pforte würde stattfinden können. Und pünktlich eineinhalb Stunden nachdem alle weg waren, klingelte das Telefon des Rektors und wir erhielten die Mittei-

lung, dass ab Montag alle Schulen in Sachsen-Anhalt geschlossen würden.

*** A. Gnielka: Der 13. März war eigentlich ein normaler Abreise-Tag in Pforte. Schneller Aufbruch nach Ende der 6. Stunde, Rollkoffergeklapper in Richtung Torhaus und Bushaltestelle. Einige warteten etwas länger vor dem Internat auf ihre Eltern. Die Anspannung wegen der vielen Corona-Neuinfektionen war an diesem Freitag hoch, aber die Normalität war noch stärker. Freitags in Pforte heißt für Hauseltern: gucken, ob alles in Ordnung ist. Rundgang machen durchs Internat. Ich unterstützte die diensthabende Lehrerin bei ihrem Rundgang durch meine beiden Internate, prüfte Ordnung, Heizung und Fenster in Internatszimmern und Bädern. Hakte ab, wer sein Zimmer ordnungsgemäß hinterlassen und bei wem es wieder nicht geklappt hatte, alle Fenster zuzumachen. Wenig später war die Nachricht durchgesickert, dass die Schulen »dicht« gemacht werden. Demzufolge würde Sonntag keine Anreise wie geplant sein. Dafür weitere Rundgänge: Da unklar war, wie lange die Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben würden, musste ich ein paar Reinigungsarbeiten übernehmen, die normalerweise die Schülerinnen und Schüler selbst organisieren. Ihre Kühlschränke in

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den Küchen mussten geleert und gereinigt werden, und diverse andere Überbleibsel, wie zum Beispiel offene Müsli-Packungen aus Bücherregalen, entfernt werden, die Zimmerpflanzen mussten an einem Ort zusammengetragen werden, damit ich sie – so gut mir das möglich war – in den Wochen der Abwesenheit ihrer BesitzerInnen pflegen konnte. Das Internat wurde in den Ferien-Modus versetzt.

*** E. Franke: Besonders in Pforte steht die Gemeinschaft an oberster Stelle, doch 2020 mussten wir aufgrund von Abstandsregeln auf sie verzichten, oder vielleicht auch nicht? Ohne wirklich zu wissen, ob der Präsenzunterricht an den Schulen aufgrund des Infektionsgeschehens nicht mehr stattfinden kann, sind wir alle eines Freitags abgereist und am folgenden Sonntag nicht wieder in unser zweites Zuhause zurückgekehrt. Gerade eben noch von all seinen FreundInnen umgeben und plötzlich allein.

*** M. Kirschner: Antworten auf viele neue Fragen erhoffte ich mir von der am darauffolgenden Montag stattfindenden Synode, denn zunächst war lediglich die Rede von »Beschulung der SchülerInnen aus der Ferne«. Nun ja – für mich persönlich hieß das zum

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Beispiel, meine circa 90 SchülerInnen in den Jahrgangsstufen 9 bis 12 zu »beschulen«, inklusive der gezielten Prüfungsvorbereitung von circa 15 Abiturientinnen und Abiturienten. Die größte Herausforderung, die es hierbei zu bewältigen gab, war die Tatsache, dass die große Mehrheit der SchülerInnen ihre Schulmaterialien in den Internaten hatte, da sie davon ausgegangen waren, am Sonntagabend nach Pforte zurückkehren zu können. Dank Herrn Ixmeier und weiteren dienstbaren Geistern vor Ort wurde es zumindest dem Abi-Jahrgang ermöglicht, nochmal zurückzukehren und die wichtigsten Materialien zu holen. Und die anderen?

*** A. Gnielka: Ab und an kamen in den folgenden Tagen angemeldet oder unangemeldet – dafür mit entschuldigendem Blick – noch Schülerinnen und Schüler oder deren Eltern vorbei, die wichtige Unterrichtsmaterialien doch lieber noch abholen wollten. Die Schulleitung hatte dies eigentlich vermeiden wollen und alle Kolleginnen und Kollegen waren angewiesen worden, Lehrbuchseiten für häusliche Schulaufgaben eingescannt zur Verfügung zu stellen. Aber die eigenen Hefter und Materialien zu haben, war für viele doch beruhigender. Und wenn alle Kinder einen Schlüssel zu


ihren Häusern und Zimmern haben, kann man es nicht vermeiden, dass sie kommen und ihr »Zeug« einfach holen. Man begegnete sich zu diesen Gelegenheiten mit großem Abstand, in Eile und Unsicherheit, weil den Kurz-RückkehrerInnen klar war, dass sie eigentlich nicht hier sein sollten. Eine Maske trug noch niemand in diesen ersten Tagen des ersten Lockdowns – das sollte erst noch kommen. Auch hat noch niemand das Wort »Lockdown« verwendet.

*** M. Kirschner: Ab Dienstag, 17. März, sollte an alle SchülerInnen die Online-Verteilung von Unterrichtsmaterialien und Aufträgen erfolgen. Dank der unermüdlichen Arbeit der zu jenem Zeitpunkt an der Schule beschäftigten Schulverwaltungsassistentin Frau Schneider hatte ich binnen kurzer Zeit sämtliche E-Mail-Adressen aller meiner SchülerInnen. Hinzu kamen neue Begriffe wie MOODLE, TEAMS 365 und Dutzende von Angeboten zu ab jetzt kostenfrei verfügbaren Online-Hilfsmitteln jeglicher Art. Voller Euphorie und Tatendrang hatte ich mich also der Aufgabe gestellt, für jede Lerngruppe ein Pensum zusammenzustellen, welches in einem Zeitumfang von drei, vier oder fünf Unterrichtsstunden zu bewältigen wäre. Am Ende des sehr, sehr langen

Tages hatte ich das Pensum für Dienstag und Mittwoch versandt – inklusive des Bereitstellens von Scans der Lehrbücher. Es folgten weitere lange Arbeitstage, um die SchülerInnen mit Aufgaben für die darauffolgenden Tage zu versorgen. Freundlicherweise meldete sich ein Schüler aus dem 11er Leistungskurs, der sein Englischbuch zu Hause hatte, und sich bereit erklärte, von nun an benötigte Scans an seine MitschülerInnen zu senden – eine echte Erleichterung für die folgenden Wochen.

*** U. Ixmeier: Plötzlich standen wir, wie die meisten anderen Schulen der Republik, vor ganz neuen Herausforderungen. Neue Begriffe wurden Teil unseres täglichen Vokabulars: Da war von Fernunterricht die Rede, von Blended Learning, Lernplattformen und Videokonferenz-Unterricht. Das, was ein Gutteil der Faszination Pfortes ausmacht, das Miteinander, war nun nur noch virtuell möglich. SchülerInnen mussten ihre Aufgaben mit einem manchmal nicht ganz einfachen Alltag zu Hause vereinbaren, LehrerInnen mussten Lernen, wie man eine Videokonferenz mit 23 TeilnehmerInnen organisiert oder wie viele Aufgaben von den Jugendlichen realistisch zu bewältigen sein würden.

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M. Kirschner: Zu Beginn der zweiten Woche im Homeschooling/Distant Learning hatte ich mir die möglichst effektive Strategie überlegt und für jede Lerngruppe gleich am Montag so das entsprechende Wochenpensum zusammengestellt. Jedoch kamen dann auch schon die ersten Beschwerden: das Pensum ist »unmöglich zu schaffen«. Ich musste mir eingestehen, dass eine individuelle Bearbeitung ohne unterrichtliches Gespräch oder die Möglichkeit, bei der Lehrkraft nachzufragen, viel mehr Zeit in Anspruch nimmt. Das hatte jedoch auch etwas Gutes – für die darauffolgende Woche hatte ich bereits das Pensum vorgegeben und musste nichts Neues ergänzen. Und dann gab es endlich kostenfreie Codes für die jeweilige eBook-Variante der Englisch-Lehrbücher. Hurra!

*** U. Ixmeier: Nachdem in der ersten Woche vorwiegend E-Mails verschickt wurden, kamen, zuerst vereinzelt, später aber auch immer mehr neue Anwendungen dazu, die das Fernlernen abwechslungsreicher machten. Nicht für alle war das immer so einfach. Da wurde schon mal während des Englischunterrichts das Mittagessen für die Geschwister gekocht oder es saß noch eine kleine Schwester mit in der Videokonferenz und winkte vergnügt.

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*** M. Kirschner: Aber die Arbeit wurde nicht weniger – im Gegenteil. Denn dann kamen die ersten erledigten Aufgaben zurück und das hatte ich vollkommen unterschätzt. Wenn ich Aufgaben erteile und die SchülerInnen diese bearbeiten und zurücksenden, haben sie auch ein Recht auf entsprechendes Feedback. Da hieß es also täglich circa sechs bis acht Stunden vor dem Laptop-Bildschirm sitzen und Ergebnisse kontrollieren, korrigieren, gegebenfalls bewerten und zurücksenden. Und das war richtig kräftezehrend!

*** A. Gnielka: Ganz am Anfang war die Sprache noch konkret, Schulschließungen, Ausgangssperren, Reisebeschränkungen. Davon war Pforte jetzt auch betroffen. Und nachdem die Abreise-Nachbereitungen erledigt waren, kehrte Ruhe im Haus und auf dem Gelände ein. Am Anfang ist es noch bezaubernd, den Ort für sich zu haben. Die offizielle Ansage war, dass niemand ohne besonderen Grund in das Schul- oder Internatsgebäude kommen solle. Kontakte minimieren war das höchste Gebot. Die meisten KollegInnen arbeiteten von zu Hause. Ein bisschen verwandelte ich mich während dieser


Zeit auch in einen Wachhund. Weil ich das Haus mit all seinen Möglichkeiten, Geräusche von sich zu geben, kenne, stand ich in diesen Wochen einige Male verteidigungsbereit auf dem Gang vor meiner Dienstwohnung. Aber es waren immer nur unsere Hausmeister, Handwerker oder die Landes-Bauleiterin, die was im Internat zu besehen hatten und deren Arbeitsplätze absolut Lockdown-sicher funktionierten. Damit sichergestellt war, dass sich niemand unter dem Deckmantel der Schulschließung in diesen schönen Frühlingstagen in Pforte »einen Lenz macht«, mussten wir in Wochenarbeitsberichten dem Schulleiter gegenüber Rechenschaft ablegen, was wir mit unserer Zeit angefangen haben. Klar, Aufgaben für den Fernunterricht in einzelnen Klassen zur Verfügung stellen – das hat man da eingetragen. Aber was man da nicht eintragen konnte: »Mir war auch ein bisschen langweilig, diese Woche«, »Ich fühle mich unterbeschäftigt als Hausmutter«, »Die SchülerInnen fehlen mir«, also folgten bei mir Einträge wie Akten sortiert, Dienstzimmer aufgeräumt, SchülerInnen-Datensätze überarbeitet, Internatsvorgarten umgegraben.

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E. Franke: Auch, wenn man bei den ersten virtuellen Meetings seine Klasse endlich in voller Besetzung wiedersehen konnte, so saß trotzdem jeder für sich isoliert vor seinem Bildschirm und das war ein anfänglich sehr befremdliches Gefühl. Hätte mir zu diesem Zeitpunkt jemand gesagt, wie lang das Ganze noch so seinen Lauf nehmen werde, hätte ich ihm wahrscheinlich nicht geglaubt.

*** A. Gnielka: Ende der zweiten Woche hatte ich dann wirklich alle Arbeiten gemacht, zu denen ich in normalen Schulwochen nicht gekommen wäre. Was jetzt noch? Schülerinnen und Schüler betreuen – das ist unser Kerngeschäft als Hauseltern. Also habe ich alle Schülerinnen und Schüler aus meinen Häusern zu Hause angerufen. Damit war ich volle zwei Tage beschäftigt. Ich fragte sie, wie es ihnen geht, ob die Selbstorganisation des Lernens funktioniere und ob sie vielleicht Unterstützung brauchen könnten. Das waren aufschlussreiche Telefonate und hätte ich meine Gesprächs-Protokolle aufgehoben, hätten sie sicherlich ein interessantes Blitzlicht auf das Befinden und die Tätigkeiten der Pfortenserinnen und Pfortenser im ersten Lockdown geworfen. Ansonsten fühlte sich der Lockdown im Internat zunächst an wie Ferien

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ohne Ferien. Die Schülerinnen und Schüler waren nicht vor Ort, ihre Zimmer leer. Der Frühling regte sich und lud zum Spazieren ein. Unterricht fand statt, mehr oder minder virtuell improvisiert.

*** M. Kirschner: Die Osterferien vom 06. bis 13. April boten eine kurze Phase zum Durchatmen und Erholen. Zwischenfazit: Es waren drei wirklich arbeitsreiche Fernunterrichtswochen, trotz Wegfall meiner weiten Pendelstrecke und Internatsdienste bis in die späten Abendstunden. Auch nach den Osterferien ging der Lockdown und damit der Fernunterricht weiter und entwickelte sich so nach und nach zu einer gewissen Routine. Besonderes Augenmerk lag jetzt auf der unmittelbaren Vorbereitung der AbiturientInnen auf die bevorstehenden Prüfungen, die um vier Wochen verschoben und in zwei Zeitfenstern durchgeführt werden sollten. Bald durften die AbiturientInnen erstmals wieder nach Pforte kommen – zu Konsultationen in den Prüfungsfächern, in Einzelzimmern wohnend oder pendelnd. Irgendwie war alles wieder mal anders und wir hatten unser erstes »Corona-Opfer« zu beklagen: den von allen so geliebten letzten Schultag der 12er.

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A. Gnielka: Aber ich war froh, als wir die Nachricht erhielten, dass die AbiturientInnen wiederkommen würden. Alle Mehrbettzimmer wurden zu Einzelzimmern umgewandelt und diese beziehend, durften die Schülerinnen und Schüler des Abschlussjahrgangs 2020 als erste Gruppe für ihre letzten Schultage wieder hierher zurückkehren. Das geschah unter Einhaltung strenger Hygiene-Maßnahmen an einem – fast normalen – Anreisetag Ende April.

*** M. Kirschner: Ab dem 04. Mai kehrten dann auch die 11er wieder nach Pforte zurück – allerdings ebenfalls nicht alle ins Internat. Wer konnte, musste ausnahmsweise pendeln. Für mich wurde es jetzt anstrengender, da gleichzeitig Präsenzunterricht in Pforte und Homeschooling für die Jahrgänge 9 und 10 anstanden. Inzwischen hatte ich mir auch effektivere Formen überlegt, wie die SchülerInnen ihre Arbeitsergebnisse präsentieren sollten: Flyer und Videos. Da waren das Korrigieren und Bewerten sehr anregend und manchmal sogar amüsant und lehrreich für mich. Die Abiturprüfungen nahmen ihren gewohnten Lauf und ab dem 11. Mai war dann auch die erste Hälfte des 10er-Jahrgangs wieder vor Ort und


eine neue Herausforderung gesellte sich in den Schulalltag: Videokonferenzunterricht mit Zuschaltung der anderen Hälfte der Klasse. Auch die SchülerInnen hatten sich ja circa neun Wochen nicht gesehen! Das war spannend, aber aufgrund von technischen Problemen nicht wirklich effektiv. Bei den 10ern gab es das nächste »Corona-Opfer« – das Bergfest konnte nicht stattfinden. Große Trauer! Die folgenden Wochen prägte wieder eine erneute Herausforderung – zwei 11er Kurse im Präsenzunterricht, die halbe 10er-Klasse im Nah- und die andere Hälfte im Fernunterricht sowie die 9er weiterhin komplett im Homeschooling. Parallel dazu die Erst- und Zweitkorrektur von Abiturklausuren. Da konnte man schon mal den Überblick verlieren. Aber auch diese Phase überstand ich irgendwie und freute mich auf die Erholungsphase Pfingstferien. Einfach mal abschalten, Corona vergessen (gelang nur bedingt!), das schöne Wetter genießen und raus in die Natur.

*** U. Ixmeier: Als sich die Situation langsam wieder entschärfte, begannen auch die Pläne für den Neustart vor Ort. Vom Schulträger verordnet, musste zunächst eine Einzelunterbringung der AbiturientInnen, später auch der 11er organisiert werden.

Nun zeigte sich aber doch die Stärke der Pforte: Mit dem zuverlässigen Gemeinschaftsgeist gelang es uns, dies zu ermöglichen. SchülerInnen reisten teils von weit her an, um ihre Zimmer für ihre MitschülerInnen so vorzubereiten, sodass die erste Phase des Hybridunterrichts, bei dem einige SchülerInnen vor Ort, der größte Teil aber daheim waren, stattfinden konnte. Als dann die Einzelzimmerregelung aufgehoben wurde, durften vor den Sommerferien noch einmal alle für einige Tage, wochenweise abwechselnd, nach Pforte zurückkehren. Nur die NaumburgerInnen pendelten täglich zur Schule.

*** E. Franke: Die Freude war sehr groß, endlich wieder anreisen zu dürfen. Doch sie wurde prompt getrübt, da manche Klassen, so auch unsere, halbiert wurden. Außerdem stand über dem ganzen Präsenzunterricht die Devise Abstand halten. Auch das noch. Da waren wir endlich wieder in Pforte und uns dennoch fern. Ich kann nicht mehr mit Gewissheit sagen, ob die Freude über das langersehnte Wiedersehen, oder doch der Frust über die Abstandsregeln mich mehr in Anspruch nahm, aber ich denke es war letztendlich doch die Freude. Wir waren uns auf andere Weise nah – trotz Abstand und mit Mundschutz, welcher jedem Gesicht seine Emotion

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und Ausdruck zu nehmen schien – und hatten trotz aller Einschränkungen viel Spaß miteinander.

*** M. Kirschner: Am ersten Juniwochenende sollte das jährliche Schulfest – der absolute kulturelle Höhepunkt jedes Schuljahres – stattfinden. Damit hatten wir dann das nächste (und wahrscheinlich schmerzhafteste) Opfer zu beklagen, das die Pandemie dahingerafft hatte. KEIN SCHULFEST! Auch wenn dies schon lange abgesagt war, kam Wehmut und eine allgemeine Traurigkeit auf. Aber was blieb uns übrig. Wir lernten, arbeiteten und lebten weiter in unserer Schulgemeinschaft. Ab dem 08. Juni, nach 80 Tagen Abwesenheit, eroberte auch eine Hälfte unserer »Jüngsten« die Klostermauern Pfortas zurück. Auch wenn die Wiedersehensfreude groß war, blieb es doch irgendwie sehr unnormal: Doppelarm-Abstandsregeln, Hygienekonzepte, neue Anstellordnung zum Einlass ins Refektorium, nebenbei bemerkt aus meiner Sicht die bisher einzige positive Auswirkung von Corona! Die letzten Wochen des Schuljahres verliefen im Rhythmus von halb und halb in den Jahrgangsstufen 9 und 10 sowie relativ normaler Unterrichts-

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arbeit in der Oberstufe. Inzwischen hatte ich meinen Alltag auch entsprechend strukturiert und mich ganz gut auf die nun schon über mehrere Wochen andauernde veränderte Situation eingestellt.

*** U. Ixmeier: Besonders für unsere Abi­turientInnen war diese letzte Phase der Schulzeit, die ja eigentlich geprägt ist von vielen Traditionen, nicht einfach. Der letzte Schultag wurde nur im eigenen Jahrgang im Freien gefeiert, der Abiball wurde um ein Jahr verschoben und an der feierlichen Zeugnisausgabe und Exmatrikulation durften nur die Eltern teilnehmen.

*** M. Kirschner: Ein weiteres Ereignis, welches aus dieser ungewöhnlichen Zeit in Erinnerung bleiben wird, war die Abiturentlassfeier am 11. Juli, leider ohne die ursprünglich im Kreuzgang geplante rauschende Ballnacht. Überragende Ergebnisse in den Abiturprüfungen konnten vermeldet werden, »trotz« oder »wegen« Corona – darüber kann nur spekuliert werden. Mein Glas mit Pforte-Logo und -Leitspruch, in welchem nach der Feier ein Sekt zum Anstoßen gereicht wurde, steht wohlbehütet bei mir zu Hause in der Vitrine und wird mich immer an diese Zeit erinnern.


Zum Ende des Schuljahres gelang uns eine top Open-Air-Lösung für die abschließende Schulversammlung. Wir versammelten uns im Park, um diverse Höhepunkte, Wettbewerbs- und sonstige Erfolge Revue passieren zu lassen und entsprechende Ehrungen und Auszeichnungen vorzunehmen. Am Ende blieb offen, wie es im neuen Schuljahr weitergehen würde. Nun wissen wir es: normal und doch nicht normal und auf jeden Fall auch innerhalb der Klostermauern mit der Formel AHA + L + A. Abstand halten – Hygiene beachten – Alltagsmaske (wahlweise mit schickem PforteLogo) tragen – LÜFTEN (alle 20 min für jeweils 5 min – eine ultimative Herausforderung für alle Beteiligten) – Corona Warn App nutzen.

*** U. Ixmeier: Nach den Sommerferien durften zu unserer Freude alle SchülerInnen anreisen, auch wenn die Immatrikulation wieder nur den engsten Familienangehörigen vorbehalten war. Nun gab es neue Vokabeln: Kohorten, Abstandsregeln und MundNasen-Schutz. Die Devise hieß: so lange wie möglich für alle Jahrgänge den Präsenzunterricht ermöglichen. Zuerst ging es noch relativ gut voran, aber mit jeder Woche wurde auch im Umland die Situation bedenklicher.

Chorarbeit war schon von Anfang des Schuljahres an nur noch klassenweise möglich, Sportunterricht zeitweise nur mit Maske, später gar nicht mehr, Arbeitsgemeinschaften konnten ebenfalls nur jahrgangsweise stattfinden. Andere Events wie der Tag der offenen Tür, das Martini-Gänseessen und die Ecce-Feier mussten ganz neu gedacht werden. Auch das Krippenspiel sollte aufgezeichnet und dann als Video gezeigt werden. Mit großer Freude wurden kleine Videos für unseren virtuellen Adventskalender auf der Homepage gedreht und es wurde (unter Einhaltung der AHA-Regeln) gewichtelt.

*** E. Franke: Diese wenigen Wochen in Pforte sind trotzdem mit zahlreichen schönen Erinnerungen gefüllt. Ich muss gestehen, dass auch die LehrerInnen einen Teil dazu beigetragen haben. Sie waren verständnisvoll und versuchten, mit allen Mitteln alles was uns fehlte auf andere Weise möglich zu machen. Auch wenn vieles wegen dem Corona-Virus ausfallen musste, wie zum Beispiel unser Schulfest, so war es trotzdem möglich, dass Jahreshöhepunkte wie die Immatrikulation oder das Martini-Gänseessen stattfinden konnten. Zwar anders als gewohnt, aber dennoch nicht weniger festlich. Besonders die Ecce-Feier ist mir als außergewöhnlich schön und

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andächtig in Erinnerung geblieben. Obwohl die Chorarbeit zu meinem, und sicher auch zu dem Verdruss vieler anderer ChoristInnen, in diesem Jahr recht kurz kam, war die EcceFeier eines der wenigen Ereignisse, bei dem beide Chöre, wenn auch nur klassenweise singen durften.

*** U. Ixmeier: Ganz kurz vor dem Ende des Jahres hat nun das Corona-Virus auch Pforte erreicht. Am Freitag vor dem letzten Internatswochenende erhielten wir die Nachricht, dass eine unserer Schülerinnen, die bereits nach Hause abgereist war, positiv auf das tückische Virus, das unsere Gedanken und unseren Schul- und Internatsalltag bereits vorher ordentlich durcheinander gebracht und an vielen Stellen eingeschränkt hatte, getestet worden war. Also entschlossen wir uns, alle Schülerinnen und Schüler nach Hause zu schicken, das Internatswochenende abzusagen und für die letzte verbleibende Schulwoche vor den Ferien auf Fernunterricht »umzuschalten«. Bei einem Schnelltest am Montag, der in der Schule für die KollegInnen, SchülerInnen aus der näheren Umgebung und das sonstige Personal durchgeführt wurde, gab es weitere erste positive Testergebnisse, auf deren Bestätigung (oder eher Widerruf) nun eine Reihe von Lehrkräften in Quarantäne warten [Anm.

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d. Red: unseren Informationen nach waren glücklicherweise alle Tests negativ!]. Auch einige SchülerInnen haben inzwischen eine bestätigte Infektion gemeldet. So heißt es nun für einige PfortenserInnen, dass sie Weihnachten wohl im allerengsten Kreise verbringen werden. An dieser Stelle ganz herzliche Genesungswünsche an die Betroffenen, verbunden mit der Hoffnung, dass sie alle einen möglichst milden Verlauf der Infektion haben mögen, und an alle anderen PfortenserInnen, PförtnerInnen und FreundInnen der Landesschule, dass sie gesund bleiben!

*** E. Franke: Die Corona-Zeit war als Schülerin sicher nicht immer einfach. Vor allem der Fernunterricht stellte am Anfang eine Herausforderung dar, doch wir haben alle das Beste daraus gemacht. Rückblickend kann ich für mich festhalten, dass trotz der schwierigen Situation die schönen Erinnerungen diese Zeit dominieren, auch oder gerade weil man sich intensiver auf besondere Momente gefreut und diese in vollen Zügen und ganz bewusst genossen hat.

*** U. Ixmeier: Ein großes Highlight aber durften wir dann doch noch erleben: Pforte wurde nach jahrelan-


ger, schmerzhafter Wartezeit endlich an das Glasfaser-Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen. Endlich muss man nicht mehr zehn Minuten warten, um Google aufzurufen, wird man beim Online-Quiz nicht immer wieder rausgeworfen und sogar Livestreams der US-Präsidentschaftswahlen laufen ziemlich sicher. Die erste Bewährungsprobe durfte unsere ERASMUS+ Projektgruppe vornehmen. Wir verabredeten uns zu einem virtuellen Projekttreffen mit unseren Partnern in Polen, Frankreich und Norwegen und spielten ein eigens für die Gelegenheit erstelltes Quiz. Inzwischen ist die Nutzung der schnellen Internetverbindung in der Schule und in den Internaten zur Normalität geworden. Sicher auch deshalb fiel

der Übergang in den Fernunterricht für die letzten paar Tage dieses seltsamen Jahres 2020 nicht so schwer wie im März. Hoffen wir nun, dass das neue Jahr weniger dramatische Neuigkeiten und eine Rückkehr zu liebgewordenen und für unser Internats- und Schulleben hier in Pforte so wichtigen Traditionen, besonderen Möglichkeiten und Angeboten bringt.

*** »Immer noch immer Ausnahmezeit. Es war ein anderer Sommer … 2020 neu sortieren, machen wir das Beste draus.« (Silbermond)

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Aktuelles aus der Landesschule *  *  *

Foto: Susanne Neupert


Predigt zum Schuljahresanfang 2020/21 Jedes Jahr freuen sich nicht nur die SchülerInnen, sondern auch die Ehemaligen auf das Schulfest. Einer von vielen Höhepunkten ist der Schulfestgottesdienst. Wir lauschen der Predigt und lassen uns von den Gedanken beseelen und inspirieren. Traditionell wird die Predigt in den SchulpfortaNachrichten abgedruckt. Wir spüren ihr nach oder lesen sie zu ersten Mal. Sie trägt uns vielleicht bis zum nächsten Schulfest. Dieses Jahr gab es kein Schulfest und damit auch keine Schulfestpredigt. Stattdessen möchten wir Ihnen die Gelegenheit geben, die Predigt aus dem Schuljahresanfangsgottesdienst zu lesen. Wir danken Josefine Beyrich, dass sie ihre Gedanken mit uns allen teilt.

L

Liebe Schulgemeinde, wir sind wieder eingetroffen. Nach den langen Ferien sind wir wieder zurück hierher an die kleine Saale gekehrt. Eine Rückkehr, die für jeden hier ganz besondere Momente einschließt. Da ist das zum Zug schleppen unserer großen, für die Ferien vollgestopften Reisetasche, da ist die spezielle Melodie von den Regionalbahnen, das obligatorische Bangen, ob der Bus in Naumburg fährt … und dann der Moment, in dem man das erste Mal von weitem unseren schönen Kirchturm zwischen den Weinbergen erspäht, um wenig später durch die Klostermauern einzubiegen und voller Wie-

dersehens- und Ankunftsfreude ist. Man ist so aufgeregt, dass man seinen Zimmermitbewohnerinnen und -mitbewohnern zur Begrüßung am liebsten sofort um den Hals fallen möchte. Doch das ist schwierig bei der Einhaltung eines 1,5-Meter-Abstandes. Ja, unser Rückkehren dieses Jahr war gehemmt. Gehemmt durch Belehrungen und Verbote, gehemmt durch Unsicherheit: was darf ich und was ist noch erlaubt? Gehemmt durch Ankündigungen und Vorahnungen dessen, was dieses Jahr vielleicht nicht so möglich ist wie sonst. Es sorgt ja für ein flaues Gefühl im Magen, wenn man in den Schulversammlungen zum Anfang des Jahres so oft das Wort »verboten« hören muss. Vor allem, wenn man sich zurückerinnert an die letzten Jahre, die aus der Fülle geschöpft haben und unseren ganzen Durst nach großen Gefühlen und kulturellen Genüssen gesättigt haben. Was heißt das in Pforte satt zu sein? Was macht Pforte für uns so, dass wir uns glücklich zurücklehnen können, wie mit einem vollgeschlagenen Bauch? Das ist nicht nur das Schulleben. Das sind Traditionen, wie der Schwoof, Martini, Saltatio oder die Imma. Das ist das Internatsleben mit Filmabenden und Nachtaktionen. Das ist der Schulalltag, gefüllt mit AG’s, Musikgruppen und uns, also der Schulgemeinde. Und für mich ist Pforte vor allem der Chor und das Ka-

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nonsingen sowie die Weihnachtskonzerte hier in der Kirche. Ich merke bei solch großen Events immer, wie sehr diese Veranstaltungen beflügeln können und in gewisser Weise sättigen. Nicht den Magen, aber einen ganz anderen Teil in dir ansprechen. Ein Gefühl, von dem man noch lange zehren kann … Diese ganzen Veranstaltungen und Momente versüßen uns das Jahr und wer sie schon mal miterlebt hat, wird bestätigen können, dass sie hungrig machen, sodass man sich jedes Jahr wieder neu darauf freut … um satt zu werden, satt im Geist. Doch was wird daraus dieses Jahr, wo im Terminkalender der Schule eigentlich nur noch das Wort »abgesagt« zu lesen ist? Wovon sollen wir uns dieses Jahr ernähren, wenn jeglicher Kontakt zu anderen Personen untersagt ist? Wovon sollen wir satt werden, wenn wir doch eingestellt sind auf ein Jahr voller Höhepunkte. Im Matthäus-Evangelium, Kapitel 14, 13-21 finde ich darauf eine ganz interessante Antwort.

Speisung der Fünftausend 13 Als das Jesus hörte, entwich er von dort in einem Boot in eine einsame Gegend allein. Und als das Volk das hörte, folgte es ihm zu Fuß aus den Städten.

14 Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn und er heilte ihre Kranken. 15 Am Abend aber traten seine Jünger zu ihm und sprachen: Die Stätte ist einsam, und die Nacht bricht herein; lass das Volk gehen, damit sie in die Dörfer gehen und sich zu essen kaufen. 16 Aber Jesus sprach zu ihnen: Es ist nicht nötig, dass sie fortgehen; gebt ihr ihnen zu essen. 17 Sie sprachen zu ihm: Wir haben hier nichts als fünf Brote und zwei Fische. 18 Und er sprach: Bringt sie mir her! 19 Und er ließ das Volk sich lagern auf das Gras und nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah auf zum Himmel, dankte und brach’s und gab die Brote den Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk. 20 Und sie aßen alle und wurden satt und sammelten auf, was an Brocken übrig blieb, zwölf Körbe voll. 21 Die aber gegessen hatten, waren etwa fünftausend Männer, ohne Frauen und Kinder. Da sind fünftausend Menschen, das wäre jetzt in Corona-Zeiten wahrscheinlich nicht so richtig denkbar. Immerhin kann man sagen, sind sie draußen. Und es wird betont, dass sie in der Einöde sind. Da sind wir jetzt schon bei etwas, was uns hier in Pforte ein bisschen bekannt vorkommt, so abgeschieden von der

Predigt zum Schuljahresanfang 2020/21 | 37


restlichen Zivilisation. Das Volk um Jesus wird dadurch zu einer festen Gruppe. Und das zweite, was uns bekannt vorkommt: auch hier haben die Menschen Angst nicht satt zu werden. Die Jünger tragen diese Sorge vor Jesus.

»Wir haben hier nichts als fünf Brote und zwei Fische.« Und Jesus reagiert total cool und entspannt auf diese brenzlige Situation. Etwas, was mich an Geschichten aus dem Neuen Testament immer wieder beeindruckt. Auch hier: man kann die Reaktion der Jünger in der Situation ganz gut nachvollziehen. Sie wollen die Verantwortung wieder abgeben und die Leute nach Hause schicken. Aber Jesus wählt nicht den bequemeren Weg oder lässt sich von einer »aussichtlosen« Lage abschrecken. Ganz unbeeindruckt sagt er: »Gebt ihr ihnen zu essen.«

sche sind. Fang an, den Rest übernehme ich. Weglaufen, das Problem wegschieben oder ignorieren, ist verkehrt. Das tun, was ich kann, und auf Gott vertrauen, das ist es, was uns Jesus empfiehlt. Daran will ich mich halten in der Zeit, die in Pforte vor mir liegt. Und ein letzter wichtiger Punkt, weshalb die grandiose Wundergeschichte klappt, ist die Gemeinschaft. Es wird nicht berichtet, das Jesus Brot herbeizaubert. In der Geschichte geht es nicht darum, ein unmögliches Wunder zu beschreiben. In dem er das Brot bricht und mit allen teilt, können alle gemeinsam essen.

»Toll! Danke dafür.« Die Jünger sind erstmal ganz schön überfordert damit. Wie soll man das bloß machen?

Er fordert seine Zuhörer auf, miteinander, wie er, zu teilen und nicht egoistisch und geizig zu denken. Jesus teilt fünf Brote okay … aber das Wunder vollzieht sich, als alle teilen. Diese Geschichte funktioniert also nur, wenn alle Beteiligten sich als eine Gemeinschaft sehen und als Gemeinde handeln.

Ich glaube, im Leben gibt es immer wieder solche Situationen, wo man vor einem Berg von Problemen steht und nicht weiß, was man jetzt tun soll. Jesus macht uns hier deutlich: fang einfach an. Nimm das, was du hast und was du kannst, und wenn es auch nur fünf Brote und zwei Fi-

So ähnlich geht es auch uns in Pforte. Es ist nur wenig da, was dieses Jahr an Ereignissen übrig bleibt. Gerade mal eine Hand voll »Normalität« darf die Schule uns erlauben. Eben nur zwei Fische und fünf Brote. Aber unsere Aufgabe ist es jetzt, das miteinander zu teilen.

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Wir wollen, auch als Schulgemeinde, unser Mögliches tun, damit wir hier satt werden können. Denn wichtige Dinge bleiben auch jetzt bestehen. Es bleiben der Kirchturm zwischen den Weinbergen, es bleibt die Freude beim Betreten des Torhauses, es bleibt das Leuchten in den Augen meiner Mitbewohner, es bleibt das Zusammengehörigkeitsgefühl bei den Andachten. Lasst uns Gemeinschaft teilen, wo es geht, kreativ werden, wo einfache Wege verboten sind und

dankbar und voller Vertrauen in dieses Schuljahr gehen. Auf dass wir alle satt werden. Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. Amen. JOSEFINE BEYRICH 10M

Predigt zum Schuljahresanfang 2020/21 | 39


Tierische Landesschüler

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Seit dem 16.09.2020 beherbergt unser Schulgelände noch zwei weitere Bewohner. Die beiden Alpakas Olaf (2) und Evi (1) sind aus dem Tierpark Bad Kösen zu uns gezogen. Hier haben sie nun auf circa 1000 Quadratmetern Platz sich auszutoben. In Zusammenarbeit mit dem Tierpark kümmern sich eine Gruppe von SchülerInnen, Frau Renscht-Gerber, Frau Wermann und Herr Mundt um die Alpakas. Wir Schüler und Schülerinnen sorgen dafür, dass sie regelmäßig Auslauf bekommen und zeigen ihnen unser Gelände, kümmern uns um einen sauberen Stall und füttern sie mit Leckerlis. Die beiden sind zu einer wahren Attraktion auf dem Schulgelände geworden und Touristengruppen staunen nicht schlecht, wenn sie sie hier sehen. LUZIE SCHMERBAUCH 12N Foto: Luzie Schmerbauch

40 | Tierische Landesschüler


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450 Jahre historische Bibliothek Schulpforte

1993 konnte die Landesschule Pforta mit großen Ehren ihr 450-jähriges Bestehen feiern. Nun hat auch die Bibliothek der Schule dieses stolze Alter erreicht. Der 28. September 1570 darf durchaus als ihr Geburtstag angesetzt werden, denn von diesem Tag stammt der Befehl des Kurfürsten August von Sachsen, dass »zu Erzeugung einer Bibliotheca von dem Einkommen unserer Schul alle Jahr fünfzig Gulden auf zehn Jahr lang der nächstfolgenden angewendet werden sollen.« Diese Bewilligung eines Bibliotheksetats war sozusagen die Gründungsurkunde der Bibliothek, denn der Tag, an dem das erste Buch ins Regal gestellt wurde, lässt sich leider nicht mehr ermitteln. Während von Seiten der Schule offenbar keine Eile herrschte, die insgesamt 500 Gulden in den zehn Jahren auszugeben, blieb der Landesherr aber großzügig und schenkte der Schule 1573 noch einen großen Teil der Bibliothek des ehemaligen Benediktinerklosters Posa oder Bosau bei Zeitz. Diese mittelalterlichen Handschriften und frühen Drucke bildeten so den Grundbestand der neuen Schulbibliothek, die leider nicht auf eigene Kloster-Buchbestände zurückgreifen konnte. Während Kurfürst August noch festgelegt hatte, dass die Bücher in einem gesonderten Gemach angekettet und verschlossen verwahrt werden sollten, fand sein Enkel, Christian II. von Sachsen, dass »die Bücher nicht zu dem Ende

eingekauft worden, daß man sie verschlossen behalten oder an Ketten legen, sondern gebrauchen und lesen soll«. Er befahl in seiner Schulordnung von 1603, dass der Bibliothekar nicht nur den Lehrern, sondern auch den größeren Schülern auf mehrere Tage oder Wochen nützliche Bücher ausleihen sollte. Eine solche Ausleihe ist auf Grund fehlender schriftlicher Quellen zwar erst seit den 1620er Jahren nachweisbar, doch kann man davon ausgehen, dass die Anweisungen des Landesherrn befolgt wurden. Noch heute lassen sich an einigen Büchern die Reste der einstigen Kettenbefestigungen finden. Die Büchersammlung der Schule wuchs in den ersten 60 Jahren auf etwa 800 Titel an. Im Dreißigjährigen Krieg gab es glücklicherweise nur geringe Verluste, dann wurde die Bibliothek ab 1642 im Naumburger Dom untergebracht, wo sie offensichtlich sicherer verwahrt werden konnte, als das in Schulpforte der Fall war. In Schulpforte befand sich die Bibliothek seit ihrer Gründung in einem von ursprünglich drei Unterrichtsräumen auf der Westseite des Kreuzganges, wo sie bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts blieb. Den Raum kann man noch heute an dem sächsischen Wappen und einem lateinischen Spruch über der Tür erkennen. Von dort zog sie in die Kirche, um dann schon 20 Jahre später in das neu

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Foto: Foto-Tempel, Naumburg erbaute Torhaus überzusiedeln. Ein rasches Anwachsen des Bibliotheksbestandes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts führte dazu, dass die Bibliothek 1880 in das Erdgeschoss des neuen Aulagebäudes umziehen musste, wo sie sich noch heute befindet. Wenn auch seit circa 70 Jahren der Bestand nicht mehr systematisch erweitert werden kann, weil kein Etat zum Ankauf existiert, sind die Bibliotheksbestände dennoch beachtlich. Mit etwa 80.000 Titeln zählt die Bibliothek zu den größten Schulbibliotheken in Deutschland. Ihr Bestand spiegelt ein Stück deutscher Geistesgeschichte wieder, ist inhaltlich mit dem Altbestand einer Universitätsbibliothek zu vergleichen und bietet mit seiner Sondersammlung zur eigenen Schulgeschichte (Portensia) we-

sentlich mehr als ein Stück Portenser Identität. Als eine der bekanntesten Schulen Deutschlands mit mehr als 250 berühmt gewordenen AbsolventInnen spielt die Schule in der Geschichte der Pädagogik eine wichtige Rolle, genauso wie ihre ehemaligen SchülerInnen oftmals Gegenstand der Forschung sind. Dank der Unterstützung des Pförtner Bundes e.V. und der Stiftung Schulpforta kann die sogenannte Portensia-Abteilung weiter ergänzt und aktualisiert werden und bleibt damit, bildlich gesprochen, der immergrüne Zweig am 450 Jahre alten »Bibliotheksbaum«. Am Freitag, dem 18. September war es dann so weit: der Geburtstag wurde gefeiert! Ab dem frühen Abend wurden Gäste in Kleingruppen durch die Bibliothek

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geführt und erhielten so einen exklusiven Einblick. Anschließend gestaltete der Autor und Alumnus Anselm Oelze einen charmanten Abend im Besucherzentrum. Der Philosoph und Politikwissenschaftler legte im vergangenen Jahr seinen vielbeachteten Wissenschaftsroman Wallace vor, aus dem er den Gästen las. Das Publikum hatte Gelegenheit mit ihm darüber und über seine Schulerfahrung in Pforta zu sprechen. Bereits vor seiner Lesung folgte Anselm Oelze einer alten Pfortenser Tradition und schenkte der Bibliothek ein Exemplar seines Buches. Seinem Beispiel dürfen andere Ehemalige gern folgen!

Foto: Historische Bibliothek der Landesschule Pforta

PETRA MÜCKE AL. PORT. 1982 – 1986 BIBLIOTHEKARIN

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Foto: Anna Franke


Vom Pförtner Bund *  *  *


Vorstellung des neuen Vorstands Matthias Haase – Vorsitzender Ich bin freier Hörfunkjournalist für den MDR Thüringen und lebe in Kleinobringen im Weimarer Land. In meiner Zeit in Pforte von 1983 bis 1987 wohnte ich im Internat 4 und Internat 1, also in der heutigen Klausur. Früher habe ich noch mehr in Chören gesungen, heute habe ich Familie (zwei Kinder), einen Beruf und meine Tätigkeit für Schulpforta und den Pförtner Bund...also, welches Hobby? Der Klavierkeller war damals mein liebster Ort in Pforte. Heute entdecke ich immer wieder schöne Ecken, die mir früher nicht aufgefallen sind. Ich mag die Kirche, die zu meiner Zeit nicht zugänglich war. Ich mag den Park, dessen Platane mir damals nicht so ins Auge gefallen war. Ich mag es, TouristInnen zuzuschauen, die von diesem Areal verzaubert sind. Meine Motivation in den Pförtner Bund einzutreten lässt sich mit einem Wort beschreiben: Dankbarkeit. Ich hatte am Ende meiner Schulzeit 1987 ein Lied über Pforta geschrieben. Das ging so: Dein Gesicht zeigt Falten, Deine Mauern stürzen ein. Bleibt doch alles beim Alten. Warum will ich heim? Wie viele Türen stehn Dir offen, wie viele bleiben dir versperrt? Mal ganz ehrlich, ich hab mei-

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ne Wahl getroffen, ich war gern hier, und der Abschied fällt mir schwer. Wenn du verstehst, warum du diesen Weg gehst..., dass es gut ist, sich lohnt, trotz Schwierigkeiten, hier zu bestehen nicht einfach zu gehen, sich auch zu verneigen, Danke zu sagen, stell keine Fragen. Auf Wiedersehn. Na klar... ein bisschen viel Pathos gehört wohl auch zu Pforta. Auf alle Fälle war ich dann nach dem Mauerfall schnell mit dabei. Für den Vorstand habe ich mich gar nicht beworben. Ich wurde vom damaligen Vorsitzenden Hans Reimer Kuckuck gefragt. Und dann war ich viele Jahre Teil des erweiterten Vorstands und habe mich vor allem um den Aufbau der Online-Präsenz bemüht. Ich bin jetzt seit acht Jahren Vorsitzender unserer sehr heterogenen Mitgliederschar und bekomme viele positive Rückmeldungen aus allen Generationen. Das sollte für die nächsten vier Jahre so bleiben.

Maximilian Böck – Stellvertretender Vorsitzender Ich war von 2007 bis 2011 Schüler in Pforte und wohnte damals im Internat V und III. Die »III« war meinerzeit noch ein reines Jungeninternat, im Gegensatz zur »V«. Beides hatte durchaus seine jeweiligen Vorzüge.


Heute lebe ich in Darmstadt und bin als Jurist im Referendariat am Landgericht Darmstadt tätig. Derzeit singe ich in zwei Chören, drei Ensembles und gelegentlich als Solist. Außerdem organisiere ich Tagungen und Seminare im In- und Ausland, u.a. für die Konrad-Adenauer-Stiftung und widme mich der Förderung von Kunst und Kultur in verschiedenen Vereinen, die ich leite. Viel zu selten bin ich am Klavier. Gerne mit Freunden beim Bier. (Aber natürlich nicht in Pforte, weil es da nicht erlaubt war!) Gesungen habe ich eigentlich schon immer, zwischenzeitlich im Deutschen Jugend Kammerchor, früher viel mehr (Hochschul-) Politik, auch schon in Pforte. An der Uni war ich im Studierendenrat, im Fakultätsrat und im Senat. Mein früherer Lieblingsort in Pforte? Keine leichte Entscheidung zwischen so vielen tollen Orten. Wohl aber die (mittlerweile schon länger abgerissene) Delfa-Halle. Oder Delpha-Halle. Oder Ludorium. Da habe ich Theater gespielt und herrliche Abende im Kreise der Lieben verbracht. Interessant auch, dass viele meinten, der Bereich des ehemaligen Schuhfachverkaufs sei unzugänglich gewesen ... Heute ist es schwer zu sagen, weil mit jeder Ecke, jedem Blickwinkel und jeder Begegnung ganz besondere Er-

innerungen und Gefühle verbunden sind. Ganz besonders ist für mich die Erinnerung an das Kanon-Singen im Kreuzgang. Ich glaube, dass ich dieses Gefühl der Verbundenheit zu einem Ort und zu den ihn ausmachenden Menschen lange danach nicht mehr so stark gefunden habe. Zum Pförtner Bund kam ich durch Matthias Haases Liste, die in meiner 12. Klasse ausgelegt wurde. Ich habe schon vor vielen Jahren angefangen, mich für die Arbeit des Pförtner Bundes zu interessieren und einzusetzen. Vor allem über die Idee von Orientierungsveranstaltungen für die Oberstufenschüler kam aber ein intensiverer Kontakt zum Vorstand zustande. Mich motiviert bei ehrenamtlicher Arbeit ganz allgemein, dass es mir große Freude macht, sich für andere und ein gemeinsames Ziel oder eine übergreifende Idee einzusetzen ganz unabhängig von einem finanziellen Nutzen. Mein Herz schlägt für die Idee von Schulpforte: Förderung von wissbegierigen, einsatzbereiten und wachen jungen Menschen, die unsere Gesellschaft bereichern können und vor allem wollen, ganz egal, aus welchem Elternhaus sie kommen. Mit meiner Arbeit im Vorstand will ich einen Beitrag dazu leisten, dass diese Idee noch über eine lange Zeit weitergetragen werden kann und der »Geist Pfortes« weiterleben kann.

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Ich wünsche mir, dass wir in vier, in acht und auch in 40 Jahren noch sagen können, dass wir in unserer Zeit als Vorstand dazu beigetragen haben, dass Mitteldeutschland mit der Internatsschule in Pforta eine Begabungsförderungsschule hat, die weit über die Landesgrenzen bekannt ist und geachtet wird. Als Ehemaligenverein können wir einen positiven Einfluss nehmen und ein Bindeglied zwischen Schule, Schulträger und vor allem auch SchülerInnen und eben den ehemaligen PfortenserInnen sein. Gerade unter den Ehemaligen gibt es viele gute Ansätze, die die Zukunft der Schule gestalten können. Ich wünsche mir, dass wir als Vorstand für die Schule selbst immer wieder Akzente setzen und Ideen einbringen, damit Schulpforte auch in einigen Jahren noch immer ein so wunderbarer und lehrreicher Ort für junge Menschen sein kann.

Petra Mücke – Archivarin Von 1982 bis 1986 ging ich in Pforte zur Schule. Ich wohne in Naumburg und bin Bibliothekarin/Archivarin der Landesschule. Zu Schulzeiten wohnte ich im Internat 1. Die Bibliothek war und ist unverändert mein liebster Ort in Pforte. Meine Freizeit widmete ich schon immer Schulpforte und die Liebe zu diesem besonderen Ort ist es auch, die mich

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zu meiner Vorstandsarbeit motiviert. Für meine nächsten vier Jahre im Vorstand wünsche ich mir, dass ich weitestgehend die Arbeiten geschafft habe, die ich mir vorgenommen hatte.

Tobias Köhler – Schatzmeister Ich war von 1983 bis 1987 in Pforte und wohnte in dieser Zeit im Internat 1. Mein aktueller Wohnort ist Zeitz. Beruflich bin ich Diplom-Finanzwirt und bei RA Holley als Leiter der Steuerabteilung der Kanzlei angestellt. Während der Sportunterricht früher nur ein notwendiges und übles Schulfach war, gehe ich heutzutage gerne drei- bis viermal in der Woche laufen. Früher war mein liebster Ort in Pforte die Parkanlagen auf dem Gelände. Heutzutage habe ich leider kaum Zeit, mich in Pforte aufzuhalten. In den Pförtner Bund eingetreten bin ich, um mehr aktuelle Informationen zu erhalten und mit dem Beitrag eine kleine Hilfe zur Entwicklung großer Dinge beizutragen. Auf die Frage meines guten alten Klassenkameraden Matthias Haase, ob ich jemanden als Schatzmeister empfehlen könnte – Nachtijal ich hör dir trapsen – bewarb ich mich auf das freiwerdende Amt im Vorstand.


Für meine erste Vorstandsperiode wünsche ich mir, dass mein Aufwand geringer ausfällt, als mir prophezeit wurde und reibungslose Abläufe bei Geldeingang und Geldausgang.

Anne Hultsch – Schriftführerin Ich besuchte nicht die Landesschule Pforta, sondern von 1990 bis 1992 die Evangelische Landesschule zur Pforte in Meinerzhagen. Beschränke ich mich auf nur einen Wohnort, lautet dieser Wien. Dort bin ich als Slavistin (Literaturwissenschaftlerin) an der Universität Wien tätig. Die Frage: in welchem Internat hast du in Pforte gewohnt, bringt nicht so ganz etwas. Denn: in Meinerzhagen gab es nur ein Mädcheninternat (IV). Meine Freizeit verbringe ich heute und auch früher schon mit Texten, Bildern, Tönen, Menschen, Städten. Meine Lieblingsorte in Schulpforte sind die Kirche und der Meinerzhagener Grundstein (wenn er nicht gerade von Mülltonnen verstellt wird). Früher brauchte man laut Satzung zum Erwerb der Mitgliedschaft noch »eine Bürgschaftsersklärung von zwei Alten Pförtnern, welche Mitglieder des Bundes sind«. Meine zwei Bürgen (Hans Reimer Kuckuck und Wolfgang Knackstedt) waren/sind so um-

werfend nett, dass ich ihrem Werben selbstverständlich nicht widerstehen konnte. Zudem überzeugt mich die Gründungsidee der Schule, die gleichermaßen traditionell und hoch modern ist, nach wie vor. Ich habe mich nicht für den Vorstand beworben, sondern wurde gefragt – und es sprach aus meiner Sicht absolut nichts dagegen, zu dieser Zeit den Altersdurchschnitt und das Geschlechterverhältnis im Vorstand massiv zu verändern. Außerdem war ich damals noch Vorsitzende des Arbeitskreises ehemaliger Landesschüler, also sozusagen des Schwestervereins des Pförtner Bundes, und es erschien sinnvoll, voneinander zu wissen und die Tätigkeiten etwas zu koordinieren. Ich wünsche mir, dass wir in vier Jahren zumindest ein klein wenig dazu beigetragen haben werden, dass Schülerinnen und Schüler entsprechend ihren Begabungen in einem sie inspirierenden Umfeld gefördert werden konnten und als neugierige, freiheitlich-demokratisch gesinnte Personen ihren Weg ins weitere Leben antreten.

Paul Pasieka – Stellvertretender Schriftführer/Webauftritt Ich war von 2003 bis 2007 Schüler in Pforte und habe im Internat III ge-

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wohnt. Aktuell lebe ich in Mainz und bin dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Klassische Archäologie der JGU tätig. Wenn nicht gerade eine Pandemie über der Welt liegt, gehe ich in Ausstellungen, in die Oper, ins Kino, reise, treffe mich mit FreundInnen. Früher war v.a. das Zeitbudget für diese Aktivitäten anders. Ein Ort ist nicht nur ein diskreter, physischer Platz, sondern wird ebenso über Netzwerke und ephemere Praktiken gebildet. Pforte ist ohne seine Menschen und meine Freunde nicht dasselbe. Das ist heute so, war aber auch früher so. Am Eintritt in den Pförtner Bund hat mich wahrscheinlich die institutionelle Manifestation nostalgischer Verbundenheit, das Nichtloslassenkönnen gereizt. Und die Motivation für die Bewerbung in den Vorstand? Klischeehaft wie es sein mag, war das der Wille etwas zurückzugeben und zu gestalten. Ich wünsche mir, dass ich in den nächsten vier Jahren etwas zurückgegeben und dazu beigetragen haben werde, die Ziele des Pförtner Bundes umzusetzen und positiv weiterzuentwickeln.

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Franziska Baum – FundraisingProjekte Derzeit lebe ich in Erfurt und bin als Abgeordnete im Thüringer Landtag tätig. Während meiner Zeit in Pforte (1996 – 2000) war ich anfangs im Internat IV untergebracht. Ich kenne noch den Waschraum, wie er in der Verfilmung des Fliegenden Klassenzimmers von 2003 zu sehen ist. Aufgrund von Baumaßnahmen sind wir dann mehrfach umgezogen, bevor ich die letzten beiden Schuljahre im Internat II, ganz oben in einem toll sanierten Dreierzimmer, verbracht habe. Ich habe auch nach Pforte noch lange aktiv im Chor gesungen. Besonders gern erinnere ich mich an das Singen im London Oriana Choir. Dafür fehlt mich heute leider die Zeit. Ich hatte viele Lieblingsorte in Pforte. Einer war die Klopstockquelle oder auch die Mauer hinter der Sporthalle, was heute das Ludorium ist. Überhaupt war ich gern im Park oder auch im Gartenhaus. Da war immer was los und man hat viele Leute getroffen. Wenn ich heute in Pforte bin, holen der Kreuzgang und der Speisesaal die meisten Erinnerungen zurück. Die Kirche ist für mich nach wie vor ein magischer Ort.


v.l.n.r.: Sophie Müller, Bodo Zeymer, Susanne Neupert, Peter Maser, Anne Hultsch, Dagmar Sommer, Franziska Baum, Matthias Haase, Paul Pasieka, Tobias Köhler, Karolin Huster, Maximilian Böck. Petra Mücke fehlt leider auf dem Bild. Foto: Torsten Biel Ich bin gleich nach dem Abitur Mitglied im Pförtner Bund geworden, einfach weil ich der Schule verbunden bleiben wollte. Pforte ist mir immer sehr wichtig gewesen. Über die Arbeit im Vorstand würde ich gern etwas zurückgeben und hoffe, dass ich gemeinsam in den nächsten Jahren das eine oder andere Gute für die Schule bewirken können. Gerade in den bevorstehenden Zeiten brauchen wir laute BotschafterInnen für die Schule. Da will ich gern mithelfen. Außerdem fände ich es großartig, wenn der Pförtner Bund in vier Jahren noch mehr MitgliederInnen hat und wir ein

lebendiges Netzwerk der Ehemaligen sind.

Dagmar Sommer – Büroleiterin Zentrum Pförtner Bund Ich bin in Schulpforte wohnhaft und lebte von 1958 – 1962 als Schülerin im Internat III. Seit 2006 bin ich Rentnerin. Meine Freizeit verbrachte ich und verbringe ich noch immer mit lesen, Gartenarbeit und mit meinem Mann. Wir sammeln gern jegliche Art von Sachzeugen aus der Geschichte Pfortas.

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Mein liebster Ort früher war der Garten neben dem Internat III, heute sind es der Friedhof und der Park. Die Verbundenheit zum Ort und meiner Schule hat mich motiviert, in den Pförtnerbund einzutreten. und eine Anfrage von Herrn Dr. Fichtner hat mich dazu bewogen, mich für den Vorstand zu bewerben. In 4 Jahren wünsche ich mir sagen zu können, dass alle Publikationen verkauft sind.

Sophie Müller – Redakteurin Die Pforte Ich war von 2009 bis 2013 in Pforte und wohnte in den vier Jahren im Internat II. Derzeit lebe ich in Leipzig und absolviere dort mein Lehramtsstudium. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Menschen, die mir wichtig sind – manchmal mit Wein am Lagerfeuer, manchmal zusammen bei der ehrenamtlichen Arbeit für Kinder in der Gemeinde. Die Musik begleitet mich auch nach Pforte noch. Leider nicht alltäglich, aber immer noch gern – eine Zeit lang im Universitätschor und einem Ensemble, in lockerer Runde mit Freunden oder spätestens zum mittlerweile traditionellen Adventssingen in Pfortenser Gemeinschaft.

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Die Frage nach meinem liebsten Ort in Pfortezeiten kann ich gar nicht so genau beantworten. Für mich waren es wohl vielmehr die Erlebnisse mit FreundInnen die bestimmte Orte zu etwas Besonderem machten. So war dies an einem Abend der Weinberg, auf dem wir unter freiem Himmel übernachteten, und am nächsten der oberste Flur der II, der nach Lichtschluss nochmal zum Leben erwachte, um Haare zu schneiden oder Spiegeleier zu braten. Mein derzeitig liebster Ort in Pforte ist die Kirche. In den letzten zwei Jahren beendete ich dort mit dem abendlichen Rundgang über das Gelände jeden meiner Arbeitstage im Besucherempfangszentrum der Stiftung. Und jeden Abend strahlt dieser Ort eine andere und doch einzigartige Atmosphäre aus, lässt mich in Erinnerungen schwelgen oder einfach nur das Licht, dass durch das Fenster über dem Westportal einfällt, beobachten. Am Ende der 12. Klasse gehörte es irgendwie schon dazu, sich beim Abikaffeetrinken in die Liste des Pförtner Bundes einzutragen und somit Mitglied zu werden. Da ich im Organisationsteam für unseren Abiball war und dafür mit dem Pförtner Bund in Kontakt stand, fragte mich Matthias kurz nach der Exmatrikulation, ob ich mir vorstellen könnte, das Amt der Alumnibeauftragten zu übernehmen. Neben dem Interesse einer solchen Aufgabe nachzugehen, motivierte mich auch der Gedanke,


durch die Arbeit im Verein weiterhin mit Pforte verbunden zu bleiben und mit SchülerInnen und Ehemaligen gemeinsam zusammenzuarbeiten. Für die nächsten vier Jahre wünsche ich mir, dass wir Möglichkeiten, die sich uns als Gemeinschaft bieten, erkennen und zu nutzen wissen, um Pforte durch ein großes Netzwerk Ehemaliger weiterhin zu unterstützen und voranzubringen.

Susanne Neupert – Redakteurin Die Pforte Von 2000 bis 2005 habe ich den Sprachenzweig besucht. Im Moment lebe ich in Leipzig. Ich habe ein Jahr im Internat IV und danach vier Jahre im Internat V gewohnt. Als sehr sozialer Mensch verbringe ich den größten Teil meiner Freizeit wohl in Gesellschaft, mit meinem Mann, meiner Familie, FreundInnen, NachbarInnen. Am Telefon, virtuell und am liebsten natürlich »in echt«. Außerdem spiele ich seit zwei Jahren Posaune. Mein Mann begleitet meine Anfängerinnenversuche geduldig auf dem Klavier. Wir reisen unglaublich gern und nehmen uns dann Zeit zum Fotografieren, auch mit analogen Kameras. Gesellschaftspolitisches Engagement, z.B. zu Migration, Asyl, Demokratie, spielt eine große Rolle in meinem Leben und so bin/war ich Teil verschiedener Initiativen und

Vereine. Da gibt es immer etwas zu tun. Auch früher habe ich meine Freizeit schon am liebsten in Gesellschaft verbracht, z.B. in der Theater-Gruppe. Mir fällt es ganz schwer, nur EINEN Lieblingsort in Pforte zu nennen. Kreuzgang, Park, Kirche, Saale, Wald, die Bänke, jede mit einem speziellen Namen, meine gemütlichen, leicht unaufgeräumten Internatszimmer. Der mysteriöse Steintisch im Park, die Treppe hinter der Turnhalle, die keine mehr ist, der Strommast, den es nicht mehr gibt. Vielleicht war einfach ganz Pforte mein liebster Ort. Heute liebe ich den Moment nach längerer Abstinenz durchs Torhaus zu laufen. Sofort stellt sich ein Gefühl von »Zuhause« ein, das mich auf dem ganzen Gelände begleitet, wo jeder Winkel, jeder Stein, jeder Weg vor Erinnerungen strotzt. Ich bin nach dem Abitur selbstverständlich in den Pförtner Bund eintreten um verbunden zu bleiben. Da ich nach einigen Stationen wieder in der Nähe von Pforte lebe und einige Erfahrung in Vereinen gesammelt habe, kann ich mich nun gezielt einbringen. Matthias Haase hat mir daher das Engagement im Vorstand vorgeschlagen. Ich wünsche mir, dass wir nach vier Jahren auf eine angenehme Vorstandsarbeit zurückblicken können, in der wir die SchülerInnen und die Schule bei verschiedenen Projek-

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ten unterstützt haben werden, in der der Verein gewachsen sein wird und Pforte auch durch uns weiterhin und erneuert ein Ort sein wird, an dem sich alle wohl fühlen werden und Gemeinschaft so wunderbar erleben können, dass sie von ihr durchs Leben begleitet werden.

Karolin Huster – Alumnibeauftragte Ich war von 2015 bis 2019 in Pforte. Zurzeit wohne ich in Mannheim und studiere dort Kultur und Wirtschaft: Anglistik/Amerikanistik und BWL. In meinen vier Jahren in Pforte habe ich im Internat 2 und Internat 6 (Papiermühle) gewohnt. Die Musik lag mir immer schon sehr am Herzen. Besonders mit dem Singen in Chören verbringe ich meine Freizeit in Mannheim und Mitteldeutschland, wie auch schon in Pforte. Außerdem reise ich sehr gerne, um Freunde – vor allem aus Pforte – sowohl innerhalb Deutschlands als auch in ganz Europa, zu besuchen. Meine liebsten Orte in Pforte waren neben meinem Bett, dass sich als hervorragende Erholungsstätte von so mancher Nachtaktion bewiesen hat, die Apfelbaumwiese beim Besucherempfangszentrum und der Weinberg. Besonders die Sommerabende mit Freunden waren schön, weil es sehr lange hell war und man gar nicht ge-

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merkt hat, wie schnell die Zeit vergehen kann. Auf einen Lieblingsort heute kann ich mich auch nur schwer beschränken. Ich bin immer noch sehr gerne in Pforte und unterhalte mich gerne mit SchülerInnen und LehrerInnen. Ansonsten fühle ich mich aber auch dort Zuhause, wo ich meine Freunde aus der Schulzeit sehen kann. Dass ich auch nach meiner Schulzeit noch weiterhin mit Pforte verbunden sein möchte, habe ich eigentlich vom ersten Tag an gewusst. Der Pförtner Bund war während meiner Schulzeit sehr präsent, da ich bei vielen Projekten wie den Fahrten des Netzwerks deutschsprachiger Landesgymnasien dabei sein konnte, die vom Pförtner Bund finanziell unterstützt werden. Da war es dann für mich klar, dass ich auch als Ehemalige noch die Projekte der SchülerInnen unterstützen möchte. Nicht zu vergessen ist aber auch einfach das Gefühl zu einer unglaublich vielseitigen Ehemaligenschaar zu gehören, die sich durch den Eintritt in den Pförtner Bund einfach noch viel näherkommt. Während meiner Zeit in Pforte habe ich schon so einiges mit dem Pförtner Bund zu tun gehabt. Besonders in der 12. Klasse, als ich Schülersprecherin war, habe ich den Mehrwert eines so großen Ehemaligenvereins und -netzwerkes erkannt. Die Arbeit mit


Ehemaligen und auch die Menschen, die ich dadurch kennengelernt habe, haben mir maßgeblich geholfen zu erkennen, was ich studieren und allgemein später mal erreichen möchte. Für mich haben der Pförtner Bund und auch einige Ehemalige als Schülerin eine wichtige Rolle gespielt und ich freue mich sehr, dass ich nun als Alumnibeauftragte diese Schnittstelle zwischen Schülerschaft und Ehemaligen vertreten darf. Ich hoffe sehr, dass ich es in den vier Jahren schaffe, eine gute und vertrauensvolle Ansprechpartnerin für Schüler und Ehemalige zu sein. Die Unterstützung der Schule in allen Hinsichten ist mir sehr wichtig, besonders die Unterstützung durch Ehemalige, nicht nur finanziell, sondern auch ideell. Deswegen freue ich mich sehr auf die Zusammenarbeit mit LehrerInnen, SchülerInnen und allen Ehemaligen. Mit meinen bisher gesammelten Erfahrungen sowohl im Internatsalltag als auch im Unileben und sonst möchte ich gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen, um den Verein und die Schule so gut ich kann zu unterstützen.

Bodo Zeymer Schüler in Pforte war ich von 1971 bis 1975 und habe zunächst über dem Kreuzgang gewohnt. Nachdem jedoch Jemand bei unseren Mädchen

eingestiegen ist, sind wir in das Internat oberhalb der DRK-Station umgezogen. Ich bin studierter Diplomlehrer Biologie/Chemie, habe nach der Wende als Schulrat und bis Pensionierung im Dezember 2020 als Referatsleiter im Bildungsministerium Sachsen-Anhalt (Internationales, Kultur, Migration, Verkehrserziehung, Schulpsychologie,…) gearbeitet. Als Schüler verbrachte ich meine Freizeit mit Fußball, Tischtennis und Kabarett, später als Handballer, Übungsleiter, Manager, Funktionär und Schiedsrichter mit Mannschaften bis zur Jugendbundesliga. Heute bin ich noch als Schiedsrichter und Fördervereinsvorsitzender tätig, fahre Rad und gehe wandern. Außerdem bin ich in der Kommunalpolitik im Landkreis und im Stadtrat Haldensleben aktiv und engagiere mich als Vorsitzender der Bundesfachgruppe Schulaufsicht der GEW, als ehrenamtlicher Richter, Reiseleiter und im Vorstand des Pförtner Bundes. Meine ehemals liebsten Orte in Pforte waren vormittags der Biologieraum, nachmittags der Park (Sport, Lesen) und am Wochenende die Saale mit dem Fischhaus. Heute sind es die Bibliothek und der Kreuzgang. Ich habe dienstlich viel mit Maik Reichel, dem ehemaligen Prokurator, zu tun, und er hat mich bezüglich der

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Vereinsarbeit angesprochen. Schulpforte hat mir viel gegeben für den erfolgreichen Weg ins Leben und so möchte ich etwas zurückgeben. Ende 2020 werde ich in Pension gehen, dann habe ich mehr Zeit für die Arbeit im Vorstand. Durch meine jahrelange Tätigkeit im Ministerium hatte ich dienstlich viele Bezugspunkte zu Schulpforte und habe noch immer gute Kontakte zu MinisterInnen bis zu SachbearbeiterInnen. Mit einem gewissen Stolz habe ich sowohl in dienstlicher Funktion, als Gewerkschafter und mit meinem Wein- und Wanderverein schon viele nationale und internationale Delegationen durch Schulpforte führen können. Ich wünsche mir für die nächsten vier Jahre: Unterstützung der Schule durch Hilfe im Dschungel der Fördermaßnahmen, den Erhalt der alten Platane sowie die Neupflanzung einer Nachfolgerin und viele schöne Erlebnisse und Veranstaltungen. Es gibt noch viel zu tun und dabei möchte ich helfen.

Peter Maser – Ehrenvorsitzender Ich verbrachte von 1957 bis 1959 meine Schulzeit in Pforte und wohnte in dieser Zeit in einem 6-Mann-Raum im Internat über dem Kreuzgang, mit Blick auf die Kleine Saale. Nach Abschluss der 10. Klasse wurde ich aus

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politischen Gründen aus der Schule verwiesen. Ich bin Theologe (Kirchenhistoriker), seit 2008 Rentner und lebe ich Bad Kösen. Zur Zeit beschäftige ich mich noch mit kleineren wissenschaftlichen Studien zur DDR-Geschichte und verbringe meine Freizeit mit Lesen, dem Hören klassischer Musik, Fernsehen und YouTube. In meiner aktiven Zeit arbeitete ich an zahlreichen Projekten und Studien zur spät­antiken jüdischen und christlichen Kunst (Rom-Stipendium der Gerda-Henkel-Stiftung), Kirchenund Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts (Habilitationsschrift), Geschichte der DDR-Kirchen (Thyssen Stiftung), Geschichte des deutschen Judentums und wissenschaftlichen Expertentätigkeit in drei EnqueteKommissionen des Deutschen Bundestages. Außerdem unternahm ich zahlreiche Reisen rund um das Mittelmeer und im Rahmen politischer Funktionen in praktisch alle Staaten des östlichen Europa und bis in die Mongolei. Mein liebster Ort war damals die zu meiner Zeit in Pforta kaum genutzte Sternwarte als »geheimer« Treffpunkt einiger gleichgesinnter Freunde. Heute ist für mich die Kirche das


eigentliche Zentrum der Landesschule. Trotz vielfältiger negativer Erfahrungen mit der sozialistischen Oberschule blieb die Anhänglichkeit an den historischen Ort erhalten. Für den Pförtner Bund e.V. »warb« mich ein wesentlich älterer persönlicher

Freund, Oberstudiendirektor Hans Reimer Kuckuck (1912 - 2005, bis 1992 Vorsitzender des Pförtner Bundes, danach dessen Ehrenvorsitzender) Mitte der 70er Jahre an. Im Vorstand des Pförtner Bundes war ich lange Jahre bis zur Wende der Vertreter der jüngeren Generation mit DDR-Hintergrund.

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Abi. Was dann? Ein Gespräch mit MAXIMILIAN BÖCK AL. PORT. 2007 – 2011 Im nunmehr fünften Jahr haben die SchülerInnen der Oberstufe in Schulpforte die Möglichkeit, an Orientierungsveranstaltungen teilzunehmen, die sie auf den Weg nach dem Abitur vorbereiten sollen. Das Konzept ist in dieser Form einzigartig und soll dazu dienen, angehenden AbiturientInnen den Übergang in Ausbildung, Studium, Auslandsjahr oder Freiwilligendienst zu erleichtern. Finanziert wird das Projekt im Wesentlichen vom Pförtner Bund und teilweise durch Mittel des Landes. Durchgeführt werden die Veranstaltungen von Ehemaligen der Landesschule. Das Team wird koordiniert von Maximilian Böck (al. port. val. 2011), der selbst viele der Veranstaltungen leitet. Wir haben ihn (virtuell) getroffen und gefragt, wie er die Orientierungsveranstaltungen erlebt. Die Pforte: Im Sommer hat mit dem neuen Schuljahr auch das fünfte Jahr der Orientierungsveranstaltungen in Pforte begonnen. Wie seid ihr auf die Idee für diese Seminarreihe gekommen? Die Idee für Orientierungsseminare kam mir vor einigen Jahren während meines Auslandsaufenthaltes in Belgien. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass wir in Schulpfor-

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te immense Möglichkeiten haben, unsere Talente auszuleben und unseren Interessen nachzugehen. Vor allem das Internatsleben ist eine Erfahrung, die uns für unser weiteres Leben unglaublich viel mitgeben kann und die uns auf lange Zeit prägt. Vieles, was meine KommilitonInnen in den ersten Semestern des Studiums lernen mussten, kannte ich schon lange aus Pforte. Doch so weit wir PfortenserInnen manchmal voraus zu sein schienen, so weit lagen wir doch an anderen Stellen zurück. Viele meiner FreundInnen aus Schulzeiten wussten nach dem Abi noch gar nicht, was sie mit ihrer neu gewonnenen Freiheit anfangen sollten. Einige brachen die begonnenen Studien schnell wieder ab, andere kehrten vorzeitig und frustriert aus dem Auslandsjahr zurück. Oft höre ich heute den Satz »Wenn ich das vorher gewusst hätte…«. Genau hier wollen wir mit unseren Veranstaltungen »Abi. Was dann?« ansetzen und SchülerInnen der Oberstufe helfen, sich auf die Zeit nach dem Abitur vorzubereiten. Die Pforte: An wen richten sich die Seminare? Wir wenden uns vor allem an die SchülerInnen der 11. Klassen. Zum einen haben sie noch ein wenig Zeit, bis die Frage des »Was mache ich danach?« relevant wird. So können sie in aller Ruhe die Seminarinhalte


Foto: Sophie Müller durchgehen und Tage der offenen Tür, Probe-Studientage oder Gespräche mit Ehemaligen führen, die heute in einem Berufsfeld arbeiten, an dem sie interessiert sind. Zum anderen aber haben sie ausreichend Zeit, um beispielsweise eine Aufnahmeprüfung vorzubereiten, die vielleicht noch während ihrer Schulzeit stattfinden würde. Will man etwa Gesang oder Sport studieren, sind die Aufnahmeprüfungen für den Studienbeginn im Oktober meist schon im Februar oder März – für einen Freiwilligendienst im Ausland meist sogar schon im Herbst im Jahr zuvor. Wenn ich davon aber erst erfahre, wenn ich mein AbiZeugnis in den Händen halte, ist es zu spät und ich habe ein Jahr verloren, nur weil ich mich nicht rechtzeitig informiert hatte. Die Pforte: Gut, dass ihr ein zielstrebiges Vorankommen unterstützt. Aber es gibt doch auch Situationen, in denen man vielleicht noch nicht weiß, was man will

oder merkt, dass man sich für das Falsche entschieden hat. Der eigene Lebensweg ist etwas ganz Persönliches. Wir wollen niemandem hineinreden, welche Entscheidungen im Leben die richtigen sein könnten. Ganz im Gegenteil. Wir versuchen, schon durch die Auswahl der ReferentInnen und Gäste ein breites Bild zu zeichnen und so Anregungen für die eigenen Entscheidungen zu geben. Ich selbst habe gute Erfahrungen mit dem Konzept des »Biographie-Lernens« gemacht. Hier geht man davon aus, dass Vorbilder – gute wie schlechte – den eigenen Entscheidungsprozess positiv beeinflussen können. Aus meiner Sicht ist es nämlich absolut notwendig, nicht nur aus den eigenen Fehlern zu lernen, sondern auch aus den Fehlern und vor allem den »Volltreffern« anderer. Für uns ist es wichtig zu zeigen, dass nach einer scheinbar »falschen« Abzweigung im Leben immer noch viele Türen offenstehen.

Abi. Was dann? | 59


Wichtig ist, dass man den eigenen Kurs findet oder wiederfindet. Wir möchten mit unseren Veranstaltungen aber auch erreichen, dass die angehenden AbiturientInnen solche Fehler umgehen, die vermeidbar gewesen wären, etwa weil man sich zu spät oder nur unzureichend informiert hatte. Die Pforte: Wie genau setzt ihr euer Konzept des »BiographieLernens« um? Was können die jungen Menschen in Schulpforte gerade von euch lernen? Uns ist wichtig, dass die SchülerInnen viele unterschiedliche Lebensentwürfe sehen und bestenfalls erleben. Gerade die Ehemaligenschaft aus Schulpforte bietet einen vielfältigen und abwechslungsreichen Schatz an Erfahrungen und unterschiedlichen Lebensläufen, die für die jetzigen SchülerInnen ein echter Gewinn sein können. Unsere Ehemaligen sind in nahezu allen Lebensbereichen unterwegs und oft sehr breit aufgestellt, was ihre Interessen und Projekte angeht. Vor allem im ehrenamtlichen Bereich treffen wir sie beinahe überall an. Das Besondere aber ist nicht nur die Initiative vieler Ehemaliger für ihr eigenes Leben, sondern die große Bereitschaft, Erfahrungen weiterzugeben und jüngere SchülerInnen zu unterstützen.

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Ein wichtiger Baustein dabei sind die Erfahrungsberichte und »KurzBiographien« von Ehemaligen, die wir zum Teil auch online im PfortaNetzwerk [Anm. d. Red.: zu finden unter https:// pforta-netzwerk.de/ehemalige-stellen-sich-vor/] bereitstellen. Außerdem versuchen wir, dass in gewisser Regelmäßigkeit ehemalige SchülerInnen Pforte besuchen und im Rahmen ungezwungener Abende mit den SchülerInnen ins Gespräch kommen. Ganz besonders wichtig ist aber auch das bereits erwähnte neu aufgesetzte Pforta-Netzwerk [Anm. d. Red.: www.pforta-netzwerk.de], eine Plattform, die es ermöglicht, anhand eigener Interessen in Kontakt mit Ehemaligen zu kommen. Letztlich werden Workshops und Seminare angeboten, bei denen Soft Skills und praktische Tipps vermittelt werden sollen. Hier versuchen wir durch abwechselnde ReferentInnen eine gewisse Vielfalt einzubringen, denn mir ist besonders wichtig, die persönlichen Wege der ReferentInnen kennenzulernen. Die Pforte: Natürlich wird die Pandemie auch an den Seminaren nicht spurlos vorübergegangen sein. Wie seid ihr mit der Situation umgegangen?


Leider konnten wir seit März 2020 kaum Veranstaltungen durchführen. Als es im Herbst kurz so aussah, als könnten wir auf Besserung hoffen, führten wir eine Veranstaltung für die 11. Klassen durch, damit sie zumindest einen Auftakt für die Studienorientierung haben. Allerdings mussten wir bislang alle anderen Termine absagen. Wir versuchen im Frühjahr, wenn die Situation sich hoffentlich entspannt, wieder Seminare und Workshops anzubieten. Auf dem Programm stehen dann vor allem ein Rhetorik-Training, ein Workshop zur Projektplanung und ein Seminar zu »Uni – wie geht das eigentlich?«. Besonders wichtig in dieser Zeit war für uns, dass wir immer gut und eng mit der Schulleitung zusammenarbeiten können. Wir haben in Pforte das Glück, auch als Ehemalige noch einen guten und schnellen Draht zum Schulleiter und den TerminkoordinatorInnen, aber auch zu den SchülerInnen selbst zu haben, sodass wir immer schnell und flexibel auch auf kurzfristige Änderungen reagieren können. Wir wollen diesen engen Kontakt auch in Zukunft weiter vertiefen und in regelmäßigem Austausch bleiben. Besonders hilfreich für unsere Planungen ist die Möglichkeit, bereits vor Schuljahresbeginn die Termine für die Orientierungsseminare schon im Jahresterminkalender verankern zu können.

Die Pforte: Was können wir als Ehemalige tun, wenn auch wir euch unterstützen oder uns selbst einbringen wollen? Ich glaube, dass unsere Veranstaltungen davon leben, dass sich viele Ehemalige einbringen. Jeder, der Interesse hat nach Pforte zu kommen und etwas von seinem Werdegang zu berichten, ist immer herzlich eingeladen, uns unter orientierung.lsp@ gmail.com anzuschreiben. Wenn wir durch das tiefe Pandemie-Tal hindurch sind, möchten wir gerne regelmäßig Ehemaligen-Abende organisieren und freuen uns über alle, die mitmachen wollen – ob als ReferentIn, bei einem Info-Abend oder durch einen Workshop. Vor Kurzem etwa konnten wir dank der Vermittlung einer ehemaligen Schülerin ein Patenschaftsprogramm mit dem Legatum e.V. ins Leben rufen, bei dem im Rahmen von Einzel-Coachings die SchülerInnen die Möglichkeit haben, mit MentorInnen – in der Regel erfahrenen Studierenden oder jungen AbsolventInnen – aus einem für sie interessanten Fachbereich zusammenzukommen. Das Projekt ist im Herbst 2020 angelaufen und wir haben schon über 30 SchülerInnen mit einem individuellen Mentor oder einer Mentorin verbinden können. Wenn sich jemand unter den Ehemaligen findet, der ähnliche Projekte (oder auch ganz andere Ideen!) ver-

Abi. Was dann? | 61


wirklichen möchte, darf man sich immer bei uns melden. Wir freuen uns über jede gute Idee. Die Pforte: Wagen wir zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft. Wie wird es mit eurem Format weitergehen? Habt ihr noch etwas, das ihr euch wünscht? Ich bin unfassbar dankbar und froh, mit so vielen engagierten und tollen Menschen im Team zusammenzuarbeiten. Wir können stolz sein auf das, was wir in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt haben. Gerade

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durch die Unterstützung des Pförtner Bundes können wir oft schnell und unkompliziert unsere Ideen umsetzen und für die SchülerInnen fruchtbar machen. Mit dem Blick in die Zukunft wünsche ich mir, dass es uns gelingt, auch für die Zeit vorzusorgen, in der wir aus dem derzeitigen Team nicht mehr jede Veranstaltung selbst umsetzen können, weil etwa berufliche Pflichten drängen. Wenn also jemand Lust und Freude daran hat, in Pforte mit einem Haufen wissbegieriger, cleverer und motivierter OberstufenschülerInnen zu arbeiten – meldet euch unbedingt!


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Pforte verbindet über Grenzen hinweg

Die familia portensis, welcher man mit erfolgter Immatrikulation und Taufe angehört, ist eine festverbundene Gemeinschaft. Dabei ist diese Gemeinschaft nicht nur in Schulpforte selbst vorhanden und spürbar, sondern auch weit außerhalb unserer ehrwürdigen Alma Mater. Die nunmehr Tradition gewordenen Pförtnerabende zum Martinstag sind hierfür ein wunderbares Beispiel. Ich selbst habe bisher an vier solcher Treffen teilgenommen—in London, Bristol, Leamington Spa und Oxford— und empfand die Zusammenkünfte stets als sehr besondere Begebenheiten, welche den Geist Pfortes in der Fremde aufleben ließen. Von einen Tag auf den anderen ist man umgeben von SchulpfortenserInnen, mit denen man in vergangenen Zeiten schwelgt, sich über den neuen Rektor austauscht und Geschichten vom letzten Schulfest erzählt. Schnell findet man Stoff für spannende und erheiternde Gespräche, sodass man sich durchweg angenehmer Unterhaltungen erfreuen kann. Als Robert Hemstedt (val. 2012) und ich im November 2016 das erste Martini-Gänseessen in England organisierten, rechneten wir nicht damit, dass sich daraus eine kleine Tradition ergeben würde. Wir studierten damals zufällig gleichzeitig in London und hatten uns bereits des Öfteren

besucht. Bei einem dieser Treffen beschlossen wir sehr kurzfristig, dass wir doch zum Martinstag ein paar weitere PfortenserInnen in die englische Hauptstadt einladen könnten, um den Abend angemessen zu zelebrieren. Über den Pförtnerbund rührten wir die Werbetrommel; zeitgleich suchten wir nach einem Restaurant mit Gänsebraten im Angebot (eine Suche, welche sich auf der Insel prinzipiell als überaus schwierig gestaltet). Zum besagten Tag trafen wir uns dann zu acht im Bohemia House in West Hampstead und genossen das gegenseitige Wiedersehen und Kennenlernen. Gansbegeistert wurde der englische Pförtnerabend im darauffolgenden Jahr wiederholt, diesmal in Bristol, mit einer längeren Planungsphase und mit hausgemachtem Geflügel. Als nächstes trafen wir uns in Leamington Spa, einer schnuckeligen Kleinstadt in der Nähe Birminghams, und feierten das Gänseessen mit mehr als zehn Pförtnerinnen und Pförtnern. Ein Gast war dabei sogar einzig für den Abend von der irischen Insel angereist gekommen! Und im Jahr 2019, im vorletzten Jahr, kamen wir dann in Oxford zusammen, wie immer mit einer Vielzahl guter Gespräche und Eindrücke. Als die Pförtnerabende im Herbst des letzten Jahres ausfielen, musste

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ich mit Wehmut an die angenehmen Abende in Großbritannien zurückdenken, an das Wiedersehen alter Freundinnen und Freunde, an die neuen Bekanntschaften, an die guten Gespräche und Unterhaltungen. Auch an die Martini-Gänseessen in Schulpforte dachte ich nostalgisch zurück, an die drei Gänse im Haberstroh, an die verschiedenen Gläser

Wein, an die vorgetragenen Gedichte und Lieder. Ich hoffe, dass die Pförtnerabende zum nächsten Martinstag wieder weiträumig stattfinden können—vielleicht dann auch in weiteren Orten und Ländern?

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THEODOR BORRMANN AL. PORT. 2008 – 2012


Der Zukunftsbaum

100 BLÄTTER FÜR DEN NACHWUCHS!

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Im Sommer sorgte ein heruntergebrochener Starkast der Platane für eine kurze Schockwelle. Im Querschnitt der Bruchstelle war Pilzbefall zu erkennen und die Verwaltung der Landesschule sperrte aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht wegen Bruchgefahr das Areal um den Baum. Ob je wieder eine Rast oder Begegnung unter dem Baum gestattet werden könne (einschließlich der Nutzung der von Ehemaligen gespendeten und vom Pförtner Bund erneuerten Rundbank), oder das Areal dauerhaft abgegrenzt werden muss, stand als Frage im Raum. In einem Gespräch mit der Verwaltung der Landesschule Pforta haben der Prokurator der Stiftung Schulpforta und ich, als Vorsitzender des Pförtner Bundes, kurz vor den Sommerferien den dringenden Wunsch zum Ausdruck gebracht, vor einer letztgültigen Entscheidung diesbezüglich, Fachleute zu beauftragen, den Zustand der Platane zu begutachten und geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, den Baum zu erhalten und vielleicht sogar die Zugänglichkeit wieder herzustellen. Beide Förderer der Landesschule haben Unterstützung zugesagt, wenn

diese dazu führt, den Solitär zu erhalten bzw. zu sichern und die Fläche unter dem Baum der Allgemeinheit möglichst wieder zur Verfügung stellen zu können. Schließlich profitieren davon nicht nur derzeitige SchülerInnen und Ehemalige sondern auch Gästegruppen und TouristInnen, die den Park bei Gruppenführungen und individuellen Erkundungen lieben lernen. Diesem Wunsch schloss sich nicht nur die Verwaltung der Landesschule an, sondern auch der zuständige Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt, der das anerkannte Dresdner Gutachter-Büro Happy Tree von Dipl.-Ing. Matthias Goede mit einem Gutachten beauftragte. Anfang September waren sowohl Gutachterteam, als auch Vertreter der Landesschule, des BLSA, der Stiftung Schulpforta und des Pförtner Bundes vor Ort, um die Sachlage zu erörtern. Baumgutachter Goede und sein Team begannen anschließend mit den Untersuchungen – auch mithilfe von Klettertechnik. Das Ergebnis liegt seit Ende Oktober vor. Ich wurde dankenswerterweise direkt durch Jens Trautmann vom BLSA informiert. Um den nächsten Schritten nicht vorzugreifen, sei so viel gesagt: der Platane geht es nicht so

Der Zukunftsbaum | 65


schlecht wie gedacht. Aber sie kommt trotz allem in ihre letzte Lebensphase. Das Gutachten schätzt eine Restlebensdauer von 15 bis 20 Jahren. Die (auch älteren) Bruchstellen zeigen Morschungen, Nekrosen und Befall vom Zottigen Schillerporling. Auch Massaria-Befall ist teilweise festgestellt worden. Einzelne Starkäste zeigen erhöhte Bruchgefahr. Der Stammbereich ist nicht gefährdet. Einschränkungen in der Verkehrssicherheit ergeben sich nur aus der Schadproblematik im Kronenbereich. Zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit schlägt das Gutachterbüro baumpflegerische Maßnahmen vor, die sachgerecht von einem erfahrenen Team ausgeführt werden sollten. Dazu zählen unter anderem die Kroneneinkürzung in Höhe und Seite um circa zwei bis drei Meter, einzelne Starkäste auch um drei bis vier Meter, außerdem Kronenpflege und Totholzeinkürzung sowie die regelmäßige visuelle Baumkontrolle. Wir werden als Förderer das weitere Vorgehen mit Aufmerksamkeit und bei Bedarf finanzieller Unterstützung begleiten. Ob all diese Maßnahmen, wenn sie denn ausgeführt worden sind, das gewünschte Ergebnis, nämlich die Abgrenzung wieder entbehrlich zu machen, bringen, bleibt bis zum Abschluss der Arbeiten offen.

66 | Der Zukunftsbaum

Um jedoch dem hoffentlich langsamen Ende unserer geliebten Platane etwas entgegenzusetzen, hat der Vorstand des Pförtner Bundes in seiner Vorstandssitzung im Herbst beschlossen, die Neuanpflanzung einer jungen Platane im hinteren Parkbereich vorzubereiten, zu finanzieren und in Abstimmung mit Schule und Verwaltung auch umzusetzen. Dazu hat sich unser Vorstandsmitglied Bodo Zeymer fachliche Unterstützung bei Dr. Axel Schneidewind von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt geholt. Dieser leitete bis zu seiner kürzlichen Pensionierung den Fachbereich Kompetenzzentrum Garten– und Landschaftsbau in Quedlinburg und hat bereits konkrete Vorschläge zu Baumart und geeigneter Baumschule unterbreitet. Beide würden auch gemeinsam unseren Zukunftsbaum aussuchen und die Pflanzung in Pforta organisieren. Im Vorstand herrschte Einigkeit, dass dieser Vorgriff gerade jetzt richtig ist. Vielleicht hat unsere neue Platane 20 oder 30 Jahre Zeit zu wachsen und zu gedeihen, bevor wir uns von der rekordverdächtigen im westlichen Parkteil verabschieden müssen. Ein schöner Treffpunkt soll aber auch bald schon das neue Areal werden. Gegebenenfalls lassen sich um die Neupflanzung auch moderne Wellen-


liegen, bzw. Wellenbänke aufstellen, die Gäste und SchülerInnen einladen, unserem Pflanzen-Nach-Wuchs beim Wachsen zuzuschauen. Sowohl für Neupflanzung als auch Bewahrung unserer alten Platane erhoffen wir Ihre Unterstützung und sammeln »100 Blätter für den Nachwuchs«, wobei jedes Blatt 100 Euro wert ist. Wir beabsichtigen, alle Spender in jeweils einem symbolischen Blatt zu verzeichnen und diese Grafik als Spendertafel neben dem neuen Baum aufzustellen. Helfen Sie bitte unserer alten und unser künftigen neuen Platane mit Ihrer Spende! Pförtner Bund e.V. Verwendungszweck »Platane« Deutsche Bank Naumburg IBAN: DE46860700240646337600 BIC: DEUTDEDBLEG

Foto: Sophie Müller

MATTHIAS HAASE AL. PORT. 1983 – 1987 VORSITZENDER DES PFÖRTNER BUNDES E.V.

Der Zukunftsbaum | 67


Zur Restaurierung des Lamprecht-Grabmals

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Die Planungsphase zur Restaurierung des Grabmals von Karl Lamprecht konnte abgeschlossen werden. Das 3 Tonnen schwere Kunstwerk verweilte bis Anfang Dezember auf dem Schulpfortenser Friedhof, von wo aus es Anfang Dezember seine kurze Reise zur Bauhütte Naumburg antrat. Dank zahlreicher kleiner und großer Spendenbeträge haben dort die Restaurierungsarbeiten begonnen. Herzlichen Dank! Wir können uns überraschen lassen, welche Geheimnisse die Erneuerung zutage fördern. Zu den Inschriften gibt es noch einige offene Fragen. So war bisher nur ein Teil gut zu erkennen. Vermutlich ziert ein Wort aus dem Matthäus-Evangelium (Kapitel 5, Vers 8) das Grabmal: Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Wir hoffen, dass das Grabmal im Frühsommer in neuem Glanze wieder auf dem Friedhof erstrahlen kann. Für das Vorhaben hoffen wir auf weitere Spenden. SUSANNE NEUPERT AL. PORT. 2000 – 2005

Foto oben: Susanne Neupert Foto unten: Matthias Haase

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Die Gefallenentafel im Chor der Kirche

Seit Jahrzehnten bot die Gefallenentafel (1914 – 1918) an der Nordseite des Chores unterhalb der Trinitatis-Kapelle ein trauriges Bild. Durch Nässe in der Wand, die noch aus VorwendeZeiten stammt, hatte sich der Putz gelöst, Blasen geworfen und bröckelte ab. Immer wieder im Gespräch, wurde die Restaurierung jedoch verschoben, weil zuerst das Grisaille-Fenster eingesetzt und die gesamte Wandfläche in dessen Bereich saniert werden sollte. Nun ist die Restaurierung jedoch erfolgt und seit Anfang Dezember 2020 kann die nach fast 100 Jahren in neuem Glanz erstrahlende Wandmalerei bewundert werden. Vermutlich waren es der engagierte ehemalige Schüler Oskar Kahle (al. port.1887 - 1892) und der geistliche Inspektor Maximilian Meichssner, die sich zu Beginn der 1920er Jahre die Anbringung einer Gedenktafel für die gefallenen ehemaligen Schüler der Landesschule im 1. Weltkrieg initiierten. Dass natürlich auch der damalige Rektor der Landesschule, Friedrich Wilhelm Schmidt, seine Zustimmung gegeben haben muss, versteht sich. Nach der etwas dürftigen Quellenlage im Archiv der Landesschule war 1923, anlässlich des Gottesdienstes beim Schulfest, die Kollekte zugunsten der Gefallenentafel gesammelt worden. Insgesamt kamen 640.000,- Mark (!) zusammen. Doch die hohe Summe täuscht. Die Inflation machte es erforderlich, dass alle Ehemaligen noch

einmal zu Spenden aufgerufen wurden, denn nun benötigte die Schule bereits fünf Milliarden Mark. Die Kosten teilten sich Schule und ehemalige Schüler, wobei die Schule den größeren Teil übernahm. Sie sorgte für Material, Maurerarbeiten, Gerüst und Beköstigung des Künstlers. Die Ehemaligen übernahmen die Bezahlung des Künstlers. Am Totensonntag 1923 sollte die Tafel enthüllt werden. Ob das geschehen ist, lässt sich dem Ecce-Bericht von 1923 leider nicht entnehmen, es scheint aber eher nicht so. Dafür lässt sich aber die Weihe der neuen Tafel belegen. Zum Schulfest 1924 stand der Gottesdienst im Zeichen der Weihe der neuen Gedenktafel. Insgesamt sind 278 Namen auf der in einzelne Jahresfelder unterteilten großen Tafel zu lesen. Der Text der Schulfestpredigt wurde auf die heilige Stätte gedeutet, die nun im Altarraum dem Gedächtnis der im Krieg Gefallenen dienen sollte. Unter dem Gesang des Ecce weihte der geistliche Inspektor Meichssner die Tafel. Eine erneute Gedächtnisfeier gab es nach den Sommerferien, wobei die Schüler die Tafel mit frischem Grün schmückten. Anlass war hier vermutlich der Ende Juli landesweit begangene Gedenktag für die Opfer des Weltkrieges. 1925 fertigte dann der damalige Verwaltungssekretär August Wolter ein sehr professionelles Foto von der Tafel an, so dass man darauf die Namen lesen konnte. Die Fotoabzüge konnten

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Foto: Matthias Haase von Interessenten zum Selbstkostenpreis käuflich erworben werden. Glücklicherweise besitzt auch das Schularchiv noch einen Abzug dieser Fotografie, die es ermöglichte, die Restaurierung der Gedenktafel ohne große Recherchen vorzunehmen. Durch die starke Beschädigung der Gefallenentafel waren viele Namen völlig unleserlich geworden. Da aber alle Namen auf dem Foto hervorragend zu erkennen waren, ließ sich die Schrift in den beschädigten Bereichen wieder ergänzen. Die farbliche Gestaltung, die aus dem schwarz/weiß Foto natürlich nicht hervorging, war durch die noch erhaltenen Teile ebenfalls unproblematisch zu ermitteln. Allerdings mussten auch noch erhaltene Bereiche der Tafel überarbeitet

werden, weil die Schrift stellenweise so verblasst war, dass man sie nur noch mit Mühe lesen konnte. Um einen harmonischen Gesamteindruck zu erhalten und vor allem die Lesbarkeit der Namen zu gewährleisten, erfolgte zusätzlich eine Behandlung der gesamten Tafel mit Lasur, wodurch Kontraste verstärkt und die Schrift besser lesbar wurden. Heute nun teilen sich die knapp 19.000,- Euro Gesamtkosten für die Restaurierung die Pförtner Bund-Stiftung mit 3700 Euro und die Hans-und-Friederun-Hadlich-Stiftung mit fast 15.300,- Euro.

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PETRA MÜCKE AL. PORT. 1982 – 1986 BIBLIOTHEKARIN


Haushaltsrechnung vom 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2019

1. EINNAHMEN- UND AUSGABENRECHNUNG 1. Einnahmen

Mitgliedsbeiträge Spenden Zins- und Kurserträge Einnahmen aus Umsatzerlösen Summe Einnahmen

2. Ausgaben

31.12.2019 EUR

16.622,23 25.405,73 71,05 2.676,30

44.775,31

Abschreibungen Übrige Ausgaben Ausgaben für sonstige betriebliche Aufwendungen

1.428,00 34.708,82 342,51

Summe der Ausgaben

36.479,33

Vereinsergebnis

8.295,98

VERMÖGENSENTWICKLUNG – STATUS

Vermögensposten Inventar Bankguthaben PB 10584 200 DB 6463376 00 DB 6463376 68 DB 6463376 69 SPK BLK (wurde aufgelöst)

Summe

31.12.2019 EUR 1.666,00 79.960,37 43.718,94 134.180,66 39.879,21 1.223,86

298.963,04

Haushaltsrechnung | 71


Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung Versammlungsort: Schulpforte, Durchgang des Gotischen Hauses Zeit: 14:15 – 16:40 Uhr Versammlungsleiter: Paul Pasieka Protokollantin: Anne Hultsch Anwesend: 30 stimmberechtigte Mitglieder des Pförtner Bundes e. V. Stimmrechtsübertragungen: 9 abwesender Mitglieder + 2 während der Versammlung wegen vorzeitigen Verlassens Alle Abstimmungen erfolgen mit gesamt 39 Stimmen. Die Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung erfolgte fristgerecht.

Begrüßung Haase begrüßt die Anwesenden.

Grußwort – Thomas Schödel – rector portensis Schödel dankt dem Pförtner Bund für die gewährte finanzielle und personale Unterstützung. Die Gestalt der letzten legt er am Beispiel der Orientierungsseminare ausführlicher dar. Zweitens gewährt er sowohl in der Rück- wie auch der Vorausschau Einblick in den herausfordernden Schul- und Internatsbetrieb in Zeiten der Pandemie (von vom Verderben bedrohten Lebensmitteln in Schülerzimmern bis zu digitalen

Klausuren, von der Unterteilung der Schülerschaft in sog. ›Kohorten‹ bis zu Hygieneregeln bei der Musikausbildung). Die Gesamtsituation werde aber bisher von allen gut gemeistert, so dass das Ziel darin bestehe, den gegenwärtigen Zustand möglichst das gesamte Jahr aufrecht erhalten zu können. Drittens geht Schödel auf das Baugeschehen ein. Die Fertigstellung des Mühlengebäudes wird nun für das Frühjahr 2022 erwartet. Die – v. a. energetische – Sanierung des Schulgebäudes, von dem auch die Aula betroffen sein wird, soll 2021 beginnen und wird circa drei Jahre währen. Pasieka wird als Versammlungsleiter bestätigt. TOP 5 soll vor TOP 4 behandelt werden. Die mit der Einladung versandte Tagesordnung wird angenommen.

TOP 1: Bericht des Vorsitzenden Wichtige Eckpunkte der Arbeit im Berichtszeitraum können der Einladung zur Versammlung entnommen werden. Über die Förderung (von Schülern vorgebrachte Anliegen; selbst initiierte Anliegen wie das Lamprecht-Grabmal, Kerzenlaterne in der Ewigen Lampe, Stromversorgung im Park, Erhalt der Gefallenentafel in der Klosterkirche als Projekt der Unterstiftungen innerhalb der Deut-

72 | Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung


schen Stiftung Denkmalschutz) wird gemeinsam in den zweimal jährlich stattfindenden Vorstandssitzungen entschieden. Auch die Vereinsarbeit erfolge derzeit unter erschwerten Bedingungen, da viele geplante Aktivitäten der Schüler, deren (anteilige) Finanzierung der Pförtner Bund zugesichert hatte, nicht durchgeführt werden konnten. Von der Pandemie betroffen ist ebenfalls die Mitgliederwerbung, weil kein Abiturientenkaffeetrinken stattfinden konnte. Dennoch konnten aus dem letzten Abiturjahrgang 40 neue Mitglieder gewonnen werden. Außerdem ist derzeit der persönliche Kontakt zur Schule, dem Rektor, der Stiftung nur eingeschränkt möglich. Die Datenerhebung im Zuge der Anpassung an die DSGVO habe einen erfreulichen Rücklauf ausgelöst und auch zur Nachzahlung noch offener Beiträge geführt. In den letzten zwei Jahren konnten 160 neue Mitglieder begrüßt werden, was einem Zuwachs von 10% entspreche. Die Altersstruktur der Mitglieder verändere sich jetzt langsamer, hinsichtlich der Spendenbereitschaft komme den über 70jährigen nach wie vor die entscheidende Rolle zu. Im Vorfeld der bevorstehenden Wahlen und der Neuaufstellung des Vorstandes ergeht ein herzlicher Dank an die scheidende Schatzmeisterin Haferburg (ehemals Pohland), deren

Arbeit ebenso gewürdigt wird wie die des ebenfalls aus dem Vorstand ausscheidenden Maser, unter dessen Vorsitz seinerzeit das Zentrum Pförtner Bund bezogen und die Verbindungen zur Schule verstetigt werden konnten. Haase sichert zu, daß der Pförtner Bund sich in jeder möglichen Weise für den Erhalt der Platane, deren Zustand Sorgen bereite, einsetzen werde. Ein Ortstermin mit einem Baumgutachter stehe bevor.

TOP 2: Bericht der Schatzmeisterin Der ausführliche Bericht liegt als gesonderte Anlage vor und wurde vorab über www.pforta.de zugänglich gemacht. Die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen beliefen sich 2018/2019 auf 32.864,46 EUR, aus Spenden auf 54.399,86 EUR, aus dem Verkauf von Publikationen auf +/– 3000 EUR/Jahr. Die Freistellungsbescheide zur Förderung der satzungsgemäßen Zwecke wurden erteilt. Es wird allen Spendern, von denen einige exemplarisch namentlich erwähnt werden, gedankt. Ausgewählte Projekte, die gefördert wurden, werden genannt (vgl. Einladung zur Versammlung). Herzlicher Dank an Rektor, Vorstandskollegen, Prokurator der Stiftung für die gute Zusammenarbeit und kurzer Rückblick auf die Amtszeit, die nun

Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung | 73


nach 12 Jahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge beendet werde.

TOP 3: Berichte der Rechnungsprüferinnen für die Haushaltsrechnungen 2018 und 2019 Die Prüfung erfolgte im Mai d. J. durch Kerstin Hoffmann und HansPeter Spengler. Letztgenannter ver­liest den Kassenprüfbericht, in welchem die Ordnungsgemäßheit des Rechnungswesen und der Jahresabschlüsse bestätigt wird. Der Bericht über die Kassenprüfung liegt als gesonderte Anlage vor und wurde vorab über www.pforta.de zugänglich gemacht.

TOP 5: Bericht der Archivarin Haase verliest aufgrund der Abwesenheit der Archivarin den Bericht. Neben der Inventur des Gesamtbestandes wurden für einzelne Objekte archivalisch bessere Lösungen gesucht, die jedoch zu einem größeren Volumen des Gesamtbestandes führen. Auch das Illgen-Archiv (Bestand Meinerzhagen) sei nach dem Tod dessen Begründers noch etwas angewachsen. Beides weise auf einen erhöhten Platzbedarf hin, der u. a. durch die Abgabe von Dubletten gegen Spenden gewonnen werden soll.

TOP 4, TOP 6: Entlastung des Vorstandes und der Rechnungsprüferinnen, Vorstandswahlen und Wahl der Rechnungsprüferinnen Zur Wahlleiterin wird per Akklamation Nanny Schedler bestimmt. Einstimmig wird für die Entlastung des Vorstandes en bloc gestimmt. Der Vorstand wird einstimmig entlastet. Zunächst wird darüber entschieden, bereits amtierende Vorstandsmitglieder in ihrem Amt zu bestätigen. Das betrifft: Haase, Hultsch, Pasieka für den geschäftsführenden Vorstand im Sinne § 26 BGB; Mücke, Müller, Sommer für den erweiterten Vorstand. Die Wahl en bloc wird einstimmig angenommen. Die Wiederwahl der genannten Personen erfolgt bei drei Enthaltungen ohne Gegenstimmen. Alle nehmen die Wahl an. Als neue Kandidaten stellen sich kurz persönlich vor: Franziska Baum, geb. Teichert (al. port. 1996–2000), Maximilian Böck (al. port. 2007–2011), Karolin Huster (al. port. 2015–2019), Tobias Köhler (al. port. 1983–1987), Susanne Neupert, geb. Löhne (al. port. 2000–2005), Bodo Zeymer (al. port. 1971–1975). Böck und Köhler kandi-

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dieren für den geschäftsführenden Vorstand im Sinne § 26 BGB, alle anderen für den erweiterten Vorstand. Die noch nicht amtierenden Kandidaten werden einzeln gewählt. Alle werden mit 38 Stimmen und jeweils einer Enthaltung gewählt. Alle nehmen ihre Wahl an. Der neue Vorstand setzt sich somit folgendermaßen zusammen: • geschäftsführender Vorstand im Sinne § 26 BGB: – Matthias Haase (Vorsitzender) – Maximilian Böck (stellv. Vorsitzender) – Tobias Köhler (Schatzmeister) – Anne Hultsch (Schriftführerin) – Paul Pasieka (stellv. Schriftführer) • erweiterter Vorstand/Beisitzer: – Franziska Baum – Karolin Huster – Petra Mücke – Sophie Müller – Susanne Neupert – Dagmar Sommer – Bodo Zeymer Die beiden Rechnungsprüfer werden bei zwei Enthaltungen und keinen Gegenstimmen entlastet. Kerstin Hoffmann und Hans-Peter Spengler werden einstimmig erneut zu Rechnungsprüfern gewählt.

Haase dankt allen, die sich zur Wahl gestellt und ihre Wahl angenommen haben und verleiht seiner Hoffnung auf eine (weiterhin) fruchtbare Zusammenarbeit zum Wohle der Schule Ausdruck.

TOP 7: Berufung des früheren Vorsitzenden Prof. Dr. Peter Maser zum Ehrenvorsitzenden Peter Maser, der seit 1957 mit Pforta verbunden ist, wird einstimmig zum Ehrenvorsitzenden berufen. Er macht sofort von seinem Recht Gebrauch, dem Vorstand Empfehlungen für seine Arbeit auszusprechen, indem er darum bittet, die lang angemahnte Illumination des Torhauses nicht aus dem Blick zu verlieren.

TOP 8: Verschiedenes Böck stellt pforta-netzwerk.de vor und lädt zur Anmeldung und Nutzung ein. Über den aktuellen Stand liegt ein Handout vor. Die Verteilung der Informationen (gedruckte PfortaInfo, pforta.de, pforta-netzwerk.de, Facebook-Seite der Landesschule etc.) wird in Absprache mit den einzelnen Akteuren gezielt gesteuert. Es erfolgt auf Bitten einer Schülermutter der Aufruf, sich durch die Übernahme von Patenschaften

Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung | 75


für die Sanierung der wertvollen Tierpräparate, die sich im Besitz der Schule befinden, einzusetzen. Sylvia Heyder (mag. port.) plädiert für die übergreifende Zusammenarbeit von Lehrern, Schülern, Ehemaligen zur Entwicklung von Marketingstrategien zur Gewinnung jüngerer Schüler. Für die (bevorstehenden?) Gänseessen wird die kreativste coro-

nakonforme Lösung gesucht, die unter Einhaltung der länderspezifischen Regelungen für maximale Dezentralisierung sorgt. Weiter offene Fragen bleiben derzeit hinsichtlich des ECCE, der Weihnachtskonzerte und anderer regelmäßig an der Schule ausgetragener Veranstaltungen bestehen. Dresden, am 01. September 2020 gez. Hultsch – Schriftführerin – gez. Haase – Vorsitzender –

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Foto: Trevor Johnson


Ecce 2020 Friedrich Lochner al. port. 1939 – 1945 * 1.7.1928 † 21.3.2019 Peter Seelig MDP Gymnasialmusiklehrer al. port. 1997 – 2000 v. * 5.5.1981 † 8.11.2019 Jochen Kreyssig MDP 1992 bis 2004 Vorsitzender und danach Ehrenvorsitzender des Pförtner Bundes al. port. 1946 – 1950 v. * 2.7.1929 † 2.1.2020

Dr. phil. Manfred Simon MDP mag. port. 1957 – 1959 letzter Latein- und Griechischlehrer in Schulpforte bis zum Ende der DDR * 30.1.1934 † 3.12.2019 Peter Schmidt MDP Theologe al. port. 1947 – 1949 v. * 18.2.1932 + 24.11.2019 Bernhardt Christian Haferkorn MDP al. port. 1947 – 1952 v. * 28.9.1933 † 16.11. 2019

Hans Hermann Grote MDP Oberstudienrat, Vater eines Pfortensers * 22.9.1950 † 9.1.2020

Manfred Langer MDP Bibliotheksrat al. port. 1947 – 1952 v. * 26.6.1935 † 22.2.2020

Martin Dürr Probst i.R. al. port. 1946 – 1948 v. * 9.12.1929 † 27.8.2019

Dr. rer. nat. habil. Ernst-Jürgen Langrock Chemiker al. port. 1957 – 1961 v. * 28.4.1943 † 18.2.2020

78 | Ecce 2020


Dr. med. Herbert Klengel MDP Facharzt für radiologische Diagnostik al. port. meinerz. 1968 – 1970 * 27.1.1951 † 09.1.2020 Dr. Hans Herrmann MDP Allgemeinmediziner al. port. 1945 – 1949 v. * 5.4.1931 † 21.3.2020 Prof. Dr. Joachim Gernhuber Rechtswissenschaftler al. port. 1936 – 1940 * 18.7.1923 † 17.7.2018 Thomas Michael Ritter MDP Dipl. Soziologe al. port. 1987 – 1989 v. * 6.1.1971 † 6.9.2019 Kurt Stempell Dipl.-Ing., Mitglied der CDUFraktion u. Präsidium des sächs. Landtags al. port. 1952 – 1956 v. * 1.5.1938 † 22.3.2020

Dr. Karl Hagemann Zahnarzt und Politiker al. port. 1955 – 1959 v. * 10.7.1941 † 10.11.2019 Winfried Hörig al. port. 1971 – 1975 v. * 28.10.1956 † 30.4.2020 Franz Heydt al. port. 1951 – 1954 * 12.4.1936 † 13.7.2019 Elsa Leiß geb. Hirsemann Dipl. Journalistin al. port. 1951 – 1954 v. * 1.6.1936 † 29.1.2020 Benjamin Oehlschlägel MDP al. port 2010 – 2014 v. * 22.10.1995 † 21.5.2020 Dietrich Kaulbach al. port. 1952 – 1953 * 1.8.1934 † 7.8.2019

Ecce 2020 | 79


Wilhelm Joppich MDP Studiendirektor i.R. al. port. 1946 – 1947 v. * 27.9.1929 † 23.2.2020 Georg Richter MDP Pfarrer al. port. 1947 – 1952 * 19.3.1934 † 15.10.2019 Karl-Hermann Illge Dipl. Landwirt ext. port. 1950 – 1953 v. * 13.8.1935 † 31.7.2020 Hanns Dietrich Bartsch MDP Arzt für Innere Medizin und Arbeitsmedizin al. port. 1961 – 1965 v. * 5.9.1946 † 24.7.2020 Bernd Köhler Dipl.-ing.-Päd. Fachrichtung Elektrotechnik-Elektronik al. port. 1959 – 1963 v. * 14.9.1944 † 1.8.2020

80 | Ecce 2020

Siegfried Hofmann Geschäftsführer al. port. 1953 – 1955 * 2. 11.1939 † 14.4.2020 Inge Hofmann, geb. Nordmann Finanzbearbeiterin al. port. 1953 – 1953 * 28.9.1939 † 4.9.2020 Karl-Heinz Beier Ingenieur al port 1955 – 1957 v. * 15.3.1938 † 12.09.2020 Monika Steckert, geb. Ludwig al. port. 1955 – 1958 v. * 11.8.1940 † Februar 2019 Dr. Axel Hübschmann MDP Mediziner al. port. 1945 – 1949 * 18.4.1931 † 20.10.2020 OL Klaus-Dieter Weigert Sportlehrer al. port. 1954 – 1958 v. * 23.1.1939 † 9.10.2019


Otto Hannes Ther MDP al. port. 1939 – 1945 * 11.4.1929 † 23.1.2020 Hans Schubert Historiker und Politologe al.port. 1949 – 1952 * 11.5.1934 † 11.8.2020 Sigurd Gericke Dipl. Ing. Architekt al. port. 1957 – 1959 v. * 4.10.1940 † 23.9.2020

Christoph Illgen MDP Lehrer für Mathematik / Physik * 21.10.1937 † 17.11.2019 mag. port. meinerz. 1967 bis zur Auflösung 1998 Begründer des Archivs der Ev. Landesschule zur Pforte in Meinerzhagen (heute: Illgen Archiv im Archiv des Pförtner Bundes e.V.) Barbara Seidelt, geb. Judersleben al. port. 1955 – 1955 * 26.4.1940 † 21.7.2018

Dr. Peter Kaulfersch al. port. 1955 – 1959 * 25.5.1941 † 14.10.2018

Günther Jäckel mag. port. meinerz. *28.8.1938 † 1.11.2020

Karl-Heinz (Charly) Stock Sport-Physiotherapeut bei Borussia Mönchengladbach al. port. 1948 – 1952 v. * 11.4.1936 † 22.5.2019

MDP: Mitglied des Pförtner Bundes

Prof. Dr. Horst Sitta Linguist an der Universität Zürich Mitglied der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung. al. port. 1948 – 1953 v. * 5.5.1936 † 25.5.2020

Ecce 2020 | 81


In Memoriam HORST SITTA

* 05. Mai 1936 † 25. Mai 2020

A

Am 25. Mai dieses Jahres verstarb Dr. phil. Dr. h.c. Horst Sitta im Alter von 84 Jahren. Geboren worden war er am 05. Mai 1936 in Teplitz-Schönau. Nach ihrer Vertreibung aus dem Sudetenland ließ sich seine Familie in Mücheln nieder. Horst Sitta besuchte von 1948 bis 1953 den altsprachlichen Zweig der Landesschule Pforta und wechselte dann an das TheodorHeuss-Gymnasium Heilbronn, wo er 1955 sein Abitur ablegte. An der Eberhard-Karls-Universität Tübingen studierte er Latein und Griechisch sowie Germanistik für das Lehrfach und schloss 1960 sein Studium mit dem Staatsexamen ab. 1961 folgte seine Promotion, und er unterrichtete von 1961 bis 1965 zuerst als Referendar und später als Studienassessor am Karls- Gymnasium in Stuttgart Deutsch, Lateinisch und Altgriechisch. 1966 wechselte Professor Sitta als wissenschaftlicher Assistent an den Lehrstuhl für Deutsche Philologie am Germanistischen Institut der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Dort habilitierte er sich 1971 in Deutscher Philologie. 1971 wurde er zum Professor für Deutsche Sprache und Literatur sowie ihre Didaktik ernannt.

82 | In Memoriam: Horst Sitta

1976 folgte er einem Ruf an das Deutsche Seminar der Universität Zürich als Professor für Deutsche Sprache unter Berücksichtigung der Gegenwartssprache. Dort war er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2001 tätig. 1996 verlieh ihm die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg für seine Sprachforschungen die Ehrendoktorwürde. Prof. Sitta war Grammatiker mit Leib und Seele. Er setzte in der germanistischen Grammatikschreibung wie auch in der Deutschdidaktik Standards, die bis heute Gültigkeit besitzen. Dabei war es für ihn immer selbstverständlich und notwendig, Fragestellungen der deutschen Grammatik in konkreten Anwendungstexten zu entwickeln. Neben Grammatik gehörten vor allem auch Pragmatik, Schreibforschung und Textlinguistik zu seinen Forschungsbereichen. Horst Sitta prägte die Grammatikschreibung des Deutschen und die Sprachdidaktik nachhaltig. Sein Wirken erreichte neben der akademischen Germanistik auch die breite Öffentlichkeit. Viele wissenschaftliche Veröffentlichungen bezeugen seine intensive Forschertätigkeit. Noch weit über seine Emeritierung hinaus blieb Horst Sitta wissenschaftlich aktiv. Von 2008 bis 2013 als Vertragsprofessor an der Freien Universität Bozen, von 2012 bis 2018 als Leiter


der historisch-kritischen Edition der Werke Johann Caspar Lavaters und ebenso als Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Beiträge – zuletzt als Mitautor einer vierbändigen vergleichenden Grammatik der Sprachen Deutsch, Ladinisch und Italienisch. Prof. Sitta war ein äußerst beliebter Hochschullehrer und hat Generationen von Studierenden für sprachwissenschaftliche und sprachdidaktische Fragestellungen begeistert. Wer ihn persönlich kannte, war fasziniert von seiner Fähigkeit, in fachlichen und privaten Gesprächen Ernsthaftigkeit mit humoristischem Blick auf die Welt wie auf seine eigene Zunft zu verbinden. Seine Liebe zu seinem Forschungsgegenstand – der Sprache – und seine Warmherzigkeit bleiben allen in Erinnerung, die ihn näher gekannt haben. Prof. Dr. Horst Sitta war immer stolz auf seine Schulzeit in Schulpforte, die in ihm Interesse und Leidenschaft für die klassische Philologie sowie die deutsche Sprache geweckt hatte. Er fühlte sich der Schule sein ganzes

Leben lang verbunden und traf sich immer wieder mit Klassenkameraden, die mit ihm einen liebenswerten, aufgeschlossenen und stets bescheidenen Freund verlieren. Have cara anima. FRANK MÜLLER-RÖMER AL. PORT. 1948 – 1952

In Memoriam: Horst Sitta | 83


In Memoriam CHRISTOPH ILLGEN

* 21. Oktober 1937 † 17. November 2019 Mitglied des Pförtner Bundes

C

Christoph Illgen wurde im Oktober 1937 in Wurzen geboren. Diese sächsische Kleinstadt konnte seine Mutter mit ihren drei Kindern noch im Mai 1949 gen Bielefeld verlassen, wo sich der Vater nach seiner Entlassung aus der britischen Kriegsgefangenschaft befand. In Bielefeld legte Christoph Illgen dann auch 1956 das Abitur ab. Nach seinem Studium der Mathematik, das er von 1956 bis 1963 in Münster und Saarbrücken absolvierte, kam er nach einem Referendariat in Recklinghausen 1967 als frischer Absolvent an die sich noch in Gründung befindende Evangelische Landesschule zur Pforte in Meinerzhagen, der er bis zum Ende ihres Bestehens treu und engagiert verbunden blieb. Er gehörte mithin zu jenen Lehrern, die vom nullten bis zum letzten Tag zum Kollegium zählten, was in diesem Falle ja hieß, nicht nur als Fachlehrer, sondern auch als Hebdomadar und Tutor rund um die Uhr für die Schüler und ihre Belange da zu sein. Dass ihm dies bestens gelang, davon zeugt, dass es kaum ein Klassen- oder Ehemaligentreffen gab, bei dem er nicht freudig begrüßt worden wäre. Dazu trug sicherlich nicht unwesentlich seine Begeisterung für die Astro-

84 | In Memoriam: Christoph Illgen

nomie bei, die er vielen Schülern in Arbeitsgemeinschaften weitervermittelte. Mit dem Ende der Schule endete allerdings längst noch nicht sein sehr verständnisvoller Einsatz für diese Einrichtung und ihre Tradition, denn er baute in mühevoller Arbeit über viele Jahre ein Archiv auf, in dem er all das sammelte, katalogisierte und für die weitere Nutzung aufarbeitete, was im Zusammenhang mit der Geschichte der Meinerzhagener Schule, deren Lehrern, sonstigen Beschäftigten und Schülern steht. Das materielle Erbe sollte bewahrt werden, um später von dem einst bunten Leben in dieser nunmehr seit 15 Jahren abgerissenen Schule künden zu können. Nach 1989 suchte Christoph Illgen schnell den Kontakt zu portenser Kolleginnen und Kollegen, mit denen er nicht nur in fachlichen Austausch trat, sondern auch gemeinsame Fahrten zu interessanten Weinanbaugebieten Deutschlands unternahm. Seine große Liebe galt jedoch der Oper, die neben den Bayreuther Festspielen, weitere seiner zahlreichen Reiseziele bestimmte. Er war geprägt von einer großen Neugier auf ›die Welt‹, von der er von Meinerzhagen aus einen erstaunlich großen Teil – von China über die Antarktis bis nach Südamerika – erkundete, solange es ihm möglich war.


Christoph Illgen starb nach langer, schwerer Krankheit im November des vergangenen Jahres in der engsten Nähe seiner Schwestern in Tönisvorst. Die Beisetzung fand unter Anteilnahme einer großen Zahl ehemaliger Schüler aller Jahrgänge statt. Sein Name und Geist leben weiter im sogenannten ›Illgen-Archiv‹, das als geschlossene Einheit in das Archiv des Pförtner Bundes integriert ist. Have cara anima. ANNE HULTSCH AL. PORT. MEINERZ. 1990 – 1992

Foto: Doerthe Winter

In Memoriam: Christoph Illgen | 85


Tabula Gratulatoria Vorname Heinrich Heinrich Ilse

Name Zander Heitmann Hossfeld

Erika

Wallat

Klausjürgen

Miersch

Klaus-Herbert Friedrich Werner Werner Peter Rainer Helmut Hans Manfred Friedemann Georg Hartmut Oskar Christoph Malte

Hildebrand Bock Heilemann Leich Vollrath Wohlfeil Pilch Hipp Hiese Gottschick Wohlfeil Kraffczyk-Krahn Schmidt Polster von Bargen

Klaus Günter Klaus-Dieter Klaus-Dieter Reiner Robert-Martin Fritz Hans-Ulrich Hans-Joachim Klaus

Abramowski Feyerabend Scharfenberg Fichtner Kamprath Südmeyer Weidig Schneider Richter Meyer

86 | Tabula Gratulatoria

Pforta 33 – 39 v. 34 – 35 W Volker Hossfeld (27 - 34 v.) W. Berthold W. (33-37) grim. 38 – 43 48 v. 37 – 44 40 – 41 45 – 47 v. 37 – 39 37 – 45 38 – 45 v. 41 – 45 45 – 47 v. 38 – 45 46 – 47 v. 38 – 45 48 – 49 v. 39 – 40 45 – 48 v. fil. Werner v.B. (11 – 16 v.) 47 – 49 41 – 49 v. – 50 v. 46 – 48 v. 40 – 45 40 – 45 47 – 49 v. 40 – 45 48 – 50 v. 45 – 49 v.

MDP MDP MDP

MDP

MDP

MDP MDP

MDP

MDP MDP MDP MDP MDP

MDP

Geburtstag 05.02.1921 11.07.1921 27.08.1921

Alter 100 100 100

21.09.1924

97

27.08.1925

96

11.08.1926 20.08.1926 03.08.1926 31.01.1927 21.02.1927 27.04.1927 21.09.1927 05.02.1928 07.03.1928 30.03.1928 21.01.1929 25.01.1929 01.02.1929 14.07.1929 07.08.1929

95 95 95 94 94 94 94 93 93 93 92 92 92 92 92

26.08.1929 27.08.1929 14.09.1929 08.10.1929 20.12.1929 25.12.1929 19.03.1930 05.04.1930 28.06.1930 13.07.1930

92 92 92 92 92 92 91 91 91 91


Vorname Klaus Klaus Ted Ulrich Burkhard Oldwig Martin Karl-Heinrich Eckart Wilhelm Claus Hans-Hinrich Kirykos Christian Hermann Hartmut Michael Herbert Gisbert Rosemarie Günther Georg Siegfried Frank Erich Klaus Udo Karl-Heinz Heiner Horst Klaus Bernhard Erika Eva-Maria

Name Gallwitz Berger Bössenroth Hildebrand von Fischer Schmiedt Hemmerling Kissling Lutz Behnke Habermann Kotsianos Uhlig Schinkel Dürr Friedrich Gröbner Krusche Bucke Schulz Garbers Pank Müller-Römer Schulze Vogt Gleitsmann Stock Zetzsche Sitta Kuntze Künzel Frenkel Behrends, geb Loock

Pforta 48 – 49 v. – 45 42 – 45 41 – 45 43 – 45 45 – 47 46 – 50 Prok. 96 – 02 A 42, St. Afra St. Afra 42 – 45 47 – 52 v. 44 – 45 51 – 53 47 – 52 48 – 54 v. 50 – 55 v. 50 – 54 v. 48 – 54 v. 47 – 53 v. 46 – 47 48 – 52 v. 48 – 52 48 – 54 v. 50 – 53 v. 48 – 54 v. 48 – 52 52 – 56 v. 48 – 53 51 – 55 v. 55 – 55 v. 50 – 52 v. Naumburg Abi 53

MDP MDP MDP

MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP

MDP MDP MDP MDP

MDP MDP

Geburtstag 14.09.1930 02.10.1930 02.12.1930 14.02.1931 06.03.1931 25.03.1931 29.04.1931 20.07.1931 22.07.1931 27.07.1931 12.08.1931 02.09.1931 20.09.1931 15.01.1936 29.01.1936 31.01.1936 12.02.1936 20.02.1936 23.02.1936 01.03.1936 02.03.1936 24.03.1936 24.03.1936 01.04.1936 05.04.1936 07.04.1936 11.04.1936 12.04.1936 05.05.1936 13.05.1936 22.06.1936 29.06.1936 11.07.1936

Alter 91 91 91 90 90 90 90 90 90 90 90 90 90 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85

Tabula Gratulatoria | 87


Vorname Vilja Jörg Friedhelm Albrecht Hartmut Artur Rudolf Günther Roland Anne-Marie Rosemarie Wolfgang Horst Helga Albrecht Helga Ursula Maximilian Horst Jutta Hans-Ulrich Elfriede Hartmut Helga Ingrid Jürgen Dietrich Helmut

Name Rodigast, geb Kebschull Reling Hirsch von Blumenthal Riebe Denda Walter Engelmann Weber Nießen, geb Richter Voigt, geb Jürries Bauer Krumbholz Wiecker, geb. Hertting Friedrich Hoßbach, geb Weißbach Kalitowski-Adolf Meichßner Dietz Mehler, geb Ihbe Reyher Hübner Steinrück Papenroth, geb Vogt Becker Spatz Rutz Ramisch

88 | Tabula Gratulatoria

Pforta 51 – 55 v.

MDP

Geburtstag 12.07.1936

46 – 50 mag port. 71 bis 91 46 – 50 51 – 55 v. 48 – 54 v. 51 – 55 v. 51 – 55 v. 52 – 56 v. 51 – 55

MDP

28.07.1936 29.07.1936

85 85

MDP MDP

05.08.1936 16.08.1936 03.09.1936 04.09.1936 26.10.1936 02.11.1936 14.11.1936

85 85 85 85 85 85 85

08.12.1936 16.12.1936 19.12.1936 21.12.1936

85 85 85 85

02.01.1941 13.01.1941

80 80

30.01.1941 16.02.1941

80 80

17.02.1941 18.02.1941 29.03.1941 20.04.1941 15.05.1941 24.05.1941

80 80 80 80 80 80

28.05.1941 25.06.1941 06.07.1941 11.07.1941

80 80 80 80

51 51 51 51

– – – –

55 55 55 56

v. v. v. v.

55 – 59 v. 55 – 59 v. 54 – 57 . fil. Joachim M. 55 – 59 v. 55 – 59 v. 55 – 59 v. 58 – 60 v. 55 – 59 v. 55 – 59 v. 55 55 55 55

– – – –

59 59 59 59

v. v. v. v.

MDP

MDP MDP

MDP

MDP

MDP MDP

MDP

Alter 85


Vorname Barbara Rudolf Bernd-Jörg Detlev Ingeborg Christine Renate Utz-Armin Joachim Uwe-Jens Dietmar Gisela Klemens Frank Andreas Emil

Ingeborg Bernd Bernd Walter Karl-Albrecht Dieter Birgit Horst Lutz Annemarie Heinz-Jürgen Karla Marion

Name Gahlert, geb. Schmied Ottilie Paradowski Burkert Witt, geb Möller Pehse Gamisch Tiedge Kraft Jürgensen Schmidt Müller Müller Brügmann Busch Kohler Toepfer, geb Großer Wäldrich Hahn Rühlmann Ziehme Podolski Altvatter, geb Lampe Kaps Lohse Lapatschki Rothe Kirschner, geb Tröbs Hauck

Pforta 55 – 59 v.

MDP

Geburtstag 03.08.1941

Alter 80

58 – 60 v. 56 – 60 v. 56 – 58 56 – 60 v. 56 – 60 v. 56 – 60 v. 56 – 60 v. 56 – 60 v. 55 – 59 v. 56 – 60 v. 58 – 60 v. 56 – 60 v. 56 – 60 v. 60 – 64 v. W. Ilse Kohler (63 – 67v.) 61 – 65 v.

MDP

MDP MDP

21.08.1941 21.08.1941 30.08.1941 10.09.1941 11.09.1941 16.09.1941 21.09.1941 25.09.1941 26.09.1941 29.09.1941 09.10.1941 23.11.1941 26.12.1941 07.01.1946 28.3.1946

80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 75 75

MDP

11.04.1946

75

03.05.1946 18.05.1946 16.06.1946 30.06.1946 18.08.1946 13.09.1946

75 75 75 75 75 75

29.09.1946 12.10.1946 21.11.1946 24.11.1946 10.12.1946

75 75 75 75 75

21.12.1946

75

60 60 61 61 61 61

– – – – – –

64 64 65 65 65 65

v. v. v. v. v. v.

61 61 61 61 60

– – – – –

65 65 65 65 65

v. v. v. v. v.

61 – 65 v.

MDP

MDP MDP

MDP

MDP

MDP MDP

Tabula Gratulatoria | 89


Pfortenser Allerlei *  *  *

Foto: Sophie Müller


Schulpfortes Skyline

Ein Kran ziert nach wie vor die Skyline von Schulpforte – die Mühle ist weiterhin Foto oben: Susanne Neupert | Foto unten: Matthias Haase eine Baustelle.

92 | Schulpfortes Skyline


Hier könnte Ihr Name stehen!

Foto: Sophie Müller, Matthias Haase, Collage: Susanne Neupert

Oder der Name einer Person, den Sie gerne auf einem der im Frühjahr 2020 neu eingetroffenen Kirchenstühle verewigt wissen wollen. Es besteht nach wie vor die Möglichkeit, für eine Namensstiftung zu spenden.

Pförtner Bund e.V. Verwendungszweck »Stühle für Pforta« Deutsche Bank Naumburg IBAN: DE46860700240646337600 BIC: DEUTDEDBLEG Um eine Namensstiftung zu veranlassen, schreiben Sie gerne eine E-Mail an vorstand@pforta.de

Hier könnte Ihr Name stehen! | 93


Von Albatros bis Schneehuhn

Einige unserer »Tiere in Not« aus der historischen Tierlehrsammlung haben freundliche Spender­ Innen gefunden. Wir bedanken uns herzlich für die bereits eingegangenen Spenden! Vom Albatros bis zum Schneehuhn – jede weitere Spende ist eine große Hilfe! Ihre zweckgebundene Spende ist steuerlich absetzbar. Alle Bilder und Kosten erhalten Sie auf Anfrage an vorstand@ pforta.de

94 | Von Albatros bis Schneehuhn


P

Pfortenser Ecken

Pforta ist überall! Dies werden Sie sicherlich selbst schon häufig erlebt haben. Egal wo und mit wem, es gibt oft einen zufälligen Bezug: ob es der Student mit Pforte-Pulli in der Mensa ist, diese eine Bekannte, die schon einmal vom Internatsgymnasium an der Saale hörte, weil ein Kind von Freunden dort lernt, ob es Bezüge zu Jakobs Himmelsleiter in und an Kirchengebäuden überall auf der Welt sind oder der kleine biographische Nebensatz eines Historikers oder einer Journalistin: »lernte von ... bis ... in Schulpforta« – überall finden sich Zusammenhänge.

Erkennen Sie die Tür? Erkennen Sie, wen Sie abbildet? Viel Spaß beim Raten und Erkunden!

Wir möchten einen Versuch starten. In den Schulpforta-Nachrichten wollen wir Platz für diese kleinen feinen Verbindungen schaffen. Wenn Sie eine »Pfortenser Ecke« entdecken, also etwas, das Sie an Pforta erinnert, senden Sie uns gerne ein Bild und einen kleinen erklärenden Text. Den LeserInnen wollen wir Gelegenheit geben, selbst nachzuforschen oder zu erraten, wo sich die Pfortenser Ecke befindet. Das Bild finden Sie auf dieser Seite und die Auflösung auf der nächsten Seite.

Foto: Stephan Neupert

Den Anfang macht Malwine Maser, die eine Haustür mit Pforta-Bezug entdeckt hat.

Pfortenser Ecken | 95


WEISSENFELSER HAUSTÜR MIT PFORTA-BEZUG Am 26. Oktober 2020 veröffentlichte das Naumburger Tageblatt in seinem Lokalteil »Saale-Unstrut« das Doppelbildnis zweier Persönlichkeiten, das der aus Weißenfels stammende Künstler Dieter M. Weidenbach auf die Tür eines Hauses in der Klosterstraße 11 gemalt hat. Beide haben nicht nur Bezug zu Weißenfels, wo die Schriftsteller großenteils lebten, sondern auch zu Pforta: Auf dem rechten Türflügel ist der in Langendorf geborene und in Weißenfels tätige Adolph Müllner (1774-1829) abgebildet, der im Nachbarhaus wohnte. Er war Schüler Pfortas von 1788-1793, wandte sich dann den Rechtswissenschaften zu und reaktivierte in Weißenfels ein Liebhabertheater, für das er dann bald auch Stücke schrieb. Ab 1815 widmete er sich ganz der Schriftstellerei. Seine Bibliothek durfte die auf dem linken Flügel der Tür abgebildete Schriftstellerin Louise von François (1817-1893) schon als junges Mädchen benutzen und wurde so zur Literatur herangeführt. Ab 1855 lebte sie wieder in Weißenfels und verdiente sich durch das Schreiben damals viel gelesener Romane und Erzählungen das Brot. Eine ihrer Erzählungen, »Das Jubiläum«, lässt Louise von François während der 300-Jahr-Feier Pfortas im Jahr 1843 spielen. MALWINE MASER

96 | Pfortenser Ecken

Foto: Stephan Neupert


Z

Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichtes befinden sich Deutschland und nahezu fast alle Länder dieser Erde in Folge der 2. Corona-Welle im vorhergesagten Lockdown. Ungewisse Zeiten stehen bevor. Nachdem wir den ersten Lockdown beenden konnten, begannen die ersten TouristInnen wieder mit ihren Entdeckungstouren die Klosteranlage zu erkunden. Deutliche Einschränkungen durch die Einhaltung notwendiger Hygiene- und Verhaltensregeln in Folge der CoronaPandemie begleiten uns nun auch auf dem Gelände der ehemaligen Klosteranlage. Die Besichtigung der Gebäude, insbesondere des Kreuzganges, ist nur noch im Rahmen gebuchter Führungen möglich. Ein freier Zugang, wie bislang gewohnt, ist im Moment aus bekannten Gründen leider nicht realisierbar. Viele geplante Veranstaltungen und Sonderführung konnten gar nicht oder nur unter starken Einschränkungen durchgeführt werden. Unsere Hoffnungen liegen auf der erfolgreichen Entwicklung und dem Einsatz eines Impfstoffes, um im Jahr 2021 wieder unter normalen Bedingungen Tourismusmanagement durchführen zu können. Schweren Herzens hat sich das Kuratorium der Stiftung Schulpforta nach reiflicher Prüfung dazu entschieden, das Museumsprojekt PORTANEUM vorerst abzubrechen. Nach langer Abwägung wurde einstimmig abge-

stimmt, dass die Fortführung des Projektes unter den derzeitigen Rahmenbedingen nicht darstellbar ist. Die geänderten Vorgaben und Regularien der Fördermittelprogramme und der damit verbundene Anstieg des finanziellen Eigenmittelanteils der Stiftung machten diesen Schritt unumgänglich. Wir suchen nun nach anderen Möglichkeiten zur Förderung des Vorhabens. Dabei sind auch die Gesamtkosten für die Bauleistungen zur Umnutzung des ehemaligen Rinderstalls und Verwirklichung der Museumskonzeption auf den Prüfstein zu legen. Ziel ist hier eine Kostenoptimierung, ohne das hervorragende Gesamtkonzept zu schwächen. Ich darf an dieser Stelle auch im Namen des Kuratoriums allen Beteiligten, die uns in dem bisherigen Entwicklungsprozess begleitet und unterstützt haben, herzlich danken. Bleiben Sie uns bitte auch auf dem weiteren Wege wohlgesonnen. Pforte verdient und braucht dieses Museum! Am 15. Dezember 2020 haben wir unsere Bewerbungsunterlagen für das Europäische Kulturerbesiegel (EKS) beim Projektmanagement in Bamberg abgegeben. Das EKS ist eine europäische Initiative für die Auszeichnung von Kulturerbestätten und Kulturlandschaften, die eine Schlüsselrolle in der Geschichte Europas und der Entstehung der Europäischen Union gespielt haben. Die erste Auswahl er-

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folgte 2013. Es gibt bisher 48 Stätten in Europa, 5 davon in Deutschland. Das Land Sachsen-Anhalt besitzt noch keine. EKS-Stätten dienen zur Vermittlung und Aufklärung über gemeinsames europäisches Erbe und der zugrundeliegenden demokratischen Werte und Menschenrechte. Das Netzwerk der EKS-Stätten dient der Förderung und Zusammenarbeit zwischen Stätten, WissenschaftlerInnen und Fachleuten aller Branchen und dem nachhaltigen Ausbau des Kulturtourismus mit dem Ziel der wirtschaftlichen Stärkung. Das transnationale Projekt mit dem Titel »CISTERSCAPES – Cistercian landscapes connecting Europe« ist ein Zusammenschluss 18 bedeutender und repräsentativer zisterziensischer Klosterlandschaften aus sechs Ländern in Mitteleuropa (Österreich, Tschechien, Deutschland, Frankreich, Polen, und Slowenien). Ausgehend von der französischen Gründungsabtei Cîteaux breitete sich der Orden über die Primarabtei Morimond mit der Gründung von Ebrach 1127 rechts des Rheins aus. Damit kommt der Abtei im heutigen Landkreis Bamberg/ Bayern eine Schlüsselrolle während der Ostexpansion des Ordens zu. Mit der Bewerbung soll auf die große räumliche Strahlkraft bedeutender Klöster aufmerksam gemacht werden. Die Zisterzienser waren der einzige europaweit vernetzte Orden, der auf-

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grund seiner Verfassung, insbesondere der Eigenwirtschaft, in hohem Maße landschaftsprägend war. Die Klosterlandschaften sind ein Spezialfall der historischen Kulturlandschaft und Träger europäischer Identität. Die kulturlandschaftliche Prägung rund um die Klöster ist noch heute in der Landschaft ablesbar. Die Klosterlandschaft Pforte als transnationale Stätte repräsentiert die West-Ost-Bewegung des Zisterzienserordens und dessen zentrale Rolle in Migration und Kulturaustausch. Die Zisterzienser besiedelten, bewirtschafteten und vernetzten das wachsende Europa. Sie bildeten als erste eine europaweit wirksame Organisationsstruktur aus. Als »Kulturlandschaftsgestalter« wirkten sie großräumig prägend. Sie förderten kulturelle und technische Innovationen und leisteten durch die Einbindung von Laienmönchen und die Ausprägung einer Stadt-Land-Struktur einen grundlegenden Beitrag zur Siedlungsgeschichte. Zisterziensische Klosterlandschaft stellt einen europäischen Landschaftstypus von herausragender Bedeutung dar. Mit Pfortes Inklusion im EKS bekommt die Kulturlandschaft an Saale und Unstrut, nach dem UNESCO Titel für den Naumburger Dom, eine weitere wichtige kulturhistorische Auszeichnung. Für die touristische


Foto: Matthias Haase

und wirtschaftliche Entwicklung der Region bedeutet dies einen enormen Mehrwert, der sich in kulturellen, wissenschaftlichen und Bildungsmaßnahmen widerspiegelt. Eine europäische Vernetzung der Region öffnet die Türen für internationale Kooperationen, die im aktuellen Tourismusplan besonders angestrebt werden. Europäische Bildung, Inklusion und Digitalisierung spielen dabei ebenfalls entscheidende Rollen. Bis Anfang März 2021 erfolgt die Vor­ auswahl durch den wissenschaftlichen Beirat des Projektträgers. Als nächste Stufe ist bis Anfang Mai 2021 die Evaluierung und die abschließende Nominierung der Teilnehmer für die Einreichung des Gesamtantrages vorgesehen. Der Burgenlandkreis mit dem Welterbeförderverein und die Stadt

Naumburg unterstützen die Stiftung Schulpforta auch finanziell als Projektpartner. Daneben steht ein breites Netzwerk an weiteren UnterstützerInnen zur Verfügung. Geplant sind, nach Feststellung unserer Nominierung, gezielte öffentliche Informationsveranstaltungen zum Thema. Auf der Herbstsitzung des Kuratoriums der Stiftung Schulpforta wurde Frau Doris Becker als neues Kuratoriumsmitglied gewählt. Die Witwe des verstorbenen Curt Becker ist auch auf Grund ihrer gesellschaftlichen Vernetzung eine Bereicherung für die Stiftungsarbeit. Mit Samuel Elias Winkler (al. port. 2014 – 2018) konnten wir, neben Sophie Müller (al. port. 2009 – 2013), einen weiteren ehemaligen Schüler der Landesschule Pforta als Werkstudent für die Stiftungsarbeit gewinnen.

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Sophie unterstützt mit großem Engagement unser Team im Besuchermanagement, Samuel ist eine sehr wertvolle Unterstützung des Projektteams Cisterscapes. Es ist ein sehr glücklicher Umstand, dass ehemalige SchülerInnen aktiv und hochmotiviert die Arbeit der Stiftung mit Erfolg unterstützen. Mit Unterstützung des Tierparkes Bad Kösen konnte die Stiftung Schulpforta zu Beginn des neuen Schuljahres Evi und Olaf auf das Klostergelände holen. Die Ansiedlung der beiden Alpakas ist das Ergebnis eines Schulprojektes, welches mehrere Interessen aufgreift. So können die SchülerInnen nach anstregendem Unterricht Entspannung finden, aber auch die ökologischen Vorzüge der Flächenbewirtschaftung und Tierhaltung erfahren. Seit Anfang Dezember 2020 wird das Lamprecht-Grabmal durch die Bauhütte Naumburg restauriert. Für den Zeitraum der Restaurierung wurde es mit schwerer Technik vom historischen Friedhof in die Werkstätten der Steinmetze auf dem Klosterhof transportiert. Die Stiftung Schulpforta unterstützt das Vorhaben, welches auf Initiative des Pförtner Bundes e. V. in Verbindung mit Spendengeldern auf den Weg gebracht wurde. Der Abschluss der Arbeiten ist für das Frühjahr 2021 vorgesehen.

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Der Start in die neue Saison im Frühjahr 2021 ist wieder mit unserem Frühjahrsmarkt geplant. Leider können wir im Moment noch keinen verbindlichen Termin dafür benennen. Unsere MitarbeiterInnen und alle kunsthandwerklichen HändlerInnen stehen in den Startlöchern und hoffen auf die Wiederbelebung der Schulund Klosteranlage nach der CoronaPandemie. Die Stiftung Schulpforta wird auch 2021 wie gewohnt mit großem Engagement ihrer satzungsgemäßen Verpflichtung zur Förderung der Landesschule Pforta nachkommen. Neben vielen interessanten Einzelprojekten ist das Hauptaugenmerk auf die Bereitstellung von Sozialstipendien und anderweitiger Sozialleistungen gerichtet. Ich möchte mich auch auf diesem Wege wieder bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung Schulpforta sowie den ehrenamtlichen Mitwirkenden bedanken. Nur mit Ihnen gemeinsam sind wir in der Lage die Weiterentwicklung der Pforte anzugehen! Zur Information möchten wir allen InteressentInnen die Öffnungszeiten des Besucherempfangszentrums mitteilen:


Besuch und Besichtigung der Klos­ teranlage sind ganzjährig möglich.

Öffnungszeiten Besucherzentrum

Apr – Okt: Mo – So 10 – 18 Uhr Nov – Mrz: Di – So 10 – 16 Uhr

Öffentliche Führungen ohne Voranmeldung ganzjähig Fr, Sa. und So. 13:30 Uhr

Individuelle Führungen / Sonderführungen / Arrangements ganzjährig nach Voranmeldung

Audio-Guide Führungen

jeweils zu den Öffnungszeiten des Besucherempfangszentrums Weitere Informationen finden Sie unter: www.stiftung-schulpforta.de ARNDT GERBER AL. PORT. 1986 – 1988 PROKURATOR

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Pförtner Abende Aachen

Leipzig

Gerda van den Hurk Tel. 0174 | 593 9949 gerda.lachmann@ rwth-aachen.de

Ruth Lüthke Tel. 0170 | 402 0057 ruth.luethke@gmx.de

Berlin

Dr. Jana Langenhan Tel. 0176 | 2339 7619 jlhan@gmx.net

Sieghard Metzner Tel. 0157 | 7176 7624 s.metzner@smlan.eu

Brandenburg

Carolin Vietze Tel. 0176 | 7081 5383 carolin.vietze@yahoo.de

Dresden

Patrick Soff Tel. 0176 | 5764 9628 patrick.soff@gmail.com

Frankfurt – Hessen

Dr. Sibylle Fink Tel. 06172 | 101 0793 sibylle.fink@gmx.de

Halle/Saale

Karsten Müller Tel. 0160 | 9771 4276 karstenmueller-erfurt@ t-online.de

Heidelberg

Jonah Cedric Strauß Tel. 0160 | 9553 9162 jonah.cedric@ digital.ostrich.net

102 | Pförtner Abende

GÄNSEESSEN IM AUSLAND: Oxford – Großbritannien

Lübeck

Theodor Borrmann theodor.borrmann@ wolfson.ox.ac.uk

Magdeburg

Virginie Bigler Tel. 0041 | 3197 19191 ginie@gmx.ch

Susan Gellert susangellert1997@ t-online.de

München

Ursula Meier-Credner Tel. 089 | 670 6366 mcredner23@gmail.com

Naumburg & Köln/Bonn Angela Bierhahn Tel. 0173 | 649 2856 abierhahn@online.de

Thüringen

Franziska Baum Tel. 0171 | 260 3498 teichertfranziska@ gmail.com & Maria Joanna Niemiec hannaniemiec@yahoo.de

bundesweites veganes Martini-Gänseessen Leonhard Schwager Tel. 0176 | 9981 5435 leonhardschwager@ gmail.com

Schweiz

Arbeitskreis ehemaliger Landesschüler

Dr. Wolfgang von Hänisch Königsberger Straße 8 88212 Ravensburg Tel. 0751 | 958 7766 www.akel.de

Landesschule Pforta

Schulpforte Schulstraße 12 06628 Naumburg Tel. 034463 | 350 Fax 034463 | 26839 www.landesschule-pforta.de


Impressum Archivarin

Petra Mücke Landesschule Pforta 06628 Naumburg OT Bad Kösen Tel.: 034463 | 35-110

Redaktion »Die Pforte«

Mitgliedsbeitrag 40 Euro Postbank Hamburg IBAN: DE15 2001 0020 0010 5842 00 BIC: PBNKDEFF Deutsche Bank Naumburg IBAN: DE46 8607 0024 0646 3376 00 BIC: DEUTDEDBLEG

Sophie Müller & Susanne Neupert Redaktionsschluss für Die Pforte Nr. 73: 25.01.2021 für Die Pforte Nr. 74: 01.12.2021 Beiträge an: redaktion@pforta.de

Gestaltung

David Ortmann Haunstetter Straße 12 86161 Augsburg Tel. mob. 0176 | 500 71529 david.ortmann@gmail.com

Gesamtherstellung

Druckerei Schöpfel, Weimar

Vorsitzender

Matthias Haase Kleinobringen Heichelheimer Gasse 21 99439 Am Ettersberg Tel. 03643 | 418 888 matthias-haase@t-online.de

SchatzmeisterIn

Claudia Haferburg bis August 2020 Tobias Köhler ab August 2020

Schriftführerin

PD Dr. Anne Hultsch a.hultsch@web.de

Konten Pförtner Bund e. V.

Melanchthon-Stiftung

Sitz der Stiftung: Bielefeld Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax. 0351 | 316 1427 elisachris@gmx.de Volksbank Hamburg Ost-West IBAN: DE80 2019 0206 0053 2226 01 BIC: GENODEF1HH1

Stiftung Schulpforta

– Stiftung des öffentlichen Rechts – Prokurator Arndt Gerber Schulstraße 22 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 61761 mit Online-Shop www.stiftung-schulpforta.de info@stiftung-schulpforta.de

Foto (4. Umschlagseite): Susanne Neupert

Herausgeber

Pförtner Bund e. V. Schulstraße 22 06628 Naumburg OT Schulpforte vorstand@pforta.de www.pforta.de


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Profile for David Ortmann

DIE PFORTE Nr. 73/2020  

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