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Bezirk Affoltern

Hanspeter Tschanz von der Fachstelle Naturschutz informiert über das Naturschutzgebiet Bibelaas.

Dienstag, 8. Mai 2012

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Regierungspräsident Markus Kägi (links) und der Ottenbacher Gemeindepräsident Kurt Weber führen die Gruppe von Interessierten zum Streichwehr. (Bilder Werner Schneiter)

«Eindrücklich, wie Natur und Industriegeschichte zusammenhängen» Regierungspräsident Markus Kägi zur Sanierung der historischen Wasserbauten in Ottenbach «Wir bekommen eindrücklich vorgeführt, wie Natur und Industriegeschichte zusammenhängen», sagte der Regierungspräsident am Info-Tag zum Abschluss der historischen Wasserbauten in Ottenbach.

scherei- und Jagdverwaltung, weil es sich um ein Fischgewässer handelt. Alles in allem handle es sich hier um ein komplexes Gesamtsystem. Kägi warf die Frage auf, ob das Kleinkraftwerk Bedeutung erlangen könnte, die über das Museale hinausgeht. «Wäre es denkbar, dass Frau Bundesrätin Doris Leuthard einen Blick über die Reuss wagt und hier eine Antwort auf die Frage findet, wie man die künftige Energieversorgung der Schweiz sicherstellt?» Man dürfe sich da keinen Illusionen hingeben, denn die Energiemenge sei relativ bescheiden. Derzeit werde aber durch das Awel und die EKZ abgeklärt, ob sich in Ottenbach eine permanente Stromproduktion anbiete. «Nehmen wir diese ganze Anlage als das, was sie ist: ein glückliches Miteinander von Industriegeschichte und Natur», schloss Regierungspräsident Kägi.

................................................... von werner schneiter Einen geschichtlichen Exkurs unternahm zuvor auch der Ottenbacher Gemeindepräsident Kurt Weber: Ab 1836 betrieb Jakob Berli eine Getreidemühle, die dann um 1870 zu einer Textilfabrik umgebaut wurde und schliesslich um die Jahrhundertwende eine Blütezeit erlebte – mit dem Betrieb von 350 Webstühlen! Rund 100 Jahre nach Eröffnung endete die Textilproduktion, seither betreibt die Firma Haas einen Fabrikladen. Der noch nicht ganz 61jährige Gemeindepräsident erinnert sich noch gut an den Fabrikbetrieb, an das Rattern der Webstühle und an die Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter, die in Ottenbach – in verschiedenen fabrikeigenen Häusern – wohnten, die längst in Privatbesitz sind. «Ich freue mich, dass diese alten Anlagen dank Baudirektion bzw. Denkmalpflege erhalten bleiben. Ottenbach ist damit um eine Attraktion reicher», sagte Kurt Weber.

Wie ein Modell vom Kanton Zürich Regierungspräsident Markus Kägi, der Baudirektor, betonte die Vielfalt sei-

Gut besucht: Das Turbinenmuseum auf dem Fabrikareal Haas. (Bild Martin Mullis) ner Direktion: Drei Ämter waren involviert in die Instandstellungsarbeiten am Streichwehr und am Oberwasserkanal. Das kleine Stück Ottenbacher Flusslandschaft sei wie ein Modell des Kantons Zürich. «Wir bekommen eindrücklich vorgeführt, wie da Natur und Industriegeschichte zusammenhängen. Dass sich dieser Zusammenhang harmonisch präsentiert, liege daran, dass sich die Industrieanlage nicht wie ein Monolith präsentiere, sondern als Ensemble, betonte Kägi. Da ist einmal das mit 200 Metern längste Streichwehr des Kantons, Oberwasser- und Unterwasserkanal sowie ein Kraftwerk, das heutige Turbinenmuseum – und die Uferverbauun-

gen. Alles hänge hier zusammen und müsse als Gesamtheit geschützt werden. 1977 begann eine neue Geschichte: Der Kanton übernahm die Anlage im Rahmen von Massnahmen zum Reussuferschutz. 1980 ging man daran, die Funktionstüchtigkeit der gesamten Anlage wieder herzustellen und ein Turbinenmuseum einzurichten. Die Hochwasser in den Jahren 2005 und 2007 machten die Sanierung von Streichwehr und Uferverbauungen unumgänglich. Damit wurde vor zwei Jahren begonnen – Arbeiten, die jetzt abgeschlossen sind. Für 1,34 Millionen Franken, die aus dem Natur- und Heimatschutzfonds entnommen werden.

«Ein richtiger Ökobau» Kägi nannte das Streichwehr einen «richtigen Ökobau», der nun wieder so aussieht, wie er dereinst konzipiert wurde: als Steinkastenwehr mit gerammten Holzpfählen, horizontal verbaut mit Rundhölzern, gefüllt mit Steinen und gegen oben mit Granitblöcken. Ähnliches gelte auch für die Uferverbauungen. Der Blick auf ökologische Zusammenhänge habe sich in Ottenbach besonders aufgedrängt – vor allem, weil der Oberwasserkanal durch den dichten Auenwald «Bibelaas» führe. Überwacht wurden die Massnahmen durch das Amt für Landschaft und Natur sowie durch die Fi-

Was ist ein Streichwehr? Es handelt sich um ein niedriges Wehr, das parallel zur Fliessrichtung des Wassers gebaut ist. Hier kann das Wasser darüber fliessen oder besser: darüber streichen, wird sanft und ohne grössere Beeinträchtigung des Gewässers dorthin geleitet, wo es gebraucht wird – in Ottenbach zum Kleinkraftwerk beim Fabrikladen Haas. (-ter.)

«Protestaktiönchen» am Rande Gegen den Autobahnzubringer Vor der Kurzansprache des Regierungspräsidenten wurde im Rahmen der Veranstaltung zur Instandstellung der historischen Wasseranlagen auch protestiert. Ein halbes Dutzend Personen entfalteten ein Protestplakat gegen den Autobahnzubringer.

Der Baudirektor begrüsste die Protestierenden per Handschlag Etwas aufdringlich wurden von ihnen auch Protestflyer verteilt, die allerdings von den meisten Besuchern ziemlich unwirsch abgelehnt wurden.

Baudirektor Markus Kägi reagierte hingegen souverän. Er begrüsste die protestierende Gruppe mit Handschlag und wechselte einige eher unverbindliche Worte mit ihnen. Nachdem nun sogar die SP des Bezirkes Affoltern die Ja-Parole für die Umfahrung beschlossen hat, kam bei der überwiegenden Mehrheit der Besucher die Aktion am Samstag allerdings schlecht an. Es wurde mindestens hinter vorgehaltener Hand geschimpft und von Missbrauch eines Anlasses mit historischem Hintergrund gesprochen. (mu)

Baudirektor Markus Kägi begrüsste die Protestierenden per Handschlag. (Bild Martin Mullis)

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