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EIN LEBEN FÜR DIE QUANTENPHYSIK

Kunst & Kultur

Ein Quantum Physik

Heuer jährt sich der 60. Todestag eines genialen Brixners: Arthur March war Professor für Theoretische Physik an der Universität Innsbruck und ging als Verfasser der „Theorie der kleinsten Länge“ in die Geschichte ein.

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ie älteren Brixner erinnern sich noch an den Schriftzug „Josef March“ über dem Fotogeschäft in der damaligen Bahnhofstraße, die jüngeren denken dabei an die Mittelschule „Arthur March“. Seit jene aber vor 20 Jahren in die „Oswald von Wolkenstein“ einverleibt wurde, scheint der Name March endgültig der Vergessenheit anheimzufallen. Eine besonders engagierte Gruppe um den Verein Heimat Brixen bemüht sich seit Jahren, Persönlichkeiten unserer Heimatstadt aus der Versenkung zu holen, wie Hans Egarter oder Maria Veronika Rubatscher. Beim monatlichen Treffpunkt in der Michaelsstube des Domcafés referierte kürzlich Walter Kircher über den wohl berühmtesten Sohn unserer Stadt, den Atomphysiker Arthur March.

Vererbte Begabung. Arthur

March wurde am 23. Februar 1891 in Brixen geboren, in einer Familie von lauter Hochbegabten. Ludwig war Gymnasiallehrer und Mitbegründer der Kulturzeitschrift „Der Schlern“. Josef übernahm das väterliche Fotogeschäft, eines der ältesten Tirols, und brachte es durch seine handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten auf einen beachtlichen Stand. Nach seinem Tod wurde das Atelier von Fritz Strasser weitergeführt. „Der Hotelier Franz Strasser hatte nämlich meine Großmutter Maria March geheiratet“, erzählt Margit Strasser, „und so kam meine Familie in den Besitz des Gebäudes in der Kreuzgasse.“ Dann war da noch Ingenieur Emil, der schon damals gegen den Willen eines Großteils der Bevölkerung die Bahnhofstraße anlegte. Auch die Verbindung zur 24

EIN MANN MIT HERZ UND VERSTAND: Quantenphysiker Arthur March

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Plose wurde von ihm geplant und eine auf Naturdruck basierende Beregnungsanlage.

Physik als Leidenschaft. Arthur

March war wohl als Sohn eines Fotopioniers von Kindheit an mit Fragen zu Energie und Licht beschäftigt, einer Sparte der Physik. Nach dem Besuch des Gymnasiums bei den Augustinern in Neustift studierte er in Innsbruck Physik und Mathematik. Professor Ottokar Tumlirz als ausgewiesener

Gegner der Quantentheorie konnte dem wissbegierigen Studenten wenig bieten, und so besuchte March Vorlesungen in München und Wien. In Friedrich Hasenöhrl findet er einen Gleichgesinnten, und mit den Studienkollegen Hans Thirring und Erwin Schrödinger entwickelt sich eine lebenslange Freundschaft. Nach der Habilitation in Philosophie im Jahr 1913 unterrichtet March mehrere Jahre an einem Mädchengymnasium und promoviert nebenbei auf dem

Teilgebiet der theoretischen Physik. 1919 publiziert er sein erstes Werk mit dem Titel „Theorie der Strahlen und der Quanten“. March widmet sich nunmehr ausschließlich seinen Forschungen und wird im Oktober 1926 zum außerordentlichen Professor ernannt. Drei Jahre später heiratet er Hildegunde Holzhammer, eine junge Frau, die auch seinen Freund Erwin Schrödinger tief beeindruckt. An seine Gattin Annie schreibt er: „Sie ist groß gewachsen, schlank, hat mittellanges, brünettes Haar und strahlt eine ungekünstelte Herzlichkeit aus.“ Es bleibt nicht bei platonischer Verehrung, die beiden leben ihre Liebe, vorläufig noch im Geheimen. 1934 erhält March eine Einladung zu einer Gastprofessur nach Oxford, das Mekka der quantenphysikalischen Forschung. Die Weichen dafür hatte Schrödinger gestellt; allerdings waren die Gründe dafür nicht nur wissenschaftlicher Natur, er wollte auch die Geliebte in seiner Nähe wissen. Sehr nahe, um genau zu sein, denn Hildegunde bekommt am 30. März ein Mädchen

Brixner 324 - Jänner 2017  

Monatszeitschrift für Brixen und Umgebung

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