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PFORTE

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2017 | Nr. 70

SCHULPFORTA-NACHRICHTEN

Zeitschrift des Pförtner Bundes e. V.


Inhalt Geleitwort des Vorsitzenden Grußwort des Rektors

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Vergangenes aus der Pforte NPEA mit altphilo­logischem Curriculum Prof. Dr. Wilhelm Vöge, Kunsthistoriker Ehrenberg-Preis: Alte Stiftung wiederbelebt Adalbert Harnischs Märchen Das Fegefeuer zu Pforte

Aktuelles aus der Landesschule Predigt zum Schulfest in Pforta Ende mit Schrecken, Anfang voller Hoffnung Triumphkreuz wieder angebracht Ewige Lampe auf dem Friedhof schwer beschädigt

Vom Pförtner Bund Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung Ecce 2017 Werner Rolf Theodor Pick in memoriam Hohe Auszeichnung Aachen: Euregio-Gänseessen geplant Gänseessen in Bad Homburg v. d. H. Dresden: Stadtentwässer­ung und Gänseessen Erfurt: Gänsepatenschaften geplant! Gänseessen in Heidelberg Gänseessen in Leipzig: Stammtisch geplant Gänsegedicht Berliner Treffen 2017 Tabula Gratulatoria Haushaltsrechnung Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta Pförtner Abende Impressum

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Geleitwort des Vorsitzenden

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Wenn wir in diesem Jahr das 475. Schuljubiläum begehen, schauen wir voll Dankbarkeit auf das, was im letzten Vierteljahrhundert in Schulpforte wachsen und sich erneuern konnte. Schon äußerlich ist die heutige Landesschule Pforta kaum mehr vergleichbar mit der Schule, die viele von uns – wie auch ich – vor 30 oder mehr Jahren besucht haben. Die Internate wurden teils neu gebaut, teils aufwändig renoviert und saniert. Speisesaal und Unterrichtsräume sind auf dem Stand der Zeit. Spätestens die gelungene Restaurierung der Klausur vor zwei Jahren hat Maßstäbe gesetzt. Kurz nach der deutschen Wiedervereinigung waren die Lern- und Lebensbedingungen so karg und entbehrungsreich, dass heute kaum ein Elternteil sein Kind auf eine solche Schule lassen würde. Verrostete Duschen, zugige Zimmer, selten warmes Wasser, teils desolates Mobiliar und vor allem – zu wenige Toiletten. Das war die stoisch ertragene Realität, die zum Jubiläum noch einmal in Erinnerung gerufen werden soll. Zu diesem Zweck ist ein Zeitzeugenbuch in Arbeit, das den Wandel von der EOS Pforte zur Landesschule Pforta beleuchtet. Schüler, Lehrer, Erzieher und Rektoren aus der Zeit von 1985 – 1995 haben mir Auskunft

gegeben über ihre Zeit in Schulpforte. Intensive Medienrecherchen und die Sammlung von historischem Bildmaterial ergeben mit vertiefenden Texten ein mosaikartiges Bild von den konfliktreichen Umwandlungsprozessen in Schulpforte. Manches ist so detailreich wohl noch nie zu Tage getreten, wie z.  B. der organisierte »Sturz« des ersten Nachwenderektors Eberhard Horn, der ebenfalls zu Wort kommt. Der umfassende Band wird zum Schulfest und danach auch über das Besucherzentrum in Schulpforte sowie im Internet erhältlich sein. Schon heute ergeht die herzlichste Einladung zum Schulfest vom 25. – 27. Mai, mit dem wir 475 Jahre Fürsten- und Landesschule Pforta feiern werden. Lassen Sie es sich keinesfalls entgehen! Es wird ein Fest der Generationen. Die jüngeren werden wieder auf dem Schulfest-Zeltplatz Willkommen geheißen. Für die älteren ist rechtzeitiges Quartierbuchen empfehlenswert. Am Freitag feiern bereits Goldene, Diamantene und Eiserne Abiturienten ihr Jubiläum. Abends treffen sich Schüler und jüngere Ehemalige bei einem »OpenAir« im Park. Am Samstag wird es neben den alljährlichen Programmpunkten sowie der Mitgliederversammlung des Pförtner Bundes auch ein Konzert für alle Altersklassen im Schulpark geben. Die Simon- und

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Garfunkel Revival-Band bringt in schönster Maienluft die Hits von Simon & Garfunkel auf die Bühne. Einer der Musiker ist ehemaliger Pfortenser – natürlich. Der Abend im Park ist das große Wiedersehensfest bei Wein und Kulinarik. Daneben gibt es zahlreiche weitere Programmpunkte wie das Forum Portense, bei dem sich die Schüler präsentieren, die Liedertafel und Kammermusik sowie verschiedene Theateraufführungen. Am Sonntag darf der Schulfestgottesdienst als besonderer Höhepunkt erwähnt werden. MDR Kultur wird den Gottesdiernst live im Radio übertragen. Mit dabei sind die Chöre und Schüler, die den Gottesdienst gestalten. Ministerpräsident a.  D. Berndt Seite (al. port. 54 – 58 v.) wird am Sonntagmittag sein aktuelles Buch »Gefangen im Netz der Dunkelmänner« im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Pförtner Bundes vorstellen. Eindrücklich und detailliert erfahren wir von der zersetzenden Kraft der Staatssicherheit und der Unbeirrbarkeit eines »Andersdenkenden« und seiner Familie. Mit dem Kreuzgangkonzert und weiteren Theateraufführungen geht der Schulfestsonntag zu Ende. Weitere Einzelheiten zum Festwochenende folgen mit der PfortaInfo im Frühjahr. Alle Jahrgänge, die zeitgleich Klassentreffen organisieren, sollten unbedingt ausreichend

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Freiraum einplanen für all das, was Schüler und Ehemalige an diesem Wochenende vorbereiten. Mit Freude registrieren wir die weiter ansteigende Mitgliederzahl des Pförtner Bundes. Dank unserer Alumnibeauftragten Sophie Müller, die über verschiedene Themen und Angebote Kontakt zur Schülerschaft hält, ist der Aufnahmewunsch der Absolventen inzwischen selbstverständlich. Auch die Gänseessen Ehemaliger erleben weiteren Aufschwung. Besonders junge Ehemalige nutzen die Herbstzeit gern, um diese schöne Pforta-Tradition extra muros fortzusetzen. Unser Regionalbeauftragter Patrick Soff steht dabei mit Rat und Tat zur Seite. Der Archivar des Pförtner Bundes, Dr. Klaus-Dieter Fichtner, dessen großes Verdienst die Neuorganisation der Pforta-Archivalien am Standort Schulpforte ist, wird im Mai 2018 sein Amt in jüngere Hände geben. Sein Wirken für Schulpforte zu würdigen verdient mehr als nur eine Erwähnung hier. So sei auf unsere Mitgliederversammlung im Mai verwiesen, bei der wir Klaus-Dieter in geeigneter Weise danken und ihn verabschieden wollen. MATTHIAS HAASE VORSITZENDER DES PFÖRTNER BUNDES E. V.


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Grußwort des Rektors

Liebe Pförtnerinnen und Pförtner, einer der großen Höhepunkte in diesem Schuljahr ist unser Schulfest, in dessen Rahmen wir die Gründung unserer Schule vor 475 Jahren feiern werden. Bekanntermaßen wurde die Gründungsurkunde für unsere Bildungs- und Erziehungsstätte am 21. Mai 1543 vom sächsische Herzog Moritz unterzeichnet. Ein Anlass, der anregt innezuhalten und den Blick auf die bewegende und abwechslungsreiche Geschichte unserer Schule zu richten. Eine Schule, die viele Sternstunden erlebt hat. Man denke nur an die große Anzahl ihrer zu Rang und Namen gekommenen Absolventen, ebenso an die weitaus größere Zahl an jungen Menschen, die hier an der Kleinen Saale eine unvergessliche und prägende Zeit erlebt und sehr gut vorbereitet auf das weitere Leben ihre Alma Mater verlassen haben und einen Weg fanden, der zu privatem Glück und beruflichem Erfolg geführt hat. In den vergangenen 475 Jahren waren die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht immer dem förderlich, was unserem heutigen Verständnis einer den Jugendlichen zugewandten Pädagogik entspricht. Letztendlich entscheiden aber immer die vor Ort agierenden und interagierenden Menschen maßgeblich darüber, wie sich das Leben innerhalb der Mauern des ehemaligen Zisterzi-

enserklosters Claustrum Sanctae Mariae ad Portam gestaltet hat, derzeit gestaltet und auch zukünftig gestalten wird. Ein Jubiläum sollte zugleich aber auch Anlass bieten, den Blick nach vorn zu richten, um Visionen für das gemeinsame Leben und Lernen hier an diesem viel zitierten genius loci in fünf, zehn und zwanzig Jahren zu entwickeln. Die Geschichte lehrt, dass das Leben immer von Veränderungen und Anpassung geprägt ist – derzeit fühlen sich die damit verbundenen Beschleunigungswerte sehr groß an. Als Fundament für die weitere Schulentwicklungsarbeit haben im letzten Schuljahr Schüler, Lehrkräfte und Eltern im Rahmen einer Arbeitsgruppe eine Fortschreibung des Leitbildes unseres Internatsgymnasiums vorgenommen. Eine Entwurfsfassung wurde in der Öffentlichkeit vorgestellt und diskutiert sowie die überarbeitete und finalisierte Fassung in einer Gesamtkonferenz abgestimmt. Liebe Pförtnerinnen und Pförtner, ich möchte Sie einladen, das auf unserer Webpräsenz veröffentlichte Leitbild einmal in einer ruhigen Stunde zu studieren und auf sich wirken zu lassen. Der nebenstehende QR-Code sollte Ihr Smartphone bei Einsatz einer zielführenden App animieren, unser Leitbild auf unserer Webpräsenz aufzurufen und Ihnen zu präsentieren.

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Im Mittelpunkt des Leitbildes steht die Aufforderung an alle Mitglieder unserer Schulgemeinschaft: »Erkenne Dich selbst – werde, der Du bist!« Schulpforte ist ein Ort, der jungen Menschen vielfältige Möglichkeiten bietet, die eigenen Begabungen und Talente zu entdecken und zu entwickeln, den eigenen Platz in einer tragfähigen und starken Gemeinschaft zu finden und diesen immer wieder neu zu definieren und mit persönlichem Engagement auszufüllen. Im Rahmen eines Workshops zum Thema »Von der Landesschule erfolgreich ins Berufsleben«, geleitet vom Alumnus Dr. Mario Koksch (al. port. 82 – 84), sagte eine Schülerin der aktuellen Jahrgangsstufe 11: »Pforte ist Erwachsenwerden mit Stützrädern«. Sie bringt damit bildhaft und sehr treffend zum Ausdruck, was unsere Bildungs- und Erziehungsstätte hier an der Kleinen Saale ausmacht. Dabei gilt es, das dialektische Zusammenspiel von Begleitung und Führung mit der Schaffung von Erprobungsräumen und der Stärkung von Eigeninitiativen; das Gewähren von Rechten mit dem Einfordern von Pflichten; die Organisation eines breiten Angebotes an Betätigungsfeldern mit dem Hinwirken auf Kontinuität und Beständigkeit, »dem Bohren von dicken Bohlen«, immer wieder an die sich ändernden Bedingungen und Gegebenheiten anzupassen. Dass man dabei Komfortzonen

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verlassen und sich auch als Lehrender immer wieder der Aufforderung des oben zitierten Leitspruchs stellen muss, ist viel leichter aufgeschrieben als in die Tat umgesetzt. Aktuell beschäftigen sich zwei Arbeitsgruppen, in denen Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schüler und deren Eltern zusammenarbeiten, zum einen mit der Schulprogrammarbeit für alle drei Zweige und zum anderen mit der konkreten Profilierung unseres Musikzweiges. Die Leitung der zuletzt genannten Arbeitsgruppe hat dankenswerterweise der Vorsitzende des Pförtner Bundes, Herr Matthias Haase, übernommen, der selbst einmal als Schüler diesem Zweig angehört hat. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass Erfahrung, fachliche Expertise sowie neue Ideen und Impulse zueinander finden und dass zugleich auch Schnittstellen für einen konstruktiven Input von Orten »außerhalb der Klostermauern« geschaffen sind, die helfen, das vorhandene Bildungsund Erziehungsmenü weiter zu verfeinern. Die in den Arbeitsgruppen zu erarbeiteten Vorschläge werden in bewährter Weise wieder mit allen Beteiligungsgruppen abgestimmt und im Anschluss daran in gegebenenfalls adaptierter Form der Gesamtkonferenz zur Entscheidung vorgelegt. Abschließend möchte ich mich auch im Namen des Kollegiums, unserer


Schülerschaft und unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die von Ihnen gewährte Unterstützung recht herzlich bedanken. Ihre immateriellen und materiellen Gaben sind stets eine lohnende Investition zur Förderung von zur Leistung bereiter und zu besonderer Leistung fähiger jungen Menschen! Verbunden mit dem Wunsch, dass Sie auch im Jahr 2018 oft mit Freude an Ihre Zeit in Schulpforte zurückdenken und den aktuellen Werdegang unserer Landesschule verfolgen, verbleibe ich mit besten Grüßen THOMAS SCHÖDEL RECTOR PORTENSIS

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Vergangenes aus der Pforte *  *  *

5Foto: Trovor Johnson, Weimar


NPEA mit altphilo­logischem Curriculum VORTRAG VON DR. HELEN ROCHE, CAMBRIDGE Die Geschichte der Landesschule Pforta ist facettenreich und nicht zuletzt durch das schuleigene Archiv mit der Historischen Bibliothek besser dokumentiert als die Geschichte vieler anderer Gymnasien. Mir war es jedoch ein Bedürfnis, noch einmal Zeitzeugen zusammenzurufen, die die NPEA Schulpforta besucht haben – denn allen ist klar, dass die Zahl derer, die aus eigenem Erleben Auskunft geben können, rapid abnimmt. Bei der Veranstaltung »Pforta im Gespräch«, im Februar 2017, erlebten rund 200 Besucher nicht nur das unterhaltsame, dennoch von Verklärung freie Gespräch mit Dr. Hans-Ulrich Schneider im Ludorium, sondern eben dem Auftritt der Historikerin Dr. Marianne Doerfel auch einen reich illustrierten Vortrag der Bibliothekarin der Landesschule Petra Mücke zu Archivalien dieser Zeit und einen Rundgang an besondere Schauplätze. Diese Tour (in verschiedenen Gruppen) war der Veranstaltung vorangestellt und lebte nicht zuletzt von den spontanen Ergänzungen der zum Teil weit angereisten Zeitzeugen. Für die Berliner Ehemaligen hat Dr. Helmut Heimbürge dann die gedankliche Fortsetzung dieses Abends

organisiert und zum Herbsttreffen der Berliner die britische Historikerin Dr. Helen Roche eingeladen, die zur NPEA Schulpforta geforscht und dazu auch frühere Alumni befragt hat. Ihr Vortrag beim Pförtner Abend Berlin soll hier verkürzt abgedruckt werden. Er basiert auf einem längeren Aufsatz, der 2013 erschienen ist: Roche, Helen, ›»Wanderer, kommst du nach Pforta …«: The tension between Classical tradition and the demands of a Nazi elite-school education at Schulpforta and Ilfeld, 1934 – 1945‹, European Review of History / revue européenne d’histoire, 29/6 (2013), S. 581 – 609.

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MATTHIAS HAASE

Die drei ursprünglichen Napolas, die dem Kurrikulum der Realgymnasien folgten, waren alle in ehemaligen preußischen Kadettenanstalten untergebracht; ein Geburtstagsgeschenk für Hitler von Erziehungsminister Bernhard Rust im April 1933. Die erste humanistische Napola wurde ein Jahr später (1934) in der früheren Klosterschule Ilfeld eingerichtet. Wiederum ein Jahr später, nach einer Reihe politisch motivierter Intrigen und Skandale, wurde auch Schulpforta unter Zwang in eine Napola verwandelt. Nun sollte ihre einzige Besonderheit nur noch darin bestehen, die zweite NPEA mit altphilologischem Curriculum zu sein.

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Hier möchte ich einige der deutlichsten Spannungen untersuchen, die zwischen der langjährigen altphilologischen Tradition in Schulpforta und den ideologischen Forderungen, mit denen die Schule durch ihre Umwandlung zur Napola konfrontiert war, entstanden. Wie wir sehen werden, wurde die Nazifizierung der Schülerschaft in Schulpforta durch den Nationalsozialistischen Schülerbund eingeleitet. Widerstand gegen Nazifizierungsmaßnahmen gab es jedoch nicht nur in den Ehemaligennetzwerken, sondern auch im Lehrkörper und durch die Schulleitung. Die Weigerung der Napola-Inspektion, nach der Napolisierung mehr als eine Handvoll Lehrer an der Schule weiter zu beschäftigen, kann vielleicht als Hinweis darauf angesehen werden, in welchem Maße die Schule zuvor darum bemüht gewesen war, die vollständige Integration in das Regime zu verhindern – stattdessen wurde ein Kader junger nazifizierter Lehrer zum »Aufräumen« hereingeholt. Offenkundig hatte die NPEAInspektion seit langem vorgehabt, die Landesschule zur Pforte im Gefolge Ilfelds zur Napola umzuwandeln. Es war kaum zu erwarten, dass ein solcher Schritt von Ehemaligen, Lehrkräften oder der gegenwärtigen Schulleitung kritiklos hingenommen werden sollte. Solch ein radikaler

Wandel des Ethos schien für viele von Schulpfortas Anhängern schwer zu verdauen. Um die Pläne zur Napolisierung Pfortas trotz der Missbilligung des Pförtner Bundes voranzutreiben, musste das Erziehungsministerium zu unlauteren Mitteln greifen. Insgesamt verlief die Nazifizierung des Lehrkörpers und der Schülerschaft weniger geradlinig als vom Reichs­ erziehungsministerium erwünscht. Im Oktober 1931 traf sich zum ersten Mal eine »Zelle« überzeugter Nationalsozialisten unter den Primanern und Sekundanern, die Mitglieder des »Nationalsozialistischen Schülerbundes« waren. Die Jungen hielten oft Geheimtreffen ab, bei denen sie über das Parteimanifest diskutierten, und wohnten örtlichen Naziversammlungen im benachbarten Bad Kösen bei (wo zu den Sprechern ein »polizeilich gesuchtes SA-Mitglied« gehörte). Anfang 1932 wurden der Zelle die Aktivitäten durch die Schule untersagt. Jedoch warben die Jungen insgeheim weitere Mitglieder an, trafen sich an freien Abenden und schlossen sich der örtlichen Hitlerjugend an. Bis zum Dezember 1932 waren 54 Primaner der Partei beigetreten, während die politischen Versammlungen nur außerhalb der Schule stattfanden. Erst im März 1933, nach der Machtergreifung, wurde über dem Torhaus

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Pfortas erstmals die Hakenkreuzfahne gehisst, und in den Schulmitteilungen tauchten Artikel mit ideologischer Schlagseite auf. Dennoch konnte man dort auch ideologisch weniger belastete Texte finden, wie Berichte über die Rede des Schulleiters und die jährliche Schulfeier, oder einen Artikel, der unterschwellig kritisierte, wieviel Zeit die Hitlerjugend beanspruchte. Es scheint, dass viele Lehrer und zumindest einige Schüler um die Erhaltung der Tradition und des Kurrikulums der Schule bemüht waren, trotz der Lippenbekenntnisse zum neuen Regime. Selbst die Ablösung des politisch linksliberalen Schulleiters Walther Kranz im Jahre 1933 (in Folge einer systematischen Diffamierungskampagne) reichte nicht aus, um einen radikaleren Wandel einzuleiten – auch wenn sie in gewissem Maße den Weg für nachfolgende Ereignisse ebnete. Die langerwartete Gelegenheit ergab sich Anfang 1935, als Gerüchte über sexuelles Fehlverhalten in Schulpforta die Aufmerksamkeit des Erziehungsministeriums fanden. Die Gestapo nahm sofort drei Lehrer fest und unterzog trotz der Einwände des Pförtner Bundes die gesamte Schule (mit Ausnahme der Zwölf- und Dreizehnjährigen) einer polizeilichen Vernehmung. Im benachbarten Naumburg wurde ein Schauprozess in die Wege geleitet.

Doch schon zuvor hatte Reichsminister Rust den Erlass unterzeichnet, der Schulpforta schließlich in eine Napola umwandelte. Trotz aller Bemühungen durch Mitglieder des Pförtner Bundes, auf Rust einzuwirken, trieb das Ministerium seine Pläne voran. Sofort ernannte Rust einen neuen Schulleiter, SS-Hauptsturmführer Adolf Schieffer, und machte weitreichende Pläne für Pfortas Umwandlung, ohne überhaupt die Schulleitung in Kenntnis zu setzen. Die Eltern hörten zum ersten Mal von diesen Veränderungen durch einen Brief in den Sommerferien, in dem sie darüber informiert wurden, dass alle Primaner die Schule zu verlassen hätten und Schüler der Obertertia bis Obersekunda am 9. August 1935 an einer Wiederaufnahmeprüfung teilnehmen mussten. Von den 82 betroffenen Schülern wurden 64 zur Prüfung angemeldet, von denen wiederum 18 nicht bestanden (darunter einige mit langjährigen Verbindungen zur Schule). Die Teilnehmer gaben dazu an, dass »weniger das Wissen als vielmehr die Haltung der Jungen« bewertet wurde. Von den 161 Schülern, die das Jahr in Pforta begonnen hatten, blieben nur 75 (45 %) übrig. Fortan hießen sie – wie alle anderen Napolaschüler auch – »Jungmannen«, die statt in Klassen in »Züge« eingeteilt waren, welche wiederum zumeist von »Erziehern« und

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»Zugführern« geleitet wurden statt von schlichten »Lehrern«. Auch der soziale Hintergrund der neuaufgenommenen Schüler veränderte sich dramatisch über die folgenden drei Jahre, wobei der Anteil der Pastoren- und Theologensöhne von durchschnittlich 25 % in der Vor-Napola-Zeit auf lediglich 4 % im Jahre 1938 sank, derjenige der Söhne von Büroangestellten und einfachen Beamten dagegen auf 28 % stieg. Vor der Umwandlung war der familiäre Hintergrund der Jungen ganz überwiegend die gebildete Mittelschicht gewesen. Das komplizierte Freistellensystem, das zuvor für Schüler aus weniger begüterten Familien zugänglich gewesen war, war nun allein für Eltern reserviert, die mindestens vier Kinder hatten, »reinrassig« waren und sich nach dem Urteil ihrer örtlichen Parteiführung als echte Nationalsozialisten erwiesen hatten. Reichsminister Rust hatte dem Pförtner Bund versprochen, dass das Schulleben in Pforta auch nach der Umwandlung den überkommenen Traditionen gemäß weitergehen würde, doch war es zweifelhaft, dass dieses Versprechen gehalten werden konnte. Dabei war die Haltung der verschiedenen Nazi-Offiziellen, die maßgeb-

lich an der Umwandlung Schulpfortas beteiligt waren, deutlich gespalten. Einerseits waren sich die Napola-Inspektoren des Prestiges und der gesteigerten intellektuellen Glaubwürdigkeit bewusst, die die Umwandlung Schulpfortas den Nationalpolitischen Erziehungsanstalten allgemein verleihen würde. Eine solche Bastion der Bildung in der immer dichter werdenden Reihe der Napolas sollte die Bedenken Intellektueller bezüglich des akademischen Anspruchs der neuen Institutionen zerstreuen, und die Errichtung der NPEA Schulpforta für die Napola-Inspektion eine unschätzbare positive Öffentlichkeitswirkung erzeugen. Und doch scheint es, dass Schulpfortas neue nazifizierte Anstaltsleitung dazu beitrug, genau diejenigen Aspekte der humanistisch-altphilologischen Tradition der Schule, die sie für die Propaganda so wertvoll machten, zu neutralisieren. Nur diejenigen Elemente von Schulpfortas humanistischer Vergangenheit, die man für die Verbreitung einer wirklich nationalsozialistischen Weltanschauung nutzen konnte, wurden beibehalten. Um das Überleben Pfortas, in welcher Form auch immer, nach dem »Päderastieskandal« gewährleisten zu können, musste der Pförtner Bund die Umwandlung der Schule zur Napola widerwillig akzeptieren. Doch ver-

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suchten die Ehemaligen – die sich dieser Spannungen bewusst waren – verzweifelt, Schulpfortas Tradition zu bewahren. Die erste Hürde, die Bewerber um einen Platz an der Napola Schulpforta zu überspringen hatten, war die einwöchige Aufnahmeprüfung, bei der nicht nur die geistigen und körperlichen Fähigkeiten der Kandidaten geprüft wurden, sondern auch ihr Mut und ihre Gesinnung. In den Worten von August Heißmeyer, dem damaligen NPEA-Inspekteur, gab es an Napolas keinen Platz für »schlappe Kerle, Muttersöhnchen und Waschlappen«. In einem Artikel in der Berliner Börsen-Zeitung mit dem Titel Schulpforta im neuen Geist, der zur Feier von Schulpfortas 400. Gründungsjahrestag erschien, wird Heißmeyer zu den möglichen Anforderungen, die im Rahmen der Aufnahmeprüfung zu erfüllen waren, folgendermaßen zitiert: ›Da werden Kriegsspiele aller Jungmannen veranstaltet, und es wird beobachtet, wie verhält er sich, wenn das Hauen und Stechen beginnt; wird er sich drücken, sich hinter einen Baum stellen, oder wird er herangehen? Da sagt man einem Jungen: »Spring aufs Pferd!« Er antwortet vielleicht: »Aber

ich kann doch nicht reiten.« »Ist ganz gleichgültig, dann wird der Gaul eben an der Leine geführt. Spring nur.‹1 Es liegt auf der Hand, dass solche Heldentaten, wie auch die anderen körperlichen Belastungs- und Leistungsprüfungen, nicht ganz im Sinne von Pfortas einstiger Klientel waren, die hauptsächlich wegen ihrer akademischen Eignung ausgewählt worden war. Am Ende des zweiten Jahres der neuen Inkarnation Schulpfortas blieben nur noch 52 Schüler der früheren Landesschule übrig. In einem Mitteilungsblatt vom März 1938 wurde stolz verkündet, dass es nun keinen einzigen Knaben in Schulpforta mehr gebe, der nicht gesund und »körperfroh« sei; jeder Schüler, der Widerwillen gegen die Erziehung zur erforderlichen soldatischen Haltung zeigt, werde umgehend von der Schule verwiesen. Trotz der Tatsache, dass die Beibehaltung eines humanistischen Kurrikulums Schulpforta eine besondere Stellung im Vergleich zu den meisten

1  Schulze, H. A., ›Schulpforta im neuen Geist. Die 400jährige Landeschule als nationalpolitische Erziehungsanstalt‹, Berliner Börsen-Zeitung, 2. April 1943.

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anderen Napolas gab – was sich in einer etwas weniger militaristischen Anschauung als bei den früheren Kadettenanstalten zeigte – waren die Anforderungen an Schulpfortas Schülerschaft radikal geändert worden. Obwohl die letzten früheren Schüler der Landesschule erst 1940 Schulpforta verließen und der Pförtner Geist für einige Schüler ohne größere Zäsur von der einen Erscheinungsform zur anderen hinüberzufließen schien, müssen der geänderte Schwerpunkt des Kurrikulums und die erhöhte Politisierung des Schulalltags eine spürbare Wirkung gehabt haben. Dies dürfte nicht nur durch die Tatsache verschärft worden sein, dass nur zwei Lehrer von der früheren Landesschule übernommen worden waren, sondern auch durch die Aufnahme von 16 Jungmannen aus Ilfeld für die Dauer von Schulpfortas erstem Napola-Jahr. Die Ilfelder sollten aufgrund der eigenen Erfahrung bei der Gewöhnung an das Napola-Leben an einer anderen früheren Klosterschule den Pförtnern dabei helfen, sich leichter an die neue Situation anzupassen. Darüber hinaus suchte ein eigenes Lehrerseminar der Inspektion für Lehrernachwuchs im Laufe der Zeit

zunehmend Erzieher aus, die linientreuer und ideologisch versierter waren als die ursprünglichen. Im Allgemeinen wurden nur solche Erzieher aufgenommen, die für Sport- und Ideologieunterricht mindestens so qualifiziert waren wie für den akademischen Bereich. Das ganze Kollegium musste sich im Sport hervortun, während für Kunst und Musik nur noch ein einziger Erzieher verantwortlich war. Diese Werteordnung fand auch in dem Auswahlprozess Eingang, in dem die Vorauswahl in vielen Fällen durch einen Erzieher getroffen wurde, der sich in die Volksschulen in der Umgebung begab, um dort vielversprechende Kandidaten auszusuchen. Einen Augenzeugenbericht dieses Vorgangs liefert Hartmut Vahl in seinen Erinnerungen: ›Zwei Parteileute in braunen Uniformen mit Hakenkreuz-Armbinden kommen und nehmen am Unterricht teil. Sie sind freundlich und hören zu. Am Ende der Stunde geben sie sich zu erkennen, sagen, warum sie hier sind und was ihr Anliegen ist. Sie suchen Nachwuchs für eine Napola. […] An vier oder fünf Jungen finden sie Gefallen und fragen, ob diese eventuell Lust hätten, in Schulpforta, einer NPEA, einem Internat, im nationalsozialistischen Sinne und als Elite für

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das Reich ausgebildet zu werden. Ich bin einer von den wenigen, die in die engere Wahl kommen. Wir sollten die Sache, wenn wir Lust hätten, einmal mit unseren Eltern besprechen.‹2 Zu dem Zeitpunkt, als Vahl in die Schule eintrat, stand Sport »überhaupt an erster Stelle im Alltag und eigentlich noch weit vor den sonstigen Unterrichtsfächern«. Andere Aspekte des Napola-Lebens, die an der Landesschule keinen Platz gehabt hätten, waren die vormilitärischen Geländespiele sowie die mehrwöchigen Land- und Industrieeinsätze, durch die die Schüler Erfahrungen bei Hilfsarbeiten in der Landwirtschaft und in Bergwerken und Fabriken sammelten. Hugo Selke, einer jener Ilfelder Schüler, die nach Schulpforta geschickt wurden, erinnert sich, dass sein Zug die Unterrichtseinheiten über Livius und die Odyssee vollständig einem achtwöchigen Industrieprogramm und einem sechswöchigen landwirtschaftlichen Ausbildungsprogramm opfern musste. Bei den häufigen Klassenfahrten ins Ausland (darunter Holland, Schweden und Rumänien) und beim Schüleraus-

2   Vahl, Hartmut, Napola Schulpforta 1943 – 1945: Erinnerungen eines Schülers (2000), 1.

tausch mit englischen public schools wurde den Jungmannen beigebracht, dass sie nicht als Touristen unterwegs waren, sondern als Repräsentanten des »erneuerten deutschen Volkes«, als Botschafter des nationalsozialistischen Regimes. Obwohl die Jungmannen auch auf Fahrten in die Länder des klassischen Altertums mitgenommen wurden, sollte dies nicht so sehr die ehemalige Humanismustradition Schulpfortas weiterführen, sondern war ein Bestandteil des neuen politischen Programms der Schule. Als Napola mit altphilologischem Kurrikulum zielte die Schulleitung Pfortas darauf ab, dem einstigen Humanismus eine Form zu geben, die den altertumsbezogenen und philhellenistischen Ideologien innerhalb des Nationalsozialismus entgegenkam. Diese Haltung wird durch einen Zugführer namens Büssow klar zum Ausdruck gebracht, der die Motive hinter einer Klassenfahrt im Jahre 1938 nach Griechenland zusammenfasst: ›Das moderne Griechenland in seiner Buntheit und Seltsamkeit sollen die Jungmannen kennen lernen, darunter aber sollen sie das ewige Antlitz von Hellas erkennen, von jenem Hellas, das uns jetzt näher gerückt ist als je, weil wir uns der Gemeinsamkeit von Blutserbe und Schicksal klarer be-

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wusst sind als früher […]. Nicht dem ästhetischen Genuss soll die Fahrt dienen, sondern der nationalpolitischen […] Erziehung.‹3 Solcher ideologische Einfluss war auch in den Jahresarbeiten zu finden, die von den Schülern im Abschlussjahr an der Napola angefertigt wurden und von denen einige in den Pförtner Blättern zur Veröffentlichung gelangten. So gehören zu den 1939 eingereichten Titeln Die Herrschaft der nordischen Rasse im antiken Rom sowie Die Kultur Griechenlands, eine Schöpfung der Indogermanen. Auch in Schilderungen Ehemaliger wird die neue, hochgradig ideologische Tendenz des altsprachlichen Unterrichts hervorgehoben. So bringt Hans Rettkowski in einer Befragung durch einen heutigen Schüler im Jahre 2001 einige Beispiele: ›H. R.: Als weitere Stelle und Beispiel, an der nationalsozialistische Ideen zum Vorschein kamen, kann der Griechischunterricht erwähnt werden. Sagte doch einmal ein Klassenkamerad: »Uns wurde Sokrates als der erste SA-Mann verkauft!« Auch in einer Griechischstunde wurde uns die Schlacht an den Thermopylen als leuchtendes Vorbild geschildert. Wie

3  Pförtner Blätter 3, Nr. 2 (November 1938), 36.

dort die Spartaner müssten auch wir noch kämpfen, obgleich der Tod gewiss sei. Interviewer: Das wurde so deutlich formuliert? H. R.: Ja, die kämpferische, heroische Seite der Römer und Griechen wurde uns immer wieder als beispielhaft vorgetragen.‹4 Als die Kriegsfront immer näher an Schulpforta heranrückte, sorgte man dafür, dass sich das Herannahen der russischen Armee in den Unterrichtsinhalten widerspiegelte. Hartmut Vahl erinnert sich, dass seine Klasse im Lateinunterricht Texte über wilde Horden aus Asien, die zum Vergewaltigen, Plündern und Morden über das deutsche Vaterland herfielen, zum Übersetzen bekam. Andere Aspekte der früheren Tradition Schulpfortas wurden während der Napola-Zeit der Schule vernachlässigt. Hans Rettkowski beschreibt die darauffolgende Entchristlichung: ›Aber schon zwei Jahre [nach der Umwandlung] – 1937 – untersagte

4  Knüpffer, Philipp, ›Interview mit Hans Rettkowski (alumnus portensis 1936  –  42)‹, Die Pforte. Schulpforta-Nachrichten. Zeitschrift des Pförtner Bundes e. V., 55 (2002), 27 – 35.

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die beaufsichtigende Inspektion aller NPEA den Religionsunterricht, d. h. auch in Schulpforta. Daraus ergab sich eine zunehmende Abkehr vom Christentum. Der bislang pflichtgemäße Gottesdienst am Sonntag und die Morgenandachten fanden nicht mehr statt. Kurze Zeit hielt sich noch der gemeinsame Gesang des traditionellen »Gloria« vor dem Mittagessen im Cönakel, dem Speisesaal. Der Text: »GLORIA TIBI TRINITAS, ÄQUALIS UNA DEITAS ET ANTE OMNE SAECULUM, ET NUNC ET IN PERPETUUM«. (Ich habe damals als Dreizehnjähriger begeistert mitgesungen und auch bei Klassentreffen nach dem Kriege sangen wir das »Gloria« gerne.) Aber schon im Sommer 1936 verschwand mit der Modernisierung des Speisesaals auch das Gloria-Singen. An dessen Stelle trat ein von einem Jungmann vorgetragener Mittagsspruch, der dem NSZeitgeist entsprechen sollte.‹5 Die »Entchristlichung« stieß anfangs auf erheblichen Protest der Alten Pförtner, einer Vereinigung von ehemaligen Schülern. In der Napola selbst wurde sie hingenommen; wozu sicher auch die Tatsache beitrug, dass im Zuge der Umwandlung erstens die Lehrer der Landesschule bis auf zwei durch neue Lehrkräfte ersetzt wurden

5   Hans Rettkowski, Privatkorrespondenz, 6. Februar 2012.

und zweitens von den 161 Schülern nur 75 aus den unteren Jahrgängen zu Beginn des ersten Napola-Jahrgangs in Pforta blieben. Zugleich sank im Verlaufe des Krieges das Unterrichtsniveau, da mehr und mehr Erzieher einberufen wurden. Gleichzeitig wurden die wehrsportlichen Elemente der Leibeserziehung und der Geländespiele verstärkt, während die besonderen Sportangebote wie Fahrschule und Segelfliegen, die die Napola so attraktiv gemacht hatten, aufgegeben wurden. Schikanen, wie sie für die früheren Kadettenanstalten charakteristisch gewesen waren, z.B. die sogenannte »Flagge Lucie« (eine Bestrafung, bei der man binnen Minuten mehrmals die Uniformen wechseln musste), wurden ganz alltäglich. 1944 musste aufgrund der zunehmenden Luftangriffe der gesamte Unterricht in die Kellerräume verlegt werden. Für die oberen Klassenstufen war der reguläre Schulunterricht mit 15 oder 16 Jahren praktisch wieder vorbei, weil die Jungen dann zunächst als Jugendführer bei der Kinderlandverschickung und als Flakhelfer dienen mussten. Anschließend wurden sie zum Reichsarbeitsdienst einberufen und schließlich zur Wehrmacht. Was blieb von der humanistischen Tradition in Schulpforta?

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Letztlich konnte die NPEA Schulpforta für viele Schüler weder das Versprechen einer Fortführung der Landesschultradition oder des Humanismus erfüllen, noch die bloße Aufgabe, die Schüler vor dem Hintergrund des »totalen Krieges« mit einer angemessenen höheren Schulbildung zu versehen. DR. HELEN ROCHE, UNIVERSITY OF CAMBRIDGE

LITERATURHINWEISE Doerfel, Marianne. »Der Griff des NSRegimes nach Elite-Schulen. Stätten klassischer Bildungstradition zwischen Anpassung und Widerstand.« Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 37, nr. 3 (1989): 401 – 55. Fliedner, Gerhard. »1931 – 1933, die Zeit des Aufbruchs in Pforte.« Pförtner Blätter 9, nr. 2 (1935): 29 – 31. Heumann, Hans. Schulpforta. Tradition und Wandel einer Eliteschule. Erfurt: Verlagshaus Thüringen, 1994. Heyer, Fritz. Aus der Geschichte der Landesschule zur Pforte. Darmstadt: Buske, 1943.

Schulze, H.A. »Schulpforta im neuen Geist. Die 400jährige Landschule als nationalpolitische Erziehungsanstalt.« Berliner Börsen-Zeitung, 2. April 1943. Selke, Hugo. Auch eine Jugend in Deutschland. Meine Schulzeit in Ilfeld und Schulpforte 1935 – 1939. Selbstverlag, 1990. Vahl, Hartmut. Napola Schulpforta 1943 – 1945. Erinnerungen eines Schülers. Hamburg: Libri Books on Demand, 2000. Wassermann, Ernst. »Schulpforta 1935 – 1945: Nationalsozialistische Erziehung unter humanistischem Deckmäntelchen oder Kontinuität humanistischer Bildungstradition hinter NS-Fassade?« Die Pforte. SchulpfortaNachrichten 51 (1998): 12 – 15. Weihe, Justus. »Die Umstellung der Landesschule in die Nationalpolitische Erziehungsanstalt 1935.« Die Pforte. Schulpforta-Nachrichten 41 (1988): 15 – 20. Weihe, Justus. »Die Erziehung in der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt Schulpforte.« Die Pforte. Schulpforta-Nachrichten 43 (1990): 24 – 28.

Männig, Hans-Joachim. »Schulpforta: NPEA im Krieg.« Die Pforte. Schulpforta-Nachrichten 51 (1998): 15 – 20.

NPEA mit altphilo­logischem Curriculum | 19


Prof. Dr. Wilhelm Vöge, Kunsthistoriker * 1868 Bremen † 1952 Ballenstedt, Harz

A

Auf dem sogenannten neuen Friedhof in Schulpforte, der zu Beginn der 1920er Jahre südlich des alten Klosterfriedhofes angelegt wurde, befindet sich in der äußersten südöstlichen Ecke ein kleines Grabmal. Es besteht aus einem Säulenschaft mit Kapitell, der aber verkehrt herum, also mit dem Kapitell nach unten, aufgestellt wurde. Der Säulenschaft kennzeichnet die Grabstelle eines bedeutenden Kunsthistorikers, der in Schulpforte seine letzte Ruhestätte fand. Es handelt sich um Prof. Dr. Wilhelm Vöge, der allerdings kein Schüler der Landesschule war, wie man normalerweise vermuten könnte. Wilhelm Vöge wurde am 16. Februar 1868 in Bremen geboren, besuchte nach mehreren Umzügen in Hannover das Gymnasium, wo er 1886 das Abitur ablegte. Im selben Jahr begann Vöge das Studium der Kunstgeschichte in Leipzig und wechselte im Früh-

jahr 1887 nach Bonn, wo er den zehn Jahre älteren Karl Lamprecht kennenlernte. Nach Aussagen von Erwin Panofsky war es Lamprecht, »der wohl am ehesten als sein Mentor betrachtet werden darf.« Von Bonn wechselte Vöge an die Universität in Straßburg, wo er 1891 über Ottonische Buchmalerei – Eine deutsche Malerschule um die Wende des ersten Jahrtausends – promovierte. Anschließend begab er sich auf Reisen, zunächst nach Frankreich, dann nach Italien. Vöge widmete sich nun dem Studium der hoch- und spätmittelalterlichen Plastik und veröffentlichte 1894 ein Buch, welches lange Zeit die Forschung zur mittelalterlichen Plastik prägen sollte: »Die Anfänge des monumentalen Stils im Mittelalter«. Es gilt als sein Hauptwerk und stellt einen Meilenstein in der Erforschung der französischen Skulptur des 12. Jahrhunderts dar. Ausgehend von dieser Studie befasste sich Vöge in der Folgezeit verstärkt mit der deutschen und französischen

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Skulptur des Hochmittelalters. 1895 habilitierte sich Vöge mit einer kurzen Abhandlung über Raffael und Donatello und wurde Assistent bei Georg Dehio in Straßburg. 1898 gab er die vielversprechende Universitätslaufbahn auf, um Assistent von Wilhelm Bode in Berlin zu werden. Hier katalogisierte Vöge in den zehn Jahren seiner Tätigkeit die Skulpturenabteilung der Berliner Museen. 1909 wurde er auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. B. berufen. Zu seinen Schülern zählten so bedeutende Kunsthistoriker wie Erwin Panofsky (1892 – 1968), Kurt Badt (1890 – 1973) und Friedrich Winkler (1888 – 1965). Seine Lehrtätigkeit währte leider nur kurze Zeit, denn der Erste Weltkrieg war für ihn eine Katastrophe. Nicht nur der Verlust seiner Studenten, sondern auch die Beschießung der Kathedrale in Reims führten zu einem Nervenleiden, das ihn bewog, 1916 sein Lehramt niederzulegen. Wilhelm Vöge zog sich nach Ballenstedt im Harz zurück und arbeitete in der Abgeschiedenheit. Er erholte sich und veröffentlichte wieder. Im Frühjahr 1945 verbrannte in Berlin sein Manuskript über den spätgotischen Bildhauer Jörg Syrlin, doch es gelang ihm, den Text zu rekonstruieren, so dass das Buch 1950 gedruckt werden konnte. Am 30. De-

zember 1952 schied Wilhelm Vöge aus dem Leben. Den Ort für seine Beisetzung wählte der damalige Landeskonservator und Freund Vöges, Prof. Dr. h.  c. Wolf Schubert (1903 – 1977), aus. Nach Aussage des ehemaligen Landeskonservators Gotthard Voß war es die besondere Würde des Ortes Schulpforte, die ausschlaggebend für Schuberts Wahl war. Allerdings ist es auch nicht auszuschließen, dass der 1915 verstorbene Karl Lamprecht, der sich Schulpforte als letzte Ruhestätte gewählt hatte, Vöge inspirierte, ebenfalls an diesem romantischen Ort beigesetzt werden zu wollen.

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Prof. Wolf Schubert beschaffte sogar das antike Kapitell und den Säulenschaft als Grabmal für seinen Freund Vöge. Ende 2017 wurde das wertvolle Kapitell allerdings aus Bestandserhaltungsgründen vom Landesamt für Denkmalpflege abgeholt und im Depot eingelagert. Künftig soll eine Nachbildung desselben als Ersatz dafür aufgestellt werden. Bis dahin steht der (nicht antike) Säulenschaft auf zwei neuen quadratischen Steinplatten, damit Wilhelm Vöges letzte Ruhestätte nicht ohne Grabmal in völlige Vergessenheit gerät. Vöge selbst wird Mitte Februar 2018 anläßlich seines 150. Geburtstages mit einer Tagung in Schulpforte geehrt, die von der Historischen Kommission für SachsenAnhalt mit Unterstützung der Landesschule ausgerichtet wird. PETRA MÜCKE Ehemalige von 1952/53, die sich noch an die Beisetzung von Wilhelm Vöge Anfang 1953 in Pforta erinnern, werden gebeten, sich mit der Redaktion der »Pforte« in Verbindung zu setzen.

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Ehrenberg-Preis: Alte Stiftung wiederbelebt Mit der feierlichen Exmatrikulation am 17. Juni 2017 erhielt zum zweiten Mal eine Absolventin der Landesschule Pforta eine Auszeichnung, die eng mit der hiesigen Regionalgeschichte verknüpft ist.

A

Als vor gut einem Jahr die Abiturienten der Landesschule Pforta zur feierlichen Exmatrikulation ins Kirchenschiff der Zisterzienserkirche einzogen, wurde eine vergessene Stiftung auf besondere Weise wiederbelebt. Interessant ist dabei die enge Verbindung der Stifterin mit der Geschichte Bad Kösens. Die einstige Ehrenberg-Stiftung wurde 1918 in Schulpforte zum Andenken an Otwig von Ehrenberg gegründet, der von 1900 bis 1903 die Landesschule besucht hatte. Ehrenberg, der Offizier wurde, starb mit nur 32 Jahren im Ersten Weltkrieg, nachdem er 1917 in Frankreich von einer Granate getroffen worden war. Ehrenbergs Name ist auch auf der Gefallenentafel im Chor der Kirche von Schulpforte verzeichnet. Seine Witwe, Gertrud-Adelheid von Ehrenberg, geb. Köhler, stiftete damals ein Kapital von 3000 Mark. Die Stiftungssatzung sah vor, »an drei, in ganz besonderen Ausnahmefällen vier, besonders gute und tüchtige Schüler der Landesschule, die sich auf turnerischem Gebiete ausgezeichnet haben, Preise in Gestalt von Büchern zu verleihen«. Die

Buchpreise sollten auf Vorschlag des Turnlehrers und Beschluss der Lehrersynode verliehen und zum Schulfest überreicht werden. Nachweisbar verliehen wurden die Buchpreise aber nur von 1919 bis 1923 an insgesamt 13 Schüler, dann brachte diese Stiftung vermutlich durch die Inflation keine Erträge mehr. Im Jahr 2016 nahm Dr. Benedikt Koehler, ein Nachfahre der Witwe Ehrenberg, geb. Köhler, den Kontakt zur Landesschule Pforta auf und stiftete 3000 Euro mit dem Wunsch, nun nicht mehr turnerische Leistungen, sondern soziales Engagement zu würdigen. Außerdem erhielt das Schularchiv in diesem Zusammenhang wertvolle Dokumente der Familie von Ehrenberg. Neben Fotos und anderen Familienunterlagen schenkte Dr. Benedikt Koehler, der seinen Lebensmittelpunkt in London hat und nach einer Banker-Karriere vor allem als Autor tätig ist, der Schule auch den 1908 von Kaiser Wilhelm II. für Paul Ehrenberg ausgestellten, sehr aufwendig gestalteten Adelsbrief. Da Paul Ehrenberg von 1860 bis 1866 ebenfalls Schüler in Schulpforte war, ist das eine wunderbare Bereicherung der Archivbestände in der historischen Bibliothek der Landesschule Pforta. Die Familie von Ehrenberg spielt aber auch in der neueren Geschichte Bad

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5 Otwig von Ehrenberg (auf dem Pferd), daneben seine Frau, Gertrud-Adelheid von Ehrenberg, geb. Köhler

Kösens eine nicht unwichtige Rolle, denn Paul von Ehrenberg (1846 – 1928) kaufte als pensionierter Potsdamer Landesgerichtspräsident 1918 eine von Paul Schulze-Naumburg entworfene Villa in Bad Kösen. Diese Villa war das erste bezugsfertige Haus in der sogenannten Gartenstadt am Rechenberg von Paul Schulze-Naumburg, welche für pensionierte Beamte und Rentiers konzipiert worden war. Die Villa erhielt nach ihrem ersten Besitzer den Namen »Haus von Ehrenberg«. Nach Ehrenbergs Tod im April 1928 in Bad Kösen erbte die Tochter, Herta von Ehrenberg (1881 – 1974), die Villa. 1947 vermietete Fräulein v. Ehrenberg ihr Haus dem katholischen Bistum Magdeburg, das es als Bildungs- und Begegnungsstätte nutzte. 1950 verkaufte Herta von Ehrenberg schließlich das Haus an das Erzbischöfliche Kommissariat in Magdeburg. Nach dem Kauf

wurde das Anwesen am 1. Dezember 1950 nach dem Paderborner Bischof Konrad Martin (1812 – 1879) benannt und von zwei Ordensschwestern geleitet. Fräulein von Ehrenberg wohnte hier bis zu ihrem Tod 1974 und auch ihre verwitwete Schwägerin und Preis-Stifterin Gertrud-Adelheid von Ehrenberg (1891 – 1975) fand im Konrad-Martin-Haus ihre zweite Heimat. Seit 1978 steht das Haus in der Trägerschaft des Caritasverbandes und wurde als Erholungsheim für Familien, Senioren und Menschen mit Behinderungen genutzt. In den Jahren 1987 bis 1989 konnte trotz Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Baumaterial ein Neubau (Bettenhaus mit Küche) errichtet werden. Aufgrund rückläufiger Buchungen nach der Wende wurde das Anwesen in eine Heimvolks6 Adelsbrief mit mit kaiserlichem Siegel, jetzt im Besitz der Historischen Bibliothek Schulpforte

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5 gerahmtes Foto vor der Adelskassette: Paul Ehrenberg

hochschule umgewandelt und um ein neuerrichtetes Seminargebäude sowie um das benachbarte »Haus Ramona« erweitert. Als erste Einrichtung seiner Art wurde das Konrad-Martin-Haus 1994 durch das Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt als Heimvolkshochschule anerkannt. Von dieser Geschichte in all ihren schillernden Details musste die Preisträgerin des Ehrenberg-Preises 2017 nichts wissen. Abiturientin Frieda Frank aus dem naturwissenschaftlichen Zweig der Landesschule Pforta erhielt bei der festlichen Verabschiedung in der Pfortenser Klosterkirche nun als zweite Ausgezeichnete einen Büchergutschein, dazu eine Urkunde, die an das Erbe der von Ehrenbergs erinnert.

eine überaus engagierte Schülerin, sondern darüber hinaus auch eine Absolventin mit exzellenten Leistungen. Ihr Abiturschnitt liegt bei 1.0. Daneben hat sie erfolgreich an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen. Mit ihrer Forschungsarbeit zum Gleichgewichtstraining für Schlaganfallpatienten hat außerdem ihre wissenschaftliche Arbeit mit ihrem ehrenamtlichen Engagement eine Schnittstelle gefunden.« Frieda absolvierte nach dem Schulabschluss ein zweimonatiges Pflegepraktikum am Uni-Klinikum HalleKröllwitz. Zuvor arbeitete sie bereits im Saale-Unstrut-Klinikum Naumburg im Rahmen eines Praktikums und gab Schülern in der Reha-Klinik Bad Kösen Nachhilfestunden. Innerhalb der Schulgemeinschaft engagierte sie sich in den letzten Jahren bei der Wettbewerbsdurchführung, in der Nachhilfe für Mitschüler (Chemie und Physik) und für die Organisation von Andachten und Gottesdiensten der Schüler in der Abtskapelle. PETRA MÜCKE/MATTHIAS HAASE

Rektor Thomas Schödel, anlässlich der Verleihung: »Frieda ist nicht nur

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Adalbert Harnischs Märchen

I

Im Jahr 2015 kaufte der Pförtner Bund antiquarisch ein kleines Bändchen mit dem 1837 handschriftlich niedergeschriebenen Text eines Märchens, dessen Schauplatz z. T. die Kirche der Landesschule ist. Nach Angaben des Verkäufers (Antiquariat Trauzettel, Stolberg) sollte es sich um ein noch nicht veröffentlichtes Märchen handeln. Das ist allerdings nicht korrekt. Das »Fegefeuer« wurde in einem Band, der daneben Gedichte enthält, veröffentlicht, wenn auch mit kleinen Abweichungen. Der Verfasser ist ein ehemaliger Schüler der Landesschule, Adalbert Harnisch. Über Harnisch, für den im Archiv leider kein Ecce vorliegt, konnte folgendes ermittelt werden: Adalbert Harnisch wurde am 18. Februar 1815 in Breslau geboren. Er war der älteste Sohn des bekannten Pädagogen und Seminardirektors Wilhelm Harnisch (1787 – 1864) und dessen Frau, Ulrike Marie Tusch. Als der Vater 1822 nach Weißenfels versetzt wurde, wo er die Leitung und Neuordnung des Lehrerseminars übernahm, besuchte Adalbert Harnisch zunächst die Seminarschule. Zu Ostern 1828 wurde er in Pforte immatrikuliert. Zwei Jahre später kam auch sein jüngerer Bruder Hugo nach Schulpforte, doch beide blieben hier nicht bis zum Abitur. Während der jüngere Bruder 1833 vom Vater von der Schule genommen wurde, um einen

26 | Adalbert Harnischs Märchen

Beruf zu erlernen, könnte es bei Adalbert Harnisch ein Disziplinverstoß gewesen sein, der seine Pfortenser Schulzeit beendete. Im Jahresbericht von 1832 wird er nicht unter den Abgehenden genannt, verschwindet aber aus der Schülerliste. Erwähnt wird allerdings, dass vier Schüler die Schule wegen gröberer Vergehen verlassen mussten. Möglicherweise ist der im Märchen beschriebene Ausflug in die Kirche sein Vergehen, weswegen er die Schule verlassen musste. Michaelis 1832 wechselte er an das Kölnische Gymnasium in Berlin, das er 1834 aus der Obersekunda mit Zeugnis verließ. Nachdem Adalbert Harnisch seiner Militärpflicht genügt hatte, trat er auf Wunsch des Vaters in den höheren Postdienst, in welchem er 50 Jahre tätig sein sollte. Sein Beruf ließ ihm offensichtlich genügend Zeit, sich seinem Hobby zu widmen: dem ­Schreiben. Er veröffentlichte, z. T. unter Pseudonym, mehrere Gedichtbände und auch Märchen. Bis heute bekannt ist sein während der 48erRevolution auch als Flugblatt verbreitetes »Bürgerlied«. Ursprünglich 1845 für den Bürgerverein der ostpreußischen Stadt Elbing geschrieben, entwickelte es sich bald zu einem beliebten Lied in der nationalliberalen und später in der Arbeiterbewegung. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde es von deutschen FolkMusikern wie Hannes Wader neu aufgegriffen und so einem breiten


Publikum bekannt (vgl. den Wikipedia-Artikel »Bürgerlied [Harnisch]). In den fünfziger Jahren wurde Harnisch Postdirektor in Oppeln, kam von dort nach Neiße, 1872 als kaiserl. Postdirektor und Telegraphenstations-Vorsteher nach Löwenberg in Schlesien und 1882 in gleicher Eigenschaft nach Forst in der Lausitz, wo er bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand im Jahr 1885 blieb. Dann zog Adalbert Harnisch zurück in seine alte Heimatstadt Breslau, wo er am 14. Oktober 1889 starb. Ein Reprint seiner »Gedichte« erschien im Sommer 2017 in Großbritannien. PETRA MÜCKE

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Das Fegefeuer zu Pforte EIN MÄRCHEN VON ADALBERT VOM FELSEN

Bonn im December 1837

M Vorwort

Märchen giebt man gewöhnlich Kindern, aber auch Erwachsene verschmähen sie nicht, wenn in deren bunter Hülle noch ein tieferer parabolischer Sinn enthalten ist. Wenn auch die Einkleidung und der äußere Gehalt meines Märchens manche Blöße darbieten mag und vielleicht zu sehr von der Hand des Anfängers zeugt, aus der es hervorgegangen ist, so möchte doch der parabolische Sinn, den ich darein zu legen mich bemüht habe, demselben einiges Interesse geben. Der Ort und die Zeit, worin mein Märchen spielt, gehört meinen jüngeren Jahren an – aber eine Wahrheit, eine tiefe schwere Wahrheit aus meinem späteren Leben bildet den Kern desselben. Motto: Das Leben ist der Güter höchstes nicht Der Uebel größtes aber ist die Schuld. Die Kirche in Schul-Pforte ist ein alterthümliches Gebäude, in einem schönen, aber etwas gothischen Styl, und noch gut erhalten. Der Platz auf dem sie steht ist ein alter heiliger Ort; denn wo jetzt allsonntäglich der

28 | Das Fegefeuer zu Pforte

schallende Gesang der Alumnen ertönt, da hörte man vor Jahrhunderten bei Tag und Nacht den dumpfen Chor der Mönche und da erscholl vor Jahrtausenden das laute Jubelgeschrei unserer heidnischen Vorfahren, die unter einer breitastigen Eiche ihrem Gotte Wodan opferten. Der heilige Bonifacius stürtzte ihren Altar und zimmerte aus der GottesEiche ein Crucifix, und baute darüber eine Bet-Kapelle, die spätere fromme Jahrhunderte in das schöne große Gotteshaus umschufen, was noch heutigen Tages dasteht zum Preise Gottes. Das Kreuz, welches im vorderen Schiffe der Kirche stand, habe ich selbst gesehen. Das roh geschnitzte Christusbild, was daran hing, mit bunten Farben bemahlt, und mit einem alten, seidenen Kleide behangen, konnte zwar um so weniger Andacht erwecken, als die gebrochenen Augen des Bildes von Glas, und die Haare desselben wirkliche Menschenhaare waren; aber dennoch schmerzte es mich, als man des widrigen Eindrucks wegen, den das Bild machte, das alte ehrwürdige Kreuz umschlug, das schon Jahrtausende lang dem Zahn der Zeit getrotzt hatte, und dessen Wurzeln tief verwachsen waren mit dem Grunde des Gotteshauses wie die versteinerten verzweigten Holzstücke bewiesen, die man unter alten Gefä-


ßen, alterthümlichen Münzen und morschen Todengebeinen zwischen den Grundsteinen fand, als man das Kreuz ausgrub. Die Zerstörung dieses alten Kreuzes fiel in eine Zeit, wo man das Innere der Kirche renovierte, und ihre Schmuckwerke etwas aufputzte. In Folge dessen stand mehrere Wochen lang die Thüre, die vom Kreutzgang des früheren Klosters, und jetzigen Schulgebäudes in die Kirche führte des Tages über auf, und wir Schüler gingen in unseren freien Stunden nicht selten hinein, um uns die alten Ueberreste aus der Closterzeit anzuschauen. Wir bewunderten die vergoldeten und versilberten, und noch in frischen grellen Farben prangenden Wappenschilder, die die Stühle der Kirche schmücken, wo einst die Edlen und Herrn des Landes ihre Plätze hatten, hervorragend über den Bänken der übrigen Gemeinde und ganz abgesondert von den Sitzen der Mönche, die da waren, wo jetzt der Cötus der Alumnen sitzt. Wir musterten die bunten Reliquien-Kasten, mit ihren verschiedenen merkwürdigen Inschriften, die die Wände der Vorkirche bedecken, und ergötzten uns auch wohl an den weniger ehrwürdigen Ueberresten der katholischen Zeit.

So war da ein Kasten in dem ein Theil von der Egyptischen Finsterniß verwahrt war, ein seltenes Stück, noch von Moses Zeiten her! – Dann war ein hölzernes Muttergottesbild da, deren Kopf hohl war. Die Augen derselben waren aus Kork, oder einem ähnlichen Stoffe gemacht, der Mund war geöffnet wie zum Schreien, und das Gesicht voller Schmerz. Das Madonnenbild stand auf einem hohlen Kasten. Hiervon ging die Sage, man habe früher in den Kasten einen jungen Hund gesteckt, und den hohlen Kopf mit Wasser gefüllt, in welches man ein paar Fischchen gesetzt hätte. So, erzählte man sich, hätten die Pfaffen zur Osterzeit, durch das weinerliche Greinen des jungen Hundes, und dadurch, daß bei dem Plätschern der Fischchen das Wasser durch die Kork­augen rieselte, das gemeine Volk glauben machen wollen, das Muttergottesbild weine und schreie über den Tod ihres Sohnes. Der Gedanke hat etwas Empörendes – aber ich selbst habe mit meinen Augen oft das Bild so gesehen, wie ich es eben beschrieben habe. In der Mitte der Kirche etwa ist eine Vertiefung in der Mauer. – Wenn man das Ohr an dies Loch hält, hört man ein Brausen und Sausen, Zischen und Stöhnen, Aechzen und Wimmern, das aus weiter Ferne herzuklingen scheint. Dies,

Das Fegefeuer zu Pforte | 29


so erzählte man uns, habe man früher den Leuten eingeredet, wäre das Lärmen des Fegefeuers, und das Wehklagen der Verdammten. – Wir wußten nun freilich besser, was es war, da uns bekannt war, daß ein kleiner Bach unter der Kirche hinrieselte, und wir selbst in dem alten verfallenen Clostergange gewesen waren, der unter der Kirche wegführte. Der Luftzug durch den Gang und das Plätschern des Wassers mochten wohl jene merkwürdigen Töne hervorbringen, aber doch konnten wir es uns nicht verhehlen, wenn wir lauschend das Ohr an die Oeffnung hielten, die allgemein Fegfeuerloch oder Höllenpforte genannt wurde – die Töne hatten etwas Schauriges.

ermunterte meinen Cameraden mit mir hineinzugehen, um zu sehen was es da gäbe.

Eines Abends um 9 Uhr – es war um Weinachten 1830, und die Abendandacht war eben beendigt, – ging ich mit einem Classengenossen den nur spärlich erleuchteten Kreuzgang entlang; – Wir waren im eifrigen Gespräch schon mehrere Male auf und niedergewandelt; da bemerkten wir, daß die Kirchthüre noch offen stand, was sonst so spät nie der Fall zu sein pflegte. Wir traten näher und waren nicht wenig überrascht, als wir im Innern der Kirche eine ganz eigenthümliche Helle bemerkten. Beide blieben wir stehen; stumm schaute Minutenlang einer den andern an. Endlich wagte ich das beängstigende Schweigen zu unterbrechen und

Darüber war eine große hölzerne Winde, die auf zwei starken Pfosten ruhete.

30 | Das Fegefeuer zu Pforte

Schüchtern traten wir in die Kirche. Die Helle, die wir von Außen bemerkt hatten, strömte von der Stelle aus, wo früher das hölzerne Kreutz gestanden hatte. Ich faßte des andern zitternde Hand, und mit pochendem Herzen, gingen wir leisen und langsamen Schrittes auf den hellen Punkt zu. Als wir zitternd wie Espenlaub, und mit verhaltenem Athem näher traten, ward uns gar wunderbar zu Muthe; denn anstatt des früheren Kreuzes sahen wir eine tiefe Grube.

Um den einen derselben war das Ende eines starken Strickes gewunden, der sich einige mal um die Winde wegschlang, und am anderen Ende ein kahnähnliches Gefäß trug. In diesem kleinen Kahne stand ein Lämpchen, welches blau wie eine Spiritusflamme brannte und gespenstisch den weiten Raum der Kirche erleuchtete. Mit stiller Verwunderung betrachteten wir dies seltsame Schauspiel, als wir aus der Tiefe der Grube dieselben bekannten Töne he-


rauf wimmern hörten, die uns so oft an der Höllenpforte erlustigt hatten, aber die Töne klangen immer vernehmlicher, immer grausiger. Wir zitterten, und jeder drückte die kalte Hand des andern. »Laß uns gehen« lispelte mein Freund mit kaum hörbarer Stimme mir zu. – Ich aber dachte daran, wie wir am andern Tage von den Cameraden würden ausgelacht werden wegen unserer Haasenherzigkeit, und obgleich die Angst mir die Kehle zuschnüren wollte, so zwang ich mich, um mir selbst Muth zu machen ihm mit lauter Stimme zu erwidern: »Was ist es denn weiter, meinte ich; die Arbeiter werden dies Dings hier und die Grube gemacht haben um nach Alter­ thümern zu suchen, deren man unter dem alten Kreuze schon so viel fand, und noch mehr vermuthet. Sie haben die Lampe, die ihnen zur Arbeit am Abend geleuchtet hatte, vergessen auszulöschen und in der Eile auch die Kirchenthür aufgelassen. Nun und das Getöse da ist nichts weiter, wie du selbst weißt, als der Luftzug durch den alten unterirdischen Klostergang.« Obwohl ich fühlte, daß hier nicht Alles in der gehörigen Ordnung war, denn immer grauser klangen die Töne zu uns herauf, so war es mir doch als hätte ich mich selbst durch meine ei-

gene Rede ermuthigt, und um meine Courage in ihrem vollen Glanze zu zeigen, stieg ich in die kleine Gondel, und forderte meinen Gefährten auf mich an dem Stricke herunter zu lassen. Wohl hörte ich wie mein Herz an meine Rippen schlug, wohl fühlte ich, wie meine Haare sich schaudernd emporsträubten; doch forderte ich meinen Cameraden nochmals auf mich herunter zu lassen, da es schien als habe er mich das erste mal nicht verstanden. Er zögerte noch immer. Als ich ihn aber der Feigheit zieh, und bedrohte, ich wollte am andern Morgen der ganzen Classe von seinem Heldenmuth erzählen, da wand er mit zögernder Hand den Strick vom Pfosten ab. »Wenn ich unten bin, rief ich ihm zu und zwang mich zum Lächeln; wenn ich unten bin, will ich mir das Fegefeuer ordentlich ansehen; wenn ich hernach rufe, so zieh mich wieder in die Höhe und du sollst dann von den Schrecknissen der Hölle hören.« – Er sah mich leichenblaß und mit stieren Augen an ohne zu antworten, und ließ langsam das Seil nach. – Das Schiffchen und mit ihm ich sanken langsam hinab. Das Lämpchen flakkerte hell auf, und erleuchtete bald mit hellerem bald mit geringerem Schein die schwarzen Wände der Grube. –

Das Fegefeuer zu Pforte | 31


Immer tiefer und tiefer sank das Schifflein, und immer noch kam ich nicht auf den Boden der Grube, die ich nur wenige Ellen tief geglaubt hatte. Ich sank immer tiefer. Da ward mir gar angst zu Muthe, und ich rief hinauf »In die Höhe, – in die Höhe« Aber je öfter und lauter ich rief, desto schneller sank ich hinunter. Das dicke Seil zog sich immer dünner und dünner, als wäre es von Gummy, – unter mir braußte es fürchterlich, und ein kalter Windstrom stieg nach oben. Ich rief immer ängstlicher, aber mein Schreien verhallte erfolglos und immer schneller und schneller fiel ich hinab. Das Seil das mein Schiffchen hielt war zum haardünnen Faden geworden. Das Licht erlosch, und in schrecklicher Angst klammerte ich mich an das treulose Fahrzeug und kalter Schweis bedeckte meine Stirn, und mein Kopf schwindelte. – – – Da auf einmal war mirs, als ob das Sinken aufhörte, und es ward hell um mich. Ich blickte umher und sah, daß mein Schifflein auf einem wogenden Wasser schaukelte. Die Wände ringsum blinkten und glitzerten wie von Cristall, und ihr Licht strahlte tausendfach gebrochen aus den Wellen

32 | Das Fegefeuer zu Pforte

zurück. Meine Augen waren von der plötzlichen Helle geblendet. Heftig und schäumend schlugen die Wellen an meinen Nachen, und trieben ihn fort. Der dünne Faden, der ihn von oben noch hielt, zerriß mit einem schrillenden Tone und pfeilgeschwind glitt mein Schiffchen dahin auf den tosenden Wellen durch den blinkenden Felsengang. Aber immer enger und enger ward der Gang und immer niedriger. Ich fürchtete mir den Kopf an der glänzenden Steindecke zu zerstoßen, und meine Augen thaten mir wehe von dem überhellen Lichte. – So gut es gehen wollte legte ich mich auf den Boden meines Schiffchens nieder und erwartete mit kalter Resignation den Augenblick, wo der Wellendrang den Nachen an die Felsendecke pressen und mich zerschmettern würde. Meine Augen schlossen sich. – Schon hörte ich wie der obere Rand meines Schiffchens an dem Gestein hinschrammte. – Der fürchterliche durch Mark und Bein kratzende Ton nahm mir das Bewußtsein. – – Da fühlte ich plötzlich einen heftigen Ruck nach oben, und mir war es, als ob mein Schiffchen sich blitzschnell höbe und dann stillstand. Erwar-


tungsvoll schlug ich die Augen auf. Mit freudigem Erstaunen schaute ich rings um hin. –

beunruhigenden Gedanken schaute ich ins Weite. – Doch Wunder über Wunder!

Mein Schifflein stand mitten auf einem klaren blauen See deßen Oberfläche sich zu kleinen Wellen kräuselte. In einiger Entfernung sah ich eine üppig-grüne Insel, und hoch über mir einen schönen blauen Himmel mit unzähligen Sternen besäet, die der Wasserspiegel tausendmal wiedergab; Aber der Himmel war nicht ein Wolkenhimmel, wie oben auf Erden, sondern schien von Stein oder Erz zu sein und die Sterne von blitzenden Edelsteinen oder strahlendem Golde. Es war ein wonnevoller Anblick, wie die Glanzpunkte ohne Zahl herabflimmerten in die Wogen, und diese wiederum einen neuen Himmel zeigten.

Immer größer und größer erschien mir die Insel. – Jetzt unterschiede ich schon kleine Landengen und Bayen am Ufer derselben, jetzt sahe ich schon ganz deutlich die Bäume am Gestade, und sahe sie sichtbar wachsen vor meinen Augen!

Tief gerührt warf ich mich in meinem Nachen auf die Kniee und erhob dankbar meine Hände zum Himmel hinauf und betete. Worte konnte mein Mund nicht finden; aber mein Herz war übervoll! War ich doch einer schrecklichen Gefahr entronnen und leuchtete mir doch – wenn auch in ungewisser Ferne – eine schöne Zukunft. Aber wie nun ohne Ruder nach dem fernen Lande hinfahren? – Mit diesem

Kam die Insel mir näher, oder fuhr ich auf sie zu? Und doch wehte kein Wind, nicht der leiseste Zephyr, der mich dem Lande zutreiben konnte! Sinnend schaute ich vor mich hin in’s Wasser, und mein Staunen ward noch größer. Ich hatte für mein Fahrzeug gar wunderbare Rosse, für mein kleines Schiffchen gar seltsamliche Matrosen. Es waren eine Menge golden und silbern glitzender winziger Fischlein, die mich fortzogen. Das Ende des abgerissenen Seiles hing in’s Wasser hinein; Da hatten die Fischlein angebissen, und zogen mich frisch dem nun schon ganz nahen Ufer zu. Frohen Muthes blickte ich abwechselnd bald auf die Fischchen, um zu sehen ob sie wohl fleißig zögen, bald nach dem Ufer, dessen Formen und Gebilde mir immer deutlicher erschienen,

Das Fegefeuer zu Pforte | 33


um mich zu überzeugen, daß ich dem Gestade auch wirklich näher kam. Die Fischlein schwammen munter fort. Ich war dem Strande schon ganz nahe, labte mich schon an den fremdartigen Gebilden und prächtigen Farben, die die üppige Vegetation der Insel meinen Augen darbot, athmete schon mit frohem Behagen die süßen Wohlgerüche, die mir die schönen Uferpflanzen zusandten, ergötzte mich schon an den schönfarbigen bunten Steinchen von wundervollem Aussehen, die das Ufer schmückten, als plötzlich eine noch weit liebreichere Erscheinung meinen Blick auf einen Punkt fesselte. Auf einem weißen hochragenden Felsen am Ufer gewahrte ich nämlich eine große Anzahl kleiner Wesen in luftigen Kleidern, rosenfarben, himmelblau, und grünlich schimmernd, mit glänzenden Gürteln um den Leib und blinkenden Spangen um die Hände. Ungefesselt wallten die goldenen Locken auf Busen und Nakken der kleinen Gestalten herab, von denen ich nicht wußte, ob ich sie für Feen oder Elfen, oder für Trugbilder meiner erhitzten Phantasie halten sollte. So viel sah ich klar, Kinder waren es nicht, wofür ich sie anfänglich gehalten hatte. Die niedlichen Gestalten schienen noch viel, viel kleiner als Kinder zu sein. Freundlich blickten sie auf mich herab und klatschten froh in die klei-

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nen Händchen und jauchzten mir zu. Aber verstehen konnte ich sie nicht; denn die Worte die sie mir zuriefen, waren weder deutsch noch lateinisch, weder griechisch noch französisch, und weiter konnte ich armer ErdUnter-Secundaner keine Sprachen, und diese noch dazu herzlich wenig. Jetzt war ich am Ufer. Freudig sprang ich an’s Land, und küßte dankbar den Sand am Gestade. Als ich mich wieder erhob wandte ich meine Augen zurück nach dem rettenden Schifflein, und den glänzenden kleinen Gesellen, die mich an’s Land gezogen. Aber verschwunden war es sammt den Fischlein, und ich sah nur noch die Ringe auf der Oberfläche des Wassers, die sein Versinken gebildet hatte. Die kleinen weiblichen Wesen kamen schnell vom Felsen herab auf mich zu, mehr fliegend als gehend, und umringten mich im Kreise und bewillkommeten mich mit freundlichen Mienen und Geberden, da sie bald merkten, daß ich ihre Sprache nicht verstand. Die kleinen lieblichen Wesen winkten mir zu folgen, und ich ging mit ihnen. Ich konnte es gar nicht begreifen, daß die kleinen Dinger, die doch gewiß 5 oder 6 mal kleiner als ich waren, so gut mit mir Schritt halten konnten. Aber sie schwebten schnell dahin, und ihre Füße berührten kaum den Boden.


Der Weg ging durch einen wunderherrlichen Wald, voller schöner Bäume und duftender Blumen, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Kleine bunte Vögelchen, etwa wie ich mir die Colibris denke, aber noch weit schöner, flatterten von Zweig zu Zweig, und sangen himmlische Melodien. Aber um vieles klangreicher noch und lieblicher, waren die Sangweisen meiner kleinen Begleiterinnen, die von Zeit zu Zeit abwechselnd einzeln und in Chören ihre Silberstimmchen hören ließen. Die kleinen buntgefiederten glänzenden Vögelchen flogen uns voraus, immer von Blumenkelch zu Blumenkelch flatternd; und die Blumen sahen hier alle ganz anders aus, wie oben auf Erden. Ihre Formen waren gar mannigfaltig und fremdartig, und ihre Farben von außerordentlicher Reinheit und bezauberndem Schmelz und der würzige Duft, der aus ihren schenkenden Blüthendolden strömte, war entzückend. Meine freundlichen Begleiterinnen bemerkten bald, daß die Blumen mir sehr gefielen und nun hüpften sie alle von dannen und jede derselben brachte mir eine schöne duftige Blüthe, so daß ich bald beide Hände voll Blumen hatte. Als wir aus dem Walde heraustraten, wehten milde Zephyrlüfte uns entge-

gen, und vor unseren Augen breitete sich ein sammetgleicher Wiesenteppich aus, der weithin von bunten Blümchen durchwebt, und am fernen Horizonte durch eine Reihe netter Häuschen begränzt war, die wie es schien, kleine Gärten umgaben. Hinter diesen stieg eine liebliche Anhöhe hinauf, auf deren Gipfel ein stattliches Marmor-Schloß prangte, dessen plattes Dach wie von blankem Metall glänzte, und in dessen Mitte sich ein zierlich schlanker Thurm erhob, der bis in die Goldsterne hineinzuragen schien und dessen Kuppel so hellen Glanz rings umher verbreitete, daß der nahen Sterne Licht verdunkelt schien. Es war ein wonnevoller Anblick. – Da klangen melodische Glockentöne vom Thurme herab, und zitterten wehmüthig und freudig zugleich durch die Luft. Das Antlitz meiner Gefährtinnen ward noch heiterer wie vorher, ihre Augen glühten von einem seeligen Feuer und ihre Züge schienen sich zu verklären. Sie sanken auf die Kniee, senkten andächtig ihre Köpfchen und schienen zu beten. Ich that ein gleiches. Es war ein heiliger Augenblick. Bald erhoben wir uns wieder, und ich schritt rüstig wei-

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ter; voran schwebten meine kleinen Freundinnen, und lächelten noch freundlicher denn zuvor und scherzten über mich, der nur mit Mühe folgen konnte. Wir kamen an einen Bach, dessen rieselnde Silberwellen in wundervollen sanften Melodien tönten. Eine breite silberne Brücke führte darüber hinweg. Mit hohem Vergnügen schaute ich auf das Wasser hinab, denn schneeweiße Vögel mit purpurrothen Schnäbeln und rosigen Fittigen, an Gestalt den Schwänen ähnlich, wiegten sich so zierlich wie majestätisch auf den Wellen. Nun waren wir ganz nahe an den Behausungen der Kleinen. So wie sie selbst, waren auch ihre Häuser zu denen sie mich führten en miniature und ich kam mir mit meiner Größe und Plumpheit ganz merkwürdig vor neben den kleinen Wohnungen der winzigen lustigen Geschöpfchen. Die Thüren waren viel zu klein für mich. Ich stand im Vorhofe eines der Häuser, die aus duftendem und geglätteten hellbraunen Holze erbaut waren, und keine Giebel hatten, sondern alle oben platt waren, und schaute über die Dächer hinweg und sah, wie die kleinen lieblichen Wesen sich beeilten, mir aus allen ihren Behausungen her Erquickungen zuzubrin-

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gen. Die eine brachte einen schönen Crystallteller voll Obst, die andere ein zierliches Körbchen mit Trauben, die dritte eine metallene Schaale von durchbrochener Arbeit mit Kuchen, die vierte eine silberne Kanne voll süßen Weines. Jede brachte etwas und so stand die ganze Schaar im Kreise um mich herum, ehe ich mir’s versah, und lud mich mit freundlichen Geberden ein zuzulangen. Ich ließ mich nicht lange nöthigen, sondern setzte mich nieder, um den lieblichen Kleinen näher zu sein und ließ mir’s tüchtig schmecken. Sie leisteten mir zwar Gesellschaft, aber ich merkte wohl, daß obgleich ihrer etwa vierzig bis fünfzig waren, ich allein weit mehr aß, als sie alle zusammen. Mein gesegneter Appetit kam ihnen sehr lächerlich vor; denn obgleich ich ihre einzelne Worte nicht verstehen konnte, so verstand ich doch fast alle ihre Reden durch das lebendige Geberdenspiel, wodurch sie sich mir verständlich zu machen suchten, und so fühlte ich mich unter ihnen recht behaglich. Ich versuchte auch durch Geberdensprache zu antworten, aber mein Versuch mißglückte mir so, daß ich mir jedesmal wenn ich anfing, das kichernde Gelächter meiner lieben Freundinnen zuzog. Aus ihren Reden glaubte ich so viel zu verstehen, daß sie sich darüber beriethen, ob, und wann sie mich zu


ihrer Königin führen, und wo und wie sie mir Riesen eine genügend geräumige Wohnung bereiten sollten. Ich war herzensvergnügt über die kleinen Dinger, und nikte zu allem bejahend, was sie mich in ihrer Sprache fragten, und ich nicht verstand und wurde dafür von ihnen tüchtig ausgelacht. Und wenn ich dann anfing, in meiner deutschen Sprache mich ihnen verständlich machen zu wollen, da lachte der ganze Kreis um mich her noch mehr, und ich mußte unwillkührlich mitlachen. Jetzt war die Mahlzeit beendet. Die Kleinen sprangen auf und davon und nur mit Mühe vermochte ich ihnen zu folgen, wozu sie mich durch freundliches Winken aufforderten. Endlich erreichte ich sie am Fuße des Berges, worauf das Schloß der Königinn stand, die sie Yella nannten, was in ihrer Sprache, wie ich später erfuhr, so viel heißt als: »die Reine«. Dort standen sie vor einer Grotte still, mich erwartend. Sollte dies vielleicht meine Wohnung sein? – Sie führten mich durch den Eingang derselben, und sagten mir durch ihre Mienen, hier möchte ich warten. Verwunderung ergriff mich als ich hineintrat in das Innere der Grotte, die ziemlich geräumig war. Schlanke durchsichtige Crystallsäulen trugen die gewölbte Decke derselben, und die Wände strahlten von wundersamen Licht wie lauter Edelsteine und was mein Staunen in hohe Freude verwandelte war ein kleiner

Altar im Hintergrunde der Grotte, der zum Ueberfluß von mehr denn tausend Lichtern erleuchtet war, und auf dem ein einfaches goldenes Kreuz stand. Voller Freude, da ich ja nun ganz überzeugt war, daß es gute Wesen waren, bei denen ich lebte, und daß sie mit mir einen Gott verehrten, warf ich mich zu den Stufen des Altars hin, und betete inbrünstig. Die lieblichen Kleinen hatten sich während dessen leise entfernt, um meine Andacht nicht zu stören. – Als ich wieder aufgestanden war und zur Pforte der Höhle hinaustrat, sah ich wie meine kleinen Freundinnen eilend zum Schloßberg hinauf hüpften, wahrscheinlich um ihrer Königinn von dem neuangekommenen sonderbaren Fremdling Kunde zu bringen. Nahe dem Eingang zur Höhle lag ein Felsblock, dicht mit schwellendem, duftendem Moose überwachsen. Darauf setzte ich mich nieder. Die Aufregung der vielen Ereignisse hatte mich sehr ermattet. Ich sank auf das weiche Pfül hin und bald umfing mich süßer Schlummer, und ein gaukelnder Traum trieb Bilder aus meinem früheren und meinem jetzigen Leben bunt durcheinander. Ich mußte lange, sehr lange geschlafen haben; denn als ich erwachte sah

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ich alle meine kleinen Freundinnen um mich her, die sich sehr freuten, daß ich wieder lebte. Sie waren gekommen, um mich zur Königinn zu rufen, die mich zu sehen verlangt hatte, und hatten mich im festen Schlafe gefunden und für todt gehalten – denn den Schlaf schienen sie nicht zu kennen – traurig darüber hatten sie alle Mittel angewandt, um mich wieder zu erwecken, und noch zuletzt ein volltönendes Lied angestimmt, dessen liebliche Harmonie auch wirklich meine Augen öffnete. Froh hüpften sie mir voraus die Marmorstufen hinan, die zum Schlosse führten und ich folgte erwartungsvoll. Jetzt stand der prächtige Pallast vor mir glänzend wie von köstlichem Metall und edlen Steinen. Vor demselben saß unter einem purpurnen Thronhimmel die Königinn auf einem güldenen Sessel umringt von ihrer nächsten Umgebung. Die Schönheit der Königinn fesselte meinen Blick, ihre Majestät geboth mir Ehrfurcht. Silberglänzend floß ein langes flor’nes Gewand um ihre schönen Glieder, ein gold’ner mit Brillanten besetzter Gürtel von magischem Glanze umgab ihren zarten, schlanken Leib und wundervoll leuchtende Spangen ihre Arme. Golden flossen ihre Locken auf die weißen Schultern herab, und ihre blauen Augen schau-

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ten mich freundlich an; jedoch auf ihrer Stirn lag tiefer Ernst. Die Krone auf ihrem Haupte strahlte so hell, daß sie sich meine Augen von dem ungewohnten Glanze geblendet niederwärts abwenden mußten. Ich nahte mich ehrfurchtsvoll ihrem Thron, beugte ein Knie vor der Herrscherinn und senkte ehrerbietig das Haupt, um ihr hiermit gleichsam den Vasalleneid zu schwören, da mein Mund es nicht wagte, ihn in einer ihr doch unverständlichen Sprache auszusprechen. Aber wie groß war mein Erstaunen, als Yella die Königinn, mich anredete: »Sey willkommen auf meinem Inselreiche.« Freundlich lächelte sie mich an und berührte mit ihrem Scepter meine Stirn. Da durchrieselte mich ein seltsames Gefühl, wie ein electrischer Schlag. Ich blickte scheu um mich, und sah, wie ich nun eben so klein wie meine Gefährtinnen, an den Stufen des Thrones knieete, angethan mit einem hellfarbigen Kleide voll goldener Sternchen. »Sey mir freundlich gegrüßt, Fremdling«, wiederholte huldvoll die Königinn. »Du bist der erste Mann, dessen Fuß mein Reich betritt, und du bist der einzige Mann auf dieser Insel. Doch sey getrost. Meine Freundinnen werden dich wie ihren Bruder lieben,


und ich werde dir stets eine gütige Königinn seyn, so lange du dich meiner Freundschaft würdig zeigst. Des Sterblichen Glück liegt in seiner eigenen Hand. Du wirst recht glücklich bei uns sein, wenn du es willst.« Die Königinn Yella schwieg, und ich sprach wenige herzliche Worte des feurigsten Dankes, stieg hinauf zu ihrem Thron und küßte den Saum ihres Kleides. Sie aber stand auf und ergriff meine Hand. Mit einem freundlichen Gruße zu ihren jubelnden Unterthanen führte sie mich in das Innere des Schlosses, und zeigte mir die einzelnen Gemächer, deren Glanz und Schönheit unbeschreiblich war. Ich wohnte schon lange Zeit in dem einen Flügel des Pallastes; wie lange weiß ich nicht; denn es war hier ewig Tag, weil es nie dunkel ward, und es war ewig Nacht, weil die Sterne am blanken Himmel nie aufhörten zu glänzen. Nur der Klang der Glocke auf dem Schloßthurme, die von Zeit zu Zeit ertönte und zur Andacht rief, brachte eine gewisse Zeiteintheilung hervor. – Nie war der Schlaf auf meine Augen gekommen, denn hier gab es keinen Schlaf; Nie hatte mir der Schmerz

eine Thräne ausgepreßt; denn hier kannte man weder Schmerz, noch Thränen. Ich war der Freund und stete Gesellschafter Yella’s geworden. Mit der Königinn speißte ich stets in Gesellschaft von deren Ministerinnen und Räthinnen an einer silbernen Tafel im Marmorsaal, von schönen Mädchen bedient, die auf güldenen Geschirren herrliches Obst, und erquickende Trauben und des Gebäcks Mancherley und süßen Wein in crystallenen Gefäßen herbeitrugen. Der Mangel, den ich Anfangs durch das Entbehren von Fleisch und gekochten Speisen fühlte, wurde tausendfach ersetzt durch ergötzliche Unterhaltung. Yella bestieg mit mir den hohen Schloßthurm, und wir schauten voll Wonne herab auf die glückliche Insel, auf der wir noch eine Menge solcher kleiner Ortschaften erblickten, wie die, welche mich zuerst so freundlich aufgenommen hatte. Mit der Königinn durchreisete ich das schöne Land, hin und her, und saß neben ihr in einem güldenen Wagen, der von buntgefiederten Vögeln, unseren Straußen ähnlich gezogen blitzschnell dahinflog. Denn es gab auf der Insel gar keine anderen Thiere als bunte melodische Vögel.

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Mit ihr fuhr ich in einem silbernen Nachen, und von folgsamen Goldfischchen gezogen, auf dem stillen See, der die Insel umgab. Mit ihr las ich die schönsten Werke Schiller’s und Göthe’s und anderer Dichtermeister der Erdenwelt; zu ihrer Rechten saß ich im Staatsrathe, und an ihrer Seite betrat ich die Schwellen des Heiligthums, wo zwar keine langen Predigten gehalten wurden, wo aber von allen Lippen innige Gebete aufstiegen zum Höchsten. Oefters ging ich auch wohl mit Yella hinunter in den Ort am Fuße des Schloßberges, in die Behausungen meiner Freundinnen, und die Königinn freute sich mit mir in Gesellschaft der fröhlichen Jungfrauen, bei Mahl und Spiel und heiterer Unterhaltung. O wie glücklich war ich mit meiner Yella! – Denn Wonne war es sie zu sehn, Und Seeligkeit war’s sie zu kennen, Als Freund zur Seite ihr zu stehn, Dies Glück kann keine Sprache nennen. Ich fühlt es ganz in tiefer Brust, und trank unendliches Entzücken Und sog unsäglich hohe Lust Aus Yella’s Worten, Yella’s Blicken. Ja wahrlich es war eine seelige Zeit. –

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Ich war so ganz glücklich. – Nur eins folterte mein Herz. Ich liebte die Königinn, und wagte es nicht ihr zu gestehen; Ich liebte Yella, und fühlte den Stachel der Eifersucht in meinem Busen wühlen. Nicht selten fuhr ich mit Yella nach einem entlegenen Myrthenhain. Am Saum desselben stieg sie jedesmal aus, und ich mußte dort so lange warten, bis sie wieder zurückkehrte, um mit mir nach dem Schlosse zurück zu fahren. Ueberall durfte ich mit der Königinn zusammen sein; zu jeder Zeit durfte ich zu Yella eintreten. Nur hier durfte ich nicht folgen. So war ihr strenges Gebot. – Wo mochte sie hingehen? Was mochte sie thun? Wer mochte sie vielleicht erwarten? – Dies waren die Gedanken, die mich peinigten, wenn ich am Hayn ihrer harren mußte. – Einmal saß ich mit ihr in einer duftenden Laube des Parks, und las mit ihr in einem Büchelchen, was sie aus ihrem Busen zog. – Wenn ich nicht irre, war der Titel desselben: »Sandkörner vom Parnaß.« Sie bat mich ihr ein paar von den Gedichten daraus vorzulesen. Ich las ein paar kleine Minnelieder.


Das Feuer der Liebe loderte in meinem Busen auf; ich ergriff ihre kleine Hand und wagte sie zu drücken. Ich fühlte, wie sie leise den Druck erwiederte. Wonnetrunken schaute ich auf. Doch wie sich unsere Blicke begegneten, fuhr sie erschrocken zusammen, und sprang schnell auf. – Der güldene Wagen stand vor der Laube. Wir stiegen schweigend ein. Der Wagen flog lustig dahin. – Wir saßen stumm neben einander. Wonnige Phantasien umgaukelten meinen Sinn. – Da hielt der Wagen still. Wir waren am Saume des Myrthenhaines. Yella stieg aus, wie gewöhnlich und ließ mich zurück. Krampfhaft zuckte mein Herz zusammen; die süßen Bilder schwammen vor meinen Augen, und machten einem unnennbaren Wehe Platz. – Ich bat Yella folgen zu dürfen, sie aber verwies ernst meine Bitte. Ich bat inbrünstiger, und sie verbot es mir streng zu folgen. Ich fiel auf meine Kniee und bedeckte ihre Hände mit heißen Küssen. Da rollte aus ihren schönen Augen eine Thräne, die erste die ich sie weinen sah. Sie drückte mir die Hand und sprach mit weicher Stimme:

»Bleibe, ich bitte dich« und eilte hinweg. »Ich bleibe hier« sprach ich dumpf und preßte meine glühende Stirn in beide Hände. Die heißeste Liebe entflammte mein Herz, und die glühendste Eifersucht zerquälte es. – Tausend wirre Gedanken durchkreutzten mein erhitztes Gehirn. Lange stand ich so in stummem Hinbrüten. – Aber die Schlange in meinem Busen wollte nicht schlafen, wie sehr ich auch dagegen ankämpfte. Meiner Hand waren die Zügel entglitten, und der Wagen flog rollend fort. – Ich schreckte auf. Unwillkührlich trieb es mich vorwärts; ohne daß ich mir recht bewußt war was ich that, trugen mich meine Füße fort in den Hayn. Immer tiefer und tiefer. Plötzlich blieb ich betroffen stehen. Aus einem klaren Crystallbecken worin sich die Königinn gebadet hatte stieg sie eben hervor. Vom Haupt bis zu den Füßen so schön, so wunderschön. So schön sahe ich Yella noch nie. Lange stand ich da, unverwandt

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auf sie das Auge gerichtet, wie sie hervortrat, und sich das neidische Gewand überwarf. Heftiges Feuer brannte in meinen Adern.

Da durchzuckte mich vom Kopf bis zu den Zehen ein heftiger Schmerz, wie wenn der Blitz mich rührte.

Sie stieß einen lauten Schrei aus, als sie mich erblickte, und sank nieder auf den Rasen. Ich stürzte mich hin zu ihren Füßen, umklammerte ihre Kniee, und drückte meinen glühenden Mund auf ihre kalte Hand.

Wirre Ideen durchschnitten meinen Kopf, es ward dunkel vor meinem Antlitz. Mir war es als würde ich immer größer und größer, als wüchse ich immer mehr und mehr, bis zu einer Riesenhöhe hinauf. Mein Haupt schien mir dem ehernen Himmel schon ganz nahe zu sein; ich sah die flimmernden Sterne und wollte mich bücken, um mir nicht den Schädel zu zerschmettern.

»O liebe mich, wie ich dich liebe Yella« rief ich, und schlank meine Arme um ihren Leib.

Da stieß ich mit dem Kopf gewaltig an das Himmelsgewölbe, und es war mir als zerberste meine Hirnschale. –

Da schlug sie die trüben Augen auf, und wehrte mich ab mit beiden Händen. Heftiges Leiden durchzuckte ihr schönes Antlitz und die Gluth ihres Schmerzes verzehrte die Thränen, die aus ihren feuchten Augen brechen wollten.

Ich öffnete die Augen. –

Ich konnte mich nicht mehr halten. Mit ausgebreiteten Armen eilte ich auf sie zu.

»Wehe! wehe!« sprach sie mit tonloser Stimme. »Wir müssen scheiden, scheiden für immer. Leb wohl mein Adalbert, Leb wohl auf ewig.« Sie reichte mir ihre kalte Hand, und drückte die meine krampfhaft.

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Da stand mein Schulkammerad neben mir, und hielt meine Hand in der Seinen und drückte sie krampfhaft, schüttelte mich und sprach: »Aber so komm doch! Sieh das Licht ist schon längst ausgegangen. Komm, komm! Eben schlägt es schon halb zehn Uhr.« Schaudernd verließ ich die Kirche.


5Foto: Trovor Johnson, Weimar


Aktuelles aus der Landesschule *  *  *

5Foto: Trovor Johnson, Weimar


Predigt zum Schulfest in Pforta Predigt im Gottesdienst über den Predigttext Genesis 28, 10–22

G

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Mein Jakob ist ein kleines Mädchen. Es hat einen ganzen Tag voll Leben hinter sich. Hat gelacht und getanzt, war Elfe, Fee, Prinzessin, hat den Drachen bezaubert und ließ sich vom Helden den Hof machen. Es war eine Maus auf der Jagd nach Gummibärchen, war versteckt in einer Höhle, schuf Brot, Kuchen und Eis im Sand. Es war voller Wut, zum Platzen zornig; hat geklagt; hat sich geschämt; ist still geworden, als die Großen laut waren. War genervt im Badezimmer, war dankbar für eine Geschichte und wurde ganz ruhig, als die Mutter sang: Die Blümelein, sie schlafen … Weil es jetzt dunkel ist, sieht man nur die Umrisse der Bettdecke, der Haare, und der kleinen Schatulle unter dem Bett, in der Steine liegen. Sie hat sie gesammelt, als sie dachte, ich würde es nicht merken. Und daneben das Buch, in dem Gänseblümchen trocknen. Es sind nur Umrisse, doch ich weiß von diesen Dingen. Mein Jakob ist mir nah. Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach

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Haran und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Ein anderer Jakob. Der Lügner, der Emporkömmling, der Narziss. Der Flüchtige. Der keinen Boden mehr unter die Füße bekommt. Der dort niedersinkt, wo er gerade steht, weil ihm nun auch das Licht ausgeht. Wer wollte er sein, als er nicht mehr gelten ließ, was eine Familie zusammen hält, nämlich gegenseitiges Vertrauen? Jakob, der Einsame, der mit den staubigen Füßen, der ohne Heimat. Da liegt er, in der Stille, unter einem weiten, dunklen Himmel. In der aufkommenden Kälte. Wer wollte er sein, als er sich dafür entschied, im Bruder nur noch den Konkurrenten zu sehen, im Vater nur noch den blinden Alten? Jakob, der Kauernde, die Arme und Beine eng am Körper, ein Bündel Mensch. Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Mein Jakob regt sich unter der kleinen Decke. Es ist wie das Emporsteigen aus einem tiefen Meer, das Durchstoßen einer zähen Membran; da bewegen sich die Arme, erst rudernd, dann, als müsste sie etwas von sich


abstreifen, und dann: das Weinen, kreischend, panisch, ein Wehklagen angesichts eines Schreckens, für den sie nachher keine Worte mehr finden und statt dessen nur von großen Tieren sprechen wird. Ich nehme sie in die Arme, ich flüstere sanfte Worte, und nach und nach, ganz allmählich geht der Atem langsamer und die Augen finden wieder ihren Fokus. Jakob aber erwachte von seinem Schlaf und sprach: Fürwahr, der Herr ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht! Da hatte er Angst und sprach: Wie furchtbar ist dieser Ort! Da steht der andere Jakob. Und fürchtet sich. Und ich kann nicht genau sagen warum, aber es ist dieser Vers, diese Erwähnung der Angst dessen, der etwas Erschütterndes geträumt hat, etwas, das Gewissheiten infrage stellt und Unsicherheiten entstehen lässt, und der, obwohl bereits aus diesem Traum erwacht, noch nicht wieder angekommen ist in der Wirklichkeit (denn auch diese ist eine andere geworden), Ich weiß nicht, warum es dieses Bild eines schwachen Helden mit pochendem Herzen ist, der mich die anderen starken Bilder dieser Geschichte kaum sehen lässt. Der Text, er löst Resonanzen in mir aus, die mich weit weg führen von Heute, vom Jetzt, und hin zu der

Frage, wie es kommt, dass dieser Ort hier, die Landesschule, von Menschen vieler Zeiten in eine Linie gestellt wurde mit der Geschichte des Jakob, den Gott findet, an einem anderen, einem fernen Ort. Ist unsere Schule die Pforte des Himmels? War sie es einmal? Oder liegt diese Möglichkeit noch in ihrer Zukunft? Die Landesschule als heilige Stätte – was könnte das heißen? Wenn man sich hineinliest in alte Predigten, die genau über diesen Text und genau zum heutigen Anlass gehalten worden sind, dann gewinnt man eine Ahnung von dem, was in dieser Richtung möglich ist. Da wird Pforte vor nicht einmal hundert Jahren zum geheiligten Ort einer wahrhaft deutschen Tradition erklärt und die Vermittlung von Disziplin, Vaterlandsstolz, Ehre und Gehorsam kommt einer göttlichen Offenbarung gleich und die Immatrikulation einem Hintreten an den Fuß der Himmelsleiter. Aber was wartet(e) an ihrer Spitze? Wollte man die Geschichte von Jakob in Stellung bringen als Gründungslegende, als biblische Illustration der Würde des Ortes, an dem man sie erzählt – man müsste sie dann in Schutz nehmen. Denn man würde die vielfältigen Signale des Zarten und des Schwachen übersehen, die sie bereit hält. Die Tatsache etwa, dass Gott

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(man könnte sagen »nur«) im Traum erscheint, nicht in einem brennenden Dornbusch, nicht im Gewitter, nicht in einem Erdbeben, sondern in einem Traum. Oder der Umstand, dass sich diese Begegnung nicht zuträgt an einem im eigentlichen Sinne ›heiligen‹ Ort. Kein Tempel, kein Altar – keine Luther-Gedenkstätte. Mitten im Nirgendwo kommt der Gott. Er sucht sich seinen Ort. Die Zartheit der Geschichte erweist sich auch darin, dass derjenige, den er dort findet, den er heimsucht – alles andere ist als ein heiliger Mann. Das freilich kommt in der Bibel so häufig vor, dass es schon fast selbstverständlich erscheint, aber es lohnt, sich dieses kleine Laster Gottes immer wieder vor Augen zu führen: Gott hängt an denen, die ihn nicht sehen. Und eine rechte Bekehrungslegende ist es ja auch nicht, auch darin bleibt der Text zurückhaltend, denn Jakob erwacht nicht als einer, in dem nun religiöses Feuer brennt, der aufsteht, um predigend in die Welt zu ziehen, den Namen seines Gottes auf den Lippen. Nein, Jakob geht aus dieser Begegnung – war sie Traum? war sie Wirklichkeit? – hervor als einer, der ein Zweifelnder bleibt und der seinen Weg mit Gott nicht ohne Bedingungen antritt: Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wenn Gott mit mir sein und mich be-

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hüten wird auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben wird und Kleider anzuziehen und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen wird, dann soll der Herr mein Gott sein. Das Große muss sich erst erweisen. Am Beginn steht nur ein Traum, mitten im Niemandsland. Und während ich diesen Satz schreibe, merke ich, dass er ein schöner erster Satz wäre einer Chronik unserer Schule. Am Beginn nur ein Traum, mitten im Niemandsland. Wie mag es gewesen sein für die Gruppe der Mönche, die sich ausgerechnet diesen Ort erwählten ein Kloster zu bauen, ausgerechnet auf der Schattenseite des moorigen, verholzten Saaletals? Ich stelle sie mir als herbe Männer vor, abgekämpft, mit zerzausten Bärten und sehnigen Gliedern. In ihren Augen aber brennt ein Feuer. Es zieht sie aus der Welt heraus, hinein in die Einöde, mit der Ahnung, dass Gott sich, wenn überhaupt, dann dort finden ließe, dort, wo noch kein Mensch das Fundament seines Lebens gelegt hat. Ich stelle mir vor, wie sie sich mit Stöcken einen Weg durch das Gestrüpp bahnen, den kargen Proviant teilen, am Abend um ein Feuer sitzen und in den schwarzen Wald hineinlauschen, der dunkle, weite Himmel über ihnen. Ist es eine Ahnung? Ein Geruch? Eine Gewissheit? Sie graben ihre Hände in den Boden, stecken den Grundriss einer


Kirche ab; Sankt Marien ad Portam. Der Himmel, er beginnt genau hier. Am Beginn steht ein Traum, geträumt im Windschatten der Geschichte. Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goss Öl oben darauf und nannte die Stätte Bethel. Weil Ideen schwache Wesen sind, umkleiden sie sich mit Mauern. Der Traum baut sich ein Haus. Das Kloster, das die Mönche der widrigen Umgebung abringen, es erblüht und nimmt seinen Platz ein in der ersten Reihe der Zeitläufe. In der Gegend ist es eine Macht. Neue Gebäude kommen hinzu, Ländereien, und mit ihnen neue Abhängigkeiten. Das Kloster wächst und altert, und die Menschen, die hier ihr Leben zubringen, hinterlassen ihre Spuren. Der Ort sammelt diese Spuren wie ein Gesicht seine Falten sammelt, sie bilden sich zu ausgetretenen Pfaden, kreuzen einander und kerben neue Muster. Hinter den Steinen und Balken bildet sich ein Netz aus Lebenswegen. Es ist vielschichtig und verworren und wird mit der Zeit so fest, dass es selbst beginnt, die Mauern zu stützen, in die es hineingewachsen ist. Man fängt an, von ›Tradition‹ zu sprechen und der Name des Ortes gewinnt einen eigenen Klang, in dessen Obertonreihen sich später

nicht mehr Mönche, sondern Schüler einfügen wollen, manchmal auch müssen. Jakob aber erwachte von seinem Schlaf und sprach: Fürwahr, der Herr ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht! Da hatte er Angst und sprach: Wie furchtbar ist dieser Ort! Es ist Zurückhaltung, die ich empfinde, wenn ich darüber nachdenke, wie sich eine Linie ziehen lässt von der Geschichte des Jakob zu unserer Schule. Lässt sich diese Geschichte erzählen als eine Gründungsgeschichte, die uns sagt: Hiersein ist herrlich; Wer hier lebt und lernt, dem tut sich der Himmel auf? Und der Weg vom Neuner-Keildienst hin zur Freizügigkeit der Wochen nach dem letzten Schultag – ist ein Weg die Himmelsleiter hinauf? Mancher mag es so empfinden. Es lassen sich auch andere Geschichten erzählen, solche des Abstiegs, der Stagnation, und auch die Geschichten jener, die, aus dem Tritt geraten, von der Leiter gefallen sind. Wie also müsste das aussehen: wenn sich einem der Himmel auftut, genau hier? Die Wahrheit ist: Ich weiß es nicht. Oder genauer: ich wüsste nicht genau zu sagen, wann sich mir selbst der Himmel aufgetan hat. Oder gar: ob überhaupt. Kein Augenblick plötzlicher Einsicht, kein alles entschei-

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dender Moment will mir in den Sinn kommen. Dagegen bewegen sich viele vereinzelte Erinnerungsbilder auf mich zu, fügen sich zu einem farbigen Mosaik, und ich merke, wie etwas weit wird in mir. Die sanfte Ermutigung einer Lehrerin nach einer schlecht ausgefallenen Klausur, ein kluges Gespräch, eine zarte Berührung im Park, ein Moment der Stille in der Kirche am Abend, ein mit Freunden durchwachtes Wochenende. Auch ganz beiläufige Bilder stellen sich ein, wie nur ganz kurz belichtet, die niemand verstünde, wenn ich sie zu beschreiben versuchte. Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Es ist sicher ein Schatz, der hier zu holen ist, aber dass oder wie man ihn findet, das lässt sich kaum sagen. Und manchmal tun sich einem erst im Nachhinein die Augen auf und man erkennt das Geschenk, das man an diesem Ort erhalten hat, und das sicherlich auch etwas mit dem zu tun hat, was gemeint ist, wenn man von ›Bildung‹ spricht. Auch die Begegnung mit dem, den wir ›Gott‹ nennen, ist ein Geschenk. In der christlichen Tradition hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass wir sie gar

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nicht anders denken können denn als etwas, das jenseits unserer Verfügung liegt. Das wir nicht erzwingen können. Man hat dafür das Wort ›Gnade‹ gefunden und meint damit genau die merkwürdige Erfahrung, dass Gott manchmal »alles verändert, ohne daß er eigentlich etwas verändert« (Christian Lehnert). Es handelt sich um eine veränderte Wahrnehmung, ein verändertes Bewusstsein, für das auf einmal alles leuchtet, als liege es auf einem Goldgrund, als wäre die ganze Welt ein Kirchenfenster geworden, durchlässig für ein Licht, das zuvor nicht da war. Und jede noch so alltägliche Erfahrung wird dann empfunden als Begegnung mit einem tiefen Geheimnis. Jeder Löwenzahn ein Zeichen der Schöpfung, jeder Gruß ein Angeld auf Frieden, jedes Kinderlachen ein Versprechen von Zukunft. Alles, was mir entgegentritt, wird Teil einer reichen Fülle, mir weitet sich die Brust und ich beginne wie neu zu atmen. Doch geht es dabei nicht um einen dauerhaften Zustand. Zumeist lebe ich doch so, dass ich mich verliere in Pflichten und Zerstreuungen. Der offene Himmel, er bleibt mir entzogen, ich kann ihm keinen Ort zuweisen und muss mich beschränken auf nachträgliche Deutungen, die häufig näher sind am Stammeln als am Benennen. Auch Jakob weiß von nichts und gibt dem Ungeheuren erst im Nachhinein einen Namen: Bethel.


Mit dem Leben an dieser Schule, so wie ich es erinnere, ist es wohl ähnlich. Es gibt Zeiten der Fülle, aber auch solche der stumpfen Routine, der Verunsicherung und der Ziellosigkeit. Und dass beides sein darf, weil Leben schon immer so war, darauf weist die Geschichte des Jakob hin, der in die Irre läuft, der keinen Boden unter die Füße kriegt – und den Gott findet. Bei aller Schönheit der Gebäude und aller raunender Tradition: als ein ›heiliger‹ Ort, das heißt ein Ort, der mich als Person zentriert, der mein Herz erhebt und mir Flügel verleiht, kann die Landesschule nur dann gelten, wenn sie mir nicht äußerlich bleibt, nicht nur ein schnell vergessenes Kapitel meines Lebens ist. ›Heilig‹ ist sie nur dann, wenn sie zu einem inneren Ort wird, zu einem Ankerpunkt auf der inneren Landkarte meines Lebens. Diese Karte aber zeichne ich selbst – wenn auch nicht allein.

der eifrigen Gehorsam nicht nötig hat, sondern dem es um das Aufheben desjenigen geht, der gefallen ist und um das Stärken desjenigen, der nicht mehr weiter kann. In dieser Geschichte könnte also die Einsicht verborgen liegen, dass Bildung vielleicht nicht nur etwas ist, das im Rahmen von Kosten-Nutzen-Rechnungen beschrieben werden kann, sondern das ein Geschehen zwischen Menschen mit starken Ideen und Wünschen meint; etwas, das in einem sehr grundlegenden Sinn mit Achtsamkeit zu tun hat, Achtsamkeit gegenüber der Welt und den Anderen; etwas, das nicht auf Erfolg zielt, sondern auf Menschlichkeit, auf eine bestimmte Weise des aufmerksamen, selbstbestimmten In-der-Welt-Seins; etwas, das Güte vermittelt gegen die Härte der Zeit und Selbstvertrauen gegenüber jener Dummheit, die aus Angst entsteht.

Die Erzählung von Jakob ist eine Urszene dieses Prozesses, den man auch ›Bildung‹ nennen könnte. Jakob wacht auf und übertritt eine Schwelle. Aus Orientierungslosigkeit ist Gewissheit geworden. Aus Unsicherheit der Glaube an ein Ziel. Aus Verzweiflung Lebensmut. Es ist gut, dass gerade diese Geschichte jedes Jahr aufs Neue ausgerechnet an einer Schule zur Sprache kommt, denn ihr Held ist ein schwacher Held und kein Überflieger; Sie erzählt von einem Gott,

Und Gott sprach: siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe. Da liegt mein Jakob wieder, der ein kleines Mädchen ist. Der Herzschlag geht wieder ruhig. Es hat sich Stille über die Szene gesenkt. Eine Hand liegt ausgestreckt, wie ein Greifen nach den Sternen. Ich sitze daneben,

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horche in die Nacht hinein, und frage mich, von welcher Art die Wege sein werden, die dieser Mensch gehen wird. Mir kommt ein Gedanke, der mir behagt. Und mit ihm kommen wieder die Bilder. Ich sehe eine Zeltstadt auf einem Sportplatz, ich sehe Kerzenlicht in einem dunklen Wald, ich sehe Umarmungen am Ufer eines Flusses, gleich hinter dem Bahndamm. Ich sehe gestufte Giebel, in Stein geritzte Namen, Rucksäcke in einem Kreuzgang. Ich sehe eine Gemeinschaft von Menschen, die ein Fest feiern an einem Ort, der dann nicht mehr meiner ist, aber der meines Jakobs, den ich dort sitzen sehe, in dieser wunderschönen Kirche, mitten unter euch. Ich sehe ihn nach rechts und links schauen. Dort sitzen andere, die sind wie er. Und unter ihren Füßen – da fängt der Himmel an. Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen. CHRISTOPH RÄTZ (AL. PORT. 01 – 06 V.)

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Ende mit Schrecken, Anfang voller Hoffnung

DER BEITRAG DER ­L ANDESSCHULE PFORTA ZUM REFORMATIONS­ JUBILÄUM 2017

D

»Das ist das Ende. Das ist das Ende. Das ist das Ende unseres Klosters. Bruder laß uns unsere Sachen zusammenpacken, wir sind hier nicht mehr länger zuhause.« Abt Petrus II., Kloster Porta, 1543

1. Das Pforte/Wettinger Reformationsprojekt und seine Vorgeschichte Zwar keine Dekade und schon gar keine Lutherdekade, aber immerhin eine Reformationstriade kam in Pforte doch zustande. Der Impuls dazu wurde von außerhalb gesetzt: Es begann alles in Zürich, wo einst zwei Pfarrer – der damalige Wittenberger Reformationsbeauftragte Michael Wegner und der damalige Schweizer Reformierte Reformationsbeauftragte, Martin Breitenfeld – miteinander eine Flasche Wein leerten. Im Verlaufe dieses Beisammenseins wurde die Idee geboren, wie passend es doch wäre, eine deutsche und eine schweizerische Schule in einem länder­ übergreifenden Projekt zusammenzuspannen. Nach mehreren Absagen in diversen Gymnasien Sachsen-Anhalts wandte

sich Pfarrer Wegner an den Rektor der Landesschule, die sein Sohn zu dieser Zeit besuchte, und so kam Pforte ins Spiel. Im Rahmen erster Vorbesprechungen im Juli 2013 wurde mir als damaliger Schulpfarrerin die Aufgabe übertragen, ein Projekt anzuschieben und umzusetzen, von dem seinerzeit noch keiner wusste, zu welchem Ergebnis es einmal führen sollte und könnte. Zunächst galt es aber erst noch, in der Schweiz eine passende Partnerschule zu finden. Hier fiel die Wahl von Pfarrer Breitenfeld schließlich auf die Kantonsschule Wettingen (KSW), die ebenso wie die LSP in den Gebäuden eines ehemaligen Zisterzienserklosters (1227 – 1841) angesiedelt ist. Nach einer ersten persönlichen Kontaktaufnahme im April 2014 in Wettingen und der ersten Fahrt von vier Pforteschülern nach Wettingen im September wurde die Projektpartnerschaft mit einem Vortragszyklus und einem Podiumsgespräch unter dem Motto »Porta semper reformanda« am 23.10. 2014 in der Aula der LSP eröffnet. Der damalige Wettinger Rektor, Dr. Kurt Wiedemeier, war dazu mit vier Schülern angereist. In der Zwischenzeit hatte sich in Pforte eine Gruppe von Schülern verschiedener Jahrgänge und Zweige konstituiert, die mit großem Eifer daran arbeitete, konkrete Ideen für

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das Projekt zu entwickeln. Nach einigen Zwischenstufen stand schließlich fest: Wir werden einen Film drehen über die Ereignisse der Reformationszeit in Pforte – das heißt konkret über die Auflösung des Klosters und die anschließende Gründung der Schule in den aufgelassenen Gebäuden. Von da an bestand bis zum Dezember 2017 eine »Schweiz AG« mit wechselnder Besetzung (immer wieder mussten wichtige Mitstreiter ersetzt werden, weil sie erfolgreich ihr Abitur bestanden hatten), die stets zwischen zehn und 15 Mitgliedern umfasste, und sich nun regelmäßig traf, um die große Aufgabe in Angriff zu nehmen und schlussendlich auch zu einem präsentablen Ergebnis zu führen.

2. Der Film – »Von einem Ende mit Schrecken....« Keiner von uns hatte jemals zuvor einen Film gedreht, und so betraten wir völliges Neuland und das Ganze war ein großes Wagnis, das auch jederzeit hätte scheitern können. Umso dankbarer waren wir, wenn hilfreiche gute Geister unseren Weg kreuzten und uns an entscheidenden Punkten weiterhalfen. Da wäre zu nennen der ehemalige Pforteschüler Eric Nikodym, der in der konstituierenden Phase wichtige Planungsimpulse einbrachte und uns später mit wunderbaren Renaissancekostümen aus Karlsruhe versorgte. Ganz entscheidende Hil-

festellung erhielten wir von Conrad Mildner, einem professionellen Kameramann aus Berlin, der normalerweise für diverse Fernsehsender, vor allem für arte, dreht. An drei Drehwochenenden lernten wir von ihm technisches Know-how, Drehdisziplin und Ausdauer unter widrigen Drehbedingungen (es war manchmal furchtbar kalt!). Einige besonders gelungene Szenen sind auf seinen Einsatz zurückzuführen. Leonhardt Schwager und Emmanuel Aergerter sind stolze Besitzer von hochwertigen Kameras und stellten diese großzügig zur Verfügung. Und als wir schließlich alles im Kasten hatten und uns Angst und Bange wurde angesichts der Mammutaufgabe, die Massen an Filmmaterial (manche Szenen wurden 15-mal gedreht!) aufzuarbeiten und zu schneiden, bescherte uns der Himmel (vermittelt durch den Vorsitzenden des Pförtner Bundes Matthias Haase) den Kontakt zu Herrn Torsten Archut (dessen Ehefrau eine ehemalige Pfortenserin ist) und seiner Filmproduktionsfirma SAVIDAS in Erfurt. Frau Silvia Strobel nahm sich dort mit großem Feingefühl unserer Anliegen an und führte alles einem, wie wir finden, guten Ende entgegen. Die Absicht der Regie war, in einem Doku-Drama die Ereignisse des 16. Jahrhunderts in Pforte zu veranschaulichen und unter Zugrundelegung der vorhandenen Quellen

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nacherlebbar werden zu lassen. Das Drehbuch wurde, angelehnt an Justinus Bertuchs »Chronicon« (Leipzig 1734) und Robert Pahnkes historischem Abriss »Schulpforte« (Leipzig 1956) in Gemeinschaftsarbeit erstellt. Zur Auflockerung wurden die historischen Szenen in einen aktualisierenden Rahmen eingefügt, indem heutige Schüler aus Wettingen und Pforte die damaligen Geschehnisse in lockeren Gesprächen reflektieren. Bei alledem sollte deutlich werden, dass die Ereignisse der Reformationszeit sich für die Betroffenen höchst zwiespältig darstellten und keineswegs, wie heutzutage gelegentlich suggeriert, Anlass zum Jubel boten. Für die im Kloster verbliebenen Mönche bedeuteten sie schlicht eine Katastrophe (vgl. das Filmzitat am Anfang dieses Berichtes!). Über die Dreharbeiten als solche ließe sich ein Roman schreiben. Sie erstreckten sich von September 2015 bis Mai 2017 und haben uns alle zu einem gut funktionierenden Team zusammengeschweißt. Erfreulicherweise konnte gewissermaßen als »Nebenprodukt« daraus auch eine mit 15 Punkten bewertete Besondere Lernleistung entstehen. Die Hauptdrehorte waren Pforte und Wettingen, was naturgemäß mit lebhafter Reisetätigkeit verbunden war. So gab es insgesamt sechs Schweiz-

reisen für Pforteschüler und dreimal konnten wir in Pforte Wettinger Schüler begrüßen. Bei diesen Gelegenheiten entwickelten sich intensive Kontakte der beteiligten Schüler untereinander, und es war auch eine große Freude, mit den Schweizer Kollegen, der Reformierten Pfarrerin Dr. Christine Stuber und dem Geschichtslehrer Hansjörg Frank, in wechselseitigen Gedanken- und Erfahrungsaustausch einzutreten. Zu erwähnen sei auch, dass unser Pfortenser Projektbegleiter, der Mathematik- und Kunstlehrer Thomas Matthäi, in diesem Zusammenhang zu Hochform auflief und zur Rolle seines Lebens fand, von der er bestimmt nie zuvor auch nur geträumt hatte: Er wurde einstimmig zum Abt Petrus II., dem letzten Abt von Pforte, gekürt und spielte diese Rolle auf seine Weise mit großer Würde und durchaus überzeugend. Auf jeden Fall war der (tatsächliche) Abt des Klosters Marienstatt, als er den Film sah, zutiefst beeindruckt von der Leistung. Zum Schulfest 2018 soll der Film übrigens als DVD käuflich zu erwerben sein!

3. Die Projekttage – 1./2. November 2017 Von Anfang an war geplant, die Film­ premiere im Rahmen von Projekttagen anlässlich des Reformations-

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jubiläums stattfinden zu lassen. Das wurde dann am 1. und 2. November 2017 umgesetzt. Am Vormittag des ersten Tages stand, nach der offiziellen Eröffnung durch den Rektor, neben einem Film zur Reformation aus der Reihe »Die Deutschen« die selbstständige Beschäftigung der Schüler mit dem Thema »Reformation« auf dem Plan. Dazu gab es u. a. eine Rallye zu zisterziensischen und reformatorischen Bezügen auf dem Gelände und eine von den Projektteilnehmern gestaltete Ausstellung mit Schautafeln im Armarium. Der Nachmittag war mit zwei Fachvorträgen gefüllt: Dr. Jonas Flöter aus Naumburg stellte »Die Fürstenschulen in Sachsen« vor und Dr. Kurt Wiedemeier, der ehemalige Wettinger Rektor, referierte über »Die Reformationszeit in Wettingen und die Herausforderungen an die ›ecclesia semper reformanda‹ heute«. Seinen Abschluss und Höhepunkt fand der Tag in der Kirche mit einem Konzert der Gruppe »Vox nostra«, einem international und solistisch besetzten Vokalensemble aus Berlin unter Leitung von Burkhard Wehner. Spezialisiert auf die gregorianischen Gesänge der Benediktiner, die je eigenen Gesänge der Franziskaner, Dominikaner und – vor allem – der Zisterzienser wurde ein eigens für den

Anlass in Pforte zusammengestelltes Programm zum Klingen gebracht. Alle Stücke gelangten mit großer Sensibilität für die spezifischen akustischen Möglichkeiten und Erfordernisse des hiesigen Kirchenraumes zur Aufführung und erzeugten eine überaus andächtige Stimmung bei allen Zuhörern. Ein besonderes Erlebnis darüber hinaus bedeutete für viele Schüler, dass Herr Wehner im Rahmen der Seminare am Folgetag auch noch eine Veranstaltung zur »Musik der Zisterzienser« mit praktischen Übungen anbot. Womit wir beim zweiten Projekttag angelangt wären, der für alle Schüler Pfortes ein breites Spektrum von Gesprächsveranstaltungen und Exkursionen auf dem Gelände anbot, die durchweg Bezug zur Reformation hatten. Dazu konnten wir drei Ordensangehörige aus Helfta (zwei Zisterzienserschwestern) und Wechselburg (ein Benediktinerpater), zwei Gäste aus der Schweiz, einen Gast von der Uni Jena, zwei ehemalige Schüler, unsere Archivarin, drei Pforte-Lehrer und zwei Pfarrer als Referenten begrüßen. Die Themen reichten von Luther aus katholischer Sicht, der Auflösung der Klöster Porta und Kappel am Albis über Thomas Müntzer, Erasmus von Rotterdam, Nikolaus von Amsdorf, Huldrych Zwingli bis zum schwierigen Thema »Luther und die Juden« und

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einem Überblick über das Zeitalter der Reformation.

zu einem gelungenen Abschluss gebracht werden.

Nach einer gut besuchten Messfeier zu Allerheiligen in der Abtskapelle, zelebriert vom Wechselburger Prior Pater Maurus Kraß, schloss sich am Nachmittag noch ein weiterer Vortrag an über »Reformationsjubiläen im Laufe der Jahrhunderte«, den Professor Peter Maser aus Bad Kösen kenntnisreich und unterhaltsam kredenzte.

Das historische »Ereignis Reformation« ist im Vollzug für alle Beteiligten ein Stück gelebte Gegenwart geworden und hat wohl keinen von uns gleichgültig gelassen. Somit hatten wir eine gute Gelegenheit, miteinander »Geschichte zum Anfassen« zu zelebrieren, und ich hoffe sehr, dass es dabei zu verschiedenartigsten Anregungen gekommen ist, die auch über das Projekt hinaus wirken und sich weiter entfalten.

Von allen mit Spannung erwartet, folgte dem die Filmpremiere, die durch eine kurze szenische Darstellung des »Making of«, vorgestellt von einigen Mitgliedern der Projektgruppe, eingeleitet wurde. Damit kamen zwei erfüllte und erlebnisreiche Tage zum Abschluss, die von vielen Schülern als willkommene Abwechslung im Schulalltag und als anregende Bereicherung dankbar wahrgenommen wurden.

4. Resümee – Dank und letzte Wünsche Im Rückblick sei vor allem ein großes Dankeschön gerichtet an alle, die sich auf die unterschiedlichste Weise auf das Projekt eingelassen und sich dafür eingesetzt haben. Nur dank dieses außerordentlichen, ja gelegentlich atemberaubenden Engagements konnte es

Es wäre mit Sicherheit für alle Seiten ein Gewinn, wenn es gelänge, dass die Zusammenarbeit mit der Kantonsschule Wettingen in irgendeiner Form ihre Fortsetzung finden könnte – die Schweizer haben jedenfalls ihr Interesse daran deutlich zum Ausdruck gebracht! Darüber hinaus wäre der Pforte zu wünschen, dass sie ihr zisterziensisches und reformatorisches Erbe stets im Blick behalten möge und bei Schülern, Lehrern, allen Mitarbeitern in Schule und Stiftung und allen Ehemaligen und Besuchern das Bewusstsein dafür geweckt, gepflegt und vertieft werde – immer wieder neu! REGINE HUPPENBAUER-KRAUSE, PAST. PORT. 1990 – 2017

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Triumphkreuz wieder angebracht Das »Naumburger Tageblatt« berichtete u. a.:

Landes Sachsen-Anhalt, Marco Tullner, teil.

Feierlich ist am Mittwoch [dem 17. Mai 2017] das rund sieben Jahrhunderte alte, historische Tafelkreuz in der Zisterzienser-Klosterkirche Pforta eingeweiht worden. In den vergangenen fünf Jahren wurde es unter Federführung von Restauratorin Stephanie Exner untersucht und aufwendig gereinigt, wobei die Farbfassungen und Malereien gesichert wurden.

Quelle: https://www. naumburger-tageblatt. de/26923038 ©2018

F

Dafür war eigens eine Restauratorenwerkstatt im Kircheninneren eingerichtet worden, in der das 4,76 Meter hohe und 3,12 Meter breite Kreuz liegend Platz fand. Besucher der ehemaligen Klosterkirche hatten somit die Möglichkeit, den Fachleuten bei der Arbeit über die Schulter zu sehen, die für rund 130.000 Euro die Restaurierung und Dokumentation anfertigten. Seit Ende April hängt das restaurierte Triumphkreuz wieder an seinem angestammten Platz unter der Decke der Klosterkirche. Und in der wurde der gestrige Festakt zur Wiedereinweihung musikalisch vom Mädchenchor der Landesschule Pforta unter der Leitung von Kersten Lachmann eröffnet. An der Festveranstaltung nahm auch der Bildungsminister des

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Aus der Meditation von Pfarrerin Regine Huppenbauer-Krause beim Festakt: Einige Quadratmeter Eichenholz, Leinwand, Farbe, Leim aus Fischblasen, zwei schmiedeeiserne Ketten zum Aufhängen – mit viel Liebe restauriert. Nun hängt es wieder, ist wieder erhöht: unser Triumphkreuz – das zentrale Symbol der christlichen Religion! Orthodoxe, Katholiken und Anglikaner feiern regelmäßig das Fest der Kreuzerhöhung – jeweils am 14. September. Luther polemisierte gegen das Fest, sieht aber mit Paulus und Augustin in der Theologie des Kreuzes die – ebenso unverzichtbare wie skandalöse – Mitte des Glaubens: solus Christus! Dass hier in unserer Kirche dieses Kreuz aufgehängt wurde, verdanken wir allerdings nicht Luther, sondern den Zisterziensermönchen. Ihr wichtigster Organisator, der große Bernhard von Clairvaux, auf den sich Lu-


ther durchaus auch berief, war u. a. auch ein Kreuzesmystiker. Eine der populärsten Legenden, die sich um seine Person ranken, ist die vom Amplexus: In einer Vision erlebte Bernhard, wie sich Christus vom Kreuz herabneigte und ihn in die Arme schloss. Diese Szene wurde in der zisterziensischen Kunst wieder und wieder dargestellt. Allein im Kreuzgang unserer Partnerschule in Wettingen im Kanton Aargau findet sie sich fünfmal im sogenannten Wettinger Kabinettscheibenzyklus. Welche wundervolle tröstliche Vorstellung: Der Gekreuzigte neigt sich vom Kreuz herab einem jeden von uns zu. Er meint jeden von uns. Wir vier hier vor dem Altar stellen eine kleine ökumenische Gemeinschaft dar: eine rumänische Orthodoxe, eine Katholikin, ein Baptist und eine unierte Pfarrerin – das Kreuz ist auch unsere gemeinsame Mitte.

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Ewige Lampe auf dem Friedhof schwer beschädigt Am 18. Januar 2018 erreichte das Sturmtief Friederike mit Orkanböen auch Pforte. Der Sturm war der stärkste in der Mitte Deutschlands seit dem Orkan Kyrill 2007. Rektor Schödel ordnete vorsorglich für alle Schüler Internatspflicht an. Die Schäden, die Friederike hinterließ, werden in Deutschland inzwischen auf eine Milliarde Euro geschätzt. Auch in Pforte hat der Sturm erhebliche Sachschäden angerichtet. Besonders der Friedhof wurde durch umgeknickte Bäume stark in Mitleidenschaft ge­zogen. Ein Baum stürzte

auf die Ewige Lampe genannte Totenleuchte, zerschlug deren filigranen Oberbau und beschädigte deren kapellenartigen Unterbau schwer. Die Ewige Lampe in Pforta wurde vor genau 750 Jahren errichtet! Für das Jahr 1268 bezeugt eine Urkunde des Klosters, »... dass die Äbte Ditmar von Walkenried und Albero zur Pforte bestimmen, dass aus den Einkünften eines Klostergutes ein Talglicht zu beschaffen sei, das zur Nachtzeit auf dem Gottesacker zu Porta brennen solle, an einer Stelle, die der Abt selber noch festzulegen habe.« Für die Ewige Lampe in Pforta gibt es praktisch keine Vergleichsbeispiele. Alle sonst bekannten Totenleuchten sind deutlich später und zeigen kaum Übereinstimmungen mit der früh­ gotischen Pfortenser Andachtsstätte. Diese ist ein wirklich einzigartiges Denkmal zisterziensischer Spiritualität und gehört zu den Wahrzeichen des Klosterkomplexes. Die Stiftung Schulpforta und der Pförtner Bund wollen zusammen mit anderen Beteiligten dazu beitragen, dass der Wiederaufbau der Ewigen Lampe so zügig wie möglich ins Werk gesetzt wird. Dafür sind bereits zahlreiche, teils erhebliche Spenden eingegangen, für die nur sehr herzlich gedankt werden kann. Aber weitere

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Spenden im Geiste der Pietas Portensis sind dringend erforderlich: Pförtner Bund e. V. Verwendungszweck: Wiederaufbau Totenleuchte Postbank Hamburg IBAN: DE15200100200010584200 BIC: PBNKDEFF Für Beträge über 200 Euro wird automatisch eine Spendenquittung versandt, deshalb bitte die Anschrift mit angeben. Wir alle hoffen, dass dieses ehrwürdige Kunstwerk schon bald wieder in seiner früheren Gestalt Schulpforte ziert. MATTHIAS HAASE VORSITZENDER DES PFÖRTNER BUNDES E. V.

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Vom Pförtner Bund *  *  *

5Foto: Trovor Johnson, Weimar


Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung Hierdurch lädt der Vorstand satzungsgemäß zur ordentlichen Mitgliederversammlung unserer Vereinigung ein. Diese findet im Rahmen des Schulfestes am Samstag, dem 26. Mai 2018, im Kleinen Festsaal der Landesschule, statt. Zeit: 11:00 – 12:30 Uhr Für die Mitgliederversammlung wird folgende Tagesordnung vorgeschlagen: 1. Bericht des Vorsitzenden 2. Bericht der Schatzmeisterin 3. Berichte der ­Rechnungs­­prüfer/ in­nen für die Haushaltsrechnungen 2016 und 2017 4. Entlastung des Vorstandes und der Rechnungsprüfer/innen 5. Bericht des Archivars 6. Verabschiedung und Würdigung des Archivars 7. Verschiedenes Wenn aus dem Kreis der Mitglieder Wünsche für die Erweiterung der Tagesordnung vorgeschlagen werden, bitten wir, diese bis spätestens 20. April 2018 an den Vorsitzenden schriftlich (auch per E-Mail) einzureichen. MATTHIAS HAASE VORSITZENDER DES PFÖRTNER BUNDES E. V.

64 | Einladung zur ordentlichen Mitgliederversammlung


Ecce 2017 Joachim Picht * 9.3.1933   † 11.9.2016 (al. port. 49 – 52 v.) Dr. Christel Hartinger * 13.12.1941   † 20.12.2016 (al. port. 56 – 60 v.) Gertrud Fechtner, geb. Stepanick Küchenmitarbeiterin bzw. -leiterin Pforte * 22.7.1928   † 2.1.2017 Elisabeth Axthelm * 6.12.1916   † 22.1.2017 MDP Jörg Friedrich Schiffbauingenieur * 21.7.1934   † 27.1.2017 (al. port. 50 – 53 v.) MDP Prof. Dr. Karl-Heinz Priese Ägyptologe * 25.6.1935   † 27.1.2017 (al.port. 48 – 54 v.) Heinke Schmalfuß, geb. Pehse Chemielaborantin * 24.9.1943   † 30.1.2017 (al. port. 58 – 62 v.)

Prof. Wigand Bruns Dipl.Ing., Architekt und Hochschullehrer * 15.8.1925   † 18.2.2017 (al. port. 38 – 43 v.) MDP Dr. Günter Paul Jaritz * 17.9.1934   † 23.2.2017 (al. port. 52 – 53 v.) MDP Hans-Joachim Peters * 19.6.1934   † 6.3.2017 (al. port. 47 – 53 v.) Dr. Werner Jaritz * 28.5.1933   † 21.3.2017 (al. port. 48 – 51 v.) MDP Rudi Wrobel * 17.7.1938   † 13.4.2016 (al. port. 52 – 56 v.) Elfriede Kroha, geb. Bauroth Küchenmitarbeiterin in Pforte 1984–1991 * 14.10.1936   † 8.5.2017 Heinz Burckhardt Schlosser in Pforte von 1981 – 1988 * 8.7.1923   † 10.5.2017   

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Angelika Böttger, geb. Jociĉ * 20.1.1946   † 8.6.2017 (al.port. 60 – 64 v.)

Felix Garbe * 15.4.1987   † 30.9.2017 (al. port. 01 – 05)

Dr. Bergfried Mertins Kardiologe * 22.9.1959   † 13.6.2017 (al. port. 74 – 78 v.)

Jana Kalisch, geb. Pasewald * 17.6.1979   † 28.9.2017 (al. port. 94 – 96)

Werner Rolf Pick Kaufmann * 25.8.1913   † 11.6.2017 (al. port. 26 – 32 v.) MDP Dr. Frank-Dieter Gerhardt Mediziner * 27.8.1920   † 7.7.2016 (al. port. 34 – 39) MDP Dr. habil. Rita Degenhard, geb. Klepzig Hochschuldozentin * 12.4. 1934   † 19.9.2017 (al. port. 49 – 52 v.)

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Prof. Werner Scheel Kunstwissenschaftler * 15.3.1932   † 30.10.2017 (al. port. 42 – 45) MDP Karl-Heinz Schindler Internats- und Verwaltungsleiter in Pforte 1975 – 1990 * 2.5.1940   † 11.7.2017


Werner Rolf Theodor Pick in memoriam

M

Mit dem Tod Rolf Werner Picks haben wir im vergangenen Jahr den Verlust des wohl ältesten und eines der langjährigsten Mitglieder des Pförtner Bundes zu beklagen. Mit seinem erstaunlichen Lebensalter von fast 104 Jahren zählte Werner Rolf Pick zum letzten Vertreter der Generation von alumni portenses, die unsere Alma Mater noch als »alte« Landesschule – also vor der Umwandlung in eine NPEA – besucht haben. Sein Lebensweg spiegelt beispielhaft die unruhigen Zeiten des 20. Jahrhunderts wider und soll deshalb hier ausführlicher Erwähnung finden. Die Vita, basierend auf der Trauerrede, haben wir freundlicherweise von Sohn Robert Pick erhalten, der über das Verhältnis seines Vaters zu Pforta folgendes schrieb: »Mein Vater war sehr dankbar und in der Tat stolz auf die wunderbare Erziehung, die er in Schulpforta erhielt, und sprach bei jeder Gelegenheit davon. Er begrüßte immer Neuigkeiten über die Schule, war glücklich, Mitglied des Pförtner Bundes zu sein und las den jährlichen Newsletter so lange er konnte; tatsächlich lag eine Kopie der neuesten Ausgabe auf dem Tisch neben seinem Bett, als er starb! Ich weiß, er war ziemlich erfreut, die Ehre zu haben, an der Spitze der Tabula Gratulatoria zu stehen, und brachte vor allem den Wunsch zum Ausdruck, dass sein Tod dem Pförtner Bund gemeldet wer-

den sollte, auch wenn es beim »Ecce« nicht erwähnt werden sollte, das – so erzählte er uns – traditionell jeden November in der Kirche gehalten wurde.« Im letzten November hat die Landesschule Pforta bei der Ecce-Feier selbstverständlich in Trauer und mit Respekt auch an Werner Rolf Pick erinnert. Lesen wir hier noch einmal ausführlicher aus seinem bewegten Leben: »Werner Rolf Pick wurde fast ein Jahr vor Beginn des Ersten Weltkrieges in der Kurstadt Bad Kissingen in Nordbayern in einem Sanatorium geboren, das seinem Vater gehörte und von diesem geleitet wurde. Dieser war zugleich der Hausarzt und spezialisiert auf Magen- und Herzleiden. Da seine Eltern beide arbeiteten, mischten sich Rolf Werner und seine Schwester oft unter die Patienten. Mit 13 Jahren absolvierte Werner Rolf Pick die Aufnahmeprüfung in Schulpforta. Medizin studierte er an der Universität Freiburg. Im Januar 1933 kam Hitler an die Macht, und gleichzeitig wechselte Rolf Werner Pick an die Universität München, um sein Studium fortzusetzen. In München wurde er Zeuge der Bücherverbrennung, die ihn davon überzeugte, dass, wenn Hitler an der

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Macht bleibe, Krieg herrschen und die Verfolgung von Nicht-Ariern sich verschärfen würde. Er selbst, als nichtarisch eingestuft, fühlte sich nicht bedroht. Aber als die Bank das Sanatorium seiner Eltern nicht mehr finanzieren wollte, war er sicher, dass es der einzig richtige Schritt ist, sein Medizinstudium aus Geldmangel aufzugeben und Deutschland zu verlassen. Mit einem englischen Kindermädchen aufgewachsen und gut Englisch sprechend, war England die natürliche Wahl für ihn. Mit 20 Jahren und gerade genug Geld, um sechs Monate zu überstehen, verließ er seine Familie, seine Freunde und sein Land, um in England ein neues Leben zu beginnen, und erreichte Harwich an einem grauen Novembertag 1933. Er arbeitete ohne Arbeitserlaubnis inoffiziell als Englisch-Deutsch-Übersetzer für eine kleine Handelsfirma, die einem Wiener namens Walter Fischer gehörte. Dort lernte er dessen Tochter Margaret kennen, die er 1937 heiratete. Inzwischen wechselte Werner Rolf Pick den Job und schloss sich der Firma von Dr. Cornelius an, der sich auf den Handel mit tierischen und pflanzlichen Fetten und Ölen, dazu

Chemikalien und anderen Rohstoffen, zwischen Wien und London spezialisiert hatte. Als der Krieg ausbrach, lebten die Picks im Süden Londons mit Diana, damals ein drei Monate altes Baby, aber im Juni 1940 nahm ihr Leben eine dramatische Wendung. Da Großbritannien eine deutsche Invasion befürchtete, wurde eine Politik der Internierung von »feindlichen Ausländern« eingeführt, die auf Personen mit deutscher oder österreichischer Staatsangehörigkeit abzielte, allerdings in drei Kategorien unterteilt: »A«, »B« und »C«. Die ersten waren diejenigen, die als Sympathisanten der Nazis angesehen wurden, und die letzten solche, die als englandfreundlich angesehen wurden. Obwohl Werner Rolf Pick in der Kategorie »C« eingeordnet worden war, kam die Polizei eines Morgens in den frühen Morgenstunden, gab ihm eine halbe Stunde, um seine Koffer zu packen und verbrachte ihn an ein unbekanntes Ziel. Mehrere Wochen lang hatte meine Mutter keine Ahnung, wohin er gebracht worden war, bis sie einen einseitigen Brief von ihm erhielt, der auf dem Briefbogen des HM-Gefängnisses aus einem Internierungslager auf der Isle of Man geschrieben war.

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Nach acht Monaten wurde er entlassen und kehrte zu seinem Job in der Stadt zurück. Als das Ende des Krieges in Sicht war, zog die Familie nach Claygate – Farmside, dem Haus, in dem er blieb und das er bis zu seinem Tod liebte. Im Geschäft war er erfolgreich, er begann ganz unten und endete als Vorsitzender und Hauptaktionär der Cornelius Gruppe. Seine Stellung im Handel wurde durch seine Wahl zum Präsidenten sowohl der Vereinigung der Öl-, Samen- und Fett Association (FOSFA), einer weltweiten Handelsvereinigung, und der British Commodities Trades Association anerkannt. Briefe seiner Geschäftspartner sind voll höchster Wertschätzung. Wie er selbst sagte: ›Du kannst Geld verlieren und es wieder zurückbekommen, aber wenn du einmal deinen Ruf verloren hast, kann er nie mehr zurückgewonnen werden.‹ Er war auch großzügig mit seinem Geld, obwohl er selbst bescheidener lebte, als es vielleicht nötig war. Dass die Gewinne des Unternehmens unter den Angestellten verteilt wurden (fast im JohnLewis-Stil), war typisch für ihn.

wahr, den wir mit einem Mittagessen für ihn in der Talg Chandlers Hall feierten. Dort stand er auf und hielt eine siebenminütige Rede ohne eine Notiz. Es war eine bemerkenswerte Leistung und typisch mutig, wenn man bedenkt, dass er seit einiger Zeit im Rollstuhl saß und sehr taub war.

Er nahm seine Aufgaben in London bis kurz nach seinem 100. Geburtstag

Er sprach oft über die drei goldenen Regeln in seinem Geschäftsleben.

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›1. Handle nur mit Leuten, die du kennst und magst. 2. Riskiere nie mehr, als du dir leisten kannst zu verlieren, das heißt »das Beste hoffen, aber das Schlimmste befürchten« und: 3. Mach Urlaub.‹ Reisen und Urlaub waren ihm wichtig, mit Frau und Kindern, auch Enkeln und sogar Urenkelkindern. Nach dem Tod unserer Mutter und als er bereits über 90 Jahre alt war, nahmen wir ihn auf viele Auslandsreisen mit zu Orten wie Prag, Dresden, Paris, Wien, den norwegischen Fjorden und an seine alte Schule in Deutschland.

geistige Aktivität dazu beigetragen hat, indem er weiterhin an allem und jedem interessiert war – Familie, Garten, Musik, Kunst, der Landschaft, Wirtschaft und Politik.« Werner Rolf Pick war alumnus portensis von 1926 – 1932. Seit 1948 war er Mitglied im Pförtner Bund. Seine Mitgliedsbeiträge schickte er traditionell jedes Jahr in bar! Werner Rolf Pick starb friedlich zu Hause, gut zwei Monate vor seinem 104. Geburtstag am 11. Juni 2017.

Sein Lieblingsort war Zermatt. Sein großer Ehrgeiz war es, mit seinen Enkeln Ski zu fahren, und er war begeistert, wenn er das schaffte. Und ich werde nie seine Freude vergessen während eines Helikopterfluges: Wir nahmen ihn zum 95. Geburtstag mit zum Gipfel des Matterhorns. In seinen eigenen Worten: ›Zermatt ist dem Himmel am nächsten.‹ Eine Bank mit Widmung an ihn und meine Mutter steht jetzt neben einem Bergpfad, mit einem fabelhaften Blick durch die Bäume auf das Matterhorn. Mein Vater war sein Leben lang bis ins hohe Alter mit guter Gesundheit gesegnet. Ich bin sicher, dass seine

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A

Hohe Auszeichnung

Am 8. November 2017 wurde Vorstandsmitglied Peter Maser (al. port. 57 – 59) in Erfurt mit dem Thüringer Verdienstorden ausgezeichnet. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) überreichte die höchste Auszeichnung des Freistaates bei einer Feierstunde in der Thüringer Staatskanzlei in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste. Der Pförtner Bund wurde dabei durch seinen Vorsitzenden vertreten. Mit dem Verdienstorden werden die Verdienste des Kirchenhistorikers und Ostkirchen-Experten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gewürdigt. Peter Maser hatte maßgeblichen Anteil als Berater des Kultusministeriums und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der Stiftung Ettersberg in Weimar am Zustande­ kommen und der Gestaltung der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt.

Das frühere Stasi-Gefängnis ist heute Thüringens zentraler Gedenk- und Erinnerungsort, an dem Unterdrückung und Widerstand gegen die SED-Herrschaft thematisiert werden. Peter Maser wirkte seit 1992 als Sachverständiger in den beiden Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestages zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit. Er gehörte verschiedenen Gremien im Bereich der Aufarbeitung der SED-Diktatur auf Bundes- und Landesebene an und ist bis heute besonders in Thüringen engagiert. Bereits 1998 wurde er mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Herzliche Gratulation unserem langjährigen Vorsitzenden und heutigen Redakteur der »Pforte« für diese verdiente Auszeichnung und die damit verbundene Anerkennung. MATTHIAS HAASE VORSITZENDER DES PFÖRTNER BUNDES E. V.

Hohe Auszeichnung | 71


Aachen: EuregioGänseessen geplant

W

Wenn man sich in Aachen am 11.11. abends mit Freunden trifft, gehen viele davon aus, dass man Karneval feiern will. Aber bei uns AachenerPfortensern ist das nicht so. Wir haben Appetit auf Gans! Und so haben wir auch im vergangenen Jahr 2017 unseren Appetit mit Gans, oder vegetarischen Alternativen, gestillt. Bereits zum dritten Mal fand das Martini-Gänseessen in Aachen statt, und auch in diesem Jahr war es wieder eine gemütliche kleine Runde. Wir trafen uns am 11.11.17 abends im Restaurant »Zum goldenen Einhorn« direkt am Aachener Markt. Der Tisch wurde frühzeitig reserviert, wie gesagt, eigentlich ist hier Karnevalsbeginn, und auch, ob es überhaupt Gans gibt, wurde vorher natürlich erfragt. Die Gans war da, aber der Blick auf die Karte ließ uns leider feststellen, dass wir dieses Jahr mit Gänsebrust vorlieb nehmen müssen. Naja, aber Kloß und Rotkohl gab es wie gewohnt dazu. Im Vorfeld haben drei Pfortenser leider absagen müssen, sodass wir in diesem Jahr zu fünft waren. Die meisten von uns kennen sich von den letzten Gänseessen beziehungsweise aus der Schulzeit, sodass vor, während und nach der Gans ausgiebig geredet wurde. Neben den aktuellen Lebenssituationen ging es natürlich auch viel um Schulpforte. Es wurden alte Erinnerungen ausgetauscht und

72 | Aachen: Euregio-Gänseessen geplant

sich über ehemalige Schulkameraden informiert. Da wir alle im letzten Jahr zum Schulfest in Schulpforte waren und die ganzen baulichen Neuheiten gesehen haben, war dies ebenfalls ein Gesprächspunkt. Wir fanden, dass es Wahnsinn ist, was sich da alles in den letzten Jahren verändert hat. Neu an diesem Gänseessen war, dass zum ersten Mal eine Pfortenserin aus den Niederlanden mit teilgenommen hat. Da einige Pfortenser in den Niederlanden oder Belgien leben und beide Ländergrenzen von Aachen nicht weit weg liegen, entstand die fixe Idee aus dem Aachener-Gänse­ essen das Euregio-Gänseessen zu machen und die Pfortenser aus diesen drei Ländern zusammenzubringen. Schauen wir mal, was sich aus dieser fixen Idee entwickelt! Ein Gänseessen im Jahr 2018 soll es in Aachen auf jeden Fall wieder geben. GERDA LACHMANN (AL. PORT. 03 – 07 V.)


A

Gänseessen in Bad Homburg v. d. H.

Am 9. Dezember 2017 traf sich ein kleiner Kreis Ehemaliger diesmal in Bad Homburg. Wieder waren drei Generationen vereint, wieder war »unser« Alt-Afraner Professor Lutz in unserer Mitte, wieder lag das Abitur der jüngsten Teilnehmer erst einige Jahre zurück. Wir besuchten gemeinsam den kleinen romantischen Weihnachtsmarkt am Homburger Schloss (nur an den Adventswochenenden geöffnet und wirklich ans Herz gehend) und trafen uns dann in der Kaiserlich-Königlichen Küchenmeisterei zum traditionellen Gänseessen.

So kann ich also freudig Nietzsches Worte wiederholen: »Semper manet nostra amicitia!« In diesem Sinne freue ich mich schon jetzt auf die Adventszeit 2018. SIBYLLE FINK (AL. PORT. 55 – 59 V.)

Als Neuzugang hatte sich auch ein Ehemaliger aus Meinerzhagen angemeldet, der aber im letzten Moment absagen musste. Ich denke, beim nächsten Treffen wird er dabei sein, sicher interessant, was er zu berichten hat. Die Zeit verging viel zu schnell. Es wurde viel gelacht, wir Alten erhielten Einblick in den jetzigen Schulalltag und die Jungen staunten über Begriffe aus unserer Schulzeit – wie Zöß-Saale, Home (Internatsleiter Lange) usw. –, die ihnen unbekannt waren. Auf meine Frage, die ich zum Schluss stellte, ob Pforte für sie etwas Besonderes sei und bleibe, erfolgte ein vielstimmiges »Ja«.

Gänseessen in Bad Homburg v. d. H. | 73


Dresden: Stadtentwässe­­­­ rung und Gänseessen

N

Nachdem Christian Klinghardt seit dem Jahr 2003 die Dresdner Pförtner­ abende organisiert hatte, war er doch recht froh, diese Aufgabe in diesem Jahr in andere Hände geben zu können. An dieser Stelle möchten wir uns sehr herzlich für das große Engagement von Christian Klinghardt über die vielen Jahre hinweg bedanken. Die zu den Dresdner Pförtnerabenden gehörende Tradition eines Rahmenprogramms setzten wir auch in diesem Jahr fort und besuchten mit zehn ehemaligen Pfortensern die Dresdner Stadtentwässerung. Für die meisten von uns war es der erste Einblick in eine Abwasserreinigungsanlage und sicherlich ein Lehrstück auch im Umgang mit häuslichen Entsorgungsfragen. Nach einer gut anderthalbstündigen Führung bei windiger und nasskalter Witterung wurden wir am Ende mit einem Blick von den hohen Türmen der Biogasanlage über das dann bereits nächtliche Dresden entschädigt. Etwas angefroren stieg die Vorfreude auf die warme Gaststube und den Gänsebraten.

unterschiedlicher Generationen ließ so manche Erinnerung, Geschichte und Anekdote hervorkommen und uns alle aus der Ferne nach Pforta und Meinerzhagen zurückkehren. Es ist immer wieder schön, feststellen zu können, dass wir eine großartige Gemeinsamkeit in der Verbundenheit zu diesen Orten und zu den Schulen haben, auch wenn das Erlebte aus ganz unterschiedlichen Zeiten stammt. Bei kommenden Pförtnerabenden in 2018 wird es beim Rahmenprogramm wieder technische bis naturwissenschaftliche Einblicke geben und wahrscheinlich hoch hinausgehen. Mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten …

In der nicht weit entfernten Lindenschänke, direkt an der Elbe gelegen, fanden sich dann weitere ehemalige Pfortenser aus Dresden und Umgebung zum Martini-Gänseessen in gemütlicher Atmosphäre ein, sodass wir final eine Runde von 20 Personen waren. Die schöne Mischung ganz

74 | Dresden: Stadtentwässer­ung und Gänseessen

PATRICK SOFF (AL. PORT. 92 – 96 V.)


M

Erfurt: Gänsepatenschaften geplant!

Mit dem Kanon »Drei Gäns’ im Haberstroh« begrüßten die Thüringer Pförtner am 11.11.2017 den Gänsebraten im Gasthaus Fürstenhof in Erfurt-Frienstedt. Insgesamt waren 30 ehemalige Schüler im Fürstenzimmer zusammengekommen, um die Tradition des Pfortenser Gänseessens zu pflegen. Es waren Alumni aus ganz Thüringen, aus allen Zweigen und aus den verschiedenen Zeiten der Schule zusammengekommen, und es gab sogar Gedichte. Der Älteste hatte Schulpforta in den 40er/50er Jahren erlebt, die Jüngste wird 2018 ihr Abitur ablegen. Matthias Haase, der Vorstandsvorsitzende des Pförtner Bundes, berichtete von seinen Recherchen über Schulpforta zwischen EOS und der Landesschule, wie wir sie heute kennen. Es waren einige aus den Jahrgängen der 80er Jahre dabei, die seine Erzählungen ergänzen konnten. Der schönste Moment war die herzliche Begrüßung zweier Schulfreundinnen, die sich bei diesem Gänseessen nach vielen Jahren wiedergesehen

haben. Und so zeigt sich, dass die gemeinsame Zeit in Pforta verbindet und auch über Jahre hinweg erhalten bleibt. Wie in jedem Jahr waren auch 2017 nur wenige Studenten oder junge Alumni beim Gänseessen dabei. Um Geld keine Rolle spielen zu lassen bei der Entscheidung, am Gänseessen teilzunehmen, gibt es bei den Thüringer Pförtnern ab sofort sogenannte »Gänse-Patenschaften«. Alumni, die gern dabei wären, aber die notwendigen Taler nicht aufbringen können, melden sich also einfach per E-Mail an und wünschen sich einen »Gänse­paten«. Um alles Weitere kümmern sich die Organisatoren. Das nächste Thüringer Gänse-Essen findet am 17. November 2018 in Weimar statt. Besonders Musikschüler sind herzlich eingeladen, denn nächstes Mal wollen wir mehrstimmig singen. Ansprechpartnerin ist wieder ­teichertfranziska@gmail.com. FRANZISKA TEICHERT (AL PORT. 1996-2000 V.)

Erfurt: Gänsepaten-schaften geplant! | 75


Gänseessen in Heidelberg

E

Eine alte und für alle, die es miterleben konnten, wundervolle Tradition ist das große und festliche Gänseessen zum Martinstag an der Landesschule Pforta. Es ist ein Abend, der die Schülerinnen und Schüler zusammenrücken lässt, nicht nur an den langen Tafeln bei Wein und Gänsekeule, sondern auch in dem Gefühl und Wissen, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein. So ist das Martinsfest in Schulpforte in jedem Jahr ein besonderer Anlass, der alle alumni der Landesschule verbindet. In Erinnerung an diese geselligen und feierlichen Begängnisse ist nunmehr auch im Kreise der ehemaligen Schülerinnen und Schüler mehr und mehr der Wunsch aufgekommen, gemeinsame Treffen in verschiedenen Regionen Deutschlands abzuhalten. In diesem Jahr konnte erstmals ein Pförtner-Abend zum Martinstag in Heidelberg stattfinden. Er kann ein Auftakt sein, auch in nachfolgenden Jahren die Wiedersehenskultur unter den Pförtnern im Südwesten Deutschlands zu stärken und neu zu beleben. Die Einladungen für das Treffen in Heidelberg am 11. November 2017 erreichten Ehemalige von Freiburg bis Frankfurt am Main, von Saarbrücken bis Würzburg. Zu Gast waren ehemalige Schüler aus den Abiturjahrgängen 1954 bis 2016. So trafen sich Pfortenser allen Alters und aller Richtungen

76 | Gänseessen in Heidelberg

und doch hatte man nach wenigen Minuten das Gefühl, das sich allzu oft einstellt: Die gemeinsame Zeit in Schulpforte verbindet auch weit über das Abitur hinaus und schafft einen Raum gegenseitiger Verbundenheit. Der Abend bot alles, was ein MartiniGänseessen auch schon in Schulpforte ausgezeichnet hatte: Wein, Gänselieder, eine lange Tafel, Geschichten aus heiteren Internatszeiten und natürlich die Gans selbst. So saßen wir über viele Stunden bis in die Nacht beisammen, sprachen über unsere Zeit in Schulpforte und tauschten uns über unsere aktuellen Projekte oder unsere Studiensituation aus. Alle waren sich einig, dass auch im Jahr 2018 wieder ein Gänseessen der Pförtner in Heidelberg stattfinden sollte. Vielen stand sogar der Sinn danach, auch zwischen den Treffen zur Martinszeit Gelegenheiten zu suchen, bei denen Pfortenser im Raum Heidelberg und darüber hinaus sich austauschen und wiedersehen kön-


GÄNSEESSEN ÜBERALL nen. Wir wollen versuchen, diese Idee aufzugreifen und solche Treffen zu ermöglichen, sodass der Kontakt zwischen den ehemaligen Schülerinnen und Schülern der Landesschule weiter erhalten und verfestigt werden kann. Ideen für Ausflüge, Besuche oder Geselligkeit sind uns jederzeit willkommen. Wir verbreiten die Einladungen gern im Kreis der Ehemaligen und freuen uns über jede Gelegenheit, die Ehemaligen im Süd-Westen zusammenzubringen. MAXIMILIAN BÖCK (AL. PORT. 07 – 11 V.) DIETRICH HAUSSECKER (AL. PORT. 09 – 13 V.)

Bristol, Göttingen, Rostock, Weimar (v.o.n.u.)

Gänseessen in Heidelberg | 77


Gänseessen in Leipzig: Stammtisch geplant

N

Nachdem ich bereits seit vier Jahren in Leipzig wohne und das MartiniGänseessen bisher immer nur im kleinen privaten Kreis zelebriert habe, kam mir in diesem Jahr recht kurzfristig die Idee, ein Gänseessen für alle in Leipzig wohnenden Pfortenser zu organisieren. So kam es, dass sich am 10.11.2017 um 19 Uhr dreizehn ehemalige Pfortenser aus Leipzig im traditionsreichen Ratskeller zum gemeinsamen Gänse­ essen versammelten. Vertreten waren Ehemalige aller Zweige und ganz verschiedener Abiturjahrgänge. Ein Großteil setzte sich aus den Jahrgängen 2005 – 2007 zusammen, jedoch waren auch Pfortenser aus den Jahren 1981, 1983 und 2012 dabei. Wir haben gut gegessen und tauschten uns über ganz verschiedene Dinge aus. Zukünftig ist ein Stammtisch geplant, welcher sich auch unabhängig vom Gänseessen treffen wird! RUTH LÜTHKE (AL. PORT. 03 – 07 V.)

78 | Gänseessen in Leipzig: Stammtisch geplant


Gänsegedicht Auf einer Wanderung durch die Pfalz kehrten wir auch in St. Martin ein. Sein Denkmal grüßt schon von Weitem vom Kirchberg und die Geschichte von seiner Flucht vor der Bischofsweihe inspirierte mich zu folgenden Versen:

Z

Zur Martinszeit ist hier im Land, das Gänseessen wohl bekannt. Nun muss man sich jedoch mal fragen, warum geht’s Gänsen an den Kragen, wenn in vorweihnachtlicher Zeit der Martin seinen Mantel teilt? Hat es mit Mordlust was zu tun? Die Gäns’, man lässt sie gar nicht ruhn.

Man läuft zum Stall, kein Dieb zu sehen, jedoch den Martin sieht man stehn. Das Volk führt froh ihn durch die Reihen, nun kann man ihn zum Bischof weihen. Den Gäns’ hat Martin nie verziehn, dass ihr Geschrei ihn hat verraten und seitdem – gibt es Gänsebraten! SIBYLLE FINK, GEB. SCHÖNER (AL. PORT. 55 – 59 V.)

Der Grund dafür ist schnell erzählt – im Land ein Bischof wieder fehlt. Den Martin hat man ausgesucht, doch der find’ dieses gar nicht gut zumal mit halbem Oberkleid – er passt nicht in die Heiligkeit. Deshalb läuft er zum Gänsestall, zu verstecken für den Fall, dass man ihm keine Ruh’ gewährt. Jedoch die Gänsschar ist empört! Ihr laut’ Geschrei im Dorf ertönt, worauf ein jedermann argwöhnt, es gibt dort einen Dieb zu fassen.

Gänsegedicht | 79


Berliner Treffen 2017

Z

Zum Schlössertag haben wir am 14. Januar die Zitadelle in Spandau besucht. Wir hatten eine Führung in der Alten Kaserne. Die Dauerausstellung »Berlin und seine Denkmäler« zeigt politische Denkmäler, die einst das Berliner Stadtbild prägten. Zum Frühjahrstreffen haben wir uns am 10. März im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Adlershof getroffen und anschließend im Restaurant in der Nähe noch zusammengesessen. Es gab im Vortragsraum mehrere kurze Vorträge zu den Schwerpunkten der Arbeiten im DLR, u. a. zur Planetenforschung und Rosetta-Mission, an der das DLR beteiligt war, sowie zur Erkundung von Exoplaneten. Weiter hatten wir eine Filmvorführung in 3D vom Mars. Professor Jaumann, der zuständige Leiter für die Forschungen zur Marsoberfläche, konnte uns über die jüngsten Ergebnisse aus erster Hand informieren. Die rege interessierten 72 Teilnehmer waren beeindruckt und haben die umfangreichen Informationen gerne aufgenommen. Sie hatten schon ein Jahr darauf gewartet, denn da war es von uns angekündigt worden, 2017 hat es dann aber doch geklappt. Für das Thema des Herbsttreffens am 9. November hat das »Pforta-Gespräch« vom 15. Februar in Pforta den Anstoß gegeben: Beide Gespräche hatten die »Napola« zum Inhalt. Es

80 | Berliner Treffen 2017

ging um die Aufarbeitung des Themas und um die Sensibilisierung dafür, dass solchen menschenverachtenden Ideologien in den Anfängen zu wehren ist. Damit wurde auch im Berliner Kreis ein Thema angesprochen, das lange als tabu galt. Dr. Helen Roche von der Universität Cambridge, speziell mit dem Thema »Napola« befasst, hatte sich 2012 an mich mit der Bitte gewandt, Gespräche mit AltNapolanern zu führen. Ergebnisse hat sie in einem Artikel im europäischen Geschichtsjournal 2013 in Paris veröffentlicht: »Wanderer, kommst du nach Pforta… – Das Spannungsfeld zwischen der altphilologischen Tradition und den Anforderungen einer Nazi-Eliteschulerziehung in Schulpforta und Ifeld, 1934 – 45«. Uns liegt die deutsche Übersetzung im Umfang von 21 Seiten von Alf Rettkowski vor. Valerie Giesen hat ihrer »Besonderen Lernleistung« in Geschichte 2009 in der 12. Klasse in Pforta den Titel »Nur im Nebenberuf Napola?« gegeben. Sie hat zu ihrem »Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Zeit in Schulpforta« fleißig recherchiert und viele Informationen aufgeschrieben. So konnte sie die Dozentin in Cambridge gut informieren. Deren Vortrag wird in diesem Heft gesondert dokumentiert, vgl. »Pforta: NPEA mit altphilo­logischem Curriculum«, Seite 10. Der Artikel »Jungmann statt Schüler« wurde im Burgenlandjournal vom


4./5. März 2017, der Wochenendbeilage des Naumburger Tageblattes, nach dem Pforta-Gespräch vom 15. Februar veröffentlicht. Als Reaktion auf unsere Einladung zum Herbsttreffen habe ich auch einen Artikel von Detlef Belau »Die NPEA in Naumburg und Schulpforta« (2005/2009) im Umfang von 35 Seiten zugesandt bekommen, und es wurde auf den Film »Napola« verwiesen, der vor gut zehn Jahren gedreht und in den Kinos allgemein gezeigt wurde. Dr. Helen Roche ist in ihrem Vortrag schwerpunktmäßig auf die Umwandlung (bzw. »Napolisierung«) der Landesschule, den Napola-Alltag, und Spannungen zwischen Humanismus und Nationalsozialismus in Schulpforta eingegangen. In der anschließenden Podiumsdiskussion konnte unser Vorsitzender Matthias Haase mit den drei Zeitzeugen Dr. Günther Feyerabend, Wolfgang Conrad und Hans-Hinrich Habermann sprechen und den Zuhörern interessante Aussagen vermitteln. Bemerkens- und begrüßenswert war die Aussage: »In Pforta war es gar nicht so schlimm. Wir haben trotz des halbmilitärischen Alltags humanistische Bildung erhalten, sind strebsame, gute Demokraten geworden und einen guten Lebensweg gegangen.« Der Vater von Hans-Hinrich Habermann, der christliche Gewerkschafter Max

Habermann, ist in Zusammenhang mit dem Hitlerattentat vom 20. Juli 1944 in der Gestapohaft in Gifhorn zum Suizid getrieben worden. Das hat viele Schüler der Napola zum kritischen Nachdenken gebracht. Wolfgang Conrad hat in seinen Erinnerungen aufgeschrieben, dass der Lehrer Otto Göldner vor dem Anrücken der amerikanischen Front in spezieller Situation zu ihm gesagt hat: »Hier wird nicht geschossen, wir haben Pforta als Kulturerbe zu erhalten.« Göldner war dann noch bis 1950 weiter Lehrer in Pforta. Das Herbsttreffen war diesmal schwer zu organisieren, weil es bei unserem Stammrestaurant einen Besitzerwechsel gab und wir wegen Renovierungsarbeiten ausweichen mussten. Mit Sieghard Metzner haben wir schließlich den Albrechtshof unweit vom S-Bahnhof Friedrichstraße gefunden, in dem wir im Restaurant – mit vorwiegend Martinsgans – gut bedient wurden. Für die 86 Teilnehmer war der Vortragsraum dann etwas knapp, die Stuhlreihen natürlich voll besetzt und die Teilnehmer »nahe am Thema« dran. HELMUT HEIMBÜRGE (AL. PORT. 55 – 57 V.)

Berliner Treffen 2017 | 81


Tabula Gratulatoria Vorname Fritz Wolf-Dietrich Charlotte Heinrich Heinrich Ilse Rose Christian Hans Manfred Friedemann Friedrich Friedrich Henry Edelgard Franz Wolfgang Henning Helmut Gerhard Karl-Günter Hansjörg Edwin Heinrich Peter Klaus Waltraud Nikolaus Eberhard Rose-Marie Christian

Name Hacker Bindemann Kaiser-Dieckhoff, geb. Dieckhoff Zander Heitmann Hossfeld Drechsler, geb. Feiertag Hübener Hipp Hiese Gottschick Gabert Lochner Thiele Schröder, geb. Düffort Prokupek Klein Budwill Hauschild Rödding Schirrmeister Lang Hartwig Arnold Gröger Zeiske Römer, geb. Worch Garbers Klitzsch Kampe Haferkorn

82 | Tabula Gratulatoria

Pforta MDP 29 – 34 v. MDP 32 – 36 W. Hans K. (mag. 37 – 45) 33 – 39 v. 34 – 35 MDP W. Volker Hossfeld (27 – 34 v.), MDP W. Karl-Heinz D. (25 – 32 v.), MDP 33 – 34 MDP 38 – 45 46 – 47 v. MDP mag. port. 50 – 53 und 55 – 57 39 – 45 39 – 44 W. Robert Schr. (46 – 48) 49 – 52 v. 47 – 51 v. MDP 46 – 51 v. MDP 49 – 52 v. 46 47 46 49 49 43 49 43 44 49 47

– – – – – – – – – – –

52 51 52 51 51 44 52 45 48 50 52

MDP v. v.

MDP

v. MDP v.

MDP

Geburtstag 26.09.1913 29.03.1919 08.12.1920

Alter 105 99 98

05.02.1921 11.07.1921 27.08.1921

97 97 97

16.10.1921

97

13.12.1921 05.02.1928 07.03.1928 30.03.1928 21.04.1928

97 90 90 90 90

01.07.1928 12.07.1928 23.11.1928

90 90 90

03.01.1933 14.01.1933 05.02.1933 09.02.1933 18.02.1933 25.02.1933 21.03.1933 14.05.1933 29.05.1933 01.06.1933 04.07.1933 29.07.1933 08.08.1933 18.08.1933 22.09.1933 28.09.1933

85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85 85


Vorname Ulrich Dietrich Dietrich Nora Reinhart Paul Jürgen Klaus Brunhild Horst Joachim Dietrich Harro Ingeborg Peter Harm Walter Karl-Heinz Karsten Heinz Günther Günter Horst Karin Kurt Renate Ulla Gerhard Erich Ernst Horst

Name Gleichmann Boltze Maerker Kahle, geb. Krüger Steinweg Hoffmann Knolle Voellger Gerlach, geb. Böttger Dikomey Bauersfeld Schimpfermann Eidt Schroeder, geb. Dettmar Kostial Behrends, gen. Gericke Ihsecke Beier Schröder Voigt Schlauraff Kaiser Weber Sägner, geb. Krug Stempell Graeger, geb. Fischer Massow, geb. Franke Cyrklaff Bellstedt Bartsch Winiarski

Pforta 43 – 45 52 – 53 48 – 52 49 – 50 46 – 50 48 – 51 44 – 45 52 – 56 52 – 56

v. v.

52 52 52 50 53

v. v. v. v. v.

52 – 56 v. 52 – 56 v.

– – – – –

56 56 56 56 57

MDP v. v.

Geburtstag 02.10.1933 24.10.1933 31.10.1933 26.11.1933 26.11.1933 14.12.1933 17.12.1933 01.01.1938 16.01.1938

Alter 85 85 85 85 85 85 85 80 80

MDP MDP

07.02.1938 09.02.1938 14.02.1938 17.02.1938 20.02.1938

80 80 80 80 80

MDP

23.02.1938 26.02.1938

80 80

02.03.1938 15.03.1938 19.03.1938 30.03.1938 01.04.1938 04.04.1938 04.04.1938 10.04.1938 01.05.1938 10.05.1938

80 80 80 80 80 80 80 80 80 80

11.05.1938

80

21.05.1938 22.05.1938 26.05.1938 01.06.1938

80 80 80 80

MDP MDP

v.

50 – 56 v. 55 – 57 v. 52 – 56 v. v. 52 – 56 v. 52 – 56 v. 52 – 55 v. 52 – 56 v. 52 – 56 v.

MDP

MDP MDP MDP

MDP

52 – 56 v. 52 – 56 v. v. – 56 v. – 57 v.

MDP

Tabula Gratulatoria | 83


Vorname Klaus-Dieter Erhard Otto Waltraud Rainer Klaus Karlheinz Rainer Dieter Uwe Alfred Joachim Jörg Dieter Günter Otilie Helmut Edith Elke Horst Wolfgang Ferdinand Edwin Peter Horst-Heinz Klaus Dirk Susanne

Name Krempelmann Nitzer Zander Schlauraff Hermann Almstädt Steppan Reißner Bartsch Krug Schifelbein Anderson Ihbe Reuter Brennenstuhl Kavka, geb. Cachay Heimbürge Malzahn Weisbrod Scholz Gebhardt Reisz Biwoll String Neumann Müller Dietrich Böhme

Inge

Brosch, geb. Nehrkorn Kaulfersch, geb. Schilling Küpper Ebbinghaus

Inge Hans-Joachim Wilhelm

84 | Tabula Gratulatoria

Pforta MDP Geburtstag – 56 v. 06.06.1938 52 – 56 09.06.1938 – 57 22.06.1938 52 – 56 v. 23.06.1938 52 – 56 v. 23.06.1938 52 – 56 v. 04.07.1938 52 – 55 v. 24.07.1938 – 57 v. 03.08.1938 52 – 56 v. MDP 04.08.1938 52 – 57 v. 07.08.1938 53 – 57 v. 18.08.1938 52 – 56 v. 22.08.1938 52 – 56 v. 29.08.1938 mag. port. 63 – 91 11.09.1938 – 57 v. 16.09.1938 53 – 58 v. 20.09.1938 55 – 57 v. MDP 01.10.1938 52 – 56 v. MDP 01.10.1938 52 – 56 v. MDP 02.10.1938 53 – 56 MDP 23.10.1938 52 – 56 v. 06.11.1938 53 – 57 v. MDP 11.11.1938 52 – 56 v. MDP 13.11.1938 52 – 56 v. 14.11.1938 53 – 56 v. 22.12.1938 53 – 57 v. 23.12.1938 52 – 52 v. 24.12.1938 W. Dr. Joachim B. – 26.12.1938 Schwiegervater Hans Böhme war Prokurator bis 38, MDP 57 – 61 v. 14.01.1943

Alter 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80 80

75

57 – 61 v.

17.01.1943

75

57 – 61 v. 57 – 61 v.

22.01.1943 08.02.1943

75 75

MDP


Vorname Dagmar Günter Sabine Karin Karin Karl-Heinz Peter Hans-Joachim Dieter Rainer Rainer Reinhold Brigitte

Name Pforta Sommer 58 – 62 Brosch 57 – 61 Damardji, geb. 57 – 61 Dietrich Bellingkrodt, geb. 57 – 59 Trepke Altdorff, geb. 57 – 61 Werft Uhlig 58 – 62 Maser 57 – 59 Pützschel 58 – 62 Kücklich 58 – 62 Martin 60 – 62 Kasper 58 – 62 Richtscheid 58 – 62 Tröbs, geb. 58 – 62 Stockleb

v. v. v.

MDP MDP

v. v. MDP v. v. v. v. v. v.

MDP

Geburtstag 10.02.1943 15.03.1943 21.04.1943

Alter 75 75 75

02.05.1943

75

09.05.1943

75

30.07.1943 03.08.1943 18.09.1943 01.10.1943 09.10.1943 06.11.1943 08.11.1943 11.12.1943

75 75 75 75 75 75 75 75

Tabula Gratulatoria | 85


Haushaltsrechnung vom 1. Januar 2016 bis 31. Dezember 2016

1. EINNAHMEN- UND AUSGABENRECHNUNG 1. Einnahmen

Mitgliedsbeiträge Spenden Zins- und Kurserträge Einnahmen aus Umsatzerlösen Summe Einnahmen

31.12.2016 EUR

31.12.2016 EUR

44.038,12

44.038,12

16.380,23 23.450,33 280,91 3.926,65

2. Ausgaben

Ausgaben, Kosten der Vereinsverwaltung, Internet Beihilfen Landesschule, Archiv, Die Pforte, Pforta Info … Zinsen, Bankgebühren Abschreibungen

- 83.056,58 - 186,12 - 1.428,00

Summe der Ausgaben

- 84.670,70

- 84.670,70

Vereinsergebnis

- 40.632,58

- 40.632,58

VERMÖGENSENTWICKLUNG – STATUS Vermögensposten

Inventar Bankguthaben Bank-Girokonten Postbank DB 00 Spk. BLK Fest- und Terminkonten DB 68 DB 69

133.979,59 107.865,76

Summe

334.843,53

Zweckgebundene Rücklagen lt. Rücklagenverzeichnis

325.592,72

86 | Haushaltsrechnung

7.522,00 75.654,59 8.593,43 1.228,16


A

Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta

Als Mitglied des Fördervereins Welterbe an Saale und Unstrut e. V. sind wir stolz darauf, dass nunmehr der Naumburger Dom innerhalb der nächsten drei Jahre gute Chancen auf Einschreibung in die Welterbeliste hat. Dies wurde zur letzten Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees am 9. Juli 2017 in Krakau verkündet. Der eigentlich weiträumiger gefasste Antrag, der auch die Berücksichtigung der »hochmittelalterlichen Kulturlandschaft an Saale und Unstrut« beinhaltete, wurde leider abgewiesen. Schade, dass die weltweite Bedeutung des Zisterzienserklosters Pforte dabei keine Berücksichtigung gefunden hat. Wir sehen aber auch, dass die Arbeit des Fördervereins und aller Unterstützer in den letzten Jahren die gesamte Region enorm gestärkt haben. Unzählige Aktionen und Aktivitäten haben dazu geführt, dass die Region an Saale und Unstrut noch weitaus bekannter wurde und mittlerweile einen festen Bestandteil in der kulturtouristischen Landkarte darstellt. Unter dem Motto »Quellen des Wissens: Klöster an Saale und Unstrut« steht der 5. Welteerbe-Wandertag am 22. April 2018. Ziel- und Startpunkt ist der Naumburger Domgarten. Das Kloster Pforte ist auch diesmal wieder Bestandteil der geführten Wanderund Radtouren. Ein weiterer Höhepunkt ist die Durchführung des diesjährigen internationalen Festivals für

mittelalterliche Musik »montalbâne« vom 6. bis 8. Juli 2018 in der Klosterkirche Schulpforte. Auch als Korrespondenzstandort zur Ausstellung »Wissen + Macht« im Kloster Memleben vom 7.5. bis 15.10.2018 wird das Kloster Pforte als ein wichtiger Ort in der Klosterlandschaft an Saale und Unstrut präsent sein. Die Entwicklung des Museumprojektes mit dem Arbeitstitel »PORTA­ NEUM – Schul- und Klostermuseum« wird derzeit durch die Erarbeitung der Feinkonzeption für die dauerhafte Präsentation der Ausstellungsstücke geprägt. Dieses Konzept soll bis Ende März 2018 vorliegen und dann die Grundlage für die weiteren Ausbauplanungen zur Umnutzung des Rinderstallgebäudes bilden. Der vorläufige Terminplan sieht die Fertigstellung des Museums für das Jahr 2022 vor. Ende Februar 2018 werden im Auftrag des Landesweingutes Kloster Pforta GmbH die Preisträger des internationalen Architekturwettbewerbes ausgewählt. Zum Auslobungsverfahren des zweistufigen Wettbewerbes wurden im Herbst des vergangenen Jahres 25 Architekten- und Ingenieurbüros zugelassen. Die Stiftung Schulpforta ist als Grundstückseigentümer durch den Prokurator als Mitglied in der Sachpreisjury vertreten. Die bisher vorgelegten Entwürfe zeigen interessante architektonische und

Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta | 87


landschaftsplanerische Gestaltungsvarianten für die Fläche auf dem ehemaligen Gärtnereigelände zwischen der neuen Turnhalle und der nordöstlichen Klostermauer. Geplant ist die Fertigstellung der Baumaßnahmen für das Jahr 2021. Das Triumphkreuz konnte nach erfolgreicher Restaurierung am 17. Mai 2017 wieder an seinem Bestimmungsort in der Kirche aufgehängt werden. Damit verbunden war auch der Rückbau der Restaurierungswerkstatt aus dem westlichen Kircheninnenraum. Nun ist die Kirche wieder uneingeschränkt und in voller Schönheit zu besichtigen. Wir möchten uns auch in diesen Rahmen nochmals herzlich bei allen Spendern und Förderern für die großartige Unterstützung bedanken, die zum Gelingen des Vorhabens beigetragen haben. Die Bauarbeiten zum Abwasseranschluss der Gaststätte Fischhaus an das öffentliche Abwassernetz sind bis auf wenige Restleistungen abgeschlossen. Die durch das Hochwasser 2013 zerstörte biologische Kleinkläranlage hatte in den letzten Jahren immer wieder auf Grund der erheblichen Beschädigungen und dem damit verbundenen Notbetrieb zu Geruchsbelästigungen geführt. Dieser Missstand wurde nun beseitigt. Die Durchführung des Bauvorhabens er-

88 | Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta

folgte mit Fördermitteln des Landes Sachsen-Anhalt. Wir möchten uns auch hier für die Unterstützung des Abwasserverbandes Naumburg/Bad Kösen und der unteren Wasserbehörde des Burgenlandkreises bedanken. Die Erfahrungen und Resonanz des 1. Pfortenser Weihnachtsmarktes 2016 haben uns ermutigt, im vergangenen Jahr den Pfortenser Herbstmarkt ins Leben zu rufen. Dieser fand am 16. September 2017 rund um das Besucherempfangszentrum statt. Bei strahlendem Sonnenschein konnten traditionelles Handwerk besichtigt und regionale Spezialitäten erlebt werden. Die vielen Besucher und die positive Zustimmung waren Anlass für den 2. Weihnachtsmarkt. Hier wurden wiederum alle Erwartungen an die Besucherzahlen übertroffen. Einige Schüler der Landesschule haben eigene Marktstände betrieben und konnten somit unter anderem die Kasse für die Abifeier auffüllen. Mittlerweile hat sich das Markttreiben in Pforte schon fest etabliert. Wir überlegen derzeit, ob ein Pfortenser Frühjahrsmarkt den Veranstaltungskalender weiter aufwerten könnte. Die Besucherzahlen des Klosterareals nehmen auch weiterhin eine positive Entwicklung. Wir können zwar keine konkreten Angaben machen, aber die Zahl der abrechenbaren Teilnehmer


an Gästeführungen und anderweitigen Angeboten steigt stetig. Wegen der uneingeschränkten öffentlichen Zugänglichkeit zum Kloster und dem gesamten Gelände ist die komplette Erfassung der Besucherzahlen aber leider nur bedingt möglich.

Öffentliche Führungen ohne Voranmeldung

Das Jahr 2018 findet seinen Höhepunkt mit dem Schulfest zum 475. Jubiläum der Landesschule Pforta. Die Stiftung Schulpforta wird auch in diesem Jahr gern wieder tatkräftig ihrer Verpflichtung zur Unterstützung der Landesschule nachkommen. Die Fördermaßnahmen und -projekte werden wie gewohnt mit dem Rektor der Landesschule und dem Pförtner Bund abgestimmt.

Individuelle Führungen / Sonderführungen / Arrangements

Besonders bedanken möchte ich mich bei allen ehrenamtlichen und festangestellten Mitarbeitern der Stiftung Schulpforta für ihr Engagement für den wunderbaren Ort – Schulpforte.

April – Oktober: Sa. und So. 14:00 Uhr November – März: Sa. und So. 13:30 Uhr

ganzjährig nach Voranmeldung

Audio-Guide-Führungen

jeweils zu den Öffnungszeiten des Besucherempfangszentrums Weitere Informationen finden Sie unter: www. stiftung-schulpforta.de. ARNDT GERBER (AL. PORT. 86 – 88 V.), PROKURATOR

Besuch und Besichtigung der Klosteranlage sind ganzjährig möglich.

Öffnungszeiten des Besucherempfangszentrums April – Oktober: Mo. bis So. 10:00–18:00 Uhr November – März: Di. bis So. 10:00–16:00 Uhr

Zur Arbeit der Stiftung Schulpforta | 89


Pförtner Abende Aachen

Gerda Lachmann Jakobstraße 28 52064 Aachen Tel. 0174 | 5939949 gerda.lachmann@ rwth-aachen.de

Berlin

Dr. Helmut Heimbürge Myslowitzer Straße 8 12621 Berlin Tel. 030 | 5671582 heimbuerge@gmx.net

Dresden

Patrick Soff Hafenstraße 2 01097 Dresden Tel. 0176 | 57649628 patrick.soff@gmail.com

Frankfurt – Hessen

Dr. Sibylle Fink Münzenberger Straße 14 61352 Bad Homburg v. d. H. Tel. 06172 | 1010793 sibylle.fink@gmx.de

Halle/Saale

Karsten Müller An der Johanneskirche 1 06110 Halle/Saale Tel./Fax 0160 | 97714276 mueller.magdeburg@gmx.de

90 | Pförtner Abende

Heidelberg

Maximilian Böck boeck.max@googlemail.com Tel. 0163 | 6134692 & Dietrich Haußecker dietrich.haussecker@ googlemail.com

Leipzig

Ruth Lüthke Platnerstraße 3 04155 Leipzig Tel. 0170 | 4020057 ruth.luethke@gmx.de

München

Ursula Meier-Credner Arno-Assmann-Straße 5 81739 München Tel./Fax: 089 | 6706366 mcredner23@t-online.de

Thüringen

Franziska Teichert Mühlgasse 104 99336 Eischleben Tel.: 0170 | 4191135 teichertfranziska@ gmail.com

Rostock

Maximilian Fett Tel. 0171 | 8160893 maxfett@icloud.com

AkeL

Dr. Wolfgang von Hänisch Königsberger Straße 8 88212 Ravensburg Tel. 0751 | 9587766 www.akel.de

Landesschule Pforta

Schulstraße 12 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 350 Fax 034463 | 26839 www.landesschule-pforta.de info@landesschule-pforta.de Initiatoren weiterer Pförtnerabende und Gänseessen sind willkommen. Bitte bei unserem Regional-Beauftragten Patrick Soff (patrick.soff@ gmail.com) melden. Beiträge für DIE ­PFORTE bitte bis zum Jahresende 2018 an peter.maser@t-online.de.


Impressum

Vorsitzender

Matthias Haase Heichelheimer Gasse 21 99439 Kleinobringen Tel. 03643 | 418888 matthias-haase@t-online.de

Schatzmeisterin

Claudia Pohland Kirchplatz 16 06642 Kaiserpfalz OT Bucha cpohland@aol.com

Schriftführerin

Dr. Anne Hultsch a.hultsch@web.de

Redaktion

Prof. Dr. Peter Maser Berbigstraße 7 06628 Naumburg OT Bad Kösen Tel. 034463 | 62490 peter.maser@t-online.de

Gestaltung

David Ortmann Haunstetter Straße 12 86161 Augsburg Tel. mob. 0176 | 50071529 david.ortmann@gmail.com

Archivar

Dr. Klaus-Dieter Fichtner Richard-Kanzler-Straße 1 06628 Naumburg OT Bad Kösen Tel. 034463 | 27544 fichtnerkd@t-online.de

Gesamtherstellung

Druckerei Schöpfel GmbH www.druckerei-schoepfel.de

Konten Pförtner Bund e. V.

Mitgliedsbeitrag 40 Euro Postbank Hamburg IBAN: DE15 2001 0020 0010 5842 00 BIC: PBNKDEFF Deutsche Bank Naumburg IBAN: DE46 8607 0024 0646 3376 00 BIC: DEUTDEDBLEG

Melanchthon-Stiftung

Sitz der Stiftung: Bielefeld Christian Klinghardt Wallotstraße 29 01309 Dresden Tel./Fax. 0351 | 3161427 elisachris@gmx.de Volksbank Hamburg Ost-West IBAN: DE80 2019 0206 0053 2226 01 BIC: GENODEF1HH1

Stiftung Schulpforta

– Stiftung des öffentlichen Rechts – Prokurator Arndt Gerber Schulstraße 22 06628 Schulpforte Tel. 034463 | 61761 mit Online-Shop www.stiftung-schulpforta.de info@stiftung-schulpforta.de

8 Foto (4. Umschlagseite): Trovor Johnson, Weimar

Herausgeber

Pförtner Bund e. V. Schulstraße 22 06628 Naumburg OT Schulpforte vorstand@pforta.de www.pforta.de


Nr. 70 | 2017 017 2

Profile for David Ortmann

DIE PFORTE Nr. 70/2017  

Die 70. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

DIE PFORTE Nr. 70/2017  

Die 70. Ausgabe der Mitgliederzeitschrift des Pförtner Bundes e.V.

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