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Wir t scha f t

Juli 2017 Ausgabe Nr. 15 gratis

Mega-Projekt

Güterbahnhof in Freiburg

Die Zukunft der Risiko-Händler Wie die EZB den Regionalbanken die Erträge klaut Interview

Integration

Innovation

IHK-Chef Steffen Auer über Bürokratie und Brexit

Der Kummer mit den Kümmerern

Die Super-Bikes von Roc-Ket Cargo


Editorial

Fremdbestimmt in Risiken Zählen Regionalbanken bald zu den bedrohten Arten?

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Foto © ns

tolze 150 Jahre ist die Freiburger Volksbank in diesem Jahr geworden. Klangvolle Namen wie Christian Mez, Victor Usländer oder Fabrikant Franz Morat hatten am 13. Januar 1867 den Vorläufer, die Freiburger Gewerbebank, gegründet. Übrigens hafteten damals die Gründungsväter mit ihrem eigenen Geld für die Risiken des Bankgeschäfts. Das ist ziemlich genau das Gegenteil von dem, was heute in einer Regionalbank passiert. „Wir sind Händler in Risiken, wenn man uns das verbietet, können wir keine Geschäfte mehr machen“, sagt der Volksbank-Chef Uwe Barth im Gespräch mit business im Breisgau. Die überbordenden Regularien, denen er gehorchen muss, die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, das fesselt selbst einen so gestandenen Banker wie ihn in seinem Tun. Ein Gespräch über die Zukunft eines Geschäftsmodells, das bald zu den bedrohten Arten zählen könnte. Gesprochen haben wir auch mit dem Präsidenten der IHK Südlicher Oberrhein, Steffen Auer. Es sei „weit entfernt von leerem Gerede“, wenn Betriebe angesichts der neuerlichen Gewerbesteuererhöhung daran denken, Freiburg zu verlassen, sagt er. Was den Chef aber mehr beschäftigt, sind immer mehr Bürokratie und immer weniger Fachkräfte. Nicht lange geredet, sondern gehandelt hat Thomas Ketterer. Der Mann ist im normalen Leben bei einem Pharma-Un-

ternehmen angestellt, hat aber nebenbei in seiner Freizeit ein Elektro-Lastenrad ersonnen, das derzeit „mit Abstand das Beste“ auf dem Markt ist, wie ein Tübinger Unternehmer uns erzählt hat. Ein Besuch in einem Garten im Freiburger Stadtteil Waltershofen. Besucht haben wir auch ein Quartier, in dem derzeit gebaut wird wie nirgendwo sonst in der Stadt – den Güterbahnhof. Auf zehn Seiten zeigen wir, wer sich dort alles tummelt, welche Firmen die Pioniere auf dem Areal waren, wer aktuell wo was baut und haben dabei auch einen Seitenblick auf die Podarcis muralis, die dort ansässige Mauereidechse, geworfen. Exklusiv recherchiert haben wir zudem, dass der bekannte Freiburger Projektentwickler Thomas Hohwieler den StrabagKonzern verlassen hat und CEO bei einem Mittelständler geworden ist; dass die Ganter-Grundstücksgesellschaft einen langfristigen Vertrag mit der Rückgrat-Gruppe aus Freiburg unterzeichnet hat oder auch dass die Tage des Smart-Centers in Freiburg gezählt sind. Wir wünschen anregende Lektüre. Herzlichst,

Ihr Lars Bargmann Chefredakteur 5 Anzeige

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Inhalt Weinwirtschaft

Titel

Der Badische Winzerkeller  bilanziert positiv – auch wenn er sich mal verrechnet 

Warum sich die Volksbank bei ihrem Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen Sorgen um die Zukunft macht 

Familienunternehmen

6-7

Lobbyismus

Projekte

Wie der Gewerbeverein Elzach vom  Sorgenkind zum Musterschüler  geworden ist 

Ganter gewinnt Rückgrat-Gruppe  5

Bilanzen

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Menschen & Meldungen

Freiburgs Baugenossenschaften  mit guten Zahlen  8 - 9 Die Schwarzwaldmilch GmbH will  eine eigene Käserei bauen 

10

Die familiäre Kopfmann  Elektrotechnik GmbH 

36

Die Power-Lastenräder  aus Waltershofen

37

Arbeitsmarkt

Interview IHK-Präsident Steffen Auer über die wirtschaftliche Lage in Südbaden, den Brexit, den Fachkräftemangel und Bürokratismus  12 -13

Entwicklungsgebiete Auf dem Güterbahnhof Nord in Freiburg wird mehr als eine Milliarde Euro verbaut. Von Firmen, die schon früh die Weichen gestellt haben, Echsen, die ihre Schutzräume bekamen, Maklern, für die der Bahnhof wichtig wie nichts anderes ist,  sozialem Wohnungsbau, neuen Läden und alten Gemäuern. 14 -23

Forschung Stress nach Feierabend:  Wichtig sind klare Regeln 

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24

Haufe wird Digital Champion / Hohwieler verlässt die Strabag / EBM Papst investiert / Preis für Turbomessgerät / Gala in BadenBaden / Sick AG zählt zu Top-100 in  Europa / Hickhack um Rhodia / Szanto verkauft Porsche-Zentren / Sparkasse siegt bei Focus Money  26 - 31

Herausgeber: chilli Freiburg GmbH Neunlindenstr. 35, 79106 Freiburg fon: 0761-292 70 60 | fax: 0761-292 70 61 bargmann@chilli-freiburg.de www.business-im-breisgau.de

Integration

Expertenmeinungen

So wird das nichts: IHK übt Kritik am Landkreis Emmendingen 

Der Freiburger Steuerberater Erik Herr über Bürokratieentlastung  28

Automobil

Der Freiburger Wirtschaftsprüfer Mathias Hecht über teure Gartenpartys  32

Nachhaltigkeit Badenova spart CO²-Ausstoß von 280.000 Autos / Gewerbepark Breisgau baut  Wärmenetz aus  34

Smart Center in Freiburg vor dem Aus / Der Schlüssel zum Erfolg  beim Autohaus Tabor 

Geschäftsführung: Michaela Moser (ViSdP) Redaktion: Lars Bargmann Autoren dieser Ausgabe: Tanja Bruckert, Till Neumann, Dr. Stephan Pawellek, Philipp Peters, Erik Herr, Isabel Barquero, Mathias Hecht

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44 - 45

Fakten bitte Die Welt, die Wirtschaft in Zahlen 

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14

IMPRESSUM business im Breisgau

Mehr als 12.000 Menschen sind  in der Region ohne Job / Bachelor-  versus Masterabschlüsse /  Wichtige Termine  38 - 42

46 38

Titel: © istock.com/sam_ding Fotograf: Neithard Schleier Grafik: Anke Huber Lektorat: Beate Vogt Anzeigen: Jonas Stratz (Leitung), Malika Amar, Christina Miklusch


Vereine

Die Reanimation einer halbtoten Institution Gewerbeverein Elzach: Vom Sorgenkind zum Musterschüler

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Foto: © spk

ewerbevereine sind freiwillige Vereinigungen von Unternehmern, um gemeinsam wirtschaftliche und politische Interessen besser vertreten zu können. Klingt gut, hat aber oft den Nachteil, dass Rivalitäten, Desinteresse oder das Fehlen eines gemeinsamen Zieles die Arbeit des Vereins obsolet machen: Nicht wenige dümpeln daher träge und wirkungslos vor sich hin. Der in Elzach hat genau das erlebt: Überalterung, Desinteresse, Trägheit. Heute gilt der Gewerbeverein jedoch bundesweit als Musterbeispiel und wird gern als Vorbild empfohlen. Elzachs Bürgermeister Roland Tibi berichtet, dass der „alte“ Verein eine „Mischung aus Jammern und Fordern“ gewesen sei, räumt aber auch ein, dass man nicht so recht miteinander konnte. Das änderte sich, als der Schuhhändler Ulrich Volk an die Spitze des Vereins gedrängt wurde. Er verpasste dem Gewerbeverein ein Leitbild, in dem nicht nur einzelne Ziele festgehalten wurden, sondern auch klargemacht wurde, weshalb diese Institution so wichtig ist. Dann entrümpelte er den Vorstand, der überaltert war, und führte Fachgruppen ein: War der Verein bis dahin vom Handel und Handwerk dominiert worden, so fanden sich nun auch Gastronomen, Freiberufler, Banken, Gründer, Industriebetriebe und Verbraucher in eigenen Untergruppen wieder. Diese stellen Vorstandsmitglieder, arbeiten aber sonst selbstständig. Bei Gruppenaktionen wird abgeklärt, ob andere Gruppen einbezogen werden können – beim Trödelmarkt stellt dann etwa die Gastro-Gruppe die Ver-

pflegung. Eine Geschäftsstelle nimmt Bürgeranregungen entgegen, bearbeitet Mitgliederanfragen und -anregungen. 88 meist überalterte Mitglieder zählte der Verein 2014, heute sind es 122, darunter sehr viele junge Unternehmer. Und Ulrich Volk tingelt inzwischen von Verein zu Verein und stellt sein Konzept vor – Motto: „Hier sind Ideen, wie ein Gewerbeverein Fahrt aufnehmen kann!“ Man muss sich, sagt er, von „Miesmachern und Bremsern“ trennen, man muss „die Jugend ins Boot holen, denn die sind die Zukunft – des Vereins wie des Gewerbes am Ort.“ Und, so sein Credo, man muss klarmachen, dass Stadt und Gewerbeverein nicht nur im gleichen Boot sitzen, sondern auch Ulrich Volk stellt seine Arbeit im Gewerbeverein Elzach bei der Mitgliederversammlung des Gewerbevereins in Müllheim vor.

Sich von Miesmachern und Bremsern trennen das gleiche Ziel haben: Prosperität für die Kommune. Daher gibt es einen erfolgreichen runden Tisch, an dem Gewerbeverein, Gemeinderat und Bürgermeister sich besprechen, Ziele abstecken, Friktionen abbauen, Aktionen planen. „Mitmachen“ heißt bei allen Beteiligten die Devise. Volk gibt aber auch zu, dass diese erfolgreiche Reanimation nicht nur sein Alleinverdienst ist: Man könne miteinander, sagen er und Bürgermeister Tibi und: „Wir hatten auch professionelle Begleitung.“ Die Endinger Agentur für professionelles Stadtmarketing Meyer & Koch stand zur Seite und liefert auch heute noch Input für Veranstaltungen wie beispielsweise den „Schwarzwald

Heimat Markt“, an dem Ende April Elzach zum Tummelplatz verschiedenster Anbieter unter dem Rubrum „Heimat“ wurde – und tausende Besucher anzog. Elzachs runderneuerter Gewerbeverein ist mehr als die Verbindung von Gewerbe und Politik oder eine Pressure-Group für Kaufkraftbindung am Ort. Der Verein agiert, zusammen mit der Ortsverwaltung, für den Ort, weil nur in dieser Partnerschaft die Gemeinde prosperieren kann. Und das wiederum den Vereinsmitgliedern hilft. Wäre der Ausdruck nicht so abgedroschen, so müsste man Ulrich Volk bescheinigen, dass er mit seiner Vereinssanierung eine „Win-Win-Situation“ für Ort und Gewerbe geschaffen hat.   Stefan Pawellek

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Titel

Händler in Risiken Die Volksbank beschäftigt sich im Jubiläumsjahr mit Zukünften

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ie Freiburger Volksbank macht sich nach 150 Jahren eigener Geschichte Gedanken ums Morgen. Statt ein Jubiläumsbuch mit Blick auf das Geleistete an Kunden zu verteilen, hat der Vorstand um Uwe Barth, Stephan Heinisch und Volker Spietenborg einen Event in der Messe veranstaltet, bei dem es

um Zukünfte ging, ein kleines Büchlein herausgegeben und unter zukuenfte.de ein Online-Magazin in die weite Welt gesetzt. „Normal wäre, zurückzublicken“, sagt Barth bei einem Kaffee mit bib-Chefredakteur Lars Bargmann. Er aber blickt nach vorn. In eine sich immer schneller drehende Welt, auch Bankenwelt.

Visualisierung: © istock.com/sam_ding

Blick in die Zukunft: Wo sind die Grenzen des Digitalen? Digitalisierung, Regulatorik und Niedrigzinsphase: War der Banker früher auch als Unternehmer gefragt, steht er heute genau vor diesen drei zentralen Herausforderungen der Zukunft. Heute hat die Volksbank 10 Prozent rein digitale Kunden, 35 bis 40 Prozent internetscheue oder gar Abstinenzler und mehr als die Hälfte hybride, die online können, aber auch mal einen Berater sehen wollen. 2030 wird jeder Vierte die Bank ausschließlich digital beanspruchen, weniger als fünf Prozent werden noch analog sein. Die entscheidende Zukunftsfrage für einen Banker lautet, ob sich bestimmte Dienstleistungen im Finanzsektor mal ganz von Menschen loskop-

peln lassen. Wie gut ist ein Mensch bei komplexen Fragen, etwa die der Altersvorsorge oder die einer wirklich zum Anleger passenden Geldanalage? Die Alternative zu Fleisch und Blut heißt Algorithmus.

Ist das Persönliche unverzichtbar?

re Gewerbebank“ sein wird, in der das Persönliche unverzichtbar ist. Eine solche Bank muss sich auf die komplexeren Dienstleistungen fokussieren, die einfachen werden Maschinen übernehmen in einer hochdigitalisierten Welt. Es wird in 20 Jahren vermutlich weniger Kunden geben, es wird sicher viel weniger Filialen geben – und auch weniger Mitarbeiter.

Vermutlich macht der Kunde der Zukunft das meiste mit der Maus, wird aber für komplexe Themen topgeschultes Personal beanspruchen wollen. Barth glaubt, dass die Volksbank in 20 Jahren „eine noch ausdifferenzierte-

„Unsere Gesellschaft hat, anders als einige andere, noch einen Kitt, weil die Balance da ist zwischen links und rechts. Anderswo auf der Welt, nicht nur in Amerika, fallen Gesellschaften auseinander.“ Die Frage ist: Wie selbstverständlich ist sozialer Friede? Und was kostet er?

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Titel

Eine digitale Regionalbank mit hochqualifiziertem Personal und hochdigitalen Kundenkanälen, das ist auch eine Chance: „Wenn wir das alles auch perfekt spielen können.“ Denn das könne keine Großbank und auch keine Direktbank. Barth nennt das „strategische Stärke“. Das regionale Bankgeschäft wird dann bleiben, wenn weiterhin analoge Kommunikation nötig ist und nicht alles Robotern und dem Preiswettbewerb untergeordnet wird. Um die stürmischen Zeiten gut zu überleben, dafür brauche eine Bank aber auch „eine gewisse Größe“ und eine gewisse Zahl an Kunden. Bis 2020, 2021 wird die Volksbank aber wegen der andauernden Niedrigzinsphase bis zu 25 Prozent ihres Zinsertrages verlieren. Das sind 15 Millionen, die ungefedert aufs Ergebnis drücken werden. Starker Tobak für die Regionalbanken. „Eine starke Bank kann den Unternehmern bei Kreditrisiken helfen. Wenn sie keine Erträge mehr hat, dann kann sie das nicht mehr.“ Deutschland muss ein Stück seines Reichtums an Europa abgeben, um den Frieden zu bewahren. Ist die Niedrigzinsphase, in der sich Staaten, die über ihre Verhältnisse gelebt haben und sich jetzt auf Kosten anderer entschulden, nicht schon indirekt eine Transferleistung? Barth nickt.

Im Prinzip läuft derzeit eine gigantische Umverteilung: Die regionalen Kreditinstitute, Sparkassen wie Volksund Raiffeisenbanken, zahlen die Zeche für die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Mit deren Nullzinsstrategie entschulden sich Staaten, auch Bundesfinanzminister Wolfgang

Niedrigzinsphase ist ein Euphemismus – es ist ein Zustand Schäuble, Sparer kriegen nichts mehr für ihr Geld oder werden sogar kalt enteignet. Peu à peu. Und was soll sich in den nächsten Jahren in Griechenland, in Spanien, Italien oder Portugal groß verändern? Die Niedrigzinsphase ist schon ein Euphemismus, sie ist eher ein Zustand. Aber: Die Schweizer haben gelernt, damit umzugehen, die Japaner auch. Die Amerikaner haben ihren Banken nach der Krise Erfolgschancen gelassen. Jenseits des Atlantiks gibt es eine small banking box. Die kleinen, die systemfernen Banken haben andere Regularien als die großen. Europa macht es anders. Nicht zum Guten der Kleinen, die nicht im weltweiten Investmentgeschäft mitmischen – mit

allen Möglichkeiten, aber auch allen Risiken. Barth will die europäische Regulatorik „nicht verteufeln“, es musste ja etwas passieren. Aber heute kommt jede Woche eine neue Vorschrift, die mit anderen Vorschriften interagiert, die nur eins gemeinsam haben: „Sie wirken gegen den Ertrag.“ Für die Regionalbanken sei die herrschende Regulatorik deutlich übers Ziel hinausgeschossen. „Wir sind Händler in Risiken, wenn man uns das verbietet, können wir keine Geschäfte mehr machen.“ Früher habe man im Aufsichtsrat über den Markt gesprochen, über Chancen, über Kredite, Unternehmer haben miteinander diskutiert. Heute geht es stundenlang um Regularien – und man darf auf keinen Fall irgendeine vergessen. Zur normalen Arbeit eines Volksbankers komme man da nur schwerlich. Die Finanzkrise und ihre Fußabtritte, die Globalisierung, die Digitalisierung und die Regulierung haben die Bankenlandschaft in den vergangenen zehn Jahren so kräftig durcheinandergewirbelt, wie in 50 Jahren davor nicht. Es gibt zwar viele Zukünfte, aber für Barths Bank nur eine mit Aussicht: die digitale Regionalbank. Oder der schleichende Untergang.  Lars Bargmann www.zukuenfte.de 5 Anzeige

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Bilanzen

Genossen in Extremen Familienheim Freiburg investiert und macht Gewinn

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Foto: © Familienheim

ie Baugenossenschaft Familienheim Freiburg hat im vergangenen Jahr 12,5 Millionen Euro in alte und neue Immobilien investiert und dabei noch 2,75 Millionen Euro Gewinn gemacht. Die Vorstandschefin Anja Dziolloß sprach bei der Vorlage einer guten Bilanz (siehe Infobox) aber auch von einer „extrem hohen“ Nachfrage nach Wohnraum und einer ebenso „extremen“ Suche nach neuen Grundstücken. Neu in den rund 2700 Wohnungen zählenden Bestand kam 2016 das in Ziegelbauweise erstellte Gebäude Meckelhof 13, das 3,2 Millionen Euro gekostet hat. Die Baupreise lagen dort – mit Grundstücksanteil – bei 3000 Euro pro Quadratmeter. „Die gesetzlichen Vorgaben, aber auch die kommunalen sind Preistreiber“, sagte Dziolloß. Preisdämpfend hingegen wirkt die Freiburger Erzdiözese, die die Quadratmeter-Mieten (im Schnitt rund 10 Euro) in 6 der 13 Wohnungen mit 1,50 Euro fördert. Auch beim aktuell im Bau befindlichen Gebäude an der Ecke Tal- und Falkensteigstraße wird die Erzdiözese aus ihrem Programm „Bezahlbares genossenschaftliches Wohnen Baden“ 9 der 13 Wohnungen bezuschussen. Hier investiert die Familienheim rund drei Millionen Euro. Nach der Premiere des Ziegelgebäudes bauen die Genossen zudem derzeit am Spittelacker im Mooswald für 1,9 Millionen Euro erstmals auch ein dreigeschossiges Holzhaus mit sechs Wohnungen – als Effizienzhaus 55. Eine kürzere Bauzeit, ein gutes Raumklima sowie die Nachhaltigkeit bildeten den Boden für den „Holzweg“. Zudem steht noch ein Neubau in Emmendingen mit sechs Einheiten auf der Agenda von Dziolloß und ihrem Vorstandskollegen Alexander Ehrlacher. In den eigenen Bestand steckte das Duo insgesamt 9,1 Millionen Euro, allein in Landwasser (Auwaldstraße) 5,7 Millionen. Damit ist dort das gesamte Quartier einmal runderneuert worden. Die nächste Sanierung steht nun an der Charlottenburger Straße in Bischofslinde an, wo die Familienheim in diesem Jahr mit der Modernisierung von 108 Wohnungen startet. Rund 20 Millionen Euro nahm das Unternehmen im vergangenen Jahr ein, 16,4 Millionen Euro stammen aus den Mieten. Viel eigenes Flächenpotenzial für mehr Mieterlöse hat die Genossenschaft in Freiburg aber nicht: Einzig im geplanten Baugebiet Zinklern in Lehen gibt es noch 6300 Quadratmeter. Hier gestaltet sich aber das Aushandeln eines städtebaulichen Vertrags zwischen Eigentümern und Stadtver-

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Aus Ziegeln gebaut: Neubau Meckelhof 13 am Seepark.

waltung offenbar etwas schwierig. Pro Quadratmeter müssten die Begünstigten der Planung mit Kosten von bis zu 250 Euro pro Quadratmeter Wohnraum kalkulieren. „Wir würden uns wünschen, wenn wir aufgrund unserer preiswerten Mieten bei der Vergabe von kommunalen Grundstücken entsprechend berücksichtigt werden“, appellierte Dziolloß an die Politik. Ins Bauträgergeschäft werde man indes nicht einsteigen. Die Durchschnittsmiete lag im vergangenen Jahr bei 6,91 Euro, wird zwar im laufenden Jahr steigen, aber, so Ehrlacher, nicht so sehr wie der Mietspiegel, der um 50 Cent auf 8,25 Euro zugelegt hat. Der Mitgliederzuwachs ist derweil ungebrochen: Seit 2007 wuchs die Genossenschaft um 3000 Menschen. Die Zahl neuer Wohnungen im selben Zeitraum liegt haushoch darunter. 4500 der mehr als 8000 Mitglieder wohnen in den 2700 eigenen Wohnungen. Von den restlichen 3500 sind etwa die Hälfte nur am Sparen und den jährlich ausgeschütteten, vierprozentigen Dividenden interessiert. Die anderen müssen sich zwei bis fünf Jahre gedulden, um bei den Genossen unters Dach zu schlüpfen.  Lars Bargmann

Die Bilanz in Zahlen  (Veränderung zu 2015) Bilanzsumme: Umsatzerlöse: Investitionen: Eigenkapital: Überschuss: Mitglieder: Spareinrichtung:

158,3 Mio. € 20,1 Mio. € 12,5 Mio. € 61,2 Mio. € 2,75 Mio. € 7963 38,6 Mio. €

(+ 5,1 Mio.) (+ 0,5 Mio.) (- 2,6 Mio.) (+ 2,6 Mio.) (+ 0,8 Mio.) (+ 401) (+ 0,8 Mio.)


Bilanzen

Disch übergibt souverän Bauverein mit einer der besten Bilanzen

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Fotos: © Bauverein

ohnen für schlanke 6,26 Euro bei einem Eigentümer, der 120 Lohntüten füllt, im vergangenen Jahr 25 Millionen Euro in Immobilen investiert hat und trotzdem 4,7 Millionen Euro Gewinn im Jahr macht und noch vier Prozent Dividende zahlt? Das geht beim Bauverein Breisgau, Freiburgs ältester und größter Baugenossenschaft. Der scheidende Vorstandschef Reinhard Disch übergibt ein sehr gut bestelltes Haus an seine Nachfolger Marc Ullrich und dessen neuen Vize Jörg Straub. Es ist eines der besten Ergebnisse in der Geschichte des Bauvereins (siehe Infobox), das Disch unlängst präsentierte. „Wir sind wirtschaftlich sehr gut aufgestellt“, sagte er, der nach 22 Jahren und aufgrund von Vorstandsquerelen (wir berichteten mehrfach exklusiv) mit leichter Verspätung nun am 1. Juli in den Ruhestand gegangen ist. Im letzten Jahr unter seiner Regie nahm der BVB 38,4 Millionen Euro ein und das Genossenschaftsvermögen wuchs um fast 11 auf 270,5 Millionen Euro – vor allem wegen der kräftigen Investitionen in den Wohnungsbau. Vor zehn Jahren waren es 100 Millionen weniger. „Mit 6,26 Euro liegen wir weit unter dem aktuellen Freiburger Mietspiegel von 8,25 Euro“, betonte Disch. Aus der Miete (2015: 6,10 Euro) steckte er 3,43 Euro in die Modernisierung, 1,67 in die Verwaltung und 1,16 in Zins und Tilgung. Weitere Mieterhöhungspotenziale schöp-

fe man bewusst nicht aus, „um unserem genossenschaftlichen Grundsatz der Mitgliederförderung gerecht zu werden“. Das quittieren die Mitglieder mit einem ungebrochenen Ansturm: Unterm Strich 1400 neue Genossen schrieben sich 2016 ein. 1700 sind aktuell als wohnungssuchend gemeldet. Die eigene Spareinrichtung legte um 5,3 Millionen Euro auf 105 Millionen Euro zu. Das sei ein deutliches Signal, weiter in den Neubau bezahlbarer Mietwohnungen, in klimafreundliche Energiekonzepte und die Bestandswohnungen zu investieren, so Sabine Pusch, die Leiterin der Spareinrichtung. 14,6 Millionen Euro investierte der BVB in den Bau neuer Gebäude, 8,4 in die Sanierung alter und 2,6 ins Bauträgergeschäft. Das Investitionsprogramm ist durchaus ambitioniert: In den nächsten fünf Jahren will der Bauverein 82 Millionen Euro für 320 neue Miet- und Eigentumswohnungen ausgeben, zudem 43 Millionen für Modernisierungen im rund 5000 Wohnungen fassenden Bestand. „Die erzielten Geschäftsergebnisse und die gute Liquidität unserer Genossenschaft bilden dafür eine gesunde finanzielle Grundlage“, sagt Disch. Um bezahlbare Mietwohnungen für Familien und Personen mit geringem oder mittlerem Einkommen errichten zu können, mischt die Genossenschaft auch künftig im Umland kräftig mit. „Wir sind ein verlässlicher Partner für viele Kommunen“, so Disch. Aber auch in Freiburg geht aktuell einiges: Im Uni Carré entstehen 141 Mietwohnungen, am Carl-Sieder-Weg 34 sowie fünf Reihenhäuser und auf den Gutleutmatten 12 Einheiten. Und bald tummelt sich der BVB auch auf dem Güterbahnhof-Areal (siehe Seite 20). Der nebenamtliche Vorstand Gerhard Kiechle erzählte, dass Landes-Sozialminister Manne Lucha unlängst die

Starker Schlussspurt: Reinhard Disch übergibt auch das Projekt auf den Gutleutmatten (unten) an seine Nachfolger. Quartiersarbeit der Genossen als „Modellprojekt“ fürs Ländle bezeichnet hat: „Darauf sind wir stolz.“ Mit einem gewissen Stolz kann nun auch Disch die Kommandobrücke verlassen. „Der Erfolg ist immer eine Teamleistung, ich werde sicherlich weiter an den Bauverein denken.“ Aber er habe auch Hobbys. Diesen kann er sich nun widmen.  Lars Bargmann

Die Bilanz in Zahlen (Veränderung zu 2015) Bilanzsumme: 270,5 Mio. €) (+ 10,8 Mio. €) Umsatzerlöse: 38,4 Mio. €) (- 2,4 Mio. €) Investitionen: 25,6 Mio. €) (+1,4 Mio. €) Eigenkapital: 89,9 Mio. €) (+ 4,1 Mio. €) Überschuss: 4,7 Mio. €) (+1,2 Mio. €) Mitglieder: 21.088) (+ 1400)) Spareinrichtung: 105,2 Mio. €) (+ 5,4 Mio. €)

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Unternehmen

Gutes Ergebnis in schwerer Zeit Schwarzwaldmilch GmbH baut Käse-Manufaktur

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Foto: © spk

ufrieden ist die Freiburger Schwarzwaldmilch GmbH mit dem Geschäftsjahr 2016: Man habe, so Geschäftsführer Andreas Schneider, in einem „sehr herausfordernden Milchmarktjahr“ mit einem „hypervolatilen Marktgeschehen“ das Geschäftsmodell des Hauses optimiert und bei Ausbau des Absatzes nur sehr leichte Umsatzrückgänge hinnehmen müssen. Das genossenschaftliche Unternehmen, das seine Milch von 1046 Höfen bezieht, erwirtschaftete bei einem Absatz von 164.239 Tonnen Milchprodukten (+ 2,9 Prozent) mit 370 Mitarbeitern einen Umsatz von 163,1 Millionen Euro (- 0,7 Prozent) und einen Gewinn von fast zwei Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum sackte indes der Umsatz bei den bundesweit 216 genossenschaftlichen Molkereien um fünf Prozent auf 11,8 Milliarden ab. Grund: Ein steigendes Milchangebot traf auf eine stagnierende bis sinkende Nachfrage. China übte sich in Kaufzurückhaltung, die erdölexportierenden Länder ebenso, Russland war aufgrund der Boykottmaßnahmen aus dem Markt ausgeschieden, ebenso die Krisenstaaten des Nahen Ostens. Als Folge machten sich vor allem im ersten Halbjahr satte Preiseinbrüche bemerkbar. Die Schwarzwaldmilch-Gruppe reagierte hierauf mit der Politik „Klasse statt Masse“ und konnte somit wachsen. „Wir sind nie zufrieden und wollen auch nie Durchschnitt sein“, formulierte Schneider sein Credo. Seine Genossen dürften es ihm danken, denn obwohl Aufsichtsratschef Markus Kaiser erneut auf die schwierige Lage der Landwirtschaft hinwies, konnten die Milchbauern sich über den zweithöchsten Milchpreis in der Republik freuen:

Mit spitzem Stift eine eigene Käserei gerechnet: Andreas Schneider.

durchschnittlich 34,66 Cent brutto pro Kilo zahlt das Unternehmen; der durchschnittliche Bio-Milchauszahlungspreis betrug 52,02 Cent pro Kilo, weitere Erhöhungen seien geplant. Dies dürfte auch Auslöser für Anfragen von Erzeugern aus dem Elsass, Bayern oder Nordrhein-Westfalen gewesen sein, die an die Schwarzwaldmilch liefern wollen. Dies widerspräche aber dem Selbstverständnis der Gruppe und beschädige den Markenkern, weshalb man solche Offerten abgewiesen habe. Aufgenommen habe man hingegen seit einigen Jahren einige Produzenten aus dem kürzlich an den französischen Milchgiganten Lactalis verkauften Erzeuger Omira. Rund 10,5 Millionen Euro investierte die Schwarzwaldmilch 2016 in die Modernisierung und den Ausbau der Produktionsanlagen, zudem habe man am Bekanntheitsgrad der Marke gearbeitet und mit dem SC Freiburg einen ins Markenbild passenden Partner gefunden. Über die finanzielle Höhe des Engagements, das langfristig angelegt sei, wollte Schneider nichts sagen.

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Mit spitzem Stift habe man die Frage einer eigenen Käserei durchgerechnet und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass sich hier eine Marken- und Marktnische auftue. Zwar sei noch kein endgültiger Beschluss des Aufsichtsrates erfolgt, das Gremium, so Kaiser, betrachte jedoch die Planung positiv, sodass voraussichtlich 2018 mit dem Bau einer „Käsemanufaktur“ begonnen werde. Dort sollen jährlich bis zu 1000 Tonnen „hochwertiger und hochpreisiger“ Käse gemacht werden, für die rund 10.000 Tonnen Milch benötigt würden. Die Kosten für den Neubau beliefen sich auf 7 bis 8,5 Millionen Euro. Über den Standort der Käserei wurde Stillschweigen bewahrt. Im laufenden Jahr läuft es bislang auch gut: Bis Ende Mai habe man – im Vergleich zum Vorjahr – ein Umsatzplus von 12,5 Prozent erzielt und Schneider erwarte, dieses Plus bis Jahresende halten zu können. Seit Herbst gingen die Preise für Milchprodukte wieder nach oben – Ursache seien weniger Anlieferungen. Das tiefe Tal, so Schneider, sei durchschritten.  Stefan Pawellek


Interview

»Weit entfernt von leerem Gerede « bib-Interview mit dem IHK-Präsidenten Steffen Auer

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nlässlich der jüngsten Mitgliederumfrage zur Konjunktur im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Freiburg/ Südlicher Oberrhein sprach Kammerpräsident Steffen Auer von der „besten Wirtschaftslage seit der Wiedervereinigung“. Alles eitel Sonnenschein also? Was mit Brexit, Bürokratie, Fachkräftemangel oder der Erhöhung der Gewerbesteuer ist, wollte bib-Autor Stefan Pawellek von Auer wissen.

Foto: © Bode

bib: Herr Auer, wie schätzen Sie die gegenwärtige wirtschaftliche Lage ein? Hält die Konjunktur? Wird man eines Tages sagen, dass ausgerechnet in Zeiten großer politischer Unsicherheit Deutschland eine ökonomische Blüte erlebte? Auer: Wir befinden uns in einer äußerst guten wirtschaftlichen Verfassung. Besonders ist an der derzeitigen Situation, dass der Aufschwung nun schon seit mehr als sieben Jahren anhält und wir in dieser Zeit im Kammerbezirk mehr als 60.000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen haben. Einen direkten Zusammenhang zu den politischen Unwägbarkeiten im Ausland gibt es dabei nicht. Entscheidend ist für uns allerdings, dass unsere Handelspartner auch weiterhin auf freien Waren- und Personenverkehr setzen können, der in den vergangenen Jahrzehnten großen Wohlstand in Europa geschaffen hat. bib: Wie ist die Lage in Südbaden? Sind die Unternehmen aufgrund ihrer Struktur – sehr viele kleine und mittlere Unternehmen – besser in der Lage, schneller auf neue Entwicklungen zu reagieren und sind sie aufgrund der Nähe zu Schweiz und Frankreich weltoffener, bereiter, global aufzutreten?

Auer: Sicher schafft die Nähe zu Frankreich und der Schweiz aufgrund der langen Tradition des grenzüberschreitenden Wirtschaftens ein gewisses Verständnis für interkulturelle Besonderheiten, das den Unternehmen auch bei Geschäftskontakten und der Einarbeitung ausländischer Arbeitnehmer zugutekommt. Der Vorteil einer diversifizierten, kleinteiligen Wirtschaftsstruktur liegt in erster Linie darin, dass man für Krisen einzelner Branchen weniger anfällig wird. Auch die kommenden Jahre werden mit der Digitalisierung und dem Umstieg auf die Elektromobilität große Umwälzungen für die Wirtschaft bereithalten. Da kann es von Vorteil sein, breit aufgestellt zu sein. bib: Gibt es Branchen, die trotz der derzeitigen Hochkonjunktur als Verlierer dastehen? Auer: Nein. Aber die Einflussfaktoren sind unterschiedlich. So hängt die Industrie von Aufträgen aus dem Ausland und dem Wechselkurs ab. Die Bauwirtschaft profitiert vom niedrigen Zinsniveau, während Dienstleistungsbranchen wie Handel oder Hotellerie davon profitieren, dass die Beschäftigtenzahl und die Reallöhne steigen. Letztlich aber gibt es viele Interaktionen zwischen den Unternehmen der verschiedenen Branchen, sodass eine gute konjunkturelle Gesamtlage auch immer für Impulse in den einzelnen Branchen sorgt. bib: Gibt es für die südbadische Wirtschaft aufgrund des Brexit Probleme? Oder sehen Sie als Kammer Friktionen erst dann kommen, wenn die Austrittsverhandlungen abgeschlossen sein werden? Auer: Dass einer unserer fünf großen Handelspartner aus dem Binnenmarkt ausscheiden möchte, ist bedauernswert. Auch zahlreiche Unternehmen unserer Region sind in Großbritannien aktiv.

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Steffen Auer: „Auch die kommenden Jahre werden mit Digitalisierung und Elektromobilität große Umwälzungen bereithalten.“ Die Zeit bis zum tatsächlichen Austritt können sie aber nutzen, um sich neu zu strukturieren, etwa Zulieferer in anderen Ländern zu suchen oder sich stärker auf andere Absatzmärkte auszurichten. Letztlich wissen wir aber noch nicht, ob und welche Handelsbeschränkungen es geben wird. Und selbst bei Einführung von Zöllen bliebe der Handel mit dem Land ja weiterhin möglich. bib: Welche anderen wichtigen Entwicklungen treiben Firmen und Kammer derzeit um? Auer: Das alles überragende Thema ist der Fachkräftemangel. Mittlerweile geben in unserer Konjunkturumfrage 60 Prozent aller Unternehmen an, dass dieser für sie zum geschäftlichen Risiko werde. Vor drei Jahren waren es nur 34 Prozent. In den Landkreisen um Freiburg herrscht mittlerweile Vollbeschäftigung mit einer Arbeitslosenquote von drei Prozent oder darunter. Und der demografische Wandel ist noch nicht abgeschlossen. In den kommenden Jahren werden weiter stark besetzte Jahrgänge aus dem aktiven Berufsleben ausscheiden. Die Folge ist, dass


Interview

die Betriebe ihre Geschäftsaktivitäten trotz vorhandener Nachfrage am Standort Oberrhein nicht mehr ausweiten können und Investitionen möglicherweise in andere Regionen fließen werden. Das müssen wir verhindern. Deshalb sind wir in vielen Bereichen aktiv, um gegen den Fachkräftemangel anzugehen: Sei es dadurch, dass wir an Gymnasien für die duale Ausbildung werben, Studienabbrecher informieren, grenzüberschreitend kooperieren oder bei der Flüchtlingsintegration helfen. bib: Welche Rahmenbedingungen, Vorschriften, Gesetze sind Ihnen ein Dorn im Auge? Auer: Branchenübergreifend sind das wohl die bürokratischen Hürden. Zwar gibt es seit zweieinhalb Jahren die „One in, one out“-Regel, die verlangt, dass Belastungen für die mittelständische Wirtschaft nur eingeführt werden dürfen, wenn andere abgebaut werden. Tatsächlich aber erleben wir stattdessen immer noch viel zu häufig Bürokratieaufbau statt -abbau, zum Beispiel durch das Mindestlohngesetz, die Elektroschrottentsorgung, das Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit oder die überbordenden Dokumentationspflichten in der Anlageberatung. Bürokratieabbau würde nicht nur die Handlungsspielräume von Unternehmen erweitern, er würde auch Kosten reduzieren.

burg verlassen: Welche Firma hat denn die Flucht angetreten oder wer plant sie? Oder war das alles nur Geschwätz? Auer: Geschwätz war das auf keinen Fall. Wir wissen von Unternehmen, die einen Umzug in Erwägung ziehen, werden aber nicht darüber sprechen, solange dieser nicht vollzogen ist. Fest steht, dass die gemeinsame Aktion von uns mit der Handwerkskammer Freiburg, dem Dehoga Freiburg-Stadt, der Südwestmetall Bezirksgruppe Freiburg, dem Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen sowie dem Handelsverband Südbaden Erfolg hatte: Die Erhöhung fiel niedriger aus als zunächst geplant. Hier sind wir also weit entfernt von leerem Gerede. bib: Herr Auer, vielen Dank für das Gespräch.

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bib: In Ihrem Kammerbezirk ist es ruhig, was Kammerverweigerer angeht: Hat diese Bewegung ihren Zenit überschritten? Oder was ist das Geheimnis der Kammer Freiburg, dass hier Ruhe und Zufriedenheit herrscht? Auer: Sie sprechen auf die Kammerkritik der Mitglieder der Industrie- und Handelskammern in Stuttgart und Hamburg an. Da gibt es spezifische Probleme vor Ort. Aber sicher erleichtert uns die Wirtschaftsstruktur hier am südlichen Oberrhein die Arbeit: Es gibt kein Unternehmen, das alle anderen überragt. Die Wirtschaftskraft hier liegt im familiengeführten Mittelstand. Ihn und die kleinen Betriebe haben wir mit unserer Arbeit im Fokus. Wir kennen die Sorgen unserer Mitglieder und versuchen, sie hier zu unterstützen. bib: Im Vorfeld der Gewerbesteuererhöhung in Freiburg haben einige Betreibe gedroht, sie würden in letzter Konsequenz Frei-

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Güterbahnhnhof

Zwischen Zollhof und Lokhalle Das Güterbahnhof-Areal bekommt langsam ein Gesicht. Manchen fehlt dabei der individuelle Zug. Aber ein Vorzeigeprojekt soll es nach dem Willen des Rathauses dennoch werden.

Anflug von Süd: 55 Fußballfelder fasst der alte Güterbahnhof in Freiburg. Unser Bild zeigt, wie er mal war. Heute wachsen neue Projekte im Eiltempo, nach dem Auszug eines Gashändlers (links unten vor der Lokhalle) werden aktuell die letzten Weichen für eine Neubebauung im Westen gestellt.

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Foto: © Stadt Freiburg

teffen Große-Ruyken steht in der Sonne. Der Mitarbeiter von Hirtler Real Estate ist aus seinem Büro am Zollhallenplatz nach draußen getreten und zeigt auf eine unscheinbare Fläche neben einer Baugrube. „Da kommt er hin.“ Er – das ist das Bauprojekt, auf das am Güterbahnhof alle warten: der Solarturm des Freiburger Architekten Wolfgang Frey. Seit Mitte Juni tut sich was auf dem Grundstück am Südzipfel des Güterbahnhof-Areals. Frey kündigt den offiziell Smart Green Tower benannten Neubau als den Leuchtturm an, den das 40 Hektar große Areal so dringend brauche. Denn von den alten Hallen und Gebäuden des Ende des 19. Jahrhunderts gebauten Güterbahnhofs ist nicht mehr viel übrig. Stattdessen gibt es an vielen Orten eher übliche Neubauten, Häuser mit viel Effizienz, aber

weniger Charme. „Was fehlt, ist spannende Architektur“, findet Johannes Zeller. Zeller ist Inhaber der Werbeagentur Quint. Auch wenn er es nicht mag, wenn man ihn „Werber“ nennt, weil das Wort nicht komplex genug erscheint. Die von Zeller und Ulrike Rossmann geschaffene Agentur war der erste neue Mieter auf dem alten Gelände. Sie sitzt mit ihrem knapp 40 Mitarbeiter starken Team im Alten Zollhof. Direkt neben der Baugrube und neben dem Immobilienbüro, auf dem außen Aurelis steht, in dem aber Steffen Große-Ruyken seine Arbeit tut. Als Partner von Aurelis, wie er sagt. Vor drei Jahren hatte Frey seine Idee von einem gut 50 Meter hohen Turm vorgestellt, der sich unter anderem über eine mit Solarpanelen bestückte Fassade komplett selbst mit Energie versorgen soll. Dann hat man lange Zeit nichts von dem Projekt gehört, außer hier und da mal eine Absichtserklä-

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rung, Planänderung oder eine Stellungnahme aus Politik oder Wirtschaft. Der Turm war kurz davor, zum Treppenwitz der Freiburger Bauwirtschaft zu werden. „Hast du schon gehört? Der Frey will einen Turm bauen!“ „Ja, ja – genau!“ Nun wird es tatsächlich passieren. Der Freiburger Güterbahnhof ist ein Beispiel dafür, wie sich die Bürger gegen realitätsferne Pläne im Rathaus wehren. Denn eigentlich war geplant, den Bahnhof gegenüber dem Hauptbahnhof zu bauen – mitten im Stadtteil Stühlinger. Doch dagegen gab es damals schon massive Proteste aus der Bevölkerung. 120 Jahre ist es her, als die Südbadener schon wussten, was ein Wutbürger ist. „Nai hämmer gsait!“ – so oder so ähnlich schallte es damals durch die Stadt, was dazu führte, dass der Güterbahnhof nicht an den äußeren Rand der Innenstadt gepflanzt wurde, sondern in das damals noch unerschlossene Gebiet, aus dem dann der Stadtteil Brühl gewachsen ist.


Foto: © Aurelis Real Estate

Auf Echs! Ein Prosit auf die Reptilien

F Die Lokhalle im Abendlicht: Bis 1983 wurden hier Züge gewartet – auch der Orient Express. Heute tummeln sich kreative Firmen in dem Kulturdenkmal.

Die Bauarbeiten dauerten von 1901 bis 1905. Im Ersten Weltkrieg wurde hier eine Art logistische Drehscheibe für Verwundete eingerichtet. Sie wurden vom Güterbahnhof aus auf die verschiedenen Lazarette in der Stadt verteilt. Im Zweiten Weltkrieg wurde auch der Güterbahnhof Ziel von Luftangriffen der Alliierten. Kurz vor Kriegsende gab es in vier Monaten sechs Bombenabwürfe – den letzten am 13. Februar 1945. Den offiziellen Namen Güterbahnhof gab es dann erst seit den späten 1970er-Jahren. Und erst vor knapp drei Jahren verschwanden die Güterzüge von der Bildfläche. Zu diesem Zeitpunkt wurde aber bereits fleißig an der Zukunft des fast 60 Fußballfelder großen Areals gearbeitet. Bereits 2001 hatte die Stadt einen Pakt mit der Deutschen Bahn geschlossen, der die Flächen seinerzeit noch gehörten. Der Betrieb auf dem Güterbahnhof war zu dieser Zeit bereits stark rückläufig. Noch im selben Jahr wurde der erste Bebauungsplan der neuen Ära im Gemeinderat beschlossen. Zwei Jahre später gingen die Flächen an die Immobilientochter der Deutschen Bahn – Aurelis. Sechs Jahre später – in der Zeitrechnung von Stadtplanern und Projektentwicklern kaum mehr als ein Wimpernschlag – begann mit der Sanierung der Zollhalle eine neue Epoche.

„Die Stadt ist damals an uns herangetreten“, erinnert sich Quint-Chefin Ulrike Rossmann. Schaut man auf die, die heute da sind und vorher nicht da waren, gehört Quint fraglos zu den Pionieren. Freiburgs größte Werbeagentur saß zuvor in einem schmucklosen Zweckbau an der Basler Straße. Unverbauter Blick auf eine Tankstelle. FastFood-Restaurant und Discounter fußläufig erreichbar. Charme und Charakter? Fehlanzeige! So gesehen ist der Plan von Quint aufgegangen. Die Zollhalle mit ihren Seitenflügeln ist einer von drei Zeugen aus der alten Zeit – neben der Kantina und der Lokhalle. Alles andere ist dem Plan von einem neuen Quartier rund um die Gleislandschaft gewichen. Bei dem, was erhalten wurde, waren die Denkmalschützer streng. Vorne am Zollhof prangt immer noch eine alte Holztür. Dahinter ein fester Kasten aus Glas als Klima- und Sicherheitsschleuse. Zeller rümpft seinen Bart. „Besonders gut isoliert ist es natürlich nicht – aber uns gefällt es trotzdem.“ Die hohen Decken und breiten Gänge sind nach heutigen Standards der Flächennutzung und Energieeffizienz kaum zu rechtfertigen. Die schöne Atmosphäre der hohen Hallen mit den gläsernen Wänden ist das, was Firmen brauchen, die über die Architektur und Bürowelten strahlen wollen. 

Logistische Drehscheibe für Verwundete

reiburg hat seit jeher eine gestörte Liebesbeziehung zu bedrohten Arten. Natürlich will kein Freiburger je in Verdacht geraten, ihm seien Naturschutz, Artenvielfalt und ökologisches Gleichgewicht egal. Doch taucht die gefährdete Kreatur im eigenen Hinterhof auf, wird der Öko ganz schnell zum Nimby: „Not in my backyard“. Artenschutz ist ja ganz schön, aber muss es ausgerechnet da sein, wo meine neue Garage hin soll? So gesehen hat die Mauereidechse viel mit dem Flüchtling gemein. Der ist auch den meisten aufgeklärten Menschen willkommen. Wenn aber Pläne für eine Unterkunft in der Nachbarschaft publik werden, wird sofort Zeter und Mordio geschrien. Da ist mein Häusle ja nur noch halb so viel wert! Es gilt als gesichert, dass auch die meisten der geschätzt 300 Mauereidechsen am Güterbahnhof einen Migrationshintergrund haben. Die kleinen Reptilien sind in Südeuropa deutlich weiter verbreitet als im Süden Deutschlands. Heute findet man sie vor allem auf Güterbahnhöfen, wo sich die Echse in den Gleisbetten pudelwohl fühlt. Für den Artenschutz wurde auf dem Areal ein fünf Hektar großer Grünstreifen eingezäunt. Auf dieser Fläche könnte man problemlos 144 im Schnitt 1,82 Meter große Fußballspieler im Wettkampfmodus artgerecht halten. Oder eben doppelt so viele Eidechsen, 25 Zentimeter lang. Der Zaun und seine Schilder sagen: „Weg da! Hier wohnen Eidechsen!“ Doch, nun ja, die Eidechsen verstehen gar keine deutschen Hinweisschilder, weil sie ja Migranten sind. Folglich kriechen und hängen sie überall rum. Es soll sogar Freiburger geben, die das freut. Philipp Peters

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Güterbahnhnhof

Doch auf dem Areal müsse man außergewöhnliche Architektur mit der Lupe suchen, sagen Kritiker. Aber wie soll es in einer Großstadt, die zu wenig Fläche für ihre Einwohner hat, auch anders sein? Hier wird hoch gebaut, glatt und wirtschaftlich. Aurelis hat dieses Prinzip ausgereizt. Frey will mit seinem Smart Green Tower zumindest optisch einen Gegenpol setzen. Doch auch die von ihm finanzierte 50-Millionen-Euro-Investition muss sich am Ende des Tages rechnen. Darum ist der 16-stöckige Turm kein Solitär, sondern bekommt zwei Seitenflügel, einer mit fünf und einer mit sieben Etagen, 16 und 22,5 Meter hoch. Außerdem gibt es eine Garage mit 250 Stellplätzen. In

Vorzeigebeispiel für eine sinnvolle Neunutzung einer Brache den oberen Etagen entstehen 70 Einbis Vierzimmer-Wohnungen. Sie nehmen allein 4500 Quadratmeter Fläche ein. Die übrigen 3200 Quadratmeter im Turm sind für Büros und auch als Boarding-Unterkünfte gedacht. Auch die beiden Seitenflügel werden Büroblöcke. Wenn in ein paar Jahren alles bebaut ist, dann sollen auf dem Areal etwa 2000 Menschen wohnen. Wie viele hier dann arbeiten werden, lässt sich seriös nicht sagen. Der Zollhof und die von den beiden Freiburger Projektentwicklern Lars Bargmann und Frank Böttinger revitalisierte Lokhalle mit dem geplanten Kreativpark sollen die Fixpunkte mit viel historischem Flair sein. Freys Hochhaus gilt als Leuchtturm. Den Güterbahnhof als Ganzes wünscht sich die Stadt Freiburg als Vorzeigebeispiel für eine sinnvolle und effiziente Neunutzung einer Brache mitten in der Stadt. Eine Milliardeninvestition im Herzen der City. Großstadt mit grünem Flair – ganz so, wie Freiburg sich am liebsten sieht.  Philipp Peters 16 | chilli | business im Breisgau | 07.2017

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ine Segel-Regatta am Bodensee, ein Wild West Duell, eine Spielshow „Schlag die Kollegen“ oder eine Oldtimer-Spritztour – wie Firmenveranstaltungen zum Erlebnis werden, weiß die Eventagentur mehrpunkt. Seit 2011 planen Petra Reutlinger und Nicolas Häbel zusammen mit ihrem Team mehr als 300 Events im Jahr. Dabei gibt es (fast) keinen Wunsch, den sie nicht erfüllen können. „Oft sind es nur Kleinigkeiten, die den Unterschied machen“, weiß Geschäftsführerin Petra Reutlinger. So manchen Pitch haben sie damit schon gewonnen, so manchen Kunden überzeugt. Etwa beim Tag der Offenen Tür einer Mülldeponie in Ringsheim: Mit Zelten in organischen Formen, die sich der Natur anpassten, Stehtischen aus Mülltonnen oder einem überzeugenden Gastronomiekonzept hatte mehrpunkt 2016 diese öffentliche Ausschreibung für sich gewonnen. Von der Fotodokumentation über die Verkehrsleitung bis hin zum Teilnehmermanagement – bei solchen Events kann sich der Kunde darauf verlassen, dass sich das Team von mehrpunkt um jedes noch so kleine Detail kümmert. Zudem werden die Veranstaltungen voll und ganz auf den Kunden angepasst. „Keine Feier ist wie die andere“, sagt der 33-jährige Häbel.


Güterbahnhnhof

Erlebnisse schaffen: Auf jeden Extrawunsch eingehen.

»Keine Feier ist wie die andere«

Fotos: © mehrpunkt

Eventagentur mehrpunkt setzt auf emotional packende Veranstaltungen Während langjährige Kunden meist ganz auf die Expertise der Eventplaner setzen, möchten sich viele Unternehmer zunächst ein Bild von den Möglichkeiten machen. Denn das klassische Zusammensitzen und Essen würde für Betriebsfeiern oder Jubiläen kaum noch nachgefragt: „Es geht vielmehr darum, etwas zusammen zu erleben.“ Vor fünf Jahren haben die Agenturbetreiber daher als „Die Weihnachtsplaner“ einen Katalog entwickelt, ein Jahr später folgte die Sommerversion. Firmen können hier zu einem festen Preis komplette Pakete für ihre Weihnachtsfeiern, Kick-Off s, Incentives oder Sommerfeste buchen – von der Brauhaustour über Teamkochen bis hin zur großen Gameshow-Parade. „Das funkti-

oniert wie ein Reisekatalog“, erklärt Häbel. Dass sie bei diesen Paketen trotzdem auf jeden Extrawunsch eingehen, ist für die Eventplaner selbstverständlich. Dabei hilft dem fünfköpfigen Team vor allem sein großes Netzwerk. „Über unsere jahrelang aufgebauten Kontakte

Von Brauhaustour bis Gameshow-Parade können wir auch so manchen Wunsch erfüllen, der eigentlich das Budget übersteigt – oder mit Geld gar nicht zu kaufen ist“, sagt Reutlinger und führt als Beispiel eine kürzliche Incentivereise nach Hamburg an. Eigentlich wurden an

diesem Termin aufgrund eines Konzerts keine Führungen durch die Elbphilharmonie angeboten – ihre Kontakte machten es dennoch möglich. Diese Extras gehören zu den Gründen, warum Reutlinger und Häbel vor allem Stammkunden haben oder Kunden, die auf Empfehlung zu ihnen kommen. Andere lernen mehrpunkt wiederum über die LOKation kennen – ihren Eventraum zum Kochen und Feiern in der Alten Lokhalle am Güterbahnhof. Die Agentur hat hier als Mieter der ersten Stunde ihre Büros. Und wer in den Keller hinabsteigt, findet sich in einem Raum der ganz besonderen Art wieder: einem detailgetreuen Gefängnis – dem Team-Escape-Room „Jailbreak“.  tbr 5 Anzeige

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GĂźterbahnhnhof

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Güterbahnhnhof

» Erfolgsgeschichte « Die S-Immo hat auf dem Güterbahnhof schon 180 Wohnungen vermittelt

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er Güterbahnhof ist für Freiburgs Makler derzeit das Objekt der Begierde. Denn dort wurden und werden Wohnungen für bis zu 2500 Menschen gebaut. Die wollen auch vertrieben werden. Der größte Player bisher: die Immobiliengesellschaft der Freiburger Sparkasse. 60 Wohnungen in den beiden Stadtvillen des Karlsruher Investors Paul

Heinze hat S-Immo-Mitarbeiter Nils Müller vermittelt, dazu die Hälfte von 90 Studenten-Apartments und gut 20 Einheiten für betreutes Wohnen. Für formart, jetzt Instone Real Estate, an der Eugen-Martin-Straße weitere 56 Wohnungen in den beiden Häusern, in denen unlängst Richtfest gefeiert wurde. Hier vermarktet Müller noch drei Gewerbe-Einheiten. Der Quadratmeter kostet netto 2500 Euro. „Der Güterbahnhof war die letzten zwei Jahre der

entscheidende Erfolgsfaktor für uns und damit das ideale Abschiedsgeschenk für meinen Vorgänger Thomas Schmidt“, sagt der neue S-Immo-Geschäftsführer Oliver Kamenisch. Er sei aktuell wieder mit zwei Bauträgern im Gespräch, die im zweiten Teilabschnitt bauen wollen. Da das Baudezernat dafür aber noch am Planungsrecht arbeitet, müsse man abwarten, ob die „Erfolgsgeschichte“ am Güterbahnhof weitergehe.  bib

Areal mit Nahwärmeanschluss Urbana auf dem Güterbahnhof Die Badenova gab sich zögerlich, obwohl der Vertrag zwischen der Stadt Freiburg und der Güterbahnhof-Eignerin Aurelis Real Estate sie als Wärmelieferanten schon in Position gebracht hatte. Und so nahm der Hamburger Energiedienstleister Urbana das Risiko auf sich und baute auf dem Güterbahn-

hof ein Erdgas-Blockheizkraftwerk, dass das Quartier mit umweltschonender Fernwärme versorgt – optional auch mit Strom. Einige Gebäude sind bereits ans Netz angeschlossen, neue, aber auch alte wie die Lokhalle. Mit dem Freiburger Projekt zeigt Urbana ein zukunftsfähiges Quar-

tiersversorgungskonzept. Eine gute Wirtschaftlichkeit mit hoher Energieeffizienz und CO²-Reduzierungen zu vereinen, das hat Urbana schon in vielen Städten geschafft. Mehr als 100.000 Wohnungen werden heute von Urbana beliefert.  bib 5 Anzeige

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Güterbahnhnhof

Genossen auf dem Güterbahnhof Bauverein Breisgau baut 50 Mietwohnungen

Massivität des Baukörpers aufgelöst: Der Siegerentwurf von Laux Architekten.

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er Bauverein Breisgau wird auf dem Güterbahnhof in Freiburg 50 Mietwohnungen und Gewerbeflächen bauen. Das Münchener Büro Laux Architekten hatte bei einer Mehrfachbeauftragung die Jury mit einem „sehr mutigen Entwurf“, so Bauvereinsvorstand Reinhard Disch, überzeugt.

Visualisierung: © Laux Architekten

Er vereint genossenschaftliches Wohnen und flexible Gewerbeflächen in einem städtebaulich prägnanten Gebäudeensemble. Auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Winkelgrundstück zwischen Eugen-Martin-, Zita-Kaiser- und Elisabeth-Geissler-Ruckmich-Straße ent-

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stehen rund 10.000 Quadratmeter Wohn- und Gewerbeflächen. Die Gebäude werden im Freiburger Effizienzhausstandard KfW 55 errichtet, sie sollen 2020 bezugsfertig sein. Da die zukünftigen Nutzer der Gewerbeflächen noch nicht feststehen, bestand die Planungsaufgabe zum einen darin, eine flexible Grundrissgestaltung der Gewerbeeinheiten zu ermöglichen. Und zum anderen, auch architektonisch Akzente zu setzen. Das schafft etwa ein bepflanztes Terrassenplateau in der ersten Wohnetage, das als Begegnungsraum für die Mieter gedacht ist. Verbunden ist es über eine Treppe und barrierefrei über einen Aufzug mit einem ebenerdigen Gartenhof, sodass großzügige Gemeinschaftsflächen entstehen. „Die Fassaden der gut proportionierten Baukörper sind je nach Gebäudetyp – ob Gewerbebau oder Mietwohnungsbau – differenziert ausgestaltet. In der Gesamtwirkung lässt ein durchgängiger Terrassensockel ein zusammengehöriges, in sich stimmiges Ganzes entstehen“, hieß es in der Begründung. Die städtebauliche Qualität des Entwurfs zeige sich nicht zuletzt darin, dass die an den Gebäudeecken platzierten Loggien die Massivität des Baukörpers auflösen und dem Ensemble einen freundlichen Charakter verleihen, erläutert das Preisgericht.  bib


Güterbahnhnhof

formart erfolgreich auf dem Güterbahnhof Alle 56 Eigentumswohnungen vermarktet

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Foto: © formart

chon beim Richtfest konnte formart-Geschäftsführer Harald Meerße ein „Ausverkauft“-Schild an die beiden Häuser auf dem Güterbahnhof hängen. 56 Eigentumswohnungen baut die inzwischen als Instone Real Estate firmierende Projektgesellschaft bis Jahresende. Es gibt nur noch Gewerbeflächen. Auch Finanzbürgermeister Otto Neideck stattete dem Richtfest an der Eugen-Martin-Straße einen Besuch ab und lobte das Engagement von formart. „Besonders erfreulich ist, dass alle Wohneinheiten vor der Roh-

baufertigstellung zufriedene Käufer gefunden haben“, sagte Bianca Reinhardt Weith, formart-Niederlassungsleiterin in Baden-Württemberg. Meerße erzählte, dass neben dem Projekt in Freiburg aktuell etwa in Ulm die Konversion eines ehemaligen Klinikgebäudes und in Mannheim die Umnutzung einer Kaserne für Miet- und Eigentumswohnungen auf der Agenda stehen: „Aber auch im Großraum Freiburg sind wir jederzeit auf der Suche nach neuen Grundstücken.“ Seit Mitte Juni agiert formart mit der GRK-Holding GmbH, einem Spezialisten in der Entwicklung und Sanierung denkmalgeschützter Ge-

Gebäudezwilling: 56 Wohnungen schon verkauft. bäude, unter der Dachmarke Instone Real Estate, für die 270 Mitarbeiter aktiv sind.bib 5 Anzeige

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Güterbahnhnhof

Preiswertes Wohnen: Das ist das erste FSB-Projekt auf dem Güterbahnhof.

Fotos: © bar

»Der hat keine Ahnung« Stadtbau übergibt 40 Wohnungen

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ie Freiburger Stadtbau GmbH hat Ende Juni ihren Neubau mit 40 Wohnungen an die Mieter übergeben. Sieben Millionen Euro hat die Stadttochter investiert. Mehr als 3000 Euro pro Quadratmeter – obwohl sie fürs Grundstück nichts bezahlen musste. „Die Übertragung des Grundstücks war wichtig, damit die FSB ihrer Aufgabe, preisgünstigen Wohnraum für mittlere und geringe Einkommen bereitzustellen, nachkommen kann“, sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon. Anzeigen 5

Einen Unterschied zwischen dem sozialen Wohnungsbau und dem frei finanzierten in Sachen Qualität gibt es nicht“, sagte Stadtbau-Chef Ralf Klausmann. Das fünfstöckige Effizienzhaus-55-Gebäude beherbergt 30 Zweizimmer- und 10 Vierzimmerwohnungen mit 45 bis 90 Quadratmetern. 26 Einheiten sind öffentlich gefördert und über 25 Jahre in einer Belegungsbindung. Hier liegt die Quadratmetermiete bei 6,51 Euro. Alle haben Loggien oder Terrassen und sind ohne Barrieren erreichbar. In der Tiefgarage gibt es 40 Stellplätze, zudem 60 überdachte Radstellplätze. Salomon nutzte den kleinen Termin auch, um Politik zu machen: „Wer behauptet, dass die FSB auch defizitär sein kann, der hat keine Ahnung.“ Er spielte damit auf die Kritik von mehreren Fraktionen im Gemeinderat an, die angesichts von Mieterhöhungen und Millionengewinnen bei der FSB eine Mietpreisbremse und damit weniger Gewinn fordern.

Bald schon Spatenstich für 233 neue Wohnungen „Wir werden allein in diesem Jahr 140 Wohnungen fertigstellen und den Spaten für 233 neue stechen. Das können wir nur, weil wir Gewinne machen“, bekräftigte Klausmann. Nach Informationen des business im Breisgau wird die FSB auf dem Güterbahnhof noch weitere rund 100 Wohnungen bauen. Das wollten aber weder Klausmann noch Baubürgermeister Martin Haag bestätigen. bar

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Forschung

Verlorener Feierabend Forscher erproben Spielregeln für ständige Erreichbarkeit

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Foto: © tln

eierabend? Klingt nach abschalten, entspannen. Doch was, wenn der Chef plötzlich anruft? Rangehen? Ignorieren? Zurückrufen? Solche Fragen untersucht ein Freiburg-Münchner Forschungsprojekt. Mit fünf IT-Unternehmen haben die Wissenschaftler Probleme ausgemacht und Lösungen gesucht. Ein Ergebnis: Echter Stress lässt sich kaum ausgleichen. Rund ein Drittel der Angestellten in Deutschland kennt das Dilemma: Ein Vorgesetzter versucht, sie nach Feierabend zu erreichen. „Das stresst“, sagt die Freiburger Wirtschaftspsychologin Nina Pauls. Die Folgen reichten bei längerer Belastung bis zu körperlichen Schäden oder einem Burn-out. Die 33-Jährige ist Teil eines Teams aus Freiburg und München, das seit zwei Jahren erforscht, welche Formen der Erreichbarkeit Arbeitnehmer belasten und wie man den so entstehenden Stress reduzieren kann. Mit fünf ITFirmen haben die Wissenschaftler fürs Projekt „MASTER – Management ständiger Erreichbarkeit“ das Phänomen untersucht und Lösungsansätze entwickelt. Eines der Kernprobleme, so Pauls: „Vieles ist betrieblich oder gesetzlich nicht geregelt.“ Arbeitnehmer wissen also nicht, wie sie reagieren sollen. Ist es ein Notfall, wenn der Boss um 23 Uhr anruft? Oder nur eine Kleinigkeit, die auch morgen besprochen werden kann? „Regeln sind wichtig“, sagt Pauls. So könne zum Beispiel vereinbart werden, dass Mails unter der Woche ab 18 Uhr nicht mehr beantwortet werden. Und am Wochenende prinzipiell gar nicht. Im Feierabend mit Beruflichem belastet zu werden, ist heikel: Die Gedanken kreisen darum, das könne man schlecht

zeitlich ausgleichen, sagt Pauls. Gleiches gelte für den anstehenden Sommerurlaub. Wer dort plötzlich zehn Minuten mit dem Chef telefoniert, ist belastet. Ab wann wird der Feierabendstress gesundheitsgefährdend? Wenn die Aufgaben in der eigentlichen Arbeitszeit nicht mehr zu bewältigen sind, sagen die Forscher. Problematisch sei, wenn Beschäftigte auch in der Freizeit arbeiten – zum Beispiel, indem sie Verantwortung für Zwischenfälle im Unternehmen übernehmen. Das sieht auch Matthias Abel so. Der Geschäftsführer der Freiburger SoftwareFirma kühn & weyh findet freie Zeit heilig, stören solle man die Kollegen nur im Notfall. „Wer glaubt, Feierabend ist was für Warmduscher, irrt“, sagt Abel. Entspannung sei wichtig, um gute Arbeit machen zu können.

Nur wer entspannt, ist leistungsfähig Bei kühn & weyh wird auf Vertrauensbasis gearbeitet, Flexibilität schreibt das IT-Unternehmen groß. „Das Thema wird immer wichtiger“, sagt der 41-Jährige, der selbst einen Sohn hat. Seine Mitarbeiter können frei wählen, wann sie außerhalb der Kernarbeitszeit von halb 10 bis halb 4 arbeiten. Wer spätabends im Einsatz ist und Kollegen eine Nachricht schickt, hat dort kein Recht auf eine sofortige Rückmeldung. kühn & weyh hat bei Pauls Projekt mitgemacht. In einem Workshop sammelten und diskutierten sie kritische Punkte. Abel ist dabei aufgefallen, dass viel weniger Mitarbeitern als gedacht klar ist, was von ihnen erwartet wird. „Es ist voll okay, seinen Tag flexibel zu gestalten“, sagt er. Wichtig sei aber, den Kollegen zu kommunizieren, wann man arbeite.

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Nicht immer erreichbar: Matthias Abel und Corinna Heist.

Auch Corinna Heist vom Marketing und Betriebsrat der Firma ist dieser Meinung: „Ich rate allen, ihre Arbeitszeiten aufzuschreiben, Außentermine und Home-Office-Zeiten in den gemeinsamen Kalender einzutragen.“ Immer mal wieder hört sie Kritik: Mitarbeiter bezweifeln, ob es bei den flexiblen Arbeitszeiten gerecht zugeht. Der Online-Kalender des Unternehmens ist ein gutes Mittel dagegen, findet Heist. So sei für andere nachvollziehbar, was genau man mache. Mitarbeiter in ihrer Freizeit anzurufen, war für Abel schon vor dem Forschungsprojekt tabu. Teilgenommen zu haben, hat ihn dennoch sensibilisiert: „Ich achte mehr darauf, was ich sage und wie ich es formuliere.“ Denn ihm ist klar geworden: Kleine Nuancen können große Unterschiede machen.  Till Neumann

Info

Ergebnisse und praktische Handlungshilfen des Forschungsprojekts „MASTER – Management ständiger Erreichbarkeit“ gibt’s auf: www.erreichbarkeit.eu


Stadtentwicklung

Fitness statt Flaschen: In den Betonbau Flaschenkeller – vorne an der Schwarzwaldstraße – zieht bald ein Fitnessstudio.

Ganter schließt Vertrag mit Rückgrat-Gruppe Entwicklung geht voran, stockt aber beim Wohnungsbau

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Foto: © Ganter

er nächste Schritt auf dem Weg zur Neuplanung des Ganter-Areal ist getan: Hartmut Martin, Geschäftsführer der Ganter Grundstücksgesellschaft, bestätigt auf Anfrage des Wirtschaftsmagazins business im Breisgau, dass das Unternehmen einen Mietvertrag mit einem Fitness-Anbieter abgeschlossen hat, der eine Fläche im Flaschenkeller an der Schwarzwaldstraße nutzen wird. Nach bib-Informationen ist es die Rückgrat-Gruppe von Rudolf Plüddemann. Das wollte Martin nicht kommentieren. Erst nach Redaktionsschluss gab es zu dem Thema eine Pressekonferenz. Das Freiburger Stadtmagazin chilli hatte bereits im April als erstes Medium über den Vertrag mit der australischen Kette Adina Apartment Hotels berichtet, die voraussichtlich 2020 ebenfalls im Flaschenkeller ein Hotel mit rund 120 Zimmern und Apartments eröffnen wird. Die Investitionssumme bezifferte Martin auf 22 bis 25 Millionen Euro. Die Brauerei hat großes Potenzial auf einem gut drei Fußballfelder großen Areal, weil sich die Brauerei auch flächenmäßig gesundschrumpft. Bei den geplanten Wohnbauprojekten

mit bis zu 350 Einheiten gibt es zwischen Ganter und dem Freiburger Rathaus aber weiterhin viel Klärungsbedarf. Martin sagte dem chilli, wenn hier der Gemeinderatsbeschluss von 50 Prozent sozialem Mietwohnungsbau angewendet werde, könne er das Projekt seinen Gesellschaftern nicht empfehlen. Stadtplanungsamtschef Roland Jerusalem erklärte, dass es – um die vielfältigen Nutzungen in dem Gebiet planerisch sicher aufzugleisen – einen neuen Bebauungsplan brauche und dann auch die Sozialquote umgesetzt werden müsse. Oder Ganter müsse ersatzweise Flächen an die Stadt abtreten, damit die dann sozial bauen kann. Die Ganter-Pläne kollidieren zudem mit der komplexen Planung für den Freiburger Stadttunnel. Das Rathaus braucht für den Vollanschluss noch weitere Flächen der Brauerei, diese ziert sich. „Wir haben keine Lust, uns enteignen zu lassen“, sagt Martin. Ohne einen Kompromiss – gesucht ist hier die berühmte badische Lösung – wird es auf dem „Ganter-Campus“ kaum weitergehen. Das wäre für den Wohnungsmarkt und auch die regionale Handwerkerschaft schlecht: Es warten 150 Millionen Euro darauf, verbaut zu werden.  Lars Bargmann chilli | business im Breisgau | 07.2017 | 25


Menschen und Meldungen

Erfolgreiche Jahresversammlung des VdU

Bekenntnis zu Südbaden HERBOLZHEIM. Der Elektromotoren- und Ventilator-Hersteller EBM Papst setzt beim Wachstum auch auf sein Werk in Südbaden: Bis zu zehn Millionen Euro will der Konzern mit weltweit 14.000 Mitarbeitern in den kommenden zwei Jahren investieren. Der Umsatz soll bis 2022 von 1,9 auf 2,7 Milliarden steigen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr steigerte EBM Papst seinen Umsatz um 13,2 Prozent. Zum Gewinn macht das in privater Hand liegende Unternehmen keine Angaben.

Foto: © VdU - Wolfgang List

250 Unternehmerinnen in Freiburg

Hickhack um Rhodia FREIBURG. Der traditionsreiche Filter-Tow-Hersteller Rhodia Acetow mit Werk in Freiburg ist derzeit Spielball für Finanzinvestoren. Erst am 1. Juni kaufte der belgische Chemiekonzern Solvay das Unternehmen, firmierte es um, verkaufte dann die Filter-Sparte weiter an den milliardenschweren US-Finanzinvestor Blackstone. Keine drei Wochen später wird bekannt, dass Rhodia Teil eines gemeinsamen Unternehmens mit dem Chemiekonzern Celanese werden soll, der unter anderem ebenfalls Filter herstellt. An der neuen Firma würde Celanese dann 70, Blackstone 30 Prozent halten. Die Kartellbehörden müssen dem Deal aber noch zustimmen. Rhodia beschäftigt in Freiburg rund 800 Menschen.

Rathaus acht  Millionen teurer FREIBURG. Das neue Rathaus im Stühlinger wird deutlich teurer als geplant. Die Stadtverwaltung hat sich vom Gemeinderat grünes Licht für zusätzliche Kredite in Höhe von acht Millionen Euro genehmigen lassen. Beide hoffen, dass sich die Zusatzausgaben für mangelhafte Leistungen von Projektbeteiligten per Gerichtsbeschlüssen wieder reinholen lassen. Statt der veranschlagten 80 Millionen Euro könnte das Gebäude nun bis zu 88 Millionen teuer werden. Grund seien umfangreiche Nachträge der bauausführenden Firmen.

Bitte lächeln: Stephanie Bschorr, Bärbel Schäfer, Erika Schroth und Martina Feierling-Rombach (v.l.). FREIBURG. Der Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) blickt auf eine erfolgreiche Jahresversammlung mit 250 Teilnehmerinnen zurück: „Wir sind stolz, dass sich die geballte weibliche Wirtschaftskraft hier in unserem wunderschönen Freiburg versammelt hat, um sich zu wirtschaftspolitischen Themen auszutauschen und einander auf Augenhöhe zu begegnen. Die Jahresversammlung ist ein großer Erfolg und spiegelt die Aufbruchstimmung wider, die momentan bei uns im Verband herrscht“, so die Gastgeberin und Landesverbandsvorsitzende Martina Feierling-Rombach. Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer

hatte eröffnet und die Bedeutung der Region Freiburg für die Gesundheitswirtschaft betont. VdU-Präsidentin Stephanie Bschorr hatte von dem größten Erfolg der Verbandsgeschichte berichtet: Die Mandatierung des VdU durch die Bundesregierung zur Ausrichtung des Women20 Dialogprozesses im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft. Die Bilder des W20 Summits mit den zahlreichen prominenten Teilnehmerinnen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ivanka Trump und Königin Máxima waren um die Welt gegangen. Unter den Referenten war auch der Freiburger Wirtschaftsweise Lars Feld.  bib

IHK startet Handelsstudie

Neue Eigentümer für KML

FREIBURG. Die IHK Südlicher Oberrhein organisiert mit 39 weiteren Kammern und Ibi Research, einem Forschungsinstitut an der Universität Regensburg, eine Umfrage unter Einzelhändlern. Die Teilnahme ist ab sofort online möglich. „Wir möchten herausfinden, welche Themen die Händler aktuell bewegen und wie wir ihnen helfen können, die digitale Transformation erfolgreich zu bewältigen“, erläutert Thomas Kaiser, Berater Handel und Tourismus bei der IHK Südlicher Oberrhein. www.ibi.de/Handelsstudie2017

LAHR. Der Tunnelbohrerunternehmer Martin Herrenknecht und der Südtiroler Kabinenhersteller SiacLochmann haben den insolventen Lahrer Kabinenhersteller Karl Miller GmbH (KML) übernommen und damit die Arbeitsplätze von 80 Beschäftigten und elf Auszubildenden gesichert. KML hatte im März Insolvenz angemeldet, zum 1. Juli haben Herrenknecht (51 Prozent) und Siac-Lochmann das Unternehmen gekauft.

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bib/bar


Menschen und Meldungen

Haufe ist »Digital Champion«

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Foto: © Haufe

Medienunternehmen erhält Award

Haufe-Campus auf der Haid: Das erfolgreiche Freiburger Unternehmen will noch 500 Mitarbeiter einstellen. FREIBURG. Das Medienunternehmen Haufe mit Hauptsitz im Gewerbegebiet Haid ist mit dem „Digital-ChampionsAward 2017“ ausgezeichnet worden. Der 1934 gegründete Betrieb, seit 1951 in Freiburg ansässig, erhielt den von der Deutschen Telekom und der WirtschaftsWoche vergebenen Preis in der Kategorie "Digitale Transformation Mittelstand". Miriam Meckel, Herausgeberin der WirtschaftsWoche, und Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom, zeichneten die Haufe Gruppe als Unternehmen aus, das eindrücklich zeige, dass es auch in Deutschland möglich ist, erfolgreich Software zu entwickeln und zugleich den Wandel von einem Verlag zu einem Software- und Lösungsanbieter zu meistern. Haufe digitalisiert sich bereits seit den 90er Jahren und hat sich vom Verlag für Loseblattwerke und Fachbücher zum Anbieter cloud- und internetbasierter Arbeitsplatz- und Unternehmenslösungen entwickelt. „Unsere digitale Transformation betrifft das gesamte Unternehmen – von der Organisation und ihren Prozessen über die nahezu ausschließlich digitalen Produkte und das digitale Kundenerlebnis bis hin zu Leadership und Kultur“, so Markus Reithwiesner, CEO der Haufe Group. „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung. Sie zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Der Preis gebührt allen Mitarbeitern, die die Transformation so erfolgreich mitgestalten.“ Zur Haufe Gruppe gehört nicht zuletzt Lexware. Das Unternehmen füllt 1650 Lohntüten und will bis 2020 noch 500 weitere Arbeitsplätze schaffen. bib chilli | business im Breisgau | 07.2017 | 27


Menschen und Meldungen

Kolumne

Foto: © privat

Der Freiburger Steuerberater Erik Herr ist ein Routinier im Geschäft. Für die bib-Leser berichtet er in jeder Ausgabe über Nützliches & Kurioses, Aktuelles & Steuerbares.

Zweites Bürokratieentlastungsgesetz. Ein großer Name für ein Gesetz, das diesen Namen zwar nicht wirklich verdient, aber drei Erleichterungen bringt. Erstens: Falls Sie als Arbeitgeber den Betrag von 5000 Euro pro Jahr (LSt, Soli, KiSt) nicht überschreiten, müssen Sie die Lohnsteuer-Anmeldungen nur noch vierteljährlich abgeben. Zweitens: Die Grenze für Kleinbetragsrechnungen wurde auf 250 Euro erhöht. Drittens: Die Aufbewahrungsfrist für Lieferscheine endet nun bereits mit Erhalt oder Versand der Rechnung! Das Finanzgericht Düsseldorf hat derweil entschieden, dass die Übernahme von Verwarnungsgeldern durch den Arbeitgeber nicht grundsätzlich zu lohnsteuerpflichtigem Arbeitslohn führt, falls dies im eigenbetrieblichen Interesse erfolgt sei und kein Arbeitslohn für die Tätigkeit der betreffenden Fahrer darstelle. Dienstwagen-Nutzung: Ist ein Arbeitnehmer durch eine schwere Erkrankung fahruntüchtig, ist für diese Zeit kein geldwerter Vorteil im Rahmen der Ein-Prozent-Regelung zu versteuern. Zumindest dann nicht, wenn das Fahrzeug auch von keinem anderen Dritten genutzt wird. Analog muss das meines Erachtens auch bei Führerscheinentzug gelten! 30-Jahr-Feier: Ja, wir können auch feiern. Da diese Kanzlei nun 30 Jahre jung ist, haben wir im Bären in Zarten mit vielen Mandanten ein schönes Fest gefeiert. Die Reduzierung auf das Wesentliche (gute Gespräche, gutes Essen und Trinken, ein guter Ort und zum Glück super Wetter) hat sehr gut getan. Bilder dazu: facebook.com/herr.steuerberater/  www.herr-stb.de

Szanto verkauft nun auch Porsche-Zentren FREIBURG/LÖRRACH. Die PorscheZentren in Freiburg und Lörrach haben einen neuen Eigentümer. Zum 1. Juli hat die Familie Szanto die beiden Autohäuser an Graf Hardenberg aus Karlsruhe verkauft. Hardenberg ist mit seinen 1200 Mitarbeitern einer der größten Autohändler Deutschlands. Laut einer Mitteilung sollen alle Arbeitsplätze erhalten bleiben. Die Familie Szanto hatte das tra-

ditionsreiche Autohaus Baden Auto in die Insolvenz geführt und sich mit dem Porsche-Deal nun ganz aus dem Autohandel zurückgezogen. Ihr gehören aber noch die Grundstücke, auf denen die Porsche-Zentren in Freiburg und Lörrach stehen. Diese seien langfristig an Hardenberg vermietet, heißt es in einer Mitteilung.  pop

Ver.di streikt wieder Gegen Lohndumping Foto: © Ver.di

Von „Bürokratieentlastung“ bis zur 30-JahrFeier

Streiken für 6 Prozent mehr Lohn: Beschäftigte bei H&M. SÜDBADEN. Die Streikwelle der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di im Einzelhandel läuft weiter. Ver.di fordert für die rund 490.000 im Einzelund Versandhandel Beschäftigten im Land eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 6 Prozent, die Anhebung der Ausbildungsvergütungen um monatlich 100 Euro, ein tarifliches Min-

desteinkommen von 1900 Euro und eine Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem wird an die Arbeitgeberseite die Forderung gerichtet, gemeinsam die Tarifverträge des Einzelhandels für allgemeinverbindlich erklären zu lassen – wie es bis zum Jahr 2000 üblich war –, um Tarifflucht und Lohndumping im Einzelhandel entgegenzuwirken.

Startinsland-Sieger stehen fest SÜDBADEN. Vier Projekte haben in Phase eins beim Businessplan-Wettbewerb Startinsland die mit 500 Euro dotierten ersten Plätze gewonnen. Gewinner in der Kategorie „Innovationen aus Wissenschaft und Hochschulen“ sind Benjamin Baumann, Mathias Klenner, Bernhard Schöne und Christian Zech mit intelligenten Millimeterwellen-Radar-Sensoren. Bei „Innovationen aus Firmen und Gesellschaft“

28 | chilli | business im Breisgau | 07.2017

gewannen Jerome Meinke, Lilian Rettegi und Lukas Spohn mit „Clinex“, einer App zur Dokumentation medizinischer Untersuchungen. Marco Armbruster und Benedikt Hauer holten den Sonderpreis „Green Economy“, Esther Arroyo Garcia, Frederik Böhm und Christian Hirth mit der Geschäftsidee „Deep VA“ (Deep Video Analysis) den Sonderpreis „Digitale Zukunft“. bib/bar


Menschen und Meldungen

Elegante Ballnacht Foto: © BBE

Gesellschaftliches Top-Ereignis im Kurhaus Baden-Baden

BADEN-BADEN. Die Welt der Pferde im Dreivierteltakt: Am 2. September findet der Grand-Prix-Ball im Rahmen der Internationalen Galopprennen im Kurhaus statt. Die elegante Ballnacht ist einer der gesellschaftlichen Top-Events des Jahres. Das Kurhaus verwandelt sich zum Treffpunkt für Persönlichkeiten aus Galopprennsport, Politik, Wirtschaft und Medien. An diesem Abend wird auch der „Galopper des Jahres“ im glanzvollen Bénazetsaal geehrt. Die Philharmonie Baden-Baden und die Debütanten der Tanzschule Gutmann aus Freiburg eröffnen die Gala-Nacht. Danach laden die Thilo Wolf Big Band und die Casino Band Baden-Baden zum Tanzen aufs Parkett ein. Moderatorin Judith Rakers führt als Gastgeberin durch das Programm.

Großes Kino: Im Kurhaus wird mit Stil gefeiert.

Unter dem Motto „Rise Like a Phoenix“ präsentieren Kathrin Menzinger und Vadim Garbuzov, Show-Dance-Weltmeister in Latein und Standard, eine außergewöhnliche Tanzshow. Ein VierGang-Gala-Dinner von Sternekoch Martin Hermann sorgt für den kulinarischen Genuss. Romantisch wird es mit einem Glas Champagner auf der Dachterrasse beim Höhenfeuerwerk. Mit der Eintrittskarte haben Besucher zudem freien Eintritt ins Casino Baden-Baden.

Tickets & Info: Der Grand Prix Ball startet traditionell mit dem Champagnerempfang um 19 Uhr, Ballbeginn ist um 19.45 Uhr.  Ballkleid und Smoking sind erwünscht. Tickets: www.badenbadenevents.de

Foto: © Sparkasse

Sparkasse siegt  bei Focus Money

Sparkassen-Chef Marcel Thimm und sein Vize Erich Greil freuen sich über die Auszeichnung. FREIBURG. Die Sparkasse FreiburgNördlicher Breisgau ist regionaler Testsieger des diesjährigen Focus Money CityContests. Mit einer Gesamtnote von 1,74 liegt sie deutlich an der Spitze von elf in Freiburg ansässigen Instituten. Beim Contest testet das Institut für Vermögensaufbau (IVA) jedes Jahr in über 200 Städten die Beratungs- und Servicequalität von Filialbanken. Professionelle Testkäufer prüfen vor Ort die Beratungsqualität aus Sicht von Privat- und Geschäftskunden. Die Beratungsqualität fließt mit einer Gewichtung von 75, die Servicequalität mit 25 Prozent in die Gesamtbeurteilung ein. bib/bar 5 Anzeige

chilli | business im Breisgau | 07.2017 | 29


Menschen und Meldungen

Hohwieler verlässt die Strabag KÖLN. Der Freiburger Thomas Hohwieler verlässt den Strabag-Konzern und wechselt zum 1. August zur mittelständischen ABG-Gruppe. Das bestätigte der 51-Jährige jetzt dem Wirtschaftsmagazin business im Breisgau (bib). Hohwieler wurde im Jahr 2000 Niederlassungsleiter der Freiburger Strabag-Niederlassung. Drei Jahre später wechselte er in die Geschäftsführung nach Köln und baute dort die Strabag Real Estate mit auf. Sein Nachfolger in Freiburg wurde Martin Amos Lauble. Sein Nachfolger in Köln wird jetzt Rainer M. Schäfer (57), der in Köln bislang als Bereichsleiter arbeitete. Die ABG-Gruppe ist ein mittelständischer Bauträger, der mit rund 60 Beschäftigten an den Hauptstandorten München, Köln und Hamburg in allen Bereichen des Bauens tätig ist. Die ABG hat etwa Bürogebäude wie SKYPER in Frankfurt am Main, das Ericus-Contor in Hamburg oder die Bebauung des Pariser Platzes 4 a in Berlin mit Blick auf das Brandenburger Tor realisiert. Hohwieler wird bei der Gruppe direkt als CEO und Sprecher der Geschäftsleitung einsteigen. „Wenn ich noch einmal etwas anderes machen will, dann jetzt“, begründet er gegenüber dem bib. Vom Konzern in den Mittelstand, auch das habe ihn gereizt. Er verlasse die Strabag aber im Guten und sei der Konzernlei-

Foto: © Strabag Real Estate

Freiburger wechselt zur ABG-Gruppe Hat Karriere gemacht: Thomas Hohwieler

tung dankbar, dass sie ihm keine Steine in den Weg gelegt habe. Es sei einfach „das richtige Angebot zur richtigen Zeit“ gewesen. Anders als bei der Strabag kann Hohwieler bei der ABG-Gruppe auch Anteile kaufen. Ob er diese Option ziehen wird, lässt er noch offen. Seine beiden Lebensmittelpunkte behält er: Die Arbeitswoche absolviert er hauptsächlich in Köln, die Freizeit verbringt er weiter in seiner Heimatstadt Freiburg. Als Jugendlicher wollte der Sohn des einstigen Stadtbau-Chefs Helmut Hohwieler übrigens Koch werden. Der Vater stellte eine Bedingung: erst das Abitur. Nach demselben war der Sohn wohl schon zu ausgekocht, um noch an den Herd zu wollen.  Lars Bargmann

13. Mittelstandskongress FREIBURG. Der diesjährige Freiburger Mittelstandskongress steht unter dem Motto „Die Chancen des Mittelstandes“. Eröffnet wird er am 11. Oktober mit einem aktuellen Europa-Thema von Rolf Dieter Krause, Fernsehjournalist und ehemaliger Leiter des ARDStudios Brüssel. Den Abschlussvor-

trag hält Franz Josef Radermacher, der über „Die Welt im Jahr 2050“ spricht. Das Podiumsgespräch beschäftigt sich mit „Unternehmensethik zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. Die Referenten kommen aus dem ganzen Bundesgebiet. Mehr Info: www.fr-mk.de

30 | chilli | business im Breisgau | 07.2017

Oekogeno in  Erfolgsspur zurück FREIBURG. Der neue Vorstand der Oekogeno eG, Rainer Schüle, hat seine erste Bilanz für 2016 vorgelegt. Der Umsatz wurde verdoppelt und der Gewinn sei kräftig gewachsen, obwohl das bisherige zentrale Geschäftsfeld für regenerative Energien aufgrund der gesetzlichen EEG-Änderungen „kaum noch Projektumsätze abwirft“. Konkrete Zahlen nannte die Genossenschaft aber nicht. Schüle kritisierte, dass die Große Koalition die Energiewende bremse und die großen Konzerne bevorteile: „Das Verbot von Photovoltaik auf der Freifläche und die Einführung der Sonnensteuer hat bereits 40.000 Arbeitsplätze gekostet, um 20.000 Jobs in der Braunkohleförderung zu erhalten.“ Das Projektvolumen hat sich 2016 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt und werde bis 2018 voraussichtlich 52 Millionen Euro betragen. Getragen wird es durch soziale Wohnprojekte.

21.500 Euro  fürs Ehrenamt FREIBURG. Streck Transport setzt sich seit vielen Jahren im sozialen Bereich ein und fördert das ehrenamtliche Engagement der eigenen Mitarbeiter. Unlängst übergaben die Geschäftsführer Ralph Diringer, Gerald Penner und Stefan Rehmet einen Scheck über 21.500 Euro an die Mitarbeitenden. Jeder erfolgreiche Bewerber erhielt für sich und seinen Verein oder sein Projekt 500 Euro in Deutschland oder 550 Schweizer Franken in der Schweiz.

Kreutzer leitet Katholische Akademie Freiburg FREIBURG. Karsten Kreutzer hat am 1. Juli die Leitung der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg übernommen. Der bisherige Akademiedirektor, Thomas Herkert, wechselt nach 15 Jahren zum Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg, den er ab November als DiözesanCaritasdirektor leiten wird.  bib/bar


Menschen und Meldungen

Foto: @ Sick AG

Sick AG top in Europa

Sick-Personalleiterin Cornelia Reinecke (Mitte) nahm die Auszeichnung als „Bester multinationaler Arbeitgeber 2017“ auf der Prämierungsfeier in Paris entgegen. PARIS/WALDKIRCH. Der Sensorhersteller Sick AG ist einer der Top-100-Arbeitgeber in Europa. Beim europaweiten Wettbewerb des Great Place to Work-Instituts belegte das Unternehmen den 17. Platz in der Kategorie „Bester multinationaler Arbeitgeber 2017“. Insgesamt hatten 2234 europäische Unternehmen an dem Wettbewerb teilgenommen. Erst im März war Sick beim bundesweiten Wettbewerb mit dem ersten Platz in der Klasse der Unternehmen mit 2001 bis 5000 Mitarbeitern ausgezeichnet worden.

Smarteyes eröffnet Filiale FREIBURG. Die schwedische Optiker-Kette Smarteyes eröffnet am 13. Juli ihre erste Filiale in Freiburg. In der Rathausgasse 46 erwarten die Kunden 700 hochwertige Brillen zu zivilen Preisen.

Breuninger wechselt Führungspersonal FREIBURG. Die Gesellschafter der E. Breuninger GmbH & Co. haben Holger Blecker (47) als neuen CEO berufen. Er beerbt im September Willy Oergel (65), der das Unternehmen über 30 Jahre lang mitgestaltet hat. Blecker ist schon seit 1990 bei Breuninger und seit 2012 Mitglied der Unternehmensleitung sowie Chief Merchandise Officer. Breuninger, in Freiburg an der Kajo zu Hause, beschäftigt 5500 Menschen.  bib/bar Anzeigen 5

chilli | business im Breisgau | 07.2017 | 31


Steuerrecht

Feiern bis der Fahnder kommt Zoff um Gartenpartys für Geschäftsfreunde

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Foto: © ns

as ging den Finanzbehörden dann doch zu weit: Eine Anwaltskanzlei hatte regelmäßig sogenannte Herrenabende im privaten Garten eines Partners veranstaltet, bei denen jeweils bis zu 358 männliche Gäste unterhalten und bewirtet wurden. Die Abende standen unter verschiedenen Mottos. Die Ausgaben pro Fest lagen stets bei über 20.000 Euro. Diese Kosten wollte die Kanzlei als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen. Das zuständige Finanzamt und später auch das Finanzgericht (FG) lehnten das ab, weil die Veranstaltungen aufgrund des ausgewählten und geschlossenen Teilnehmerkreises einen Zusammenhang mit der privaten Lebensführung und der gesellschaftlichen Stellung der Eingeladenen gehabt hätten. Durch den besonderen Rahmen hätten die Feste Eventcharakter gehabt und die Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen geschaffen. Der Bundesfinanzhof (BFH) aber hob das Urteil jetzt auf und hat den Fall zur Neuentscheidung ans FG zurückverwiesen. Dabei haben die höchsten Richter ihren Kollegen im FG vorgeschrieben: Nach dem Einkommensteuergesetz (§ 4 Abs. 5 Nr. 4) dürfen Aufwendungen für Jagd oder Fischerei, Segeloder Motorjachten sowie für „ähnliche Zwecke“ – und für die damit zusammenhängenden Bewirtungen – den Gewinn eines Unternehmens nicht mindern. Ähnliche Zwecke sind „unangemessene und unübliche“ Aufwendungen, die etwa der sportlichen Betätigung, Unterhaltung von Geschäftsfreunden, der Freizeitgestaltung oder der Repräsentation des Steuerpflichtigen dienen.

Nach ständiger Rechtsprechung des BFH gilt das Abzugsverbot aber lediglich für solche Aufwendungen, die eine Berührung zur Lebensführung sowie zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stellung der begünstigten Geschäftsfreunde des Steuerpflichtigen haben. Wird also eine Segel- oder Motorjacht nicht zu Unterhaltungs- oder sportlichen Zwecken oder zur unangemessenen Repräsentation, sondern als „schwimmender Besprechungsraum“ oder reines Transportmittel genutzt, kann der Veranstalter diese Kosten steuerlich geltend machen.

Der schwimmende Besprechungsraum auf der Yacht Laut BFH muss sich die Nichtabzugsfähigkeit der Aufwendungen aus der betreffenden Veranstaltung und ihrer Durchführung ergeben. Diese müssen sich vom Üblichen abheben. Unübliche Aufwendungen setzen voraus, dass hinsichtlich des Ortes der Veranstaltung oder der Art und Weise der Unterhaltung der Gäste besondere Umstände erkennbar sind, die die Veranstaltung von einer gewöhnlichen Feierlichkeit abheben. Unübliche Aufwendungen entstehen nicht bereits dadurch, dass eine Veranstaltung Eventcharakter hat. Auch die Anzahl der Gäste ist alleine nicht ausschlaggebend. Das FG hat nun im zweiten Rechtsgang zu prüfen, ob im konkreten Fall der Anwaltskanzlei Art und Durchführung der Herrenabende unüblich waren, sich also von „gewöhnlichen Gartenfesten“ entweder durch ein be-

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Mathias Hecht ist Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Geschäftsführer bei der Hecht Bingel Müller & Partner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Freiburg. www.hbm-partner.de sonderes qualitatives Ambiente (Ort) oder ein besonderes Unterhaltungsprogramm (Art und Weise der Unterhaltung der Gäste) unterschieden haben und damit einer Einladung zu einer Segelregatta oder einer Jagdgesellschaft vergleichbar waren. Künftig wird also bei nicht alltäglichen, betrieblichen Veranstaltungen zu prüfen sein, ob die angefallenen Aufwendungen aufgrund eines besonderen Veranstaltungsortes oder eines besonderen Programms unüblich sind oder denen einer gewöhnlichen Feier entsprechen. Dabei ist das letzte Wort sicher noch nicht gesprochen: Sowohl hinsichtlich der Frage der „ähnlichen Zwecke“ (im Rahmen des § 4 Abs. 5 Nr. 4) als auch für die Frage der „Üblichkeit“ besteht noch keine gefestigte höchstrichterliche Rechtsprechung. 

Mathias Hecht


Nachhaltigkeit

Engagement für die Energiewende

Invest in Infrastruktur Gewerbepark baut Wärmenetz aus

CO²-Ausstoß von 280.000 Autos eingespart

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Schnelles Internet ist heute für die Wirtschaft so wichtig wie zuverlässiger Strom und fließendes Wasser. Das weiß auch Strobl. Deswegen habe die Landesregierung heuer bereits 222 Breitband-Projekte mit fast 40 Millionen Euro gefördert. Wichtig ist aber auch eine gute Wärmeversorgung. Jüngster Abnehmer der in der Müllverbrennungsanlage TREA entstehenden Abwärme ist Losan Pharma. „Dies war für uns ein logischer Schritt“, so die Geschäftsführer Thomas Andresen und Jens Morgenthaler. Nicht nur die „günstigen“ Preise und die Unabhängigkeit vom Öl- und Gasmarkt, vor allem die Umweltfreundlichkeit habe sie überzeugt. Partner beim Bau der neuen Fernwärmeleitung ist badenovaWÄRMEPLUS. Sie hat die rund 500 Meter lange Leitung zu Losan Pharma verlegt. Investition: 200.000 Euro. Die TREA verkauft mittlerweile drei Megawatt Wärme an 25 ansässige Firmen. Sie könnte 20 Megawatt vertreiben. „Um die Attraktivität des Gewerbeparks weiter zu steigern, wollen wir die bei der Abfallverwertung entstehende Energie bestmöglich nutzbar machen und das Fernwärmesystem weiter auszubauen“, so Riesterer.bar

Fotos: © Badenova

er Gewerbepark Breisgau in Eschbach investiert weiter fleißig in seine technische Infrastruktur: Für den Ausbau des Glasfasernetzes hat Geschäftsführer Markus Riesterer Ende Juni von Innenminister Thomas Strobl (CDU) einen Scheck über gut 500.000 Euro erhalten. Zudem schließt sich Losan Pharma ans Wärmenetz an.

Klimafreundlich: Solaranlage auf dem Eichelbuck und Biogas-Aufbereitung in Forchheim (unten). 

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er südbadische Energieversorger Badenova hat im vergangenen Jahr durch umweltfreundlichere Energieerzeugung im Vergleich zu einer herkömmlichen Produktion den Ausstoß von knapp 760.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) verhindert. Das steht im jetzt veröffentlichten 9. Ökologie- und Nachhaltigkeitsbericht. Und das entspricht dem jährlichen CO2-Ausstoß von mehr als 280.000 Kraftfahrzeugen. Die wesentlichen Effekte bei der Einsparung von Kohlendioxid erreicht Badenova durch seine ÖkostromKunden, die 680.000 Tonnen auf die Habenseite brachten. Durch KWKAnlagen, in denen mit Erdgas und Biogas Strom und Wärme erzeugt wird, sowie durch den Betrieb von Solarund Windanlagen kommen 75.000 Tonnen dazu, 4000 Tonnen wurden durch das Umrüsten auf Erdgas eingespart. Das Unternehmen lege Wert darauf, heißt es in einer Mitteilung, dass diese Beiträge messbar, vergleichbar und an-

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hand objektiver Kriterien und belastbarer Kennzahlen überprüfbar sind. So basiere die Berechnung auf der GEMIS-Datenbank des Öko-Instituts und nutze den Umstand, dass jedes Treibhausgas hinsichtlich seiner Treibhauswirkung auf Kohlendioxid (CO² ) umgerechnet werden kann. Der kommunale Energiedienstleister erzeugt mit Wind-, Wasser-, Bioerdgas- und Solarstrom mittlerweile 114.000 Megawattstunden. Mit rund 1,5 Millionen Euro förderte die Badenova im vergangenen Jahr 13 Klimaschutzprojekte. Seit Gründung des Innovationsfonds schüttete das Unternehmen knapp 27 Millionen Euro aus.  bib


Kolumne

Fotos: © Badischer Winzerkeller Breisach

Verwirrung ums Traubengeld Winzerkeller bügelt Statistik-Panne aus Prosit: Peter Schuster (links) und Vorstandskollege Eckart Escher.

Neue Strategie greift Winzerkeller steigert Umsatz

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er Badische Winzerkeller in Breisach hat das zurückliegende Geschäftsjahr positiv abgeschlossen. Der Umsatz legte um 2,1 Prozent auf 42,2 Millionen Euro zu. Und es gab auch mehr Traubengeld für die Winzer. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Peter Schuster führten erhöhte Anstrengungen in allen Bereichen, aber vor allem in Vertrieb und Vermarktung, zu einer Steigerung des Umsatzes. Man habe viel investiert und sei auf der richtigen Spur, so Schuster. Mit dem Label „Die Sonnenwinzer“ habe man sich zudem ein neues Gesicht verpasst, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Der deutsche Weinmarkt ist aber weiter stark umkämpft. In keinem anderen Land der Welt wollen so viele Winzer ihre Produkte verkaufen. Der deutsche Pro-Kopf-Weinkonsum lag bei 20,6 Litern auf Vorjahresniveau. Allerdings ist die Weinbranche von ei-

nem harten Verdrängungswettbewerb gekennzeichnet, der Marktanteil der badischen Weinerzeuger sackte von 12,1 auf 10,9 Prozent ab. Im Fachhandel und der Gastronomie blieben die Umsätze konstant, gewachsen sind Privatkundenbereich, Einzelhandel und auch der Verkauf in den Discountern. Der Erfolg beschert den Winzern auch mehr Traubengeld: Es gibt pro Hektar nun 9333 Euro (siehe Kolumne). Einige Jahre hatte der Winzerkeller mit fallenden Umsätzen zu leben, 2015 gelang erstmals mit einem Plus von 1,5 Prozent die Kehrtwende. 2016 bestätigte das. „Wir setzen auf die Kompetenz und Kraft unserer Sonnenwinzerinnen und Sonnenwinzer“, so Schuster und Vorstandskollege Eckart Escher mit Blick aufs laufende Geschäftsjahr: „Die aktuell positive Entwicklung bestätigt uns, dass die eingeschlagene Strategie bei Markenauftritt und Umsatz greift.“  Isabel Barquero

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er Badische Winzerkeller aus Breisach ist der größte Weinerzeuger Badens. 2016 hat die südbadische Genossenschaft von ihren 52 Mitgliedern mehr als 20 Millionen Kilogramm Trauben eingesammelt und 17 Millionen Liter Wein erzeugt. Für die Winzer in der Region ist dabei vor allem eins wichtig: Wie hoch fällt das Traubengeld aus? Die Antwort sorgt in diesem Jahr für Verwirrung.

2015 hatte der Winzerkeller die Auszahlung je Hektar noch mit 8660 Euro beziffert. In diesem Jahr sind es 9333 Euro. Der rasante Anstieg liegt aber vor allem daran, dass der Winzerkeller einen Statistikfehler korrigiert. Würde man dieselbe Grundlage nehmen wie im vorigen Jahr, so würde das Traubengeld bei 8700 Euro liegen. Doch wie kam die falsche Zahl zustande? Die Erklärung ist kompliziert. Der Winzerkeller produziert nicht nur, er vermarktet den Wein auch. Manche Winzer nutzen das nicht. Sie bringen zwar Trauben nach Breisach, vermarkten den Wein dann aber ganz oder zum Teil selbst. Diese Betriebe werden in der gesamten Anbaufläche erfasst. Sie bekommen aber kein Traubengeld. In die Statistik flossen sie mit null Euro ein. Das drückte den Schnitt nach unten. „Davon müssen wir weg“, sagt Vorstandschef Peter Schuster. Real habe man auch 2015 schon 9290 Euro je Hektar ausgezahlt. Wie diese unscharfe Zahl überhaupt in die Bücher kam, da halten sich Schuster und der Zweite Vorstand Eckart Escher bedeckt. Schuster ist seit vier Jahren verantwortlich, Escher erst seit 2016, nachdem Axel Hahn den Winzerkeller verlassen hatte. Ihm gilt wohl auch die Kritik der Führungsspitze, wenn Schuster sagt: „Wir korrigieren einen Fehler der Vergangenheit.“  Philipp Peters chilli | business im Breisgau | 07.2017 | 35


Familienunternehmen

Heimatverbunden und regional verwurzelt Kopfmann Elektrotechnik feiert bald 25-Jähriges

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Fotos: © Dickmann

einhold Kopfmann ist 37 Jahre jung, Familienvater, Elektromeister und staatlich geprüfter Elektrotechniker – und es fällt ihm am 1. Januar 1993 nichts Besseres ein, als ein eigenes Unternehmen aufzumachen. Vier Quadratmeter des Esszimmers als Büro, vier weitere in der Garage als Werkstatt und Lager. Staatliche Hilfe bei der Existenzgründung? Fehlanzeige. Kunden? Fehlanzeige. Kasse? Leer. „Ich glaube, ich habe den größten Fehler meines Lebens gemacht“, sagt er ein paar Wochen später zu seiner Frau. Hat er nicht. Heute beschäftigt das Unternehmen 60 Mitarbeiter. Es kam nämlich dann, endlich, doch der erste Kunde. Und der empfahl ihn einem weiteren. Und der an eine größere Firma – es lief, wenn auch langsam. Kopfmann formulierte früh sein Credo: „Nicht nur Dienstleister, sondern Kümmerer.“ Er weiß ebenso früh, dass die Qualität der Arbeit entscheidend ist – ob ein großer Gewerbebau gebaut oder nur eine Steckdose gesetzt

wird. Kopfmann hat heute Auftraggeber aus vielen Bereichen und beschäftigt 50 Mitarbeiter am Firmensitz in Köndringen sowie 10 in einer Filiale in Rust. Unter den elf Azubis sind auch zwei weibliche. Köndringen ist, wie die seit vergangenem Jahr in der Geschäftsführung tätige Tochter Carmen sagt, „unser Heimatort, wir sind sehr heimatverbunden und regional verwurzelt.“ Viele Auftraggeber sind Wiederholungstäter. „Kunden sind dann treu“, ist der Seniorchef überzeugt, „wenn du bereit bist, dich für sie einzusetzen. Wenn du sie abholst, wo sie stehen. Zwischen dem Kunden und uns muss es stimmen, muss eine positive Energie sein und nicht nur irgendwelche Umsatzzahlen.“

Gute Fachkräfte selber ausbilden Ein stimmiges Umfeld ist wohl auch der Grund für die minimale Fluktuation in der Belegschaft. Auch bei Kopfmann aber spüren sie den Fachkräftemangel. „Wir sind überzeugt, dass wir nur gute Fachkräfte gewinnen können, wenn wir sie selbst ausbilden“, sagt Carmen Kopfmann-Gerwig. Die Berufsausbildung habe einen sehr großen Stellenwert. Um neue Azubis zu begeistern, kooperiert das Unternehmen mit Schulen in Köndringen, Teningen, Rust, Freiamt und Emmendingen, bietet selber Schülerprojekte an, zeigt sich auf Job-Messen. Loyalität gegenüber dem Unternehmen, so Kopfmann-Gerwig, sei ein weiteres, sehr wichtiges Thema:

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Familienbetrieb: Carmen KopfmannGerwig, ihr Mann Stefan Gerwig und Seniorchef Reinhold Kopfmann am Stammsitz in Köndringen (Bild unten).

„Wir vertrauen einander und wissen, dass wir uns im Team aufeinander verlassen können. Wir sehen jeden Mitarbeiter als wertvollen Menschen an und nicht nur als Arbeitskraft.“ 2013 gewann Kopfmann Elektrotechnik den 2. Preis beim bundesweiten Wettbewerb „Schule-Wirtschaft“, viele Mitarbeiter werden bei Wettbewerben ausgezeichnet, nicht nur männliche. Kopfmann-Gerwig hat im Unternehmen eine Art „Leuchtturmfunktion“. „Wenn man bodenständig ist und seine Kompetenzen in den Betriebsalltag einbringt, wird man als Mensch wahrgenommen und kann eventuell bestehende Vorurteile aus dem Weg räumen“, sagt sie. Gut, dass Reinhold Kopfmann vor knapp 25 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und trotz anfänglicher Friktionen nicht das Handtuch warf. Es war nicht der größte Fehler, sondern eine seiner besten Ideen überhaupt.  Stefan Pawellek


Familienunternehmen

» Besser als alles bisher « Freiburger entwickelt Hightech-Lastenrad / Tester schwärmt

Spitzenklasse: Das Power CargoBike.

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Fotos: © Hersteller, tln,

ie sind total im Trend: E-Lastenräder. Das „mit Abstand beste“ Modell der Republik kommt aus Freiburg. Das sagt nicht etwa Erfinder Thomas Ketterer, sondern ein Profi-Tester aus Tübingen. Mit dem Dreirad kann er sich sogar in die Kurve legen. chilli-Redakteur Till Neumann hat Ketterer in seiner Werkstatt besucht. Ortseingang Freiburg-Waltershofen. Am Gartenzaun lehnt ein blaues Lastenrad, in der Transportbox eine Holzpalette und ein kleines Surfbrett. Das neue Flaggschiff thront eine Etage höher: Ein knallgelbes „Weber Power Cargobike“ steht auf dem Dach des Gartenhäuschens, auf dem „Gepäckträger“ eine Palette mit 24 Ketterer-Bierkisten. Von hier aus soll es den europäischen Markt erobern. Kürzlich gab’s den Innovation Bundespreis 2017 der Internationalen Handwerksmesse. Ab September ist es im Verkauf. „Ich bin ein Fahrradverrückter“, sagt Ketterer am Gartentisch unter seinem Cargobike. Schon zu Schulzeiten war der 49-jährige Betriebswirt ständig mit Gepäcktaschen auf dem Rad unterwegs. E-Bikes kannte damals noch keiner. Anfang 2015 entschloss er sich, zusätzlich zu seinem Job für eine Pharmafirma noch ein Lastenrad zu bauen. Der Firmenname: Roc-Ket. Sein Anspruch: etwas schaffen, das es in der Qualität noch nicht gibt.

Das erste Modell war grün, das zweite blau, nun das gelbe. Mittlerweile hat er die Firma Weber Technik als Partner, das Unternehmen heißt fortan Roc-Ket Cargo Bikes GmbH. „Wir sind jetzt auf dem höchsten Level“, sagt Ketterer. Waren die ersten Räder noch für Privatper-

Ambitioniert: Der Freiburger Lastenradentwickler Thomas Ketterer.

sonen, richtet sich das Power Cargobike an Logistiker. Bis zu 500 Kilo Gesamtgewicht kann es transportieren. „Wir wollen rein in die Urban Mobility“, sagt Ketterer. Eine Ladung des Vier-Kilowatt-Akkus soll einen Arbeitstag halten – und bis zu 180 Kilometer weit antreiben. Zwischen Front und Heck ist eine bewegliche Achse für die Neigetechnik. Das Kippgefühl bei Dreirädern in Kurven soll damit Geschichte sein. In der Freizeit brettert Ketterer mit dem Rennrad durchs Ländle. Etwa 28

Stundenkilometer fährt er im Schnitt. So rasant ist sein E-Bike nicht – bei 25 Sachen bremst der Motor automatisch. „Mit 40 unterwegs zu sein, wäre zu gefährlich“, sagt Ketterer. Auch wenn man sich mit seiner neuen Erfindung „richtig geil in die Kurve legen kann“. Fünf Prototypen des „Power Cargobikes“ sind seit Mai im Test. Zwei davon hat die VeloCarrier GmbH in Tübingen. Die City-Logistiker liefern per Lastenrad in Stuttgart, Ulm oder Bochum. „Das Rad fährt sich besser als alles bisher“, schwärmt VeloCarrierChef Raimund Rassilier. Seine Flotte umfasst rund 40 Bikes, so ziemlich alle Modelle habe man in den vergangenen zwei Jahren getestet. Das aus Waltershofen sei „mit Abstand das beste“. Fahrverhalten, Handhabung, Federung, Leistung, Kapazität – Rassilier ist begeistert. Zudem sei es zuverlässig, ein entscheidender Faktor in seiner Branche. „Das muss die ganze Zeit laufen“, betont Rassilier. Die ersten zwölf marktreifen Räder sollen im September erhältlich sein, sagt Ketterer. 100 Kilo schwer, 13.000 Euro teuer. Bis 2018 möchte er 200 Räder an den Mann gebracht haben. Langfristig sollen es 300 bis 500 werden. Bisher stemmt Ketterer seine Leidenschaft nebenher. In zwei, drei Jahren will er davon leben. Wenn noch weitere Kunden so begeistert sind wie VeloCarrier, könnte das klappen. Raimund Rassilier will fortan nur noch Power CargoBikes kaufen. Für Ketterer ein Idealfall. Er will, dass Fahrer ihre Chefs so lange triezen, bis sie sein Rad bekommen. „Ich will nicht das Blaue vom Himmel versprechen“, sagt er. Aber für einen Transport in der Innenstadt sei sein Rad jedem Auto überlegen.  Till Neumann

chilli | business im Breisgau | 07.2017 | 37


Arbeitsmarkt/Stellenmarkt

Zwei Tribünen voller Joblose Stabiler Arbeitsmarkt, 5000 offen Stellen

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Foto: © dpa, Felix Kästle

etzt wird wieder in die Hände gespuckt: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juni bundesweit auf 2,47 Millionen gesunken. Das entspricht einer Quote von 5,5 Prozent. In Baden-Württemberg liegt sie bei 3,4 Prozent, in der Region Freiburg – mit den Landkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald – bei 3,6 Prozent. Insgesamt waren dort 12.864 Menschen ohne Job. 1000 weniger als im Juni 2016. Aber: Diese Menschen würden im Schwarzwald-Stadion sowohl die Nord- als auch die Osttribüne komplett besetzen. Die Jugendarbeitslosigkeit (gilt für bis zu 25-Jährige) legte marginal um 0,1 Punkte auf nun 2,2 Prozent zu. Allein in der Stadt Freiburg sind 6185 Arbeitslose gemeldet, 63 weniger als im Mai. Jeder 20. hat in Freiburg derzeit keinen sozialversicherungspflichtigen Broterwerb. Im Kreis BreisgauHochschwarzwald sind es 4274 (80 mehr als im Vormonat), im Kreis Emmendingen 2432, 86 weniger als im Mai. Die Zahl der sozialversicherungs-

Die Zahl der Arbeitslosen in Freiburg und den beiden benachbarten Landkreisen würde im Schwarzwald-Stadion zwei Tribünen komplett belegen.

pflichtig Beschäftigten stieg gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent auf 252.653. in Freiburg gab es Ende Juni 121.187 derartige Stellen – 23.676 mehr als am 1. September 2006. Mehr als 17.000 neue Jobs gab es im gleichen Zeitraum im Landkreis BreisgauHochschwarzwald, mehr als 10.000 neue im Landkreis Emmendingen. Die Zahl der offenen Stellen wächst weiter: Aktuell gibt es 5151 – das sind 5,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Of-

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38 | chilli | business im Breisgau | 07.2017

fenbar aber passen die 12.864 Arbeitslosen auf keinen dieser Jobs. Wäre das so, wäre die Quote auf einen Schlag halbiert. Das, die Halbierung der Arbeitslosigkeit in Deutschland, verspricht ja das neue Wahlprogramm von CDU und CSU. 2025 soll in der Bundesrepublik Vollbeschäftigung herrschen, wovon man dann spricht, wenn weniger als drei Prozent arbeitslos sind – was in Südbaden in einigen Regionen schon


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Arbeitslose im Juni

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Arbeitslose in Millionen *bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen West Juni 2016 2,61 1,93

26853

Ost

5,8

Mai 2017

Juni 2017

2,50

2,47

1,87

1,86

8,0

SH 6,7

10,2

MV 8,8

HH HB Visualisierung ©: dpa / Quelle: Bundesagentur für Arbeit

ür Arbeit

4,9

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Arbeitslose im Juni

samt

6

BB

ST 5,8

6,5

est

2

4,7

NI

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BE

RP

st

4

NW

8,1

5,6

7,3 0,69

0,63

0,62

Arbeitslosenquote in Prozent

7,4 5,2

6,7 BB

ST

NW

4,9

5,8

6,4

4,7

HE

TH

SN

6,5

7,3

West

5,4

NI

BE

RP

Ost

8,2 %

8,1

5,1

SL

3,4

3,0

BW

BY

insgesamt

5,9

5,6

5,5

Arbeitslosenquote in Prozent*bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen. Quelle: Bundesagentur für Arbeit

26853

heute so ist. Allein: Bisher schufen stets Unternehmer neue Jobs und nicht die Politik – wenn sie nicht ihre Verwaltungsapparate aufbläht. Die Arbeitslosenzahlen sind heute mit knapp 2,5 Millionen im Vergleich zu 2006 tatsächlich halbiert. Das hat aber vor allem mit der stabilen Konjunktur in den vergangenen Jahren zu tun, vielleicht auch damit, dass Löhne nur maßvoll gestiegen sind und viele Unternehmer in die Hände gespuckt haben. Und deutlich weniger mit politischer Einflussnahme.  bar chilli | business im Breisgau | 07.2017 | 39


Arbeitsmarkt/Stellenmarkt

Bachelor- vs. Hochschulabsolventen Höhere Abschlüsse zahlen sich mit dem Alter aus

W

ie lohnenswert ist Bildung wirklich? Die aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist der Sache auf den Grund gegangen. Analysiert wurden verschiedene Qualifikationsgruppen im Hinblick auf die Auswirkung auf deren Einkommensverhältnisse. Das Gehalt von Bachelorabsolventen ist im Alter von 25 Jahren noch mit dem von Absolventen beruflicher Fortbildungsabschlüsse wie einem Meister- oder Technikerabschluss vergleichbar. Master- und Diplomabsolventen erzielen zu diesem Zeitpunkt schon ein etwas höheres Einkommen. Mit steigendem Alter und längerer Berufserfahrung werden die Einkommensunterschiede zwischen den Qualifikationsgruppen dann größer. Bachelorabsolventen können sich zunehmend von Arbeitnehmern mit beruflichen Fortbildungsabschlüssen absetzen, müssen ihrerseits aber Einkommensnachteile gegenüber Master- und Diplomabsolventen in Kauf nehmen.

Während 25-jährige Beschäftigte mit einem Masteroder Diplomabschluss durchschnittlich 2900 Euro brutto im Monat erhalten, sind es bei Bachelorabsolventen 2750 Euro. 34-jährige Beschäftigte mit Master- oder Diplomabschluss verdienen im Durchschnitt etwa 4380 Euro brutto im Monat, mit Bachelorabschluss 3880 Euro. Bei Beschäftigten mit Fortbildungsabschlüssen wie einem Meister oder Techniker steigt der Brutto-Monatsverdienst von 2750 Euro im Alter von 25 auf rund 3530 Euro im Alter von 34. Bei Personen mit einem gewöhnlichen Berufsabschluss liegt der durchschnittliche Verdienst zwischen 2200 und 2700 Euro. Der Einkommensunterschied zwischen Bachelor-, Master- und Diplomabsolventen liegt zum Teil auch darin begründet, dass beide Gruppen trotz des vorhandenen Hochschulabschlusses unterschiedliche Tätigkeitsfelder besetzen, so die Arbeitsmarktforscher der Studie. bib

Foto: © dpa Franziska Gabbert

Quo vadis?

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40 | chilli | business im Breisgau | 07.2017


Stellenmarkt – Kurz gemeldet

Last-Minute-Börse 2017

Business Talk

Experten des Ausbildungsmarktes und Lehrstellen­suchende können sich demnächst bei der „Last-Minute-Börse“ im Jobcenter Freiburg kennenlernen. Auf dem Lehrstellenmarkt wird vor Beginn der Schulferien der Endspurt eingeläutet. Betrieben, die jetzt ihre Ausbildungsstelle noch melden, eröffnen sich zusätzliche Chancen auf eine erfolgreiche Stellenbesetzung für den Herbst oder das kommende Jahr.

Für Unternehmen, die Fachkräftebedarf haben und wissen wollen, wie sie im Kampf um die besten Talente punkten können, findet ein BUSINESS TALK in der Agentur für Arbeit Freiburg statt. Was sind die Trends? Wie sind die Fakten? Von welchen Chancen kann man profitieren? Referenten geben Einblicke, formulieren Lösungen und setzen mit Hintergrundinfos wichtige Impulse. 

Lehrstelle melden – Azubi gewinnen!

Info: Mittwoch, 26.07.2017 / von 14-17 Uhr Agentur für Arbeit Freiburg / EG Lehener Straße 77 / 79106 Freiburg 

Das David-gegen-Goliath-Geheimnis

Info:

bib

Mittwoch, 25.10.2017 / 18.00 Uhr Agentur für Arbeit Freiburg / EG Lehener Straße 77 / 79106 Freiburg  Anzeigen 5

42 | chilli | business im Breisgau | 07.2017


Integration

Kummer mit dem Kümmerer Flüchtlinge: IHK kritisiert Landkreis Emmendingen

D

Foto: © pixabay.com

er Fachkräftemangel ist mittlerweile die größte Sorge der südbadischen Wirtschaft. Das ergab die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) aus Freiburg. IHK-Präsident Steffen Auer plädiert für einen Masterplan zur Integration von Flüchtlingen. Umso mehr verwundert es, dass sich in der Praxis Institutionen offenbar gegenseitig im Weg stehen. Statt praxisnaher Lösungen gibt es falschen Aktionismus und Bürokratie pur. So kritisieren Auer und auch sein Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff, dass die Vermittlung von Flüchtlingen – etwa in Praktika, Ausbildungen oder feste Jobs – nicht allein in den Händen von Arbeitsagentur und Wirtschaftsverbänden wie der IHK oder der Handwerkskammer samt Innungen steht. Konkret stören die beiden sich am Beispiel Emmendingen. Hier mischt der Landkreis mit. Warum eigentlich? Beim Landkreis gibt es eine eigene Ausbildungsstiftung. Zu deren selbst gesteckten Aufgaben gehört auch, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zwei Mitarbeiterinnen teilen sich eine Stelle. Solche Flüchtlingskümmerer gibt es bei der Handwerkskammer und der IHK auch. Alle Stellen werden vom Staat bezuschusst. Doch der Topf, aus dem das Fördergeld kommt, ist nicht allzu prall gefüllt. Im vergangenen Jahr führte das dazu, dass die IHK statt der beantragten zwei Stellen nur eine bekam. Das andere Geld floss nach Emmendingen. Und während bei der IHK Anfragen eingingen, die man nicht bearbeiten durfte, weil sie in die Zuständigkeit des Landratsamtes fielen, gab es den Posten dort noch nicht mal.

Schlimme Vergangenheit, bessere Zukunft: Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren, ist eine Mammutaufgabe. „Wir hatten Schwierigkeiten, die Stellen pünktlich zu besetzen“, räumt Ulrich Spitzmüller, Pressereferent beim Landkreis, ein. Zum 1. Januar 2016 war die Stelle genehmigt und hätte ihre Arbeit aufnehmen können. Doch Emmendingen habe trotz großer Stellensuche keinen geeigneten Kandidaten gefunden. Nach der Sommerpause wurden zwei Mitarbeiterinnen des Landkreises auf den Posten versetzt. In der Wirtschaft ist das offenbar noch nicht vollends angekommen. Beim Autohaus Schmolck zeigt man sich überrascht, dass der Landkreis sich hier überhaupt engagiert. Schmolck ist einer der größten Ausbilder im Landkreis und zudem Gründungsmitglied der Ausbildungsstiftung. Aktuell arbeiten drei Flüchtlinge im Unternehmen, ein vierter kommt demnächst dazu. „Beraten hat uns dabei die Innung und der Flüchtlingskümmerer von der Handwerkskammer“, sagt Personalleiter Frank Wiederle. Vom Engagement des Landkreises wusste er bislang gar nichts. Bei der IHK kümmert sich Ibrahim Sarialtin um die Flüchtlinge und Anfragen aus den Unternehmen. Sarialtin, der für die Grünen im Freiburger Gemeinderat sitzt, hat in sechs Monaten bereits mehr als 50 Flüchtlinge in Arbeit vermittelt. Viel, der IHK aber nicht genug. Sie will sich daher nun um eine zweite Stelle bemühen und

hofft auf den Zuschuss vom Staat. Könnte sich dabei aber wieder mit dem Landkreis Emmendingen in die Quere kommen. Denn auch dort soll die Stelle neu beantragt werden. „Wir sehen darin eine große Aufgabe“, sagt Spitzmüller.  Philipp Peters

Buchtipp „Flüchtlinge im Unternehmen – Praxisleitfaden für eine gelungene Einstellung und Integration“ von Thomas Batsching und Tim Riedel In Ihrem Ratgeber sammeln die Autoren nicht nur Argumente für die Einstellung von Flüchtlingen. Sie geben auch praktische Tipps zum Umgang mit den Behörden oder erklären religiöse und kulturelle Besonderheiten, die man bedenken sollte. Ein nützliches Nachschlagewerk für Unternehmer und Personalverantwortliche. Haufe-Verlag, 205 Seiten, 24,95 € ISBN 978-3-648-09587-4

chilli | business im Breisgau | 07.2017 | 43


Automobil

Bodenständig erfolgreich Autohaus Tabor: Mitarbeiter Schlüssel zum Erfolg

S

Foto: © Tabor

eit 40 Jahren erfolgreich am Markt, seit 39 Jahren Renault-Vertragshändler – inzwischen der größte zwischen Karlsruhe und Freiburg –, seit 2006 Dacia-Händler, seit 2011 Vertrieb von EU-Neuwagen und Gebrauchtwagen unter der Eigenmarke Tabor Mobile mit Kunden aus Südbaden, aus dem Elsass und anderen Regionen. Die Autohaus Tabor GmbH beschäftigt aktuell 120 Mitarbeiter, darunter rund 20 Azubis, an Standorten in Achern, Kehl-Sundheim, Kehl-Europabrücke und Freiburg. Das Familienunternehmen wird vom Ehepaar Franz und Andrea Tabor sowie den beiden Söhnen geleitet, und familiär ist auch die Atmosphäre, die sowohl Nähe zu den Kunden wie zu den Mitarbeitern mit sich bringt, denn, so Andrea Tabor: „Schlüssel zum Erfolg sind unsere Mitarbeiter!“

Wer rund 750 Fahrzeuge im Angebot hat, der könnte Werkstatt, Service oder auch Waschstraße für Kleinkram halten. Nicht so Tabor: Denn hier weiß man, dass guter Service, korrekt abgewickelte Garantieleistungen, ausgezeichnete Wiederinstandsetzungen Kunden halten und damit die Tür öffnen, auch den nächsten Wagen wieder an sie zu verkaufen: „Höchste Qualität, bei allem, was wir tun“, heißt daher ein Leitsatz der Firma. „Wir sind ein innovatives und unabhängiges Familienunternehmen“, sagt Andrea Tabor. In dem spielt auch E-Mobilität eine große Rolle. Nicht nur, weil Renault die Marke mit dem größten Angebot an Elektrofahrzeugen ist, sondern auch, weil man diese Fahrzeuge auch gern anbietet. In Freiburg „geht“ da mehr, an mehreren Standorten ist man derweil schon Partner von Kommunen und Firmen geworden.

Überzeugungstäter: Die Familie Tabor. „Automobile Begeisterung“ spielt bei Tabor eine große Rolle. Qualität, Verlässlichkeit, Solidität sind die Pfeiler, auf denen das Autohaus ruht. Das mag unspektakulär sein, ist aber der Schlüssel zum Erfolg: Bei über 50.000 Kunden gibt Tabor auf der eigenen Internetseite die Zufriedenheit mit 99,8 Prozent an.spk

Smart Center vor dem Aus Kestenholz plant Abriss und Neubau für Vans

D Foto: © bar

ie Tage des Smart Center auf dem Areal der Freiburger Mercedes-Niederlassung Kestenholz sind gezählt. Geschäftsführer Volker Speck bestätigt Informationen des business im Breisgau, wonach das Mietverhältnis mit der Kurier Autocenter GmbH nicht verlängert und das Gebäude abgerissen werden soll. Anstelle des markanten Glasbaus soll ein Showroom für Vans, ein VanProCenter, gebaut werden. Einen Bauantrag hat die Kestenholz-Grup-

pe hierfür aber noch nicht abgegeben. Zudem sollen die Schauräume für Neu- und Gebrauchtwagen sowie die Begegnungsräume „ein neues Kleid“ erhalten, so CEO Stephan Kestenholz. Da der Hersteller bei den VanProCentern stark aufs Gaspedal drücke, müssten diese Pläne schneller umgesetzt werden als zunächst geplant. Schließlich soll auch die innere Struktur noch optimiert und je ein Center-Leiter für die PKW- und die Nutzfahrzeug-Sparte berufen werden. Zum Investitionsvolumen konnte Speck noch nichts sagen. Es wird si-

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Fällt bald: Smart Center an der St. Georgener Straße. cher siebenstellig sein. Kestenholz beschäftigt in Freiburg 260 Menschen.  bar


chilli | business im Breisgau | 07.2017 | 45


Fakten

Die Welt, die Wirtschaft in Zahlen Zahl der Kilobyte, die pro Stunde Fahrt heute in einem Oberklassewagen verarbeitet werden Zahl der Kilobyte, die der Computer der Apollo-11-Mission speichern konnte 

25.000.000.000 36.000 117.000 106.500

Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland im 1. Quartal 2016  Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland im 1. Quartal 2017

Bruttoinlandsprodukt von Deutschland mit 81 Millionen Einwohnern im Jahr 2015 (in Bio. Euro) 3,03 Bruttoinlandsprodukt von Frankreich mit 66 Millionen Einwohnern im Jahr 2015 (in Bio. Euro) 2,17 Bruttoinlandsprodukt von Kalifornien mit 39 Millionen Einwohnern im Jahr 2015 (in Bio. Euro)2,2 Amerikaner, die in Amerika durch Schusswaffen getötet wurden im Jahr 2013 Amerikaner, die weltweit durch Terroranschläge getötet wurden im Jahr 2013

33.636 21

Prozentuale Steigerung der Anzahl von Spam-Nachrichten mit Schadsoftware  im ersten Halbjahr 2016 zu 2015 (in D) 

1270

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Freiburg im Jahr 2006  Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Freiburg im Jahr 2017 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Reute (Kreis Emmendingen) im Jahr 2006 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Reute (Kreis Emmendingen) im Jahr 2017 Durchschnittlicher Bruttoverdienst eines Mannes im 1. Quartal 2017 in Baden-Württemberg (in Euro) Durchschnittlicher Bruttoverdienst einer Frau im 1. Quartal 2017 in Baden-Württemberg (in Euro)

Ausgaben für Rüstung im Jahr 2015 (in Mrd.) in den USA und Veränderung zum Jahr 2005 (in %) Ausgaben für Rüstung im Jahr 2015 (in Mrd.) in China und Veränderung zum Jahr 2005 (in %) Ausgaben für Rüstung im Jahr 2015 (in Mrd.) in Deutschland und Veränderung zum Jahr 2005 (in %)

Umsatz aller Fußballvereine in den fünf europäischen Top-Ligen  in der Saison 1996/1997 (in Mrd. Euro) Umsatz der Top-20-Fußballvereine in den fünf europäischen Top-Ligen  in der Saison 2015/2016 (in Mrd. Euro) 

4298 3332 2,6 2,52 3206 2953 21.332

Zahl der Unfälle in Deutschland im Jahr 2016 (in Mio.)  Zahl der Unfälle in Deutschland im Jahr 2015 (in Mio.)  Zahl der bei Verkehrsunfällen in Deutschland getöteten Menschen im Jahr 2016  Zahl der bei Verkehrsunfällen in Deutschland getöteten Menschen im Jahr 2015 Zahl der bei Verkehrsunfällen in Deutschland getöteten Menschen im Jahr 1970 

Zahl der Banküberfälle in Deutschland im Jahr 1993 Zahl der Banküberfälle in Deutschland im Jahr 2015 Zahl der gesprengten Bankautomaten in Deutschland im Jahr 2005 Zahl der gesprengten Bankautomaten in Deutschland im Jahr 2016

97.511 121.187 239 929

596 (-4) 215 (+132) 39,4 (+3) 1624 203 27 318

2,497 7,4



 46 | chilli | business im Breisgau | 07.2017

Lars Bargmann / Idee: brandeins


business im Breisgau  
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