BLANK 02/2013

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Tatort:

Liebe Text Roman Libbertz Fotografie Farbfilm Verleih

David Sieveking hat mit „VERGISS MEIN NICHT“ einen der außergewöhnlichsten deutschen Dokumentarfilme aller Zeiten gemacht. Lieber David, seit einer halben Stunde bin ich nun schon aus dem Kino zurück. Seit einer halben Stunde mache ich nur Ausweichbewegungen. Ganz im Gegenteil zu sonst, herrscht in der ganzen Wohnung Stille. In meinem Kopf, vor allem aber in meinem Herzen verhält es sich anders. Ich weiß gerade überhaupt nicht was mit mir los ist. Während all meine Gedanken dem Film nachhängen, sagt mein Gefühl, dass ich gerade viel mehr als „nur“ einen Film gesehen habe. Ich fühle mich, als ob ich vorhin da im Monopol Kino in Lichtgeschwindigkeit durch all die zwischenmenschlichen Erfahrungen meines Lebens geschossen wurde. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich zu Tränen gerührt wurde, ich weiß nicht mehr wie oft sie geflossen sind und ganz generell, ob

das traurige oder Freudens-tränen waren oder beides zugleich. Ich will dir mein herzliches Beileid aussprechen, dir dabei aber zugleich vielmals danken, dass du eine der wohl schwersten Zeiten deines Lebens mit uns geteilt hast. Ich habe natürlich keine Ahnung, warum du deinem Schicksalsschlag dieses Mammut-Projekt zur Seite gestellt hast, aber ich wünsche mir, dass du durch diesen Film den Schmerz vielleicht zumindest ein bisschen lindern konntest. Mich hat dein Film tief berührt, ja, mich hat dein Film wirklich glücklich gemacht. Es ist unglaublich, wie du anhand der Erkrankung deiner Mutter den Vergangenheiten deiner Eltern nachspürst. Das Leben deiner Eltern ist schlicht-

weg unglaublich und allen voran sind natürlich deine Eltern zwei unglaubliche Persönlichkeiten. Als du die Revolutionsaktivitäten deiner Mutter aufdeckst, musste ich lächeln und dachte zwangsläufig an dein tolles Vorwerk „David wants to fly“. Einfach nur DANKE, dass du diesen Film gemacht hast. ***** Lieber Roman, Dank sei Dir für Deine sehr persönliche und rührende Reaktion! Ich hab den Film in erster Linie für meine Mutter und mich gemacht und auch für meine Familie als eine Art Denkmal. Film und Buch hat mir geholfen und waren im wahrsten Sinne des Wortes „Trauerarbeit“. Die Arbeit hat den Verlust und das

Musik BLANK I 53


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