"die beste Zeit", Oktober-Dezember 2020

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Musik von William Shaw ab So. 15. November 2020

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Vision  und  Schrecken  der  Moderne Industrie und  künstlerischer  Aufbruch

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Vorverkaufsbeginn 25. September 2020

& ebensolche Simulationen MUSEUM MORSBROICH LEVERKUSEN 20.09.— 15.11.2020

The art of tool making

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5. – 8. November 2020

ROBIN HOOD von Henner Kallmeyer Musik von William Shaw ab So. 15. November 2020

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Gesamtprogramm und Kartenvorverkauf ab dem 13. 10.: www.wuppertaler-literatur-biennale.de

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Das Stück mit dem Schiff Ein Stück von Pina Bausch Rekonstruktion, Uraufführung 1993 21. 22. 24. 25. 26. 27. 29. November 2020

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Auftakt zur Veranstaltungsreihe Pina Bausch Zentrum under construction Aktuelle Informationen zu der Veranstaltungsreihe Pina Bausch Zentrum under construction unter pinabauschzentrum.de

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Ausstellung Peter Schmersal in der Stadtsparkasse Wuppertal Tanztheater „Das Stück mit dem Schiff“ zurück auf der Bühne Porträt „Internationaler Bergischer Kunstpreis“ geht an Max Pimpernelli Festival „Future Now!“ – Live-Kultur in der Pandemie Kunst Klein aber fein – die Galerie Friedrich+Ebert in Wuppertal Ausflug Ein Juwel über dem Rhein – das Arp-Museum in Remagen 0 4 / 2 0 2 0 O k t o b e r - D e z e m b e r / 5. 8 0 €

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ISSN 18695205

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Das Kulturmagazin im Bergischen Land 04/2020 Oktober-Dezember

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Editorial Liebe Leserinnen und Leser,

Es ist kein Zufall, dass nun schon zum zweiten Mal in Folge die bildende Kunst in der „besten Zeit“ einen Schwerpunkt bildet. Ausstellungen, Museen, Galerien sind die Kulturorte, an denen die sogenannte „neue Normalität“ am ehesten Realität geworden ist; Orte, die wir mit Maske, Abstand und begrenzter Besucherzahl wieder einigermaßen unbefangen aufsuchen können. Wir stellen Ihnen die noch junge Galerie Friedrich+Ebert in Wuppertal vor, sprechen mit der Leiterin des Kunstmuseums Solingen Gisela Ehlbracht u.a. über die dortige „Internationale Bergische Kunstausstellung“ und besuchen den diesjährigen Kunstpreisträger Max Hölter in seinem Atelier. Wir lassen den Maler Peter Schmersal, dessen Arbeiten die Stadtsparkasse Wuppertal gerade in einer großen Einzelausstellung präsentiert, selbst zu Wort kommen, blicken voraus auf „Vision und Schrecken der Moderne“ im von der Heydt-Museum und machen einen Ausflug an den Rhein zum Arp-Museum in Rolandseck. Aber auch an anderen Stellen kehrt das kulturelle Leben aus dem digitalen Raum (oder gar dem Off) zurück, haben sich Veranstalterinnen und Veranstalter auf die neue

Von all dem berichten wir in dieser Ausgabe. Und möchten damit Lust und Mut machen, wieder „live“ am kulturellen Leben teilzunehmen – natürlich mit der Portion Augenmaß, Vor- und Rücksicht, wie es die Situation verlangt. Die Corona-Pandemie ist zweifellos eine Bedrohung von Riesenausmaß. Aber auch Besorgnis und Angst können riesenhaft werden und uns lähmen. Wie man mit Selbstvertrauen, Herzenswärme, Verstand und Zuversicht Riesen bezwingt und dabei noch fröhlich und bester Dinge bleibt – davon erzählt das Märchen „Das tapfere Schneiderlein“. Die wunderbare Fassung mit klassischer Musik aus der „Edition Seeigel“ stellen wir Ihnen zwar auf der Kinderseite vor – uns was vom Schneiderlein abgucken können wir aber ganz sicher alle. Und dazu ein frisches Brot mit Zwetschgenmus! Lassen Sie es sich schmecken. Ihre Anne-Kathrin Reif

Foto: Anke Dörschlen

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wir freuen uns, dass Sie die neue „beste Zeit“ in den Händen halten. Zeigt es doch, dass Sie die Kultur in Wuppertal und in der Region noch nicht abgeschrieben haben, obwohl so vieles davon – nun schon seit mehr als einem halben Jahr – nicht stattfinden kann. Obwohl so viele Türen zu kulturellen Räumen so lange verschlossen waren und wir immer noch weit von dem entfernt sind, was wir uns wünschen: wieder unbesorgt aus dem Vollen unserer reichen bergischen Kulturlandschaft schöpfen zu können. Dass Theater, Konzertsäle, Clubs und überhaupt Kulturstätten jeder Art rappelvoll sind und dass wir sie mit Neugier, Vorfreude und ohne Unbehagen aufsuchen können. Um uns anregen, berühren, irritieren, aufwühlen und beglücken zu lassen, wie es nur das mit anderen Menschen geteilte Live-Erlebnis vermag.

Situation eingestellt. Kulturstätten wie das LOCH, der ort und viele andere haben auf weniger Publikum umgerüstet und machen trotzdem anspruchsvolles Programm. Mit „Future Now“ hat sogar wieder ein erstes Festival stattgefunden, über das die Initiatorinnen in diesem Heft selbst berichten. Das traditionsreiche Wuppertaler Jazzmeeting wird Corona zum Trotz auch in diesem Herbst stattfinden – mit neuem dezentralen Konzept. Die im Frühjahr ausgefallene Wuppertaler Literatur-Biennale wird in modifizierter Form Anfang November nachgeholt. Und auch das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch kehrt zurück auf die Bühne: mit einer aufwendigen Rekonstruktion von „Stück mit dem Schiff“ aus dem Jahr 1993, das seitdem nicht mehr in Wuppertal zu sehen war.

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Inhalt 4 Ausstellung im Kundenforum der Stadtsparkasse Wuppertal

Peter Schmersal. „Malerei – nicht mehr und nicht weniger.“ Kunstmuseum Solingen

Die „junge Kunst“ steht im Mittelpunkt

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Max Pimpernelli, Träger des Internationalen Bergischen Kunstpreises

Reflexion mit Stuhl und Briefen

Zum Engelsjahr zeigt das Von der Heydt-Museum die industrielle Revolution und ihre künstlerischen Folgen

Porträts, Tristesse, Maloche

Die Galerie Friedrich+Ebert in Wuppertal

Freiheit für Eingeweihte

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Ein Gespräch zwischen Stefan Dreher, Dramaturg des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, und dem Tänzer Bernd Uwe Marszan

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„Meer ohne Wasser“ – „Das Stück mit dem Schiff“ Die Zukunft ist weiblich

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Future Now!

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Wuppertaler jazzMeeting 2020

Bindeglied in Sachen Jazz

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Ein Besuch im „Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste“

HOPE – Die Kunst der Transformation

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Die Wuppertaler Literatur Biennale vom 5. bis 8. November 2020

Tier, Mensch, Maschine – Berührungen 50 Kreative Ferien- und Freizeitangebote für 10- bis 14-Jährige trotz Corona

Kulturrucksack Wuppertal 2020 Kulturtipps

für Kinder und Jugendliche Das Arp-Museum in Remagen-Rolandseck und die Schau „Salvador Dalí und Hans Arp“

Mit eigenem Gleisanschluss

Neue Kunstbücher vorgestellt von Thomas Hirsch

Strategien der Annäherung

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Kann ich als Vater eines kommunistischen Sohnes Steuern sparen? Ausstellungen, Musik, Literatur, Kino

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Kulturtipps

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Impressum

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Peter Schmersal. „Malerei – nicht mehr und nicht weniger.“

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Foto: Björn Ueberholz

Der Maler Peter Schmersal ist nach langen Jahren in Berlin und anderswo nach Wuppertal zurückgekehrt. Die Stadtsparkasse Wuppertal widmet ihm jetzt eine Einzelausstellung. Peter Schmersal, geboren 1952 in Wuppertal,

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zählt zu den Künstlern, die nicht nur in ihrer Heimatstadt weltberühmt sind. Die Liste seiner – auch internationalen – Einzel- und Gruppenausstellungen ist lang. Seine Sujets sind

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„klassisch“: Porträts und Selbstporträts, Stillleben, Interieurs, Landschaft. Und immer wieder malerische Auseinandersetzungen mit großen Vorgängern wie van Gogh, Bacon, Watteau, Courbet, Dürer. Das Auge des Betrachters macht sich fest an bekannt Erscheinendem, während der interpretierende Geist davon überrascht wird, wie weit der Maler die Grenzen des Vertrauten hinausschiebt. Schmersal gehört nicht zu den (vielen) Künstlern, die sich nicht über ihre Kunst äußern wollen (oder können). Im zur Ausstellung erschienenen Katalog schreibt er selbst: über den Prozess des Malens (bei dem man manchmal farbig anfangen und trotzdem im Matsch landen kann), über den Wettstreit zwischen innerem und äußerem Bild und warum Menschen, die sich von ihm porträtieren lassen, nicht eitel sein dürfen. Hier ein Auszug aus dem Text.

„Burning of the Midnight Lamp“

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81 x 62 cm, 2016

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Da sitzt eine Person. Ich will sie malen, porträtieren. Jetzt, wo sie da ist, fegt sie mein inneres Bild-Porträt von ihr weg. Sie ist so unglaublich wirklich, das muss ich über mich ergehen lassen. Sie ist stärker als mein Bild. Ich fange an zu malen, meine Leinwand ist leer, so kann ich mich dem Malen und Sehen überlassen, muss nirgends anknüpfen, außer an mein unablässiges Denken, das ich vom Malen abzukoppeln suche, auf ein paralleles Gleis schicke, von wo es sich dennoch ein ums andere Mal einmischt, vielleicht kriege ich ja den Dreh. Mit der Zeit interessiert mich das innere Bild nicht mehr, die Wirklichkeit hat mich, ich habe alle Hände voll zu tun, nicht einzugreifen in ein losgelöstes Formen, hin zum autonomen Bild, im Humus steckt die Handlungsdirektive. So weit, so gut, wäre da nicht das Problem mit der Ähnlichkeit. Die steckt einen engen Formrahmen für die zu findenden, sie beschreibenden Zeichen. Du willst ein gutes Bild, das ähnlich ist, so ähnlich, wie das Bild sich selbst sein soll und jemandem. Malen wir, vielleicht kommt uns der Zufall zu Hilfe, ohne gleich eine Handvoll Zinkweiß auf die Leinwand schleudern zu müssen – sorry Francis, du weißt schon –, in der Hoffnung, so zurück zur Wirklichkeit zu finden; „return us back to reality“, darum gehe es in der Kunst, meint Bacon. Du fängst farbig an und landest womöglich im Matsch. Daraus ein gutes Bild zu malen, ist Alchemie. Ein Potpourri der Unentschiedenheit würde Picasso sagen, Bonnard mei-

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„Bodhidharmas Rast“

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180 x 100 cm, 2018

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nend – hier ein bisschen Rot, dann genauer hingeschaut: also noch ein bisschen Blau rein, jetzt scheint Gelb zu fehlen, oder etwa nicht? Gut, Gelb noch, zur Sicherheit. Es wird nicht besser, ich kriege den Dreh nicht hin, vielleicht sollte ich doch aufs Zinkweiß zurückkommen – allerdings habe ich die Farbe gerade stark verdünnt, das Nasenloch kann jetzt atmen.

„Ich.“

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81 x 62 cm, 2020

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Anekdoten sind Gold wert. Sie machen Götter zu Menschen. Da sieht man gleich, dass die anderen sich auch anstrengen: 90 % Fleiß, 10 % Genialität. Besser wärs zwar andersrum. Aber mit der zähen Tour steigt auch der Erkenntnisgewinn in das, was und vor allem wie man etwas tut. Zudem erhöht sich der Reiz am Risiko, die Chance, den Schatz des Moments zu heben. Das ist ein bisschen „Va banque“; ich frage mich, ist das seriös? Aber was heißt das schon, das ist lähmend, seriöse Kunst gibts nicht, und dann läufst du Gefahr und zitierst dich noch selbst – schlimmer als Matsch. Du arbeitest ja auch nicht so, dass du sagst, du machst hier gerade Kunst, das wäre albern, du malst oder machst sonst was, und das ist etwas anderes. Achte darauf, in Form zu sein. Miles Davis fragt George Coleman, warum dieser im Hotelzimmer übe, dazu sei schließlich die Bühne da. Die Strategie eines Zeitgenossen, sich in die Lage zu versetzen, die Gunst der Stunde zu nutzen, ihr den Hof zu machen. Improvisation über ein Thema, mit vollen Fähigkeiten im Rücken. Jetzt hier am Porträt. Manchmal läuft es, läuft es so gut, dass du denkst, wie hab ich das hingekriegt. Dann wieder klappt gar nichts, und schließlich zweifelst du auch an deinen Fähigkeiten, die führen gerade zu nichts, und darin willst du dich absolut nicht spiegeln. Wie kann ich die Form denken, die das Bild verlangt, das die Respektierung der Realität und daraus deren Neuschaffung ist? – Nicht als Ideal, sondern als Grund für eine von vielen Möglichkeiten. Am liebsten wäre mir eine Malerei wie die der römisch-ägyptischen Porträt-Enkaustik-Malerei, Porträts, die die Verstorbenen mit der Poesie der Schlichtund Klarheit schildern, und auch die, die einem definierten Maß-Kanon folgen wie die griechische Klassik, aber irgendwie ist daran gar nicht zu denken; meine Bilder sind nicht stabil in diesem Sinne, bilden keinen universaleren Nenner ab. Ich kann das nicht. Liegt das an unserer Zeit, an uns Zeitgenössischen, deren Leben in alle Richtungen offen scheint, im Eldorado der Versuchsanordnungen?

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Dennoch stelle ich mir ein verbindliches Bild vor, eins, das der Mensch annimmt, in dem er sich erkennt, eins, das in unserer Zeit steht, besser wäre noch dazu zeitlos, so wie ein Rembrandt oder Hals in ihrer und unserer und zukünftiger. Ich male weiter, um klar zu sehen.

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“Geraldo Si“, 180 x 115 cm ,2016

„Malen heißt eher, etwas in Besitz zu nehmen als etwas abzubilden.“ Dieses Wort von Philip Guston bringt es auf den Punkt, und es bestätigt in gewisser Weise die Meinung Dora Maars über Picassos Bilder von ihr, nämlich dass alle seine Bilder von ihr Lügen seien, alle seien Picassos, keines Dora Maar. Ist es von Relevanz, dass oder ob die Porträtierte ihr Bild annehmen kann, so, wie ich es mir wünsche? Ist die Autonomie des Bildes über diesen Bruch erhaben, oder handelt es sich um ein Missverständnis? Geht es um das Abbild, das als Referenz gilt und die Porträtierte meint, oder geht es um eine Behauptung, eine, die weder bewiesen werden muss noch gerecht zu sein braucht? Hinter beiden steht der Maler, aber auch die Porträtierte. Eine Frage, die der Kunst eingeschrieben ist – für dieses Mal und für das nächste wieder. Das eine meint das andere, sofern es gelingt. Ein Bild ist eine Metamorphose, eine Verdauung, eine Aufspaltung und eine Neuzusammensetzung, ein Signum. 9

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An was glaube ich? An das innere Bild vom Sichtbaren oder an das Sichtbare? Warum sind sie so verschieden? Mir ist klar, der andere und ich, das sind zwei unterschiedliche psychische Dispositionen, unausgesprochen ... aber vielleicht geht das hier zu weit. Das lass ich. Offensichtlich ist das Gegenüber das Sichtbare. An was sollte ich mich sonst halten? An das innere Bild, das es hervorzuholen gilt, das da ist, jedoch amorph geistig und nicht gestaltet? Das innere Bild ist im Sichtbaren, nirgends sonst, kommt aus der Erinnerung des Assoziativen, aus der Vergangenheit, der Gegenwart, dem Genpool der Zeit und der Beziehungen, dem anderen und mir, das muss ich immer wieder neu verstehen, es gibt keinen Unterschied, das Malen formt es, bringt es zur Deckung. Daran glaube ich. Das ist alles.

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Ich male mich häufig. Ich bin mir ein brauchbares Modell, spiele auch Apostel oder Bodhidharma, es geht also nicht immer um mich, ich bin lediglich verfügbar, ich teste, probiere rum, würfele, bin da, wenn jemand anderes nicht da ist, manchmal bin ich noch da, wenn ich besser längst wieder weg sein sollte – auch ein guter Grund, mich dann zu malen – nur nicht im Hotelzimmer.

„Ich, als Sämann, nach Vincent“ 115 x 85 cm, 2006

Porträt. Ich male nicht das, was ich für einen Charakter halte – was weiß ich schon, und wie sollte ich das malen? Ich beobachte, interpretiere Verhältnisse des Raumes, der Farbe und des Lichts und ermale dabei vielleicht etwas davon, was als Eigenschaft durchgeht, bekomme das quasi als Bonus. Wer von mir gemalt wird, darf nicht eitel sein, muss ich leider bekennen. Ich frage mich, was so schwer ist an einem guten Porträt? Die Ähnlichkeit, so überzeugend inszeniert, dass das Bild das Thema ist, repräsentiert im Porträt. Malen ist meine Weltanschauung. Sei klug darin, das Richtige zu wissen, vermisch es mit Sehen. Versuch nicht zu erklären. Es gibt viele Wege nach Rom. Einer davon sagt, dass es kein Rezept gibt, sie zu begehen, für mich. So ist das mit dem Malen nach dem Sichtbaren, für mich. Die Wirklichkeit ist immer stärker. Ich bin Teil von ihr. Sie wissen, was ich meine. „Wenn zu perfekt, LIEBER GOTT böse“, sagt Nam June Paik; besser, die Dinge etwas offenlassen, Sie wissen, was ich meine.

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Zum guten Schluss: Picasso unterhält sich mit seiner Freundin Hélène Parmelin darüber, welchen Maler man sich in welchem Auto vorstellen könne. Beide sind sich sofort einig: Vélazquez – ganz klar – in einem Rolls, van Gogh nicht mal in einer Ente. Aber darum gehts ja nicht, na ja, ein bisschen schon.

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Eine Ausstellung im Kundenforum der Stadtsparkasse Wuppertal vom 10. September bis 6. November 2020 während der normalen Öffnungszeiten auch geöffnet am 7. November, 14 bis 20 Uhr, während der WOGA Stadtsparkasse Wuppertal, Islandufer 15

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“Teller mit Kirschen, Glas Lakritzlikör“, 80 x 60 cm, 2019

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Nicholas Grafia, The Accursed Ones, 2018, Performance mit Mikołaj Sobczak, Museum für Moderne

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Kunst, Warschau

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Kunstmuseum Solingen – Die „junge Kunst“ steht im Mittelpunkt Bis 1. November läuft noch die 74. „Internationale Bergische Kunstausstellung“ 12

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Gisela Elbracht-Iglhaut, Direktorin des

wortung für das Haus, dazu kommt die Personalverantwortung für das große Team der „Ehrenamtlichen“ und die fest angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Alles zusammen war schon ein bedeutendes Stück an Mehrverantwortung“, sagt sie rückblickend. Weil sie danach gefragt wurde. Denn eigentlich schaut Gisela Elbracht lieber nach vorn.

Kunstmuseums Solingen, Foto: Christian Beier

Gisela Elbracht-Iglhaut ist seit einem Jahr Direktorin in Solingen. Der Gegenwartskunst Raum zu geben, ist für sie eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe – wobei „junge Kunst“ keine Frage des Alters ist.

„Das war schon ein sehr besonderes Jahr“, blickt Gisela Elbracht-Iglhaut auf ihr erstes Jahr als Direktorin des Kunstmuseums Solingen zurück. Im Oktober 2019 hat sie das Haus, in dem sie zuvor 24 Jahre u.a. als Kuratorin für Gegenwartskunst und als Stellvertreterin von Museumsdirektor Dr. Rolf Jessewitsch tätig war, als Leiterin übernommen. Und natürlich andere Pläne für ihren Start gehabt, als sich mit der Beschaffung von Desinfektionsmitteln, dem Anbringen von abwaschbaren Plexiglastafeln und Sicherheitskonzepten für die Wiedereröffnung unter PandemieBedingungen zu beschäftigen. Oder mit dem Beantragen von Fördermitteln, um die finanziellen Einbußen durch die Schließung wenigstens ein Stück weit aufzufangen. Schließlich obliegt ihr jetzt auch die volle Finanzverant-

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Dabei ist die jährliche „Internationale Bergische Kunstausstellung“ ebenso gesetzt wie die Jahresschau Solinger Künstler und „Klasse Kunst“, wo weiterführende Solinger Schulen Ergebnisse aus dem Kunstunterricht präsentieren. Eine Schau pro Jahr bleibt frei bespielbar – ob als Soloschau einzelner Künstlerinnen und Künstler oder unter einem verbindenden Thema. Wobei es für Gisela Elbracht keine Frage ist, dass auch bei diesen Ausstellungen stets aktuelle Positionen zum Tragen kommen. Die Fokussierung auf Gegenwartskunst und insbesondere auf junge Kunst macht für sie ganz klar das Profil des Kunstmuseums Solingen aus, das sie als Kuratorin in der Vergangenheit mit 13

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Der letzte fehlende Nagel war in die Wand geschlagen, das letzte Schildchen geklebt. Wie immer waren die Tage vor der Ausstellungseröffnung hektisch gewesen, wie immer hatte dann doch noch alles geklappt. Am Abend des 12. März freuten sich die Künstler David Czupryn und Jochen Mühlenbrink mit dem Team vom Kunstmuseum Solingen über eine gelungene Eröffnung. Am 13. März war alles schon wieder vorbei: Der wegen der Corona-Pandemie verhängte Shutdown hatte auch vor der Kunst nicht haltgemacht.

Inzwischen kann sie sogar den durch die Pandemie bedingten Zwängen etwas Positives abgewinnen: „Wir waren dadurch gezwungen, schneller den Schritt in die digitale Welt zu machen“, erklärt sie. Die Sammlung des Kunstmuseums Solingen zu digitalisieren, stand ohnehin auf der Agenda. Rund 10 000 Objekte umfasst die städtische Sammlung, vieles davon Zeichnungen und andere Papierarbeiten. Nur ein kleiner Teil der Gemälde und Skulpturen, überwiegend aus den Sammlungen Georg Meistermann und Max Kratz, sind dauerhaft im Foyer, in den Treppenhäusern und auf dem Vorplatz ausgestellt. Über mehr ständige Ausstellungsfläche verfügt das Kunstmuseum nicht, das zwar Hauptmieter in dem prächtigen und geräumigen Jahrhundertwendebau – dem ehemaligen Rathaus von (Solingen-)Gräfrath – ist, den größten Teil der Räume aber an das „Zentrum für verfolgte Künste“ als Untermieter abgegeben hat. Auch die großzügigen, modernen Räume für Wechselausstellungen im Anbau teilen sich die beiden Institutionen, wobei das „Zentrum für verfolgte Künste“ zwei Drittel des Jahres bespielt, das Kunstmuseum ein Drittel.

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Alexander Basil,

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Selbst in der Badewanne, 2020 Öl auf Leinwand, 110 x 90 cm

entwickelt hat und das sie in Zukunft noch weiter schärfen will. „Es gibt in der ganzen Region kein Haus mit einem solchen Schwerpunkt“, betont Elbracht, „das ist wirklich ein Alleinstellungsmerkmal.“ Dabei sei es gerade in der heutigen Zeit ungemein wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem man jungen, zuweilen provozierenden künstlerischen Positionen begegnen könne; ein Raum, in dem über die Kunst auch eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen stattfinden kann. „Auch die Kunst, die unter der Nazidiktatur verfolgt und verboten war, war damals junge Kunst, war einmal Gegenwartkunst“, betont die

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Junge Kunst der Gegenwart steht stets auch im Mittelpunkt der jährlichen „Internationalen Bergischen Kunstausstellung“, obwohl die Bewerbungsvoraussetzungen keine Altersgrenze vorsehen. „Das hat sich quasi von selbst so ergeben“, erklärt Gisela Elbracht, die 24 der insgesamt 74 „Bergischen“ als Kuratorin und Jurymitglied mit verantwortet hat. Lediglich ein „biografischer Bezug zum Bergischen Land“ muss gegeben sein, etwa durch Geburt, Lebensmittelpunkt oder Ausbildung. Und die absolviert(e) der weit überwiegende Teil der Ausstellenden an der Kunstakademie Düsseldorf, denn die Landeshauptstadt wird – für manch einen überraschend – als ehemals dem Herzogtum Berg zugehörig dem Bergischen Land zugeschlagen. Die Absolventinnen und Absolventen der Düsseldorfer Akademie sind es denn auch, die sowohl das Junge wie auch das „Internationale“ in die „Bergische“ einbringen. „Wir hatten in den vergangenen Jahren Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mehr als 20 Ländern“, sagt Elbracht. Auch Kunstschaffende älterer Jahrgänge hätten es durchaus schon in die Auswahl geschafft, erklärt sie, denn: „Entscheidend ist nicht das Alter der Künstlerinnen oder Künstler, sondern wie innovativ ihre Arbeit ist. Und wenn sich jemand künstlerisch ganz neu erfindet, kann das sehr wohl ,junge’ Kunst sein“, findet sie. Tatsache ist aber auch, dass die jungen Bewerberinnen und Bewerber weitaus in der Überzahl sind, denn die „Bergische“ hat sich längst einen Namen als mögliches Sprungbrett in den professionellen Kunstbetrieb gemacht. „Man weiß, dass sich hier die junge Kunstszene NRW abbildet“, sagt Elbracht, „und das zieht auch ein entsprechendes Publikum an.“ Für einige hat sich die Schau geradezu als Karrierebooster erwiesen. „Cornelius Völker, der 1999 den Bergischen Kunstpreis bekam, ist heute ein international anerkannter Künstler und Professor für Malerei an der Uni Münster. Matthias Wollgast, Kunstpreisträger 2015, wird zurzeit im Museum Morsbroich Leverkusen ausgestellt. Auch David Czupryn und Jochen Mühlenbrink, deren Schau im März Corona zum Opfer gefallen ist, haben beide ihre Künstlerkarriere mit der Teilnahme an der Internationalen Bergischen Kunstausstellung gestartet“, nennt Elbracht nur einige Beispiele von mehreren. Einen Überblick darüber, wie viele

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der vielen Ausstellenden über die Jahre wieder in der Unsichtbarkeit verschwunden sind, hat sie freilich nicht.

Für die 74. Internationale Bergische Kunstausstellung, die am 22. September eröffnet hat und noch bis zum 1. November 2020 zu sehen ist, hatten sich 200 Künstlerinnen und Künstler beworben; 18 haben es in die Ausstellung geschafft, darunter zwei Künstlerpaare. Wie stets ausgesucht von einer kompetenten, wechselnd besetzten Fachjury. Wie stets eine heterogene Schau, die unter keinem verbindenden Motto steht, sondern Einblick in die Vielfalt gegenwärtigen Kunstschaffens in der Region bieten soll. Gibt es dennoch etwas, das sie von früheren Jahrgängen abhebt? „In vielen Jahren gab es unter den Bewerbungen bestimmte mediale Schwerpunkte – etwa Installationen, Video, Fotografie. Das ist in diesem Jahr nicht der Fall. Die Bewerbungen und entsprechend auch die Schau sind sehr ausgewogen in den Medien. Es ist einfach alles dabei“, erklärt Elbracht. „Eine Tendenz ist außerdem, dass die Teilnehmer jünger werden – und das bei steigendem Niveau“, hat sie festgestellt. Einzelne, aus ihrer Sicht besonders interessante Positionen herauszugreifen, fällt ihr daher auf Nachfrage schwer. Max Hölter, alias Max Pimpernelli, diesjähriger Kunstpreisträger, gehört natürlich dazu. Rebekka Benzenberg, die mit

Petra Deta Weidemann, Irgendwo auf dem Dach, 2019 Beton und Schnur, ca. 110 x 150 x 3 cm Foto: Claude Donnè

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Kunsthistorikerin. Insofern ergänzten sich die beiden Bereiche „Kunstmuseum“ und „Zentrum für verfolgte Künste“ unter dem gemeinsamen Dach auf sinnvolle Weise, findet Elbracht – der eine Teil schaut stärker auf die Vergangenheit, in der die Freiheit der Kunst mit Füßen getreten wurde, der andere auf die Gegenwart und die Zukunft, um diese Freiheit zu praktizieren und zu bewahren.

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Die Jury: Gisela Elbracht-Iglhaut, Direktorin, Kunstmuseum Solingen; Gesa Hüwe, Kuratorische Assistenz, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf; Hans-Jürgen Lechtreck, Künstlerischer Koordinator, Museum Folkwang, Essen; Claudia Mann, Künstlerin, Düsseldorf; Andrea Peters, Kuratorin Sammlung Bayer, Leverkusen; Dr. Thomas A. Lange, Vorsitzender des Vorstandes der National-Bank AG, Essen.

Kunstpreise:

Rojo & Kreß, Brazil, 2019 Acryl und Öl auf verschiedenen Materialien, 240 x 200 x 300 cm

ihrer Installation „tight baby, tights“ aus Nylonstrümpfen auf spannende Weise den schmalen, hohen Ausstellungsraum bespielt. Das Duo Rojo & Kreß, das die Malerei zum Raum erweitert, und Alexander Basil, der das Sujet des männlichen Aktes neu interpretiert und das aktuelle Thema der geschlechtlichen Identität einbringt. Aber auch die ganz stille, reduzierte Position von Petra Deta Weidemann fällt Elbracht zu der Frage ein. Und schon ist sie dabei, auch die weiteren Künstlerinnen und Künstler aufzuzählen ... Anne-Kathrin Reif

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74. Internationale Bergische Kunstausstellung im Kunstmuseum Solingen

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Wuppertaler Straße 160 bis 1. November 2020, geöffnet: Di. bis So. 10 bis 17 Uhr Führungen finden jeden Sonntag um 11.15 Uhr statt. www.kunstmuseum-solingen.de

Die Künstlerinnen und Künstler: Alexander Basil, Rebekka Benzenberg, Till Bödeker, Valerie Buchow und Nina Nick, Sibylle Czichon, Nicholas Grafia, Matthias Grotevent, Max Hölter, Rojo & Kreß, Johannes Leidenberger, Lotte Maiwald, Swinda Oelke, Moritz Riesenbeck, Tim Sandow, Philipp Valenta, Petra Deta Weidemann.

Der mit 5 000 Euro dotierte Internationale Bergische Kunstpreis der National-Bank AG geht an Max Hölter, alias Max Pimpernelli (geboren 1990 in Essen) für sein Werk „dancing clown“ (mehr zum Künstler im folgenden Beitrag, S. 18 bis 21). Über die Publikumspreise in Höhe von 1 500, 1 000 und 500 Euro entscheiden die Besucherinnen und Besucher mit ihrer Stimme. Sie werden zum Ende der Ausstellung von der Stadtsparkasse Solingen verliehen.

Konzerte: Junge Künstler präsentiert auch die Reihe „Junge Pianisten Elite“, die regelmäßig im Kunstmuseum Solingen stattfindet. Coronabedingt wurden die Konzerte in dieser Saison ins Theater und Konzerthaus Solingen verlegt. Die nächsten Termine: 25. Oktober 2020 Alexander Krichel, der in der vorigen Saison zusammen mit den Bergischen Symphonikern spielte, stellt sein neues virtuoses Programm mit Werken von Beethoven, Schumann und Liszt vor. 29. November 2020 Fabian Müller spielt die letzte Sonate von Franz Schubert sowie Robert Schumanns g-Moll Sonate mit dem wegen seiner Schwierigkeit selten gespielten vierten Satz. Karten zu 19 Euro sind nur an der Theaterkasse erhältlich Tel. 0212 204 820; www.theaterkasse-solingen.de

Zentrum für verfolgte Künste: Die beste Zeit hat das ZFVK im Kunstmuseum Solingen mit seinem neuen Leiter Dr. Jürgen Kaumkötter und Kuratorin Birte Fritsch in der vergangenen Ausgabe vorgestellt. Der Beitrag ist über www.schwebetal-verlag.de online abrufbar.

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Rebekka Benzenberg, tight baby, tights, 2017

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Nylonstrumpfhose, Tackernadel, 230 x 230 cm x 800 cm

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„dancing clown“, 2019, Öl auf Leinwand, © Max Pimpernelli

Reflexion mit Stuhl und Briefen

Max Pimpernelli, Träger des Internationalen Bergischen Kunstpreises, sucht wechselnde Mittel, mit denen er auch schon mal einen ganzen Raum gestaltet

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Strenge und Spiel gegen- oder zumindest nebeneinander gesetzt. Geometrisch exakt das schwarze Dreieck als Körper der Figur, ebenso das helle Rechteck im Hintergrund. Andere Elemente sind ungewohnt, und die enorm lange Nase legt nahe, dass dieser Clown auch zwischen Wahrheit und Lüge tanzen könnte.

Max Pimpernelli, Foto: Privat

Der Internationale Bergische Kunstpreis 2020 geht an den 1990 geborenen Max Pimpernelli. Mit seinem Bild „dancing clown“ erhielt er

Wie kam es zum Sieg? Was macht den Künstler generell aus – und seine Kunst? Zunächst zur Teilnahme: Für den Internationalen Bergischen Kunstpreis hatte Pimpernelli, Student an der Düsseldorfer Kunstakademie seit 2014 und zuvor in Dortmund, sich kurzfristig beworben. Nach Ausschreibungen hatte er zwar schon viel geschaut, doch an die Meldung für Solingen ging er erst knapp. Insgesamt acht Arbeiten reichte er ein, darunter den dann siegreichen „Clown“. Zur Begründung hieß es: „Max Pimpernelli überzeugte die Jury mit seiner Malerei und ungewöhnlichen Bildkompositionen. Seine Bildsprache ist geprägt von kontrastreicher Farbgebung und klarer Formensprache. Dabei stehen gestische, abstrakte Farbfelder neben detailreicher Figuration. Grafische Elemente kombiniert der Künstler mit geometrischen Formen. Skripturale Zeichen stehen neben surrealen Bildkomponenten. Bekannte Symbole und Zeichen fungieren als semiotische Bedeutungsträger, deren Code der Betrachter entschlüsseln kann. Kunsthistorische Referenzen an bekannte Ikonen der Malerei sind erkennbar. Pimpernelli schafft daraus ein ganz eigenes Vokabular, das kraftvoll, sicher und eigenständig den Bildraum füllt.“ „Dancing clown“, ein Ölbild auf Leinwand, fällt auf durch Farbe und klare Struktur. Ein wenig wirkt es, als würden

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Im Stadtteil Oberbilk lebt Pimpernelli seit Neuerem in einer Wohngemeinschaft, die man wohl als Studentenund Künstler-WG im besten Sinn bezeichnen darf. Eine gastfreundliche Küche, überall viel zu entdecken, an den Wänden Kunstwerke auch von Kolleginnen und Kollegen, seine Freundin und Mitbewohnerin ist Punkmusikerin. Einblick gibt es hier auch in Pimpernellis im Werden begriffene Abschlussarbeit. Und dies nun bringt denn auch den Eindruck von besagter Schaffensart. Diese Arbeit nämlich mag durchaus collagenhaft sein, vielteilig und innovativ ist sie jedenfalls - und geht außerdem entschieden in die dritte Dimension. Einen Raum wird Pimpernelli gestalten, und Elemente darin sind Möbel, Bilder oder auch ein Buch. Einflussfaktoren, könnte man sagen, denn Einfluss nehmen auf Räume interessiert den Künstler. Keinesfalls wahllos indes wirkt die Zusammenstellung: Es gibt ein Thema und einen Bezugsrahmen, wenn man so will: das Kinderbuch „Wo die wilden Kerle wohnen“ von Maurice Sendak. Ein Lieblingsbuch, und Pimpernelli liest es als Geschichte einer Selbstverortung – und zur Position (auch) des Künstlers in der Gesellschaft. Ein Examen so zu rahmen: Das scheint nicht zuletzt Beispiel für Pimpernellis unerschrockenen Zugriff in der Auswahl der Mittel, ohne doch beliebig zu sein. Ausgeführt, wird man sagen dürfen, ist die Suche nach der eigenen Position hier am Phänomen Arbeitslosigkeit, genauer am „Aufhören zu arbeiten“. Pimpernelli selbst war bis dahin in der Jugendhilfe tätig sowie in der persönlichen Pflegeassis19

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den Zuschlag unter rund 200 eingereichten Bewerbungen. Die 74. Internationale Bergische Kunstausstellung im Kunstmuseum Solingen zeigt dieses sowie Werke 15 ausgewählter weiterer Teilnehmenden.

Freilich: Wer den Jurytext noch vor Kenntnis des Bildes liest, könnte zögern, die Aussagen am Bild dann komplett wiederzufinden. „Symbole“, „skripturale Zeichen“ und „Referenzen“ lassen vorab an Detailreichtum denken, an Eklektizismus vielleicht und an Collagen. Verglichen damit scheint der Aufbau des Bildes dann überschaubar. Vermutlich meint die Jury auch Pimpernellis eingereichtes Gesamtkonvolut. Unbestritten jedenfalls, dass die Beschreibung sein Schaffen allgemein gut treffen dürfte. Einleuchtend ist das spätestens nach einem Besuch des Künstlers in Düsseldorf.

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„angry clowns“, Öl auf Leinwand, © Max Pimpernelli

tenz. Und was er nun auffährt zur kreativen Bearbeitung dieses Aspekts, das sind einerseits Möbel: ein Tisch und ein Stuhl, die seinen eigenen im Zimmer nachgebaut sein werden. Neben manchem mehr zählt dazu ein „Buch“, ein Ordner, der heute zur Einsicht bereitliegt und sich noch weiter füllen wird. Bereits enthalten ist Malerei, aber auch ganz anderes, so privat wie scheinbar prosaisch: Pimper-

nellis Korrespondenz mit der Arbeitsagentur. Nicht eben üblich als Kunstobjekt wie auch als Examensteil; nur ein Teil der Reflexion, ein Teil des Raums. Aber mit klarer Richtung: Im Selbstverständnis des Künstlers will Pimpernelli die klassische Erzählung vom schöpferischen Einzelgänger nicht fortschreiben. Seinen Platz, das soll seine Arbeit offenbar vermitteln, sieht er in der Gesellschaft.

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Nicht zuletzt deshalb grätscht die Corona-Lage ihm übrigens ungünstig dazwischen: Mehr noch als es Absolventinnen und Absolventen ohnehin tun, hatte Pimpernelli auf Publikum gesetzt, das seine Abschlussarbeit zu Gesicht bekommen sollte. Gern in großer Zahl – Stichwort Gesellschaft. Große Zahl? Infektiologisch ist das derzeit leider ein Problem.

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Immerhin: Die Internationale Bergische Kunstausstellung gibt der Öffentlichkeit Gelegenheit, mit Pimpernellis Gewinnerbeitrag „dancing clown“ und den weiteren ausgewählten Werken zusammenzutreffen. Vom 22. September bis zum 1. November 2020 sind sie im Kunstmuseum Solingen zu sehen. Martin Hagemeyer 21

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„Grinchcore“, Öl auf Leinwand, © Max Pimpernelli

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Conrad Felixmüller, Kohlenbergarbeiter, 1920, Farblithografie, Von der Heydt-Museum Wuppertal, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

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Porträts, Tristesse, Maloche

Zum Engelsjahr zeigt das Von der Heydt-Museum die industrielle Revolution und ihre künstlerischen Folgen Wie als Kunstmuseum zum Engels-Jahr beitragen? Das Von der Heydt-Museum hat sich gegen eine Schau zu Engels als Person mit historischen Dokumenten entschieden. Stattdessen zeigt die Ausstellung, wie Künstler auf die durch die Industrialisierung veränderte (Arbeits-)Welt – Objekt von Engels‘ berühmter Analyse und Kritik – reagiert und sie in ihren Werken thematisiert haben.

Das Gesamtkonzept stammt von Dr. Antje Birthälmer, die Teile der Ausstellung kuratierte; zum Kuratorinnenteam zählen außerdem Dr. Beate Eickhoff und Dr. Anna Storm. Zu sehen sind Darstellungen und künstlerische Reflexion zur industriellen Arbeit und ihren Folgen - nicht ausschließlich zu Engels‘ Lebzeiten, sondern darüber hinaus. Die Ausstellung spannt den Bogen vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, über Expressionismus, Neue Sachlichkeit, 30er-Jahre über die Fotografie, die sich ebenfalls mit der Industrialisierung auseinandergesetzt hat, bis zu aktuellen Tendenzen unserer Tage. Anklage und Faszination sind gleichermaßen zu finden - zuweilen bei ein und demselben Künstler. Auch die Neue Sachlichkeit mag sich dabei nicht unbedingt rein abbildend neutral verstehen. Die Ausstellung beginnt mit den für die Industrialisierung entscheidenden Unternehmern. Sie ließen sich gern porträtieren, wofür hier etwa ein Bild von Heinrich Christoph Kolbe des Textilfabrikanten Bemberg steht, Chef des späteren Weltunternehmens. Anders als prunkvolle Herrschergemälde kamen diese Porträts für Birthälmer oft „eher schlicht“ daher: „Man demonstrierte darin, mit sich zufrieden zu sein.“

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Das nächste Kapitel befasst sich mit dem Thema Landschaft und Industrie und mit der Maschine, die auf einige Künstler eine magische Faszination ausübte, wie etwa auf Carl Grossberg. Die Malerinnen und Maler des „Blauen Reiter“ und der „Brücke“ sahen die Landschaft als eher geistigen Raum. Davon ist bei Marianne von Werefkins düsterem Bild „Eisengießerei in Oberstdorf“ (1912), ein ruhiges Szenario mit Fabrikturm, nichts mehr übrig. Das Bild strahlt eher eine pessimistische Sicht auf das Verhältnis Mensch – Materialismus aus. Conrad Felixmüller bereiste schon früh das Ruhrgebiet. Er stellt in seinen teils stimmungsvollen Bildern Industriearbeiter in den Mittelpunkt. „Die Künstler suchten nach neuen Formulierungen“, erklärt Birthälmer. Ob Felixmüller diese für sich 1920 gefunden hatte? Seine farbige Grafik „Kohlenbergarbeiter“ mutet jedenfalls deutlich negativer an: Aus dem Gesicht des Bergmanns sprechen Monotonie und Trostlosigkeit. Beindruckt von der neuen Technik zeigt sich dagegen Franz Radziwill. Die Technik beherrscht hier die Landschaft. Auffällig an seinem Werk „Wilhelmshaven“ (1926) scheint dabei, dass seine Panoramen aus der Arbeitswelt auch Surreales integrieren. Vielleicht muss sich auch nicht immer entscheiden, inwieweit ein Bild anprangern oder wertfrei darstellen will. Max Klinger jedenfalls ging an seine Serie „Dramen“ of23

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„Vision und Schrecken der Moderne. Industrie und künstlerischer Aufbruch“. Im Titel der Ausstellung klingt schon Ambivalenz an. Er ist angelehnt an einen Gedanken des revolutionären Barmers: Um den von ihm favorisierten Wandel herbeizuführen, müsse das Schreckliche des kapitalistischen Betriebs in den Blick rücken.

Ist solche Kunst wohl naturgemäß affirmativ, so verspricht die weitere Auswahl ein Spektrum an Ambivalenzen. Der Arbeiter und seine schwierigen Lebensbedingungen rücken zunehmend ab Mitte des 19. Jahrhunderts in den Fokus, vor allem bei den Malern der Düsseldorfer Malerschule. Wie etwa in Carl Wilhelm Hübners berühmten Bild „Die schlesischen Weber“ von 1844. Es gibt aber auch eine gewisse Idealisierung der Arbeit, wie man in Ludwig Dettmanns Triptychon „Die Arbeit“ sehen kann.

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Heinrich Hoerle, Selbstbildnis vor Häusern (Arbeiter), 1932,

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Wachsfarbe auf Karton, Von der Heydt-Museum Wuppertal

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Georg Scholz, Industriebauern, 1920,

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Von der Heydt-Museum Wuppertal

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Peter Keetman, Felgen, Volkswagenwerk Wolfsburg, 1953, Silbergelatine-Abzug, hochglänzend, Von der Heydt-Museum Wuppertal

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fenbar mit einer gesunden Portion Pragmatismus heran: Grafiken als Form eigneten sich aus seiner Sicht gut für Hässliches. Wobei die Beschäftigung mit Unschönem den Künstlerinnen und Künstlern Vorwürfe einbrachte, wie den der „Rinnsteinkunst“. Doch derlei trug man mit Stolz: „Die Verbundenheit mit dem Proletarier“, sagt Birthälmer, „wurde zum Adelsprädikat.“ Das Thema, das die Ausstellung in ihrem Mittelteil umfassend aufgreift, ist der Mensch, speziell der Proletarier, und das über ein halbes Jahrhundert, von ca. 1880 bis nach 1930.

ins Zentrum eines bunten Häuser-Szenarios setzt. Daraus mag sprechen, dass dieser Maler sich in gewisser Hinsicht als „Geistesarbeiter“ verstand. Am kritischen Blick auf die Schwere der Fabrikmaloche bleibt dabei kein Zweifel, siehe sein „Denkmal der unbekannten Prothesen“ (1930), das mit Analogien zu Kriegsversehrten arbeitet. Von diesem Vergleichsraum her, aber auch stilistisch verwandt zeigt sich der Progressive Franz Wilhelm Seiwert mit „Der deutsche Bauernkrieg“ (1932), das Gruppenbildung in der Arbeiterschaft bemängelt, wo vereinte Kraft nötig wäre.

Dokumentarisches Interesse, nämlich an Sozialstrukturen, verbindet sich mit einer Gruppe, die in der Ausstellung mit einem eigenen Abschnitt vertreten ist: den Kölner Progressiven. Heinrich Hoerle, eine ihrer Hauptfiguren, gestaltete 1932 ein Selbstbildnis, in dem er sich als Arbeiter

Ein eigenes Kapitel innerhalb der Ausstellung bildet die Auseinandersetzung der Fotografie mit der Industriearchitektur: Von ihrer Entdeckung als abbildungswürdigem Gegenstand in den 1920er-Jahren durch Fotografen wie Eugen Batz oder Albert Renger-Patzsch, in deren Werken sich der

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Geist einer neuen Epoche ausdrückt, führt die Entwicklung zur künstlerischen Dokumentation der Industrieepoche. So etwa in der „Subjektiven Fotografie“ eines Peter Keetman in den 1950er-Jahren oder in den 1970er-Jahren bei Heinrich Heidersberger.

Blick auf den Fortschritt und ist damit im 21. Jahrhundert angekommen. Martin Hagemeyer

Die Ausstellung endet mit einem Schritt in die Gegenwart: Denn aktuell fordern die Industrialisierung und ihre Folgen zu zahlreichen kritischen Formulierungen heraus: Die Künstlerinnen und Künstler prangern Globalisierung und Umweltzerstörung, Materialismus und Militarisierung an und führen den Verlust der Kontrolle über technische Entwicklungen vor Augen. Auch dem 1961 geborenen Dirk Skreber geht es in seinem Bild „Art Arfons mit unvorhergesehenen Problemen 2.0“ um die „Nichtbeherrschbarkeit der Technik“. Die Ausstellung endet mit dem skeptischen

Die Ausstellung ist vom 17. November 2020 bis 28. Februar 2021 zu sehen. Sie wurde gefördert von der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung sowie der Kunststiftung NRW.

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Vision und Schrecken der Moderne Industrie und künstlerischer Aufbruch

Von der Heydt-Museum Turmhof 8, 42103 Wuppertal www.von-der-heydt-museum.de 27

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Dirk Skreber, Art Arfons mit unvorhergesehenen Problemen 2.0“, 2007, Von der Heydt-Museum Wuppertal, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

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Freiheit für Eingeweihte Die Galerie Friedrich+Ebert in Wuppertal

„Ein Galerist sollte sich an Francis Bacons Ratschlag für Künstler erinnern: wissen, was war – also die Kunstgeschichte kennen. Wissen, was ist – also die aktuellen Trends und die Szene kennen. Und ein Thema haben, dem man sich widmet“, sagt Steffen

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Peter, um seine Auffassung der Arbeit eines Galeristen zu beschreiben. Doch nicht nur seine Arbeit, sondern auch die Lage, Räumlichkeiten und grundsätzliche Philosophie der Galerie Friedrich+Ebert lassen sich von diesen drei Punkten aus betrachten:

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Nina Fandler, Gefallener Apfel, Acryl auf Nessel, 2020

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Nina Fandler, City Baby, 62 x 52 cm, Acryl, 2019. Blick auf die Friedrich-Ebert-Straße

Das, was ist – Kunst im Jetzt und Hier Das, was war – inmitten der Geschichte

Gegenüber dem Haus, auf der anderen Straßenseite: zwei Symbole Wuppertals und seiner Geschichte. Die Schwebebahn fährt vorbei (wenn auch nicht mehr so oft); dahinter erhebt sich ein Schlot der Bayer-Werke in den Wuppertaler Himmel. Unten, auf der Wuppertaler Erde, zwischen Pizzerien, Bars und leer stehenden Ladenlokalen, untermalt vom stetigen Autoverkehr der B7, also ein kleines Schild in einem Wohnungsfenster. Auf dem Schild steht „Nina Fandler - Ausgeschlossen“. Es weist auf die aktuelle Ausstellung hin. Hier, inmitten dessen, was war, inmitten einer geschichtsträchtigen Umgebung, befindet sich die Galerie Friedrich+Ebert.

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Peter, Ante und die Künstlerin Nina Fandler sitzen in der Galerie, die ihr ehemaliges Dasein als Zweizimmerwohnung nicht versteckt, sondern charmant als charakterstiftendes Element nutzt. An den Wänden hängen Werke von Fandler. Farbenfrohe Arbeiten, changierend zwischen Traumwelt und Realität, zeigen sie mal Menschen, mal Muster, mal Natur. 31

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Zwei Räume im Erdgeschoss eines Elberfelder Altbaus. Nur ein schuhkartongroßes Schild in einem der beiden Fenster weist darauf hin, dass es sich hier nicht um eine herkömmliche Wohnung handelt.

Hinter den Fenstern befindet sich nicht, wie man annehmen würde, eine kleine Erdgeschosswohnung, sondern eine Galerie. Ja, kein Off-Space, kein Atelier, sondern eine Galerie. Darauf legen die Macher Steffen Peter und Simon Ante Wert: Friedrich+Ebert arbeitet prinzipiell nicht mit Fördergeldern. Ein solches Konzept ist möglich, auch dank der Umgebung. Die Mieten in Wuppertal sind niedrig und die Galerien nicht so zahlreich. Hier ist es verhältnismäßig günstig, gute Kunst zu zeigen. Gleichzeitig erlaubt die Stadt auch das Ausprobieren eigener Ideen und das Verfolgen persönlicher Interessen.

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Die Galeristen: Steffen Peter und Simon Ante

„Eine Sache, die uns besonders macht”, sagt Simon Ante und deutet dabei zum Fenster, das zur stark befahrenen Straße hin liegt, „ist die Tatsache, dass Kunst hier nicht hin gehört.“ Und meint damit wohl, dass man in dieser Umgebung keine Kunst erwarten würde. Denn Kunst gehört natürlich überall da hin, wo man sie hin holt. Friedrich+Ebert erschließt, im wörtlichen und im übertragenen Sinne, neue Räume für die Kunst. Das zweite, alles entscheidende Thema bei Friedrich+Ebert ist die Qualität. Galerist Steffen Peter nimmt sich die Freiheit, entscheiden zu dürfen, was für ihn und seine Galerie gute Kunst ist und was nicht. Welche Kunst zur Linie von Friedrich+Ebert passt und wie sie ausgestellt wird.

Die Künstlerin Nina Fandler und Steffen Peter

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Das, worum es geht – Inhalt, Thema, Profil

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Die Galerie „Friedrich+Ebert“ steht thematisch für figurative Malerei. Ein Genre, das laut Peter im aktuellen Galeriebetrieb eher unterrepräsentiert ist. In Zeiten, in denen viele auf Installation und Performance setzen, hängen bei „Friedrich+Ebert“ eben figurative Werke wie die von Nina Fandler oder als Nächstes von Thorben Eggers. Neben diesem inhaltlichen Pfeiler sind den beiden Machern zwei Themen in ihrer Arbeit besonders wichtig. Zum einen: Freiheit. Tun zu können, was man möchte. Den eigenen Interessen folgen, ohne Rücksicht zu nehmen. Daher auch die prinzipielle Verweigerung von Fördergeldern, daher wohl auch die Wahl einer untypischen Lage.

Der Rahmen, in dem bei Friedrich+Ebert die Kunst präsentiert wird, ist ungewöhnlich. Infrastrukturell wie architektonisch. Es ist weder eine Stadt noch ein Stadtteil, in der von Galerie zu Galerie flaniert wird. Friedrich+Ebert muss man finden. Oder man muss wissen, was man sucht. Diese Lage ist der letzte Beweis für die viel beschworene Qualität. Wenn eine Arbeit hier an der Wand hängt. An einer weißen Wand, in einer renovierten ehemaligen Wohnung gegenüber einer Chemiefabrik, direkt an einer Hauptverkehrsstraße. Wenn die Arbeit hier an der Wand hängt und immer noch Kunst ist und nicht nur wie Kunst aussieht, dann hat es sich gelohnt. Für die Macher der Galerie „Friedrich+Ebert“ aber auch für die Eingeweihten. Rasmus Zschoch Fotos: Willi Barczat

Nächste Ausstellung: Thorben Eggers

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Samstag, 10. Oktober bis Samstag, 14. November 2020 Friedrich+Ebert Galerie für zeitgenössische Kunst Öffnungszeiten: samstags von 12 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung Friedrich-Ebert-Straße 236, 42117 Wuppertal Mail: galerie@friedrichundebert.de Tel.: 0178/1433363 facebook.com/friedrichundebert instagram.com/friedrichundebert

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Lyrik-kiryl

feuchtes toilettenpapier feuchtes toilettenpapier mit mandelöl ich denk‘ an dir so ganz voll vööl feuchtes toilettenpapier mit mandelöl Auf es . Auf es . Mit gebrööll . feuchtes toilettenpapier mit honiggeschmack kommt auf meinen toast – zak zak zak . feuchtes toilettenpapier mit erdbeeraroma tipp: schnupper‘ nicht dran , sonst jahreskoma feuchtes toilettenpapier mit pistazien kribbelt ein bißchen , eine geht auch rinn‘ feuchtes toilettenpapier mit nägeln drauf ist nur für den einmaligen gebrauch . - DbZ 4-20 - 33 Einzelform - 23.09.2020 - 08:03:37 - Yellow Black -- - E-Plott Cyan Magenta E-Plott -E-Plott E-Plott

Mitch Heinrich, 18. Mai 2020

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Bernd Uwe-Marszan, Foto: Maarten Vanden Abeele

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Dominique Mercy, Foto: Maarten Vanden Abeele

„Meer ohne Wasser“ – „Das Stück mit dem Schiff“ Ein Gespräch zwischen Stefan Dreher, Dramaturg des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, und dem Tänzer Bernd Uwe Marszan

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Am 21. November wird die aufwändige Rekonstruktion „Das Stück mit dem Schiff“ von Pina Bausch, Uraufführung 1993, im Opernhaus Premiere haben. Die Leitung haben Barbara Kaufmann, Helena Pikon, Julie Anne Stanzak zusammen mit der israelischen Choreographin und Regisseurin Saar Magal. Mit dieser Neueinstudierung eröffnet das Tanztheater Wuppertal die Veranstaltungsreihe „Pina Bausch Zentrum under construction“.

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Dreher: Ist dann die Bühne und was auf ihr passiert - im Besonderen in einem Stück von Pina Bausch – eine Wahrheit der Welt, die wir sonst nicht sehen? Marszan: Auf der Bühne geht es vielleicht erst einmal darum, an etwas zu glauben. In der Lichtburg gab es keine Diktatur der Wahrheit, sondern ein Suchen und auch ein Scheitern an ihr. Es geht auch darum, eine Wahrheit wiederholen zu können, sie immer wieder neu zu finden und zu behaupten. Das ist eine unglaubliche Herausforderung. Da gibt es für mich Dinge, die helfen, im Moment zu bleiben. Das ist sicher ein Loslassen. Das kann dann in Richtung Ekstase oder Erotik gehen, Werkzeuge, um wieder in mein Gefühl zu kommen, um auch eine bestimmte Haltung, eine Dynamik in mir wiederzufinden.

Dreher: Du hast damals die Premiere getanzt und deine Rolle kreiert. Erinnerst du dich, wie das war, zum ersten Mal die Bühne zu betreten, um plötzlich am Strand zu stehen, im Schatten eines Schiffes, das dort gestrandet ist?

Dreher: Dein wunderbarer Tanz im Stück mit dem Schiff ist wie selbstvergessen, ekstatisch und sinnlich. Kannst du beschreiben, wie sich die Haut beim Tanzen anfühlt, wenn die Luft um dich herum in Bewegung gerät, der Sand fliegt?

Marszan: (lacht) Das Strandbild ist verlockend, aber so hat es sich nie angefühlt, wie ein Strand. Außerdem gibt es zu dem Schiff und dem Sand auf der Bühne im zweiten Teil auch noch Lianen, an denen man klettert und schwingt, Videoprojektionen, ein kleineres Boot, und es regnet und blitzt.

Marszan: Die Haut ist ein wichtiges, sinnliches Organ von immenser Größe. Sie ist außerdem das größte Organ des menschlichen Körpers mit vielen wichtigen Aufgaben. Ich muss leider sagen, dass das Tanzen im Sand, genauso wie das Fußballspielen, eine unvergleichbar anstrengende Angelegenheit ist. Der Sand ist weich und reagiert während der Abdruckphase am Boden sehr träge. Dadurch kann die gesamte Kraft nicht wie gewohnt in die nächsten Schritte übertragen werden. Außerdem ist es auch eine Frage an die Koordination und Stabilität im Körper. Das musste ich jetzt mal loswerden, da ich ja nun den Beruf eines Physiotherapeuten ausübe.

Dreher: Du hast mir vom Aralsee erzählt, kannst du das nochmal wiederholen? Marszan: Soweit ich mich erinnern kann, entwickelte Peter Pabst die Idee zum Bühnenbild von „Das Stück mit dem Schiff“ aus Bildern der Verwüstung des Aralsees, die da-

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„Meer ohne Wasser“ – „Das Stück mit dem Schiff“

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Das von zarter Melancholie, feinsinnigem Humor und großer Tanzlust geprägte Stück zeigt eine gestrandete Gesellschaft an einem verlassenen Ort. Ein Strand ohne Meer, ein Schiff ohne Wasser. Aus dem Alltag gerissen, zwischen Verletzlichkeit und Überlebenswillen, Selbstverlust und Triumph um sich selbst ringend, tanzen alle, als ginge es um ihr Leben. Das selten gespielte Stück wurde zuletzt vor 24 Jahren in Saitama, Japan, gezeigt. Seine Rekonstruktion durch das Ensemble und die israelische Künstlerin Saar Magal bildet den Auftakt für den „Aufschlag“ im alten Schauspielhaus. Bernd-Uwe Marzan, heute Physiotherapeut des Tanztheaters Wuppertal, war einer der Tänzer der Urbesetzung. Er studiert seine einstige Rolle sowie einige andere mit der neuen Besetzung ein. Der Dramaturg Stefan Dreher, Choreograf und selbst lange Tänzer, ist Referent der künstlerischen Leitung für das Tanztheater Wuppertal und zudem Yogalehrer für die Kompanie.

mals um die Welt gingen. Der große Salzsee in Zentralasien - dessen lang andauernde Austrocknung um die Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert eine der weltweit größten vom Menschen verursachten Umweltkatastrophen darstellte. Die Ufer des Aralsees zogen sich zurück, immer mehr, bis sie nicht mehr sichtbar waren. Dadurch gab es eine andere Realität als vorher. Immer mehr kleinere Handelsschiffe, Fischerboote und ganze Häfen lagen nun in einer Wüste aus Sand und Salz herum. Fische starben durch die entstandene Versalzung des Wassers. In dieser Umgebung gab es Menschen, alleine oder mit ihren Familien, die mit all ihren Kräften versuchten, gegen dieses unbeschreibliche Schicksal anzukämpfen und ihr Leben zu gestalten. Dieses Bild war immer in meinen Gedanken, wenn ich bei diesem Stück auf die Bühne ging.

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Ensemble, Foto: Maarten Vanden Abeele

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Dreher: Hattest du damals vor etwas Angst, das heute keine Rolle mehr spielt, dich damals aber sehr beschäftigt hat?

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Marszan: Meine größte Angst, die mich lange begleitete, hatte viel mit Pinas Arbeit im Tanztheater zu tun; nicht erfüllen zu können, was von mir erwartet wird. Heute ist da keine Angst mehr. Mein erweitertes Wissen durch die Ausbildung zum Physiotherapeuten und die langjährige Erfahrung als professioneller Tänzer helfen mir sehr, die notwendige Gelassenheit zu haben und Entwicklungsprozessen ihre Zeit zu lassen. Das hat mir damals gefehlt. - Über das Wissen entsteht ein neuer Bezug zu Bewegung, Körper, Geist und Seele. Dieses Wissen gebe ich heute als Therapeut an die Tänzer weiter. Ich habe das Gefühl, als Physiotherapeut und Tänzer viel mehr sehen und verstehen zu können.

Dreher: Kann man Tanzen überhaupt lernen, weitergeben? Marszan: Ein klares Jein! Es wird immer etwas anderes und ähnelt sich doch. Andere Gefühle, andere Geschichten, und trotzdem soll die Verbindung zum Stück nicht verloren gehen. Das ist wirklich ein Mysterium. Wenn dich eine Bewegung glücklich macht, gehört sie dir, und die Bühne und das Tanzen werden wie ein Spiegel, in dem man sich entdeckt und für andere sichtbar wird. Da geht es um Lust am Spiegeln, am Austausch, und da kann man auch Tänze tauschen, Rollen und ja, tanzen lernen. Wenn man zum Beispiel sein eignes Solo mit jemandem einstudiert, ist es grob gesagt ein Prozess von Finden und Gefundenwerdenwollen, auf allen Ebenen, die die Tänzer und den Tanz betreffen. Das gilt für beide Seiten, so lange, bis es irgendwann passt

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oder bis es keine Fragen mehr gibt. So ist es verständlich gesagt, auch wenn es in Wirklichkeit ein ganz komplexer Prozess ist. Dreher: Würdest Du heute noch einmal Tänzer werden? Ich meine, Bühnentänzer? Marszan: Ja, und zwar sehr gerne. Ich würde nur auch gerne viel früher damit anfangen dürfen und nicht erst mit 20 Jahren. Der Tanz und die Bewegung haben mich um so vieles bereichert, dass ich mir gar kein anderes Leben vorstellen möchte. Meine Erfahrungen könnte ich mir mit keinem Geld der Welt kaufen. Dreher: Kann Tanzen die Welt retten? Marszan: Ja! Ich bin der festen Überzeugung, dass Bewegung, im Sinne von Tanz, die Welt retten kann. Schließlich besteht die Kommunikation zu 70 Prozent aus nonverbaler Kommunikation. Das kann in vielen Fällen die Wogen glätten und helfen, sich besser zu verstehen und friedvoller miteinander umzugehen. Dreher: Wer war für dich die einflussreichste Person in deinem Leben?

Dreher: Welche war die größte und bedeutendste Entscheidung, die du mal treffen musstest? Marszan: Die Entscheidung, Tänzer zu werden. Es war ein Abschied ohne Ende. Ein Abschied von einem Ort, Freunden, Gewohnheiten, Familie, von Begegnungen; ein Abschied von einem bürgerlichen Dasein und Denken. Abschied davon, dass es irgendwann einmal eine Routine gibt. Gleichzeitig natürlich auch ein herzliches Willkommen in einer anderen Realität. Ich habe diese Entscheidung bisher nicht bereut.

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Marszan: Wenn ich es nicht schaffe, ehrlich zu sein, dann möchte ich wenigstens nett bleiben. (lacht) Mehr kann ich dazu nicht sagen. Bernd Uwe Marszan studierte Bühnentanz an der Folkwang Hochschule in Essen unter der Leitung von Pina Bausch, die ihn schon während seines Studiums für mehrere Produktionen als Gasttänzer in ihr Tanztheater holte. 1988 erhielt er den Tanzpreis der Josef und Else Classen Stiftung für herausragende Leistungen im Bereich Klassischer und Moderner Tanz. Im Anschluss an sein Studium absolvierte er die Meisterklasse bei Prof. Jean Cébron in den Fächern Moderner Tanz (Jooss-Leeder-Technik) und Choreografie. Von 1989 bis 2001 war er Solist im Tanztheater Wuppertal Pina Bausch und wurde später, bis zu Pina Bauschs Tod, immer wieder als Gast für verschiedene Stücke eingeladen. 2000 gründete er das prozessorientierte Arbeitsforum Körpertexte, eine Plattform bildender und darstellender Künstlerinnen und Künstler aus der internationalen Künstlerszene, die an der Weiterentwicklung zeitgemäßer „Körperaussagen“ arbeitete. Der Fokus lag in der Entwicklung von Tanz- und Theaterstücken sowie Performances und choreografischen Installationen. Innerhalb eines internationalen Netzwerks kooperierte Marszan mit internationalen Festivals, Tanz- und Theaterhäusern. Als Choreograf arbeitete er auch an den Schauspielhäusern in Dresden, Düsseldorf und Wuppertal. Im April 2013 legte er erfolgreich das Staatsexamen als Physiotherapeut ab, arbeitete einige Zeit zunächst sporadisch für das Tanztheater und übernahm dann im März 2019 die physiotherapeutische Leitung im Ensemble.

„Das Stück mit dem Schiff“ Ein Stück von Pina Bausch Uraufführung Wuppertal, 1993 Rekonstruktion, 21. November 2020, 19.30 Uhr Probenleitung Barbara Kaufmann, Helena Pikon, Julie Anne Stanzak, Gast: Saar Magal Opernhaus Wuppertal 22., 29. November um 18.00 Uhr 21., 24., 25., 26., 27. November um 19.30 Uhr Vorverkaufsbeginn 25. September 2020 pina-bausch.de, Kulturkarte 0202 563 7666 37

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Marszan: Pina. Weil sie so an mir interessiert war, ohne dass ich mich beschwert gefühlt habe. Das ist mein subjektiver Eindruck. Ihr Warten, bis es dann soweit ist, (die Bewegung, der Tanz, das Gesprochene, das Gespielte, etc.) ging über Kunst hinaus ins Leben hinein und man sah es an ihrem Blick, wenn etwas dann stimmte. Wie Christoph Schlingensief, der mit einer komplexen Situation umgehen konnte, ohne sie zu vereinfachen. Das konnte Pina auch. Das Lebendige, das im Chaos zu finden ist, war ein Weg, eine Entscheidung, die mich am meisten in der Arbeit mit Pina beeindruckt und beeinflusst hat.

Dreher: Was ist dir wichtiger, ehrlich oder nett zu sein?

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Future Now!

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Die Zukunft ist weiblich

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Vom 21. bis 23. August – inmitten der Pandemie – präsentierte ein Team von Künstlerinnen und Musikerinnen mit FUTURE NOW/ Edition Musik in Wuppertal ein Festival mit einer Programmgestaltung, die kaum bunter und mutiger hätte sein können. Hier berichten sie selbst. „Nur FRAUEN auf der Bühne“ war unsere erste und wichtigste Vorgabe. Das coronabedingte Hygienekonzept führte uns zu der zweiten Vorgabe: dem Wetter zum Trotz ein reines OutdoorFestival zu veranstalten. Die dritte Vorgabe bestand darin,

eine maximale, undogmatische Bandbreite der Genres anzubieten. Von unserer vierten Vorgabe (die eigentlich unsere allererste war), nämlich unserer politischen Motivation, wollen wir später berichten. Das Ergebnis ließ sich jedenfalls sehen und hören. An drei Tagen boten wir Musik mit Percussion, Performance, Violine, Kugelbahn, Urtin-Duu, Stimme, neuer Musik, Gitarre, Glam Grunk, Bass, Punk, Beats, Performance, Loopstation, Jazz, Turntables, Saxofon, Improvisation, verstärkten Nähmaschinen, Rap, Akkordeon und Afrofuturism. Zwei Tage

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davon fanden im Mirker Bad statt. Die Bühne befand sich im leeren Becken, das Publikum stand drum herum und saß auf der Wiese in freudiger Erwartung, dass endlich mal wieder etwas stattfand. Durch unsere kontrastreichen musikalischen Angebote konnten wir Menschen mit einer Alterstspanne von 16 bis über 80 Jahren ins ehemalige Freibad locken. Die Fans der Club-Musik von DJ Gin Bali und DJ Gretchen zeigten genauso viel Offenheit für die KlassikDarbietung von Angelika Sheridan (Querflöte) und Pauline Buss (Viola) wie die Jazz-Freunde, die dann besonders durch die Darbietung von Maria Portugal (Schlagzeug) und Ange-

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lika Niescier (Saxofon) auf ihre Kosten kamen. Auch hinter der Bühne sollten nur Frauen stehen. Das Technikteam rund um Maren Donners schuf einen fetten, aber präzisen Sound auf dem Festivalgelände. Anna Mrowald setzte mit ihrem Lichtkonzept nicht nur die Künstlerinnen ins richtige Scheinwerferlicht, sondern auch neue Akzente im alten Freibad. Die Bühne bot Platz für lange und konzentrierte Sets. Alle Musikerinnen konnten sich hier ausbreiten und wurden aufmerksam gehört und gefeiert. 39

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Future Now, GinBali2, Foto: Lisa Domin

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Maria Portugal, Foto: Betty Schiel

Spannend, dass unsere Artists in Residence Stephanie Müller (Klangobjekte/Performance) und Elisabeth Flunger (Klangobjekte/Percussion) sich dafür entschieden hatten, die Eröffnungs-Performance mit kleinem Equipment neben der verführerisch großen Bühne zu zeigen. Mitten im Becken agierten die beiden Frauen mit entschlossener Präzision, an Schrott-Modulen – zu Klangkunst erhöht – und mit einem nie gesehenen Instrument aus Schwimmbrettern und Nähmaschine. Hierdurch wurde unser politisches Statement ziemlich feinsinnig und kritisch verstärkt: klein und dreckig, groß und professionell – das alles sollte möglich sein. Letztendlich erübrigte sich auch die Frage, ob die Punkband Lilly Havoc „punkiger“ war als das Quartett der improvisierten Musik mit Gunda Gottschalk, Ute Völker, Saadet Türköz und Bo-Sung Kim (Violine, Akkordeon, Stimme, Percussion) oder als Elisabeth Flunger, die Hunderte von Bällen über einen Abhang von Schrott hinunterkullern ließ. Unter dem Titel „Dis-Kurs. Sprechen über den Stand der Dinge“ versammelten sich rund 50 Frauen morgens am Festivalsamstag im Schwimmbad, um in drei Gruppen den Status Quo zum Thema „Frauen in der Kunst“ aus verschiedenen Blickwinkeln zu diskutieren.

Gunda Gottschalk, Bo-Sung Kim, Saadet Türköz und Ute Völker, Foto: Christel Türk

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Dis-Kurs Frühstück, Foto: Betty Schiel

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Unsere anfangs erwähnte vierte Vorgabe fand hiermit einen zentralen Ausdruck. Denn gestartet sind wir (zunächst nur Gunda Gottschalk und Ute Völker) von der Beobachtung des alltäglichen Musiklebens. Sowohl von der Warte der Veranstalterinnen als auch von der Perspektive der praktizierenden Musikerinnen aus haben wir uns die Frage gestellt: Wo sind eigentlich all die gut ausgebildeten Frauen auf unseren Bühnen? Vielerorts sind die Festivals und die Veranstaltungsorte leider nur mit 20-prozentigen Frauenanteilen bestückt. Wir beriefen bereits 2017 eine Runde mit drei weiteren Festivalmacherinnen aus Film und darstellenden Künsten des Ruhrgebiets ein: Stefanie Görtz, Betty Schiel und JohannaYasirra Kluhs. Zu fünft machten wir uns auf, um zu zeigen, wem die Zukunft auf der Bühne gehören wird: den Frauen! Schnell wurde klar, dass wir unser Ziel nur erreichen können, wenn wir weitere Komplizinnen finden. Und da gingen die Kontroversen schon los: Taugt das Frausein schon zum Common Ground? Können wir nach der GenderWende überhaupt noch so einfach von Frauen sprechen? Ist der gemeinsame Nenner das biologische Geschlecht – oder

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Elisabeth Flunger und Stephanie MĂźller,

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Foto: Betty Schiel

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Eröffnung des Festivals mit den Klängen von Schwirr-Hölzern, Foto: Betty Schiel

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Lilly Havoc, Foto: Betty Schiel

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meinen wir doch das soziale? Wie kann man dieses Spektrum möglicher Definitionen abbilden - und wo muss man sich damit zufriedengeben, dass das nicht möglich ist? Die feministische Theoriearbeit schien irgendwie die Realität überholt zu haben. Aber eigentlich hat sie doch hier angefangen? Wir gingen also auf eine Reise in die Zukunft in unserer ganz konkreten Gegenwart. Wir besuchten: das Schwarze Haus im Unterhaus in Düsseldorf. Gegründet von den Künstlerinnen und Kulturmacherinnen Miriam Owusu-Tutu, Mbingo K. Itondo und Karen Peprah-Gyamfi, unterstützt das Kollektiv schwarze Netzwerke, leistet Repräsentationsarbeit und zelebriert mit Themenabenden, Kooperationen und Musik schwarze Kultur. Sie luden wir ein, als Ko-Kuratorinnen einen Act zu programmieren. So entdeckten wir die Musikerinnen Kaleo Sansaa (Gesang) und DJ Queen T.

Und last but definitely not least wandten wir uns an das YAYA-Netzwerk aus Wuppertal. Das intersektionalfeministische Netzwerk kunst- und kulturschaffender Geschlechterminderheiten will auf allen Ebenen dafür sorgen, dass die Kunst- und Kulturszene ein ausgewogenes, realistisches Bild der Gesellschaft darstellt. Der Schlüssel dazu liegt in der Erprobung einer umgreifenden solidarischen Praxis: innerhalb des Netzwerks und weit darüber hinaus. Die Mitglieder von YAYA haben unser Festival-Klima wesentlich mitgestaltet. Mit ihrem Awareness-Team garantierten sie die Sicherheit und das Wohlbefinden aller Festival-Gäste. Sie richteten einen Rückzugsraum ein und waren zuständig für ein respektvolles Miteinander auf dem Festivalgelände. Durch ihre ruhige beobachtende Präsenz sorgten sie rundum für eine angenehme und friedliche Atmosphäre, in der auch die Grenzen einzelner Menschen (besonders Frauen) gesehen und gewahrt und manchmal auch aktiv verteidigt wurden.

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Nassen Hauptes wurde uns klar: Unsere Zukunft und damit auch die Option auf eine weitere Ausgabe von FUTURE NOW ruht auf einem fundamentalen Dreiklang: Verschiedenheit, radikales Interesse, Respekt. Das Ergebnis der diesjährigen Edition war ein verblüffend deutliches und inspirierendes Wochenende, das spontan alle Besucherinnen und Besucher glücklich gestimmt hat. Das Ergebnis motiviert uns, weiterzugehen: Unter der Prämisse „Kontrolle abgeben, Verantwortung annehmen“ werden wir uns selbst und andere mit einer Edition Future Now 2022 überraschen. Gunda Gottschalk, Stefanie Görtz, Johanna-Yasirra Kluhs, Betty Schiel und Ute Völker

Literatur sei überflüssig, meinen selbst Dichter und Denker – und es stimmt: Sie fließt über die Ränder unserer kulturellen Gefäße, transportiert Antworten und Fragen, verbindet Regionen und Länder, stellt in ihrem Fließen Gegenwart dar. Das KARUSSELL legt in diesem besonderen Jahr – den Verhältnissen zum Trotz – zwei Themenhefte vor: Was wollen wir werden? (Nr. 12, Juni) und Unsere Kriege im Frieden (Nr. 13, November). Essay, Prosa, Lyrik und Kunst zum Thema; Broschur, 96 S., 12,– Fließen Sie mit und nicht davon! www.zeitschrift-karussell.de www.bergischerverlag.de/karussell (Shop)

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Und wir statteten dem Salon der Perspektiven im Ruhrgebiet einen Besuch ab. 2018 wurde der Salon als Zusammenschluss für Empowerment und Repräsentanz marginalisierter Perspektiven gegründet. Als mobiler Ort des Denkens arbeiten hier Frauen für neue Formen der Zusammenarbeit, der Solidarität und des Austauschs in Kunst und Wissenschaft. Sie leiteten am Dis-Kurs Vormittag die Gruppe zum Thema: Austausch über die Situation von „Women of Colour“ und deren Stärkung im kulturellen Leben.

Am Sonntagvormittag, dem dritten Tag unseres Festivals, schwärmten wir dann aus dem wunderschönen Mirker Freibad hinaus in die Stadt: Im Vohwinkler Bahnhof wurden wir von Baadmas eindringlichem Urtiin-Doo-Gesang gesegnet und bewegten uns anschließend mit Fahrrädern zusammen mit einer DJ-Perfomance von Gin Bali in der Rikscha zu neuen utopischen Orten. In Utopia Stadt beendete die Wettergöttin, die uns die ganzen drei Tage lang wohlgesonnen war, das Festival mit einem kräftigen Regenguss.

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Wuppertaler jazzMeeting 2020 Bindeglied in Sachen Jazz

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„Nachdem klar war, dass das jazzMeeting 2019 leider ausfallen würde, hatten wir die Möglichkeit, das Folgejahr von langer Hand vorzubereiten.“ Das erzählt Musiker und Veranstalter Ulrich Rasch im Spätsommer dieses Jahres; niemand konnte natürlich ahnen, dass das Jahr 2020 insgesamt sehr anders verlaufen würde. Ulrich Rasch, Mitbegründer des openSky e.V. und seit 2004 im Jazzmeeting-Boot berichtet weiter, dass eine ganze Jazz-Woche an unterschiedlichsten Orten geplant war - und ist: „Wegen der coronabedingten Abstandsregelungen sind jetzt leider Veranstaltungsräume weggefallen. Trotzdem können wir unseren ursprünglichen Plan in einer etwas verkleinerten Version in die Praxis umsetzen.“ Neben der inhaltlichen Vielfalt zeichnet nämlich noch etwas Besonderes das jazzMeeting aus: Zwar fand es von 2003 bis 2012 immer auf zwei Bühnen im Café Ada statt, mit Gründung des Vereins openSky im Jahr 2013 jedoch gehörten wechselnde Locations und die Ausweitung auf zwei bis drei Konzerttage fortan zum Konzept. „Wir sind ein Verein ohne eigene Spielstätte. Das trägt auch dazu bei, dass wir nicht nur musikalisch ein verbindendes Element sind“, so Ulrich Rasch. Ein spannender Mix aus Wuppertaler und externen Jazzmusikerinnen und Jazzmusikern, das ist die grundsätzliche Idee für die erfolgreiche Festivalreihe. Allein 2018 reichte unter dem Motto „Gedanken sind frei“ die Bandbreite von Berlin über Frankfurt bis Straßburg. Aktuell sollte gar eine kanadische Formation an Bord sein - auch das ist aber

Andrea Galluccio, Foto: Immanuel Gehlmann

aus bekannten Gründen nicht möglich. Dann und wann stoßen eben auch Möglichmacher an ihre Grenzen. Das rüttelt aber nicht am Fundament: „Was immer wichtig war und bleibt, ist die Kooperation mit Machern und Musikern aller Jazz-Richtungen!“ Ulrich Rasch ist in der Wuppertaler Jazzszene verwurzelt und seit den 80er-Jahren in und mit ihr aktiv; da kennt man ebenso Besonderheiten wie auch Befindlichkeiten. Und so gibt openSky einer Sache, die in den ersten zehn Jahren ein loser Zusammenschluss aus zahlreichen Jazzbegeisterten war, einen klar formulierten Rahmen, der auf Zusammenarbeit setzt. Das gilt inhaltlich wie formal: „Wir sind immer sehr bemüht, frühzeitig den Termin fürs jazzMeeting in die Szene zu geben, um anderen nicht in die Quere zu kommen“, nennt Ulrich Rasch ein Beispiel und ergänzt: „Als wir das jazzMeeting in den Riedel-Hallen veranstaltet haben, gehörte auch zum Konzept, anderen Wuppertaler Veranstaltern dort kostenfreie auch digitale - Werbefläche zur Verfügung zu stellen. Eine gute Gelegenheit, sich darzustellen und zu präsentieren.“

Stephan-Max Wirth, Foto: Anke Hopfengart

Vor 17 Jahren stand es zum ersten Mal im Veranstaltungskalender für Wuppertal. Und sehr schnell war klar, dass das „jazzMeeting“ nicht nur bergische Besucher begeistern würde. Die feste Größe im Konzertherbst hatte seitdem nur eine kurzfristige Unterbrechung im vergangenen Jahr. 2020 agieren die Veranstalter unter erschwerten Corona-Bedingungen und mit klarer Botschaft: Let’s work together!

Veranstalter mit ins Boot zu bekommen, war dann eben auch für das diesjährige Festival sehr wichtig. „Alle, denen wir von unserer Idee erzählt haben, waren begeistert. In Sachen Jazz-Woche haben wir wirklich offene Türen eingerannt.“ Und so findet das jazzMeeting auch im Schatten der Pandemie statt, auf der openSky-Website heißt es fast schon trotzig: „Das 17. Wuppertaler jazzMeeting wird 2020 stattfinden.“

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Karolina Strassmayer und Drori Mondlak, Foto: Helge Strauss

Am 31. Oktober werden zwei Acts das Festival in Kooperation mit dem JazzClub im LOCH eröffnen und dabei gleichzeitig die Spannweite des heutigen Jazz abbilden: Der in Wuppertal lebende Gitarrist und Live-Loop-Performance-Musiker Andrea Galluccio wird die Location gemeinsam mit Lichtkünstler Gregor Eisenmann in Sound und Farbe tauchen; der Berliner Saxofonist Stephan-Max Wirth - gerade erst mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik in der Kategorie Jazz ausgezeichnet - stellt dieser Performance im Quartett als Stephan-Max-Wirth-Experience klassischere Spielarten gegenüber.

Schweizer Jazzschlagzeuger Dominic Egli mit seinem Projekt PLURISM zu Gast im Turmhof des Von-der-Heydt-Museums. Zum Abschluss am 6. und 7. November schließlich ist der Barmer Bahnhof „the place to be“: Am ersten Abend treten hier das Trio des aus Remscheid stammenden und bis vor zwei Jahren in Wuppertal lebenden Gitarristen und „Jazz Echo“-Preisträgers 2018, Hanno Busch, und die im Iran geborenen Saxophonistin und Thereminspielerin Gilda Razani mit ihrer Band About Aphrodite auf. Der 7. November beschließt das Jazzmeeting 2020 mit dem Gewinner des WildCardContest sowie Karolina Strassmayer (WDR Big Band) und Drori Mondiak mit Ihrer Band KLARO! Lokal ergänzt wird der Abend von einer für den Festivalabschluss kreierten Wuppertaler Besetzung mit dem Didgeridoospieler und Sufimusiker Marvin Dillmann (u. a. Arijit Singh und Yaniv d’Or & Ensemble NAYA), dem Pianisten Daniel Bark und Salomé Amend (Percussion/ Electronics). Jörg Degenkolb-Degerli

An fünf weiteren Tagen erstreckt sich das gesamte Programm dann bis zum 7. November. Im Ada treten am 2. November mehrere Bands in den WildCardContest, bekannt als Newcomer-Wettbewerb der Wuppertaler Jazzsession. Auf die Gewinner wartet ein von der Cronenberger Firma Knipex gesponserter attraktiver Preis sowie ein Auftritt am Abschlussabend. Die Deutsch/Nigerianische Sängerin Tokunbo hat gerade 2020 den International Acoustic Music Awards (IAMA) in der Kategorie ‚Best Female Artist‘ gewonnen und kommt nun am 4. November mit Ihrer Band für zwei Konzerte in den Elberfelder Kontakthof. Am 5. November ist dann der About Aphrodite mit Gilda Razani, Foto Tania Reinicke

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31. November 2020

Jazzclub im LOCH

Foto: Andreas Salmon

Stephan-Max Wirth – Experience Andrea Gallucio, Gregor Eisenmann und Gast 2. November 2020

Café ADA

WildCardContest Newcomer Wettbewerb der Wuppertaler jazzSession 4. November 2020

Kontakthof

Tokunbo & Band 5. November 2020

Von der Heydt-Museum Dominic Egli – Plurism 6. November 2020

Barmer Bahnhof

Hanno Busch Trio, Gilda Razani – About Aphrodite 7. November 2020

Barmer Bahnhof

WildCardContest Sieger/Siegerinnen-Band Marvin Dillmann, Salome Amend, Daniel Bark & Gast Karolina Strassmayer & Drori Mondlak – KLARO! Weitere Infos unter www.jazzMeeting-Wuppertal.de Ticketverkauf über Wuppertal-live.de 45

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Marvin Dillmann,

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HOPE – Die Kunst der Transformation

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Ein Besuch im „Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste“

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46 Foto: Thea Kuhs

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HOPE – Die Kunst der Transformation Ein Besuch im „Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste“

In einem alten Industriegelände in KölnDeutz, dem „Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste“, fand vom 15. August bis zum 12. September eine „Transdisziplinäre ZukunftsWerkStadt“ statt – „HOPE – Die Kunst der Transformation“. Schwerpunkt war hierbei der Themenbereich Klima und Mobilität. Eine Woche nach ihrem Auftakt machte sich eine kleine Solidaritäts-Expedition aus Wuppertal auf den Weg in die benachbarte Stadt am Rhein. Recht spontan war die Einladung durch die Initiierenden erfolgt; unter Transformationsbegeisterten kennt man sich und hält einander über Projekte und Veranstaltungen zum Thema auf dem Laufenden.

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Der Konvoi aus (Lasten-)Rädern legte eine erste Station im Bahnhof Vohwinkel ein. Kunst trifft Kunst: Zeitgleich erklang in der Bahnhofshalle der bewegende Gesang einer mongolischen Sängerin, Konzert des „future now“-Festivals. Direkt aus der Engels-Ausstellung überreichte Eckehard Lowisch den Konvoi-Teilnehmenden einen jungen Engels. So gesellte sich eine schwebebahngerüstgrüne, etwa einen Meter hohe Skulptur zu den anderen Kulturgütern, mit denen die Räder reichlich bestückt waren. Dazu gehörte ein Engels-Bild des Malers Christian von Grumbkow, eine Fotografie der Künstlerin Bianca Baierl, ein Bildband der Immobilie „Kaiser&Dicke“, eine Sammlung von Ausgaben des Kulturmagazins „die beste Zeit“, ein Stapel von Utopiastadt-Publikationen und ein Bierkasten „Bärtig Bräu“ aus dem „Hutmacher“ im Mirker Bahnhof. Mit den ebenso spontan wie aktuell zusammengesammelten Kulturgütern wollten die Teilnehmenden ein erstes Zeichen setzen, um einen Austausch zwischen Wuppertal und Köln anzuregen.

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Foto: Thea Kuhs

Foto: Uwe Schneidewind

Der HOPE-Konvoi war ein Resultat spontaner Vernetzung. Er bestand aus dem Mobilitätsexperten Tobias Maria Freitag, dem Musiker Karlo Alaska Wentzel, dem Schüler Paul Preute, dem renommierten Nachhaltigkeitswissenschaftler und ehemaligen Präsidenten des Wuppertal Instituts, Uwe Schneidewind, der im Beirat des Deutzer Kulturwerks ist, und mir, Uta Atzpodien, Dramaturgin und alle verbindende Netzwerkerin. Gemäß der Maxime von HOPE nutzten wir die Vorteile eines flexiblen Umgangs mit klimafreundlicher Mobilität und stiegen in einen Zug nach Köln-Mülheim. Vom Bahnhof waren es dann nur wenige Minuten bis zu unserem Ziel. Dort nahmen uns die Initiatoren des „Deutzer Zentralwerks der Schönen Künste“ Anja Kolacek und Marc Lessle mit Team in Empfang und mit Begeisterung unsere Gaben entgegen. Mit noch größerer Begeisterung führten sie uns auf dem Gelände der ersten Gasmotorenfabrik der Welt herum, und wir erhielten Einblick in die vielfältige Arbeit des Zentralwerks, einem Stadtkunstprojekt, das den gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung tragen will und „Diskursräume“ über Stadtentwicklung entstehen lässt.

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Wir hatten uns vor Ort mit dem Wuppertaler Journalisten Martin Hagemeyer verabredet, der schon bei der Festivaleröffnung zugegen gewesen war. Von Berufs wegen und aufgrund seines besonderen Interesses für das Thema Transformation hatte er sich bereits eingehend im Zentralwerk umgeschaut. Wir wollten mit ihm über seine Eindrücke sprechen.

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UA: Martin, wie hast du diesen Ort, das „Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste“, und das Projekt, die Zukunftswerkstadt „HOPE – Die Kunst der Transformation“, wahrgenommen?

Foto oben: Daniela Raimund, Foto unten: Thea Kuhs

MH: Von dem Projekt in Deutz wusste ich zunächst wenig. Zur Eröffnung, inzwischen war ich mäßig im Bilde, empfing mich beim Anmarsch zum Zentralwerk ein schroffes Szenario aus alten Fabrikmauern, und meine ersten Gedanken dabei erwiesen sich als nicht ganz unpassend: Kultur und Soziales in verlassener Industrie - das ist schon eine Weile eine erprobte Kombination; wann wird das Muster gar Kulisse ... und wäre das schlimm? Kulisse ist es in Deutz

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nicht, das wurde bald klar. Sehr real findet hier, in der einst führenden Motorenfabrik, vieles statt. Groß angelegte Theaterprojekte reflektieren etwa die Vergänglichkeit des Schönen ebenso, wie sie eindrucksvolle Bilder entstehen lassen. Doch die Macherinnen und Macher wollen mehr: Zukunftsweisende Konzepte für das Leben starten hier, von einem eigenen „Viertel“ ist die Rede. „HOPE“ nun stellt sich der misslichen Lage, dass die Zukunft dieses Projekts, obwohl die Initiierenden seit Jahren aktiv sind und vor Tatendrang sprühen, höchst ungewiss ist. Uta, worin siehst du Berührungspunkte zwischen Deutz und Wuppertal oder anders gesagt: Was hat dich interessiert und was hat das Tal dem „Werk“ an Ideen zu bieten?

MH: Auch wenn in Deutz die Dimensionen viel größer sind, dachte ich an die Elba-Hallen, wo Kultur vor über zehn Jahren gleichfalls eine verlassene Fabrik neu belebte. In der Reihe „Kunst Cluster“ reflektierten Kreative um 2008 ihre eigene, zuweilen nur temporäre Funktion gegen den Verfall. Womit aber die Parallelen auch schon enden, denn das Zentralwerk will ja mit Kultur Zukunft gestalten. Doch auch diesbezüglich findet sich im Tal ja viel an Vergleichbarem oder gar Vorbildlichem: „Utopiastadt“ ist ja bestens bekannt als Labor für neue Ideen und Modelle. Und mit dem Arrenberg kam schon ein ganzer Ortsteil zukunftsweisend in den Blick - wie ja auch das Kölner Areal sich nun als eigenes Quartier aufstellt. Das heißt, die Wuppertaler haben einiges an Erfahrung zu bieten, das in

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UA: Es war sicher ein prima Auftakt für weitere Begegnungen. Anja Kolacek und Mark Lessle haben uns in mehreren Touren das Gelände gezeigt. Wir waren beeindruckt: wie sie das Areal mit Aktionen bespielt und zuvor bekannt gemacht haben! Sie sind sogar mit dem Schriftzug HOPE auf einzelnen Fahrrädern durch die Stadt gefahren. Ihr Engagement ist zweifellos nachahmenswert. Umgekehrt wurde unser Solidaritäts-Konvoi wunderbar aufgenommen, wozu in Köln entscheidend auch die Mobile Oase Oberbarmen beitrug. Bald werden wir das Zentralwerk wieder besuchen, um zu verfolgen, wo unsere Wuppertaler Kunstleihgaben ihren Ort gefunden haben. Wir haben vor, gemeinsame Projekte zu entwickeln. Es gibt sogar bereits jetzt Kooperationen: Inmitten des Gebäudekomplexes, in einem Raum im 2. Stock, haben wir beispielsweise eine Installation der Künstlerin Anne Karrenbrock entdeckt, die Mitarbeiterin des Wuppertal Instituts ist. Man sieht: Kunst und Wissenschaft können durchaus zusammenkommen. Es gibt also jede Menge Potenzial für weitere Interaktionen. Jetzt ist die Frage, was im Austausch zwischen Wuppertal und Deutz entstehen kann. Die heutige Begegnung war also ein erster Schritt. Die Initiatoren haben uns erzählt, dass sich neuerdings ein sehr junges Publikum von den Aktionen im Zentralwerk angesprochen fühlt. So entsteht ein Puls für alles Zukünftige. Ich hoffe, dass dieses „Leuchtturmprojekt zur kreativen Urbanität des 21. Jahrhunderts“ weiter wirken kann, und bin gespannt darauf, es bald noch besser kennenzulernen. Auf diesem Gelände mit denkmalrelevantem Bestand, mit industriekulturellem Erbe, startete einst der OttoMotor seine „Siegestour“. Jetzt heißt es, mit angesehenen Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Denkmalpflegern, Architektinnen, Projektentwicklern ein neues Kapitel der zukunftsfähigen Stadtgestaltung aufzuschlagen. Uta Atzpodien Die beste Zeit bleibt dran. In einer der nächsten Ausgaben berichten wir ausführlicher über das Zentralwerk und sein transformatorisches Wirken. Weitere Informationen unter: www.raum13.com 49

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UA: Die Frage in Deutz ist ja: Kann dieser Ort mit all seiner Geschichte erhalten werden und über ihn konstruktiv und vor allem kreativ Stadtentwicklung geschehen. Daran arbeiten die Macherinnen und Macher des „Deutzer Zentralwerks der Schönen Künste“ Anja Kolacek und Mark Lessle seit vielen Jahren. Ich finde das Areal beindruckend, als historisches Gelände, aber auch als Stätte, wo die beiden Initiatoren und etliche Künstlerinnen und Künstler an Transformationsprojekten arbeiten. Das ist kreatives Spiel mit Erinnerung und Zukunft zugleich. Da sehe ich ganz viel Parallelen zu all dem, was in Wuppertal nicht erst seit den letzten Jahren pulsiert. Durch Utopiastadt, die Mobile Oase Oberbarmen und viele andere Initiativen ist dort enorm viel in Bewegung. Mich persönlich hat in meiner Arbeit Uwe Schneidewind mit seiner Begeisterung für Transformationsprozesse inspiriert. Es ist kein Zufall, dass er Beiratsmitglied vom „Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste“ ist. Wo siehst du, als unermüdlicher journalistischer Begleiter unser Wuppertaler Kunstaktivitäten, die Parallelen und Potenziale dieser Begegnung?

Deutz womöglich zukünftige Projekte befruchten kann. Man konnte ja auch sehen: Als ihr eure Kulturgüter überreicht habt, war man im Deutzer Team sichtlich beeindruckt. Kontakt und Impulse gehen bestimmt weiter noch lange nach „HOPE“. Uta, wie hast du die Begegnung hier im Zentralwerk erlebt? Und den Ort selbst wie auch das Team, ihr Tun und Planen?

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Foto: Antje Zeis-Loi

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Tier, Mensch, Maschine – Berührungen Die Wuppertaler Literatur Biennale vom 5. bis 8. November 2020

Anders als viele andere Literaturveranstaltungen widmet sich die Wuppertaler Literatur Biennale Themen, mit denen sie sich immer wieder aufs Neue der Frage stellt, wie Literatur auf gesellschaftliche Herausforderungen reagiert. 2020 geht es um die Berührungspunkte und Reibungsflächen zwischen Mensch, Natur und Technik, womit die Biennale erneut zeigt, dass der Bezug zu drängenden Fragen unserer Zeit ihr wichtigstes Ziel ist.

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Sandra Burghardt, Foto: Mirko Lux

Niemand konnte in der ersten Phase ihrer Planung ahnen, dass es ein von Tieren auf Menschen übertragener Krankheitserreger sein würde, der der kommenden Biennale ihre besonderen Bedingungen diktiert. Aber, um unter dem Druck der Gefährdung überhaupt stattfinden zu können, musste natürlich auch die Wuppertaler Literatur Biennale einen Pandemie-Modus entwickeln. Denn abgesehen von den notwendigen Schutzmaßnahmen zeigte sich, dass zum Beispiel an die Anreise von Autorinnen und Autoren aus dem Ausland nicht zu denken ist. Fast alle damit zusammenhängenden Pläne mussten aufgegeben werden. Stattdessen benötigte die Biennale Impulse, die es ihr gestatten, mit Gewinn auf die besonderen Rahmenbedingungen einzugehen und zugleich über sie hinauszuweisen.

Deutschland aufhält, also nicht von Reisebeschränkungen betroffen ist und daher mit einer Lesung aus seinem Zukunftsthriller Germany 2064 den Auftakt der diesjährigen Biennale bildet. Selbstverständlich wird nun auch der Preis der Wuppertaler Literatur Biennale verliehen. Den Hauptpreis erhält Philipp Böhm, den Förderpreis Astrid Gläsel. Aus diesem Anlass wird John von Düffel einen Vortrag halten.

Neu ist zum Beispiel auch die Zusammenführung der Literatur aus der Region an einem Ort: Am zweiten Tag der Biennale präsentieren die beteiligten bergischen Autorinnen und Autoren ihre auf das Thema der Biennale ausgerichteten Veranstaltungen im Café ADA. Darüber hinaus haben sich die Veranstalter bemüht, durch Verbesserungen im Bereich der Organisation und die Fokussierung auf eine überschaubare Zahl von Veranstaltungsorten den besonderen Bedingungen Rechnung zu tragen. Immerhin bleibt eine Sache so wie sie immer war: Die Biennale muss nicht ganz auf Internationalität verzichten. Diesen Anspruch kann sie auch 2020 aufrechterhalten. Sie verdankt dies dem schottischen Autor Martin Walker, dem man nicht absagen musste, weil er sich sowieso in

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Philipp Böhm, Foto: Sonja Szillinsky

Astrid Gläsel, Foto: privat

Und auch das Format des „Diskurses“ bleibt erhalten, 2020 als Streitgespräch zwischen Svenja Flaßpöhler und Ilija Trojanow zum Thema Halten unsere Haltungen?. Die Biennale bemüht sich um ein Hygienekonzept, das Besucherinnen und Besuchern ein Höchstmaß an Sicherheit garantiert. Auch dies spiegelt sich in der Wahl der Veranstaltungsräume, die dank ihrer Größe gewährleisten, dass genügend große Sicherheitsabstände eingehalten werden können. Bedauerlich ist, dass daher auch die Zahl der Plätze begrenzt ist. Es empfiehlt sich also, frühzeitig an Eintrittskarten zu denken. Ruth Eising

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Die Wuppertaler Literatur Biennale 2020 setzt daher neue Akzente: zum Beispiel mit einer Lyrikveranstaltung, mit der bereits am ersten Biennale-Tag erstmals Raum für aktuelle Dichtung geschaffen wird.

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Martin Walker, Foto: K.M. Einwanger

Yevgeniy Breyger, Foto: G. Cuzepan

Rike Scheffler, Foto: Valerie Schmidt

Sabine Scho, Foto: Matthias Holtmann

Sebastian Unger, Foto: Skiba

Arthur Dziuk, Foto: Gunter Glücklich

Berit Glanz, Foto: privat

Emma Braslavsky, Foto: Stefan Klüter

John von Düffel, Foto: Katja von Düffel

Ilija Trojanow, Foto: privat

Svenja Flasspoehler, Foto: privat

Christoph Ransmayr, Foto: privat

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Das Programm der Wuppertaler Literatur Biennale 2020

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Donnerstag, 5. November 2020 18 Uhr Martin Walker „Germany 2064“ Moderation: Antje Deistler, Sprecher: Udo Thies, Ort: Citykirche Elberfeld, Kirchplatz 2, 42103 Wuppertal

20 Uhr „Die Tiermenschmaschine“ – Lyrik-Salon mit Musik, mit den Dichterinnen und Dichtern Yevgeniy Breyger, Sandra Burghardt, Rike Scheffler, Sabine Scho und Sebastian Unger. Moderation: Beate Tröger Ort: Loch, Plateniusstraße 35, 42103 Wuppertal

Freitag, 6. November 2020 17 -23 Uhr Literatur von und mit Autorinnen und Autoren aus dem Wuppertal Ort: ADA, in den Räumen des Insel e.V., Wiesenstraße 6, 42105 Wuppertal Samstag, 7. November 2020 11 Uhr Norbert Scheuer „Winterbienen“ Moderation: Annette Hager Ort: Stadtbibliothek, Kolpingstraße 8, 42103 Wuppertal

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Samstag, 7. November 2020 16 Uhr Berit Glanz „Pixeltänzer“ Moderation: Mithu Sanyal 18 Uhr Arthur Dziuk „Das Ting“ Moderation: Dina Netz 20 Uhr Emma Braslavsky „Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten“ Moderation: Birte Fritsch Ort für alle drei Lesungen: Sophienkirche, Sophienstraße 3, 42103 Wuppertal

16 Uhr Ilija Trojanow „Eistau“ Moderation: Marija Bakker Ort für alle drei Veranstaltungen: Skulpturenpark Waldfrieden, Hirschstraße 12, 42285 Wuppertal

Sonntag, 8. November 2020 11 Uhr Philipp Böhm erhält den „Preis der Wuppertaler Literatur Biennale 2020“ und Astrid Gläsel den „Förderpreis“ Vortrag von John von Düffel „Empathie mit dem Baggersee“ 14 Uhr „Halten unsere Haltungen?“ Diskurs mit Svenja Flaßpöhler und Ilija Trojanow Moderation: Marija Bakker

Einen ausführlichen Essay zum Biennale-Thema „Tier Mensch Maschine“ gibt es in der besten Zeit 2020/3. Der Artikel ist über www.schwebetal-verlag.de abrufbar.

Sonntag, 8. November 2020 20 Uhr Christoph Ransmayr „Cox oder der Lauf der Zeit“ Ort: ADA, in den Räumen des Insel e.V., Wiesenstraße 6, 42105 Wuppertal

Das vollständige Programm, mit allen Beteiligten Autorinnen und Autoren unter www.wuppertaler-literatur-biennale.de Der Kartenvorverkauf startet am 13. Oktober 2020 über wuppertal-live.de

Unsere Manufaktur für Designleuchten hat im Herbst 2019 in neuen Räumlichkeiten in Solingen am Piepersberg 36 ihren Betrieb aufgenommen. Hier werden in kreativer Atmosphäre neue Design-Ideen entwickelt und sämtliche Leuchten in klassischer Handarbeit hergestellt. Stück für Stück. Die gesamte Licht im Raum Kollektion wird in unserem Werksverkauf präsentiert und angeboten. Unsere Arbeit ist mit dem „Deutschen Manufakturen Siegel“ ausgezeichnet worden. Big Moons – Große Geste … Bei unserem neuen Familienmitglied kommt die Qualität von Form und mundgeblasenem Glas auf eine ganz besonders schöne Art und Weise zur Geltung. Erhältlich in sechs verschiedenen Farben der exklusiven Glasmanufaktur „von Poschinger“, bestückt mit blendfreier 15 W Hochleistungs-LED, werden Big Moons zu spektakulären Lichtobjekten in den schönsten öffentlichen und privaten Räumen.

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White Moons

Big Moons

Dinnebier Licht GmbH Piepersberg 36 42653 Solingen Telefon. (02 12) 59 67 33-0 info@dinnebier-licht.de www.dinnebier-licht.de Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 – 16 Uhr Online Shop: www.licht-im-raum.de

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White Moons – Licht von einem anderen Stern … Das Lichtobjekt aus Porzellan der Manufaktur Fürstenberg wird zum strahlend schönen Blickfang – sei es über dem Esstisch, um ein vollendetes Gesamtensemble zwischen Licht und Möbel zu erzeugen – oder als Einzel- bzw. Doppelleuchte an Wand und Decke. Mit der Möglichkeit, jede einzelne Porzellankugel individuell zu positionieren, entsteht eines ganz sicher: Bezauberndes Licht – funktional und stimmungsvoll.

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Kulturrucksack Wuppertal 2020 Kreative Ferien- und Freizeitangebote für 10- bis 14-Jährige trotz Corona Damit waren sie nicht allein. Nahezu alle Kunstschaffenden arbeiteten vor den großen Ferien fieberhaft an Alternativen, um die von ihnen angeleiteten Angebote zu realisieren. Mit Erfolg! Fast alle Kurse des umfassenden Programms fanden statt – mit weniger Teilnehmenden, jedoch mit persönlicher Anwesenheit. Darüber, dass der Kulturrucksack nicht ins Internet verlagert werden musste, ist Kulturrucksackbeauftragte Dagmar Beilmann äußerst froh:

„Kultur vor Ort“, Internationale Märchen in 3D, Foto: Ralf Silberkuhl

Abstandsregeln, Maskenpflicht, begrenzte Teilnehmendenzahlen und weitere Hygieneregeln – Corona stellte auch den Kulturrucksack dieses Jahr vor große Herausforderungen. Zusammen mit den anleitenden Künstlerinnen und

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Künstlern arbeitete Kulturrucksack-Beauftragte Dagmar Beilmann Konzepte aus, damit auch in diesem Jahr die meisten Kurse stattfinden konnten und können. Für die Herbstferien-Workshops sind noch Plätze frei!

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Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops Tapetenwechsel hatten Glück im Unglück. Sie profitierten von den ersten großen Lockerungen nach dem Corona-Shutdown in der zweiten Sommerferienwoche. So konnten sie nicht nur an dem Angebot persönlich teilnehmen, sondern auch in Kleingruppen einen Film verwirklichen. Selbst wenn es noch drastischere Einschränkungen gegeben hätte, wären die Kursleiterinnen Carolin Keufen und Wasiliki Noulesa gewappnet gewesen. Sie hatten bereits Ideen parat, wie die eines Kunstkiosks in der börse, an dem die Nachwuchskünstlerinnen und -künstler einzeln ihr Arbeitsmaterial hätten abholen können. Bei einem Lockdown wären sie sogar ins Internet ausgewichen. Auch Anne Jonas Ulbrich und Navina Binkenborn packten bereits geistig für ihren seit Jahren äußerst beliebten Kurs Klamotten selbst gestalten Pakete mit Schnittmustern und Stoffen.

„Zwar legen wir bei der Konzeption der Workshops großen Wert darauf, dass die digitale Welt der Kids in die Workshops einfließt. Doch gerade in Zeiten von Corona sollten sie auch weg von Computer und Smartphone hin zu gemeinsamem Erleben.“ Ein gelungenes Beispiel hierfür ist der noch kommende Workshop „Smartphone Musik“. Denn auch in diesen Herbstferien gibt es in der ersten Woche vom 12. bis 16. Oktober drei Workshops. Vom Sommer in den Herbst verlegt wird der Dreh eines Musikvideosunter Leitung von Kim Münster und Julian Pawelzik, der den SommerWorkshop Sing deinen Song in bewegte Bilder fasst. „Sing deinen Song“ und die Kursleiter Maik Ollhof und Simon Binkenborn sind beim Kulturrucksack-Publikum beliebt. Gemeinsam mit den Kids und Teens produzieren sie seit vielen Jahren Songs mit Hitpotenzial.

Der Wuppertaler Kulturrucksack ist von Anfang an eng mit der lokalen Kunstszene verbunden. Auf ihm steht nicht nur Wuppertal drauf, in ihm steckt auf allen Ebenen viel Wuppertal drin. „Wir profitieren von der großen Vielfalt der Wuppertaler Kunst- und Kulturszene. Die anleitenden Künstlerinnen und Künstler bringen mit ihrer Professionalität ein hohes Niveau und zugleich wunderbar spielerische Ansätze ein“, weiß Beilmann. Das vom Land NRW finanzierte und initiierte Projekt wird in Wuppertal in enger und lebendiger Zusammenarbeit zwischen Kulturbüro, Jugendamt und dem Kommunikationszentrum die börse durchgeführt. Kooperationen mit

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Jugendzentren, Kultureinrichtungen und der freien Szene bereichern die Angebote jedes Jahr mehr. Dank dieser innerstädtischen Vernetzung ist auch im diesjährigen Programm neben Bewährtem wieder viel Neues zu finden. Dabei orientieren sich die diesjährigen Angebote wie immer an den Interessen und Lebenswelten seiner jugendlichen Zielgruppe. „Unsere Workshops sind grundsätzlich so angelegt, dass die Kinder und Jugendlichen ihre eigenen Ideen einbringen und verwirklichen können. Es gibt zunächst kein Richtig und kein Falsch, aber jede Menge Techniken, die man lernen kann, um seinen kreativen Einfällen Leben einzuhauchen“, erklärt die Kulturrucksack-Beauftragte den kreativen Ansatz. Noch intensiver auf die junge Zielgruppe in den Stadteilen zugeschnitten ist die Rubrik Kultur vor Ort. Unter ihr konnten sich Jugendzentren mit eigenen Projektideen bewerben. In allen Stadtteilen erfolgreich war das „Kultur vor Ort“-Angebot Internationale Märchen in 3D, bei dem das Spielmobil der Stadt auf verschiedenen Spielplätzen mit den Kindern dreidimensionale Märchenfiguren baute. Weitere Kooperationspartner sind das das Von der HeydtMuseum, der Skulpturenpark, das Bob Kulturwerk, das Kommunikationszentrum die börse und das Haus der Jugend Barmen. Bei letzteren finden in den Herbstferien auch die Workshops „Smartphone-Musik“ (HdJ Barmen) und „Street Art - Paste Up“ (die börse) statt.

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Street Art – Paste up, Foto: Ralf Silberkuhl

Zu den drei Herbstferien-Workshops können Eltern ihren Kultur interessierten Nachwuchs bei www.wuppertal-live.de und bei den bekannten VVK-Stellen anmelden. Alle Infos unter www.kulturrucksack-wuppertal.de

Kreative Herbstferien Montag, 12. Oktober, bis Freitag, 16. Oktober 2020, 10 bis 15 Uhr Beitrag mit Mittagessen: 25,- €, ermäßigt 12,50 €

Street Art – Paste Up Zusammen mit einem Graffiti-Künstler entwickeln wir legale Paste Ups, denn die Fläche wird uns zur Verfügung gestellt. Anhand von Klebepapier lassen wir unserer Kreativität freien Lauf. Wir malen, kleben, schneiden, was das Zeug hergibt! Wir erarbeiten ein Gemeinschaftsprojekt und versuchen in kurzer Zeit, ein tolles Ergebnis zu kreieren. Ort: die börse, Wolkenburg 100, 42119 Wuppertal Leitung: Adrian Gralinski und Ognjen Pavic

Smartphone-Musik Smartphones sind nur für Social Media da? Nicht ganz … Dass man mehr als Nachrichten schreiben und spielen kann, entdecken wir in dieser Woche. Wir nutzen unsere Smartphones als Instrumente und Sampler, machen eigene Podcasts, spielen Charts-Hits nach, bauen Tracks aus unserem Lieblingsspiel oder komponieren etwas ganz eigenes Neues. Am Ende der Woche führen wir das Ganze auf. Ort: HDJ Barmen, Geschwister-Scholl-Platz 4-6, 42275 W-tal Leitung: Andre Scollick

Musikvideo Ein Musikvideo kann vieles sein! Wir stehen vor oder/und hinter der Kamera. Der Workshop „Sing deinen Song“ liefert die Musik, und wir drehen unser eigenes Musikvideo dazu. Mit Spaß und Freude am Bild und professioneller Unterstützung. Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Ort: Kinder- und Jugendtreff Arrenberg, Arrenbergerstraße 71b, 42117 Wuppertal Leitung: Kim Münster und Julian Pawelzik, Vollbild e.V. 55

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Move and Rhythm, Foto: Paul Olfermann

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Kulturtipps für Kinder und Jugendliche Foto: Von der Heydt-Museum Wuppertal

Von der HeydtMuseum Wuppertal Turmhof 8, 42103 Wuppertal Für alle Angebote ist eine Anmeldung dringend erforderlich. Online-Buchung: www.von-der-heydt-museum.de per E-Mail: vdh.kunstvermittlung@stadt.wuppertal.de Tel. 0202 563 6630 oder 563 6900 Mi., 21. Oktober, bis Do., 22. Oktober, 10 bis 14 Uhr

Abenteuer Farbe

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Augen auf und aufgepasst! Farben haben eine Menge zu bieten. Du wirst staunen, was man mit ihnen alles machen kann. Im Museumsatelier experimentieren wir mit Farben und stellen sie für unsere Bilder sogar selbst her. Leitung: Inge Heinicke-Baldauf, Kosten: 48 € inkl. Material

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Museum für Kinder mit Eltern oder Großeltern Sonntag, 25. Oktober, 15 bis 17 Uhr Familiensonntag: Mystische Wüstenwesen Der Künstler Hannsjörg Voth lebte eine Zeitlang in der marokkanischen Wüste und ließ sich dort zu außergewöhnlichen Kunstwerken inspirieren. Besonders spannend sind die Darstellungen mystischer Tierwesen oder Tier-Mensch-Gestalten, die wir im Atelier mit speziellen Naturfarben und Sand auch selbst gestalten. Kosten: Erwachsene 10 € / Kinder 5 €

LCB | Haus der Jugend Barmen Geschwister-Scholl-Platz 4-6, 42275 Wuppertal Aktuelle Infos über www.hdj-online.de Samstag, 3. Oktober 2020, 15 Uhr

die EXEN - „Hühner“

Open-Air-Familienvorstellung auf dem Spielplatz hinter dem Haus der Jugend Barmen Mit Dorothee Carls und Annika Pilstl, Regie: Stefan Wey, Ausstattung: Christian Werdin, Musik: Udo Hemmann Puppenclownerei mit Ei nach dem Kinderbuch „Pick Pick Picknick“ von Rotraut Susanne Berner ab drei Jahren. Tickets für Familien können nur im Vorverkauf über wuppertal-live oder über dem System angeschlossene Vorverkaufsstellen gekauft werden. Gruppen können sich unter: martina.wagner@stadt.wuppertal.de anmelden

Wuppertaler Kinder- und Jugendtheater Theater im Berufskolleg, Bundesallee 222, 42103 Wuppertal Infos und Anmeldung über: www.kinder-jugendtheater.de oder telefonisch: 0202 899154 Samstag, 21. November, 16 Uhr (Premiere)

Der satanarchäololügenialkohöllische Wunschpunsch Ein Stück für Kinder ab sechs Jahren und die ganze Familie Regie: Peter Adrian Krahl, Ausstattung: L. Tuturuga Vorlage ist das wunderbare Buch von Michael Ende über den Zauberrat Beelzebub Irrwitzer und die Geldhexe Tyrannja.

Junior Uni Wuppertal Forscherplattform Bergisches Land Am Brögel 31, 42283 Wuppertal Kursprogramm, auch mit eigener Sparte

Kunst & Kultur

www.junioruni-wuppertal.de Sonntag, 15. November, 15 bis 17 Uhr Kinderführung: Druckfrisch! Nachdem wir uns die Druckkunst in der neuen Ausstellung „Vision und Schrecken“ berühmter Künstlerinnen und Künstler angeschaut und verschiedene Techniken kennengelernt haben, erproben wir im Atelier selbst unterschiedliche Hoch- und Tiefdruckmethoden. Kosten: 7 € zweitägiger Herbstferienkurs für Kinder ab sechs Jahren

Kulturelle Jugendbildung Kursinformationen und Anmeldungen über www.jugend-kult.de oder 0202 563-2645 Ein buntes und interessantes Programm für Kinder und Jugendliche quer durch alle Stadtteile Wuppertals findet ihr auf der Internetseite www.jugend-freizeit.de.

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Kinderprogramm im Kunstmuseum Solingen Wuppertaler Straße 160, 42653 Solingen Kindervormittage immer Samstags von 10 bis 13 Uhr Sollten die Kurse ausgebucht sein, bemühen wir uns um einen zusätzlichen Termin am Nachmittag. Anmeldung unbedingt erforderlich: 0212 258 140 info@kunstmuseum-solingen.de Kosten: 6 € pro Veranstaltung

Samstag, 31. Oktober, Leitung: Solveig Schuppler

Himmel … ach Du lieber Himmel!

Samstag, 7. November, Leitung: Micaella Cervinscaia

Basteln mit Kaffeefiltertüten

Samstag, 14. November, Leitung: Solveig Schuppler

Krippenfiguren aus Keramik und Engobefarben Samstag, 21. November, Leitung: Philine Halstenbach

Auf ins Dschungelparadies

Samstag, 28. November, Leitung: Philine Halstenbach

Gruselhausarchitekten

Samstag, 5. Dezember, Leitung: Philine Halstenbach

Liebe Grüße – Weihnachtskarten

Samstag, 12. Dezember, Leitung: Philine Halstenbach

Draußen: Klirrende Kälte – Drinnen: Zauberhaftes Zuhause

Dienstag, 13., bis Freitag, 16. Oktober jeweils von 10 bis 12 Uhr

Kastanien, Kürbisse, buntes Laub – Herbstbasteln Für Kinder ab 6 Jahren, Leitung: Philine Halstenbach Dienstag, 20., bis Freitag, 23.Oktober jeweils von 10 bis 12 Uhr

Werkstatt Wellpappe

Für Kinder ab 6 Jahren, Leitung: Solveig Schuppler Kosten für alle Kurse: 30 € Anmeldung erforderlich: 0212 258 140

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Die neue CD aus der Reihe „Klassische Musik und Märchen erzählen“ der Edition Seeigel kommt pünktlich zur Zwetschgenzeit: „Das tapfere Schneiderlein“. Mit dem Duft des köstlichen Brotaufstrichs, der dem Schneiderlein in die Nase steigt, nimmt das ganze Abenteuer schließlich seinen Anfang. Ohne das Mus hätten sich keine Fliegen auf dem Brot niedergelassen, hätte das Schneiderlein keine „sieben auf einen Streich“ von ihnen erledigt und wäre nicht, von dieser Heldentat beflügelt, in die Welt hinausgezogen. Hätte keine Riesen vertrieben, kein Einhorn gefangen und kein halbes Königreich samt Prinzessin bekommen. Eine Geschichte von reichlich Chuzpe war dieses Märchen schon immer. In alter Grimm‘scher Fassung kam der Held freilich auch als ziemlich frecher Hochstapler rüber. Mit der Stimme des großartigen Erzählers Ulrich Noethen wird daraus ein überaus sympathischer und immer fröhlicher Kerl, der sich durch nichts erschüttern lässt und mit Selbst- und Gottvertrauen jede Herausforderung meistert. Und uns zeigt, wie man mit Klugheit, Zuversicht und Herzenswärme sein Glück findet. Dass das Ende der Geschichte dabei zeitgemäß umgedichtet wurde, führt die Tradition mündlicher Überlieferung fort, in die stets die Moralvorstellungen der Zeit Eingang gefunden haben. Die klassischen Musikstücke (Mozart, Pleyel, Koechlin) in der Besetzung mit Klarinette und Fagott zwischen den Erzählpassagen setzen deren Stimmung perfekt um und lassen den inneren Bildern Zeit zu wirken. Alles zusammen eine wunderbare Mutmachgeschichte für Kinder ab fünf Jahren – und für alle, denen Mut und Zuversicht zuweilen abhandenkommen. Mithin für alle. Ein Rezept für leckeres Zwetschgenmus gibt’s im Booklet noch obendrein. Anne-Kathrin Reif www.see-igel.de (Hörprobe). CD 15,50 Euro. ISBN 978-3-935261-38-8. 57

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Herbstferienkurse 2020

Eine Portion Mut, Zuversicht und Zwetschgenmus

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Bahnhof Rolandseck und Museumsneubau von Richard Meier von der rechten Rheinseite, Foto: Ulrich Pfeuffer/GDKE

Mit eigenem Gleisanschluss

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Das Arp-Museum in Remagen-Rolandseck und die Schau „Salvador Dalí und Hans Arp“, die Parallelen im Schaffen beider Künstler aufspürt

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Wer in Wuppertal Hauptbahnhof in den ICE einsteigt, in Bonn in die Mittelrheinbahn Richtung Koblenz umsteigt und 15 Minuten später im linksrheinischen Rolandseck aussteigt, befindet sich nach einer Fahrzeit von anderthalb Stunden nicht nur in einer der markantesten Landschaften des sogenannten romantischen Rheins mit dem benachbarten, sagenumwobenen Rolandsbogen und, rechtsrheinisch, dem Panorama von Drachenfels und anderen Bergen des Siebengebirges, sondern betritt ein Museum, das hinsichtlich seiner historischen Genese, seines thematischen Profils und seiner architektonischen Gestalt seinesgleichen sucht. Museen in unmittelbarer Nähe von Bahnhöfen sind keine Seltenheit – erinnert sei etwa an das Kölner Museum Ludwig oder an die Kunsthalle und das Museum für Kunst und

Gewerbe in Hamburg. Und zu erwähnen sind auch stillgelegte und zu Museen umfunktionierte Bahnhöfe wie der Hamburger Bahnhof in Berlin oder das Musée d‘Orsay in Paris. Eine Sonderstellung nimmt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck aber insofern ein, als hier Züge des Regionalverkehrs halten und man nach ein paar Schritten das Foyer des Museums im Sockelgeschoss des Gebäudes erreicht hat. Bequemer geht es kaum.

Der historische Bahnhof Die Entstehung des spätklassizistischen Bahnhofgebäudes in Rolandseck fällt in die späte Regierungszeit des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV., nämlich in die 1850erJahre. Noch als Kronprinz war Friedrich Wilhelm erstmals ins preußische Rheinland gekommen. Fasziniert von der Naturschönheit der Region und erfüllt von schwärmeri-

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Als Retter trat in den 1960er-Jahren der Bonner Galerist Johannes Wasmuth auf den Plan, der das Gebäude zu einem kulturellen Hotspot der Region machte und zu diesem Zweck die private Gesellschaft „arts and music gmbh“ gründete, die später in die „Stiftung Bahnhof Rolandseck“ des Landes Rheinland-Pfalz überging. Berühmt wurde Wasmuths „Kulturbahnhof Rolandseck“ unweit der einstigen Hauptstadt der Bonner Republik durch Konzerte, Lesungen und Kunstausstellungen, also durch ein programmatisches Miteinander von Musik, Literatur und bildender Kunst, ferner durch die legendären Künstlerfeste und nicht zuletzt durch die – auch politische – Prominenz, die hier ein und aus ging. Gleichwohl war der Erhalt des Bahnhofs alles andere als gesichert, bis Helmut Kohl, seinerzeit Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, 1971 den Fortbestand des Bauwerks garantierte. Im Jahr 1981 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und später aufwendig saniert. Der mit 61 Jahren 1997 allzu früh verstorbene Johannes Wasmuth hat nicht nur prominente Künstlerinnen und Künstler aus der Musikszene wie Martha Argerich, Leonard Bernstein, Swjatoslaw Richter und Duke Ellington für Rolandseck gewinnen können, auch gehörten bekannte bildende Künstler wie Gotthard Graubner, Sigmar Polke, Gerhard Richter und Günther Uecker zu den Stammgäs-

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Arp Museum Bahnhof Rolandseck, im Vordergrund: Hans Arp, Bewegtes Tanzgeschmeide, 1970, Foto: Rainer K. Wick

Blick von der Terrasse des Bahnhofs Rolandseck auf das Siebengebirge, Foto: Rainer K. Wick

ten des Kulturbahnhofs. Und es ist Wasmuths Initiative zu verdanken, dass ihm die zweite Frau des Künstlers Hans Arp, Marguerite Arp-Hagenbach, im Jahr 1977 einen Teil des Nachlasses ihres Mannes übertrug, der den Kern der Sammlung des heutigen Arp Museums bildet. Angesichts des beträchtlichen Umfangs wurde allerdings schnell klar, dass sich das Œuvre des Künstlers in den Räumlichkeiten des historischen Bahnhofs kaum adäquat präsentieren lassen und ein Erweiterungsbau erforderlich sein würde.

Richard Meiers Neubau Für ein derartiges Projekt bat Wasmuth den amerikanischen Stararchitekten Richard Meier, der in den 1980er-Jahren in Frankfurt das neue Museum für Kunsthandwerk gebaut hatte, um erste Entwurfsideen. Obwohl Meier lieferte, fehlten zur Umsetzung einer der Entwürfe die finanziellen Mittel, und als Wasmuth starb, war nichts von den zum Teil fantastischen Plänen realisiert. Erst nach der Bereit59

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scher Mittelaltersehnsucht, begeisterte er sich für Kölns noch unvollendeten gotischen Dom und für die Burgruinen des Rheintals und trug maßgeblich dazu bei, das Traumbild vom „romantischen Rhein“ mitzuprägen. Um diese Gegend verkehrstechnisch zu erschließen, verlängerte die private Bonn-Cölner-Eisenbahngesellschaft im Jahr 1856 ihre Bahnstrecke zwischen Köln und Bonn über Bad Godesberg bis nach Rolandseck. Errichtet wurde ein repräsentatives Eisenbahnempfangsgebäude, das stilistisch den Formvorstellungen des Historismus entspricht, durch die Nutzung gusseiserner Bauelemente zugleich aber den im 19. Jahrhundert heraufziehenden Funktionalismus erahnen lässt. Rolandseck war damals die Endstation der linksrheinischen Eisenbahnstrecke. Hier konnten die Reisenden auf Dampfschiffe umsteigen, die sie rheinaufwärts, vorbei an der Loreley, bis Mainz transportierten. Die landschaftlich exponierte Lage des Bahnhofs mit seinem großen Festsaal (heute Restaurant) ließ den Bahnhof zu einem beliebten Treffpunkt der bürgerlichen Gesellschaft werden, doch verlor er nach dem Zweiten Weltkrieg rasch an Bedeutung. Angesichts seines inzwischen desolaten baulichen Zustands war sein Abriss nur eine Frage der Zeit.

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Richard Meier, Neubau Arp Museum Rolandseck,

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2004-07, Innenansicht, Foto: Ulrich Pfeuffer/GDKE

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stellung von Geldern aus dem Bundeshaushalt als Finanzausgleich für den Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin sowie von Mitteln des Landes Rheinland-Pfalz konnte im Oktober 2004 die Grundsteinlegung des von Richard Meier entworfenen Neubaus auf der Höhe oberhalb des historischen Bahnhofs erfolgen. Nach einer Bauzeit von nur knapp drei Jahren wurde der neue Museumskomplex Arp Museum Bahnhof Rolandseck im September 2007 eröffnet. Dass der wie ein Juwel strahlende, gleichsam über dem Rhein schwebende Meier-Bau nicht nur ein Gehäuse ist, in dem Kunst gezeigt wird, sondern dass er selbst ein Kunstwerk ist, geht auf das Konto eines Baukünstlers, der zu den bedeutendsten zeitgenössischen Vertretern seiner Zunft und zu einem der entschiedensten Verfechter einer „Zweiten Moderne“ gehört. Mit seinen streng konzipierten und zugleich eleganten Entwürfen positionierte sich Richard Meier schon früh dezidiert gegen den historisierenden Fassadenkitsch der sogenannten Postmoderne, der vor allem in den 1980er-Jahren rund um den Erdball grassierte. Entgegen einer Architekturästhetik, die dem banalen Neohistorismus amerikanischer Alltagsarchitektur huldigte – erinnert sei an Robert Venturis Programmschrift „Learning from Las Vegas“ aus dem Jahr 1972 –, gehört Meier zu jenen, die bewusst an die Tradition der klassischen Moderne anknüpfen und diese auf höchstem Niveau schöpferisch fortentwickeln. Er ist ein Baumeister, der nach dem nichtrealisierten Erbe der Architekturmoderne fragt und sie als ein unvollendetes Projekt betrachtet, das es zu vollenden gilt. Die Nähe Meiers zum sogenannten Neuen Bauen der 1920er-Jahre mit De Stijl, Bauhaus und insbesondere mit Le Corbusier ist in seinen blendend weißen, gleichsam schwerelos wirkenden Bauten mit schlanken Stützen, gro-

ßen Glasflächen und dem charakteristischen Relinggeländer allenthalben greifbar, freilich virtuos variiert und neu instrumentiert. Vom Kassenbereich des Museums im Foyer des historischen Bahnhofs führt ein erster Tunnel unterhalb der Bahngleise zur fensterlosen „Kunstkammer Rau“, einem bis 2026 in Rolandseck angesiedelten Sammlungskomplex mit Werken europäischer Malerei vom 15. Jahrhundert bis zum Spätimpressionismus und Skulpturen vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Es folgt ein zweiter, längerer Tunnel, an dessen Ende sich ein Schacht mit zwei Fahrstühlen und einer Treppe mit 230 Stufen befindet, der im oberen Teil in einen kegelstumpfartigen, gläsernen Turmbau übergeht, an den sich eine ebenfalls gläserne Brücke anschließt, über die der Besucher den dreigeschossigen, durch ein offenes Treppenhaus erschlossenen Neubau erreicht. Das lichtdurchflutete Bauwerk nimmt einige der für das Neue Bauen und den sogenannten Internationalen Stil zentralen Gedanken auf, so den des fließenden Raumes, der Transparenz und der Durchdringung des Inneren und Äußeren, was hier durch die spektakulären Ausblicke auf die Flusslandschaft des Rheins und das Siebengebirge von ganz besonderem Reiz ist. Weiß ist eines der unverkennbaren Markenzeichen der Architektur Richard Meiers. Assoziiert wird diese „unbunte Farbe“, die physikalisch die Summe aller Farben darstellt, unter anderem mit Reinheit, Leichtigkeit und Schwerelo-

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Dalí und Arp im Dialog sigkeit. Freilich ist Weiß nicht gleich Weiß, und ein absolutes Weiß gibt es ebenso wenig wie ein absolutes Schwarz. Bemerkenswert ist, dass sich Meier bei seinen zahlreichen Bauprojekten nicht auf ein einziges definiertes Standardweiß beschränkt, sondern mit einer erweiterten Palette von mehr als dreißig Weißnuancen operiert und damit als Farbgestalter der leisen Töne auftritt. Sein Credo: „White buildings make you more aware of the colors of nature.”

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Wie erwähnt, stellt die „Kunstkammer Rau“ neben den umfassenden Beständen an Werken von Hans Arp einen zweiten Sammlungsschwerpunkt des Museums dar. Es handelt sich um die Kunstsammlung des 2002 verstorbenen Tropenmediziners und Kinderarztes Gustav Rau, der seinen Kunstbesitz schon zu Lebzeiten der Stiftung des Deutschen Komitees für UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, überlassen hatte. Im Arp Museum 61

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Richard Meier, Neubau Arp Museum Rolandseck, 2004-07, Innenansicht mit Blick auf den Aufzugsturm, Foto: Ulrich Pfeuffer/GDKE

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werden diese Werke zurzeit wissenschaftlich aufgearbeitet und in wechselnden Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So auch in der aktuell laufenden Ausstellung „Traum und Vision, 1500-2000“, die – ergänzt durch Leihgaben aus der Privatsammlung des Kölner Psychoanalytikers Hartmut Kraft – mit Einzelbeispielen aus fünf Jahrhunderten von menschlichen Erfahrungen erzählt, die ihren Platz jenseits des rational Fassbaren in Regionen des Unbewussten haben.

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Diese Ausstellung ist Teil des diesjährigen Rahmenprogramms des Museums, das unter dem Motto „Total surreal“ steht und das mit der noch bis zum 10. Januar 2021 laufenden Ausstellung „Salvador Dalí und Hans Arp“ ein Kunstereignis von überregionaler Strahlkraft bietet. Die von Astrid von Asten und Sarah-Lena Schuster exzellent kuratierte Schau im Obergeschoss des Meier-Baus spürt den bisher kaum beachteten Bezügen zwischen diesen Protagonisten der Moderne nach, die sich gelegentlich biografisch festmachen lassen, vor allem aber in formaler Hinsicht fassbar sind.

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Hans Arp, „Hauspatron“ des Museums in Rolandseck, wurde 1886 im damals deutschen Straßburg geboren. 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, war er in Zürich Mitbegründer des Dadaismus, in den 1920er-Jahren gehörte er zum Kreis des Pariser Surrealismus um André Breton. Charakteristisch für sein plastisches Œuvre ist ein organoides, also an organischen Wachstums- und Wandlungsprozessen orientiertes Formverständnis. Damit setzte Arp jener Sprache der Geometrie, wie sie seinerzeit von De Stijl, dem Bauhaus und den internationalen Konstruktivisten kultiviert wurde, die „Natürlichkeit“ seines eigenen „biomorphen“ Schaffens entgegen. Dabei ging es ihm nie um die bloße Nachahmung der äußerlich erfahrbaren Natur, sondern um so etwas wie ein naturanaloges Vorgehen: „Wir wollen bilden, wie die Pflanze ihre Frucht bildet, und nicht abbilden.“ Typisch für seine abstrakten Formgebilde sind die fließenden Linien, die geschwungenen Silhouetten, die sich wölbenden Flächen, die schwellenden Volumina, die weichen Übergänge. Obwohl Arp früh mit für den späteren Surrealismus bedeutsamen Zufallsmethoden experimentierte, freundschaftlichen Umgang mit prominenten Surrealistinnen und Surrealisten pflegte, sich an den Publikationen der surrealistischen Bewegung beteiligte und zeitlebens für „das Irreale, das Spiel, den Traum, das Unbestimmte“ offen war, sind doch Zweifel angebracht, ob er im Sinne des von Breton 1924 verfassten Ersten Manifests des Surrealismus als lupenreiner Surrealist gelten kann.

links: Salvador Dalí, Einweihungsgänsehaut, 1928, rechts unten: Hans Arp, Pagodenfrucht auf Schale, 1934, Foto: Rainer K. Wick

Im Unterschied zur abstrakten Formensprache Hans Arps lassen sich die Bildwelten des 1904 im katalanischen Figueres geborenen Salvador Dalí umstandslos dem Surrealismus zurechnen, und zwar jener veristischen Richtung innerhalb der surrealistischen Bewegung, die sich einer virtuosen Maltechnik bedient, „die so realistisch und präzise ist wie die eines flämischen oder italienischen Meisters des 15. Jahrhunderts“, wie Alfred H. Barr, Gründungsdirektor des New Yorker Museum of Modern Art, einmal festgestellt hat. Insofern mögen die Bilder Dalís auf den ersten Blick akademisch anmuten, in inhaltlicher Hinsicht sind sie aber hochgradig innovativ, entsprechen sie doch, zumindest zum Teil, jenen von André Breton formulierten Maximen wie dem „Glauben an die höhere Wirklichkeit gewisser, bis heute vernachlässigter Assoziationsformen, an die Allgewalt des Traumes, an das absichtsfreie Spiel der Gedanken“. 1928, ein Jahr, bevor sich Arp und Dalí in Paris persönlich begegneten, stellte der Katalane fest: „Lassen wir Picasso beiseite. Wir werden lernen müssen, uns besser mit Arp zu verstehen, der uns mit fast unmerklicher Natürlichkeit ein äußerst weites Feld von Verwirklichungsmöglichkei-

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ten auftut.“ Deutlich wird in diesen erstaunlichen Sätzen nicht nur der Versuch Dalís, sich von Picasso, dem Übervater der Moderne, abzusetzen, sondern auch die große Wertschätzung, die der Katalane dem 18 Jahre älteren Arp entgegenbrachte. Hier liegt der Schlüssel zur großartigen Ausstellung in Rolandseck, die die beiden Künstler in dialogischer Form zueinander in Beziehung setzt und den Blick für die überraschenden Parallelen in ihrem Schaffen schärft. So tauchen in frühen Dali-Gemälden mit so rätselhaften Titeln wie „Einweihungsgänsehaut“ (1928) und „Die Spektralkuh“ (um 1928) jene organischen Formen auf, die mühelos als Markenzeichen des bildnerischen Schaffens von Hans Arp identifizierbar sind. Irritierend mag allerdings sein, dass zum Beispiel im Fall der „Spektralkuh“ das von den Kuratorinnen herangezogene Vergleichsbeispiel „Ruhendes Blatt“ von Arp erst mehr als 30 Jahre später datiert ist, so dass nicht von Einflüssen, sondern eher von Korrespondenzen die Rede sein kann. Dies bekräftigt auch Astrid von Asten im lesenswerten Katalogbuch, wenn sie von generellen Entsprechungen bezüglich der Vorstellungen und Visionen beider Künstler spricht.

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links: Hans Arp, Ruhendes Blatt, 1959, rechts: Salvador Dalí, Die Spektralkuh, um 1928, Foto: Mick Vincenz

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Salvador Dalí, Die Spektralkuh, um 1928, Foto: Rainer K. Wick

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Hans Arp, Torso, 1930, Foto: Rainer K. Wick

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Während aber Arps „Torso“ von 1930 mit seinen konvex und konkav gerundeten, geschmeidigen Formen einem abstrahierenden Gestaltungswollen entspringt, tendiert Dalí zu selben Zeit zum Gegenständlichen, wie sein Gemälde „Ohne Titel (Carry-Le-Rouet)“ aus dem Jahr 1930 mit dem gesichtslosen weiblichen Torso in der Bildmitte zeigt

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– ein Bild, das mit seinen scharfen Schlagschatten, der Bogenarchitektur am rechten Bildrand und der am Horizont angedeuteten Eisenbahn an Giorgio de Chiricos „Pittura metafisica“ anschließt. Und in dem monumentalen Tableau „Der Traum der Venus“ (1939) mit den typischen weichen Uhren, der brennenden Giraffe und der Figur mit 65

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Salvador Dalí, Ohne Titel (Carry-Le-Rouet), 1930, Foto: Rainer K. Wick

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Salvador Dalí, Der Traum der Venus, 1939, Foto: Rainer K. Wick

Salvador Dalí, Erleuchtete Lüste, 1929, Foto: Rainer K. Wick

Schubladen und Hummer lässt sich, wenn überhaupt, eine Parallele allenfalls in dem Sinne festmachen, als hier das für beide Künstler essentielle, aber zu sehr unterschiedlichen Resultaten führende gestalterische Prinzip der Metamorphose eine bestimmende Rolle spielt. Dalís Entscheidung für einen konsequent veristischen Surrealismus belegen in Rolandseck weitere spektakuläre Werke wie „Erleuchtete Lüste“ (1929), „Metamorphose des Narziss“ (1937)

oder „Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen“ (1944). Bei den zuletzt genannten Arbeiten Dalís handelt es sich um Leihgaben aus Hiroshima in Japan, New York in den USA, Chichester in England und Madrid in Spanien, und allein um sie zu sehen, dürfte sich ein Tagesausflug nach Rolandseck lohnen.

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Salvador Dalí, Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen, 1944, Foto: Rainer K. Wick

Hans Arp, Kleine Sphinx, 1942, im Hintergrund: Salvador Dalí, Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen, 1944, Foto: Rainer K. Wick

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Den Schlusspunkt der überaus facettenreichen, mit Exponaten reich bestückten und klug inszenierten Ausstellung markiert im Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens die großformatige Dalí-Grafik „Beethovens Kopf“ aus dem Jahr 1973. Schon um 1940 hatte sich der Künstler in einer kleinen, „Beethovens Schädel“ betitelten Federzeichnung mit dem Komponisten auseinandergesetzt, den er als prototypische Erscheinung des Genies betrachtete und den er – surrealistisch verfremdet – in Gestalt einer Gewitterwolke darstellte. Interessant ist das spätere Blatt von 1973 vor allem deshalb, weil Dalí hier einen lebenden Tintenfisch benutzte, der seinen Farbstoff in

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Ausflugsempfehlung der Redaktion:

Salvador Dalí und Hans Arp Die Geburt der Erinnerung noch bis Sonntag, 10. Januar 2021 Arp-Museum Bahnhof Rolandseck, Hans-Arp-Allee 1, 53424 Remagen www.arpmuseum.org

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der Manier einer Klecksografie auf dem Papier verteilte und dessen Spuren der Meister dann mit einigen gezielten Strichen zu einer Art fiktivem Porträt Beethovens vervollständigte. Und auch hier drängt sich erneut der Brückenschlag zu Arp auf, der, wie oben angedeutet, schon 1917 als Dadaist in Zürich den – gesteuerten – Zufall als Gestaltungsprinzip entdeckt hatte und damit zu einem maßgeblichen Impulsgeber für den in den 1920er-Jahren aufblühenden Surrealismus wurde. Rainer K. Wick

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D. Schreyer, A. Nierhaus, Los Angeles Modernism Revisited, Lee Krasner,

256 Seiten mit ca. 200 Farbabbildungen

240 Seiten mit 250 Farbabbildungen,

und Grundrissen,

Hardcover, 28 x 22 cm,

Hardcover, 30 x 23,5 cm,

Hirmer Verlag, 45,- €

Park Books, 48,- €

Neue Kunstbücher vorgestellt von Thomas Hirsch

Strategien der Annäherung

Lee (eigentlich: Lena) Krasner hatte ab 1937 bei Hans Hofmann in Provincetown studiert und war bereits als Künstlerin etabliert, als sie 1941 Pollock kennenlernte. In ihrer Kunst hat sie eine enorme Radikalität an den Tag gelegt: Sie zerschnitt selbst nach Jahrzehnten eigene Bilder und Zeichnungen und setzte die Splitter neu zusammen, erweitert um Malerei. Die Verfahren der Dekonstruktion, flirrenden Abstraktion und Verdichtung äußern sich etwa auch in einer Werkphase, in der sie gelängte Körperfragmente umeinanderlegt und komprimiert. Später geraten die abstrakten Formen in einen kreisenden Wirbel. Ab den 1970er-Jahren klärt und beruhigt sich das Geschehen, große Farbflächen breiten sich auf der Leinwand aus – damit rekapituliert Lee Krasner das Colourfield-Painting.

Der Katalog zur Ausstellungstournee geht exemplarisch vor: Er arbeitet den Erfindungsreichtum und die Variabilität des Œuvres heraus, begleitet von mehreren Texten, darunter ein Interview. Vielleicht unterstützt die Vielschichtigkeit des Buches das Pittoreske des Werkes: Der Kosmos der Malerei von Lee Krasner erschließt sich hier auf eindrucksvolle Weise. Ebenso wie die Monografie über Lee Krasner nähert sich das Buch Los Angeles Modernism Revisited seinem Forschungsgegenstand systematisch in Kapiteln, die jeweils mit Texten eingeleitet sind. Inhaltlich korrigieren beide Bücher Unkenntnisse bzw. Missverständnisse in der Rezeption: Sie rücken ihr Sujet in ein neues Licht. Das Buch, das David Schreyer als Fotograf und Andreas Nierhaus als Autor herausgegeben haben, berichtigt die Sicht des berühmten Architekturfotografen Julius Shulman, der nur das zeigte, was die Architekten erwarteten, und mithin das Leben in Kalifornien romantisierte. Die Darstellung im Verlag Park Books nun stellt 19 Wohnhäuser der 1930er- bis 1960er-Jahre vor, die von so herausragenden Baumeistern wie Richard Neutra und Rudolph Schindler konzipiert wurden, und befragt diese auf ihre Funktionalität und Ästhetik auch für die Gegenwart. Dazu nehmen der Autor und der Fotograf die Perspektive der heutigen Bewohnerinnen und Bewohner ein. Die Wohn- und Arbeitsräume werden in ihren Ausmaßen, aber auch ihren Reizen und Blickachsen anschaulich. Bestimmte durchgehende Qualitäten wie die Lichtführung und die Verschränkung von

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Wer ist Lee Krasner? In Europa war sie lange als Ehefrau des großen Jackson Pollock und nach seinem Tod 1956 als Verwalterin seines Werkes bekannt. Zwar war sie selbst ausgebildete Malerin und stellte mit der US-amerikanischen Avantgarde aus, allerdings trat ihr eigenes Werk zeitweilig in den Hintergrund. Noch zu Lebzeiten aber wurde sie als wichtige Vertreterin des abstrakten Expressionismus geehrt, in ihrem Todesjahr 1984 stellte sie das Museum of Modern Art in New York mit einem Werküberblick vor. Nun findet erstmals eine Retrospektive ihrer Malerei in Europa statt; einzige Station in Deutschland ist die Schirn Kunsthalle in Frankfurt. Aus diesem Anlass ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der wichtige Werkphasen in chronologischer Abfolge zeigt.

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Timm Rautert,

Impressionismus in Skulptur,

Bildanalytische Photographie 1968-1974,

328 Seiten mit 327 Farbabbildungen,

mit 56 Abbildungen-Kapiteln,

Hardcover, 28 x 23 cm,

Leinen mit Schutzumschlag,

Prestel Verlag, 49,90 €

32 x 24 cm, Steidl, 65,- €

Innen und Außen durch viel Glas werden deutlich. Befragt werden statische Aspekte und das Bauen an der Hanglage, hinzu kommen ökologische Überlegungen und restauratorische Aspekte, etwa in Verbindung mit zeitgemäßen Materialien und Bauweisen. Natürlich ist das ein Buch über Architektur, welches sich seinem Thema kritisch und euphorisch nähert und die exponierten Gebäude in Los Angeles modellhaft für ein ökonomisches Bauen in Zeiten zunehmender Bevölkerungsdichte versteht. Davon unabhängig macht es einfach Spaß, mit den Augen durch diese Wohnhäuser zu laufen: am Leben der anderen teilzunehmen und sein eigenes zu befragen.

verschiedene Strategien der Annäherung und der Vermittlung der Erkenntnisse. Dazu ist das Grafikdesign exorbitant und versucht, Ordnung in das eigene Chaos zu bringen. Und doch kommt man dem Impressionismus in der Skulptur so nahe wie kaum sonst. Verschiedene Kapitel widmen sich einzelnen Werken, stellen Zusammenhänge her. Natürlich sind da die historischen Fotos und aktuelle Neuaufnahmen. Einzelne Skulpturen werden freigestellt, es gibt Rundum-Sequenzen, transparente Folien, bei denen die Aufnahmen übereinander liegen, und sogar eine Fotografie aus der Vogelperspektive – und das ist, neben aller inhaltlichen Erkenntnis, ziemlich spektakulär.

en passant heißt die Sommerausstellung im Städel Museum in Frankfurt; verlängert bis zum 25. Oktober, widmet sie sich dem Impressionismus in der Skulptur. Das Katalogbuch dazu hat etwas Überbordendes, und es ringt sichtlich um die Überschaubarkeit. Zunächst wird der Impressionismus selbst thematisiert: als Teil der Kunst der Moderne sowie in Bezug auf das Medium Skulptur. Wichtige Aspekte sind dabei das Licht und ein neues Sehen und die Formulierung von Bewegung mittels Hebungen und Senkungen der Körper.

Längst schon ist Timm Rautert hierzulande als Fotograf, Fotografietheoretiker und Hochschullehrer in Leipzig und Essen eine Instanz. Etliche Publikationen widmen sich den verschiedenen Aspekten seines Werkes, aber erstmals nun wird eines seiner wichtigsten frühen Projekte in Gänze vorgestellt: Seine Bildanalytische Photographie 1968-1974 ist so eine Art Baukasten für das eigene künftige Werk, aber überhaupt für das Medium Fotografie. Sehr großzügig, Seite für Seite demonstriert Rautert verschiedene Handhabungen der Kamera und der Herangehensweise an eigene und fremde fotografische Bilder: eine Befragung dessen, was Fotografie ist und wie sie sich zur Wirklichkeit verhält. Wie manipulativ sie sein kann, was für ein Potenzial in ihr steckt, wie sie an der Oberfläche scheitert und wie sie zum Kern der Wirklichkeit vordringt. Das ist nüchtern und nicht immer verständlich, beziehungsweise im Kontext klären sich diese Versuche der Annäherung dann doch. Einen großen Anteil daran hat die großartige, gelassene Buchgestaltung: Bücher im Steidl Verlag sind sowieso, auf ihre Weise, eine Fortsetzung der Kunst mit anderen Mitteln.

Vorgestellt werden sodann einzelne Bildhauer: Edgar Degas, Medardo Rosso, Auguste Rodin, der weniger bekannte Paolo Troubetzkoy und Rembrandt Bugatti, der das Tier als Gegenstand plastischer Erkundung wählte und zugleich den Aspekt der Bewegung vertiefte. Und schließlich geht es noch um die Rolle der Fotografie, die zu der Zeit selbst in den Kinderschuhen steckte. Viele der Bildhauer zogen eben nicht nur die Zeichnung (die gleichfalls berücksichtigt wird) hinzu, sondern auch (eigene) Fotografien. Bei all dem wird das Buch manchmal unübersichtlich. Es wählt

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en passant.

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Paragrafenreiter

Kann ich als Vater eines kommunistischen Sohnes Steuern sparen? Was bisher geschah: Friedrich Engels wurde in Barmen geboren, ging zur Schule, machte eine Lehre und hätte seinem Vater währenddessen nach heutigem Steuerrecht bis zu seinem 22. Lebensjahr jährlich einen steuersparenden Kinderfreibetrag verschafft. Doch dann lief Friedrichs Leben nach Ansicht seines Vaters schief und dem bis dahin vielversprechenden Kaufmannssohn Karl Marx über den Weg.

Das gestaltete sich allerdings schwierig, weil die Zeit offenbar noch nicht reif für die Gedanken der beiden Freunde war und beide kaum Geld für ihre philosophischen und nationalökonomischen Schriften erhielten. Aber zumindest hatte Friedrich vermögende Eltern, bei denen er nach seinem Besuch bei Karl wieder wohnen, essen und den Kommunismus propagieren konnte. Vater Engels fand das zwar peinlich, gewährte seinem Sohn aber Unterkunft und wäre damit auch nach heutigem Steuerrecht gar nicht so schlecht gefahren. Denn auch wenn er aufgrund des Alters und der abgeschlossenen Ausbildung seines Sohnes keinen Kinderfreibetrag mehr für ihn erhalten hätte, so hätte er doch für ein zu seinem inländischen Haushalt gehörendes Kind, das weder eigenes Einkommen noch Vermögen hat, im Jahr 2020 bis zu 9408 € als außergewöhnliche Belastung einkommens- und steuermindernd

Denn der hielt zur Erbauung der dortigen Kaufmannschaft in mehreren Elberfelder Hotels Vorträge über den Kommunismus. Arbeiter besuchten diese Veranstaltungen nicht, aber immerhin behauptete Friedrich in einem Brief an Karl, es sei ihm gelungen, den Barmer Polizeikommissionär von ihren Ideen zu überzeugen. Mit dem Elberfelder Oberbürgermeister und dem Düsseldorfer Regierungspräsidenten gelang ihm das nicht – als im Frühjahr 1845 seine Verhaftung kurz bevorstand, setzte er sich nach Belgien und später nach England ab. Leider wird für im Ausland lebende unterhaltsberechtigte und erwerbsfähige Personen angenommen, sie seien in der Lage, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Die Zahlungen an sie werden nicht als außergewöhnliche Belastung im Sinne heutigen Steuerrechts anerkannt. Im Sinne eines Vaters, Unternehmers und Pietisten war Friedrich jedoch eine mehr als außergewöhnliche Belastung: Ein Sohn, der kommunistisches Gedankengut verbreitete, davon noch nicht einmal leben konnte, ins Ausland flüchten musste und dort dauerhaft der finanziellen Unterstützung bedurfte, war die Höchststrafe! (Fortsetzung folgt) Susanne Schäfer

Susanne Schäfer, Steuerberaterin, Geschäftsführerin der RINKE TREUHAND GmbH

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Tatsächlich hätte Friedrich im Jahr 1844 nach einem zweijährigen Aufenthalt in Manchester nach Barmen zurückkehren und weiterhin für seinen Vater arbeiten sollen. Dummerweise machte er auf dem Heimweg einen kleinen Abstecher nach Paris, dem damaligen Wohnort von Karl Marx, und hatte danach keine Lust mehr, seinen Lebensunterhalt als Kaufmannsgehilfe zu verdienen. Lieber wollte er das als Journalist und Schriftsteller tun.

gelten machen können – trotz des bedenklichen Lebenswandels seines Sohnes.

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Kulturtipps AUSSTELLUNGEN: Von der Heydt-Museum Turmhof 8, 42103 Wuppertal bis 10. Januar 2021

Hannsjörg Voth Zu Lande und zu Wasser Die Ausstellung spannt einen Bogen von den beeindruckenden Großprojekten bis hin zu Arbeiten auf Papier, die bis 2007 entstanden sind. Die retrospektive Zusammenstellung beleuchtet Voths über Jahrzehnte währende künstlerische Arbeit und Entwicklung und zeigt, wie intensiv und medial vielseitig sich der Künstler mit Themen wie Natur, Zivilisation, Mensch und Umwelt auseinandersetzt.

Hengesbach Gallery Vogelsangstraße 20, 42109 Wuppertal

Christopher Muller

Fotografie, Collage & Malerei Christopher Muller hat in seiner künstlerischen Beschäftigung unterschiedlichste Blickmöglichkeiten in Augenschein genommen, sie immer wieder anders eingestellt und zugleich reflektiert, sich dabei aber nie ein humorvolles Augenzwinkern versagt. Er hat die nicht entscheidenden Momente unseres sich verflüchtigenden Lebens in seinen Arbeiten ver-

seiner Relevanz für das 21. Jahrhundert infrage, demontieren es oder entwickeln es weiter.

Museum Morsbroich

Neuer Kunstverein Wuppertal e.V.

Gustav-Heinemann-Str. 80, 51377 Leverkusen bis Sonntag, 15. November 2020

Reale Fiktionen & ebensolche Simulationen Manuel Graf & Co / Matthias Wollgast In der Ausstellung tauchen wir mit den Werken von Matthias Wollgast und Manuel Graf, der einige Arbeiten gemeinsam mit Michel Büchsenmann geschaffen hat, in „Welten“ ein - Welten analoger oder digitaler oder hybrider Natur – und verstricken uns in das Spiel mit verschiedenen physischen und virtuellen Ebenen. Was bleibt? Das Nachdenken über große „Erzählungen“ oder Sinnstiftungen – kulturgeschichtlicher, religionsgeschichtlicher, existenzieller oder wahrnehmungskritischer Art.

Hofaue 51, 42103 Wuppertal Fr., 9. bis Sa., 17. Oktober 2020 Eröffnung: Fr., 9. Okt. 2020, 18-22 Uhr

Julia Bünnagel DEAD AIR

eingeladen von Frauke Berg Julia Bünnagel arbeitet spartenübergreifend als Bildhauerin, Soundperformerin und Installationskünstlerin. Ihre gattungssprengenden Arbeiten umfassen Skulpturen, großformatige modulare Installationen, Kunst am Bau und Soundobjekte bis zu Schriftbildern und Publikationen. Als Quellen für ihre Arbeiten dienen ihr audiovisuelle Beobachtungen aus Kybernetik, Architektur, Science-Fiction, Musik und Wahrnehmungstheorie.

6. Dezember 2020 bis 7. März 2021 Eröffnung: Sa., 5. Dezember 2020, 15 Uhr

From A to B

Von Straßen, Highways und Datenströmen Die Ausstellung geht der Frage nach, welche Grundprinzipien menschlichen Denkens und Handelns in der Form der Straße als Konstrukt von Linearität zum Tragen kommen – ideengeschichtlich sowie angesichts der allmählichen Transformation in virtuelle Welten. In den Medien Fotografie und Video untersuchen die beteiligten Künstlerinnen und Künstler das Motiv der Straße, sie stellen es in

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noch bis 16. Oktober 2020

dichtet und darin zu einer unerwarteten Entscheidung gebracht, die sagt, was und wie wir sind.

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6. bis 14. November 2020

Ausstellung der Schulkooperation

27. November bis 5. Dezember 2020

Magdalena von Rudy/ Oliver Gather

INTERPLAY – Steam and Games eingeladen von Oliver Gather

11. bis 20. Dezember 2020

Sebastian Jung Bananen für Wuppertal eingeladen von Alexander Wagner

Skulpturenpark Waldfrieden Hirschstr. 12, 42285 Wuppertal bis 3. Januar 2021

Sean Scully – insideoutside Sean Scully (*1945) ist ein sehr produktiver, international renommierter Maler. Wie seine aktuelle Ausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden zeigt, arbeitet er parallel mit unterschiedlichen Materialien wie Stein, Stahl, Holz und Glas an großformatigen Werken, die in Innen- und Außenräumen aufgestellt werden. Charakteristisch für seine Skulpturen – wie auch für seine Gemälde – sind sorgfältig komponierte und geschichtete Raster, Linien, Streifen und Blöcke.

tallation. Sophia Hose greift in ihren Installationen, Videos und grafischen Arbeiten Ansichten und Orte des Alltags auf. Sie entwirft verschiedene Perspektiven auf das Innen und Außen sowie auf deren Konstruktion und Begrenzung.

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Plateniusstraße 35, 42105 Wuppertal Samstag, 3. Oktober 2020, 15 Uhr Shift Tanzperformances

BÜHNE: Café Ada Wiesenstraße 6, 42105 Wuppertal 31. Oktober 2020, 19.30 Uhr und 1. November 2020, 18 Uhr

Die menschliche Stimme Der Solo-Einakter „Die menschliche Stimme“, uraufgeführt 1930 in Paris, gehört zu Jean Cocteaus berühmtesten Bühnenwerken. Ein letztes Telefonat mit dem Geliebten, der sie verlassen hat. Die Frau gibt vor, stark zu sein, vernünftig. Dann wieder Gefühlsausbrüche. Die Wuppertaler Schauspielerin Petra Koßmann steht in der Inszenierung von Beate Rüter bewegungsunfähig eingeschnürt auf der Bühne, erst spät fallen die Fesseln. Großartig gelingt es ihr dabei, das ganze Gefühlsspektrum einzig über Mimik und Stimme auszudrücken.

Foto: Stéphane Bellocq

Die Tänzerinnen und Tänzer spielen mit den örtlichen Schwingungen, mit der Architektur und Atmosphäre. Sie verwandeln die Orte in Stationen poetischer, skurriler und ergreifender Momente. Bewegungsstrukturen werden gespiegelt, verdichtet, verwandelt. Bewegung im Zufallspublikum wird aufgegriffen, weitergeführt. Abstrakte Klänge, Soundteppiche, wechseln mit Songs.

Opernhaus

Universitätsgalerie Oktogon

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LOCH

Kurt-Drees-Straße 4, 42283 Wuppertal

Wormser Straße 55, 42119 Wuppertal Premiere: Sa., 31. Okt. 2020, 19.30 Uhr Sonntag, 11. Okt. 2020, 14 bis 17 Uhr Sonntag, 8. Nov. 2020, 14 bis 17 Uhr Samstag, 12. Dez. 2020, 14 bis 17 Uhr Finissage, So., 13. Dez. 2020, 14 bis 17 Uhr

Der Barbier von Sevilla

Für Ihre Ausstellung in der Universitätsgalerie Oktogon in Wuppertal präsentiert sie eine ortsbezogene Ins-

Premiere: Fr., 2. Nov. 2020, 19.30 Uhr

von Gioachino Rossini

Premiere: So., 20. Dez. 2020, 16 Uhr Die Piraten von Gilbert & Sullivan

Panorama Park von Sophia Hose

Die Weber Foto: Anja Dassler

von Gerhart Hauptmann

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Theater am Engelsgarten Engelsstraße 18, 42283 Wuppertal Premiere: Sonntag, 15. November 2020, 16 Uhr Robin Hood von Henner Kallmeyer Musik von William Shaw, Familienstück ab 6 Jahren, in Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester Wuppertal

Teo Otto Theater Remscheid

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azz meeting wuppertal 31.10. – 7.11.

Konrad-Adenauer-Str. 31-33, 42853 Remscheid

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Samstag, 24. Oktober 2020, 19.30 Uhr

1 FESTIVAL 5 ORTE 6 KONZERTE 12 BANDS 44 MUSIKER*INNEN JAZZMEETING -WUPPERTAL.DE VERANSTALTET VON OPENSKY E.V.

Compagnie Illicite Bayonne Contemporary Dance

Samstag, 21. November 2020, 19.30 Uhr

Jon Lehrer Dance Company Bernstein Celebration Modern Jazz Dance Montag, 21. Dezember 2020, 19.30 Uhr

Rumänisches Staatsballett „Oleg Danovski“ Fantasio, Die Schöne und das Biest von Horatiu Chereches Musik: Peter I. Tschaikowsky

MUSIK: Peter Kowald Gesellschaft/ort e. V. Luisenstraße 116, 42103 Wuppertal

Kultur auf der Siegesstraße

Mittwoch, 7. Oktober 2020, 20 Uhr

Michael Zerang (Percussion, USA), Irene Tomazin (Gesang, SLO), Gäste: Angelika Sheridan (Flöten), Ute Völker (Akkordeon). Die 50. Soundtrips-Folge schickt den us-amerikanischen Perkussionisten Michael Zerang und die slowenische Vokalistin Irene Tomazin auf die Reise durch NRW, wo sie auf wechselnde lokale/regionale Akteurinnen und Akteure treffen werden. Donnerstag, 15. Oktober 2020, 20 Uhr

Doppelkonzert: rant

Merle Bennett (Schlagzeug), Torsten Papenheim (Gitarre), Angelika Sheridan (Flöten), Ute Völker (Akkordeon). Seit 2004 spielen Merle Bennett und Torsten Papenheim als rant zusammen. Mit Gitarre und Schlagzeug kreieren sie ihre charakteristische Klangsprache und loten die Mög-

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Aussetzung der Veranstaltungen Infolge der effektiven Umsetzung der Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie finden bis auf Weiteres keine Veranstaltungen in unserem Hause statt! Wir hoffen, dass Sie und Ihre Angehörigen gesund bleiben. Auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen in Ihrer laréna Eventlounge

www.larena-wuppertal.de „l‘aréna“, Siegesstraße 110, 42287 Wuppertal Tel.: 02 02 / 42 97 83 - 50/51/52, info@larena-wuppertal.de

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lichkeiten des Duospiels aus. rant spielen eine Musik des Andeutens, Erweiterns und Verwerfens. Das miteinander verzahnte Spiel der beiden schafft eine Balance zwischen Präzision und Verspieltheit, Geräusch und Song. Die Musik von rant bewegt sich nicht zwischen, sondern inmitten vieler Welten. Angelika Sheridan (Flöten) und Ute Völker (Akkordeon) sind zum zweiten Mal in kurzer Zeit im ORT zu Gast und bieten damit Gelegenheit, ihre ganze Vielseitigkeit zu erleben. Beider Instrumente erklingen durch die Zufuhr von Luft, die sie so hochdifferenziert und subtil zu dosieren wissen, dass sie damit federleicht durch das gesamte Spektrum zwischen klassischer Tongebung und feinsten Geräuschgeweben balancieren. Donnerstag, 29. Oktober 2020, 20 Uhr

jazzpool NRW – „Schöne blaue Donau“

tronics, Objects), Gäste: Joachim Zoepf (reeds), Achim Tang (Kontrabass). Albert-Mangelsdorff-Preisträger Achim Kaufmann arbeitet mit traditionellen Klavierklängen und Pedal-Echos ebenso wie mit Präparationen und Aktionen im Flügelinneren. Sie treffen auf fein ausdifferenzierte elektronische Schleifen und Klangflächen, die Ignaz Schick mit Turntables, Sampler und Looper erzeugt. Akustische und elektronische Komponenten greifen so ineinander, dass sie kaum noch zu unterscheiden sind. Es entsteht eine ganz eigene Klangwelt, die in bester Tradition europäischer Improvisation steht und diese weiter fortspinnt. Sonntag, 6. Dezember 2020, 20 Uhr

Alexander von Schlippenbach Trio Sie sind lebende Legenden und bringen mehr als ein halbes Jahrhundert Improvisationskunst mit: die Alt-Heroen des Free Jazz Alexander von Schlippenbach (Piano), Evan Parker (Saxofon) und Paul Lytton (Schlagzeug). Seit Jahren halten sie dem ORT die Treue und beschließen hier ihr Jahresprogramm.

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Foto: Karl-Heinz Krauskopf

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Alljährlich kreiert der jazzpool NRW unter Federführung des Schlagzeugers Peter Weiss ein neues Ensemble, in dem Musikerinnen und Musiker von Rhein und Ruhr auf Jazzleute aus einem europäischen Partnerland treffen. 2020 ist es kein Land, sondern eine Kulturregion: die Donau. Kaum eine Region in der Mitte Europas bietet so viel volksnahe künstlerische Tradition wie den Wiener Walzer und den ungarischen Csárdás, eine so üppig gelebte klassische Kultur – und auch der Jazzmeister Joe Zawinul kam von der Donau. Mit Zoltan Lantos (Violine), Paul Zauner (Posaune), Wolfgang Schmidtke (Saxofon), Norbert Scholly (Gitarre), Philipp van Endert (Gitarre), Matthias Akeo Nowak (Kontrabass), Peter Weiss (Schlagzeug). Sonntag, 8. November 2020, 20 Uhr

soundtrips NRW – look inside 51 Achim Kaufmann (Klavier), Ignaz Schick (Turntables, Elec-

Donnerstag, 15. Oktober 2020, 19.30 Uhr Lyschko Kult & Klang Auf der Suche nach Antworten auf die essentiellen Fragen der Generation Y: „Wer bin ich und wer möchte ich sein?“, finden sich die drei Musikerinnen und Musiker irgendwo zwischen Verzweiflung und Romantik, aktuellem PostPunk und dem Wave der 80er. Freitag, 23. Oktober 2020, 20 Uhr Tempus Perfectum by abstrakt.club Wie viele Phasenverschiebungen liegt Minimal Music von Minimal Techno entfernt? Die sechsteilige Konzertreihe tempus perfectum schließt den Kreis zwischen der Avantgarde von gestern und der Clubmusik von heute. Samstag, 5. Dezember 2020, 20 Uhr Jazz Club Shannon Barnett-Wolves and Mirrors Mit der neuen Formation Wolves and Mirrors erzählt die australische Posaunistin und Sängerin in minimalistischen eigenen Songs von Themen, die sie persönlich bewegen. Eine ungewöhnliche Besetzung, bestehend aus einzigartigen kreativen Stimmen, schafft eine Synergie voller Verletzlichkeit und Intensität.

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Samstag, 19. Dezember 2020, 20 Uhr Jazz Club Schnellertollermeier Es gibt Bands, die schöne, intensive Konzerte spielen, sich verbeugen und nach Hause gehen – und es gibt Bands, die Türen aufstoßen, die Zeit anhalten und sich mit einer klaren Haltung in die Erinnerung des Publikums einschreiben. Schnellertollermeier sind eine solche Band. Ihre Konzerte sind energetische Entladungen aus dem Spannungsfeld zwischen moderner Komposition und freier Improvisation, und hinter den Türen, die die Band öffnet, liegen neue, unvermessene Landschaften aus Minimal Music, Avantgarde und elektronischen Einflüssen, versehen mit Anleihen aus Krautrock und der Direktheit von Punk.

KINO: cine:ort, Peter Kowald Gesellschaft/ort e.V. Luisenstraße 116, 42103 Wuppertal Donnerstag, 1. Oktober 2020, 20 Uhr Film von Stephan Lamby, 2019, 90 min. Es gibt nur wenige deutsche Jazzmusikerinnen und Musiker von Weltrang. Gleich zwei davon kommen aus einer Familie: Rolf Kühn, Meister der Jazz-Klarinette, und Joachim Kühn, Klaviervirtuose von Weltruf. Der Dokumentarfilmer Stephan Lamby erzählt die außergewöhnliche Lebensgeschichte der Brüder Rolf und Joachim Kühn und beobachtet sie auf ihren Tourneen. Der Jazzfilm ist auch eine Zeitreise durch die deutsche Geschichte - aus Sicht der beiden Musiker.

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Donnerstag, 3. Dezember 2020, 20 Uhr

„Sounds and Silence“

Film von Peter Guyer und Norbert Wiedmer, Schweiz 2010, 90 min. Unterwegs mit Manfred Eicher, dem bedeutenden Produzenten, Gründer von ECM-Records und Vermittler zeitgenössischer Musik, durch eine Welt der Töne, Klänge und Geräusche. Eine Reise mit vielen Begegnungen mit MusikerInnen und KomponistInnen, darunter Arvo Pärt, Eleni Karaindrou, Dino Saluzzi, Anouar Brahem, Gianluigi Trovesi, Marilyn Mazur, Nik Bärtsch, Kim Kashkashian, Jan Garbarek und viele weitere – und eine Spurensuche zu Städten und Landschaften.

LESUNGEN: Begegnungsstätte Alte Synagoge Genügsamkeitsstraße, 42105 Wuppertal Die Begegnungsstätte Alte Synagoge setzt mit Expertinnen und Experten ihre achtteilige Vortragsserie über Antisemitismus unter dem Titel „... ein Gerücht über die Juden“ fort. Do., 8. Oktober 2020, 19.30 Uhr

Vor 10.000 Jahren waren wir alle schwarz.

Donnerstag, 12. November 2020, 20 Uhr

„Karl Berger – Music Mind“ Film von Julian Benedikt und Axel Kroell, 2019, 55 min.

Do., 29. Oktober 2020, 19.30 Uhr

„Getto, Geld und gelber Fleck“.

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„Brüder Kühn – Zwei Musiker spielen sich frei“

Wie kaum ein anderer seiner Generation hat der promovierte Musikwissenschaftler Karl Berger als Pianist und Vibrafonist die freie Improvisation und vor allem die Weltmusik geprägt. Der Film zeichnet seine Reise von Heidelberg über Paris bis nach Woodstock nach und dokumentiert sein gefeiertes Jubiläumskonzert bei den Jazztagen in Stuttgart.

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Impressum Herausgeber und v.i.S.d.P.: Schwebetal, Stadtteilverlag Wuppertal

Gastbeiträge durch Autoren spiegeln nicht immer die Meinung des Verlages und

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der Herausgeber wider. Für den Inhalt dieser Beiträge zeichnen die jeweiligen

Redaktion: Willi Barczat, Rita Küster, Juliane Steinbach

Autoren verantwortlich.

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Titelbild: Peter Schmersal, Vier nackte Frauen / vier Hexen, nach Albrecht Dürer,

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34 x 26 cm , 2018, Öl auf Leinwand Erscheinungsweise: vierteljährlich, Erfüllungsort und Gerichtsstand: Wuppertal Trotz journalistischer Sorgfalt wird für Verzögerung, Irrtümer oder Unterlassungen keine Haftung übernommen. Texte und Fotos: Bildnachweise/Textquellen sind unter den Beiträgen vermerkt. Haftung oder Garantie für Richtigkeit, Aktualität, Schreibweise, Inhalt und Vollständigkeit der Informationen kann nicht übernommen werden. Kürzungen bzw. Textänderungen, sofern nicht sinnentstellend, liegen im Ermessen der Redaktion. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann keine Gewähr übernommen werden. Nachdruck - auch auszugsweise - von Beiträgen innerhalb der gesetzlichen Schutzfrist nur mit der ausdrücklichen Genehmigung des Verlages.

Verlag Wuppertal Schwebetal Verlag Wuppertal W. Barczat · R. Küster, · J. Steinbach Friedrich-Engels-Allee 191a · 42285 Wuppertal Telefon: 0202 313431 · info@schwebetal-verlag.de www.schwebetal-verlag.de

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