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Pforte

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2016 | Nr. 69

Schulpforta-Nachrichten

Zeitschrift des Pförtner Bundes e. V.


Inhalt Geleitwort des Vorsitzenden Grußwort des Rektors

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Vergangenes aus der Pforte Pfortenser Stadt-Hof in Erfurt freigelegt 500 Jahre Reformation – ohne Pforta? Georg Mohr. Ein Anhänger Luthers Älteste Zeichnung des Fischhauses? Pädagoge der ersten Stunden: Alfred Kühn

Aktuelles aus der Landesschule Predigt zum Schulfest in Pforta Physikstunde mit Überlänge Ein Lebensgespräch mit RHK. Internatsschulen im Vergleich Pforta in Gespräch Kurzmeldungen

Vom Pförtner Bund Protokoll der Mitgliederversammlung 2016 Ecce 2016 Im Archiv historisch vereint Klassentreffen 2016 Diamantenes Abitur 2016 Gänse-Essen an der Themse Pförtnertreffen in Frankfurt am Main Pförtner Abend in Dresden Gänseessen der Thüringer Ehemaligen Berliner Treffen 2016 Tabula Gratulatoria Haushaltsrechnung Kalenderjahr 2015 Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta Pförtner Abende Impressum

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Geleitwort des Vorsitzenden

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Im Gespräch bleiben – das ist der oberste Anspruch aller Marketing­ experten. Auch eine gute Schule möchte im Gespräch bleiben. Denn selbst Bildungseinrichtungen konkurrieren heute mit ihren Profilen und Angeboten und werben um die passende Schülerschaft. Dabei bedeutet Werbung nicht immer, Anzeigen zu schalten oder Flyer zu drucken. Als Alumni- und Förderverein finanzieren wir zudem Marketingmaßnahmen, wie die Gebühren für den Internetauftritt der Landesschule, Weihnachtskarten und professionelle Fotografen, die von Zeit zu Zeit das bunte Leben in Pforta festhalten. Auch die Schulbroschüre wurde vom Pförtner Bund finanziert. Sie beschreibt ausführlich, welche Zusatzangebote die drei Zweige bereithalten, welchen Stellenwert das Internatsleben hat und welche Freizeitangebote in Pforta möglich sind. Doch das beste Marketing für unsere Alma Mater sind die Schüler selbst; Instrumentalisten, Chorsänger und Wettbewerbsteilnehmer aus Sprache und Naturwissenschaft, die bei ihren Auftritten in Sachsen-Anhalt und bundesweit glänzen. Insofern ist unsere Unterstützung der inhaltlichen Arbeit der Landesschule die beste Werbemaßnahme. Ein geschichtsträchtiger Ort wie Schulpforte hat aber auch in ande-

rer Hinsicht verdient, im Gespräch zu sein. Die bildungs- und kulturgeschichtliche Bedeutung wird jährlich zigtausenden Touristen deutlich, die das frühere Klosterareal besuchen. Die Stiftung Schulpforta hat die touristische Erschließung in den letzten Jahren abgeschlossen, das Besuchswesen professionalisiert und nimmt innerhalb der angestrebten Welterbelandschaft an Saale und Unstrut gemeinsam mit den Vereinigten Domstiftern zu Merseburg und Naumburg und weiteren Partnern eine führende Rolle ein. Nun haben sich die Stiftung Schulpforta und der Pförtner Bund e.V. entschlossen, eine lose Gesprächsreihe zu installieren, die den Titel trägt: Pforta im Gespräch … Dabei wollen wir Interessierte aus dem Kreis der Ehemaligen, der heutigen Landesschule, aber auch aus Naumburg und Umgebung zu Vortrags- und Gesprächsabenden nach Pforta einladen, die thematisch mit Schulpforte in Verbindung stehen. Den Auftakt bildete eine Veranstaltung zur Zeit Schulpfortas als Napola. Mehr dazu im Heft. Fortsetzungen sind angedacht – dann können auch andere geschichtliche, philosophische oder derzeit gesellschaftsrelevante Themen hinzukommen. Das Besucherzentrum in der Mitte des Gutshofes wird sich mit dieser Reihe zusätzlich als vielseitiger Veranstal-

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tungsort profilieren. Wenn zum Auftakt am 15. Februar ein Zeitzeuge von seiner Schulzeit in der NPEA Schulpforta berichtet, dazu Dokumente und Fotos aus dem Schularchiv zu sehen sein werden, dürfte besonders das Interesse ehemaliger und jetziger Schüler groß sein. Sichtbar wird dann werden, wie unterschiedlich Lebensläufe, persönliche Lebensphilosophie und Weltverständnis sein können. Den Austausch zu suchen, zuzuhören – und miteinander im Gespräch zu bleiben – das scheint mir auch mit Blick auf unsere Gesellschaft heute erstrebenswert.

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Schon jetzt dürfen wir uns auf das kommende Schulfest am 20./21. Mai  2017 freuen. Es soll – wie jedes Jahr – ein großes Fest der Begegnung und des Wiedersehens der Ehemaligen werden. Mit Konzerten, Theater und Festzelt im Park. Und – in diesem Jahr erstmals – mit der Möglichkeit, Klassen- und Jahrgangs­ treffen in Pforta abzuhalten. Möglich macht es die Gastronomie des Schulcaterers. Details dazu können gern unter vorstand@pforta.de erfragt werden. MATTHIAS HAASE Vorsitzender des Pförtner Bundes e.V.


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Grußwort des Rektors

Liebe Pförtnerinnen und Pförtner, das Jahr 2016 wurde in den obligatorischen Jahresrückblicken als ein sehr ereignisreicher Zeitraum charakterisiert. Das Attribut ereignisreich steht dabei aber leider nicht nur für Geschehnisse, die mit positiven Erinnerungen im kollektiven Gedächtnis verankert sein werden. Unser Tagesgeschehen wird somit auch von den Aufführungen auf den politischen Großbühnen und von den in Echtzeit verfügbaren Bildern, Nachrichten und Fake-News aus allen Winkeln unseres Erdballs beeinflusst, manchmal sogar überstrahlt. Die nachfolgenden Ausführungen beschränken sich ganz bewusst auf den Bereich der Bildung und Erziehung, der ebenfalls einige interessante Themen zu bieten hat. So kündigte beispielsweise unsere Bundesbildungsministerin Professorin Wanka im letzten Quartal des vergangenen Jahres ein fünf Milliarden Euro schweres Programm zur Digitalisierung im deutschen Bildungswesen an, ebenso wie ein 150 Millionen Euro umfassendes Projekt zur Förderung von besonders begabten Kindern und Jugendlichen. Ergänzt werden diese beiden Ankündigungen durch das Vorhaben aus dem Haus von Herrn Schäuble, die Sanierung der Bildungsstätten in unserer Republik mit 3,5 Milliarden Euro aus dem Topf der Bundesfinanzen zu unterstützen. Si-

cherlich, alle genannten Programme tragen bislang den Status von Vorhaben, und die Nähe zu den anstehenden Bundestagswahlen ist augenscheinlich, dennoch sind sie auch Ausdruck davon, dass sich unser Bildungswesen hinsichtlich seiner Struktur, seiner Ziele und seiner Organisation in Bewegung befindet – bundesweit, aber auch im Land Sachsen-Anhalt. Nach dem PISA-Schock zu Beginn des neuen Jahrtausends hat sich in den einzelnen Bundesländern viel getan. Die Anzahl der existierenden Schulformen ist deutlich gewachsen. Neben der zuvor im Sekundarbereich I etablierten Trias von Haupt-, Realschule und Gymnasium (ergänzt von den Förderschulen), kennen wir heute in Deutschland auch Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen, Oberschulen, Werkrealschulen, Stadtteilschulen, … Zugleich wurden die Lehrpläne auf eine Output-Orientierung umgestellt. Sprachen wir früher von der Vermittlung von Wissen, Fähig- und Fertigkeiten, ist jetzt der Erwerb von Kompetenzen erklärtes Ziel der Bildungsadministration. Selbst der noch junge Begriff des individuellen Lernens wird aktuell durch seine Erweiterung, das personalisierte Lernen, bereits wieder verdrängt. Der Terminus »Individualisierung« findet dafür verstärkt Anwendung in den Debatten über mögliche Wege zum Abitur (G8 und/oder G9), die in verschiedenen Bundesländern aktuell geführt wird.

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Dynamischen Zeiten, die auch von gesellschaftlichen Veränderungen geprägt sind – man denke beispielsweise an den proklamierten Übergang vom Zeitalter der Industrie 3.0 in die Ära der Industrie 4.0 – erfordern auch von der Sparte Bildung und Erziehung ein hohes Maß an Flexibilität und Veränderungsbereitschaft. Die Frage nach den jeweils konkreten notwendigen und somit richtigen Adaptionen lässt sich aber a priori leider nur schwer eindeutig beantworten. Bestes Zeugnis dafür liefern die in den einzelnen Bundesländern zu beobachtenden Sonderwege. Auch wenn die Klammer der Kultusministerkonferenz hier versucht zusammenzuhalten, was zusammen gehört, sind die bereits jetzt vorhandenen Unterschiede im hexadezimalen Bildungsgefüge dieser Republik unübersehbar. Daraus resultiert letztendlich auch die Anpassung der Oberstufenverordnung in unserem Bundesland, von der unsere Schülerinnen und Schüler sicherlich profitieren werden. Es ist somit durchaus möglich, dass das herausragende Abiturergebnis des Abiturjahrgangs 2016 bereits in diesem Jahr übertroffen werden kann. Es geht jetzt bei der Ermittlung des Abiturdurchschnitts gerechter zu, es wäre aber wünschenswert gewesen, wenn sich die Bundesländer mit den »großzügig ausgelegten« Bestimmungen an den Bundesländern mit den enger

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gefassten Auslegungen orientiert hätten. Und wie wird nun das Schul- und Internatsleben in fünf, zehn, fünfzehn Jahren in Schulpforte aussehen? Welche Rolle werden zukünftig digitale Werkzeuge spielen, welche Trends in der Didaktik der Begabtenförderung gilt es aufzugreifen, wie lässt sich die konzeptionell verankerte Einheit von Bildung und Erziehung konkret gestalten? Die Suche nach Antworten auf diese Fragen ist Bestandteil unseres Alltags und der weiteren Schulentwicklung hier an der Kleinen Saale. Derzeit arbeiten in vier Arbeitsgruppen »Leitbild«, »Alkohol- und Drogenprävention«, »Internat« und »Zeitmanagement« Lehrkräfte, Schüler und Eltern an der Überarbeitung bestehender bewährter Konzepte, um diese an die aktuellen und zukünftigen Anforderungen anzupassen. In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen für Ihre willkommene Unterstützung bei der Bewältigung der vielfältigen Herausforderungen im Schul- und Internatsalltag – auch im Namen des Kollegiums und der Schülerschaft der Landesschule Pforta – ganz herzlich danken, und Sie zugleich um eine weitere konkrete Unterstützung bitten: In Vorbereitung auf die im Jahr 2018 stattfindende 475-Jahrfeier der Gründung unserer


Schule planen wir in Kooperation mit dem Pförtner Bund e.V. und unserer Schulstiftung die Herausgabe eines Aufsatzbandes, in dem die Entwicklung der Landesschule im Zeitfenster von der Wendezeit bis heute beleuchtet werden soll. Anregungen hierzu bzw. auch die Bereitstellung persönlicher Impressionen etc. sind willkommen und werden die zu tätigende Arbeit bereichern. Verbunden mit dem Wunsch, dass Sie auch im Jahr 2017 oft mit Freude an Ihre Zeit in Schulpforte zurückblicken und den aktuellen Werdegang unserer Landesschule verfolgen, verbleibe ich mit besten Grüßen THOMAS SCHÖDEL rectOR portENSIS

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Vergangenes aus der Pforte *  *  *

3Foto: Hamish John Appleby


Pfortenser Stadt-Hof in Erfurt freigelegt

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Unsere Region ist noch immer auf dem Wege zum Welterbe-Titel, den wir alle für 2017 erhoffen. Im Zentrum des neu formulierten Antrages werden der Naumburger Dom und seine berühmte Stifterfigurengruppe stehen. Die Ausstrahlung dieses Ensembles auf die damalige umliegende mittelalterliche Landschaft und das Umgestalten dieser zu einer bis heute erkennbaren exemplarischen Kulturlandschaft werden den Antrag tragen. In diesem Zusammenhang spielt natürlich auch das ehemalige Zisterzienserkloster »St. Maria ad portam« eine bedeutende Rolle, denn die Zisterzienser waren es vor allem, die im Mittelalter die Flusslandschaft an der Saale und den bis heute wichtigen Weinbau in der Region prägten. Den Zisterzienserorden bringt man in der Regel als erstes mit der Abgeschiedenheit und Askese im Sinne der Ordensregeln Benedikts in Verbindung. Aber die Zisterzienser waren eben auch ausgesprochen geschäftstüchtig. Und das Kloster Pforta war im 13. Jahrhundert nicht ohne Grund eines der reichsten Klöster in Mitteldeutschland. Ende des 12. Jahrhunderts konnten die Pfortenser Zisterzienser deshalb auch eine Liegenschaft in Erfurt erwerben. In einer am 13. Oktober des Jahres 1193 ausgestellten Urkunde des Erzbischofs Konrad I. von Mainz wurden den Mönchen aus dem Saaletal ein Hospital der Brüder vom Orden der Johanniter, das

in unmittelbarer Nähe zur St. Georgskirche lag, einschließlich zwei Hufen Grund in Ramsla und weitere Ausstattungsgüter übertragen. Die Übernahme des Hospitals und der Liegenschaft war mit der Auflage verbunden, dass den Hospitalbrüdern die vollständige Bruderschaft und Gebetsgemeinschaft gewährt wurde. Das spiegelt einerseits die offensichtliche Attraktivität des Zisterzienserordens zu dieser Zeit wider, andererseits macht es auch die zunehmende wirtschaftliche Stärke des Ordens plastisch deutlich, der nach und nach seine ursprüngliche Zurückhaltung aufgab und zunehmend auch Höfe in den Städten erwarb. Erfurt, das zum wirtschaftlichen und kirchlichen Zentrum Thüringens avanciert war, hatte dabei sicherlich eine große Bedeutung. Es darf angenommen werden, dass die Pfortenser Zisterzienser vor allem die Intention hatten, die Überschüsse aus ihrer erfolgreichen Landwirtschaft auf den Grangien am wichtigen Erfurter Markt abzusetzen. Aber eine eigene Immobilie bot darüber hinaus Ordensmönchen, die im Auftrag des Klosters unterwegs waren, eine gesicherte Bleibe. Das Zentrum Thüringens liegt immerhin gut 60 km – also drei Tage anstrengender Fußmarsch – von Pforte entfernt. Es verwundert kaum, dass auch andere Klöster in der Folgezeit Höfe in Erfurt erwarben, so etwa die Nonnenklöster Beuren und Ichtershausen

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oder die Klöster Reinhardtsbrunn und Paulinzella. Der Weg, durch die Übernahme eines Hospitals an eine Liegenschaft zu gelangen, scheint dabei ein besonderer Fall gewesen zu sein, denn er implizierte zwangsläufig auch weltliche Verwicklungen. Holger Kunde vermutet in diesem Zusammenhang, dass es durchaus denkbar ist, dass es »eine andere Möglichkeit der Festsetzung des Klosters Pforte in Erfurt nicht gegeben« habe. Dass der von den Pfortenser Zisterziensern übernommene, unterhaltene und ausgestaltete Hof eine wichtige Funktion besessen haben musste, wurde durch die archäologischen Grabungen deutlich, die der Öffentlichkeit im Zuge des »Tages des offenen Denkmals« in Thüringen schon 2015 vorgestellt wurden. Für eine kurze Zeit sind die im Zusammenhang mit der Erschließung als Baugrundstück in der Flur »Weiße Gasse 33« freigelegten historischen Kelleranlagen für Interessierte einsehbar gewesen. Die freigelegten Kellerwände können nach Aussagen der Gebietsreferentin für Städte im Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie,

Karin Sczech, eindeutig in die Zeit der Romanik verortet werden. Die Nähe zu einem zwar später gebauten, aber zur Kirche St. Georg gehörenden Kirchturm lege nahe, dass es sich um das Fundament des einstigen zisterziensischen Hospitals handle. Von einem »Prachtkeller« ist dabei die Rede, der schon allein von seiner räumlichen Dimension her ungewöhnlich groß sei. Auffallend sei außerdem die außergewöhnliche Qualität der Bauausführung: große, gleichmäßig geschlagene und glatt gemeißelte Steinquader, gut und stabil verfugt, außen mit noch deutlich zu erkennender – in die Romanik gehörende – Kratzverfugung. All das legt nahe, dass hier ein mehrstöckiges Haus gestanden haben muss, das »repräsentativen Charakter« gehabt habe – und damit den Bedürfnissen der Pfortenser Zisterzienser Rechnung getragen haben könnte. Sie betrieben ja nicht nur einen für die damalige Zeit hochmodernen Feldbau, sondern widmeten sich auf den Grangien auch der Vieh- und Fischzucht – und natürlich sehr erfolgreich dem Weinbau. Für den Handel in solchen Zentren, wie Erfurt damals schon eines gewesen ist, brauchten sie also geeignete Lagerstätten, die die Basis für er-

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folgreiche Geschäfte boten. Aber auch Übernachtungsmöglichkeiten für die Verhandlungsführenden und Ordensreisenden wurden gebraucht. Und natürlich repräsentative Räume zur Verhandlungsführung selbst. Es passt hier ins Bild, dass an der östlichen Außenwand ein aufwändig ausgeführter rechteckiger Steinanbau freigelegt wurde, der vermuten lässt, dass es hier einst eine solide, separate Treppe in die höher gelegenen Geschosse gegeben habe. Die »fachmännisch und in einer hohen Qualität beschlagenen Innenwände« des freigelegten Kellergeschosses ruhen auf einem soliden Steinfundament. Der ehemalige Fußboden aus Stampflehm wurde in späterer Zeit aufgebrochen und bis unter das Fundamentniveau abgetragen, um den Kellerraum zu vertiefen. Am oberen Rand der westlichen Kellerwand sind die Kragsteine noch komplett vorhanden, die einstmals die Bohlendecke des Erdgeschosses trugen. Ein nachträglich später in das Kellergeschoss eingebrachtes Tonnengewölbe wurde auf neueren Mauern vor die romanischen Wände gesetzt und bei den Grabungsarbeiten zum Teil

zurückgebaut, weil es beim Freilegen einstürzte. Dadurch ist eine fast unverstellte Sicht auf die originalen Wände der Romanik gegeben. An der Westseite ist auch der damalige Zustieg mit den beschlagenen, übermannshohen Faschensteinen und zwei eingelassenen Licht-Nischen erhalten. Allerdings wurde er in der späteren Nutzung mit Ziegelsteinen vermauert und an der nördlichen Stirnseite wurde ein Tre p p e n z u s t i e g von außen in die Wand gebrochen, der in das nachträglich eingezogene Tonnengewölbe führte. Auch das ist noch erhalten. Im Außenbereich konnte darüber hinaus ein eben­erdiger Ofen nachgewiesen werden. In westlicher Richtung sind weitere Kellerräume nachgewiesen worden, von denen mindestens einer ebenfalls romanischen Ursprungs ist. Leider war er zum »Tag des offenen Denkmals« auf Grund seines ungesicherten Zustandes und der noch nicht durchgeführten Beräumung nicht begehbar und konnte nur von außen in Teilen eingesehen werden. Auch hier wurde nachträglich ein Tonnengewölbe in den Keller eingezogen. Interessant wird es, so Karin

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Sczech, wenn auf dem angrenzenden Gelände vor einer neuen Bebauung weitergegraben wird. Im sich nach Osten erstreckenden Bereich »werden die Latrinen erwartet, die für Archäologen wahre Fundgruben sein können«. Der inzwischen freigelegte Keller der Pfortenser Zisterzienser jedenfalls sei »in seiner Anlage, Ausführung und auch in seiner Erhaltung eine solche Sensation«, dass mit den Investoren darüber verhandelt wird, dieses Bau-

werk weiterhin zu erhalten, zu schützen und »in einer geeigneten Form in die zukünftige Nutzung zu integrieren«. Man stelle sich vor: Mitten in Erfurt ein Partyraum für die neuen Mieter im ehemaligen Stadthofkeller der Pfortenser Zisterzienser! DR. DIRK HEINECKE, MAG. PORT. 1995–2017, SEIT 1. FEBRUAR 2017 DIREKTOR DES DOMGYMNASIUMS NAUMBURG

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500 Jahre Reformation – ohne Pforta?

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Was ist da schief gelaufen? In den Planungen des Landes SachsenAnhalt für das Reformationsjubiläum 2017 kommt die Landesschule Pforta schlicht nicht vor, obwohl es doch rechtzeitig und mehrfach Hinweise an die Landesregierung gab, dass die Reformationsgeschichte in Mitteldeutschland ohne Pforta kaum angemessen zu erinnern sein wird. Ausgerechnet im Jahr des Reformationsjubiläums wird der »Leuchtturm« der Landesschule Pforta so finster bleiben wie leider immer noch das Torhaus. Immerhin besteht Hoffnung auf einige schulinterne Veranstaltungen, die den Zusammenhang von Reformation und Gründung unserer Schule thematisieren sollen. Aber wer wird davon Kenntnis außerhalb der alten Klostermauern nehmen? Es ist ein Trauerspiel: Da soll die Reformation als »Ereignis von Weltrang« gefeiert werden, aber das »Mutterland der Reformation« übergeht dabei eine der wichtigsten, über Jahrhunderte höchst lebendige und noch gegenwärtige Neugründung der Reformationszeit mit Stillschweigen.

Reformation – »Ereignis von Weltrang« Aber war die Reformation, deren 500-jähriges Jubiläum 2017 im ganz großen Stil national und internati-

onal gefeiert wird, tatsächlich ein »kirchliches, kulturelles und touristisches Ereignis [!] von Weltrang«, wie ein fraktionsübergreifender Antrag des Bundestages im Juli 2011 formulierte? Die DBT-Drucksache 17/6465 nennt »die Entwicklung des Menschenbildes«, »einen neuen christlichen Freiheitsbegriff«, die »Ausbildung von Eigenverantwortlichkeit und die Gewissensentscheidung des Einzelnen«, die Entwicklung der »Aufklärung«, »die Herausbildung der Menschenrechte und der Demokratie«, die Prägung der »kulturellen Entwicklung in Musik, Kunst und Literatur« sowie die »zivilgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen« der Reformation, um diese als ein »Ereignis von Weltrang« auszuweisen, dessen Jubiläum nun in Deutschland und der ganzen Welt zu feiern sei. Das ist alles richtig und inzwischen in unzähligen wissenschaftlichen Studien, feuilletonistischen Essays, Ansprachen und Predigten vielfach dargestellt worden, beantwortet aber noch nicht die grundlegende Frage: Wie konnte ein theologisch-akademischer Debattenbeitrag, denn mehr waren Luthers 95 Thesen ja zunächst nicht, aus dem abgelegenen Wittenberg die Welt innerhalb kürzester Zeit so grundlegend verändern?

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»Zur Hölle mußt ich sinken« Die Welt, in die Luther hineingeboren wurde, war eine Welt der Angst. Das Leben war gezeichnet durch Seuchen, hohe Säuglingssterblichkeit, Hunger und Kriege. Der Tod war allgegenwärtig, das Leben ein Totentanz! Stärker aber noch als die Angst vor allem zeitlichen Tod quälte und lähmte die Menschen das Grauen vor dem ewigen Verderben. Im Choral »Nun freut euch, lieben Christen g’mein« hat Martin Luther diese allumfassende Angstfixierung eindrücklich beschrieben: »Dem Teufel ich gefangen lag, im Tod war ich verloren, mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren. Ich fiel auch immer tiefer drein, es war kein Guts am Leben mein, die Sünd hatt’ mich besessen. […] Die Angst mich zu verzweifeln trieb, daß nichts denn Sterben bei mir blieb, zur Höllen mußt ich sinken.«

Gott ist gerecht, indem er gerecht macht Als Luther 1523 Text und Melodie dieses Liedes niederschrieb, geschah das bereits im Rückblick. Mit den legendären Hammerschlägen von 1517 wurde das Verhältnis von Gott und Mensch vom Kopf auf die Füße gestellt und die Angst aus der Welt getrieben. Damit begann die Neuzeit!

Renaissance, Humanismus, die europäische Expansion (Zeitalter der Entdeckungen) und die Erfindung des Buchdrucks waren mächtige Helfer der von Luthers Reformation ausgelösten umstürzenden gesamtgesellschaftlichen Wende. Die rasante Ausbreitung der reformatorischen Lehre in weiten Teilen Europas machte diese in Wittenberg eingeleitete Wende unumkehrbar. Die überkommenen kirchlichen, politischen und gesellschaftlichen Mächte mussten sich neu definieren. Die Zurückdrängung des Papsttums, die Stärkung der territorialen Kräfte, die sich mit den neuentstehenden Kirchentümern verbinden, und das Erstarken des Bürgertums in den Städten bringen die Entstehung moderner Staaten auf den Weg.

Auswirkungen des reformatorischen Aufbruchs 1517 Die von Luther eingeleitete Befreiung von der die Gesamtgesellschaft und jeden Einzelnen lähmenden Angst um das Seelenheil setzte gewaltige Kräfte frei. Die im Kloster gebundenen Potentiale an Menschen und Besitztümern wurden zivilgesellschaftlich nutzbar. Der unglaubliche materielle Ressourcen bindende Aufwand, den Klöster, Pilgerfahrten, Reliquien- und Totenkult oder fromme Stiftungen verursachten, konnte nun

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radikal umgewidmet werden. Die reformatorische Lehre vom allgemeinen Priestertum der Gläubigen relativierte die Bedeutung des geweihten Klerikerstandes und trug zur Formung eines neuen Menschenbildes bei. Die Neubewertung der alltäglichen Arbeit als Gottesdienst und Dienst am Nächsten, nicht mehr als Fluch des Sündenfalls von Adam und Eva, begründete eine Arbeitsmoral, die noch die SED-Machthaber im Lutherjahr 1983 in Ulbrichts »Gebote der sozialistischen Moral und Ethik« von 1958 implementieren wollten. Die Armenfürsorge, über Jahrhunderte als Werk vorwiegend individueller Barmherzigkeit in der Kirche beheimatet, wurde nun zunehmend als gesamtgesellschaftliche Aufgabe vor allem in den Städten begriffen und organisiert. Die zentrale Stellung, die Luther der Bibel für den Glauben zuwies, definierte Mindeststandards für die Lesefähigkeit breiter Volksschichten, erhöhte aber auch dramatisch die Anforderungen an das Bildungsniveau der Geistlichkeit. Die Übersetzung der Bibel durch Luther half dem Frühneuhochdeutschen zum Durchbruch und wirkt bis heute sprachprägend nach. Vor allem die Schulen wurden nun zusammen mit den Universitäten zu wichtigsten Verbreitern des reformatorischen Gedankenguts. Die evangelischen Pfarrhäuser blieben für Jahrhunderte prägende Zentren einer

christlich-bürgerlichen Kultur – auch in den Dörfern.

»Daß sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen« 1543 gründete Herzog Moritz von Sachsen in aufgelassenen Klöstern die Fürstenschulen in Schulpforta bei Naumburg und St. Afra in Meißen, 1550 folgte noch St. Augustin in Grimma. Die geistigen und organisatorischen Grundlagen für diese Schulgründungen hatte Luther selber mit seinen Flugschriften »An den Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung« von 1520, »An die Ratsherren aller Städte deutschen Lands, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen« vom Frühjahr 1524 und mit der »Predigt, dass man Kinder zur Schule halten solle« aus dem Jahr 1530 gelegt. Der Reformator löste damit eine gesamtgesellschaftliche Bildungsoffensive aus, die die Dorf- und Stadtschulen ebenso einschloss wie die höheren Lehranstalten und die Universitäten. Zur Finanzierung des neuen Bildungssystems sollten die freiwerdenden Ressourcen der Papstkirche aus aufgelassenen Klöstern und Stiften, Ablässen, frommen Stiftungen, Seelenmessen und »ähnlichem Schwindel mehr«, wie Luther sich ausdrückte, herangezogen werden. Im übrigen seien alle Bildungsbestrebungen ein

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auf den Marxismus-Leninismus ausgerichteter Lehrgänge oder Fernstudien vorzuweisen hatten.

»Christliche eynnickeit«?

gottgefälliges Werk, das jede Förderung verdiene. Schulen und Universitäten trugen bald entscheidend zur Stabilisierung der Reformation bei. Die Laien gewannen an geistiger und geistlicher Selbständigkeit. Die Universitäten qualifizierten jene neuen Führungskader, deren Kirche und Gesellschaft nun bedurften. Die durchgehend akademische Bildung der Pastoren sollte noch die SEDFührung vor schwere Probleme stellen, hatte doch noch jeder Dorfpfarrer selbstverständlich ein akademisches Vollstudium absolviert, während die örtlichen Parteifunktionäre oft genug nicht mehr als den Abschluss einiger

Die Fürstenschule in Pforta wurde 1543 in einer Zeit des Überganges gegründet. Georg von Carlowitz, der vertraute Ratgeber seines Herzogs Moritz, war Katholik, aber von der Notwendigkeit von Reformen in Kirche und Gesellschaft zutiefst überzeugt. Seine »Neue Landesordnung« von 1537 schuf die dauerhafte Grundlage für die neuen sächsischen Fürsten- und Landesschulen. Carlowitz dachte fromm und pragmatisch zugleich, deshalb blieb er um die Überwindung der aufbrechenden konfessionellen Gegensätze bemüht. Sein Ideal war die »Christliche ­eynnickeit«, die durch die weitere religiöse Entwicklung allerdings rasch obsolet werden sollte. Schon der erste Rektor in Pforta, Johannes Gigas (1514–1581), eine insgesamt etwas unglückliche Gestalt, die noch keine dauernde Wirkung entfalten konnte, gehörte zum engeren Kreis um Melanchthon, der ihn 1543 sogar noch als Rektor der Universität Königsberg vorgeschlagen hatte. Wesentlich größeren Einfluß übte Cyriacus Lindemann (1516–1568) aus, ein naher Verwandter Luthers, der gleich 1543 als zunächst kommissarischer Leiter in Pforta berufen wur-

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de und während des Rektorats von Gigas als Konrektor fungierte, bevor er 1546 die Leitung der Schule übernehmen konnte. Auch Lindemann hatte in Wittenberg studiert. Seine »Formula disciplinae« gab die Grundlage für alle späteren Schulordnungen Pfortas ab. Lindemann war im Kreis der reformatorisch gesinnten Gelehrten bestens vernetzt und stand bei der Stadtschule in Gotha, an der ab 1548 als Konrektor wirkte, bis zu seinem frühen Tod in hohem Ansehen.

Bereits die ersten Rektoren in Pforta, die in engster persönlicher Verbindung zu den Reformatoren in Wittenberg gestanden hatten, haben den protestantischen Charakter der neuen Schulgründung gesichert – trotz aller Veränderungen bis hin zur Unkenntlichkeit, denen diese Prägung in den folgenden Jahrhunderten unterworfen werden sollte. Deshalb gehört zu einer Feier von 500 Jahren Reformation in Sachsen-Anhalt Pforta unbedingt dazu! PETER MASER (Al. port. 57–59)

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Georg Mohr. Ein Anhänger Luthers

Die 500. Wiederkehr des Wittenberger Thesenanschlags von 1517 mag den Blick auch auf die Bedeutung der Reformation für die schulische Bildung und somit auf die 1543 gegründete sächsische Lehranstalt im aufgelassenen Kloster Pforta lenken. Das protestantisch gewordene Land benötigte eine Vielzahl von Theologen, die den neuen Geist weitertrugen. Da verwundert es nicht, dass vom ersten Jahrgang der Schule fast die Hälfte der Absolventen eine theologische Laufbahn einschlug. Auch in den späteren Jahren erreichte der Anteil künftiger Pastoren oft ein Viertel. Luther-Anhänger schon der ersten Generation haben ihre Söhne gern auf die Fürstenschule geschickt. Dazu gehören zum Beispiel Kaspar Zeuner (Pförtner Stammbuch-Nr. 72), Paul Pfeffinger (Nr. 145), Sohn des Leipziger Theologieprofessors und Superintendenten Johann Pfeffinger, der beim sog. Synergistischen Streit von 1556– 60 eine wichtige Rolle spielte, und Johannes Forster (Nr. 243), dessen Vater Theologieprofessor in Wittenberg war. Auch der spätere Schwiegersohn Melanchthons, Kaspar Peucer, der zum Leibarzt des sächsischen Kürfürsten August aufsteigen sollte, besuchte Pforta (Nr. 651). 1549 werden zwei Söhne, Michael und Kaleb (Nr. 233 und 234,) von Georg Mohr (1497–1553) in Pforta aufgenom-

men. Vielleicht ist auch der einen Monat später eingeschriebene Georg Mohr (Nr. 237) ein Sohn von Georg Mohr. Der aus Coburg stammende Georg Mohr hatte nach Studien in Leipzig ab 1517 die junge Wittenberger Universität besucht, an der Luther lehrte. Er dürfte also Zeitzeuge des Thesenanschlags geworden sein. Auf seine akademischen Lehrer hat er Eindruck gemacht, denn 1521 – Georg Mohr hatte gerade seinen Magistergrad erworben – empfiehlt ihn Melanchthon für ein kirchliches Amt in Coburg. Der Brief Melanchthons vom November 1521 ist im Archiv der Franckeschen Stiftungen in Halle erhalten geblieben. Doch vorerst wurde Georg Mohr städtischer Schulmeister in Wittenberg. 1522 ging er womöglich auf Empfehlung Luthers nach Borna, wo er für die Einführung der reformatorischen Kirchenordnung sorgte. 1533 übernahm er die Pfarrstelle in Rodach im Coburger Land, womit er seiner Heimat wieder näher rückte. 1535 wurde er zum Superintendenten für die drei Kirchenbezirke Rodach, Hildburghausen und Eisfeld berufen. 1541/42 übernahm er zeitweise die Dompredigerstelle in Naumburg, wo er am 11. September 1541 die erste evangelische Predigt im Dom hielt. Die Naumburger Domherren aber hatten sich der Einsetzung des evangelischen Bischofs Nikolaus von Amsdorf durch Martin Luther widersetzt und an dem von ihnen gewählten

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Julius Pflug festgehalten. Als dann Kaspar Löner zum Domprediger berufen wurde, kehrte Georg Mohr nach Rodach zurück, wurde aber nach Löners Weggang 1544 erneut mit der Dompredigerstelle in Naumburg betraut. Jetzt geriet er wegen seiner »prokatholischen« Haltung – er versuchte, mit den weiterhin katholisch gebliebenen Domherren in ein gutes Verhältnis zu kommen – in Schwierigkeiten mit dem Naumburger Superintendenten Nikolaus Medler, was ihm zwar einen kurzen »Trostbrief« Luthers einbrachte, ihn aber letztlich als Pfarrer an die Leipziger Thomaskirche wechseln ließ. 1549 wurde er Superintendent in Torgau. Er war also wohl am Trauergottesdienst für Käthe Luther, die am 20. Dezember 1552 dort gestorben war, in der Torgauer Stadtkirche beteiligt.

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1553 trat Georg Mohr in den Ruhestand. Als er nach seiner Abschiedspredigt von Torgau wegzog, machte er in Schulpforte Station. Der Anlass der Reiseunterbrechung war womöglich ein trauriger: Im »Pförtner Stammbuch« wird für Kaleb Mohr vermerkt, dass er als Schüler 1553 gestorben sei. In Pforta ist dann auch Georg Mohr ganz plötzlich verstorben, er wurde auf dem Pfortenser Friedhof bestattet. Die Angaben zu Mohrs Leben sind der Schrift von Rainer Axmann, Magister Georg Mohr aus Coburg – Rodachs erster Superintendent (= Schriften des Rodacher Rückert-Kreises 7), Rodach bei Coburg 1983, entnommen, die die Bibliothek der Landesschule Pforta kürzlich erworben hat. MAlWINE MASER


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Älteste Zeichnung des Fischhauses?

Im Archiv des Pförtner Bundes kam in einem Schriftwechsel eine Schülerzeichnung des Fischhauses zu Vorschein. Diese zeigt die alte Fischer- und Fährstelle im Jahr 1820 und stammt von Edouard Mehner, später Lehrer an den Franckeschen Stiftungen in Halle. Die Widmung lautet: »Möge dieser Anblick Ihnen manche dort verlebte Stunde zurückrufen und zugleich erinnern an Ihren Freund E. Mehner. Pforte d. 6. Septbr. 1820.« Weitere Randbemerkungen beziehen sich auf die Stube 10 im Winterhalbjahr 1819/20, nennen Namen der Zimmerkameraden und erinnern an geglücktes »Prellen«, gemeint ist das unerlaubte nächtliche Entkommen

aus dem Schlafsaal über die Mauer in die Nachbarorte. Es handelt sich um die erste Klasse, zu der seit 1815 unter preußischer Oberhoheit auch Franz von Gaudy, der spätere Schriftsteller, und Brüder des Historikers Leopold von Ranke gehörten. Das Fischhaus wurde schon zu jener Zeit gerne aufgesucht, obwohl Rektor Ilgen noch 1825 den Verkauf von Getränken verbot. Aber schon 1826 fiel dieses Verbot wieder, so daß die Gaststätte Fischhaus heute auf eine Tradition von 190 Jahren zurückblicken kann. KLAUS-DIETER FICHTNER (Al. port. 46–48 V.)

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Pädagoge der ersten Stunden: Alfred Kühn

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Im Oktober 1945 eröffneten die Schulen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) auf Befehl der Militäradministration (SMAD) wieder ihre Türen, und der Unterricht mit erhöhter Schülerzahl, verminderter Lehrerschaft und kaum noch verwendungsfähigen Schulbüchern begann. In Schulpforte war dieser Beginn viel schwieriger, hatte sich die Schülerschaft doch in alle Richtungen zerstreut. Dennoch wagte man den Neuanfang mit neuen Zugängen, 12 Schülern aus der NAPOLA und mit neuen Lehrern. Die bereits 60jährigen Pädagogen Dr.  Robert Pahnke und Otto Göldner hatten sich um die Rettung der Gebäude und die Werbung neuer Schüler sehr bemüht. Noch war die Klassenstärke der ehemals altsprachlichen Einrichtung sehr gering. Daher unternahm man in der Folge den Versuch, auch Schüler aus dem Realschulbereich aufzunehmen und richtete in Klasse 11 eine »MathematischNaturwissenschaftliche Abteilung« ein, in die fünf Schüler aufgenommen wurden, zu denen ich gehörte. Das bedingte teilweise getrennten Unterricht in den Sprachen und Naturwissenschaften. Es war eine erschwerte planungstechnische und vor allem methodische Leistung für die Lehrer mit 14 Schülern in Klasse 11, in Klasse 10 nur wenigen Zugängen.

Diese Klasse leitete der Mathematik­ lehrer Alfred Kühn, der bereits 1945 an die Schule gekommen war und erst später seine Familie nachzog. Sein Bemühen um die Gestaltung seines Unterrichts ist hoch anzuerkennen, denn er trat fordernd auf und förderte zugleich das Suchen der Schüler nach eigenen Lösungen. Außerhalb des Unterrichts setzte er sich um die Stärkung der Gemeinschaft ein. So unternahm er u.a. mit seiner Klasse eine Wanderfahrt in Thüringen zum Inselsberg und nach Eisenach. Mit seiner Familie bewohnte er einen Abschnitt der Lehrerwohnungen vor dem Tor (diese Lehrerwohnungen hießen unter den Schülern »Erzieherscheune«). Seine Kinder besuchten die Landesschule und erlangten später hohe Verdienste, wie der älteste Sohn Prof. Dr. Berthold Kühn (1930– 2014, al. port. 46–48 v.) als Atomwissenschaftler in der DDR. Ende 1948 berief man Kühn in die Leitung der Naumburger Oberschule, die sich aus den Vorgängerschulen rekrutiert hatte – der jahrhundertealten Domschule, dem Lyzeum und der Oberrealschule. Aus Krankheitsgründen schied er 1952 aus dem Schuldienst aus. Er starb schwer erkrankt 1956 – vor 60 Jahren – in Jena. Durch seine Bemühungen um die Schüler war er in Schulpforte sehr beliebt, so dass bei seinem Übergang nach Naumburg eine Karikatur entstand, die aus

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dem Familienbesitz von Dankwart Kühn mir zur Verfügung steht und folgendes zeigt: Kritisch beobachtet vom Abt des alten Klosters zeigt die Alma mater dem scheidenden Alfredo (Alfred Kühn) die weinende Schülerschaft, am Himmel ist »belämmert« zu lesen. »Alfredo« ist gerüstet mit mathematischen Hilfsmitteln, die Naumburger Türme winken ihm erwartungsvoll zu. Vielleicht ist unter den Lesern ein Ehemaliger, der den Zeichner kennt oder dazu noch weiteres sagen könnte. KLAUS-DIETER FICHTNER (Al. port. 46–48 V.) 6Zeichnung 1948

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Aktuelles aus der Landesschule *  *  *

3Foto: Hamish John Appleby


Predigt zum Schulfest in Pforta Predigt im Gottesdienst über den Predigttext Genesis 28, 10–22

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Lesung: Lk 19, 39+40 Und einige Pharisäer in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen, so werden die Steine schreien.

Monolog des Schlußsteines – RHK Ja, wir Steine werden schreien! Ich bin ein Schlußstein, einer von denen hier ganz oben. Ich bin fest eingebunden in das große Gefüge des Hauses des Herrn und ich habe da einen genau bestimmten Platz. Seit Jahrhunderten halten wir hier oben das ganze Gewölbe zusammen. Wir sind besonders wichtig, ohne uns würde hier alles zusammenstürzen. Wir müssen die ganze Spannung aushalten, aber dafür sind wir auch besonders sorgfältig bearbeitet und viele von uns sind sehr schön gestaltet – ja wahre Schmuckstücke und wir haben sehr viele Geschwister in den vielen Kirchen dieser Welt. Wir haben auch alles gesehen, was hier in diesem Heiligtum vor sich gegangen ist – in guten wie in schlechten Zeiten. Wir haben die stolze Epoche der Gotik er-

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lebt, als die schwarzweißen Mönche ihre Kirche vergrößerten und verschönerten und uns hier oben plazierten. Wir haben auch erlebt, wie traurig sie waren, als sie ihr schönes Kloster in der Reformationszeit verlassen mußten. Wir haben die ersten Schüler gesehen, die sich hier ganz selbstverständlich mit ihren Lehrern zum Gottesdienst versammelten. Wir erzitterten, als im 30jährigen Krieg hier eine wilde Soldateska tobte und plünderte und mordete. Später kamen all die berühmten Leute des 19. und 20. Jahrhunderts, bis dann die große Stille einsetzte und die Kirche zugeschlossen wurde zum ersten Mal in der Nazi-Zeit und dann nach einer Zwischenzeit wieder 1958. Wie traurig und wie öde waren diese Zeiten – nur Scharen von Vögeln belebten die Szenerie ein wenig. Durch das Dach begann es immer heftiger zu tropfen und wir Schlußsteine bekamen wirklich Angst, daß wir herabfallen und eines Tagen wieder wie ganz gewöhnliche Feldsteine auf dem Boden liegen könnten.

Vom Pult aus: Monolog des Steins unter Jakobs Kopf – CG Ja, wir Steine werden schreien. Ich bin ein Feldstein, an der staubigen Straße bei Bethel. Auch ich habe viel gesehen, viele sind an mir vorbeigezo-


gen. Aber dieser eine junge Mann, der war besonders. Da hat der Kerl noch nicht einmal Geld für ein Nachtquartier, dachte ich! Hier, neben der Straße muss er sich hinlegen. Aber was soll’s – lange genug habe ich auf dem Steinhaufen gelegen. Und dann hat er mich genommen und unter seinen Kopf gelegt. Ich habe nun mal die glatteste Oberfläche von allen. Aber bequem liegt er bestimmt nicht. Noch niemand habe ich einen Stein als Kopfkissen benutzen sehen. Unruhig schläft er. Eine besonders glückliche Reise scheint er sowieso nicht zu haben, so ängstlich, wie er sich immerzu umgeschaut hat. Er ist aus Süden gekommen, das habe ich gesehen. Hier, wo sich die Straßen aller Himmelsrichtungen kreuzen, kommt ja jeder vorbei. Wo er wohl hinwill? Nach Jafó, zum Hafen? Nach Jericho, zum Toten Meer? Oder nach Norden ins Gebirge? Mensch, der Kerl schläft aber auch unruhig! Wälzt sich hin und her, murmelt unverständliches Zeug, schreit auf – solche Zumutungen muss man da über sich ergehen lassen. Naja, es ist ja bald Tag, der Morgen dämmert, dann geht er weiter. Hoffentlich legt er mich wenigstens zurück auf den Haufen, da ist die Aussicht besser.

Jetzt steht er auf. Und fängt an zu beten?! Redet was vom Haus Gottes und von der Stätte des Himmels … er muss wirklich nicht gut geschlafen haben! Und dann richtet er mich auf! Mitten hier auf der Kreuzung neben dem Weg! Und gießt Olivenöl aus, alles was er hat. Kerl, was willst du denn damit, was schüttest du es auf mich?! Priester salbt man so und Könige, aber doch keine Steine! Er legt Kiesel unter, dass ich nicht umfalle. Da stehe ich, steil aufgerichtet, und er nennt mich Haus Gottes, betet und schaut zum Himmel. Lange betet er so, und endlich! Geht er weiter. Aha, nach Norden also. Und ich stehe weiter hier. Die Leute fangen an sich zu fragen, welchen Ort dieser Stein – also ich – hier markiere. Versteh’ das einer! Ich bin ein einfacher Stein. Ein Kopfkissenstein. Und, ja, gut, auch ein aufgerichteter, ölgesalbter Stein. Hm, also doch kein so ganz einfacher Stein, nicht mehr wie die anderen auf dem Haufen, auf dem ich gestern noch lag. Was für eine Nacht!

Predigt am Pult – Einstieg RHK: Gnade sei mit Euch … Liebe Gemeinde von Schulpforte ! Der Stein hat es uns ganz besonders angetan dieses Mal – dieser Stein unter Jakobs Kopf, sein Kopfkissenstein

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sozusagen. Eine recht harte Tatsache. Man muß sich schon in einer verzweifelten Situation befinden, wenn man froh ist, wenigstens einen Stein unter dem Kopf zu haben, um ein wenig Schlaf zu finden. Ich habe da grade in der vorigen Woche an der Victoria Station in London einen Mann auf dem blanken Asphalt schlafen sehen, der hatte nicht einmal einen Stein unter dem Kopf.

Der Künstler, der unser schönes Chorfenster zur Geschichte gestaltet hat, konnte wohl die harte Realität nicht ganz aushalten – er hat den Stein dargestellt, als sei er ein weiches Kissen. Das sieht sicher gefälliger aus, lenkt aber von der eigentlichen Aussage ein wenig ab.

Situationen, in denen wir mit einem Stein unter dem Kopf einschlafen – CG Auch ein weiches, bequemes Ruhekissen im komfortablen Bett kann ein Stein unter dem Kopf sein. Da liegt er und sollte schlafen. Morgen ist der entscheidende Tag, seine Abiturprüfungen beginnen. Das muss er gut durchstehen und möglichst fit sein. Was passiert, wenn ich nicht bestehe? Denkt er. Wenn ich ein Blackout habe, mir nichts mehr einfällt, oder

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ein Thema drankommt, zu dem ich nicht viel gelernt habe? Und was passiert eigentlich, wenn ich doch bestehe? Dann kommt eine ganz neue Zeit, dann fängt ein anderes Leben an. Dann muss ich weiterziehen an einen anderen Ort, weg aus Pforte, denkt er. Auch das wird nicht so einfach. Wo will ich eigentlich hin, wenn dann alles vorbei ist? Dann habe ich bestanden – aber auch keine Berechtigung mehr, hierzubleiben. Dann muss ich weiter, hinaus ins Leben. Raus aus dem Internat, wo ich mich immer noch ganz wohl fühle. Wo manches so einfach ist, viel einfacher als draußen. Wo ich alles und jeden kenne. Aber es ist auch spannend, dieses ganz andere Leben. Sich selber aussuchen, was und wohin. Die Richtung selber bestimmen, in die es gehen soll. Reisen. In der Stadt ganz neue Möglichkeiten haben und neue Leute kennen lernen. Sein eigener Herr sein – das ist alles aufregend und reizvoll. Mit der Zeit ist es doch etwas eng in den alten Gemäuern. Er freut sich darauf, endlich ganz sein eigenes Ding zu machen, keine Zimmerkontrolle mehr, kommen und gehen, wann er will und genau das zu machen, was ihn interessiert. Nun schlaf doch endlich, versucht er sich zu ermahnen. Alle Freunde und


seine Eltern haben ihm Mut gemacht, sie drücken die Daumen, sie glauben daran, dass er besteht. Aber das tröstet ihn gerade nicht. Welche Freundschaften werden halten? Wird er den richtigen Weg einschlagen, in die richtige Stadt ziehen? Er fühlt sich allein und seltsam ungetröstet in dieser Nacht. Je angestrengter er versucht einzuschlafen, desto weniger will es gehen, desto mehr treiben sich die Gedanken herum. Ewig weit schien der Tag entfernt, kein Gedanke daran, wie es werden würde in der Prüfungszeit – und jetzt heißt es: Morgen. Und dann …? Werden Freunde in der Nähe sein, geht vielleicht jemand mit ihm in dieselbe Stadt? An wen kann er sich dann wenden, wenn es nicht läuft und wenn er mal Hilfe braucht? Hier weiß er genau, wer hinter welcher Tür wohnt, wo er klopfen kann. Das ist jetzt egal, ermahnt er sich, morgen ist Abi, schlaf endlich! Aber er liegt immer noch wach. Ungetröstet. Sein Kissen ist auf einmal unbequem, zum ersten Mal seit Jahren. In der Geschichte von Jakob erfolgt nun aber eine Transformation: Der mit einem Stein unter dem Kopf eingeschlafen ist, verfällt in einen höchst lebhaften Traum. Und da plötzlich wird die irdische Realität überformt von himmlischem Geschehen. Gott selber und eine nicht näher genannte Zahl von Gottesboten offenbaren dem

Träumer eine ungeahnte Wirklichkeit der anderen Art. Statt eines Steines unter dem Kopf erhebt sich plötzlich ein riesiges steinernes Gebilde – eine steinerne Treppe, die bis an den Himmel reicht (von der Vorstellung einer Leiter, wie wir sie kennen – Modell Baumarkt – sollte man sich wohl in der Übersetzung verabschieden). Zu assozieren ist hier eher ein Götterturm, eine Zikkurat, eine ungeheure abgestufte Steinmasse. Ich habe vor einiger Zeit im Iran vor einem der letzten halbwegs erhaltenen Exemplare dieser Art gestanden – da fühlt man sich als Mensch ganz winzig und klein . Als der träumende Jakob zurückkehrt in den Wachzustand, läßt ihn der heilige Ort erschauern. Für einen Moment steht er noch ganz im Banne der soeben erfahrenen Offenbarung. In diesem Zusammenhang gewinnt nun der Kopfkissenstein plötzlich eine völlig neue Bedeutung. Aus einem mehr zufällig, halb im Dunkeln ausgewählten Feldstein wird plötzlich ein einzigartiger, ein heiliger Stein, ja schließlich ein ganzes Heiligtum – Beth El, das Haus Gottes. Was Jakob da erlebt und tut, erinnert an die Geschichte von der Verklärung Jesu in den Evangelien. Auch eine

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Offenbarungsgeschichte, allerdings ohne das Element des nächtlichen Schlafes, sondern eine Vision, eine Art Tagtraum. Da wird Jesus vor den Augen seiner engsten Anhänger plötzlich von einer Wolke überschattet, aus der heraus eine Stimme erklingt: Das ist mein lieber Sohn, auf den sollt ihr hören. Bezeichnend ist die Reaktion der Jünger: Sie wollen Hütten bauen am Ort des Geschehens – eine für Jesus, eine für Mose und eine für Elia. Sie möchten dem Augenblick Ewigkeit verleihen – doch davon will Jesus nichts wissen. Er gebietet ihnen Geheimhaltung bis zum Tag der Auferstehung. Was sie aber – einmal mehr – nicht verstehen. Haben sich die Jünger geirrt, als sie Hütten bauen wollten? Hat Jakob sich geirrt, als er das Heiligtum von Bethel gründete? Haben alle Erbauer von Kathedralen, haben auch die Zisterziensermönche, die diese Kirche errichteten, sich geirrt? Ist es nicht eigentlich unmöglich, dem Augenblick Dauer zu verleihen? Ein Schlußstein ist so besehen ein Symbol grandiosen Scheiterns alles menschlichen Bemühens. Der Mensch als Einzelner wie als Gattung will hoch hinaus, er möchte bis an den Himmel reichen – was auch immer das jeweils in einem Zeitalter bedeutet: Himmel. Und so baut er und baut

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und stellt fest, bis an den Himmel schafft er es doch nicht. Weder gotische Kathedralen, noch Pyramiden, noch die gewaltigen Tempeltürme der Hindus, noch die Zikkurate des Zweistromlandes, noch die Wolkenkratzer der heutigen Zeit haben dies jemals geschafft, aber sie stehen da als stumme Zeugen des aberwitzigen Strebens des Menschen, das Göttliche aus eigener Kraft zu erreichen. Die gotischen Baumeister übertrumpfen sich gegenseitig in der immer komplizierteren Architektur der Gewölbe – deren höchster Aufschwung ins Unmögliche ist der Schlußstein. Zugleich Ausdruck höchsten Strebens und grandiosen Scheiterns. Gott läßt sich so nicht erreichen. Aber im Traum steht er plötzlich neben einem – ganz nahe, ganz unvermutet, ganz unmittelbar. Was alles Streben bei Tag nicht vermochte, schenkt die Stille der Nacht. Da wo unser Streben an seine Grenzen kommt und wir nur noch Ruhe suchen für unsere Seele – da plötzlich entsteht eine Verbindung zwischen Himmel und Erde. Im Traum und wahrscheinlich im Tod – und hier kommen wir zum Kern unsres Glaubens, den ich in unnachahmlicher Weise ausgedrückt finde im Schlußchor der Matthäuspassion


wenn es da angesichts der Grablegung Jesu heißt: »Ruht, ihr ausgesognen Glieder! Euer Grab und Leichenstein soll dem ängstlichen Gewissen ein bequemes Ruhekissen und der Seelen Ruhstatt sein. Höchst vergnügt schlummern da die Augen ein.« Das ist wohl der Gipfel der Paradoxalität: Der Leichenstein als Ruhekissen. Die Torheit des Glaubens!

Oder auch nicht: Wie wir wissen, ist dieser Stein ein Rollstein und seit Ostern ist er weggerollt von des Grabes Tür. An jedem Ostern von neuem. Das ist unser Zuversicht und unsre Hoffnung und unser Glaube: Deinen Tod o Herr verkünden wir und seine Auferstehung preisen wir, bis du wiederkommst in Herrlichkeit. Amen. PFARRERIN REGINE HUPPENBAUER-KRAUSE (RHK) VIKARIN CONSTANZE GREINER (AL. PORT. 2001–2006, CG)

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Physikstunde mit Überlänge Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff als Physik-Lehrer an der Landesschule Pforta

meln, das Experiment hat noch gar nicht begonnen. Und überall droht Ablenkung.

Ein Handy im Unterricht? So nicht – das macht der Lehrer gleich zu Beginn klar. »Twittern kann er ja nachher wieder«, sagt er mit Blick auf den Ertappten. Der steckt das Gerät brav weg. Es ist Bildungsminister Marco Tullner  – und er kann nicht gut widersprechen, denn der Lehrer ist kein anderer als der Ministerpräsident. 10.05 Uhr, an der Landesschule Pforta (Burgenlandkreis) beginnt die Physikstunde.

Wasserstoff könne die Atmosphäre nur in kleinen Mengen verlassen, erklärt Haseloff, deshalb sei die Erde so schön stabil. Das verleitet zu einem Schlenker in die Geschichte der höchst instabilen Weimarer Republik.

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Den 18 anwesenden Zwölftklässlern verspricht er eine ganz besondere Schulstunde. »Wir wollen an eine fundamentale Größe des Kosmos herankommen. Wir berühren hier die Grundlage unserer Existenz.« Man merkt Haseloff die Begeisterung für sein Fach an, auch dann, als er die bereitstehende Elektronenstrahlröhre erklärt und die Wirkung der Kirchhoffschen Spulen. Der Blick des Bildungsministers geht da bereits ins Unendliche. Haseloff steckt im Stoff, soviel ist klar. Wer ihn kennt, weiß: Die wahre Herausforderung ist es, den Stoff einer Unterrichtsstunde auch tatsächlich in 45 Minuten zu absolvieren. Nach 30 Minuten steckt der Gastlehrer mitten in den schönsten Berechnungsfor-

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Überhaupt lässt sich der Regierungschef vom vorgegebenen Unterrichtsfach keinesfalls begrenzen. Er streift Philosophie (»Alles ist im Fluss«), Erdkunde (»Polarlichter gibt’s im Polargebiet«) und Geschichte (»Vor 20.000 Jahren waren hier noch 200 Meter hohe Eisberge.«) Dann endlich ist das Experiment zur Bestimmung der Elektronenmasse dran. Das Licht geht aus. Im Glaskolben werden Elektronen in eine Umlaufbahn geschossen, eine Schülerin darf mit einem Lineal Ergebnisse messen. Haseloff ist begeistert. »Das ist der blanke Wahnsinn!« Weil der Ministerpräsident zwischen Klasse und Elektronenkanone steht, ist allerdings die Sicht eingeschränkt. Ein Schüler fasst sich schließlich ein Herz: »Herr Haseloff, können Sie sich bitte hinter den Tisch stellen?« 10.55 Uhr: Die Stunde ist bereits überzogen, einige sehen verstohlen auf die Uhr. »Wann ist Pause?«, fragt Ha-


seloff. »Jetzt«, antwortet ein Schüler. Haseloff nickt: »Ich brauche noch sieben Minuten.« Pforta ist nicht irgendeine Schule. Die Schüler lernen in einem ehemaligen Kloster, es gibt strenge Aufnahmetests – Bildungsminister Tullner spricht von einer »Perle des Landes«. Klagen über fehlende Lehrer hat man aus Pforta noch nicht gehört. Anderswo ist es weniger idyllisch: Jede dritte Schule im Land kommt nicht einmal auf 95 Prozent Unterrichtsversorgung. Mit insgesamt zwölf Minuten Verlängerung beendet Haseloff strahlend seine Stunde, die Schüler klopfen auf die Tische. Wie war der Lehrer? »Gut. Aber hat sich ab und zu wiederholt«, sagt eine Schülerin. Physiklehrerin

Silke Tonndorf, die den Unterricht im Stehen verfolgt hat, lobt die zügige Messung. »Dafür hätte man die Einleitung etwas straffen können.« Dafür, dass das Experiment am Ende akzeptable Ergebnisse brachte, hat sie freilich unauffällig nachgeholfen: Einer der drei verwendeten Messwerte stammte gar nicht aus der Live-Vorführung, sondern aus dem Probelauf am Morgen. »Das ist aber zulässig«, sagt die Lehrerin. »Das machen wir manchmal auch so.« www.naumburger-tageblatt.de/25158336 ©2016 Hagen Eichler Naumburger Tageblatt, 23.11.2016

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Ein Lebensgespräch mit RHK »Es gab Momente, wo man das wirklich mit vollem Herzen sagen konnte: ›Hic porta coeli est!‹« Die Festgabe für Pfarrerin Regine Huppenbauer-Krause »Geistes­ protokolle. Notizen aus der Waffenkammer«, 2016 herausgegeben von Ferenc Herzig und Karl Tetzlaff, enthält neben acht ambitionierten Beiträgen ehemaliger Schülerinnen und Schüler ein ausführliches Interview mit der langjährigen Pfarrerin in Pforta, das über alles Persönliche hinaus ein wichtiges Dokument der Zeit- und Schulgeschichte darstellt. Büchsenschütz: Wie wird man, was man geworden ist? Kurzum: Was bringt einen Menschen wie Frau Huppenbauer-Krause nach Pforta? Wie sind Sie hierher gekommen? RHK: Durch Zufall oder die Wende oder beides in Kombination. Ich habe ja vorher am Kirchlichen Proseminar in Naumburg unterrichtet. Da war ich als Dozentin für Biologie und Religion tätig. Dann kam die Wende, und das Kirchliche Proseminar Naumburg war eine der ersten kirchlichen Institutionen, die aufgelöst wurden, weil man meinte, man brauche das jetzt nicht mehr, eine kirchliche Schule. Das wurde dann so gehandhabt, dass von den vorhandenen drei Jahrgän-

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gen einer noch Abitur in Naumburg gemacht hat und der mittlere und der untere praktisch zusammengefasst wurden. – Dann erschien Herr Horn, der damals Rektor war und auch Bezug nach Naumburg und zum Proseminar hatte, und meinte: »Wir nehmen die jetzt alle nach Pforte, diesen letzten Jahrgang.« Die kriegten auch einen eigenen Raum, das ehemalige Parteizimmer, wo jetzt Frau Padberg ihr Büro hat. Es waren nicht so sehr viele, zehn aus der Mittelstufe und zwei aus der Unterstufe, die man für befähigt hielt. Neben diesen Schülern wurden auch die noch vorhandenen Lehrer mit hierher geschickt. Das waren als feste Lehrpersonen vor allem Frau Glüer, die ja allen doch noch halbwegs bekannt ist, Herr Meyknecht, der nur für ein Jahr hier war, und Herr Ohse, der es auch sehr lange hier ausgehalten hat. Dann haben wir die Schüler hier unterrichtet. Die wohnten noch in Naumburg und wir hatten mittendrin in dem sonstigen Betrieb, der ja noch ganz anders geprägt war, nun unseren Unterricht, nach der Art und Weise, wie es in Naumburg üblich war. Büchsenschütz: Also eine Enklave! Ja, ich meine, es haben auch einige von den angestammten Pforte-Lehrern dort Unterricht gehalten, etwa in Physik und Mathematik – nein, Mathematik hat Herr Meyknecht ge-


macht. Aber die wurden auch dort eingesetzt, insofern war das dann schon Gemeinschaftswerk von noch vorhandenen Pforte-Lehrern und diesen paar Lehrkräften aus dem ehemaligen Proseminar. Büchsenschütz: Gingen von Ihren Schülern dann auch welche ins Internat? Nein, nein, die sind alle in Naumburg geblieben und haben noch weiterhin in der Charlottenstraße gewohnt, wo das Internat des Proseminars war, und sind dann gefahren. Zum Beispiel war es für Frau Glüer sehr heftig, denn sie musste Autofahren lernen. Da war sie eigentlich ganz dagegen und sie musste plötzlich mit dem Trabi nach Pforte gefahren kommen. Das fiel ihr nicht leicht, aber sie hat es gepackt. Im September 1990 bin ich hier zusammen mit den anderen Kollegen und den Schülern eingestiegen. Das war eigentlich für ein Jahr gedacht, bis dieser mittlere Kursus seine Oberstufe gemacht hat. Und dann gingen diese ersten Überlegungen dahin, dass nun alles anders wird und eines Tages vielleicht Religionsunterricht angeboten werden muss, was ja hier im Osten völlig abgeschafft war. So wurde ich gelegentlich von Lehrern, die ahnten, dass da vielleicht Bedarf besteht, mal in den Unterricht gebeten. Da sollte ich etwas erzählen über Sekten und wie eigentlich die Kirche

entstanden ist. Das war im Rahmen des Staatsbürgerkundeunterrichts, wie es damals noch hieß. Dann gab es neben dem allgemeinen Runden Tisch ja auch noch einen pädagogischen Runden Tisch im Kreis Naumburg, in den ich irgendwie hingeraten war. So wie ich ja später auch mal vier Jahre lang im Naumburger Kreistag gesessen habe. An diesem Runden Tisch hieß es dann: »Na, was machen wir jetzt mit Schulpforte, was soll da mal draus werden?« Da kamen sehr schnell Stimmen auf, die sagten: »Ja das muss wieder ein Gymnasium werden, selbstverständlich! Da muss sich einiges ändern und …«. Und das, was sich geändert hat, war, dass Herr Horn im September 1990 als Rektor eingesetzt wurde. Büchsenschütz: Ach, der war schon vorher da? Ja, vorher »spukte« er schon umher, wenn ich das mal so ausdrücken darf, und 1990 ist er dann als Rektor hier eingesetzt und eingeführt worden. Das war er ja bekanntlich nicht für sehr lange, nur anderthalb Jahre. Aber diese anderthalb Jahre waren schon ein Stück weit prägend, denn erstens passierte nach diesem Schuljahr 1990/91 der große Umschwung, dass ein Großteil des Lehrerkollegiums »in die Wüste« geschickt worden ist und dafür dann andere Kräfte aus allen möglichen Ecken des Landes

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herbeigeholt wurden. Es gab damals eine erhebliche Fluktuation, auch von diesen neuen Lehrkräften, die sich das zum Teil hier nur mal kurz angeschaut haben. Viele, die eben aus den alten Bundesländern gekommen waren, verschwanden auch schnell wieder, weil sie es sich ein bisschen anders vorgestellt hatten. Aber so ein gewisser Kern ist einfach geblieben bis auf den heutigen Tag, z.B. Herr Clanzett und Herr Kisser. Das war die erste Generation von »Westlehrern«, die es hier ausgehalten haben. Andere sind schnell wieder fort gewesen, nachdem sie die Situation erfasst hatten. Natürlich kamen auch aus den neuen Bundesländern verschiedene Lehrer hier zusammen. Aber der ständige Wechsel war wirklich das Grundgefühl dieser ersten Zeit. Da hat sich Kontinuität erst langsam und mühsam herausgebildet. Ich muss schon sagen, dass sich dabei manches sortiert hat und sich so etwas wie der Kern herausschälte, als dann das Rektorat schließlich an Sie, Herr Büchsenschütz, überging. Büchsenschütz: In dieser wilden Zeit, was waren die Anforderungen an Sie? Was haben Sie eingebracht? Was haben Sie als notwendig betrachtet? Religionsunterricht stand zunächst einmal nicht auf dem Plan und die allerersten Kurse, die ich hatte, wa-

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ren eher halblegal. Es gab noch keine Rahmenrichtlinien oder irgendetwas dergleichen. Aber ich hatte ja nun den großen Vorteil, dass ich zwei Jahre am Proseminar in Naumburg unterrichtet und also eine Vorstellung von dem hatte, was ich will, was ich für wichtig halte. Da die Theologie und die Religionswissenschaft im weitesten Sinne für mich eine sehr ernsthafte Sache sind, möchte ich gerne, dass auch die nächste Generation davon etwas mitbekommt. Insofern habe ich ein paar Methoden, die ich im Naumburger Proseminar entwickelt hatte, gleich nach hier übernommen. Dazu gehörten die Hausarbeiten. In Klasse 10 fingen wir an, nach einem Thema zu suchen, in Klasse 11 und 12 bzw. später dann auch in Klasse 13 wurde das weiter ausgebaut und vertieft. Es war meine Erfahrung, dass es gut ist, wenn ein Schüler irgendein Thema aus diesem riesigen Gebiet sich selber hernimmt und versucht, da in die Tiefe zu gehen. Büchsenschütz: Das firmierte unter »evangelische Religion«…? »Evangelischer Religionsunterricht« nannte es sich. Ich erinnere mich noch, als zum ersten Mal evangelischer Religionsunterricht offiziell im Stundenplan angeboten wurde, da war ein ziemlicher Run auf dieses Fach. Mit allen, die Interesse hatten, bin ich damals in die Abtskapelle


gegangen. Das waren 50 Leute, die wollten alle Evangelischen Religionsunterricht haben und wurden dann in drei Kurse aufgeteilt. Büchsenschütz: Ist aus dieser »Urversammlung« in der Abtskapelle, die ja ein wunderbarer Ort ist, auch der Gottesdienst erwachsen? Das war von Anfang an der Fall. Ich bin 1990 von Propst Schewe in der Kirche eingeführt worden. Büchsenschütz: In der Kirche, 1990? Ja, Kirche hieß damals: keine Fensterscheiben, Vögel all überall, nicht

nur Tauben, sondern auch Rotschwänzchen und Amseln, Spatzen, alles. Der Taubenkot war inzwischen entfernt worden. Es herrschte also nicht mehr der Urzustand, man war schon mal mit der Schaufel durchgegangen und hatte etliche Hänger voll Schutt rausgefahren. Die Vögel flogen so über dem Altar entlang und in der Mitte an der Vierung stand noch dieses merkwürdige Holzgerüst, aus rohen Balken zusammengezimmert, das den endgültigen Einsturz der Vierung verhindern sollte. Durch diese Balken hindurch schaute man auf die Gemeinde, die auch irgendwo saß. Dann hat Propst Schewe, der wirklich eine sehr unverkrampfte Art hatte, sich da vorne hingestellt

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und gesagt: »So, jetzt sehen Sie mal zu, was man hier an kirchlicher Arbeit leisten kann, machen Sie sich unentbehrlich.« Das war das Votum, mit dem ich in die 26 Jahre Pforta geschickt worden bin, und danach habe ich gearbeitet. Das hat mich auch getragen, denn ich komme ja aus einer kirchlichen Tradition, wo wir wirklich die »Freiheit der Kinder Gottes« eingeübt haben und immer wieder auch dazu ermutigt wurden. Am Katechetischen Oberseminar in Naumburg war das einfach der Geist, in dem wir aufgezogen worden sind: sehr viel Selbstständigkeit zu üben und auch ein Stück weit auf die eigenen Entscheidungen vertrauen, andererseits auch ein Zusammenhalt, dass man wusste, es gibt bestimmte Leute, die denken so ähnlich wie ich. Zum Beispiel gehörte Propst Schewe dazu. Außerdem wusste man, dass man sich auf diese Leute jederzeit verlassen kann. In der Zeit, als es hier darum ging, die Stellung der Pfarrerin in der Schule zu beschreiben, bin ich immer wieder im Zweifelsfall zu Propst Schewe gegangen und habe gesagt: »Das und das ist jetzt gesagt worden oder passiert.« Er war damals der Ansprechpartner, der das von außen mit getragen hat. Büchsenschütz: Propst Waldemar Schewe starb völlig unerwartet am 4. Februar 2016.

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Ja, und im Naumburger Dom fand die große Trauerfeier statt, bevor Propst Schewe auf dem alten Domfriedhof beigesetzt wurde. Er hatte die Rahmenbedingungen meines Dienstes in Pforta formuliert. Dazu gehörte auch, dass man hier Gottesdienst hält und zwar regelmäßig. Büchsenschütz: Das war sozusagen gleich im Denken mit drin. Das war für mich selbstverständlich, also bei diesen Räumen, bei dieser Kirche und dieser Kapelle – was soll man denn damit machen, wenn nicht Gottesdienst? Gerade weil das von 1958 bis 1990 nicht mehr möglich war. Büchsenschütz: Wurde das von den Proseminaristen, die aus Naumburg nach Pforta gekommen waren, auf die Schülerschaft hier übertragen? Das kann man nicht unbedingt sagen. Es waren wirklich hiesige Schüler, die da eingestiegen sind. Schon recht früh habe ich auch zwei Taufen gehalten. Ich hatte ja für die, die wollten, diesen halb inoffiziellen Kurs, bevor der Religionsunterricht offiziell eingeführt wurde. Der bestand damals im Wesentlichen aus Musikschülern, und aus diesem Kontext heraus kamen dann zwei Mädchen zu mir und sagten: »Wir wollen getauft wer-


den. Kann man das hier machen?« Ich habe auch erlebt, wie ein Junge – ich glaube er war katholisch – zum Gottesdienst kam und sich hinten an die Kapelle stellte und beim Abschied sagte: »Naja, ist ja schade, dass hier nicht ein richtiger Pfarrer herkommt.« Gut, aber die anderen, die sollten also getauft werden, meldeten sich an, und dann haben wir Taufunterricht gemacht. Die Sache aber war, dass es zunächst erst mal keinen Taufstein hier in Schulpforte gab. Der in der Kirche ist ja anscheinend auf immer verschwunden, und der, der jetzt in der Abtskapelle steht, war auch nicht da. Aber Herr Horn, in seiner besonderen Art, lief dann sonntagnachmittags durch Bad Kösen, wo er großgeworden war, schaute umher und dann blieb sein Auge an einem Garten hängen und da stand ein steinernes Gebilde. Da ist Herr Horn, nachdem er das gesehen hatte, in die Bibliothek gegangen und hat sich alle alten Bilder zeigen lassen vom Inneren der Kirche und der Kapelle und siehe da: es war genau der Taufstein, der inzwischen zur Vogeltränke umfunktioniert worden war. Er war innen mit blauer Farbe gestrichen. Und da ist Herr Horn hingegangen – ich weiß nicht, wer und wo es gewesen ist – und hat gesagt: »Nächste Woche steht der Taufstein in Schulpforte oder ich erstatte Anzeige.« Und so ist der wieder hierhergekommen.

Büchsenschütz: Noch etwas anderes: Waren Sie Mitglied des Kollegiums? Ja, dafür hat Herr Horn von Anfang an gesorgt, dass die Neuzugänge aus Naumburg ins Kollegium aufgenommen werden. Also habe ich das alte Kollegium im ersten Jahr voll erlebt. Büchsenschütz: Mich interessiert, ob es da Probleme gegeben hat, des Beschweigens, des Fremdseins …? Naja, ich war einfach exotisch für diese Herrschaften. Das Kollegium war aber auch sehr vielfältig, die waren ja auch nicht alle aus einem Guss, mit manchen hat man sich ganz gut verstanden. Büchsenschütz: Aber es gab keine Frontstellung oder so etwas? Nein, das habe ich nicht erlebt. Es gab bestimmt welche, die innerlich auf Distanz gegangen sind. Und es gab natürlich Herrn Konetzny in der Bibliothek, der immer eine besondere Rolle gespielt hat, der aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht hat. Da war schon klar: Dass »die Schwarzen« jetzt Einzug halten, war nicht so gern gesehen. Büchsenschütz: Bevor wir uns auf Schulpforta-Details und Perso-

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nengeflechte einlassen, würde ich gern noch weiter zurückgreifen. Sie sind ja nicht als Theologin geboren worden. Wahrlich nicht, nein. Büchsenschütz: Sondern das, was in Ihrem Kopf ist, sind sehr viele interessante Berufsausbildungen und Studiengänge und Biografisches, die ja zum Ende sogar weltweit werden … Mein frühester Berufswunsch war Omnibusschaffnerin, das fand ich toll. Da gab es solche schönen Kästchen, aus denen das Kleingeld unten rausgekleckert kam. Das hätte ich gern gemacht. Ich musste immer mit meiner Mutter nach Weimar im Bus fahren – ich stamme übrigens aus Jena, Stapelstadt des Wissens und der Wissenschaften, das war mein Umfeld – und da entstand der erste Traumberuf. Später hatte es sich dann sehr verfestigt, dass ich eigentlich Tierärztin werden wollte. Naturwissenschaften waren mein Ding, und Tiere waren und sind bis heute mein Ding. Das führte dann dazu, dass ich zunächst meine Ausbildung in der Landwirtschaft gemacht habe. Büchsenschütz: Sie konnten Abitur machen?

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Ich gehöre zu einem Jahrgang in der DDR, der mit dem Abitur auch einen Facharbeiterbrief ablegte. Es gab einige Jahrgänge, bei denen das wirklich gar nicht anders ging, und es gab daneben das Modell »Berufsausbildung mit Abitur«. Aber bei uns war »Abitur mit Berufsausbildung« verpflichtend, das hieß konkret: Wir waren drei Wochen in der Schule und eine Woche im Betrieb. Es gab in Jena eine Latte von zehn Berufen, aus denen man auswählen konnte. Dazu gehörte Krankenschwester und Maurer und Elektrotechniker – und Rinderzüchter, das war meins. Haase: Aber das machten dann die, die kein direktes Abitur machen wollten oder konnten? Das machten alle. Alle, die Abitur machten, machten eo ipso einen Facharbeiter dazu, was ich nach wie vor auch für gar nicht so übel halte. Für mich kam also aus dieser Latte von Berufen nur Rinderzüchter in Frage, das war völlig klar. Da gab es in der Nähe, also am Rande von Jena, einen landwirtschaftlichen Betrieb – wie ich dann später erfahren habe das Gut der Ordenskommende des Deutschen Ritterordens in Thüringen – und da habe ich meine Grundausbildung gemacht, also im Kuhstall, im Schweinestall, im Hühnerstall, auf dem Feld und natürlich – für mich besonders


wichtig – im Pferdestall. Abgeschlossen habe ich das dann in Graditz, weil ich mich schließlich auf Pferdezucht spezialisiert habe. Graditz bei Torgau war das größte Vollblutgestüt, das es in der DDR gab, und da habe ich meinen Abschluss als Pferdezüchter – Gestütswärter, wie es damals hieß – mit der Note »Sehr gut« gemacht. Büchsenschütz: Kleiner Einwurf: Sie sind in einem evangelischen Elternhaus groß geworden? Das ist ein bisschen schwierig zu sagen. Meine Mutter stammt aus Schlesien, aus dem Teil Schlesiens, wo man bewusst protestantisch war und nicht katholisch, also aus Niederschlesien. Sie ist in Breslau geboren. Und mein Vater, der aus Freiberg in Sachsen stammte, der war Geologe von Beruf, der hatte mal einige Semester Theologie studiert, ich glaube, es waren drei. Darüber sprach er nie groß, aber ich habe das irgendwie gehört. Er ist dann aus der Kirche ausgetreten, hatte aber interessanterweise immer das Neue Testament auf Griechisch und Lateinisch auf dem Nachttisch liegen. Er liebte die alten Sprachen, er hatte wirklich eine klassische humanistische Bildung, und las wirklich immer noch Griechisch und Lateinisch im Neuen Testament, nur so für sich, und das fand er immer interessant. Aber mit der Kirche …

Haase: Aus Gründen, die mit der frühen DDR zu tun hatten, weil äußerer Druck da war, oder von sich aus? Ich glaube, da hat mehr der Zweite Weltkrieg eine Rolle gespielt. Da war er in Griechenland und scheint irgendwie so etwas wie eine grundlegende Entwicklung durchgemacht zu haben. Das harrt noch der Aufarbeitung – ich habe zu Hause noch seine mit Bleistift eng beschriebenen Tagebücher und wenn ich Zeit habe, will ich mich damit noch etwas näher befassen. Später war er dann Geologe, und Geologen gehörten zu den Fachleuten, die sehr dringend gebraucht wurden in der DDR. Er hatte deshalb einen sogenannten Einzelvertrag, was wahrscheinlich dazu geführt hat, dass ich problemlos zum Biologiestudium zugelassen worden bin. Das ist sicherlich der Hintergrund gewesen, denn ich war ja »Intelligenzlerkind«. Erst mal mussten doch die Arbeiterund Bauernkinder bedient werden, wenn es um Zulassung zur EOS ging. Ich kam also zur EOS und habe dann auch ohne größere Schwierigkeiten meinen Studienplatz bekommen und zwar dort, wo ich studieren wollte, nämlich in Jena. Ich habe da Biologie studiert, vier Jahre lang, und mit dem Diplom als Mikrobiologin abgeschlossen. Und während dieses Studiums kam bei mir einiges in Gang.

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Wenn ich es kurz fassen soll, weil sich das jetzt auch immer wieder bestätigt: Es waren einerseits die gotischen Kathedralen, und es waren andererseits Bach und seine Vokalwerke, die mich ins Nachdenken gebracht haben. Die gotischen Kathedralen haben mich fasziniert. Ich kannte gar nicht sehr viele davon aus direkter Anschauung, aber ich kannte sie aus Büchern und habe mich gefragt, was die da drin gemacht haben und warum sie so einen Aufwand betrieben haben. Das andere, was mich ins Nachdenken brachte, war Bach, vor allem das Weihnachtsoratorium. Ich hatte in meiner Jugend eine Phase, da habe ich sechs Jahre lang nachweislich keine Kirche betreten. Es war in der 11. Klasse, da bin ich – obwohl meine Mutter mich davon ferngehalten hat und ich nicht bei den Pionieren war, keine Jugendweihe hatte und zunächst auch nicht in der FDJ war – vor aller Öffentlichkeit in die FDJ eingetreten, weil ich aus einer gewissen inneren Überzeugung heraus dachte, das ist wohl der Weg. Ich war kurz davor, in die SED einzutreten, davor haben mich dann aber Freunde bewahrt. In nächtelangen Diskussionen haben die sich hingesetzt und mir auseinander gesetzt, warum ich das lieber nicht tun sollte. Das war Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre, bis ins erste Studium hinein, ins Biologiestudium. Dann hatte ich aber eine Phase, wo ich sehr ins Nachdenken gekommen

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bin. Ich hatte mit meinem Vater eine Verabredung, dass wir uns einmal in der Woche getroffen haben, weil ich zu Hause ausgezogen war. Da sind wir jede Woche in Jena in die Fischgaststätte gegangen, haben Fisch gegessen und uns unterhalten. Es gab immer eine gewisse Distanz zwischen meinem Vater und mir. Bei der Gelegenheit habe ich ihm dann mitgeteilt – da war ich im dritten Studienjahr Biologie –: »Ich mache das jetzt zu Ende und dann studiere ich noch Theologie.« Seine Reaktion lautete: »Es muss jeder nach seiner Façon selig werden.« Dann kam noch die Nachfrage: »Na, an welchen lieben Gott glaubst du denn: an den evangelischen oder an den katholischen?« Das war mein Vater live. Ich bin die Antwort schuldig geblieben. Aber er hat mir eben auch keinerlei Steine in den Weg gelegt oder irgendwie dagegen geredet. Meine Mutter fand es toll, die war immer dafür, dass ich zur Kirche gehe, und so nahmen die Dinge ihren Lauf. Dann kam nochmal die Frage auf, ob ich das Biologiestudium jetzt abbreche, weil mir klar war, dass ich das nicht auf die Dauer machen will. Da hatte ich aber wieder Freunde, die eine Nacht mit mir im Stall gesessen und diskutiert haben. Einer von ihnen sagte: »Krausen, mach’ fertig! Du ärgerst dich später schwarz, wenn du das jetzt abbrichst!« Ich sehe den noch vor mir, der war Tierarzt in Jena. Da habe ich gesagt: »Naja okay, dann zieh’ ich das durch«. So habe ich


also Diplom gemacht über ein Verfahren zur Reinigung von FITC-markierten Antikörpern. Das wurde in Jena an Mäusen ausprobiert, da gab es ein großes Akademie-Institut auf dem Beutenberg und dort habe ich also meine Stunden im Labor absolviert und mir diese Art der Existenz auch noch mal sehr genau angeschaut. Ich hatte vier Chefs, die für mich verantwortlich waren und die sich untereinander überhaupt nicht grün waren. Insofern war das menschlich hochinteressant. Ich bin noch selber stolz bis heute, dass ich das durchgestanden habe. Dann sollten wir vermittelt werden. Das war ja in der DDR so, wenn man sein Studium abschloss, da war eigentlich schon klar, wo man mal hinkommt. Ich sollte irgendwo nach Potsdam in einen Milchwirtschaftsbetrieb, hatte aber alles schon in Naumburg beim Katechetischen Oberseminar, der späteren Kirchlichen Hochschule, klargemacht, bei Wolfgang Ullmann, der dort gerade Rektor war. Das war der spätere Europaabgeordnete, ein Kirchengeschichtler, der hatte erfahren, dass ich mich anmelde. Zum Sommersemester 1974 habe ich angefangen, in Naumburg Theologie zu studieren. Büchsenschütz: Sie sind also ordentlich ausgebildete, abgeschlossene Biologin? Ja, bin ich.

Büchsenschütz: Und die Pferdezucht kam dann? Das war weiterhin mein Hobby. Ich hatte mit 17 mein erstes eigenes Pferd, aber schon mit zehn Jahren zu reiten angefangen. Das war mein innerer Trieb, was für meine Mutter manchmal ein bisschen schwierig war, weil ich, wenn ich irgendwo auf der Straße – und das gab es ja damals noch öfter – ein Pferdegespann sah, wie angewurzelt stehen blieb. Dann war ich keinen Schritt mehr weiter zu bewegen, und da auf dem Schulweg fuhren öfter Pferdefuhrwerke. Die fuhren damals Kohlen aus und Sand, und ich blieb bis zum letzten Kohlensack daneben stehen und habe die Pferde betrachtet und das Flair eingeatmet. Mit zehn Jahren bin ich in Jena mal in ein Krankenauto gelaufen und habe mir das Bein gebrochen. Das ist der Grund, warum wir nicht in den Westen gegangen sind. Am 17. Juni 1961 lief ich, ich sollte irgendwelche Wurst abholen, allein in die Stadt. Es passierte, was passieren musste: »Das Kind« lief am Sonnabendmittag vor ein Krankenauto. Der arme Fahrer, der gerade heimfahren wollte, dem hat das schwer zu schaffen gemacht. Ein gemütlicher, dicker Herr, der nicht mehr bremsen konnte, weil ich hinter irgend so einem Auto rübergehuscht kam. Seitdem habe ich am Oberschenkel eine große Narbe.

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Das dauerte damals länger und das heißt, ich habe den 13. August in der Klinik in Jena verbracht. Ich höre heute noch, wie da nachts Lautsprecherwagen durch die Straßen fuhren und irgendwelche unheimlichen Dinge von sich gaben. Ich habe zwar nicht verstanden, was die sagten, aber ich weiß noch wie das klang. Das war sehr unheimlich. Büchsenschütz: Das sind ja gleich zwei relevante Daten: 17. Juni und 13. August … Für meine Mutter wäre es – wenn »das Kind« zu Hause gewesen wäre – klar gewesen. Die hätte es gemacht wie die Leute, die unter uns wohnten. Da wohnte eine alleinstehende Ärztin, die ihre Tochter genommen hat und schnell noch ein paar Tage vor dem 13. August nach Berlin gefahren ist, um mit der S-Bahn rüberzufahren. Ihre Tochter – mit der habe ich immer noch Kontakt, das war meine Spielgefährtin – war dann weg. So brach die Geschichte über mich herein. Ich kann sagen, dieses Ereignis, der Bau der Mauer, war für mich ganz klar definiert das Ende meiner Kindheit, weil meine Großmutter in Westberlin wohnte. Ich war eigentlich in jeden Ferien, so lange das möglich war, bei meiner Großmutter in Westberlin. Und deswegen gehörte ich auch zu den wenigen, die wussten, wie es

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hinter der Mauer aussieht, also, dass da nicht nur wie auf den Landkarten »Weißes« ist, sondern dass da Häuser stehen und Menschen leben und Autos fahren. Haase: Und Ihre Mutter hätte die Familie im Westen haben wollen? Ja, der Vater nicht so sehr. Aber der wäre wohl brav mitgegangen. Meine Mutter hat diese Auffassung wirklich auch später noch vertreten. Büchsenschütz: Und die Pferde sind dann noch in der DDR weitergelaufen. Ja, natürlich. Ich war Mitglied in einer Betriebssportgemeinschaft, »BSG Medizin Jena«. Dort bin ich dann richtig Turniere geritten. Etwas anderes blieb einem gar nicht übrig. Wenn man reiten wollte, dann musste man auch Turniere reiten. So bin ich zum Leistungssport gekommen und habe zunächst auf Bezirksebene und später auch auf DDR-Ebene an Wettkämpfen teilgenommen. 1971 war ich mal DDR-Juniorenmeisterin im Vielseitigkeitsreiten und im Geländereiten. Bei den Erwachsenen war ich auch mal Vizemeisterin, auch im Vielseitigkeitsreiten oder der Military-Vorbereitungsprüfung, wie das heißt. Das war sozusagen der Höhepunkt dieser Karriere, Anfang der 70er Jahre, also noch bevor ich Theologie studierte.


Büchsenschütz: Und wie war das mit dem eigenen Pferd? Ja, das hatte ich seit 1967, ein eigenes Pferd. (lacht) Büchsenschütz: Das war möglich? Das war möglich. Wenn man als Jugendlicher reiten wollte und Mitglied in so einer BSG war und Turniere ritt, bezahlte man sagenhafte 80 Pfennig im Monat. Dann konnte man reiten und wurde gefördert. Ich hatte eine sehr gute Trainerin. Der würde man heute mindestens 60 Euro bezahlen, für eine Stunde wohlgemerkt. Das lief damals doch recht großzügig. In dem Stall konnte ich auch mein Pferd zu einem festen Satz unterstellen. Das waren, glaube ich, 60 Mark der DDR im Monat, das haben meine Eltern unterstützt. Das Pferd habe ich auch relativ preisgünstig bekommen. Es war eigentlich ein gutes Pferd, hatte aber eine Fehlfarbe. Guste hieß es, und die hatte eine sogenannte Laterne, eine sehr große Blesse. Das ist in der Zucht nicht so beliebt, weshalb ich günstig rangekommen bin und mein Erspartes eingesetzt habe. Mit der Guste bin ich dann auf Turnieren gestartet. Da konnte ich Dressurreiten und bin auch Springen geritten. Das war ein Allround-Pferd und ich habe sie auch eingefahren und bin viel Kutsche gefahren. Das habe ich ja gelernt bei meiner Facharbeiter-

ausbildung. Ich kann vielleicht noch hinzufügen, dass es heute vier Pferde sind, die ich habe. Büchsenschütz: Ich entsinne mich, dass Sie mal zu einem päda­ gogischen Tag einen Hund mitgebracht haben. Das war unser Dalmatiner. Büchsenschütz: Sie haben damals an diesem Hund etwas fürs Kollegium exemplifiziert. Das war nur möglich, weil Sie vertraut waren mit Tieren … … und weil da erzieherische Prozesse nun mal eine wichtige Rolle spielen beim Umgang mit Tieren, weil man sonst die schlechteren Karten hat. Büchsenschütz: Das war sehr eindrucksvoll. Haase: Beschreiben Sie es genauer. Es ging, glaube ich, um Internatserziehung. Bei Erziehung gibt es ja immer das Rohprodukt, und dann gibt es gewisse Formen, die man daraus entwickeln kann. Der Dalmatiner, der war es – wie all unsere Hunde – gewöhnt, dass er sich, wenn man ihm den Futternapf hinstellte, nicht gleich darauf stürzte, sondern erst einmal Sitz machte und dann stellte man den Napf hin. Dann sagte man: »Und nun

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guten Appetit!« Erst dann fing er an zu fressen. Haase: Ich hatte noch das Gebet vorher erwartet. (Lachen) Das hätte man ihm auch noch nahelegen können. »Appell« nennt man das beim Umgang mit Hunden und Pferden. Haase: Und das wurde demonstriert? Das wurde im Kleinen Festsaal demonstriert, als Einstieg, um ins Thema reinzukommen, was Erziehung bedeuten kann. Büchsenschütz: Es gab ein großes Staunen darüber, was das eigentlich soll. Und durch diese Schrittfolge, die Sie jetzt aufgezählt haben, ist es eigentlich sehr deutlich geworden, dass es wichtig ist, dass ein Schritt auf den anderen aufbaut. Ja, und dass eine gewisse Kultivierung möglich ist, bei Mensch und Tier. Büchsenschütz: Ohne jede Gleichsetzung! Ich muss vielleicht dazu sagen, dass innerhalb der Biologie die Verhaltensforschung mein Steckenpferd war. Das hätte ich eigentlich gern gemacht

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in der Biologie, was aber in der DDR so gut wie unmöglich war. Es gab nur eine einzige Professur für Verhaltensforschung in Berlin, Professor Tembrock, der auch international berühmt war, den sie aber nie ins westliche Ausland haben reisen lassen. Zu ihm habe ich auch Kontakt aufgenommen. Er wurde aber immer kurz gehalten. Gelegentlich hat er mal Studenten bekommen, aber als es dann bei mir gerade so weit war, da war kein Gedanke daran zu verlieren. Büchsenschütz: Kehren wir zur Theologie zurück. Nein, einen Satz noch: Meine Abschlussarbeit zum zweiten Examen habe ich über »Mechanismen der Gruppenindividualisation« geschrieben. Das war wirklich ein interdisziplinäres Thema zwischen Theologie und Verhaltensforschung. Büchsenschütz: Und das war ein Theologiestudium, wie es damals in der DDR normal war? Nun, es gab zwei Normalitäten. Es gab die Universitäten. Man konnte an allen sechs Universitäten der DDR auch Theologie studieren, jedoch unter staatlichem Einfluss, denn da suchte der Staat aus, wer Forschung und Lehre betrieb. Daneben gab es drei kirchliche Hochschulen in Berlin, in Leipzig und in Naumburg. Die waren


kircheneigen, und da waren die Lehrkräfte von der Kirche ausgewählt. Das war immer auch damit verbunden, dass die Dozenten – die durften nicht Professoren heißen – auch Gottesdienste gehalten haben und wirklich auch in der kirchlichen Praxis verwurzelt waren. Das gab es nur an den kirchlichen Hochschulen. Büchsenschütz: Das hat vier Jahre gedauert? Ha, das hat sieben Jahre gedauert! Büchsenschütz: Sieben? Ja, das Biologiestudium hat vier Jahre gedauert und dann habe ich nochmal sage und schreibe sieben Jahre Theologie studiert. Büchsenschütz: Das heißt, Sie hatten die große Freiheit? Ja! Eigentlich wären es sechs Jahre gewesen, aber in Naumburg gab es als einziger kirchlicher Hochschule die Möglichkeit, dass man ein theologisch-pädagogisches Zusatzstudium machen konnte, und das habe ich gemacht. Aber nicht, weil ich die Pädagogik so toll fand, sondern weil die Dozentin so gut war: Eva Hessler, die war wirklich ganzheitlich gebildet. Nach ihr ist inzwischen in Drübeck ein Haus benannt worden, im Weiterbildungszentrum. Es war eigentlich

die Faszination der Persönlichkeit, die mich dazu gebracht hat, das Jahr nun auch noch dranzuhängen. Und das ist ja genau das gewesen, was ich dann brauchen konnte. Haase: Und die Entscheidung für Naumburg und nicht für Jena ist genau aus diesem Grunde entstanden? Nein, da wusste ich das ja alles noch nicht. Wenn man in der DDR an einer Uni einen Abschluss gemacht hatte, konnte man nicht noch einmal ein Universitätsstudium anfangen. Ich habe dann vom Pfarrerssohn in Zwätzen erfahren, dass es in Naumburg so eine kirchliche Hochschule gibt. Dort bin ich hingefahren und das erwies sich dann als genau das Richtige. Büchsenschütz: Dass es ein besonders qualitätsvolles Studium war, ist bekannt, weil nicht zuletzt die Dozenten wohl besondere waren und auch diejenigen, die sich dort als Studenten versammelten. Es muss ein besonderes Leben gewesen sein. Das war es. Wir waren etwa 80 Studenten und hatten im Prinzip immer 12 Dozenten. Das Verhältnis war doch schon zahlenmäßig recht inniglich, alle wohnten irgendwie im Großbereich des Domes und man ging dort zum Essen. Dort war auch eine eige-

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ne Küche, in der Studenten und Dozenten selbstverständlich gemischt untereinander bei Tische saßen. Man hatte sehr viel Kontakt miteinander, viel Austausch. Büchsenschütz: Und dann sind Sie ja selbst tätig geworden dort. Das war dann die allerletzte Zeit, als ich schon Assistentin war. Ich habe erst einmal sieben Jahre studiert und mein erstes Examen abgelegt. Meine Examensarbeit habe ich über Richard Kabisch geschrieben, einem Vertreter der frühen Reformpädagogik am Anfang des 20. Jh. Aber das wurde diktiert, das habe ich mir nicht ausgesucht. Dann bin ich ins Vikariat nach Eilenburg gegangen. Dort habe ich ein Jahr sehr intensiv bei einer sehr kreativen Pastorin, mit der ich bis heute in Kontakt stehe, mein Vikariat gemacht. Die schmiss mich auch gleich ins tiefe Wasser. Da hieß es gleich: »Ich bin dann und dann nicht da und da machen Sie gleich mal den Abendmahlsgottesdienst.« Das hatte ich noch nie vorher gemacht. Es ging aber. So wächst man ja dann mit seinen Aufgaben. Es war eine sehr gute Zeit, in der ich ungeheuer viel gelernt habe, weil die mich hat machen lassen und wir vieles zusammen gemacht haben – im Wechselspiel –, was ich dann hier in Pforta habe anwenden können. Dazu gehörte auch ein gewisser kreativer

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Umgang, dessen Wurzeln in Eilenburg liegen. Büchsenschütz: Sie müssen noch auf Ihre pädagogische Tätigkeit am Seminar eingehen. Na, da war erst England dazwischen. Ich hatte eine Repetentur und eine Assistentur am Oberseminar. Dort war ich zunächst in der Praktischen Theologie angesiedelt und habe mit dieser Arbeit über Verhaltensforschung usw. angefangen. Später bin ich dann nach meiner Rückkehr aus England in der Systematik gelandet. Aber ich habe es – muss ich zugeben – leider nicht abgeschlossen. Ich hatte angefangen, über den Naturbegriff bei Herder zu arbeiten. Das habe ich alles noch im Schrank und das interessiert mich auch nach wie vor. Als ich dann nach dem Vikariat als Repetentin wieder nach Naumburg kam, wurde ich eines Tages zum Rektor bestellt und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, ein Jahr nach Irland zu gehen. Der Gedanke war mir irgendwie erst mal sehr fern. Es war Anfang der 80er Jahre, also wirklich noch tiefste DDR. Da habe ich mir erst mal Bedenkzeit auserbeten. Ich hatte ja damals auch Hunde und wohnte im alten Pfarrhaus in Spielberg. Dann habe ich mich im Freundeskreis verständigt


und dort sagten alle: »Mensch, mach das doch!« Da habe ich gedacht: »Gut, du kannst es ja mal versuchen.« Dann habe ich zugesagt und hörte erst einmal lange nichts, weil diese Angelegenheit nach Berlin ging. Es gab im Rahmen der KSZE-Folgeakte – da steckte Genscher dahinter – zunehmend die Möglichkeit für eine Ausreise, jedenfalls eine zeitweise, und darin waren auch die Kirchen einbezogen. Es war die Zeit, als der Staat versucht hat, zur Kirche ein einigermaßen ausbalanciertes Verhältnis zu haben. Es gab dann tatsächlich Programme, die jeder Landeskirche die Möglichkeit gaben, jemanden zu schicken. Vor mir hat es da eine Dame aus Leipzig gegeben, also aus der sächsischen Landeskirche, die war in Birmingham. Zudem hat es in Rostock einen gegeben, aus der Mecklenburgischen Landeskirche, und jetzt war eben offenbar die Kirchenprovinz Sachsen an der Reihe. Dann hieß es: »Nein, Irland ist nicht möglich, aber wahrscheinlich England. Sie müssen aber einen Sprachabschluss machen.« Wir waren ja in Englisch alle ein bisschen leichtbesohlt. Den habe ich in Jena an der Volkshochschule gemacht, SKA 1 und SKA 2. Wir hatten aber auch einen innerkirchlichen Lehrgang, eine

Woche lang. Dafür kam ein Ehepaar aus London und das fand statt bei den Eltern von Angela Merkel, bei Kasners, die ja beide Pfarrer waren. Das habe ich alles brav gemacht und doch nicht daran geglaubt. Dann kam die Zeit immer näher und es hieß, dass es im August losgehen soll. Darauf habe ich mich unterschwellig einzustellen begonnen und dann war mir eines klar: Wenn ich nach England gehe, will ich vorher ordiniert werden. Aber es war ja dann auch so weit. Mein zweites Examen hatte ich in Magdeburg gemacht und das habe ich dann auch noch hingekriegt. Zwar war der offizielle Ordinationstermin für alle eigentlich in Magdeburg, aber der war schon nach dem potentiellen Abreisetermin. Doch ich habe gesagt: »Nein, ich möchte das bitte vorher noch haben.« So bin ich also damals vom Propst Treu in Eilenburg, wo ich mein Vikariat gemacht habe, ordiniert worden. Das war im August 1984. Dass Leute ins westliche, ins »kapitalistische« Ausland gingen, führte jedoch unvermeidlich dazu, von der entsprechenden »Firma«, also dem MfS, beschattet zu werden. Das hatte ich von meinen Vorgängern gehört. Just an dem Wochenende, als ich zur Ordination nach Eilenburg fuhr, da muss in Spielberg jemand mit einem Berliner Autokennzeichen – wir hatten eine Nachbarin, die das alles beobachtet hat – auf heftige Weise ver-

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sucht haben, mich zu erreichen. Ich war aber nicht da. Der muss zwei Tage lang da vor dem Haus patrouilliert sein. Im Briefkasten habe ich ein kleines Zettelchen mit einer Telefonnummer gefunden, auf der handschriftlich notiert war, ich solle da mal anrufen. Das habe ich nie gemacht. Den Zettel habe ich heute noch. Das war die »Firma«. Büchsenschütz: Die Begegnung ist Ihnen erspart geblieben. Das ging haarscharf dran vorbei. Es kam ja gleich die Abreise. In der Woche darauf musste ich nach Berlin in die Auguststraße zum Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR. Herr Dr. von Rabenau hat mir dort, woran ich niemals geglaubt habe, wirklich meinen Reisepass mit Visum – für ein Jahr England – in die Hand gedrückt. Nun ging alles sehr schnell: Ich fuhr mit dem Zug bis an die Küste und dann mit dem Schiff zu den White Cliffs of Dover. Man kann keinem beschreiben, wie das war, als DDRBürgerin. Ich war 1982 ein Mal in der Schweiz, delegiert vom Oberseminar als Studentin. Es gab damals in Genf eine von der reformierten Kirche speziell für Studenten ausgerichtete Tagung über Glaubensbekenntnisse. Ich weiß bis heute nicht, warum ich ausgewählt wurde. Ich weiß es nicht, aber ich habe es gemacht. Da ich ja schon einmal ausgereist war, wusste ich,

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dass es in Berlin – das kann man heute noch besichtigen – diesen Ausreisetresen für Diplomaten gab, im sogenannten »Tränenpalast«. Wenn man ein Dienstvisum hatte, wurde man da unbehelligt raus- und, was noch viel wichtiger war, auch wieder reingelassen. Da wurde man auch nicht kontrolliert. Ich habe mir in England Bücher gekauft, denn ich wusste schon, dass das im Prinzip funktioniert. Büchsenschütz: Wie ist das finanziert worden, der Aufenthalt? Vom Weltrat der Kirchen, also vom World Council of Churches, Genf. Ich habe in England in der Tat auch meinen Mann kennengelernt. Zu Weihnachten 1984/85 wurden alle WCC-Stipendiaten in South Wales in der Nähe von Cardiff zusammengeholt. Da war eine Bungalow-Siedlung und dort haben wir eine Christmas Party gefeiert, die vom British Council of Churches organisiert wurde. Wir sind über Bristol gefahren und dort stieg auch noch einer in den Bus, der ließ dann gleich einmal seinen Koffer stehen (lacht) und ich habe ihn darauf hingewiesen. Mit dem gab es dann in dieser Bungalowsiedlung ein lustiges Zusammentreffen. Wir wurden von den englischen Gastgebern auf die Zimmer verteilt, und die konnten zum Teil mit den deutschen Vornamen nicht so viel anfangen. Da gab es


einen, der hieß Ulrich und auf dessen Namensschild haben sie »ULRICHE« geschrieben. Alle anderen auf dem Zimmer waren Damen. Ich lag da oben auf dem Doppelstockbett und plötzlich kommt dieser Mann da rein. ULRICHE stand auf seinem Namensschild und ich habe gesagt: »Raus hier. Dies ist ein Frauenzimmer!« Der ist dann später mein Mann geworden. Wir haben uns dort in England kennengelernt. Er studierte in London und ich in Birmingham. Wir haben dann Adressen ausgetauscht und gesagt, man könne sich ja mal wieder treffen. In London in Hampton Court haben wir schließlich Verlobung gefeiert. Wir haben also in England beschlossen, dass wir heiraten wollen, aber ich wollte zurück in die DDR. Das geschah alles in diesem Jahr. Ich bin das ganze Jahr über dort geblieben und habe mich entschieden, nicht zwischendurch heimzufahren. Das hätte ich zwar theoretisch gekonnt, aber ich dachte: »Ob sie mich dann wieder raus lassen? Ich bleib mal lieber hier.« Einen glücklichen Umstand muss ich an dieser Stelle noch kurz erwähnen: In London musste ich mich ja beim British Council of Churches vorstellen, wo übrigens ein ziemlich bekannter Deutscher, Paul Oestreicher, geboren in Meiningen, im Büro saß. Der hat mich in Empfang genom-

men und gesagt: »Sie müssten sich dann mal bei der Botschaft der DDR melden.« Ich habe erst mal in London gewohnt, bei dem Ehepaar, das diesen Sprachkurs gemacht hat. Die haben mich da gleich aufgenommen, mich auch an der Victoria Station abgeholt, und ich habe den Teufel getan und bin nicht zur DDR-Botschaft gegangen. Ich habe mein Studium angetreten, bin nach Birmingham gegangen. Am Ende des Jahres, das war 1985 im Juli, als klar war, dass wir heiraten wollten und ich in die DDR zurück will, habe ich mir dann den Spaß gemacht und bin zur DDRBotschaft gegangen. Dort habe ich meinen Reisepass vorgelegt und gesagt, dass ich mich nur mal erkundigen möchte, wie die Zoll- und Einfuhrbedingungen in die DDR sind. Die Botschaftsmitarbeiter fielen aus allen Wolken und fragten, was das für ein Pass sei und warum sie nicht wussten, dass ich ein Jahr hier gewesen bin: »Das kann doch nicht sein. Wir wissen doch gar nichts davon.« Zwei Stunden haben sie dann mit meinem Pass herumgehökert und ich musste dort warten. Mein Mann stand an der Victoria Station und wartete auf mich. Am Ende kamen sie und stellten fest, dass alles seine Ordnung habe und sie mich irgendwie nicht registriert hatten. Ich war also ein Jahr lang in England in totaler Freiheit. Ich war in Irland, ich war in Schottland, ich war überall.

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Vielleicht das noch: Ich war beim Begrüßungsabend in Birmingham unter 60 Teilnehmern die einzige Weiße. Es war für mich ein ganz neues Erlebnis, Leute aus Indien und verschiedenen afrikanischen Ländern zu treffen. Später kam dann noch eine Polin hinzu. Ich habe also klar kennengelernt: Es gibt eine erste Welt, eine zweite Welt, zu der die Polin und ich gehörten, und dann gibt es noch die dritte Welt. Büchsenschütz: Zurück nach Naumburg – und ein halbes Herz im Westen gelassen. Nein, höchstens in England. Haase: Wo kam denn der Ulrich her und wohin ging er von England zurück? Er ist Schwabe, stammt vom Schwarzwald und ist aufgewachsen in Schwäbisch Hall. Er ging dann ins Vikariat in Oberndorf am Neckar. Dort hat er sein Vikariat angefangen, aber schon in dem Wissen, dass das nicht lang dauern wird. Zwei Jahre, von 1985 bis 1987 hat sich aber der Prozess hingezogen, bis wir heiraten durften. Umgekehrt wäre es anders gewesen. Wenn ich gesagt hätte, dass ich in den Westen gehen will, hätte ich sofort hier heiraten dürfen. Es hätte vielleicht ein bisschen gedauert, aber als Pfarrer hätten sie uns natürlich gern

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rausgehabt. Aber umgekehrt – da gab es überhaupt nicht solche Regeln. Wir sind dann erst mal in Jena, wo ich wohnte, zum VPKA gegangen, dem Volkspolizeikreisamt. Dort saß so ein hemdsärmeliger, entnervter, dicker Polizist mit einer Schreibmaschine, dem wir unser Anliegen vorgetragen haben und der bass entsetzt war. Er hatte nämlich erst einmal gar keine Vorschriften dafür, wie man mit dieser Situation umgeht. Vorher waren wir schon in Magdeburg beim Bischof gewesen, bzw. bei seinem Stellvertreter, denn Bischof Christoph Demke war gerade im Urlaub, und wir hatten dort gesagt, was wir vorhaben. Da gab es diesen Bischof Kunst, über den solche Sachen liefen und der Vertreter der EKD bei der Bundesregierung und Militärbischof war. Insofern gab es diese diplomatischen Kanäle, mit denen man rechnen musste. Andererseits war das ja nun ein akuter Fall, der natürlich auch über die Stasi gelaufen ist. So wurde uns ein freundlicher Herr ins Haus geschickt, der sagte, er sei vom Innenministerium und heiße Keller. Mit Sicherheit hat weder das eine noch das andere gestimmt. Aber dieser Mann kam dann immer wieder, denn mein Mann war ja ein echter Bundesbürger und als Bundesbürger durfte man vier Wochen im Jahr in die DDR einreisen und musste jeden Tag 25 DM auf den Tisch legen.


Es zog sich aber alles nun länger hin und er war erst noch Student, dann Vikar. Da hatte er ja auch nicht das große Vermögen. Deshalb gab es die Sonderregelung, dass er nicht mehr über die vier Wochen hinaus diesen Tagessatz bezahlen musste und er für den Aufenthalt eine Verlängerung bekam. Das war aber immer dramatisch: Er musste erst wieder nach Westberlin ausreisen und dann bei der Einreise wieder einen neuen Stempel kriegen, was auf die Dauer etwas belastend war, weil es jedes Mal anders lief. Manchmal war Theater, dann haben sie ihn wieder weggeschickt. Diese zwei Jahre waren ziemlich dramatisch, auch weil unser Sohn unterwegs war. Im Januar 1987 wurde mein Mann dann schließlich mit Blumenstrauß und klassischer Musik im Jenaer Rathaus eingebürgert. Er bekam also eine Urkunde über die Staatsbürgerschaft der DDR, denn eine doppelte Staatsbürgerschaft innerhalb Deutschlands gab es nicht. Büchsenschütz: Die Musik stellte der Staat. Die stellte der Staat aus der Konserve, ja. Wie gesagt, es war 1987 und noch kein Mensch hat damit gerechnet, dass sich das bald alles sehr ändern wird. Zumindest war damit aber die Voraussetzung gegeben, dass wir offiziell heiraten durften. Das taten wir im gleichen Raum, wieder im Jenaer

Rathaus. Es folgte die standesamtliche Trauung, dann wurde im März unser Sohn geboren und im Mai hatten wir dann unsere kirchliche Trauung in Jena und dann hier in Saaleck die Feier. Haase: Die Entscheidung Ihres Mannes, die Staatsbürgerschaft zu wechseln, war ja dann noch gravierender, als wenn man sich entscheidet, in den Westen zu gehen. Auf jeden Fall. Haase: Ist das nur Liebe gewesen? Oder auch Sympathie Ihres Mannes für ein Leben in der »zweiten Welt«? Vielleicht müssen Sie ihn das selber fragen. Es hat auf jeden Fall eine Rolle gespielt: Seine Familie ist ziemlich weltoffen. Das ist eine richtige schwäbische Pfarrersfamilie mit sechs Kindern. Eine Tochter war schon lange nach England verheiratet, der andere Sohn hatte eine Französin geheiratet, die Atheistin war. Die waren also alle ein bisschen verteilt. Dass nun aber auch noch eine aus der DDR kommt, das war nun ein bisschen besonders, aber das haben sie verkraftet. Der Vater meines Mannes hat dann darauf hingewiesen, dass es einen Psalm gibt, in dem die Formulierung vorkommt: »Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.« Das hat er

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seinem Sohn mit auf den Weg gegeben. So war der Hintergrund der Familie Huppenbauer: Einerseits sehr fromm, andererseits aber auch sehr weltoffen. Haase: Aber das hat doch theoretisch bedeutet, dass auch er nicht mehr ständig in den Westen reisen konnte. Naja, das war ja die Zeit, in der man bei runden Geburtstagen und Familienanlässen eine Reise beantragen und meist dann auch fahren konnte. Bei einer so großen Familie war immer irgendwas. Büchsenschütz: In der Zeit haben Sie weiter in Naumburg gearbeitet. Ich war in Naumburg und dann am Ende im Schwangerschaftsurlaub. Insofern war das Jahr 1987 ein Schicksalsjahr. Als ich wieder in den Dienst eingestiegen bin, war ich noch ein bisschen im Oberseminar. Dann war die Assistentur abgeschlossen, und ich habe im Proseminar angefangen. Büchsenschütz: Und dann kam die Wende. Später wurde ja festgestellt, dass eine der Leitungskräfte IM war. Das war vor allem der Verwaltungsleiter vom Naumburger Oberseminar. Es war heftig, denn er war OibE, also

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Offizier im besonderen Einsatz. Das war der, der wirklich Einblick in Alles hatte, in alle Personalakten, und der sich in allen Vorgängen bestens auskannte. Er war vorher beim Konsum gewesen, und dann haben sie ihn irgendwie reinlanciert. Das hat keiner gewusst. Menschlich war der soweit ganz geschickt, dass er nicht irgendwelche Konflikte heraufbeschworen hat. Es ging ja los mit solchen Sachen wie Zimmervermietung. Wir wohnten doch alle in Naumburg verteilt in irgendwelchen Bruchbuden und man war froh, wenn man ein halbwegs ordentliches Zimmer gekriegt hatte. Da musste man zu ihm und hat sich auch ein Stück weit anvertraut. Er kannte genauestens die Familienverhältnisse sowohl der Studenten als auch der Dozenten und er wusste eben auch, wer wann wo auf die Straße gegangen ist und wogegen jemand demonstriert hat, was es häufiger in Naumburg gab. Im Proseminar hingegen hatten wir das Problem nicht. Aber wir hatten im Oberseminar noch einen Dozenten, der uns untergeschoben worden ist. Eines Tages wurden wir mit der Nachricht konfrontiert, dass ein schwedischer Gastdozent für ein Jahr zu uns kommt: Dr. Aleksander Radler – über den gibt es übrigens einen interessanten Film. Er hat ein Seminar gehalten über Friedrich Schleiermacher – hochinteressant! Daran habe ich auch teilgenommen. Das war etwas für Kenner und Liebhaber,


richtig gut! Dort hat er eine tolle Story erzählt: Er sei eigentlich hier auf der Finne geboren und dann nach Österreich gegangen und habe schließlich nach Schweden geheiratet. Dr. Radler war wirklich OibE und zwar im verschärften Maße. Nachdem das Jahr vorbei war, sollte sein Einsatz verlängert werden, aber irgend jemand hat das dann doch verhindert. Es ging also nicht mehr weiter, wohl weil er für seine »Firma« nicht genug Ergebnisse gebracht hat. Vor gar nicht sehr langer Zeit habe ich aber diesen Film gesehen, den man nach der Wende über ihn gedreht hat. Er wohnt demnach jetzt in Schweden und ist etwas verbittert darüber, wie alles gelaufen ist. Da ist mir offenbar geworden, dass er wirklich DDR-weit agiert hat. Es gab einen Fall in Jena in unserer unmittelbaren Nachbarschaft: Ein junger Mann wollte über Westberlin in den Westen gehen und ist aufgeflogen. Wir kannten die Leute sehr gut, mit dessen Bruder habe ich Baumhäuser gebaut usw. Eines Tages gab es große Aufregung, weil der Henning im Knast saß. Dafür war wirklich der Radler verantwortlich, der hat die da in Berlin – das waren so ein paar junge Leute – auffliegen lassen. Er hat ihr Vertrauen ausgenutzt. Sie haben ihm nämlich, weil er einen dauerhaften Diplomatenpass hatte, Briefe anvertraut, in denen sie ihre Flucht vorbereitet haben, und er ist mit den

Briefen in die Normannenstraße in die Stasi-Zentrale gegangen, und die ganze Sache ist aufgeflogen. Haase: Und dann wurde die kirchliche Hochschule ein Opfer der Wende. Gewissermaßen paradox. Viele Studenten haben sicher die friedliche Revolution aktiv mitgestaltet, nicht ahnend, dass ihre eigene Hochschule damit verschwindet. Das Ende kam aber deutlich nach der Wende und es war politisch motiviert: Aus dem Oberseminar sind zu viele selbständige und unruhige Geister hervorgegangen, was in das neue Weltbild nicht mehr hineinpasste. So sehe ich das, knallhart. Haase: Kirchenpolitik? Kirchenpolitik, die sich dann auch einer gewissen staatlichen Tendenz gefügt hat. Die Ursache der Schließung war nicht, dass es viel Trouble in der Wendezeit gab. Das Ganze hat ja noch eine Weile gehalten. Bettina Plötner-Walter, jetzt Pfarrerin in Eckartsberga etwa, von der ich zwei Kinder im Unterricht habe, und die noch in der letzten Phase dort studiert hat, die hat live miterlebt, was sich da alles zugetragen hat. Und ich muss sagen, dass man mit Protest einfach vor eine Gummiwand lief. Das war EKD-Politik, und die hat im-

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mer auch etwas mit der staatlichen Konstellation zu tun. Büchsenschütz: Aber Naumburg war in der Wendezeit auch ein Brennpunkt? Da wurde viel gedacht. Aber in alle Richtungen. Man kann aber nicht sagen, dass es so etwas wie eine permanente Revolution war. Es gab zwar welche, die auf die Straße gegangen sind, aber es war eigentlich mehr eine Revolution im Kopf. Mir ist es ja so gegangen, als ich dahin kam, dass ich noch eine zweite Ebene hatte. Mir war, als ob mir ein neues Stockwerk auf den Kopf aufgesetzt worden ist: Philosophie zu betreiben und das wirklich an den Texten. Ich habe natürlich, wie sich’s gehörte, bei der GeWi-Ausbildung mitgemacht, und dort haben wir ja immer nur so kleine Fragmente aus den Marx- und Engels-Gesamtwerken zu lesen bekommen Ich habe dann erst einmal die ganze griechische Philosophie studiert. Und dann Kant, der war immer sehr gut vertreten. Dann der Deutsche Idealismus bis hin zu Fichte. Das war vorher nie vorgekommen. Büchsenschütz: Haben Sie von diesem Impetus viel mit nach Pforta gebracht?

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Ich denke schon, ja. Immer wieder. Es gab ja auch meine Arbeitsgemeinschaften, wo wir zum Beispiel viel Platon gelesen haben. Büchsenschütz: Darauf will ich hinaus: Das ist ja ungewöhnlich für eine Theologin. Sie verlangen das zu Recht von den Schülern. Aber im Grunde war das, was da angeboten wurde, ja sozusagen das Öffnen von vielen Toren. Ja, das auf jeden Fall. Büchsenschütz: Und sie sind ja alle gekommen, die Seminare waren sehr gefragt oder sind sehr gefragt. Und Ihre Aktionen reichten dann ja auch bis nach Japan. Das ist nun wieder eine andere Ebene, daran ist unser Sohn Schuld. Ich hatte Japan überhaupt nicht auf dem Schirm. Unser Sohn hat ein Jahr in Japan studiert und verlangt, dass seine Eltern ihn in Japan besuchen. Das war im April – und wir kamen unvorbereitet aus der Hektik des Alltags nach Osaka. Der Sohn steht am Flughafen und wir fuhren in die Stadt, und in den Castle Grounds von Osaka blühten die Kirschbäume. Das war eine Wolke von Kirschblüten, durch die wir dann 12 Tage gefahren sind. Das war so


überwältigend, dass ich im gleichen Jahr noch einmal nach Japan gefahren bin. Und seitdem bin ich jedes Jahr einmal da. Für dieses Jahr habe ich auch schon mein Flugticket. Nun bin ich sogar schon vier Mal bei den Gedenkfeierlichkeiten in Hiroshima gewesen. Das hängt mit meiner Schulzeit zusammen. In meiner 11. Klasse hatte ich eine Phase, in der ich alles Mögliche über die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges in Japan, speziell die Atombombenabwürfe, gelesen habe. Ich hatte die Literatur, die es in der DDR gab, Die Blumen von Hiroshima und Strahlen aus der Asche. Das habe ich in mich aufgesogen, das hat mich begleitet – und deshalb wollte ich dahin. Das war auch der Grund, warum ich gleich im ersten Jahr noch einmal nach Japan geflogen bin. Ich wollte am 6. August in Hiroshima sein und sehen, was dort passiert. Ich war sehr erstaunt, dass es wirklich ein internationales Treffen ist. Es gibt ganz unterschiedliche Ebenen, wie das begangen wird: die staatliche, organisierte, aber auch private, mit Ständen, Austausch etc. Und da habe ich gesagt, dass ich mit Schülern hierher will, weil ich nach wie vor die Atombombenabwürfe für Wendepunkte in der neueren Geschichte halte. Da haben sich Dinge eingestellt in dieser

Welt, die bis heute nicht aufgearbeitet sind und deshalb finde ich es wichtig, dass die nächste Generation nicht nur einen halben Satz im Geschichtsbuch liest, sondern auch die Orte kennenlernt. Büchsenschütz: Also prägende Erlebnisse als ein Bestandteil Ihres Auftrages. Das ist ja auch Bestandteil Ihrer Pädagogik in Pforta gewesen. Ja. Dazu kann ich noch ergänzend sagen, dass ich im Theologiestudium mal an einen Punkt kam, an dem ich mir überlegt habe: Wer bin ich? Warum bin ich? Wozu bin ich? Und das kann ich auf eine einfache Formel bringen. Das habe ich mir auch damals aufgeschrieben. Erstens: Ich möchte Zeichen sein, als Theologin. Zweitens: Ich möchte Kulturträger sein im umfassenden Sinne. Und Drittens: für Menschen Mensch sein. Das sind die drei Ebenen, und ich denke, dass sich das so durchgezogen hat. Büchsenschütz: Dann waren es fruchtbare 25 Jahre. 26. Büchsenschütz: Wir müssen zurückkommen zum Anfang des Gesprächs. Dome und Johann Sebastian Bach. Eigentlich haben Sie

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sich hier in Ihr eigenes Paradies hineinbegeben. Was das anbetrifft, ja. Büchsenschütz: Sie haben einen Dom, einen gotischen, und Sie haben Johann Sebastian Bach – und nicht nur den, sondern entsprechende musikalische Strukturen hier miterleben können. Plus Gottesdienste. Also ein breites Tätigkeitsfeld. Was ist Ihnen denn davon am Wichtigsten? Ich muss erst einmal dem Dom widersprechen. Das ist ja hier eine Klosterkirche. Das ist etwas sehr Prägendes für mich: die Begegnung mit den Zisterziensern. Das heißt, ich wusste, dass es sie gibt. Aber es hat mich fasziniert und fasziniert mich bis auf den heutigen Tag und das ist die Botschaft, die ich vermitteln möchte: »Leute, schaut euch um. Warum ist dieser Ort, was er ist? Warum ist hier an dieser Stelle so viel Leben, durch die Jahrhunderte? Was ist eigentlich der Anstoß?« Und dieses Hic porta coeli est ist schon ein Motto, das mich hier begleitet hat. Manchmal hatte ich das Gefühl, man ist sehr weit von der Tür weg und die ist einfach zu – und dann gab es wieder Momente, in denen man das wirklich mit vollem Herzen sagen konnte: Hic porta coeli est.

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Deswegen habe ich auch von Pforta ausgehend diese Zisterzienserkultur immer mehr in den Blick bekommen und betreibe das auch aktiv, und deswegen werde ich nächste Woche wieder nach Bronnbach fahren, zur Generalversammlung der Charta der europäischen Zisterzienserstätten. Diese Kontakte würde ich auch gern über mein Ausscheiden hinaus noch fortsetzen. Ich möchte manchmal mit dem Holzhammer losgehen und sagen: »Leute, Ihr seid hier an einem ZisterzienserOrt! Nun nehmt’s doch mal wahr!« Die Schulgeschichte ist eher noch im Blick. Aber was das Wesen des Ortes ausmacht, hat eben mit der Klostergeschichte zu tun, da droht immer mehr verschütt zu gehen. Das war die goldene Zeit, als Herr Kissling und Sie hier tätig waren, als das in die obere Schicht des Bewusstseins geraten war – und nun habe ich das Gefühl, es versinkt wieder. Büchsenschütz: Ein Erlebnis. Ich saß morgens in meinem Büro, gegenüber in der Aula war die Tür auf – und da saß einer an der Orgel und spielte. Da habe ich gedacht: Das ist eine andere Welt. Dass es so etwas noch gibt. Und ich denke, diese Elemente haben Sie im Großen und Kleinen sehr gefördert, und das hat die Schule geprägt. Ist das so?


Ich muss sagen, darüber habe ich selber nicht nachgedacht. Ich habe getan, was ich für richtig hielt. Dann gab es dieses oder jenes Echo. Was wirklich pulsierender Mittelpunkt war, das war die Arbeit mit den jeweiligen Schülern. Wenn man solche Schüler hatte, die anfingen, sich auf der Orgel wohlzufühlen und dann noch bereit waren, regelmäßig im Gottesdienst zu spielen, dann habe ich zum Teil ein sehr intensives Verhältnis aufbauen können, welches auch bis heute währt. Ich habe versucht, vorhandene Ansätze ins Licht zu holen und zu fördern und mich auch von Schülern beeinflussen zu lassen. Zum Beispiel der Kreuzweg: Das ist einer Schülerin zu verdanken. Das war Anna Tetzlaff, die eines Tages ankam und sagte, das müsste man hier in Pforta auch machen. Oder Jakob Jagusch meinte, wir müssen doch hier mal ein Krippenspiel machen. Da habe ich gesagt: »Na klar, warum denn nicht? Fangen Sie doch mal an!« Und dann sind daraus Traditionen entstanden, so scheinbare Selbstverständlichkeiten, wo ich jetzt in großer Sorge bin, was davon noch übrig bleibt, wenn das jetzt nicht so weitergeführt werden kann. Das sind Sachen, die über die Jahre gewachsen sind. Man kann wirklich sagen: Am Anfang war das Chaos, und

dann kamen so nach und nach Strukturen … Büchsenschütz: Es war Chaos, aber es war nicht leer! Für mich ist der Ausgangspunkt mein allererster Blick, den ich damals in die Kirche geworfen habe. Ich hatte ja aus Bad Kösen von Pfarrer Höck diesen berühmten Pappkarton mit lauter rostigen Schlüsseln übergeben bekommen. Er sagte: »Das sind die Schlüssel für Schulpforte, aber ausprobieren müssen Sie die schon selber.« Er war ja nie drin gewesen, er konnte ja nicht rein. Dann bin ich mit den rostigen Schlüsseln von Tür zu Tür gegangen – für manche gibt es die Türen gar nicht mehr. Unter anderem bin ich dann mal an die Westfassade gegangen und habe probiert, ob da ein Schlüssel schließt. Und an dem südlichen Seiteneingang schloss es. Ich habe die Tür aufgemacht und hatte erst mal einen Kulturschock, als ich sah, wie es da drinnen aussah. Ich war in den 70er Jahren schon einmal dort. Damals wurden gerade diese Bodenplatten ausgehoben. Das war mit Reiner Bohley, der ja aus Naumburg kam und über Schulpforte und Nietzsche promoviert hat. Er hatte mit Herrn Konetzny arrangiert, dass mal ein paar Studenten aus Naumburg hier über das Gelände durften,

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und wir sind auch einmal quer durch die Kirche gegangen. Das war meine erste Begegnung mit der Kirche. 1990 sah es noch schlimmer aus als Anfang der 70er. Das habe ich tief verinnerlicht. Büchsenschütz: Weil Sie das mit den Schlüsseln erzählen – Sie haben ja auch etwas gemacht, was sehr wichtig war: Brücken von früher weiter geführt. Der letzte Pfarrer Pfortas, Günther Steinacker, wurde eingeladen, hat gepredigt beim Schulfest. So sind Spalten überbrückt worden und persönliche Heilungen geschehen. Bis hin zur Offenheit, dass ein früherer Schüler, der jetzt katholischer Theologieprofessor in Erlangen ist, eingeladen wurde und gepredigt hat. Wir hatten auch schon Reformierte, zum Beispiel den Nietzsche-Forscher Pernet und im vorigen Jahr Frau Dr. Stuber aus Wettingen. Bei den Schulfestpredigten habe ich ja sehr schnell eingeführt, dass immer Gastprediger kommen. Mit einer Ausnahme, als ich selber gepredigt habe, weil ich das Gefühl hatte, dass ich jetzt auch mal dran bin. Zunächst habe ich Pfarrer aus der Umgebung gebeten, die etwas mit Pforta zu tun

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hatten; meist, dass sie zur DDR-Zeit nicht reinkamen wie z. B. Steinacker. Dann kam die Serie alter Pförtner, die hier zur Schule gegangen sind, Pfarrer geworden sind und hier gepredigt haben. Und nun bin ich bei den Jahrgängen angekommen, die ich selbst ausgebildet habe und die zum Teil nun auch schon wieder Pfarrer geworden sind, wie z.B. Karl Tetzlaff und in diesem Jahr Constanze Greiner. Büchsenschütz: Von den drei Sachen: »Ein Mensch für Menschen zu sein« – ist das in Erfüllung gegangen mit diesem Brücken bauen für Menschen, deren Biografie gewaltsam abgebrochen worden ist? Das hatte ich nicht vordergründig im Blick, aber es war selbstverständlich, dass sie dann Gelegenheit haben sollten, hier zu predigen. Das »Mensch für Menschen sein« hat sich vor allem im Schulalltag abgespielt. Haase: Wie hat sich Ihre Arbeit mit den Schülern im Lauf Ihrer 26 Jahre verändert? Sind die Schüler genauso neugierig und durstig wie nach der Wende? Sie sind übersättigt. Sie sind nicht nur satt. Aber dann gibt es immer wieder Schüler, die diese Übersättigung erkennen und suchen. Und dann gibt es auch immer mal wieder welche, die


aufwachen, die übersättigt ankommen – und die merken, dass es noch ganz andere Ebenen gibt und sie da noch nicht übersättigt sind, dass es da noch was gibt, was sie mitnehmen können. Aber insgesamt hat es sich sehr geändert. Da spielt das Digitale eine Rolle. Die Schüler sind Handybzw. Smartphone-fixiert. Davon muss man sie manchmal mühsam lösen. Ich bin im Unterricht strikt dagegen. Da kommt das Ding erst mal weg. Eigentlich müssten sie meiner Meinung nach erst mal lernen, dass es unterschiedliche Medien gibt. Es gibt auch Bücher, in die man schauen kann. Auch das Gespräch ist wichtig, dass man sein Gegenüber wahrnimmt. Das ist die berühmte Geschichte mit dem Grüßen: dass man nicht aneinander vorbeirennt, dass man auch die Sprache des Ortes zu verstehen und wahrzunehmen lernt. Erfreulicherweise gibt es immer wieder Schüler, die sich davon berühren lassen. Da hat man gut zu tun. Das ist eine ewige Herausforderung. Das sind dann auch manchmal Sachen, die sich nebenbei abspielen, nicht unbedingt im Unterricht.

KARL BÜCHSENSCHÜTZ, geb. 1942, rect. port. 1992–2005, studierte nach abgebrochener landwirtschaftlicher Lehre ab 1963 Germanistik, Geschichte, Philosophie, Pädagogik und Politik in Frankfurt/Main und an der FU Berlin. Von 1972 bis 1992 war er lehrend und leitend an der Odenwaldschule, am Staatlichen Studienseminar in Bensheim und an der Alexander von Humboldt-Schule in Viernheim tätig. Seit seiner Emeritierung als rector portensis lebt er mit seiner Frau Regine in Naumburg, OT Großjena. MATTHIAS HAASE, geb. 1968, al. port. 1983–1987 val., studierte von 1989– 1993 Schulmusik an der Hochschule für Musik »Franz ­Liszt« in Weimar und arbeitet seit 1991 als freier Hörfunkjournalist für den MDR. Seit 2012 ist er Vorsitzender des Pförtner Bundes e.V.

Der Text beruht auf einem Gespräch, das am 15.4.2016 in Schulpforte geführt und unter redaktioneller Mitarbeit von Ferenc Herzig und Karl Tetzlaff verschriftet wurde.

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Internatsschulen im Vergleich

I

Pfortenser in St. Afra

Im Zuge des sechsten NdLG-Treffens (Netzwerk deutschsprachiger Landesgymnasien) reiste unsere vierköpfige, gewählte Delegation – bestehend aus Conrad Theilemann, Beatrice von Braunschweig, Felix Ende und Jenny Glöckner – nach St. Afra, ein Internat für Hochbegabte bei Meißen (Sachsen). Per Definition haben Hochbegabte (derzeit) einen Intelligenzquotienten von 130; des Weiteren beinhaltet die Aufnahmeprüfung in St. Afra ein Probewochenende mit verschiedenen Aufgaben, um auch die Internatstauglichkeit festzustellen. St. Afra ist eine verhältnismäßig junge Schule; sie wurde zwar ebenso wie Pforte 1543 durch Kurfürst Moritz von Sachsen gegründet, wurde jedoch nicht durchgängig als Schule genutzt und 2001 nach einem Neubau des Internats wiedereröffnet. Nun gibt es zwei »Dörfer«, wobei die Häuser der Mittelstufe (7. bis 10. Klasse) und der Oberstufe (11. und 12. Klasse) durch eine Straße innerhalb des Geländes voneinander getrennt sind. Die einzelnen Häuser sind zwei- bis viergeschossig, wobei jeder Flur mit eigenem Gemeinschaftsraum (mit Fernseher und Küche), Bad und verschiedenen Abstellkammern inklusive Waschmaschine eine eigene WG-Einheit bildet. Dabei gibt es nur Zweierzimmer, die alle gleich groß sind und deren

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Ausmaße noch dadurch betont werden, dass die Schränke in den eigenen Flurabzweig integriert sind, sodass ein freier Rückzugsort entsteht. Des Weiteren erscheint das Gelände durch weitläufige Wiesen, verschlungene Wege und diverse Baumgruppen recht idyllisch, was die Berglage noch betont, wobei man dennoch so gut wie direkt in der Stadt ist. Da wir schon Freitag anreisten, besuchten wir teilweise den Unterricht. Dort fiel die geringe Klassen- bzw. Kursstärke auf, sodass wir mit nur acht weiteren Personen im Deutschgrundkurs saßen; die reguläre Klassenstärke der Mittelstufe liegt bei 24 Schülern. Das Grund-Leistungskurssystem ist wohl ein möglicher Grund für die kleinen Kurse, was zudem in Kombination mit der höheren Lehrerrate mehr individuelle Förderung ermöglicht. Zudem liegt das durchschnittliche Alter der Lehrkräfte, die teilweise auch als Hausmentoren (Hauseltern) eingesetzt werden, bei Mitte 30, was neue Methoden nahelegt. Das zu Anfang erwähnte Aufnahmewochenende erscheint auch zwingend nötig in Anbetracht des, meiner Meinung nach größten, Unterschieds im Vergleich zu Pforte: Die Afraner fahren nur alle vier bis fünf Wochen nach Hause, wenn sie eine zusätzliche Woche Ferien erhalten. Dabei kommt jedoch nichts von Nichts – dafür ha-


Zurück nach St. Afra: Es gibt zwar bis Samstag Unterricht, doch dafür ist der Sonntag umso angenehmer, da 9 bis 13 Uhr Brunch angeboten wird. Zudem gibt es an allen Schultagen zwei Mal Frühstück – vor und nach dem ersten Block, der je nach Klassenstufe 7.45 Uhr oder 8 Uhr beginnt. Somit gibt es durch Mittag und Vesper nur eine Pause, in der kein Essen angeboten wird.

Zeit, um etwas gemütlich zu essen) auch zu einer merklichen Verlängerung des Schulalltags. So endet der fünfte Block erst zum Abendessen (gegen 18 Uhr); hier muss allerdings angemerkt werden, dass niemand alle fünf Blöcke durchgängig Unterricht hat. Andererseits bedeutet es aber auch wie bei uns, dass die Freizeit erst nach 18 Uhr anfängt, so auch die zahlreichen Sport-AGs. Nicht selten verlagern sich auch die Hausaufgaben in den mehr oder weniger späten Abendbereich, sodass häufig seufzend von einer nötigen »Nachtschicht« gesprochen wird. Allerdings gibt es auch in den Stundenplan integrierte Freiarbeitszeiten, die nicht mit Freistunden, sondern eher mit Selbststudium gleichzusetzen sind und somit für eventuelle Hausaufgaben genutzt werden können.

Allerdings führen die deutlich längeren Pausen (man braucht schließlich

Beginnt nach dem alltäglichen Frühkonzil (Kurzversion der SV, aber mit

ben sie an den restlichen Wochen Montag bis Samstagmittag Unterricht. Im Gegensatz dazu fährt man am Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd (BadenWürttemberg) alle zwei Wochen für ein verlängertes Wochenende nach Hause. So oder so wird der Zeitaufwand eindeutig optimiert, was schüler- und familienfreundlicher ist.

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Nachrichten und schülergeleitetem »Kulturteil«) der Unterricht, so fällt noch etwas sofort auf: Handys sind verboten. Einige mögen jetzt geschockt sein (»Was soll man sonst die ganze Zeit machen?«), aber es hat tatsächlich auch Vorteile – man ist gezwungen aufzupassen, der Lehrer resigniert nicht aufgrund zu geringer Beteiligung und man nimmt tatsächlich mehr aus dem Unterricht mit, sodass man sich nichts zusätzlich

selber aneignen muss. Zudem sollte erwähnt werden, dass es kein W-LAN gibt, sodass das exzessive Handynutzen für die meisten ohnehin hinfällig würde. Das allgemeine Interesse wird sowieso durch eine gesteigerte Abitur- oder sogar Lebensrelevanz gestärkt, indem zum Beispiel weniger wichtige Lehrinhalte in kürzerer Zeit behandelt werden, wodurch Prioritäten für Schüler und Lehrer gesetzt werden. JENNY GLÖCKNER, 12M

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Pforta in Gespräch Eine neue Veranstaltungsreihe in Schulpforte

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Beim Thüringer Gänseessen, das im Herbst 2016 in Pforta stattfand, kam es zu einer besonderen Begegnung zwischen den Schülergenerationen. Unter einer bunten Schar jüngerer Alumni saß Dr. Hans-Ulrich Schneider (al. port. 40–45), der sehr persönlich von seiner Zeit in Schulpforte erzählte. Und das offenbar so plastisch und facettenreich, dass gleich mehrere Anwesende anregten, solch ein Gespräch vor größerem Publikum stattfinden zu lassen. Schließlich gehe es hier um die letzten Zeugen der Zeit in Schulpforte unter NS-Regime. Nach einem Gespräch des Vorsitzenden des Pförtner Bundes mit dem Prokurator der Stiftung Schulpforta wurde beschlossen, dass beide Förderer der Landesschule gemeinsam eine Veranstaltungsreihe begründen, die in loser Folge im Besucherzentrum der Stiftung auf dem Gutsgelände durchgeführt werden soll. Der Auftakt fand am 15. Februar 2017 um 19 Uhr, statt: »Lernen in der NAPOLA – Lebenserinnerungen«. In einem Einführungsvortrag skizzierte Historikerin Dr. Marianne Dörfel, wie verschieden sich der Prozess der Umwandlung der Fürstenschulen in Schulen des NS-Regimes vollzog und welche Eigenheiten der Traditi-

onsschulen sich zumindest eine Zeit lang noch unter dem Hakenkreuz halten konnten (vgl. http:// www.ifz-muenchen.de/ heftarchiv/1989_3_2_doerfel.pdf). Anschließend bot Schulbibliothekarin und -archivarin Petra Mücke eine kurze Dokumentenschau mit Fotos und andere Archivalien aus der Zeit von 1935–1945 und erläuterte, auf welche Weise diese Materialien gesammelt und die letzten Jahrzehnte aufbewahrt werden konnten. Im dritten Teil erfragte der Vorsitzende des Pförtner Bundes dann im Gespräch mit Dr. Schneider, wie er seine Schulzeit in der NPEA Schulpforta zu Kriegszeiten erlebt hat. Nach der Veranstaltung gab es Gelegenheit, in individuellen Gesprächen bei Wein und Gebäck den Abend im Besucherzentrum ausklingen zu lassen. Bereits um 18 Uhr gab es eine kostenpflichtige Sonderführung: »Schulpforte zur Zeit der NPEA«. Bibliothekarin Petra Mücke erläuterte Alltag und die Nutzung der Gebäude zwischen 1935 und 1945.

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Kurzmeldungen Dirk Heinecke wechselt an das Domgymnasium Naumburg

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Dr. Dirk Heinecke, seit 1995 an der Landesschule Pforta als Geschichtsund Sportlehrer tätig und als Verfasser der Monographie »Transformationsprozesse im Schulsystem der Sowjetischen Besatzungszone/frühen Deutschen Demokratischen Republik 1945 bis 1958 am Beispiel der ehemaligen Fürstenschule und Nationalpolitischen Erziehungsanstalt Schulpforta«, FU Berlin 2012/13, (http://www. diss.fu-berlin.de/diss/ servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000013270/Dissertation_Heinecke.pdf ) hervorgetreten, wurde zum 1. Februar als Schulleiter an das Domgymnasium Naumburg, 1088 erstmals urkundlich erwähnt und seit 1528 evangelisch, berufen. Die feierliche Einführung fand am 3. Februar statt. Der Pförtner Bund gratuliert dazu sehr herzlich!

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»Pförtner Album« digitalisiert im Internet

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Das »Pförtner Album«, das Verzeichnis sämtlicher Schüler und Lehrer der Landesschule von 1543 bis 1843, von C. F. H. Bittcher 1843 in Leipzig veröffentlicht, steht jetzt nach dem Exemplar der Harvard University Cambridge/USA komplett digitalisiert im Internet zur Verfügung: https://books. google.de/books?id= 8Ak9AAAAYAAJ&redir_ esc=y.

Nachschlagewerke der Bibliothek in Pforta übergeben

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Aus einem Vorlass erhielt die Bibliothek in Pforta geschenkt: Theologische Realenzyklopädie (TRE), 36 Bände, Berlin: Walter de Gruyter 1993–2004; Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), Dritte Auflage, 11 Bände, Freiburg: Herder 1993–2001;Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament (THWNT), 10 Bände, Stuttgart: Kohlhammer 1933–1978; Lexikon der Kunst (Neubearbeitung), 7 Bände, Leipzig: Seemann 1987–1994


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Zisterzienser-Ausstellung in Bonn Das LVR-LandesMuseum Bonn, Colmantstr. 14–16, 53115 Bonn, zeigt vom 29.6.2017–28.1.2018 eine große Ausstellung »Die Zisterzienser. Das Europa der Klöster«, die verbunden ist mit einem opulenten Rahmenprogramm, einem reich illustrierten Begleitbuch und einem wissenschaftlichen Sammelband »Die Zisterzienser im Mittelalter«. http://www.landesmuseum-bonn.lvr.de/de/ausstellungen/vorschau_2/ vorschau_1.html

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Chor-Erfolg Im März 2016 nahm der Gemischte Jugendchor der Landesschule am 14th Concorso Corale Internazionale in Riva del Garda teil und konnte in der Kategorie Jugendchöre den ersten Preis erringen. Der Pförtner Bund, der fördernd beteiligt war, gratuliert!

Kurzmeldungen | 67


Vom Pförtner Bund *  *  *

3Foto: Hamish John Appleby


Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung 2016 Versammlungsort: Schulpforte, Kleiner Festsaal Zeit: 11.00–12.35 Uhr Versammlungsleiter: Paul Pasieka Protokollantin: Anne Hultsch Anwesend: 47 stimmberechtigte Mit­glieder des Pförtner Bundes e. V. Die Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung erfolgte fristgerecht in Die Pforte. Schulpforta-Nachrichten Nr. 68, 2015.

Begrüßung Pasieka begrüßt die Anwesenden.

Grußwort des rector portensis Thomas Schödel Schödel begrüßt die Mitglieder herzlich. Er berichtet von der Festveranstaltung zur Einweihung des Klausurgebäudes, dessen Restaurierung mit Liebe zum Detail erfolgte und äußerst gelungen sei. Welch gute Lebensund Arbeitsbedingungen damit den heutigen Schülern geboten werden, zeigt er vergleichend anhand eines Berichts über die Zustände im Jahre 1780. In welchem Umfang die Schüler von dem Engagement des Pförtner Bundes profitieren, würdigt Schödel dankend am Beispiel des Ludoriums, der Unterstützung zur Teilnahme am Chorwettbewerb, an Exkursionen, Studienfahrten, Schüleraustausch, Wettbewerben und an der Schüler-

akademie. Er hebt die befruchtende Zusammenarbeit mit dem Vorstand – vor allem dem Vorsitzenden und der Schatzmeisterin – hervor und verleiht seiner Freude auf eine weitere gute Zusammenarbeit Ausdruck.

Grußwort des Prokurators der Stiftung Schulpforta Arndt Gerber Gerber stellt sich kurz vor, erwähnt die Vergabe von mittlerweile 30 Stipendien und sonstige Förderungen und weist auf die geplante Dauerausstellung hin, in deren Vorbereitung die Mitglieder mittels einer Umfrage einbezogen worden sind. Die Reaktionen werden ausgewertet und bei den Überlegungen zur Gestalt der Ausstellung berücksichtigt. Gerber dankt für die pragmatische Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden. Die Tagesordnung wird angenommen.

TOP 1: Bericht des Vorsitzenden Der Vorsitzende blickt auf seine vierjährige Amtszeit zurück, dankt seinem Vorgänger für die gute Einarbeitung in die Geschäfte und seinen Vorstandskollegen für die gute Zusammenarbeit, berichtet von schönen Erlebnissen mit offenen und sehr neugierigen Schülern und erwähnt exemplarisch für die geleistete Arbeit das Großprojekt der letzten zwei Jah-

70 | Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung 2016


re, die Metamorphose der Alten Turnhalle zum Ludorium. Die Mitgliederzahl wächst weiter (s. Handzettel zur MV), was nicht zuletzt der guten Alumniarbeit zu verdanken sei. Eine Lücke hinsichtlich der Altersstruktur bestehe weiterhin bei den heute 50- bis 70-jährigen. Es ergeht die Bitte an alle, ehemalige Mitschüler, auch wenn sie keine aktiven Vereinsmitglieder sind, dennoch zur Mitteilung von Adressänderungen zu bewegen. Die vor zwei Jahren angenommene Satzung hat seitens des Finanzamtes zu keinen weiteren Beanstandungen geführt. Die Gemeinnützigkeit des Vereins ist anerkannt. Die freundliche Erinnerung säumiger Zahler kurz vor Weihnachten habe einen erfreulich positiven Rücklauf. Mit dem Ende ihrer Amtszeit scheiden drei Beisitzer aus dem Vorstand aus (Karsten Müller, David Ortmann, Gernot Vaerst). Haase würdigt ihren je spezifischen Beitrag innerhalb des Vorstandes, dankt ihnen für ihre Arbeit und deutet an, daß sie auch außerhalb des Vorstandes zur weiteren Zusammenarbeit bereit seien.

gel für die Kirche sieht, andererseits erinnert er daran, daß es nicht immer nur um die finanzielle Unterstützung der Schule/Schüler gehen könne, sondern es auch um die ideelle Förderung und Begleitung von generationsübergreifenden Diskursen und Debatten gehen müsse.

TOP 2: Bericht der Schatzmeisterin In Die Pforte Nr. 67, 2014 und Nr. 68, 2015 befinden sich die Haushaltsrechnungen für die Jahre 2013 und 2014. Für 2015 liegt ein vorläufiger Jahresabschluß vor. Die Einnahmen lagen 2014 und 2015 bei jeweils knapp 90.000 EUR. Es werden ausgewählte Projekte genannt (s. Handzettel zur MV), die durch den Pförtner Bund finanziert werden konnten. Im Vergleich zu den Vorjahren sind vor allem die Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit der Schule und zur Unterstützung sozial schwacher Schüler gewachsen. Der ausführliche Bericht liegt als gesonderte Anlage vor. Herzlicher Dank an alle Mitglieder und Spender, von denen die großzügigsten namentlich genannt werden und an die Vorstandskollegen und Rechnungsprüferinnen für konstruktive Hinweise.

Abschließend denkt Haase einerseits laut über ein mögliches neues Langzeitvorhaben nach, das er in einer Or-

Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung 2016 | 71


TOP 3: Berichte der Rechnungsprüferinnen für die Haushaltsrechnungen 2014 und 2015 Die Prüfung erfolgte durch Kerstin Hoffmann und Grit Vaerst. Letztgenannte verliest die Kassenprüfberichte, in welchen die ordnungsgemäße Kassenführung bestätigt wird. Für 2015 ergaben sich insofern Beanstandungen, als es zwischenzeitlich eine Änderung der Vorschriften gegeben hat, daß Spendenbescheinigungen für Mitgliedsbeiträge und Spenden gesondert ausgefertigt werden müssen. Die Berichte der Kassenprüferinnen liegen als gesonderte Anlage vor.

TOP 4: Entlastung des Vorstands und der Rechnungsprüferinnen Als Wahlleiterin wird einstimmig Sandra Archut bestellt. Die Entlastung der Kassenprüferinnen erfolgt bei einer Enthaltung ohne Gegenstimmen. Die Entlastung des Vorstandes erfolgt bei neun Enthaltungen ohne Gegenstimmen.

TOP 5: Bericht des Archivars Der als gesonderte Anlage vorliegende Bericht wird aufgrund der Abwesenheit des Archivars vom Versammlungsleiter verlesen. Es wird in ihm

auf das nunmehr 10-jährige Bestehen des – enger werdenden – Zentrums Pförtner Bund eingegangen, Unterstützern gedankt und an ältere Mitglieder appelliert, ihre Vita einzureichen, sofern dies nicht bereits erfolgt ist.

TOP 6: Vorstandswahlen und Wahl der Rechnungsprüferinnen Die Wahlleiterin beantragt, den Vorstand und die Rechnungsprüfer offen und en bloc zu wählen. Dies wird einstimmig angenommen. Haase erklärt die Aufgabenverteilung im Vorstand und stellt dabei die Wichtigkeit der Regionalarbeit, die besonders in Berlin gut funktioniere, heraus. Die neuen Kandidaten für die Wahl zu Beisitzern (Sophie Müller, Patrick Soff) stellen sich persönlich vor. Die Wahl des gesetzlichen Vorstandes und der Beisitzer erfolgt ohne Gegenstimmen bei elf Enthaltungen. Alle Gewählten nehmen ihre Wahl an. Der Vorstand im Sinne § 26 BGB (Matthias Haase, Anne Hultsch, Petra Mücke, Paul Pasieka, Claudia Pohland) bleibt damit unverändert bestehen. Als Beisitzer fungieren für die Amtszeit 2016–2020: Klaus-Dieter Fichtner, Peter Maser, Sophie Müller, Patrick Soff, Dagmar Sommer. Als Rechnungsprüferin scheidet Grit Vaerst aus, der für ihre Arbeit herzlich gedankt wird. Es kandidieren: Kers-

72 | Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung 2016


tin Hoffmann (in Abwesenheit), die bereits Kassenprüferin ist, und HansPeter Spengler, der sich kurz persönlich vorstellt. Beide Kandidaten werden en bloc ohne Gegenstimmen und ohne Enthaltungen einstimmig gewählt. Sie nehmen ihre Wahl an.

e) Der Frage nach nicht mehr aufzufindenden namentlich gekennzeichneten Kirchenstühlen wird Haase insofern nachgehen, als er die Pastorin bitten wird, keine Stühle aus der Kirche, wo ihr alleiniger Platz sei, mehr zu entfernen.

TOP 7: Verschiedenes

f) Die Elternratsvorsitzende Vaerst berichtet, daß bei den Elternversammlungen Flyer des Pförtner Bundes ausgelegt und über die aktuellen Aktivitäten des Pförtner Bundes informiert werde.

a) Es wird Kritik am Zustand der Bank um die Platane geäußert und finanzielle Unterstützung für deren Sanierung angeboten. – Haase wird sich darum kümmern. b) Auf die Frage nach den Funktionen innerhalb des Vorstandes wird geantwortet, daß keine Wahl in konkrete Funktionen erfolgen müsse und diese wie auf der Übersicht der Kandidaten (s. Handzettel zur MV) verteilt werden. c) Es erfolgt der Hinweis auf eine CD mit Vertonungen von in Hexametern geschriebenen Texten Klopstocks durch Telemann und Rolle, die im Besucherempfangszentrum erhältlich ist.

g) Es wird anhand eines konkreten Falles die Frage nach der Weiterförderung begabter Schüler nach ihrem Verlassen Pfortas aufgeworfen. – Ein Teil der Alumniarbeit werde künftig darin bestehen, neben Studien- auch über Stipendienmöglichkeiten zu informieren. Die Förderung durch den Pförtner Bund beschränke sich satzungsgemäß auf Schule und Schüler. Dresden, am 22. Mai 2016 gez. Hultsch – Schriftführerin – gez. Haase – Vorsitzender –

d) Die Berliner Pförtner Treffen leiden unter zunehmender Abwesenheit jüngerer Alumni, die durch ein Konzert einer Alumniband wettgemacht werden sollen. – Der Regionalbeauftragte wird diese Bitte organisatorisch unterstützen.

Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung 2016 | 73


Ecce 2016 Karl-Heinz Bickmann Justiz-Amtsrat a. D. * 9.2.1920   † 9.9.2016 (al. port. 36–39 v.) Armin Bonitz Versicherungskaufmann * 3.9.1932   † 4.12.2015 MDP Barbara Borges Dipl.-Mineralogin * 4.12.1933   † 22.7.2016 (al. port. 49–52 v.) MDP Dr. Stefan Fachmann Geologe * 8.12.1966   † 12.1.2016 (al. port. 81–85 v.) Irmgard Fehlhaber, geb. Ansorge * 22.9.1945   † 11.6.2016 (al. port. 60–64 v.) Dorothee Gericke, geb. Sturm * 30.3.1925   † 10.4.2016 Witwe von mag. port. Frank Thomas Gericke Mitarbeiterin in der Schulverwaltung 1974–1985

74 | Ecce 2016

Frank-Thomas Gericke * 19.3.1930   † 12.1.2016 mag. port.1953–1995 Helma Gröbner, geb. Meyer * 21.3.1937   † 29.7.2016 (al. port. 51–53) Inge Hackbarth, geb. Opitz * 18.12.1939   † 19.12.2015 (al. port. 53–57 v.) Karl-Heinz Hoffmann * 28.6.1946   † 24.9.2016 (al. port. 53–57 v.) Dr. Leonore Kleeberg, geb. von Jakobs Zahnmedizinerin, Oberärztin * 23.2.1944   † 29.1.2014 (al. port. 58–62 v.) Prof. Dr. Dieter Koch-Weser Mediziner * 13.7.1916   † 19.7.2015 (al. port. 28–35) MDP Franz Kramer * 28.4.1923   † 9.9.2015 (al. port. 36–42)


Johannes Günther Kraner Kirchenmusikdirektor * 11.7.1930   † 14.4.2016 (al. port. 47–48) Peter Lehmann * 22.10.1949   † 16.10.2012 (al. port. 64–68 v.) Dagmar Lützkendorf, geb. Brückner * 5.4.1960   † 13.12.2016 mag. port. 91–97 (al. port. 74–78 v.) Karl H. Merkel Rechtsanwalt * 22.9.1919   † 2009 (al. port. 35–37) Erika Müller, geb. Reichelt * 16.12.1937   † 26.7.2016 (al. port. 54–58 v.) Theodor Münzenberg Pfarrer * 29.3.1933   † 8.2.2016 (al. port. 48–51) MDP Hans Rettkowski Dipl.-Ing und Bankdirektor * 14.5.1922   † 24.6.2016 (al. port. 36–42)

Jochen Schneider, geb. Zürpel * 12.6.1934   † 2.3.2016 (al. port. 48–52 v.) Dr. Christian-Erdmann Schott Pfarrer * 13.8.1932   † 24.10.2016 (al. port. 45–47) MDP Uwe Storm Dipl-Wirtschaftswissenschaftler * 27.1.1931   † 1.3.2016 (al. port. 41–45) Karl-Heinz Ullrich * 30.9.1945   † 4.9.2016 (al. port. 60–64 v.) Dietrich Volkmann Diplom-Volkswirt * 27.1.1935   † 21.2.2016 (al. port. 46–49) MDP Karin Weiß, geb. Buchenau Dipl.-Ökonomin * 23.2.1939   † 2016 (al. port. 53–57 v.) MDP

Ecce 2016 | 75


Im Archiv historisch vereint

D

Die jahrhundertelange Geschichte der Landesschule in Schulpforte erfuhr nach 1945 einen entscheidenden Einschnitt. Es gab für den 1926 gegründeten Verband ehemaliger Schüler, den Pförtner Bund e.V., im Osten keine Zulassung mehr. In der Bundesrepublik fanden sich Alte Pförtner in Detmold wieder zusammen und suchten einen Weg, die alten Traditionen in einer neuen Schule fortführen zu können. Es kam schließlich 1968 zu dem Neubau der Landesschule in Meinerzhagen, gefördert von der Evangelischen Kirche von Westfalen. Damit wurde das einzigartige Internatssystem – ohne Erzieher mit Hebdomadaren und Präfekten – von Schulpforta übernommen. Die Ev. Landesschule zur Pforte in Meinerzhagen bestand nur 24 Jahre und lief danach als Bildungseinrichtung aus. Die Bauten wurden schließlich 2005 abgerissen, die Schulakten an den Schulträger übergeben. Der an der Schule ehemals tätige Lehrer für Mathematik, Physik und Astronomie Christoph Illgen sammelte aus historischem Interesse in seinen Arbeitsjahren in Meinerzhagen von 1967-1992 Berichte über den Schulablauf sowie besondere Ereignisse und Leistungen in seiner Wohnung, ehe sie verloren gingen. Mit dem Neuanfang 1989 suchte er einen Weg, die

76 | Im Archiv historisch vereint

vielen Sammelstücke in Schulpforte zu deponieren, damit eine geschlossene Schulgeschichte möglich würde .Das Interesse dafür war sofort vorhanden . 2007 entstand durch die Initiative des Leiters des Pförtner Bundes, Prof. Dr. Maser, und mit Hilfe des Schatzmeisters H. Duckart das Zentrum Pförtner Bund (ZPB) mit dem Archiv der Mitglieder im Neugotischen Haus auf dem Gutsgelände. Das Archiv wurde nach der Verlagerung in das ZPB durch den Archivar Dr. Fichtner neu gestaltetet. Weitere historische Materialien waren zuvor nach Pforta durch Dr. Weihe in Düsseldorf gesammelt und geordnet übergeben worden .Damit ergab sich nun aber auch die Möglichkeit, die privat gesammelten zahlreichen Unterlagen aus Meinerzhagen im ZPB unterzubringen. In wiederholten Fahrten über zwei Jahrzehnte hinweg brachte Chr. Illgen das umfangreiche Material aus Meinerzhagen nach Pforta und ordnete und katalogisierte es in Abstimmung mit dem Archivar des Pförtner Bundes. Nachdem diese Aktion im Juni 2016 abgeschlossen war, wurden die Bestände aus Meinerzhagen von Dr. Müller-Römer als Illgen-Archiv mit einem Schenkungsvertrag dem Pförtner Bund zur Nutzung übergeben. Damit ist für den Arbeitskreis ehemaliger Landesschüler Meinerz-


hagen, den AKEL, und für den Pförtner Bund eine gemeinsam nutzbare Sammlung zu einer geschlossenen Schulgeschichte entstanden. Bisher war die Verbindung von Pforta und Meinerzhagen einzig durch den geretteten Grundstein aus Meinerzhagen am Fürstenhaus in Pforta sichtbar. Christoph Illgen gebührt für seine langwierige uneigennützige Sammlung und Aufarbeitung der Meinerzhagener Materialien und deren Schenkung an das Archiv des Pförtner Bundes besondere Anerkennung auszusprechen. KLAUS-DIETER FICHTNER (Al. port. 46-48 V., ARCHIVAR DES PFÖRTNER BUNDES)

Im Archiv historisch vereint | 77


Klassentreffen 2016 Jahrgang

Anlass

Datum

Tage

Ort

1951

65: Eisernes Abitur

Schulfest 19–22.05.

4

Naumburg, Pforta

Teil­ Altnehmer schüler 9 7

1952 C

64: jährlich 25.09.–27.09.

3

Berlin

18

10

1952 B

64: jährlich 30.08.–02.09.

3

Potsdam

18

16

1956 A +B1 1956 B2

Diamantenes Abitur Diamantenes Abitur

Schulfest 20.–22.05. Schulfest 20.–22.05.

3

Pforta

12

12

4

Pforta

31

16

1956 C

Schulfest 20.–22.05. Schulfest 20.–22.05.

3

Pforta

12

8

1966 A+B+C

Diamantenes Abitur Goldenes Abitur

3

Pforta

49

1960 A+B+C

56: 2-jährlich

9.–11.09.

3

Bad Kösen

38

41 + 4 ehem. Lehrer 29

1961

55: 3-jährlich 53: 3-jährlich

17.–18.05. + Schulfest 17.–18.05. + Schulfest

Naumburg, Pforta Naumburg, Pforta

14

12

10

10

1964 A

78 | Klassentreffen 2016

3


zusammengetragen im Januar 2017 von HELMUT HEIMBÜRGE (Al. port. 55–57 V.)

Schwerpunkte Klassentreffen, Schulfest

Übernachtung, Gaststätten Hotel Stadt Aachen

Klassenabend, »Schlossaufbau«, Konzert in der Philharmonie 19. Klassentr., Stadt, Stadtrundfahrt, 4 Std Dampferfahrt Diamant. Abi, Schulfest Diamant. Abi, Kremserfahrt, Himmelreich, Spende 6000 € (Roboter) Diamant. Abi

Hotel Albrechtshof

Informant

Organisator/ Ansprechpartner Prof. Hein- Theodor Münrich Arnzenberg †, Prof. hold Heinrich Arnhold Dr. Dietrich Dr. Traugott EberMüllerhard, Dr. Dietrich Römer Müller-Römer

Potsdam

Rose-Marie Kampe

Paul Bieber

Sporthotel Nbg.

Walter Ihsecke

Mutiger Ritter

Walter Ihsecke Alfred Dell

Wolfgang Werner

Gold. Abi

Bismarckturm

Wolfgang Werner Irene Lose

Führg Schule. Vortrag: Zusammenarbeit Stiftg.Schule Klassenabend, Führung in Pforta Klassenabend, Schulfest, Ludorium, neues Internat

Schöne Aussicht Rudolpf Ottilie Nbg: Hotel Königshof »Zur Alten Schmiede«

Ernst Meincke Christina Reiboth

Alfred Dell

Agnes Kratsch; Kurt Schletterer + Team Rudolpf Ottilie

Inge Kaulfersch. Prof. Udo Ludwig Christina Reiboth Sabine Ilgert

Klassentreffen 2016 | 79


1964 B1

53: 3-jährlich

07.09.

1

Gößnitz

9

9

1964 B2

53: 3-jährlich

17.–18.05. + Schulfest

3

Pforta/Freyburg

14

14

1970

50 Jahre Einschulung 45

02.–04.09.

2

Bad Kösen, Pforta

13

Pforta

15

13 + Lehrerpaar 15

40

03.–05.06.

Erfurt

9

7

30

Schulfest 20.–22.05.

Naumburg, Pforta

10

10 + 2 Lehrer

1986 A;B;C;E¹

30

Schulfest 21.05.

Pforta

30

30

1991 E

25

23.04.

Pforta

13

13

1996

20

Schulfest 20.–22.05.

2

Naumburg/ Pforta

43

43 + 6 Lehrer

2006 m, n, s

10

Schulfest 20.–22.05.

2

Pforta

ca. 30

2011

5

24.09.

1

15

57–64

jährlich

8.–19.11.

1

Bad Kösen, Pforta Pforta

mit vielen Kindern 15

15

12

1971 1976 Meinerzhagen 1986 M

Schulfest 20.–22.05. 3

1

¹) Es gab außer dem Musikzweig 2 Sprachklassen und 4 »normale« EOSKlassen (nur 11./12. Klasse in Pforte)

80 | Klassentreffen 2016


Treffen bei Knuth Thein, Klassenabend Klassenabend , Fischhaus, RebsSchulfest, Rund- chule gang Wilhelmshof ? Fischhaus

Monika Freiberg

Bismarckturm

Edith Soff

spez. Stadtführung: Kirchen, Synagoge Schulfest, Klassenabend Besichtigung in Pforta, Klassenabend, Bismarckturm Fischhaus, Führung Internat, Sternwarte Schulfest, Weinund Sektmanufaktur, Fotoschau

Hotel Schoppe, Bismarckturm

Christina Reiboth

Wolfgang Bohl,Knuth Thein,Josef Enders Dr.Andreas Busch und Jürgen Viehweg Fam. Kaulen

Michael Finger, Reiner Taubert, Edith Soff Dr. Berthold Dr. Berthold SeeSeewald wald

Alte Schmiede Dr. Sven Go- Susann Staritz, Dr. lembowski Sven Golem. Beate Schlimm Bismarckturm Petra Mücke

Franziska Soff Hotel Alte Schmiede Nbg. u. a.

Patric Soff

privat

Lisa Hartke

Bismarckturm Roßbach

Dr. Helmut Heimbürge

Treffen unter der Platane Café Schoppe, Pforta, Fischhaus »Naumburger Kreis«. Gesprächsrunde, Ecce

Christina Reiboth

Birgit Brach

Andrea Kopik, Jan Bobbe, Jan Krimphove, Nadine Schlüter Martina Facebook: Thomas Zuschke Krüger, Friederike Rohr Annemarie ­Schunke Reinhold Steppan, Hubert Kinzel

Klassentreffen 2016 | 81


Diamantenes Abitur 2016

U

Unser zwölftes Klassentreffen anlässlich dieses wichtigen Ereignisses wurde zu einem beeindruckenden und für alle Teilnehmer unvergesslichen Erlebnis. Für die Organisation und die Durchführung des Treffens hat Alfred Dell viel Lob von seinen Mitschülern erhalten. Zum Treffen vom 19. bis 22. Mai waren 18 ehemalige Mitschüler – die meisten mit ihren Partnerinnen – angereist. Das Programm hatte viele Höhepunkte: Die Festveranstaltung am Freitagnachmittag wurde in der Aula zusammen mit den »Goldenen« Abiturienten des Jahrgangs 1966 durchgeführt. Sie wurde, auch dank der stimmungsvollen Einleitung durch den Mädchenchor der Landesschule, zu einem feierlichen Ereignis. Nach einem Grußwort des Rektors und der Festrede einer ehemaligen Schülerin zum Goldenen Abitur erhielten die Abiturienten des Jahrgangs 1966 ihre Urkunden. Dann hielt unser Mitschüler Klaus Werner eine bewegende Festrede. Er erinnerte an den schweren Anfang im Jahr 1952, der noch von der Notlage der Nachkriegszeit gekennzeichnet war, zeichnete in fast philosophischer Art und Weise den Werde- und Entwicklungsgang unseres Jahrgangs,

82 | Diamantenes Abitur 2016

schilderte die Anstrengungen und Erschwernisse auf dem Weg ins Leben, welche vielfältigen Lebensläufe daraus entstanden, und wie wir die unterschiedlichen Phasen unseres Lebens erlebt und gemeistert haben. Der Rektor der Landesschule, Thomas Schödel, übergab nach einer kurzen Begrüßung allen Abiturienten der vier Schulklassen, die im Jahr 1956 ihr Abitur abgelegt hatten, das »Diamantene Zeugnis der Reife«. Nach einem stillen Gedenken an die verstorbenen Mitschüler und Lehrer überreichten die Klassen Geschenke an die Schule. Für die Übergabe eines Schecks in Höhe von 6.000,00 Euro als Spende unserer Klasse zur Anschaffung eines programmierbaren Humanoiden für die Schule gab es herzlichen Beifall der Schüler und Gäste – der sich noch steigerte, als zu unserer Verblüffung der Rektor den kleinen Roboter nicht nur zeigen konnte, sondern dieser bereits in der Lage war, uns zu begrüßen. Möge unser Geschenk den Lernenden der Pforte helfen, den Zugang zur digitalen Welt – der Welt 4.0 – zu erleichtern. Anschließend fuhren wir mit zwei Kremser-Gespannen zur über dem Tal der Saale gelegenen Berggaststätte »Himmelreich«. Diese Fahrt hatten


freundlicherweise Angelika und Dieter Bartsch gesponsert. Gelegenheit zur Weiterführung der Gespräche gab es auch bei weiteren Treffen im »Fischhaus«, im »Grünen Salon« des Mutigen Ritters und auf der Rudelsburg. Bevor wir auseinandergingen, gab es eine Diskussion darüber, wie es mit unseren Treffen weiter gehen soll. Karlheinz Steppan erklärte sich bereit, für ein Klassentreffen im Jahr 2018 in der Zeit des Schulfestes die Vorbereitung zu übernehmen. Teilgenommen am »Diamantenem«Klassentreffen haben:

Angelika und Dieter Bartsch, Gisela und Ernst Bartsch, Harm Behrends, Eva und Edwin Biwoll, Hannelore und Gerhard Cyrklaff, Alfred Dell mit Lebensgefährtin Dorothee Kremer, Traudel und Oswald Glawion, Petra und Rainer Hermann, Resel und Jörg Ihbe, Wilma und Günter Kaiser, Christine und Adolf Koschitzki, Hannelore und Peter Kostial, Kurt Kretzschmar, Eberhard Lochmann, Edith und Horst Neumann, Karlheinz Steppan, Helga und Klaus Völlger, Irmgard und Klaus Werner. HORST NEUMANN (Al. port. 53–56 V.)

Diamantenes Abitur 2016 | 83


Gänse-Essen an der Themse Neue Trends bei EhemaligenTreffen

M

Man mag digitale Medien, Internet und soziale Netzwerke schmähen oder ihnen die Zukunft zusprechen. Abseits dieser Diskussion sind gerade jüngere Ehemalige der Landesschule Pforta mehrheitlich über Facebook & Co. vernetzt. Auch die Landesschule Pforta pflegt einen eigenen Facebook-Auftritt, der von 1500 Nutzern regelmäßig verfolgt wird. Darunter Freunde des historischen Ortes, Touristen, heutige Schüler und deren Eltern, aber auch Ehemalige. Eingestellt werden knappe Beiträge, die zeitnah von Aktivitäten in der Landesschule berichten (Wettbewerbserfolge, Studienfahrten, Konzerte, Terminankündigungen), aber auch per Weblink auf Presseberichte über Pforta verweisen. Auch die Gänseessen der Ehemaligen sind als Veranstaltungslink seit 2016 eingepflegt, so dass man unabhängig von individuellen Einladungen durch die Organisatoren auch auf diesem Weg von den Treffen erfährt. In diesem Jahr wurden die Veranstaltungen in Berlin, Dresden, Halle, München, Aachen, Frankfurt am Main und Schulpforte vorab gepostet. Die Resonanz auf diese Form der zusätzlichen Ankündigung war

84 | Gänse-Essen an der Themse

gut. Für Dresden gab es gleich mehrere zusätzliche Anmeldungen – und aus Leipzig sogar den Vorschlag, dort schnell noch ein Kurzfrist-Gänseessen zu organisieren. (Dieses kam aber letztlich 2016 noch nicht zustande) Die aufregendste Anfrage erhielt der Vorsitzende des Pförtner Bundes von einem Ehemaligen, der die schöne Idee hatte, in London ein Gänseessen abzuhalten. Dass dieses tatsächlich zustande kam, zeigt, dass sich die »Liebesfäden« der Alma Mater, auch über Ländergrenzen hinweg spinnen lassen. Für den Pförtner Bund e.V. hat Patrick Soff (al. port. 92–96 v.) als neues Vorstandsmitglied die Aufgabe übernommen, solche Regionaltreffen zu stärken. Dabei will der Pförtner Bund Initiativen unterstützen, die sich spontan bilden, oder aber auch auf Dauerhaftigkeit ausgelegt sind. Wir würden uns über weitere Ehemalige freuen, die in Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern, BadenWürttemberg, NRW, Niedersachsen, Hamburg, nördliches Sachsen-Anhalt, solche Treffen organisieren wollen. Natürlich sind größere Studienorte dafür prädestiniert. Das Beispiel Aachen sei dabei erwähnt. Hier hat vor zwei Jahren Gerda Lachmann (al. port. 03–07) erstmals zum Gänseessen eingeladen. In schö-


ner Runde hat sich der gemeinsame Abend inzwischen etabliert. Die Organisationskosten übernimmt der Verein. Das Essen zahlt jeder Teilnehmer selbst. So bleibt es bei einem bescheidenen Aufwand hinsichtlich der Organisation. Weitere Informationen gibt es bei Patrick Soff (­­patrick. soff@gmail.com) Welchen Stellenwert dieser herbstliche Brauch gerade bei jüngeren Ehemaligen hat, wird erklärlich, wenn man dem schulischen Gänseessen im »Coenakel« beiwohnen darf, das – seit es Rektor Büchsenschütz nach der deutschen Wiedervereinigung wieder eingeführt hat – regelmäßig eine Aufwertung erfährt. Die Schülerinnen und Schüler sitzen gemeinsam, dicht gedrängt an liebevoll gedeckten Tafeln. Die Lehrerschaft zieht mit Laternen und Gesang ein. Der Brauch der Gänsegedichte mit Wanderpokal wird ebenso gepflegt wie musikalische und theatralische Beiträge. Die 9.-Klässler servieren mal geschickt, mal etwas unsicher reihenweise Gans

mit Rotkohl und Klößen, Dessert und Weingläser stehen bereit – und dieser feierliche Spätnachmittag gewinnt einen besonderen Zauber durch die Aufmerksamkeit, die die Jungen und Mädchen ihrem eigenen Auftreten zuteil werden lassen. Die jungen Damen überzeugen in geschmackvollen Kleidern, aufwändigen Frisuren und passendem Schmuck, die jungen Herren erscheinen zumindest in Hemd und Anzughose, meist jedoch im dunklen Anzug. Dafür gibt es keine Vorgaben oder Richtlinien. Dass solche Momente prägend sind und bleiben, beweisen auch die zahllosen Fotos, die vor und nach dem Ereignis von den Schülern im Kreuzgang gemacht werden. Als Vorsitzender des Pförtner Bundes an diesen Momenten teilhaben zu dürfen ist ein Genuss, der darüber hinwegtröstet, dass es diese Tradition in DDR-Zeiten nicht gegeben hat. MATTHIAS HAASE (Al. port. 83–87 V.)

Gänse-Essen an der Themse | 85


Pförtnertreffen in Frankfurt am Main

V

Vor einigen Jahren zog ich von Bayern nach Bad Homburg und somit in den Großraum Frankfurt. Da in einigen Großstädten regelmäßige Treffen ehemaliger Schüler stattfinden, dachte ich, das müßte doch auch in Frankfurt möglich sein. Vom Pförtner Bund erhielt ich die Adressen der in Hessen lebenden Portenser und nahm Verbindung zu ihnen auf. Von den 42 angeschriebenen Ehemaligen antworteten 19 und so trafen wir uns erstmals 2011 zur Kontaktaufnahme und zum festlichen Gänseessen. Vertreten waren zu Beginn die Abiturjahrgänge von 1956 bis 1961. Im Folgejahr gesellte sich zu uns ein Altafraner, Prof. Dr. Wilhelm Lutz, der von unserem Treffen gehört hatte und seitdem jedes Jahr dabei ist. Wir konnten ihn für den Pförtner Bund gewinnen und haben viel Interessantes über unsere Schwesterschule in Meißen gehört. Nach und nach folgten Jahrgänge von 1984/86, dann 2002, und die Jüngsten haben ihr Abitur erst vor wenigen Jahren gemacht. Es ist die Mischung der Altersklassen, die unsere Treffen so besonders macht. Von Halle und Berlin weiß ich, dass Pförtnertreffen häufig mit kulturellen Events verbunden werden. Diesmal bot sich das auch bei uns an. Geprägt von meiner Schulzeit in Pforta, ich sang vier Jahre im Chor unter der Leitung von Frank Thomas Gericke, ist die Liebe zur Chormusik geblieben. So suchte ich nach meinem Wohnortwechsel wieder einen

Chor. Als ich die Tür zur ersten Probe öffnete, erklang das »Locus iste«, welches ich in Pforte mitgesungen hatte. Da wußte ich, hier bleibe ich. Inzwischen habe ich viele schöne Konzerte mitgesungen, war auf Choreisen im Ausland und habe nette Menschen kennengelernt Viele Monate haben wir an unserem diesjährigen Adventskonzert geprobt, konnten Solisten und ein kleines Orchester gewinnen und freuten uns am 7. Dezember auf unsere Aufführung. So habe ich unser diesjähriges Treffen auf den Tag des Konzerts gelegt. Da dieses Vorhaben auf Anraten des Pförtner Bundes auch im Internet bekannt gegeben wurde, hätte ich eine größere Resonanz erwartet. Vielleicht war es der Wochentag, an dem das Konzert stattfand, der einige davon abgehalten hat, zu kommen. Aber die, die gekommen sind, waren begeistert. Das anschließende Gänseessen in der »Alten Kelterei« nebenan gab Anlass zu vielen Gesprächen. Als letzte Gäste verließen wir um Mitternacht das Restaurant. Die Planung für das nächste Treffen läuft bereits. Es wird wie schon in den vergangenen zwei Jahren wieder mit Partnern, einschließlich Kindern, stattfinden.

86 | Pförtnertreffen in Frankfurt am Main

SIBYLLE FINK, GEB. SCHÖNER ( Al. port. 55–59 V.)


Pförtner Abend in Dresden

S

Seit vielen Jahren organisieren Christian Klinghardt und Dr. Malte von Bargen den Dresdner Pförtnerabend. Sie sind beide Meinerzhagener Alumni (der Vater von Dr. Malte von Bargen war zudem in Pforta) und luden auch in diesem Jahr wieder ein. Wie immer gab es ein Rahmenprogramm, und so trafen sich schon am Nachmittag einige Pförtner, um die Schatzkammer des Buchmuseums der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) zu entdecken. Anschließend kamen etwa 20 Pförtnerinnen und Pförtner in einer guten Mischung ganz unterschiedlicher Jahrgänge im »Dach-Restaurant Am Weberplatz« im Gästehaus der TU Dresden zusammen. Dr. Malte von Bargen konnte selbst leider nicht kommen. Natürlich gab es die traditionelle Martinsgans und an einem Gedicht fehlte es auch nicht. Nach anfänglichen Gesprächen in kleinen Gruppen entwickelte sich im Laufe des Abends ein wunderbarer Austausch im großen Kreis, bei dem viele Geschichten aus den jeweiligen Pforte-Jahren erzählt wurden. Es war wieder einmal für alle ein sehr gelungener Abend. PATRICK SOFF (Al. port. 92–96 V.)

Pförtner Abend in Dresden | 87


Gänseessen der Thüringer Ehemaligen

A

Ausnahmsweise nicht in Thüringen, sondern in Pforta! Im Fischhaus wurden mehrere Gänse aufgetragen. Tranchiert wurde selbst (hier Hermann Schinkel al. port. 51–53). Zuvor Besichtigung der sanierten Klausur. Dank an Organisatorin Franziska Teichert (al. port. 96–00).

88 | Gänseessen der Thüringer Ehemaligen


Z

Berliner Treffen 2016

Zum »Schlössertag 2016« haben wir im Januar die Berliner Schlossbauhütte in Berlin-Spandau besucht. Dort werden alle aus Sandstein zu fertigenden Fensterumrahmungen, Säulen, Kapitelle und Skulpturen hergestellt. Wie das in Kombination von alter Handwerkstechnik und modernen Methoden funktioniert, wollten wir sehen. Bei der Übertragung des Gipsmodells zum Originalsandstein haben wir draußen stehend trotz des frostigen Tages mit großem Interesse den Erklärungen von Herrn Görlich gelauscht. Auch im Innenbereich waren wir von den aufgezeigten Etappen zur Entstehung der neuen Schlossfassade beeindruckt. Die gut formulierten Erklärungen haben zu reichlich Fragen animiert, so dass wir einen erlebnisreichen Tag hatten. Es war für die 38 Teilnehmer eine tolle Bereicherung. Im Restaurant eines Italieners konnten wir uns stärken und unsere Gespräche führen. Inzwischen wurden sehr viele der in Schlossbauhütte gefertigten Elemente zum Schloss gebracht und dort eingebaut. Die Fassade des Berliner Schlosses ist mit Stand November 2016 fast fertig. Nur die großen Portale mit ihrem umfangreichen figürlichen Schmuck brauchen länger. Im Juni gab es am Berliner Schloss wieder ein Wochenende der offenen Tür. Am 11. Juni waren 15 Mitglieder aus unserem Berliner Kreis gekommen, um

sich vor Ort den Baufortschritt anzusehen. Beeindruckend war der Blick vom Dach des Schlosses auf den Lustgarten und die Museumsinsel. Zum Frühjahrstreffen am 11. März haben wir das Deutsche Historische Museum besucht. Die angebotenen Führungen waren von unterschiedliche Qualität. Das Herbsttreffen am 11. November bot wie alljährlich einen Vortrag, zu dem 55 Interessierte gekommen waren. Diesmal haben wir uns auf das bevorstehende Lutherjubiläum einstimmen lassen. Wir hatten Dr. Dr. Benjamin Hasselhorn von der Stiftung Luthergedenkstätten in Wittenberg als Referenten eingeladen. Er hat uns in fesselnder Weise – durch Beamer unterstützt – von Luthers Leben und der Motivation zu seinen 95 Thesen vorgetragen und ist auf den Inhalt der Reformation und deren Auswirkungen in den folgenden 500 Jahren eingegangen. Abschließend wies er auf die Ausstellungen und Veranstaltungen in den verschiedenen LutherGedenkstätten hin. Das Treffen fand wieder im Restaurant des Hotels Holiday Inn am Gesundbrunnen statt, wo wir günstige Bedingungen für die Organisation einschließlich der Nutzung der Konferenztechnik haben. HELMUT HEIMBÜRGE (Al. port. 55–57 V.)

Berliner Treffen 2016 | 89


Tabula Gratulatoria Vorname Werner-Rolf Fritz Elisabeth Wolf-Dietrich Frank-Dieter

Name Pick Hacker Axthelm Bindemann Gerhardt

Charlotte Heinrich Heinrich Ilse Rose Christian Werner Peter Rainer Helga Helmut Heinz Klaus-Dieter Hans Helmut Klaus Peter Martin Werner Rudolf

Kaiser-Dieckhoff Zander Heitmann Hossfeld Drechsler Hübener Leich Vollrath Wohlfeil Röhling Pilch Winkler Hahne Nöll Reeh Miessner Schmidt String Scheel Förster

Gottfried Dieter Jürgen Wolfdietrich FriedrichWilhelm Dieter Werner Rüdiger Eduard

Pforta 26 – 32 v. 29 – 34 v. 32 – 36 34 – 39 v. 33 – 39 v. 34 – 35

33 37 37 38

– – – –

34 39 45 45 v.

41 38 38 39 46 45 47 45 42 42

– – – – – – – – – –

45 41 45 45 49 v. 45 49 v. 49 v. 45 45

Stefke Stüber Wenderhold von Kloeden Eigler

42 47 47 48 48

– – – – –

45 50 v. 51 v. 50 49

Hempel Lehmann Rollert Künstner

42 46 42 46

– – – –

45 52 v. 45 50 v.

90 | Tabula Gratulatoria

MDP MDP MDP MDP MDP

MDP MDP MDP MDP MDP

MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP MDP

MDP MDP MDP

Geburtstag 25.08.2013 26.09.2013 06.12.1916 29.03.1919 27.08.1920

Alter 104 104 101 98 97

08.12.1920 05.02.1921 11.07.1921 27.08.1921 16.10.1921 13.12.1921 31.01.1927 21.02.1927 27.04.1927 26.07.1927 21.09.1927 30.09.1927 09.10.1927 01.12.1927 28.01.1932 03.02.1932 18.02.1932 29.02.1932 15.03.1932 20.03.1932

97 96 96 96 96 96 90 90 90 90 90 90 90 90 85 85 85 85 85 85

27.03.1932 09.04.1932 23.04.1932 02.05.1932 10.05.1932

85 85 85 85 85

30.05.1932 02.06.1932 15.06.1932 25.06.1932

85 85 85 85


Vorname Albert Eberhard Günther Martin Peter Klaus Theresia Karl-Heinz Ernst Hartmut Klaus Brigitte Horst Peter Ingrid Reinhard Erika Karl-Heinz Lothar Walter Siegbert Wolfgang Annerose Luise Adolf Otto Winfried Peter Rainer Monika Lothar Jürgen Wolfgang Oswald Rembert

Name Astalosch Lühe Schmidt Meyer Woller Hübschmann Schnuppe Wohlert Uhl Vahl Poser Künzel Weltrowski Emmerling Thiele Tauchmann Schüttler Müller Lattner Ramisch Woywode Dalitz Ladicke von Kölichen Koschitzki Pfeiffer Pfirschke Ziller Hartung Tauchmann Friebner Bergmann Werner Glawion Behrendt

Pforta 46 – 52 43 – 45 46 – 49 48 – 50 49 – 51 45 – 50 49 – 52 43 – 45 47 – 51 43 – 45 43 – 45 51 – 55 51 – 55 49 – 55 51 – 55 49 – 55 50 51 50 51 51 51 49 51 49 51 50 51 51 51 50 50 52 46

– – – – – – – – – – – – – – – – –

55 55 54 54 55 53 55 56 55 53 55 55 55 56 55 56 56 54

MDP v. MDP v. v. v. v. v.

MDP MDP

v.

MDP

v. v. v. v.

MDP

v. v. v.

MDP

MDP

v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v. v.

MDP

MDP MDP

Geburtstag 21.07.1932 08.08.1932 10.08.1932 23.08.1932 03.09.1932 05.09.1932 01.10.1932 09.10.1932 27.10.1932 31.10.1932 12.11.1932 02.01.1937 04.01.1937 11.01.1937 16.01.1937 24.01.1937 28.01.1937 21.02.1937 26.02.1937 28.02.1937 28.02.1937 18.03.1937 24.03.1937 09.04.1937 23.04.1937 02.05.1937 04.05.1937 10.05.1937 12.05.1937 31.05.1937 09.06.1937 19.06.1937 23.06.1937 03.07.1937 09.07.1937

Alter 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80

Tabula Gratulatoria | 91


Vorname Gertrud Gerd Peter Dietrich Klaus Peter Siegfried Gerd Rainer Dorothea Christoph

Name Klinger Weber Stüber Dettmer Werner Bender Heßmann -Erbsmehl Eichert Dennhardt Muschik Illgen

Christa Wolfgang Otto Hans-Helmut Hans Dietrich Otto Alfred Vera

Bensch Grasshoff Wage Brade Methfessel Berger Dell Hempel

Gerhard Eberhard Klaus Hans Klaus-Dieter Jörg Dagmar Elvira Elvira Volker Karl

Weise Lochmann Wieprich Mertineit Schlieper Ludewig Schäfer Hruschka Starbati Pehse Büchsenschütz

Rudolf Renate Wolfgang

Planer Beucke Toepfer

92 | Tabula Gratulatoria

Pforta 52 – 56 52 – 56 51 – 55 49 – 55 52 – 56 49 – 51 52 – 56

MDP v. v. v. v. v. v.

49 – 55 v. 50 – 54 49 – 55 v. mag. port. Meinerz. 51 – 55 v. 51 – 55 v. 52 – 56 v. 45 – 55 v. 49 – 55 v. 51 – 55 v. 52 – 56 v. mag. port. 58-62 52 – 57 v. 52 – 56 v. 56 – 60 v. 56 – 60 v. 56 – 60 v. 56 – 60 v. 56 – 60 v. 57 – 61 v. 57 – 61 v. 56 – 60 v. rector port. 92-05

57 – 61 v.

MDP MDP MDP MDP MDP MDP

Geburtstag 17.07.1937 12.09.1937 12.09.1937 17.09.1937 17.09.1937 17.09.1937 23.09.1937

Alter 80 80 80 80 80 80 80

25.09.1937 18.10.1937 19.10.1937 21.10.1937

80 80 80 80

28.10.1937 13.11.1937 16.11.1937 16.11.1937 17.11.1937 26.11.1937 12.12.1937 18.12.1937

80 80 80 80 80 80 80 80

MDP

22.12.1937 22.12.1937 02.01.1942 09.01.1942 27.01.1942 20.03.1942 30.03.1942 04.05.1942 12.05.1942 31.05.1942 26.08.1942

80 80 75 75 75 75 75 75 75 75 75

MDP MDP MDP

10.09.1942 16.12.1942 30.12.1942

75 75 75

MDP

MDP

MDP MDP MDP MDP

MDP MDP


Haushaltsrechnung Kalenderjahr 2015 Finanzamt Naumburg Steuer-Nr. 119/142/03726

1. Einnahmen- und Ausgabenrechnung 1. Einnahmen

Mitgliedsbeiträge Erbschaften/Vermächtnis Spenden sonstige Einnahmen Einnahmen aus Umsatzerlösen, Chor, Verkäufe Zins- und Kurserträge Summe Einnahmen

31.12.2015 EUR

15.687,23 0,00 71.375,52 5.000,00 8.876,85 448,84 101.388,44

31.12.2015 EUR

101.388,44

2. Ausgaben

Ausgaben, Kosten der Vereinsverwaltung, Internet Beihilfen Landesschule, Archiv, Die Pforte, Pforta Info … Zinsen, Bankgebühren Ausgaben für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren Abschreibungen Summe der Ausgaben Vereinsergebnis

− 241.340,10 − 221,80 – 0,00 – 1.428,00 – 242.989,90

– 242.989,90 – 141.601,46

Haushaltsrechnung Kalenderjahr 20145 | 93


Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta

A

Auf dem Wege zum Welterbe fand am 14. August 2016 durch ICOMOS International im Rahmen des Evaluierungsprogrammes in der WelterbeAntragsregion an Saale und Unstrut die Besichtigung der Klosteranlage statt. ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) berät die UNESCO zu denkmalpflegerischen Fragen, insbesondere des Weltkulturerbes. Vor der Ernennung neuer Stätten erstattet ICOMOS ein Fachgutachten zu dem Antrag auf Eintragung in die Welterbe-Liste und gibt dazu die Beschlussempfehlungen an das Welterbe-Komitee. Das abschließende Gutachten soll im Januar 2017 vorliegen. Der Förderverein Welterbe an Saale und Unstrut e. V., zu deren Mitgliedern auch die Stiftung Schulpforta gehört, und alle Mitstreiter sind indes guter Hoffnung, dass die Bewerbung unter dem offiziellen Titel »Der Naumburger Dom und die hochmittelalterliche Landschaft an den Flüssen Saale und Unstrut« mit Aufnahme in das Welterbe mündet. Die endgültige Entscheidung über den Antrag fällt letztendlich in der Zeit vom 2. bis 12. Juli 2017 in Krakau (Polen) bei der 41. Sitzung des UNESCO-Welterbe-Komitees. Das Landesweingut Kloster Pforta GmbH (LWG KP) hat Mitte Oktober 2016 die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur geplanten Ansiedlung

94 | Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta

des Weingutes auf den stiftungseigenen Flächen innerhalb des Klosterareals vorgestellt. Als Ergebnis wurde die grundsätzliche Durchführbarkeit des Vorhabens bestätigt. Diese sieht neben der Nutzung vorhandener leerstehender Gebäude einen Neubau auf den Flächen der ehemaligen Gärtnerei vor der neuen Turnhalle vor. Zwischenzeitlich ist durch den Gemeinderat der Stadt Naumburg am 14. Dezember 2016 mit großer Mehrheit die erforderliche Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes beschlossen wurden. Somit sind die vorbereitenden bauleitplanerischen Voraussetzungen gegeben. Als nächster Schritt im Planungsprozess soll ein Architektenwettbewerb zur optimalen Einpassung von neuen Gebäuden in die vorhandenen Strukturen durchgeführt werden. Nach Auskunft des Vorhabenträgers ist die Fertigstellung und Inbetriebnahme der neuen Anlagen für Mitte 2020 geplant. Das Projekt beinhaltet als ein Kernstück auch die Verlagerung der Vinothek vom derzeitigen Standort an der B87 neben dem Torhaus in das ehemalige Speichergebäude neben dem neuen Besucherempfangszentrum. In diesem Zusammenhang ist gleichzeitig auch der Ausbau einer kleinen gastronomischen Einrichtung vorgesehen, um den Besuchern die Möglichkeit zu


geben, bei einem Imbiss den Aufenthalt in der Pforte noch attraktiver zu gestalten. Durch die vorgenannte Machbarkeitsstudie wurde bestätigt, dass der ehemalige Rinderstall neben dem neuen Besucherempfangszentrums für die Ansiedlung des LWG KP keine weitere Berücksichtigung findet. Folglich kann die Vorbereitung für die Errichtung der Dauerausstellung zur Geschichte des Zisterzienserklosters und der Landesschule Pforta wiederaufgenommen werden. Nach Vorlage der Ausstellungsgrobkonzeption (Arbeitstitel: »Portaneum – Bildungs- und Ausstellungshaus Schulpforte«) Ende 2015 wurden zunächst alle weiteren Aktivitäten zur Umnutzung des Speichergebäudes als Museum wegen der höheren Priorität der Ansiedlung des LWG KP zurückgestellt. Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns recht herzlich für die Anregungen und Hinweise der ehemaligen und aktiven Pförtner zur inhaltlichen Gestaltung der Ausstellung bedanken. Im Januar 2017 finden die nächsten Gespräche mit den zuständigen Behörden wegen der Fördermittelmodalitäten statt. Zielstellung ist die Eröffnung des Museums Ende 2020. Nach langen Bemühungen und tatkräftiger Unterstützung durch das

Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt (BLSA) konnten im Zeitraum vom September bis November 2016 die Deckenfelder oberhalb des Triumphkreuzes im Kircheninnenraum saniert werden. Die Gerüste konnten gerade noch rechtzeitig vor den Adventskonzerten abgebaut werden. Nun laufen die letzten Arbeiten an der Sanierung der mechanischen Aufhängevorrichtung für das Kreuz. Nach aktuellen Stand ist die Aufhängung des Triumphkreuzes für Mai 2017 im Vorfeld des nächsten Schulfestes geplant. Wir möchten uns auch hier nochmals bei allen Spendern und Förderern für die großartige Unterstützung bedanken und hoffen auch weiterhin auf finanzielle Unterstützung bei der Fertigstellung des Projektes. Am 11. und 12. Dezember 2016 hatte die Stiftung Schulpforta erstmalig den »Pfortenser Weihnachtsmarkt« durchgeführt. Die Resonanz war für uns überwältigend! Mit kunsthandwerklichen und kulinarischen Angeboten konnten wir die Besucher im vorweihnachtlich hergerichteten Kellergewölbe des ehemaligen Speichers begrüßen. Wir glauben, dass jeder Besucher des Weihnachtsmarktes und der Adventskonzerte sich sein eigenes Bild machen konnte. Der »Pfortenser Weihnachtsmarkt« wird auch im Jahr 2017 stattfinden!

Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta | 95


Im letzten Quartal 2016 wurde zwischen der nördlichen Klostermauer und der Gaststätte »Fischhaus« eine neue Abwasserleitung verlegt. Dies wurde erforderlich, da die vorhandene biologische Kleinkläranlage in Folge des Hochwassers 2013 vollständig zerstört wurde. Mit Unterstützung des Abwasserverbandes Bad Kösen/ Naumburg und der zuständigen Wasserbehörden ist nun der dauerhafte Anschluss der Abwasserentsorgung an die öffentlichen Anlagen des Abwasserverbandes möglich. Leider konnte die Baumaßnahme nicht wie geplant bis Ende 2016 abgeschlossen werden. Die Querung der Bahnlinie ist auf Grund der wechselnden Baugrundverhältnisse mit dem vorgesehenen Vortriebsverfahren nicht möglich. In Abstimmung mit der Deutschen Bahn AG und nach Abwägung der Risiken soll nun ein anderes technisches Verfahren zur Anwendung kommen. Die Bauausführung ist für Februar 2017 geplant. Bis dahin läuft die Abwasserentsorgung der Gaststätte im Notbetrieb weiter. Nach Abschluss der Baumaßnahme sollten dann die zeitweise deutlich wahrnehmbaren Geruchsbelästigungen an der Kläranlage Fischhaus der Vergangenheit angehören. Die Stiftung Schulpforta erhält für dieses Vorhaben eine Förderung durch das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt im Zuge der Beseitigung der Hochwasserschäden.

96 | Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta

Zum Schuljahresbeginn 2016/17 konnte festgestellt werden, dass die Anzahl der Förderanträge an die Stiftung Schulpforta für die Ausreichung von Sozialstipendien an Schüler der Landesschule etwas geringer ist als in den Vorjahren. Der ansteigende Trend der letzten Jahre hat sich nicht weiter bestätigt. Derzeit erhalten rund 15 Mädchen und Jungen der Landesschule Pforta ein monatliches Stipendium. Das überschüssige haushaltsmäßige Budget kommt anderen Einzelprojekten der Landesschule Pforta zugute. Im Besucherempfangszentrum erfolgen derzeit über die Wintermonate ergänzende Ausrüstungen der Tonund Präsentationstechnik. Diese soll dann die Durchführungen von Veranstaltungen noch weiter verbessern. In der neuen Saison werden die Audioguides auch in englischer Sprache zur Verfügung stehen. Zur Information möchten wir allen Interessenten die Öffnungszeiten des Besucherempfangszentrums mitteilen: Besuch und Besichtigung der Klosteranlage sind ganzjährig möglich.

Öffnungszeiten des Besucherempfangszentrums April – Oktober: Mo. bis So. 10:00–18:00 Uhr


November – März: Di. bis So. 10:00–16:00 Uhr

Öffentliche Führungen ohne Voranmeldung April – Oktober: Sa. und So. 14:00 Uhr November – März: Sa. und So. 13:30 Uhr

Individuelle Führungen / Sonderführungen / Arrangements ganzjährig nach Voranmeldung

Audio-Guide-Führungen

jeweils zu den Öffnungszeiten des Besucherempfangszentrums Weitere Informationen finden Sie unter: www.stiftung-schulpforta.de. Arndt Gerber (al. port. 86–88 v.), Prokurator

Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta | 97


Pförtner Abende Aachen

Frankfurt – Hessen

Initiatoren weiterer Pförtnerabende und Gänseessen sind willkommen. Bitte bei Patrick Soff (patrick.soff@gmail.com) melden.

Gerda Lachmann Jakobstraße 28 52064 Aachen Tel. 0174 | 5939949 gerda.lachmann@ rwth-aachen.de

Dr. Sibylle Fink Münzenberger Straße 14 61352 Bad Homburg v. d. H. Tel. 06172 | 1010793 sibylle.fink@gmx.de

Berlin

Dr. Helmut Heimbürge Myslowitzer Straße 8 12621 Berlin Tel. 030 | 5671582 heimbuerge@gmx.net

Renate Frankenberger geb. Winkelmann Heidelberger Straße 17 76344 Eggenstein-­ Leopoldshafen Tel. 07247 | 22372

Dr. Wolfgang von Hänisch Königsberger Straße 8 88212 Ravensburg Tel. 0751 | 9587766 www.akel.de

Bonn/Rheinland

Halle/Saale

Schulstraße 12 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 350 Fax 034463 | 26839 www.landesschule-pforta.de info@landesschule-pforta.de

München

Beiträge für DIE ­ FORTE bitte an peter. P maser@t-online.de, oder direkt an Pförtner Bund e.V., Schul­straße 22, 06628 Naumburg OT Schulpforte. Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: Ende November 2017

AkeL- und Pförtnerabend Dr. Hans-Hoyer von Prittwitz und Gaffron Helmholtzstr. 20 53123 Bonn Tel.: 0228 | 626926 H.v.Prittwitz@gmx.de

Dresden

Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de

Hamburg

Günther Schedlinski Melkerstieg 12 A 22559 Hamburg Tel. 040 | 862626 Fax 040 | 861093

98 | Pförtner Abende

Karlsruhe/Oberrhein

Karsten Müller An der Johanneskirche 1 06110 Halle/Saale Tel./Fax 0160 | 97714276 mueller.magdeburg@gmx.de Ursula Meier-Credner Arno-Assmann-Straße 5 81739 München Tel./Fax: 089 | 6706366 mcredner23@t-online.de

Schwerin/MecklenburgVorpommern zurzeit nicht besetzt

Thüringen

Franziska Teichert Das Querigfeld 5 99092 Erfurt Tel. 0171 | 2603498 teichertfranziska@gmail.com

AkeL

Landesschule Pforta


Impressum

Redaktion

Prof. Dr. Peter Maser Berbigstraße 7 06628 Naumburg OT Bad Kösen Tel. 034463 | 62490 peter.maser@t-online.de

Gestaltung

David Ortmann Ungerstraße 17 04317 Leipzig Tel. mob. 0176 | 50071529 david.ortmann@gmail.com

Vorsitzender

Matthias Haase Heichelheimer Gasse 21 99439 Kleinobringen Tel. 03643 | 418888 matthias-haase@t-online.de

Schatzmeisterin

Claudia Pohland Kirchplatz 16 06642 Kaiserpfalz OT Bucha cpohland@aol.com

Schriftführerin

Dr. Anne Hultsch a.hultsch@web.de

Archivar

Dr. Klaus-Dieter Fichtner Richard-Kanzler-Straße 1 06628 Naumburg OT Bad Kösen Tel. 034463 | 27544 fichtnerkd@t-online.de

Gesamtherstellung

Druckerei Schöpfel GmbH www.druckerei-schoepfel.de

Konten Pförtner Bund e. V.

Mitgliedsbeitrag 40 Euro Postbank Hamburg IBAN: DE15 2001 0020 0010 5842 00 BIC: PBNKDEFF Deutsche Bank Naumburg IBAN: DE46 8607 0024 0646 3376 00 BIC: DEUTDEDBLEG

Melanchthon-Stiftung

Sitz der Stiftung: Bielefeld Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax. 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de Volksbank Hamburg Ost-West IBAN: DE80 2019 0206 0053 2226 01 BIC: GENODEF1HH1

Stiftung Schulpforta

– Stiftung des öffentlichen Rechts – Prokurator Arndt Gerber Schulstraße 22 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 61761 mit Online-Shop www.stiftung-schulpforta.de info@stiftung-schulpforta.de

Foto (4. Umschlagseite): Hamish John Appleby

Herausgeber

Pförtner Bund e.V. Schulstraße 22 06628 Naumburg OT Schulpforte vorstand@pforta.de www.pforta.de


Nr. 69 | 2016 016 2

DIE PFORTE Nr. 69/2016  

Die 69. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

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