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Lifestyle Emil Kozak, Majaco Film Oh boy Reise Myanmar

Gesellschaft, Diskurs, Disko

Herbst / 2012

Documenta

Zwei Jungs und die kunst Desaster Schröder,

Kid Kopphausen

Bob Dylan hat‘s kaputt gemacht

Schramm & Wulff:

was Frauen für gute Bücher schreiben

Im Interview

Fritz kalkbrenner

Kate, Mohammed und der Papst?

Ohne uns


präsentiert

sind wieder da!

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EDITORIAL

heisser herbst von Johannes Finke

Die Sonne bemüht sich. Das gefällt. Der Sommer jedoch wird als durchschnittlich in Erinnerung bleiben. Der Herbst aber könnte noch heiß werden. Politisch. Gesellschaftlich. Global und im Kleinen. Richtungsweisend gar? Was war mit dem arabischen Frühling? Und kommt Schweinsteiger wieder in Form? Und schafft es Lena an alte Erfolge anzuknüpfen? Bekommt Niels Ruf endlich eine neue Show im Fernsehen? Und zahlt die Krankenkasse demnächst verstümmelnde Stigmatisierungen für kleine Jungs? Hach, was für eine Zeit in der wir leben. Doch die Widersprüchlichkeit der Moderne, gefangen zwischen religiöser Verblendung, digitaler Verwüstung und gesellschaftlicher Verrohung, lassen es nun mal zu, dass wir zur Zeit eher dem Stillstand frönen, als Geschichte zu schreiben. Und das meine ich nicht im Verhältnis zum Wachstum. Denn ohne Wachstum geht ja gar nichts. Also wachsen wir mal eben etwas. So lange wir still stehen.


BLANK NR. 10 / HERBST 2012

Titelfoto : Matthias David 6 In transit Fotografien von Samira Schulz 12 dieser Weg wird kein leichter sein 12 Jahre nach „Last Ressort“, sind sie alle noch da. Die selbe Band, die selben Musiker und die selben Dämonen. Und mit „The Connection“ haben Papa Roach ein Album vorgelegt, das wieder mehr Kampf als Kunst ist. 18 nicht nur der Ton macht die musik Fritz Kalkbrenner – mit beiden Beinen knietief im Schweiß der traditionellen Clubszene stehend, streckt er die Arme aus, um sich festzukrallen an dem, was so oft missverständlich Mainstream genannt wird. 24 Bob Dylan hat‘s kaputt gemacht Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch sind nicht nur wahnsinnig geistreiche Liedermacher, sondern jetzt auch zusammen Kid Kopphausen. 30 Wenn es erst mal rollt Emil Kozak ist einer der spannendsten Grafikdesigner unserer Zeit. 34 Der herbst kann kommen Die BLANK-Verlosung lässt den tristen Sommer ­vergessen und leutet für manchen möglicherweise ­einen großartigen Herbst ein. 38 Mehr Ma jaco Die BLANK Fashionstrecke 48 Jeff Koons – The Painter Roman Libbertz besuchte die Ausstellung eines der größten Künstler unserer Zeit – und lässt euch daran teilhaben. 4 I  BLANK


60 zwei jungs und die kunst Nilz Bokelberg hat mit Roman Libbertz die­ ­documenta in Kassel besucht – ein Resümee. 70 Magisches Myanmar Boris Guschlbauer fand, es wäre an der Zeit, ­Myanmar ein Besuch abzustatten und bietet einen Einblick in ein be- und verzauberndes Land. 90 Der Odem der liga 50 Jahre Fußballbundesliga bedeuten Geschichte und Geschichten. Manchmal bedingt auch das eine das andere. Ben Redelings ist einer der großen Biographen des Fußballs und hat alles aufgeschrieben. 94 Klassentreffen Bei den Hip Hop Open 2012 trafen sich in Stuttgart nicht nur die Mitglieder der legendären ­Stuttgarter Kolchose, um das zwanzigjährige Jubiläum zu feiern. Auch andere Schwergewichte der Szene waren anwesend und stellten sich brav vor eine nicht unbedingt schöne, aber als Hintergrund recht streetig wirkende Wand und gaben dazu ihren „Tag“ ab. 118 Tatort Berlin Auf Jan Ole Gerster hat die Deutsche Filmlandschaft gewartet. Sein Debütfilm „Oh Boy“ erzählt davon, sich im Urwald der Großstadt zurecht zu finden, nicht unterzugehen und in der Abwägung irrsinniger äußerer Einflüsse den eigenen Weg zu gehen. HEFT ZWEI Frauen und Bücher Teil 1

von Elmar Bracht Wenn Aschenputtel auf Peitsche trifft

von Mirka Uhrmacher

131 Impressum

INHALT BLANK I 5


In

transit Fotografien von Samira Schulz

Samira Schulz, geboren 1980 in Wiesbaden, zog nach mehrmonatigen Aufenthalten in Südengland und Madrid ins damals noch rohe und kreative Berlin des Prenzlauer Berg. Es folgte ein Studium an der University of the Arts, London College of Communication und der erfolgreiche Abschluss 2005. Nach sechs Jahren London zog es die junge Frau weiter. Sie studierte Art Direction an der Hochschule des SICA (Sindicato de la Industria Cinematografica Argentina) in Buenos Aires und beschäftigte sich mit der Produktion verschiedener (audio-)visueller Kunstwerke und deren Ausstellung. Schulz Hauptaugenmerk gehört der Fotografie, deren vermeintliche, jedoch oft täuschende Funktion der Dokumentation und die damit verbundene trügerische Beziehung zur Geschichte und der Erinnerung. Die Bildfolge „In Transit“ zeigt einen Nicht-Ort, einen Ort, an dem man nie wirklich ist, den man nur auf dem Weg von hier nach dort durchreist, ohne einen Gedanken oder eine Emotion an ihn zu verschwenden. Arbeiten von Samira Schulz wurden in zahlreichen Ausstellungen in England, Frankreich, Deutschland und Argentinien gezeigt. Noch lebt die inzwischen junge Mutter in Buenos Aires, plant aber schon ihre Weiterreise. www.samiraschulz.com 6 I  BLANK


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dieser Weg wird kein

leichter sein Fotografie PERCH (links), Travis Shinn Text Till Erdenberger

2012, 12 Jahre nach „Last Ressort“, sind sie alle noch da. Die selbe Band, die selben Musiker und die selben Dämonen. Und mit „The Connection“ haben Papa Roach ein Album vorgelegt, das wieder mehr Kampf als Kunst ist. Oder halt Kampfkunst. Und auch deshalb ist es wieder so gut geworden, vielleicht die beste Scheibe der Kalifornier seit dem 2002er-Release „Lovehatetragedy“.

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in Rückblick: Die Nuller-Jahre beginnen wütend und verzweifelt: „Cut my life into pieces“ knallt es aus den Boxen in drei Millionen Haushalten alleine in den USA. „This is my last ressort.“ Und davor eine ganze Generation Jugendlicher, die die Wut und die Verzweiflung aufsaugen, die ihnen diese Band entgegen rotzt. Papa Roach schießen sich mit ihrer Hymne und dem Album „Infest“ über Nacht ins Bewusstsein der Rocklandschaft. Die Texte werden seziert, die Videos laufen auf MTV hoch und runter, die vier Musiker von Desperados zu Plattenmillionären und spielen Headlinershows auf Festivals in aller Welt. Ein richtig großes Ding also, vor allem, wenn du gerade Mitte 20 bist. Das Problem: Die Band ist komplett

authentisch, die Zwänge und die Schwierigkeiten, die sie besingen, sind die eigenen. Vor allem Sänger Jacoby Shaddix (der sich damals noch Coby Dick nannte) lief und läuft in jeder Hinsicht

unsagbar talentierter. Er zwingt seine Dämonen ins 3-MinutenFormat und bekämpft sie vor allem live mit einer Intensität, die mehr an einen Exorzismus als an eine Liveshow erinnern.

„Wir sind jetzt seit 15 Jahren am Start und es würde mich nicht ­überraschen, wenn wir uns in 15 Jahren wieder hier treffen, um über ein neues Album zu sprechen.“ extrem hochtourig: Alkohol, Drogen, Selbstmordgedanken. Es ist möglicherweise nicht zuletzt diese Mischung, die die Band so erfolgreich macht. Denn Shaddix ist ein Freak, aber ein

Jerry Horton ist zumindest abseits der Bühne der Gegenpol zu seinem überdrehten Sänger. Nur zurückhaltend tätowiert, ruhig, beinahe etwas bedächtig und sehr leise. Der Gitarrist wünscht

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sich Sushi zum Mittag, aber das gibt es erst ab 17 Uhr. Ach ja? Kein Problem, dann irgendetwas anderes. Wir sind für halb zwei verabredet, als ich das Aufnahmegerät anschalte zeigt das Display „13:32“. Zwei Minuten über der Zeit. Um Gottes Willen, was ist nur dem Rock‘n‘Roll zuge-

technokratischeren, kühleren und schon nicht mehr so erfolgreichen Neuzeit? „Ja, so kann man das sehen. Ein bisschen was von allem, ein Mittler zwischen den Welten. Ob wir ein solch ausgeglichenes Album erst mit ein bisschen Erfahrung machen konnten? Vielleicht ist das so.“

„Rockmusik ist ein Katalysator, nicht das Benzin.“ stoßen? „Ein enger Zeitplan hat ihm heute den Garaus gemacht“, lacht der Kalifornier, seit zehn Jahren glücklich mit einem ExPlaymate verheiratet. Man merkt ihm zu jeder Sekunde an, dass er es genießt, über das neue Album Auskunft zu geben. Ja, das neue Material fühlt sich gut an und ja, die Band ist noch immer verdammt hungrig. Sich nach 20 Millionen verkauften Alben langsam mit dem Alterswerk zu beschäftigen, ist ausgeschlossen. „Wir sind jetzt seit 15 Jahren am Start und es würde mich nicht überraschen, wenn wir uns in 15 Jahren wieder hier treffen, um über ein neues Album zu sprechen.“ Bevor wir das tun, sprechen wir aber diesmal noch über „The Connection“. Musikalisch stellt „die Neue“ tatsächlich eine Art Verbindung dar. Der „Missing Link“ zwischen den wütenden aber melodischen Anfangstagen und der etwas

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Ob es schon mal Lyrics aus der Feder des Sängers mit den vielen Dämonen gegeben habe, die die Band abgelehnt hat? „Wenn überhaupt, dann ein paar wenige vor langer Zeit. Denn erstens sind sie meistens verdammt gut, zweitens braucht Jacoby die Texte, um seine Probleme zu verarbeiten und drittens arbeitet er ja in der Regel lösungsorientiert. Das heißt, er versucht meistens, eine Hintertür aufzuzeigen.“ Dass der Rock‘n‘Roll die Kraft hat, im Leben der Menschen etwas zu verändern, die ihre Ohren und Herzen für Text und Sound öffnen, davon ist Horton überzeugt – nicht nur, wenn es um die Katharsis des eigenen Texters geht. „Es klingt pathetisch, aber ich bin überzeugt davon, dass die Musik, wie wir sie spielen und hören, eine Haltung verfestigen kann. Sie sagt, dass man sich seinen Problemen stellen muss,

sie verarbeiten. Und dass es Lösungen gibt. Wir bieten keine allgemeingültigen Lösungen und Musik kann aus kranken Menschen keine gesunden machen. Aber wenn du das richtige Lied, die richtige Platte zur richtigen Zeit hörst, dann kann dir das tatsächlich helfen und einen neuen Antrieb verschaffen.“ Ob sie auch noch virtuelle Gewalt- und Rachephantasien freilegen kann? „Musik kann aus dir nicht etwas machen, das du nicht bist. Für deine Taten bist nur du selbst


verantwortlich. Wenn jemand behauptet, Musik von Slipknot wäre verantwortlich für Amokläufe, dann ist das polemischer Unsinn, in der Regel verbreitet von Menschen, die damit ihre eigenen Interessen verdecken oder transportieren wollen. Noch mal: Rockmusik ist ein Katalysator, nicht das Benzin.“ „The Connection“ ist dann am Ende des Tages aber doch mehr Treibstoff, denn mit diesem Album läuten die Kalifornier un-

bestritten ihr Alterswerk ein. Im besten Sinne natürlich. Monatelang tüftelten die Musiker zusammen mit den Produzenten James Michael (Sixx:A.M.) und John Feldmann (Panic At The Disco u. a.) im bandeigenen Studio – ohne Zeitdruck, ohne tickende Budgetuhren – um am Ende mit 15 neuen Stücken wieder raus zu kommen, die Papa Roach nach durchwachsenen letzten Platten, Katalogstreitigkeiten mit dem eigenen Label und den beschriebenen Immerdapro-

blemen eine große Portion Leben und Relevanz einhauchen. Inhaltlich und musikalisch. „Die Arbeit im eigenen Studio ist Fluch und Segen: Keinen Druck zu haben bedeutet, dass du deine Soli, die Breaks und die Riffs bis zum letzten Tag optimieren kannst. Aber irgendwann musst du loslassen. Verdammt, es ist so schwer. Aber irgendwann war tatsächlich der Punkt erreicht, an dem wir alle gesagt haben: Jetzt ist es fertig.“ Diesen Moment gibt es wirklich? „Okay,

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das Label hatte zwischendrin auch immer mal wieder leise angeklopft, wann wir denn zum Ende kommen“, schiebt Jerry lachend hinterher. Papa Roach sind keine Band für die Verzweifelten mehr, Papa Roach sind eine relevante Rockband. Heute noch weit mehr als

Single steht dafür buchstäblich „Still Swingin‘“ – ein Comebackstatement und ein Manifest, dass es unmöglich sei, an ihnen vorbei zu kommen. Trotz aller Höhen und Tiefen. Was der Texter egoistisch meint, lässt sich auch auf die Band übertragen. „Wir sind immer noch da, wir machen einfach immer weiter. Was soll passieren?

„Wir sind immer noch da, wir machen einfach immer weiter. Was soll passieren?“ damals und damit das so bleibt, braucht es mehr Alben. Denn nur die scheinen in der Lage, die Band zu zügeln, die Dämonen zumindest für Monate miteinander zu versöhnen. Die erste

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MUSIK

Wir denken jedenfalls nicht daran, etwas anderes zu machen. Wieso auch?“ Als wir fertig sind, stiefelt Jacoby an unserem Tisch vorbei und plärrt irgendetwas in unsere Richtung. Im Spaß.

Im August und September sollten Papa Roach eigentlich die USA betouren, im Verbund mit Godsmack, Shinedown, Staind und anderen Größen. Jerry schwärmte schon im Juli davon und sprach von der großen Energie und der Vorfreude, endlich wieder neues Material vorstellen zu können. Nach einer Woche war die Tour für den Vierer wieder beendet, ihr Sänger musste sich einer Stimmbandoperation unterziehen. Der Spaß ist vorbei, Papa Roach müssen weiter den dornigen Weg bestreiten. Im Dezember kommt der wiedergenesene Shaddix mit seiner Band wieder nach Deutschland. „The Connection“ im Gepäck, das Organ geflickt und gerüstet für den Kampf. Es wird großartig werden.


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nicht nur

der Ton macht die musik Fotografie Torben conrad Interview Till Erdenberger

Fritz Kalkbrenner ist ein Wanderer zwischen den Welten. Oder nein, er ist vielmehr ein Mittler. Mit beiden Beinen knietief im Schweiß der traditionellen Clubszene stehend, streckt er die Arme aus, um sich festzukrallen an dem, was so oft missverständlich Mainstream genannt wird.

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emeint ist die Symbiose aus trockenen Clubbeats und organischen, bisweilen hymnischen Melodieparts. „In House gegossene Popmusik“ nennt das die Presseinfo und beschreibt das Werk des Berliners damit passend. Es ist fast ein bisschen grotesk: Denn mehr noch als Bruder Paul, der inzwischen jährlich in Berlin und dem Rest Deutschlands riesige Massenveranstaltungen zelebriert, steht Kalkbrenner der Jüngere für das massenkombatible Moment des Techno, ohne sich in die Gefilde des Trance zu verlaufen. Und womit der Berliner auf seinem gefeierten 2010er-Debüt „Here Today Gone Tomorrow“ begonnen hat, das führt er zwei Jahre später

konsequent und noch ambitionierter fort: Fritz Kalkbrenner ist weiterhin der große Lyriker unter den Elektroproduzenten. Denn während die Kollegen aus dem kommerziellen Bereich Gesang höchstens als Klangfarbe, als weiteres Instrument einsetzen, geht es Kalkbrenner um weit mehr als das: Die Worte als eigenständigen Teil seiner Kunst. Ambitioniert und künstlerisch wertvoll. Im Folgenden über die Musik, die Wurzeln und was eigentlich wem gehört und wohin. BLANK: Techno und Gesang – auf diesem Feld bist du Pionier, stehst ja fast alleine da. Glaubst du, die Technofreunde würden sich mehr Lyrics wünschen? FK: Offen gesagt: Ich weiß es nicht. Bei mir war das Texten

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„Ich könnte also einem übergroßen Fokus auf die Lyrics gar nicht gerecht werden.“ und Singen neben dem Produzieren immer ein integraler Bestandteil meiner Arbeit und ich habe nie davon gelassen. BLANK: Und denkst du, dass da überhaupt etwas hängen bleibt? FK: Auch hier: Ich weiß es nicht. Ich kriege aber oft gutes Feedback zu den Inhalten der Lyrics und darüber freue ich mich. Ich kann aber auch verstehen, wenn das einfach an den Hörern vorbei geht, weil die sich auf den physischen Aspekt der Musik konzentrieren wollen. BLANK: Wünschst du dir nicht manchmal beim Texten, Liedermacher zu sein? Der weiß, dass die Leute jedes einzelne geschriebene Wort aufsaugen und auswerten? FK: Nein, absolut nicht. Denn dafür müsste ich eine ganz wichtige Komponente der Kunst vernachlässigen müssen: Das Produzieren. Ich könnte also einem übergroßen Fokus auf die Lyrics gar nicht gerecht werden, da ich ja zwischen den Stühlen stehe und beides bedienen muss und möchte. Dass man dann hier und da auch Abstriche machen muss, lässt sich nicht vermeiden. Das ist aber auch okay.

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Musik

BLANK: Du bist einer der wenigen ganz großen Namen, die nicht auf eine beeindruckende Liste an Remixen blicken können. Warum? FK: Ich habe nicht nur keine beeindruckende Liste an Remixen, sondern habe überhaupt noch keinen gemacht. Dass das so ist, hat sich über die Zeit entwickelt. Denn zuerst gab es einfach keine Anfragen und dann gab es auf einmal sehr viele. Irgendwo auf diesem Weg habe ich mich dazu entschlossen, nicht ohne weiteres Remixanfragen anzunehmen. Irgendwann hat sich diese Ablehnung verselbstständigt und die Latte, wer da kommen müsste, wurde ständig höher gelegt. BLANK: Wer müsste denn nun kommen? FK: Ich würde mich gerne an Motown-Einzelspuren wagen und mich über die her machen. Das ist aber auch wirklich schon ganz schön weit hergeholt. Um ehrlich zu sein: Dieser ­Gedanke

des Remixens spielt bei mir einfach keine besonders große Rolle in der täglichen Arbeit. Das Selberproduzieren ist mir wichtiger. Aber wie gesagt: Wenn Motown kämen und mir ein paar Einzelspuren anbieten würden, dann würde ich wahrscheinlich nicht „Nein“ sagen. BLANK: Gibt es Unterschiede bei deinen Sets weltweit? Lieben die Australier eine andere Dramaturgie als die Südamerikaner? FK: Die Livesets hängen vor allem von meiner Befindlichkeit und meiner Tagesform ab. Dass die Dramaturgie sich nach dem Kontinent, der Stadt oder der Location richtet ist zumindest bei mir nicht so. Ich weiß allerdings nicht, ob das für oder gegen irgendetwas spricht, dass die Menschen auf der ganzen Welt gleich feiern. BLANK: Wo siehst du den Techno denn überhaupt zuhause? In den Clubs, wo er her kommt oder doch auf den großen Open-Air-Veranstaltungen? Und warum? FK: Eine Frage, über die sich die Traditionalisten und die besonders der Zukunft Zugewandten fröhlich die Köpfe einschlagen

„Ich würde mich gerne an Motown-Einzelspuren wagen und mich über die her machen.“


könnten. Natürlich kommt der Techno historisch betrachtet aus den Clubs, aber die Frage, wo er hingehört greift zu kurz. Man sollte aber doch weder das eine noch das andere kritisieren, sondern sich stattdessen lieber freuen, dass man die Chance hat, beides zu genießen. Es gibt ja auch durchaus grundlegende Unterschiede, denn während die Festivalsets auf die kurzfristigere Wahrnehmung setzen, haben die Sets in den Clubs einen längeren Spannungsbogen. Freuen wir uns unter dem Strich einfach, dass es sowohl die intime, als auch die großflächige Wahrnehmung gibt. BLANK: Auf deinem neuen Album stehen wieder einige orga-

nische, analoge Instrumentenparts. Wie weit ist der Gedanke gediehen, mal mit Band ein Liveset zu spielen? FK: Den Gedanken gibt es, er ist allerdings noch nicht sehr stark ausgeprägt. Ich überlege aber, auf der Tour zu „Sick Travelin´“ Livegesang in meine Liveshow einzubinden. Alles mit einer Band live umzusetzen halte ich aber nicht für den richtigen Weg bei mir. Das wäre eine zu starke Abkehr vom originären Gedanken der Clubmusik wäre, dem ich ja auch verbunden bin. Es gab das ja auch schon, dass elektronische Künstler nach ihrer künstlerischen Wiedergeburt dann auf einmal mit einer Band auf der Bühne standen. Das

würde mir persönlich jetzt einen Schritt zu weit gehen. Ich möchte aber auch nicht kategorisch ausschließen, dass es so etwas auch bei mir mal geben könnte. Aber auf alle Fälle nicht so bald. BLANK: Wie bist du denn überhaupt in die Elektroszene rein gekommen und fühlst du dich da zu 100% richtig aufgehoben? FK: In die so genannte Szene bin ich auf eine ganz natürliche Art rein gekommen: Durch Freunde und natürlich meinen Bruder schon vor vielen, vielen Jahren. Die Liebe zur Clubmusik, sei es nun House oder Techno, war immer gleichberechtigt mit der zu Soul und Hip-Hop. Es war immer mehr sozusagen eine kon-

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zeptionelle Frage, wo die Musik am besten stattfinden kann. In meinem Fall ist die „Szene“ ein großer Zirkel von Freunden und Kollegen, die alle etwas ähnliches machen, wie ich. Und da ist mir oft aufgefallen, dass die sich in ihrer Wahrnehmung älteren Sachen gegenüber gar nicht so sehr davon unterscheiden, wie ich mich positioniere. BLANK: Liest man Interviews mit dir, fallen als Einfluss oder „Helden“ deutlich öfter die Na-

„Es gab das ja auch schon, dass elektronische Künstler nach ihrer künstlerischen Wiedergeburt dann auf einmal mit einer Band auf der Bühne standen.“ men von Soul oder Hip HopGrößen als die von Elektrohausnummern. FK: Es ist gar nicht so außergewöhnlich, Elektroproduzent zu sein und sich daheim den lieben, langen Tag Hip-Hop- und Soulplatten rein zu pfeifen. BLANK: In einem älteren Interview sagtest du, dass du die Deutungshoheit über deine Kunst verlierst in dem Moment in dem du sie veröffentlichst. Bereitet dir das nicht Bauchschmerzen? Gerade in dem Bereich, in dem es um deine Texte geht. FK: Mit dem Verlust der Deutungshoheit gehen mir auch alle Ängste und Sorgen, wie mit mei-

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Musik

ner Musik und den Lyrics umgegangen wird, ab. Wenn ich mir Sorgen machen würde, dass die Wahrnehmung der Inhalte in einer Art und Weise stattfindet, die mir nicht gefällt, müsste ich mich entscheiden, die Sachen gar nicht erst zu veröffentlichen. Ein Künstler, der es nicht ertragen kann, dass seine Sachen auch kritisch besprochen und konsumiert werden, darf sie nicht veröffentlichen. So einfach ist das. Davon, dass Fritz Kalkbrenner sich gottlob anders entschieden hat, kann man sich ab dem 19. Oktober überzeugen. Dann steht „Sick Travellin‘“ bereit, um unter die Lupe genommen und gedreht

und gewendet zu werden. Und eigentlich muss sich der Friedrichshainer keine großen Gedanken machen, dass die Rezeption seines Werkes irgendwie aus dem Ruder laufen könnte. Denn das, was in den vergangenen Monaten in den frisch bezogenen Suol-Studios entstanden ist, knüpft da an, führt die Idee des Vorgängers mit einer Konsequenz auf ein neues Level, dass die Dancefloors schnell zu eng werden könnten. Kalkbrenner hat 14 Songs geschaffen, die zu organisch, zu physisch, zu greifbar elegant sind, dass sie zu schade sind, immer nur in der selben Szene zu zirkulieren. Ab Januar stellt Fritz Kalkbrenner sein Album in den Clubs vor.


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Bob Dylan

hat‘s kaputt gemacht Fotografie Dennis Williamson Interview Till Erdenberger

Es gibt sie noch, die noch Momente, in denen man nervös und vorfreudig und völlig unprofessionell unsouverän in Gespräche mit Künstlern stolpert, die dort eigentlich nichts weiteres tun wollen, als ihre Plattenfilmebücher zu promoten.

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ie Konstellation ist eigentlich klar, Journalist fragt, Künstler berichtet und am Ende schüttelt man sich die Hand, weil der eine seine Botschaften in der Regel untergebracht und der andere ein paar wohlfeile Statements auf Band hat. Seelenlose Fließbandarbeit eben, die angelieferten Einzelteile werden dann nur noch verschraubt und fertig gemacht. Da ist es dann auch egal, ob man einen Multiplatinmusiker trifft oder ob es sich beim Gegenüber um die Krawallobrüder von Deichkind handelt, bei denen selbst Interviews zum unterhaltsamen Teil ihrer Inszenierung gehören. Profunde Vorbereitung, rein-raus, danke-bitte, fertig. Aber die Tage, an denen man mehr als Frager, mehr als Stichwortgeber ist, sind im Kulturbereich rar. Umso schöner wird es dann, wenn die Nerven mal flattern, weil man jemanden trifft, der Emotionen beim Interviewer selbst auslöst. Durch seine Aura, durch seine

Kunst, durch das, wofür er steht. Das hatte ich bisher zweimal und das letzte Mal war kürzlich, als ich Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch – zusammen Kid Kopphausen – treffen durfte. Wir plauderten übers neue Album (soviel zum Standard), ihre Zusammenarbeit und ganz viel über Kraft und Anspruch von Popmusik. Und am Ende war das Ergebnis des Gesprächs dann tatsächlich mehr, als die Summe der

Denn wenn es um reduzierten deutschsprachigen Pop mit Tiefgang geht, ist Gisbert zu Knyphausen so etwas wie der Mann der Stunde. Sein letztes Soloalbum stieg in den Albumcharts bis auf Platz 12. Nils Koppruch war mit seiner Band Fink einer der ersten großen Kritikerlieblinge einer jungen und selbstbewussten deutschen Indiebewegung und ist heute ein umtriebiger Solokünstler. Zwei Männer, zwei künstle-

„Es war nicht die Idee, etwas völlig Neues zu machen. Die Idee war, unsere Qualitäten zusammen zu führen.“ Nils Koppruch einzelnen Teile. Da macht sogar das Abtippen Spaß. Warum mir Gisbert und Nils viel bedeuten und warum “I” von Kid Kopphausen auch von euch geliebt werden darf, kann jeder seit dem 24.08. selbst erfahren.

rische Generationen, die eine gemeinsame Gegenwart verbindet. Die besteht aus 13 Stücken zwischen anrührender Melancholie und entrückter Verve – und ganz viel dazwischen. Reduziert und ideenreich.

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„Sind die Zeiten politisch, kann Popmusik was in den Leuten auslösen.“Gisbert zu Knyphausen BLANK: Gisbert, Nils, woher kam das Vertrauen, als Kid Kopphausen ein gemeinsames Album zu produzieren. Nils: Es gibt ja eine Vorgeschichte: Wir hatten schon ein paar Songs zusammen geschrieben und waren auch schon gemeinsam auf Tour. Der Gedanke, etwas zusammen zu machen, kam also nicht aus dem Nichts. Dass eine Zusammenarbeit wirklich für die Länge eines Albums funktionieren würde, war uns früh klar. Eigentlich schon, als wir nach vier Tagen unsere erste gemeinsame Songwritingphase beendet hatten. Es war auch klar, dass wir zusammen Musik machen wollten, nicht nur unsere eigenen Songs auf einem gemeinsamen Album zu versammeln. BLANK: Gab es Momente des Zweifels? Gisbert: Ernsthafte Zweifel gab es nicht. Es gibt natürlich immer Tage, an denen nichts zusammen laufen will und man sich fragt, was man überhaupt macht. Aber das waren keine Zweifel am Funktionieren des Projekts, sondern die turnusmäßigen künstlerischen Selbstzweifel.

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Musik

BLANK: Trotzdem ist das Ergebnis dicht an dem, für das ihr auch als Solokünstler steht. Wäre unter neuem Namen nicht etwas mehr Experimentierfreude angesagt gewesen? Nils: Es war nicht die Idee, etwas völlig Neues zu machen. Die Idee war, unsere Qualitäten zusammen zu führen. Aber wenn wir noch mal was zusammen machen, fällt es vielleicht leichter, sich weiter von unserem gemeinsamen Anfangspunkt zu entfernen. Hier wollten wir „nur“ dafür sorgen, dass das Ergebnis mehr als die Summe der einzelnen Teile wird. BLANK: Gab es dafür eine ­Strategie? Gisbert: Wir haben nichts analysiert, sondern den Prozess einfach laufen lassen. Anders wäre es auch nicht gegangen.

Nils: Es gab auch im Vorfeld keine Tabus und keinen Plan. Wir haben erst später ein bisschen konzeptionell gearbeitet und hier und dort ein bisschen etwas abgeschliffen. Gisbert: Ganz am Anfang gab es die Idee, eine ganz reduzierte Platte zu machen. Aber auch das haben wir schnell verworfen, weil früh klar war, dass wir noch weitere Musiker hinzu holen wollten, die ihren Input abliefern. Es waren immer alle Türen offen für Überraschungen und Kurswechsel. BLANK: Warum heißt das Album schlicht „I“? Gibt es schon einen Masterplan für den weiteren gemeinsamen Weg? Nils: Das ist ein Ansporn für uns, dass es weiter gehen soll. Sonst hätten wir sie auch „Die Letzte“ nennen können. Aber ich hatte schon das Gefühl, dass die Arbeit an diesem Album etwas ganz besonderes war, einfach, weil alles so unheimlich stressfrei war.

„Ich habe zwar natürlich eine Meinung zu politischen Themen, verzichte aber darauf, dazu einen Song zu machen.“ Gisbert zu Knyphausen


Gisbert: So lange wir uns gut verstehen, kann es gerne weiter gehen. Nils: Wobei das „Gutverstehen“ ja noch lange keine gute Platte macht. Aber solange dieser Anspruch, den wir an uns selbst haben, zu erfüllen ist, geht es weiter. BLANK: Textlich sind die Stücke wie man es erwarten durfte: Poetisch, unerwartete Bilder und ein gefühlvolles Spiel mit dem, was die deutsche Sprache zu bieten hat. Gab es auch Verse, die ihr euch gegenseitig ausgeredet habt?

Gisbert: Es gab schon ein paar Sätze, bei denen Nils sich geweigert hat, sie zu singen. Die sind aber dann meistens trotzdem drin geblieben und ich habe sie übernommen. Es gibt auch Reime, die vielleicht hier und da Allergien verursachen können, aber die lassen sich meistens nicht vermeiden. Ich habe keine Angst davor, die trotzdem zu benutzen.

einfach nie in der Lage gefühlt, einen politischen Text zu schreiben, der meinen Ansprüchen genügt. In drei Minuten ist nun mal wenig Platz und dann auch nur für Sätze, die man sofort wieder in Frage stellen kann. Hätte ich mit 17 meine erste Platte gemacht, hätte ich mich vielleicht getraut, Inhalte auf Parolenlänge einzudampfen.

BLANK: Warum finden sich auf der Platte keine politischen Songs? Ist man als Liedermacher in politischen Zeiten nicht eigentlich dazu verpflichtet?

Nils: Es ist auch die Frage, ob man politisch wirken will. Denn ich will ja Kunst machen, ich will nicht Agitator sein. Ich glaube, dass Kunst größer ist als Tagespolitik. Du kannst eine Haltung zeigen, ohne explizit auf tagespo-

Gisbert: Ich habe mich ganz

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„Denn wenn keine Fragen offen bleiben, muss man möglicherweise weiter ziehen.“ Nils Koppruch

litische Dinge zu reagieren. Und das tun wir sicherlich auch. Aber die Welt ist wahnsinnig komplex geworden, es gibt dieses klare Abgrenzen nicht mehr, diese einfachen Botschaften von Gut und Böse. Und wer als Künstler reflektiert arbeitet, der wird einsehen, dass er in einem Popsong kaum mehr leisten, als ein Thema anzureißen.

ja derzeit einfach, zum Beispiel auf die Finanzbranche einzudreschen. Ich hätte aber den Anspruch, mich auch in Interviews erklären zu können. Dafür müsste ich aber alles überblicken, aber das Thema ist viel zu komplex. Und deshalb habe ich zwar natürlich eine Meinung zu politischen Themen, verzichte aber darauf, dazu einen Song zu machen.

Gisbert: Ich will auch nicht populistisch sein, dabei wäre es

Nils: Ich möchte es auch in einem Popsong einfach nicht hören,

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tut mir Leid. Ich möchte als Songwriter etwas möglichst Zeitloses machen. Natürlich muss meine Kunst auch die Zeit widerspiegeln, in der sie entsteht, aber sie soll nicht davon begrenzt werden. BLANK: Kann Popmusik tatsächlich etwas leisten oder ist das Verklärung? Nils: Ich glaube schon, dass sie zumindest mal in der Lage war, etwas zu leisten.


Gisbert: Ist das wirklich so? Das frage ich mich tatsächlich. War es nicht andersrum, also dass die politischen Zeiten die Musik politisiert und mit Bedeutung aufgeladen haben? Aber du weißt das besser, du bist ja auch etwas älter. Nils: Popmusik wurde in den Sechzigern von Leuten gemacht, die eine linke Position bezogen haben, zwanzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Oder Leute wie Degenhardt, die eine linke Haltung in Worte und Musik gekleidet haben. Gisbert: Damals war es für Musiker auch einfacher, sich in diesen Protestzug einzureihen oder sich überhaupt in dieser linken, politisierten Welt einzuordnen. Heute ist alles viel weniger homogen. Nils: Hat nicht auch Bob Dylan die Idee des linken Liedermachers zerstört? Der wollte sich damals nicht als Sprachrohr der Amerikanischen Linken vereinnahmen lassen, weil er gesagt hatte, das würde ihn in seiner Kunst viel zu sehr begrenzen. Sagen wir es so: Popmusik insgesamt hat, wie alle gesellschaftlichen Phänomene, den Zeitgeist beeinflusst und die Gesellschaft beeinflusst. Gisbert: Genau, der Zeitgeist. Ich glaube, dass die Wirkmacht von Kunst und Musik ganz entscheidend davon abhängt, was

gerade in der Gesellschaft selbst schon akut ist. Sind die Zeiten politisch, kann Popmusik was in den Leuten auslösen. Nils: Um also auf den Anfang der Diskussion zurück zu kommen: Politische Lieder oder die Kunst des politischen Lieds, wie es damals von der Liedermachergeneration um Wader und Co. gespielt wurde, lässt sich nicht mit dem Abstand von 30 Jahren reproduzieren. Der politische Song, der heute gehört werden würde, würde auch ganz sicher nicht von einem Mann mit einer Akustikgitarre stammen. Gisbert: Vielleicht würden auch die Medien, die nach Musikern mit Haltung gieren, auf genau denjenigen einprügeln, der sich dann tatsächlich hinstellt und diesen neuen Typus Protestsong spielt. Nach dem Motto „Wie kannst du es dir anmaßen, hier zu urteilen, du kleiner Musiker?“ Trotzdem würde ich irgendwann gerne einen Song machen, der explizit eine politische Haltung transportiert. Aber erst, wenn ich mich dazu in der Lage fühle. BLANK: Der Opener von „I“ fragt „Wer bin ich?“. Treibt euch das tatsächlich um? Nils: Das ist nicht die Frage, die ich mir jeden Tag stelle, aber es ist natürlich ein universelles Thema: Auf seinem Lebensweg die Antwort auf die Frage zu finden „Wer

bin ich oder wer kann ich sein?“ BLANK: Der Lebensweg von Kid Kopphausen führt euch auch in Kürze über die Bühnen der Republik. Gisbert: Ja, wir werden sehr viel mit der Band unterwegs sein. So lange, wie uns die Leute hören wollen. Dann werden wir das irgendwann abkappen und uns wieder an die Arbeit für unsere nächsten Soloplatten machen. Im Moment hat Kid Kopphausen aber absolute Priorität für uns beide. BLANK: 13 Stücke sind aber kein abendfüllendes Programm, oder? Nils: Das Grundgerüst werden natürlich die neuen Songs sein. Aber ich möchte unbedingt auch Gisbert eines seiner Stücke spielen sehen. Dann noch ein Song von mir und dann mal sehen, was noch Spaß macht. BLANK: Würde es auch Spaß machen, euch gegenseitig bei der Klärung der „Wer bin ich?“Frage zu helfen? Nils: Wenn man das Gefühl hat, genau zu wissen, wer der andere ist, würde möglicherweise viel uninteressant werden. Und das wäre möglicherweise das Ende der Zusammenarbeit. Denn wenn keine Fragen offen bleiben, muss man möglicherweise weiter ziehen.

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Wenn es erst mal

rollt

Fotografie zooom.at, Ulrich Grill / Artwork by Emil Kozak, www.emilkozak.com Text Till Erdenberger

Von wo ist der Weg in die weite Welt und das Bewusstsein einer styleaffinen Generation wohl am weitesten? Möglicherweise aus der dänischen Provinz? Emil Kozak muss eine Abkürzung gefunden haben: Der Däne ist einer der spannendsten Grafikdesigner unserer Zeit.

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ür den kleinen Emil begann alles in nämlicher Provinz im Norden Europas. Und zwar mit einem orangefarbenen Plastikskateboard, das er zu seinem 7. Geburtstag geschenkt bekam. Stundenlang spielte der heute 31-jährige im Wohnzimmer der Oma, verfiel dem Board immer mehr und sog alles auf, was mit der Kultur des Boardens zusam-

gute Stube der ­Kozaks transportierten. „Was mich wirklich und endgültig mit dem Skaten und der Skateszene zusammen geschweißt hat, war die Kreativität, die in der Szene allgegenwärtig war. Es hat mich schlicht umgehauen, die Typen zu sehen, wie lässig sie waren. All die Farben, die Musik, die Designs. Und natürlich, wie sie ihr Equipment nicht übernommen haben, wie es aus der Fabrik kam, sondern

ziehungskraft der Kunst. „Ich übernahm jede Arbeit, die ich an Land ziehen konnte. Alles, was wenigstens ein bisschen nach Design roch. Ich habe wirklich hart gearbeitet und nie das Wichtige aus den Augen verloren.“ Seine jahrelange Hingabe zahlte sich bald aus: Der legendäre Skatebekleidungshersteller VANS klopfte an seine Tür –

„Es hat mich schlicht umgehauen, die Typen zu sehen, wie lässig sie waren. All die Farben, die Musik, die Designs.“ men hing. Die Tage waren gefüllt mit Herumfahren in seiner Heimatstadt, der Lektüre der einschlägigen Magazine und dem Anschauen von Skatefilmen, die den Style und die Attitude der kalifornischen Szene in die

es weiter entwickelt und jedes Board zu einem Einzelstück gemacht haben.“ Fasziniert von den ausdrucksstarken Designs der Skateboardszene, begann Kozak eine Ausbildung als Designer und erlag schnell der An-

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„Die Marken kommen zu mir, weil sie nach visuell sehr starken Designs mit Gegensätzen suchen – dänisches Design made in Barcelona.“ buchstäblich aus dem Nichts. „Ich bin ein VANS-Fan, seit ich ein Kind war. Ich muss gestehen, ein wenig ausgerastet zu sein, als sie sich bei mir meldeten. Ich wollte Kunst schaffen, wie ich es noch nie vorher getan habe, ich habe also verdammt viel in diesen Job investiert. Es war eine harte Zeit – aber natürlich im besten Sinne.“ Mit seiner Arbeit für VANS katapultierte sich Emil endlich auch als Designer in die Skatewelt. Eine leidenschaftliche Beziehung war damit endgültig besiegelt und mit den höchsten Weihen versehen. Emil Kozak designt für VANS, damit kam zusammen, was zusammen gehörte. Seine Liebe zum Skateboarding und seine spanische Freundin haben Kozak dann vor ein paar Jahren aus seiner Heimat nach Barcelona gelockt. Dort, wo der Designer heute lebt und mittlerweile ein Designstudio aufgebaut hat und namenhafte Brands aus

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aller Welt betreut. „Die Marken kommen zu mir, weil sie nach visuell sehr starken Designs mit Gegensätzen suchen – dänisches Design made in Barcelona“, erzählt der Hispano-Däne. Inspiriert sind seine einzigartigen Arbeiten von Skateboards, Natur, Surfen, Fotografie, Popkultur und allem dazwischen, zu seinen Vorbildern gehören Milton Glaser, Man Ray, David Lynch oder Herb Lubalin. Entstanden ist sein markanter

Stilmix aus Typografie, klaren Linien und lebendigen Farben. „Ich stehe normalerweise sehr früh auf, um noch ein paar Wellen zu reiten bevor der Rest der Welt aufwacht und ich tagsüber Mails bearbeiten und Korrekturen erledigen muss. Wenn der Tag ausklingt, setze ich mich an neue Entwürfe. Ich bin also tagsüber Grafikdesigner und nachts Künstler.“ Im Moment steckt Emil mitten in der Entwicklung der Surf-Marke „Locals Only“. Basieren tut deren Philosophie


auf der Idee, dass nicht wir Menschen das Zentrum des Universums sind, sondern Mutter Natur der rechtmäßige Inhaber dieser Erde ist. Dass der Junge, der einst in der dänischen Provinz seine Karriere begann, inzwischen eine eigene Marke geworden ist, manifestiert sich nicht zuletzt in einer erneuten Kooperation, die nur auf den ersten Blick seltsam anmutet. Emil Kozak ist ein Gesicht der neuen Braun cruZerKampagne und ist damit zum

ersten Mal in seiner Laufbahn das Testimonial einer Weltmarke. „Okay, auf den ersten Blick wirkt es ungewöhnlich, dass ich mit ihnen zusammen gekommen bin, aber dann war es doch irgendwie eine naheliegende und gute Kombination: Genau so wie bei meinen Arbeiten dreht sich bei ihnen alles um Style. Und außerdem: Ich bin auch leidenschaftlicher

Bartträger und drücke meine Persönlichkeit gern über meinen Look aus.“ Es scheint, als nehme alles seine logische, natürliche Entwicklung, im Leben des Künstlers. Alles kommt zu dem, der warten kann. Die Zukunft sieht also rosig aus für Emil Kozak. Und seine positive Einstellung will er durch seine Kunst mit uns teilen. „Ich hoffe, meine Arbeit kann uns daran erinnern, dass Vorstellungskraft die Erdanziehung überwinden und die Zeit anhalten kann. Es liegt in unserer Hand, jede Sekunde zu genießen, das kann niemand anderes für uns übernehmen. Habt Spaß, esst Süßes, tut, was ihr liebt und liebt, was ihr tut … Wir könnten schon morgen von dieser drehenden Kugel aus flüssigem Kern und Mantel gekickt werden.“ Mehr Infos zu Emil als Testimonial für Braun cruZer findet ihr hier.

„Ich hoffe, meine Arbeit kann uns daran erinnern, dass Vorstellungskraft die Erdanziehung überwinden und die Zeit anhalten kann.“ LIFESTYLE BLANK I 33


Der Herbst kann kommen Seid nicht traurig, dass der Sommer vorbei ist. So toll war er ja auch nicht. Oder? Und so ein richtiger, grauer Herbst hat ja auch sehr viel Schönes. Die Preise aus unserem Gewinnspiel zum Beispiel. Wieder gibt es etwas zum Anziehen, etwas zum Daddeln und natürlich etwas für euren Style. Damit der Herbst am Ende vielleicht sogar noch etwas charmanter wird, als der Sommer es ja eh irgendwie nicht war. Wie ihr euch selber eine Freude machen könnt? Schreibt bis zum 31.10. eine Mail mit dem Betreff „Verlosung“ und euren drei Traumgewinnen an verlosung@blank-magazin.de.

Eastpak Rucksack Core Series Wenn der heimische Herbst zu ungemütlich wird, muss man sich einfach mal auf die Reise machen. Unbürokratisch, ein spontaner Städtetrip und nur mit kleinem Gepäck? Kleines Gepäck kommt nicht infrage, der Rest aber stimmt schon? Dann solltet ihr unbedingt diesen EASTPAK-Rucksack aus der neuen Core-Serie als Reisebegleiter wählen. Ein robustes Raumwunder, das dich in jeder Metropole der Welt glänzen lassen kann.

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Braun cruZer rasierer Man kennt das: Tausend Bartideen, irgendwo ein gutes Vorbild entdeckt aber das eigene Material gibt nur Vollbart oder Gesichtsglatze mit ausgefransten Kanten her. Rettung naht: Wir freuen uns, dich ab sofort auf deinem Weg zum Trendsetter mit dem passenden Werkzeug unterstützen zu können. Denn Braun stellte uns freundlicherweise zur Verfügung: jeweils einen Braun cruZer face, Braun cruZer beard&head und Braun cruZer body. Damit gibt es ab sofort nur noch die klare Kante und Hochpräzisionsschnitte für Gesicht, Kopf und Körper. „Trimming and styling“ mit Equipment, das hält, was es verspricht. Mehr Infos: shaveyourstyle.com

Marché customer card Ein letztes Stückchen Heimat vor dem Urlaub? Ein schnelles Häppchen auf dem Weg zum Geschäftstermin? Delikatessen für die Wartezeit? Marché hält all das bereit. An Bahnhöfen und Flughäfen in ganz Deutschland halten die Leckereienläden in Grün Frisches und Ausgefallenes für ihre Gäste auf der Durchreise bereit. Wir halten sechs Gutscheine bereit, damit ihr es euch auch mal so richtig gut gehen lassen könnt.

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laufschuh Saucony Kinvara 3 Sportlich in den Herbst: Mit dem Saucony Kinvara 3 ist ein glücklicher Gewinner künftig auf ganz schlanken Sohlen auf den Spuren Gebreselassies unterwegs. Denn wenn Optik und Hightechfunktionalität eine Symbiose eingehen, dann wird es eigentlich fast schon professionell. Der Kinvara 3 wurde aber trotzdem für Hobbysportler designt und konzipiert. Komfort wird großgeschrieben, laufen muss man aber dennoch immer noch selbst. Aber das macht auch nichts. Denn mit dem richtigen Material an den Füßen ist der innere Schweinehund schon halb gebändigt.

oilily schal Es liegt auf der Hand: Dieser Preis ist ein „Must Have“, so kurz bevor es wirklich kalt wird. Oilily hat uns einen Schal für euch überlassen, der sich wie eine zweite Haut um den Hals schmiegt. Wohlig warm, edel elegant im beliebten Oilily-Orientprint. Genau das richtige für einen Herbst an der frischen Luft oder auf gesellschaftlichen Verpflichtungen. Dieses Tuch macht aus seinem Träger auf jedem Parkett einen Virtuosen.

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Duft “Freedom Tommy Hilfiger“ „Kreiert für den Mann, der in seinem Leben aus dem Vollen schöpft“, „inspiriert durch das offene Meer und einen endlosen Horizont“, „das Gefühl von Freiheit in einem Flakon“. Treffender und verführerischer als die Herstellerinfo können wir euch diesen Gewinn gar nicht – buchstäblich – unter die Nase reiben. „Freedom Tommy Hilfiger“ heißt dieser Duft, den wir zweimal als Eau De Toilette im 50ml-Flakon verteilen dürfen. Nochmal der Hersteller: „Der Mann, der Tommy Hilfiger Freedom trägt, ist der vollendete Gentleman mit einem rebellischen Geist.“ Dem lässt sich nichts mehr hinzufügen.

007 Legends für PS3 Wie, ihr habt die PS3 über den Sommer vernachlässigt? Kann doch gar nicht sein. Dann wird es jetzt aber allerhöchste Zeit, das gute Stück wieder zu entmotten. Und wir geben euch den entscheidenden Schubs: Mit dem neuen „007 Legends“ werdet ihr kaum noch die Controller aus der Hand legen wollen. Sechs Bond-Klassiker in einem Spiel, Denken, Rennen, Schießen auf dem Wasser, an Land und im Weltraum. Mehr geht nicht für Bond-Konsoleros!

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Mehr

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Text und Fotografie Roman Libbertz

Irgendwann habe ich mich in deinen schwebenden Basketball verliebt, vierzehn, so alt muss ich damals gewesen sein. Im Anschluss haben wir uns dann einige Zeit nicht mehr gesehen und da mein Faible für Michael Jackson, wie Du vielleicht noch weißt, nach der „Bad“-Tournee abrupt endete, habe ich diese Porzellanstatue ehrlich gesagt auch nie so richtig verstehen wollen. Ebenso erging es mir bei den mit deiner Ex-Ehefrau, dem ehemaligen Italo-Pornostar Cicciolina, produzierten pornographischen ­Photoarbeiten, wie auch bei der Statue von Euch Beiden. Nichts brachte mein frühpubertäres Gefühl zurück. Ich kann Dir also auch nicht wirklich sagen, warum ich letzte Woche plötzlich so unbedingt die fast 400 Kilometer nach Frankfurt auf mich nehmen musste, aber dort habe ich es wieder gefunden, genau das gleich Gefühl, das Du mir vor zwanzig Jahren geschenkt hast. Danke Schirn, Liebieghaus und allen voran Danke Herr Koons. Und wie herrlich war es alle anderen Besucher auch wieder in einer Art Taumel zu erleben.


zwei

jungs und die kunst Fotografie Roman Libbertz Text Nilz Bokelberg

Mein bester Freund Roman und ich haben uns mal ein ­Wochenende geleistet. Wir sehen uns so selten im Jahr, er aus München, ich aus Berlin, dass es durchaus angemessen scheint, die Male, die wir uns sehen, zu zelebrieren und zu etwas besonderem zu machen. Deswegen haben wir unser Treffen auf einen Ort verlegt, den wir beide schon immer mal besuchen wollten: Die Documenta in Kassel.

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ch hab schon viel davon gehört und mich zumindest beim letzten Mal wirklich geärgert, nicht da gewesen zu sein. Diese Versammlung von allem, was in zeitgenössischer Kunst Rang und Namen hat, in einem eher überschaubaren Örtchen wie „Kassel“, das find ich vom Konzept her schon ganz gut. Die ganze Stadt wird bespielt, aber die Stadt ist halt nicht groß. Super. Wie im SimpsonsFilm, als diese riesige Käseglocke über Springfield gestülpt wird und nichts raus kann. In meinen romantischen Vorstellungen haben Inspirationen

an jeder Ecke auf mich gewartet: Nirgends ist man sicher vor einer eventuellen Performance, bei der sich eine nackte Frau mit einem bärtigen Mann auf einem Schimmel sitzend mit rohen Eiern bewerfend duellieren, mitten in der Fußgängerzone, zwischen McDonalds und Starbucks. Dazu ausgestellte Künstler, die nicht alles auf den Kopf stellen wollen, die aber zwingende Ideen haben, Ideen denen man anmerkt, dass sie aus ihnen raus mussten. Wie ein Kind, das raus muss, weil man es nicht länger ernähren kann im Bauch. Es ist fertig, es gehört jetzt auf die Welt. Kunst, die ich nicht sofort verstehe, vielleicht auch welche, die ich gar

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Mein ästhetisches Empfinden, das eine sehr weit ausgelagerte Schmerzgrenze hat, will beleidigt werden. Oder umarmt. Nur nicht links liegen gelassen. nicht verstehe. Aber die mich fordert. Die mit mir ein kleines Kämpfchen austragen will, eine Rauferei um Assoziationen, ein Schwitzkasten für Interpretationen. Um sich danach lachend die Hand zu geben und zu sagen, dass man gewonnen hat. Denn das soll natürlich auch Spaß ma-

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chen. Ich liebe diese Hirn-Kämpfe. Und Krämpfe, klar, die auch. Mir kann ja nicht alles gefallen und das soll es gefälligst auch nicht. Mein ästhetisches Empfinden, das eine sehr weit ausgelagerte Schmerzgrenze hat, will beleidigt werden. Oder umarmt. Nur nicht links liegen gelassen.

Ich gebe zu: Das sind hohe Erwartungen. Aber das sind tatsächlich genau die Erwartungen, die ich für mich persönlich an Kunst stelle. Alles, was darunter liegt, ist gefällig. Dabei meine ich keineswegs, dass Kunst immer die überfrachtete Message haben muss. Meinetwegen kann die manchmal auch einfach nur gut aussehen. Ich will mit meiner Freundin ja auch nicht immer über die politische Weltlage diskutieren, manchmal freu ich mich ja auch einfach nur, wenn sie mir zum Beispiel ihre Brüste zeigt. Das ist dann die Lust an der Ästhetik, für Kunst (und Beziehungen) eine nicht zu vernachlässigende Größe.


Dabei meine ich keineswegs, dass Kunst immer die ­überfrachtete Message haben muss. Meinetwegen kann die manchmal auch einfach nur gut aussehen. Ich will mit meiner Freundin ja auch nicht immer über die politische Weltlage diskutieren, manchmal freu ich mich ja auch einfach nur, wenn sie mir zum Beispiel ihre Brüste zeigt. Ich habe im Vorfeld relativ bewusst wenig über die Documenta gelesen, ich wollte das erstmal vor Ort auf mich wirken lassen. Ich hab zwar mitbekommen, dass die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev hier und da kritisiert wurde, aber in meiner Erinnerung war das bisher bei jeder Documenta so und vielleicht kann das ja auch gar nicht ausbleiben, wenn man so eine große Schau verantwortet. Irgendwer fühlt sich da ja im-

mer auf den Schlips getreten und irgendwie mag das ja vielleicht auch der Sinn und die Kraft einer solchen Veranstaltung sein. Ins Blaue gemutmaßt. To cut a long story short: Nachdem ich nun die Documenta gesehen habe, würde ich die Dame auch kritisieren. Klar, niemand ist alleine für so eine Geschichte verantwortlich, aber Part ihres Jobs ist es ja auch, die Kritik an der Schau auf sich

als Person zu bündeln und Kraft dieses Amtes muss ich ihr bescheinigen, vielleicht eine sehr langweilige Person zu sein, die irgendwie nichts zu sagen hat, aber denkt, sie müsste dringend was zu sagen haben, weswegen sie sich eine Botschaft auf den Bauch schnallt und damit durch Kassel rennt, in der Hoffnung, dass man sie nun als sehr politisch wahrnimmt. So kam das bei mir an. Okay, ich hab nicht alles gesehen. Ich würde gerne wissen, ob überhaupt irgendjemand alles gesehen hat. Diese Ausstellung erschlägt einen mit so einer Masse an Kunst, auf die ganze Stadt verteilt, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll oder weiter machen oder aufhören. Man beginnt zu filtern, sich quasi seine eigene Ausstellung zusammenzubauen, die natürlich, man will ja offener Kunstinteressierter sein, auch Sachen berücksichtigt, die einem erstmal komisch vorkommen, aber

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im Großen und Ganzen dann doch eher das abdeckt, was einen wirklich interessiert. Ein paar wenige Arbeiten haben es mir dann aber auch angetan: Ontem, areias movediças (Gestern, Flugsand) von Renata Lucas Die brasilianische Künstlerin hat eine Arbeit gemacht, die aus einem schönen und beeindruckenden praktischen Teil besteht, der auch das Erste war, was ich davon gesehen hab: Im Keller des Fridericaneums, des zentralen Ausstellungsortes der Documenta, sind an den holzvertäfelten Wänden dieses

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Dieser graue Beton, das hat auch eine gewisse Macht, eine bestimmte Kraft. „klassischen“ Gewölbekellers (der so deutsch anmutet, dass man sich vorkommt wie im „Rathaus-Keller“, einer Lokalart, die es vermutlich in jeder (west)deutschen Kleinstadt gibt – oftmals auch nur „Ratskeller“ genannt) plötzlich ganz glatte und schräge Betonflächen, die weit in den Raum hineinragen. Das hat mich beeindruckt, die sahen toll aus. Dieser graue Beton, das hat auch eine gewisse Macht, eine bestimmte Kraft. Vor allem wenn der so in den Raum hineinläuft. Das ist so

brachial. Beton kann man auf alles drauf machen und es wird sofort auch zu Beton. Daran hab ich totalen Spaß gehabt. Eine wirklich tolle Arbeit. Aber vor allem war es das noch gar nicht. Abends in unserer Schlafstätte (ein Zimmer in einem studentischen Öko-Pavillon, erbaut von Architekturstudenten) hab ich im Katalog noch gelesen, um was es Lucas eigentlich ging mit ihrer Arbeit: Diese Betonfundamente waren noch an zwei anderen Orten am Friedrichsplatz zu finden, nämlich im Keller des


örtlichen Kaufhofs und in einem Privathaus. Zusammen ergeben sie die Ecken des Fundaments einer Pyramide, die so theoretisch über dem Platz liegt. Wie cool! Ich hab mich gleich noch mal so sehr über die Arbeit gefreut, als ich das gelesen hab. Viel später hab ich noch gelesen, dass in den Betonkonstrukten W-Lan-Router versteckt waren, mittels derer man sich auf einem Smartphone oder iPad oder so bestimmte Videos angucken konnte, die zeigen wie … ich hab’s schon wieder vergessen. Warum muss man die eigene Arbeit so überfrachten? d(13)pfad von Natascha Sadr Haghighian Zugegeben: Bei dem Namen der Installation von Haghighian möchte man gar nicht meinen, es mit einer kreativen Person zu tun zu haben, aber ihre Arbeit für die Documenta war tatsächlich die spannende Umsetzung einer guten Idee: Die Karlsaue,

diese riesen Grünanlage mitten in der Stadt, liegt tiefer als der Rest der Stadt und ist deshalb nur über lange Treppen oder Wege zu erreichen. Mitten in die Böschung hat die Berliner Künstlerin einen Trampelpfad angelegt, den man von der oberen Strasse aus sogar nur mit einer Leiter erreicht. Wenn man diesen Trampelpfad entlanggeht, hört man aus in den Gebüschen versteckten Lautsprechern allerlei von Menschen nachgemachte Tiergeräusche, die sich herrlich bescheuert anhören. Das alleine

Wenn man diesen Trampelpfad ­entlanggeht, hört man aus in den Gebüschen versteckten Lautsprechern allerlei von Menschen nachgemachte Tiergeräusche, die sich herrlich bescheuert anhören. Das alleine hätte mir schon gereicht.

hätte mir schon gereicht. Ließe ja zur Not auch genügend Interpretationsspielraum – als Kommentar, wie der Mensch sich der Natur aufdrängt zum Beispiel. Aber dahinter steckt noch mehr, wie ich auch in diesem Fall erst später nachgelesen hab: Die Aufnahmen der Tiergeräusche sind „onomatopoetisch“ (geiles Wort für Galgenmännchen): Also Tierlaute aus verschiedenen Sprachen. Während wir für den Hund „Wau Wau“ sagen, sagen ja englischsprachige Länder zum Beispiel „Woof Woof“ und so weiter. In dreißig verschiedenen Sprachen tönt es auf dem Pfad aus dem Gebüsch, eingesprochen von Migranten aus Kassel. Dazu noch die Tatsache, dass die Böschung eigentlich auf Schutt aus den Nachkriegsjahren basiert und die ersten Migranten in Kassel noch in den ehemaligen Zwangsarbeiterlagern untergebracht wurden, während man auf den Trümmern des Krieges 12.000 Rosen pflanzte. Mit dem

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Wissen im Hinterkopf, bekommt der Pfad noch eine spannende Meta-Ebene, mit der man sich zwar nach der Ausstellung nie wieder beschäftigen wird, aber für den Moment reicht das ja vielleicht auch. Schöne Arbeit. Reflection Room von Marco Lutyens Die Künstler, die nicht in einem der Haupthäuser ausstellen, bekamen in der Karlsaue Hütten gestellt, die sie nach eigenem Empfinden bauen/umbauen konnten. Wie es ihr Werk eben verlangte. Eine besonders schöne Fleißarbeit ist dabei Lutyens gelungen: Die Hütte, die man betritt, ist eher etwas karg eingerichtet: Ein Kamin, ein Hocker, eine Hängelampe und ein getrübtes Fenster. Aber: Direkt darunter ist der gleiche Raum noch mal, in echt, aber gespiegelt. Der hat also ein Loch ausgehoben, auf dem Standplatz seines Pavillons und den exakt selben Raum nach unten noch mal nachgebaut. Super. Ein sehr lustiger Mindtwist, wenn man

noch Zuschauer und die Unechtheit ist sofort klar, man ist aus der Idee ausgeschlossen, durch ein Metallgeländer. Das hat mir den Spaß leider ein wenig getrübt. Aber dennoch: Toll, aufwendige Arbeit. Respekt dafür. Lutyens selbst hielt in dem Raum regelmäßig Hypnosesitzungen ab, was auch dem Werk selber entspricht: Er wollte damit versuchen das Unbewusste zu visualisieren und den Zustand während einer Hypnose greifbarer, erlebbarer machen. Wie gesagt: Wenn man den Raum wirklich hätte erleben dürfen, hätte das vielleicht auch geklappt. Bleibt aber auf jeden Fall gut in Erinnerung. The Importance of Telepathy von Apichatpong Weerasethakul Eine riesige Statue eines Geistes, der wie aus einem asiatischen Geisterfilm entsprungen aussieht. Das war die Arbeit, die Roman unbedingt sehen wollte. Und nachdem wir ein wenig ziellos durch die Karlsaue gestolpert

Da war nichts zwingendes dabei, nichts was mich geschüttelt hätte. davor steht. Allerdings: Man kann nur von einer Brüstung nach unten gucken und sich den Raum ansehen. Das schadet leider dem Effekt, man wird nur

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sind, haben wir sie auch endlich gefunden: Prominent mitten auf einer Lichtung steht sie, als hätte sie schon immer dort gestanden. Eingerahmt von gro-

ßen Bäumen, von denen einige auch noch Hängematten zum ausruhen anbieten. Schön. Die Statue selbst sieht toll aus. Wie so asiatische Geisterfiguren eben immer so aussehen: Man ist sich nie sicher, ob man sich gruseln oder amüsieren soll. Und genau mit dieser Gratwanderung spielen die Geschichten ja üblicherweise auch. Die Angst vor der Metamorphose (des Anderen) ist ein oft verwendetes Stilmittel in asiatischen Erzählungen. Damit spielen diese Figuren, die eigentlich wie Schrumpelomas aussehen, die aber immer ein bedrohliches Moment des „jetzt werde ich gleich zum Monster“ haben. Die Statue in der Karlsaue funktioniert auch so. Riesengroß, weiß wie ein Gespenst, taucht sie plötzlich im Blickfeld auf. Alles bedrohliche, „gruselige“ Eigenschaften. Aber dieses schrumpelige Gesicht mit einem dicken Auge, davor muss man doch eigentlich keine Angst haben! Leichtes, angenehmes Unwohlsein beschleicht einen. Und diesen Gegensatz zu spüren, das ist spannend. Dass der Geist auch ein Mahnmal für die Menschenrechtsverletzungen in Thailand sein soll, wirkt wie draufgesetzt, um dem Werk noch politische Bedeutung zu verleihen, weil das auf der Documenta alle haben. Das braucht es aber gar nicht und kann getrost ignoriert werden. Ohne so eine politische Interpretationshilfe funktioniert die viel besser.


Es war ein Ausverkauf von verschiedenen, ähnlichen Haltungen. Kein Ausbruch, kein Infragestellen. Das waren die ausstellerischen Highlights. Die Organisation rund um die Ausstellung ist großartig, alles hat reibungslos geklappt. Aber meine erste Documenta lässt mich mit einem riesigen Fragezeichen zurück. Gar kein spannendes, das mir dabei hilft, Fragen zu finden, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie mir stellen könnte. Ich hab auch meinen Blick auf die Welt nicht geändert oder wenigstens in Frage gestellt,

noch hab ich ihn bestätigt bekommen. Das wäre alles auch gar nicht so schlimm, hätte ich nicht das Gefühl gehabt, das die Documenta das aber von mir erwartet. Ich finde die Auswahl der Künstler und Arbeiten war sehr lahm, sehr zahnlos. Da war nichts zwingendes dabei, nichts was mich geschüttelt hätte. Es war eher ein gegenseitiges Versichern, dass man ja auf der richtigen Seite sei. Dafür brauch ich aber keine Kunst, das kann man

auch einfach schreiben zum Beispiel. Ich hatte bei den meisten Auftragsarbeiten das Gefühl einer großen Inspirationslosigkeit. Geradezu einer Leere. Nun mag Kassel, das wirklich nett war, auch nicht zu den inspirierendtsten Orten der Weltgeschichte gehören, aber dann muss man einen anderen Weg finden, dort seine Kunst zu präsentieren. Die Arbeit von Thomas Bayrle beispielsweise, der eine riesige Ausstellungsfläche in der Documenta-Halle bekommen hat, auf der er Motorenteile, Reliefs aus Plastikbahnen oder Flugzeugbilder aus Flugzeugteilen präsentierte, war so unglaublich langweilig, dass ich mich kurz fragte, ob

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ich aus Versehen im technischen Museum gelandet sei. Da ist es wieder: Dieses ungute Kunstbetriebsgefühl, dass sich die Leute da hauptsächlich gegenseitig auf die Schultern klopfen und jeder erstmal seine Homies unterbringt, bevor man sich überlegt, was man eigentlich will. Noch mal: Grundsätzlich finde ich es gut, eine solche große Ausstellung sehr politisch anzugehen und aufzuladen. Ein Stück weit ist das sogar ihre Pflicht, denn nichts generiert im Feld „Kunst“ mehr Aufmerksamkeit über Museumsund Galerie-Mauern hinweg, als die alle fünf Jahre stattfindende Documenta. Es wäre ein Frevel, das nicht für eine Message zu verwenden. Aber ich hab das Gefühl

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Ich bin auf die nächste Documenta gespannt. Und hoffe, dass sie mich ärgert, anstatt mir egal zu sein. gehabt, dass nur die Message die Message gewesen wäre. Es gab keinen klaren Standpunkt in der Auswahl, zumindest keinen für mich nachvollziehbaren. Es war ein Ausverkauf von verschiedenen, ähnlichen Haltungen. Kein Ausbruch, kein Infragestellen. Totale Durchschnittlichkeit, denn wenn sich eh alle einig sind, entsteht eine Sicherheit, die jeden Zweifel erstickt. Ein paar schöne Arbeiten, neben den oben genannten, mehr aber auch nicht. Vielleicht wa-

ren Roman und ich blauäugig, aber da haben wir wirklich mehr erwartet. Ich bin auf die nächste Documenta gespannt. Und hoffe, dass sie mich ärgert, anstatt mir egal zu sein. Immerhin: Ich hab ein lustiges Wochenende mit meinem besten Freund in einer uns beiden fremden Stadt verbracht. Das macht irgendwie alles sinnvoll. Dafür auf jeden Fall danke, Frau Carolyn ChristovBakargiev. Über den Rest können wir gerne streiten.


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Magisches

Myanmar Text & Fotografie Boris Guschlbauer

Vor Monaten noch war Myanmar ein weißer Fleck auf der Landkarte. Ein Militärregime erstickte jeglichen Ansatz von Demokratie im Keim. Der Westen verhängte Sanktionen und es wurde abgeraten, das ehemalige Birma zu bereisen. Aus Angst vor einer Militärintervention Seitens der USA und auf Anraten eines Astrologen, verließ der oberste General sogar die ehemalige Hauptstadt Yangon und zog mit dem Regime ins Landesinneren, um die neue Hauptstadt Naypyidaw aus dem Boden zu stampfen. Doch Zeiten ändern sich. Die Pressezensur und der Hausarrest der Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wurden aufgehoben und freie Wahlen abgehalten. Daraufhin lockerte der Westen seine Sanktionen, um die Demokratiebewegung zu unterstützen. Gründe genug also, Myanmar ein Besuch abzustatten. Hier ein kleiner Einblick in ein be- und verzauberndes Land.


Die Magie der Architektur (Yangon) Die einzige Möglichkeit auf legalem Weg nach Myanmar einzureisen, ist mit dem Flugzeug in die ehemalige Hauptstadt Yangon zu fliegen. Nach einer langen Taxifahrt vom Flughafen in das Stadtzentrum, eröffnet sich dem Besucher ein architektonisches Paradies. Die vielen Bauten aus der britischen Kolonialzeit wurden über die Jahre hinweg ihrem Schicksal überlassen und verstrahlen so einen morbiden, aber sehr lieblichen Charme. Auf den ersten Blick

erinnert das Stadtbild eher an Havanna, als an eine südostasiatische Großstadt. Träumend verliert man sich im Überfluss an Leben und dem chaotischen Straßenverkehr, kehrt in eine der zahlreichen Spelunken ein, trinkt mit Einheimischen ihr liebstes, frisch gezapftes Bier, vergisst die stehen gebliebene Zeit und sucht sich dann einen Weg durch die Nacht und über verwaiste Straßen zurück ins Hotel.


Die Magie einer Zugfahrt (Yangon) Entweder man steigt in den komplett überfüllten Bus, um Distanzen zu überbrücken, oder aber in den Zug. Wählt man die ordinary class, findet man ungemütliche Holzbänke vor und die Fenster haben kein Glas, was bei diesen hohen Temperaturen jedoch nur von Vorteil ist. Der Zug holpert dann über schlecht verlegte Schienen, man hat die berechtigte Angst, dass er in den nächsten Sekunden aus der Spur springen wird. Bei einer Geschwindigkeit, dass selbst drei Männer auf einem Moped das Gefährt überholen, rüttelt es alle

Fahrgäste durch, als säßen sie im Epizentrum eines Erdbebens. Wie ich feststellen musste, hatte der Zug immer Verspätung. Wenn es sich bei der Deutschen Bahn um Minuten handelt, geht es hier um Stunden. Doch niemanden scheint dies sichtlich zu stören. Geduldig wartet man im Schatten auf den Schienen sitzend, oder balanciert darauf, oder ein anderer läuft seelenruhig die Strecke ab. Entdeckt man nämlich den Zug am Horizont, hat man noch gute 30 Minuten Zeit, bis er in den Bahnhof eintrudeln wird.


Die Magie von Tempeln und Pagoden (Bagan) Die Stadt Bagan ist mit seinen 4400 Tempel und Pagoden einer der mystischsten Orte, den ich erleben durfte. Sollte sich Myanmar weiterhin dem Tourismus öffnen, wird diese Gegend das neue Highlight in Südostasien und von Touristen überrannt werden. Wohin das Auge auch blickt, entdeckt es die Dächer der Tempel und Pagoden, die wie Finger in den Himmel zeigen. Am bes-

ten leiht man sich ein Fahrrad und radelt über verstaubte Straßen, Trampelpfade und Felder von einer Sehenswürdigkeit zu nächsten. Zwischendurch tankt man neue Energie im Schatten eines Baumes, lässt alle fünfe gerade sein, beobachtet die Hirten mit ihren Herden und rollt dann weiter dem Horizont entgegen, von Pagode zu Pagode, von Buddha zu Buddha. So lange, bis man seinen Lieblingstempel gefunden hat...


Die Magie von Buddha (Bagan) Hat man seinen Lieblingstempel gewählt, läuft man barfuß durch seine schattigen Gänge, bewundert die uralten Zeichnungen an den Wänden und lässt sich vor Buddhastatuen auf dem kühlen Boden nieder. Nun kann man die absolute Ruhe genießen, ein Vogel zwitschert, eine Maus huscht vor Buddha umher, hält inne, betrachtet dich interessiert, verschwindet, Mönche passieren den Raum, huldigen ihrem Meister, und eine Familie zeigt

ihr Kind vor, es hat jeweils sechs Finger an jeder Hand und sechs Zehen an jedem Fuß und bei der Geburt hatte es zwei Köpfe und ein Kopf wurde entfernt und man gab dem Jungen nur ein paar Wochen zu leben, mittlerweile ist er neun Jahre alt. Aber auch sie verschwinden und ich finde die absolute Stille wieder, indem ich Buddha in seine in Meditation versunkenen Augen blicke.


Die Magie der Menschen (Mandalay) Es sind vor allem die herzlichen Menschen mit ihrem Lächeln, die Myanmar zu einer unvergesslichen Reise machen. Man wünscht ihnen noch mehr Freiheiten und fragt sich, warum sie jahrelang unter der Knute eines Militärregimes stehen mussten. Hier sehen wir einen der vie-

len Eisverkäufer, die tagtäglich durch die Straßen radeln und aus einem Lautsprecher an ihrem Lenker tönt rund um die Uhr die immer gleiche blecherne Melodie, die Kinder anlocken soll. Aber bei diesen herrlichen Temperaturen ist es eine Leichtigkeit Menschen mit Eis zu locken.


Die Magie des Goldes (Mandalay) Nur Männern ist es erlaubt an die Mahamumi Buddhastatue vorzutreten, fotografieren ist verboten. Gläubige bringen hauchdünne Blättchen Blattgold mit, um das kostbare Edelmetall auf der Statue zu verteilen. Über die Jahre hinweg wurde Buddha vom Gold so deformiert, dass der Eindruck entsteht, der Erleuchtete würde von extremen Krebsgeschwülsten geplagt. Es soll Glück bringen, seine Hände auf die Sta-

tue zu legen und die Stirn an das Gold zu pressen, was ich natürlich tat. Kurz darauf betrachtete ich meine Hände und sie hatten sich in wahre Goldhände verwandelt. Da ich mir natürlich nichts vorschreiben lasse, vor allem nicht von religiösen Riten weltweit, zückte ich geistesgegenwärtig die Kamera und machte diesen Schnappschuss von Buddha und seinen Gläubigen.


Die Magie einer Busfahrt (Kalaw) Entweder man besteigt den zu spät kommenden, kläglich langsamen Zug oder entscheidet sich für einen der notorisch überbelegten Busse. Glück für denjenigen, der noch ein schattiges, wenn auch beengtes Plätzchen im Inneren des Fahrzeugs ergattert. Das Busdach bietet zwar grandiose Panoramablicke, aber die nicht asphaltierten Straßen haben Schlaglöcher so groß wie Särge und der Panoramablick leidet darunter diese Schlaglö-

cher noch vor dem Busfahrer zu entdecken, um sich rechtzeitig am Nebenmann festklammern zu können. Die starke Sonneneinstrahlung tut ihr übriges. Ein Sonnenbrand ist noch das kleinste Übel, aber zu bemerken, dass man einem Hitzeschlag erlegen ist und die Fahrt noch drei Stunden andauert, macht jede PanoramblickBusfahrt zu einem Horrortrip.


Die Magie des Wassers (Inle-See) Der Inle-See ist mit seinen schwimmenden Dörfern und Gärten ein beliebtes Ausflugsziel. In einem Boot kann man sich über den See schippern lassen, wird dann aber von einem Markt zum anderen, von schwimmenden Shop zu Shop und von Verkäufer zu Verkäufer gefahren. Man fühlt sich eher an eine Butterschifffahrt als an eine Ausfahrt erinnert.

Am schönsten ist es deshalb noch ganz früh am Morgen, wenn der Kiel des Bootes die ruhige Wasseroberfläche durchschneidet. Der Morgennebel verhüllt den Horizont und man kann kaum das Ende erahnen und die Fischer wirken auf ihren Booten wie Fährmänner, die die Toten über das Meer in die Unendlichkeit rudern.


Die Magie eines Straßenfestes (Kingpun) Glück hat derjenige, der in einer kleinen Stadt aufschlägt und ein Dorffest ist im vollen Gange. Ein Wettkochen findet statt. Zu ohrenbetäubender Musik wird klebriger Reis in riesigen Töpfen gekocht und der Reis wird an die Frauen verteilt und reicht dir eine Frau etwas Reis, musst du ihr Ehemann werden. Teams von drei Männern erklimmen unter dem Jubel der Menge einen entrindeten Baumstamm. Bier wird gereicht und die Musik noch lauter gestellt. Es wird hemmungslos getanzt und die Tänzer halten mich am Arm fest, zwingen

mich zu noch mehr Ekstase, aber der Schweiß rinnt mir schon in langen Bahnen von der Stirn und in die Augen. Auf diesem Foto sehen wir das Finale im Tauziehen und ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einem Tauziehen beigewohnt habe. Die Masse war wie elektrisiert, fast so als handele es sich um das Fußballweltmeisterschaftsendspiel Deutschland-Holland und man befindet sich auf der Südtribüne des Westfalenstadions.


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Der Odem der liga

Fotografie Sascha Kreklau Interview Till Erdenberger

„Mach et, Otze“, der Bundesliga-Skandal, Effenbergs Frisuren, die Sache mit dem Einwurftor – alles inzwischen Kulturgut. Der Boulevard hat den Fußball entdeckt, die Politik und die Wirtschaft. Aber eigentlich ist es ja was ganz anderes, das den Laden zusammen hält. 1963 – das Jahr des Urknalls für den Profifußball in Deutschland. Am 24. August bewundern 290.000 Zuschauer den ersten Spieltag der neu gegründeten Bundesliga und können erstmals die besten Mannschaften des Landes in einer gemeinsamen Runde bestaunen. Die Langeweile der mehrgleisigen Oberliga, in der die Topteams erst nach langen Touren über Dörfer und zweitklassige Gegner in einer

eine Erfolgsgeschichte – sportlich und auch wirtschaftlich. Fußball ist ein eigener Industriezweig, die 18 Mannschaften erwirtschaften jedes Jahr rund zwei Milliarden Euro, gemeinsam mit der 2. Liga bietet sie knapp 35.000 Arbeitsplätze und allein in der vergangenen Saison strömten 14 Millionen Menschen in die Stadien. Kurz: Die Bundesliga ist ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor. Dabei weiß jeder, dass der Fußball an sich

„Unfreiwillig sind solche Charaktere wie Kevin Großkreutz und Marko Arnautovic schon ziemlich lustig.“ gemeinsamen Endrunde vereint wurden, sind vorbei. Dieses Jahr geht die Liga also in ihre Jubiläumssaison und ist inzwischen viel mehr als ein Sammelbecken von Topsportlern und Sportverrückten. Nein, die Bundesliga ist

weit mehr ist. Und zwar – das zeigt der Stammtisch, das zeigt die Literatur und nicht zuletzt das eigene Empfinden – ist er die Summe seiner Anekdoten, der Diskussionen, des archaischen Ambientes und natürlich nicht

zuletzt der Unwägbarkeiten des Spiels und seiner Protagonisten. Ben Redelings, Handlungsreisender in Fußballdingen und das gute Gewissen all derer, für die der Sport mehr ist, als 90 Minuten Schnittchen im VIP-Bereich, hat der Liga ein Geschenk zum 50. gemacht und alle dürfen sich darüber mitfreuen: Zweieinhalb Jahre Recherche haben in „50 Jahre Bundesliga – Das Jubiläumsalbum“ 383 Seiten Geschichten, Zitate, allerlei Skurillitäten und eine Bilderflut zutage gefördert, die dem heute technokratisch und durchkommerzialisiert wirkenden „Produkt Bundesliga“ jenen speziellen Odem einhauchen. BLANK: Ben Redelings, gibt es eine Lieblingsanekdote aus 50 Jahren Bundesliga? BR: Ich sage immer, dass ich die nicht nennen möchte, weil ich sonst ein schlechtes Gewissen gegenüber all den anderen Geschichten hätte, die nicht erwäh-

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ne. Ist tatsächlich was Wahres dran. Aber sich vorzustellen, wie Kopfball-Ungeheuer Horst Hrubesch bei der Meisterfeier seines HSV auf einem Doppeldeckerbus ein Ei – von Punks geschmissen – vor die Stirn bekommt und seine Kollegen nur die Häupter schütteln und meinen, »Alles musst du auch nicht mit dem Kopf nehmen, Horst!«, ist schon ziemlich komisch.

In alten BRAVO-Heften und Fußballmagazinen aus meiner Jugend stehen häufig die wundersamsten Geschichten. Dinge, die man früher einfach überlesen hat oder die damals noch nicht interessant waren. Heute entwickeln die ihren besonderen Reiz, weil man den Fortgang der Geschichte kennt und sich daraus eine gewisse Komik entwickelt. Solche Storys kann man auch

BR: Der Fußball ist kritikresistent geworden, das muss man erst mal vorweg feststellen. „König Fußball“ ist endgültig die absolute Nummer 1 im Staate geworden und er weiß das auch. Das macht die Sache nicht immer ganz einfach. Ich vermute, auch wenn das immer alle bestreiten, dass die Kohle die Sache an sich zu sehr dominiert. Wo es um Geld geht, regiert die Ernst-

„Ich muss mal feststellen, dass wir in 49 Jahren Bundesliga genauso häufig Deutscher Meister geworden sind, wie der große FC Schalke 04.“ BLANK: Woher rührt Ihre Vorliebe, ständig nach neuen und alten Bonmots rund um den Fußball und seine Protagonisten zu forschen? BR: Es ist schlicht und ergreifend die Liebe zum Fußball und den vielen schönen Geschichten, die es dort zu entdecken und zu erzählen gibt. Umso schöner, dass das mittlerweile ein teil meines Berufes geworden ist. BLANK: Wo findet man immer noch Zitate, Geschichten oder Skurilles, das man noch nirgendwo gelesen hat? BR: Tatsächlich sammle ich unbewusst seit meiner Kindheit.

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LITERATUR

immer mal wieder in vergilbten Ausgaben des »kicker« finden. BLANK: „Vergilbte Ausgaben“ ist ein Stichwort: Produzieren Liga und Protagonisten heutzutage überhaupt noch Unterhaltsames? BR: Unfreiwillig sind solche Charaktere wie Kevin Großkreutz und Marko Arnautovic schon ziemlich lustig. Jürgen Klopp hingegen kann seinen Humor bewusst einsetzen und damit auch punkten. BLANK: Gibt es heutzutage noch so etwas wie Selbstironie in der Liga?

haftigkeit. Spaß, Freude und die ironische Brechung werden da zwangsläufig immer seltener. BLANK: Sehen Sie in den Kadern der Liga noch echte Entertainer? Oder liegen alle Kicker inzwischen an den kurzen Leinen ihrer Pressestellen? BR: Es gibt sicher Kabinen-Entertainer, die wir nicht kennen. Aber Leute, die bewusst so sind, wie sie sind, gibt es immer weniger. Es ist komplett die Nähe, das Direkte, die unverfälschte Kommunikation, das Natürliche verloren gegangen - und damit auch ein Stück Menschlichkeit. Es ist doch bezeich-


nend, wenn immer noch Mario Basler, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg oder auch ein Mehmet Scholl für die Schlagzeilen sorgen. Ich bin ehrlich: Auch wenn da häufig viel Quatsch dabei ist – es ist und bleibt nah an den Personen dran. Die spielen keine Rolle. BLANK: Sind Sie wirklich im Herzen Fan des VfL Bochum, jener inzwischen zweitklassigen Inkarnation einer Grauen Maus? Oder haben Sie sich diesen Verein aus Imagegründen verpasst? Es fällt außerhalb des Ruhrgebiets schwer zu glauben, dass man bei dieser reichhaltigen Auswahl an attraktiven Topvereinen sein Herz ausgerechnet an den VfL verliert. BR: Moment, ich hatte doch keine Auswahl. Ich bin hier geboren – im Schatten des Ruhrstadions, wie ich nicht müde werde, zu betonen – und komme aus einer VfL-Familie. Der Verein hat sich mich geschnappt und ich bin ihm deshalb nicht böse. Außerdem muss ich mal feststellen, dass wir in 49 Jahren Bundesliga genauso häufig Deutscher Meister geworden sind wie der große FC Schalke 04.

BLANK: Wer sind Ihre uneingeschränkten Lieblingsspieler – auf und neben dem Platz? Kann man eine All StarMannschaft zusammen stellen aus den 11 besten Anekdotenlieferanten der Bundesligageschichte? BR: Im Tor Toni Schumacher, Uli Borowka, Stefan Effenberg, Thorsten Legat, Michael Schulz »Du Sau«, Franz Beckenbauer, Lothar Matthäus, Mehmet Scholl, Ansgar Brinkmann, Horst Hrubesch, Willi Lippens. Trainer: Uwe Klimaschefski, Schiedsrichter: WolfDieter Ahlenfelder, Manager: Reiner Calmund. BLANK: Am Ende bleibt nur noch eine Frage: Nimmt man den Fußball zu ernst oder nicht ernst genug? BR: „Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben – es ist das Einzige“. Wer den Satz richtig einordnen kann, der weiß, wie ich die Dinge sehe. Das Schönste ist immer noch mit den Fans, egal welchen Vereins auch immer, nach den hitzigen 90 Minuten auf dem Platz, hinterher ein kühles Bier zu zischen.

272 S., Paperback 0 ISBN 978-3-89533-847-2, € 14,9

Eine differenzierte Betrachtung der UltraBewegung aus Sicht von Fans, Journalisten, Wissenschaftlern – und der Ultras selbst.

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Mehr als ein Spiel …

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„Buch des Monats.“ (11Freunde) BLANK I 93

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Klassentreffen Fotografie Matthias David

Bei den Hip Hop Open 2012 trafen sich in Stuttgart nicht nur die Mitglieder der legendären ­Stuttgarter Kolchose, um das zwanzigjährige Jubiläum zu feiern, auch andere Schwergewichte der Szene waren anwesend, traten auf und stellten sich brav vor eine nicht unbedingt schöne, aber als Hintergrund recht streetig wirkende Wand und gaben dazu ihren „Tag“ ab. So sieht er aus, der erwachsen gewordene Hip Hop, die Stars der ersten Generation.

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Kool Savas

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WASI

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Roberto Di Gioia

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Sékou

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Ju

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Max Herre

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DJ Friction

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Schowi

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Chefket

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Marteria

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Samon Kawamuka

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Fetsum

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Tua

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KD Supier

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Megaloh

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DJ 5ter Ton

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Harris

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MC Rene

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DJ Bombastico

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Scotty 76

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Trooper Da Don

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Stephan Riese

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Afrob

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Tatort Berlin

Interview Roman Libbertz Fotografie Philipp Kirsamer (links), X Verleih

Auf Jan Ole Gerster, (1978 in Hagen geboren) hat die Deutsche Filmlandschaft gewartet. Sein Debütfilm erzählt davon, sich im Urwald der Großstadt zurecht zu finden, nicht unterzugehen und in der Abwägung irrsinniger äußerer Einflüsse den eigenen Weg zu gehen. „Oh boy“ gelingt es eindrucksvoll, neue Richtungen zu beschreiten, ganz ohne dabei zu dramatisieren. Dem Film gelingt es zu fesseln, ohne es darauf anlegen zu müssen. Und man kann sich schlichtweg nicht erwehren, sich in diesem Niko bei seinen Versuchen, nicht unter die Räder zu gelangen, wiederzufinden. Jan Ole Gerster hat viel probiert und ihm ist alles gelungen. BLANK: „Oh boy“ wurde auf dem Münchner Filmfest mit dem Förderpreis Drehbuch ausgezeichnet, inwiefern hat dich die Auszeichnung überrascht? JOG: Wir haben bis zur letzten Sekunde am Film gearbeitet und sind mehr oder weniger direkt vom Mischstudio zum Filmfest gefahren. Bis dahin hatten den Film nur wenige Leute gesehen. Ich war zu dem Zeitpunkt einigermaßen betriebsblind, da ich den Film in der Endphase fast ein- bis zweimal täglich gesehen habe. Ich hatte nicht die geringste Ahnung wie das Publikum und die Jury reagieren würden. Daher sind wir unsere Festival-Tour sehr olympisch angegangen – dabei sein ist alles. Und tatsächlich haben wir nicht mit einem Preis gerechnet, schon gar nicht mit einem Drehbuchpreis, da die

Geschichte ja eher unkonventionell strukturiert ist. So gesehen war ich schon überrascht, aber vor allem glücklich, als wir eine Auszeichnung bekommen haben. BLANK: Wie lange existierte die Idee zu „Oh Boy“ bereits? JOG: Kann ich gar nicht genau sagen. Die Idee entstand eher so nach und nach. Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt in anderen Drehbüchern verrannt, die mir

alle etwas ausgedacht und unempfunden erschienen. Mit der Erkenntnis, dass der nächste Stoff persönlicher und somit auch authentischer sein sollte. Irgendwann habe ich dann angefangen, alltäglich Situationen und Begegnungen aufzuschreiben. Da ich schon immer eine Vorliebe für stille, passive Figuren hatte, erschien es mir dann sehr reizvoll, eine solche Figur über die Begegnungen mit anderen zu portraitieren.

„Da ich schon immer eine ­Vorliebe für stille, passive Figuren hatte, ­erschien es mir sehr reizvoll, eine solche Figur über die Begegnungen mit anderen zu portraitieren.“ Film BLANK I 119


„Glücklicherweise hat die ­Finanzierung länger gedauert und Tom konnte in der Zwischenzeit ein bisschen altern. Ich hätte mir keinen besseren Hauptdarsteller wünschen können.“ BLANK: Wieso hat es so lange bis zur Realisierung gedauert? JOG: Es hat ein Weilchen gedauert bis ich das Drehbuch einigen Freuden und Dozenten zu lesen gab. Da die Resonanz recht gut war, habe ich mich dann schließlich auf die Suche nach einem

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Produzenten gemacht und bin dann irgendwann Marcos Kantis über den Weg gelaufen, den ich noch aus meiner Zeit bei XFilme kannte. Gemeinsam sind wir dann los gezogen und haben nach und nach Redakteure und Förderer überzeugen können. Es

hat zwar ein bisschen Zeit in Anspruch genommen, aber als die Finanzierung stand ging, plötzlich alles ganz schnell. BLANK: War Niko immer schon Tom Schilling? JOG: Ehrlich gesagt nicht, obwohl ich großer Fan seiner Arbeit bin und wir wirklich eng befreundet sind. Aber als ich das Drehbuch schrieb, wirkte Tom noch sehr jung, eher wie Anfang zwanzig. Mir war es aber wichtig, dass die Figur Ende zwanzig ist. Eine Verlorenheit, ein abgebrochenes Studium und eine finanzielle Abhängigkeit vom Vater haben mit Ende zwanzig eine andere Brisanz als mit An-


fang zwanzig. Tom war einer der ersten, denen ich das Drehbuch zu lesen gab und er wollte die Rolle unbedingt spielen. Glücklicherweise hat die Finanzierung länger gedauert und Tom konnte in der Zwischenzeit ein bisschen altern. Ich hätte mir keinen besseren Hauptdarsteller wünschen können.

Dieser Stoßseufzer wurde dann kurzerhand mein Arbeitstitel und hat sich bis zum Schluss auch gegen deutsche Titelvorschläge durchgesetzt. Aus heutiger Sicht vielleicht ein bisschen anmaßend, aber als ich neulich vor unserem Poster stand, fand ich den Titel in Kombination mit Toms Portrait eigentlich sehr stimmig.

BLANK: Warum gerade Berlin? JOG: Na ja, es ist die Stadt, in der ich lebe und ich liebe Berlin wirklich sehr. Es kam also keine andere Stadt in Frage. Aber in erster Linie wollte ich einen Großstadtfilm drehen und nicht unbedingt einen „Berlinfilm“. In den Vorbereitungen habe ich sogar tunlichst den Begriff „Berlinfilm“ vermieden, weil da seit ein paar Jahren immer diese behauptete Hipster-Attitüde mitschwingt. Vielleicht ist das aber auch nur meine persönliche Wahrnehmung. Im Grunde freue ich mich sogar wenn der Film als „Berlinfilm“ bezeichnet wird.

BLANK: Es muss doch schwer gewesen sein, so ein namhaftes Ensemble für den Film zu gewinnen, oder?

JOG: Einige der Schauspieler kannte ich bereits. Arnd Klawitter (der Nazi-Darsteller) und Andreas Schröders (der MPUPsychologe) kenne ich schon einige Jahre, genau wie Marc Hosemann und Justus von Dohnanyi. Für die Besetzung der restlichen Rollen habe ich dann eine Wunschliste geschrieben, die ich zunächst für utopisch hielt. Doch Tom hat immer gesagt: „Frag sie doch an, mehr als absagen können sie nicht.“ Ich glaube, für viele Darsteller war

„Zum Glück habe ich das ­Drehbuch erst begonnen, als ich in der Lage war, meinen Alltag mit Selbstironie zu betrachten.“

BLANK: Gab es auch Überlegungen einen anderen Titel zu wählen? JOG: Die gab es, aber erst ganz zum Schluss. Beim Scheiben habe ich ständig die Beatles gehört, da ich ihre Fähigkeit, alltägliche Situationen in Posie zu verwandeln, sehr inspirierend fand. Songs wie Elenor Rigby, Penny Lane oder A Day in The Life, welcher mit der Zeile „i read the news today, oh boy“ beginnt.

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es reizvoll mit wenigen, oft sogar nur einem Drehtag, dennoch ein markante Rolle im Film zu übernehmen. Reich werden konnte man bei unserem Dreh jedenfalls nicht.

zwar sehr persönlich, aber eben nicht privat sein sollte. Ich bin der Überzeugung, dass die besten Filme immer einen persönlichen Ansatz haben – besonders Erstlingsfilme.

BLANK: Gab es noch jemanden, den Du gerne als Schauspieler im Boot gehabt hättest? JOG: Nein, wunschlos glücklich!

BLANK: Wie schafft man es, dass jeder noch so kleine Dialog sitzt?

BLANK: Inwieweit enthält der Film autobiographische Züge? JOG: Ein wenig autobiografisch ist er schon. Zum Glück habe ich das Drehbuch erst begonnen, als ich in der Lage war, meinen Alltag mit Selbstironie zu betrachten. Dadurch kam der komödiantische Aspekt in den Film, der

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JOG: Das Schreiben der Dialoge gehört mit zu meinen liebsten Aufgaben im Entstehungsprozess. Grundvoraussetzung dafür ist, dass man Freude an seinen Figuren hat, denke ich. Das die Dialoge dann sitzen, hat aber in erster Linie mit dem großartigen Timing der Schauspieler zu tun.

„Schwarzweißfilme bringen immer ein Gefühl von Zeitlosigkeit mit sich. Zudem war mir eine gewisse ­Abstraktion wichtig. So konnten wir die Stadt mit neuen Augen sehen.“


BLANK: Inwiefern war dir die musikalische Untermalung wichtig? JOG: Für diesen Film war die Musik immer ein großes Thema. Ähnlich wie Berlin als Kulisse, sollte auch die Musik eine besondere, homogene Rolle übernehmen. Mir war schon sehr früh klar, dass ich bei diesem Projekt eher mit Musikern als mit klassischen Filmkomponisten arbeiten möchte. Und tatsächlich haben die Musiker, die den Soundtrack komponiert haben, nie zuvor Filmmusik gemacht. Der Soundtrack hatte zwei große Anforderungen. Zum einen sollte er die Stimmung und Gemütslage der Hauptfigur unterstreichen. Cherilyn MacNeil hat dafür die reinen Klavier Tracks komponiert. Die Jazz-Musik, die den ironischen Blick auf das großstädtische Treiben deutlich macht, wurde von vier jungen Jazz-Musikern (The Major Minors) der UdK komponiert. Berlin wird heute ja oft mit elektronischer Musik assoziiert. Irgendwie kam das aber nie für mich in Frage. BLANK: Wie traut man sich, an Berlin ganz anders ranzugehen und es in solcher Breite (besonders in Form der vielen Standbilder) abzubilden? JOG: Mut braucht es dafür nicht. Ich habe den Film mit vielen Freunden gedreht. Den Kameramann Philipp Kirsamer kenn ich schon seit über zehn Jahren und wir hatten eine ähnliche Vorstel-

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„Als ich die notwendige Balance aus Naivität und Ehrfurcht gefunden hatte, habe ich angefangen zu drehen.“ lung davon, wie wir die Stadt darstellen wollten. BLANK: Warum schwarz-weiß? JOG: Der Film sollte nicht wie ein Generationsportrait wirken. Nach dem Motto: So fühlt sich eine Endzwanziger in Berlin im Jahr 2012. Schwarzweißfilme bringen immer ein Gefühl von Zeitlosigkeit mit sich. Ein sehr einfaches, aber eben auch effektives Stilmittel. Zudem war mir eine gewisse Abstraktion wichtig. So konnten wir die Stadt mit neuen Augen sehen. BLANK: Hattet ihr beim Dreh auch mit Problemen zu kämpfen? JOG: Eigentlich nicht, bis auf dass parallel zum Dreh ein großes Fussballtunier lief und einige Drehtage mit Anpfiff beendet werden mussten. BLANK: Hast du besondere Vorbilder, die Du hier nennen willst? JOG: Ich bewundere viele Regisseure der Nouvelle Vague für die unverwechselbare Sinnlichkeit und den Stil ihrer Filme. So etwas sieht man heute nur noch selten. Es gibt so viele tolle und unterschiedliche Regisseure. Haneke, P.T. Anderson und von Trier sind die aktuellen Helden, für die ich gleich am Starttag ins Kino renne.

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BLANK: Gibt es einen besonderen Moment, der dich dazu brachte, Regisseur werden zu wollen? JOG: Nein. Das war eher ein schleichender Prozess. Ich hab als Kind schon gerne Filme gesehen, wusste aber nicht wirklich was ein Regisseur eigentlich macht. Später hat mir meine Mutter dann mein erstes Filmbuch geschenkt – „Film verstehen“ von James Monaco. Als ich dann die notwendige Balance aus Naivität und Ehrfurcht gefunden hatte, habe ich angefangen zu drehen. BLANK: Bedeutet Film für Dich Arbeit? JOG: Absolut. Aber es ist gleichzeitig auch ein riesengroßes Abendteuer mit allen Höhen und Tiefen. Es gibt definitiv stressfreiere Jobs. BLANK: Was kommt als ­nächstes? JOG: Momentan sortiere ich einen großen Zettelhaufen mit Ideen der vergangen Monate. Danach werde ich mich wieder an den Schreibtisch begeben um mit dem nächsten Drehbuch zu beginnen. Zwischendurch bin ich immer mal wieder auf Festivals mit dem Film.

BLANK: „Das Boot“, „Lola rennt“ oder „Rossini“? JOG: „Lola rennt“, da ich eine persönliche Verbindung zu dem Film habe. Nachdem ich ihn im Kino gesehen hatt,e habe ich viele Interviews mit Tom Tykwer gelesen und bin so auf seine Firma X-Filme Creative Pool aufmerksam geworden, für die ich dann später gearbeitet habe. Das waren wirklich aufregende Jahre. BLANK: Berlin, Hamburg oder München? JOG: Berlin mit einer Spree so klar wie die Isar, bayrischer Küche, dem Hamburger Fischmarkt und hanseatischem Humor. Fehlt eigentlich nur noch die Skyline von Frankfurt und der BVB. BLANK: Was treibt dich an? JOG: Der Gedanke daran, dass Lebenszeit begrenzt ist und es noch so viel zu tun, erleben und entdecken gibt. BLANK: Was bedeutet für dich Glück? JOG: Die Frage stellen sich jeden Tag Millionen von Menschen. Ich glaube, es sind Dinge wie Liebe, Freundschaft, Gesundheit... und wenn’s gut läuft noch sechs richtige im Lotto. BLANK: Jan Ole Gerster ist in zehn Jahren … JOG: … seit mindestens neun Jahren Nichtraucher – für immer.


HEFT ZWEI Frauen und B端cher Teil 1 Elmar Bracht Wenn Aschenputtel auf Peitsche trifft von Mirka Uhrmacher

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HEFT ZWEI Frauen und Bücher Teil 1 Elmar Bracht

fenen Ideal unterwerfen, ohne sich den Folgen dessen überhaupt bewusst zu sein. Penny seziert und entlarvt den kapitalistischen Geist der Bevormundung als Instrument der Machterhaltung und der Unterdrückung.

Vielleicht ist es ein etwas verzerrtes Bild, was uns da hohl anlächelt. Vielleicht ist es auch einfach nur Business. Auf jeden Fall wird es dem nicht gerecht, was im Allgemeinen und speziell im Besonderen so gedacht wird. Egal ob die Familienministerin ein verquertes Weltbild beschreibend versucht Politik für Frauen zu machen. Oder die ehemalige First Lady die eigene und die unbedarfte Gier ihres Göttergatten ausschlachtet. Oder Julia Schramm der Unwichtigkeit die Krone aufsetzt und sich selbst zu etwas stilisiert, was es gar nicht gibt. Es tut einfach nur weh. Und wahrscheinlich wird es so weitergehen, denn Verlage scheißen zur Zeit so ziemlich jede junge Frau mit einem Buchvertrag zu, die es halbwegs unverletzt bis hier hin geschafft hat. Zum Wunden lecken lässt man sie dann jedoch meist alleine. Doch um das Bild zu entzerren stellen wir in dieser und den nächsten Ausgaben Bücher vor, die dem, was wir als progressiv betrachten, etwas Nahrung geben. Bücher, die einladen und nicht abschrecken. Bücher, die es tatsächlich wagen oder gewagt haben, die Welt neu zu beschreiben.

Katja Kullmann „Echtleben“ (Eichborn, 2011) Katja Kullmann beschreibt und inszeniert sich in diesem erfrischend lakonisch erzählten Buch als Frau im Strudel der Empfindsamkeiten im Leben der über 30jährigen, die vom Individualismus getrieben eine neue Dimension von Wertigkeiten entdeckt, die Bestehendes ergänzen, notfalls substituieren und wie der persönlichen Ausweg aus der Konformität nicht zwangweise in einer Sackgasse enden muss. Wir nennen das hier mal angewandte Theorie und empfehlen diese Buch dringendst Falls das jemanden zum Kaufentscheid bewegt: Es ist zuweilen sehr witzig. Stichwort ‚Emotionaler Klimawandel‘. Simone De Beauvoir „Das andere Gechlecht“ (Rowohlt, 1951) Hipster-Grundlage und feministische Pflichtlektüre, zeitlos, intelligent, unnahbar. Simone De Beauvoir findet Worte und Sprache, von denen Feminismus noch lange zehren wird. Ihre Beziehung zu Sartre gilt als Musterbeispiel einer intellektuellen Ehe, radikal und idealisiert bis ins Letzte.

Angela McRobbie „Top Girls Feminismus und der Aufstieg des neoliberalen Geschlechterregimes“, (VS Verlag) Angela McRobbie ist Professorin für Kommunikationswissenschaften in London und beschreibt in ihrer lesenswerten Studie popkulturelle Spannungsverhältnisse, denen Frauen ausgesetzt sind und die feministisch degradierend Abhängigkeiten aufbauen, die in ihrem Erscheinungsbild so komplex sind, dass sie als diskriminierende Faktoren nur schwer zu erkennen sind. Unterhaltsam und lehrreich werden hier Filme und Ikonen zerpflückt, ohne all zu oft den Sinn für Konsum- und Alltagsrealitäten zu verlieren.

Testcard Nr.8 „Gender – Geschlechterverhältnisse im Pop“ (Ventil Verlag, 2000) Der in Popkultur verhaftete, aber immer wieder bieder wirkende Ventil Verlag aus dem provinziellen Mainz, hat immer wieder versucht Momente der Popkultur theoretisch aufzubereiten und zu analysieren. Mit am Besten gelungen ist es in der mehr oder weniger halbjährigen Buchmagazin-Reihe Testcard, speziell in der achten Ausgabe, die vor nun mehr als einem Jahrzehnt die interessantesten Diskursansätze in sich vereinte und zuweilen dem Ganzen den Hauch einer neuen Sprache zu geben schien. Hier schwankt man zwischen Tradition und Moderne und doch sind Texte über und mit Überschriften wie „Nur scharfe Girlies und knackige Boys? - Traditionelle und innovative Geschlechterbilder in Musikvideos“, „Harte

Laurie Penny „Fleischmarkt – Weibliche Körper im Kapitalismus“ (Nautilus, 2012) Die Autorin des populären Blogs „Penny Red“ beschäftigt sich in diesem schmalen aber wichtigen Buch mit den Mechanismen, die dafür sorgen, dass Frauen sich einem medial und marktwirtschaftlich entwor-

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HEFT ZWEI Wenn Aschenputtel auf Peitsche trifft

Mädchen weinen nicht - Zum Umgang von Musikerinnen mit weiblichen Klischees“, „Nicht schlecht für eine Frau -Frauen als Produzentinnen von elektronischer Musik“ oder „Geschlechterverhältnisse und Gender-Debatte im Pop“ Pflichtlektüre für den Hipsternerdmetromacho von Heute.

Auch unsere Autorin Mirka Uhrmacher hat sich durch den Buch-Hit der Saison gequält. Und vielleicht ist das der Beginn einer wunderbareren Karriere als FetischFotografin. Ansonsten hat „Shades Of Grey“ nicht viel zu bieten. Hatten wir irgendwie erwartet. Und feministisch ist das Ganze auch nicht unbedingt.

Hannelore Schlaffer „Die Intellektuelle Ehe – Der Plan vom Leben als Paar“ (Carl Hanser Verlag, 2011)

Fifty Shades of Grey oder auch Shades of Grey – Geheimes Verlangen, wie es in der deutschen Übersetzung in guter Groschenromanmanier heißt, führt neben dem offiziellen Titel noch den Beinamen „Das Buch“. Ob aus literarischer Sicht zu Recht oder nicht sei einmal dahingestellt, diese Kategorie ist hier sowieso eher nebensächlich. Was tatsächlich zur Beschäftigung mit E.L. James Megabestseller herausfordert, ist der erstaunliche und bisweilen auch erschreckend anmutende Erfolg eines Skandalromans, der völlig ohne nennenswert skandalöse Inhalte und ebenfalls ohne interessante Story auskommt. Dass man die 600 Seiten trotzdem durchhält, ist ein Phänomen. Und so ist eigentlich auch vor allem die Frage spannend, wie ein dermaßen schlecht und eintönig geschriebener Schund einen solchen Hype auslösen kann. Die Autorin – ein großer Fan der Twilight-„Saga“ – schreibt so originell und variantenreich wie ein automatisches Textgenerierungsprogramm. Alle drei Zeilen errötet das graue Mäuschen von Protagonistin, während sie die Fassung verliert, es nicht glauben kann, vor Erregung und Verlangen weder ein noch aus weiß, mit ihrem Unterbewusstsein (äh…) und ihrer inneren Göttin (was zum…?!) zu kommunizieren versucht und nervtötende ‚Oh’s oder ‚Wow’s in die leere Luft ihres Kopfes blubbert. Anastasia Steel ist so unfassbar naiv, dass man sich fragen muss, wie sie es bis ins hohe Alter von 21 Jahren – wohlgemerkt ohne jemals dabei über oder gar auf einen Mann gestolpert zu sein – geschafft hat. Christian Grey dagegen, atemberaubend schön und reich und attraktiv und smart und gutaussehend und geheimnisvoll und, ja, schön halt – schon gehen einem die Synonyme aus! – , weiß alles, kann alles, ist die Souveränität in Person und wird nur, ach wie romantisch, bei der tollpatschigen kleinen Literaturstudentin schwach, die zufällig in sein Büro purzelt. Aschenputtel lässt grüßen. Er bringt daraufhin erwartungskonform ihre Welt total durcheinander und sie die seine. Doch ein dunkles Geheimnis, welches den Astralkörper des Christian Grey aurengleich umflattert, macht die ganze Sache natürlich reichlich kompliziert. Der ‚schwarze Prinz‘, als welcher er stilisiert wird, hatte

Liebe sorgt zuweilen für eine Gleichberechtigung der Geschlechter, die gesellschaftliche Normen umgeht und bestenfalls ergänzend verändern lässt. Elisabeth Schlaffer zeigt auf und an wie es gehen könnte, sucht und findet historische Beispiele, gelungene, gescheiterte, meist Ansätze, die Unzulänglichkeiten offenbaren und dennoch demonstrieren, dass Partnerschaft in unserer heutigen Zeit mehr bedeuten kann, als die monogame Ehe zwischen Mann und Frau . Ein Buch zwischen historischer Suche und gegenwärtlicher Betrachtung. Diane Di Prima „Revolutionäre Briefe“ (Eco Verlag 1981 (Originalausgabe), aktuell erhältlich bei edition 8) 1971 erschien Diane Di Prima lyrische Anklage der amerikanischen Regierung und Gesellschaft bei City Light in San Francisco. Zu diesem Zeitpunkt war Di Prima, die in den 50er jahren in Beatnik-Kreisen um Kerouac und Ginsberg ihre Erweckung und kritisches Bewusstsein fand und in den 60ern in Timothy Learys LSD-Kommune lebte, bereits eine der meistgehörten Stimmen der Hippie-Bewegung. Di Prima hat fünf Kinder von vier Männern und ist Pflichtlektüre für den lyrisch-emotionalen Ruck. Eva Illouz „Warum Liebe weh tut“ (Suhrkamp, 2012) Illouz untersucht die Liebe als soziologisches Phänomen wie Marx einst die Ware im Kapitalismus. Dabei verliert sie jedoch weder den Menschen als individualisierte Funktionseinheit aus dem Blick, noch die Kraft der Romantik. Illouz beschreibt den modernen Menschen, ohne Allüren, ohne Besserwisserei. (Teil 2 folgt in der nächsten Ausgabe)

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HEFT ZWEI den armen Robert Grey… äh, Pattinson betrogen hat. Bei Youtube gibt es hierzu Videos von Fans, die weinen und schreien und zetern und… das ist wirklich alles hochgradig gruselig. Was bringt erwachsene Frauen, von denen man annehmen sollte, dass sie mitten im Leben stehen, bloß zu einem dermaßen fragwürdigen Verhalten? Was treibt sowohl Autorin wie Leserinnenschaft an? Sexuelle Revolution? Ein (antifeministischer) Backclash? Oder doch ein noch viel weitreichenderer Wunsch, nämlich der nach himmlischer Infantilität? Der Umstand aber, dass dieses Meisterwerk an Stumpfsinn so erfolgreich ist, wirft offensichtlich Fragen auf. Was um alles in der Welt ist da los? Seichte Lektüre mit kleinen erotischen Einsprengseln sei jedem zugestanden und ist wirklich etwas Schönes. Wenn aber öfter ‚postkoitales Haar‘ gekämmt und irgendwas gegessen wird, als dass es mal richtig zur Sache geht (denn hey, das erwarte ich nun mal von so einem Roman!), der geschilderte Sex reichlich kurz ausfällt, da Ana schon kommt, ehe sich der durch das Lesen ausgelöste sexuelle Reiz bis zum Gehirn des Lesers – oder eher: der Leserin – vorgekämpft hat, dann macht das reichlich wenig Sinn.

eine schwere Kindheit (schnief) und ist seitdem ziemlich verkorkst. Aber von Ana kann er die Finger nicht lassen und sie praktischerweise ihre auch nicht von ihm und so konfrontiert er sie mit seinen ungewöhnlichen Leidenschaften: einem vor Klischees triefenden Spielzimmer, in dem es alle landläufig assoziierten BDSM-Utensilien gibt. Dass dieser Raum eher an wenig kreative, dafür aber mit einem ordentlichen Mengenrabatt für roten Samt ausgestattete Bordelle erinnert, ist innerhalb der sterilen und hypermodernen Penthousewohnung des Multimillionärs Christian Grey sicherlich nicht gewollt, aber unvermeidbar und extrem störend. Jungfrau Ana ist jedenfalls erst einmal angemessen schockiert, lässt sich daraufhin aber prompt von diesem ‚perversen Schwein‘ entjungfern, verliert vor lauter Orgasmen dabei fast das Bewusstsein und entschließt sich, aufgrund ihrer pubertär überzogenen Gefühle, die eher an die Verehrung einer Boyband oder eines Filmstars erinnern, seine kleinen Spielchen mitzumachen. Sie kriegt den Po versohlt und Reitgerten eingeführt, windet sich stets brav unter den ekstatischen Zuckungen ihrer unzähligen Orgasmen, bekommt MacBooks, Smartphones, Autos und Klamotten geschenkt und weint manchmal, weil das dann doch alles irgendwie ein bisschen viel für sie ist. Christian bleibt ihr – das ist ja auch seine Aufgabe – ein riesiges Geheimnis, klar ist nur, dass sie ihn retten will und muss. Vor sich selbst und seiner bösen dunklen Seite. Denn sie will ‚Mehr‘, und um dieses kleine magische Wörtchen entspinnt sich eine belanglose Geschichte, in der abgesehen von den äußerst sparsam zum Einsatz gebrachten Spielzeugen kaum ‚härter gefickt‘ wird, als bei den meisten Paaren zu Beginn ihrer Beziehung, in der nur ganz selten mal jemand haut und in der Ana maximal gefesselt und zu vierzigstimmigen Kirchenchören sanft mit einer Peitsche in bis dato völlig unbekannten Sphären der Lust vor sich hin dümpelt. An dem Punkt, wo Mr. Grey endlich mal richtig zulangt, schreit sie ihn an, wünscht ihn zum Teufel, verlässt ihn und sein Megahyperluxuspenthouse – und das Buch ist zu Ende. Meine Güte. Irritierender als der haarsträubende Schreibstil und die nichtssagende Story ist letzten Endes nur der Kontext, in dem dieses Werk seinen Anfang nahm. Geboren als einfallslose Fanfiction und ursprünglich den beiden Twilight-Dummdöseln auf den Leib geschrieben, ist die Tatsache, dass da eine verheiratete Frau Mitte 40 einen Jugendroman vergöttert und passioniert weiterschreibt der wirklich verstörende Fakt. Es wäre sicherlich spannend zu erfahren, was sie zu dem jüngsten Skandal um Vampirella Kristen Stewart zu sagen hat, die

Was also feiern Millionen von Frauen an diesen 600 Seiten Eintönigkeit? Tatsächlich eine sexuelle Revolution, durch die endlich eine tabufreie Thematisierung des SM-Bereichs ermöglicht wird? Na, wohl mitnichten! Ganz im Gegenteil wird diese sexuelle Vorliebe hier nicht salonfähig gemacht, sondern als Entartung, Perversion und Krankheit gebrandmarkt. Immerhin steht ja genau das zwischen Ana und Christian, steht ihrer tiefen Liebe (hach ja) im Weg, macht alles kompliziert, gehört therapiert. Ausgelöst durch seine traumatische Kindheit (hach ja) ist Mr. Grey nicht dazu in der Lage, eine andere Art von Nähe zuzulassen. Auch wenn er heftig dementiert, als Kind missbraucht worden zu sein, Ana erzählt diese Geschichte aus der Ich-Perspektive (hach ja), es gibt keinen Erzähler, der für eine objektive Ansicht zurate gezogen werden könnte. Und in Anas Augen ist der gute Mr. Grey ein gutaussehendes, reiches, missbrauchtes und perverses Schwein, das es zu retten gilt. Wenn so ‚salonfähig‘ aussieht… Irgendwie kann es das also nicht sein. Also doch der Wunsch nach alten Rollenverhältnissen? Aber Feministinnen sollten nicht aufschreien, weil sich hier eine Frau freiwillig einem Mann unterordnen würde. Das will Ana ja gar nicht! Das störrische kleine pubertäre Gör versteht den Sinn dieser ganzen Sache nämlich überhaupt nicht. Zudem wäre die Unterwerfung eines

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HEFT ZWEI dermaßen leicht zu manipulierenden Mädchens auch nicht überaus attraktiv. Was mich selbst – unabhängig nun von allem Gender-Gerede – echt auf die Palme gebracht hat ist, dass Ana fröhlich auch auf den Gebrauch ihrer letzten noch verbleibenden dreieinhalb Gehirnzellen verzichtet und dieser Umstand bei Frauen rund um den Globus scheinbar feuchte Höschen hervorruft. Ja Sakrament, ist das die Vorstellung einer erfüllten Sexualität im 21. Jahrhundert? Eine Jungfrau trifft auf einen Experten und wird von da an von Orgasmen nur so überschüttet, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung von ihrem eigenen Körper zu haben? Es ist eine alte und überaus faule Ausrede, schlechten Sex immer nur auf die Unfähigkeit des Mannes zu schieben.

„Roman schreibt aufrichtige, persönliche Gedichte, voller Mut, Gefühl und Schönheit. Zeilen, die einem direkt ins Herz springen.“

Eine Frau, die schlechten Sex hat, ist in den allermeisten Fällen selbst daran schuld. Und folglich ist auch guter Sex nicht das Ergebnis von Hexerei oder glücklichen Zufällen, sondern logische Konsequenz aus einem offenen Verhältnis zum Partner, zu sich selbst und den Bedürfnissen des eigenen Körpers. Aber nein, Ana lebt einen anderen Traum vor: man muss nichts wissen, nichts können, keinerlei Erfahrungen haben oder machen und am allerwenigsten muss man selbst wissen, was man will. Man muss nur den 6er im Lotto finden, den Kerl, der alles wie durch Zauberhand weiß und kann und durch seine übersinnlichen Fähigkeiten schon Brustwarzenzupfen in Orgasmuswellen konvertiert. Jubilieren da die frustrierten Hausfrauen, die sich der Sache nicht selbst annehmen wollen? Weil ihnen hier die Verantwortung für ihre eigene Sexualität abgenommen wird, da es eben eines Christian Greys bedürfe, damit auch in ihrem Unterstübchen mal Ozeane branden? Das scheint bitter, aber nicht abwegig. Die Darstellung einer unmündigen Sexualität ist aber nur der Gipfel des Simplifizierungs-Eisbergs. Denn in Shades of Grey wird alles so stark vereinfacht und in solch abgedroschene Kategorisierungen gestopft, dass die Erwähnung der Farbe ‚Grau‘ im Titel schon an ein Meisterwerk unbeabsichtigter Komik grenzt. Statt Facetten gibt es nur das Schwarz und Weiß einer Welt, die so eindimensional ist, dass keinerlei Mitdenken mehr erforderlich ist, weder auf Seiten der Protagonisten noch auf Seiten der Rezipienten. Wieder Teenie sein, aber Erwachsenenspielchen spielen, das scheint Trumpf. In den Worten von Christian Grey ist angelegt, was eigentlich tatsächlich für immer mehr Frauen reizvoll wird: „All die Entscheidungen, die ermüdenden Überlegungen und Grübeleien, die damit verbunden sind. Diese Frage, ob es auch wirklich das Richtige ist. Ob es wirklich jetzt passieren soll. Und

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Roman Libbertz

63 x Liebe So vieles würde ich, wenn ich könnte. Für dich kann ich alles.

Erscheint bei dotbooks im November 2012 ISBN: 978-3-95520-030-5 www.dotbooks.de

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HEFT ZWEI Das Problem liegt also nicht im Thema – darf sich eine Frau in Zeiten der Emanzipation gern unterwerfen? –, sondern in der falschen Darstellung. Dass die Leserinnen hierin kein Problem sehen, ist nicht darauf zurückzuführen, dass sie in feministischer Sicht bereits jenseits von Gut und Böse sind, sondern deutet darauf hin, dass hier nicht maßgeblich der Wunsch nach sadomasochistischen Praktiken im Vordergrund steht. Das ist nur die kleine Prise Würze und Tabu, die das Gefühl vermittelt, etwas Unanständiges zu tun. Hätten wir es mit mental erwachsenen und sexuell selbstbestimmten Frauen zu tun, könnte dieses Gefühl jedoch gar nicht erst aufkommen. Weder Tabubruch noch Backclash können also als Erklärungsmodelle für den Erfolg dieses Romans herhalten. Was Millionen von Frauen dazu treibt, nur durch sexuelle Implikationen von Teenieromanen zu unterscheidende Bücher und Filme zu verschlingen, ist ein tiefsitzender Wunsch nach Vereinfachung, danach, nicht schuld zu sein und keine Verantwortung übernehmen zu müssen, im Endeffekt nach unschuldiger Kindlichkeit. Nur die Sache mit dem Sex wird als scheinbar einzige lohnenswerte Errungenschaft des Erwachsenendaseins noch mit hinübergerettet, aber bitte erst nach einer umfassenden Säuberung von allen realistischen und damit unangenehmen Zügen. Nicht der Feminismus ist diesen Frauen zu kompliziert, sondern die gesamte Welt ist es. Sie sehnen sich zurück in die Zeit einfacher Kategorisierungen und abgedroschener Romantikvorstellungen, fernab der ernüchternden Enttäuschungen, die das Leben jenseits der Pubertät bestimmen. Erotik ist hier nur eine Spielart, das tatsächliche Anliegen heißt Flucht. Wie schon erwähnt, ist eine temporäre Flucht etwas Herrliches, und Literatur ist letztendlich nichts anderes. Schwierig wird das Ganze erst, wenn nicht in die Passion geflüchtet, sondern die Flucht zur Passion wird. Positiv hervorzuheben bleibt, dass sich Fifty Shades of Grey in rasantem Tempo lesen lässt. Die große Zahl der Fließband-Leserinnen kann hier die gewohnt raschen Fortschritte verbuchen. Ansonsten haben wir es mit einem alles andere als vielseitigen Roman zu tun. Es gibt keine facettenreiche Story und am wenigsten gibt es fünfzig verschiedene Facetten des Christian Grey. Er ist schlicht das Abziehbild eines – übrigens klassisch von Frauen imaginierten! – Stereotyps, ergänzt um exakt nur eine einzige Facette: seinen Hang zur Dominanz. Anastasia Steel fehlt es schließlich sogar an dieser Einen. Um abschließend die wundervolle Verballhornung zu zitieren, die das TITANIC-Magazin in einem völlig anderen Kontext verwendet hat: Extrem lau und unglaublich blah. Aber doch besorgniserregend.

hier. Über all das müsstest du dir keine Gedanken mehr machen“. Das Pendant zum Manager, der sich ab und an mal durchpeitschen lässt, Verantwortung ablegt, mal nicht die Anweisungen gibt, sondern einfach mit sich machen lässt. Eine moderne, emanzipierte und erfolgreiche Frau zu sein, das ist anstrengend und manchmal möchte man einfach nur einen richtigen Kerl an der Seite haben, der das Denken unterbindet und sagt, was Sache ist. ‚Ficken‘ eben. Doch so eine Frau ist Anastasia Steel nicht. Es sind keine kurzzeitigen Fluchten aus der anstrengenden Realität, die sie mit Christian Grey unternimmt, denn ihre Realität ist nicht im Geringsten anstrengend. Und Christian Grey wiederum ist nicht der psychisch gefestigte Charakter, dessen Überlegenheit man sich gern einmal temporär unterwerfen möchte. Es geht nicht um die positiven Aspekte von Dominanzverhältnissen und auch nicht um die lustvolle Dimension des Schmerzes. Anastasia bringt es auf den Punkt: „Vor mir steht ein Mann, der dringend Hilfe braucht. Was aus ihm spricht, ist die nackte Angst, doch er ist verloren… irgendwo in der Dunkelheit, die in seinem Innersten herrscht. Er sieht mich aus weit aufgerissenen Augen an, in denen die blanke Qual steht. Aber kann ich ihm helfen, kann ich zu ihm hinabsteigen, in seine Dunkelheit, und ihn ins Licht holen?“ Das irgendwo aufgeschnappte Konzept wird verworfen zugunsten eines unreifen Helfersyndroms unter Aufgabe nicht etwa der anstrengenden Alltagsverantwortung, sondern der Verantwortung generell, nicht zuletzt auch der wundervollen Verantwortung der eigenen Sexualität gegenüber, die sehr wohl emanzipiert ist, auch wenn ein Teil von ihr sich nach Unterwerfung sehnt. Salonfähig machen, hm? In Shades of Grey geht es nicht darum, ein unzeitgemäßes Tabu zu brechen, um endlich über etwas sprechen zu können, das nicht krankhaft und nicht falsch ist. Es geht darum, das „Ausmaß [der] Verderbtheit“ zu schildern und sich insgeheim erregt an Selbiger zu reiben, eben weil das Tabu unangetastet bestehen bleibt. Hierzu wird das Ideal einer sexuell völlig unerfahrenen jungen Frau stilisiert, die nicht nur sich, sondern auch ihre Sexualität dem Manne unterwirft und deren Unmündigkeit (immerhin kriegt sie ‚im Mündlichen‘ die Note 1 von ihm) nicht im Geringsten problematisch erscheint. Das, meine Damen und Herren, ist traurig. Die sexuelle Unterwerfung ist eine hohe Kunst, zu deren Ausübung es zweier äußerst willensstarker Partner bedarf, denn der Sinn liegt nicht darin, einer schwachen Frau den eigenen Willen aufzuzwingen, sondern eine starke Frau dazu zu bringen, schwach sein zu wollen.

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BLANK 02/2012  

Gesellschaft, Diskurs, Disko

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