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LITERATUR T.C. BOYLE, THOMAS GLAVINIC MUSIK BIFFY CLYRO, JOHN LEGEND

GESELLSCHAFT, DISKURS, DISKO

WINTER 2013

KUMBH MELA

DAS GRÖSSTE PILGERFEST DER WELT

ISTANBUL

WAS BLEIBT? WAS KOMMT? CHELSEA

LYRIK ALS MITTEL DER KRIEGSMARLA BLUMENBLATT FÜHRUNG

FR ÄULEINWUNDER 2.0


BLANK NR. 14 / WINTER 2013

TITELFOTO: LUPI SPUMA 4 EINE LÖWIN, DIE AUS DER ZEIT SPRINGT Marla Blumenblatt macht Musik im Stile der fünfziger Jahre und mehr muss man vor einem ihrer Konzerte auch nicht wissen. 6 DER NEKTAR DER UNSTERBLICHKEIT Jahrelang reist unser Redakteur Boris Guschlbauer nun schon nach und durch Indien. Diesmal, um der Kumbh Mela, dem größten Pilgerfest der welt, einen Besuch abzustatten. 36 WEIHNACHTSZEIT, GESCHENKEZEIT wir verschaffen euch nicht nur guten Geschmack, sondern auch einen guten Start ins neue Jahr: Handverlesene Tipps für Körper und Geist, übersichtlich arrangiert zur Selbstbedienung. 42 FRAU PIEPER LIEBT ES BUNT Juliane Pieper ist freiberufliche Illustratorin und Autorin. Zu ihren Kunden zählen Medien wie der Spiegel, die new York Times, das Handelsblatt, die taz sowie Buchverlage wie Reclam oder Heyne. Ende September erschien ihr Buch „Lesewesen“, das sie sowohl illustriert wie auch geschrieben hat. 49 MUSIK Foals, Tim Bendzko, John Legend, Biffy Clyro, Volker Pispers 52 POESIE FÜR GLAVINIC

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HEFT ZwEI

54 UM NICHTS VORWEG ZUNEHMEN, ABER… Roman Libbertz hat in seiner Literaturkolumne dieses Mal niemand geringeren als T.C. Boyle zum Interview gebeten. 57 SCULLCANDY CRUSHER – AUF DIE OHREN, IN DIE OHREN 58 ICH LIEBE BERLIN Yuppie Buge ist leidenschaftlich gern Berliner. Doch um sie richtig würdigen zu können, braucht man auch von der großen Liebe gelegentlich mal Abstand. So also die Gelegenheit genutzt und eine woche Beziehungspause eingelegt. Die Affäre: Istanbul. Oder wie man es auch nennen könnte: die Stadt der unmenschlichen Steigungen. 86 BIENNALE – ALLE (2) JAHRE WIEDER Roman Libbertz berichtet kurz und bündig von seinem Austellungsbesuch in Venedig. 97 IMPRESSUM HEFT ZWEI Lyrikspecial: CHELSEA Die Zeiten ändern sich. wir heißen Chelsea. neue Lyrik aus Berlin. Gesammelt, geschrieben und herausgegeben von Julia Schramm und Johannes Finke.

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Eine

Löwin, die aus der

Zeit springt Text Roman Libbertz Fotografie Lupi Spuma (links), Roman Libbertz

„Musik war schon immer ein zentrales Thema in meinem Leben.Es war nur eine Frage der Zeit, und des richtigen Moments um die Seiten zu wechseln und nachdem ich mich jahrelang ausgetanzt hab in Paris und Vegas hat es sich auch ziemlich gut angefühlt wie ich damals in Paris von einem Tag auf den anderen gekündigt habe um meinen neuen Weg zu gehn.“ Marla Blumenblatt

Z

wetschgenröster isst Marla für ihr Leben gern, ungeklärt ist, ob sie dies in ihrem geliebten Pettycoat, zu den Klängen von Johnny Cash, an einem sonnigen Sonntag im Berliner Mauerpark tut, während sie nebenbei auch noch in einer Audrey Hepburn Biographie blättert, aber es würde auf jeden Fall ins Bild passen.

kundenbruchteilen ins Rotzige umschlägt. Dass Marla auch eine lange Vergangenheit im Tanzbereich hinter sich hat, beweist sie vor allem im Mittelteil ihrer Konzerte, dabei ist diese Showeinlage im Grunde gar nicht nötig.

Bereits mit ihrem zweiten Song („Lichter von Berlin“) bringt sie den Saal (Ampere, München) zum vibrieren. Marla Blumenblatt, ob man die kennen muss? Man könnte auf jeden Fall was verpassen.

Marla Blumenblatt macht Musik im Stile der fünfziger Jahre und mehr muss man vor einem ihrer Konzerte auch nicht wissen. Ihre Musik geht sofort ins Bein. Und sie hat diese Stimme, die wunderbar unschuldig in Se-

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DER nEKTAR

DER UnSTERBLICHKEIT TexT & FoTograFie boRiS guSChLbaueR

Zu Anbeginn der Zeit quirlten die Göttern und Dämonen den Milchozean, um daraus den Nektar der Unsterblichkeit zu filtern. In einem runden Krug gesammelt, entbrannte ein erbitterter Streit zwischen den beiden Parteien und vier Tropfen des kostbaren Guts fielen auf die Erde. An diesen vier Stellen befinden sich heute die indischen Städte Allahabad, Haridwar, Ujjain und Nashik. Es ist der Hindumonat Februar. Der Planet Jupiter steht im Sternzeichen Stier, die Sonne und der Mond im Sternzeichen des Steinbocks. Nach 12 Jahren ist der richtige Zeitpunkt für das größte Pilgerfest der Welt gekommen, der Kumbh Mela in Allahabad, dort wo die heiligen Flüsse Ganges und Yamuna und der unterirdische mythologische Fluss Saraswati zusammenfließen, und ein Bad im kühlen verschmutzten Nass von allen Sünden befreit. Der richtige Zeitpunkt den Rucksack zu packen und nach Indien zu reisen, um der Kumbh Mela, dem Fest zu Ehren des Kruges, ein Besuch abzustatten. BLANK I 7


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Erster Eindruck Erreicht man die Kumbh Mela, wird man augenblicklich vom Geschehen überrollt. Das Gelände ist gigantisch. Überall stehen Zelte, bunte Menschenmassen walzen durch die angelegten Straßen – ein Gefühl als befände man sich auf dem größten Pfad-

finderzeltlager aller Zeiten. Am Hauptbadetag sind 34 Millionen Pilger anwesend und die Masse vom Weltall aus erkennbar. Man kann sich stundenlang in eine Richtung bewegen, die Kumbh Mela nimmt kein Ende.

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Brücken Um die Massen über den Ganges und den Yamuna bugsieren zu können, hat das Militär zahlreiche Pontonbrücken errichtet. Manchmal wälzen sich so viele Menschen über eine Brücke, dass kaum Luft zum Atmen bleibt und man sich nur mit winzigen Schritten fortbe-

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wegen kann. Dann heißt es die innere Ruhe bewahren und sich der Masse unterordnen. Eine Panik wäre hier nämlich komplett kontraproduktiv. Und so behalte ich die Contenance und Gelassenheit, indem ich „Über sieben Pontonbrücken musst du gehen“ vor mich hin summe.


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Gottheiten Der Hinduismus kennt über 3 Millionen Götter. Und natürlich gibt es auf der Kumbh Mela Menschen, die sich als ihre Lieblingsgötter verkleiden. Dieses Kind stellt den jungen Shiva dar, den Gott der Zerstörung, aus dessen Haarschopf der Ganges entspringt. In der einen Hand hält das Kind einen Dreizack,

das Symbol Shivas, in der anderen Hand eine Trommel, aus dessen Schwingungen das Universum entstand. Es ist ziemlich verwirrend plötzlich am Wegesrand ein Kind zu sehen, dass grau angemalt ist und dich durch einen Dreizack mustert.

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Rauchzeichen Tagsüber tötet die indische Hitze. Leider existiert weit und breit kein Baum oder ein brennender Dornbusch, der Schatten spenden könnte. Kommt endlich die Nacht, wird es extrem kalt. So werden Feuer entfacht, in die alles geworfen wird was nicht nietund nagelfest ist, vom Styropor, über Autoreifen, Kuhfladen, Holz, bis hin zum Leichnam.

Auf diesem Foto stapelt sich das Holz und die getrockneten Kuhfladen. Das Kind vorne links flüchtet in weiser Voraussicht, um nicht auch in einem der vielen Lagerfeuer zu landen, die durch das verbrennende Plastik so giftigen Rauch verursachen, dass dieser extrem in den Lungen und Augen schmerzt.

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Kasteiung Immer wieder trifft man auf Menschen, die sich selbst kasteien. So beweisen sie sich, dass sie für Schmerzen unempfindlich und dadurch den Göttern nahe sind. Manche wickeln sich aus diesem Grund ihren Penis um einen Stock und stemmen damit einen schweren Gewichtstein in die Höhe. Die Standing Babas bleiben mehrere Jahre manchmal nur auf einem Bein stehen und legen sich selbst zum Schlafen nicht hin. Ein anderer

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Sadhu (heiliger Mann), den ich entdecke, streckt seit Jahrzehnten schon seinen Arm den Göttern entgegen, dieser sieht mittlerweile aus wie ein morscher Ast, seine langen Fingernägel biegen sich in einem weiten Bogen Richtung Hölle. Der Mann auf diesem Foto hat sich vorgenommen mehrere Tage liegend auf einem Dornbusch zu verbringen. Menschen bleiben stehen, staunen und werfen ihm Geld zu.


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Fragen Ein Besuch auf der Kumbh Mela wirft mehr Fragen auf, als dass beantwortet werden. In allen Belangen herrscht hier ein Übermaß, welches man aus dem Westen nicht gewohnt ist. Immer wieder bleibt man stehen, blickt in sich hinein, versucht sich anzupassen, zu verstehen, Erklärungen zu finden. Man liest in so vielen Gesichtern und fragt

sich was alle antreibt, was ihre persönlichen Motive sind, ob sie glücklich sind in ihrem Leben oder ob Gedanken an Flucht sie beschäftigen? Und verdammt nochmal, was hat diese Frau, die versucht sich hinter ihrem Tuch zu verstecken, in diesem wunderschönen Plastikkoffer verborgen?

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Händlerseelen Viele Händler nutzen die Menschenansammlung, um ihre Waren unters Volk zu bringen. So kann man auf der Kumbh Mela allerhand nützliche Dinge erstehen, vom Kanister, in den das heilige Wasser des Ganges abfüllt wird, über rote Farbe für das Bindi (Punkt zwischen

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den Augen), Bücher mit heiligen Worten, bunten Bildern von Gottheiten, Schmuck, bis hin zu Heilkräutern und Wurzeln. Dieser Mann spezialisierte sich auf den Verkauf von Pfauenfedern und mutiert dadurch selbst schon zu einem dieser bunten Vögel.


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Menschenmassen Bei 34 Millionen Besuchern scheint das Individuum zu verblassen. Die Gesichter verschwimmen zu einem großen Ganzen. Ein kollektives Ich. Freigeistige Menschen kann das ordentlich zusetzen. Man bekommt das Gefühl, als wäre

alles fremdbestimmt, eigene Gefühle verschwommen, wahre Bedürfnisse betäubt und die Pilger Protagonisten im Märchen vom Rattenfänger von Hameln, und wie sie ins Wasser gelockt werden, um in den Fluten des Ganges zu ertrinken.

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Badefreuden Zum richtigen Zeitpunkt ein Bad im Zusammenfluss vom Ganges, dem Yamuna und Saraswati zu nehmen ist der Höhepunkt eines jeden Pilger bei der Kumbh Mela. Ständig steigen Menschen in das fröhliche verschmutzte Nass, um so ihr Sündenkonto auf Null zu stellen. Manche sind bei der Reinigung sehr ernst, stehen bis zur Hüf-

te im Wasser, drehen sich der Sonne entgegen und falten ihre Hände zum Gebet, andere haben ordentlich Spaß dabei und freuen sich wie Kinder. Damit das Ufer bei den Massen nicht mehr und mehr abbricht, wurden entlang des Flusses Sandsäcke geschichtet und Stroh ausgelegt.

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Moral Bei der verschrobenen, sehr prüden indischen Sexualmoral steigen die Frauen natürlich komplett angezogen in die Fluten, während die Männer sich bis auf die Unterhose entkleiden dürfen. Nach dem Bad müssen deshalb

die Saris in der Sonne getrocknet werden. Überall liegen Stoffe aus, die dem Ufer einen bunten Anstrich geben und man sich manchmal fragt, ob der LSD Rausch nun zur Wirklichkeit wurde.

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Haar Für viele beginnt mit dem Besuch auf der Kumbh Mela ein neuer Lebensabschnitt. Gereinigt von allen Sünden, treten viele Menschen einem Orden bei und beginnen ein Leben als Sadhu (heiliger Mann). Das heißt, man muss sich zu Beginn, bis auf eine

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Locke am Hinterkopf, von allem Haupt- und Barthaar trennen. Dieser intime Akt wird in aller Öffentlichkeit vollzogen. Keiner scheint irgendwelche Scham zu zeigen, selbst ich nicht, als ich dieses Foto schoss.


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Hunger Ein Tag auf der Kumbh Mela macht extrem hungrig. Selbst den Sadhus, die allem weltlichen Besitz abgeschworen haben, knurrt der Magen. So finden sie am Abend alle zusammen, setzen sich in Reihe und Glied, summen Gebete vor sich hin

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und warten geduldig darauf, dass ein Mann durch ihre Reihen läuft und ihnen aus großen Eimern lieblos den Dal in ihren Blechnapf schüttet. Dazu gibt es Chapatis (Brot), die wie Frisbeescheiben durch die Luft fliegen.


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Noch mehr Hunger Nicht nur heilige Männer müssen essen, nein, auch Kinder. Dabei ist es ihnen egal, ob der Linsen-Dal aus großen Eimern serviert wird und sie auf dem dreckigen Boden sitzen und mit den Händen essen müssen. Das

tut dem Hunger absolut keinen Abbruch. Die Freude darüber, dass von ihnen beim Essen ein Foto geschossen wird, ist unglaublich. Der Junge links zeigt deshalb das herzlichste Lächeln, das ich jemals gesehen habe.

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Nachtgedanken Ist die Dunkelheit gekommen, lässt der Trubel etwas nach. So kann man gemütlich umher schlendern, (fast) alleine am Ufer stehen und seine Gedanken wie Papierschiffchen über die Wasseroberfläche des Ganges segeln lassen. Die gelben Lichter auf der anderen Uferseite -und wie

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sie sich auf den Fluten spiegelnwirken fast wie die Verbildlichung der Erleuchtung. So wird man ruhig im Gemüt und freut sich auf den morgigen Tag und auf die nächste Kumbh Mela in Allahabad in zwölf Jahren. Bis dann also!


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WEIHNACHTSZEIT, GESCHENKEZEIT Wir verschaffen euch nicht nur guten geschmack, sondern auch einen guten Start ins neue Jahr: handverlesene tipps für körper und geist, übersichtlich arrangiert zur Selbstbedienung. nehmt euch, was ihr braucht, macht es euch bequem und lehnt euch zurück. 2014 wird gut zu uns allen, wenn wir uns nur an ein paar Regeln halten: achte deinen Style, achte auf deine Freunde und achte vor allem auf dich. und mit ein wenig glück gibt es sogar das eine oder andere Schätzchen frei haus: Schickt eine mail an verlosung@blank-magazin.de und drückt euch die Daumen.

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Das modelabel „St. moritz – top oF the WoRLD“ fängt die außergewöhnliche, dynamische und lebensbejahende Stimmung des kosmopolitischen alpenortes St. moritz in seiner exklusiven kollektion ein. im Vordergrund steht ein sportlich-legerer Look mit hochwertigen materialien, liebevollen Details und aufwändigen applikationen für einen authentischen Stil. 36 I BLANK

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bei der aktuellen herbst/Winterkollektion für männer und Frauen verbinden sich glamour, Sport und tradition zu einem außergewöhnlichen Look und schaffen hochwertige hemden, Jacken und Strickwaren, die sich thematisch an die bergwelt der Schweiz anlehnen. Dazu zählt auch das zu gewinnende herrenhemd in einem zarten blauton, das aus hochwertiger baumwollqualität für einen wohligen tragekomfort sorgt. zusammen mit bLank verlost St. moritz – top oF the WoRLD aus seiner aktuellen kollektion drei hemden für herren in den größen 2 x S, 1 x XL. Weitere informationen unter: www.stmoritz-fashion.com


Foto: e-domizil

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JacK daniel‘s WinTer JacK Wenn es draußen kalt und ungemütlich wird, ist es umso wichtiger, es sich drinnen schön wohlig zu machen. und wer kümmert sich schon traditionell im winterlichen zauber um jede Form von „drinnen“? Jack Daniel´s, die Jungs aus Lynchburg, tennessee. in diesem Jahr schicken sie uns nicht nur wieder ihren „Winter Jack“, den apfel-Whiskey-punsch zur inneren anwendung, sondern auch einen liebgewonnenen adventsbrauch aus ihrer heimat: Der mit dem größten haus lädt zum großen Weihnachtsschmaus ein – und alle kommen, wenn groß aufgetafelt wird. klingt das verlockend? zeit, Lynchburg nach Deutschland zu holen. Jack Daniel‘s Winter Jack verlost ein adventswochenende nach Lynchburg-art für dich und bis zu neun Freunde in der „Lynchburg Villa“ – inklusive totalem abschalten von der üblichen Weihnachtshektik und vor allem einem Festmahl aus pfanne und töpfen des gourmetkochs alexander eychmüller. es sei versprochen: es wird an nichts mangeln, schon gar nicht an Wohligkeiten – ganz tief drinnen. Registriere dich auf www.winterjack.de und mit etwas glück wirst du diesen Winter ein adventswochenende im geiste Lynchburgs feiern können. (teilnahme ab 18 Jahre) LiFEsTYLE BLANK I 37


dr. r.a. ecKsTein BioKosMeTiK Welche Vorsätze ihr für 2014 ins auge gefasst habt, wissen wir natürlich nicht. Wir wissen aber, wie ihr eure augen so spannend haltet, dass alles, was da kommen mag, nur so auf euch einströmen möchte. Dr. R.a. eckstein biokosmetik schenkt euch 2014 zwar nicht die ewige Jugend, mit der eye Care Supreme-Serie aber immerhin Werkzeuge, mit den ihr so tun könnt, als ob. Denn die experten für biologische unterstützte Schönheit haben drei produkte speziell für die sensible haut rund um die augen entwickelt – mit denen du auch nach der längsten nacht, der aufregendsten party und dem coolsten event noch genauso jung aussiehst, wie du dich im kreise deiner Crew am Vorabend noch gefühlt hast.

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eye baLm SupReme und eye CReme SupReme punkten mit wertvollen Wirkstoffkomplexen gegen Fältchen, augenringe und tränensäckchen. Das eye geL SupReme hält den Rahmen ums Fenster zu deiner Seele mit dem Wirkstoff glutathion glatt und bringt darüber hinaus jede menge hochwirksame Liposome, Lecithin, glycosphingolipiden und hyaluronsäure mit. Wer sich vorgenommen hat, im neuen Jahr öfter mal etwas im team zu machen, kann ab sofort damit anfangen: Denn die drei produkte arbeiten besonders gut untereinander und mit dir zusammen. Du entscheidest, wann du den pflege-boost brauchst (ob als kur oder den individuellen bedarf) und eye gel, eye balm und eye Creme erledigen den Rest. besonders effektiv ist der Jungbrunnen zum einmassieren, wenn das gel unter einem der beiden anderen mitspieler aufgetragen wird. mit Dr. R.a. eckstein biokosmetik und dem neuen powertrio aus der eye Care Supreme-Serie wirst du dich immer wieder neu in dich verlieben. und wieder. und wieder. Lass die Vorsätze sausen und setzt lieber auf das, was dir gut tut.


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aus tradition gut, dank innovation elegant und trendig: Sperry top Sider made in maine. Der handgefertigte „all-american bootsschuh“ verbindet das traditionsreiche Schuhmacherhandwerk mit den ansprüchen an Look&Feel eines modernen, zu jedem anlass tragbaren herrenschuhs. Feinste Stoffe, hochwertiges Leder und eine zeitgemäße optik machen die jüngste generation eines amerikanischen klassikers zu einem echten must-have im neuen Jahr. Wir verlosen ein modell im Wert von 250 euro in größe 42. Sichert euch die sportliche eleganz des Sperry top-Sider made in maine.

sailor JerrY sPiced tattookunst und edler Rum haben mehr gemeinsam, als man denkt: beide schaffen bilder, die mehr sind, als das bloße bewundern für den moment. Während sich beim einen die tinte vibrierend zu exotischen Formen und mustern sammelt, zaubert alleine der weiche Duft der würzigen Rum-note bilder von Ferne und Romantik auf die zunge. Stil kennt keine Lieblingsausdrucksform – er gönnt sich nur manchmal einen ganz besonderen namen: „Sailor Jerry“ steht für tattookunst und Rumgenuss. Denn so heißt jetzt das getränk und so hieß der mann, der die tattoowelt revolutionierte. er, der Lehrer von tattoo-ikone Don ed hardy, mischte die gegenständliche uS-amerikanische körperkunst mit den verspielten, bisweilen esoterisch aufgeladenen elementen der asiatischen Schule und schaffte damit etwas völlig neues. Der Rum, der seinen namen trägt, macht das genauso: „Straight-up, no non-sense“ ist der und vereint die klassische ernsthaftigkeit des Rum mit exotischen aromen wie Vanille oder zimt. tattookunst ist ewig – und genauso ist „Sailor Jerry“ Schluck für Schluck ein bisschen Freiheit. endlos. mehr infos: sailorjerry.com

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o‘neill

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FooTWear Sonnentanz statt Regentanz: Wir verlosen den kuscheligen mokassin Revert von o‘neill Footwear, der einen entspannten tipi-Look in die mode bringt. edles Wildleder und gewalktes Vollnarbenleder, die typische mokassin-naht, verspielte perlen und Schnürungen treffen auf eine Retro-Sneaker-Sohle und einen hightop-Schnitt sowie Seventies Schnürsenkel-Ösen. ein warmes Fake-Fur–Futter verschafft großstadt-Squaws warme Füße in der kalten Jahreszeit. gewinnen könnt ihr ein paar in größe 38. Revert, uVp 119,95 euro

FunK und TransiTions oPTical Woher kommt eigentlich die Redewendung „Stilaugen bekommen“? Wir haben eine mögliche erklärung zu bieten: Wer seine augen mit dem richtigen Sehwerkzeug in Szene setzt, macht das Sehorgan zum echten Stilwunder. Womit das ganz sicher gelingt: Die Limited edition aus der kooperation zwischen Funk und tRanSitionS optiCaL, dem Vorreiter in Sachen selbsttönender brillengläser. Das modell Saturnus setzt nämlich optisch ganz auf den eleganten, aber schon leicht verspielten Schick der 60er – mit dem blick fürs Detail, den man heute so manchen zeitgenossen wünschen würde. beim Rahmen trifft edelstahl auf acetat – eine kombination, die für ein kompromissloses Designerlebnis sorgt. ein hingucker unter den hinguckern. Was Saturnus aber von einem Stilmittel zum treuen begleiter für Club und Stadion, Lounge und büro macht, sind die selbsttönenden

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gläser. Die Limited edition gibt es mit zwei verschiedenen brillengläsern, Signature (braune/graue tönung) und XtRactive (graue tönung). beide brillengläser passen sich kontinuierlich den Lichtverhältnissen an und garantieren perfekte Sicht in jeder Situation. intelligenz trifft auf eleganz – schade eigentlich, dass „Saturnus“ kein mensch ist.


MarchÉ® guTscheine Das Jahresende naht, alle geschenke sind verpackt und der Weihnachtsurlaub steht endlich vor der tür. ob ihr eure Familie besucht, einen ausflug in die zahlreichen Skiorte plant oder ein langes Wochenende bei Freunden verbringt: mit marché startet ihr auch bei Schmuddelwetter und kalten temperaturen mit einem reichhaltigen und vor allem leckeren essen in die Ferien. Frisch und vitaminreich soll es sein und natürlich am liebsten wohlig warm. Da kommen die marché® Restaurants an autobahnen und Flughäfen gerade recht. auch zur Weihnachtszeit ist das angebot in den marché® Restaurants sehr abwechslungsreich: hausgemachte pasta, winterliche Suppen und saisonale Salat- und gemüsevariationen. ein besuch bietet zudem ein ganz besonderes highlight, denn die gerichte werden vor den augen der gäste

frisch zubereitet. nach diesem kulinarischen erlebnis startet ihr sicherlich gut gestärkt in den wohlverdienten urlaub. macht auf eurer Fahrt in den Weihnachtsurlaub eine pause und genießt die frische und abwechslungsreiche auswahl in einem der zahlreichen marché® Restaurants auf eurer Reiseroute. Wir verlosen insgesamt fünf marché® Customer Cards im Wert von je 30 euro. marché® Restaurants in Deiner nähe unter: www.marche-restaurants.com.

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Frau

Pieper liebt es

bunt Illustrationen Juliane Pieper Text Johannes Kain

Juliane Pieper ist freiberufliche Illustratorin und Autorin. Sie hat in Berlin Kommunikationsdesign studiert und in New York ihren Master of Arts in Illustration gemacht. Außerdem hat sie noch einen Universitätsabschluss in Politologie und in Literaturwissenschaften. Zu ihren Kunden zählen Medien wie der Spiegel, die New York Times, das Handelsblatt, die taz sowie Buchverlage wie Reclam oder Heyne. Kürzlich ist sie nach zweieinhalb Jahren, während derer sie in New York gelebt hat, nach Berlin zurückgekehrt. Ende September erschien ihr Buch „Lesewesen“, das sie sowohl illustriert wie auch geschrieben hat. BLANK traf Juliane Pieper in einem vietnamesischen Restaurant in Berlin-Kreuzberg. BLANK: Sie illustrieren Zeitungsartikel und Bücher, designen Handtaschen und Duschvorhänge, gestalten Webseiten und schreiben Kolumnen. Multitalent oder Spielkind? JP: Wenn Sie wüssten, was ich alles sonst noch mache! Im Ernst. Es ist vielen Leuten nicht geheuer, wenn man sich anschickt, mehr als eine Sache ernsthaft zu betreiben. Sie haben Probleme, einen einzuordnen, einen schnell einer bestimmten Profession zuzuordnen. Der Hintergrund ist wohl, dass es schwerfällt, zu glauben, dass jemand mehr als eine Sache richtig beherrscht. In Amerika sagt man „Jack of all trades, master of none“ für je-

manden, der alles ein bisschen kann, aber nichts richtig. Dabei gibt es dafür Tausende von Beispielen – die ich jetzt aus Bescheidenheit nicht nenne. Aber schließlich werden meine Illus-

dern Heyne oder Reclam. Insofern ist wohl alles okay. Und, na klar muss man Spielkind sein, um sich immer wieder auf etwas Neues einzulassen. Das gilt auch für meine vielen

„Es ist vielen Leuten nicht geheuer, wenn man sich anschickt, mehr als eine Sache ernsthaft zu betreiben.“ trationen nicht in der Bäckerblume veröffentlicht – bei allem Respekt – sondern in der New York Times. Und meine Bücher verlegt nicht meine Oma, son-

stilistischen Ansätze. Aber dann muss das Experiment funktionieren, die Technik muss beherrscht sein, das Konzept durchdacht. Habe ich die Frage

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beantwortet? Nein? Ja, ich bin ein Multitalent! BLANK: Als nächstes werden Sie ein Kochbuch produzieren. Dabei werden Sie die vorgestellten Gerichte nicht nur illustrieren, auch die Rezepte stammen von Ihnen. Was steckt dahinter? JP: Wenn ich in den USA von meinen dortigen Lehrern etwas gelernt habe, dann „Do, what you love“. So ist es bei diesem Kochbuch. Kochen ist großartig. Und eine Möglichkeit, täglich zu erfinden und zu experimentieren. Man braucht kein Rezept, nur einen vollen Kühlschrank. Oder einen leeren. Irgendwann, Anfang des Jahres, habe ich mit dem Verlegerehepaar Stuart & Jacoby zusammengesessen. Wir tranken Wein, plauderten und dann konnten Nicola Stuart und ich nicht aufhören, über Essen und Kochen zu sprechen. Es war ihre Idee mit dem illustrierten Kochbuch, ich wäre natürlich nie selber drauf gekommen. Manchmal sieht man das Fleisch vor lauter Klopsen nicht. Deswegen braucht man gute Gesprächspartner, die den richtigen Knopf drücken, am Herd. Außerdem ist Frau Stuart eine sehr erfahrene Verlegerin von Kochbüchern. Ich kann mich nur sehr darüber freuen. Der Titel ist übrigens „Alles, was rund ist“ und es geht nur um Essen in Kreis- oder Kugelform.

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BLANK: Welches Buch der Weltliteratur würden Sie gerne illustrieren? JP: Eigentlich möchte ich jedes Buch, das ich lese, illustrieren. Wenn ich mir eines aussuchen dürfte, dann wohl so etwas wie Kafkas „Verwandlung“. Aber die Zeit für illustrierte Klassiker ist vorbei. In der DDR gab es da noch viele schöne Sachen, die hatten eine anspruchsvolle grafische Kultur. Allerdings musste sich das auch nicht wirtschaftlich rechnen. Die Bücher, die ich illustriere, sind ganz anderer Art. Zum Beispiel Texte über Pudel, Doggen und Dackel aus Brehms Tierleben. Das sind sehr skurrile, rührende, witzige Texte von diesem Tierforscher aus dem 19. Jahrhundert. Ich wollte, dass es „Der Pudel kann sich schämen“ heißt. Aber Reclam hat entschieden, dass es „Der Hund ist ein Zweidrittelmensch“ wird. Beides Zitate von Brehm. Oder das Buch, das jetzt gerade von mir im Heyne Verlag erschienen ist. Es heißt „Lesewesen“ und handelt von Badewannenlesern, dem Blätterwald und Papiertigern. Habe ich selber geschrieben. Zur Weltliteratur gehört es noch nicht. BLANK: Gibt es für Sie als Illustratorin Lieblingsthemen oder Lieblingsgenres? Oder solche, die Sie nicht gerne machen?


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„Ich kann versuchen, eine gute, spannende, vielleicht lustige visuelle Lösung zu entwickeln, die dem Leser ein abstraktes Thema schmackhaft macht. Das macht mir Spaß.“ JP: Im Grunde habe ich keine Aversionen gegen irgendetwas. Organische Dinge liegen mir etwas mehr, also Pflanzen, Tiere, Menschen. Technisches braucht etwas mehr Anstrengung. Ich bin aber, was das angeht, auch ein gebranntes Kind. Als ich sechs Jahre alt war, wollte ich im Urlaub an der Ostsee

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an einem Malwettbewerb teilnehmen, auf den ich mich riesig gefreut habe. Ständig wurde mir ja gesagt, was für eine blühende Fantasie ich hätte. Die Aufgabe war dann „Zeichnet den Eiffelturm“. Ich war entsetzt und der Tag war ruiniert. Mein Eiffelturm sah aus wie ein Dreieck aus verbogenem Stacheldraht. In grünem Filzstift. Die Veranstalter müssen kleine Kinder gehasst haben. Heute

lassen sie die Kleinen bestimmt die Elbphilharmonie zeichnen. Oder Autobahnkreuze. Zurück zur Frage. In meinem Job läuft es normalerweise so: Eine Redaktion hat einen Artikel über den Aktienmarkt. Ein Foto der DAX-Kurve oder der Frankfurter Börse wäre langweilig. Der Redakteur überlegt sich: „Wie wär’s mit einem Foto von einem Anzugträger, der mit dem Handy telefoniert?“ Dann kommt der Artdirektor und schimpft mit dem Redakteur so lange bis der weint. Jetzt komme ich ins Spiel. Der Artdirektor ruft mich an und erzählt mir, dass sie keinerlei Ideen hätten. Ich müsse das Problem so lösen, dass die Bildidee nicht ausgelutscht wirke und das Bild dem Leser ins Auge springe. Humor könne auch helfen. Eben das Gegenteil von einem lahmen Foto mit telefonierendem Geschäftsmann. Finden Sie langweilig? Ich gar nicht. Das ist doch mein Beruf, das zu können, was der Auftraggeber nicht kann, nämlich um die Ecke zu denken, handwerklich und künstlerisch etwas drauf zu haben. Ich kann versuchen, eine gute, spannende, vielleicht lustige visuelle Lösung zu entwickeln, die dem Leser ein abstraktes Thema schmackhaft macht. Das macht mir Spaß.


BLANK: Also keine Angst vor den sogenannten trockenen Themen? JP: Nein, überhaupt nicht. Natürlich illustriere ich auch gerne Artikel über vegane Hunde, Väter von Drillingen, Gift im Essen oder Sex. Aber auch wissenschaftliche Zusammenhänge sind ein tolles Feld für eine grafische Umsetzung. Wissenschaftler sind oft sehr wortfixiert, oder sie kommen schlichtweg nicht darauf, ihre Ergebnisse über die üblichen Torten- oder Balkengrafiken visuell stützen zu lassen. Dabei kann man Forschungsansätze nicht nur ver-

ständlicher erklären, man kann sie auch besser verkaufen, zum Beispiel wenn Forschungsmittel beantragt werden. Was ich als Aufgabenstellung nicht mögen würde: „Mal uns mal ein Haus mit einer blonden Frau und einem Auto davor in blauen Hosen. Am Horizont der Eiffelturm.“ Also genaueste Vorgaben, was zu sehen sein soll. Aber solche Aufträge bekomme ich nicht. Die Redaktionen schätzen, dass ich mir etwas einfallen lasse. Aber wenn mich ein Artdirektor anruft und sagt „Wir brauchen ein paar Schafe.“ Dann kriegt er ein paar Schafe.

Die schönsten, die es gibt. Auch schwarze. Mein Job ist nicht nur kreativ oder künstlerisch, er ist auch eine Dienstleistung. Kunde glücklich – ich glücklich. BLANK: Ist Illustration eine unterbewertete Kunst, weil sie nur das Beiwerk liefert zum eigentlich wichtigen, dem Text? JP: Leider gibt es keine wirk­ liche visuelle Kultur im Westen. Die Kinder lernen rechnen und schreiben. Und dann gibt es noch die Bastelstunde mit der Basteltante und die Malstunde mit der Maltante. Aber da lernt man nicht, sich visuell auszu-

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drücken, geschweige denn, visuell zu denken und zu verstehen, warum ein Bild funktioniert oder Schrott ist. Soviel ausgelutschte Bilder im öffentlichen Raum! Geschmacklos, eine Beleidigung für die Augen. Warum nehmen die Leute nicht das Budget und lassen einen Grafiker, der etwas im Kopf hat, ein Plakat entwerfen? Weil viele Leute visuell unterbelichtet sind! Typo im öffentlichen Raum, Plakate, Schilder – meistens eine Katastrophe. Wir Illustratoren und Grafiker werden unterschätzt. All’ die begabten Absolventen von den Kunst- und Grafikhochschulen dürfen ihr Können nicht so anwenden, wie es sein sollte. Deshalb ist eines von zehn Plakaten gelungen. Es sollten aber acht von zehn sein.

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BLANK: Können Sie, kann ein guter Illustrator *alles* illustrieren? Oder gibt es Themen, die nicht zu bebildern sind? JP: Vielleicht kann nicht jeder Illustrator alles illustrieren. Aber es wird zu jedem Thema möglich sein, eine gute Illustration zu finden. Denken wir an schreckliche Ereignisse wie den

„Kunst ist Arbeit. Das ist vielen nicht bewusst.“ 11. September. Ein guter Illustrator kann dieses Thema intelligent und sensibel illustrieren. Ich denke da an die Cover vom New Yorker. Da sind manchmal legendäre Bildfindungen dabei.

Ob ich alles illustrieren könnte, weiß ich nicht. Aber ich habe es mal im Ansatz versucht: 365 Gedenk- und Welttage für den Heyne Verlag. Da war vom Tag des deutschen Bieres zum Gedenktag an den Holocaust alles dabei. Und der Suizidpräventionstag. Und der Tag des Kinderhospizes. Und der Tag der Putzfrau. Habe ich alle illustriert und versucht nicht klischeehaft, nicht unsensibel, nicht langweilig, nicht moralinsauer zu sein. Ich hatte eine tolle Professorin an meiner Kunstschule in Berlin Weißensee, Prof. Nanne Meier. Bei der habe ich das gelernt. Kunst ist Arbeit. Das ist vielen nicht bewusst. BLANK: Herzlichen Dank, Frau Pieper! Und guten Appetit!


FOALS Live at the Royal Albert Hall (warner) DVD

MUSIK

Es gibt bei Live-Mitschnitten – egal, wie groß das Budget, egal wie groß die Band ist – exakt zwei Schwierigkeiten. 1.: Die Magie einer Band muss aus dem Studio auf die Bühne transportiert werden. Hier scheitern viele Künstler, denn was „im Mix gefixt“ werden kann, lässt einen auf der Bühne sehr nackt dastehen. Die wirklich Großen schaffen es,

TIM BENDZKO Am seidenen Faden – Unter die Haut was macht man, wenn es so richtig gut läuft? Richtig, man macht einfach weiter. TIM BEnDZKO, Deutschlands derzeit erfolgreichster Popkünstler, steckt seit er eine riesige Zahl von Mails checken musste, im Hamsterrad des Erfolges fest - und macht das gerne. neuestes Zeugnis der Kreativität des Berliners: Die Fortsetzung - oder besser die Erweiterung - seines nummer 1-Albums „Am seidenen Faden“, das erst Anfang des Jahres wieder so richtig abgeräumt hat. Jetzt kommt „Am seidenen Faden - Unter die Haut“ hinterher: Das Erfolg-

salbum mit 12 neuen Songs im Schlepptau. Hä? wieso denn das? „Die wochen nach der Fertigstellung und vor der Veröffentlichung eines Albums sind die allerschlimmsten. Deshalb habe ich beschlossen mich in dieser Zeit einfach wieder in die Arbeit zu stürzen und Songs zu schreiben“, erzählt der weltenretter. Eine Erlebnistherapie, die wunderbare Früchte trägt, denn die neuen Stücke sind keinesfalls B-ware, sondern erzählen die Geschichte von „Am seidenen Faden“ einfach weiter. noch intimer, noch zerbrechlicher, noch spannender werden die neuen

aus dem Moment des Versagens einen magischen zu machen und es hinterher mit einem lässigen „Das ist halt Rock´n´Roll“ wegzulächeln. Alle anderen verziehen sich geprügelt wieder an die Knöpfe und reparieren, was noch zu reparieren ist. 2.: Irgendwie muss die Magie wieder aus der Halle zurück in die Konserve gepackt werden. Klappt beides, hat man ein Live-Dokument, das die Künstler größer macht, als sie selbst zu sein glauben.

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und noch neueren Songs im gemeinsamen Kontext, allen voran das wunderschöne, gemeinsam mit Cassandra Steen gesungene „Unter die Haut“, das schon bei Bendzkos Heimspiel in der Berliner waldbühne Premiere feiern durfte – und 20.000 Besucher mit Gänsehaut zurück ließ. wir dürfen nicht nur Tim Bendzko loben, sondern auch „Am seidenen Faden - Unter die Haut“ dreimal verlosen! Mailt bis zum 15.12. euren namen an verlosung@blank-magazin.de (TJ)

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FOALS haben mit „Live at the Royal Albert Hall“ den entfesselten Geist jener innerhalb von 15 Minuten ausverkauften, nicht nur von den Fans sondern auch der eher konservativen Kritik euphorisch aufgenommenen Show eingefangen und zurück in die Konservenbüchse der Pandora gesteckt. wer sie nun zuhause wieder öffnet, wird

überrannt werden von dem, was ihr alles entfleucht. Aufgedrehte Musiker, Fußballstimmung in der altehrwürdigen Konzertarena und vor allem: tolle Songs, die das britische Quintett live in eine neue Liga katapultiert. Die „Times“ sprach vom „Gig des Jahres“, in der Halle sammeln sie vielleicht jetzt noch Menschen ein, die entrückten Blickes

JOHN LEGEND – LOVE IN THE FUTURE Auf seinem vierten Album widmet sich das einstige R´n´B-wunderkind mit tief im Soul eines Marvin Gaye verwurzeltem Geist der „Love In The Future“. Glaubt man den Voraussagen des Musikers, wird die sehr bunt sein - und erfreulich open-minded. Denn John Legend hat sich viele Gäste eingeladen, um mitzudiskutieren: Klar, sein alter Kumpel Kanye west ist dabei, Kimbra, Rick Ross und viele mehr machen „Love In The Future“ zu einem Gemischtwarenladen der Liebe, jeder fi ndet etwas - ob in der Süßwarenabteilung (wo die etwas süßliche, aber herrlich gelungene Ballade „The Beginning“ steht) oder bei den Büroartikeln (wo man sicher das wunderbar nüchtern und unterkühlte „Dreams“ fi n-

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det). Ein exotischer Ausreißer und heimlicher Höhepunkt des Albums ist das von der neuseeländerin Kimbra eingesungene „Made To Love“: Handclaps und tribalartiger Trommeleinsatz machen die nummer zu einem mitreißenden Tanzfl ächenmagneten. Da achtet auch niemand mehr auf die wenig inspiriert wirkenden Lyrics, die eigentlich auch nur dazu da sind, den Gesangslinien von Kimbra ein bisschen Inhalt zu verpassen. Überhaupt ist „Love In The Future“ mehr eine Musik- und Atmosphäre-Platte, die großen Geschichten werden nicht erzählt. Aber das ist auch egal: wo andere Genregrößen schon eine große Produktion und ganze Songwritingteams brauchen, um halbwegs groovende Schüttelreime hinzube-

und dauerwippenden Fußes die Hits der gar nicht so verkopften, dafür ungeheuer verspielten Indiepopper nacherleben. Dabei kann man die Show doch bequem zuhause nochmal fühlbar machen, denn FOALS haben alle Schwierigkeiten einer DVDProduktion gemeistert und sich

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kommen, schafft John Legend schon alleine durch Stimme und Atmosphäre Ton gewordene Poesie. Da fl iegen sanft groovende Soulversatzstücke von links rein, während sich von der anderen Seite geschmackvolle Beats in die Ohren schleichen. John Legend vermischt das alles mit Liebe fürs Detail und ohne falsche Scheu vor dem einfach verwandelten Elfmeter in moderne Schmachtfetzen mit Seele. wir dürfen drei Exemplare von „Love In The Future“ verlosen und ermutigen alle Liebhaber der Idee, wie Marvin Gaye heute klingen könnte, uns bis zum 15.12. eine Mail an verlosung@blank-magazin.de zu schicken. (TJ)


BIFFY CLYRO Live from Glasgow und live in Germany wer die Schotten im Juni in der waldbühne vor den magischen Muse gesehen hat, für den halten die kommenden Tage gleich zwei ganz besondere Leckerbissen bereit. Denn wen haben die drei Jungs, die Zauber für ein ganzes Orchester versprühen, damals wirklich kalt gelassen? wer jetzt aufzeigt, ist innerlich tot. wer noch einmal BIFFY CLYRO live (nach)erleben möchte, kriegt die Vollbedienung: Am 29.11. kommt mit „Opposites – Live from Glasgow“ eine 14 Song starke Einstimmung auf die anstehenden Deutschland-Dates der Band, „die dein Leben verändern wird“, wie die Kollegen von Kerrang! überschwänglich schrieben. Die CD dokumentiert,

was auf der Insel (und in der schottischen Heimat) eh schon alle wissen: wenn Energie auf Euphorie trifft, entsteht manchmal Magie. Mit „Opposites - Live from Glasgow“ schwappt die welle der Begeisterung von Glasgow direkt in die heimischen Player, die Hits des aktuellen Überalbums „Opposites“ kommen derart kristallklar und mächtig, dass man schon einen verdammt starken Backkatalog haben muss, dass der in der woge nicht absäuft. Schön, wenn man immer besser wird und früher schon groß war. Aber genug der Begeisterung fürs Live-Dokument, denn wenige Tage später kommt das LiveErlebnis: 4 Shows in Deutschlands Großstädten stehen noch

sogar jene magischen Momente der Schwäche und Unzulänglichkeit gegönnt, an denen die einen scheitern und die anderen wachsen. „Live at the Royal Albert Hall“ ist ein Dokument des „Einfach gehen lassen“, voller spontaner Energie und gleichzeitiger eleganter Erhabenheit einer Band, die sich und ihre Songs erst selbst dekonstruiert, um sich hinterher und vor aller Augen wieder neu zusammen zu

setzen. Klingt mathematisch, ist aber wunderbar lebendig. (TJ)

KOnZERTKRITIK Volker Pispers Mittlerweile macht er seit über dreissig Jahren politisches Kabarett. Mittlerweile ist er sehr oft im Fernsehen zu bewundern. Mittlerweile hat er einen

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an. Das Schöne: wir verlosen 2x „Opposites – Live from Glasgow“ wer BIFFY CLYRO ganz livehaftig, mit Schweiß und Hitze und wohlig dröhnenden Ohren erleben möchte, kann seinem Glück auf die Sprünge helfen: Seltsamerweise gibt es für die anstehenden Deutschlandshows in Düsseldorf (1.12.), Hamburg (2.12.), Berlin (3.12.) und München (5.12.) noch Tickets, z.B. auf www.eventim.de. Können aber wirklich nicht mehr viele sein - denn wer will schon eine der aufregendsten Bands der Stunde auf ihrer ersten großen Headlinertour in heimischen Gefi lden verpassen? (TJ)

gewaltigen Zustrom. Doch das alles hindert ihn nicht daran seinen Kopf zu schütteln, leidenschaftlicher denn je. neben seinem komödiantischen Talent ist vor allem seine investigative Tätigkeit bemerkenswert. nach einem Abend bei Volker Pispers hat man mehr über Politik gelernt als in hundert Zeitungsartikeln. nicht Beckenbauer, sondern Pispers sollte man Lichtgestalt nennen. (RL)

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Gedicht Roman Libbertz Fotografie Ingo Pertramer

Du willst ein Buch lesen, dass Dich träumen lässt, die eigene Fantasie bereichert, die richtigen Zwischentöne anschlägt, bevor es zu ausschweifend wird, Dich zwangsläufig zum Teil der Geschichte macht, und so traumhaft melancholisch ist? Total unrealistisch? Das größere Wunder. Glavinic.

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Um nichts

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zunehmen, aber … Fotografie Jamieson Fry Text Roman Libbertz

Bücher haben bei vielen meiner Freunde den Ruf, langweilig und einschläfernd zu sein. Umständliche Sätze, endlose Beschreibungen anstatt fesselnder Geschichten. Das muss verflucht noch mal nicht sein! Ein Ansatzpunkt. Durch den Bezug zum Autor oder die ­Hintergründe, warum dieser oder jener Roman geschrieben wurde, kann Verborgenes sichtbar und ein Buch zu mehr als einem Buch werden. Kinderleicht. Mir geht es jedenfalls so. Hier ein weiterer Versuch, ein Buch für dich lebendig zu machen. Diesmal: T.C. Boyle T.C.Boyle kennt jeder: Er wurde 1948 in New York geboren, 1987 gewann er mit „World´s End“ den PEN/Faulkner Award und spätestens sein Roman „Water music“ bescherte ihm dann noch das Etikett des Kultautoren. Nebenbei ist er Professor für kreatives Schreiben an der Universität South Califonia.  Und Lesungen von ihm sind immer ein Erlebnis. T.C. Boyle mag Käse, schon allein, weil er kaum Fleisch isst, aber man soll sich deswegen bitte nicht um die Aorta sorgen, seine Hyperaktivität pulverisiere nämlich das ganze Fett mühelos. Für ihn ist Schreiben wie das Träumen in Realzeit, fast wie Urlaub fühlt sich dieses an der Tastatur

sitzen und mit Wörtern spielen an. Auch wenn er im nächsten Satz das Denken gerne als größte Geisel der Menschheit bezeichnet. Wenn er nicht schreibt, fühlt er sich mickriger als eine Amöbe, selbst Amöben hätten es da besser, denn sie betrieben wenigstens Zellteilung.

Blechtrommel“, Gabriel GarciaMarquez‘ „Hundert Jahre Einsamkeit“ Leidenschaftlich zieht er sich in die Natur zurück, fernab aller Maschinen, aber er hasst Sonnenschein und geht dabei sogar soweit, Deutsche, Österreicher

„Diese ganzen Serien werden doch in Wahrheit von Außerirdischen hergestellt.“ Die 3 Bücher Ihres Lebens? Drei? Wohl eher 300. Robert Coovers „Die öffentliche Verbrennung“, Günter Grass‘ „Die

und Schweizer um ihr Klima zu beneiden. „Diese eiskalten Regentropfen, die von Fensterläden tropfen – herrlich.“

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Lieblingsstadt? San Francisco. Willst du Nebelbänke, willst du Hügel, willst die Naturschönheit, Stau, Opern, Landstreicher und chinesisches Essen, dann wirst auch du San Francisco lieben. Was halten Sie von der aktuellen Serienlandschaft? Diese ganzen Serien werden doch in Wahrheit von Außerirdischen hergestellt und werden von einem anderen Planeten aus zu uns gesendet. Lieblingsdrink? Guinness Stout, ganz einfach weil Guinness gut für dich ist.

„Was halten Sie von Politikern? – Hängt sie alle.“ wenn er es wirklich nicht gerne hat, wenn er sich festlegen muss, wie er abermals betont. Haben sie ein Lieblingswort? Steatopygia. Vor jedem Buch recherchiert er in etwa 3 Monate. Ein Jahr braucht er dann in der Regel zum Schreiben. Bei „San Miguel“ war das alles leider ein bisschen schwerer, weil er zum ersten Mal nicht satirsch, unsarkastisch sondern realistisch schreiben musste.

„Willst du Nebelbänke, willst du Hügel, willst die Naturschönheit, Stau, Opern, Landstreicher und chinesisches Essen, dann wirst auch du San Francisco lieben.“ Was halten Sie von Politikern? Hängt sie alle. Eine Versuchung wäre für ihn, etwas fürs Fernsehen zu schreiben und dann seine Rente an den Spieltischen in Las Vegas zu verdreifachen. Sein Lieblingsfilm ist Big Lebowski. Auch

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Haben sie noch einen Rat für junge Schriftsteller? Kommt aus einer reichen Familie. Sein bestes Stück Käse hat er übrigens mal auf einen Air FranceFlug zurück nach Los Angeles gegessen, aber das war, als sich Fluglinien noch Mühe gaben.

Sein neues Buch „San Miguel“ ist ein historischer Roman nach realer Vorlage. Er ist ein Muss für alle T.C.Boyle Fans, aber auch einige neue Anhänger sollte ihm dieser Einsame-InselIsolationsroman bescheren.


SCULLCANDY CRUSHER – AUF DIE OHREN, IN DIE OHREN Heimlich mit im Dauertest waren in diesem Monat übrigens die „Crusher“-Headphones aus dem Hause Skullcandy. Stunde um Stunde, Strophe um Strophe und Beat um Beat: Wenn Technik auf Design auf Kunst trifft, wird aus „Anhören“ „Hörerlebnis“. Denn die beste Produktion, der coolste Reim und der herzergreifendste Refrain verlieren ihren Zauber, wenn das Earcandy auf dem Weg vom Player ins Ohr irgendwo im Äther einfach wegsuppt. „Crusher“ sitzt

dank „Soft Touch“-Leder und ergonomischem Design auch nach dem siebten Longplayer noch angenehm und versammelt auch noch echte Expertentechnik für einen angenehm pumpenden, regulierbaren Bass und extrem niedrige Distortion. Viel zu schade, um damit in klinischen Redaktionsräumen zu sitzen. Technik und Style machen „Crusher“ zu einem treuen Begleiter in jedem Milieu. Wenn sich „Hörgenuss“ sehen lassen kann...

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Ich

Liebe Berlin Fotografie & Text Yuppie Buge

Ich liebe Berlin. Ich bin leidenschaftlich gern Berliner. Doch um sie richtig würdigen zu können, braucht man auch von der großen Liebe gelegentlich mal Abstand. So also die Gelegenheit genutzt und eine Woche Beziehungspause eingelegt. Die Affäre: Istanbul. Oder wie man es auch nennen könnte: die Stadt der unmenschlichen Steigungen. Doch es kam, wie es kommen musste- der geplante Seitensprung wurde bereits vor der Vollführung bestraft. Gebucht waren die Flug-Tickets…natürlich ohne Reiserücktrittversicherung, was soll schon schiefgehen. Merke: 12€ kann, nein, sollte man immer bezahlen. Ist wie die Versicherung bei Robben & Wientjes: man denkt, man braucht sie eh nie, aber man ist froh,wenn man sie im Ernstfall hat. Zumindest froher, als wenn man sie im Notfall nicht hat. Aber immer wieder: was soll schon passieren? Nun ja, man könnte sich 2 Tage später den Fuß brechen. Nur mal so als Bei-

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Fotostrecke

spiel. Natürlich völlig willkürlich gewählt. Also ab auf Krücken in die Stadt am Bosporus. Nach der Rückkehr, dies sei vorweg genommen, leider die Ernüchterung. Die einst so wunderschön wirkende Geliebte hat Falten bekommen. Sah man sie vorher nur nicht oder sind die Neu?! Der Scheuklappen-Autopiloten-Modus der Menschen widert mich an, die Attitüde der Jugendlichen fast noch mehr. Von den ohnehin von Vielen zum Feindbild erklärten Touristen und sogenannten Hipstern will ich gar nicht mehr anfangen. Nur wegen Krücken wie

eine Prinzessin behandelt werden, das war nicht Ziel, aber zwischen Prinzessinnen-Status und einem Vollidioten, der einen mit der Mission die U-Bahn zu kriegen über den Haufen rennt, liegen Welten. In Istanbul sind die Menschen fast schon panisch von ihren Sitzplätzen gesprungen, um mir Platz zu machen. Passierte dies nicht, gab es Schelte von anderen Passagieren. Hier wiederum wurden 5 Minuten lang meine Krücken und mein Robocop-Schuh gemustert. Von einem Sitzenden. Während ich stand. Nichts passierte. Es gibt Grenzen der Ignoranz. Für jeden. Überall.


Nicht nur heilige Männer müssen essen, nein, auch Kinder. Dabei ist es ihnen egal, ob der Linsen-Dal aus großen Eimern serviert wird und sie auf dem dreckigen Boden sitzen und mit den Händen essen müssen. Das tut dem Hunger absolut

keinen Abbruch. Die Freude darüber, dass von ihnen beim Essen ein Foto geschossen wird, ist unglaublich. Der Junge links zeigt deshalb das herzlichste Lächeln, das ich jemals gesehen habe.

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Die Illustrationen auf Schildern und Warnsignalen sind so angelegt, dass nahezu jeder Mensch sie unabh채ngig von Sprache und Herkunft versteht. Auch hier ist die Aufforderung eindeutig: Nicht die T체r ficken!

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Wie bereits erwähnt, ist Istanbul keine behindertenfreundliche Stadt. Rolltreppen können natürlich überall ausfallen. Aber so hohe Treppen habe ich bisher nur in prager U-Bahnen entdecken können. Von den Steigungen der Straßen will ich gar nicht erst anfangen…Eventuell ist darin begründet, dass man kaum beeinträchtigte Menschen auf der Straße sieht. Eventuell liegt es aber auch daran, dass sich das erbarmungswürdige Fortbewegen mit Krücken nicht mit der Selbstdefinition vieler stolzer Männer und Frauen deckt.

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Ich besuchte Istanbul kurz nachdem die Aufst辰nde rund um den Taksim Platz abgeflaut waren. Nahezu alle Erdogan-kritischen Botschaften wurden beseitigt. Allerdings ohne R端cksicht auf die Erhaltung des Stadtbildes. Scheinbar musste ein riesiger Eimer grauer Farbe den Zweck erf端llen. Funktioniert hat das nur bedingt. Manch eine Schablone war diskret genug platziert und manche Spr端hfarbe setzte sich erfolgreich gegen das grau durch.

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Eine kleine Demo im Stadtteil Kadiköy war alles, was auf die Unruhen oder zumindest das politische Klima Wochen zuvor schließen ließ. Eventuell lag es an der Sensibilisierung der Polizei, dass eine offensichtlich friedliche Demo kurz vor der Zersprengung durch eine unverhältnismäßig hohe Zahl an Beamten stand. Die Demonstranten scheinen dies jedoch bemerkt zu haben und lösten sich auch ohne Einschreiten der Polizei auf. An den Feiertagen nach dem Ramadan („Bayram“) gab es überall in der Stadt Musik. Auch hier konnte man den dargebotenen Liedern (kritische) politische Botschaften entnehmen. Vornehmlich aus den Mündern junger Studenten, bei denen es sich um Mitglieder einer Art türkischer Antifa handelte. Diese hat seltsamerweise ausgerechnet einen recht niedlichen Comic-Pinguin als Symbol des Wiederstandes auserkoren.

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Vor ca. 2 Jahren sah ich die Dokumentation „Urban Bugs“, welche sich mit Graffiti und StreetArt in der Türkei befasste. Damals war Graffiti in der Türkei so neu, wie hierzulande zur Wendezeit. Nun scheint sich das Phänomen auch hier zu etablieren. So habe ich in Kadiköy zufällig diese Ende 2012 entstandenen Murals gefunden. Lokale und internationale (auch durchaus bekannte) Künstler, u.a. aus Frankreich(Amose), Deutschland (Dome) und Italien(PixelPancho), waren an dem Projekt beteiligt und ließen es sich nicht nehmen, auch neben der offiziellen Wandgestaltung die eine oder andere Schablone zu platzieren. Es gibt wohl auch weitere Wände u.a. von „Inti“… Ein Grund mehr, der für einen weiteren Besuch Istanbuls spricht.

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Abseits aller Legalität haben sich auch diverse berliner GraffitiLegenden in Istanbul verewigt. Der Eine hat die Innenstadt rund um den Taksim-Platz erobert…und mit erobert meine ich erobert: Kaum ein Quadratzentimeter ohne eine Spur des berliner Writers „Kripoe“, besonders bekannt für seine gelben Fäuste. Der Andere hat sich an stillgelegten Zügen verlustiert. Auch lokale Writer waren hier zugange und haben Bilder hinterlassen, die manche nicht einmal unter legalen Umständen hätten fertigen können. Merke: auch stillgelegte Yards (Zugabstellplätze) werden in der Türkei videoüberwacht. Leute auf Krücken, die durchs Gleisbett hinken, haben jedoch weniger Strafe als verwunderte Blicke der hiesigen Security zu befürchten. Niemand will den Krüppel schlagen…Niemand. Die aktivste Crew Istanbuls nennt sich „TFB“ (The Fanatic Boys). Fanatic trifft es auch, an den 3 Buchstaben kommt man hier nicht vorbei. Man beachte die Größenrelation zwischen dem Bombing und der Person auf der Mauer.

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Bevor ich nach Istanbul flog, teilten mir Freunde ein paar ihrer Eindrücke der Stadt mit. Erstens, und das bewahrheitete sich: fragt man jemanden nach dem Weg, wird man immer eine Antwort erhalten. Egal, ob derjenige den Weg kennt oder nicht! Zweitens hieß es, die Stadt sei voll. Das bewahrheitete sich nicht wirklich. Das mag aber daran liegen, dass ich zum Bayram dort war. Es hieß, Leute würden auf die Fähren flüchten, wenn sie mal eine Minute ruhe vor der vollen Stadt haben wollen. Auch diesen Eindruck kann ich nicht teilen. Voller als auf diesen Seelenfänger war es mit Abstand nirgendwo sonst.

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Beim Streifen durch Städte erfasst man deren Atmosphäre am Besten. Trotzdem kann ich nicht wirklich sagen, warum ich Istanbul so mochte. Kann sein, dass es am Meer lag. Oder an den zuvorkommenden Menschen. Oder am Geruch. Oder an der Architektur. Schlagartig wechselte man zwischen abgeranzten Gegenden mit grellen Farbakzenten in Form einzelner Häuser, über Ruinen und kleinen Reihenhäusern hin zu verfallenen Holzhäusern, die blindlings von Neubauten umzingelt wurden. Konzept: nicht erkennbar…

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New York hat ein Rattenproblem. In Berlin sind es Waschbären. In Istanbul sind es Katzen! Man könnte meinen, die sind heilig. Überall sind Katzen. Teilweise ganze Banden. Überall liegt Katzenfutter. Teilweise in Bergen. Sowas hätte ich höchstens in Ägypten erwartet. Die Tiere rangieren optisch irgendwo zwischen syphilitischen Seuchenträger, adipösem Halbhund und Edelkatze mit Auszeichnung der Katzenliebhaber-Messe. Ratten gibt es hier bestimmt nicht eine Einzige mehr…

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In Istanbul ist es warm. Da kommt Wasser grade recht. Kriegt man auch für ein paar Cents eisgekühlt an jeder Ecke. Die Flaschen werden offensichtlich leider nur unsachgemäß entsorgt. Auf einer der Inseln Istanbuls eine kleine verlassene Bucht zu entdecken ist absolut großartig. Zumal der Weg dorthin extrem strapaziös ist, auch für Gesunde. Zu sehen, wie diese Bucht durchsetzt ist von angespülten Plastikflaschen erzeugt ein eher gegensätzliches Gefühl zur Grandiosität. Festzustellen, dass man nicht ins Wasser kann, nachdem man sich zur Bucht runterquälte, ist unbeschreiblich ätzend. Dafür wird man mit einem Ausblick vom Feinsten belohnt, wenn man sich aus der Bucht wieder Richtung Straße hochgekämpft hat. Das entschädigt. Bis zu der Stelle, an der man sich wieder aus Fahrrad(!) schwingen muss, um bergauf und –ab wieder zur Fähre zu radeln. Aber mit den Blicken der fassungslosen Leute am Straßenrand im Gepäck macht auch das irgendwie spaß.

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Biennale

alle (2) Jahre wieder Fotografiert & telegrafiert von Roman Libbertz

Venedig immer eine Reise wert---------mehr noch wenn am Giardini wieder die Kunst regiert------3 Tage----bleibende Eindrücke-------STOPP-----Mark Manders (Niederlänischer Pavillion)-------STOPP-------Beim Betrachten unweigerlich ins Nachdenken gekommen --------Vielschichtigkeit spukt einem spukt durch den Kopf ---------Skulpturen, wie von ihm gewohnt in braunem Ton und Holz ----------Vor allem die über zwei Meter große Arbeit funktioniert bei den Besuchern---------Als kleines Schmankerl gibt es noch den am Boden liegenden Hund aus Ton mit einem Ledergürtel-------wirkt alles ein bisschen wie ein guter Song-------------STOPP --------Lara Almarcegui (Spanischer Pavillion)--------STOPP --------Ein gewaltiger Steineberg, der sich bis zur Decke emporschiebt, daneben säu-

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Fotostrecke

berlich getrennte Glass und Holzsplitter-------Kunst die aufmerksam machen soll, nicht nur auf Heimatlandsprobleme der in Saragossa geborenen Künstlerin-------- ebenso auf die Insel Sacca San Mattia, die der venezianische Müllentsorgung dient-------Harmonisches Aufrütteln--------Das ist große Klasse--------STOPP--------Ehemalige Schiffswerfen namens Arsenal-----STOPP------stoße auf diese Menschen, die sich da auf dem Boden bewegen-------Einer toniert mit dem Mund, so eine Art Beatbox---------die Anderen bewegen sich mit geschlossenen Augen zum Beat ------cool-----ob Tino Seghals Perfomancekunst den goldenen Löwen verdient hatte, fehlt mir das Fachwissen fehlt------Zuschauen und Hören machte jedenfalls Laune-------STOP--------Berlinde DE Bruyckere – Belgischer Pavillion

------STOPP--------Unwirklichkeit----------Riesige Holzarme, an vielen Stellen verbunden in diesem nahezu gespenstisch anmutenden düsteren Raum ------- Hier wurde jemandem weh getan, ganz klar und trotzdem ist es der Pavillion, in dem man einfach nur bleiben will---Unglaublich------Enstand unter Mithilfe des Litaeraturnobelpreisträgers J M Coetzees --------- direkte Anspielung auf den pfeiledurchbohrten heiligen Sebastian (gemalt von Antonella de Messina etwa 1475-------STOPP.

P.S. Auch noch nach 4 Jahren macht die Cafeteria, damals konzipiert und löwenprämierte Arbeit des Baden-Würtembergers Tobias Rehberger, gehörig Eindruck --------STOPP.


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HEFT ZwEI

Die Zeiten ändern sich. Wir heiĂ&#x;en Chelsea. Neue Lyrik aus Berlin. Gesammelt, geschrieben und herausgegeben von Julia Schramm und Johannes Finke.

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manchmal ist das leben ein dünner, zerfleddeter lyrikband von Teresa Bücker manchmal ist das leben ein dünner, zerfledderter lyrikband den du nicht einmal verstehen musst hat der schmerz amerikanische datenspuren und deine erinnerung passt in eine klaffende wunde an einem unterarm einer freundin die deine sehnsüchte trocken leckt in der ecke einer bar eine nacht voller ungezählter sterne stickt und die narben von deiner haut im nachtlicht und regen wäscht manchmal reicht es nicht wenn sie dich so ansieht und tief in deinem garten in den disteln vergisst sich ein funken und du wartest ein wimpernzucken ziehst die brauen nach und schreist.

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HEFT ZWEI

Explizite Lyrik Von Benjamin Lauterbach

Diskurs von Roman Libbertz

wir haben alles besprochen Es ist schon alles gesagt wir haben eine Gesellschaft umdefi niert Alle Genderfragen beantwortet

wir befi nden uns in einem Kokon, drehen uns, und wenden, jede Idee, tausendfach, um auf etwas besseres zu kommen, dahin, zu gehen, wo wir, wir sind, uns spüren, so wie früher, zu sehen, wie es ist, wie es war, vielleicht sein wird, und versuchen zu begreifen, mit Gefühl, Mitgefühl, was es heisst, schau mal.

was uns jetzt bliebe Sind wir Also tatsächlich du und ich Und was uns ausmacht Du müsstest mich rausholen Aus dem Verzeichnis deiner Liebhaber Und mich endlich einmal Richtig ansehen, mustern wir können nur noch sprechen Über Aufrichtigkeit, wahrhaftigkeit Über all diese Dinge Vor denen du davonläufst Vor denen du dich versteckst Hinter deinem Avatar Und deinem Humor und deiner Unstillbaren Intelligenz Ein paar schöne Gedanken 140 Zeichen Ich habe all das verstanden Aber mir fällt dazu nichts mehr ein was uns jetzt bliebe Sind wir Das hört sich gut an Und ist wahrscheinlich Für uns Viel zu gefährlich

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#aufschrei von Julia Schramm Am Anfang ist der Blick, im Verständnis liegts Von Schweinsschenkeln, die auf dem Grill, saftig, frei Aus dem Stall, der Küche, kommt trüber Geruch, Stickig, tödlich, wild Fressen, schlachten, lieben ist nur allerlei Begehren geht über die würde der Frau Bereit, geformt, auf den Boden gedrückt Keine Resonanz Das wort ist schnell getippt mit spitzen Fingern nur nicht nachgeben, zugestehen, du hast Recht Stets rational, geordnet, all das Gesetz Sitzt in meinem Kopf Das Lachen schmerzt bei trauten Fluchtgedanken Rebellion im Hier und Jetzt und plötzlich du Terrorist im Lippenkleid, das sie nicht sieht Dem sie nicht entfl ieht Passe dich an, dann sag ich, du seist ja schwach Dann sag ich du liebst es zu existieren Dann verbiete ich dir aufzubegehren Ich habe das Recht wieso kein wehren, vielleicht zur Abwechslung Die gilt ja auch eigentlich nicht dir, nicht wahr? Ist alles anders, Spiegelung in der Luft Glaube mir einfach Das Geld ist schon verteilt, der Kuchen von ihr Gebacken mit Liebe und dem Haushaltsgeld Dafür putzen, leise sein, schmutzig, unrein wenn er denn dann will Traue meinen Sinnen, ich nehm’ es dir ab Die Abnahme erfolgt formal, berechnet Alles ist kontrolliert, bedacht, geregelt Frage nicht, Mädchen.

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Am Ende kommen die Terroristen von Johannes Finke

In Wegwerfgesellschaft von Yvonne Geef

Fälle von Grenzen verletzend, abseitige Stellungsspiele verschieben die Landmarken humanistischer Gesinnung

Dann war das alles wieder ein Versehen wie dumm von mir Zu glauben während der werbung Mit großen Augen Roher Hoffnung, ganz und gar

den in den Erdboden gerammten Pfosten die sich im wind mühende Fahne den elektrischen Zaun das nachtsichtgerät nicht mehr als ein Boot, kein Schiff das auf dem Mondmeer kentert nicht mehr als ein Versuch, kein Plan der das Handeln bestimmt nicht mehr als ein Junge, kein Mann der sein Leben Fremden anvertraut

Kannst du mich nicht einfach heilen Bin doch nur das Produkt Gepriesen Bis du mich besitzt Begehrst du mich Bis du mich wegwirfst Liebst du mich.

und all das während wir Bücher nach Autor, Rücken und Erscheinungsjahr sortieren.

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Nenn mich integriert und mach ein Foto von Elina Lukijanova wenn du’s mir sagst, soll ich bezahlen, Lächeln, wenn ich etwas brauch’. Und immer höfl ich soll ich bitten, Knicksend danken, Stempelschnalzer – deine Milde, Heute wird dein Tintendruck zum dritten Auge Menschlichkeitsfrequenzen nehm’ ich damit auf. Heut‘ Abend schon will an ihm saugen: Enwicklersaft, der Zahmen Ethik. werde Augenklappen tragen, Damit mich Trägheit heute nacht noch nicht erwischt. Morgensehnsucht schenkt mir Falten, Kinnflaum, Kopfesglätte, wachheit nur mein wissen: Getarnt’ Verliererstoff zwischen Gewinnertypenwetten. Liste meiner Träume tintenschwarz; Bis letzter blanker nichtfleck, das Papier, negativ wie klumpig’ nonsens, Bleichfleck wird. Deutung nun: von Salz durchsäuert.

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IMPRESSUM

Reise Boris Guschlbauer

Herausgeber, redaktionelle & künstlerische Leitung

Urbane Kultur, elektronische Tanzkultur Yuppi Buge

Romy Berger Johannes Finke

Anzeigen, Kooperationen, Advertorials Romy Berger | r.berger@blank-magazin.de

Kontakt BLAnK | Postfach 02 10 02 | 10121 Berlin Redaktionelle Ansprechpartner Gesellschaft & Politik Johannes Finke

Art Direktion Romy Berger Online Mario Meißner V.i.S.d.P. Johannes Finke

Contributors Text & Reportagen Elmar Bracht (www.dasbiestberlin.blogspot.com) Johannes Finke Boris Guschlbauer (ichwilleineriesenbockwurst mitsenfundzwarsofort.de) Roman Libbertz (romanlibbertz.blogspot.com) Teresa Bücker Thomas Jäger Fotografie Roman Libbertz Monika Finicky

Musik & Literatur Thomas Jäger Literatur Roman Libbertz

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Blank Winter 2013  

Gesellschaft, Diskurs, Disko

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