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Wir t scha f t

November 2017 Ausgabe Nr. 16 gratis

Gründerszene

Start-ups in Freiburg

Der geschundene Planet

Von wegen prima Klima: Bund und Freiburg verfehlen Schutzziele Menschen

Miseren

Meilensteine

Bernd Dallmann hört als FWTM-Chef auf

Warum die VAG-Finanzen aus dem Gleis gesprungen sind

Kestenholz setzt ! in Südbaden


Editorial

Beeindruckende Geschichten Von miserablen Bilanzen, Anlagebetrügern und Christbäumen

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Foto © ns

er Öffentliche Nahverkehr ist ein Akt der sogenannten Daseinsvorsorge. In Freiburg ist er darüber hinaus sogar Ausdruck einer Weltanschauung. Wo sonst haben Straßenbahnen Vorfahrt vor dem Autoverkehr. In den vergangenen 15 Jahren sind rund 260 Millionen Euro in Busse, Bahnen und Gleise investiert worden. Das ist ein Batzen. Am Ende – trotz aller Zuschüsse aus Berlin und Stuttgart – ein zu großer Batzen für die örtlichen Verkehrsbetriebe. Die VAG schreibt mittlerweile so drastische Verluste, dass sie den steuerlichen Querverbund, die Stadtwerke GmbH, in Bedrängnis bringen. Nun haben sich Oberbürgermeister Dieter Salomon und Finanzbürgermeister Otto Neideck die Fahrermütze aufgezogen und zusammen mit der VAG-Spitze einen Perspektivplan entwickelt. Den umzusetzen, wird nicht zuletzt politisches Geschick erfordern. Der Plan läutet zudem eine Kehrtwende ein: Was die Politik bei der VAG bestellt, muss sie künftig auch selber bezahlen. Bezahlt haben auch sieben Anleger. Sie ließen sich von einem Freiburger locken, der angab, als Unternehmensberater auf den British Virgin Islands eine Firma zur Entwicklung eines EDV-Programmes zur Optimierung von Kapitalanlagen gegründet zu haben. Er trat als Direktor auf und überzeugte die Investoren, ihm 1,6 Millionen Euro (!) als Beteiligungskapital zu überlassen. Das sei garantiert und zudem gäbe es erhebli-

che Renditen, so der Direktor. Sodann verprasste er das Geld einfach, flog auf und sollte sich Anfang November nun im Landgericht verteidigen. Das Verfahren aber platzte, weil der 44-Jährige kurz vor knapp doch noch einen Anwalt für sich gewinnen konnte und damit der Pflichtverteidiger aus dem Spiel war. Nun muss der Neue erst einmal die Aktenlage studieren. Wir bleiben dran. Draußen bleiben wird indes demnächst Bernd Dallmann, zumindest bei der FWTM. Wenn Freiburgs oberster Wirtschaftsförderer seinen Hut nimmt – und dann ein Jahr später als geplant an Hannah Böhme übergibt –, geht nach 34 Jahren durchaus eine Ära zu Ende. Während in Bonn gerade um den weltweiten Klimaschutz gerungen wurde, haben wir uns vor Ort umgeschaut und eine ganze Reihe von Geschichten recherchiert. Das Umfeld der Erde hat übrigens derzeit eine so hohe Kohlendioxidkonzentration wie zuletzt vor mehreren Millionen Jahren. Auf so einen Charakter wie Donald Trump wird das aber keinen Eindruck machen. Beeindruckt hat uns schließlich, wie der Bad Krozinger Rentner Robert Schmidt dazu kam, Christbäume an den Prinzen von Monaco zu verkaufen. Wir wünschen anregende Lektüre. Herzlichst Ihr Lars Bargmann | Chefredakteur 5 Anzeige

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Inhalt Bilanzen

Finanzen & Versicherungen

Der SC Freiburg erwirtschaftet erneut Gewinn. Im neuen Stadion sind viele Millionen Euro Mehreinnahmen möglich 5

Der Freiburger Wirtschaftsprüfer Matthias Hecht über die Güterstandsschaukel  3 4 Der Freiburger Steuerberater Erik Herr über scharfe Schwerter 36

Politik Die Freiburger Verkehrs AG schreibt so massive Verluste, dass sie für die Stadtwerke eine Insolvenzbedrohung ist. Nun muss das Rathaus einspringen und dabei auch schwierige Verhandlungen mit dem RVF führen  6-7

Unternehmen

Die Württembergische und der Sturm / Der Allianz-Schatzbrief für Unternehmen / Jetzt KFZ-Policen checken  36-37

Die Klimabeauftragten im Green Industry Park 

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10 Jahre Wärmeplus: Die tatkräftige Badenova-Tochter 

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Freiburg mit Offensive bei Solaranlagen auf Hausdächern 

Automobil & Logistik

22-23

Das Projektvolumen bei Unmüssig liegt erstmals bei einer Milliarde Euro  8-9 50 Jahre Maier Küchen in Bahlingen

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Gemeinwohlökonomie Die ersten Freiburger Betriebe bilanzieren ihren Mehrwert  10

Menschen

Warum ein Freiburger mit Flugkarussells Windrädern Konkurrenz machen will  24-25

Nach 34 Jahren hört Bernd Dallmann als FWTM-Chef auf  12-13

Menschen & Meldungen

Freiburgs Finest, Neue Masche & Meditricks  14-16

Richtfest beim Uni Carré / Preisexplosion beim Stadtbau-Pavillon / Bürgermeister Haag tauscht Führungspersonal aus / Ein Pilzsammler ist wohl bald ein paar Zehntausend Euro reicher / Noch kein Nachfolger für Finanzbürgermeister Otto Neideck / Volksbank baut Hotel  2 6 - 3 1

Titel

Kammern

Warum Freiburg – wie Deutschland – seine Klimaschutzziele verfehlt  1 8 - 1 9

IHK und HWK ehren ihre Besten / Neuer Konjunkturbericht  32-33

8-9

12 -13

Wie Robert Schmidt Prinz Albert von Monaco einen Christbaum verkaufte  1 7

Start-ups

IMPRESSUM business im Breisgau Herausgeber: chilli Freiburg GmbH Paul-Ehrlich-Straße 13, 79106 Freiburg fon: 0761-292 70 60 | fax: 0761-292 70 61 bargmann@chilli-freiburg.de www.business-im-breisgau.de

Geschäftsführung: Michaela Moser (ViSdP) Redaktion: Lars Bargmann Autoren dieser Ausgabe: Tanja Senn, Till Neumann, Dr. Stefan Pawellek, Erik Herr, Valérie Scholten, Isabel Barquero, Annkathrin Pohl, Philip Thomas

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Kestenholz investiert 25 Millionen Euro in Südbaden / Autotest: Der Jaguar XF Sportbrake und die Businesskunden / Kultur im Autohaus Schmolck / Warum Streck 320.000 Euro in einen Röntgenapparat investiert  38-43

Arbeitsmarkt Lauter Extreme: Arbeitslosenquoten auf Tiefpunkt, offene Stellen auf Rekordniveau 44-45

Fakten bitte Die Welt, die Wirtschaft in Zahlen 

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Titel: © istock.com / Borodatch Fotograf: Neithard Schleier Grafik: Anke Huber Lektorat: Beate Vogt Anzeigen: Jonas Stratz (Leitung), Malika Amar, Christina Miklusch, Marlene Schick


Bilanzen

»Schluss mit widerlichen Störfeuern« SC Freiburg punktet auch wirtschaftlich: 1,8 Millionen Euro Gewinn

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Foto: © Florian Bilger Fotodesign

er Bundesligist SC Freiburg hat in der Saison 2016/2017 insgesamt 63,4 Millionen Euro umgesetzt und unterm Strich ein Plus von 1,8 Millionen Euro erwirtschaftet. Zum Vergleich: Der HSV setzte 122,1 Millionen Euro um, machte dabei aber 13,4 Millionen Verlust. Allerdings sackten in Freiburg die Erlöse im Vergleich zur Erstliga-Saison 2014/2015 um mehr als 15 Millionen Euro ab. Grund: die deutlich niedrigeren Transfererlöse. Bilanztechnisch sind die Einnahmen aus Spielerverkäufen unter „Sonstiges“ gefasst: Finanzvorstand Oliver Leki verbuchte hier 11,4 Millionen – im Abstiegsjahr waren es 23,8. Auch die Fernsehgelder sind in der Tabelle Richtung Süden marschiert: 2014/2015 verdiente der SC damit noch 34,6 Millionen Euro, in der vergangenen Runde nur 29. Die Ticketverkäufe legten um 500.000 Euro auf 10,3 Millionen zu. Besonders erfreulich, so Leki, seien aber die gestiegenen Sponsorengelder (+2,2 Millionen zu 2014/2015). Der Aufwand für die Profis und den Gesamtverein lag bei 61,6 Millionen, vier Millionen weniger als vor zwei Jahren. Leki nutzte die Vorlage der Zahlen bei der Mitgliederversammlung im Konzerthaus – wie zuvor schon der wiedergewählte Präsident Fritz Keller – auch, um seinen Unmut über die aktuelle Lage im Fußball kundzutun: „Normale Marktmechanismen sind im Fußball außer Kraft gesetzt. Wir werden die vielen Schweinereien aber nicht mitmachen, Exzesse wird es bei uns nicht geben.“ Der Verein suche zudem auch „keine Investoren, sondern Sponsoren“. Deswegen müsse auch das neue Stadion „konsequent vermarktet“ werden. Nach Informationen des business im Breisgau ruft der Sport-Club derzeit 1,8 Millio-

Spricht Klartext: Oliver Leki

nen Euro jährlich für die Namensrechte auf – aktuell sind es 500.000 Euro im Schwarzwaldstadion. Bestätigen will der Verein die 1,8 nicht, er mauert. Wenn der SC weiter mit positiven Bilanzen punkten will, braucht er weiter die Transfererlöse. Die Verkäufe von Maximilian Philipp und Vincenco Grifo spülten Medienberichten zufolge rund 26,5 Millionen Euro in die Kasse. Dies wird dann bei der Bilanz 2017/2018 unter „Sonstiges“ stehen. Trotz der prall gefüllten Brieftasche taten sich Sportvorstand Jochen Saier und Chefscout Klemens Hartenbach im Sommer sehr schwer, guten Ersatz zu finden. „Der Transfermarkt ist total überhitzt, es werden Mondsummen aufgerufen, es gibt einen Wildwuchs bei den Beratern mit fragwürdiger Motivation, wir haben uns viele blutige Nasen geholt und mussten eine sehr hohe Frustrationstoleranz zeigen“, erzählte Saier. Der SC sei aber nicht bereit, da mitzumachen. Es folgte der längste Applaus der Veranstaltung, zu der 630 Mitglieder gekommen waren. Das dürfte ein Rekord sein. Auf Rekordhöhe liegt auch die Mitgliederzahl: Aktuell hat der Verein 14.000, zum 30. Juni 2016 waren es knapp

12.000. Der Sport-Club hat heute doppelt so viele Mitglieder wie noch vor drei Jahren. „Das ist großartig“, findet Keller. Zwar sind 14.000 ligaweit immer noch sehr überschaubar, aber Freiburg ist eben keine Metropole. Keller berichtete dem Rund, dass der SC so lange steuerlich als Verein anerkannt werden will, wie der Gesetzgeber es zulässt: „Wir sind Verein aus voller Überzeugung. Eine Ausgliederung ist für uns kein Thema. Wir sind wirtschaftlich gesund. Wir brauchen keine Ausgliederung und wollen auch keine.“ Für den 76,5 Millionen Euro teuren Stadionneubau hat der SC gemeinsam mit dem Rathaus indes die Stadion Freiburg Objektträger GmbH & Co. KG gegründet. Leki rechnet im zweiten Quartal 2018 mit der Baugenehmigung und auch damit, dass gegen dieselbe dann geklagt wird. Er appelliert an die Stadiongegner: „Die widerlichen Störfeuer müssen aufhören.“ Und bezog sich damit auf die erste Klage von Uschi Jautz wegen der Umsiedlung der Zauneidechsen. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren so schnell wieder ein, wie es einem Konter nach Ballverlust angemessen wäre.  Lars Bargmann

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Politik

Riesenverluste erzwingen Kehrtwende VAG-Bilanzen bedrohen Stadtwerke-Holding / Rathaus muss Verantwortung übernehmen

Auch die zwölf neuen Trams der Marke Urbos schlugen mit 38 Millionen Euro in die klamme VAG-Kasse.

Foto: © VAG

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ei der Freiburger Verkehrs AG (VAG) sind die Finanzen aus dem Gleis gesprungen: Die Verkehrsbetriebe haben im vergangenen Jahr 18 Millionen Euro Verlust eingefahren und rechnen in diesem Jahr mit einem Fehlbetrag von rund 23 Millionen Euro. Da solche Zahlen nicht länger hinnehmbar sind, müssen die Vorstände Stephan Bar6 | chilli | business im Breisgau | 11.2017

tosch und Oliver Benz nun den Ausbau dramatisch drosseln, sparen und fordern mehr Geld vom RegioVerkehrsverbund Freiburg (RVF). Dort aber heben die Geschäftsführerinnen Dorothee Koch und Simone Stahl erst einmal die Hand: „Kurzfristig wird es bei der Einnahmenaufteilung keine Änderung geben.“


Politik

„Die VAG muss sich anders aufstellen“, sagt Oberbürgermeister und VAGAufsichtsratsvorsitzender Dieter Salomon. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 2010 lag das Defizit der Verkehrsbetriebe noch bei 7,5 Millionen Euro, im laufenden Jahr werden es voraussichtlich 22,8 Millionen sein. „Wenn wir das so weiterlaufen lassen, dann sind es 2030 bis zu 35 Millionen. Das geht eindeutig nicht“, spricht der Rathauschef Klartext. Das Anhäufen der Riesenverluste ist indes ein direktes Ergebnis aus den Beschlüssen des Gemeinderats. Allein für die Stadtbahnverlängerung Zähringen, den ersten Bauabschnitt der Messelinie und die Stadtbahn Rotteckring blätterte die VAG 44 Millionen Euro auf den Tisch. 78 Millionen kamen von Bund und Land. Aufs Gleis setzte die Politik auch die Sanierung der Schienen auf der Schwarzwaldstraße und den Bau der Stadtbahn durch die Waldkircher Straße. Die VAG rüstete mit den neuen Strecken gleich auch ihren Fuhrpark auf: 12 Trams der Marke Urbos wurden gekauft – für 38 Millionen Euro. Dafür wiederum musste der Betriebshof auf der Haid erweitert und auch eine neue Haltestelle gebaut werden – für 6,8 Millionen. Insgesamt wurden in den vergangenen 15 Jahren mehr als 260 Millionen Euro in den Nahverkehr investiert. Das Rathaus – Verwaltung und Gemeinderat – hat der VAG schwere Steine in den Rucksack gelegt. Zu schwere? „Wir haben uns nicht übernommen“, sagt Finanzbürgermeister Otto Neideck auf Nachfrage des business im Breisgau. Der Ausbau des ÖPNV koste nun mal viel Geld. Das Defizit der VAG reißt auch die Stadtwerke-Bilanz in den Keller: Bis 2014 machte die Holding meist Gewinne, 2016 schrieb der steuerliche Querverbund (Gewinne aus der Badenova-Beteiligung werden hier mit den Verlusten der VAG und der öffentlichen Bäder verrechnet, um eine Besteuerung der Gewinne zu vermeiden) schon 6,2 Millionen Euro Miese und zwang so das Rathaus, erneut fünf Millionen in die Stadtwerkekasse zu packen. Die wird in

diesem Jahr wohl schon mit einem Fehlbetrag von 9,6 Millionen Euro abschließen. „Wenn wir nichts machen, gehen die Stadtwerke insolvent“, so Salomon. Für Neideck und seinen Stadtsäckel steht dabei auch der Querverbund selber auf dem Spiel. Das Finanzamt betrachtet Betriebe, die nur Verluste machen, als „Liebhaberei“ und entzieht ihnen irgendwann die steuerlichen Möglichkeiten. Im dem Fall müsste Neideck die Gewinne aus der Badenova, zuletzt rund 17 Millionen, allein versteuern und zusätzlich als 100-Prozent-Gesellschafter der VAG deren Verluste tragen. Ein Schlag in die Magengrube. Deswegen gibt es nun einen Richtungswechsel. Der Name: Perspektivplan 2022 bis 2026. Der Slogan: Wenn die Politik bestellt, muss sie auch bezahlen. Erste Folge: Die Verlängerung der

Jetzt ist vor allem die Politik gefordert Tramtrasse in den neuen Stadtteil Dietenbach muss nicht die VAG, sondern das Rathaus bezahlen. Zweite Folge: Eine immer wieder debattierte Straßenbahn nach St. Georgen wird es in den nächsten 20 Jahren sicher nicht geben. Eine dritte: Auch andere Projekte wie die Verlängerung nach Kappel oder nach Gundelfingen oder auch nach Merzhausen werden in den Schubladen verstauben. Um die Bilanz zu verbessern, muss die VAG ab 2020 zudem 5,5 Millionen Euro jährlich sparen oder mehr einnehmen. „Wir haben im Vergleich zu anderen Städten zwar bundesweit eine der größten Marktdurchdringungen, aber die niedrigsten Erlöse“, sagt Benz. Was er nicht so direkt sagt: Ohne eine Erhöhung der Tarife wird die VAG ihre Bringschuld kaum zusammenbekommen. Die VAG wird zudem ihren Fahrplan eher ent- als verdichten, ein Personalabbau steht aber für den Vorstand nicht zur Debatte. In einer Pressemitteilung beziffern VAG und Rathaus die Mehrleistungen

für den RVF im Vergleich zu 2010 auf 12,5 Prozent. Ob der Verbund das bestätigen kann? „Die Leistungen der VAG sind in den vergangenen Jahren im Zuge des Stadtbahnausbaus stark gewachsen“, teilt die Geschäftsführung auf Anfrage mit. Bei der Einnahmenaufteilung gebe es aber keinen Automatismus nach dem Motto: 12,5 Prozent mehr Leistung sind auch 12,5 Prozent Mehreinnahmen. Der RVF sammelt die Einnahmen aus den 20 angeschlossenen Verkehrsdienstleistern – zuletzt knapp 100 Millionen Euro jährlich – und schüttet sie dann nach einem durchaus komplexen Einnahmenaufteilungsvertrag aus. Der sei „fein austariert“. Änderungen bedeuteten immer „einen langen Verhandlungsprozess“. Es sei übrigens nichts Ungewöhnliches, dass einzelne Betriebe mehr Geld fordern würden. Änderungen, die das Gesamtsystem betreffen, könnten aber „immer nur im Konsens“ erfolgen. Entsprechende Beratungen mit den Verbundpartnern haben noch gar nicht begonnen. Neideck, der Anfang Oktober Gespräche mit dem RVF angekündigt hatte, war für eine erneute Stellungnahme zum Stand der Verhandlungen bis zum Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Es wird eine harte Nuss. Im Raum stehen offenbar rund vier Millionen Euro. Es wird nicht lange dauern, bis sich der Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg, in dem neben Salomon auch die Landräte Hanno Hurth (Emmendingen) und Dorothea Störr-Ritter (Breisgau-Hochschwarzwald) sitzen, politisch einschalten wird. Politische Gespräche wird es auch zwischen der Stadt Freiburg und der Landesregierung in Stuttgart geben. Das Land bekommt nach dem neuen Finanzausgleich fast eine Milliarde Euro mehr als bisher. „Wenn die Finanzministerin nun denkt“, so Salomon, „dass die Kommunen den Landesanteil am Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz selber aufbringen sollen, dann geht das gar nicht.“  Lars Bargmann

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Unternehmer

Auf den Trichter gekommen Peter Unmüßig managt derzeit eine Milliarde Euro an Projektvolumen

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Foto: © Unmüssig, Visualisierungen: © Unmüssig

eter Unmüßig (PU) sitzt in seinem Büro an der Elsässer Straße und zeichnet einen Trichter auf ein Blatt Papier. Über dem Trichterrand steht eine 100, an der Trichterwand steht eine 6 und unterm Trichter wieder eine 100. Dieser Trichter ist sein Geschäftsmodell: Jedes Jahr müssen 100 Millionen Euro neues Projektvolumen in den Trichter rein, sechs Jahre dauert im Schnitt eine Entwicklung von der Idee bis zur Schlüsselübergabe, 100 Millionen gehen jedes Jahr raus an den Markt. Zumeist an institutionelle Anleger. „Unsere Produkte sind Investments für Pensionskassen oder Lebensversicherer“, sagt der Freiburger. Rund 30 Mitarbeiter befassen sich in der Unmüssig-Gruppe mit dem Trichter, dazu kommen noch einmal 50 in den Tochterunternehmen Unmüssig Immobilien Management GmbH, Hausverwaltung und Wärme Kontor Freiburg GmbH. Das Bauen für Anleger hat Tradition bei Unmüssig. Schon 1988 wurde ein Wohn- und Geschäftshaus am Platz der Zähringer in Frei-

burg für zehn Millionen Euro an die Vorsorge Lebensversicherung verkauft. Die Firma wurde von Unmüßigs Vater Adolf vor 70 Jahren gegründet, allein in den vergangenen 40 Jahren baute sie etwa 1,5 Millionen Quadratmeter Nutzfläche mit einem Investitionsvolumen von mehr als 2,5 Milliarden Euro. „Wir sind nach der SchörghuberGruppe der älteste Projektentwickler

Der zweitälteste Projektentwickler Deutschlands in Deutschland“, sagt Peter Unmüßig. Der Mann denkt heute nicht mehr so sehr an einzelne Häuser, er denkt in Konzepten: Was ist wo warum zu welcher Zeit am Immobilienmarkt nötig? Was ist wie und an wen vermarktbar? Eine Antwort geben die Westarkaden. Während sich das 120 MillionenEuro-Projekt in Freiburg immer wieder auch gegen Kritiker behaupten muss, entsteht das Konzept in Heidelberg schon wieder. Es mischt Wohnen mit Einzelhandel, Gastronomie mit Büros,

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Parkflächen mit Freiflächen, Wohnen mit Dienstleistungen. Auch wenn der Slogan „Städtle in der Stadt“ in Freiburg ob seiner Größe immer ein bisschen schmunzelnd quittiert wird, zum Konzept passt er: Menschen wohnen, gehen nebenan einkaufen, zur Apotheke, zum Friseur, arbeiten vielleicht sogar im Nebengebäude. In Heidelberg sind es 35.000 Quadratmeter, mithin fünf Fußballfelder, auf denen das Konzept funktionieren kann. Relativ neu im Portfolio sind Hotelbauten wie das Motel One, das PU am Siegesdenkmal gebaut hat. Mit Hotelketten-Chef Dieter Müller, der aktuell 30 neue Hotels in der Pipeline hat, hat Unmüßig einen schlagkräftigen Abnehmer gefunden. Ein zweites Motel One – nebst Wohnungen und Büroflächen – baut er in Karlsruhe. Es wird wohl nicht das letzte bleiben. In Frankfurt ist zudem ein 25 Millionen Euro schweres Holiday Inn im Bau, dort baut die Gruppe mit dem Blue Horizon (80 Millionen) derzeit das höchste Haus der Firmengeschichte. 65 Meter reckt sich der Wohnturm in die Höhe. Verkauft ist er bereits an die Patrizia Deutschland GmbH.


Foto: © Maier Küchen

Nur zwei der aktuellen Projekte. Das Bauvorhaben Medicus (l.) baut Peter Unmüßig am Freiburger Güterbahnhof, den Neuen Markt (r.) in Emmendingen. In Emmendingen entsteht für 45 Millionen Euro der Neue Markt, in Stuttgart auf 40.000 Quadratmetern das Wohn- und Büroprojekt Compass, am Güterbahnhof in Freiburg wird bald der Spaten für Medicus gestochen: 17.000 Quadratmeter mit Boardinghouse, Büros, Einzelhandel, Gastronomie, einem Fitness-Center der Freiburger Rückgrat-Gruppe und einer Kita. Investition: 75 Millionen Euro. In Landwasser soll Mitte 2019 mit dem 95 Millionen Euro schweren Neubau des neuen Einkaufszentrums und rund 200 Mietwohnungen auf 23.000 Quadratmetern begonnen werden. „Wir bauen in Freiburg nur noch Mietwohnungen, das braucht die Stadt mehr als Eigentumswohnungen“, sagt Unmüßig. Im Moment liegt das Volumen geplanter oder im Bau befindlicher Projekte bei einer Milliarde, die normale Kapazität liegt bei 600 Millionen. Unmüßig ist Kaufmann, ein kreativer Kopf. Neben den Westarkaden hat das Freiburger DRK seinen Sitz. Das Rote Kreuz stand vor der Sanierung seiner Tiefgarage. Voraussichtliche Kosten: eine Million Euro. Unmüßig übernahm die Sanierung und bekam dafür das Recht, auf der Tiefgarage fast 3000 Quadratmeter Apartments zu bauen. Und auch die kommen wieder in den Trichter.  Lars Bargmann

Wenn Küchengeräte mitdenken Maier Küchen setzt in Zukunft auf Vernetzung und IT

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eder Mensch ist ein Individuum, die Einrichtungen von Maier Küchen sind es auch. Kein Lager, keine Fertigprodukte – bei dem Einrichtungsunternehmen in Bahlingen am Kaiserstuhl wird alles nach Wunsch produziert. Ein Alleinstellungsmerkmal in der Region, das vor allem im Jubiläumsjahr 2017 gut ankommt: Die Produktion ist ausgelastet, die Zahlen sind konstant und es wird erweitert. Außerdem wird die Vernetzung von Mensch und Küchengeräten bei Maier Küchen in Zukunft eine große Rolle spielen. Mike und Martin Maier führen das 1967 gegründete Unternehmen in zweiter Generation fort und feiern aktuell 50-jähriges Firmenjubiläum. „Es ist heute nicht mehr selbstverständlich, dass klassische Familienunternehmen Jubiläen in dieser Höhe feiern dürfen“, sagt Geschäftsführer Mike Maier. Er resümiert 2017 als sehr erfolgreiches Jahr: „Wir haben die Werbetrommel extrem gerührt. Außerdem boomt die Bauwirtschaft in der Region, große Bauträger sind unsere Kunden.“ Die Zahlen stimmen: 2017 wurden mehr als 750

Küchen gefertigt und verkauft. Zum Jubiläumsjahr wurde eigens eine „Sonderedition“ entwickelt, welche beim Kunden sehr gefragt ist. „Wir sind in unserer Produktion völlig ausgelastet“, so Maier. Außerdem wird viel investiert: Anfang 2018 wird es eine neue Ausstellungsfläche für drei weitere Produktlinien geben. Auf 500 Quadratmetern präsentieren sich Praxis- und Laboreinrichtungen, Büroausstattungen und Empfangsbereiche sowie neue Ausstattungen für Seniorenwohnanlagen und Betreutes Wohnen. Und Maier Küchen plant noch mehr: Die Kommunikation zwischen Mensch und Küchengeräten wird in Zukunft eine große Rolle spielen. „Derzeit findet eine Kursänderung auf dem Markt statt. Der Trend geht in Richtung Vernetzung und IT, da müssen wir mitziehen“, erklärt der Geschäftsführer. Der Kunde erwarte, dass er über das Smartphone beispielsweise in seinen Kühlschrank schauen könne, um fehlende Lebensmittel zu erkennen und diese gleich einkaufen zu können. „Die moderne Küche wird digital, und wir bei Maier-Küchen sind bestens darauf vorbereitet.“  Isabel Barquero

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»Schwachstellen werden offengelegt« Warum Freiburger Unternehmen Gemeinwohl-Ökonomie machen

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Foto: © Stefan Sinn

ie nachhaltig, solidarisch und demokratisch handelt ein Unternehmen?  Die Antwort darauf liefert die Gemeinwohl-Bilanz – das Herzstück der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ). Als GWÖ wird ein alternatives Wirtschaftsmodell bezeichnet, das auf sozialen Werten aufbaut. Weltweit unterstützen derzeit etwa 2300 Unternehmen die Bewegung. In Deutschland haben bisher 250 Betriebe eine Bilanz erstellt, darunter auch drei in Freiburg. Können Unternehmen so wirtschaften, dass sie selbst und zugleich das Gemeinwohl dabei profitieren? Alfons Graf, Geschäftsführer der Taifun-Tofu GmbH aus Freiburg, ist überzeugt davon. Der Bio-Tofu-Hersteller hat als erstes Freiburger Unternehmen seine GemeinwohlBilanz aufgrund eines sehr detaillierten GWÖ-Fragebogens erfasst. Am Ende standen 575 von 1000 möglichen Punkten zu Buche. Die GWÖ basiert auf Werten wie Kooperation und Wertschätzung anstelle von Konkurrenz und Gewinnmaximierung mit dem Ziel, das Gemeinwohl durch ökonomische, politische und gesellschaftliche Veränderungen zu steigern. Wichtige Aspekte sind Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Menschenwürde, Solidarität und demokratische Mitbestimmung. „Diese alternativen Denkansätze des Wirtschaftens passen sowohl gut zu den Werten unseres Unternehmens als auch zu unseren persönlichen Werten“, sagt Graf. Als erste Schule überhaupt hat die freie Waldorfschule im Rieselfeld eine Gemeinwohl-Bilanz gemacht – und ein Spitzenergebnis (789 Punkte) erzielt. „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass Nachhaltigkeit nicht nur im Unterricht, sondern auch in den täglichen Prozessen

Viele Menschen, ein Interesse: Treffen der Gemeinwohlökonomen bei der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH. der Schule verankert werden sollte“, sagt Lehrer Steffen Schürkens. Besonders bei der innerbetrieblichen Mitbestimmung und der Einkommensverteilung liegt die Schule im vorbildlichen Bereich. Ökostrom, Recycling-Papier oder eine vegetarische Bio-Cafeteria zeigen zudem ökologische Verantwortung. Das Modegeschäft Zündstoff hat 726 Punkte bekommen. „Als ökologisch faires Bekleidungsgeschäft wollten wir wissen, inwieweit wir unseren eigenen Ansprüchen genügen“, so Geschäftsführer Sascha Klemz. Ziel sei es gewesen, eine Selbstevaluation und mehr Transparenz für die Kunden zu bekommen. „Außerdem wollten wir wissen, wo unsere Stärken und Schwächen liegen.“ Drei weitere Freiburger Betriebe haben sich mittlerweile zertifizieren lassen. Auch die Politik ist auf die GWÖ aufmerksam geworden: So fördern mehrere Kommunen in Spanien, Österreich und Deutschland – hier vor allem die Stadt Stuttgart mit jährlich 470.000 Euro – Unternehmen bei der Erstellung einer Gemeinwohlbilanz. Es steht sogar schwarz auf weiß im grün-schwarzen Koalitionsvertrag: „Die Koalitionspartner begrüßen neue Formen des Wirtschaftens wie Gemeinwohlökonomien,

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weil sie als soziale Innovationen die Bürgergesellschaft stärken können.“ Die Fraktionsvorsitzende der Grünen in Stuttgart, Anna Deparnay-Grunenberg, wünscht sich, dass immer mehr Unternehmen eine GWÖ-Bilanz erstellen. Viele aber würden den Aufwand scheuen: „Und man braucht schon auch Mut, denn schließlich werden alle Prozesse und Schwachstellen für die Gemeinschaft offengelegt.“ Besonders für kleine Unternehmen sei eine Bilanzierung aus finanzieller Sicht gar nicht machbar. Zwar liegen die direkten Kosten nur im unteren dreistelligen Bereich, aber sie ist sehr zeitaufwendig – und Zeit kostet auch Geld. Bis zu 200 Arbeitsstunden investierte Zündstoff in die Bilanz. Bei Taifun benötigten 20 Angestellte insgesamt 500 Stunden. Doch nicht jeder ist mit dem alternativen Wirtschaftsmodell zufrieden: Kritiker und Gegner werfen dem Konzept vor, zu bürokratisch, ineffektiv sowie einschränkend zu sein. Gitta Walchner, Referentin der GWÖ, findet, dass diese Kritik hilft, „verschiedene Blickwinkel einzunehmen und unsere Inhalte weiterzuentwickeln“.  Isabel Barquero


Menschen

Das Ende einer Ära Nach 34 Jahren hört Bernd Dallmann als FWTM-Chef auf

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Fotos: © LGS GmbH, FWTM

allmann“, meldete sich der gebürtige Niedersachse am Telefon. Man schrieb das Jahr 1984. Am Apparat war kein Unbekannter, es war Rolf Böhme. Der war zwei Jahre zuvor Oberbürgermeister von Freiburg geworden und brauchte nun einen fähigen Kopf, der die Landesgartenschau 1986 am Seepark organisierte. Bernd Dallmann sagte zu. Es gab einen Vertrag für drei Jahre. Es wurden 34. Dallmann und Böhme kannten sich bereits. Böhme war 1978 als Parlamentarischer Staatssekretär bei Finanzminister Hans Hermann Matthöfer in die von Helmut Schmidt geführte Regierung berufen worden. Dallmann war von 1978 bis 1981 sein persönlicher Referent. Die beiden lernten, sich zu vertrauen. Freiburgs oberster Wirtschaftsförderer war 1969 aus dem Norden zum Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in den Süden gekommen, hatte 1973 hier sein Examen gemacht, war hernach Assistent an der Fakultät, hatte später auch seine Doktorarbeit in Freiburg geschrieben. 1981 wechselte er seinen Bonner Arbeitsplatz mit einem in der Region, arbeitete als kaufmännischer Leiter eines Pharmaunternehmens in Neuenburg, das aber an ein Schweizer Unternehmen verkauft werden sollte. In die Schweiz wollte Dallmann nicht. Da kam Böhmes Anruf gerade recht. Die Landesgartenschau war Dallmanns erster Meilenstein bei der Stadtverwaltung. Als die Mammutveranstaltung geschafft war, machte er ein paar Monate Urlaub und schrieb seine Dissertation über die Kosten-Nutzen-Analyse von kommunalen Großveranstaltungen. Seine Arbeit wurde geschätzt, 12 | chilli | business im Breisgau | 11.2017

er bekam einen neuen Job, baute mit zwei Mitarbeitern die städtische Gesellschaft KTA (Kultur, Tagungen und Ausstellungen) auf – den Vorläufer der FWTM. „Ich hatte da keinen Vorgänger“, sagt Dallmann beim Kaffee in seinem Büro im Rotteckhaus. Er musste seinen Berufsweg selber pflastern. Heute hat die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH 140 Beschäftigte. „Im Laufe der Zeit wurden mir dann immer mehr Aufgaben übertragen, das Verkehrsamt wurde aufgelöst, das kam zu uns, Messen und Märkte, und die Wirtschaftsförderung. Das wurde das zentrale Thema, die Überschrift über meine Arbeit.“ Der Bau des Konzerthauses – „das hat der Böhme durchgesetzt“ –, die Tour-de-France-Etappe in Freiburg, der Bau der neuen Messe, aktuell der Kopfbau für die FWTM an der Messe, der entstehende Kreativpark in der Lokhalle, das fällt dem 66-Jährigen ein, wenn er Meilensteine benennen soll. Das Wichtigste ist aber wohl der Mann selbst, einer, der ständig überlegt, wie er Freiburg vermarkten kann. Der seine Referentinnen von seinen Dienstreisen oder auch mal aus dem Urlaub mit SMS bombardiert, der die Formel Green City im Ausland erfolgreich vermarktet hat. Wer sind die Botschafter für den kleinen Standort im Inland? Die Universität, sagt Dallmann. Dann kommt lange nichts. Dann kommt eine gemütliche mittelalterliche Stadt, dann wieder lange nichts, dann der Sport-Club, und dann auch irgendwann Green City. „Im Ausland haben wir aber mit Green City im Vergleich zur Größe der Stadt eine einmalige Sichtbarkeit bekommen.“ Die Expo in Shanghai war der Durchbruch. Vor zwei Jahren bekam der zweifache Familienvater von Wirtschaftsminister Nils Schmid die Wirtschaftsmedaille des


Damals und heute: Die Landesgartenschau am Seepark war Dallmanns erster Job in Freiburg. Der Bart ging dann in den nächsten 34 Jahren verloren. Landes Baden-Württemberg übereicht. „Starke Regionen sind das Fundament eines starken Standorts, und für dieses feste Fundament haben Sie mit Ihrer Arbeit gesorgt. Ihr Engagement für den Standort Freiburg ist vorbildlich“, lobte der Minister. Dallmann eckt an, redet den Leuten in der Stadt nicht nach dem Mund, macht sich so seine Kritiker selbst, ist aber kreativ und ein Umsetzer. Die Biomed-Stiftung geht auf ihn zurück, die Wirtschaftsregion Freiburg (WRF), die Freiburg Management und Marketing International (FMMI, organisiert die ausländischen Intersolar-Messen), die Freiburger S-Wirtschaftsimmobilien (fwi), auch die Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse. Der Bund hatte damals einen Wettbewerb Biovalley ausgeschrieben. Um da mitzumachen, brauchte es nicht nur tolle Gründer, sondern auch lokale Finanzierungsinstrumente – die es nicht gab. „Ich bin dann zur Sparkasse gegangen und habe vorgeschlagen, dass die Bank einen Fonds für Gründer auflegen soll.“ Die Geburtsstunde der S-Beteiligung, mit der die Bank heute zuverlässig siebenstellige Gewinne macht. Das geht ohne Vertrauen nicht. Von Alt-Oberbürgermeister Böhme lernte der junge Dallmann, bei OB Dieter Salomon nutzte er die ihm gegebenen Freiräume. Kuriositäten? Als die Arbeiten zur neuen B31 begonnen wurden, war die Messe noch am Alten Messplatz. Die Planer hatten das offenbar nicht so auf

dem Schirm. „Wir haben da vor großen Geröllhalden gespielt, der Umzug an den Flugplatz war unumgänglich.“ Es gab deswegen nicht nur eine Sitzung mit den Schaustellern. Dann gab es da mal eine Wirtschaftsförderungsbroschüre des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, der wie ein Rettungsring um Freiburg liegt. Auf dem Titel war in der Mitte ein weißes Loch. „Da stand nicht mal Freiburg drin“, erinnert sich Dallmann. Böhme setzte sich mit dem Landrat Jochen Glaeser zusam-

Zug um Zug auf dem politischen Schachbrett men. Das war das Initial für die WRF, die heute jährlich 200.000 Euro von ihren Mitgliedern für die Förderung der Wirtschaft in die Hand nehmen kann. Dallmann musste nicht nur eine Klippe umschiffen, so stand etwa die Zuständigkeit für den Tourismus mal auf dem politischen Schachbrett zwischen SPD und CDU. Dallmann, einst mit SPD-Parteibuch im Jackett, kämpfte und gewann. Für einen Wirtschaftsförderer ist Freiburg beileibe nicht das Mekka. Keine Industrie, geringe Kaufkraft, eine von einer Studie der Universität mal als wirtschaftsgleichgültig bezeichnete Stadt. „Es ist nicht mehr ganz so wie am Anfang, aber wenn heute der

Beteiligungshaushalt aufgestellt wird, dann läuft die Wirtschaftsförderung da immer noch unter ferner liefen.“ Dallmann wird nach dem Ende seiner FWTM-Ära weiter bei der fwi arbeiten. Er hat einen unbefristeten Vertrag. Er will die 2. Auflage seines mit Michael Richter herausgegebenen Handbuchs der Wirtschaftsförderung schreiben. Und hat auch als Berater für Städte und Kommunen in Sachen Standortmarketing noch einiges vor. Gerade erst hat er einen Beratervertrag beim größten Deutsch-Chinesischen Ökopark in Qingdao unterzeichnet. Wie der ehemalige Umweltminister Klaus Töpfer. „Ich sehe überhaupt nicht ein, dass man in meinen Alter nicht mehr arbeiten soll.“ Er habe ostfriesische Gene, da sei keiner unter 90 gestorben. Dallmann schaut in seine Aufzeichnungen. Er halte es mit Konfuzius: Wenn der Beruf Freude macht, dann musst du nicht arbeiten. Seine beste und schlechteste Eigenschaft? „Das ist dieselbe, die Ungeduld.“ Die führe zuweilen zu einem unangemessenen Verhalten, sei aber der Motor seines Tuns. Und das ist vor allem Standortmarketing. Auch wenn in den Fernseh-Nachrichten zur Primetime Freiburg immer noch nicht auf den Wetterkarten zu finden ist. „Das habe ich nicht geschafft“, sagt er. Und mit einem Schmunzeln: „Und die Dreisam bis nach Breisach schiffbar zu machen, auch nicht.“  Lars Bargmann

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Start-ups

»Ich will Freiburg rauskitzeln« Anton Würmlin macht Streetware-Klamotten mit Lokalkolorit

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okyo durchgestrichen. New York durchgestrichen. Paris durchgestrichen. Freiburg nicht. T-Shirts mit lokalpatriotischen Designs wie diesem vertreibt Anton Würmlin mit seiner Marke „Freiburgs Finest“. Der gelernte Industriemechaniker hat 2013 die ersten Klamotten verkauft. Mittlerweile lebt der 25-Jährige davon – und expandiert seine Ideen in weitere Städte. Ist Freiburg besser als Tokyo, New York, Paris? „Ich war nie in den drei Städten“, sagt Würmlin. Eines wisse er aber sicher: „Ich liebe Freiburg.“ Dieses Gefühl möchte er auf seine Klamotten bringen. Mit dem Label „Freiburgs Finest“ will er nicht nur eine Lifestyle-Marke schaffen, sondern eine Community etablieren. Die Freiburger sollen näher zusammenrücken, wünscht sich Würmlin. Denn da sei Luft nach oben: „Manchmal sind die Menschen hier etwas kalt“, sagt der Familienvater. In Berlin oder Mannheim sei das anders. Eines kann er gar nicht haben: Klamotten mit Namen von beliebigen Großstädten, die offenbar angesagt sind. „Im H&M gibt’s Shirts mit New York, San Francisco oder Chicago“, sagt er. „Warum soll nicht auch Freiburg cool sein? Oder Oldenburg?“ Also hält er mit seiner Kollektion dagegen. Der ersten Streetwaremarke der Stadt, betont Würmlin. 20 selbst entwickelte Designs hat er im Angebot. 3000 Artikel haben sich seit 2013 verkauft. Tendenz steigend. Etwa 150 Artikel gehen monatlich über die Theke. Mit rund 30.000 Euro Umsatz rechnet er in diesem Jahr. 20.000 Euro waren es vergangenes Jahr. „Das steigert sich kontinuierlich“, sagt Würmlin. Mit schwarzem Shirt, Jeans und getrimmtem Fünf-Tage-Bart sitzt er in seinem Arbeitszimmer. Im Hintergrund läuft Ami-Rap. Neben ihm stehen ein Keyboard, ein Rechner, Boxen. Dass sein Büro aussieht wie ein kleines Tonstudio, ist kein Zufall: Früher war Würmlin selbst Produzent und Rapper und kam über die Musik zur Mode. Mit Kollegen hatte er damals eine Idee: „Wir machen ein paar 79er-Shirts und drehen alle durch“, erinnert er sich. 79 steht für die Postleitzahl der Stadt. Die zwei Zahlen finden sich noch heute auf seinen Kappen wieder. Mit 48 Shirts gingen er und ein Kollege an den Start. Ein Modell, vier Farben. „Das war ein Pilotprojekt: Ich dachte mir, ein paar Shirts und das war’s“, erinnert er sich. Doch es verkaufte sich gut. Würmlin bestellte einige Wochen später nach. 2014 fand er einen Geldgeber, der ihn noch heute unterstützt. Der Investor möchte aus beruflichen Gründen anonym

Think local: Anton Würmlin im Lager seiner kleinen Firma. Im Hintergrund hängt sein Bestseller, das Neighbourhood-Shirt. bleiben. So betreibt Würmlin das operative Geschäft alleine. Designs entwerfen, Ware ordern, Social-Media-Kanäle pflegen, Kooperationspartner finden. „Das ist kein Spaßprojekt mehr“, sagt er. In Vollzeit ackert er für seine kleine Firma. Ein Selbstläufer ist sie nicht: „Ich bin noch am Kämpfen, um davon zu leben.“ Am besten verkauft sich sein Neighbourhood-Shirt. Darauf sind Stadtteile gedruckt: Wiehre, Zähringen, Weingarten ... „In jedem Winkel fühlt man sich angesprochen“, betont der Jungunternehmer. Rund die Hälfte seiner verkauften Artikel trägt das Stadtteil-Design. Das Erfolgsmodell hat er mittlerweile für elf Städte angepasst. Er vertreibt es mit seiner zweiten Marke „Neighbourhood“ unter anderem in Mainz, Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim. Mit den entsprechenden Stadtteilnamen. Um seine Marken zu etablieren, kooperiert er mit Persönlichkeiten und Vereinen. Nils Petersen posierte für ein Foto. Die Footballer der Sacristans sind Partner. Auch SPD-Politiker Julien Bender trägt die Shirts. „Die Mode ist von der Straße inspiriert“, sagt Würmlin. Sie erreiche aber Kunden aus vielen Bereichen. „Ich will Freiburg rauskitzeln“, sagt er. Die Ware gibt’s im Online-Shop sowie einigen Läden und Tankstellen. Gerne würde Würmlin irgendwann selbst einen Store aufmachen. Natürlich nicht in Tokyo oder Paris. Die einzige Option: Freiburg.  Till Neumann

Foto: © tln

»Wir machen 79er-Shirts und drehen alle durch.«

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Benedikt Link möchte Fundraisung auch in Deutschland groß machen. Das Start-up »Neue Masche« hat Socken, Mützen, Seifen oder Tee im Sortiment.

Socken verkaufen für den guten Zweck Mit der »Neuen Masche« Spenden sammeln

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Fotos: © Valérie Scholten

uchenverkauf war gestern: Das Freiburger Start-up Neue Masche ermöglicht es Abiturienten, Schulklassen oder Vereinen, den Abiball, die Klassenfahrt oder neue Ausrüstung zu finanzieren. Wie das geht? Durch den Verkauf von Socken und Seifen oder Tee organisieren die Gruppen Spenden für ihr individuelles Projekt. Das Besondere am Konzept ist die Exklusivität der Produkte, die es nur über die Aktion zu kaufen gibt. Mehr als zwei Millionen Euro kamen dabei bisher zusammen. Jedes Jahr stellen sich viele Abiturjahrgänge oder Abschlussklassen die Frage, wie sie ihren Abiball finanzieren, die Stufenfahrt oder die Abschiedsfeier. Der traditionelle Kuchenverkauf in der Schulcafeteria füllt zwar die Stufenkasse mit ein paar Euro, der Organisationsaufwand ist jedoch hoch. Das hat sich auch Benedikt Link, Gründer des Freiburger Start-ups Neue Masche, gedacht und ein neues Spendenmodell entwickelt: Durch den Verkauf von Socken, Mützen, Geschirrtüchern, Seifen oder Tees können Abistufen, Schulklassen, Kindergärten oder Vereine innerhalb von nur vier Wochen Geld für ihren Spendentopf sammeln und sich ihren persönlichen Traum erfüllen. Mitmachen

dürfen alle Gruppen, die für ihr gemeinnütziges Projekt Spenden benötigen. Wenn eine Gruppe bei der Aktion mitmacht, bekommt sie nach der OnlineAnmeldung alle Unterlagen per Post, die für die Sammelaktion benötigt werden. Neben Produktkatalog und Bestelllisten befinden sich im Starterpaket auch Produktmuster. Danach hat die Gruppe vier Wochen Zeit, um die Sachen in der Familie oder im Freundes- und Bekanntenkreis vorzustellen und Bestellungen aufzunehmen. Sobald die Sammelbestellung bei der Neuen Masche ist, werden die gewünschten Boxen innerhalb einer Woche verschickt. Die Teilnehmer verteilen die Boxen an ihre Besteller und sammeln den Kaufpreis, der meistens zwischen 15 und 20 Euro liegt, und die Spende ein. Diese landet sofort im Spendentopf der Gruppe. Die ganze Aktion ist risikofrei, da es keine Mindestbestellmenge gibt. „Die Gruppen sammeln durchschnittlich 600 bis 1000 Euro bei einer Aktion“, sagt Link, „und können sich so ihren Traum erfüllen.“ Außergewöhnlich sei das Spendenergebnis einer Gruppe aus Münster gewesen. Die sammelten mal 7500 Euro für ihren Abiball. Auch der Abi-Jahrgang des Wentzinger-Gymnasiums in Freiburg konnte 2016 mit dem Verkauf von Socken, Seifen und Co. die Stufenkasse aufbessern.

888 Euro gingen durch den Verkauf der blauen Boxen auf ihr Stufenkonto. „Mit Neue Masche wollten wir hauptsächlich Geld für unseren Abiball und unsere Abishirts sammeln,“ berichtet Lisa Grünagel. Die Abiturienten aus Freiburg sind dabei nicht allein mit ihrem Erfolgserlebnis: Seit 2013 haben etwa 3500 Gruppen mit der Aktion rund zwei Millionen Euro für ihre Projekte gesammelt. Die Idee hat Link von seinem Auslandsstudium in Schweden mit nach Freiburg gebracht. Dort sammeln Vereine, Schulklassen und Co. schon seit vielen Jahren Spenden über den Verkauf von Salami oder etwa Zahnbürsten. Der promovierte Betriebswirt aus Freiburg war so begeistert, dass er seinen Job in München kündigte, sein Erspartes zusammenkratzte und sich sofort an die Planung machte, um das Konzept auch in Deutschland zu etablieren. „Ich möchte, dass Fundraising zu einer festen Säule bei sozialen Projekten wird und dass diese Art des Spendensammelns normal wird.“ Außerdem sei ihm wichtig, dass jeder in diesem Kreislauf von der Aktion profitiert: Der Hersteller, der das Produkt liefert, die Freiburger Sozialwerkstätten, die die Produkte in blaue Boxen verpacken, die Gruppe, die die Spende bekommt und zum Schluss der Kunde, der gute Qualität für einen fairen Preis erhält.  Valérie Scholten

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Start-up

Tote Ziege, kranke Kuh Zwei Freiburger bieten Studenten skurrile Lernhilfen

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Foto: © tln, Illustrationen: © Meditricks

ehen. Merken. Meistern. Mit dem Ansatz wollen zwei Freiburger das Medizinstudium revolutionieren. Michael Seifert und Paul von Poellnitz bieten mit ihrem Start-up „Meditricks“ fantasievolle Lernhilfen: animierte Zeichnungen, die komplexe Sachverhalte erläutern. Eine Frage müssen sie immer wieder beantworten: Nehmt ihr Drogen? Zeichne eine Ziege, die einen epileptischen Anfall kriegt. Aufträge wie diese bekommen die Zeichner von Meditricks. Die Bilder des Start-ups sind gespickt mit skurrilen Ideen: Ein Stier namens Herr Metzger mimt einen Boxer. Ein Hahn namens Herr Bauer zündet der neben ihm stehenden Kuh Frau Veterinärin eine Thermometer-Zigarette an. „Kranker Scheiß“, sagt Paul von Poellnitz und lacht. Der 30-Jährige leitet mit Michael Seifert (29) das Unternehmen. Die zwei Mediziner wollen Studenten das Leben leichter machen. Ihre Bilder, teilweise animiert und mit Sounds unterlegt, liefern Eselsbrücken zu Fachausdrücken. Das Q-Fieber wird die „Kuh mit Fieber“. Der Erreger Coxiella burnetti wird zum „burnenden Cock“, also dem Hahn, der das brennende Feuer reicht. Und die Ziegengrippe wird zum „Ziegengerippe“. So erläutern sie in einem kurzen Video die Begriffe zu intrazellulären Erregern. 80 Stück gibt es davon mittlerweile. Zudem 150 Bilder und ein Buch. „Wenn man sie immer und immer wieder anschaut, ist das bombenfest“, betont Seifert. Das vergesse man nie wieder. „Man lernt sehr viel effektiver und nachhaltiger“, ergänzt Poellnitz. Nicht nur sie sehen das so: Etwa 2500 aktive Nutzer haben sie zurzeit. Rund 2000 Mal werden ihre Lernvideos auf der MedizinerPlattform „Amboss“ täglich abgespielt.

Meditricks-Macher: Paul von Poellnitz (links) und Michael Seifert (rechts), in der Mitte Grafiker Giulio de Matteis.

Einer der Kunden ist Julian Wurm. Der 30-Jährige studiert in Freiburg Medizin. „Viele Infos im Studium ähneln sich“, sagt er. Die Videos von Meditricks helfen ihm dabei, Begriffe auseinanderzuhalten: „Das ist wie ein Anker im Gedächtnis.“ Er spare Zeit, nach zwei, drei Mal Anschauen habe er die Begriffe im Kopf. Gut sei auch die Reduktion. Nur das Wichtigste werde erklärt. Wie nervenaufreibend das Studium ist, wissen die Meditricks-Macher bestens. Im Studium haben sie selbst Lernhilfen gesucht und Merkbilder gefunden. Seifert stolperte in den USA drüber, Poellnitz entdeckte eine Grafik zu Kinderkrankheiten – ebenso aus den Vereinigten Staaten. So begannen sie, Zeichnungen anzufertigen und diese an Freunde weiterzugeben. Die Geschäftsidee entstand. Im Sommer haben sie ein EXISTGründerstipendium über 137.000 Euro erhalten. Mehr als 20 Mitarbeiter umfasst das Meditricks-Team dank der Starthilfe mittlerweile. Drei davon arbeiten in Vollzeit. Für die beiden Chefs ist es „Luxus“,

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sich nur darauf konzentrieren zu können. Bis vor einigen Monaten waren sie noch in anderen Jobs tätig: Poellnitz forschte an der Uniklinik im Bereich Molekularbiologie. Seifert arbeitete in einer Hausarztpraxis in Todtnau. Meditricks betrieben sie nebenher. In Todtnau hatte Seifert ein Schlüsselerlebnis: Bei einer Patientin entdeckte er Sarkoidose, auch Morbus Boeck genannt. Eine seltene Krankheit. Dazu hatte er einst selbst ein Schaubild gezeichnet, bei der ein Ziegenbock beerdigt wird. „Sark“ wurde zum Sarg. Boeck zum Ziegenbock. Eine einprägsame Kombination. Trotz der intensiven Gründungsphase haben die beiden Spaß. Die TeamChats zur Ideenfindung sind megawitzig, berichten sie. Eine Frage kommt regelmäßig: Nehmt ihr Drogen? „Natürlich nicht“, sagen die beiden und lachen. In ihrem Büro stehen lediglich Clubmate und Ginger Beer. Alkoholfrei. Bei so vielen verrückten Ideen brauchen sie einen klaren Kopf.  Till Neumann


Weihnachtsmarkt

»Das macht süchtig« Ein Bad Krozinger bastelt Krippen aus Treibholz – auch ein Fürst war schon Kunde

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Fotos: © tln

tolze 79 Jahre alt ist Robert Schmidt. Aber keineswegs müde. Der Florist im Ruhestand bastelt leidenschaftlich gerne Krippen aus Treibholz. Den Erlös spendet er. Sogar das Fürstenpaar von Monaco hat schon bei ihm was erstanden. Nächstes Jahr könnte jedoch Schluss sein. Strahlend steht Robert Schmidt in seiner Krippen-Werkstatt. Die Garage seiner Wohnung in Bad Krozingen hat er dafür umfunktioniert. Das Auto parkt draußen, denn die Kunstwerke sind überall: in Regalen, Kartons, auf einem Tisch. „678 Stück habe ich dieses Jahr gebastelt“, sagt der Rentner. Jede ist auf einer Strichliste zu finden, sortiert nach Preisen: 10 bis 120 Euro kosten die Krippen. Der Erlös geht an den Förderverein für Krebskranke Kinder in Freiburg. Die Garage reicht bei weitem nicht, um alles zu verstauen. Zwei weitere Räume im Gebäude nutzt Schmidt als Lager. Bald sollen sie sich leeren: Auf Weihnachtsmärkten in der Region werden er und seine Frau Nicole die Kunstwerke anbieten. Vergangenes Jahr hat er so rund 10.000 Euro gesammelt. Bis vor zwei Jahren wohnte das Paar in Menton, einer Stadt an der Côte d’Azur. Nicole Schmidt ist Französin. An der Küste findet Schmidt noch immer den Rohstoff seiner Kunstwerke. Im Januar machen die beiden dort Urlaub, er sucht bei ausgiebigen Spaziergängen angeschwemmtes Holz. Zwölf blaue Ikea-Tü-

ten hat er dieses Mal gefüllt. „Bis unters Dach, mehr geht nicht ins Auto“, sagt er und lacht. „Bald passen der Hund und ich nicht mehr in den Wagen“, fürchtet seine Frau. Wenn es so weitergeht, müsse sie bald mit dem Zug fahren. Bei Kaffee und Plätzchen sitzen die beiden in ihrem Wohnzimmer. 2007 entdeckte Robert Schmidt im monegassischen Luxushotel „Hôtel de Paris“ Weihnachtsbäume zur Versteigerung für einen guten Zweck. „Da will ich auch mitmachen, ruf da mal an“, sagte er kurzentschlossen. „Du bist wahnsinnig, das geht nicht“, antwortete seine Frau. Es ging doch, Prinz Albert von Monaco ersteigerte fortan die geschmückten Bäume des Floristen. Und nannte ihn „den verrückten Deutschen“. Nur einmal sei Albert verhindert gewesen, erinnert sich Schmidt. Also habe er seine Frau Charlène zur Versteigerung geschickt. Ein Multimillionär habe jedoch das Rennen gemacht – für 40.000 Euro. „Charlène ist vorher ausgestiegen“, berichtet Schmidt. Bis heute war das der Rekorderlös für die Schmidts, die mittlerweile rund 100.000 Euro gesammelt haben. Auf die Idee mit den Krippen kam Schmidt dann 2009. Durch Zufall sah er einen jungen Franzosen mit Treibholz werkeln. Das inspirierte ihn. Knapp 4000 Krippen hat er seitdem hergestellt. „Das macht süchtig“, schwärmt er. In den Sommermonaten verbringt er täglich drei Stunden mit der Produktion. Vormittags zwei, nachmittags eine. Bis zu vier Stunden braucht er für die größten Exemplare. Das Moos dafür findet er im Schwarzwald, die Figuren bestellt er in Österreich. Passend zum internationalen Ansatz baumelt eine kleine Europafahne in seiner Garage. Wie er das alles hinbekommt, ist seiner Frau ein Rätsel. „Ich weiß nicht, wann er das alles macht“, sagt sie und lacht.

Handgemacht: 678 Krippen hat Robert Schmidt dieses Jahr angefertigt. Das Holz sammelt er an Frankreichs Küsten. Kommendes Jahr wird er 80 Jahre alt. „Dann ist Feierabend“, sagt Nicole Schmidt. „Mal sehen“, erwidert er vielsagend. Immerhin hat er schon Pläne geschmiedet, wie er noch mehr Holz nach Deutschland bringen kann. Ein französischer Krankenpfleger soll ihm beim Transport helfen. Den jungen Mann hat er vergangenes Jahr kennengelernt. Klingt nicht nach dem Ende der Geschichte. Eher nach Erweiterung und noch mehr Krippen.  Till Neumann Schmidts Krippen gibt es hier: > 23. – 25. Nov.: Adventsausstellung bei Müller Blumen und Garten (Schallstadt) > 24.–25. Nov.: Kunst- und Adventsmarkt im Weinstetter Hof (Eschbach) > 2. Dez.: Weihnachtsmarkt im Weingut Julius Zotz (Heitersheim) > 8. –10. Dez.: Wei(h)n-Nacht im Winzerkeller (Schallstadt) >16.–17. Dez.: Weihnachtsmarkt im Schloss Reinach (Munzingen) 15. bis 17. Dez.: BoGart Weihnachtsmarkt (Bollschweil)

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Titel

Stuchlik: »Keine Projekteritis« Freiburger Klimaschutzziele drohen zu scheitern – wie die des Bundes auch

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aris, Bonn, Freiburg. Will man die Ziele der Weltklimakonferenz erreichen, ist klar: Es muss nicht nur global, sondern auch lokal richtig gearbeitet werden. Doch selbst die

Green City und gekürte Klimaschutzhauptstadt Freiburg tut sich enorm schwer: Mit den bisherigen Maßnahmen wird sich das selbstgesteckte Ziel einer klimaneutralen Stadt bis 2050

nicht halten lassen. Der Gemeinderat will mit einem neuen Klimaschutzkonzept noch etwas reißen – und setzt dabei auch auf die Beteiligung der Bürger.

Visualisierung: © istock.com / Borodatch

CO2 macht k.o.: In Deutschland sorgen vor allem die Kohlekraftwerke dafür, dass die Atmosphäre weiter drangsaliert wird.

„Wir müssen besser und schneller werden“, gibt Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik zu, „sonst werden wir die Klimaneutralität bis 2050 nicht erreichen.“ Man sei aber auf einem guten Weg: Von 1992 bis 2014 – auf diese Jahre beziehen sich die aktuellsten Zahlen – seien die Kohlendioxid-Emissionen um 20 Prozent gesunken. Dass die Bilanz nicht besser ausfällt, ist vor allem dem Verkehr geschuldet – in diesem Bereich stagnieren die Emissionen. Doch auch das Bevölkerungswachstum macht der Boomtown einen Strich durch die Rechnung: Denn legt man die Zahlen auf die Bewohner um, sind die Emissionen pro Kopf um 30 Prozent zurückgegangen. Dazu beigetragen hätten 67 Projekte, die von 2014 bis 2016 umgesetzt wurden. Dass sie die Hände in den Schoss lege, will sich Stuchlik daher nicht vorwerfen lassen: „Wir arbeiten kontinuierlich und betreiben keine Projekteritis.“ Aus dem Gemeinderat gibt’s dafür Beifall. Grünen-Stadtrat Eckart Friebis lobt den Maßnahmen-Katalog als „echtes Nachschlagewerk“, Kollege Bernhard Schätzle von der CDU sieht Freiburg als Klima-Vorzeigestadt.

Damit das so bleibt, hat das Gremium jetzt beschlossen, das Klimaschutzkonzept ab Januar 2018 fortzuschreiben. Das vorliegende hat immerhin auch schon zehn Jahre auf dem Buckel. Neue Impulse soll es dabei vor allem durch die Beteiligung der Bürger geben. „Um weiterzukommen, brauchen wir die Sicht von außen“, appelliert Stuchlik an die Freiburger. Hierfür sind Veranstaltungen, Workshops und eine Online-Plattform geplant. Bis Anfang 2019 sollen die dort gesammelten Ideen dann in einen neuen Aktionsplan einfließen. Für die Fortschreibung des Konzepts nimmt das Rathaus erneut Geld in die Hand: 145.000 Euro. Die sind 2 über den aktuellen Doppelhaushalt und die Mittel aus der Konzessionsabgabe der Badenova weitgehend finanziert. Besonderes Augenmerk liegt bis dahin auf dem Thema „Energiebewusst sanieren“. Nicht zu Unrecht, denn private Haushalte nutzen 75 Prozent ihrer Energie allein fürs Heizen. Mit einer Quote von 1,6 Prozent wird in Freiburg doppelt so viel saniert wie im Schnitt im gesamten Bundesland.

So viel CO wie zuletzt vor Millionen Jahren

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Titel

Um die Klimaziele zu erreichen, müssen die Quoten allerdings bis 2020 auf 1,8 Prozent und danach sogar auf 2 Prozent angehoben werden. Dafür hat der Gemeinderat die Förderrichtlinien ab dem 1. November nochmals angepasst. So wird ab jetzt etwa die Dämmung von Kellerdecken und den Decken des obersten Geschosses mit zehn statt bisher sechs Euro pro Quadratmeter bezuschusst. Auch die Installation von Blockheizkraftwerken, Stromspeichern oder umweltfreundlichen Dämmstoffen wird stärker gefördert. Doch so positiv gestimmt sich der Gemeinderat zeigt, das Ruder noch herumreißen zu können – immer wieder geht der Blick in die Hauptstadt. „Wir müssen auch vom Land, dem Bund und der EU massiv unterstützt werden“, fordert Oberbürgermeister Dieter Salomon. Oder wie es Friebis blumig formuliert: „Nur mit positiver Begleitmusik aus Berlin werden wir unsere Ziele erreichen.“ Nun, aus Berlin gab es zuletzt eher Misstöne zu vernehmen: Auch Deutschland wird seine Klimaschutzziele verfehlen – und das noch deutlicher als die Bundesregierung im vergangenen Mai ohnehin schon zur EU-Kommission nach Brüssel mitgeteilt hatte. Damals sprach die Regierung von einer Abweichung von 1,5 bis 5 Prozent. Es werden, wie die Süddeutsche Zeitung zuerst berichtete, mindestens 7,5 Prozent. Deutschland wollte die Emissionen bis 2020 gegenüber dem Jahr 1990 um 40 Prozent senken. Es werden aller Vo-

raussicht nach höchstens 32,5 Prozent. Es gibt zwei Hauptschuldige: den Autoverkehr und den ungehemmten Betrieb von Kohlenkraftwerken. Es wäre keine Überraschung, wenn der Bund nun noch mal neue Ziele formuliert, die weiter in der Zukunft liegen. So hatte es auch Freiburg gemacht. 1996 hatte der Gemeinderat ein erstes Klimaschutzkonzept verabschiedet, wonach die CO2-Emissionen bis 2010 um 25 Prozent niedriger sein sollten, als sie es 1992 waren. Als klar war, dass das nicht klappt, steckte die Politik ein neues Ziel ab: 40 Prozent CO2Einsparungen bis 2030. Die Deutsche Umwelthilfe kürte Freiburg im Jahr 2010 zur Klimaschutzhauptstadt – obwohl vor Ort die eigenen Schutzziele verfehlt wurden. 2014 kam dann die nächste Klimagas-Stufe: 50 Prozent bis 2030 und klimaneutral bis 2050. Wenn die Stadt weiter so wächst wie bisher, ist das auch eher Vision als Realismus. Harte Fakten sprechen derweil eine deutliche Sprache: Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre hat im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert erreicht. Im weltweiten Durchschnitt lag sie nach Angaben der Weltwetterorganisation bei 403,3 Teilchen Kohlendioxid pro eine Million Luftteilchen. Forscher schätzen, dass die Erde vor drei bis fünf Millionen Jahren zuletzt eine derart hohe CO₂-Konzentrationen aufwies. Der Meeresspiegel lag seinerzeit 20 Meter höher als heute.  Tanja Senn, Lars Bargmann 5 Anzeige

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Titel

Enormes Potenzial Sabine Wirtz und Anja Sachs managen den Klimaschutz im Industriegebiet Nord

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Foto: © Privat

ine Klimaschutzmanagerin für ein Industriegebiet. Das gibt es nur in der Green City Freiburg. Aber schließlich ist das Industriegebiet Nord kein gewöhnliches Industriegebiet, sondern firmiert seit 2014 unter dem Label Green Industry Park. Während Sabine Wirtz hier schon von Anfang an die Klimageschicke lenkt, gibt es seit Juli auch ganz offiziell die Stelle der Klimaschutzmanagerin. Sie wird seitdem sowohl von Wirtz als auch von Anja Sachs besetzt. Bis 2050 will Freiburg klimaneutral sein. Wenn es damit noch etwas werden soll (siehe auch Seite 23), muss das Industriegebiet Nord mitziehen. Denn zum Start des Klimaschutzkonzepts vor drei Jahren sah dessen Bilanz nicht gerade rosig aus. 21 Prozent des Freiburger Stroms wurde hier verbraucht, 10 Prozent der CO2-Emissionen hier produziert. Aktuellere Zahlen gibt es keine: Eine erneute Bilanz ist erst 2019 wieder fällig. Damit die besser ausfällt, will die Stadt nicht nur auf die Anstrengungen der einzelnen Firmen vertrauen. Die beiden Klimaschutzmanagerinnen Sachs und Wirtz setzen vielmehr auf eine Vernetzung. „Unser Ziel ist es, Projekte zu unterstützen, die über die Firmengrenzen hinausgehen“, erklärt Wirtz. So können sich Unternehmen bei Workshops die Projekte ihrer Nachbarn anschauen und von ihnen lernen. Ein Vorzeigeprojekt, das die Managerinnen mit ins Rollen gebracht haben: Die Nutzung der Rhodia-Abwärme. Mit ihr sollen zukünftig das neue SCStadion am Wolfswinkel, die Neubauten des Autohaus Märtin und der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH an der Messe sowie die komplette Mes-

Einmalig: Anja Sachs (links) und Sabine Wirtz (rechts) sind Deutschlands einzige Klimaschutzmanagerinnen für ein Industriegebiet. se selbst beheizt werden. Alle Projekte zusammen benötigen gerade mal einen Bruchteil der Abwärme. „Da sieht man mal, wie viel Energie seit Jahrzehnten in die Atmosphäre abgegeben wurde“, sagt Klaus von Zahn. „Die endlich zu nutzen, ist ein absolutes Highlight für den Klimaschutz“, freut sich der Leiter des städtischen Umweltschutzamtes. Die nächste große Herausforderung für die Managerinnen liegt in der Sonnenenergie. „Das Klimaschutzteilkonzept hat gezeigt, dass es ein enormes Photovoltaik-Potenzial auf den Dächern des Industriegebiets gibt“, sagt Sachs. So ließe sich der durch Photovoltaik erzeugte Stromanteil von zwei auf sechzehn Prozent des Gesamtverbrauchs erhöhen, wenn alle geeigneten Dachflächen genutzt würden. Vom Rathaus bezahlte Vor-Ort-Beratungen sollen die Unternehmer auf dieses Potenzial aufmerksam machen. Finanziert werden solche Projekte über die Konzessionsabgabe der Badenova. Ein Viertel davon – jährlich rund drei Millionen Euro – fließt in den Klimaschutz. Eine Summe, die laut Stadtverwaltung bundesweit einmalig ist. Im

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Doppelhaushalt 2017/18 entfallen davon allein auf den Green Industry Park 1,3 Millionen Euro. Das Geld wird nicht nur für Workshops und Beratungen genutzt, sondern auch für Investitionen wie eine Photovoltaik-Anlage auf dem Feuerwehrhaus Zähringen oder für eine Verbesserung des Radverkehrs. Auch die Stelle der Klimaschutzbeauftragten wird aus diesem Topf bezahlt. Denn grundsätzlich fördert der Bund zwar Klimaschutzmanager – allerdings nicht, wenn sie ausschließlich für Industrie und Gewerbe zuständig sind. „Deswegen stellen alle liebend gern Klimaschutzmanager für andere Bereiche ein“, erklärt von Zahn. „Aber einen Manager, der nur für ein Industriegebiet zuständig ist, das gibt es kein zweites Mal.“ Auch die Firmen mussten sich erst mal an die städtischen Ansprechpartner gewöhnen. Schließlich funktioniert die Zusammenarbeit auf freiwilliger Basis. „Wir haben keine offenen Türen eingerannt“, erinnert sich Wirtz, „aber mit der Zeit haben wir ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Dadurch erreichen wir die Unternehmen nun viel besser.“  Tanja Senn


Klima

Ohne Wärmewende keine Energiewende 10 Jahre Badenova Wärmeplus

Mehr als nur warme Worte: Thorsten Radensleben (l.) übergibt den Wärmeplus-Geschäftsführern Klaus Preiser (r.) und Michael Klein eine Torte zum Geburtstag. Foto: Badenova.

E

s ist sozusagen die warme Tochter der Badenova AG, die Wärmeplus GmbH & Co. KG, die in diesen Tagen auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblickt. 60 Millionen Euro hat sie im vergangenen Jahr mit 91 Mitarbeitern und ihren Töchtern erwirtschaftet. Tendenz steigend. Die Energiewende wird zumeist nur auf dem Strommarkt verortet. Doch für Klaus Preiser, den technischen Geschäftsführer der Wärmeplus, heißt der Slogan: Ohne Wärmewende keine Energiewende: „In der Wärmeversorgung liegen die größten Potenziale für Effizienz, Einsparungen und den Umstieg auf Erneuerbare.“ Die Badenova-Tochter setzt dabei auf große Projekte für Unternehmen und

Kommunen. Bekannt sind in Freiburg etwa die Blockheizkraftwerke (BHKW) in Landwasser und Weingarten oder die Heizzentrale im Vauban. Unlängst wurde zudem ein neues BHKW bei der Schwarzwaldmilch GmbH gebaut. „Wärmeplus ist un-

»Musterbeispiel für die Umsetzung der Energiewende« ser Instrument, um die Energiewende voranzutreiben und die erneuerbaren Energien auszubauen“, sagt BadenovaVorstandschef Thorsten Radensleben. Für Oberbürgermeister Dieter Salomon ist sie „ein Musterbeispiel für die praktische und kreative Umsetzung

der Energiewende, die nur durch konsequente Effizienzstrategien, effiziente Einsparungen und den konsequenten Umstieg auf die Erneuerbaren Energien im regionalen Kontext gelingen kann.“ Das Plus im Namen weist auf die Stromproduktion mit den Erneuerbaren hin: Solarprojekte in Freiburg (SC Freiburg, Universität, Deponie Eichelbuck) oder Offenburg (Munitionsbunker Gottswald), Windkraftwerke (zuletzt: Kambacher Eck), oder Biogasanlagen (Neuried, Gewerbepark Breisgau, Forchheim). Die Wärmeplus investiert jährlich 35 bis 55 Millionen Euro und erzeugt mittlerweile mit 250 Anlagen jährlich 300 Gigawattstunden (GWh) Wärme, 130 GWh Strom und 80 GWh Biogas.  bib / bar

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Titel

Die Renaissance der kleinen Solaranlage Energiewende auf dem eigenen Dach nimmt Fahrt auf

U

lm sonnt sich auf dem Siegerplätzchen. Kaiserslautern ist näher an der Sonne. Ingolstadt, Fürth und Regensburg auch. In der Solarbundesliga spielt Freiburg nur noch auf dem sechsten

Platz. Was für den SC ein Traumrang wäre, ist für die Green City ein herber Abstieg: Bis 2006 gewann Freiburg regelmäßig die Meisterschale. Doch die sonnigen Zeiten könnten zurückkehren: Die Freiburger set-

zen sich in diesem Jahr erstmals wieder mehr neue Photovoltaik-Anlagen auf ihre Dächer. Zusätzliche Energie in den weiteren Ausbau will auch das neue Mieterstromgesetz bringen.

Fotos: © FWTM/Schoenen

Mehr als 30.000 Megawattstunden grünen Strom speisten die Solaranlagen wie hier am Hauptbahnhofturm oder bei der Solarsiedlung 2016 ins Netz ein.

Allein bis Juli wurden in diesem Jahr mehr Solar-Anlagen auf Freiburgs Dächer gebaut als im ganzen vergangenen. Eine Trendwende: In den vergangenen fünf Jahren war die Zahl der neuen Anlagen stetig gesunken. Wurden 2012 noch

neue Anlagen mit 7,8 Megawatt Leistung installiert, waren es 2016 weniger als 1,0 Megawatt. Zum Vergleich: Freiburgs größte Solaranlage auf dem Eichelbuck hat allein 2,6 Megawatt. „Dass sich die rechtlichen Rahmenbedingungen

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immer wieder verändert haben, hat zu einer Verunsicherung geführt“, erklärt sich Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik den extremen Rückgang. In Freiburg wurden nach Badenova-Angaben im vergangenen Jahr 33.221 Megawatt-


stunden Solarstrom ins Netz eingespeist. Die tatsächlich produzierte Menge dürfte größer sein, da mehrere Produzenten ihren Strom selbst nutzen und nicht einspeisen. Der mit Abstand größte Sonnenstromlieferant ist die Anlage auf der Deponie Eichelbuck mit 2657 MWh. Die Badenova-Anlagen speisten 2039 MWh ein. Die Renaissance der Sonnenenergie auf den Dächern führt Stuchlik auf eine Kampagne der Stadt zurück. „Dein Dach kann mehr!“ soll die Freiburger mit Infoblättern, Workshops und kostenlosen Beratungen dazu animieren, ihre besonnten Dächer besser zu nutzen. Es

Daumen hoch fürs Dach spricht einiges dafür, dass die Ansprache der Hausbesitzer erfolgreich war: Denn während in Freiburg eine Trendwende zu beobachten ist, werden bundesweit immer weniger neue Anlagen gebaut. Mit einer einzelnen, großen Neuanlage lassen sich die Zahlen nicht erklären: Der Zuwachs verteilt sich auf mehrere Monate. Die Verwaltung stockt ihr Angebot daher nochmal auf: Ab sofort wird es 30 weitere Beratungstermine geben, bei denen ein Solarexperte zu Interessenten nach Hause kommt. Insgesamt nimmt das Rathaus für die Kampagne 142.000 Euro in die Hand, die teilweise durch die Konzessionsabgaben der Badenova AG eingespielt wurden. Dass sich die Investitionen in die Beratungen lohnen, weiß Arne Blumberg von der Energieagentur Regio Freiburg. Bei fast jedem Hausbesuch gebe es von ihm ein „Daumen hoch“ für die Photovoltaik-Anlage. Nur in seltenen Fällen seien die technischen Voraussetzungen ungünstig. Das sieht Malte Thoma, Abteilungsleiter im Umweltschutzamt, nicht anders. „Photovoltaik-Anlagen rechnen sich bei jedem Dach – nur eben mal mehr und mal weniger“, zeigt er sich bei einer Infoveranstaltung im Bürgersaal Littenweiler zuversichtlich. Dass davon auch begrün-

te Dächer und Mietshäuser nicht ausgenommen sind, ist Thema des Abends. Stichwort: Mieterstrom. Dafür hat der Gesetzgeber im Juli 2017 ein neues Gesetz auf den Weg gebracht: Für Module, die den Strom direkt an die Bewohner des Hauses liefern, gibt’s nun einen Zuschlag von bis zu 3,7 Cent pro Kilowattstunde. Die Mieter werden an den Kostenvorteilen beteiligt: Sie sparen durch ihr Sonnendach mindestens zehn Prozent gegenüber dem Grundversorgungstarif. Sollte dieses neue Gesetz von allen Marktteilnehmern angenommen werden, so eine aktuelle Studie, bergen allein die Mehrfamilienhäuser in den 20 größten Städten Deutschlands ein Potenzial von bis zu 33.000 Anlagen. Nur: So groß das Ausbaupotenzial, so schwierig die praktische Umsetzung. „Planung, Entwicklung und Betrieb einer Mieterstromanlage sind wesentlich anspruchsvoller als beim Einfamilienhaus“, sagt Burghard Flieger, Vorstand der Solar-Bürger-Genossenschaft. Er muss es wissen: Momentan realisiert seine Genossenschaft ein Mieterstromprojekt im Freiburger Baugebiet Gutleutmatten. Das Wohngebäude schwereLos mit seinen 19 Mietparteien und der Kita soll vom kommenden März an mit eigenem Solarstrom versorgt werden. Für die Umwelt bedeutet das eine Entlastung um mehr als 14 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Der veranschlagte Erlös ist mit jährlich 257 Euro hingegen gering. „Der administrative Aufwand für die Betreiber vor allem von kleinen Anlagen steht in keinem Verhältnis zum Ertrag“, bemängelt Flieger. Allein die Meldepflichten und die Abrechnung seien hoch kompliziert. Ohne das Know-how eines Partners wie der Solar-Bürger-Genossenschaft oder der Badenova seien Mieterstromprojekte daher kaum machbar. An das Modell glaubt der Vorstand trotzdem: „Ich bin mir sicher, dass in Zukunft ein großer Teil des Stroms im Haus selbst erzeugt wird. Das Mieterstrommodell ist der Beginn einer dezentralen Stromerzeugung.“  Tanja Senn

Fotos: © Badenova

Klima

Weil Solarzellen günstiger werden, rechnen sich die Anlagen wieder.

Wie sich Photovoltaik wirtschaftlich lohnt Weil die Preise für Photovoltaik-Anlagen in den vergangenen Jahren deutlich gesunken sind, kann Sonnenstrom heute günstiger produziert werden als der Strom aus dem Netz. Dachmontierte Module auf Ein- und Mehrfamilienhäusern sind daher wirtschaftlich, so die Aussage des Umweltschutzamts. Wie lukrativ die Anlage tatsächlich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum Beispiel von der Dachausrichtung, der Dachneigung und der Verschattung durch Bäume oder Dachaufbauten. Je mehr selbst erzeugter Strom im Gebäude genutzt werden kann, umso wirtschaftlicher ist die Anlage. Doch auch die Einspeisung ins Netz rechnet sich: Der Staat zahlt dafür eine garantierte Vergütung je Kilowattstunde für 20 Jahre ab Inbetriebnahme der Anlage. Förderungen gibt es von der KfW, die Kredite inklusive Tilgungszuschuss anbietet. Die Stadt Freiburg und die Badenova bieten Förderungen für Anlagen mit Lithiumbatterien an. Der Energieversorger übernimmt zudem bei privaten Anlagen bis fünf kWP zehn Prozent der Investitionskosten. Und die Elektrizitätswerke Schönau fördern jede eingespeiste KWh mit zusätzlichen 2 bis 6 Cent je nach Anlagengröße bis 10 kWP. Weitere Infos: freiburg.de/pv

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Titel

Freiburger will mit Flugzeugen Strom erzeugen Moritz Diehl möchte mit seinem »Flugkarussell« Windrädern Konkurrenz machen

Innovativ: Der Freiburger Moritz Diehl will mit einem Flugzeug in der Luft »Energie ernten« – effizienter als ein Windrad. Auch das Unternehmen EnerKite (rechts) forscht an der Technik, die in einigen Jahren marktreif sein soll.

Fotos: © Uni Freiburg Natascha Thoma Widmann

M

it einem Flugzeug, einer Metallstange und einer Leine Strom erzeugen? Klingt komisch. Doch für Moritz Diehl ist das die Zukunft der Energiegewinnung. Der Freiburger Mikrosystemtechniker sieht in der Höhenwindenergie die beste Möglichkeit, nachhaltig Strom zu produzieren. Zusammen mit seinem Team sucht der 46-Jährige nach der besten Methode für die Regelungstechnik der Flugkörper. Ein Flugzeug mit zwei Metern Spannweite ist mit einer Leine an einem Metallarm befestigt. Dieser dreht sich immer schneller und bringt das Flugzeug in Kreisbewegungen nach oben.

Durch die Rotation wird das 600 Meter lange Seil ausgerollt – und erzeugt dabei Strom mit einem Generator. Ab einer gewissen Höhe wird das Flugzeug sogar nur noch vom Wind ge-

Nach einem Sturzflug geht's von vorne los tragen – und fliegt in Achterbahnen autonom weiter. Der Arm muss sich nicht mehr bewegen. Die Flieger bestehen aus Kohlefasern, die besonders leicht und stabil sind. Wenn das Seil die maximale Länge erreicht hat, macht der Flieger einen

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Sturzflug in Richtung des Metallarms, das Seil rollt sich dabei mit einer Winde wieder auf. Kurz vor der Metallstange bekommt das Flugzeug die Kurve und fängt mit den Achterbewegungen von Neuem an. Bei der Rückholphase wird zwar wieder Energie benötigt, aber viel weniger, als produziert wurde. Außer dem Freiburger Forschungsteam benutzt nur das deutsche Unternehmen EnerKite diese Start- und Landetechnik. In Freiburg ist das sogenannte Flugkarussell allerdings nur ein Forschungsobjekt und produziert noch keinen Strom. Das Forschungsteam macht seine Ergebnisse öffentlich zugänglich. Start-ups im Bereich Energie soll zudem unter die Arme gegriffen werden.


Bis das Flugkarussell Strom erzeugt, ist es noch ein weiter Weg: Vor allem der Start und die Landung sind kompliziert. „Man muss sich das wie bei einem richtigen Flugzeug vorstellen. Ist es einmal in der Luft, hat es viel Platz und auch mehr Zeit, die Flugbahn zu korrigieren. In Bodennähe kann ein Meter Abweichung schon viel ausrichten“, erklärt Diehl. Das Flugzeug funktioniert wie ein Lenkdrachen und fliegt quer zum Wind, weil der sogenannte „Crosswind Flug“ mehr Leistungen erzeugen kann. In dem Flieger ist ein Computer installiert. Der misst die Wetterveränderungen und sorgt dafür, dass der Flug in optimalen Bahnen bleibt. 100 Mal in der Sekunde wird er neu berechnet. Wie sein Flugkarussell funktioniert, hat Diehl bei der Airborne Wind Energy Conference Anfang Oktober in Freiburg vorgestellt. Mehr als 170 Forscher aus 19 Ländern haben teilgenommen und ihre Prototypen präsentiert. Auf Einladung von Diehl. Ein Vorteil gegenüber einem Windrad sind die Material- und damit Kosteneinsparungen. „Von einem Windrad benutzen wir nur die Spitzen. Das ist der effizienteste Teil des Rotors“, meint der Freiburger Dozent. Seine Flieger sollen in unzulänglichen Gebieten zum Einsatz kommen – oder auf hoher See. Das derzeit größte Forschungsobjekt im Höhenwindbereich heißt „X“, das Unternehmen Makani wird dafür von Google finanziert: Ein Flügel mit einer Spannweite von 25 Metern wird von acht Turbinen angetrieben, um in die Luft zu kommen. Der Generator transportiert den Strom durch ein Kabel zum Boden. Diehl persönlich hält X für das marktreifste Projekt, 600 Kilowatt Leistung produziert es. Doch auch daran muss noch geforscht werden. „Ich vermute, der Grund dafür ist das Gewicht. Der Flügel ist mit dem Generator einfach zu schwer“, sagt Diehl. Auch müssen sich die 600 Kilowatt den 5000 Kilowatt eines herkömmlichen Windrades stellen. Acht Flügel

bräuchte man also, um den Strom eines Windrads zu produzieren. Rentiert sich das überhaupt? Diehl ist überzeugt, dass Höhenwindenergie langfristig effizienter ist als jede klassische Windkraftanlage.  Annkathrin Pohl 5 Anzeige

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Menschen und Meldungen

125 Millionen für neue Klinik

Richtfest am Uni Carré Bauverein appelliert an die Politik Foto: © BVB

FREIBURG. Nach langem Hin und Her soll im kommenden Sommer nun der Baubeginn für die neue Kinderklinik an der Breisacher Straße gefeiert werden. Die baden-württembergische Finanzministerin Edith Sitzmann sagte unlängst in Freiburg, dass die Finanzierung des 125-Millionen-Euro-Projekts gesichert ist. 82,5 Prozent übernimmt demnach das Land. Das Uniklinikum hatte seine 50-Prozent-Beteiligung im Mai wegen unvorhergesehener Mehrkosten zurückgezogen und muss nun nur 17,5 Prozent bezahlen.

Zikun sucht neuen  Eigentümer

RIEGEL. Für die insolvente Zikun Fahrzeugbau GmbH gibt es nach Angaben des Freiburger Insolvenzverwalters Dirk Pehl mehrere Interessenten. Die Auftragslage sei gut, der Betrieb läuft weiter. Zikun baut mit 60 Mitarbeitern etwa Feuerwehr- und Getränkefahrzeuge.

Neue Deponie ESCHBACH. Der Landkreis BreisgauHochschwarzwald will auf der Fläche einer einstigen Kiesgrube am Weinstetter Hof am Rande des Gewerbeparks Breisgau eine neue Deponie für Erdaushub und Baustoffe schaffen. Grund: Die Baureststoffdeponie beim Kalkwerk bei Merdingen ist voll und die Menge an Aushub steigt drastisch an. Die neue Deponie soll Platz für rund eine Million Kubikmeter Material bieten. Die Abfallwirtschaft des Landkreises (ALB) rechnet mit Bau- und Betriebskosten von rund 60 Millionen Euro. Mit einer Inbetriebnahme wird nicht vor 2020 gerechnet.

Küppers neuer Trumpf-Chef FREIBURG. Till Küppers (42) hat zum 1. Oktober die Geschäftsführung von Trumpf Hüttinger in Freiburg übernommen. Unter seinem Vorgänger Stephan Mayers setzte Hüttinger im Geschäftsjahr 2016/2017, das am 30. Juni endete, 156 Millionen Euro um, 67,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Unternehmen füllt in Freiburg 362 Lohntüten.

Ein Sechser vorm Haus: Marc Ullrich, Gerhard Kiechle, Martin Behrens, Dieter Salomon, Volker Homann und Jörg Straub (v.l.) beim Richtfest am Uni Carré. FREIBURG. „140 Wohnungen sind ein Wort.“ Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon lobte beim Richtfest des ersten Bauabschnitts beim Projekt Uni Carré den Bauverein Breisgau für eine gelungene Innenentwicklung im Stühlinger. In Kliniknähe bauen die Genossen derzeit für 36 Millionen Euro zusätzlich noch eine Kita, eine Sozialstation und Flächen für ein Tagescafé. Der Bauvereinsvorstandsvorsitzende Marc Ullrich nutzte den Anlass auch, um den Vertretern der Verwaltung und des Gemeinderats zu sagen, dass man freiwillig 50 nach dem Landeswohnraumprogramm geförderte Mietwohnungen baue. „Und wir brauchen auch keine kommunalpolitische Vorgabe nach 50 Prozent sozialem Mietwohnungsbau, wir liefern ständig 100 Prozent preiswerten Wohnraum. Vielleicht gelingt es uns ja mit der Stadt Freiburg, ein Konzept zu entwickeln, um künftig noch mehr bezahlbare Mietwohnungen zu liefern.“

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Auch sein Vorstandskollege Jörg Straub und der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Behrens appellierten an die Politik, bei der Grundstücksvergabe die Baugenossenschaften künftig stärker zu berücksichtigen. Der Bauverein führe deswegen derzeit auch Gespräche mit den Fraktionen. Ob es dabei eine Bombenstimmung gab, war nicht zu erfahren, eine solche gab es aber auf der Baustelle, denn bei den Erdarbeiten fanden Bauarbeiter acht scharfe englische Fliegerbomben. Die zeitlichen Verzögerungen hat der Generalunternehmer, die Treubau AG, inzwischen wieder so gut wie eingeholt. Insgesamt baut der BVB die 141 Einbis Fünfzimmerwohnungen für den eigenen Bestand in zehn stromautarken Gebäuden. 20 Millionen Euro hat die L-Bank für das Projekt gegeben, den Rest stemmten die Genossen aus Bordmitteln.  bar


Menschen und Meldungen

Nein zur Munitionsfabrik LAHR. Der Gemeinderat hat die geplante Ansiedlung einer Munitionsfabrik auf dem ehemaligen Flugplatzgelände mehrheitlich (20:13) und gegen den Wunsch von Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller (SPD) abgelehnt. Die Fabrik wollte die Schweizer Firma Galtech auf dem Gelände des Zweckverbandes Industrie- und Gewerbezentrum Raum Lahr GmbH bauen.

Bürgermeister gesucht Nachfolge von Finanzdezernent Otto Neideck noch offen

LAHR. Die Genossenschaften ZG Raiffeisen und Fenaco bauen das bestehende Logistikzentrum für einen zweistelligen Millionenbetrag aus. Neben der erst 2015 eröffneten ersten Halle werden zwei neue mit ebenfalls jeweils 11.000 Quadratmetern Fläche gebaut. Die erste kostet gut 14 Millionen Euro. Die Zahl der Palettenstellplätze verdreifacht sich auf 45.000, die Zahl der Mitarbeiter steigt um vier auf 20.

Südwestbank Freiburg  auf Platz eins FREIBURG. Die Freiburger Südwestbank holt den Sieg bei einem neuen Bankentest, der erstmals einem DIN-Regelwerk folgt. Die Gesellschaft für Qualitätsprüfung (GfQ) führte den Test „Beste Bank vor Ort“ durch. In Freiburg ging die Südwestbank mit der Gesamtnote 1,3 als Sieger vom Feld. Matthias Akermann, der Freiburger Filialleiter: „Unser erster Platz macht deutlich, dass wir bei der Beratung einen ganzheitlichen Blick auf die Situation des Kunden werfen. Das Einzige, was bei uns zählt, sind seine Bedürfnisse.“

Das Rudel gewinnt FREIBURG. Das Rudel Werbeagentur (DRWA) hat als erste Agentur aus Freiburg den Deutschen Agenturpreis 2017 gewonnen. Mit der Print-Kampagne für die Glassdouche GmbH aus Heitersheim. Die Geschäfte der Agentur in der Wiehre führen Borris Mayer und Carola Sailer.

Foto: © tas

Lahr-Logistics wird  verdreifacht

Wird größere Fußstapfen hinterlassen: Otto Neideck geht Ende März in den Ruhestand. FREIBURG. Die Freiburger CDUFraktion hat noch keinen Nachfolger für den scheidenden Finanzbürgermeister Otto Neideck gefunden. Fraktionschef Wendelin von Kageneck und die von ihm gebildete Findungskommission wollen der Fraktion aber noch im November den Wunschkandidaten präsentieren. „Wir haben mit vielen Kandidaten gesprochen“, sagt Kageneck. Darunter seien sowohl Freiburger als auch Auswärtige mit „erstaunlicher“ Expertise. Neideck (63) wird Ende März nach dann fast 25 Jahren als Erster Bürger-

meister und 47 Jahren in der Verwaltung abtreten. Zum 1. April wird der Nachfolger anfangen. Die CDU hat für diesen das Vorschlagsrecht, in der Regel folgt das Gremium den Vorschlägen. Ob von Kageneck im übernächsten Jahr sich für die Gemeinderatswahl selber noch einmal aufstellen lassen will, ließ er im Gespräch mit dem business im Breisgau offen. Bis zum Redaktionsschluss gab es zudem noch keinen Kandidaten, der bei der Oberbürgermeisterwahl im kommenden Jahr gegen Amtsinhaber Dieter Salomon antritt. bar

Neueröffnung bei Schafferer FREIBURG. Nach fünf Wochen Umbauzeit hat das Haushaltswarengeschäft Schafferer auf der KaiserJoseph-Straße wieder geöffnet. Auch um dem Onlinehandel besser zu begegnen, „sei es notwendig gewesen, sich ein neues Gesicht zu verpassen und das Sortiment zu verändern“, sagt Stefan Schupp, der Geschäftsführer des Großhändlers. 280.000 Euro hat der Umbau gekostet. Auf drei Etagen bietet das Geschäft Kunden nun auf

insgesamt 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche ein „modernes Einkaufserlebnis“ mit beabsichtigten Brüchen in neuer Einrichtung, für die man sich in europäischen Großstädten inspirieren ließ. Das ebenfalls veränderte Sortiment fällt mit 10.000 Artikeln nun kleinteiliger aus. „Handel ist Wandel“, sagt Schupp, „wir wollten hier aber kein Raumschiff hinsetzen, das ist schließlich Freiburg.“  pt

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Kommentar

Menschen und Meldungen

Preisexplosion beim Pavillon Stadtbau wertet Highlight auf Er wollte Pilze finden und fand Penunse: Ein Sammler hat vor ein paar Wochen in einem Waldstück im Osten von Freiburg einen fünfstelligen Geldbetrag gefunden, der augenscheinlich schon länger dort lag. Genauer wollte es die Polizei nicht mitteilen, um nicht möglichen Pseudo-Eigentümern unnötige Hilfestellung zu leisten. Nach dem Aufruf nach dem rechtmäßigen Besitzer meldeten sich sodann wie erwartet dutzendweise Menschen bei der Polizei, die den Fund für sich reklamierten, so deren Sprecher Thomas Spisla. Allein: Einer, der wusste, wo genau das Geld vergraben war und wie viel genau er dort verbuddelt hatte, war nicht dabei. Die Polizei wird das Geld nun ins städtische Fundbüro bringen, wo es dann weiter auf seinen Besitzer warten wird. Der Pilzfreund bekommt zunächst einen Finderlohn. Wenn aber nach einem halben Jahr immer noch keiner gefunden ist, dem der Zaster gehört, dann kriegt der Finder den ganzen Batzen. Dann kann er entweder weiter Pilze suchen – oder sie sich in beliebiger Menge einfach nach Hause bringen lassen.  Lars Bargmann

Wraps statt nackte Haut FREIBURG. Die berühmt-berüchtigte Playboy-Bar ist Geschichte. Wo früher Barbusiges zu sehen war, werden jetzt jede Menge verschiedene TofuWraps aufgetischt. Myriam Möller und Wanja Semlitsch haben die „Bar“ im Namen behalten, nennen das runderneuerte Erdgeschoss in der Moltkestraße aber jetzt Cafébar Freestyle. Es gibt 30 Tische. Und Gute-Laune-Elektrobeats.

Visualisierung: © FSB

Penunse statt Pilze

Siegerentwurf: Luftig leicht kommt das organische Gebäude daher. Dass die Bäume quasi durchs Dach wachsen sollen, passt irgendwie zu Freiburg.

FREIBURG. Der von der Freiburger Stadtbau GmbH (FSB) geplante Pavillon am Siegesdenkmal wird fast doppelt so teuer wie zunächst taxiert. 2,1 statt der zunächst veranschlagten 1,1 Millionen Euro wird das bereits im Bau befindliche Gebäude kosten. Dafür gibt es 225 unterirdische und 225 oberirdische Quadratmeter. Ins Erdgeschoss soll ein Restaurant einziehen. 450 Quadratmeter für 2,1 Millionen Euro, das ergibt einen Quadratmeterpreis von 4666 Euro. Eine erstaunliche Zahl. FSB-Sprecher René Derjung verweist darauf, dass die erste Planung nur ein Café vorsah, nach dem Architektenwettbewerb (Sieger: J. Mayer H. und Partner aus Berlin) aber klar geworden sei, dass in dem durchaus attraktiven Gebäude auch ein richtiges Restaurant Platz hätte und dafür umfangreiche technische (Lüftung) und räumliche (mehr Nebenflächen im Untergeschoss) Verbesserungen eingeplant wurden.

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Wer die Gastronomie, zu der auch eine attraktive Außenfläche zählt, betreiben wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Die Mieten aus dem Restaurant und der Nutzung durch die Freiburger Verkehrs AG (Personal- und Technikräume) sollen jedenfalls den Kapitaldienst aus den 2,1 Millionen Euro Investitionen stemmen können. „Ich bin mir sicher, dass dieses Gebäude eine Bereicherung für die Innenstadt darstellt und Freiburg an prominenter Stelle städtebaulich positiv prägen wird“, sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon beim Spatenstich. Der Pavillon werde „nicht nur hinsichtlich seiner Gestaltung einmalig in Freiburg sein“, so FSB-Geschäftsführerin Magdalena Szablewska. Und zu einem beliebten Treffpunkt der Freiburger werden. Das kann er dann ab Ende kommenden Jahres beweisen.   bar


Menschen und Meldungen

Engel soll’s richten Baubürgermeister Martin Haag mit Personalrochade FREIBURG. Freiburgs Baudezernent Martin Haag (parteilos) hat den Baurechtsamtsleiter Rüdiger Engel (59) überzeugt, neuer Chef einer neuen, größeren Projektgruppe Dietenbach zu werden. Die wird direkt dem Bürgermeister unterstellt und ist damit nicht mehr wie bisher über mehrere Dezernate verteilt. Die bisherige Gruppen-Leiterin Annette Schubert (42) wird dafür die Arbeitsgruppe „Interkommunale, planerische Kooperation“ leiten und sich etwa um Ausgleichsflächen oder gemeinsame Siedlungsflächen kümmern. „Das Projekt Dietenbach tritt in seine entscheidende Phase, es sind unter anderem zehn Rechtsverfahren abzuarbeiten, Rüdiger Engel ist unser erfahrenster Jurist, er ist genau der richtige Mann dafür“, erzählt Haag im Gespräch mit dem business im Breisgau. Engel musste mehr als eine Nacht über das Angebot schlafen. „Meine Mission, das Baurechtsamt besser aufzustellen,

ist noch nicht erfüllt. Ich hätte das gerne noch zu Ende gemacht.“ Am 1. Januar wird er dennoch seine Behörde verlassen. Es ist nicht zuletzt der Zeitdruck, der Haag zum Handeln zwang: Die Sparkasse Freiburg braucht sehr schnell sehr exakte Daten über die Grundstücke, die für die Entwicklung des neuen Stadtteils wirklich benötigt und von privaten Eigentümern gekauft werden sollen. Und es braucht jemanden, der mehrere, parallel anzustoßende Rechtsverfahren rechtssicher managen kann, sodass Klagewilligen kein Wind ins Segel fällt. Fürs Rathaus und das Kreditinstitut geht es um ein 650 bis 700 Millionen Euro schweres Projekt. Ein Ringen von einzelnen Ämtern aus mehreren Dezernaten ohne eine machterfahrene Führung und machtausübende Struktur kann sich die Stadtverwaltung nicht leisten. Deswegen ist die Gruppe nun direkt Haag unterstellt.  bib / bar

Mission noch nicht erfüllt

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Menschen und Meldungen

Berufsbegleitend studieren

Volksbank baut Hotel An der Eisenbahnstraße entsteht ein Courtyard

KARLSRUHE. Mit mehr als 42.000 Studierenden ist die FOM die größte private Hochschule Deutschlands. Am Standort Karlsruhe werden Fachleute ausgebildet, „die das Gesundheitsund Sozialwesen aus administrativer, pflegerischer und psychologischer Sicht gestalten“, sagt Andreas J.W. Goldschmidt, der Sprecher des FOM Hochschulbereichs Gesundheit & Soziales. Das Karlsruher Studienangebot im Gesundheitsbereich umfasst die Bachelor-Studiengänge Angewandte Pflegewissenschaft, Pflegemanagement und Soziale Arbeit sowie Medizinmanagement und Public Health im Master. Sie bietet Berufstätigen und Auszubildenden an bundesweit insgesamt 29 Hochschulzentren die Möglichkeit, staatlich und international anerkannte Studiengänge berufsbegleitend zu absolvieren – auch in den Bereichen Wirtschaft & Management, Psychologie und Ingenieurwesen. Am 23. November ab 17 Uhr gibt es an der FOM Hochschule eine Info-Veranstaltung zu den Pflege- und Gesundheitsstudiengängen. Es sprechen die Referenten Claus Gleber (Universitätsmedizin Mannheim, FOM Dozent) und Rüdiger Hochscheidt (IT-Berater im Gesundheitswesen). www.fom.de/karlsruhe

Schladerer baut Stellen ab STAUFEN. Die Brennerei Schladerer in Staufen baut nach Informationen der BZ vier Stellen ab. Das Traditionshaus lagert Logistik- und IT-Leistungen aus. Auch das Betriebsgelände wird kleiner: 7000 Quadratmeter werde der Freiburger Bauträger Gisinger bebauen, 4000 Quadratmeter gehen an die Stadt Staufen.

Visualisierung: © Hadi Teherani Architects

Infotag an der FOM in Karlsruhe

Markante Eckbebauung: Die Freiburger Volksbank investiert hier 84 Millionen Euro. Das Hotel liegt im Entwurf rechts hinten. FREIBURG. Die Volksbank Freiburg baut an ihrem Stammsitz an der Bismarckallee nicht nur ein neues Bankgebäude, eine neue Aula fürs St. Ursula-Gymnasium sowie Einzelhandels- und Büroflächen, sondern auch ein neues Hotel an der Eisenbahnstraße. Die Genossen haben dafür jetzt einen Pachtvertrag mit der Schweizer SV Hotel geschlossen, die in einer Franchise-Partnerschaft mit Marriott International zusammenarbeitet. Das Hotel der Marke Courtyard wird 156 Zimmer haben (das unlängst geschlossene Hotel Rheingold hatte nur 50) und von SV Hotel betrieben. Es gibt bereits drei Courtyard Hotels an den Standorten München, Zürich und Basel. „Wir freuen uns sehr, nach den positiven Erfahrungen mit unseren drei Courtyard Hotels nun ein weiteres Courtyard in Freiburg zu lancieren“, so Beat Kuhn, der Geschäftsführer von SV Hotel. „Mit SV Hotel haben wir ei-

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nen geeigneten Hotel-Partner für unser Neubauprojekt gefunden. Für die Volksbank Freiburg ist dies ein wichtiger Schritt bei der Vermarktung der gewerblichen Flächen des Areals“, sagt Uwe Barth, der Vorstandssprecher der Volksbank Freiburg. Der Baubeginn auf dem VolksbankAreal ist im ersten Halbjahr des kommenden Jahres geplant. Die ersten Gäste können im Laufe des Jahres 2021 im Hotel einchecken. SV Hotel gehört zu SV Group, einer Schweizer Gastronomie- und Hotelmanagement-Gruppe. Als Franchisenehmerin von Marriott betreibt SV Hotel die Marriott-Marken Courtyard, Residence Inn, Renaissance und Moxy in der Schweiz und in Deutschland. Marriott International Inc. ist der weltweit größte Hotelkonzern mit mehr als 5700 Häusern in über 110 Ländern.  bib


Menschen und Meldungen

EnBW stoppt Pumpspeicherkraftwerk

Freiburger Agentur  gewinnt Red Dot Design Award

Ben Waschk, Martin Ludwig Hofmann und Michael Schleiner (v.l.).

Visualisierung: © Schluchseewerk AG.

So sehen Verlierer aus: Das geplante Pumpspeicherwerk mit den beiden Seen ist Geschichte. ATDORF. Das geplante Pumpspeicherwerk Atdorf wird nicht gebaut. Der Energieversorger EnBW hat das umstrittene Groß-Projekt im Hotzenwald gestoppt. Bauherrin wäre die Schluchseewerk AG gewesen, eine Tochter von EnBW und RWE. 1,6 Milliarden Euro hätte das Pumpspeicherwerk samt 75 Meter hoher Stützmauer und zweier Seen gekostet, die 18 Millionen Liter Wasser fassen. Atdorf sollte 1400 Megawatt leisten und damit so viel Strom produzieren wie ein großes Atomkraftwerk. Die Eingriffe in die Natur sind erheblich. Für die Energiedienst Holding AG verursacht der Abbruch des Projekts ein dickes Minus in der Bilanz. Der schweizerisch-deutsche Stromkonzern mit Sitz in Laufenburg gab eine Gewinnwarnung heraus. Das prognostizierte Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 40 bis 50 Millionen Euro für 2017 werde voraussichtlich nicht erreicht. Der Abbruch wird, heißt es in einer Pressemitteilung, das Ergebnis um bis zu 11 Millionen Euro verschlechtern.

FREIBURG. Eine der begehrtesten internationalen Auszeichnungen der Design-Branche geht nach Freiburg: Schleiner + Partner Kommunikation gewinnt den Red Dot Design Award. Mehr als 8000 Arbeiten aus 50 Nationen waren ins Rennen geschickt worden. „Wir sind noch immer sprachlos über diesen Erfolg. Im Kreis der Besten ganz vorne zu stehen, ist schon etwas Besonderes“, sprachen Michael Schleiner und Martin Ludwig Hofmann, die Geschäftsführer. Ausgezeichnet wurden die Freiburger Werbestrategen für die von ihnen entwickelte Smartphone-App iMamaiPapa.  bib / bar 5 Anzeigen

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Ausbildung

Ehre, wem Ehre gebührt

Die IHK ehrt ihre Besten

Burger beerbt Endress

HWK Freiburg stellt 15 Landessieger

Drei Bundessieger aus Südbaden

Neuer Präsident des WVIB

Foto: © Fotohütte Bernstadt

Foto: © IHK/Petra Enghauser

Foto: © WVIB

Dem Nachwuchs eine Ehre: Die ausgezeichneten Junghandwerker aus Südbaden.

Die Gruppenbesten der Kammer, eingerahmt von Steffen Auer (l.) und Andreas Kempff (r.).

Thomas Burger: »Hören wir mit der Verbreitung von Panik auf.«

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Für ihre außerordentlichen Leistungen sind die besten Gesellinnen und Gesellen geehrt worden. Bei dem Wettbewerb, der schon seit 1951 stattfindet, können junge Handwerker ihre Fähigkeiten auf Kammer-, Landes- und auch auf Bundesebene unter Beweis stellen: Die Landessieger treten am 2. Dezember beim Bundeswettbewerb an. Im Gestaltungswettbewerb erkämpften außerdem zwei Junghandwerkerinnen aus Südbaden, Svenja Lopenz und Marina Friedrich, je einen ersten Platz. Die Besten des Landes aus Südbaden sind: Daniel Weber, Ulrich Zimmermann, Eric Langner, Timo Burgert, Nnzinga Pauline Woltemate, Carolin Sackmann, Philipp Werner, Lena Peter, Johannes Wieseler, Janik Tittel, Daniel Ganter, Jessica Bühler, Laura Heckel, David Simons und Christian Bell.  bib

„Es ist eine große Ehre für mich, heute mit Ihnen hier sein zu dürfen“, begrüßte IHK-Präsident Steffen Auer die Azubis, die an diesem Abend aus dieser Bezeichnung soeben entwachsen waren. 4379 Prüflinge hatte es im gesamten Kammerbezirk (Freiburg sowie die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen) gegeben. 4205 hatten die letzte Hürde ins Berufsleben bestanden. „Sie stehen hinter der Marke Made in Germany“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff. Die drei Bundesbesten sind Kevin Schoner aus Freiburg (IT-Systemelektronik), Fabian Wanetzky aus Breisach (Versorgungs- und Ausrüstungstechnik) und Vanessa Meyer aus Bonndorf (Kauffrau im Groß- und Außenhandel). bib

Burger beerbt damit Klaus Endress (Endress+Hauser), der dem WVIB neun Jahre lang vorstand und am 10. November für sein Engagement aus Händen von Finanzministerin Edith Sitzmann das Bundesverdienstkreuz überreicht bekam. Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Freiburger Uni, verlieh dem scheidenden Präsidenten zudem die Ehrensenatorenwürde. Burger sagte vor fast 500 Gästen im Konzerthaus: „Die Steuereinnahmen sprudeln, weil die Wirtschaft läuft. Hören wir mit der staatlich subventionierten Verbreitung von Panik auf. Schaffen wir lieber den Soli ab und bauen unsere Infrastruktur und unser Bildungssystem kraftvoll aus. Und verschonen Unternehmer mit Bürokratie.“  bib

ertreter der Handwerkskammer Ulm haben unlängst im Konzerthaus Heidenheim die besten Nachwuchshandwerker Baden-Württembergs 2017 geehrt. Das südbadische Handwerk stellte beim Leistungswettbewerb „PLW – Profis leisten was“ 15 Landessieger.

it einem Festakt im Freiburger Konzerthaus hat die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK) die besten Absolventen der Abschlussprüfungen des Jahres 2017 geehrt. Unter ihnen waren neun Landes- und drei Bundesbeste.

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homas Burger, Geschäftsführender Gesellschafter der Burger Group in Schonach, ist neuer Präsident des Wirtschaftsverbandes Industrieller Unternehmen in Baden (WVIB). Der 56-jährige Familienunternehmer steht als langjähriges wvib-Mitglied in der Tradition einer liberal verstandenen sozialen Marktwirtschaft.


Konjunkturklima

IHK fordert flexiblere Arbeitszeiten Geschäftslage auf Rekordniveau / Gewerkschaft widerspricht

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Foto: © istock.com / kali9

ie Wirtschaft in Südbaden setzt ihre positive Entwicklung fort. Vertreter der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK) melden auch für den Herbst Wachstum. Konstanz beweist aber auch der anhaltende Fachkräftemangel – und trübt das Investorenklima. Branchenvorsitzende appellierten vor Journalisten an die neue Bundesregierung, die Arbeitsgesetze zu lockern. IHK-Präsident Steffen Auer berichtete über erfreuliche Ergebnisse: So stieg der Höchstwert der Geschäftslagebewertung vom Frühsommer um drei auf nun 57 Punkte. Nur drei Prozent der Betriebe sind unzufrieden. Ängste über negative Einflüsse durch Trump oder Brexit hätten sich aber nicht bestätigt. Obwohl die Betriebe im IHK-Bezirk im vergangenen Jahr rund 9000 Arbeitsstellen geschaffen haben: In den kommenden Monaten sind nur bei jedem vierten Neueinstellungen geplant. Grund dafür, so Auer, sei der allgemeine Fachkräftemangel, der endgültig bei den Unternehmen angekommen sei und durch den demographischen Wandel noch verschlimmert werde. Das Anwerben ausländischer Arbeitskräfte als mögliches Instrument würde vor allem an der hohen deutschen Sprachbarriere scheitern. Die Vertreter beklagten zudem die deutschen Arbeitsgesetze, die in ihrer jetzigen Fassung sowohl den Betrieben als auch ihren Arbeitnehmern hinderlich seien. „Niemand soll mehr arbeiten“, versichert Peter Erhardt, selbst Gastronom und Vorsitzender des IHK-TourismusAusschusses. Er wünscht sich schlicht eine Flexibilisierung des Arbeitsgesetzes, die etwa einem Kellner in seiner Wirtschaft erlauben würde, bei einer

Vertreter der Gastrobranche wollen ihr Personal optimal einsetzen, scheitern aber zuweilen am Gesetz.

Hochzeit punktuell länger zu arbeiten. Die an dem Tag aufgegebene Freizeit könne er an anderer Stelle nachholen. „Service zeichnet unser Gewerbe eben aus“, so Erhardt. Das Arbeitszeitge-

Rigide Regelung erzwingt RaststättenNächte setz sieht eine maximale Arbeitszeit von acht Stunden an einem Werktag vor. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten kritisierte die Forderungen. Noch flexiblere Arbeitszeiten würden nur zu noch höheren Problemen bei der Gewinnung von Personal führen. Auch Peter Welling, der Vorsitzende des Verkehrsgewerbes, hofft auf die

neue Bundesregierung: Zwar brumme seine Branche weiterhin, doch die wichtigen und minutiösen Kontrollen seiner Lastwagenfahrer hätten oft zur Folge, dass Fahrer durch einen unvorhergesehenen Stau wenige Kilometer von zu Hause auf einem Rastplatz nächtigen müssten: „Deutsche Fahrer wollen abends zu Hause sein.“ Weiteren Handlungsbedarf sieht Welling beim inländischen Transportwesen gegenüber Anbietern gerade aus dem osteuropäischen Raum: Lokale Speditionen seien im Nachteil, weil Fahrer aus dem Ausland im Falle eines Verstoßes gegen die starren Lenk- und Ruhezeiten die Angelegenheit durch ein schlichtes Bußgeld regeln könnten. Auf deutscher Seite hätte so ein Vorfall schnell eine komplette Betriebsprüfung zur Folge.  Philip Thomas

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Finanzen

Mit Schatz auf die Güterstandsschaukel Wie Eheleute die Schenkungssteuerfalle umgehen können

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Fotos: © ns, istock.com / cookelma

er Fiskus legt sich auch ins Ehebett: Finanzbeamte achten mehr und mehr auf unentgeltliche Zuwendungen oder Schenkungen zwischen Ehegatten. Auch gar nicht beabsichtigte Schenkungen können zu einem Schenkungssteuerproblem werden. Beispiele für solch unbeabsichtigte Schenkungen sind etwa der Erwerb einer gemeinsamen Immobilie, obwohl der Kaufpreis nur von einem der Ehepartner gezahlt wird, die Übernahme von Versicherungsbeiträgen durch einen Ehegatten für den anderen oder Einzahlungen von einem Ehegatten auf ein gemeinschaftliches Konto. Überall dort kann die Schenkungssteuerfalle zuschnappen. Denn wenn solche Zuwendungen nachträglich entdeckt werden, können sich Ehegatten in der Regel nicht auf die Festsetzungsverjährung berufen, da diese nach der Abgabenordnung nicht vor dem Ablauf des Kalenderjahres beginnt, in dem der Schenker gestorben ist oder die Finanzbehörde von der Schenkung Kenntnis erlangt hat. Grundsätzlich fällt Schenkungssteuer unter Ehegatten allerdings erst an, wenn der alle zehn Jahre gewährte persönliche Freibetrag in Höhe von 500.000 Euro überschritten wird. Als mögliche Maßnahmen zur Vermeidung ungewollter Zuwendungen kommt zunächst eine Klarstellungsvereinbarung in Frage. Insbesondere bei Einzahlungen auf gemeinschaftliche Oder-Konten oder Depots kann durch eine Innenvereinbarung eine Schenkung vermieden werden: Die hälftige Zurechnung des Oder-Kontos kommt

Obacht beim Finanzieren von Immobilien: Mathias Hecht ist Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Geschäftsführer bei der Hecht Bingel Müller & Partner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Freiburg. www.hbm-partner.de nämlich nur dann in Betracht, wenn der andere Ehegatte im Verhältnis zum einzahlenden Ehegatten tatsächlich und rechtlich frei über das eingezahlte Guthaben verfügen kann. Eine Innenvereinbarung sollte schriftlich dokumentiert werden. Es ist darüber hinaus zu empfehlen, mit der Klarstellungsvereinbarung lediglich die Vergangenheit zu bereinigen, aber künftig die gemeinschaftlichen Konten als Einzelkonten fortzuführen und wenn nötig wechselseitige Kontovollmachten einzuräumen. Wenn eine Klarstellungsvereinbarung allein keinen Erfolg verspricht, kann die sogenannte Güterstandsschaukel helfen. Leben die Ehepartner im Güterstand der Zugewinngemeinschaft und haben während des Bestehens dieses Güterstandes unentgeltliche Zuwendungen getätigt, können sie den Güterstand der Zugewinngemein-

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schaft vertraglich aufheben, Gütertrennung vereinbaren und die ungewollten Zuwendungen als Vorausempfänge auf die dann fällig werdende, aber nicht schenkungssteuerrelevante Ausgleichsforderung (Zugewinnausgleich) anrechnen. Der fällige Zugewinnausgleich muss allerdings nach Maßgabe der zivilrechtlich eingeräumten Gestaltungsspielräume ermittelt werden, damit dieser schenkungssteuerfrei bleibt. Danach steht es den Ehegatten frei, wieder in den Güterstand der Zugewinngemeinschaft zurück zu schaukeln. Somit können bereits unter Lebzeiten erfolgte Schenkungen in einen nicht schenkungssteuerrelevanten Zugewinnausgleich transformiert werden. Der Bundesfinanzhof hat die Güterstandsschaukel steuerlich gebilligt. 

Mathias Hecht


Finanzen

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Finanzen

Kolumne

Von scharfen Schwertern und guten Unternehmernachfolgen

Land unter – was nun? Elementarversicherung bietet finanziellen Schutz vor Naturgewalten

Foto: © privat

Der Freiburger Steuerberater Erik Herr ist ein Routinier im Geschäft. Für die bib-Leser berichtet er in jeder Ausgabe über Nützliches & Kurioses, Aktuelles & Steuerbares.

Ein Generationswechsel in einem Unternehmen sollte nicht nur steuerlich gut vorbereitet sein, auch Zivilrecht, Finanzierung und Psychologie müssen Beachtung finden. Wobei aus unserer Sicht letztlich die Psychologie entscheidend ist. Denn wenn es auf der persönlichen Ebene nicht passt, wird auch die beste Vorbereitung der anderen Bereiche nicht zum Erfolg führen. Wir wollen einen Übergang möglichst steuerneutral oder steuerschonend gestalten und können je nach persönlicher Zielsetzung unterschiedliche Ansätze anbieten. Wenn die Heranführung eines Nachfolgers das Ziel ist, könnte dieser etwa unentgeltlich und ohne Aufdeckung stiller Reserven als Mitunternehmer aufgenommen werden. Steht die Versorgung des Übergebers im Fokus, wäre statt eines Verkaufs zu vollem oder teilweisem Wert – mit allen steuerlichen Folgen – auch eine Übergabe gegen Versorgungsleistungen denkbar. Diese wären beim Übergeber sonstige Einkünfte, beim Übernehmer Sonderausgaben. Wenn der Übergeber weiter das Sagen haben möchte, könnte auch das Nichts-Tun und Warten auf den Erbfall ratsam sein, da dann am Ende das Unternehmen zu Buchwerten überginge. Das Sagen haben möchten auch die Finanzbehörden. Deswegen gab es in Deutschland schon immer kein explizites Bankgeheimnis, da die Geldinstitute zur Auskunft gegenüber den Behörden verpflichtet waren. Die einzige – wenn auch seit jeher schwache – Einschränkung, dass sie nur bei belegbarem Interesse alle Informationen anfordern dürfen, wurde inzwischen ersatzlos gestrichen. Es bleibt abzuwarten, wie das Finanzamt das nun sehr scharfe Schwert des Auskunftsersuchens nutzen wird! www.herr-stb.de

Foto: © Württembergische Versicherung

Ein Fall für die Versicherung: Mit den extremer werdenden Wetterbedingungen erhöht sich auch das Risiko.

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luten, Hagel oder Erdbeben: Heftige Unwetter sorgen immer häufiger in Deutschland für Zerstörungen an den eigenen vier Wänden. Starkregen verwandelt kleine Bäche in reißende Flüsse und überflutet so ganze Stadtteile und Ortschaften – Geröll und Schlamm inklusive. Unwetter solchen Ausmaßes können jeden treffen. Aber oft sind Betroffene dagegen nicht geschützt. Eine Lösung hierbei bietet die Elementarversicherung. Viele Menschen im Raum Südbaden haben ihre Wohngebäudeversicherung durch eine Versicherung gegen Elementargefahren ergänzt. Diese schützt bei Schäden, die durch Naturgewalten wie Starkregen, Erdrutsche oder Lawinen entstehen, vor finanziellen Folgen. Wird zusätzlich noch Hausrat in Mitleidenschaft gezogen, kann dieser in der Regel durch eine Ergänzung der Hausratversicherung abgesichert

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werden, indem die Versicherung des Hausrats gegen Elementargefahren gezielt mit aufgenommen wird. Doppelt hält besser – deswegen ist es sinnvoll, beide Versicherungen als Kombination bei einem Anbieter abzuschließen. Sind im Schadensfall sowohl das Haus als auch die Inneneinrichtung betroffen, liegen die Begutachtung des Schadens und dessen Regulierung in einer Hand. Die Abwicklung wird so deutlich vereinfacht und beschleunigt. Doch die abgeschlossene Versicherung sollte nicht ad acta gelegt werden. Peter Stübing, Regionaldirektor der Württembergischen in Freiburg, rät Versicherten, spätestens alle drei Jahre im Gespräch mit einem Fachmann zu klären, ob eine Anpassung etwa aufgrund baulicher Veränderungen notwendig ist. So kann einer möglichen Unterversicherung vorgebeugt und Problemen bei der Schadensübernahme entgegengewirkt werden.  bib


Finanzen

Renditestark und flexibel Der Allianz Schatzbrief

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er einen größeren Betrag sicher, rentabel und trotzdem flexibel investieren will, weiß im aktuell angespannten Finanzmarkt oft nicht weiter. Der Allianz Schatzbrief erfüllt genau diese Kriterien. „Je nach Risikoeinschätzung der Kunden sind hohe Erträge bei garantiertem Kapitalerhalt möglich“, sagt Ralf Tettenborn, Inhaber der Allianz Agentur Dees & Partner. Für jeden Anlagetyp gebe es den passenden Schatzbrief: Von der soliden bis zur risikoreichen Anlagestrategie biete der Schatzbrief jede Variante. Um das Vermögen zu wahren und zu mehren, müssen die Chancen richtig genutzt werden. Die Anlagekonzepte der Allianz sind seit vielen Jahren erfolgreich. Der Schatzbrief nutzt alle Vorteile einer Rentenversicherung und bleibt trotzdem flexibel. Der Anleger kann

jederzeit Geld entnehmen oder einzahlen. Es muss nur ein verhältnismäßig geringer Betrag auf dem Vertrag dauerhaft stehen bleiben. Diese Art der Anlage – gegen Einmalbeitrag oder laufende Einzahlung – eigne sich für inhabergeführte Firmen, die mittel- bis langfristig planen. Aber auch für kurzfristige Liquidität kann der Schatzbrief im Notfall – wenn ausreichend Guthaben vorhanden ist – genutzt werden. Der Schatzbrief biete in der aktuellen Finanzmarktsituation eine flexibel zu handhabende Geldanlage mit der Sicherheit einer Rentenversicherung mit vergleichsweise hohen Zinserträgen. Und: Auch der Privatanleger kann den Allianz Schatzbrief ab 3000 Euro zeichnen. Dabei bietet er bei aller Sicherheit und Flexibilität alle steuerlichen Vorteile einer Rentenversicherung.  bib

Check der KFZ-Versicherung Nur noch bis Ende November

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5 Anzeige

lljährlich im Herbst werben die Autoversicherer verstärkt Kunden, weil die meisten Verträge bis zum 30. November noch gewechselt werden können. Der Werbespruch „Wer nicht vergleicht, ist blöd“ ist dabei zuweilen durchaus zutreffend. Zunächst aber sollte man den eigenen Vertrag mal auf Aktualität prüfen: Brauche ich für einen zwei Jahre alten Wagen noch eine Neuwagenentschädigung? Fährt der mitversicherte Nachwuchs überhaupt noch mit dem Auto der Eltern? Fahre ich noch so viel wie bei Vertragsschluss angegeben? Brauche ich eine Vollkaskoversicherung? Bei Autos unter einem Marktwert von 5000 Euro eher nicht, rechnen Experten vor. Laut einer aktuellen Analyse von Check24, die gerade die Versicherungslegende Herr Kaiser mit Werbespots endgültig in Rente geschickt haben, ist eine reine Haftpflichtversicherung im Schnitt 54 Prozent günstiger als eine mit Vollkasko. Reduziert man auf Teilkasko, kann man im Schnitt 37 Prozent sparen. Seine KFZ-Versicherung zu entrümpeln, kann einiges wert sein. Den Anbieter zu wechseln auch.  bib chilli | business im Breisgau | 11.2017 | 37


Automobil

»Bau am offenen Herzen« Kestenholz investiert 25 Millionen Euro in Südbaden

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Fotos: © tas, bar

eue Modelle als lebensgroße 3D-Projektionen. MultiTouch-Tische mit Lack- und Polstermustern zum Anfassen. Die Konfigurierung des Wunschwagens per Tablet. So soll bei Kestenholz die nächste Generation Autohaus aussehen. Und das ist keine ferne Zukunftsmusik: Bis Ende 2020 will der Mercedes-Händler seinen Freiburger Sitz fit für die Zukunft machen. Neun bis zwölf Millionen Euro nimmt er dafür in die Hand. Insgesamt sollen bis 2025 rund 25 Millionen Euro in die vier deutschen Standorte fließen. Die erste Veränderung ist schon sichtbar: Wo bis Ende Oktober der gläserne Turm des Smart Centers stand, klafft nun ein Bauloch. Es wird nicht der einzige Abriss bleiben: Ein Teil des Autohauses im Gewerbegebiet Haid soll einem Neubau weichen, die Bereiche PKW und Nutzfahrzeuge werden dadurch räumlich klar getrennt. In Lörrach und Bad Säckingen geht der Basler Händler, der seit anderthalb Jahren in Deutschland aktiv ist, noch einen Schritt weiter: Hier will man sich bald ausschließlich auf PKW konzentrieren. Dafür entsteht in Weil am Rhein im kommenden Jahr ein neues Nutzfahr-

Voller Einsatz: Thomas Kestenholz und Volker Speck (ohne Herrenschuh) bauen den Standort Freiburg um. Der Smarttower (unten) ist mittlerweile – wir berichteten exklusiv – abgerissen. zeugzentrum. Der Standort in Lörrach wird bis 2025 komplett abgerissen und neu gebaut, in Bad Säckingen zieht die Niederlassung innerhalb der nächsten vier Jahre um. „Der gesamte Betrieb wird ein neues Gesicht erhalten“, kündigt Geschäftsführer Volker Speck an. In Freiburg sei dafür ein „Bau am offenen Herzen“ nötig. Wo momentan Gebrauchtwagen verkauft werden, soll eine Hightech-Verkaufsfläche entstehen. „Wir können nicht alle Modelle im Haus haben“, sagt Speck. „Stattdessen wird es 1:1-Bildschirme geben, an denen das Auto konfiguriert wird.“ Auch auf die Veränderung der Mobilität will sich Kestenholz einstellen: Beim Umbau werden zusätzliche ElektroZapfsäulen installiert. Schließlich will Daimler neben seinen sieben Hybridfahrzeugen bis 2022 auch sieben reine Elektromodelle auf den Markt bringen, Anfang 2018 soll zudem der erste Wasserstoff-Hybrid auf die Straße. „In fünf Jahren werden wir zehn bis zwanzig Prozent E-Fahrzeuge verkaufen“, prognostiziert Thomas Kestenholz, der das Familienunternehmen in der dritten Generation leitet. Dass Elektromobilität gefragt ist, sobald sich der Preis

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dem Benziner anpasst, beweist momentan der Smart: Von den Kleinstwagen, die bei Kestenholz vom Hof rollen, haben stolze 60 Prozent einen Elektroantrieb. Kestenholz investiert übrigens auch selbst in den Klimaschutz: Auf den Neubau am Freiburger Stammsitz kommen Solarmodule.  Tanja Senn

Zahlen & Fakten Kestenholz Deutschland

Verkaufte Neufahrzeuge: 2478 (2016) / 2620 (Erwartung 2017) Verkaufte Gebrauchtfahrzeuge: 2388 (2016) / 2450 (Erwartung 2017) Umsatz 2017: 190 Mio. Euro (Vergleich zu 2016 wegen Übergang von Daimler nicht möglich) Marktanteile PKW: 18,9 % (2016) / 22,9 % (08/2017) Marktanteile Transporter: 19,0 % (2016) / 17,6 % (08/2017) Marktanteile LKW: 37,6 % (2016) / 33,5 % (08/2017)


Automobil

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Automobil

Ökonomisch mit Stil Mit dem neuen Sportbrake will Jaguar Business-Kunden gewinnen

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Fotos: © bar

igentlich wollten sie ja nicht, aber die Nachfrage war doch zu groß: Jaguar hat seinem jüngsten XF nun auch einen Kombi, den Sportbrake, zur Seite gestellt. Wirkte der Vorgänger noch etwas halbherzig, ist der Neue nun dank sportlicherer Rücklichter und edlerer Dachlinie durchaus stylisch geworden. Und wirtschaftlich: Die sparsameren VierzylinderAggregate sollen vor allem das Flottengeschäft ankurbeln. 1,6 Quadratmeter. Das ist nicht die Grundfläche des Kofferraums, so groß ist das Panoramadach, das damit derzeit das größte auf einem PKW ist. „Kann ich noch mitfahren“, fragt der Kreisläufer. Wir sitzen schon zu viert im XF, aber ist ja kein Problem: Es fliegt die fünfte Handballer-Sporttasche in den Kofferraum – neben die Kiste mit den Kaltgetränken und die Trikottasche. 565 Liter fasst er, bei umgeklappter Rückbank (dreigeteilt) sogar 1700. Obwohl Jaguar mit dem F-Pace, dem E-Pace und dem I-Pace den Angriff auf die SUV-Klasse schon erfolgreich gestartet hat, bezeichnete der Spiegel den Sportbrake als „den besseren SUV“. Durchaus nachvollziehbar. Der Testwagen-Vierzylinder ist mit 240 PS ausgerüstet, zieht auch vollbeladen souverän durch und lässt sich auch dank der luftgefederten Hinterachse

sehr präzise manövrieren. Und man sitzt dabei nicht wie zu Pferde, sondern auf der Straße. Auf der Rückbank gibt es sogar mehr Kopffreiheit als in manchem SUV. Das digitale Cockpit verdient sich diese Bezeichnung durch die hochgezogene Umrahmung, die den Fahrer gleichsam umschließen. Das in Sonderausstattung bis zu zehn Zoll große Display lässt sich wie ein Smartphone bedienen, das deutlich bessere Navi liefert nun fast in Echtzeit alle wichtigen und nicht verzögert auch weniger attraktive Information. Auch das Heck ist besser gelungen als beim Vorgänger, die halbrund ausgeschnittenen Rücklichter erinnern an den Sportwagen F-Type. Wer den Wagen öffnet, wird von einem pulsierenden Startknopf empfangen, der 72 Mal pro Minute blinkt – das ist die Frequenz eines Jaguars in der Wildnis, wenn er nicht gerade auf Beutejagd ist. Beute macht der mit einer ganzen Fußballmannschaft von Assistenzsystemen ausgestattete Sportbrake (es gibt sogar einen Müdigkeitswarner) vor allem im Businessgeschäft. Es gibt zwar in diesem Segment viele Alternativen (etwa A 6, 5er BMW oder die E-Klasse), wer aber nicht mit dem Mainstream schwimmen möchte, hebt sich mit dem XF ab. Der Kombi dürfte aber auch bei Freizeitsportlern punkten, die Heckplatte lässt sich ohne sie anzufassen, öffnen,

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der aus dem F-Pace bekannte Activity Key macht beim Sporttreiben den Schlüssel überflüssig. In der Basisversion gibt es den Sportbrake ab 43.960 Euro (UVP), beim Jaguar House in Freiburg ab 39.000 Euro. Es gibt fünf Motorisierungen (von 163 bis 300 PS, darunter nur einen Benziner mit 250 PS) und fünf Ausstattungslinien (Pure, Prestige, Portfolio, R-Sport und S). Das Auswärtsspiel in Grenzach ist vorbei, die Fünfergruppe steuert wieder aufs Auto zu. „Kann ich noch bei euch mitfahren?“, fragt der Linksaußen. Nein, das dann doch nicht. bar

Jaguar XF Sportbrake  25d AWD R-Sport Motor:  4-Zylinder-Twinturbo-Diesel Hubraum:  1999 ccm Leistung:  240 PS Getriebe:  8-Gang-Automatik Höchstgeschwindigkeit:  241 km/h Beschleunigung 0-100 km/h:  6,7 Sekunden Basispreis:  39.800 Euro Preis des getesteten XF:  68.800 Euro Monatliche Leasingrate:  ab 388 Euro Mehr Infos: Jaguar House Freiburg, Bötzinger Str. 25, 79111 Freiburg, www.auto.ag


Automobil

Auto-Profis machen »Kultur unter dem Stern« Autohaus Schmolck kann auch Veranstaltungen

Inszenierter Industriebau: Bei Schmolck setzt die Geschäftsführung auch auf Veranstaltungen. Autos raus, Kultur rein.

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in Autohaus verkauft, repariert, prüft und betreut Autos. Richtig? Fast! Denn wenn das Autohaus Schmolck heißt, dann gibt’s noch mehr: Konzerte, Lesungen, Diskussionen, Theater, Versteigerungen. Um die 40 „nicht-automobile“ Veranstaltungen finden Jahr für Jahr statt im „schönsten Konzertsaal Emmendingens“. Angefangen hat diese Kulturarbeit schon 1998: Seniorchef Hansrudolf Schmolck fand, dass der eben errichtete Showroom auch ein fantastischer Konzertsaal wäre. Und da die ganze Inhaberfamilie höchst musikalisch ist, fand dort schon bald das erste Konzert statt: Ein Jazz-Abend, zu dem Maler Dieter Benz Bilder schuf, wie sie ihm die Musik eingab. „Wichtig“, erinnert sich Geschäftsführer Jürgen Henninger, „war für uns damals schon, dass wir nicht von Dritten bestimmt werden, sondern selbst entscheiden.“ So schlägt auch heute noch kein Impresario oder Veranstalter vor, was an Kultur im Autohaus stattfinden soll. Die Anregungen kommen aus der Familie, von Freunden, Institutionen und Vereinen, denen das Autohaus verbunden ist. Meistens stellt Schmolck Künstler aus der Region vor oder Nachwuchstalente. Und wenn es mal keinen regionalen Bezug hat, dann sollte es kein Mainstream sein. „Wir wollen etwas präsentieren, was so nicht oder selten in Emmendingen stattfindet“, erläutert Geschäftsführer Bernhard Schmolck. Zehn bis zwölf Mal im Jahr heißt es „Kultur unterm Stern“, sozusagen die Top-Veranstaltungen; dazu kommen noch bis zu 30 „Nischengeschichten“, so Henninger: eine Veranstaltung für 50 Kardiologen, eine andere für 40 Zahnärzte, Diskussionen, zum Beispiel über Nachfolgeregelungen in Familienunternehmen, Versteigerung von Bildern, eine „Symphonie der Sinne“, ein Jazz-Brunch, eine Krimi-Lesung oder der Frauenabend „Klasse Frauen – Klasse Autos“.

Wichtig ist beiden Geschäftsführern, viele Benefizveranstaltungen für und mit dem örtlichen Lions- und KiwanisClub zu organisieren, deren Erlöse vor allem Kindern in der Region zugute kommen. „Wir übernehmen Location, Aufund Abbau, Strom und Hilfsdienste. Wir versuchen über Sponsoren die Künstlerkosten zu finanzieren, sodass der Besucher weiß, dass Eintrittsgeld und der Erlös aus dem Catering vollständig für soziale Zwecke eingesetzt werden.“ Da es sich um Einrichtungen der Region handelt, gehe nichts durch Verwaltungsaufwand verloren, komme das Geld komplett und an der richtigen Stelle an. Die Kultur im Autohaus ist ein Erfolg. So war an zwei Abenden beispielsweise das Rock-Musical „Faust“ mit Künstlern aus dem Theater Rigiblick in Zürich ausverkauft. Die Theater-Gruppe des örtlichen Goethe-Gymnasiums spielte als Prolog den Besuch des Dichterfürsten bei seiner Schwester in Emmendingen: 800 Besucher erlebten das Drama in moderner Form mit. „Kulturzeit“ ist zwischen Oktober und März – da wirkt das hellerleuchtete Autohaus auch besonders. Im Sommer, so Bernhard Schmolck, „wirkt unsere Ausstellungshalle durch die später einsetzende Dunkelheit nicht so wie im Frühjahr oder Herbst.“ Für die warmen Monate habe man das Thema „Open-Air“ entdeckt – so traten Queen- und Bee-Gees-Coverbands vor tausenden begeisterten Zuschauern auf – ein Erfolg, den man irgendwann wiederholen will. Der nächste Event findet am 17. März 2018 statt: ein Konzert des Damen-Streichquartetts „La Finesse“. Und wer wissen will, was es bei Schmolck im „Kultur-Jubiläumsjahr 2018“ noch so gibt, den informiert der Newsletter des Hauses.   Stefan Pawellek

Foto: © Schmolck

Geld für soziale Zwecke

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Logistik

Sichere Fracht im Blick Streck Transport aus Freiburg investiert in neue Röntgenanlage

Technik für 320.000 Euro: Die neue Röntgenanlage macht sich dennoch bezahlt.

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Foto: © Streck Transportges. mbH

chneller, kostengünstiger und leistungsstärker: Die 320.000 Euro teure Investition in eine neue Röntgenanlage hat sich für die Spedition Streck Transport gelohnt. Neben dem Sicherheitsgewinn spielt auch der Zeitfaktor eine große Rolle. Mit dem neuen Gerät wird das Unternehmen in Freiburg den Anforderungen des Luftfahrt-Bundesamts (LBA) gerecht.

„Außerdem ersparen wir unserer Kundschaft durch eigene Kontrollen lange Wartezeiten an den europäischen Abflughäfen und höhere Kosten.  Isabel Barquero 5 Anzeige

Schon seit August 2010 verfügt Streck über eine eigene Röntgenanlage in Freiburg. Frachtsendungen können so einfacher und schneller einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden. Diese wurde nun Ende September ausgetauscht. „Die alte Anlage entspricht nicht mehr den Anforderungen des LBA. Somit war ein Ersatz mit neuer integrierter hochauflösender X-Ray-Technik notwendig“, erklärt Luftfrachtleiter Alex Witzigmann. Das neue Röntgengerät von Smiths Heimann unterscheidet sich in den Maßen kaum von der alten Anlage. Weiterhin können Packstücke bis zu 180 mal 180 Zentimeter durchleuchtet werden. Im Schnitt werden täglich zwischen 80 und 130 Sendungen geröntgt. Zu den 320.000 Euro kommen weitere Kosten für Mitarbeiterschulungen und einen Anfahrschutz. Eine große Investition für das 70-jährige Unternehmen, die macht sich aber bezahlt: Denn mit der eigenen Röntgenanlage biete Streck Transport ein Alleinstellungsmerkmal unter den mittelständischen Logistikdienstleistern in Südbaden. Durch die Modernisierung der Anlage steht nicht nur der Sicherheitsgewinn im Vordergrund, sondern auch der Zeitfaktor. „Wir sind durch die neue Technologie sehr leistungsstark im Erkennen von sicherer Fracht“, sagt Witzigmann. chilli | business im Breisgau | 11.2017 | 43


Arbeitsmarkt

»Spannende Impulse« Erster IHKAusbildertag

Extreme Statistiken Nie so viel Beschäftigte, nie so viel offene Stellen Foto: © IHK Südlicher Oberrhein / Petra Enghauser

Der IHK-Ausbildertag 2017 bot viel Raum für Austausch und Diskussion.

Sie haben eine Ausbildung nicht nur angefangen, sondern sie auch bestanden: Applaus für die 2017er Absolventen aus dem südlichen Kammerbezirk im Freiburger Konzerthaus.

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Foto: © IHK Südlicher Oberrhein

ie Anforderungen an Ausbilder wachsen: Neue Berufe, veränderte Jugendgenerationen und Digitalisierung sind die Schlagworte. Das verändert die Berufswelt, aber auch die der Ausbilder. Deswegen hat die IHK Südlicher Oberrhein unlängst den ersten Ausbildertag veranstaltet. Es kamen 80 Teilnehmer. „Mit dem neuen Veranstaltungsformat bieten wir einen bunten Mix aus Vortrag, Workshops, Marktplatz-Ständen sowie Raum für den Austausch untereinander“, sagt Simon Kaiser, Leiter der Abteilung Aus- und Weiterbildung. Ein Vortrag stand unter dem Motto „Generation Vielfalt – was kommt nach der Generation YX?“. Ein Workshop informierte, wie sich das Potenzial von Auszubildenden erschließen lässt, ein anderer, wie Zielgruppen angesprochen werden können. „Ich habe spannende Impulse erhalten“, so der Ausbilder Mario Orgiana. „Das Format ist super“, sagte Ausbildungsleiterin Dagmar Abt. Die IHK wird der Premiere eine zweite Auflage folgen lassen.  bib

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er anhaltende Konjunkturaufschwung sorgt für extreme Zahlen am Arbeitsmarkt: So hat die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Oktober mit 2,389 Millionen oder 5,4 Prozent ihren tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung 1991 erreicht. Das meldet die Bundesagentur für Arbeit. Im Vorjahresmonat gab es noch 150.000 joblose Männer und Frauen mehr. Eine Arbeitslosigkeit unter 2,4 Millionen sei „schon sehr bemerkenswert“, so Bundesagentur-Chef Detlef Scheele. Wer aber alle Jobsuchenden dazurechnet, die aktuell Aus- und Fortbildungen machen, kommt auf 3,367 Millionen Arbeitslose. Eine Million Menschen ist also verdeckt arbeitslos oder unterbeschäftigt. Die Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg sank im Oktober auf 3,3 Prozent, in Freiburg liegt sie bei 5,1 Prozent (minus 0,2 Punkte), im Landkreis

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Emmendingen bei 2,5 (minus 0,2) und im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald bei 2,8 (minus 0,1). In diesen drei Bereichen sind derzeit 12.567 Menschen ohne Job, in Freiburg sind es 6192. Auf der anderen Seite steigt die Zahl der Erwerbstätigen rasant: Ende September lag sie nach Angaben des Statistischen Bundesamts bei 44,65 Millionen. Im Vergleich zum September 2016 bedeutet das ein Plus von 655.000.

Offene Schere am Ausbildungsmarkt Die Zahl der offenen Stellen ist auch rekordverdächtig: Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gab es Ende September knapp 1,1 Millionen, mithin stolze 174.400 mehr als Ende Juni. Dasselbe gilt auch für den regionalen Ausbildungsmarkt, wo Ende September allein bei der Freiburger Arbeitsagentur noch


Arbeitsmarkt

565 Ausbildungsstellen unbesetzt waren. „So viele waren es noch nie. Die Entwicklung wird für Unternehmen immer mehr zu einem ernsthaften Problem. Wir stehen vor einer großen Aufgabe“, sagte Agenturchef Christian Ramm. Insgesamt hatten die Unternehmen 4161 Ausbildungsstellen gemeldet, 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr. „Die Betriebe bilden auf hohem Niveau aus, teilweise sogar über Bedarf. Das ist auch eine Chance für schwächere Bewerber“, sagte Ramm. Die hohe Zahl an unbesetzten Ausbildungsstellen schwäche aber auf Dauer die Innovationskraft der Unternehmen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit. Es werde immer wichtiger werden, Jugendliche für eine duale Ausbildung zu interessieren und sie dafür fit zu machen: „Wir dürfen beim Übergang von der Schule in den Beruf keinen Jugendlichen verloren geben.“  bar

5 Anzeigen

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Fakten

Die Welt, die Wirtschaft in Zahlen Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Oktober 2017 (in Mio.) Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Oktober 2016 (in Mio.) Jahr, in dem die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland zuletzt so niedrig wie im Oktober 2017 

2,389 2,540 vor 1991

Zahl der chronisch Unternährten weltweit im Jahr 2016 (in Mio.) Zahl der chronisch Unternährten weltweit im Jahr 2015 (in Mio.)

815 777

So viele Liter Sekt wurden in den ersten acht Monaten 2017 nach Deutschland importiert (in Mio.) So viele Liter Sekt wurden in den ersten acht Monaten 2016 nach Deutschland importiert (in Mio.)

70,3 68,4 63,4 122,1 1,8 13,4

Umsatz des Bundesligisten SC Freiburg in der Saison 2016/2017 (in Mio.) Umsatz des Bundesligisten Hamburger SV in der Saison 2016/2017 (in Mio.) Gewinn des Bundesligisten SC Freiburg in der Saison 2016/2017 (in Mio.) Verlust des Bundesligisten Hamburger SV in der Saison 2016/2017 (in Mio.) Zahl der Patienten, die im Jahr 2015 in deutschen Krankenhäusern wegen Alzheimer behandelt wurden  Steigerung dieser Zahl im Vergleich zum Jahr 2000 (in Prozent)

19.049 85 121 93 66 112

Zahl der Liter Diesel, die 2016 in Deutschland täglich verkauft wurden (in Mio.) Zahl der Liter Diesel, die 1999 in Deutschland täglich verkauft wurden (in Mio.) Zahl der Liter Benzin, die 2016 in Deutschland täglich verkauft wurden (in Mio.) Zahl der Liter Benzin, die 1999 in Deutschland täglich verkauft wurden (in Mio.) Steigerung der Neuzulassungen von benzinbetriebenen Pkw im Oktober 2017  im Vergleich zum Oktober 2016 (in Prozent) Steigerung der Neuzulassungen von dieselbetriebenen Pkw im Oktober 2017  im Vergleich zum Oktober 2016 (in Prozent) 

18,8 -17,9

Zahl der E-Bikes, die 2016 nach Deutschland importiert wurden  Steigerung dieser Zahl im Vergleich zum Vorjahr (in Prozent)

558.000 50

Umsatz je tätiger Person im Handwerk in Baden-Württemberg im Jahr 2015 (in Euro) Umsatz je tätiger Person im Handwerk in Berlin im Jahr 2015 (in Euro) Umsatz je tätiger Person im Handwerk im Bundesdurchschnitt im Jahr 2015 (in Euro)

121.079 76.506 103.963

Einwohnerzahl von Baden‑Württemberg Ende Juni 2016 (in Mio.) Einwohnerzahl von Baden‑Württemberg Ende Juni 2011 (in Mio.) Anteil von Deutschen an der Steigerung von insgesamt 432.000 Einwohnern  Marktkapitalisierung von Kryptowährungen im Januar 2017 (in Mrd. Euro) Marktkapitalisierung von Kryptowährungen im November 2017 (in Mrd. Euro)

10,925 10,493 10.000 16 94



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Lars Bargmann / Idee: brandeins


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