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Wir t scha f t

Juli 2018 Ausgabe Nr. 19

Im Fokus:

Start-ups

in Geospin, Eye Capta und das Netz der Dinge

700

Millionen

Dietenbach

Deals am Dietenbach

Das heikle Geschäft mit der schwarzen Null Politik

Wirtschaft

Autobranche

Der Wirtschaftsweise Lars P. Feld über Europa

Kartellamt und Klagen: Badenova kontert Kritik

Der Dieselskandal und die Folgen im Breisgau


Editorial

Von Kartellwächtern, badischem Filz und dem Schweigen der Autohändler

S

Euro in einer Kosten- und Finanzierungsübersicht, die sich in einer Anlage zu einer der vielen Drucksachen findet, die dem Gemeinderat vorgelegt wurden – allerdings bei den Kosten, die der Stadtteil selber finanzieren muss. Wichtiger wird aber sein, dass die Freiburger Politik Dietenbach wirtschaftlich nicht so überfrachtet, dass die Sparkasse Freiburg als Grundstücksmaklerin am Ende die Reißleine zieht. Bei 50 Prozent sozialem Mietwohnungsbau könnte das durchaus der Fall sein.

Ein besonderer Fall liegt derzeit in der Vorstandsetage bei Badenova auf dem Tisch. Die Netzgesellschaft des Konkurrenten Energiedienst ist vor die Vergabekammer des Landes gezogen, um dort gegen Badenova vorzugehen, die zwei Wettbewerbe in Lörrach und Weil am Rhein gewonnen hatte. Zudem bezweifeln die Kartellwächter das erfolgreiche Kompas-Modell des Energieversorgers. Dessen Vorstandsvorsitzender Thorsten Radensleben geht nun in die Offensive und bezeichnet die Vorwürfe als „absolut haltlos“. Schweren Vorwürfen sehen sich derzeit auch Alt-Oberbürgermeister Dieter Salomon und Alt-FWTM-Chef Bernd Dallmann ausgesetzt. Ob diese haltlos sind, wird sich im Verfahren zeigen. Die Unabhängigen Listen wittern jedenfalls „badischen Filz“ und fordern, dass das Rotteckhaus, die einstige FWTM-Heimstatt, nicht an Dallmanns neuen Arbeitgeber vermietet wird.

Erfreulicher ist, was unsere Redakteure bei der Suche nach erfolgreichen oder erfolgversprechenden Start-ups und Familienunternehmen recherchiert haben. Da wird des Urgroßvaters Nudelmaschine wiederentdeckt, selber Gin gebrannt, ein neuer Fischladen gewagt, an Augensteuerungen für Rollstühle oder digitalen Schatzkarten gewerkelt. Eine sehr charmante, umtriebige Szene. Eine umtriebige Recherche hat unser Volontär Philip Thomas angestellt. Er sprach mit Verbraucherschützern und Verbänden, mit Dieselfahrern und Händlern über den Abgasskandal und seine Folgen in der Region. Wobei sich die Händler am schwersten taten, Rede und Antwort zu stehen.

Foto: © Johannes Meger

icher, es braucht mehr als das große Einmaleins, um die Kosten für einen neuen Stadtteil zu taxieren. Auf 700 Millionen Euro ist der neue Freiburger Stadtteil Dietenbach derzeit hochgerechnet. 100 Millionen Euro will das Rathaus selber in die Hand nehmen, für Dinge im Stadtteil, die letztlich der gesamten Stadt zugutekommen. Kitas etwa, oder Schulen, wie Freiburgs Finanzbürgermeister Stefan Breiter unlängst vor Journalisten sagte. Die stehen derzeit mit 188 Millionen

Wir wünschen anregende Lektüre. Herzlichst, Ihr Lars Bargmann | Chefredakteur 5 Anzeige

chilli | business im Breisgau | 07.2018 | 3


Inhalt Bauwirtschaft

Titel

700 Millionen Euro kostet der geplante neue Freiburger Stadtteil. Ohne Häuser. Das Freiburger Rathaus will 110 Millionen in die Kasse legen und rechnet dann mit einer schwarzen Null. Andere rechnen mit neunstelligen Defiziten, wenn 50 Prozent sozialer Mietwohnungsbau kommt.  6 -7

MiLLiOnen

Darum steht Ex-FWTM-Chef Bernd Dallmann in der Kritik

5

Bilanzen

Der Bauverein Breisgau fordert politische Unterstützung beim Grundstückskauf 8 Die Schwarzwaldmilch verdient wieder gut und bezahlt die Bauern besser  9 10

Die Walter Roeder GmbH investiert nach 111 Jahren in die Zukunft

36

Wie die Brüder Schätzle der Nudelmanie ihres Urgroßvaters erliegen 37

In Eschbach schließen bald die Tore – Fessenheim ist trotzdem kein Thema16-17 In Freiburg sucht der spektakuläre Solar-Tetraeder noch Investoren18 Auftakt am Krozinger Weg: Siko investiert 12 Millionen Euro 

25

Start-ups

Eye Captain, Geospin und das Netz der Dinge

35

Familienunternehmen

Dietenbach

Gewerbegebiete

Immobiliendeal

Familienheim Freiburg hat viele gute Zahlen, aber ein Problem

700

Die Freyler Industriebau GmbH ist ein gefragter Partner 

Frisch auf den Tisch: Schwabs neues Fischgeschäft in der Altstadt

38

Streit Service & Solution: Neue Heimat in der Lokhalle 

39

Die Hausbrennerei Wuchner und ihr maidli Gin

40

20-22

Freizeit

Neu: Frexit in Freiburg, E-Motorräder im Schwarzwald 

24

Menschen & Meldungen

Energiebranche

Warum die Badenova sich gegen Kartellwächter und Konkurrenten zur Wehr setzt  12-13

Südvers wird 70 / Alte Wache bilanziert mit Rekord / Unmüssig verkauft 175 Wohnungen / Euroairport mit erneut steigenden Passagierzahlen / Gold für Fürstenberg / Neue Geschäftsleitung bei Kaiser / Belle baut / Neuberger investiert 26-31

Arbeitsmarkt

Politik

Abgasskandal

Was macht der Wirtschaftsweise Lars P. Feld im Arbeitsamt? Er redet über Europa.  32

Banken

Kaum Fusionsschmerzen bei der VOBA Breisgau-Markgräflerland 

14

Standortstreit bei der Sparkasse Markgräflerland

15

Logistik

Die Streck Transport GmbH und die neue Seidenstraße

18

34

Trotz Strafzöllen und Handelskrieg: Die Arbeitslosenquote sinkt erneut 41 IHK-Konjunkturbericht: Erster Dämpfer seit fünf Jahren42 Zwischen Knast und Rekordgewinnen: Der schwierige Umgang der Autohändler mit Dieselgate  44-45

Fakten bitte

Die Welt, die Wirtschaft in Zahlen 

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IMPRESSUM business im Breisgau

Geschäftsführung: Michaela Moser (ViSdP)

Herausgeber: chilli Freiburg GmbH Paul-Ehrlich-Straße 13, 79106 Freiburg fon: 0761-292 70 60 | fax: 0761-292 70 61 bargmann@chilli-freiburg.de www.business-im-breisgau.de

Redaktion: Lars Bargmann Autoren dieser Ausgabe: Till Neumann, Isabel Barquero, Philip Thomas, Valérie Scholten, Stella Schewe, Dr. Stefan Pawellek, Erik Herr Titel: © iStock.com/erhui1979

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Fotos: pixabay, dpa, freepik, iStock Fotograf: Neithard Schleier Grafik: Hannah Karayilan Lektorat: Beate Vogt Anzeigen: Jonas Stratz (Leitung), Christina Miklusch, Malika Amar Ein Unternehmen der


Immobilien

Dallmanns »letzter Deal«

Dem ehemaligen FWTM-Chef wird ein doppeltes Spiel vorgeworfen

D

er letzte Deal“, ist die Pressemitteilung zweideutig überschrieben, die die Unabhängigen Listen neulich verschickt hatten. Darin werfen die Stadträte Irene Vogel und Atai Keller dem ehemaligen Oberbürgermeister Dieter Salomon, der Angell-Chefin Antoinette Klute-Wetterauer und dem ehemaligen Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM) „badischen Filz“ vor: „Eine Hand wäscht die andere.“ In dem Schmierenstück geht es um das Rotteckhaus in der Innenstadt, in dem bislang die FWTM beheimatet war. Die Immobilie gehört noch der Freiburg-S-Wirtschaftsimmobilien GmbH (FWI) und bald der Carl von Rotteck GmbH & Co. KG, beides Töchter der Sparkasse Freiburg (70 Prozent) und der FWTM. Diese will mit den Einnahmen aus der Vermietung den Kapitaldienst für den frisch bezogenen Kopfbau an der Messe bedienen. Ursprünglich hatte die Evangelische Kirche ihr Interesse bekundet, dann aber nach monatelangen Prüfungen abgesagt. Dafür hatte im März – nach ersten Gesprächen im vergangenen Dezember – die Internationale Studien- und Berufsakademie (ISBA) einen Mietvertrag unterzeichnet. Die Firma, bei der Dallmann neuerdings als (Teilzeit-)Geschäftsführer angestellt ist. Der 66-Jährige hatte den Vertrag als damaliger FWIGeschäftsführer mitunterzeichnet. Nun wird gemutmaßt, dass die Mietbedingungen, die am 25. Mai zugunsten der Mieterin noch einmal verbessert worden sind, etwas mit Dallmanns Rolle bei der ISBA zu tun haben. Mittlerweile befasst sich eine Anwaltskanzlei mit der Angelegenheit. Dallmann will sich zur Sache wegen des „laufenden Verfahrens nicht äußern“. Der politisch keineswegs unbeleckte Routinier hat sich hier erstaunlich instinktlos gezeigt. Dem Vernehmen nach soll Salomon noch an seinem letzten Arbeitstag seinem einstigen Chef-Wirtschaftsförderer deswegen nur die Wahl gelassen haben, entweder von sich aus von seinem Vertrag als FWI-Geschäftsführer zurückzutreten oder vor dem Verfahren einer Vertragsauflösung zu stehen. In der Pressemitteilung der FWTM vom 2. Juli hieß es dann, dass Dallmann seine Geschäftsführung zum Ende des Monats „niedergelegt“ habe. Der FWI-Aufsichtsrat habe dies „zur Kenntnis genommen“. Bezahlt wird er noch bis zum Jahresende. Es hat offenbar mächtig geraucht. Nach Informationen des business im Breisgau zahlt die ISBA 13 Euro für den Quadratmeter. Exakt den gleichen Preis hatte die FWI auch der Kirche angeboten. Zwar wurde der ISBA-

Steine des Anstoßes: Im Rotteckhaus könnte auch weiterhin Dallmanns Büro sein. Foto: © bar Vertrag im Mai noch einmal um 50 Cent auf diese 13 Euro reduziert, dies aber, weil die Akademie eine Kostenschätzung für den nötigen Umbau vorgelegt hatte, wonach sie erst einmal 1,6 Millionen Euro ins Gebäude stecken muss, bevor sie es nutzen kann. Der Vertrag läuft seit dem 1. Juli, ist aber – wegen des Umbaus – sechs Monate lang mietfrei gestellt. Fakt ist also, dass hier der Tochter von Sparkasse und Stadt kein finanzieller Schaden entstanden ist. Dass Dallmanns Rolle mithin auf die Wirtschaftlichkeit der Vermietung, die übrigens in den Händen von Geschäftsführer Thomas ­Stoffel lag, keinen Einfluss hatte. Die Jahresmiete beläuft sich bei der ISBA auf rund 220.000 Euro für 1400 gemietete Quadratmeter, zudem fließt die Miete des Tizio sowie die für den SparkassenGeldautomaten in die Kasse des Vermieters. Mit diesen Einnahmen soll der Kapitaldienst für fünf Millionen Euro finanziert werden – was nicht nur klappt, sondern noch ein bisschen Rendite abwirft. Die Unabhängigen Listen fordern vom neuen Oberbürgermeister Martin Horn eine Untersuchung mit dem Ziel, den Mietvertrag rückgängig zu machen und das Haus auf seine Eignung als NS-Dokumentationszentrum zu prüfen. Klar ist, dass auch ein solches Zentrum siebenstellige Umbaukosten dokumentieren würde – unklar, wer dann die 220.000 Euro finanziert. Es ist keineswegs billig, dass Vogel und Keller mit dem Finger auf den Deal zeigen. Aber dass die beauftragte Kanzlei – juristisch – belastbares Fehlverhalten zutage fördert, ist sehr unwahrscheinlich.  Lars Bargmann chilli | business im Breisgau | 07.2018 | 5


Stadtentwicklung

Herkulesaufgabe mit Haken und Ösen

Die Finanzierung des neuen Stadtteils Dietenbach steht auf wackligen Beinen

700

Millionen

Dietenbach

700 Millionen Euro kostet nach aktueller Hochrechnung der neue Stadtteil Dietenbach. Wohlgemerkt ohne Häuser. In dieser Summe sind nur die Kitas und Schulen enthalten. Bei einer Geschossfläche von 900.000 Quadratmetern werden im Westen zusätzlich rund drei Milliarden Euro umgesetzt.

Illustration: © erhui1979

E

s ist für Baubürgermeister Martin Haag eins der „größten und wichtigsten“ Projekte der Freiburger Stadtgeschichte, der Bau des neuen Stadtteils Dietenbach. Rund 15.000 Menschen – ursprünglich waren es 12.500 – sollen dort ab Mitte der 20er Jahre in 6000 Wohnungen wohnen, damit wäre Dietenbach fast so groß wie Bad Krozingen. 700 Millionen Euro wird dieser Stadtteil allein das Rathaus kosten. Da knapp 100 Millio-

nen der Gesamtstadt zuzurechnen sind, bleiben auf dem Projektkonto zu finanzierende 602 Millionen Euro. Aus den Grundstücksverkäufen, so rechnet Finanzbürgermeister Stefan Breiter, sollen 592 Millionen Euro kommen, die fehlenden 10 will er über 20 Jahre mit je einer halben Million aus dem Stadtsäckel finanzieren. Wenn der Gemeinderat 50 Prozent sozialen Mietwohnungsbau fordert, könnten indes 300 Millionen Euro fehlen.

„Bei uns in der Straße sind in den vergangenen Jahren drei Familien aus Freiburg weg ins Umland gezogen, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten konnten“, erzählte Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach unlängst vor Journalisten. 1600 wohnraumsuchende Familien seien mittlerweile in der städtischen Notfallkartei gelistet. Wegen der hohen Mieten und der im Schnitt geringen Kaufkraft habe die Wohnungsnot nun auch den Mittelstand erreicht: „Wir sind jetzt schon in einer sozialen Schieflage, ohne Dietenbach würde das noch schlimmer werden.“ Dietenbach soll für die Stadtverwaltung und den Gemeinderat die eierlegende Wollmilchsau werden: Ein inklusiver (von Kirchbach), grüner und klimaneutraler (Umweltbür-

germeisterin Gerda Stuchlik), hochgradig versorgter (19 Kitas, zwei Schulen, eine Tramlinie), architektonisch ambitionierter (Haag) Stadtteil, der zudem großflächig bezahlbares Wohnen ermöglichen soll und am besten noch mit einer schwarzen Null abschließt. Ob das realistisch ist? In Freiburg gibt es nicht nur vereinzelte Stimmen, die das anzweifeln, die mit Neubau-Quadratmeterpreisen von über 6000 Euro und hohen Mieten rechnen. Doch da ist der gemeinderätliche Beschluss, wonach bei neuen Bebauungsplänen 50 Prozent der Wohnfläche als soziale Mietwohnungen hergestellt werden muss. Hoffen die Bürgermeister, diese Grundlage bei Dietenbach anzupassen? „Die Welt ist bunter“, sagt Haag auf Nachfrage.

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Stadtentwicklung

Dietenbach erfordere eine „andere Herangehensweise. Wir müssen erst einmal mit den Fraktionen darüber sprechen, wer was für wen überhaupt bauen kann.“ Klar ist, dass es Grundstücke für die Freiburger Stadtbau, die drei Baugenossenschaften, Baugruppen, das Mietshäusersyndikat geben soll. Ohne die private Bauwirtschaft aber wird der neue Stadtteil gar nicht zu stemmen sein. Und die baut keine 50 Prozent soziale Mietwohnungen, weil das in größerem Stil ein defizitäres Unterfangen ist. Beim Thema öffentlich geförderter Wohnraum werden zwei Flächen die tragende Rolle spielen, die eine gehört noch dem Land Baden-Württemberg. Zehn Hektar – oder 15 Fußballfelder – ist sie groß, das Land verkauft sie für 15 Euro (das ist der gutachterlich festgestellte Wert) an die Stadt, wenn auf ihr vom Land geförderter Mietwohnungsbau entsteht. Wenn am Ende die Hälfte der Fläche bebaubar ist und die Ausnutzung (GFZ 1,8) hoch ist, könnten dort netto 70.000 Quadratmeter preiswerter Wohnraum entstehen. Das wären rund 1000 Wohnungen. Die andere, ähnlich große Fläche gehört der Stadt Freiburg, sie könnte das „soziale“ Flächenmaß verdoppeln. Allein wird die Freiburger Stadtbau diese Flächen gar nicht herstellen können. Spannend wird sein, wie sich der neue Oberbürgermeister Martin Horn in diesen Prozess einschalten wird. Bei der Entwicklung des n ­ euen Stadtteils sei nun Halbzeit, sagte Projektleiter Rüdiger Engel. Im April 2012 hatten CDU, SPD, FDP und Freie Wähler den neuen Stadtteil gefordert. 2024 sollen dort die ersten Häuser hochgezogen werden. Entscheidende Fortschritte hat es unterdessen bei den Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern nicht gegeben, die nicht an die Stadt oder an die unlängst von der Freiburger Sparkasse gegründete Kommanditgesellschaft Entwicklungsmaßnahme Dietenbach

verkaufen wollen. Und denen gehört immerhin ein Vierteil der benötigten Fläche. Engel wird daher im kommenden Jahr „die erforderlichen Enteignungsmaßnahmen einleiten“. Das sei k­ eine Ausnahmesituation. Beim Stadtteil Vauban, aber auch bei Straßenbahnprojekten habe es in der Vergangenheit immer wieder solche Verfahren gegeben – zu einer faktischen Enteignung sei es dabei aber in keinem Fall gekommen. Der Projektleiter muss derzeit viele Bälle in der Luft halten. Da geht es um die baurechtlichen Verfahren, um die Suche nach 37 Hektar Ausgleichsflächen für Landwirte, um mehrere Millionen Kubikmeter Erde, die im hochwassergefährdeten und grundwasserflachen, 130 Hektar großen Areal aufgeschüttet werden müssen, um Grundstücks- und städtebauliche Verträge, sogar schon um Überlegungen, wie die Stadt die Vermarktung der Flächen so steuern kann, dass die Bauherren bei den Handwerkern oder Generalunternehmen keine Mondpreise bezahlen müssen, weil zu viel in zu kurzer Zeit auf den Markt kommt. „Wenn wir einen sozial ausgewogenen Stadtteil wollen, dann zählt auch das dazu“, sagt der 60-Jährige. Spätestens in zwei Jahren müssten der Bebauungsplan, die Grundstückszuschnitte und das Vermarktungskonzept – abgestimmt mit dem Gemeinderat – so gut wie fertig sein. Am 24. Juli soll das Gremium die Satzung für die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme beschließen. Die Stadträte bekommen insgesamt mehr als 1000 Seiten in sechs Vorlagen serviert. Marcel Thimm, der Vorstandsvorsitzende der Freiburger Sparkasse, die den privaten Eigentümern 64 statt der fürs Rathaus festgelegten 15 Euro auf den Quadratmeter zahlt, sieht derzeit „viel Bewegung“ bei den Grundstücksverträgen. Mehr als 300 Eigentümer haben sich verkaufswillig erklärt, 50 werden wohl auf den Zug aufspringen.

Wer kann wie für wen was bauen?

Was die Finanzierung mit einer schwarzen Null auf dem Treuhandkonto angeht, bleibt er aber skeptisch. In der Kalkulation seien 600 Millionen Euro aus den Grundstückserlösen gerechnet. Wenn 50 Prozent sozialer Mietwohnungsbau gefordert würden, werde sich diese Zahl halbieren: „Bauträger können den sozialen Mietwohnungsbau nur darstellen, wenn bei den Grundstückskosten eine Null steht.“ Auch die Sparkasse wolle preiswerten Wohnraum, aber 50 Prozent könnten das nicht sein. Zudem klaffe in der ihm bekannten Kalkulation darüber hinaus noch ein etwa 50 Millionen Euro großes Loch. Wenn der neue Stadtteil mit so vielen Anforderungen konfrontiert werde, dass es auf der politischen Bühne keinen wirtschaftlich tragfähigen Kompromiss gibt, kann die Sparkasse immer noch aussteigen. Dann hätte sie fünf, sechs Millionen Euro verloren. Die Stadtverwaltung könnte dann die Kommanditanteile übernehmen. Projektleiter Engel hofft, dass es dazu nicht kommt: Er will bei seinem Abschied aus dem Rathaus im Jahr 2024 den ersten Bewohnern am liebsten noch persönlich die Hand schütteln.  Lars Bargmann

Dietenbach-Info Die maßgeblichen Kosten

Erschließung: 120 Mio. Grund- und weiterführende Schulen: 118 Mio. Kitas & sonstige Einrichtungen: 90 Mio. Projektmanagement: 56 Mio. Grünanlagen: 53 Mio. Entwässerung: 31 Mio. Geländefreimachung/ Modellierung: 30 Mio. Finanzierungskosten: 30 Mio. Grunderwerb: 24 Mio. Planung und Gutachten: 17 Mio. Ausgleichsmaßnahmen: 12 Mio. Entschädigungen: 7 Mio. Gewässerausbau: 6 Mio.

Die Erlöse

Grundstücksverkäufe: 574 Mio. Fördermittel: 19 Mio.

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Bilanzen

Genossen mit günstigstem Wohnraum

Bauverein bilanziert robust und kippt Umzug auf den Güterbahnhof

Bauvorhaben auf dem Güterbahnhof: Spatenstich für 57 Mietwohnungen noch in diesem Jahr.

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er Bauverein Breisgau (BVB) hat im vergangenen Jahr 32,8 Millionen Euro in den Wohnungsbau investiert und dabei 4,1 Millionen Euro Gewinn gemacht. Seit 2007 investierten die Genossen rund 250 Millionen Euro in bezahlbaren Wohnraum. Bis 2027 soll es noch einmal so viel sein. Das berichteten die Vorstände Marc Ullrich und Jörg Straub bei der Vorlage des Geschäftsberichts für 2017. Die Bilanzsumme wuchs um 8,6 auf 279 Millionen Euro.

mietung, 4 aus dem Verkauf von fünf Reihenhäusern und einer Gewerbeeinheit, 1,5 aus Dienstleistungen. Soeben abgeschlossen ist das 13-Millionen-Euro-Projekt Carl-Sieder-Hof. An der Elsässer Straße wohnen und arbeiten heute 200 Menschen, wo vorher auf dem 5000 Quadratmeter großen Grundstück nur fünf Doppelhäuser standen. Auf Nachfrage des business im Breisgau erklärt Ullrich, dass der noch unter dem Vorgänger Reinhard Disch geplante Umzug der Geschäftsstelle an den Güterbahnhof ad acta gelegt wurde: „Betriebswirtschaftlich macht das keinen Sinn.“ Die Genossen verlängern daher im Nachbargebäude an der Zähringer Straße einen Ende 2019 endenden Mietvertrag nicht und erweitern lieber auf diese Flächen, als teuer für sich selbst zu bauen. Das dafür anvisierte Haus C auf dem Güterbahnhof wird an die Freiburger Treubau AG verkauft, die dort ihre neuen Firmenräume beziehen wird. In den beiden anderen Häusern erstellen die Genossen 57 bezahlbare Mietwohnungen. Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein. Auf den Gutleutmatten baut der BVB zwölf Mietwohnungen auf einem Grundstück, das eine Kluft zwischen dem von der Freiburger Politik Gesagten („alles tun für

Visualisierung: © Laux Architekten

Bauverein bleibt in Zähringen

Entscheidender als die großen Zahlen ist aber eine kleine: 6,41. So viele Euro kostet im Schnitt ein Quadratmeter Wohnraum bei Freiburgs größter und ältester Baugenossenschaft. „Damit sind wir der günstigste Anbieter in der Region“, sagte Ullrich. „Die preisdämpfende Wirkung von Baugenossenschaften ist heute wichtiger denn je“, so der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Behrens. 10,9 Millionen Euro steckten die Genossen in die Modernisierung der 4817 eigenen Wohnungen, 19,6 Millionen in den Bau neuer Miet- und 2,3 in den Bau von Eigentumswohnungen. „Mit unseren Investitionen sichern wir in der Region viele Arbeitsplätze“, betonte Ullrich. Auf der Einnahmeseite stehen 33,6 Millionen Euro aus der Ver8 | chilli | business im Breisgau | 07.2018


Bilanzen

preiswerten Wohnraum“) und Getanem aufzeigt: Denn die Ausnutzung des von der Stadt nicht günstig gekauften Grundstücks mit nur vier Geschossen sowie das Verbot eigener Stellplätze – „wir mussten die stattdessen teuer von der Freiburger Stadtbau kaufen“ – machen das Projekt wirtschaftlich zu einem Subventionsgeschäft. „Wir bauen da nur, weil wir unserer älter werdenden Bewohnerschaft in den Gartenstadt-Reihenhäusern barrierefreies Wohnen im Umfeld ermöglichen wollen“, so Ullrich.

Läuft: Mehr Milch, mehr Geld Schwarzwaldmilch bilanziert 2017 Foto: © Stefan Pawellek

Kritik am Gestaltungsbeirat In Opfingen wollten die Genossen schon lange bauen, der Gestaltungsbeirat legte das Vorhaben aber erst einmal auf Eis, weil die Planung in einen Masterplan eingefasst werden soll. Der nebenamtliche Vorstand Gerhard Kiechle ist Opfinger und sagt: „Ich verstehe die Argumentation nicht. Das, was da mit einbezogen werden soll, die Schule, die Halle, der Kindergarten, wird sich in den nächsten Jahren gar nicht verändern. Hier wird einfach Wohnraum verzögert.“ Ullrich appelliert erneut an die Politik, den Genossenschaften beim Kauf von Grundstücken zu helfen: „Wenn Bauträger pro Quadratmeter 6000 Euro für Eigentumswohnungen aufrufen, können wir mit unserem bezahlbaren Mietwohnungsbau bei den Angeboten einfach nicht mithalten. Die Politik muss uns hier helfen.“ Zu den aktuellen Bauvorhaben zählt auch das Uni Carré, wo der BVB derzeit 141 Mietwohnungen mit einer Durchschnittsmiete von 9,90 Euro baut. Mitten in der Stadt, mit perfekter Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr. Auch wenn in Freiburg die 141 durchaus eine große Zahl ist: Auf der Wohnungswarteliste beim BVB stehen rund 2000 Namen. Und die haben noch einmal 2000 Familienangehörige. Lars Bargmann

Berichteten von 2,4 Millionen Euro Gewinn: Aufsichtsrat Markus Kaiser, Andreas Schneider und Kommunikationschefin Caroline von Ehrenstein.

A

ndreas Schneider, Geschäftsführer der Freiburger Schwarzwaldmilch GmbH, legte bei der Bekanntgabe der Bilanz für 2017 durchaus positive Zahlen vor: Der Umsatz stieg um 9,8 Prozent auf 179 Millionen Euro, während der Absatz um 5,5 Prozent auf 173.291 Tonnen zulegte – ein Effekt, den Schneider als „ertragsorientiertes Wachstum“ bezeichnete. Der an die 1007 Genossenschaftsmitglieder gezahlte Milchpreis kletterte kräftigt um fast 20 Prozent auf 41,32 Cent pro Kilo; für die Bio-Milch um 6,5 Prozent auf 55.40 Cent. Trotz einer Investitionssumme von 10,3 Millionen Euro (2016: 10,5) konnte ein Bilanzgewinn von 2,4 Millionen Euro erzielt werden, der komplett in die Rücklagen floss. Damit hat das Unternehmen mit aktuell 380 Mitarbeitern nun 30,3 Millionen Euro Eigenkapital. Die vier Markenlinien Schwarzwaldmilch, Schwarzwaldmilch Bio, Breisgau Qualitätsmarke sowie Schwarzwaldmilch LAC lactosefrei wurden weiter ausgebaut und erzielten ein Absatzwachstum von 2 und ein Umsatzwachstum von 4,1 Prozent. Erfolgreichste Produkte waren Schwarzwaldmilch mit plus 11,4

Prozent sowie Bio-Milch mit plus 7,6 Prozent. Schwarzwaldmilch-Produkte werden zu 65 Prozent in Baden-Württemberg vermarktet. „Unser Thema ist Heimat“, so Schneider. Nur ein Viertel geht nach „Rest-Deutschland“, etwa zehn Prozent in den Export. Die direkten Anrainerstaaten sind die stärksten Abnehmer, aber Schwarzwaldmilch finde sich auch in China. Spezialisierte Zutaten – Hefe, Sportlernahrung, lebensmittelbasierte Produkte – werden von rund 100 Mitarbeitern in Offenburg hergestellt. Auch hier konnte ein Plus von 6,1 Prozent erzielt werden. Die Ende Juni 1036 Genossen dürfen auch 2018 wieder ein gutes Jahr erwarten: in den ersten fünf Monaten wurde im Markengeschäft ein Umsatzplus von über zehn Prozent erreicht. Diese positive Entwicklung werde sich, so Schneider, im zweiten Halbjahr fortsetzen. Irgendwann wird dann auch die schon lang angekündigte eigene Käserei gebaut, in der 800 bis 1200 Tonnen Premiumkäse erzeugt werden sollen. Der Standort dieser Käsemanufaktur müsse „vor Schwarzwald triefen“, man verhandle mit potenziellen Gemeinden – welche das seien und bis wann eine Entscheidung fiele, spk wollte Schneider nicht sagen.

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Genossenschaften

Widrigkeiten in der Wiehre Familienheim mit vielen guten Zahlen und einem Problem

Foto: © Familienheim Freiburg

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ie 1930 gegründete Baugenossenschaft Familienheim Freiburg hat fürs abgelaufene Geschäftsjahr erneut eine gute Bilanz hingelegt. 21 Millionen nahm sie mit Mieten ein, 10,9 Millionen investierte sie in den aktuell 2691 Wohnungen fassenden Bestand und neue Wohnungen, 2,3 Millionen Euro blieben unterm Strich als Gewinn, 356.000 Euro werden an die Mitglieder ausgeschüttet. Angesichts der Auseinandersetzungen um den geplanten Abriss der Gebäude Quäkerstraße 1 bis 9 geraten nackte Zahlen aber zur Nebensache.

Bestandsgebäude an der Charlottenburger Straße: Insgesamt steckten die Genossen 8,12 Millionen in die energetische Modernisierung der eigenen Wohnungen.

In der Wiehre wird erbittert gegen die Genossenschaft gekämpft, weil deren Vorsitzende, Anja Dziolloß und Alexander Ehrlacher, eine 1952 erstellte Häuserzeile mit 43 Wohnungen abreißen und im Neubau (samt einem viergeschossigen Haus im Hinterhof) dann mehr als 50 Wohnungen unterbringen wollen – zu Mieten zwischen 7,50 und 10 Euro. Der Bestand ist nicht barrierefrei, technisch und energetisch 70 Jahre alt. Wer diese Häuser saniert, schädigt seine Wirtschaftlichkeit. Das ist die Position von Dziolloß und Ehrlacher. Der Bestand sei mit 550.000 Euro leicht zu sanieren, die Genossen betrieben Gentrifizierung und würden nur noch auf ihre Bilanzen schauen, statt ihrem Auftrag nachzukommen, bezahlbaren Wohnraum zu sichern und zu schaffen. Das ist die Position der Initiative „Wiehre für alle“. Die hatte ein „Gutachten“ (Dziolloß setzt die Anführungszeichen in die Luft) beauftragt, das im Kern den Erhalt als problemlos bezeichnet hatte. Diese „Stellungnahme kann in keiner Weise als fundierte Basis für weitere Entscheidungen bezüglich des Umgangs mit der Liegenschaft herangezogen werden“, heißt es

in einem Schreiben des Bauberatungsbüros Drees & Sommer. In einem Gutachten des Ingenieurs Fred Wagner aus Stuttgart heißt es: „Die ermittelten Gesamtkosten in Höhe von 548.132 Euro sind nicht zutreffend und somit keine Basis für die weitergehende Diskussion in der Sache.“ Für den Laien ist es erstaunlich, mit wie wenig Aufwand die Initiative so weitreichende Entscheidungen beeinflusst. Der Gestaltungsbeirat – ein in Freiburg nicht unumstrittenes Gremium – hat den Genossen empfohlen, zu sanieren. Aus städtebaulichen, architektonischen Gründen. Aber er muss es ja wirtschaftlich auch nicht verantworten. Und mehrere Fraktionen mit einer potenziellen Mehrheit im Gemeinderat wollen nun vom Rathaus wissen, ob für das Gebiet eine soziale Erhaltungssatzung her muss. Was den Neubauplan weiter massiv erschweren würde. Dziolloß und Ehrlacher wenden sich also erst einmal anderen Bauvorhaben zu – im Umland. In Emmendingen bauen sie ein zweites Haus in Ziegelbauweise, in Kirchzarten planen sie 27 neue Wohnungen, in Breisach ein gutes Dutzend. In Freiburg, sagt Dziol-

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loß, kann preiswerter Wohnraum nur auf bezahlbaren oder eigenen Grundstücken entstehen. Wenn das in der Wiehre nicht geht, dann bleibt die Häuserzeile so, wie sie ist: „Sanieren werden wir dort definitiv nicht.“ Positiver ist die baldige Fertigstellung des Wohn- und Geschäftshauses an der Ecke Tal- und Falkensteigstraße, wo die Mieten zwischen 8,50 und 9,11 Euro liegen. Die Durchschnittsmiete bei den Genossen liegt bei 7,01 Euro, 1,24 Euro unter dem Mietspiegel. Freiwillig hat sich die Familienheim gegenüber dem Freiburger Rathaus bereit erklärt, auslaufende Mietbindungen für 194 Wohnungen an der Bissierstraße zu verlängern. Es konnten aber nur 32 verlängert werden: Bei den anderen lagen die Voraussetzungen für das Wohnen in einer solch verbilligten Wohnung gar nicht mehr vor.  bar Bilanz-Box

2017

(2016)

Bilanzsumme 160,3 Mio. € (158,3 Mio. €) Gewinn 2,31 Mio. € (2,75 Mio. €) Anlagevermögen 139,3 Mio. € (138,8 Mio. €) Eigenkapital 63,3 Mio. € (61,2 Mio. €) Spareinrichtung 39,6 Mio. € (38,6 Mio. €) Mitglieder 8414 (7963) - davon wohnungssuchend 1200


Energiebranche

Klage, Kartellwächter, Kritik: Badenova schlägt zurück Energiedienst veranstaltet offenbar Schlammschlacht / Kommunen unter Druck

Fotos: © Badenova

Z

wischen zwei südbadischen Energieversorgern herrscht aktuell eine spannungsgeladene Atmosphäre: Weil die Städte Lörrach und Weil am Rhein ihre Stromversorgung künftig selber in die Hand nehmen wollen, haben sie einen Partner gesucht. Die Energiedienst-Tochter ED Netze aus Laufenburg hatte

sich beworben, aber gegen die Badenova den Kürzeren gezogen. Deswegen geht das Unternehmen nun juristisch gegen den rein kommunalen Energieversorger mit Hauptsitz in Freiburg vor und schwärzt ihn dabei offenbar auch an. „Die Vorwürfe sind absolut haltlos“, kontert der Badenova-Vorstandsvorsitzende Thorsten Radensleben.

Die Energiedienst Holding AG gehört zu zwei Dritteln der EnBW, zu 15 Prozent der Services Industriels de Genève (SIG) und zu 18 Prozent Drittaktionären. Die Energiedienst-Tochter ED-Netze – die noch die Stromkonzession in Lörrach und Weil hat, geht juristisch gegen die Vergabe an Badenova vor. Mit den Vorwürfen befasst sich derzeit die in Karlsruhe angesiedelte Vergabekammer des Landes. Parallel läuft schon länger, räumt Radensleben ein, ein Verfahren des Landeskartellamts gegen Badenova, in dem es darum geht, ob das erfolgreiche Kompas-Modell (kommunale Partnerschaft, hier konnten sich Kommunen Kommanditanteile und sogenannte stille Beteiligungen an Badenova kaufen) wettbewerbsrechtlich in Ordnung ist. Etwa, weil es den stillen Anteilseignern hohe Zinsen (4,5 bis 7 Prozent) garantiert. Radensleben betont, dass das 2010 platzierte und 2012 abge-

schlossene Modell im Vorfeld vom Innenministerium in Stuttgart, dem Regierungspräsidium Freiburg, den Landratsämtern sowie der Verwaltungshochschule in Kehl geprüft und nicht beanstandet wurde. Die stillen Gesellschafter hatten zuletzt 6,9 Prozent Rendite auf ihre Anteile bekommen. Das ist heute nur noch mit riskanten Anlagen zu holen, war damals aber keineswegs unüblich. „Wie hier mit uns aufgrund einer Vergabe umgegangen wird, habe ich in meiner beruflichen Laufbahn noch nicht erlebt“, sagte Radensleben. Die öffentliche Diskreditierung sei keine legitime Form des Wettbewerbs. Ein Vorwurf der Kartellwächter lautet, dass das Modell Konzessionsvergaben beeinflusst. Das wies Radensleben zurück: Von 49 seither erhaltenen Konzessionen seien nur 24 Kommunen auch Anteilseigner gewesen. Anders herum haben sechs Anteilseigener ihre Konzessionen an andere Versorger vergeben. „Die Vorwürfe sind absolut haltlos“, so Radensleben. Es gibt allerdings einen Passus in den Kompas-Verträgen, wonach Kommunen ihre Anteile an Badenova zurückverkaufen müssen, wenn sie ihre Konzessionen nicht an die

Badenova-Hauptsitz an der Tullastraße.


Energiebranche

Badenova vergeben. „Diesen Passus hat damals das Innenministerium gefordert“, sagt Radensleben. Die Kartellwächter hatten schon 2015 erste Fragen zum Kompas-Modell gestellt. Diese hatte die Badenova beantwortet, der Vorstand war davon ausgegangen, der Vorgang sei damit erledigt. Mitte vergangenen Jahres Muss Attacken abwehren: Thorsten Radensleben. gab es dann einen erneuten Vorstoß der Behörde, für die nicht mal der Ministerpräsident weisungsgefugt ist. Dieses Wissen hat Energiedienst offenbar nun im Zuge der juristischen Auseinandersetzungen um die Vergabe mit einfließen lassen. Das Kartellamt äußert sich zum aktuellen Verfahren nicht. Nach Informationen des Südkurier fordert das Kartellamt beispielsweise, dass die Stadt Neuenburg ein Drittel der Ausschüttungen ans Land abgeben und seine Konzession neu ausschreiben müsse. Während des Kompas-Programms hatten sich 81 Kommunen, die der Badenova die Gas- oder Stromkonzession gegeben hatten, zusammen 2,97 Prozent der damals auf 789 Millionen Euro taxierten Badenova GmbH & Co. KG gekauft, die größten Anteilseigner, die Stadt Freiburg und die Thüga AG, hatten diese Anteile abgegeben. Dass das Kartellamt in der Energiebranche ermittelt, ist keine Seltenheit. Dass aber nun Kompas angegriffen werde, „ist wirklich was Besonderes“, sagt Radensleben. Die Badenova werde auf jeden Fall ein Nachfolgeprojekt lancieren. Dies soll gleich mit der Kartellbehörde abgestimmt werden. Der Vorstandsvorsitzende kennt nur einen Fall, in dem das Unternehmen mal gegen das Kartellamt den Kürzeren gezogen hatte, weil es Ungereimtheiten in der Gebührenordnung für die Wasserversorgung gegeben hatte. Damals sei es aber nur „um ein paar Euro“ gegangen. Auf der anderen Seite beklagt Energiedienst, dass Lörrach und Weil sich von Kanzleien beraten ließen, die auch für Badenova tätig sind, und ein intransparentes Verfahren, weil die Badenova einen Mitarbeiter von Energiedienst abgeworben habe. Auch diese beiden Argumente seien haltlos, so Radensleben. Auf die komplizierte Vergabe spezialisierte Kanzleien seien rar, da treffe man oft auf die gleichen Experten, und der Mitarbeiter sei durch ein Beratungsunternehmen angesprochen worden und habe mit der Bewerbung nichts zu tun gehabt. Er arbeitet seit dem 1. Juli nun in Freiburg. Auch Schopfheim hatte unlängst einen Partner zur Gründung von Stadtwerken gesucht. Dort hatte Badenova gegen Energiedienst und die Stadtwerke Bad Säckingen verloren, die Niederlage aber klaglos akzeptiert. Lars Bargnann chilli | business im Breisgau | 07.2018 | 13


Banken

Fusion auf Augenhöhe ohne Opfer

Die neue Volksbank Breisgau-Markgräflerland sieht sich gut aufgestellt

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Foto: © VOBA Breisgau-Markgräflerland

s ist immer besser zu agieren, als reagieren zu müssen“, sagt Norbert Lange, der neue Vorstandsvorsitzende der Volksbank Breisgau-Markgräflerland, die aus der Fusion der Volksbank Müllheim und der Volksbank Breisgau-Süd hervorgegangen ist. Das neue Institut hat eine Bilanzsumme von 1,74 Milliarden Euro, Kundeneinlagen in Höhe von 1,85 Milliarden Euro und ein Kundenkreditvolumen von 1,22 Milliarden Euro. Wann die Idee einer „Fusion auf Augenhöhe“, wie Jörg Dehler, ehemaliger Vorstandschef von Breisgau Süd und heute Vize-Vorstandsvorsitzender des neuen Hauses, sagt, geboren wurde, weiß keiner mehr so ganz genau. Jahre sei es her, heißt es, man „habe sich gekannt“, die „Kulturen haben gepasst“, auch die Mitarbeiter kannten und vertrauten sich. Sicher ist, die Fusionsidee entstand ohne Druck – beiden Häusern ging es gut, die wirtschaftlichen Parameter waren günstig. Darauf bauten die Vorstände die praktische Fusion auf: gemeinsame Veranstaltungen bereiteten den Boden, paritätisch besetzte Ausschüsse, gemeinsame Büroregeln, eine gute Zusammenarbeit der beiden Betriebsräte, all dies bewirkte, dass die Fusion friktionsfrei über die Bühne ging. Wirklich? Ist die Größe des neuen Vorstands wie des neuen Aufsichtsrates nicht eine Verbeugung vor Leitungspersonen, denen man nicht wehtun wollte? Vier Vorstände hat etwa die größere Volksbank Freiburg nicht aufzuweisen. „Nein“, wehrt Lange ab, fügt

Quartett mit Dame: Der neue Vorstand mit Karin Ortlieb, Norbert Lange, Jörg Dehler und Matthias Engist. aber hinzu, „es gab wirklich keine ,Opfer‘ unter den Führungsleuten.“ Man habe aber auf eine komplette Führungsebene verzichtet und so die Verwaltung flacher, schlanker und effizienter gemacht. Zudem sei inzwischen die Spezialisierung größer geworden, da seien zwei Marktvorstände, ein Vorstand IT/Organisation und einer für Rechnungswesen/ Controlling nicht zu viel. Der aktuell 19-köpfige Aufsichtsrat soll in den nächsten Jahren auf 12 schrumpfen. Lange kennt die heraufziehenden Herausforderungen: „Da ist der Arbeitsmarkt, die Eigenkapitalbasis, die Risikotragfähigkeit, der Wandel im Privatkundengeschäft, die Digitalisierung und letztendlich die Problematik der Niedrigzinsphase.“ Ein größeres Haus sei für Auszubildende interessanter, mehr Eigenkapital bedeute mehr Sicherheit und man könne „unseren anspruchsvollen, starken Mittelstand nun noch besser bedienen“. Lange spricht von einer „kritischen Masse“: Wie viele Mitarbeiter braucht man, um alle Aufgabenstellungen optimal anbieten zu können? Und: Wie

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teuer ist das? „Es gab bei den beiden Häusern durchaus Punkte, wo es sich für den Einzelnen nicht rechnete, dieses oder jenes Feature anzubieten, für beide zusammen aber sehr wohl.“ 300 Mitarbeiter auf 200 Stellen hat das neue Haus. Niemand sei durch die Fusion auf der Straße gelandet. Ob das so bleibt? „Für die kommenden Jahre sind wir optimal aufgestellt“, sagt Lange, „doch eines ist sicher, die Zukunft ist unsicher!“ Deswegen ist auch die Zahl der 23 Filialen nicht sakrosankt. Denn die Vorstände sehen das Ende der guten Bilanzen gekommen, die Folgen der Niedrigzinspolitik werden immer stärker in den Bilanzen sichtbar. Deswegen, glaubt Jörg Dehler, wird es weitere Fusionen geben. Die neue Volksbank BreisgauMarkgräflerland wird sicher eher zu denjenigen gehören, die andere Institute aufnehmen. Doch das, betonen Dehler und Lange, interessiere sie im Augenblick nicht: „Wir sind mit unserer Fusion für die Zukunft gut aufgestellt.“ Und es gehöre zum Credo auch der neuen Bank, dass man lieber agiert als reagiert. Stefan Pawellek


Banken

Viel Aufregung um Standortentscheidung

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üllheim verliert immer mehr an Bedeutung, sehen Sie doch das mit der Sparkasse.“ So oder so ähnlich lauten derzeit viele Kommentare, spricht man Passanten auf der Werderstraße, Müllheims Hauptgeschäftsstraße, an. „In der Tat: Auf den ersten Blick sind wichtige und wertvolle Einrichtungen zentralisiert worden. Dafür arbeitet die Müllheimer Stadtverwaltung an wichtigen Projekten, um die Attraktivität und Lebensqualität zu erhöhen“, sagt Ulrich Feuerstein, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Markgräflerland. Die war 1972 aus einer Fusion der Kassen in Müllheim und Weil hervorgegangen – mit der Maßgabe zweier gleichberechtigter Hauptsitze. Und diese, so steht es im Fusionsvertrag, sollen in gleichem Maße gefördert und weiterentwickelt werden. Das sei nicht mehr der Fall, sagen Kritiker und sehen einen „gravierenden Zentralitätsverlust“ für Müllheim, denn der Vorstand plant bis 2020 die internen Abteilungen, derzeit auf drei Standorte verteilt, an einem zusammenzufassen – in Weil. Am Rande des dortigen Messeplatzes soll ein Neubau entstehen, der Standort wurde nach einer Analyse durch die Uni Hannover gewählt und ist von den Gremien bereits abgesegnet – was insbesondere Müllheims Stadtoberhaupt Astrid Siemes-Knoblich, Verwaltungsratsmitglied, harsche Kritik

einbringt. Wortführer ist Altbürgermeister Hans-Peter Sänger, dem auch Gegner bescheinigen, Müllheim entscheidend vorangebracht zu haben. Er war es, der 1972 die Fusion angeregt und den Fusionsvertrag mit ausgehandelt hatte. Sänger will nicht einsehen, dass sein weitsichtiges Werk von der Zeit überholt wurde und nun nachjustiert werden muss, weil sich das Bankgeschäft rasant wandelt. „Wir müssen einfach, um zukunftsfähig zu sein, unsere Strukturen straffen“, begründet Feuerstein. Eine Zentrale für alle internen Aufgaben in Weil, vier große Kundencenter in Weil, Müllheim, Neuenburg und Grenzach und mehrere Geschäftsstellen – so werde die Sparkasse Markgräflerland 2020 aussehen. In Weil sollen im 20 Millionen Euro teuren Neubau ab 2020 rund 190 Beschäftigte arbeiten, in Müllheim 50 – statt heute 40 – im Kundengeschäft. „Augenwischerei“, rufen die Kritiker – und haben nicht unrecht: Derzeit arbeiten insgesamt 140 Mitarbeiter in Müllheim. Von den 100, die ihren Arbeitsplatz wechseln müssen, wohnten, so Feuerstein, nur 25 in Müllheim, 75 südlich der Stadt, sodass die bei der Fahrt zum Arbeitsplatz nur die Himmelsrichtung wechseln würden: „Es hat sich bisher niemand gegen den neuen Arbeitsort ausgesprochen, im Gegenteil, alle haben bei den Planungen mitgearbeitet.“ Eine abzuarbeitende Frage ist, wie Müllheim die abwandernde Gewer-

Bürgermeister kritisiert Bürgermeisterin

Foto: © spk

Die Sparkasse Markgräflerland konzentriert in Weil

Strukturen straffen: Ulrich Feuerstein besteuer verkraften wird. Das soll, so die Planung, durch eine Ausgleichsabgabe abgefedert werden: Weil zahlt Müllheim bis zu 15 Jahre lang einen sich jährlich mindernden Betrag, sodass der Verlust erst allmählich spürbar wird. Die Gegner sind skeptisch: Verträge könnten gebrochen werden, so, wie aus ihrer Sicht, der Fusionsvertrag. Feuerstein hingegen stellt klar, dass es sich in keiner Weise um Vertragsbruch handle. Dies würde der Verwaltungsrat niemals dulden. Ein weiterer Ausgleich sei, dass auf dem derzeitigen Parkplatz der Geschäftsstelle Müllheim, „ein städtebauliches Filetstück“, fünf Stadthäuser mit 55 Wohneinheiten errichtet werden. Die dort Wohnenden würden Geld in Müllheims Einzelhandel, die Gastronomie und letztlich in die Steuerkasse spülen. Zudem bekommt Müllheim ein neues Kundenzentrum. Feuerstein erklärte, dass durch die Konzentrationen keine Stellen gestrichen Stefan Pawellek würden. 

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Der Gewerbepark von oben: 200 Firmen mit 2500 Mitarbeitern haben sich hier mittlerweile angesiedelt.

Ende Gelände

Der Gewerbepark Breisgau ist so gut wie ausverkauft m Gewerbepark Breisgau gibt es bald keine Flächen mehr: Jüngste Zuwanderer aus Freiburg sind der Logistik-Riese Dachser, der sich 65.000 Quadratmeter gesichert hat, der Haustechnik-Großhändler Bucher KG,

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der nun 45.000 Quadratmeter sein Eigen nennt, sowie der Medien- und Kommunikationstechniker Kilchenmann AG, der aus der Schweiz nach Deutschland expandiert – als Mieter in die Gebäude der Fischer GmbH.

„Wir sind eine Erfolgsgeschichte, aber keine Blaupause für die Entwicklung von Gewerbeparks“, kommentiert Markus Riesterer, der Geschäftsführer der Gewerbepark Breisgau GmbH, der von der Kilchenmann-Ansiedlung erst durch unsere Redaktion erfuhr. Die 1994 von zwölf Kommunen und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes Bremgarten gegründete Gewerbeansiedlung sei daher auch kein Muster, das eins zu eins auf den geplanten binationalen Gewerbepark Fessenheim übertragen werden könne. Man helfe zwar gerne mit Rat, doch die Ausgangslage sei eine andere: verschiedene Rechtssysteme, unterschiedliche Strukturen, was gehört dort wem? Wer hat dort wobei das Sagen? Eine ins Spiel gebrachte Beteiligung des Gewerbeparks als Miteigner des Areals sei zwar ein „charmanter Gedanke“, stehe aber überhaupt nicht zur Diskussion. Bislang sei jedenfalls im zuständigen Gremium der Verbandsversammlung hierüber nicht gesprochen worden; eine Kooperation sei aber irgendwann durchaus denkbar. Diskussionen gab es viele, im Vorfeld und auch, als der Gewerbepark Breisgau eröffnet wurde: Auf insgesamt 581 Hektar Fläche wurden knapp 150 Hektar Bauland ausgewiesen, dazu kamen Verkehrswege, die Landebahn und stolze 348 Hektar Grünfläche. Damals gab es immer wieder Stimmen, das Projekt sei gescheitert – besonders zu jenem Zeitpunkt, als sich die Verbindlichkeiten, die zur Konversion des Geländes aufgelaufen waren, auf 25 Millionen Euro aufgetürmt hatten. Heute seien alle „mehr als zufrieden“.

Es war nicht einfach, den Standort bekannt zu machen, seine Vorteile herauszustellen – Autobahnanschluss, Bahnanschluss, Landebahn. Man tingelte von Messe zu Messe, schaltete Anzeigen und freute sich über jeden, der Interesse zeigte. Heute ist das ganz anders: 200 Firmen haben sich im Park angesiedelt, fast 2500 Arbeitsplätze sind entstanden – und es gibt kaum noch Flächen, die vermarktbar wären. Übrig sind nur noch 80.000 Quadratmeter, für die es bereits zwei Interessenten gebe, über die sich Riesterer beharrlich ausschweigt und nur so viel sagt, dass einer der beiden aus dem produzierenden Bereich komme und sich mit Systemen zur Energieeinsparung beschäftige. Zu diesen Flächen gesellen sich noch solche, die derzeit für Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden und ab 2019 in die Erschließung kommen sollen sowie gut 20 Hektar Erweiterungsgrundstücke, die rund zur Hälfte bebaut werden könnten. Ende 2018 sollten alle dazu rechtlich erforderlichen Beschlüsse vorliegen und die Unterlagen dem Landratsamt zur Genehmigung vorgelegt werden. Dann aber ist wahrlich „Ende Gelände“. „Wir sind wählerischer geworden“, sagt Riesterer. Und teurer. Kostete von 1994 bis etwa 2009 der Quadratmeter rund 45 Euro, liegt er heute für Firmen im flugaffinen Bereich bei rund 120 Euro, für andere Betriebe bei 90 Euro. War man 1994 beinahe um jedes Unternehmen froh, das sich ansiedeln wollte, fokussiert man sich heute auf Betriebe, die emissionslos arbeiten, architektonisch interessante Gebäude errichten, Arbeitsplätze schaffen und sichere Gewerbesteuerbringer sind.

Fotos: © Oliver Münzer – Swing Europe, spk

»Wir sind wählerischer geworden«

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Gewerbefflächen

Im Branchenmix sind heute Firmen der Medizintechnik, Logistik, produzierende Betriebe, Dienstleister und Handwerk zu finden. Auch der Stuttgarter Autobauer Daimler ist temporär im Bremgarten zu finden: Der „Taxiway“ des Flughafens wird für Tests an den Hersteller vermietet, der dort seine Fahrzeuge oder die der Tochter Evo-Bus testet. Längst sind die Anlaufkosten beglichen, fließt aus dem Park Geld in die Kassen der beteiligten Gemeinden, 2017 insgesamt zwei Millionen Euro. Im Januar 2018 wurde rund eine Million Euro ausgezahlt und für das Jahresende rechnet Riesterer mit einer weiteren Sonderausschüttung. Verteilt wird das Geld nach dem Anteilsschlüssel, so bekommt beispielsweise Freiburg 30 Prozent, Bad Krozingen zehn Prozent oder Hartheim 15 Prozent. Doch das ist nicht alles: Die Gemarkungsgemeinden und auch die Parkverwaltung selbst profitieren anteilig auch von der Gewerbesteuer. Wie viel Geld das in die eigene Kasse spült, will Riesterer nicht preisgeben. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Aufgaben der Verwaltung stark geändert. Die Kommunen hatten 1994 an den Zweckverband Rechte abgegeben: „Wir sind eine klassische Verwaltung“, sagt Riesterer. So gibt es eine eigene Kämmerei, Kassenverwaltung, ein eigenes Bauamt; man setzt Abwasser- und Wassergebühren fest, erarbei-

tet Bebauungspläne; dieser „hoheitliche Bereich“ wird bleiben, immer wichtig sein, lediglich seine Schwerpunkte ändern. Anderes wird weniger, fällt weg: Marketing gehört dazu, Messebesuche sind völlig eingestellt, es gibt kaum noch Abbruchmaßnahmen, deutlich weniger Bauanträge werden in den nächsten Jahren erwartet. Was bleibt, ist, den Park auf dem neuesten Stand zu halten: Digitalisierung, Breitbandverkabelung, Anschluss an den ÖPNV. Der Geschäftsführer bald ein gehobener „Facility Manager“? Riesterer hört das nicht gern, räumt aber auf Nachfrage ein, dass seine 2017 auf fünf Jahre verkürzte Vertragslaufzeit und die Ausgestaltung als 50-Prozent-Stelle ein wenig damit zu tun habe. „Ich will den Park mit der Erweiterung noch zu Ende bringen“, sagt er. Aber viel mehr bleibe eben nicht mehr zu tun. Da sind die Dauerbeschwerden der Bürgerinitiative „AFLIG e.V. – Gemeinsam gegen Fluglärm“, der der im Vergleich zum früheren Nato-Flugplatz viel geringere Flugbetrieb immer noch ein Dorn im Auge ist und deren Beschwerden teilweise kuriosen Charakter aufweisen. Und da ist noch der Bau der regionalen Feuerwehrübungsanlage, für die soeben eine Mitteilung des Landes auf Riesterers Tisch flatterte, wonach das Land 70 Prozent der förderfähigen Baukosten in Höhe von 2,7 Millionen Euro über-

Markus Riesterer: Freie Grundstücke sind rar. nimmt. Das Angebot der Übungsanlage geht an die Feuerwehren Freiburgs, des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen und Lörrach sowie deren Werkfeuerwehren. Errichtet werden sollen eine Heißausbildungsanlage, ein Übungsturm und Übungseinrichtungen auf Straße und Gleis, für den Umgang mit Gefahrstoffen sowie eine Atemschutzübungsstrecke mit Schulungsgebäude. Knapp 25 Jahre nach dem Start ist der Gewerbepark zu einem funktionierenden Gebilde geworden, dessen ökonomische Strahlkraft und Bedeutung für die gesamte Region wichtig und spürbar ist. Wer sich, wie jetzt die Firmen Bucher, Dachser und Kilchenmann, hier ansiedeln und von der modernen Infrastruktur profitieren will, hat nicht mehr viel Zeit: Die Tore des Parks beginnen sich zu schließen. Stefan Pawellek 5 Anzeige

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Gewerbeimmobilien

Der AC/DCHightech-Tetraeder

Die te-trade AG will 2019 mit dem Bau auf der Haid loslegen

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mmobilien ziehen derzeit nahezu magnetisch Kapital an. Eine Vorzeigeimmobilie ist ab sofort in der Vermarktung: der Solar-Tetraeder aus der Feder des renommierten Freiburger Solararchitekten Rolf Disch, den die te-trade AG um ihren

Vorstand und Alleinaktionär Paul Heinrich Neuhorst am südlichen Stadteingang von Freiburg bauen will. Neben der Form sind auch die nackten Zahlen beeindruckend: 49 Meter hoch soll der Turm werden, eine Landmarke. 8263 Quadratme-

ter Nutzfläche gibt es auf zehn Etagen, energieautark, mit Wechselstrom und Gleichstromnetzen (AC/ DC), mit Kühldecken, Grundwassernutzung und Energiespeichern, innovativ und im Gewerbegeiet HaidSüd gut erreichbar.

Dort soll ab voraussichtlich Ende 2020 auf mindestens einem Fünftel der Fläche auch die neue Firmenzentrale der Gesellschaft für Lichttechnik, te-trade, sein, hinter den Solarmodulen an der dreieckigen Fassade, die das Sonnenlicht optimal ausnutzt, weil sie die richtige Neigung hat – und keine Nordseite. Te-trade-Vorstand und Investor Neuhorst bietet Flächen zwischen 275 und knapp 1100 Quadratmetern an. Zur Miete, zum Kauf für den Eigennutz oder als Kapitalanlage. Entweder schon voll ausgebaut oder im veredelten Rohbau. Das Investitionsvolumen dürfte bei rund 28 Millionen Euro liegen. Die erste Zielgruppe sind bauaffine Firmen und Investoren. So könnte im Tetraeder eine Art Info-Zentrum Bauen entstehen. Aber auch für andere Inte-

ressenten ist der einstige Spectral-Geschäftsführer offen. Der Architekten-Entwurf hat den Gang durch den kritischen Gestaltungsbeirat bereits locker gemeistert: „Das geplante Projekt hat das Potenzial, einen unverwechselbaren Stadteingang zu formulieren und gleichzeitig ein kräftiges Leitbild der Green City mit einer hohen ökologischen Botschaft für die Zukunft darzustellen“, gab das Gremium zu Protokoll. Zudem hat die Stadtverwaltung den Bebauungsplan jetzt so geändert, dass der städtebauliche Hingucker auch baurechtlich möglich wird. Es gibt einen städtebaulichen Vertrag, aber noch keine Baugenehmigung. Den Bauantrag will Neuhorst im kommenden Jahr stellen und nach der Ge-

nehmigung dann in neun Monaten bauen. Bezugsfertig soll der Tetraeder spätestens Ende 2020 sein. Eine 932 Quadratmeter große Etage im vierten Obergeschoss koste je nach Ausbauwünschen drei bis dreieinhalb Millionen Euro. Wenn bei der Vermarktung des mit 100 Tiefgaragenplätzen ausgerüsteten Vorhabens die ersten Verträge geschlossen sind, könnte es bei diesem nächsten nachhaltigen Vorzeigeprojekt in Freiburg bald losgehen. Die Adressbildung für die künftigen Nutzer ist inklusive. Lars Bargmann 

Visualisierung: © Grafikbüro Degner

Städtebaulicher Hingucker

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Spektakulärer Stadteingang: Der SolarTetraeder wird mehr als 8000 Quadratmeter Nutzfläche haben.


Start-up

Die City wird smart: Sebastian Müller hat LoRaWAN nach Freiburg gebracht. Ein Gateway sendet vom SC-Stadion aus.

»Gigantischer Blumenstrauß«

Freiburger Tüftler feilen am „Netz der Dinge“

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olle Mülleimer melden, Fahrräder orten, Abwasserschächte kontrollieren. Mit dem „Netz der Dinge“ lassen sich unzählige Werte messen – und die Daten energiesparend übertragen. Ein Freiburger hat den Trend hier ins Rollen gebracht. Auch die Badenova mischt mittlerweile fleißig mit. Am Fahrrad von Sebastian Müller ist ein graues Kästchen befestigt, das aussieht wie ein kleines Deospray. Das Gerät am Lenker sprüht aber nicht, es funkt. „Sobald das Rad wackelt, schickt der Tracker Daten auf meinen Telegram-Channel“, erklärt Müller. Der 35-Jährige kann so am Handy die Position seines Rades verfolgen. Ein Diebstahlschutz. Voraussetzung ist, dass der Tracker am Rad bleibt – noch ist er mit Kabelbindern befestigt. „Etwas improvisiert“, gesteht Müller. Erst mal will er überprüfen, ob der Sender überhaupt zuverlässig Daten liefert – das Projekt steckt schließlich noch in den Kinderschuhen. Die Technik dahinter ist im Aufwind – sie heißt LoRaWAN. Das steht für Low Range Wide Area Network, ein Netzwerk mit geringer Bandbreite und großer Reichweite. Über sogenannte Gateways können kilometerweit kleine Datenpakete verschickt werden. Müller, der Soziologie studiert, hat die Technik nach Freiburg gebracht und die Community „The Things Network“ gegründet. 21 Gateways betreiben die Mitglieder mittlerweile, ein Großteil des Stadtgebiets ist abgedeckt. „Schwach sind wir noch im Osten und in Landwasser, Hochdorf oder am Tuniberg“, erklärt der Tüftler. Sein eigenes Gateway betreibt er seit November. Das Netz wächst – und die Vorteile liegen auf der Hand. Müllers erste Idee war, Feinstaubsensoren in der Stadt zu installieren, deren Messwerte offen einsehbar sind. Der Motor

der Sensoren brauche jedoch viel Strom, der Tracker am Rad sei da besser. Mit dem LoRaWAN, einer Idee aus Amsterdam, hat er in Freiburg etwas losgetreten. Die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg GmbH (ASF) prüft, ob sich Mülleimerfüllstände damit messen lassen. Und der Energieversorger Badenova baut ein eigenes Netz namens I-Nova auf. „Der Blumenstrauß ist gigantisch“, schwärmt Lea Treick von der Badenova-Gruppe. Die 26-jährige Projektingenieurin sieht unzählige Möglichkeiten fürs Unternehmen: Messungen von Füllständen, Temperaturen, Druck, Bewegungen oder GPSKoordinaten bieten zahlreiche Ansatzpunkte. Eines der ersten Projekte ist, im Wassernetz Zählpunkte auszulesen. Zehn Sensoren sollen dieses Jahr installiert werden. Geht die Idee auf, spart das viel Zeit. Bisher braucht es zwei Stunden, um einen Wert zu erfassen, erklärt Treick. Abwasserexperten müssten dafür in jeden Schacht steigen. Insgesamt 20 Gateways will die Badenova installieren. Neun sind es aktuell. Das jüngste ist an einem Flutlichtmast im Stadion des Sportclubs Freiburg befestigt. Durch die exponierte Lage hat es besonders viel Reichweite, erklärt Treick. Fast vier Kilometer weit kann es senden. Bis auf die Tuniberggemeinden hat Badenova damit das Stadtgebiet abgedeckt. Sogar aus Betonkellern heraus könne man übertragen. Auch Müller weiß um die Möglichkeiten. Er steht im Kontakt mit dem Rathaus, der Universität sowie der Freiburger Verkehrs AG. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis auch dort Bewegung reinkommt. Noch ein weiterer Big Player der Stadt zeigt Interesse, berichtet Lea Treick: Auch beim SC Freiburg sei man zuletzt auf offene Ohren gestoßen. Die Idee ist, für den Greenkeeper A ­ lfred Melcher Daten vom Rasen zu erfassen. Denkbar ist vieles. Möglich fast alles. Till Neumann

Fotos: © tln, Badenova

Badenova baut eigenes Netz auf

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Start-up

Auf Sicht fahren

„Eye Captain“ entwickelt Sehsteuerung für Rollstühle

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Fotos: © tln

en Rollstuhl mit den Augen steuern? Das ist möglich. Vier Freiburger arbeiten an der Technik und ihrer Vermarktung. Als „Eye Captain“ wollen sie eine Firma gründen – und die Sehsteuerung für jedermann zugänglich machen. Die Demonstration des Prototypen ist verblüffend. Ein winziger weißer Rollstuhl rollt langsam über den Holztisch. Etwa so groß wie eine Coladose. Im Inneren sind Kabel, ein Akku und ein Empfänger. Gesteuert wird der Prototyp von Markus Hörmann. Der 29-Jährige sitzt am Tisch vor seinem Laptop und schaut gebannt auf den Bildschirm. Blickt er nach oben, fährt der Rollstuhl geradeaus. Senkt er den Blick, geht’s rückwärts. Auch links und rechts fahren funktioniert so. Was magisch wirkt, ist technisch erklärbar: Am unteren Bildschirmrand des Laptops liegt eine schwarze Leiste – ein Eyetracker. „Er misst die Reflektion der Pupillen“, erklärt Hörmann. Mit Infrarotstrahlen und einer Kamera wird erfasst, was im Auge des Betrachters passiert. „Neu ist das nicht“, sagt der angehende Psychologe. Bei Videospielen werden Eyetracker eingesetzt oder bei Marktforschungsanalysen, um herauszufinden, wie Internetseiten betrachtet werden. Hörmann kennt sich damit gut aus: Er schreibt an seiner Doktorarbeit über Eyetracking. Die Idee zum sehgesteuerten Rollstuhl ist ihm auf YouTube gekommen. Dort sah er ein Video von einem querschnittgelähmten Jungen mit Roboterarm. Um den Prototyp zu bauen, wandte er sich an Maximilian Besold (29). Mit ihm ging er

Die Idee im Blick: Maximilian Besold, Hannah Ricksgers, Markus Hörmann und Jana Tempes im Freiburger Kreativpark. Unten ihr kleiner Prototyp-Rollstuhl. zur Schule, schon früher bastelten sie gemeinsam Sachen. Mittlerweile ist Besold gelernter Maschinenbauer und technisch versiert. Vor rund einem Jahr haben sie den Prototyp gebaut. Dann wurde es stiller ums Projekt. Zurück meldeten sich die beiden mit einer Bewerbung für das SozionautenProgramm des Freiburger Gründerzentrums Grünhof. Dort reichten sie ihre Idee ein und bekamen den Zuschlag. Somit können sie nun zu viert als „Eye Captain“ im Kreativpark kostenlos an ihrer Idee arbeiten. Das dortige „Social Innovation Lab“ ist eigens eingerichtet worden, um soziale Ideen zur Entfaltung zu bringen. Hörmann hat dort einen Arbeitsplatz, der Rest trifft sich regelmäßig, um an Schulungen teilzunehmen. Bisher bezeichnen sich die vier als soziale Initiative. Mit Hannah Ricksgers und Jana Tempers haben sie Verstärkung aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich bekommen. Die beiden kümmern sich auch um Bedarfsanalysen: Wer braucht die Technik? Welche Hürden sind zu nehmen?

Ob aus „Eye Captain“ ein Start-up wird, ist noch offen. Bis Februar hat Hörmann seinen Arbeitsplatz im Kreativpark. Bis dahin soll auch entschieden werden, wie es weitergeht. Leicht sei die Entwicklung nicht, betonen die vier. Denn die Anforderungen für neue Produkte im Gesundheitsbereich sind hoch. „Das ist mega schwierig bei Medizinprodukten“, sagt Hörmann. Sie wollen, dass Betroffene keine großen Beträge hinlegen müssen, um die Technik zu nutzen. Die Preisentwicklung der Eyetracker kommt ihnen zugute: Für rund 150 Euro gibt es die Geräte mittlerweile. Als Start wollen sie den Eyetracker am Rollstuhl für Fahrten in den eigenen vier Wänden anbieten. Es genügt dafür, ein Tablet zu befestigen. Natürlich müssen die Augen auf den Bildschirm gerichtet werden. Für den Straßenverkehr ist das heikel – in gewohnter Umgebung könnte es funktionieren. „Eye Captain“ will noch weitergehen: Mit den Augen soll man am Display auch Texte schreiben, sie vorlesen lassen oder auf Facebook unterwegs sein können. Till Neumann

Hohe Hürden für Zulassung

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Start-up

»Digitale Schatzkarte «

Geospin hilft Unternehmen, den richtigen Standort zu finden

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Foto: © Geospin

o sind Carsharing-Parkplätze sinnvoll, wo rentieren sich Elektroladesäulen? Antworten auf solche Fragen liefert die Software der Geospin GmbH. Sie verknüpft interne Unternehmensdaten mit externen Geodaten. Das junge Startup ist eine Ausgründung von fünf Wissenschaftlern der Uni Freiburg. Namhafte Unternehmen wie Bosch oder Siemens setzen darauf. Ob beim Einkaufen, Bahnfahren oder über soziale Medien – der moderne Mensch hinterlässt täglich eine riesige Datenspur. Unternehmen sammeln diese Informationen, nutzen diese Daten aber oft nicht in dem Maße, wie sie es Erfolgreich: Das Team um Geschäftsführer Sebastian könnten. Geospin hingegen bietet Softwarelösungen für die Wagner (m.) und Christoph Gebele (r.). Analyse von Geodaten. Die Idee wurde 2016 von den ehemaligen Doktoranden Se- „Unser Modell ermöglicht nicht nur einen Blick in die Verbastian Wagner, Johannes Bendler, Tobias Brandt, Niklas gangenheit und in das Jetzt, sondern auch in die Zukunft.“ Goby und Christoph Gebele am Lehrstuhl für Wirtschafts- Zu den Kunden von Geospin zählen neben kommunalen informatik der Universität Freiburg ins Leben gerufen. Als Unternehmen auch große Firmen wie Siemens, Bosch und Projektgruppe forschten sie im Themenfeld Smart Cities. die Deutsche Bahn. Aufträge und Anfragen gibt es auch aus Frankreich und der Schweiz. „Mittelfristig möchWährend eines EXIST-Stipendiums gründeten sie Geoten wir uns im europäischen Markt etablieren. spin. Im Anschluss an die staatliche Förderung Auch die USA kommen für uns in Frage, konnte sich das Start-up eigenfinanzieren wir haben gute Kontakte. Das ist aber und zu einem Unternehmen mit zweistelnoch nicht in Planung“, berichtet der liger Mitarbeiterzahl entwickeln. Geschäftsführer Sebastian Wagner. Die Software unterstützt Unternehmen, Das Start-up ist auf Expansionskurs: indem sie analysiert, wann und wo DienstGeospin wird bis zum Jahresende weiteleistungen oder Produkte besonders stark re Mitarbeiter einstellen. Außerdem gibt nachgefragt sind. „Unsere Software schafft es bereits ein zweites Büro in Hamburg. es, Daten so zu analysieren, dass UnterMöglich macht’s eine siebenstellige Innehmen wissen, wo sich beispielsweise der vestition des High-Tech-Gründerfonds Aufbau neuer Elektroladestationen rentie- Strukturiert: Alle relevanten Daten und der Thüga AG. ren würde“, sagt Christoph Gebele, Mar- sind auf einer Karte abgebildet. Datenanalysen ohne die notwendige keting- und Vertriebsleiter von Geospin. Zusätzlich zu den von Firmen zur Verfügung gestellten Expertise können indes schon mal aufs Glatteis führen. Daten werden Open-Source-Quellen genutzt. Das sind un- „Wir checken die Daten, bereinigen diese, um die Datenter anderem Wetter- oder Verkehrsdaten. Die Software fun- qualität sicherzustellen. Aber wenn die Daten nicht abdecken, was im Anschluss prognostiziert werden soll, dann giert als Schnittstelle zwischen den vorhandenen Daten. Diese werden mit Hilfe von spezialisierten, selbstlernenden ist eine Analyse nicht machbar“, erklärt Gebele. „Die GeAlgorithmen ausgewertet. „Unser Modell verknüpft alle rele- fahr besteht, dass man schnell Zusammenhänge sieht, die vanten Daten zusammen auf eine einzige Karte – eine digi- nicht zwingend kausal sind.“ tale Schatzkarte“, erklärt der 33-Jährige. Diese Reduzierung Ist die Analyse erfolgreich, kann sie dem Kunden helfen, teure Testphasen zu vermeiden. Die Software analyhelfe, einen maximalen Nutzen aus den Daten zu ziehen. Die Ergebnisse können für die Kunden auf Karten visua- siere versteckte Strukturen und Dynamiken einer Stadt, lisiert werden. Laut Gebele sei „die Art und Weise, wie wir so Wagner. Mit Hilfe der digitalen Karten bleibe kaum Prognosen durchführen“, ein Markenzeichen von Geospin. ein Schatz verborgen. Isabel Barquero 22 | chilli | business im Breisgau | 07.2018


Freizeit

Jagd nach goldenem Schlüssel Frexit bietet mobilen Escape Room für Firmenevents Fotos: © tln

Escape-Experte Philipp Wirthgen mit seiner Rätsel-Kiste: Die Holztruhe ist ein mobiles Spiel voller Rätsel und Codes.

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ätseln, bis der Chef kommt. Das bietet der Freiburger Escape Room „Frexit“ mit einer neuen Idee: Eine Holzkiste bringt das Teamspiel auf Firmenevents. Erfinder Philipp Wirthgen hat dem bib seine Entwicklung gezeigt. Ein goldener Schlüssel, ein rotes Schloss, drei Drachen auf einer Holzkiste. Die mobile Escape-Game-Kiste von Frexit ist vollgepackt mit Rätseln. Und so schwer, dass eine Person sie kaum tragen kann. „Escape Games sind super fürs Teambuildung“, sagt Frexit-Chef Philipp Wirthgen. Das

möchte der 34-Jährige nutzen: Das Rätselraten unter Zeitdruck will er in die Firmen der Region bringen. Die Regeln sind einfach: Bis zu fünf Spieler können mit einer Kiste gemeinsam antreten. Sie haben 60 Minuten Zeit, um den goldenen Schlüssel zu finden. Nur mit ihm können sie die Zeit einfrieren. Die Spielleitung von Frexit tritt dabei als „Testkommission“ auf. Sie kommt in die Firma, um Südbadens cleverstes Team zu finden. Gespielt werden kann im Betrieb, auf Sommerfesten oder in Hotels. Auch beim Recruiting sei das Spiel einsetzbar: „Man kann die fünf besten Bewerber beim

­ scape Game antreten lassen“, empfiehlt E Wirthgen. Gefragt ist, gemeinsam in einer bestimmten Zeit eine Aufgabe zu lösen. Wie im echten Arbeitsalltag. Mit drei identischen Kisten können parallel bis zu 15 Personen antreten. tln

Frexit

Frexit ist nach eigenen Angaben der erste Live Escape Room in Südbaden. In der St.-Georgener-Straße 7 bieten drei Räume Platz für je zwei bis sechs Spieler. Für Firmen bietet Frexit neben der mobilen Kiste auch die Mitgestaltung von Kick Off-, After-Work-Events oder Betriebsausflügen. Mehr Infos: www.frexit.de

Schwarzwald goes E-Motorrad Flüsterbikes in der Black-Forest-Edition

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ie Schwarzwald Tourismus GmbH (STG) setzt nach der Etablierung von geführten Sportwagen-Touren mit Elektro-Autos von Tesla weiter auf elektromobile Angebote: Ab sofort können Touristen die kurvenreichen Bergstraßen auch auf Elektro-Motorrädern erkunden – ohne dabei Lärm zu machen. Dafür hat die STG eine Kooperation mit dem E ­ lektromotorrad-Spezialisten Zero Motorcycles aus Kalifornien geschlossen, deren stromgetriebene Motorräder auf den Namen „Zero DSR Black Forest Edition“ hören. Der Veranstal-

Viel Power, kein Lärm: Zero DSR Foto: © STG Black Forest Edition.  ter Zero Motorcycles Europe will zeigen, dass Touren von 200 Kilometern und mehr selbst in Gebirgen wie dem

24 | chilli | business im Breisgau | 07.2018

Schwarzwald kein Problem sind, wenn die Akkus an schnellen Ladestationen „zwischengeladen“ werden können. Der Biker und STG-Geschäftsführer Hansjörg Mair: „Wenn neue Elektromotorräder den typischen SchwarzwaldFahrspaß ermöglichen und zwar ohne die üblichen Lärmemissionen, werden wir solche Angebote gerne unterstützen.“ Die Zero-Bikes haben eine neue Charge Tank-Technik an Bord, mit der die Maschinen in einer 90-minütigen Mittagspause wieder vollgeladen werden können. bar Im Netz: https://bit.ly/2lQcBav


Gewerbegebiete

Siko investiert zwölf Millionen Euro Neues Zweitwerk in Bad Krozingen

Strahlen um die Wette: Siko-Personalleiter Armin Steiert, Siko-Geschäftsführer Wischnewski, Bürgermeister Kieber, Baudezernent Kopp, Wirtschaftsförderin Riße-Hasenkamp und Fachbereichsleiterin der Bauverwaltung, Kerstin Großmann.

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Foto: © paw

er Bad Krozinger Bürgermeister Volker Kieber hat Grund zur Freude: Mit dem Messtechnikhersteller Siko GmbH investiert das zukunftsorientierte Unternehmen aus Buchenbach zwölf Millionen Euro in ein Zweitwerk im neuen Gewerbegebiet „Am Krozinger Weg“.

ernde Einnahmequelle – mit 5,6 Millionen Euro pro Jahr unterdurchschnittlich sei. Mit dem neuen, neun Hektar großen Gewerbegebiet, das ein „echtes Gewerbegebiet“, also ohne jede Wohnbebauung, sein werde, will die Stadt das ändern und dem Haushalt zu mehr Spielraum verhelfen. Trotz des vergleichsweise hohen Hebesatzes von 400 Prozent sei dies nie ein ernster Knackpunkt bei den Verhandlungen gewesen, betonten Kieber und Wischnewski. Überzeugt habe neben der professionellen Arbeit im Rathaus durch Wirtschaftsförderin Nicole Riße-Hasenkamp und Baudezernent Paul Kopp, die Lage des Gebietes – der Bahnhof und damit der ÖPNV ist fußläufig erreichbar –, der Autobahnanschluss über die L120 und die technische Ausstattung, etwa die Breitbandverkabelung. Siko hat Niederlassungen in der Schweiz und ItaStefan Pawellek lien, in Singapur, China und den USA. 5 Anzeige

Auf der rund 20.000 Quadratmeter großen Fläche entstehen in den nächsten zwei Jahren zwei Gebäude mit 2800 Quadratmetern für die Produktion und 1200 Quadratmetern für die Verwaltung. „Wir erweitern mit diesem Zweitwerk unsere Produktions- und Verwaltungskapazität in Deutschland. Dort wird die Produktion unserer elektronischen Produkte, unser Vertrieb und Marketing einziehen“, so Siko-Geschäftsführer Sven Wischnewski. Das 1963 gegründete Familienunternehmen stellt unter anderem Wegmesssysteme für medizinische Anwendungen her. Die ersten Erdarbeiten werden im Frühherbst 2018 beginnen, die Fertigstellung ist für Anfang 2020 geplant. Siko beschäftigt am Stammsitz in Buchenbach aktuell rund 175 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen weltweit 30 Millionen Euro um und schaffte dabei eine Umsatzrendite von rund 15 Prozent. Zudem wurde es als attraktiver Arbeitgeber mit dem TopJob-Siegel ausgezeichnet. Am neuen Standort in Bad Krozingen sollen 60 Arbeitsplätze entstehen, die meisten werden von Mitarbeitern aus Buchholz besetzt. Kieber betonte vor der Presse, dass die Siko GmbH „genau die Zielgruppe ist, die wir uns gewünscht haben. Wir hoffen auf eine Magnetwirkung auf andere Firmen.“ Der Rathauschef betonte, dass aufgrund struktureller Vorgaben derzeit die Gewerbesteuer – die einzige von einer Kommune selbst zu steuchilli | business im Breisgau | 07.2018 | 25


Unternehmen

Aus Au in die Welt und wieder zurück

Kolumne

Von GmbHs bis zu Ferienjobs

Zum 70-jährigen Bestehen meldet der Versicherungsmakler Südvers weiteres Wachstum

Foto: © privat

Der Freiburger Steuerberater Erik Herr ist ein Routinier im Geschäft. Für die bib-Leser berichtet er in jeder Ausgabe über Nützliches und Kurioses, Aktuelles und Steuerbares.

Bei GmbH-Verkäufen will der Käufer oft bestehende Pensionszusagen an die bisherigen Gesellschafter-Geschäftsführer nicht mit übernehmen, obwohl dadurch der Kaufpreis eigentlich steigen müsste. Deshalb könnte im Vorfeld eine zweite GmbH („Rentner-GmbH“) gegründet werden, die sich verpflichtet, die Pensionszusagen gegen Zahlung einer Vergütung zu übernehmen. Denn wechselt nur der Schuldner einer Pensionszusage – gegen Zahlung einer Ablöse –, führt dies laut Bundesfinanzhof beim Gesellschafter-Geschäftsführer nicht zum Zufluss von Arbeitslohn. Voraussetzung ist, dass dem Geschäftsführer nicht das Wahlrecht zusteht, sich den Ablösungsbetrag alternativ auch an sich selbst auszahlen zu lassen. Wenn Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern Autos überlassen und die Mitarbeiter sich an diesen Kosten beteiligen, mindern sie entweder die Anschaffungsoder die laufenden Kosten und somit in beiden Fällen den zu versteuernden geldwerten Vorteil. Die Sommerferien stehen vor der Tür: Schüler können mit Ferienjobs in kurzfristigen Jobs unbegrenzt Geld verdienen, ohne dabei sozialversicherungspflichtig zu werden. Sie dürfen aber bei einer Fünftagewoche höchstens drei Monate arbeiten oder bei einer kürzeren Woche maximal 70 Tage im Jahr. Wird die Beschäftigung darüber hinaus fortgesetzt und dafür maximal 450 Euro gezahlt, sind die Vorschriften für Minijobs anzuwenden. www.herr-stb.de

Zutritt bitte nur mit Namensschild: Die Südvers-Zentrale in Au.

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n den vergangenen Jahren sind wir jeweils um neun Prozent gewachsen. Das planen wir auch für die nächsten Jahre“, sagt Florian Karle, Geschäftsführer des Versicherungsmaklers Südvers. Über 16 Standorte in Deutschland und Österreich zählt das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Au mittlerweile. Im vergangenen Jahr betreute Südvers ein Prämienvolumen von 340 Millionen Euro – 2016 waren es noch 320 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg auch die Mitarbeiterzahl um 25 auf 415. Mitverantwortlich für dieses Wachstum sei das 1987 an einem Küchentisch mitgegründete Worldwide Broker Network, mit dem Südvers über unabhängige Makler und Berater seine Kunden in 101 Ländern betreuen könne. „Wir bleiben aber in Au“, sagt Karle, der dort auch aufgewachsen ist und mit dem Kauf des Nachbargrundstücks bereits für die Zukunft plant. Angst vor Amazon, das mit einem Einstieg in den Versicherungsmarkt liebäugelt, habe er nicht: „Wir haben uns die Spitze erarbeitet, jetzt dürfen wir die Breite nach

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Foto: © Südvers

unten nicht verlieren.“ Dazu erwägt Südvers, bald auch Unternehmen mit geringerem Jahresumsatz in den Kundenkreis aufzunehmen: „Wir können auch zehn Millionen Euro abwärts gut“, sagt der Geschäftsführer, der in dieses Segment zurückwill. Für Privatkunden fehle Südvers aber aktuell noch die nötige Manpower, auch weil es schwierig sei, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. „Die Digitalisierung könnte uns an dieser Stelle aber neue Möglichkeiten eröffnen“, überlegt Timo Hertweck, Geschäftsführer des Vertriebs. Stark angestiegen sei in den vergangenen Jahren die Anzahl der Schäden, die durch Betrügereien im Internet verursacht würden. „Cyber wird die Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts“, sagt Felix Hänsler, Mitglied der Geschäftsleitung und Niederlassungsleiter. Mit Trickbetrug wie „Fake-President“ würden regelmäßig Firmengelder unter der Vortäuschung falscher Identitäten angefordert. „Wir bearbeiten jede Woche einen solchen Schaden“, sagt der Betriebswirt. Karle ergänzt: „Jede EDV behauptet erst mal, sie sei sicher. Aber Frau Merkel wurde auch abgehört.“pt


Menschen und Meldungen

Kaiser bleibt in Familienhand Modehändler beschäftigt aktuell 260 Mitarbeiter

Das Führungsteam der Kaiser Modehäuser: Carmen Siecke, Frank Motz, Karin Miller, Barbara Böker und Heinz-Peter Böker (v.l.).  Foto: © Kaiser Modehäuser FREIBURG. Frank Motz ist neuer Inhaber der Kaiser Modehäuser. Nach dem Tod des langjährigen Inhabers und Geschäftsführers Gerhard Kaiser im Mai führt er das Unternehmen gemeinsam mit Heinz-Peter Böker weiter. Beide hatten bereits zuvor die Geschäftsführung mitverantwortet. Damit bleibt die Leitung des Unternehmens in der Familie: Die langjährige Patronin Zita Kaiser war eine Großtante von Frank Motz, und Barbara Böker, Ehefrau von

Heinz-Peter Böker, ist die Groß-Nichte von Firmengründer Ernst Kaiser. Zusammen mit Karin Miller, Leiterin der Einkaufsabteilung der Damenmode, und Carmen Siecke, verantwortlich für den Bereich Marketing und Kommunikation, gehört sie zur erweiterten Führungsmannschaft, die neben dem Geschäftsführerduo verstärkt in den Fokus rücken soll. Mit seinen fünf Standorten beschäftigt Kaiser Mode aktuell mehr als 260 Mitarbeiter. ste

Green Tech Start-ups FREIBURG. Der Smart Green Accelerator mit Sitz in der Freiburger Lokhalle ist Anlaufstelle für Start-ups aus den Bereichen Energiewirtschaft, Umwelttechnik und nachhaltiger Konsum aus ganz Deutschland. Seit Juni werden die Start-ups durch ein Netzwerk innovativer Partner unterstützt. Die ersten waren die Elektrizitätswerke Schönau und das Leistungszentrum Nachhaltigkeit, was als Bindeglied zwischen den Freiburger Fraunhofer-Instituten und der Universität Freiburg fungiert. Hinzu kam jetzt der Pharmariese Pfizer, der mit dem Freiburger Healthcare Hub neue, grüne Technologien zur Herstellung pharmazeutischer Produkte weltweit zum Ein-

satz bringen möchte. Die Landesagentur Umwelttechnik BW unterstützt mit ihrem Netzwerk in den Mittelstand und als Bindeglied zum Green Innovation and Investment Forum, GIIF. „Start-ups kurz vor Markteintritt schätzen die frühzeitige Vernetzung mit etablierten Unternehmen, sei es für ein gemeinsames Pilotprojekt oder konkrete Vertriebsunterstützung“, sagt Phillip Rottmann, Projektleiter des Smart Green Accelerators. Für das nächste Programm im September werden high-potential Start-ups aus ganz Deutschland erwartet, um sich im Kreativpark Freiburg zu vernetzen und Kooperationen zu entwickeln. Mehr Info: smart-green-accelerator.com chilli | business im Breisgau | 07.2018 | 27


Menschen und Meldungen

Euroairport legt weiter zu Wizzair hinter Easyjet nun auf Platz zwei

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achdem Flughafendirektor Matthias Suhr unlängst ein Strategiepapier zur Entwicklung des Euroairports Basel-Mulhouse-Freiburg vorgelegt hatte, hat Marketingchef Mario Eland nun auf bib-Anfrage auch die Zahlen fürs erste Halbjahr parat: Demnach stieg der Passagierverkehr um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Ende Juli wird der Billigflieger Easyjet zudem seine Flotte um zwei auf neun Flugzeuge im Dreiländereck erhöhen. Und neben Schönefeld nun auch Tegel in der Hauptstadt ansteuern. Auch die Diversifizierung des Angebots geht weiter: Aegean Airlines (Star Alliance Member) bietet Athen an, Iberia fliegt zusätzlich nach Madrid. Im Steigflug ist Wizzair, deren Passagierzahlen nach Osteuropa um 40 Prozent zulegten. Damit ist Wizzair nun hinter Easyjet die zweitstärkste Airline. Das zuletzt beinah bodennahe Niveau der Türkeiflüge hebt sich wieder an, etwas schwächer auch die Nachfrage nach Ägypten. Zudem konnten die durch die Pleite der Airberlin-Gruppe gerissenen Löcher durch Laudamotion geschlossen werden. Im November wird der neue Hangar für Großraumflugzeuge der Jet Aviation in den Betrieb genommen. Zudem ist die Aus-

Weiter im Aufwind: Türkei und Ägypten werden Foto: © EuroAirport als Ziele langsam wieder beliebter.  schreibung für die Modernisierung der Terminalanlagen veröffentlicht. Bis zum Jahr 2030 rechnet der Euroairport mit 13 Millionen Passagieren. Anfang Juli zeichnete der europäische Flughafenverband den Euroairport mit der ersten und zweiten Stufe der „Airport Carbon Accreditation“ aus. Die Zertifizierung bestätigt die Anstrengungen des Flughafens, seine Kohlendioxid-Emissionen bis 2022 pro Verkehrseinheit um 20 Prozent gegenüber 2015 zu senken. bar

Neue Jobs im Rathaus

Unmüßig verkauft 175 Wohnungen

Freiburg. Helga Mayer-Salomon, bisher Leiterin des Freiburger OB-Büros, ist ins Amt für Projektentwicklung und Stadterneuerung gewechselt und wird dort bald Nachfolgerin von Vizechef Thomas Dettling. Ihre Nachfolgerin wird Simone Hund. Die frühere OB-Sprecherin Stefanie Werntgen übernimmt im Baudezernat die Öffentlichkeitsarbeit. Joachim Fritz wechselt von der SPD zum neuen OB Martin Horn. Neue persönliche Referentin von Horn wird Nicole Horstkötter.

FREIBURG/HAMBURG. Die HanseMerkur Grundvermögen AG hat von der Unmüssig Bauträgergesellschaft vier Projektentwicklungen in Freiburg (Nähe Westarkaden) mit insgesamt 175 Wohnungen und 450 Quadratmetern Einzelhandelsfläche erworben. Die Gesamtmietfläche beträgt 9300 Quadratmeter. Die Fertigstellung ist für Ende 2019 geplant. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Branchenkenner schätzen, dass er zwischen 35 und 40 Millionen Euro liegt.

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Belle verdoppelt Produktion WYHL. Die Belle AG hat für 4,6 Millionen Euro ihr Werk um 4000 Quadratmeter erweitert. „Wir zeigen damit, dass wir Lust auf Zukunft haben, hier in Wyhl“, sagt Geschäftsführer Benedikt Belle. Belle ist Spezialist für Stahlbau, Blechbearbeitung, Balkone und Treppen. Allein die Produktion wuchs von 2800 auf 5600 Quadratmeter, die Gesamtfläche liegt jetzt bei 12.000 Quadratmetern. Aktuell beschäftigt Belle 65 Mitarbeiter. „Unser Kammerbezirk lebt von Unternehmen wie Belle, familiengeführte Mittelständler, die sich zu ihrem Standort in der Region bekennen und hier langfristig planen“, so IHK-Präsident Steffen Auer.

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Menschen und Meldungen

WITTNAU. Die Gemeinde im Hexental setzt bei der Erdgasversorgung die bestehende Zusammenarbeit mit Badenova fort. „Ihren rund 1500 Bürgerinnen und Bürgern auch in den kommenden Jahrzehnten eine jederzeit sichere und verlässliche Versorgung mit Erdgas zu bieten, ist uns eine große Freude“, so Badenova-Vorstand Mathias Nikolay. Der neue Vertrag, der nach einem Wettbewerb zustande kam, gilt 20 Jahre. „Wir haben großes Vertrauen in die Kompetenz und langjährige Erfahrung von Badenova“, sagte Bürgermeister Enrico Penthin.

Hekatron bilanziert robust SULZBURG. Die beiden HekatronGesellschaften (Manufacturing und Brandschutz) haben ihren Umsatz im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 8,7 Prozent auf 175 Millionen Euro gesteigert. Weil mit dem Umsatz auch der Platzbedarf steigt, hat das Unternehmen in Neuenburg für einen zweistelligen Millionenbetrag die Gebäude von Johnson Controls gekauft.

Neuberger investiert FREIBURG. Die 1946 gegründete Firma KNF Neuberger GmbH investiert fünf Millionen Euro in die Erweiterung ihres Firmensitzes im Stadtteil Munzingen. Die Produktionsfläche wächst bis zum Herbst 2019 um 1000 auf 5000 Quadratmeter, zudem wird ein neues Verwaltungsgebäude erstellt. KNF produziert in Munzingen jährlich derzeit 91.000 Membran-Gaspumpen. Die Auftragslage ist so gut, dass der Personalstock mittelfristig von 220 Mitarbeitern um rund ein Drittel auf dann 300 Beschäftigte angehoben werden soll. Eigenen Angaben zufolge ist das Unternehmen heute Technologieführer für maßgeschneiderte MembranpumpenLösungen. Zur Gruppe zählen heute weltweit 15 Unternehmen mit fünf Produktionsstätten. Martin Becker führt die Gruppe, der Freiburger Standort wird von Günter Emig geleitet.

Fürstenberg holt höchste Auszeichnung

Foto: © DLG

Wittnau setzt auf Badenova

Stolz mit Medaille: Georg Schwende (m.) mit Staatssekretär Michael Stübgen, der Bayerischen Bierkönigin Johanna Seiler, der Tettnanger Hopfenkönigin Teresa Locher und dem DLG-Vizepräsidenten Diedrich Harms (v.l.). DONAUESCHINGEN. Bereits zum fünften Mal hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Brauerei Fürstenberg den Bundesehrenpreis für Bier verliehen – die höchste Ehrung, die eine Brauerei für ihre ­beständigen Qualitätsleistungen erhalten kann. „Unser neuer Claim „Reine

Charaktersache“ steht für die gelungene Weiterentwicklung der übergeordneten „Wir im Süden“-Kampagne. Charaktervoll und erfolgreich sind auch unsere Biere“, kommentierte Brauerei-Chef Georg Schwende. Die Brauerei hat zudem zum 19. Mal in Folge Gold bei der DLG-Prüfung geholt.

Kestenholz sponsert und feiert

Kammern fordern Bund

FREIBURG/WEIL. Der DFB-Integrationspreis gilt als Deutschlands höchstdotierter Sozialpreis, der vorbildliche Vereins-, Schul- und Projektarbeit würdigt. Hauptsponsor ist MercedesBenz. Und da in diesem Jahr die Freiburger step-stiftung mit ihrem Projekt „kick for girls“ als Preisträger ausgewählt wurde, hat Volker Speck (Geschäftsleitung der Kestenholz GmbH) im Beisein von Integrationsbotschafter Jimmy Hartwig und den SC-Freiburg-Spielerinnen Sandra Starke und Ivana Fuso Mitte Juni einen Vito im Wert von 45.000 Euro an die Projektleiterin Kathrin Freudenberger übergeben. Am 20. Juli feiert Kestenholz das Richtfest für das neue Kestenholz Nutzfahrzeug-Center in Weil am Rhein, die Eröffnung des Standorts ist im Frühjahr 2019 geplant.

SÜDBADEN. Die sechs Handelskammern am Oberrhein fordern den Bund auf, die Finanzierung für den Ausbau der unterirdischen S-Bahn-Verbindung zwischen dem Bahnhof SBB und dem Badischen Bahnhof in Basel, das sogenannte Herzstück-Basel, in den Ausbauschritt der Bahninfrastruktur 2030/35 aufzunehmen. „Für den Oberrhein ist die Metropolregion Basel ein wichtiger Wirtschaftsraum“, begründete Andreas Kempff, der Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein. „Entwicklungen dort betreffen auch die Menschen und Unternehmen hier.“ Den Handelskammern am Oberrhein gehören neben der IHK Südlicher Oberrhein die IHK Hochrhein-Bodensee, die IHK Pfalz und die IHK Karlsruhe sowie die Handelskammer beider Basel und die CCI Alsace Eurométropole an. bib

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Menschen und Meldungen

Bier auf Eis Rothaus bleibt Hauptsponsor des EHC Freiburg

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ir schätzen es, das Rothaus-Logo auf der Brust zu tragen“, sagte Werner Karlin, erster Vorsitzender des EHC Freiburg. Gemeinsam mit Christian Rasch, Alleinvorstand der Rothaus AG, hat der Sportfunktionär die Werbepartnerschaft zwischen dem Freiburger Eishockeyverein und der badischen Brauerei bis zur Saison 2020/2021 verlängert. „Wir sind froh, wenn wir nicht jedes Jahr um einen neuen Sponsor buhlen müssen. Das gibt uns Planungssicherheit“, so Karlin. Auch Rasch freue sich über das Fortbestehen der Kooperation und sprach von einem familiären Umgang mit dem Zweitligisten: „Das ist wie eine Ehe, die seit 23 Jahren hält. Wir wollen den EHC weiter unterstützen.“ Mit dem Geld plane der Club Verschönerungen an seinem in die Jahre gekommenen Stadion: „Wir sind am pimpen“, scherzte Karlin im neuen VIP-Raum an der Franz-SiegelHalle und versprach weitere Verbesserungen an der Spielstätte: „Das wird ein besseres Erlebnis für unsere Fans.“ Rasch: „Für das Stadion könnt ihr nichts. Aber das, was ihr daraus macht, ist toll.“ Lob gibt es vom Brauereichef auch für die Unterstützer des EHC: „Ihr habt viele Hardcore-Fans. Das gilt sowohl fürs Eishockey als auch fürs Bier“, sagt Rasch, der Heimspiele des Zweitligisten auch gerne selber besuche und dort auch schon Sportbegeisterte mit Rothaus-Tätowierung gesehen habe. Angaben zur Höhe des Engagements wollten beide nicht machen. Karlin glaubt nicht, dass es sich dabei schon um den letzten Kontrakt mit Rothaus handelt: „Das ist wohl der vorletzte Vertrag vor dem Neubau des Stadions.“ pt

Sauter überspringt Hürde

Erster Mieter im Milestone 2

FREIBURG. Sauter Deutschland hat den Umsatz im Jahr 2017 um zehn Prozent zum Vorjahr gesteigert und erstmals die 200-Millionen-Hürde übersprungen. 216 Millionen standen am Ende für den Spezialisten für Gebäudeautomation zu Buche. Sauter beschäftigt in Freiburg rund 230 Mitarbeiter.

FREIBURG. Die Strabag Real E ­ state beginnt im August mit dem Bau des Milestone 2 an der Businessmile. Den ersten Mietvertrag für das zehngeschossige Gebäude mit 36 Metern Höhe hat die Steuerberater- und Wirtschaftsprüferkanzlei Bansbach GmbH jetzt unterzeichnet. Die Strabag investiert eigenen Angaben zufolge rund 34 Millionen Euro für 8550 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Insgesamt sind nun noch 6000 Quadratmeter Fläche (Einheiten ab 250) verfügbar. „Unser Ziel ist es, in einer der attraktivsten Lage Freiburgs ein lebendiges sowie nachhaltiges Dienstleistungsquartier zu schaffen“, so Strabag-Bereichsleiter Martin Lauble.

Sparkasse Freiburg bietet Echtzeit-Service FREIBURG. Die Sparkassen-Finanzgruppe bietet ihren Kunden nach eigenen Angaben als erste Institutsgruppe in Deutschland seit dem 10. Juli Geldüberweisungen in Echtzeit an. Das gilt sowohl für das Onlinebanking als auch das Mobile-Banking. Damit können Kunden zukünftig innerhalb von zehn Sekunden Geld überweisen, wenn das Finanzinstitut des Empfängers an diesem Verfahren teilnimmt. Die Sparkasse bietet diesen Service ohne Extra-Kosten an. Echtzeit-Überweisungen bot bisher nur die Hypovereinsbank an.

Schallmauer geknackt TENINGEN. Der Wasserbewirtschaftungsspezialist Otto Graf GmbH hat im vergangenen Jahr erstmals mehr als 100 Millionen Euro umgesetzt. Die GrafGruppe mit ihrem Geschäftsführer Otto P. Graf vertreibt ihre Kunststoffbehälter mittlerweile in mehr als 70 Länder. Das Unternehmen mit aktuell rund 500 Beschäftigten investiert derzeit 35 Millionen Euro in das neue Graf Kompetenzzentrum Rohstoffe in Herbolzheim.

Sick eröffnet Testfläche WALDKIRCH. Die Sick AG hat auf dem Gelände ihres Distributionszentrums in Buchholz eine neue Testfläche für Produkte und Lösungen im Außeneinsatz eingeweiht. Im Outdoor Technology Center werden künftig SICK-Sensoren unter Realbedingungen getestet und für Kunden erlebbar gemacht. „Wir können jetzt unseren Kunden im direkten Praxiseinsatz zeigen, wie SICK-Sensorlösungen widrigsten Witterungsbedingungen standhalten“, so Sick-Vorstand Reinhard Bösl.

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Rothaus zieht zurück FREIBURG/ROTHAUS. Die Staatsbrauerei Rothaus wird nun doch kein stiller Beteiligter bei der Stadion Freiburg Objektträger GmbH (SFG). 12,78 Millionen Euro wollte das Unternehmen in die SFG einzahlen und dieses Geld aus der Beteilung an der OTG Messe Freiburg herausholen. Nun kauft sich der SC Freiburg das Geld lieber selbst, weil das zu günstigeren Zinsen möglich ist, als die, die Rothaus bekommen hätte. Das Rothaus-Geld wird nun weiter von der OTG verzinst. BZ-Lokalchef Uwe Mauch bezeichnete den Deal als „Polit-Show für die Bürger“.

Gereitzik steigt auf FREIBURG. Anton Gereitzik ist bei der Commerzbank Freiburg neuer Leiter für Privat- und Unternehmerkunden. Der 44-Jährige verantwortet damit das Filialgeschäft an 14 Standorten in Südbaden.

VDI regio Career, die dritte FREIBURG. Am 29. September findet die dritte VDI regio Career, die einzige grenzüberschreitende Jobmesse für Ingenieure, Techniker und Informatiker in der Regio, im Konzerthaus statt. Die Messe bietet Unternehmen eine Plattform, direkt mit potenziellen Bewerbern aus Südbaden und dem Elsass ins Gespräch zu kommen. Der veranstaltende VDI-Bezirksverband rechnet mit 2000 Besuchern.


Menschen und Meldungen

Zum Jubiläum ein Rekord Foto: © Alte Wache

Alte Wache mit schmackhafter Bilanz

Beliebter Treffpunkt: Die Terrasse vor der Alten Wache zählt zu den Oasen am quirligen Münsterplatz. FREIBURG. Die Alte Wache – das Haus der badischen Weine am Münsterplatz – hat im vergangenen Jahr nicht nur ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert, sondern auch den Umsatz um elf Prozent auf rund 1,5 Millionen Euro gesteigert. Rekord. In den vergangenen zehn Jahren hat die Gründungsgeschäftsführerin Alixe Winter den Umsatz damit verdoppelt. Mehr als die Hälfte macht der Verkauf von Wein-, Sektund Spirituosenflaschen aus (auch auf dem Weinfest und dem Weihnachtsmarkt), fast 40 Prozent der Ausschank am Münsterplatz. Die Alte Wache ist mit vielen Eigenkreationen (Glühwein, Kalte Sofie, WIER) und Veranstaltungen (alte-wache.com) mehr als nur eine Weinfachhandlung, ein Fenster in die badische Weinwirtschaft. Neuling im offenen Ausschank sind ab sofort 15 exklusive, höherpreisige Weine, die durch die Sommelière Eva Beenenga und ihr Team präsentiert werden. „Wir haben in Baden sehr viele hochwertige und hervorragende Weine, die aufgrund ihrer Qualität hochpreisiger sein müssen. Deshalb gibt es selten die Möglichkeit, diese Weine offen zu probieren“, begründet Winter. Über den Gewinn macht sie keine Angaben. Wohl aber, dass der sich mittlerweile aus vielen Quellen speist.  bar chilli | business im Breisgau | 07.2018 | 31


Wirtschaftspolitik

Sorgenkind Italien Der Wirtschaftsweise Lars P. Feld über Europa

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r kam leicht verspätet, verkabelt und traf auf ein sehr aufmerksames Publikum: Lars P. Feld, Wirtschaftsweiser, Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg und Leiter des WalterEucken-Instituts, sprach unlängst auf Einladung der Bundesbank und der Arbeitsagentur in Freiburg über Europa, über Macron, Merkel und Meseberg. Schon vor sieben Jahren, Feld war damals auf Vorschlag der Bundesregierung in den renommierten „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ berufen worden, hatte der Rat ein erstes Papier für einen Schuldentilgungspakt in Europa vorgelegt. Und die europäischen Schulden sind weiter ein zentrales Thema. Dann kam die Whatever-it-takes-Rede von Mario Draghi in London im Jahr 2012, das ungehemmte Ankaufen von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank und der damit verbundene Niedrigzinszustand, der heute nicht nur Sparkassen und Volksbanken schwer belastet, sondern vor allem den Sparer bestraft. „Die Verschuldung in Europa, das ist weiter das Problem. Wir haben die Niedrigzinsphase nicht genutzt, um Schulden zu reduzieren“, sagte Feld. Deutschland werde in diesem Jahr bei einer Schuldenquote von 60 Prozent landen: „Es hilft, dass wir längere Zeit keine Regierung hatten, das hat den Haushalt entlastet.“ Frankreich hat schon 100 Prozent, Italien über 130, die USA rund 150, Japan erstaunliche 250 Prozent. Das Sorgenkind der EU ist aber in diesen Tagen Italien, das nach China und den USA in absoluten Zahlen dritt-

höchst verschuldete Land der Welt. In dem nun die neue Regierung die Steuern senken und die Staatsausgaben erhöhen will. „Die Wachstumswirkung von Infrastrukturmaßnahmen ist allenfalls mäßig“, kritisiert Feld. In Italien gibt es seit 1997 faktisch ein negatives Produktivitätswachstum, „dann noch zu behaupten, dass mehr Geld für den Straßenbau ausgegeben werden muss, ist schlicht idiotisch.“ Bei solchen Ausgaben profitiere viel zu häufig die Mafia – und nicht die Volkswirtschaft. Und wer glaube, dass sich Steuerreformen selbst finanzieren, gehe nun mal fehl: „Die haben sich noch nie selbst refinanziert.“ Der Wirtschaftsweise lobte Irland („die haben sich gut bewegt“) und auch Griechenland, auch wenn anders lautenden Meldungen zufolge die EU dort „massiv auf Kapital verzichtet“ habe. Der massiven Verschuldung Italiens (das Liquiditätserfordernis liegt aktuell bei einem dreistelligen Milliardenbetrag) steht derweil eine reiche Gesellschaft gegenüber: „Da wäre viel zu holen.“ Wie? Durch die Wiedereinführung der unter Berlusconi abgeschafften Erbschaftssteuer etwa. „Vernünftig wäre, zehn Prozent auf alles außer Tiernahrung“, so Feld. Wenn sich Italien auf einen Reformkurs zubewegen wolle, müsse aber zuvorderst die italienische Gerichtsbarkeit reformiert werden – und daran sind bisher alle Ministerpräsidenten gescheitert. Die ausgestreckte Hand Macrons für ein neues Europa, für eine neue Währungsunion begrüßt Feld. Es sei bezeichnend, dass Merkel dazu monatelang nichts gesagt und dann in einem Interview mit der FAS erst-

Foto: © Deutsche Bundesbank

»10 Prozent auf alles außer Tiernahrung«

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Durchaus auch humorvoll: Lars P. Feld. mals geantwortet habe. Die MesebergerErklärung Mitte Juni? „Schadet nicht viel, hilft aber auch nicht viel“, sagt Feld. Die Ergebnisse des Euro-Gipfels Ende Juni? Geringe Erwartungen könne man nur schwer enttäuschen. Deutschland und Frankreich hätten Wege zu einem europäischen Kompromiss aufgezeigt, aber Niederländer, Finnen, die baltischen Staaten, das wankelmütige Österreich – es steht dahin, ob diese Wege gemeinsam beschritten werden können. Ein europäisches Finanzministerium und dann noch mit Durchgriffsrechten in die Staatshaushalte, davon hält Feld „überhaupt nichts, das ist schlicht abwegig“. Italien wolle Geld, ohne dafür aber irgendeine Art von Verpf lichtungen einzugehen. Eine Bankenunion ohne Druckmittel gegen Italien werde es indes nicht geben. Doch auch vor der eigenen Haustür gebe es ausreichend Probleme, wie die Auseinandersetzungen zwischen CDU und CSU zuletzt gezeigt haben: „Ich wünsche uns allen noch viel Glück mit der Bundesregierung.“  Lars Bargmann


Logistik

Auf den Spuren der Seidenstraße

Streck setzt beim Warenaustausch mit China auch aufs Gleis

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Foto: © Streck Transport

wischen Europa und Asien werden heute doppelt so viele Waren gehandelt wie zwischen Europa und Amerika. Das Statistische Bundesamt beziffert den Wert des Warenhandels zwischen den Industriegrößen Deutschland und China im vergangenen Jahr auf 187 Milliarden Euro, wobei von der Volksrepublik nach Deutschland Waren im Wert von 100,5 Milliarden Euro ihren Weg fanden. Das meiste davon per Schiff und Flugzeug. Der Freiburger Logistiker Streck Transportges.mbH verlässt diese ausgetretenen Pfade und steigt mit einem starken chinesischen Partner jetzt auf den Zug auf. Denn der ist schneller als das Schiff und günstiger als der Flieger. „Die Unwissenheit der Deutschen über China ist groß und die Meinungsbildung hierzulande stark“, sagte Armin Schwolgin, Professor für Logistik an der DHBW Lörrach und seit zehn Jahren in China unterwegs, unlängst auf einem Streck-Workshop in Hochdorf. Als führendes mittelständisches Speditionsunternehmen hat sich Streck Fachwissen für Fernost ins Haus geholt und will damit neue Transportwege für seine Kunden erschließen. Gemeinsam mit seinem chinesischen Partner EU Dragon Express will das Transportunternehmen damit den Handel mit China via Zug vorantreiben. Und das, obwohl es keine direkte Zugverbindung zwischen Deutschland und China gibt. Zwar teilen sich die beiden Handelspartner die Schienenbreite von 1435 Millimeter. Jedoch befahren Russland, die Mon-

golei, Kasachstan und die Ukraine ein Netz von 1524 Millimetern Weite. Verzögerungen sind die Folge. Der Name des Programms, „One Belt, one Road“, das drei Gleisverbindungen in den Westen bedeutet, soll Verbesserungen schaffen. In Deutschland werden mehrere Bahnhöfe, unter anderem Duisburg und Hamburg, angefahren. Den Vorschlag aus dem Plenum, auch südlichere Bahnhöfe wie Mannheim anzusteuern, leitet Wayne Zhang, Business Development Director von EU Dragon, gerne nach China weiter. Bis 2020 wird jeder Container, der das Reich der Mitte verlässt, von den dortigen Provinzregierungen subventioniert. „Es ist noch Zeit, um diesen Transportweg günstig zu testen“, sagt Ralph Diringer, Geschäftsführer von Streck. Er rechnet nicht damit, dass sich China nach Ablauf komplett aus dem Förderprogramm zurückziehen wird: „Die Infrastruktur wird man wahrscheinlich nicht einfach verfallen lassen.“ Schließlich setzt China immer stärker auf die Bahn: Verließen den Bahnhof der Millionenmetropole Zhengzhou im gesamten Jahr 2013 noch 13 Züge, waren es im vergangenen schon 501. Wegen der starken Vibrationen, die mit dem Schienenverkehr einhergehen, sei das aber nicht für jedes Produkt geeignet: „Jeder Verkehr hat sein Für und Wider“, sagt Diringer. Ein weiterer Faktor seien die Temperaturschwankungen auf der Strecke: „In Sibirien kann es im Winter durchaus mal ein wenig frisch wer-

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den“, scherzt der Logistikexperte. Für Winterjacken sei die Zugmethode aber bestens geeignet. In der Streck-Zentrale wendet sich der Geschäftsführer an seinen chinesischen Geschäftspartner: „In Deutschland haben wir ein Sprichwort: Probieren geht über Studieren.“ Wie wichtig dieser Pioniergeist ist, zeigt ein Blick auf die Branche: Laufzeiten werden für Endkunden immer länger. Fünf Wochen benötigt ein Containerschiff aus Hamburg nach China mit 20.000 Containern für die Route. Ein Frachtf lugzeug mit bis zu verhältnismäßig geringen 100 bis 120 Tonnen ist maximal zwei Tage unterwegs. Ein Zug mit knapp 90 Containern bewältigt seine 10.000 Kilometer über Polen, Weißrussland, Russland und Kasachstan binnen zwei Wochen. Roland Steinebrunner, Leiter der Seefracht bei Streck, erklärt: „Über den Daumen ist eine Zugverbindung zweimal so schnell wie die Schifffahrt und dabei halb so teuer wie die Luftfahrt.“ Der Zug sei ein guter Kompromiss aus Kosten und Geschwindigkeit. Zhang sieht das genauso: „Schienenverkehr ist sehr effizient und zuverlässig geworden und gewinnt in China immer mehr Dynamik.“ Mittlerweile gibt es über 20.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecke in China, auf denen Züge 350 Kilometer pro Stunde erreichen. Während seiner Studienzeit 1995 benötigte ein Zug von seiner Heimatstadt Tianjin nach Shanghai noch 22 Stunden. Heute sind es fünf.  Philip Thomas

»Probieren geht über Studieren«


Unternehmen

Attraktiver Eingangsbereich: Neubau für die Edelobstbrennerei Franz Fies.

Flexibel und zuverlässig Die Freyler Industriebau GmbH ist ein gefragter Partner

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Fotos: © Freyler, Trumpf

as Hochtechnologieunternehmen Trumpf feierte am 20. Juni die Eröffnung seiner neuen Produktions- und Verwaltungsgebäude am Standort Teningen. Für die Realisierung war die Freyler Industriebau GmbH hier ebenso verantwortlich wie für den Neubau der Edelobstbrennerei Franz Fies GmbH. In Freiburg haben die Kenzinger zudem den Zuschlag für die 1900 Quadratmeter große Erweiterung für den Generatorenhersteller Trumpf-Hüttinger erhalten. In Teningen hatte die Trumpf-Belegschaft bereits seit Februar nach und nach die neuen Gebäude bezogen. Freyler baute hier für rund sieben Millionen Euro auf insgesamt 3700 Quadratmetern ein neues Lager, neue Büroräume sowie eine moderne Produktionshalle für Biegemaschinen aus – alles in einem Jahr. Zur Eröffnung kam auch der Teninger Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker. Weitere bauliche Neubauten und Modernisierungen sind bereits in Planung. Trumpf produziert mit rund 150 Beschäftigten etwa Biegemaschinen mit Presskräften von bis zu 1000 Tonnen und zehn Metern Länge. Damit lassen sich beispielsweise extrem dicke Bleche für Baggerschaufeln biegen. In Oberkirch-Haslach hatte Freyler Mitte April einen 4500 Quadratmeter großen Neubau für die Edelobstbrennerei Franz Fies offiziell übergeben – im Beisein von Landwirtschaftsminister Peter Hauk, des Landtagsabgeordneten Willi Stächele und des Oberbürgermeisters Matthias Braun. „Neben dem Foyer mit hohen Räumen und offenem Treppenaufstieg bieten große Fenster am Eingangsbereich einen großzügigen Blick auf die Tanks in der Produktionshalle“, erläuterte Freyler-Vertriebsingenieur Clemens Huber. Das neue Gebäude – hergestellt im EnergieeffizienzStandard Kf W 55 – beherbergt neben Lager und Verwaltung die Produktion mit Abfüllung und Tanklager,

Sechs Mann am Bande: Michael Fischer, Tobias Oberle, Heinz-Rudolf Hagenacker, Christof Lehner, Joachim Saar und Freyler-Projektleiter Michael Kempf (v.l.). basierend auf den neuesten Bau- und Hygieneanforderungen. Bereits zum zweiten Mal setzte Bauherr Heinz-Peter Fies dabei auf Freyler Industriebau, die das Vorhaben von der Konzeption bis zur schlüsselfertigen Übergabe begleitet hatten. Fies produziert schon seit 1948 original Schwarzwälder Edelobstbrände, fruchtige Liköre, Gin und Fisini, den Schwarzwald Aperitif. In diesem Jahr feiert das Unternehmen sein 70-jähriges Jubiläum. Die Brennerei beliefert auch Kunden in China oder den USA. „Wie von uns gewünscht, hat Freyler Industriebau eine Schwarzwaldbrennerei ohne Schnörkelei umgesetzt, die zu unserem edlen Sortiment passt und sich perfekt in die Umgebung integriert“, freute sich Heinz-Peter Fies. Derzeit ist Freyler unter anderem in Freiburg aktiv, wo die Kenzinger für die Firma Trumpf-Hüttinger im Gewerbegebiet Haid eine 1900 Quadratmeter große Lagerhalle bauen. Der Generatorenhersteller will aus der Mietfläche im Haid-Haus (ehemals Spectral) im Herbst in eigene Flächen umziehen. Er beschäftigt in Freiburg mehr als 400 Menschen. Auch hier wird die Freyler Industriebau GmbH schlüsselfertig übergeben. bar chilli | business im Breisgau | 07.2018 | 35


Familienunternehmen

Aus der Tradition in die Innovation 111 Jahre Walter Roeder GmbH

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Das regional verankerte Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Komplettlösungsanbieter rund um die Entsorgung und Verwertung jeglicher Materialien entwickelt. Mittlerweile zählt das Unternehmen mehr als 650 Dauerkunden aus der Industrie-, Dienstleistungs-, Bauund Abbruch-Branche sowie metallverarbeitende Betriebe und öffentliche Einrichtungen. Namhafte Großkunden wie die SICK AG oder die Wolfsperger Textilpflege GmbH setzen schon seit Jahrzehnten auf Roeders Dienstleistungsqualität. „Wir sind ein innovatives, zukunftsorientiertes, vorwegdenkendes Unternehmen. Um dies auch nach außen zu repräsentieren, ist eine Modernisierung des Standortes Emmendingen nötig“, sagt Roeder. Derzeit werden das Büro- und die Hallengebäude kernsaniert und an moderne Standards angepasst. Der 27-jährige Geschäftsführer hat sich einiges vorgenommen: Die Anschaffung eines Vollelektrostaplers und -baggers sowie die Installation einer Photovoltaikanlage auf den eigenen Hallendächern, zur Deckung des Eigenverbrauchs und den Verbrauch des Elektrofuhrparks. Die überschüssige Energie, welche die Anlage erzeugt, wird Strom für circa 1000 Haushalte liefern. „Wir machen nicht nur Recycling und sprechen davon, zur Nachhaltigkeit beizutragen, wir leben dies auch.“ Ein weiteres Großprojekt ist das Elektrofahrzeug-Recycling. „Damit gehören wir zu den ersten in Deutschland, die E-Autos wieder fachgerecht demontieren und dem Recyclingprozess zuführen können.“ Zudem möchte er ein Sammelsystem in der Region für Einweg-Coffee-to-go-Becher anbieten, um auch diese recyceln zu können. „Nur wenn man die Pappbecher als Monofraktion sammelt, können diese auch recycelt werden. Ansonsten landen die Becher in der Verbrennung.“ Roeder hat über diese Thematik bereits seine Masterthesis geschrieben und tiefgründige Erfahrungen bei der ALBA Group gesammelt, um dieses Projekt erfolgreich umzusetzen. 36 | chilli | business im Breisgau | 07.2018

Foto: © Walter Roeder GmbH

oeder 2.0: Geschäftsführer Daniel Roeder möchte den Standort in Emmendingen in neuem Glanz erscheinen lassen und neue innovative Projekte angehen – der Tag der offenen Tür zum 111-jährigen Firmenjubiläum findet am 22. September 2018 statt.

Modernisiert: Das Entsorgungs- und Recyclingunternehmen Roeder erstrahlt ab September in neuem Glanz. Ab August werden bereits 22 Mitarbeiter und ein Auszubildender angestellt sein – Tendenz steigend. Ab 2019 bietet Roeder auch ein duales Studium an. Derzeit können sich Masteranden bei Roeder für ihre Abschlussarbeit bewerben. Sie sollen den internationalen Markt analysieren. Der Geschäftsführer setzt auch auf die Integration von Flüchtlingen: „Für mich ist es wichtig, auch diesen eine Zukunft in Deutschland bieten zu können.“  iba

Tag der offenen Tür

Wann: Samstag, 22. September ab 10.00 Uhr Wo: Carl-Helbing-Straße 29–31, 79312 Emmendingen Was: Es warten Foodtrucks, Weine aus der Region, ein Kinderprogramm und musikalische Unterhaltung durch DJ CRISU. Durch Aktionen wie richtige Mülltrennung oder Upcycling-Basteln werden die Besucher für die Bedeutung von Entsorgung und Recycling sensibilisiert.

Mehr Infos:

www.roeder-emmendingen.de www.facebook.com/WalterRoederGmbH


Familienunternehmen

Nudelmacher im Glück Warum zwei Brüder aus Buchholz die „Nudlerei“ ihres Urgroßvaters fortführen

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ier Jahre lang standen die Maschinen still, und die Bewohner des kleinen Ortes Buchholz nördlich von Freiburg waren „nudellos“. Inzwischen können sie aufatmen: Seit vergangenem Sommer gibt es wieder die traditionsreichen Buchholzer Nudeln, mit deren Produktion 1925 einst August Zimmermann begonnen hatte. Jetzt sind seine Urenkel am Zug: Matthias und Markus Schätzle haben die kleine Firma wieder aufleben lassen.

Fotos: © Philipp Löffler, Fabio Smitka

Mit Leidenschaft bei der Sache: die Brüder Markus und Matthias Schätzle. Zwei Brüder, die eines vereint: die Liebe zu Nudeln. Mit ihr sind Matthias und Markus Schätzle groß geworden. Denn neben der Familien-Bäckerei gab es an der Buchholzer Schwarzwaldstraße immer auch die „Nudlerei“, anfangs im Wohnhaus, seit Mitte des 20. Jahrhunderts dann im früheren Schweinestall. Hier wurden schon immer unter anderem Bandnudeln hergestellt, die der 28-jährige Markus „am liebsten mit viel Maggi“ mochte. Matthias ernährte sich während seines Jurastudiums in Heidelberg und Würzburg tagelang von Nudelsuppe.

„Ohne einen Karton voller Nudeln bin ich nie von zu Hause weggefahren“, erzählt der 31-Jährige lachend. „Wenn ich keine mehr hatte, dann habe ich auch keine anderen gekauft.“ Überzeugt von ihrem Produkt sind beide Brüder gleichermaßen. Eigentlich waren sie nach ihrem Studium auf dem besten Wege, in ihren jeweiligen Berufen Fuß zu fassen. Matthias als Anwalt, Markus in Wien als Betriebswirt. Doch dann kam ihnen die (Nudel-) Liebe dazwischen. Ihre Mutter hatte nämlich, nachdem ihr Vater im Jahr 2000 gestorben war, schon mit der Bäckerei alle Hände voll zu tun und entschied irgendwann: Brot, Kuchen und Nudeln – das wird zu viel. Und so standen die Nudelmaschinen schließlich still. Bis Matthias und Markus sich vergangenen Sommer einfanden, um sie Probe laufen zu lassen. Und siehe da: Sie liefen noch. Nicht einwandfrei, es bedurfte einiger Reparaturen, doch der Grundstock war da, und die beiden sagten sich: „Lass es uns doch einfach probieren!“ Mit Unterstützung von Familie und Freunden brachten sie die Räume auf Vordermann und befassten sich mit Nudelrezepten. „Ich dachte, wir werfen die Maschinen an und legen los“, erinnert sich Markus Schätzle, „doch Nudeln machen, ist eine Wissenschaft für sich.“ Von Zutaten wie Eiern und Grieß abgesehen, die die beiden „so lokal wie möglich“ beziehen, komme es auf Faktoren wie Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur an. Und darauf, dass die Nudeln gewalzt und nicht gepresst werden – „dann ist ihre Oberfläche rauer und die Soße haftet besser“, erklärt Markus Schätzle.

„Wir haben viel ausprobiert und aus unseren Fehlern gelernt“, erzählt er. „Irgendwann waren die Nudeln dann so, wie wir sie von früher her kannten. Manche Leute sagen uns sogar ‚Jetzt sind sie besser als früher‘“ – ein Kompliment, über das sich die beiden Nudelmacher riesig freuen. 19.000 Packungen à 250 Gramm haben sie in diesem Jahr bereits verkauft, für 1,99 Euro in ausgewählten Supermärkten der Region. Beliebt ist auch das rote und grüne Pesto und schon bald sollen Spaghetti und Vollkornnudeln das Sortiment ergänzen. Jetzt, wo die Produktion läuft, haben sich die beiden auch um eine Website und Social Media gekümmert und können durchstarten. „Der Zuspruch ist groß“, freut sich Matthias Schätzle: „So viele Menschen sagen uns ‚Das ist toll, was ihr macht’. Da denke ich mir, wir machen das schon richtig.“ Und zur Frage, ob Nudeln glücklich machen, sagt er kurz und knapp: „Definitiv. Kochen kann sie fast jeder und sie sind einfach so lecker!“  Stella Schewe

Altbewährt: Die Nudelmaschinen stammen noch aus den 1960er-Jahren.

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Familienunternehmen

Überwältigt: Monica und Ralph Schwab freuen sich über die positive Resonanz der ersten Wochen. Der Laden kommt gut an.

Fisch in Sicht Neuer Feinkostladen in Freiburg

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Fotos: © Joss Andres

s gibt wieder frischen Fisch in der Freiburger Altstadt: Mitte Juni eröffneten Ralph und Monica Schwab ihren neuen Laden – die Fischerei Schwab. Vom Räucherlachs über Garnelen bis hin zum Fischbrötchen bieten sie alles, was das Fischliebhaber-Herz begehrt. Aber auch Kleinigkeiten aus Porzellan, Literatur und Fotocollagen. Fischernetze, kleine Boote und Anker: Der neue Fischfeinkostladen der Familie Schwab ist von außen kaum zu übersehen. Klein, aber fein. Schon beim Betreten ist die familiäre Atmosphäre zu spüren. Der Kassenbereich ist verziert mit grau-schwarz-weißen Kacheln in Fischschuppen-Form. Sogar die Salatschüsseln in der Kühltheke sind farblich darauf abgestimmt. Das Geschäft befindet sich inmitten der Altstadt im Quartier Oberlinden. „Der richtige Standort wurde zur richtigen Zeit frei“, sagt Inhaber Ralph Schwab. Für ihn gehe damit ein großer Traum in Erfüllung. Der gelernte Koch bringt mehr als 20 Jahre Erfahrungen in der Fischbranche mit. Seine Frau ist ebenfalls Fischliebhaberin und mit an Bord. Jahrelang hat das Ehepaar an der Planung gefeilt. Egal ob Steinbutt, Raskas oder Pulpo – das Sortiment der Schwabs ist umfangreich. Es gibt rund 50 Fisch-

arten aus internationalen Gewässern. Ist eine Sorte nicht vorhanden, kann vorbestellt werden. Neben den Qualitätsfischen sind vor allem die selbst gemachten Fischsalate ein Renner. Schwab hat nicht nur das Repertoire von Fisch Moser aus den 90er-Jahren in Petto, er bietet auch Eigenkreationen an. „Wir haben viele Ideen, derzeit fehlt es aber an Personal, um noch mehr auszuprobieren“, berichtet der 47-Jährige. Deswegen werden weitere Mitarbeiter gesucht. Alle Zutaten werden vom erfahrenen Koch frisch zubereitet. Gekauft werden diese auf dem Münstermarkt oder bei regionalen Lieferanten. „Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Produkte die beste Qualität haben. Primär achten wir nicht auf den Preis.“ Belegte Fischbrötchen runden das kulinarische Angebot ab. Zurzeit richtet Schwab täglich um die 100 Stück. Ein Verkaufsschlager ist das Schwarzwald-Brötchen: geräucherte Forelle mit selbst gemachtem Kaiserstühler KirschChutney. Für Vegetarier gibt es verschiedene Algenprodukte. Demnächst soll es auch ein fischfreies Brötchen geben. Wer meint, in der Fischerei gäbe es nur Lebensmittel, liegt falsch: Kleinigkeiten aus Porzellan und Stoff, ausgewählte Literatur und Bildcollagen können ebenfalls erworben werden. „Die Produkte wechseln,

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wir werden auch Fotos von unserer Homepage als Leinwandbilder anbieten. Die kommen sehr gut an“, freut sich Monica Schwab. Die Resonanz der ersten Wochen sei laut der 45-Jährigen sehr gut: „Wir haben schon einige Wiederholungstäter. Die Freiburger sind Fischverliebt. So ein Laden hat in Freiburg gefehlt. Wir sind froh, dass wir diesen Schritt gewagt haben.“ Das Erfolgsrezept der beiden: „Kreativität, Erfahrung und die Umsetzung sorgen für die perfekte Kombination.“ Schwabs sind umweltbewusst: Neben hochwertigen und spülbaren Kunststoff behältern bieten sie Gläser mit Schraubverschluss im Pfandsystem an. Außerdem kann eine verschließbare Schale gekauft werden, beim Wiederauffüllen gibt’s einen Rabatt zur Belohnung. Großen Wert legen sie auch auf die Beratung. „Ich nehme mir für jeden die nötige Zeit“, sagt der Koch, „und wenn es mal etwas länger geht, dann gibt es eben ein Probiererle.“ Die Kundengespräche dienen auch als Inspirationsquelle für neue Salate. „Meine Kunden erzählen oft von ihren Ideen und ich kreiere durch mein Geschmacksverständnis etwas Neues daraus.“ So soll es im Feinkostladen nie langweilig w ­ erden.  Isabel Barquero


Familienunternehmen

Streit zieht in die Lokhalle Neuer Showroom am Kreativpark

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ie Streit Service & Solution GmbH & Co. KG zieht mit ihrer Freiburger Niederlassung Streit inhouse in die Lokhalle: Ab dem 25. Juli inszeniert das familiengeführte Unternehmen in dem bedeutenden Industriedenkmal auf gut 300 Quadratmetern im stylischen Erdgeschoss des Ost-

Das Papierhaus Streit wurde 1951 von Edgar Streit in Hausach gegründet, wo auch heute die Zentrale ihren Sitz hat. Derzeit beschäftigt das Unternehmen dort, in Donaueschingen, Reutlingen und in Freiburg 220 Menschen und setzte mit diesen im vergangenen Jahr 48 Millionen Euro um. Streit ist durchaus ein ausgezeichneter Arbeitgeber, heimste der doch nach 2015 auch im vergangenen Jahr beim „Great-place-to-work“-Wettbewerb wieder die Auszeichnung als „Deutschlands beste Arbeitgeber“ ein. Streit, heute auf die drei Unternehmensbereiche systec, office und inhouse spezialisiert und mit einer eigenen Streit Leasing ausgestattet, ist in ganz Baden und in Teilen Württembergs zu Hause. Bei dem mittlerweile 67 Jahre alten Unternehmen gibt es Einrichtungslösungen für Private und Unternehmen, Streit plant und realisiert aber auch die Inneneinrichtung kompletter Bürogebäude, liefert weiterhin – wie in den Ursprüngen – nahezu alle Büromaterialien, betreut vernetzte Drucker- und Kopierlandschaften für Konzerne, Institutionen und Behörden zwischen Karlsruhe, Bad Säckingen und der Bodenseeregion. In Freiburg ist die Firma seit 1970 ansässig. Am neuen Sitz in der Lokhalle werden insgesamt 22 Arbeitsplätze angesiedelt und nun erstmals auch USM-

Lösungen zu sehen sein. Direkt neben den neuen Räumlichkeiten hat das Unternehmen nahezu den kompletten Kreativpark Lokhalle Freiburg eingerichtet. „Wir haben moderne Arbeitswelten in alten Containern gestaltet, gezeigt, was in dieser so besonderen Umgebung machbar ist“, sagt Bischler, der die Geschäfte schon seit 1987 führt. Auch die Fläche im Ostflügel, wo sich die historische Fassade auch innen zeigt, sei eine unverwechselbare Atmosphäre, in der die Einrichtungslösungen besonders zur Geltung kämen. Davon konnte sich bereits eine 30-köpfige Reisegruppe überzeugen, die unlängst vom Stammsitz in Hausach an die Lokhalle kam, um den Kreativpark und die neuen eigenen Flächen unter die Lupe zu nehmen. Für den Streit-inhouse-Leiter Clemens Imberi ist das denkmalgeschützte Ensemble ein Ort mit sehr viel Ausstrahlung, an dem es um modernes Arbeiten geht und Aufbruchstimmung

Moderne Arbeitswelt trifft auf 115 Jahre alte Fassade

Foto: © bib

flügels einen neuen Showroom. „Wir haben uns in den vergangenen Jahren strategisch neu ausgerichtet, haben unser Image verjüngt, und welchen besseren Platz in Freiburg als einen direkt neben dem Kreativpark könnte es für uns geben“, sagt Inhaber Rudolf Bischler. herrscht: „Das ist das genau passende Umfeld, weil wir unseren Kunden mit auch oft langen Traditionen in moderne Arbeitswelten begleiten.“ Im neuen Showroom könnten sowohl Unternehmer als auch Private attraktive Impulse bekommen, nicht zuletzt stünden mit den Marken Vitra und USM dafür ebenso traditionelle wie moderne Hersteller parat. bib

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Familienunternehmen

»Kein Massenprodukt« Kleine Familienbrennerei überzeugt mit „maidli GIN“

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Begonnen hat es mit dem Dry Gin namens Blend 01. Blend 02 und 03 sind New Western Gins und enthalten dreimal so viele Zutaten wie der Dry Gin. Wichtig für einen guten Gin sei, neben den qualitativ hochwertigen, vorwiegend einheimischen Kräutern, auch gutes gefiltertes Quellwasser und der behutsame Brennvorgang als Solches, so Markus Wuchner. Die Brennerei wird, anders als bei Industrieherstellern, mit Holz befeuert. Das erfordere ständige Beobachtung und Gin-Fan und Chefbrenner: verlangsame den Vorgang. „Der reine Markus Wuchner Brennvorgang dauert bei uns einen Tag Wacholder, aromastarke Kräuter, Beeren, Gewürze – lang. Es läuft bei uns sehr langsam raus, das ist so gewollt“, beZutaten, die dem „maidli GIN“ den Charakter geben. richtet der Chef. Etwa 45 Liter Gin seien das Resultat, der anSeit mehr als 100 Jahren ist die Familie Wuchner in der schließend noch gefiltert und verdünnt wird. Kunst des Obstbrennens zu Hause. Die heutige Gene- Die richtige Rezeptur für den perfekten Gin zu finden, ration – Markus Wuchner, seine Lebensgefährtin Heike habe bis zu einem halben Jahr gedauert, erzählt der 52-JähKraft und sein Sohn Philipp – hat das Sortiment vor zwei- rige. „Durch Experimentieren und Testen sind letztlich uneinhalb Jahren erweitert. Drei Gins gibt es nun – für jeden sere drei Sorten entstanden.“ Die 0,5-Liter- Flasche mit der „Maidli“ in Tracht auf dem Etikett kostet 37 Euro. Geschmack sei etwas dabei. Markus Wuchner kann die Gin-Produktion als Außen- Erhältlich ist der „maidli GIN“ in Getränkemärkten, Spidienstler nur nebenberuflich betreiben. Zeit dafür bleibt rituosen-, Tabak- und Feinkostläden in Freiburg und Umlediglich abends, samstags und im Urlaub. „Man opfert gebung, aber auch in Karlsruhe und am Bodensee. „Wir dafür gerne seine Freizeit“, sagt Kraft. Ihr Umzug von möchten den Gin nicht überall vertreiben, es soll ein regionaBerlin nach Heuweiler war einer der Gründe für den Be- ler und hochwertiger Gin bleiben. Wir wollen nicht in jedem ginn der Gin-Brennerei. Einem Trend würden sie nicht Supermarkt vertreten sein“, sagt Wuchner. Es sei kein Masfolgen: „Wir brennen Gin aus jahrelanger Leidenschaft senprodukt, denn „das können wir gar nicht leisten“. und Freude. Wir wollten einen hochwertigen regionalen Die Maidlis kommen an: „Jeder, der unseren Gin getrunken oder gekauft hat, kommt in der Regel wieder“, sagt Kraft. Gin kreieren.“ Markus Wuchner bestätigt: „Das Nebengewerbe rentiert sich, wir kommen im Plus raus.“ Alle drei Blends wurden 2017 beim Craft Spirits Festival DESTILLE BERLIN mit Gold für 02, Silber für 01 und Bronze für 03 prämiert, „das war ein besonderes Highlight für uns“, sagt der Chefbrenner. Ein größeres Sortiment ist nicht geplant. Immer wieder werden limitierte Editionen gebrannt. Ein neuer, exklusiver Gin steht schon in den Startlöchern. Mehr will Wuchner nicht verraten. Auf dem Etikett der schwarzen Flasche soll ein „echtes Maidli“ abgebildet sein. „Wir haben ein Maidli in die originale Glottertäler Tracht aus dem 18. Jahrhundert gesteckt und fotografieren lassen für das Etikett unserer neuen Edition“, verkündet Wuchner stolz. Ohne Bollenhut, dafür aber mit einem knallgelben Zylinder. Isabel Barquero

Fotos: © Hausbrennerei Wuchner

in entwickelt sich immer mehr zum Trendgetränk. Der Wacholderschnaps zählt für Kenner zu den feinsten Spirituosen der Welt. Nicht nur die Industrie hat Gin für sich entdeckt, auch regionale Destillerien produzieren in Handarbeit selbst gebrannte Gins und sorgen für eine beachtliche Geschmacksvielfalt. So auch die kleine, familiengeführte „Hausbrennerei Wuchner“ aus Heuweiler. Mit ihrem „maidli Gin“ haben sie bereits Goldstatus erreicht.

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Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt trotzt Strafzöllen und Handelskonflikten 12.000 Männer und Frauen ohne Job

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Foto: © picture alliance/Axel Heimken/dpa

um Beginn des Sommers hat sich am Arbeitsmarkt nur wenig verändert. In der Stadt Freiburg und den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen waren im Juni 12.044 Frauen und Männer arbeitslos registriert, 151 weniger als im Mai. Die Arbeitslosenquote beträgt unverändert 3,3 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit ist mit einer Quote von 2,0 Prozent (-0,1 Punkte) weiter niedrig. Derzeit sind 877 Frauen und Männer im Alter unter 25 Jahren arbeitslos registriert. Für die kommenden beiden Monate wird ein ferienbedingter Anstieg der Arbeitslosigkeit erwartet. „Im Juni gibt es kaum saisonale Einflüsse. Deshalb verändert sich der Arbeitsmarkt zum Sommerbeginn nur wenig. Er ist insgesamt weiter in einer sehr guten Verfassung. Darüber freue ich mich“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Freiburg, Chris-

tian Ramm. Dennoch ist der Ausblick leicht eingetrübt. An den zuletzt rückläufigen Stellenangeboten möchte Ramm das nicht festmachen: „Die Arbeitskräftenachfrage ist immer noch auf sehr hohem Niveau. Das gilt auch für das konjunkturanfällige Verarbeitende Gewerbe“. Zwar würden drohende Handelskonflikte, Strafzölle und Abschottungstendenzen auf die Stimmung in den Unternehmen drücken, der Arbeitsmarkt sei aber „sehr robust und die Region konjunkturellen Risiken generell weniger ausgesetzt“. Ramm geht daher nicht von einer Wende am Arbeitsmarkt aus. Die Arbeitgeber würden die Risiken, die von Fachkräfteengpässen ausgehen, weit höher einschätzen und ihre Mitarbeiter auch bei Durststrecken halten. Und noch gelinge es, selbst bei kritischen Zielgruppen die Arbeitslosigkeit weiter abzubauen. „Wir werden alles daransetzen, dass das auch unter ungünstigeren Rahmenbedingungen

weiter klappt“, versichert Ramm. So ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 402 oder 10,9 Prozent gesunken. Der Arbeitgeber-Service akquirierte im Juni 1244 ungeförderte offene Stellen. Das entspricht gegenüber dem Vorjahresmonat einem Rückgang um 163 oder 11,6 Prozent. Den größten Bedarf nach Branchen meldeten: Unternehmensnahe Dienstleistungen (268 Stellen), darunter Zeitarbeit (225), Handel (204), Verarbeitendes Gewerbe (191), Gesundheits- und Sozialwesen (157), Gastgewerbe (99). Ende Juni lagen der Agentur für Arbeit Freiburg 5740 Aufträge zur Stellenbesetzung vor. In der Stadt Freiburg gab es 5843 Arbeitslose, was einer Quote von 4,8 Prozent (unverändert) entspricht, im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald: 3947 Arbeitslose (2,7 Prozent, unverändert) im Landkreis Emmendingen 2254 Arbeitslose (2,4 Probib zent (-0,1 Prozentpunkte).

Kaum konjunturelle Risiken

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Arbeitsmarkt

Erster Dämpfer seit fünf Jahren Konjunktur am Oberrhein

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ie IHK Südlicher Oberrhein (IHK) hat erneut 1000 Unternehmen um Auskunft über ihre derzeitige Geschäftslage und ihre Einschätzung der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung gebeten. Ergebnis: Der Index der Geschäftslage ist auf 51 Punkte gesunken. Ein Minus von zehn Punkten im Vergleich zum Jahresbeginn. Der erste Dämpfer seit fünf Jahren. „Die Wirtschaft funktioniert noch sehr gut. Ein Anlass für Rezessionsängste ist das nicht“, kommentierte IHK-Präsident Steffen Auer. Immerhin bewerten 54 Prozent der Befragten die eigene Geschäftslage als gut, weitere 42 Prozent als befriedigend. Negativen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung hatte im ersten Quartal das schwächere Auslandsgeschäft. So lag der Zuwachs bei den baden-württembergischen Exporten nur noch bei 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, während es im letzten Quartal 2017 noch starke 7,2 Prozent waren. Weniger gefragt waren vor allem Produkte aus dem Bereich Kraftwagen und Kraftwagenteile. Hier betrug das Minus 14,1 Prozent.

Planung hinter verschlossenen Türen Dennoch rechnen noch immer 29 Prozent der Unternehmen damit, dass sich ihre Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten verbessern werden, während nur neun Prozent vom Gegenteil ausgehen. Damit bleibt der Blick in die Zukunft optimistisch, wenn er sich auch im Vergleich zum Jahresbeginn leicht eingetrübt hat. Jedes dritte Unternehmen plant, in den kommenden zwölf Monaten zu investieren. Dass der Index der Inlandsinvestitionen neun Punkte verloren hat, beunruhigt Auer nicht. „Er war zuletzt auf sehr hohem Niveau und liegt auch jetzt noch oberhalb des zehnjährigen Mittelwerts.“ Zwar legte die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen im Kammerbezirk im vergangenen Jahr um 12.486 zu, Risikofaktor Nummer eins bleibt aber der Fachkräftemangel. Zwei Drittel aller Unternehmen geben mittlerweile an, davon betroffen zu sein – mehr als doppelt so viele wie vor fünf Jahren. Abhilfe schaffen könnte das im Koalitionsvertrag verankerte Zuwanderungsgesetz. „Allerdings hören wir nichts davon. Die Planungen passieren offenbar hinter verschlossenen Türen“, kritisiert Auer.  bib 42 | chilli | business im Breisgau | 07.2018


Automobil

Ins Stottern geraten Causa Dieselumrüstung: Freiburger Autohäuser schweigen zum Skandal

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Fotos: © pixabay, tln

uf wirtschaftlicher Strecke scheinen die überführten Konzerne Volkswagen und Daimler dem Abgasskandal davonzufahren: VW verbuchte im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis. Das Unternehmen gibt an, seinen Nettogewinn von 5,1 Milliarden Euro auf rund 11,4 Milliarden verdoppelt zu haben. Daimler legt für den gleichen Zeitraum einen Nettogewinn von 10,9 Milliarden Euro vor. In den Showrooms und auf den Straßen ist die Lage ernster: Händler müssen den Betrug ihrer Hersteller ausbaden und beißen sich auf die Zunge. Freiburgs Autohändler haben Sand im Getriebe. Werner Heck, Leiter der bhg-Südbaden und Händler der entlarvten Marken Volkswagen, Škoda und Audi lehnt ein Statement zur Dieselumrüstung gegenüber dem business im Breisgau ab. Er verweist ins einige Tankladungen entfernte Wolfsburg. Mercedes Kestenholz zeigt mit dem Finger auf die Presseabteilung von Daimler in Stuttgart. Bisher müs-

sen 238.000 dort geplanter Fahrzeuge einen unfreiwilligen Boxenstopp einlegen. Auch Schmolck in Emmendingen ziert sich und bleibt bis Redaktionsschluss Antworten schuldig. Dieses Schweigen ist eine Schutzmaßnahme: Schadensersatzansprüche von geprellten Kunden können nur geltend gemacht werden, wenn die Verkäufer von der Skandal-Software gewusst haben. Unschuldsbekundungen sind die Folge. „Wir haben es auch erst aus der Zeitung erfahren“, beteuert ein Freiburger Händler. „Man kann nicht beweisen, dass die Autohändler Bescheid wussten“, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Er empfiehlt getäuschten Fahrern, sich einer Musterfeststellungsklage anzuschließen. Dabei tragen die Verbraucher nicht mehr einzeln Prozess- und Forschungskosten. Bei einer Umrüstung würden allerdings auch alle dazu notwenigen Beweise vernichtet. Hinter vorgehaltener Hand heißt es bei Händlern: Die Verunsicherung bei der Kundschaft in der Region ist groß.

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Für die anstehenden Rückrufe sieht sich ein Händler aber gerüstet. Johannes Leifert von Daimler ist gesprächiger: Er geht nicht davon aus, „dass sich diese Maßnahmen negativ auf die Qualität verschiedener Bauteile und Komponenten auswirken“. Tatsächlich mehren sich Beschwerden von Kunden verschiedener Marken, die über Schäden nach dem Knopfdruck klagen. „Es kann zu Ablagerungen und Verstopfungen kommen“, sagt Buttler, „das ist ein Rattenschwanz.“ Noch ist unklar, wie viele Marken und Pkw in den Skandal verwickelt sind. Nach Angaben der KFZ-Zulassungsstelle Freiburg erhielten im Stadtgebiet bisher 37 Fahrzeughalter die Aufforderung vom Kraftfahrtbundesamt, ihren Wagen umrüsten zu lassen. 17 sind diesem Aufruf bisher gefolgt. Durch den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald fahren noch mindestens 60 Fahrzeuge, die noch keiner Umrüstung unterzogen wurden. Spätestens beim nächsten TÜVTermin tritt der Staat auf die Bremse.

Schweigen als Schutzmaßnahme


Unsauber: 2017 lag der vorläufige Jahresmittelwert der Stickstoffdioxidbelastung in Freiburg über dem Grenzwert von 40 µg/m³. Die Breisgaumetropole hat den gleichen Wert wie Berlin und Oberhausen (49 µg/m³).

Eine Freiburgerin, die solch einen blauen Brief vom Amt bekommen hat und im Zusammenhang mit der Abgasaffäre lieber anonym bleiben möchte, sagt: „Die Umrüstung beim zuständigen Händler ist problemlos verlaufen.“ Der Wagen

»Es ist gerade schwierig, einen Diesel zu verkaufen« würde jetzt sogar schneller beschleunigen. Tests des ADAC ergaben, dass sich der Benzinverbrauch bestimmter Wagen nach der Umrüstung leicht erhöhen kann. Ihr Vertrauen in Volkswagen scheint durch den Skandal aber ungebrochen: „Wir haben uns dann ein größeres VW-Modell gekauft.“ Der Wagen sei ein Benziner. „Wir hätten aber auch wieder einen Diesel gekauft“, sagt die Mutter. Insgesamt ist das Vertrauen in die Selbstzünder aber gesunken: Im Juni 2016 wurden deutschlandweit 156.350 Dieselfahrzeuge neu zugelassen. Genau zwei Jahre später sind es nur noch 106.618. Selbst Autofahrer, die von dem Abgasskandal nicht betroffen sind, haben aktuell Schwierigkeiten, ihren gebrauchten Diesel loszuwerden, auch wenn diese keine Schummel-Software an Bord haben: „Es ist gerade schwierig, einen Diesel zu verkaufen“, sagt Christian Schmitt aus Freiburg. Der Markt für Dieselfahrzeuge sei überfüllt. Er habe auf seinen angebotenen Golf noch keine einzige Anfrage erhalten: „Ich bin schon 1000 Euro runter.“ Gunnar Matzen vom Online-Fahrzeugmarkt mobile.de beobachtet, dass Autohändler ihren Fuhrpark umstellen:

So sei die Zahl der angebotenen Dieselfahrzeuge im vergangenen Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13,3 Prozent gesunken. Benziner verhielten sich hingegen stabil, sanken nur um 0,9 Prozent – stiegen aber im gleichen Zeitraum im Preis um 13,5 Prozent. Noch sind in der Abgasaffäre viele rechtliche Fragen ungeklärt. Klar ist aber, dass Autofahrer getäuscht wurden. „Der Betrug liegt darin, dass etwas anderes verkauft wurde, als vereinbart war“, erklärt Buttler. Die Justiz sieht das auch so: Audi-Boss Rupert Stadler sitzt deswePhilip Thomas gen in U-Haft. 

Trotz Abgasskandal: Daimler und Volkswagen fahren auf den Asphaltpisten weiter Milliardengewinne ein. chilli | business im Breisgau | 07.2018 | 45


Fakten

Die Welt, die Wirtschaft in Zahlen Stromverbrauch von Baden-Württemberg in 2016 (in Mrd. kWh) ��������������������������������������������������������������������� 74,2  Stromverbrauch von Estland in 2015 (in Mrd. kWh) ��������������������������������������������������������������������������������������� 8,15 Stromverbrauch am Genfer CERN in 2012 (in Mrd. kWh) ����������������������������������������������������������������������������� 1200 In diesem Jahr wurde gleichgeschlechtlicher Sex in Belgien legal ����������������������������������������������������������������������� 1795 In diesem Jahr wurde gleichgeschlechtlicher Sex in Japan legal�������������������������������������������������������������������������� 1880 In diesem Jahr wurde gleichgeschlechtlicher Sex in Deutschland legal���������������������������������������������������������������� 1994 In diesem Jahr wurde gleichgeschlechtlicher Sex in den USA legal��������������������������������������������������������������������� 2003 Importe in Baden-Württemberg im Jahr 1991 (in Mrd. Euro) ��������������������������������������������������������������������������� 44,7 Importe in Baden-Württemberg im Jahr 2017 (in Mrd. Euro) ������������������������������������������������������������������������� 170,8 Exporte aus Baden-Württemberg im Jahr 1991 (in Mrd. Euro)�������������������������������������������������������������������������� 56,5 Exporte aus Baden-Württemberg im Jahr 2017 (in Mrd. Euro)������������������������������������������������������������������������ 201,5 Transferausgaben der deutschen Bundesliga in der Saison 2006/07 (in Mio. Euro)������������������������������������������� 164,48 Transferausgaben der deutschen Bundesliga in der Saison 2016/17 (in Mio. Euro)������������������������������������������� 672,76 Transferausgaben der chinesischen Super League in Januar und Februar 2017 (in Mio. Euro) �������������������������������� 388

Grunderwerbssteuereinnahmen in Baden-Württemberg in 2017 (in Mrd. Euro)�������������������������������������������������� 1,75 Grunderwerbssteuereinnahmen von Stuttgart in 2017 (in Mio. Euro) ���������������������������������������������������������������� 63,8 Grunderwerbssteuereinnahmen von Freiburg in 2017 (in Mio. Euro)����������������������������������������������������������������� 21,5 Grunderwerbssteuereinnahmen von Konstanz in 2017 (in Mio. Euro)���������������������������������������������������������������� 21,1 Wahrscheinlichkeit, durch einen Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen, in den 70er Jahren ��������������������� 1:264.000 Wahrscheinlichkeit, durch einen Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen, im Jahr 2017������������������������� 1:92,75 Mio. Wahrscheinlichkeit, durch einen Blitz ums Leben zu kommen, im Jahr 2017���������������������������������������������� 1:20 Mio. Wahrscheinlichkeit, einen Sechser im Lotto (6 aus 49) zu tippen ��������������������������������������������������������������� 1:14 Mio. Anteil von Einfamilienhäusern am Gebäudebestand in Freiburg in 2017 (in Prozent) ��������������������������������������������� 42 Anteil von Einfamilienhäusern am Gebäudebestand in Biberach in 2017 (in Prozent) ��������������������������������������������� 73 Anteil von Einfamilienhäusern am Gebäudebestand in Karlsruhe in 2017 (in Prozent) ������������������������������������������� 65 Anteil von Einfamilienhäusern am Gebäudebestand in Stuttgart in 2017 (in Prozent) ��������������������������������������������� 35 Anteil von alkoholbedingten Unfällen mit Personenschaden bei PKW-Fahrern in 2015 (in Prozent) �������������������������� 3 Anteil von alkoholbedingten Unfällen mit Personenschaden bei LKW-Fahrern in 2015 (in Prozent)������������������������ 1,5 Vermögen der Königin von Thailand, Maha Vajiralongkorn (in Mrd. Euro)����������������������������������������������������������� 34 Vermögen des Königs von Brunai, Sultan Haji Hassanal Boliah (in Mrd. Euro)������������������������������������������������������ 17 Vermögen von Fürst Hans-Adam von und zu Liechtenstein (in Mrd. Euro)����������������������������������������������������������� 3,5 Vermögen von Queen Elizabeth II. (in Mrd. Euro)������������������������������������������������������������������������������������������� 0,45 Von der BBC geschätztes Vermögen von Wladimir Putin (in Mrd. Euro)��������������������������������������������������������������� 36 Kohlendioxid-Ausstoß durch Google-Anfrage pro Sekunde weltweit (in Kilogramm) �������������������������������������������� 500 Zahl der Bäume, die jede Sekunde weltweit gepflanzt werden müssten, um das auszugleichen ���������������������������������� 23

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Lars Bargmann / Idee: brandeins


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Ausgabe 19, Juli 2018

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