der altlandkreis | Ausgabe 24 | Juli/August 2014

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Der Lechaufstau oberhalb von Schongau

Flusslandschaft aus zweiter Hand Schongau/Peiting/Burggen | Durch die Energiewende rückt auch die Litzauer Lechschleife wieder in den Blickwinkel der Wasserkraftnutzer. Die EON Wasserkraft GmbH unterstreicht z.B. die Bedeutung der lokalen Wasserkraftnutzung im Lech mit dem Hinweis, dass EON mit ihren 22 Lechkraftwerken eine Milliarde Kilowattstunden pro Jahr erzeugt. Zur vergleichenden Veranschaulichung: das relativ kleine Peitinger Windrad erzeugt mit seiner geringen Nabenhöhe von 75 Meter nur eine Million Kilowattstunden pro Jahr. Die Erinnerung an die Rettung der Litzauer Schleife vor mehr als 50 Jahren hat also durchaus aktuellen Bezug. Klement Sesar vom Kreisfischereiverein Schongau blickt zurück auf

einen teils erbittert geführten Kampf, fordert aber für die Zukunft, dass künftige Konzessionen ökologisch zumindest Minimalforderungen erfüllen sollen.

Nach den Eingriffen Natur aus zweiter Hand In den für das obere Lechtal schicksalhaften Jahren 1950 bis 1975 wurde der heimatliche Lech, den Hans Schütz in seinem Gedichtband noch als „Lech, du wuldar Hund“ betitelt, fast durchgehend zu einer geschändeten, träge fließenden Flussleiche vergewaltigt. Die vormals reichen Bestände von Äsche, Bachforelle und Huchen wurden in den Staustufen von Hecht, Zander, Barsch und Weißfisch verdrängt, der deutschlandweit einmalige Lebensraum für alpine Pflanzen und Tiere ertrank in Stauseen.

Späteren Generationen hinterlassen wir als Erbe zunehmend verlandende Staustufen mit ihren vom Schwellbetrieb verschlammten Ufern. Zugegeben: An einigen Stellen für den Wassersport oder zum Baden gut geeignet — Natur aus zweiter Hand eben. Dankbarkeit und die historische Gerechtigkeit gebieten es, jenem Mann ein Gedenken zu widmen, der sich damals dem Kampf „David gegen Goliath“ stellte und am Lech leider weitgehend scheitern musste. Gemeint ist Professor Otto Kraus, der erste amtliche Naturschützer Bayerns. Er lebte von 1905 bis 1984. Die Tragik seines Scheiterns gegen die übermächtigen Interessen der Wirtschaft im energiehungrigen Nachkriegsbayern findet als Inschrift in einer Gedenktafel, die heuer am Lech bei Niederwies angebracht wurde,

eine treffende Würdigung: „Die Vergangenheit hat ihn angefeindet bis zum Versuch der Demütigung — die Gegenwart gibt ihm Recht — die Zukunft wird ihn ehren“.

Aufsatz im Jahrbuch Lech-Isar-Land 2013 Ein Beitrag von Dr. Eberhard Pfeuffer im Jahrbuch Lech-IsarLand 2013 schildert die beharrliche Abwehr des von den Bayerischen Wasserkraftwerken AG (BAWAG) betriebenen Ausbaus der Lechstrecke Prem-Lechbruck-Schongau in Gestalt der Staustufen 2 (Prem), 3 (Lechbruck), 4 (Dessau), 5 (Litzauer Schleife) und 6 (Schongau-Dornau) durch Professor Dr. Otto Kraus. Die Mitglieder des Kreisfischereivereins Schongau befischten seit 1882 den Lech. Der Verein war

Foto: Emanuel Gronau

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