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Bezirk Affoltern

Freitag, 18. Mai 2012

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Hohe Dichte an homöopathischen Ärzten im Knonauer Amt erhalten 25 Jahre Homöopathische Arztpraxis Heinrich Suter in Bickwil-Obfelden ................................................... von peter leemann

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or Kurzem feierte Dr. med. Heini Suter das 25-jährige Jubiläum seiner Praxis zusammen mit Freunden, Kollegen und Gästen in Obfelden-Bickwil. In seinen Begrüssungsworten fasste der Homöopath einige Stationen seines Wirkens im vergangenen Vierteljahrhundert zusammen. Dass heute am Brunnenweg 8 über ein Dutzend verschiedene ärztliche und nichtärztliche Therapeutinnen und Therapeuten ihren Patienten zur Verfügung stehen, ist ein wesentlicher Meilenstein seines vielfältigen Engagements.

Architekt, der vom Kurhäuschen träumt Bereits am Anfang seiner Berufsausbildung begann sich ein ungewöhnlicher Weg abzuzeichnen. Nach erfolgreichem Architekturstudium an der ETH Zürich war Heini Suter mit seinen Visionen noch lange nicht am Ziel. Mehr und mehr begann sich der in Wiedikon aufgewachsene Städter für die Komplementärmedizin zu interessieren. Schon bald entschloss er sich, eine Heilpraktikerschule zu absolvieren und seinem ursprünglichen Traum, nämlich dem Betrieb eines Kurhäuschens, zur Wirklichkeit zu verhelfen. Seine Ausbildung verdichtete er mit einem Medizinstudium und erlangte 1984 sein Arztdiplom. Zu seiner Ausbildung zählten notabene interessante Assistenz- und Unterassistenzzeiten in den Abteilungen Chirurgie und Medizin im Spital Affoltern, das damals von den Chefärzten Peider Mohr und Martin Christen geleitet wurde. Nach einer Praxisvertretung in Obfelden wollte der Stadtzürcher Heini Suter aber nichts mehr vom gesunden Landleben wissen, und es zog ihn wieder in urbane Verhältnisse.

aus dem Spital Affoltern und verlegte seine Praxis zunächst nach Affoltern. Offensichtlich war die Landluft des Säuliamtes doch nicht ganz so unattraktiv. Elisabeth und Heini Suter liessen sich vorerst in Maschwanden nieder. Die ausgezeichnete Vernetzung unter Ärzten, Therapeuten und dem Bezirksspital beeindruckte Heini Suter besonders. Waren das nun genug der Veränderungen, kehrte jetzt Ruhe in sein Schaffen ein? Keineswegs, wenn sich auch der Traum vom Kurhäuschen aus praktischen Gründen langsam verflüchtigte, lockten bereits wieder neue Projekte.

Kandidatur als Regierungsrat Als Kämpfer für die Alternativmedizin und mit Blick auf die drohende Verpolitisierung des Gesundheitswesens erkannte er rasch, dass die grösste Hebelwirkung in der Kantonsregierung lag und bewarb sich 1993 trotz geringer Wahlchancen als parteiloser möglicher Nachfolger von Regierungsrat Wiederkehr. Mit einem Stimmenanteil von 17% erzielte er immerhin einen Achtungserfolg, musste jedoch dem Wirbelwind Buschor das Feld überlassen. Dieser forcierte danach die Ökonomisierung des Gesundheitswesens massiv. Dennoch engagierte sich Heini Suter auch künftig gegen Krankenversicherungsgesetze, die zum Nachteil der Alternativmedizin oder zum Schaden von Patienten ohne Zusatzversicherung geschmiedet wurden. Als früherer Vorsitzender der Kommission für Öffentlichkeitsarbeit vom Schweizerischen Verein homöopathischer Ärztinnen und Ärzte SVHA freut ihn, dass seit dem 1. Januar 2012 homöopathische Behandlungen wieder durch die Grundversicherung (KGV) gedeckt werden. Der SVHA setzte sich damals an vorderster Front für den Einschluss der Komplementärmedizin in die Grundversicherung ein.

Ab nach Zürich – zurück aufs Land 1987 eröffnete Heini Suter zusammen mit einem auf chinesische Medizin spezialisierten Arzt und zwei Psychotherapeutinnen eine Gemeinschaftspraxis an der Wilfriedstrasse in Zürich. Nachdem sich im Bezirk Affoltern ein Bedürfnis nach einer homöopathischen Praxis zeigte, folgte er 1990 einer Anfrage von Christian Hess

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Kriegsgeschädigte Bosnierinnen und Bosnier Der Jugoslawienkrieg hinterliess in den 90er-Jahren Tausende von traumatisierten Menschen. Von den vielen Flüchtlingen, die unter anderem auch im Zentrum Lilienberg Aufnahme fanden, wurden zahlreiche Bosnierinnen und Bosnier aus dem ganzen Kantons-

gebiet durch die Arztpraxis betreut. Zusammen mit einem Psychotherapeuten und einer Kinesiologin wurde mit homöopathischer Unterstützung versucht, einfach und unkompliziert bestmöglich Hilfe zu leisten. Es folgten Reisen in das Krisengebiet, wo Geschädigte vor Ort behandelt wurden. Von jenen, die nicht in den Balkan zurückkehrten, gehören vereinzelte heute noch zu seinen Praxispatienten.

Praxiseröffung Brunnenweg in Bickwil-Obfelden Auf der Suche nach erweiterten Praxisräumen schlug das Herz des Homöopathen sofort höher, als er die alten landwirtschaftlichen Ökonomiegebäude am Brunnenweg 8 in Obfelden besichtigte. Die Gebäulichkeiten boten im Geiste des studierten Architekten so viel Potenzial, dass es genau der richtige Ort für eine neue Herausforderung war. Nachdem nun Regierungsratswahlen kein Thema mehr waren, war wieder Freiraum für Neues vorhanden! 1995 folgte die Praxisverlegung. Das Gebäude umfasst heute zwei Wohnungen, und es finden darin mehr als ein Dutzend Therapeutinnen und Therapeuten Platz (siehe Therapeutenliste). Es erstaunt wohl niemanden, dass die zahlreichen Projekte Heini Suter viel Kraft kosteten, was 1996 zu einer gesundheitlichen Krise führte, die sich vorab in starken und spontan auftretenden Schwindelanfällen äusserten. Er war gezwungen, seine ärztliche Tätigkeit während Monaten stark zu reduzieren und die Beschwerden ebbten erst über Jahre nach und nach ab.

1998 Gründung Bickwiler Forum Bekanntlich lässt sich ein Mensch, der seinen Visionen folgt, nicht so schnell unterkriegen. Denn bereits zwei Jahre später gründete er mit ein paar Mitstreitern das Bickwiler Forum, das jährlich rund zehn Veranstaltungen zu einem breiten Themenspektrum durchführt. Am bekanntesten sind die traditionelle Weihnachtsmatinée und das Frühlingskonzert. Mitunter wurden beispielsweise auch Themen um Geld und Zins oder das Demokratieverständnis aufgegriffen. Das Bickwiler Forum bietet im Praxisfoyer auch eine Lesegruppe und Diskussionsgruppen Raum.

Heini Suter: Vielfältiges Engagement. (Bild zvg.) Die eigene Seele finden Schon seit jungen Jahren begleiteten den Arzt religiöse Fragen und die Suche nach dem eigenen spirituellen Weg. Den Kontakt zur eigenen Seele zu finden, war das Grundthema. Vielfältige Erfahrung in verschiedenen Kulturkreisen prägten Heini Suter auf seinem Weg. Die innere Freiheit des Menschen zu finden erkannte er als wesentlich für die seelische Gesundheit, die auch das Nichteinmischen in das Leben anderer bedinge. Dazu hat ihn der Leitsatz von Paracelsus «Keinem anderen gehöre an, wer sich selbst angehören kann» besonders beeindruckt. Die Delegation von Psychotherapie in seiner Praxis fügt sich wie selbstverständlich in den Rahmen seiner Praxistätigkeit. Über die Jahre ist in der homöopathischen Praxis doch eine ruhigere Gangart eingekehrt, und mit seiner Praxispartnerin Katharina Menzi kann Heini Suter zudem auf berufliche Unterstützung zählen. Nach dem jetzt gefeierten Praxisjubiläum wird Heini Suter in den kommenden Jahren um eine längerfristige Nachfolgeregelung bemüht sein. Es ist ihm ein Anliegen, die hohe Dichte an homöopathischen Ärzten im Knonauer Amt weiterhin zu erhalten. Im beruflichen Rückblick meint er, dass im Vergleich zur Architektur die kreativen Möglichkeiten im medizinischen Bereich schon geringer seien und von einem Arzt ein hohes Mass an Konstanz, Anpassung und Erreichbarkeit gefordert werde. Betrach-

tet man das Wirken von Heini Suter während der letzten 25 Jahre, kommt wohl kaum einer auf die Idee, das kreative Wirken sei da viel zu kurz gekommen. Nur zum KurhäuschenTraum hat es nicht ganz gereicht. Die Vermutung liegt nahe, dass ihm ein Kurhäuschen-Betrieb während 25 Jahren wohl viel zu langweilig gewesen wäre.

Praxis Brunnenweg Rafael Alvarez, Dr. med. Psychiatrie und Psychotherapie FMH Richard Blau – Body Arts, Praxis für Körperarbeit und Massage Rahel Dudli, Craniosacrale Osteopathie/-Therapie, Psychomotorik Heidi Häner, Dr. med. Psychiatrie und Psychotherapie FMH/SFDP Manja U. Jansch-Muser, Craniosacrale Osteopathie/Therapie Dorothee Keller, M.Sc., Psychotherapeutin ASP Vreni Krähenbühl-Keller, Dipl. Atemtherapeutin SBAM Katharina Menzi, med. pract., klassische Homöopathie Rudolf Merkel, med. pract. Craniosacrale Osteopathie/Therapie Doris Nydegger, Psychotherapeutin ASP Maja Rüegg, Psychotherapeutin ASP

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039_2012  

-- - Vergangenen Montag fuhr auf dem Albisbrunn der Bagger auf: Die alte Turnhalle wird abgeris- sen. An den geplanten Neubau leisten auch d...

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