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LITERATUR SIR ALEX FERGUSON MUSIK MILOW, BROILERS, MY CHEMICAL ROMANCE

GESELLSCHAFT, DISKURS, DISKO

FRÜHJAHR 2014

FUSSBALL

SANREMO

ARND ZEIGLER FOR PRESIDENT

JUDITH HOLOFERNES

BLUMIGE SCHÖNHEIT

NEUE HELDEN BRAUCHT DAS LAND


BLANK NR. 15 / Frühjahr 2014

Titelfoto: Melissa Jundt 4 Lass den Sommer rein Wir geben Orientierungshilfe für einen kompetenten Wohlfühlstart in die Draußen-Saison. Arbeitet euch durch unsere „Must Haves“ – und genießt den Sommer! 10 Verneigung vor Matthey Barney 11 Mehr davon „Endlich hat Berlin auch ‘ne Supergroup. Also nicht nur ‘ne Group, die total super ist, sondern sogar eine, die aus mehreren Künstlern unterschiedlicher anderer Projekte besteht – OUM SHATT heißt das Konstrukt, das rund um Jonas Poppe (ex-Kissogram), Chris Imler (Die Türen) und Hannes Lehmann (Mina, Contriva)“, schreibt der Radiosender Fluxfm über sie. 12 Alte Helden Neue Töne Judith Holofernes ist Geist und Gesicht von Wir Sind Helden, Liebling der Popnation, Projektionsfläche für kulturelle Sehnsüchte und gern gehörte Stimme im aktuellen Diskurs. Nicht alles ist die 38-Jährige gerne, verrät sie im BLANK Interview. 21 MUSIK Milow, Broilers, My Chemical Romance 23 Vom Glück vom Glauben vom Klettern Es muss nicht immer Abenteuer sein, manchmal muss es auch Erholung, die Aussicht auf Meer und der kühne Luxus eines mondänen Ambientes tun. Nur seelenlos darf es nie sein, wenn sich BLANK auf Reisen begibt. Wir waren in Sanremo und haben uns vom Charme von Stadt und Region vereinnahmen lassen – und von einer Herberge, die alles vereint. 2 I  BLANK


38 BLANK Themenspecial: Kinder Kinder Liebe Eltern, gebt fein acht, wir haben euch etwas mitgebracht: Nämlich eine bunte Auswahl an schönen Dingen und spannenden, leerreichen Bilder- und Bildungsbüchern. Für Kinder, Kind gebliebene und die, die am liebsten den ganzen Tag durch ein funkelndes Kaleidoskop blickend ihren Träumen nachjagen. 48 Das Finale gewannen wir an meinem 9. Geburtstag Er moderiert frei von der Leber weg. Er spricht das aus, was wir Fussballfans hören wollen. Er ist sich für keinen Kalauer zu schade. Und sein Herz gehört dem SV Werder Bremen. Ohne jeden Zweifel macht es großen Spaß, Arnd Zeigler zuzuschauen und insgeheim wünscht man sich einen Fussballfreund wie ihn. 52 Reise an die orte unserer Vergangenheit 62 Axel Ranisch von A bis Z Axel Ranisch (1983 in Lichtenberg geboren) ist ein Mann, der kann, was nur die wenigsten Regisseure können: VERZAUBERN! 65 Impressum

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LASS DEN SOMMER REIN der sommer steht vor der tür und bietet vielfältige herausforderungen: neue einflüsse prasseln auf unsere Körper ein und wir wollen alles drumrum beeinflussen. sendungsbewusstsein ist angesagt – und der blick für dich selbst. Wir geben orientierungshilfe für einen kompetenten Wohlfühlstart in die draußen-saison. arbeitet euh durch unsere „Must haves“ – und genießt den sommer!

ADIDAs Zx FLUx die zX-serie ist eine echte adidas-erfolgsgeschichte: das puristische grunddesign der lightweight-sneaker lädt zu immer neuen transformationen ein. Mit dem zX FluX steht die nächste innovation ins haus: neue ideen, neue styles. innovation und pioniergeist. Weniger bleibt mehr – vor allem, wenn man auf nichts verzichten muss: der gewohnte zX-Komfort macht auch die neue serie zum lässig-lockeren hingucker für die anstehenden aufgaben zwischen coolem ausgehen und gutem aussehen. zX FluX stattet dich für alle herausforderungen aus. der neueste Clou: das zX FluX „photo print“ pack. limitierte, farbenfrohe hingucker für sneaker-enthusiasten. erhältlich nur in handverlesenen store. ist das noch Kunst oder schon Kult?

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JACK DAnIeLs

ZUCKer, ZIMt UnD LIeBe auf ihrem blog „zucker, zimt und liebe“ präsentiert Virginia horstmann schon länger rezepte, die dem gaumen und dem auge gleichermaßen schmeicheln. backwerk, das nicht nur ungeheuer lecker ist, sondern auch genau so aussieht – zumindest, wenn es von der autorin selbst gebacken und inszeniert wird. da wird der gugelhupf zur Kunst und während Food art in der regel eher geschmacklos daher kommt, isst hier eben nicht nur das auge mit – sondern auch alle anderen sinne stürzen sich auf die rezepte der jungen dame. denn wäre der Claim „backen ist liebe“ nicht schon von der industrie belegt, man müsste ihn als großen einklinker auf diesem immerjungen Quell´ der kulinarischen lebensfreude platzieren. seit Januar hat „zucker, zimt und liebe“ den Weg in den buchhandel gefunden: auf 176 seiten reiht sich eine schönheit aus Mehl, Milch und exotischem an die nächste. Wir haben nicht alles nachgebacken, aber wenn die wenigen rezepte, die noch übrig sind, nur halb so lecker sind, wie sie aussehen – dann wird es noch ein backintensiver sommer. Wir freuen uns drauf! im Coppenrath-onlineshop hält man außer dem backbuch auch eine ganze „zucker, zimt und liebe Kollektion“ für euch bereit: Vom süßen etiketten-set bis zur hübschen puderzuckerdose ist alles dabei. shop.coppenrath.de

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DoCtor eCKsteIn BIoKosMetIK als der apotheker dr. richard adam eckstein 1949 mit seiner Frau linde den grundstein dafür legte, was heute die doctor eckstein bioKosmetik ist, waren in sachen hautpflege noch eine Menge Fragen offen. heute, 65 Jahre später, haben die Fachkosmetikerinnen des unternehmens mit mehr als 100 produkten und rezepturen zahlreiche antworten gefunden. Wirkstoffe wie Collagen und hyaluron – die heute in der Werbung gerne zu innovativen, frischen Wundermitteln hochgejazzt werden – setzt man im fränkischen oberasbach schon seit vielen Jahren ein. im dienste der haut, nicht im dienste des Marketings. der anspruch des unternehmens, das in den letzten bald sieben Jahrzehnten innovation zur tradition gemacht hat, ist so ambitioniert, wie naheliegend: unsere haut ist so individuell wie der Mensch in dieser hülle – und genau so individuell sind die situationen, in der wir tag für tag eine vitale, strahlende Figur machen wollen. Wie können hersteller also Komplettlösungen für jeden hauttyp anbieten? doctor eckstein bioKosmetik versorgt fettige haut, trockene oder sensible haut. den täglichen herausforderungen begegnet man mit einem klaren Konzept: deine haut kann sich selbst am besten helfen – mit der richtigen unterstützung. es werden ausschließlich inhaltsstoffe verwendet, die entweder mit körpereigenen stoffen identisch oder aber mit ihnen verwandt sind – das ergebnis: sehr verträgliche produkte, die die sprache unserer haut sprechen. das wird dann wichtig, wenn sie besonders klare signale sendet. zuhören lohnt sich, gerade im Frühling – denn was uns immer freut, sorgt bei unserer hülle nicht nur für begeisterung.

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Beta Carotin – bewährter Schutz Mit Carotinen und antioxidantien schützt sich der Körper vor freien radikalen, die zellen angreifen und die hautalterung vorantreiben können. die uV-strahlen des tageslichts sind unter anderem mitverantwortlich für die bildung dieser freien radikale. die haut hilft sich also selbst – und das auf vielen ebenen. Mit einer Mischung aus kleinen Molekülen mit hohem Wasserbindevermögen, dem sogenannten „natürlichen Feuchthaltefaktor“, und einem ölhaltigen schutzfilm wirkt sie zum beispiel der austrocknung entgegen. doch: Für all diese prozesse benötigt sie unterstützung. und genau dafür sorgt die pflege von doctor eckstein bioKosmetik: im Carotin Feuchtigkeitsbalsam vereint die Marke den natürlichen schutz der haut mit Carotinen und eine Mischung aus wertvollen, natürlichen Feuchthaltefaktoren in einer hautphysiologischen Cremegrundlage. der Carotin Feuchtigkeitsbalsam in Kombination mit der bewährten Carotin Feuchtigkeitscreme eignet sich ideal für die pflege einer normalen haut: nachts kann sie sich unter der reichhaltigen Carotin Feuchtigkeitscreme erholen, tagsüber sorgt der erfrischende Carotin Feuchtigkeitsbalsam dafür, dass die haut rundum geschützt und gepflegt ist: 24 stunden herrliche Frische und ein samtiges hautgefühl. ein echtes Must have für den Frühling.


DILLon „tHe UnKown“ Was dillon da mit ihrem neuen Werk („the unknown“) auf der bühne mit dem kongenialen tamer Fahri Özgönenc abliefert, hat etwas sakrales, schönes, Melancholisch wie Kraftvolles. eine konkrete einladung zum träumen. danke schön.

YAZeMInA reZA „GLÜCKLICH DIe GLÜCKLICHen“ zur abwechslung schreibt genie reza also wieder ein buch. dieses Mal sind es skurile Kurzgeschichten rund um das thema glück. Fast immer von normalen zum anormalen. Fast immer große Klasse. Vor allem die Celine dion geschichten sind echte Juwele.

steFAn BACHMAnn

JUstIn torres

„DIe seLtsAMen“

„wIr tIere“

Was kommt dabei raus, wenn sich ein sechzehnjähriger autor in zwischenwelten verliert? eine hinreissende geschichte über das anderssein. Für jung und alt.

zurück in die Kindheit. sich als Kind fühlen, traumhafte wie traurige Kindergeschichten durchleben und das in einer sprache, die seinesgleichen sucht. dieses kleine buch ist ein großer Wurf.

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no MUsIC wItHoUt eFFeCt® Wenn die nächte lang, wild und legendär sein sollen, braucht es zwei dinge: stehvermögen und die richtige Musik. effect ® versorgt dich mit beidem, denn hier wurde ein paket geschnürt, das zusammen bringt, was zusammen gehört. der „mental energizer made in germany“ effect ® steht für mentale energie, bei der arbeit, der Freizeit und im nachtleben. Wenn sich eisgekühlt die einzigartige Kombination aus Vitaminen und anregenden inhaltsstoffen ihren Weg gebahnt hat, wirst du mit dringend benötigter mentaler energie versorgt. der extraschub für deine partynacht. denn wenn die bässe wummern, der lieblingssound klangstark und voluminös aus den speakern dröhnt, will niemand schlappmachen. schon gar nicht, wenn die party dabei ist, Kult zu werden. irgendwo dort, wo sie niemand erwartet hätte. diese Freiheit verschafft euch das Klangwunder im Kleinformat Jbl Flip von Jbl®. das schicke und drahtlose stereosystem für smartphones und tablet-pCs verwandelt mit seinen tiefen bässen auch die kleinste laube zum wattstarken Wohlfühlclub. bis zu 5 stunden lang kann euch Jbl Flip durch die nacht begleiten. und falls ihr euch nicht traut, mit euren eigenen playlists die gang zu beschallen, könnt ihr ganz bequem auf die geschmackssicheren playlists des premium-energizers setzen: effect ® hält für euch

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BLAnK VERLOSUNG

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Aus dem Fäkalschlamm entsteigt er, der Verstorbene, zu seiner eigenen Beerdigung, Mailer selbst, ist es, dennoch beginnt er, der Streit der Pharaonen, über, neben wie unter dem goldenen Trans Am-Sarg, die Hochöfen springen an, und vor den Augen der Vorsehung, erhitzen sich die Gemüter zu wilden Kämpfen, doch auch für den Sieger heißt es opfern, damit der Kreislauf gewahrt bleibt, weil alles stirbt um wiedergeboren zu werden. Eine Verneigung vor Matthey Barneys genialem Werk „River of Fundament“ von Roman Libbertz

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Verneigung


MEHR DAVON IntervIew roMan libbertz

„endlich hat berlin auch ‘ne supergroup. also nicht nur ‘ne group, die total super ist, sondern sogar eine, die aus mehreren Künstlern unterschiedlicher anderer projekte besteht – ouM shatt heißt das Konstrukt, das rund um Jonas poppe (ex-Kissogram), Chris imler (die türen) und hannes lehmann (Mina, Contriva)“, schreibt der radiosender Fluxfm über sie. es klingt fast so, als on sich der Velvet underground in die neuzeit geschossen hätten. unzählige einflüsse wirbeln hier zusammen oder um es in den Worten der band auszudrücken: „radically pure & minimal form of rock’n‘roll with arabic references”. oum shatt – eine band, die man gehört haben sollte. BLANK: Warum macht ihr Musik? JoNAs: Aus purem Übermut, aus Dringlichkeit, zu therapeutischen Zwecken, zu Hypnosezwecken, um Spannung zu erzeugen, Schweigen zu brechen, zur Selbstreinigung und aus Spieltrieb. BLANK: Wieso ihr? JÖrg: Weiss ich nicht....hat sch herauskristallisiert und is gut so. Jonas: Andere dürfen das auch.

BLANK: Habt ihr musikalischen Vorbilder? JoNAs: The Devil´s Anvil, Fikret Kizilok, Omar Khorshid, Fairouz, Wild Beasts, Patti Smith, Element of Crime, Anita Cerquetti, Daniel Johnston, Sigi

Maron, Florence Forster. BLANK: Wo seht ihr euch ihr in zehn Jahren? JoNAs: Sitzen wir auf der Terrasse, trinken Rum und zwirbeln unsere Schnurrbärte.

BLANK: Der beste Gig? ...ist immer der Nächste. BLANK: Wie ist das Tourleben? JoNAs: Eine Familientherapie mit Musik, wohlheitsbefindlichkeitsfördernden Substanzen und dem Wechselspiel zwischen Warten und sich Beeilen.

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Alte Helden

Neue Töne Fotos: Christoph Voy, Melissa Jundt Interview: Till Erdenberger

Judith Holofernes ist Geist und Gesicht von Wir SInd Helden, Liebling der Popnation, Projektionsfläche für kulturelle Sehnsüchte und gern gehörte Stimme im aktuellen Diskurs. Nicht alles ist die 38-Jährige gerne, verrät sie. 2014 macht die Sängerin nun beruflich den Schritt, den sie privat schon lange gegangen ist: Sie hat ihr eigenes Baby, das sie hegen und pflegen kann. „Ein leichtes Schwert“ ist der werte Name und das neueste Familienmitglied im Hause Holofernes ist satte 12 Songs schwer. Und es erzählt schon eine Menge Geschichten. Wir hörten genau hin und es war eine Freude, Mutter und Kind zuzuhören. BLANK: Wir treffen uns hier familienfreundlich um 13 Uhr mitten in Kreuzberg, dein „Arbeitstag“ geht noch bis 15 Uhr. Ist das Zufall oder ist es dir wichtig, deine Interviews so zu takten, dass du wie eine „echte Mami“ deine Kinder von der Kita abholen kannst? Judith Holofernes: Ja, ich versuche tatsächlich, das so zu takten. Klar, es wird nicht immer funktionieren, weil sich die Welt ja nicht nur um mich dreht. Aber wenn es so klappt, freut es mich natürlich sehr. Wir strecken die Interviewtermine deshalb auch über einen längeren Zeitraum. Heute ein paar, dann nächste Woche wieder und so weiter. BLANK: Eine Regelmäßigkeit ist dir im Umgang mit deinen Kindern wichtig?

JH: Klar, aber wir müssen uns natürlich eine gewisse Flexibilität bewahren. Bestimmte Phasen des ganzen künstlerischen Prozesses lassen sich nun mal nicht immer an die Öffnungszeiten der Kita anpassen. Wenn die Mama schreibt oder im Studio ist, kann sie die Kinder halt nicht abholen, dann muss der Papa ran. Kreativ sein hat nun mal manchmal was mit anfallsartigem Arbeiten zu tun (lacht).

gute Idee als Imperativ zu verstehen. Das heißt: Früher habe ich eine Idee für eine Melodie oder zwei Sätze für einen Text, die ich im Kopf hatte, aufgeschrieben, um dann irgendwann darauf zurück zu kommen. Heute reite ich die Idee lieber gleich nach Hause. Ich habe inzwischen verstanden, dass es viel mehr Energie kostet, zu etwas zurück zu kehren, als es gleich weiter zu machen.

BLANK: Hat sich dein Arbeiten irgendwie verändert, seit du Kinder hast? JH: Interessanterweise bin ich schneller und effektiver geworden. Ich schieße schneller mal aus der Hüfte. Ich weiß meine knapper gewordene Arbeitszeit mehr zu schätzen. Ich habe inzwischen gelernt, eine neue,

BLANK: Kam durch dieses „Einfach machen“-Gefühl auch, vielleicht ohne bemerkt zu werden, die Idee für dein Soloalbum auf? Es einfach mal anpacken, anstatt auf diesem Gedanken ewig herum zu kauen und ihn totzudiskutieren? JH: Eine gute, wirklich interessante Frage. Weil das Album

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„Ich mache offensichtlich noch Musik und ich meine es offensichtlich auch noch ernst, dachte ich mir irgendwann.“ zwar nicht aus dieser „Einfach machen“-Idee entstanden ist – es war aber die Grundstimmung, die wir während des ganzen Prozesses hatten. Als wir Wir Sind Helden in die Pause geschickt hatten, wusste ich nicht, dass ich ein Soloalbum machen würde. Es hat tatsächlich ein bisschen gedauert, diesen Gedanken zu fassen: Ungefähr sieben Lieder lang, bis ich gemerkt habe, dass da gerade ein Soloalbum entsteht. Ich mache offensichtlich noch Musik und ich meine es offensichtlich auch noch ernst, dachte ich mir irgendwann. Es war Zeit, einfach aus der Hüfte zu schießen. Los geht´s, ohne groß drüber nachzudenken. BLANK: Wie ist es mit deiner Band Wir Sind Helden? Da wird nichts aus der Hüfte geschossen? JH: Wir Sind Helden waren eine sehr lustige Band. Auch eine Band, die sich oft sehr leicht angefühlt hat, aber natürlich ein sehr umständliches Konstrukt ist. Wir haben nie alle in derselben Stadt gewohnt und sind heute auf drei Städte verteilt, für

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jede Probe mussten mindestens zwei Bandmitglieder in eine andere Stadt fahren. Inzwischen haben wir 5 Kinder in der Band, da ist das gleich noch sportlicher. Und wir waren immer sehr demokratisch, alles wurde ausdiskutiert. Das heißt wir waren definitiv eine sehr langsame Band. Diese Langsamkeit war teilweise ein Schutzschild, das uns davor bewahrt hat, in die eine oder andere Falle zu tappen. Im Moment will ich aber nicht diskutieren, sondern einfach eine Platte machen, die Spaß transportiert – im besten Falle den Spaß, den ich hatte, sie zu produzieren. BLANK: Hört man deinen privaten Musikgeschmack auf „Ein leichtes Schwert“ 1:1 raus? JH: Ich finde schon. Zumindest mag ich Musik, die sehr rough ist, fast ein bisschen unabhängig vom Stil. Alles, was nicht perfekt ist oder sein soll. Diesen Geist atmet mein Album auch, finde ich. BLANK: Wie „solo“ ist das Album denn überhaupt? Liest

man sich die Credits durch, findet man da ja auf den Spielmacherpositionen viele bekannte Namen. JH: Heutzutage entsteht ja kein Soloalbum mehr als wirkliches Soloalbum. Meine Motivation, Musik zu machen, war immer die, es mit tollen Leuten tun zu können. Deswegen habe ich auch meine „LiedermacherKarriere“ nach einem halben Jahr wieder beendet. BLANK: Apropos „Liedermacher-Karriere“: Macht es dir Spaß, mit den Erwartungen der Leute zu spielen – und sie dann zu brechen? Als es hieß, Judith Holofernes macht jetzt solo, hat doch eigentlich jeder genau das erwartet: Sie nimmt sich jetzt ihre Gitarre und macht auf Liedermacher. JH: Ja, das macht mir wahnsin­ nigen Spaß. (lacht sich kaputt) Politische Singer-Songwriter-Platte? My ass! Was ich auf „Das leichte Schwert“ vorstelle, ist das, was ich liebe, was ich in Wir Sind Helden rein gebracht habe und was ich irgendwann wieder aus Wir Sind Helden mit raus nehme. Mein Bedürfnis, mich mit einem Liedermacherschemelchen auf die Bühne zu stellen, hält sich also in Grenzen. Dafür stehe ich viel zu sehr auf Groove. (7.33) Bei diesem fehlenden Interesse an Perfektion und der Begeisterung für alles, was nicht auf Click gespielt ist, aber trotzdem groovt,


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„Wenn Papa und Mama abends beide auf die Bühne müssen, hängt alles am seidenen Faden.“ kamen dann mein Geschmack und meine Fähigkeiten gut zusammen: Ich übe nicht seit ich 14 bin 5 Tage die Woche Gitarre. Klar, meine Musik ist mir sehr ernst und ich inverstiere ungeheuer viel Zeit ins Schreiben von Songs. Aber eigentlich mag ich es am liebsten, wenn es sich am Ende so anhört, als hätte es da jemand nicht zu ernst gemeint. BLANK: Es gibt ein Zitat von dir – 3 oder 4 Jahre alt – dass du dich weder für eine besonders gute Gitarristin hältst, noch dass du es besonders gerne machen würdest. Beides hat sich offensichtlich geändert, denn für dein Album hast du eine ganze Menge Gitarre gespielt. Unterschiedliche Modelle in unterschiedlichen Stimmungen – sowohl, was die Stimmung des Instruments als auch die der Musikerin betrifft. Was ist passiert? JH: Ja, dieses Zitat ist zu meiner größten Überraschung inzwischen tatsächlich überholt. Ich habe tatsächlich in der kurzen Pause die Lust und den Spaß am Gitarrespielen wieder gefunden. Das war überhaupt die erste Entdeckung, die ich auf dem

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Weg zu diesem Album gemacht habe: Es ist alles schön still, es muss gar nichts passieren, niemand erwartet irgendwas – und huch, da ist ja eine Gitarre in meiner Hand. Das hat mich erstaunt und es hat mir viel Spaß gemacht. Ich bin immer noch keine besonders gute Gitarristin im streng orthodoxen Sinne – aber ich habe ein paar Dinge, die mir offensichtlich liegen, einfach mal ausprobiert und bin meinem eigenen Stil auf den Grund gegangen. BLANK: War dir von Anfang an klar, dass du das Album auch auf die Bühne bringen würdest? JH: Nein, eigentlich nicht. Es wurde mir aber mehr und mehr klar, wie viel Spaß es machen würde, die Sachen live zu präsentieren. Live zu spielen war schon immer ein großer Teil meines Lebens und ich genieße es immer noch, abends auf der Bühne zu stehen. Die Platte macht mir so viel Spaß, dass ich glaube, dass sie auch den Leuten Spaß machen wird. Auf Tour zu sein, das Gemeinschaftsgefühl im Bus... Ich bin ein Herdentier und es würde mir fehlen, nicht unterwegs zu

sein. Auch, wenn es natürlich kompliziert sein kann. BLANK: Du meinst nicht zuletzt dank der Doppelbelastung „Mutter-Musikerin“? JH: Das auch. Jeder, der kleine Kinder hat, weiß, dass etwas zu wollen und zu planen heißt, das Universum heraus zu fordern. Wenn Papa und Mama abends beide auf die Bühne müssen, hängt alles am seidenen Faden. Deswegen spielt auch Pola nicht in meiner Liveband. Eine Entscheidung, von der wir uns erhoffen, dass sie mal eine Art Lebenskonzept werden kann. Jetzt nehmen wir unsere Kinder mit auf Tour, weil wir glauben, dass es ihnen etwas bedeuten könnte – nicht, weil sonst unser bisheriges Lebenskonzept zusammen kracht. Das ist ein gewaltiger Unterschied und nimmt viel Druck raus. BLANK: Die erste „Rezension“ einer Freundin von dir zu deinem Album sagt, dass „die Demos unerzwungen und nach einer im besten Falle kleinen Meise“ klingen würden – „Piep, piep – peng, peng“. Wie lautete denn das Fazit deiner Freundin zum fertigen Album? JH: (wildes Gelächter) Das bezog sich tatsächlich schon aufs fertige Produkt, das ist das Lustige. BLANK: Dann muss ich die Frage wohl überarbeiten. Also:


Wie weit sind die Demos denn vom fertigen Produkt entfernt gewesen? JH: (lacht immernoch) Die Demos sind noch mehr „Piep, piep – peng, peng“, ansonsten sind sie tatsächlich sehr nah dran an dem, was dann auf der Platte gelandet ist. Es fehlt eigentlich jeweils nur die wunderbare Musikalität von Pola und Jörg. Auf den meisten spiele ich selber alles – deswegen ist ein Demo auch nur 40 Sekunden lang, weil ich Bass gespielt habe und mir fast die Finger geblutet haben. So ist diese Platte entstanden: Ich spiele auf einem Demo irgendwie ein bisschen halbwegs anständig Bass, dann werde ich müde

BLANK: Jetzt hast du also doch ein Album gemacht. War es für dich keine Option, die Bandpause dafür zu nutzen, mehr mit anderen Künstlern zu arbeiten? Du hast Maxim bei seinem letzten Album unter die Arme gegriffen – es dann aber auch dabei belassen. Wieso? JH: Ich schreibe total gerne mit anderen Leuten, aber nur ungern für andere Leute. Dafür verselbstständigen sich meine Ideen zu stark, als dass ich sie jemandem ganz überlassen könnte. Stattdessen sehe ich mich lieber als Geburtshelfer, der andere über Engpässe hinweg hilft. So, wie es andere auch bei mir machen. Manchmal sieht

„Wow, das klingt fast genau so, wie du es von Anfang an in deinem Kopf gehört hast.“ – und dann hört das Demo auf einmal auf. (lacht wieder) Aber die Ideen waren tatsächlich schon früh alle da - und als ich mit dem fertigen Mix aus dem Studio raus bin dachte ich mir „Wow, das klingt fast genau so, wie du es von Anfang an in deinem Kopf gehört hast“ – plus einer Menge toller Ideen der tollen Leute, die mit im Studio waren. Aber der Geist des Albums ist auch der Geist, den ich auf den Demos einfangen wollte.

man den Wald vor lauter Bäumen nicht, dann ist es toll, wenn man jemanden zur Seite hat, der mit einem frischen Blick drauf schauen kann. So mit Maxim zu arbeiten hat natürlich ungeheuer Spaß gemacht, weil er künstlerisch so wahnsinnig viel mitbringt. Ich könnte also nicht mit jemandem zusammen arbeiten, der zum Schreiben ein Reimlexikon braucht. Das war toll, aber ich habe auch gemerkt, dass ich so etwas nicht

zu oft machen möchte. Ich kenne viele Musiker und Texter, die so etwas hauptberuflich machen und dafür braucht es schon eine bestimmte Art von Motivation. BLANK: Du wirst Dienstleister und bist kein Künstler mehr? JH: So ähnlich: Eine solche Zusammenarbeit hat auch etwas Technisches oder kann es zumindest haben. Ich habe Angst, dass ich anfange, Mechanismen zu entwickeln, wenn ich so etwas zu oft mache und dann nur noch Dinge abspule. Und dann geht vielleicht ein bisschen der Funke und damit die Kunst verloren. Wenn ich so etwas einmal im Jahr mache, dann ist es dagegen „künstlerischer Austausch mit tollen Kollegen“ anstatt „Arbeit“. BLANK: Spielt da auch ein bisschen Egoismus mit rein? Du willst, dass der eigene Name drunter steht, anstatt andere Künstler mit deinen Ideen auf der Bühne zu sehen? JH: Nein, genau das ist es gar nicht. Ich finde es wahnsinnig nett und total schön, dass Maxim allen von unserer Zusammenarbeit und meinem Beitrag zu seinem Album erzählt – mein Masterplan sah allerdings etwas anderes vor. (lacht) Ich freue mich sehr über den Credit, aber die Idee war eher: Nur spielen – und dann nicht mehr damit spazieren gehen. Ist ja eher

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so halb gut aufgegangen, der Plan, wenn jetzt Maxim damit spazieren geht. (lacht) Um den Kreis zu schließen: Der Impuls, der zur Bandpause geführt hat, war, dass ich die Zeit nutze, um mit ganz vielen tollen Leuten außerhalb von Wir Sind Helden Musik zu machen. Okay, so ist es dann ja auch gekommen, wenn auch anders, als eigentlich gedacht. Aber der Plan ist mit Erscheinen des Albums nicht vom Tisch, es wird sicher noch diverse Kollaborationen mit anderen Musikern geben. Mit Tobias (Bonaparte-Mastermind) ist zum Beispiel auf alle Fälle noch einiges geplant.

deswegen gut – oder andersrum. Klar, es gab mal den Gedanken, es unter einem anderen Namen zu bringen. Aber wie lange hätte es gedauert, bis aus dem unbeschriebenen Blatt dann doch wieder „Judith von Wir Sind Helden“ geworden wäre? BLANK: Du hättest aber vielleicht nach Aussand der Platte an die Redaktionen mal wenigstens eine Woche unerkannt bleiben können. Um so mal testen, ob sich die faulen Schreiberlinge das Album einer „Newcomerin“ überhaupt noch anhören. Und dann hinterher all den ignoranten Kol-

„Ich habe Angst, dass ich anfange, Mechanismen zu entwickeln, wenn ich so etwas zu oft mache und dann nur noch Dinge abspule.“ BLANK: Gab es irgendwann mal die Idee, „Das leichte Schwert“ unter einem anderen, vielleicht sogar deinem bürgerlichen Namen – zu veröffentlichen, um den Fokus noch mehr auf die Lieder an sich zu legen? JH: Klar, jetzt hat jeder, der mein Album hört, schon vor dem ersten Ton irgendeine Idee dazu. Entweder trifft es die Erwartungen und ist deshalb doof oder es überrascht dich und ist

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legen die lange Nase zu zeigen, die die erste Runde Interviews mit „der Neuen“ verstreichen lassen. JH: (lacht) Stimmt, jetzt wo du es sagst... Das wäre ein sehr lustiges soziales Experiment geworden. Aber in der echten Welt hat es sich wirklich auch sehr gut angefühlt, dazu zu stehen: Ja, das bin jetzt ich – ohne meine Band. Und als Musikerin bin ich auch tatsächlich Judith

Holofernes. Ich habe mir mit 19 Jahren diesen Namen gegeben und bin damit inzwischen auch verwachsen. Hätte ich das Album unter meinem bürgerlichen Namen veröffentlicht, wäre das mehr eine Verleugnung meiner Existenz als Musikerin gewesen, als tatsächlich eine Befreiung aus dem Wir Sind HeldenLeben. Außerdem genieße ich es auch sehr, noch einen Namen zu haben, den man manchmal nutzen kann, ohne dass sofort jeder weiß, was man beruflich macht. Ich muss allerdings gestehen, dass ich mich gerade immer noch ein bisschen über die verpasste Chance des anonymen Promoaussandes ärgere (lacht). BLANK: Apropos „Anonymität“ oder besser deren Gegenteil: Ich habe mich gewundert, dass du nicht bei der aktuellen EMMA-Kampagne dabei warst. JH: Das liegt vor allem daran, dass ich per heute erst wieder auf dem Radar erschienen bin. Ob sie einfach vergessen haben, mich zu fragen? Weiß ich nicht... Was ich aber weiß, ist, dass ich es sehr genossen habe, nicht gefragt worden zu sein, um nicht schon wieder mein Gesicht irgendwo auf einem Plakat zu sehen. BLANK: Findest du dennoch, dass Künstler öfter gefragt werden sollten, wenn es um den öffentlichen Diskurs geht? JH: Ich weiß es nicht, denn ich habe das Gefühl, dass man sehr


„Wenn mehr Leute für weniger Geld weniger Arbeiten müssten oder würden, wäre einer Gesellschaft sehr geholfen.“ oft gefragt wird. Also nicht nur ich, sondern auch andere Künstler. BLANK: Glaubst du, dass dieses Interesse dann ernst gemeint ist oder ist die Aussage des Künstlers weniger wichtig

als sein Gesicht für die dazu gehörige Plakatkampagne? JH: Das ist unterschiedlich und zumindest ich unterscheide da schon. Ob es bei einer Einladung zu einer Talkshow wirklich um mich geht, oder ob man einfach noch die Position „Frau,

prominent, fähig, drei Sätze hintereinander sprechen zu können“ zu besetzen hatte und dann beim Blättern durch die Promikartei zufällig auf mich gekommen ist. Sorry, dann bitte ohne mich. Und die zweimal, als ich tatsächlich in eine solche Falle getappt bin, habe ich mich direkt sehr schlecht gefühlt. BLANK: Zu welchem Thema würdest du denn gerne mal befragt werden? Was brennt dir auf der Seele? JH: Im Moment brennt mir akut nicht so sehr viel auf der

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Seele. Als letztes habe ich mich öffentlich zum Thema Schwulenehe und Adoptionsrecht für homosexuelle Lebenspartnerschaften geäußert. Das liegt mir schon aufgrund meines familiären Hintergrundes immer am Herzen - und würde es

schließen, als Geschäftigkeit und Produktivität. Und unser Verständnis von Arbeit beruht sehr, sehr stark auf Geschäftigkeit. Es scheint sehr wichtig zu sein, 8 Stunden pro Tag „auf Arbeit“ zu sein, selbst, wenn man davon vier Stunden auf

Facebook rumdaddelt. Das ist eine Arbeitsmoral, die nicht viel mit Produktivität zu tun hat. Wenn mehr Leute für weniger Geld weniger Arbeiten müssten oder würden, wäre einer Gesellschaft sehr geholfen. Um noch weiter zu gehen: EIne Gesellschaft, die Arbeit verklärt und Selbstausbeutung verherrlicht, ist eine Gesellschaft, die Arbeitslosigkeit erzeugt.

die Gesellschaft einzubringen, nicht so unterschiedlich bewertet werden würden - man unterscheidet ja nur noch „arbeitend“ und „arbeitslos“ – wären wir als Gesellschaft gemeinsam produktiver. Ich habe das Gefühl, dass das Thema „Unser Verhältnis zu Arbeit ist höchst zwiespältig“ inzwischen mainstreamfähig ist. Nicht in allen Milieus und auch nur langsam, aber ich glaube schon, dass sich gerade etwas dreht. Der Schlüssel zu einer neuen Gesellschaft wäre, wenn das Prädikat „arbeitslos“ oder „Geringverdiener“ in diesem Land nicht so einen Knick fürs Selbstwertgefühl bedeuten würde. Gesellschaftliche Solidarität wird ja vor allem durch Gefühle, die daraus resultieren, torpediert: Angst, Neid und mehr. „Meines den meinen“. Solche zersetzenden Gefühle kommen selten aus einer Haltung der Großzügigkeit oder des Selbstbewusstseins heraus.

BLANK: Was würdest du Kritikern des BGE antworten, die sagen „Wenn jeder für Müßiggang bezahlt wird, macht keiner mehr was“? JH: Dass, das totaler Quatsch ist. Ein Mensch, der im Fluss ist und nicht niedergedrückt wird von diesem Stigma „arbeitslos“, möchte gerne produktiv sein. Wenn all die verschiedenen Möglichkeiten, produktiv zu sein und sich in

BLANK: Mit Selbstbewusstsein: Ab wann ist das Album für dich ein Erfolg? JH: Es ist schon ein Erfolg, weil ich nach wie vor das schöne Gefühl habe, das Album im Kasten zu haben, das ich machen wollte. Ich fühle mich wohl damit und damit ist der größte Teil des Erfolges schon in der Tasche. Es ist schwer, einen anderen Maßstab zu formulieren, ich weiß es nicht. Klar hat man immer

„Klar hat man immer Angst, dass es keinem gefällt und keiner es kauft.“ ohne den wahrscheinlich auch tun, weil es schon der gesunde Menschenverstand und auch nur ein Mindestmaß an Einfühlungsvermögen gebietet. Ich beschäftige mich generell gerne mit allem, was moralisch mit „Arbeiten“ bzw. auch „Nichtarbeiten und Müßiggang“ zu tun hat, auch ohne tagesaktuellen Aufhänger. BLANK: Dann werfe ich dir ein Stichwort zu: „Bedingungsloses Grundeinkommen“. JH: Sehr gut, finde ich total wichtig und eine gute Idee. Ich glaube auch, dass es funktionieren würde. Klar, es sind verschiedene Fragestellungen, die man dazu haben müsste. „Funktioniert es finanziell?“, „Funktioniert es gesellschaftlich?“ Ich bin der Überzeugung, dass sich Müßiggang und Produktivität viel weniger aus-

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Angst, dass es keinem gefällt und keiner es kauft. Deswegen freue ich mich auch sehr über den Vertrauensvorschuss der Leute, die schon Tickets für meine Tour gekauft haben, ohne einen Ton vom Album gehört zu haben. Es hört sich immer nach einer Plattitüde an, ist aber so: Selbst die schärfste Kritik an etwas, das du zu 100% vertreten kannst, kann dir nicht so weh tun, wie ein zarter Hinweis zu einer Arbeit, hinter der du sowieso nicht stehst. Kein „Ja stimmt, hätte ich doch mal...“ und „Ja, aber das waren die andern...“ BLANK: Wirst du dir die Kritik an dieser Platte mehr zu Herzen nehmen als an einem Wir Sind Helden-Album? Jh: Naja, ich merke es jetzt schon, dass es etwas anderes ist, so ganz alleine dazustehen. Eine Band ist ein wunderbarer Schutz. Sie gibt die Möglichkeit, sich zumindest für sich darauf zurück zu ziehen, ja auch nur ein gewisser Teil der Band und des Werkes zu sein. Oder man darf sich auch bei einer Kritik mal sagen „Ja, ich hätte es ja vielleicht auch anders gemacht“. Dahinter kann man sich nicht mehr verstecken. Da ist es schon anders.

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MILOW Silver Linings Jonathan Vandenbroeck alias Milow kommt so unscheinbar daher: Ein kleiner Mann hinter einer Gitarre. Bewaffnet mit seiner Stimme und einer gewaltigen Menge Melodien. Bisher hat er beides schon auf fünf Alben zum EInsatz gebracht – und nichts davon ist ihm auf dem Weg zum sechsten ausgegangen. Nachzuhören ab sofort auf Silver Linings.

Silver Linings ist das persönlichste Werk des Belgiers. Voller Bilder zwar, aber stets mit der Möglichkeit, durchs offene Fenster in die Seele des Musikers zu schauen. 10 wunderbar durchdachte, aber immer noch spontan und unkalkuliert klingende Stücke lang nimmt Milow seine Anhänger mit auf eine Reise durch seine Gefühlswelt. Und die sieht nicht immer rosig aus. Milow ist kein Jack Johnson, dem immer die Sonne hinterher reißt. Der Liedermacher ist immer dann am besten, wenn es ruhig und ernst wird. Also eigentlich immer während dieser knappen 40 Minuten. Silver Linings versammelt die vielleicht schönsten, greifbarsten Hooks in der Laufbahn des Straßenmusikers mit Radiocharme. Und das will was heißen angesichts der Ohrwurmarmada, die er in den vergangenen Jahren ins Radio gewuchtet hat. Milow ist 2014 kein Liedermacher von der Straße mehr, sondern ein Hitmacher für alle, die unterwegs sind. Entweder im ganz körperlichen Sinne auf der Autobahn, auf dem Weg von irgendwo nach irgendwas und genau so für die, die mitgenommen werden wollen, auf der Suche nach sich selbst oder dem berühmten Sinn. Klar, Milow kann nicht jeden ans Ziel führen. Aber mit Silver Linings hat er zumindest einen roten Faden in der Hand. (TE)

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MY CHEMICAL ROMANCE May Death Never Stop You Aus der Reihe „Bands, die alles richtig gemacht haben“: My Chemical Romance! In zwölf Jahren haben die Amis vier hochklassige Alternativealben abgeliefert und sich damit in die

BroiLers noir Aus Düsseldorf kommen scheinbar nur noch Megaseller: Die Toten Hosen haben mit ihrem „Ballast der Republik“ inzwischen MehrfachMondstaub-Status eingefahren, weil sich ihre Verkäufe in Platin-Auszeichnungen nicht mehr messen lassen - und die Broilers sind mit ihrem neuen Werk „Noir“ auch schon wieder auf die 1 geklettert. Das Bemerkenswerte: Das gelang ihnen mit einem Album, das ein echter Spaltpilz geworden ist.

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Genregeschichtsbücher gerifft, mit Na Na Na (Na Na Na Na Na Na Na Na Na) einen Tanzbodenfeger für die Ewigkeit geschaffen - und mit ihrer Trennung 2013 auf dem Höhepunkt des kommerziellen Erfolges den Deckel drauf gemacht. Was seinerzeit denkbar überraschend

kam, ist immernoch nicht ganz verdaut: Zu frisch, zu gut und zu hungrig klang die Band noch auf „Danger Days“, ihrem letzten Album, als dass sie danach in die Kiste hätten springen müssen. Aber wer den Zeitpunkt seines Abschieds frei wählen kann, sucht ihn am besten

Denn es ist poppig geworden, ziemlich griffig und man muss ein bisschen genauer hinhören, um den unter textlichem und musikalischem Goldstaub den dreckig-bodenständigen Feinstaub rauszuhören, den sich die Band seit inzwischen 20 Jahren gerne auf ihre Erzählungen pustet. „Noir“ ist ein Punkrockstück mit leichtem Berlin-Mitte-Einschlag, nur andersrum: Während sich in der Hauptstadt das Glatte gerne als Punkrock verkleidet, ist es in Düsseldorf offensichtlich andersrum. Denn das Album hat viel mehr Tiefe, viel mehr Seele und viel mehr emotionale Härte, als die fette, schmerzlose und durchaus radiofreundliche Produktion beim ersten Durchlauf zulässt.

Rheinländer versöhnen könnten. Der eine bleibt beim ersten Mal hängen, der andere freut sich über den zweiten Durchgang. Aber beide bleiben dabei. Klar, da blitzt mal ein verdächtig nach Social Distortionröhrendes Riff durch und mal standen auch unüberhörbar die Kollegen Hosen bei ein, zwei Ideen Pate. Aber das macht nicht, denn nur wenn man bei einem Vorbild abschreibt, hat man geklaut – integriert man die Ideen mehrerer in seine Kunst, dann hat man gut recherchiert. Und die Broilers bedienen sich auf „Noir“ vor allen Dingen bei sich selbst. Sie nudeln nicht alte Ideen wieder durch, sondern benutzen die ersten 20 Bandjahre als Fundament, auf das sie 2014 drauf geklettert sind. Heute stehen sie ganz oben: Kommerziell und künstlerisch. Die Düsseldorfer sind heute eine der größten Bands des Landes. Ohne Verrat, ohne Kompromisse, ohne Zweifel. (TE)

„Nur nach vorne gehen“, „Wo es hingeht“, „Ich will hier nicht sein“, „Zurück in schwarz“, sogar die ultra-glatte Konsensnummer „Ist da jemand“ sind Hits, die den Berliner mit dem


mit Bedacht und bevor es wieder in den Fahrstuhl nach unten geht. Das haben sich ganz offenbar auch Sänger Gerard Way und seine Mitpsychos gedacht – und anstatt noch ein paar Ehrenrunden zu drehen, legen sie jetzt eine abschließende Werkschau vor. „May Death Never Stop You“ versammelt 19 Hits („The Black Parade“, „Na Na Na“ etc...), Großtaten, Demos und einen letzten neuen Song. Die Auswahl ist schlüssig und führt auf einer Achterbahn durch das bewegte Dutzend Jahre, das besonders Way an den Rand des Selbstmordes getrieben hat – und in die offenen Arme einer veritablen Drogensucht. Wer einsteigen möchte in die Welt des Wahnsinns, der puren Emotion und der wohligen, ansteckenden Punkrockmelancolie des Quartetts löst mit „May Death Never Stop You“ die Eintrittskarte. Die Deluxe Version enthält zusätzlich zu einem geschmackvollen Trauerflor – charmante Idee – eine DVD mit Videos und weiterem Schnickschnack. Teils überflüssig, teils wertvoll. Für echte Fans halt. (TE)

dramatischsten aller Champions League-Finals von der Queen zum Ritter geschlagen wurde, sich auf rund 450 Seiten durch sein Leben: Analytisch, strategisch, leidenschaftlich.

PRINT Sir Alex Ferguson – Meine Autobiographie Selten standen Titel und Layout einer Biographie so vollumpfänglich für Art und Image des Porträtierten: Sir Alex Ferguson nannte seine Lebenserinnerungen schlicht „Meine Autobiographie“. Nicht etwa „Mein Leben, meine Triumphe“ oder „Beckham, Ronaldo und Cantona - Ich hatte sie alle“ oder auch „Zuhause im Theater der Träume“. Obwohl das alles so passend gewesen wäre, denn all diese großen Themen finden sich zwischen den beiden völlig unprätentiösen Buchdeckeln mit dem Konterfei des „Föns“. Alles Theatralische war Ferguson Zeit seines Trainerlebens fremd, stattdessen setzte er lieber auf Analyse und Leidenschaft für seine Teams. So arbeitet er, der 1999 nach dem

Der knurrige Schotte gibt der hungrigen Fußballmeute das, wonach sie verlangt: Intime Einblicke in das hinter meterhohen Mauern verborgene Innenleben eines der erfolgreichsten Fußballclubs aller Zeiten. Globale Superstars wie David Beckham oder Wayne Rooney werden von Ferguson aus dem Schutze der Kabine und einer Schar Pressesprecher und -verhinderer gezerrt und wieder zu unreifen Schuljungs degradiert. Anekdoten und Geschichten von einem, der dank dramatischer Tiefschläge und darob umso strahlenderer Triumphe schon im Moment seines Rücktritts größer geworden ist, als das Leben selbst. Zwischen beißendem Spott und rührender Fürsorge pendeln die Erinnerungen einer der spannendsten Persönlichkeiten der Fußballgeschichte - und in beinahe biblischen 27 Jahren als Trainer von Manchester United, seinerseits mit immenser Dramadichte in der eigenen Historie, kam da einiges zusammen. Nicht nur für Fußballromantiker. (TE)

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Vom

Glück

vom Glauben vom Klettern Text Till Erdenberger

Es muss nicht immer Abenteuer sein, manchmal muss es auch Erholung, die Aussicht auf Meer und der kühne Luxus eines mondänen Ambientes tun. Nur seelenlos darf es nie sein, wenn sich BLANK auf Reisen begibt. Wir waren in Sanremo und haben uns vom Charme von Stadt und Region vereinnahmen lassen – und von einer Herberge, die alles vereint. 24 I  BLANK


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Kaum mehr als 60 Minuten nachdem der moderne Reisende heute auf dem internationalen Flughafen von Nizza gelandet ist, kann er seine Seele und seine Füße gleichermaßen ablegen.

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Königlich thront es über der Mittelmeerküste Sanremos: Das Royal Hotel ist in jeder Hinsicht das erste Haus am Platz. Wenn nach einer guten halben Stunde die Anreise vom Flughafen Nizza direkt an der Strandpromenade endet, gibt ein kurzer Blick den Hügel hinauf einen schnellen Eindruck davon, warum Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn – besser bekannt als Sissi – sich bei ihrem Mittelmeerurlaub 1899 gerade hier einquartierte. Als buchstäblich über den Dingen schwebender Ruhe- und Rückzugsort, ist das Hotel auch über 140 Jahre nachdem

es zum ersten mal die Türen für betuchte Gäste aus aller Welt öffnete, die logische Basis für einen aktiven aber erholsamen Urlaub. Das wusste die Kaiserin natürlich und wer heute seinen Urlaub im milden Mittelmeerklima im Herzen der „Blumenriviera“ verbringen möchte, sollte auf kaiserliches Know-How vertrauen.

menriviera oder auf den Spuren Sissis im Wellnessbereich des Royal Hotels. Dort warten indoor ein Hydromassagepool, Hammam, Raum und Atmosphäre zum schlichten Relaxen oder eine Vielzahl an ästhetischen oder therapeutischen Anwendungen im Dienste der totalen Erholung, um entspannt Stadt und Leute kennen zu lernen.

Denn kaum mehr als 60 Minuten, nachdem der moderne Reisende heute auf dem internationalen Flughafen von Nizza gelandet ist, kann er im Jahre 2014 seine Seele und seine Füße gleichermaßen ablegen – entweder an einem der Strände der Blu-

Sicher, Sanremo ist nicht Neu Delhi und es warten nicht Wunder und Wunderliches hinter jeder neuen Ecke. Aber die Stadt bietet auchkein durchchoreographiertes, touristisch aufpoliertes Mittelmeer von der Stange. Sanremo lebt nicht von ihren

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„Willst du Nebelbänke, willst du Hügel, willst die Naturschönheit, Stau, Opern, Landstreicher und chinesisches Essen, dann wirst auch du San Francisco lieben.“

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Sehenswürdigkeiten. Sie ist kein Reiseziel, an dem man sich mit einer Checklist von Attraktion zu Attraktion hangeln kann – oder eher muss. Die Menschen an der Blumen Riviera“ leben nicht für die Touristen, sondern lassen sie an ihrem Leben teilhaben. Mit Freude und offenen Armen, nicht mit Hintersinn und subtiler Abneigung. Stattdessen putzt sich Sanremo zu zahlreichen Anlässen über das ganze Jahr verteilt lieber für sich selbst raus: Das „Festival Della Canzone Italiana“ präsentiert Anfang März alle Jahre wieder fünf Abende hintereinander nationale und in-

ternationale Musikgrößen beim ältesten Musikfestival Europas. Wer es lieber sportlich mag, darf sich auf die Ankunft der internationalen Radelite beim Klassikerrennen Mailand-Sanremo freuen oder sich seine Begeisterung für die alljährlichen Autoralleys oder die österliche Segelregatta aufsparen. Es gibt immer etwas zu sehen – und die gut 50.000 Sanremesen laden ihre Gäste herzlich dazu ein.

on geschmückte Themenwagen rollen hintereinander durch die Innenstadt und dann die Strandpromenade herunter und verzaubern Einheimische und Touristen Jahr für Jahr aufs Neue. Ihr Ende findet die Parade – wie könnte es anders sein – zu Füßen des Hotel Royal. Wer das Finale nicht in der eigens errichteten kleinen Arena erleben möchte, genießt die Schau einfach von seinem Balkon, der Terrasse vom Fenster aus.

Noch vor Saisonbeginn schmückt sich die Stadt für den Blumenumzug „Sanremo in fiore“ und zeigt prachtvoll, was sie hat: Bunt und über und über mit den strahlendsten Blumen der Regi-

Die Stadt selbst lässt sich gemütlich erwandern. Entweder schlendernd entlang der Strandpromenade bis zur Villa des Stifters und Dynamitforschers Alfred Nobel, vorbei an kleinen

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grünen Parks und üppigen Gärten, großen teuren Yachten oder noch größeren stolzen Italienern, die auf nicht mehr zu zählenden Vespas durch die Straßen knattern und den Soundtrack der Stadt kreieren. Oder aber man sucht sein Glück in der breiten, ganz und gar unaufgeregten Fußgängerzone – und kann es schon nach wenigen Metern finden: Das 1905 eröffnete Casino Sanremos gehört zu den schicksten Europas und manch einer hat hier tatsächlich sein Glück gefunden. Vielleicht, weil er vorher einen Abstecher in die Griechische Kapelle San Basilio unternommen hat, die eine

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Jetonwurfweite von den Roulettetischen des Casinos entfernt steht? Selten wurde der starke Zusammenhang von Glaube und Glücksspiel manifester als in der Fußgängerzone Sanremos. Wer sich mit den falschen Zahlen allen seines Ballastes entledigt hat, ist gerüstet, zweihundert Meter hinter der glamourösen Spielbank links abzubiegen – und dem Sanremo des 21. Jahrhunderts für einige intensive Minuten den Rücken zu kehren. Denn La Pigna, die historische Altstadt, das Herz Sanremos verschluckt den Reisenden, kaum dass er einen Fuß durch das 1312 erbaute Santo Stefano-Tor gesetzt hat.

Rechts und links türmen sich kleine Häuschen scheinbar gestapelt übereinander und ineinader verbaut, hinter jedem Gässchen vermutet man eine frustbringende Sackgasse, aber irgendeine Riege von Baumeistern

hat dieses einmalige Stückchen Straßenbaukunst derart perfekt durchchoreographiert, dass sich immer wieder und überall das Gewölbe öffnet und der Himmel über allem aufbricht. Die Häuschen scheinen sich gegenseitig zu umarmen und zu beschützen – so wehrten sich die Bewohner der Küstenstadt vor den immer drohenden Piratenangriffen des Mittelalters.


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La Pigna, die historische Altstadt, das Herz Sanremos verschluckt den Reisenden, kaum dass er einen FuĂ&#x; durch das 1312 erbaute Santo Stefano-Tor gesetzt hat.

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Der Tiefpunkt einer SanremoReise kommt immer näher, je mehr Stufen der wunderbar unberührten La Pigna wir hinauf steigen: Oben angekommen, mit der Wallfahrtskirche Madonna della Costa im Rücken, schweift der Blick über den Yachthafen, das italienische Wohnkonzept, das Mittelmeer in seiner vollen Pracht und das Abschiednehmen von Stadt, Menschen und dem königlichen Hotel wird immer schmerzhafter.

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Ob die österreichische Regentin kaiserlichen Schrittes die konzentrischen Kreise dieses pittoresken Häusermeeres durchschritt, um am Ende den königlichen Blick zu genießen, darf jedoch zumindest angezweifelt werden. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Schöne sich den ganzen Tag auf ihrer Terrasse von Personal und Sonne verwöhnen ließ, wie es auch heute noch SanremoReisende auf den Spuren der

jungen Kaiserin tun können. Denn die, in der sie im Royal Hotel zu nächtigen pflegte, trägt auch heute noch – vollrenoviert zwar – die Handschrift des klassischen Sanremo. Opulent aber heimelig, nicht überladen, aber geschmackvoll mit dem Blick fürs Detail möbliert und ausgestattet mit einem Privat-Jakuzi, der auf der aristokratisch großen Terrasse mit Meer und Garten zu Füßen beinahe verloren wirkt.


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Wieder auf Normalnull in der Stadt angekommen, stellt sich die Frage: Füße hoch oder so weit die Füße tragen? Sanremos Umland lockt fast lauter als die Aussicht auf einige schöne Stunden im behaglichen Schick des Hotels. Wer den Rufen der Landschaft nachgibt, wird reich belohnt: Historische Kunst und Schriften in der Pinakothek Coldirolas, der reich an Geschichten immer weiter wachsende Naturpark San Romolos – oder doch gleich der mondäne Glitzer- und

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Glamour-Sehnsuchtsort Monte Carlo: Alle Welten, die um den Fixstern Sanremo kreisen, sind in steter Reichweite.

ner Ivan stetig nachgießt und der Abend unvermeidbar zur würdigen Krönung eines wundervollen Aufenthaltes wird.

Wer den Tag Abend für Abend im Fiori di Murano, das prächtigste der drei Restaurants des Royal Hotels bei prämierter Küche und umsorgt von den aufmerksamen Kellnern, ausklingen lassen kann, weiß, wie man sich im Adel fühlt. Zu den Füßem glitzert noch das mondbeschienene Mittelmeer, während Kell-

Das Hotel: Seit über 140 Jahren ist das Royal Hotel direkt an der Strandpromenade Sanremos Treffpunkt von Aristokraten und Künstlern – oder eben Touristen, die königlich urlauben wollen. Mehr Bilder, Informationen und Preise sind auf www.royalhotelsanremo.com zu finden.


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KINDER

KINDER! liebe eltern, gebt fein acht, wir haben euch etwas mitgebracht: nämlich eine bunte auswahl an schönen dingen und spannenden, leerreichen bilderund bildungsbüchern. Für Kinder, Kind gebliebene und die, die am liebsten den ganzen tag durch ein funkelndes Kaleidoskop blickend ihren träumen nachjagen. Kaufen müssen es die eltern, lieben dürfen es alle. und mit ein bisschen extraglück kommt ganz großes glück sogar frei haus und auf unsere Kosten ins Kinderzimmer geflattert. hierfür müsst ihr nichts weiter tun, als an verlosung@blank-magazin.de eine Mail mit dem betreff „Kinder, Kinder“ zu schicken und uns euren lieblingsartikel zu nennen. schaut, womit ihr Kinderpapamamaaugen strahlen lassen könnt.

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rotrAUt sUsAnne Berners wIMMeLBÜCHer rotraut susanne berner ist international eine der bekanntesten und meistgeehrten illustratorinnen. ihre Jahreszeitenwimmelbücher sind Kult und selbst erwachsenen macht es großen spaß, die unzähligen liebevollen kleinen details und geschichten zu entdecken, die sich nicht nur durch ein buch sondern sogar durch die ganze reihe ziehen... ein Muss in jedem Kinderzimmerregal.

il Foto: e-domiz

gerstenberg Verlag, ab 2 Jahren

rotrAUt sUsAnne Berners KArLCHen GesCHICHten bei dem kleinen hasen Karlchen und seiner Familie wimmelt es zwar nicht vor details, aber vor schönen, kleinen geschichten. immer im Mittelpunkt: Karlchen und Mama und papa. große geschichten in der Welt der kleinen tiere. liebevoll gezeichnet, kindgerecht getextet – zum anschauen, Vorlesen und immer wieder freuen. hansa Verlag, empfohlen ab 3 Jahren

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reIMA – 70 YeArs AnnIversArY CoLLeCtIon liebe eltern: Wir verlosen antizyklisch! denn auch wenn es gerade keiner glauben möchte, der nächste herbst kommt ganz sicher. und während zumindest unsere berliner redaktionskinder gerade noch durch die letzten spätwinterlichen restpfützen stapfen, beginnt schon die Vorbereitung auf den nächsten Matsch. zusammen mit reima nehmen wir einem elternpaar die sorge, das Kind könnte nicht technisch und ästhetisch nicht gewappnet sein. denn: Wir haben eine ultraschicke und dazu noch megafunktionelle Kombi aus Jacke und hose aus der 70 years anniversary Collection von reima für euch, in der über Jahrzehnte gewachsenes Know-how und modernste technologien zu Kinderbekleidung vereint wird. als hommage an das eigene erbe präsentiert reima einige knallfarben Jacken-styles im stil der 1970er Jahre, ansonsten heisst es: innovation

für die aktive generation „Jetzt“! zum sortiment gehören ergonomisch geschnittene, präzise verarbeitete Jacken und hosen in atmungsaktiven, waschbaren und wasserabweisenden Materialien. Farbenfrohe, wasserdichte sporty shell und soft shell Jacken halten warm und trocken und lassen sich perfekt zu praktischen Matschhosen und lässigen 5pockets mit 5000er Wassersäule kombinieren. Wir verlosen eine Kombination aus Jacke und hose, größe (zwischen 92 und 140) und Farbe sind frei wählbar. www.reimashop.com/de

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KInDerBUCH QUIrInIUs QUInn liebe Kinder, liebe eltern: es gibt einen neuen helden für alle von euch. Quirinius Quinn, entwaffnend freundlicher lockenschopf, lehrt euch die wichtigen lektionen des lebens. liebevoll, spielerisch, entwaffnend naiv und dabei gleichzeitig so weise, wie ein in einer seifenblase schwebender held mit seiner Freundin tortusia, ihreszeichen sprechende schildkröte, nur sein kann. Quirinius Quinn taucht mit seiner seifenblase immer genau dort auf, wo Kinder sorgen haben. in spannenden, berührenden abenteuern finden sie geistreiche, berührende, ehrliche antworten auf alle Ängste der kleinen sorgenträger. Quirinius und tortusia lehren Kinder und erwachsene vor allem eines: „es gibt für fast alle probleme eine lösung - und die findest du meistens bei dir selbst!“. die autorin Cilly holle hat eine Figur erschaffen, die so viel Wärme, zuversicht und kindgerechte philosophie transportiert, wie es vor ihr

lange keine mehr gegeben hat. illustriert sind die großen geschichten der kleinen helden ebenso: spannend, einfühlsam, detailfreudig. denn das auge fühlt mit. in der hörbuchfassung erweckt die leider kürzlich viel zu früh verstorbene Mareike Carrière Quirinius und seine Freunde zum leben. 92 Minuten lang schafft sie mit ihrer stimme die bilder, die hier naturgemäß fehlen. Mit ihrer warmen Wohlfühlstimme schafft sie eine neue Welt für die geschichten des kleinen lockenkopfes - ein erzähltes zuhause für Kinder, eltern und den ganzen rest. Wir verlosen 7 hörbücher und 5 bücher.

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CAPt‘n sHArKY-sPIeL- UnD BAsteLset die kleinen helden aus dem Coppenrath-Verlag kennt heute jedes Kind zwischen 4 und 100: prinzessin lillifee und Capt‘n sharky sorgen bei den kleinen lese- und zuhörfreunden für nervenkitzel, lachen und große begeisterung. die geschichten sind nicht nur besonders liebevoll erzählt, sondern auch besonders detailverliebt und lebendig illustriert. Kein Wunder, dass sich Jungs und Mädchen mit lillifee und Capt‘n sharky so wohl fühlen. Mit die spiegelburg erweckt der Coppenrath-Verlag seine helden und deren abenteuer zum leben: Mit hochwertigem spielzeug direkt aus den großen Welten der kleinen helden. Wir verlosen ein tolles Capt‘n sharky-spiel- und bastelset aus dem spiegelburg-programm, bestehend aus 1x Capt‘n sharky-steuerrad, 1x Capt‘n sharky-rucksack, 1x Capt‘n sharky-schatztruhe mit ausgrabungsset 1x Capt‘n sharky-bettwäsche und 1x Capt‘n sharkyWikingerschwert. Weitere informationen zum spannenden programm von die spiegelburg gibt es auf www.coppenrath.de

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DvD „wUnDer Des wALDes“ Was für ein wunderbar entschleunigendes, einfühlsam gefilmtes Meisterwerk: die „Wunder des Waldes“ entführen uns an blätschernde bäche, an denen sich die bewohner des Waldes treffen, das beschwingte zwitschern uralter Vogelarten dringt aus den boxen an die ohren von entwöhnten großstadtkindern und -erwachsenen und jeder Moment lockt mit der spannenden dynamik der vermeintlichen ruhe und langsamkeit. das heimkinoabenteuer für groß und Klein lockt in eine Welt, die vielen von uns inzwischen viel zu fremd ist, dabei gibt es so viel zu sehen. in jedem Winkel, in jedem augenblick. Für die „Wunder des Waldes“ wurde 8 Jahre in den finnischen Wäldern Material gesammelt, um die faszinierende Wirklichkeit der natur zurück in die phantasie unserer Kinder zu transportieren. nah- und zeitlupenaufnahmen zeigen den Wald und seine bewohner in seiner ganzen Vielseitigkeit und schönheit in allen vier Jahreszeiten. „Wunder des Waldes“ wurde ausgezeichnet mit dem prädikat wertvoll. Wir verlosen dreimal die dVd!

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PIP UnD PosY: sUCHen UnD entDeCKen in der Welt von pip und posy gibt es viel zu erkunden. Wo hat sich die ente versteckt? genau hinsehen, entdecken und benennen – eine spielerische erweiterung des Wortschatzes mit großen spannenden Wimmelbildern. illustriert von dem vielfach ausgezeichneten illustrator axel scheffler, laden die beliebten pip und posy geschichten zum betrachten und entdecken ein. Carlsen Verlag, 11,90 €, ab 2 Jahren

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BUCHPAKete voM s.FIsCHer verLAG zusammen mit dem s.Fischer Verlag begleiten wir deine Kinder publizistisch durch ihre frühen Jahre – und verlosen zwei buchpakete, du auch Vätern, Müttern und all den anderen Junggebliebenen immer neues wohliges staunen bereiten werden. die illustratorin Cruschiform schickt Kinder ab fünf auf eine reise durch die Welt der geschwindigkeit. im retrostil schickt sie libelle und Feuerwehr, Krokodil und u-boot in spannende rennen gegeneinander – mit meistens durchaus überraschendem ergebnis. ein großer spaß nicht nur für die Kleinen sondern auch für papas und Mamas, die glauben, schon alles zu wissen. ein faszinierendes buch faszinierend gestaltet. Was für ein tolles Mitsing-/Mitmach-/Mitspielpaket: Kuno Knallfrosch ist der held des gleichnamigen Musicals für Kinder – und lässt seine geschichte gleich in mehreren Formaten erzählen. die abenteuer des musikalischen aber im heimischen teich ungeliebten Frosches kommen als bilderbuch mit hörspiel-Cd und noten zum nachspielen in die Kinderzimmer. Kuno ist ein Frosch, der, anstatt wie alle anderen zu quaken, lieber die backen aufbläst und dann kräftig draufhaut, um sich durch den tag zu knallen. als seine Mitfrösche eines tages genug von ihm haben, wird er des teiches verwiesen. doch der Knallmusiker bleibt nicht lange alleine: Mit einer horde ähnlich besonders veranlagter Freunde macht er sich auf die suche nach dem bubalubalu-Club, um dort berühmt zu werden. begleiten können ihn dabei seine kleinen Fans von anfang an: Mit liedern zum Mitspielen und Mitsingen, liebevollen zeichnungen und einer spannendberührenden geschichte um träume, Freundschaft und einen langen Weg, der eigentlich schon das ziel ist.

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ist das noch Kunst oder schon Kult? der Künstler rufus butler seder erschafft optische täuschungen in serie, seine zweidimensionalen Werke erwachen unvermittelt je nach blickwinkel zum leben. einer der neuesten streiche: „star Wars – 11 Kultszenen aus einer weit, weit entfernten galaxis ...“ ein buch, das dank der patentierten scanimation-technik elf unsterbliche originalszenen aus den Kultfilmen wachküsst. beim blättern treten seite für seite yoda, han solo, luke skywalker und all die anderen Charaktere einen schritt aus der zweidimensionalität der buchkunst hinaus – und schlagen noch einmal die schlachten um endor und Co. Vor den augen kleiner und großer Kinder. die Macht steckt mitten in diesen seiten.


PAtCHworK sweetYs von sIGIKID gewohnt kuschelig und innovativ im design präsentiert sich die neue generation der sweety Kuscheltiere. zauberhaft sind vor allem die liebevollen details vom strickpullover bis zum häkelschal. die superkuschler haben das zeug zum lebenslangen Weggefährten. www.sigikid.de

BArBIe In DIe MAGIsCHen PerLen

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liebe Feministinnen, jetzt müsst ihr ganz stark sein: barbie ist nach wie vor das beliebteste spielzeug bei Mädchen. die machen sich nämlich noch keine gedanken über rollenmodelle und unterdrückung und so weiter... die wollen sich einfach nur in Welten zum träumen und zum darin aufgehen entführen lassen. und das schafft kein anderes „rollenmodell“ seit Jahrzehnten so erfolgreich, wie die langmähnige schönheit. seit ende März gibt es barbie auch auf dVd und blu-ray – und zwar in der gestalt der Meerjungfrau lumina. die kann perlen tanzen und in den wunderbarsten Farben erstrahlen lassen – eine wundersame Fähigkeit, die später noch zum schlüssel zu ihrer wahren bestimmung ist. denn lumina träumt den traum eines jeden jungen Mädchens - ob über oder unter Wasser: sie möchte eine prinzessin sein. als sich eines tages der Weg ins nahe schloss auftut, packt lumina die gelegenheit beim schopfe und schwimmt los - gemeinsam mit ihrer besten Freundin Kuda, einem seepferdchen. neue Freunde und große gefahren kreuzen ihren Weg, wunderbare abenteuer und eine neue Welt. am ende des Weges wartet ein großes geheimnis – und ebenso große gefahr. „barbie in die magischen perlen“ bietet ab sofort die auflösung – und umfangreiches bonusmaterial für kleine prinzessinnen. Wir verlosen eine blu-ray von „barbie in die magischen perlen“ – gemeinsam mit einer lumina. Visuelle und haptische begeisterung in einem paket! Themenspecial BLANK I 45


HÄnGeHÖHLe JoKI von LA sIestA einfach mal ein bisschen abhängen und die seele baumeln lassen? das ist für Kinder mindestens genauso wichtig und entspannend, wie für erwachsene. die hängehöhle JoKi von la siesta verschafft den Kleinen einen gemütlichen rückzugsort voller ruhe und geborgenheit – zum spielen, träumen und zum ganz-bei-sich-sein. denn Kind sein ist anstrengend, voller reize und jederzeit eine spannende herausforderung. umso wichtiger und schöner, wenn sich jederzeit eine wunderbar gemütliche, geschützte Wohlfühlwelt zum ein- und aussteigen auftut: ein kleines stückchen über dem boden schwebend, sanft schwingend und so geschützt vor allem, was ruhe, Konzentration und phantasie stört, wie es kleinen träumern und entdeckern wichtig ist. die leichten schwingungen des la siesta JoKi laden nicht nur zu träumereien von piraten-, elfen- oder Weltraum-

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abenteuern ein, sondern schulen auch gleichzeitig den gleichgewichtssinn des Kindes und fördern so spielerisch seine entwicklung. empfohlen von der bundesarbeitsgemeinschaft für haltungs- und bewegungsförderung ist la siesta JoKi der Wohlfühl-, spiel- und rückzugsort für alle kleinen Forscher, träumer, denker und spieler. gemütlich dank bequemem sitzkissen, hautfreundlich, reißfest und langlebig dank hochwertiger baumwolle. Wir verlosen einmal la siesta JoKi in der Farbe dolfi. geeignet für Kinder ab 3 Jahren. den JoKi sowie passendes zubehör von la siesta findet ihr auch im onlineshop www.hängematte.de. blanKleser erhalten hier exklusiv einen rabatt von 10% auf alle produkte. Code: blanK141 (gültig bis 30.6.14).


sPIeLPUPPe erwIn von sIGIKID in zusammenarbeit mit dem bestsellerautor prof. dietrich grönemeyer und renommierten arzt entwickelte das sigikid-team eine ganze reihe von produkten zum Kuscheln, spielen, lernen und entdecken, die sich im design an den Figuren und iilustrationen seiner bücher (u.a. „Mein großes buch vom Körper“) orientieren. die spielpuppe erwin, bereits ein Klassiker im sigikid-sortiment, wurde dafür eigens überarbeitet und erhielt mit rosi sein weibliches pendant. an ihm entdecken Kinder ohne scheu und ekel die organe: herz, Magen, darm, lunge, leber. erwins innenleben ist aus kuscheligem plüsch, kann herausgenommen und per Klettstreifen wieder in erwin hineinsortiert werden! so können schon kleine Kinder spielerisch den menschlichen Körper entdecken. www.sigikid.de

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Das Finale gewannen wir an meinem

9. Geburtstag Interview Roman Libbertz

Er moderiert frei von der Leber weg. Er spricht das aus, was wir Fussballfans hören wollen. Er ist sich für keinen Kalauer zu schade. Und sein Herz gehört dem SV Werder Bremen. Ohne jeden Zweifel macht es großen Spaß, Arnd Zeigler zuzuschauen und insgeheim wünscht man sich einen Fussballfreund wie ihn. BLANK: Dein erster Stadionbesuch? Arnd Zeigler: 7. Februar 1976. Werder Bremen – Bayern München. Endete 0:0, war aus heutiger Sicht vermutlich eher langweilig, aber ich war von einem Tag auf den anderen infiziert. Es war ein schweinekalter Wintersamstag, meine Eintrittskarte kostete 2,50 DM und ich fand es vor allem toll, Fußball endlich mal in Farbe zu sehen, weil wir zu der Zeit zuhause noch ein Schwarzweißgerät hatten. BLANK: Deine erste Niederlage? AZ: Privat, beruflich oder mit Werder? Ich wurde Werder-Fan zu einer Zeit, als der Verein grundsätzlich immer gegen den Abstieg spielte und sehr häu-

fig verlor. Ich glaube, so richtig gepackt wurde ich von meiner Werder-Leidenschaft im Sommer 1977. Ab da litt ich mit, fuhr noch nicht immer, aber sehr oft zu den Spielen (ich wohnte damals noch außerhalb Bremens) und war dem Verein verfallen. Der verlor dann aber gleich das Auftaktspiel der neuen Saison beim gerade aufgestiegenen FC St.Pauli mit 1:3. Das war somit meine erste Niederlage. Unser Tor schoss Per Röntved. BLANK: Wo warst du 1990 beim Finale? AZ: Habe ich mit ein paar Leuten bei einem damaligen Kollegen und späteren guten Freund geguckt, der heute ein erfolgreicher Roman-Autor ist: Hallo, David Safier!

BLANK: Und 1986? AZ: Da habe ich gerade Zivildienst gemacht und hatte eine Freundin, die ich zu der Zeit erstaunlicherweise spannender fand als Fußball. So eine Phase hat man ja auch als Fußballfan mal kurz, wenn man heranwächst. Und ich weiß, dass ich an dem Tag bei ihr war und dieses Finale nur mit einem Auge verfolgt habe. Klingt aus heutiger Sicht völlig seltsam, war aber so. BLANK: Und 1982? AZ: Zuhause bei Mama und Papa im Wohnzimmer. BLANK: Deine schönste Weltmeisterschaft? AZ: 1974 vielleicht. Das Finale gewannen wir an meinem 9. Geburtstag. Für Mexico 1970

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„Für Mexico 1970 war ich noch zu jung, aber in der Nach­be­trachtung fasziniert mich diese WM zusammen mit England 1966 am meisten.“ war ich noch zu jung, aber in der Nachbetrachtung fasziniert mich diese WM zusammen mit England 1966 am meisten. BLANK: Der Namen Kutzop verbindest du mit? AZ: Mit DEM Elfmeter 1986 natürlich. Ich war im Stadion und hätte den ersten Meistertitel meines Lebens feiern können. Aber daraus wurde dann ja nichts. Sehr traumatisch war das damals, mehr noch aber für Michael Kutzop. Es war der einzige verschossene Elfer seiner gesamten Bundesligakarriere. Ich habe mir das Spiel irgendwann nochmal ganz angeguckt und dann erst erfasst, wie nervenzerfetzend auch der Rest des Spiels war, das immer auf diesen einen Elfmeter reduziert wird. Danach habe ich mich manchmal dabei ertappt, dass ich fast froh war, dass Werder nicht durch einen unberechtigten Elfer Meister wird. Andererseits – als das schiefging dachte ich: Nun wirst Du NIE wissen, wie sich ein Meistertitel anfühlt. Wunderbarerweise durfte ich das dann aber doch dreimal erleben. 50 I  BLANK

Fussball

BLANK: Das Leckerste, das du je im Stadion gegessen hast? AZ: ... war eine Stadionwurst in Bochum, vor sehr langer Zeit. Die war kurz und dick und perfekt. Ich weiß nicht, ob es diese Würste in Bochum noch gibt. BLANK: Das beste Stadion der Welt? AZ: Das hängt ja neben architektonischen Dingen immer mit der Stimmung zusammen, und da bin ich einfach sentimental geprägt vom alten Wembley-Stadion (wo ich das EM-Auftaktspiel 1996 und ein Cup Final zwischen Arsenal und Sheffield gesehen habe), Highbury (dem Ex-Stadion des FC Arsenal) und natürlich Dortmund, immer wieder. Toll fand ich auch die alten, steilen Tribünen des Bökelbergs. Aber letztlich ist das beste Stadion immer noch mein WeserStadion. Es hat seinen Namen noch, liegt wunderschön direkt am Fluss, so dass man mit der Fähre hinfahren kann. Drumherum ist alles grün, es wurde nicht in ein Industriegebiet geschissen, und vor allem: MEINE Jungs spielen da.

BLANK: Dein skurillster Stadionbesuch? AZ: Ich war bei der legendären 0:4-Blamage meines Vereins veim SV Pasching 2003 dabei. Der Verein wurde in den Tagen vor dem Spiel in „FC Superfund“ umbenannt, alle Schilder und Trikots mussten schnell mit dem neuen Vereinsnamen überklebt werden. Das Stadion in Pasching war winzig und lag direkt neben einem Freibad, un d in dem Freibad waren an diesem heißen Tag mehr Leute als bei dem Fußballspiel. Und dann verlierst Du auch noch 0:4... BLANK: Bist du noch aufgeregt vor deiner Sendung? AZ: Ein bisschen Grundanspannung gehört dazu. Aber ich sende aus meiner Wohnung, mein Team besteht aus lauter Freunden – mehr Heimspiel geht nicht. Und letztlich wird von mir nichts Schwieriges erwartet sondern nur, dass ich vor der Kamera ich selbst bin. Und das kann ich gut. Deshalb ist die Aufregung eher gering. BLANK: Dein Peinlichster TVMoment? AZ: Als ich einmal von Thomas Schaaf für eine private Trainingseinheit gescheucht wurde und schon nach dem Warmmachen vor Anstrengung nicht mehr sprechen konnte. BLANK: Schonmal wegen eines Ergebnisses geweint?


AZ: Schon oft. Aber auch schon länger nicht mehr. BLANK: Dein aktueller Lieblingsspieler? AZ: Nils Petersen. Großartiger Mensch: Intelligent, integer, charakterstark. BLANK: Der schönste Schlachtgesang? AZ: „Bewegt eure Hüften und tanzt den Andree Wiedener nach links, nach rechts!“ BLANK: Die schönste Europameisterschaft? AZ: 1992, weil es von größtmöglicher Fußball-Romantik zeugte, dass der Legende nach untrainierte Dänen als Nachrücker das gesamte Turnier vaufmischten und gewannen, gegen lauter Teams die bis an die Zähne vorbereitet in diese EM gingen. Ein Symbol für die Werte Teamgeist, Begeisterung, Spaß. BLANK: Was wäre deine Henkersmahlzeit? AZ: Parmaschinken mit Melone. BLANK: Deine aufregendste Cham­pionsleaguesaison?

AZ: Als mein Verein einmal bis zur letzten Minute im Viertelfinale stand und dann durch einen Patzer von Tim Wiese doch noch in Turin bei Juventus ausschied. BLANK: Wen würdest Du gerne mal zu Gast haben? AZ: Eric Cantona. BLANK: Deine beste Bundesligasaison? AZ: Ganz klar unser DoubleJahr 2003/2004. Der schönste Fußball, den ich je gesehen habe – Spieler wie Micoud und Ailton und eine so überlegene Meisterschaft aus dem Nichts, dass man es einfach nicht fassen konnte. Und der Erfolgsweg begann nur ein paar Tage nach Pasching! BLANK: Wo landet Werder Bremen am Ende der Saison? AZ: Platz 12. BLANK: Wenn du keine Leidenschaft für Fussball hättest, wärst du was geworden? AZ: Radiomoderator mit hoffentlich einer eigenen Musiksendung, die dann aber wahrscheinlich nicht „Zeiglers wunderbare

Welt des Pop“ heißen würde wie die, die ich tatsächlich schon mache (Dienstags 20 Uhr bis 23 Uhr auf Radio Bremen Vier). BLANK: Drei Bücher, die du immer empfehlen würdest? AZ: „Lost in Music“ von Giles Smith. „Betty Blue“ von Philippe Djian. Und weil es ohnehin jeder erwartet: „Fever Pitch“ von Nick Hornby. BLANK: Wie sähe deine beste Elf aller Zeiten aus? AZ: Im Tor Gordon Banks; Abwehr: Rune Bratseth, Franco Baresi, Franz Beckenbauer, Bobby Moore; Mittelfeld: Johan Micoud, George Best, Zinedine Zidane; Sturm: Eric Cantona, Matt Le Tissier, Wynton Rufer; Trainer: Thomas Schaaf BLANK: Und wie schneidet die Deutsche Nationalmannschaft in Brasilien ab? AZ: Halbfinale, danach alles möglich. BLANK: Vielen Dank für dieses Interview. AZ: Gerne!

„Letztlich ist das beste Stadion immer noch mein Weser-Stadion. Es hat seinen Namen noch, liegt wunderschön direkt am Fluss, drumherum ist alles grün, es wurde nicht in ein Industriegebiet geschissen, und vor allem: MEINE Jungs spielen da.“ FUSSBALL BLANK I 51


Reise an

die orte

unserer Vergangenheit 52 I  BLANK


Das goldene Licht der Lobby, und auf den gewienerten Fuร bรถden des Wiener Grand Hotels entkommt Dir dieser tiefe Seufzer,

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Eure Brücke in Budapest als ob mehr und mehr Farbe aus der Welt fliesst,

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Momente des größten Glücks, die Suite im 717 in Amsterdam, aber Gemütlichkeit ist gegen Einsamkeit chancenlos,

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so traurig wieviel Spaß ihr hattet,

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und plötzlich aus dem Bad kommend, versteckt im Wandschrank. da seid ihr wieder, ihr.

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Oh was gäbst du drum, nicht bereits eingeschlafen…

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Axel Ranisch

von A bis Z Interview Roman Libbertz

Axel Ranisch (1983 in Lichtenberg geboren) ist ein Mann, der kann, was nur die wenigsten Regisseure können: VERZAUBERN! Seine Filme sind illustre Träumereien, so schön, dass man nicht umhin kann, sich fröhlich zu ergeben. Jeder Kinobesuch lässt das Herz tanzen. Bei seinem neuen Film „Ich fühl mich Disco“ ist das wieder GENAU SO!

Am (A)nfang war? Annelie Streit. Sie hat den Pegasusclub im Haus der Kinder in Berlin Lichtenberg geleitet. Sie hat die Knöpfe gefunden und gedrückt, die man benutzen muss, um mich in Gang zu setzen. Seit dem laufe ich wie ein VW-Käfer.

Wann hat ein Film für die das gewisse (E)twas? Wenn er mich überrascht. Wenn er mich vergessen lässt, dass ich einen Film gucke. Wenn ich mitlachen darf. Wenn er mich zum Träumen bringt. Wenn er länger hält, als eine Tüte Milch.

mein Professor. Er hat mich gefördert, gefordert, mich erhöht und erniedrigt. Ich habe Unmengen an Kurzfilmen gedreht und alles ausprobiert.

Was (b)edeutet dir Anerkennung? Viel. Muss aber nicht immer nur beruflich sein.

Wovor (f)ürchtest du Dich? Einsamkeit.

Was unterscheidet (J)etzt von früher? Jetzt ist das ganze, pralle, volle Leben. Früher ist immer nur Erinnerung.

Bist du (C)hrist? Nein. Bist du dir bei der Auswahl deiner (D)arsteller immer sofort sicher? In den meisten Fällen schreibe ich Ihnen die Rollen auf den Leib.

Welchen Stellenwert hatte die Ausbildung an der (H)ochschule Konrad Wolf für deine filmische Entwicklung? Die Hochschule war ein Segen. Ich durfte (musste!) Filme machen, ohne mich meinen Mitmenschen gegenüber rechtfertigen zu müssen. Ich habe viele großartige Menschen, Freunde, meine Filmfamilie kennen gelernt. Rosa von Praunheim war

Hast du (I)dole? Meine Eltern.

Wie gehts du eigentlich mit (K)ritik um? Ich bin sehr sensibel. Was ist so deine größte (L)eiden­ s­chaft? Die Musik! Ich wäre so gerne Dirigent oder Komponist ge­ worden.

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„Ohne Leidenschaft und Fleiß geht gar nix.“ Wie ist der Begriff (M)acht für dich besetzt? Negativ. Ich halte nicht viel von Hierarchien. Wenn das mit der Regie (n)icht geklappt hätte, was wäre dann aus Dir geworden? Bestimmt ein Pädagoge. Ich mag Kinder und Jugendliche. Ich mag Wissen vermitteln. Ich gebe gern meinen Senf dazu. Gab es das Kinoerlebnis, das für dich eine (O)ffenbarung darstellte? Nö. In der Musik gab es ein paar Offenbarungen: Rachmaninoffs Sinfonische Tänze; Mascagnis Cavalleria Rusticana; Mussorgskis Chowantschina; Mahlers Zweite und Saint-Saens Dritte. (P)reise bedeuten dir generell? Ich freue mich wie ein ­kleiner Junge über jeden, den wir ­kriegen. Wann sollte man dir am Besten nicht in die (Q)uere kommen? Ich bin ganz selten schlecht gelaunt. Und wenn doch, dann sorge ich dafür, dass mir niemand begegnet.

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FILM

Magst du den (R)egen? Na klar, für zwei, drei Tage. Wenn er mehr als zwei Wochen bleibt, sinkt meine Laune. Deine erste (S)challplatte war? Mein Papa hat 1990 aus der Tschechoslowakei einen Ghettoblaster und 20 Doppel CDs mit Evergreens der Klassischen Musik mitgebracht. Die habe ich mir gekrallt. Damit war ich an die Klassik verloren. Mein erstes nichtklassisches Album habe ich mir erst mit 24 gekauft. Das war die Bananen-Platte von Velvet Underground. Warum so ausgefallene (T)itel? Was jetzt? Wie wichtig ist es für dich mit deinen Filmen zu (u)nterhalten? Ich mach die Filme ja nicht allein zur eigenen Bespaßung. Ich finds schon gut, wenn sie gern gesehen werden. Wenn du ein riesiges (V)ermögen ausgeben dürftest, wäre das sicherlich für? Meine Familie. Für meine eine Schwester kaufe ich einen kleinen Bauernhof mit Elefanten,

für meine andere Schwester ein ganzes Jahr Freizeit, für meine Eltern errichte ich ein RentnerHäuschen am See, mit meiner Oma mache ich eine Weltreise, mein Freund kriegt einen Hund und ich nen ganzen neuen Schrank CDs. Was bedeutet für dich (W)illenskraft? Was ist das? Klingt so unsympathisch... Ich übersetze das mal: Ohne Leidenschaft und Fleiß geht gar nix. Wann wäre für dich der Tag (X)? Ich weiß nicht, was das für ein Tag sein sollte. Ich habe so ein schönes Leben. Hat (Y)outube das Filmgeschäft verändert? Das Internet auf jeden Fall. Für was nimmst du dir heute noch (Z)eit? Nun, ich habe heute schon ein Musikvideo geschnitten, dieses Interview gegeben und ein Hühnerfrikassee gekocht. Sport habe ich gestern gemacht. Es wird mal wieder Zeit für Musik!

„Ich habe heute schon ein Musikvideo geschnitten, dieses Interview gegeben und ein Hühnerfrikassee gekocht.“


IMPRESSUM

Reise Boris Guschlbauer

Herausgeber, redaktionelle & künstlerische Leitung

Urbane Kultur, elektronische Tanzkultur Yuppi Buge

Romy Berger Johannes Finke

Anzeigen, Kooperationen, Advertorials Romy Berger | r.berger@blank-magazin.de

Kontakt BLANK | Postfach 02 10 02 | 10121 Berlin Redaktionelle Ansprechpartner Gesellschaft & Politik Johannes Finke

Art Direktion Romy Berger Online Mario Meißner V.i.S.d.P. Johannes Finke

Contributors Text & Reportagen Elmar Bracht (www.dasbiestberlin.blogspot.com) Johannes Finke Boris Guschlbauer (ichwilleineriesenbockwurst mitsenfundzwarsofort.de) Roman Libbertz (romanlibbertz.blogspot.com) Thomas Jäger Fotografie Roman Libbertz Romy Berger Boris Guschlbauer

Musik & Literatur Till Erdenberger Literatur Roman Libbertz

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