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Ausgabe Mai 10. Jahrgang / #99

Ausgabe 05- 0 6/14 2,50 Euro

Was da wiederlos ist: Termine & Partys 17.05. – 15.06.14

SEBASTIAN BLOMBERG KATHARINA SCHÜTTLER DEVID STRIESOW

Ab 22. Mai im Kino www.facebook.com/ZEITDERKANNIBALEN | www.zeitderkannibalen.de

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» Das gab es ewig nicht «

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Interview mit den EHC-Machern Werner Karlin und Leos Sulak

SOLO DER DIVA FRAUEN UND GELD WM 2014 Tokunbo Akinro zeigt Gefühl

Interview mit Elisabeth Cheauré

Kickkneipen im Contest

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W ir t s c h a ft sM AGA ZIN b ib


Titel wahl 2014

Stühlerücken an den Tischen der Macht 13 Listen, 591 Kandidaten, 48 Plätze: Am 25. Mai werden sie besetzt von Lars Bargmann

A

Fotos: © fho, istockphoto.com

m 25. Mai wählt Freiburg einen neuen Gemeinderat. Das ist kein Bunte-Liga-Club, sondern die Mannschaft, die mit oder auch mal gegen das Team um Oberbürgermeister Dieter Salomon die Geschicke der Stadt Freiburg lenkt. Das Königsrecht des Kommunalparlaments ist dabei der Haushalt. Und der Doppelhaushalt 2015/2016 wird auch die erste große Belastungsprobe für die 48 Frauen und Männer sein, die am 25. Mai einen Sitz im Gremium ergattern können. Es wird wohl wieder ein großes Stühlerücken geben: Bei der vergangenen Wahl 2009 zogen immerhin 17 neue Stadträte in den Gemeinderat ein. Im bisher erstaunlich leisen und nahezu attackenfreien „Wahlkampf“ sind 591 Kandidaten auf 13 Listen im Rennen. So viele wie noch nie in Freiburg. Die Möglichkeit, politischen Einfluss vor der eigenen Haustür zu nehmen, zieht sie an. Ein gutes Zeichen für die Demokratie – auch wenn längst nicht alle Kandidaten wirklich auf einen Sitz scharf sind. Doch wer an den Tischen der Macht im Ratssaal sitzt, der steht auch nicht einfach auf und geht wieder nach Hause, weil es zu mühsam wäre, sich aktiv um die politischen Weichenstellungen in der Stadt zu kümmern. Die meisten Stadträte wollen diese Verantwortung tragen, viele sitzen schon seit Jahrzehnten an diesen Tischen. Für die Wähler sind die Kommunalwahlen – abgesehen von Bürgerentscheiden – der Moment des größten direkten Einflusses, denn bei keiner anderen Wahl ist der Einfluss der Menschen auf ihre unmittelbaren Lebensbedingungen größer. Nicht wählen zu gehen, bedeutet im Kern, sich um diese nicht zu scheren. Unabhängig aber vom Ausgang dieser Wahl zeichnen sich bereits heute Mehrheiten für viele wichtige Aufgaben ab. Nach einer Umfrage des Freiburger Stadtmagazins chilli aus dem März gibt es klare Bekenntnisse für den Bau eines neuen Stadtteils, für den Umbau der Stadthalle zum Musikzentrum im Osten, für die aufwändige Sanierung oder den Neubau eines Hauses der Jugend, für ein Nachfolgeprojekt fürs Artik, das aus der Unterführung Siegesdenkmal wegen der Neugestaltung des Platzes ausziehen muss. Es wird bei den Beratungen für den Doppelhaushalt 2015/2016 mehr Geld für den Klimaschutz bereitgestellt werden und es wird auch ein Votum zum Bau einer neuen weiterführenden Schule geben. Zudem wird das Rathaus wohl nicht drum herum kommen, einen vierten festen Platz für eine Wagenburg auszuweisen.

Im Jahr 2006, dem Jahr des per Bürgerentscheid gescheiterten Verkaufs der Freiburger Stadtbau GmbH mit ihren Wohnungen, war der Freiburger Schuldenberg 336 Millionen Euro hoch. Wer wie Salomon im Gespräch mit dem chilli heute die damals nicht groß kommunizierten Verbindlichkeiten gegenüber dem kommunalen Versorgungsverband für die Beamten-Pensionen hinzuzählt, kommt gar auf 370 Millionen Euro. Ohne die Schulden, die die städtischen Gesellschaften

So wird gewählt info

Der häufigste Grund für ungültige Stimmzettel ist, dass die Wähler mehr als 48 Stimmen vergeben. Sie können weniger Kreuze machen, aber nicht mehr. Die Wähler können einfach wählen, indem sie eine Liste ankreuzen, dann bekommt jeder Kandidat auf dieser Liste eine Stimme. Sie können auch auf einer Liste 16 Kandidaten drei Stimmen geben. Dann kumulieren sie. Wer auf Listen kumuliert, muss wissen, dass damit automatisch die anderen Bewerber keine Stimme bekommen. Oder die Wahlberechtigten, zu denen erstmals auch die 16- bis 18-Jährigen zählen, können quer durch alle Listen wählen und dabei Kandidaten mindestens eine, höchstens aber drei Stimmen geben. Wer panaschieren will, kann sich „seine Hauptliste“ nehmen und unten auf die freien Zeilen noch Kandidaten anderer Listen per Hand dazuschreiben und mit Stimmen zu versehen. Auch hier muss unterm Strich eine 48 stehen. Die Europawahl ist dagegen in ihrer Komplexität ein Klacks: Jeder hat eine Stimme für eine Liste. Die wird erst im Wahllokal ausgehändigt. Wahlbenachrichtigung für die Kommunalwahl und den Personalausweis nicht vergessen. Mehr Infos: www. kommunalwahlbw.de

Mai 2014 CHILLI 9


Titel wahl 2014

Nur eine von nahezu beliebig vielen Baustellen: Die Sanierung der Staudinger Gesamtschule ist auf 60 Millionen Euro taxiert. Der Bau des spektakulären Super-Rathauses ist mit 76 Millionen Euro veranschlagt. Auch damit wird sich der neue Gemeinderat beschäftigen müssen.  Fotos: © fho, ns

und Eigenbetriebe seinerzeit hatten. Am Jahresende wird das Rathaus noch mit 214 Millionen Euro in der Kreide stehen. Zusammen aber mit den Schulden der städtischen Töchter, kontert FDP-Stadtrat Patrick Evers, summierten sich die Verbindlichkeiten auf eine Milliarde. Rund zwei Milliarden Euro dürfte der kommende Doppelhaushalt 2015/2016 haben, der wahrscheinlich im ersten Quartal 2015 vom neuen Gemeinderat zu beschließen ist. Für den aktuellen Doppelhaushalt hatte es eine breite Mehrheit gegeben. Auch wenn aus unterschiedlichen Gründen die vierköpfige FDP-Fraktion und die beiden Stadträte der Grünen Alternative Freiburg dagegen votiert, die Unabhängigen Listen sich mit sieben Stimmen enthalten hatten. Der neue Gemeinderat ist gefordert, trotz steigender Erlöse aus unterschiedlichen Steuern und Schlüsselzuweisungen von Bund und Land diszipliniert mit dem Geld umzugehen. Ein generationengerechter Haushalt ist einer, der die Verschuldung weiter abbaut. Der von der CDU einst ausgearbeitete und vom Gemeinderat 2007 beschlossene Masterplan sieht vor, dass, wenn mehr Geld in die Kasse kommt als im Doppelhaushalt eingeplant, dieses je zur Hälfte in die Ent-

schuldung und in die Sanierung gesteckt werden muss. Das ist generationengerecht. Evers geht noch weiter und fordert von Finanzbürgermeister Otto Neideck einen Entschuldungsplan. Aber beim kommunalen Haushalt ist es oft wie beim Klimaschutz. Ziele werden vereinbart, dann kommt die Realität und führt diese vor. Und hernach werden einfach noch anspruchsvollere Ziele noch weiter in der Zukunft vereinbart. Klar greifbares Ziel und Verpflichtung ist die weitere Sanierung des städtischen Vermögens – allein die der Staudinger Gesamtschule wird wohl 60 Millionen Euro kosten. Und wer wie das komplette Parlament mehr preisgünstigen Wohnraum in Freiburg will, muss dafür auch viel Geld in die Hand nehmen. So fordert etwa die Linke Liste/Solidarische Stadt einen mehrjährigen Mieterhöhungsstopp bei der Stadtbau. Das wäre solidarisch und sozial, würde aber viel Geld kosten. Ein Paradebeispiel für die Kommunalpolitik: Was ist dieser Stadt wie viel wert. Wer auf solch wichtige Fragen Einfluss nehmen will, wer mitbestimmen möchte, wer an den Tischen der Macht im Rathaus sitzt, der muss am 25. Mai an die Urne.

Was ist der stadt wie viel wert?

Neues Auszählverfahren Info

Bisher wurde bei Kommunalwahlen die Stimmverteilung durch das d‘Hondtsche Verfahren berechnet. Bei der 2014er Wahl wird erstmals auf das neue Berechnungsverfahren nach dem französischen Mathematiker André SainteLaguë und dem deutschen Physiker und Bundestagsmitarbeiter Hans Schepers umgestellt, das von Experten als gerechter eingestuft wird, da das alte kleinere Parteien und Wählervereinigungen benachteiligt habe. Nach dem Grundsatz der Verhältniswahl erhalten die Wahlvorschläge so viele Sitze, wie ihnen im Verhältnis zu den anderen Wahlvorschlägen zustehen. Zur Ermittlung dieses Verhältnisses werden künftig die Stimmenzahlen aller Bewerber eines Wahlvorschlags zu einer Gesamtstimmenzahl addiert. Die Gesamtstimmenzahlen aller

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Wahlvorschläge werden dann nacheinander durch die ungeraden Zahlen geteilt. Von den sich daraus ergebenden Zahlen werden die höchsten ausgesondert, und zwar so viele, wie Sitze zu vergeben sind, in Freiburg also 48. Beim d’Hondtschen Verfahren war die Gesamtstimmenzahl nicht nur durch die ungeraden, sondern durch alle fortlaufenden Zahlen geteilt worden. Außerdem wurde das Ergebnis stets abgerundet, während künftig gemäß der Standardrundung auf- oder abgerundet wird. Nach dem neuen Verfahren hätten bei der 2009er Wahl die Grünen und die SPD jeweils einen Sitz weniger, Junges Freiburg einen mehr und auch die Liste „Für Freiburg – Politik aus christlicher Verantwortung“ einen Sitz bekommen.


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SZENE Rollbrettsport

Erst Bagger, dann Bretter Im Dietenbach kommt was ins Rollen: Pläne des Skateparks beim Bauausschuss Foto: © Philippe Gehrke

Street-Trick am Brunnenrand: Der neue Skatepark soll richtige Straßenelemente enthalten – wenn er denn gebaut wird.

D

ie Freiburger Skaterszene pustet durch: Die Pläne des langersehnten Skateparks liegen beim städtischen Bauausschuss und die Ausschreibung an Baufirmen soll bald auf den Weg gebracht werden. 150.000 Euro stehen für den ersten von drei bis vier geplanten Abschnitten zur Verfügung, insgesamt könnten bis zu 650.000 Euro investiert werden. Im Herbst sollen im Dietenbachpark die Bagger anrollen. Heimische Skater wie der 29-jährige Matthias Kappler, der den Werdegang des Projekts seit 2005 tatkräftig begleitet hat, sehen dem mit einem freudigen und einem skeptischen Auge entgegen.

Die Geschichte des Freiburger Skateparks ist ein gutes Beispiel dafür, wie auf der einen Seite Bürgerbeteiligung funktionieren kann, wie aber auf der anderen Seite die Behäbigkeit eines Behörden- und Politikapparates zu Verdrossenheit bei jungen Menschen führen kann. „Es war sehr frustrierend. 2003 hieß es ja bereits dass wir einen Park bekommen sollen“, beschreibt Kappler die Leidensphasen der vergangenen Jahre, „wir haben oft gedacht, dass es jetzt losgeht – und dann war immer wieder die Luft raus.“ Inzwischen scheint sich aber ein Ende des Wartens abzuzeichnen.„So weit wie jetzt waren wir eigentlich noch nie“, gibt sich der Skater verhalten optimistisch, „wir sind gespannt, ob es jetzt tatsächlich losgeht. Ich glaube erst dran, wenn die anfangen zu graben.“ Sollte am Ende das geschaffen werden, was die Pläne des Kölner Architekten Ralf Maier vorsehen, die im Übrigen in enger Zusammenarbeit mit einer zehn- bis zwanzigköpfigen Gruppe Freiburger Skater erstellt wurden, wäre das aber wohl ein Schulterschuss zwischen Stadt und Funsportlern. „Wenn der Platz so kommt, wird das ein zentrales Aushängeschild. Auf deutschem Boden gibt es im Umkreis von etwa zwei Stunden Fahrzeit nichts vergleichbares“, sagt Kappler. Das Besondere am Freiburger Skatepark sind Elemente, die Skateparks aus den USA entliehen sind, etwa sechskantige Parkingblocks zum Grinden und Sliden oder eine große Doppelstufe, wie man sie auf Schulhöfen findet. „Wir haben versucht, richtige Straßenelemente möglichst naturgetreu auf den Park zu übertragen“, erklärt der Rollbrettsportler. Zudem wird der Freiburger Park keine reine Betonwüste, vielmehr setzen die Macher verstärkt auf alternative, natürlichere Materialien, die dem Park auch ein ansprechendes Äußeres verleihen sollen. Felix Holm

MEINE SORGEN Die Rente

Die Rente ist sicher. Das weiß ich jetzt auch. Vor drei Tagen kam ein Schreiben der gesetzlichen Rentenversicherung in mein Haus geflattert. 700 Euro bekomme ich, wenn ich so weiter maloche wie bis zum Schreiben dieser Kolumne hier. 700 Euro. Im Monat. Wow. Als ich vor über zehn Jahren nach Freiburg gekommen bin, hatte ich knapp 500 Mark zur Verfügung. Wenn so wenig Kohle damals in einer solch mietintensi14 CHILLI Mai 2014

ven Stadt zum Überleben gereicht hat, dann wird die Zeit ab 65 (oder sind wir sogar schon bei 63?) ja ein Zuckerschlecken. Für das Geld kann ich mir dann – das wird so ungefähr im Jahr 2046 sein – wahrscheinlich mindestens sieben Regiokarten leisten. Vorausgesetzt die Dinger steigen weiterhin so moderat im Preis und werden nicht mehr als einen Euro pro Jahr teurer (die nächste Erhöhung kommt schon am 1. August).

Jetzt habe ich nur ein Problem: Was mache ich mit sieben Regiokarten? Das steht in dem Schreiben der Rentenversicherung natürlich nicht drin. Aber da steht noch was anderes: Wenn ich jetzt sofort, hier und auf der Stelle aufhöre zu arbeiten, beläuft sich mein Rentenanspruch ziemlich genau auf ein Siebtel des derzeitigen Wertes. Ein Siebtel? Perfekt. Problem erkannt, Problem gebannt. Das war‘s. Ende der Kolumne, Anfang der Rente. Felix Holm


SZENE Kolumnen

F

reiburgs Festivals bekommen Zuwachs: Im Herbst soll im Strandbad ein neues Elektronik-Festival starten. Veranstalter ist die Freiburger Konzertagentur Koko & DTK Entertainment GmbH. Geschäftsführer Marc Oßwald hält sich jedoch noch bedeckt: Zwar führe er bereits Gespräche mit Künstlern, Zusagen gebe es aber noch keine. „Der Clou ist die Verbindung von Musik, Wasser und Gelände“, sagt Oßwald. Das Festival soll den Abschluss der Strandbad-Saison bilden – abhängig von den Heimspielen des SC am 20. oder 27. September, von 14 bis 22 Uhr. Abgesprochen seien bis zu 10.000 Besucher, 40.000 wären bei der Größe des Strandbads möglich. „So bleibt viel Platz zum baden, tanzen und chillen“, sagt der Koko-Chef. Im Vordergrund steht dennoch die Musik. „Wir machen hier keine lokale Geschichte“, deutet er an, „wir werden Headliner haben, die auch überregional Beachtung finden.“ Elektronische Musik trifft Badespaß – das erinnert an ein anderes Freiburger Event. „Die Idee, ein Festival am Wasser zu veranstalten, hat die Sea You nicht erfunden“, so Oßwald, „das ist ja kein Alleinstellungsmerkmal.“ Noch ist das Event jedoch nicht unter Dach und Fach. Laut Christina Freund, Pressesprecherin der Regio Bäder GmbH, wurden bisher nur Vorgespräche mit den Ämtern geführt – mit der offiziellen Genehmigung der Stadt sei erst im Sommer zu rechnen. Die Betreiberin steht dem Festival wohlwollend gegenüber – selbst, wenn das einen neuen Rasen für die kommende Saison bedeuten sollte. tbr Foto: © Sasse

Ein altes tibetanisches Sprichwort besagt: „Es ist nicht alles IN, was OUT.“ Ja, die hatten schon Recht die alten Tibeter. An solchen Weisheiten kann chilli-Trendchecker Felix Holm sich bei seiner Arbeit stets ausrichten. Insofern ist es kein Wunder, dass es für ihn auch in diesem Monat wieder ein Kinderspiel war, diese Rubrik mit Inhalt zu füllen:

IN

p

Parkhausmusik mit Verstärker

„Ich wollte schon immer mal in einem Parkhaus spielen.“ Logisch. Wer den Auftritt des Freiburger Musikers Sven Heinrich in der Garage eines Supermarktes am Freiburger Komturplatz verfolgen durfte, versteht warum: Super-Akustik, abgefahrene (im wahrsten Sinn) Location und ein Super-Sänger ergeben einen tollen und echt außergewöhnlichen Gig. Ob es eine Wiederholung gibt? „Mal schauen“, zwinkert der 36-Jährige. Wir würden gerne öfter dem Mann lauschen. Auf www. sternensee-band.de kann man das tun. Aber im Parkhaus war‘s auch super. IN! Foto: © fho

Neues Festival im Strandbad Freiburg

IN & OUT

OUT

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Feiern auf der Liegewiese

Diskogenehmigungen

Feiernde soll man nicht aufhalten. Das dachte sich wohl die Stadtbehörde gute 40 Jahre lang im Bereich Oberlinden, als sie Jahr um Jahr diversen dort ansässigen Clubs die Konzession erteilte. Eine im Jahr 1970 erteilte Baugenehmigung zum Betrieb einer Diskothek war allerdings nur für drei Jahre gültig. Anfang Mai 2014 wurde das von einem Gericht aufgedeckt. Pech für Räng-Teng-Teng-Chef Christian Rotzler, der in den Räumen des Ex-Kamikaze (früher: Le Caveau) eigentlich einen neuen Tanzschuppen eröffnen wollte. Vielleicht sollte er es einfach trotzdem versuchen? Diskogenehmigungen sind ja so was von OUT. Mai 2014 CHILLI 15


Youn Sun Nah – am 21.5. live im Jazzhaus, Freiburg / Foto: Jazzhaus

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17.5. – 15.6.

Panorama

Die Welt nach Ponk & Replonk

Holi Gaudy-Festival

Werke von Konstantin Gric, 22.3.-14.9. Vitra Design Museum, Weil am Rhein Info: www.design-museum.de

Special: Ansichten von Basel, 22.3.-22.6. Cartoonmuseum, Basel Info: www.cartoonmuseum.ch

Europe’s big Holi-Festival Tour 2014 Messe, Basel ★ 12 Uhr Info: www.reservix.de

AUSSTELLUNGEN

Le Corbeau et le Renard

Vagabundierende Unruhe – Gruppe SPUR

Aufstand der Sprachen, Marcel Broodthaers 22.3.-17.8. Kunstmuseum, Basel Info: www.kunstmuseumbasel.ch

Nacht der Museen 2014

Freiburger Frühjahrsmess’

Veranstaltungen bis 1 Uhr morgens Museen, Straßburg Info: www.musees.strasbourg.eu

16.-26.5. Freigelände, Messe Freiburg ★ 14 Uhr Info: www.freiburgermess.freiburg.de

Steckenpferd Kunst

Wiehre-Flohmarkt

SAMSTAG

17.5.2014

Werke von L. Fischer, H. Prem, H. Sturm & HP Zimmer, 15.12.-18.5. Museum für Aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle, Durbach Info: www.museum-hurrle.de

Doré & Friends Zeichnung, Illustration, Comic, Film 21.2.-25.5. Museum für moderne & zeitgenössische Kunst, Straßburg Info: www.musees.strasbourg.eu

JR Fotos & Videos, 1.3.-29.6. Museum Frieder Burda, Baden-Baden Info: www.museum-frieder-burda.de

Chorkapellenfenster v. Hans Baldung Grien Augustinermuseum, Freiburg Info: www.freiburg.de/museen

Mit Gott für Kaiser & Reich

EVENTS

Grenzüberschreitendes Museumsprojekt zum 1. Weltkrieg, 17.5.-21.9. Haus Salmegg, Rheinfelden Info: www.rheinfelden.de

16. Jonglierfestival 16.-18.5.

Gin Tasting

Varietéshow um 20 Uhr im Bürgerhaus Sporthalle Nord, Freiburg ★ 8 Uhr Info: www.jonglieren-in-freiburg.de

Lesser Ury & das Licht

Florales Alphabet

Wiederentdeckung & Neubewertung des Berliner Impressionisten, 5.4.-31.8. Museum LA8, Baden-Baden Info: www.la8.de

Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen von Rainer Nepita, 4.4.-18.5. Badisches Kunstforum, Ebringen Info: www.badisches-kunstforum.de

Künstlerpaare

Gego. Line as Object

Ochs und Oechsle – Genießerfest

Rauminstallationen v. Gertrud Goldschmidt, 29.3-29.6. Kunstmuseum Stuttgart Info: www.kunstmuseum-stuttgart.de

Markt- und Infostände, Kinderbauernhof Haus der Bauern, Merzhauser Str. 111, Freiburg ★ 10 Uhr Info: www.ochs-und-oechsle.de

Malerei & Grafiken von Michaela HöhleinDolde & Manfred Dolde, 7.4.-18.7. Amtsgericht, Freiburg Info: www.gedok-freiburg.de

20 CHILLI MAI 2014

Idyllischer Flohmarkt, 15-19 Uhr Am alten Wiehrebahnhof, Freiburg ★ 15 Uhr Info: www.wiehre-flohmarkt.de

Rohvolution 21. Internationale Vitalkostmesse, 17.-18.5. Messe, Freiburg ★ 10 Uhr Info: www.rohvolution-messe.de

Gin-Verkostung mit Hintergrundinfos & kleinen Köstlichkeiten Cafe Pow, Belfortstr. 2, Freiburg ★ 18 Uhr www.ginspiration.de/gin-tasting-in-freiburg/

Die Wanderhure Schauspiel-Führung m. FR-Living History Martinstor, Freiburg ★ 19 Uhr Info: www.freiburg-living-history.de

Ess-Kultur: Alte Liebe Schauspiel nach dem Roman von Elke Heidenreich, mit Menü Großer Meyerhof, Grünwälderstr. 1, Freiburg ★ 19.30 Uhr Info: www.grosser-meyerhof.de

➔ Das volle Programm auf chilli-freiburg.de


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VERANSTALTUNGSKALENDER

Jubiläumsfest

20 Jahre KiK Jubiläumskonzert

THEATER

Impro-Theater des Theater L.U.S.T. & anschließende Überraschungsparty Schmitz Katze, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.schmitz-katze.com

mit etwa einem Dutzend Musikern aus Offenburg & der Region KiK – Kultur in der Kaserne, Offenburg ★ 21 Uhr Info: www.kik-online.de

Letzte Vorstellung: Falk macht kein Abi

El mago masin – Endstation Zierfischzucht

FM Belfast

Comedy & Kabarett Nellie Nashorn, Lörrach ★ 20 Uhr Info: www.nellie-nashorn.de

Comedy Club 14 Young Stage – Int. Circus Festival Basel Rosentalanlage, Basel ★ 20 Uhr Info: www.daszelt.ch

DreamMen Drink, Play & Pleasure Grand Casino, Basel ★ 20.30 Uhr Info: www.grandcasinobasel.com

mit Support von Bendsen Kaserne Basel, Rossstall 1 & 2 ★ 21.30 Uhr Info: www.kaserne-basel.ch

MUSICAL Novecento

Die paranormale Tour mit Historix-Tours Am Predigertor, Ecke Rotteckring/Unterlinden, Freiburg ★ 21 Uhr Info: www.historix-tours.de

MUSIC Orgelmusik im Augustinermuseum Marius Mack spielt ausgewählte Werke Augustinermuseum, Freiburg ★ 12 Uhr Info: www.museen.freiburg.de

Klangentdeckungstour im Rahmen des Festivals Neue Musik, 15.-18.5. Brauerei Ganter, Freiburg ★ 17 Uhr Info: www.mehrklang-freiburg.de

Mentored Jamming Werkstattkonzert m. Freiburger Schulbands Theaterhalle, Gelände der Brauerei Ganter, Freiburg ★ 18 Uhr Info: www.theater.freiburg.de

Bl!ndman Secret Masses Burghof, Lörrach ★ 20 Uhr Info: www.burghof.com

Here comes the sun

Kriminalstück von Jürgen Roland & Frank Thannhäuser Schauspielhaus, Theater Basel ★ 20 Uhr Info: www.theater-basel.ch

OPER

Letzte Vorstellung: Mirandolina

Letzte Vorstellung: Eugen Onegin

Schmitz Katze, Freiburg

Komödie von Carlo Collodi Theater Dürr, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.theater-duerr.de

Jubiläumsfest

Lyrische Szenen von Pjotr Tschaikowskij Große Bühne, Theater Basel ★ 19.30 Uhr Info: www.theater-basel.ch

PARTY

Nachtalb, Vollmond, Geisterhäuser

Polizeirevier Davidwache

Der dressierte Mann

Oper von John Adams La Filature, Mulhouse ★ 20 Uhr Info: www.operanationaldurhin.eu

Kabarett von Oliver Genzow Vorderhaus, Freiburg ★ 20.30 Uhr Info: www.vorderhaus.de

Schauspiel von Tina Müller Werkraum, Theater Freiburg ★ 19 Uhr Info: www.theater.freiburg.de

Musiktheater über die Legende des Ozeanpianisten Kleine Bühne, Theater Basel ★ 20 Uhr Info: www.theater-basel.ch

Doctor Atomic

Häh?

Improtheater

Bad Taste Party Die Party des schlechten Geschmacks MensaBar, Rempartstraße, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.swfr.de

after shopping meets style night bis 24 Uhr flying buffet, Prosecco & Bier Kagan, Freiburg ★ 20.30 Uhr Info: www.kagan-lounge.de

Noche de Salsa mit DJ Chriss Latinclub Mamasita, Freiburg ★ 21 Uhr Info: www.mamasita-club.de

80er 90er Mixed Music Guten Abend (ehem. Freiburg Bar), Freiburg ★ 21.30 Uhr Info: www.gutenabend-freiburg.de

Burlesque éléctronique Oliver Schories (GER) / Herr Vogel (BS) Die Kuppel, Basel ★ 22 Uhr Info: www.kuppel.ch

Strange Life Club Youth Force White Rabbit Club, Leopoldring 1, FR ★ 22 Uhr Info: www.white-rabbit-club.de

Owl Night Long Djs Anina Owly & Carlo Ruetz Drifters, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.drifters-club.de

Jahreskonzert des Pop & Jazzchor der Concordia Chöre Denzlingen Kultur- & Bürgerhaus, Denzlingen ★ 20 Uhr Info: www.kultur-und-buergerhaus.de

Meet&Greet Students Special

Energiegeladen

Yum Yum

The Beatrockers Schneerot, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.schneerot.de

Von Brahms bis Widmann Galerie depot.K, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.holst-sinfonietta.de

geht nicht, gibt’s nicht Jazzhaus, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.jazzhaus.de

Theatro Diavolo – Coconut Island

Russian XXL Night

Musikalische Reise v. Böhmen n. Amerika Stadtteilpark, FR-Rieselfeld ★ 20 Uhr Info: www.tschechische-kulturtage.de

Feiern im Stile von Luxus & Glamour Big7Club, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.big7club.de

Merdinger Kulturtage

Flic Flac

Hartmut Saam und Meggy Patay mit Jazz, Latin, Musette und Zigeunerswing Zehntscheuer, Merdingen ★ 20 Uhr Info: www.merdinger-kunstforum.de

mit Dave Leon & Shuja Klangraum, Im Hauptbahnhof, FR ★ 23 Uhr Info: www.klangraum-freiburg.de

1. Kaufhaus-Serenade 2014

Techno/Tech House/House/Elektro Schmitz Katze, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.schmitz-katze.com

Komödie von John von Düffel Wallgraben Theater, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.wallgraben-theater.com

68er Spätlese Kultstück um Freiheit, Hoffnung & Liebe Galli Theater, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.galli-freiburg.de

Landeier – Bur suecht Frau Komödie von Frederik Holtkamp Alemannische Bühne, Freiburg ★ 20.15 Uhr Info: www.alemannische-buehne.de

SONNTAG

18.5.2014 AUSSTELLUNGEN Zwischen Geist & Welt Werke von Erwin Bowien, 13.10.-27.7. Museum am Lindenplatz, Weil am Rhein Info: www.museen-weil-am-rhein.de

Gerhard Richter Serien, Zyklen & Rauminstallationen, 18.5.-7.9. Fondation Beyeler, Riehen Info: www.fondationbeyeler.ch

Mystik heute Sehnsucht, Wagnis, Ungewissheit, 4.-25.5. GeorgScholzHaus, Waldkirch Info: www.georg-scholz-haus.de

Collector’s Choice Only!

Sa., 17.5., 20 Uhr Foto: © Theater L.U.S.T.

17 Jahre L.U.S.T Andere feiern runde Geburtstage, das Improtheater L.U.S.T hat was übrig für schräge Sachen und feiert lieber sein 17-jähriges Bestehen. Zum Abschluss der Jubiläumssaison wird im neuen Spielort des Improtheaters, Schmitz Katze, noch einmal die Sau rausgelassen. Und zwar zuerst mit einer Jubiläums-Improshow, gefolgt von einer Überraschungsparty. www.theater-lust.de Karten-Infos: 0761/496-8888

Riesenrad & Co.

Jubiläumsausstellung, 6.4.-1.2.15 Kunstraum Alexander Bürkle, Freiburg Info: www.kunstraum-alexander-buerkle.de

Building on a Dream – Neue Lebensformen in Europa Fotografien von Inés Querido & Qaldas da Rainha, 4.5.-7.6. Galerie im Tor, Emmendingen Info: www.galerie-im-tor.de

Kunst-Orte. Franz Bernhard & Joachim Czichon Zeichnungen, Plastiken, Gemälde, 4.5.-24.8. Markgräfler Museum, Müllheim Info: www.markgraefler-museum.de

Jindra, Nina & Štepán Capek – eine Künstlerfamilie Malerei & Bildhauerei, 4.5.-28.6. Rathaus/Schloss Büningen, Umkirch Info: www.tschechische-kulturtage.de

Réminiscences. Design / Elsass Traditionelles Kunstgewerbe und an ihm inspirierte Designobjekte, 15.5.-20.10. Elsässisches Museum, Straßburg Info: www.musees.strasbourg.eu

Messe, Freiburg

Frühjahrsmess’ 16. bis 26.5. Foto: © FWTM

Studententag

Multinationales Tanz-Schauspiel-Projekt zwischen Basel, Belfort und Freiburg Junges Theater, Kaserne, Basel ★ 20 Uhr Info: www.jungestheaterbasel.ch

Internationaler Museumstag

Klassisches Jazz-Trio aus Wien Bird’s Eye Jazz Club, Basel ★ 20.30 Uhr Info: www.birdseye.ch

Drive in

Oder wem gehört die Welt

Comedy Club 14

Mit Freifahrten öffnet die Freiburger Frühjahrsmess’ am Freitag ihre Pforten. Elf Tage lang sind dann Achterbahn, Boxauto und Magenbrot angesagt. Am Mittwoch, 21. Mai, gibt es zum ersten Mal einen Studententag mit Sonderangeboten und Specials für alle Studierenden. Am Abend zeigen Talente aus den Bereichen Comedy, Musik und Artistik bei der Open Stage ihr Können.

Junge Musiker aus dem Elztal Schlosskeller, Emmendingen ★ 20.30 Uhr Info: www.schlosskeller-emmendingen.de

Tanzstück von Kiriakos Hadjioannou Kaserne Basel, Reithalle ★ 20 Uhr Info: www.kaserne-basel.ch

Young Stage – Int. Circus Festival Basel Rosentalanlage, Basel ★ 11 Uhr Info: www.daszelt.ch

www.freiburgermess.freiburg.de

Musik für 2 Flöten, Viola & Violoncello Historisches Kaufhaus, Münsterplatz, Freiburg ★ 20.15 Uhr Info: www.reservix.de

Sabor Latino Lateinamerikanische Folklore Mehlsack, EM/Mundingen ★ 20.30 Uhr Info: www.mehlsack.de

Triple Ace

#WTF Neid Club

TANZ What the body does not remember Stück von Ultima Vez Saal im E-Werk, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.tanz-und-theaterfestival.de

Melting Pot

➔ Alle Termine auf chilli-freiburg.de

EVENTS 16. Jonglierfestival Workshops & Jonglierspiele, 16.-18.5. Sporthalle Nord, Freiburg ★ 8 Uhr Info: www.jonglieren-in-freiburg.de

Rohvolution 21. Internationale Vitalkostmesse, 17.-18.5. Messe, Freiburg ★ 10 Uhr Info: www.rohvolution-messe.de unter dem Motto „Sammeln verbindet“ Städtische Museen, Freiburg ★ 10 Uhr Info: www.museen.freiburg.de

Mai 2014 CHILLI 21


MUSIK REZIS

3 FRAGEN AN

Sarah Dipper

Kalle Mattson

Someday, the moon will be gold

Gülbahar Kültür Global Hits Vol. 1

Trickser / Broken silence

Lola’s World Records

Headline

Foto: © Privat

Feiern für die Bestnote Es soll Freiburgs kleinstes Musik-Festival werden: Die Teeny Tiny Music Night am 21. Mai im josfritzcafé. Sechs Eventmanagement-Studenten der Angell Business School legen mit dieser Party ihre Abschlussarbeit ab. Und das für einen guten Zweck: Die Einnahmen gehen an das Kinderhaus St. Raphael in Littenweiler. chilli-Autorin Tanja Bruckert hat mit Mitorganisatorin Sarah Dipper ein klitzekleines Interview zum klitzekleinen Festival geführt. chilli: Ein Abend mit dem Tiny Ballroom Orchestra und drei weiteren Musik-Acts im josfritzcafé – warum ist das bei Ihnen ein Festival? Dipper: Weil „Festival“ einfach besser klingt als „Musikabend“ – wir müssen ja auch daran denken, wie sich das verkaufen lässt. chilli: Andere wälzen für ihre Abschlussarbeit Bücher und schreiben trockene Arbeiten, Sie organisieren eine Party ... Dipper: Die Arbeit, die in solch einer Party steckt, sollte man nicht unterschätzen: dazu gehören ein Eventplan, Verträge mit den Musikern, die Bühnenausstattung, die Frage, ob es genügend Notausgänge gibt und vieles mehr. chilli: Müssen die Partygäste ordentlich Stimmung machen, damit Sie eine gute Note bekommen? Dipper: Es ist natürlich besser, wenn die Leute Spaß haben und nicht gelangweilt rumsitzen. Unser Dozent bewertet nicht nur die theoretische Vorarbeit, sondern besucht auch das Event. Zumindest brauchen wir uns keine Sorgen machen, dass niemand kommt – die Karten sind schon fast ausverkauft. Bei gutem Wetter können wir jedoch den Innenhof nutzen, dann gibt es noch genügend Karten an der Abendkasse. 66 April2014 2012 48 CHILLI Mai

Über Hoffnung

Anti-mainstream

Ist das nicht schön? Globalisierung im besten (Independent-)Sinne. Ein kleines deutsches Label, Trickser aus Berlin, veröffentlicht große Musik aus Übersee. Kalle Mattson, 23-jähriger Kanadier aus Ottawa, besticht auf seinem offiziell dritten Studioalbum durch exzellentes Songwriting im Indiefolk-Gewand (schrecklich eigentlich dieses Konstrukt, aber irgendwie doch passend), mit berührender Stimme und nicht zuletzt wunderschön traurigen Bläsereinschüben. Hier passt vieles und fügt sich zu einem großen Ganzen im Sinne von Brüdern und Schwestern im Geiste wie Wilco, oder auch, ja, seinem Landsmann Neil Young. Muss man Biografisches wissen, um eine Musik so zu verstehen, wie sie gemeint, gespielt und gesungen wird? Es schadet jedenfalls nicht zu wissen, dass die Songs auch den Tod seiner Mutter thematisieren, die starb, als er 16 war. Musik, die ihn damals begleitete, vielleicht tröstete, war Wilcos famoses Album „Sky Blue Sky“. „The moon …“ ist dadurch mit noch mehr Tiefe und Glaubwürdigkeit ausgestattet, zuweilen auch treibend und dringlich im Duktus, immer auf der Höhe, nie im Untergang begriffen. Kalle Mattson beschreibt es so: „In a lot of ways this is a record about hope. A hope that things will get better. A hope for the future. A hope for someday. Someday, the moon will be gold.” Ein Album mit Langzeitwirkung. Keep it up Kalle!  Ralf Welteroth

Der Frühling kommt! Und genauso hört sich auch die Gute-Laune-Compilation Global Hits Vol. 1 an. Vom Radio hat man die ewig gleichen Lieder im Ohr, doch mit dieser Platte kommt erfrischende Abwechslung. Die Künstler sind weitestgehend unbekannt und ihr Stil ist herrlich unterschiedlich. Ausgesucht wurden die Lieder von der Musikjournalistin und DJane Gülbahar Kültür. Das Besondere ist die Zusammenstellung. Schon allein die Sprach- und Kulturvielfalt ist bemerkenswert. So wird man von französischen Chansons, englischen Gypsy-Rhythmen, indischem Bollywood-Bhangra und brasilianischen Klängen überrascht. Ein Wunderwerk der französischen Sprache vollbringen Soviet Suprem mit „Rongrakatikatong“, das dank zahlreicher Wortspielereien richtig Spaß macht. Ebenfalls sehr hörenswert ist „Garden Of Love“ von Winston McAnuff & Fixi. Der klangvolle Gesang wird hier mit einer Ziehharmonika unterstützt. Komplett anders als das Original klingt die Version von Stromaes „Alors on dance“, umgesetzt von der Kanadierin Kellylee Evans. Die Aussie-Band The Cat Empire komplettiert die Zusammenstellung mit einem tanzbaren, sommerlichen Song namens „Brighter than Gold“. Dieser Mix vermehrt nicht nur Frühlingsgefühle, sondern passt auch perfekt zum Sonnenbad am See, zur ersten Grillparty des Jahres oder zum Joggen im Park.  Fiona Ebser


Damon Albarn Everyday Robots

Brendan Adams Spirit

Warner Music

Mouthwatering Records, 2014

Der Sounddreck zu Österreich und Wien

Alltägliche Roboter

Erfrischend, leicht, neu

Wann immer der FC St. Pauli im Fußball ein Tor schießt, ertönt auf dem Kiez Song 2 von Blur und ein ganzes Stadion grölt „Wooohooo“. Was das mit Damon Albarn zu tun hat? Ganz einfach: Der war Sänger der Indie Rock Helden Blur und später von Gorillaz. Nun ist er mit seinem ersten Soloalbum am Start. Auf Everyday Robots zeigt sich der Revoluzzer von seiner ruhigen, entschleunigten Seite. Durchweg leise Töne zieren dieses Album, das dennoch kein Einschläfer ist. Das Album beginnt mit dem gleichnamigen Albumtitel, in dem uns Albarn daran erinnert, wie wir uns im Alltag bewegen. „We are everyday robots on our phones / In the process of getting home. Looking like standing stones / Out there on our own“. An manchen Stellen erinnert der Song an frühe Portishead oder Roger Waters von Pink Floyd. Spätestens beim schwungvollen „Mr. Tembo“ kann man das wieder vergessen. Der eigenwillige Sänger hat für dieses Album eine Reise in seine Vergangenheit gemacht. Ist an Orte seiner Kindheit gefahren, hat diese in Samples festgehalten und auf Everyday Robots verarbeitet. „Es war wohl einfach die Zeit, ein sehr persönliches, fast schon zärtliches Album zu schreiben“, sagt Albarn über sein Solodebüt. Die Single „Heavy Seas Of Love“ ist bestimmt der hymnischste und kommerziellste Titel des Albums, aber sicher nicht der Beste, denn die Stärken des Albums liegen eindeutig in den Songs jenseits des Mainstreams.  Marc Bargmann

Country meets Surfermucke: Sitzt man jetzt an einem Lagerfeuer am Strand oder an einem in der Prärie? Diese Frage kann sich durchaus aufdrängen, wenn man dem Südafrikaner Brendan Adams auf seinem vierten Album Spirit beim Musizieren zuhört. Ist aber eigentlich egal, denn es funktioniert extrem gut. Also sowohl das Zuhören als auch der Musikstil. Adams Songs zeichnen sich durch eine Leichtigkeit und einen angenehmen Groove aus. Es ist kein typisches Singer-Songwriter-Album, was man beim Anblick des Covers (ein einsamer Gitarrist inmitten der Natur) denken könnte. Die Begleitung durch Rhythmusinstrumente und Backgroundgesangsunterstützung hebt die Musik auf ein erfrischendes neues Level. Dass das Ganze derart spontan, manchmal nach Latin und phasenweise sogar fast schon karibisch (wir denken entfernt an Israel Israel Kamakawiwo‘ole) anmutet, könnte daran liegen, dass das Album mit einer brasilianischen Band aufgenommen wurde, die der Protagonist erst im Studio kennenlernte. Oder daran, dass Brendan Adams scheinbar überall zu Hause ist: Über einen Gelegenheitsjob in Schottland kam er nach Europa. Von dort startete er eine Tour durch den Kontinent. Heute lebt er in Österreich. Aber auch das ist eigentlich egal. Wie so vieles egal wird, wenn man erst einmal den Klängen des weltenbummelnden Weltmusikers zuhört.  Felix Holm

Vienna Calling: Auslandseinsatz in Österreich. Zuerst am Grab vom Falco a paar Tränen verdrückt, nebenan liegt Beethoven, die taube Nuss. Franz Schubert geht’s auch nicht mehr so gut – er liegt eins weiter. „Auf dem Zentralfriedhof is Stimmung wias a Lebtag no nid wor, weil alle Doden faiern haid seine erschten hundert Johr“ sang dereinst der gute Wolferl Ambroß. Wien ist eine Reise wert, aber musikalisch ist nicht alles genießbar. Falco ist das eine, das andere sind a solcherte Problemmusiker wie der Andreas Gabalier, selbsternannter Volks-Rock’n’Roller, der so weit weg von Rock’n’Roll ist wie Austria Wien von der Champions League. Im Song „Biker“ heißt´s: „touren-, renn-und harleyfahrer / herz haben wir ein gesundes / italiener deutsche und japaner grüßen tun wir uns / und dass mit der sozia geknuspert wird ist gewiss, / aber nur so fern sie nicht verwantd mit einem ist“ Reimt sich wie Arsch auf Friedrich, warnt aber immerhin vor Inzucht. Christina Stürmer ist ein zweites Problemkind. Sie lungert gern in den deutschen Charts rum, was das Ganze noch gefährlicher macht. Wikipedia meint: „Die Texte … greifen Themen wie Liebe und Partnerschaft, Alkohol und Drogen sowie das Verhältnis zu Autoritäten, Gewalt, Krieg und Frieden und auch Philosophisches wie Vergänglichkeit, Tod und ewiges Leben auf. Stürmer gibt sich als ‚Mädchen von nebenan‘, das nicht abgehoben ist, sondern lebensfrohe, ausgelassene Natürlichkeit demonstriert.“ So a Schaaß! Da bleibt uns nur – um es mit dem famosen Georg Kreisler zu sagen, „Tauben vergiften im Park“. Servus und Baba Benno Burgey & Ralf Welteroth Ihre Geschmackspolizei


KINO Filmtipp

Eine lange Geschichte

Die verschrobene Alte und der verlorene Sohn

E

Rosie Schweiz 2013 Regie: Marcel Gisler Mit: Sibylle Brunner, Fabian Krüger, Judith Hofmann u. a. Verleih: Kool Film Start: 8.5.2014 Fotos: © Kool

s war ein Berliner Regisseur, der mit seinem Film die Schweiz aufmischte: Nach zahlreichen Auszeichnungen wurde „Rosie“ sogar für den Europäischen Filmpreis nominiert. Marcel Gisler ködert sein Publikum mit charmantem, schrulligem Personal, serviert Humor mit prachtvoller Leichtigkeit, und irgendwann, wenn man nicht mehr weg will und auch nicht mehr wegkommt, wird „Rosie“ zum wunderbar echten Familienfilm, der einen mindestens melancholisch zurücklässt. Was soll denn eine Kinogeschichte mehr können? „Rosie“ hat natürlich Glück, dass sie von Sibylle Brunner gespielt wird, die sich für nichts zu schade ist, jede Eitelkeit an der Garderobe hängen lässt und völlig aufgeht in ihrer Rolle, die so vielschichtig ist wie unsympathisch. Und doch wird die zänkische alte Dame von Beginn an auch gemocht vom Publikum. Mit ihrer Art würde sie gut nach Berlin passen. Aber da in der Hipsterstadt kein Platz mehr ist für Originale, hat der Wahlberliner Gisler vielleicht deswegen seine raue Geschichte in seine alte Heimat verlegt – die Schweiz. Ganze 14 Jahre hat er überhaupt keinen Film realisiert (für „Tagediebe“ wurde er 1985 als 25-Jähriger in Locarno ausgezeichnet!), Gisler schrieb stattdessen Drehbücher und wirkte anderweitig hinter den Kulissen mit. „Rosie“ ist etwas Besonderes für den gebürtigen Altstättener: Er drehte mit Landesgenossen und in Mundart eine Geschichte über seine Mutter. So ungefähr jedenfalls. Die autobiografischen Züge verpackt der Regisseur besonders attraktiv. So boxt sich der tote Vater in visionären Bildern durch die Träume und Gedanken seiner nächsten

Rosie (Sibylle Brunner) ist eine wunderbare Unterhalterin, wenn ihr die Gesellschaft gefällt. Mario (Sebastian Ledesma) greift ihr unter die Arme. Die beiden mögen sich.

50 CHILLI Mai 2014

Verwandten. Für die Kinder – so erwachsen sie scheinen mögen – gilt: Kaum ist man zu Hause, übernimmt die Mutter die Weltherrschaft, die Rosen brauchen mehr Licht, die Katze Futter. Hauptsache, Rosie kann Anweisungen geben, und die Befehle werden befolgt. Tochter Sophie (Judith Hofmann) ist mit den Nerven runter, wohnt näher dran an der schroffen Mama als Lorenz (Fabian Krüger), der fein raus ist in seinem Berlin. Dort schreibt er Bücher, hat auch noch Erfolg, während sich Sophie mit ihrer nichtfunktionalen Ehe und ihrer Mutter mit derselben Eigenschaft herumärgert. Schon bei der Zusammenkunft der Geschwister – weil besprochen werden muss, dass Rosie ins Heim soll – bemüht Marcel Gisler keinerlei Klischees. Da treffen zwei Menschen aufeinander, die sich mögen, obwohl sie verschieden sind, die erwachsen miteinander umgehen. Sie sind real und bei jedem Lachen keimt das Gefühl auf, es ist echt. Und in einigen Momenten ist auch Motzmama Rosie gar nicht so übel. Cool ist sie ja eh, wie sie ungestüm vor sich hin meckert und immer eine Kippe oder ein Gläschen irgendwas in der Hand hat. Gislers mutmaßlich langsame Arbeitsweise – erste Notizen zum Skript stammen aus dem Jahr 1995 – tut diesem Familienfilm gut. Er entwickelt sich wie aus einer Laune heraus. Doch im Rückblick sitzt hier alles. Und zwar am richtigen Platz. Claudia Nitsche


KINO FILMTIPPS

Der letzte Mentsch

Zulu

Im Namen des ...

Deutschland / Schweiz 2014 Regie: Pierre-Henry Salfati Mit: Mario Adorf, Katharina Derr, Hannelore Elsner u.a. Verleih: Farbfilm Start: 8.5.2014

Südafrika / Frankreich 2013 Regie: Jérôme Salle Mit: Orlando Bloom, Conrad Kemp, Forest Whitaker u.a. Verleih: Studio Hamburg Start: 8.5.2014

Polen 2013 Regie: Malgorzata Szumowska Mit: Andrzej Chyra, Lukasz Simla, Mateusz Kosciukiewicz u.a. Verleih: Salzgeber Start: 15.5.2014

Reise in die Vergangenheit Drogenkrieg am Kap

Liebe deinen Nächsten

Der Zufall will es, dass man kürzlich den abenteuerlichen Überlebenskampf eines jüdischen Jungen im Kino sah: In „Lauf Junge lauf“ gab sich der kleine Ghetto-Flüchtling einen neuen Namen und verleugnete damit seine Herkunft, um zu überleben. Eine Umkehrung ist dagegen nun der alte Herr, der in „Der letzte Mentsch“ in der Gegenwart verzweifelt nach seinen jüdischen Wurzeln sucht. Mit einem rüstigen Alten wie Mario Adorf hätte man sich keinen besseren Darsteller für den deutschen Juden Marcus Schwartz wünschen können, der einst vor seiner Deportation Menahem Teitelbaum hieß. Jetzt, da er der letzte Überlebende seiner Familie und dem Tod sehr nahe ist, will er auf einem jüdischen Friedhof beerdigt werden. Dazu muss er beweisen, dass er wirklich Jude ist. Mit einem Taxi macht er sich auf ins ungarische Vác, um die nötigen Unterlagen zu besorgen, die seine jüdische Existenz belegen. Ein tragikomisches, berührendes Roadmovie.

Dem schwarzen Kapstadter Chef der Mordkommission Ali „Zulu“ Neumann könnte man ohne Weiteres den Friedensnobelpreis verleihen. Verzeihen will er und seinen Beitrag zum Frieden zwischen den ehemals verfeindeten Lagern leisten. Und das nach allem, was man ihm und seiner Familie einst angetan hat: Nur er und seine Mutter überlebten. Der Rest der Familie kam durch rassistische Gewalttäter ums Leben. Bis heute trägt Ali am Kindheitstrauma schwer und schläft noch immer schlecht. Fein symmetrisch haben ihm die Autoren einen weißen Cop zur Seite gestellt, der ausgerechnet einer Familie entstammt, die zur Zeit der Apartheid großen Einfluss hatte. Auch dieser Brian Epkeen trägt an einem Trauma, gilt es doch, das Unrecht an den Schwarzen zu verdrängen. Er ist ein Polizist, der gelegentlich durch Gewalt- und Alkoholexzesse aufgefallen ist. Frau und Sohn hat er an einen wohlhabenden schnöseligen Zahnarzt verloren. Beide sind sie gebrochene Helden, nicht geeignet fürs Buddy-Kino mit Hollywood-Happy-End ...

Der bärtige Adam ist wahrlich ein Prachtexemplar von einem Priester. In einer perfekten Mischung aus Fürsorglichkeit und Strenge kümmert er sich um die ihm anvertrauten verlorenen Schäfchen, von denen es in dem Kaff, in das er strafversetzt wurde, einige gibt. Schon bald tritt in dem gottverlassenen Paradies auch eine Ewa auf den Plan, die ihn zu verführen versucht. Doch Adam bleibt standhaft, sagt ihr, er sei schon vergeben. Doch es ist zu seiner Verzweiflung nicht einzig Gott, dem sein Herz gehört: Der Priester liebt auch den introvertierten Bauernjungen Lukasz, der sich rührend um seinen geistig behinderten Bruder kümmert und in der recht verrohten Männergemeinschaft des Dorfes häufig malträtiert wird. Kameramann Michal Englert findet andächtig-poetische und spannungsgeladene Bilder, wenn er zeigt, wie Adam Lukasz im Wasser in seinen starken Armen hält, um ihm das Schwimmen beizubringen. Gegen die Liebe der beiden könnte ein gerechter Gott wahrlich nichts haben, so rein sind ihre Gefühle.

Wilfried Geldner

Wilfried Geldner

Gabriele Summen


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Dies war eine Leseprobe der Mai-Ausgabe 2014. Haben sie Lust auf mehr? Das komplette Heft ist unter abo@chilli-online.de oder im Handel erh채ltlich.


chilli – Das Freiburger Stadtmagazin