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MAGAZIN

NR. 39, 3. QUARTAL 2020 ∙ 12 EURO

CORONA —

KRISENPLAN DER BANKEN

WIRECARD —

— 16 —

DIE BLAMIERTE HOCHFINANZ — 88 —

EXKLUSIV —

AUFSEHER FÜR EIN ENDE DER DIVIDENDE — 70 —

BÖRSIANER BLOG: DERBOERSIANER.COM

DIE GRÜNE SEELE DES ÖLMANNS TOPVERDIENER RAINER SEELE — 08 —

SCHALLER PLEITEN BLIEBEN BISHER AUS

STROBL KREDITE WERDEN TEURER

DEMUTH AKTIEN SIND ELITENPHÄNOMEN


Josef Höger, Detail aus «Blick vom Garten auf Burg und Schloss Liechtenstein bei Mödling», 1844 © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

VALUES WORTH SHARING

«Unsere Familie investiert langfristig – seit 1136.» S.D. Prinz Philipp von und zu Liechtenstein, LGT Chairman seit 1990

lgt.at/values


H RASC TER B : DIE OTO F R E COV

EDITORIAL BÖRSIANER NR. 39

DOMINIK HOJAS Chefredakteur Börsianer

FOLGEN SIE UNS LIVE: DERBOERSIANER.COM (BLOG) LINKEDIN BÖRSIANER FRIENDS TWITTER.COM/DERBOERSIANER

Liebe Börsianer!

M

an stelle sich vor, ein Vorstand eines prominenten Staats­ unternehmens soll laut Staatsanwaltschaft „Suchtgift erwor­ ben, besessen, anderen angeboten und überlassen haben“.

Die Causa ist in sehr amüsanten Chatprotokollen auf seinem Smart­

phone nachzulesen, wie mir die Aufdecker berichten. Man würde glau­ ben, die Angelegenheit wäre jetzt dem Betroffenen so hochnotpeinlich, dass er sich entschuldigt und freiwillig seinen Sessel räumt, um einen Schaden von der Republik Österreich und dem Finanzplatz abzuwenden.

Auffällig auffällig Nicht so der betroffene Öbag-Vorstand Thomas Schmid. Für ihn gilt neben der Unschuldsvermutung: Business as usual. Er bleibt im Amt der Staatsholding, schweigt sich aus, leitet die Hauptversammlung der börsennotierten Verbund AG, tritt dabei den verwunderten Investo­ ren gegenüber und trifft weiterhin die peinlich berührten Topmana­ ger der Öbag-Beteiligungen OMV AG, Verbund AG, Post AG oder Ca­ sinos Austria AG. Zwischendurch macht er noch einen Abstecher zum brisanten Ibi­ za-U-Ausschuss - er gilt auch in der Casinos-Affäre als Beschuldig­ ter. Kraft hat er dafür auf der Jetset-Insel Sardinien getankt. Genauer gesagt, in der privaten Villa der Medienfamilie Dichand. Ein Compli­ ance-Problem wäre dem Staatsmanager dabei nicht in den Sinn ge­ kommen. Und wie reagiert der Öbag-Aufsichtsrat rund um den Vorsit­ zenden Helmut Kern? Er hält ihm, nachdem ein negativer Drogentest und eine eidesstattliche Erklärung vorgelegt wurde, die Stange.

Verrückte Republik Ich frage mich, was ist los in unserer Republik? An wem sollen wir

3

Ausblicke. Nach einem intensiven Austausch mit dem ­Börsianer des Quartals, OMV-Boss Rainer Seele, durfte das Selfie mit der „­Börsianer“-Chefredaktion nicht fehlen. Die Stimmung passte.


EDITORIAL BÖRSIANER NR. 39

uns noch orientieren? Der Politiker Gudenus kokst, unser Öbag-Chef eifert ihm laut Behörden nach, Ex-Vizekanzler Strache pfeift sich auf Parteikosten Potenzmittel wie Smarties rein, der Ex-Kanzlerin Brigit­ te Bierlein zupft die Exekutive nach einer feuchtfröhlichen Runde im Schwarzen Kameel den Führerschein. Selbst Bundespräsident Van der Bellen schlägt nachts im Schanigarten über die Stränge. Bessere Storys könnte ich mir als Journalist gar nicht ausmalen. Dabei obliegt es mir nicht, über die Schuld der einzelnen Betroffe­ nen zu richten, dafür haben wir einen Rechtsstaat und Gerichte, aber es sei mir gestattet, an die Moral zu appellieren. Manager und Politiker, sollten neben der unternehmerischen und rechtlichen auch eine hohe moralische Verantwortung an den Tag legen.

Kapitalmarktkodex Wir am Kapitalmarkt regeln all diese Aspekte in einem sehr elegan­ ten Corporate-Governance-Kodex, unserer Verfassung. Ich denke, es ist ein guter Zeitpunkt, an diesen zu erinnern und den Marktteilneh­ mern zu danken, die sich zum Wohle aller Stake- und Shareholder dar­ an halten. Sie bilden das Rückgrat für unsere Glaubwürdigkeit in der Öf­ fentlichkeit. An diesen Vorbildern sollten wir uns orientieren. Schließ­ lich lebt ein Kapitalmarkt vom Vertrauen. Dieses Vertrauen hat Tho­ mas Schmid verspielt, ein Umstand, der am Finanzmarkt schwer wiegt. Eigentlich würde ich an dieser Stelle gern über die Strategie der Öbag sprechen. Die Corona-Krise wäre für die Öbag eine großartige Chance gewesen, sich aktiv und sehr günstig an heimischen Unter­ nehmen zu beteiligen. Statt Hilfsgelder zu verteilen, hätte der Staat mit strategischen Minderheitsbeteiligungen an Unternehmen punk­ tuell helfen und mit den Investments gleichzeitig langfristig Gewinne für das gebeutelte Budget erwirtschaften können.

Investments in den Standort So ein aktives nationales rot-weiß-rotes Investmentvehikel würde mir gefallen. Es könnte den Kapitalmarkt Österreich stärken, die ATX-Per­

Duo infernale. Mit Helmut Ettl und Eduard Müller prallen zwei sehr ­unterschiedliche Charaktere im FMA-Vorstand aufeinander. Auf das ­Miteinander sind wir gespannt. Zum Abschluss des Gesprächs gab’s ein Erinnerungsselfie mit der „Börsianer“-Chefredaktion.

formance pushen und bei Schlüsselindustrien die Beteiligung notfalls sogar ausbauen. Auch in der Schweiz kauft der Staat über die National­ bank SNB seit einiger Zeit Aktien der SMI-Konzerne und stützt so die Inlandsnachfrage. Der norwegische Staatsfonds gilt ohnehin als einer der größten weltweiten Aktionäre. Leider gibt es hierzulande zu wenige Initiativen in diese Richtung. Es bräuchte für eine aktive Öbag ein Signal aus der Bundesregierung. Den Rahmen dafür hat man mit einem prominenten Expertenkomitee für Investments bereits vor einiger Zeit geschaffen. Allein die Trans­ aktionen blieben bisher aus. Vielleicht müssen wir nochmals über ihre Strategie sprechen, wenn die Aufregung um die Drogen-Causa abge­ klungen ist. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Viel Vergnügen mit der Lektüre wünscht Ihnen

Virtueller Austausch. Geld oder Leben und Gesundheitsaktien ­standen im Fokus des Börsianer Salons und der Börsianer Roadshow. Beide Events gingen virtuell über die Bühne, Corona sei Dank. Es wurde leidenschaftlich diskutiert.

Dominik Hojas d.hojas@derboersianer.com Twitter @DominikHojas

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Green Finance – der Finanzsektor als Zentraler Hebel für den Klimaschutz Investitionen in eine nachhaltige Zukunft sind auch in Krisenzeiten unerlässlich. Bei Investitionsund Finanzierungsentscheidungen in der Corona-Krise darf nicht übersehen werden, dass die Bewältigung der aktuellen Krise mit der Gestaltung einer nachhaltigen und klimafreundlichen Zukunft Hand in Hand gehen muss. Unter dem Schlagwort Green Finance findet man einen solchen zentralen Baustein zur Bewältigung der Klimakrise, der gleichzeitig als Motor für Investitionen in grüne, innovative und nachhaltige Aktivitäten dient. Investitionen in eine nachhaltige Zukunft sind nicht nur

Österreich legt Green Bond auf

ein gutes Werkzeug im Kampf gegen die Klimakrise, son-

Gerade bei Green Bonds zeichnet sich ein starker Trend

dern schaffen auch Arbeitsplätze, erhöhen die Lebens-

ab. Bei diesen Anleihen werden finanzielle Mittel direkt

qualität und sind eine Chance für die Wirtschaft.

für Investitionen in grüne Projekte verwendet: von Energieeffizienzmaßnahmen über nachhaltige Energie-

Die Regierung investiert Milliarden Euro in Klimaschutz-

gewinnung bis hin zu sauberer Mobilität. Die österrei-

maßnahmen, um die ambitionierten Klima- und Energie-

chische Bundesregierung möchte diesem Trend folgen

ziele zu erreichen. Daneben gilt es, Investitionsvolumina

und bekennt sich im Regierungsprogramm zur Auflage

aus dem Privatsektor zu mobilisieren und für nach-

eines Green Bonds durch die Österreichische Bundesfi-

haltiges Investment zu gewinnen, um gemeinsam eine

nanzierungsagentur (ÖBFA). Die auf europäischer Ebene

nachhaltige Zukunft zu gestalten. Der Finanzbereich ist

verhandelte Taxonomie wird erstmals eine einheitliche

ein zentraler Hebel für den Klimaschutz. Die Nachfrage

Definition für nachhaltige Finanzierung liefern, dadurch

und das Angebot im Bereich Green Finance sind in den

mehr Klarheit und Transparenz für Finanzmarktakteure

vergangenen Jahren rasant gewachsen. Die als nachhal-

schaffen und auch für den Österreichischen Green Bond

tig zertifizierten Produkte finden ihren Weg heraus aus

eine wichtige Grundlage bilden.

der Nische. Im Februar 2019 startete die österreichische Bundes-

Nachhaltige Geld-Anlagen immer beliebter

regierung daher im Rahmen der Focal Group Green

Anlegerinnen und Anleger suchen zunehmend nach-

Finance den Prozess zur Entwicklung der österreichi-

haltige Anlageformen um einerseits finanzielle Risiken

schen Green Finance Agenda. Sie soll im 3. Quartal

zu minimieren und andererseits einen Beitrag zum

2020 veröffentlicht werden und maßgeblich zur grünen

Klimaschutz zu leisten. In Österreich wurden 2018 21,8

Konjunkturbelebung nach der Corona-Krise beitragen.

Mrd. Euro nachhaltig angelegt – so viel wie nie zuvor.

Ziel ist, privates Kapital für nachhaltige Investitionen zu

Hierzulande können nachhaltige Fonds seit 2004 mit

mobilisieren, klimabedingte Risiken zu reduzieren und

dem Umweltzeichen für nachhaltige Finanzprodukte

Langfristigkeit zu fördern.

(UZ 49) ausgezeichnet werden. Die Anzahl der UZ 49-zertifizierten Fonds ist von zehn im Jahr 2004 auf 132

Fest steht:

mit Ende 2019 angestiegen. Nach der überarbeiteten

Der Finanzmarkt kann einen wesentlichen Beitrag zur

Umweltzeichen–Richtlinie, die am 1.1.2020 veröffentlicht

Belebung der österreichischen Konjunktur bei gleichzei-

wurde, ist eine Zertifizierung seit 2020 erstmals auch

tiger Erreichung der Klimaziele leisten und dabei Green

für nachhaltige Spar– und Giroprodukte sowie für Green

Finance von der Nische in den Mainstream bringen.

Bonds möglich.

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

bmk.gv.at


INHALT BÖRSIANER NR. 39

CORONA

Der Krisenplan der Banken

16

FINANZPLATZ DIE GRÜNE SEELE DES ÖLMANNS 08 Mit dem von langer Hand ge­ planten Borealis-Deal schlägt OMV-Boss Rainer Seele gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Er unterstreicht mit der Trans­ formation des Öl- und Gaskon­ zerns seinen ausgezeichneten Track-Record. Seine Top-Gage

COVER

Die grüne Seele des Ölmanns

ruft indes Neider auf den Plan.

08

BANKEN Die heimlichen Helfer

16

BÖRSE Distanzierte

46

Aktionärstreffen

AUFSICHT FMA-Interview: Zuckerbrot und Peitsche WIRTSCHAFT Wer zahlt die Zeche?

70

74

KARRIERE Zurück am Platz

RISIKEN

Interview mit neuer FMA-Spitze

70

6

80


RANKING

Die 50 besten ­Fondsmanager

80

RENDITE WIENER BÖRSE Chartvergleich der Aktienmärkte

22

65

­

BRANCHEN

MEINUNGEN

Darüber spricht man in den

ERIC DEMUTH Warum Aktien Mainstream werden müssen

14

JOCHEN DICKINGER Seitensprung zu den Bären

15

DOMINIK HOJAS Kein Applaus für Banken

15

WOLFGANG MATEJKA Frau Holle und die Propheten

22

WILHELM CELEDA Alles gut durch Digitalisierung?

50

HEINZ BEDNAR Kluge Strategien in ­Corona-Zeiten

54

BETTINA SCHRAGL Click and Call

56

PETER BARTOS Auf in die neue Realität

60

FIRMENINDEX/IMPRESSUM89 Auszüge von Unternehmen in dieser Ausgabe

ALBERT BIRKNER Projekt EU rechtlich unter Druck

62

PORTRÄT: 10 FRAGEN AN … Wienerberger IR-Chefin Anna Maria Grausgruber

PETER FELSBACH Corona-Krise: Der Blick nach vorn

87

MARTIN KWAUKA Wirecard: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

88

Branchen: Köpfe, Deals, News, Trends und Events

Ad-hoc der Redaktion ALTE NORMALITÄT Seit Anfang Juni sind wir wie­

MARKTAUSBLICK23 Börsenausblick der Fondsmanager PORTFOLIO24 Die Asset-Allocation der Credit Suisse WASSER Wasser marsch! 1. Teil: Marktumfeld 2. Teil: Veranlagung

3. Teil: Interview 

VERSICHERUNGEN52 FONDS54 AKTIEN56 IMMOBILIEN58 BERATER60 RECHT62

26 28 30 32

BÖRSENWETTER34 Entwicklung der Weltbörsen und Analystenstimmen INVESTMENTSTORY Marinomed Biotech AG:  Keine Atempause

BANKEN50

36

KURSE40 Topperformer: Aktien, Fonds, Anleihen und Rohstoffe STATISTIK44 Börsen- und Wirtschaftsdaten

FINTECH 

64

SEITENBLICKE RANKING65 Die 50 besten Fondsmanager SO DENKT DIE POLITIK Banken als politische ­Krisenmanager

82

der für Sie unterwegs, um die besten Geschichten vom Fi­ nanzplatz persönlich zu re­ cherchieren. Durch die Coro­ na-Pandemie finden Events wie die Börsianer Roadshow oder der Börsianer Salon bis Oktober 2020 virtuell statt. PÖHSER NEOLIBERALER Mit Jochen Dickinger (Seite 15) freuen wir uns einen neu­ en Kolumnisten im BörsianerTeam zu begrüßen. Der bo­ denständige Oberösterreicher ist Gründer eines börsenno­ tierten Onlinewettanbieters, Investor und leidenschaft­ licher Trader. Er wird ab so­ fort regelmäßig seine neo­ liberalen Gedanken hier im

MARKTGEZWITSCHER86 Darüber wird im Netz ­gesprochen

90

7

Magazin mit Ihnen teilen. NÄCHSTER HALT GRAZ Renommierte Investment­ häuser und prominente Vor­ standschefs präsentieren bei der Börsianer Roadshow regelmäßig ihre Marktmei­ nung. Der Event findet ab sofort neben Wien und Linz auch in Graz statt. Damit kommen wir einem langjäh­ rigen Wunsch unsere Leser in der Steiermark nach.

Weblinks werden in dieser Ausgabe mit einem   GELBEN BALKEN

markiert.


#COVER

  VITA RAINER SEELE Vorstandsvorsitzender OMV AG Der bald 60-Jährige ist promovierter Chemiker und lenkt die Geschicke der OMV AG seit mittlerweile fünf Jahren. Als Präsident der Deutsch-Russischen Außenhandelskammer pflegt der gebürtige Deutsche sein Netzwerk im Osten. Er ist ein Kenner von Kunst, Kultur und exotischen Pflanzen und frönt diesen Leidenschaften als Ausgleich zum Managerdasein.

Mit dem von langer Hand geplanten Borealis-Deal schlägt OMV-Boss Rainer Seele gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Mit der T ­ ransformation des Öl- und Gaskonzerns unterstreicht er seinen ausgezeichneten Track-Record. Seine Millionengage ruft indes Neider auf den Plan. INTERVIEW INGRID KRAWARIK, DOMINIK HOJAS FOTOS DIETER BRASCH

W

enn gute Laune einen Namen

mentebene sind zwar an ihm abgeprallt,

chenschlaf geweckt. Der OMV-Aufsichts­

hat, dann heißt sie an diesem

haben ihm aber zu denken gegeben. Die

rat ist zufrieden und hat kürzlich den Ver­

Tag Rainer Seele. Der Gene­

Transformation der OMV AG ist ihm indes

trag mit unserem Börsianer des Quartals

raldirektor der OMV AG vermisst den Be­

eine Herzensangelegenheit. Sobald der

mit Option­noch einmal drei Jahre verlän­

such der Staatsoper und des Balletts, zi­

Name Borealis AG fällt, beginnen seine

gert. Der Börsianer-Chefredaktion erzählt

tiert den Dichter Joachim Ringelnatz und

Augen zu leuchten. In den vergangenen

er, warum er eine Dividende zahlen will,

hält auch mit Lebensweisheiten nicht zu­

fünf Jahren hat der gebürtige Deutsche

Investitionen kürzt, das Verhältnis zu sei­

rück. Die Angriffe der vergangenen Wo­

das Portfolio der OMV AG geografisch und

nen Aktionären penibel pflegt und die Bo­

che gegen ihn bezüglich seiner Millionen­

inhaltlich massiv gedreht und das Unter­

realis AG für die OMV AG die Antwort auf

gage und Kritik aus der zweiten Manage­

nehmen nachhaltig aus dem Dornrös­

die wichtigsten Fragen ist.

8


FINANZPLATZ COVER

Rainer Seele. Der OMV-Boss erschien gut gelaunt zum Interview und zeigte uns, wo er frühmorgens im Büro die Schlagzeilen liest.

DIE GRÜNE SEELE DES ÖLMANNS

9


FINANZPLATZ COVER

Gagenkaiser. Eine rückläufige Ertragskraft sollte auf Boni der Manager Auswirkungen haben, schlägt Rainer Seele vor.

Herr Seele, die Dividende ist die heilige Kuh

in welcher Situation wir sind, sollten wir

der OMV AG. Sie wurden kritisiert, dass Sie

das auch so beibehalten.

trotz der Corona-Krise eine Dividende zahlen wollen. Gehen Ihnen diese Eingriffe zu weit? – Rainer Seele: Kein Investor setzt Kapital ein, wenn nicht eine Verzinsung des Kapitals da ist. Eine Diskussion ist aber in jeder Demokratie hilfreich, egal

„Die OMV soll zu einem Player in der Circular Economy werden.“

halten Sie von einer Deckelung der Managergehälter in der Krise? – Ich bin ein An­ hänger des Leistungsprinzips. Für Spit­ zenkräfte muss man attraktive Konditi­ onen bieten. Alle Manager müssen sich

ob sie einem passt oder nicht. Unter­ nehmen sollten aber ein attraktives In­ vestment bleiben, und wir müssen In­

Ihr Topgehalt ruft Neider auf den Plan. Was

dem internationalen Wettbewerb stel­ RAINER SEELE

len. Es sei denn, man möchte nicht in­

vestoren gerade jetzt davon überzeugen,

ternational sein. Die Internationalität

dass Österreich ein attraktiver Standort

Wann ist ein Unternehmen für Investoren

ist bei der OMV allerdings stark ausge­

ist. Haben Investoren Verständnis da­

attraktiv? – Entscheidende Kriterien sind

prägt. Eines ist für mich aber auch klar:

für, wenn sich ein Unternehmen in ei­

dabei nicht eine öffentliche Debatte über

Man muss ein Prinzip implementieren,

ner schwerwiegenden wirtschaftlichen

Dividenden, sondern die wirtschaftliche

das in Zeiten der wirtschaftlichen Ab­

Lage befindet? Natürlich. Da gibt es eine

und finanzielle Geschäftslage des Un­

schwächung und der rückläufigen Er­

gewisse Fürsorgeverpflichtung gegen­

ternehmens. Wie ist zum Beispiel die

tragskraft auch Auswirkungen auf Ma­

über einem Unternehmen. Wenn man

Cash-Position und wie sind die Zusagen

nagergehälter vorsieht. Das sind die va­

sich in einer solchen Situation befindet,

aus der Dividendenpolitik, die man bei

riablen Bonuskomponenten.

muss man als Management auch über

den Investoren platziert hat. Auf dieser

den Ausschüttungsvorschlag nachden­

Basis werden Vorstand und Aufsichtsrat

Hat sich in den letzten Jahrzehnten etwas

ken. In dieser Phase befindet sich die

den Dividendenvorschlag unabhängig

in der Denkweise der Investoren verändert?

OMV aber nicht.

an die Hauptversammlung richten. Egal

- Die Finanzkennzahlen haben ein deut­

10


FINANZPLATZ COVER

Wie würden Sie in diesem Spannungsfeld

liches Gewicht, das wird weiterhin so bleiben. Da stehen beispielsweise Pen­ sionsfonds mit gewissen Verpflichtun­ gen dahinter. Was ich aber auch erken­ ne, ist ein großes Interesse an der Stra­ tegie des Unternehmens, wirtschaftlich und bei ESG-Themen. Insbesondere die ökologischen und sozialen Komponen­ ten spielen eine deutlich größere Rolle.

die Beziehungen zu Russland bezeichnen?

„Wir brauchen beim ­Ölpreis ein wesentlich stärkeres Korrektiv auf der Angebotsseite.“

- Auch Russland ist sehr stark von Ener­ gielieferungen abhängig und darauf an­ gewiesen, dass sich hier eine Erholung der Märkte ergibt. Was ich erkenne, ist, dass Russland, zumindest die Energie­ lieferungen betreffend, in der jüngsten Vergangenheit auf die Diversifizierung

RAINER SEELE

der Absatzmärkte gesetzt hat und jetzt

Was wird von der OMV AG erwartet? - Ein

mehr nach Asien liefert. Russland hat

nachhaltiges Geschäftsmodell, insbe­

überhaupt genug Lagerkapazitäten gibt,

sich auf die Sanktionen eingestellt. Frü­

sondere von den langfristigen Investo­

um diese großen Ölmengen in irgend­

her war Russland im Wesentlichen ein

ren. Diese erwarten, dass man Trends

einer Weise zu absorbieren. Dadurch ist

Pipeline-Exporteur für Erdgas, jetzt ist

in der strategischen Ausrichtung des

der Ölpreis stark gefallen.

es einer der größten LNG-Produzenten.

für mich klar: Langfristig wird der Ver­

Hat die Opec noch ein Korrektiv? - Wir re­

Sie haben das OMV-Portfolio seit Ihrem

brauch von Öl zurückgehen, und darauf

den heute nicht mehr nur von der alt­

Amtsantritt 2015 stark gedreht und den

müssen wir uns als OMV einstellen.

eingesessenen Opec, sondern wir re­

Konzern geografisch anders positioniert.

den von Opec plus. Da sind unter an­

War Ihnen von Anfang an klar, dass das nur

Sie haben Investitionskürzungen ange-

derem Russland und Mexiko mit dabei,

über Ihre Mitaktionäre gehen kann? – Wir

kündigt. So einfach steckt die OMV die Kri-

und zwar aus gutem Grund. Wir brau­

hatten diese Trumpfkarte in der Vergan­

se dann doch nicht weg. – Wir nehmen

chen heute ein wesentlich stärkeres

genheit nie ausgespielt. Die OMV ist in

uns in dieser Phase insbesondere bei

Korrektiv auf der Angebotsseite. Stel­

der Ölbranche eines der ganz wenigen

Investitionsprojekten deutlich zurück.

len Sie sich vor, wir hätten diese Förder­

Unternehmen, die eine Beteiligung von

Der Ölpreis erholt sich langsam wieder,

kürzungen nicht? Dann würde es enorm

Abu Dhabi haben. Das war eine hervor­

weil die Überversorgung in den Ölmärk­

lange dauern, bis wieder eine Balan­

ragende Basis, um in das Land unseres

ten durch die Förderkürzungen der Opec

ce zwischen Angebot und Nachfrage in

zweitgrößten Aktionärs zu gehen und

sukzessive weniger wird, aber auch weil

den Ölmärkten hergestellt ist. Wir dür­

auch dort ein integriertes Geschäft auf­

die Nachfrage wieder ansteigt. An der

fen nicht unterschätzen, dass diese Kri­

zubauen: von der Öl- und Gasprodukti­

Tankstelle kommt das Geschäft lang­

se tiefe Spuren in der freien Marktwirt­

on über die Raffinerie bis zur Veredelung

sam wieder zurück, beim Flugverkehr

schaft hinterlässt. Schauen Sie sich an,

zu Grundstoffen für die chemische In­

noch nicht. Ich bin zwar auch da opti­

was die Ölkonzerne angekündigt haben:

dustrie. Das ist ein Alleinstellungs­

mistisch, aber hier brauchen wir noch

drastische Investitionskürzungen in ei­

merkmal der OMV.

etwas Geduld.

nem Bereich von 25 bis 30 Prozent. Das

Konzerns aufgreift. Da ist die Botschaft

Was war mit dem Ölpreis in den vergange-

wird auf der Angebotsseite mit Verzöge­

Wie gestaltet sich die Beziehung zu Abu

rung nachhaltig wirken.

Dhabi? – Das Vertrauen ist in den letzten

nen Monaten los? - Es sind zwei Dinge zu­

Jahren intensiv gewachsen. Meine Vor­

sammengekommen, die zu einem stark

Wird ein niedriger Ölpreis zu höheren geo-

standskollegen und ich haben viel Zeit

ausgeprägten Ungleichgewicht geführt

politischen Spannungen führen? - Ich sehe

investiert, um dieses Vertrauen aufzu­

haben: Auf der einen Seite eine sehr

da eher soziale Spannungen. Viele Län­

bauen. Wir haben die Kernregion Naher

schnelle und drastische Abnahme des

der sind auf Öleinnahmen angewiesen.

Osten schnell für uns entdeckt. Das ge­

Verbrauchs, insbesondere weil die Mo­

Nehmen sie ein Land wie Libyen, das

schah gar nicht so sehr über die Aktio­

bilität durch Corona überall stark einge­

ist zu über 90 Prozent vom Verkauf die­

närsbrille. Man braucht nur die Welt­

schränkt wurde. Auf der anderen Seite

ses Rohstoffs abhängig. In Nordafrika

karte hernehmen und schauen, wo die

gab es sogar noch eine Fördersteigerung,

wird der Weg einer politischen und ge­

ganz großen Lagerstätten von Öl und Gas

insbesondere im April 2020, wo trotz

sellschaftlichen

sind. Das ist der Nahe Osten, vor allem

Nachfragerückgangs dem Markt sogar

schwierig sein. Derzeit sind wir alle mit

mit einem höheren Angebot begegnet

uns selbst und Corona beschäftigt. Da

wurde. Das hat dazu geführt, dass man

gibt es nur wenig Aufmerksamkeit für

Welche Schlüsselrolle spielt die Borealis AG

sich Gedanken machen musste, ob es

die Probleme dieser Länder.

in der Wertschöpfungsstrategie der OMV? –

Transformation

11

sehr

für Öl. Und für Gas ist es Russland.


FINANZPLATZ COVER

Saubermann. Die Öl- und Gasbranche brauche jetzt finanzielle Erholung. Nachhaltige Projekte werden deshalb aber nicht aufgegeben, sagt Rainer Seele.

#ZAHLEN OMV AG ERGEBNIS 1. QUARTAL 2020 in Millionen Euro Umsatz Operatives Ergebnis vor Sondereffekten

Q1 2020

Q1 2019

4.760

5.403

699

759

Periodenergebnis

–159

354

Die Borealis bringt uns eine weitere In­

Gewinn je Aktie in Euro

–0,49

1,08

ternationalisierung und Stärkung der

Organischer freier Cashflow vor Dividenden

594

418

Wertschöpfungskette. Wir haben bei der

Verschuldungsgrad in %

14

19

OMV neben den zwei starken Säulen Öl und Gas jetzt eine dritte starke, und das ist die Chemiesäule. Die wichtigste Fra­ ge ist immer: Wo setzen wir zukünftig die Investitionsmittel ein, und wie ent­ stellen davon ab, inwieweit ein Trans­

dala Investment Company nachverhandelt.

formationsprozess in Österreich bei den

War das einfach? - Ich weiß nicht, wann

Damit meinen Sie den geplanten Ver-

Automobilen stattfindet. Die OMV wird

Sie Verhandlungen einfach bezeichnen.

kauf des deutschen Tankstellennetzes. Wer

aber sicher nicht eine Strategie verfol­

kauft jetzt eine Tankstellenkette? - Wir ha­

gen, dass jemand, der ein Diesel­ auto

Was haben Sie Mubadala dafür geboten? -

ben über 30 Interessenten. Das wundert

hat, keinen Diesel an der Tankstelle be­

Unser Aktionär Mubadala hat viel Ver­

mich auch nicht. Denn die meisten Raf­

kommt. Solange hier eine Nachfrage

ständnis für die aktuelle Situation ge­

fineriebetreiber in Deutschland haben

herrscht, werden wir die benötigte Ener­

zeigt, und so konnten wir relativ schnell

nicht die Flexibilität wie die OMV aufge­

gieform auch anbieten. Die Frage ist, in

diese Vereinbarung treffen. Inwieweit wir

baut. Das heißt, die können nur schwer

welchem Ausmaß das sein wird.

diese Vereinbarung brauchen, werden wir

wickeln wir unser Geschäft weiter.

den Schwenk Richtung Chemie machen,

sehen. Die OMV hat in der Zwischenzeit

sondern werden weiterhin hauptsäch­

Mit dem niedrigen Ölpreis wird es aber

sehr erfolgreich auf den Kapitalmärkten

lich Benzin und Diesel produzieren. Da­

schwieriger, diesen Transformationspro-

zwei Anleihen im Gesamtvolumen von

für brauchen sie ein Tankstellennetz als

zess in Richtung nachhaltige Geschäfts-

1,75 und 1,5 Milliarden Euro begeben und

sicheren Absatzkanal. Unsere Raffinerie

modelle zu finanzieren. - Sicher wird das

die Cash-Position verbessert.

in Deutschland stellt hauptsächlich Ke­

schwierig sein. Die Branche braucht jetzt

rosin und petrochemische Produkte her.

erstmals eine finanzielle Erholung, weil

Kein Verhandlungspartner schnürt so lo-

Deshalb brauchen wir dort auch kein

Corona die Cash-Positionen stark stra­

cker ein Paket wieder auf und sagt, ja,

Tankstellennetz.

paziert. Was wir sehen, ist eine drasti­

okay, zahlen Sie das in zwei Tranchen. – Es

sche Rücknahme der Investitionen. Ich

ist schlichtweg das Verständnis als Ak­

Wird sich die OMV langfristig gesehen von

glaube nicht, dass dieses Geld zur Gän­

tionär, der OMV den Weg in die trans­

ihren Tankstellen in Österreich trennen? –

ze in das Ölgeschäft zurückgehen wird,

formative Zukunft zu ermöglichen.

In Österreich ist es genau umgekehrt.

sondern dass man es stärker für nach­

Die Raffinerie Schwechat produziert

haltige Projekte einsetzen wird.

Das ist klingt für mich sehr ehrenvoll. - Es ist sein sehr wertvoller Aktionär. Mit

große Mengen Benzin und Diesel, die wir über unsere Tankstellen verkaufen. Ins­

Bei der Borealis AG haben Sie die Aufsplit-

unserem Hauptaktionär würden wir ge­

gesamt hängt die Entwicklung der Tank­

tung des Kaufpreises mit Aktionär Muba-

nau das Gleiche erleben, davon bin ich

12


FINANZPLATZ COVER

Wird es in der Folge eine Entkoppelung des

überzeugt. Auch die österreichische Re­ gierung würde eine OMV bei Schwierig­ keiten nicht im Regen stehen lassen. Ich frage deshalb so genau nach, weil das Verhältnis der OMV zu den Großaktionären in den vergangenen Jahren nicht immer

„Die Regierung würde eine OMV bei Schwierigkeiten nicht im Regen stehen lassen.“

spannungsfrei war. - Welche Beziehung ist schon spannungsfrei? Da machen Sie

Aktienkurses vom Ölpreis geben? - Ich hof­ fe das! Denn die OMV ist schon lange kein reiner Ölkonzern mehr. Wir haben deutlich mehr Erdgas im Portfolio. Wir müssen die Geschichte noch klarer er­ zählen, insbesondere im Hinblick auf die Borealis. In dem Moment, in dem wir die Vollkonsolidierung der Borealis in unse­

RAINER SEELE

ren Büchern zeigen, und man sieht auf

verschiedene Phasen durch. Wir genie­ ßen jetzt, dass wir eine sehr intensive,

einmal, da ist ein Sprung von über einer

gute Partnerschaft haben. Die mit Abu

Wie soll die OMV in Zukunft wahrgenom-

Milliarde Euro im operativen Cashflow,

Dhabi ist schon 25 Jahre alt, frei nach

men werden? - Als Öl- und Gasunter­

dann wird sichtbar, dass sich unser Ge­

Ringelnatz: Alte Liebe rostet nicht.

nehmen sind wir auf einem Scheideweg.

schäftsmodell verändert und die Wert­

Wenn ich mich als Energiekonzern sehe,

schöpfungskette verlängert hat. Und

Können Sie durch den Borealis-Deal die

muss ich Öl und Gas durch irgendwas er­

dann wird man nicht mehr darüber re­

­Dividende in den nächsten Jahren garan-

setzen. Einige sagen, sie nehmen Was­

den, wie schätzen Sie den Öl- und Gas­

tieren? - Die Mehrheitsanteile werden zu

serstoff als Komponente für die Zukunft.

preis ein, sondern wie hoch sind die Pe­

einer weiteren Stabilisierung der OMV

Die OMV soll zu einem Player in der Cir­

trochemie-Margen, die Polymer-Mar­

führen. Wir sehen, dass die Borealis in

cular Economy werden. Das heißt, wir

gen, wie sehen Sie das Düngemittelge­

den letzten Jahren im Schnitt zwischen

betrachten Kunststoffe, wenn deren Le­

schäft der OMV. Das ist ein anderer Dia­

ein und 1,5 Milliarden Euro operativen

benszeit vorbei ist, nicht als Abfall, son­

log und spricht dadurch auch andere In­

Cashflow generiert hat. Wir erwarten da­

dern als Rohstoff, den wir wieder in die

vestorengruppen an.

durch nach dem Closing auch eine Ver­

Wertschöpfungskette zurückbringen. Haben Sie die Belegschaft bei diesem Wan-

stärkung unserer OMV-Cash-Position. Woher kommt der Druck für diese Trans-

del an Bord? – Auch da müssen wir Zeit

Wie sieht das Produktportfolio der Borea-

formation? - Ich empfinde keinen Druck.

und Mühe als Vorstand investieren.

lis aus? - Die Borealis produziert Hoch­

Es gibt klare Anzeichen, dass die In­

Wenn die Geschichte überzeugend ist -

leistungskunststoffe für verschiedene

vestoren sagen: Ich möchte gerne ein

und wir haben viele gute Argumente -,

Industriezweigen, wie etwa im Leicht­

nachhaltiges Geschäftsmodell sehen.

dann ja. Aber erst muss es sichtbar wer­

karosseriebau von Automobilen, damit

Ich sehe eine Gesellschaft, die sagt,

den. Ich bin davon überzeugt, dass wir

sich die Reichweite von Elektrofahr­

wir brauchen Lösungsansätze, wir ha­

die Mehrheit der Belegschaft dafür ge­

zeugen erhöht. In Flugzeugen ist es ein

ben nur diesen einen Planeten. Auch als

winnen können.

Werkstoff, der letztendlich das Gewicht

Manager ist man ein Mensch, der diese

reduziert. Sie stellt hauchdünne Schutz­

Weckrufe eindeutig erkennen kann. Un­

Mitarbeiter haben Sie in den Medien ver­

folien für Photovoltaikanlagen her und

sere Kinder gehen auf die Straße und sa­

nadert. Gibt es Frustration in Teilen der Be-

spezielle Kabel, um den erneuerbaren

gen zu uns Verantwortlichen, wir brau­

legschaft? – Dieses Thema ist für mich

Strom von den Windrädern in das Netz

chen einen lebenswerten Planeten.

abgeschlossen.

die Schutzmasken, die wir jetzt alle tra­

Sind damit auch Ihre Kinder gemeint? - Na

Das heißt, Sie nehmen solche Geschich-

gen, sowie die Schutzausrüstungen, die

sicher! Die sind von diesem Thema ge­

ten sportlich? - Ich nehme es zur Kennt­

wir in den Kliniken brauchen.

prägt. Aber davon losgelöst, ist es die

nis, ziehe meine Schlüsse und denke an

Verantwortung des Vorstands, dass die­

die Zukunft. Die Vergangenheit ist ge­

Ich sehe schon, Sie sind begeistert. - Und

ses Unternehmen noch in Jahrzehnten

schrieben, die kann ich nicht verändern.

die Borealis ist einer der größten Dün­

existiert und wirtschaftlich erfolgreich

Ich muss im Heute agieren, um das Mor­

gemittelproduzenten von Europa mit

ist. Und darum müssen wir eine Symbi­

gen zu gestalten. Wenn es Kritik an be­

dem wichtigen Standort in Linz. Sie sind

ose ökologischer und sozialer Notwen­

stimmten Entscheidungen gibt, dann

meiner Ansicht nach Technologieführer

digkeiten sowie wirtschaftlicher Perfor­

müssen wir uns innerhalb des Konzerns

in der Polymerisierung. Die Borealis ist

mance haben. Nur in dieser Kombinati­

noch mehr bemühen, sie zu erklären.

das Unternehmen in Österreich, das die

on werden wir Investoren und Mitarbei­

Aber wenn man glaubt, 100 Prozent über­

mit Abstand meisten Patente einreicht.

ter für unser Unternehmen begeistern.

zeugen zu können, dann ist man naiv. n

abzuleiten, medizinische Produkte wie

13


MEINUNGEN KOMMENTARE

WARUM AKTIEN MAINSTREAM WERDEN MÜSSEN Österreich ist in Sachen Anlagekultur leider ein ­Entwicklungsland. Das ist keinesfalls eine überraschende Neuigkeit - darin sind wir uns vermutlich alle einig. Aktien

  VITA ERIC DEMUTH Co-Founder und CEO Bitpanda

Bevor Eric Demuth mit seiner Handelsplattform für ­digitale Assets durchstartete, bereiste er als S­ chiffsmechaniker die Welt auf Frachtschiffen. ­Bitpanda hat bereits 1,2 Millionen registrierte User und wurde 2019 zum Start-up des Jahres gewählt.

gelten hierzulande als riskant und amoralisch. Da lässt der gemeine Österreicher lieber sein Geld auf dem Bankkonto weniger werden. Wie sich das ändern lässt?

D

er Aktienmarkt ist in Österreich

Der Staat muss aktiv mithelfen, in­

ein Elitenphänomen. Eine klei­

dem er die finanzielle Bildung von jun­

ne Minderheit, die über genug

Kapital und Wissen verfügt, freut sich

„Die derzeitige

über ordentliche Renditen. Die breite

Kostenstruktur bei Brokern

Masse wird mit nicht mehr existieren­

ist absolut unattraktiv.“

den Zinsen abgespeist. Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch antiquiert. In

ERIC DEMUTH

gen Menschen fördert. Es sollte Anreize geben, um das Thema Investieren die Re­ levanz zukommen zu lassen, die es ver­ dient. Eine konkrete Maßnahme wäre eine Steuerfreiheit auf Aktiengewin­ ne nach einer Haltedauer von über ei­ nem Jahr. Diese Vereinfachung würde

Zeiten, in denen Zentralbank-Geld noch

speziell kleineren Anlegern eine oftmals

nie so billig war, müssen Möglichkeiten alle Schichten zieht. Im Jahr 2020 fühlt

entscheidende Hürde nehmen. Ziel der

sich Investieren bei den meisten Anbie­

Branche und des Staates sollte es sein,

Branche mit Imageproblem

tern noch an wie im Jahr 2010. Viel Pa­

den Aktienmarkt als Elitenphänomen in

Doch warum nehmen so wenige Men­

pierkram, veraltete Infrastruktur und un­

etwas zu verwandeln, an dem alle partizi­

schen in Österreich aktiv am Finanz­

übersichtliche Benutzeroberflächen sind

pieren können. Man könnte sich auch von

markt teil? Zum einen hat die Branche

die Gründe, warum sich vor allem die Jun­

den USA etwas abschauen und eine euro­

ein Imageproblem. Statt einen einfa­

gen oft nicht für das Thema interessieren.

päische Version eines unternehmensge­

chen, günstigen Zugang zu Aktien oder

Es benötigt Dinge, die beispielsweise

förderten 401k-Plans andenken, mit dem

ETFs zu bieten, traten Banken noch im­

bei Kryptos Standard sind: 24/7-Trading

ganz nebenbei die europäische Wirtschaft

mer als überteuerte Gatekeeper auf, die

und vor allem Fractional Trading ohne

angekurbelt wird.

ihren Kunden intransparente und kom­

Fixkosten. Die derzeitige Kostenstruk­

Es gibt viel Nachholbedarf, um Men­

plizierte Produkte verkauften. Hohe Ge­

tur bei Brokern ist absolut unattraktiv

schen mit weniger Kapital und Know-

bühren, wenig Transparenz und am

und schließt den Großteil der Bevölke­

how eine faire Chance zu bieten. Unter­

Ende oft enttäuschte Anleger waren die

rung aus. Wenn ich heute einen Trade

nehmen müssen nachbessern, transpa­

Folge. Zum anderen gibt es wenig Be­

tätige und zirka sechs Euro zahle, bin

rente Produkte mit guten Konditionen

wusstsein für Möglichkeiten abseits von

ich bei bestehenden Brokern schon sehr

entwickeln. Schließlich gilt es, ein nach­

Immobilien(krediten), um sich neben ei­

günstig unterwegs. Ein 100-Euro-Trade

haltig angekratztes Image aufzupolie­

ner staatlichen Altersvorsorge abzusi­

wird damit zum Wucher und ist kein In­

ren. Jetzt ist die Politik gefragt, hier die

chern. Aus einer fehlenden Erfahrung

vestment mehr. Dieses System ist über­

richtigen Maßnahmen zu setzen. Pro­

am Finanzmarkt resultiert eine beschei­

holt und wird noch in diesem Jahr von

dukt- und innovationsseitig mache ich

dene finanzielle Allgemeinbildung, was

Neobrokern wie uns bei Bitpanda in Eu­

mir da gar keine Sorgen. Zumindest dort

den Aktienmarkt betrifft, die sich durch

ropa aufgebrochen.

ist alles auf dem richtigen Weg. n

zur Diversifikation geboten werden.

14


MEINUNGEN KOMMENTARE

  VITA JOCHEN DICKINGER Privatinvestor

  VITA DOMINIK HOJAS Chefredakteur Börsianer

Der ehemalige Gründer (45) eines börsennotierten Wettanbieters nennt die Teilnahme am New-York-­ City-Marathon seinen größten Karriereerfolg. Die Leidenschaften des bodenständigen Oberösterreichers sind die Börse, Twitter und Griechenland.

Der Kapitalmarktexperte und Medienunternehmer (34) ist ein Newsjunkie und l­eidenschaftlicher Mountainbiker. Sein erstes Wertpapier kaufte er mit 14 Jahren. Heute gestaltet er mit dem „Börsianer“ den Finanzplatz aktiv mit.

KOLUMNE PÖHSER NEOLIBERALER

AUF DEN PUNKT GEBRACHT AUS DER REDAKTION

EIN SEITENSPRUNG ZU DEN BÄREN

KEIN APPLAUS FÜR BANKEN

I

E

ch bin über 20 Jahre an der Börse aktiv. Ich war immer ein Bul­ le, habe voll investiert und die Kursrückgänge bei Finanzkri­ sen mitgemacht. Seit Corona bin ich erstmals in das Lager der

Bären gewechselt. Ich kann die Zuversicht vieler, was die wirt­

s fehlt mir an Wertschätzung für die Banken in der Öf­ fentlichkeit. Die aktuelle Situation wäre eigentlich eine großartige Möglichkeit gewesen, den Nutzen der Banken

für die Gesellschaft hervorzuheben. Das ist leider nicht gelun­

schaftliche Entwicklung betrifft, nicht teilen. Die Zentralbanken

gen. Die Banken wurden als Buhmann in der Öffentlichkeit aus­

meinen, mit Zinssenkungen und mit dem Geldfluten der Märk­

gemacht. Großteils zu Unrecht – den großen Erwartungen der

te die Wirtschaft anzukurbeln. Das freut die Wallstreet, aber bei

Bundesregierung konnte man nicht entsprechen. Die im Ver­

den Menschen in der Mainstreet kommt dieses Geld nicht an. Die

gleich zu Deutschland oder der Schweiz hohe Förderbürokratie

Wirtschaft kann nicht angekurbelt werden, wenn die Menschen

wirkte als Bremse. Die Drohungen einer neuen Bankenabgabe

weniger Geld für ihr Auskommen haben. In Österreich wird uns

waren unfair. Um den öffentlichen Diskurs positiv zu gestalten,

große Armut hoffentlich erspart bleiben, aber in unseren südli­

braucht es aber mehr Mut zu Meinung in den Chefetagen. Ein

chen Nachbarländern sieht es anders aus. Eine Wirtschaft kann

Beispiel: Die Supermarktkette Spar hat in der Krise Rekordum­

einen wochenlangen Lockdown nicht einfach wegstecken. Die

sätze erzielt. Durch kluges Marketing wurden der Konzern und

hohe Arbeitslosigkeit wird nur langsam zurückgehen. Wenn man

dessen Mitarbeiter als Helden gefeiert. Den tapferen, ebenfalls

mit Wirtschaftseinbrüchen von zehn Prozent für 2020 ausgeht,

systemrelevanten Bankern am Schalter wurde der Applaus hin­

kann das nicht ohne Verwerfungen über die Bühne gehen. Men­

gegen verwehrt. Stattdessen wird in der Öffentlichkeit neben

schen haben entweder zu wenig zum Konsumieren oder halten

der schleppenden Kreditvergabe über böse Vorstandsgehälter,

sich bei ihren Ausgaben zurück. Das führt zu Umsatzverlusten bei

Bonus- und Dividendenzahlungen diskutiert.

Unternehmen. Diese können ihre Ausgaben nicht bestreiten, die

Hier ein paar Fakten von Ende Mai des Bankenverbands:

Banken bleiben auf Forderungen sitzen. Preise sinken. Deflation.

Seit März haben Österreichs Banken insgesamt zusätzliche li­

Schulden können schwerer zurückgezahlt werden. Depression.

quide Mittel von rund 28 Milliarden Euro an heimische Unter­

Ich hoffe, dass es nicht so schlimm kommt, aber in Zeiten wie

nehmen vergeben. Es wurden 194.000 freiwillige Stundungen

diesen muss man nicht voll in Aktien oder Anleihen investiert

bei Kreditzahlungen im Ausmaß von rund 29 Milliarden Euro

sein. Sollte sich wider Erwarten die Wirtschaft rascher erholen

vorgenommen, und es sind etwa 111.000 Stundungen mit ei­

als gedacht, dann kaufe ich

nem Volumen von fast fünf

lieber den DAX etwas höher

Milliarden Euro im Rahmen

ein. Ich fürchte allerdings, dass wir erst die ersten fünf Minuten des Wirtschafts­ horrorfilms gesehen haben,

„Seit Corona bin ich erstmals in das Lager der Bären gewechselt.“

„Die Banken sind Teil der Lösung, nicht des Problems.“

JOCHEN DICKINGER

DOMINIK HOJAS

dann wird es an den Börsen noch viel tiefer gehen.

des gesetzlichen Morato­ riums erfolgt. Untätigkeit kann man den Instituten also nicht vorwerfen. Aber eine bessere Vermarktung

15

wäre möglich gewesen.


#RISIKO

© BMF/WENZEL

Kreditanfragen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Banker Robert Za­drazil Ende März 2020 versprach Finanzmi­nister Gernot Blümel schnelles Geld.

16


FINANZPLATZ BANKEN

DIE HEIMLICHEN HELFER Österreichs Banken spielen inmitten von Corona eine wichtige Rolle bei der Liquiditätsversorgung und Risikominimierung. Doch wie schlimm wird die Krise für die Banken? TEXT RAJA KORINEK

D

ie Corona-Pandemie hinterlässt

Doch dies tun die Banken ohnedies

krediten für Unternehmen aus? Über

tiefe Spuren in Österreichs Wirt­

nicht. Michel Haller, Vorstandsvorsit­

drei Förderstellen, die Oesterreichische

schaft. Viele Unternehmen brau­

zender der Hypo Vorarlberg Bank AG

Kontrollbank

chen seit dem Shutdown viel Kapital, und

betont, die Sorgfaltspflicht werde stets

Austria Wirtschaftsservice für KMU so­

das stellt die Finanzwirtschaft vor eine

eingehalten. Dabei habe man schon vor

wie die Österreichische Hotel- und Tou­

große Herausforderung. Michael Hilbert,

Ausbruch der Pandemie mit dem einen

rismusbank, werden von der Covid-

Leiter Financial Services bei Roland Ber­

oder anderen Firmenkunden ausführ­

19-Finanzierungsagentur (Cofag) des

ger in Österreich, unterstreicht die Be­

liche Gespräche geführt, erklärt zu­

Bundes Garantien zwischen 80 und 100

deutung der heimischen Banken im ak­

dem Heinrich Schaller, Generaldirektor

Prozent für Kredite ausgestellt, die von

tuellen Krisenumfeld. Er sagt: „Kurzfris­

der

Oberöster­

den Banken an Unternehmen vergeben

tig stellen sie insbesondere Unterneh­

reich AG (RLB OÖ), gegenüber dem Bör-

werden. Dabei beträgt der Gesamtrah­

men und Selbstständigen Liquidität zur

sianer. Schließlich habe sich die Wirt­

men aller Maßnahmen aus dem eigens

Verfügung. Konjunktur- und Förderpro­

schaft schon vor Ausbruch der Pandemie

dafür gegründeten Corona-Hilfsfonds,

gramme allein würden hier nicht ausrei­

abgeschwächt. Doch wie sieht es mit den

der von der Cofag abgewickelt wird, 15

chen.“

staatlich garantierten Überbrückungs­

Milliarden Euro. Sie werden dabei nicht

Raiffeisenlandesbank

für

Großunternehmen,

Auch Stundungen der Tilgung und teilweise sogar der Zinsen verschafften

#PROGNOSE

den Unternehmen zusätzliche Liquidi­ COVID-KRISENSZENARIEN VON ROLAND BERGER

tät, meint Hilbert. Hilbert sagt auch, im Extremfall trügen Banken dazu bei, Un­

RISIKEN VON FÜR BANKEN

ternehmen vor der Insolvenz zu bewah­

Kennzahlen

ren. Zugleich müssten Hilbert zufol­

Nettozinsertrag

ge bei aller Dringlichkeit aber auch die

PROGNOSE 2020 2019

1. Szenario 2020

11,6 Milliarden Euro

–6 %

–11 %

Kosten-Ertrags-Relation

4,6 Milliarden Euro

+6 Prozentpunkte

+10 Prozentpunkte

Richtlinien bei den Bonitätsprüfungen

Höhere Risikokosten

0,7 Milliarden Euro

+390 %

+580 %

eingehalten werden und der berühmte

Vorsteuergewinn

5,4 Milliarden Euro

–70 %

–110 %

Risiko-Appetit, die Bereitschaft Risiko­

2. Szenario 2020

QUELLE: OENB, ROLAND BERGER

volumina in bestimmten Bonitätsstufen zu akzeptieren, dürfe nicht zu sehr auf­ geweicht werden.

17


FINANZPLATZ BANKEN

Transparent. Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG ist eine der wenigen Banken, die ihre Kreditvergaben transparent veröffentlicht.

sätzliche liquide Mittel in Höhe von rund 28 Milliarden Euro an heimische Unter­ nehmen vergeben“, zeigt Robert Zadra­ zil auf. Er ist Vorstandsvorsitzender der Unicredit Bank Austria AG und Präsident des Bankenverbands. Im Vergleich dazu wurden 2019 insgesamt 163,4 Milliarden © RLB OÖ

Euro an Unternehmen vergeben. Was hinzukommt: Während die Banken im Vorjahresvergleichszeitraum vor allem Kredite für Investitionszwecke ausge­ nur für Garantien, sondern auch für Be­ triebszuschüsse verwendet.

Flaschenhals ist beseitigt Dass zu Beginn des Cofag-Programms

reicht haben, hat sich die Situation wäh­

„Insolvenzanstieg erwarten wir erst Ende 2020.“

manche Unternehmen länger auf ihr Geld warten mussten, hatte dabei für Unmut

rend der Corona-Krise stark in Richtung Betriebsmittelkredite verlagert, in erster Linie auf Überbrückungsfinanzierungen. Allerdings sind die Zinssätze für die Überbrückungskredite vorgegeben, der Aufschlag der Banken darauf auch noch

HEINRICH SCHALLER

gesorgt. In der Schweiz funktionierte die

auf rund 75 Basispunkte begrenzt. Auf

Kreditvergabe auf Knopfdruck (Seite 21).

men haben nur einen kleinen Teil davon

den Aufschlag hatte sich die heimische

Schaller sagt: „Am Anfang der Krise hat

ausgemacht: Seitens unserer Kunden gab

Finanzwirtschaft quasi als Gentleman’s

es bei den Förderstellen tatsächlich einen

es weniger Interesse als ursprünglich er­

Agreement geeinigt, heißt es aus Markt­

Art Flaschenhals gegeben. Das lag vor al­

wartet, vermutlich weil es ein neues Pro­

kreisen. Strobl von der RBI meint, die Er­

lem daran, dass viele Systeme, etwa IT-

gramm ist“, betont Vorstandsvorsitzen­

träge der Banken halten sich bei diesen

Programme, an die neuen Anforderun­

der Johann Strobl.

Instrumenten tatsächlich in engen Gren­

gen und Vorgaben erst angepasst werden

Bei der Hypo Vorarlberg Bank AG ver­

zen. „Wichtig ist in diesem Zusammen­

mussten.“ Doch seit rund zwei Monaten

weist man überhaupt auf die Gesamtent­

hang, dass österreichische Unternehmen

habe sich diese Lage aufgelöst, seither

wicklung: Bis Ende Mai wurden Finanzie­

in dieser schwierigen Phase Zugang zu

gehe der Kreditprozess vollautomatisch.

rungen im Neugeschäft sowie Überbrü­

Liquidität haben“. Auch Bawag-Vorstand

Das zeigt sich auch am bisher garan­

ckungsfinanzierungen von mehr als 800

Sirucic betont: „Im Vordergrund steht

tierten Kreditvolumen von der Cofag. Seit

Millionen Euro vergeben. Bei der Unicre­

die rasche Unterstützung unserer Kun­

dem 16. März 2020 bis Mitte Juni wurden

dit Bank Austria AG waren es seit Beginn

den mit Liquidität und Beratung in dieser

Garantien für Überbrückungskredite in

der Corona-Krise bis Ende Mai Kredite in

schwierigen Phase.“

der Höhe von rund fünf Milliarden Euro

der Höhe von rund 2,7 Milliarden Euro.

Doch das Kreditgeschäft ist weit ge­

ausgestellt. Allein bei der RLB OÖ waren

Auch bei der Bawag Group AG weiß man

facht. Und so rückt das Thema Stun­

zuletzt rund 1.885 Anträge für Überbrü­

von einem regen Kreditgeschäft zu be­

dungen ebenso ins Rampenlicht. Im Ap­

ckungshilfen in Bearbeitung oder wur­

richten. Enver Sirucic, Chief Financial Of­

ril führte die Regierung ein gesetzliches

den bereits abgewickelt, was einem Volu­

ficer der Bawag Group AG, sagt: „Wir se­

Kreditmoratorium für Private sowie für

men von mehr als 1,1 Milliarden Euro ent­

hen bei kleinen und mittleren Unterneh­

Kleinstunternehmer ein – das Anfang

spricht. Etwas zurückhaltender gibt man

men keine Kreditklemme und haben in

Juni um vier Monate bis zum 31. Okto­

sich bei der Raiffeisen Bank International

den vergangenen Wochen sogar mehrere

ber verlängert wurde. Interessant ist der

AG (RBI). Mit Ausbruch der Krise im März

Unternehmensgründungen finanziert.“

Blick auf die aktuelle Lage: Laut Ban­ kenverband wurden bisher rund 194.000

und im April habe man eine deutlich ver­

Weniger Investitionskredite

freiwillige Stundungen bei Kreditzahlun­

men, die zuletzt wieder etwas abgeflaut

Doch wie sieht es für ganz Österreich aus?

gen im Ausmaß von rund 29 Milliarden

sei, wie es heißt. „Durch Cofag garan­

„Seit Beginn der Krise im März bis zum

Euro vorgenommen. Rund 111.000 Stun­

tierte Finanzierungen für Großunterneh­

Stichtag 29. Mai haben die Banken zu­

dungen mit einem Volumen von fast fünf

stärkte

Kreditnachfrage

wahrgenom­

18


FINANZPLATZ BANKEN

schlussquartal, heißt es seitens der Hypo

„Weniger ­Interesse als ursprünglich ­erwartet.“

Vorarlberg. Haller verweist dabei auf die Standardrisikokosten, die in der Regel zwischen 0,25 und 0,35 Prozent vom Kre­ ditvolumen betragen. Nun aber habe man

„Effizienzmaß­ nahmen müssen gesetzt werden.“

die Budgets für Risikokosten aus Vorsicht JOHANN STROBL

fast verdoppelt. Und anderswo?

Milliarden Euro sind im Rahmen des ge­

Wie schlimm wird die Krise?

setzlichen Moratoriums erfolgt. Einzig

RBI-Boss Strobl sagt, zum gegenwärti­

Zahl der faulen Kredite tatsächlich an­

den Ausfall, den Banken durch das Mo­

gen Zeitpunkt rechne man für heuer mit

steigen wird. Die Ratingagentur Standard

ratorium erleiden, können sie zumin­

einer Neubildungsquote - ein Indikator

& Poor’s rechnete vor dem vollen Aus­

dest mit einer günstigen Refinanzierung

für die Entwicklung der Risikokosten und

bruch der Pandemie mit einer Verdreifa­

bei der Oesterreichischen Nationalbank

die Vorsorgepolitik eines Unternehmens

chung der Kreditausfälle in der Eurozo­

überbrücken.

- von 75 Basispunkten. Er mahnt auch:

ne, wobei die Quote notleidender Kredite

„Das gestiegene Risiko wird zu entspre­

– Nonperforming Loans (NPLs) – bei rund

chend höheren Risikoprämien und da­

drei Prozent liegt. Österreichs Ausgangs­

Mehr Zuschüsse gefordert

MICHAEL HILBERT

Und so bleibt abzuwarten, wie stark die

Allerdings findet RLB-OÖ-Boss Schal­ ler, dass es der sinnvollere Ansatz wäre, mehr Zuschüsse, dafür weniger Stundun­ gen und Überbrückungskredite zu verge­ ben. Vor allem kleineren Unternehmen wäre damit effizienter geholfen. Schließ­ lich müssen Zuschüsse nicht zurückge­ zahlt werden. Je früher krisengebeutel­ te Betriebe deshalb wieder auf die Beine kommen, desto eher zahlen sie Steuern. Doch woran erkennt man erste Krisen­ © ERSTE BANK / DANIEL HINTERRAMSKOGLER

anzeichen? Noch bleibt Österreich von ei­ ner größeren Pleitewelle verschont. „Im Moment können wir noch keinen Anstieg von Insolvenzen verzeichnen und erwar­ ten diese erst Ende 2020 beziehungsweise 2021“, sagt Schaller. Die Banker bleiben deshalb auf der Hut. Schaller achtet zum Beispiel auf verschiedene Anzeichen, etwa auf die Entwicklung bei der Kurzar­ beit oder bei den Entlassungen in Unter­ nehmen. Dabei können die Vorzeichen

Kreditberatung. Die Banken vergeben aktuell viele Betriebsmittelkredite, angelehnt an Überbrückungs­ finanzierungen. Eine Kreditklemme gebe es nicht, beteuern die Bankenbosse.

auch ins Positive drehen, etwa im kri­ selnden Tourismussektor. Haller von der

mit zu teureren Krediten führen.“ Bei der

basis ist solide: Aktuell liegt die NPL-Quo­

Hypo Vorarlberg sagt, angesichts der Kri­

Erste Group Bank AG heißt es etwa: Un­

te bei 2,2 Prozent. Strobl meint allerdings,

se könnten mehr Menschen heuer zum

ter dem Szenario einer sechsmonatigen

„nach Jahren des deutlichen Rückgangs

Beispiel einen Heimaturlaub bevorzugen.

V-förmigen Erholung erwarte man Risi­

der NPL-Quote haben wir im ersten Quar­

Dennoch macht man sich auch in der

kokosten von 50 bis 80 Basispunkten des

tal wahrscheinlich den Tiefpunkt gesehen

Regionalbank nichts vor: Legt man das

durchschnittlichen Bruttokundenkredit­

und erwarten ab jetzt einen Anstieg“.

Szenario einer technischen Rezes­ sion

bestands. Zum Vergleich dazu lagen 2019

Laut dem Bankenverband ist die har­

im zweiten und dritten Quartal 2020 zu­

die Risikokosten, unterstützt unter ande­

te Kernkapitalquote von 16 Prozent solid,

grunde, ist mit steigenden Risikokos­

rem durch Auflösungen, bei sieben Ba­

und sie wurde seit der Finanzkrise, als die

ten auf Konzernebene zu rechnen - und

sispunkten – was damals als „historisch

Quote bei acht Prozent lag, um ein Vielfa­

mit leichtem Erholungspotenzial im Ab­

niedriges Niveau“ beschrieben wurde.

ches gesteigert.

19


FINANZPLATZ BANKEN

„Das Budget für ­Risikokosten haben wir fast verdoppelt.“ MICHEL HALLER

„Es wurden reichlich ­liquide Mittel in der Krise vergeben.“

„Wir sehen ­ derzeit keine Kredit­klemme.“

ROBERT ZADRAZIL

ENVER SIRUCIC

Wie sich wichtige Bankenkennzahlen

te im Kreditgeschäft. Gemäß Zahlen der

durchschnittliche reale Bruttoinlands­

entwickeln könnten, hat sich Hilbert von

Oesterreichischen Nationalbank lag des

produkt (BIP) der gesamten Region dürfte

Roland Berger Österreich (Seite 17) ange­

Risikoergebnis österreichischer Banken

heuer um 6,1 Prozent schrumpfen. 2009

sehen. Dabei wurden zwei Zukunftssze­

2019 bei vergleichsweise niedrigen 0,7

lag das Minus bei 5,6 Prozent. Die größten

narien berechnet: eines mit verzögerter

Milliarden Euro. Je nachdem, wie stark

realen BIP-Rückgänge werden in Kroati­

konjunktureller Heilung und eines mit

nun der Wirtschaftsabschwung ausfallen

en (-11,0 Prozent), Slowenien (-9,5 Pro­

einer tiefgreifenden Rezession. Den Be­

wird, kann sich das Risikoergebnis in Ös­

zent) und der Slowakei (-9,0 Prozent) er­

rechnungen zufolge könnte allein der

terreich um 390 bis zu 580 Prozent ver­

wartet. Dennoch gibt es einen Lichtblick:

Nettozinsertrag, der laut Zahlen der Oes­

schlechtern. Hilbert schlüsselt die Pro­

Die größten Investitionen Österreichs be­

terreichischen Nationalbank im Jahr 2019

gnosen näher auf: „Die Risikokosten ös­

finden sich in den vier Visegrad-Ländern

11,6 Milliarden Euro betragen hat, zwi­

terreichischer Banken lagen 2019 nahe an

und in Rumänien. Obwohl diesen Län­

schen sechs und elf Prozent schrumpfen,

ihrem historischen Tief. Von dieser nied­

dern heuer ein tiefer Abschwung bevor­

je nach Szenario. Und damit im Worst

rigen Basis sind die prozentualen Verän­

steht, sind sie zumeist besser in der Lage,

Case sogar mehr als in Deutschland. Dort

derungen eben sehr groß.“ Sie übertref­

die Auswirkungen zu bewältigen und sich

rechnet Roland Berger mit einem Rück­

fen in Teilen sogar die negativsten Stress­

zu erholen, meint man beim WIIW.

gang von bis zu neun Prozent. Gründe da­

testszenarien der Europäischen Banken­

für sind ein geringeres Kreditvolumen im

aufsicht aus dem Jahr 2018, in denen

Mehr Effizienz gefordert

Gesamtbestand aufgrund von Zahlungs­

ebenfalls makroökonomische und Geld­

Hilbert mahnt, dass alle heimischen Ban­

ausfällen sowie eine rückläufige Neukre­

marktvariablen diversen Schocks ausge­

ken Effizienzmaßnahmen setzen müss­

ditvergabe im kommenden Jahr.

setzt wurden, betont Hilbert.

ten. Die Kostensituation sei schon vor

Größere Veränderungen kann es auch

der Corona-Krise nicht sehr gut gewesen.

beim Vorsteuergewinn (Ausgangswert

„Die aktuelle Situation wird den Effizi­

dürfte

2019: 5,4 Milliarden Euro) geben. Der

enzdruck verstärken. Womöglich sehen

schrumpfen. Schließlich werde ein wei­

Rückgang kann rund 70 bis 110 Prozent

wir in den kommenden 18 Monaten erste

ter sinkendes Zinsniveau erwartet. Ein­

betragen – doch das ist in diesem Fall weit

notwendige Konsolidierungsschritte am

zig die Refinanzierungskosten der Ban­

geringer als in Deutschland (bis zu minus

österreichischen Bankenmarkt, die nach

ken dürften dafür einigermaßen stabil

320 Prozent). Der Grund liegt für Hilbert

2008 verabsäumt wurden. Die Frage nach

bleiben. Hilbert präzisiert: „Niedrige­

auf der Hand. Er sagt, Banken in Öster­

einem Personalabbau im Zusammenhang

ren Interbanken-Kreditkosten aufgrund

reich seien schlicht effizienter. 2019 la­

mit Effizienzmaßnahmen liegt klassi­

des allgemein niedrigeren Zinsniveaus

gen in Österreich tätige Banken bei der

scherweise auf der Hand, muss aber nicht

könnten höheren Kosten bei der Anleihe­

Kosten-Ertrags-Relation mit 0,67 weit

zwangsläufig die Folge sein. „Vielmehr

finanzierung aufgrund eines schlechte­

unter jener in Deutschland mit 0,76.

empfehlen wir die freiwerdenden Ka­

Erträge sinken Doch

auch

die

Zinsmarge

ren Bankenratings gegenüberstehen.“

Und dann gibt es noch einen wichti­

pazitäten für die Weiterentwicklung des

Und auch die Nettoprovisionserträge

gen Punkt für Österreich. Banken wie die

Geschäftsmodells sowie bewusste Inves­

könnten um bis zu neun Prozent sinken

RBI und die Erste Group Bank AG sind in

titionen in neue Technologien zu verwen­

– von den ursprünglich prognostizierten

Osteuropa stark engagiert. Dabei spürt

den“, sagt Hilbert. Ein starker Treiber für

4,6 Milliarden Euro. Das bleibt nicht ohne

auch die Region laut dem Wiener Institut

die Effizienz, aber auch für die Kunden­

Folgen für die Kosten-Ertrags-Relation.

für Internationale Wirtschaftsvergleiche

zufriedenheit werde eine durchgehende

Sie dürfte im Schnitt zwischen sechs und

(WIIW) die Pandemiefolgen deutlich, wie

Digitalisierung der Prozessstrecken sein.

zehn Prozentpunkte ansteigen. Größe­

der Prognosebericht für 23 Länder Mit­

Das betonen auch die Banken. Sie se­

re Veränderungen erwartet Hilbert beim

tel-, Ost- und Südosteuropas vom Mai

hen den digitalen Wandel noch lange

Risikoergebnis. Diese Kennzahl enthält

aufzeigt. Dabei dürfte der wirtschaftliche

nicht beendet – und wollen in diesem Be­

Rückstellungen für zu erwartende Verlus­

Abschwung schlimmer sein als 2009. Das

reich künftig noch stärker wachsen. n

20


FINANZPLATZ BANKEN

© UBS

„SO ETWAS IST NUR BEI UNS MÖGLICH“ Beim Geldverteilen können die Schweizer Banken schnell und nützlich sein, wie sich in

Schnelle Hilfe. Die UBS hat KMU-Kredite in der Höhe von 2,7 Milliarden Euro vergeben, allesamt zu 100 Prozent staatlich gedeckt.

der Corona-Krise zeigt. TEXT DANI ZULAUF AUS ZÜRICH

S

o etwas ist nur bei uns möglich“,

500.000 Franken - auf 2,7 Milliarden

lerdings lasse ein Vergleich mit früheren

behauptete der Schweizer Finanz­

Franken oder 20 Prozent des Totals. Bei

Rezessionen nur geringe Ausfälle für das

minister Ueli Maurer vollmundig,

der Credit Suisse Group AG sind es so­

Bankensystem erwarten.

als er Ende März 2020 in Bern seinen Plan

gar drei Milliarden Franken und bei der

zur Rettung von etwa 600.000 KMUs ent­

genossenschaftlichen Raiffeisen-Grup­

Zurückhaltung bei Dividenden

hüllte. Doch das Modell mit dem Bund als

pe, dem drittgrößten In­stitut des Lan­

Trotzdem hatte die Eidgenössische Fi­

Bürgschaftsgeber, der privaten und öf­

des, sind es 1,9 Milliarden Franken. Kre­

nanzmarktaufsicht vor allem den bör­

fentlich-rechtlichen Kreditwirtschaft als

ditanträge können noch bis Ende Juli ge­

sennotierten Banken im April eine be­

feinmaschiger Verteilorganisation und

stellt werden. Doch schon jetzt erscheint

sondere Zurückhaltung bei der Dividen­

der Notenbank als Liquiditätsgarantin hat

klar, dass der Rettungsschirm weit über

denausschüttung nahegelegt, was diese

sich als überaus effizient erwiesen.

die Ränder der Pro­ blemzonen hinaus­

nur zähneknirschend akzeptierten. Auf

Neun Tage nach dem Start waren be­

reicht. Vom total verfügbaren Kreditvo­

die Frage, ob er sich von der Behörde be­

reits 78.000 Kreditvereinbarungen im

lumen von 40 Milliarden Franken wur­

vormundet gefühlt habe, antwortete Ro­

Wert von 8,6 Milliarden Franken unter­

de bisher erst ein Drittel zugesprochen,

meo Lacher, Verwaltungsratspräsident

zeichnet. Angesichts der starken Nach­

und auch davon bleibt vieles ungenutzt.

der

frage wurde die erste Fazilität von 20 Mil­

Die Credit Suisse Group AG hat gemäß

bank Julius Bär, diplomatisch, aber hin­

liarden Franken am 3. April verdoppelt.

Zürcher

Vermögensverwaltungs­

einer Anfrage erst 30 Prozent der bewil­

reichend deutlich: „Sagen wir es so: Der

Bis dato wurden gut 127.000 Kredit­

ligten Ausleihungen effektiv ausbezahlt.

Dividendenvorschlag ist Aufgabe des

vereinbarungen im Wert von 13,5 Milli­

Bei der UBS Group AG sind es 48 Prozent.

Verwaltungsrates. Und dieser trifft sei­

arden Franken unterzeichnet. Nach dem

Obschon die Krise die Schweizer

ne Entscheidung aufgrund einer ganz­

anfänglichen Schub hat sich die Nach­

Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr

heitlichen Betrachtung der Situation des

frage schnell verflacht, und seit Anfang

um rund sechs Prozent verringern dürf­

Unternehmens und nicht in der Absicht,

Juni stagniert sie. Das Staatssekretariat

te, rechnen die Banken nicht mit großen

die Aktionäre glücklich zu machen.“

für Wirtschaft hält die Statistik täglich a

Kreditverlusten. Die größeren Corona-

Die Empfehlung der Behörde genoss

jour. Und auch die Banken erteilen gern

Rettungskredite, für die der Bund nur

in der breiten Bevölkerung viel Sympa­

Auskunft, was mit Blick auf deren kon­

zu 85 Prozent bürgt, belaufen sich der­

thie. Das zeigt, dass die Banken das vor

struktive Rolle im nationalen Krisenma­

zeit auf lediglich 1,9 Milliarden Franken.

zehn Jahren in der Finanzkrise verlore­

nagement auch nicht erstaunt.

Zwar sei auch außerhalb der Rettungs­

ne Vertrauen noch nicht zurückgewon­

Bei der UBS Group AG beläuft sich das

fazilitäten mit einer Zunahme von Zah­

nen haben. Ihr Beitrag zur Bewältigung

Volumen der zu 100 Prozent vom Bund

lungsausfällen zu rechnen, stellt eine

der Corona-Krise ist immerhin ein klei­

gedeckten

aktuelle Studie der Credit Suisse fest. Al­

ner Schritt in diese Richtung. n

KMU-Kredite

-

maximal

21


RENDITE WIENER BÖRSE

MARKTENTWICKLUNG

ENTWICKLUNG (YTD) DER INTERNATIONALEN AKTIENMÄRKTE IM VERGLEICH ZUR WIENER BÖRSE 10,00%

5,00%

0,00%

-5,00%

ATX (ÖSTERREICH) STOXX EASTERN EU TM (EUR) -10,00%

STOXX EUROPE TM (EUR) STOXX US TM (EUR) STOXX EM TM (EUR)

-15,00%

-20,00%

-25,00%

-30,00%

-35,00%

-40,00%

-45,00%

02.1.

03.2.

02.3.

01.4.

04.5.

02.6.

Langsame Erholung. Der Kursverfall im März 2020 war ordentlich, die Weltbörsen haben sich allerdings unterschiedlich vom Corona-Schock erholt. US-Aktien stechen wie so oft den Rest der Welt aus, Österreichs Aktien hinken am deutlichsten hinterher, selbst Osteuropa-Aktien haben sich besser erholt. PERFORMANCE DER INDIZES IM VERGLEICH KURS

YTD %

ATX

AT0000999982 2326,41

–27,00 %

Dow Jones Global Index

XC0006975012 403,2 –7,10 %

STOXX Eastern Europe TM EUR

CH0042344587 175,97

INDIZES

ISIN

KOLUMNE

WOLFGANG MATEJKA Geschäftsführer Matejka & ­Partner Asset Management

INDIZES

–22,19 %

ISIN

KURS

YTD %

STOXX Emerging Markets TM EUR

CH0147792532 105,41 –16,76%

STOXX Europe TM EUR

CH0009119717 355,29

–13,22 %

STOXX USA TM EUR

CH0114209130 291,48

–3,46 %

FRAU HOLLE UND DIE PROPHETEN Die Lernkurve der letzten Monate zeigt nach wie vor steil nach oben. Ein Kapitalmarkthorror dank Pandemieschock, begleitet von einem Öl-Crash historischen Ausmaßes wurde von einem Geldregen seitens Notenbanken und Staatshaushalten abgelöst, der einen mehr an das Märchen der Frau Holle als an Wirtschaftsökonomie denken ließ. Die Märkte begannen, sich auf die „Zeit danach“ auszurichten. Bezeichnenderweise waren es gerade überwiegend die US-Investoren, die die Chance Europa als Erste ergriffen. Die heimischen Profi-Investoren blieben vorerst auf der Seitenlinie, obwohl sich aus dem Sektor der Privatinvestoren auch in Österreich eine gestiegene Kaufaktivität bemerkbar machte. Österreichs Börse begann zwar ebenso die Tiefststände aus dem März 2020 zügig zu verlassen, blieb aber hinter den meisten europäischen Märkten zurück. Die Gründe hierfür sind schwer auszumachen, liegen aber sicher auch in der Struktur unseres Marktes, der stark von Banken und Energiewerten geprägt ist. Diese Branchen müssen sich noch aus der Krise herausstrampeln. Es bleibt aber trotzdem ein schaler Beigeschmack auf der österreichischen Börsianer-Zunge, denn selbst geringere Liquidität kann manche Bewertungen einiger Werte nicht mehr erklären. Es wird daher wie schon so oft ein lokales Momentum hinter dieser Entwicklung stecken. Bis sich die ausländischen Investoren in unsere Niederungen auf der Suche nach „Once in a lifetime“-Investments vorgearbeitet haben, wird sich unser ATX wohl weiterhin mit Griechenland um die rote Laterne von Europas Aktienmarktperformance streiten.

22


RENDITE WIENER BÖRSE

MARKTMEINUNGEN AUSBLICK DER FONDSMANAGER

Welche Branchen favorisieren Sie derzeit und warum? – Der IT-

Klaus Frühwirth Fondsmanager ViennaStock T ISIN AT0000952460) Sparkasse Oberösterreich KAG

Sektor wird noch längere Zeit den Ton angeben. Für die digita­ le Transformation fungiert die Krise als Katapult in die Zukunft. Die Investitionsmöglichkeiten an der Wiener Börse sind diesbe­ züglich überschaubar. Dementsprechend haben wir auch öster­ reichische Unternehmen mit ausländischer Notiz im Fokus wie beispielsweise Fabasoft und S&T.

Wie bewerten Sie das aktuelle Marktumfeld? – Die positive Ent­ wicklung der Börsen verläuft konträr zu einer Serie historisch

Welche Aktie haben Sie zuletzt gekauft? – Die starke Korrektur

schlechter Konjunkturdaten. Der Blick ist klar nach vorne ge­

von OMV und Erste wurde für Aufstockungen genutzt, im Ge­

richtet, verbunden mit der Hoffnung, dass die Weltwirtschaft

genzug wurde Amag reduziert. Aus Fondssicht sind unsere

nun in eine dynamische Aufschwungphase einbiegt. Die Frage

größten Positionen Erste, OMV und RBI. Relativ zum öster­

bleibt, ob die Wirtschaftsentwicklung annähernd auf den alten

reichischen Vergleichsmarkt setzen wir auf AT&S sowie Mayr-

Pfad aufschließen kann.

Melnhof.

ZERTIFIKATE IM FOKUS

DER INFLATION AUF DER SPUR „Inflation ist eine Art Steuer, die nicht vom Gesetzgeber genehmigt werden muss“, wie es der Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman einst ausdrückte. Besonders die seit Jahren stattfindende schleichende Geldentwertung, getragen durch das globale Niedrigzinsumfeld birgt die Gefahr, dass viele Anleger diesen Prozess gar nicht bewusst wahrnehmen. Um den Effekt der Teuerungsrate auf die Kaufkraft des eignen Geldvermögens langfristig zu veranschaulichen, stellt Raiffeisen Centrobank auf www.rcb.at/inflationsrechner einen persönlichen Inflationsrechner bereit. Mit diesem Tool lassen sich Preissteigerung und Kaufkraftverlust anhand historischer Daten für einen individuellen Geldbetrag bestimmen und darstellen. Der Inflationsrechner zeigt, wie stark sich selbst eine moderate Teuerungsrate über einen längeren Zeitraum auf den Geldwert auswirkt. Aufgrund der geringen Einlagenzinsen hat sich die Kaufkraft durchschnittlicher Spareinlagen in Österreich seit 2008 abzüglich KESt und unter Berücksichtigung der Inflation um ca. 16% reduziert. Eine Geldanlage in ein Sparbuch kann in einem Umfeld niedriger Zinsen selbst bei moderater Inflation keinen nachhaltigen Erfolg erzielen. Kapitalschutz- oder BonusZertifikate ­können hier einen Lösungsansatz darstellen, um dem Wertverlust entgegenzuwirken ohne volles Marktrisiko zu nehmen.

Entgeltliche Einschaltung

HEIKE ARBTER Mitglied des Vorstands

noch besteht das Risiko einer weiteren Infektionswelle, die das

Florian König Fondsmanager KCM Aktien Global SRI R T (ISIN AT0000A0V6J7) Kathrein Capital Management

bereits Erzielte zunichtemachen könnte. Welche Branchen favorisieren Sie derzeit und warum? – Wir verfol­ gen eine breite Diversifikation, können aber mit der geringe­ ren Gewichtung in den Sektoren Consumer Discretionary sowie Energy im Vergleich zum breiten Aktienmarkt gut leben.

Wie bewerten Sie das aktuelle Marktumfeld? – Die vergangenen Wochen gaben den Marktteilnehmern Grund zur Hoffnung,

Welche Aktie haben Sie zuletzt gekauft? – Zuletzt haben wir

nachdem sich innerhalb Europas ein Weg der Normalisierung

­Adobe verkauft, da es nicht mehr unseren Nachhaltigkeits­

abzeichnete und Konjunkturpakete in Milliardenhöhe auf den

kriterien entspricht. Unser Neuzugang ist das Unternehmen

Weg gebracht wurden. In Kombination mit den geldpolitischen

IHS Markit, das durch seine Daten- und Informa­tionsdienste

Unterstützungsmaßnahmen der globalen Notenbanken führte

bekannt ist. Das Unternehmen gliedert sich aufgrund seines

das zu einer positiven Entwicklung an den Aktienmärkten. Den­

Ertrag-Risiko-Profils gut ins Portfolio ein.

23


RENDITE PORTFOLIO

REINHARD MUES

„SCHWEIZER, DEUTSCHE UND ­BRITISCHE AKTIEN ÜBERGEWICHTEN“ Besonders gefallen Reinhard Mues aktuell deutsche Aktien und europäische Unternehmensanleihen – egal ob ­Investmentgrade oder nicht.

Der gebürtige Deutsche (49) ist seit über zwölf Jahren für die Credit Suisse in Österreich im Private Banking tätig. Seit knapp drei Jahren leitet der studierte Wirtschafts­ wissenschafter in Wien die Geschäfte als Head of Private Banking und Managing Director. In seiner Freizeit findet man ihn auf dem Golfplatz oder auf Reisen.

TEXT JULIA KISTNER

Herr Mues, wie haben Sie nach Ausbruch der Corona-Pandemie Ihre Portfolios umgeschichtet? - Als die Pandemie Ende Fe­

  VITA REINHARD MUES Head of Private Banking Credit Suisse Österreich

#PORTFOLIO DIE ASSET-ALLOKATION

als auch High-Yield-Anleihen, da die No­ tenbanken nun auch Anleihen geringe­ rer Qualität kaufen. Das vorgeschlagene

bruar die Aktienmärkte traf, waren wir

Wiederaufbauprogramm ist ein wichtiger

in unseren Portfolios bereits vorsorglich

Schritt, um die wirtschaftliche und finan­

neutral und nicht mehr übergewichtet.

zielle Stabilität der Eurozone zu stärken.

Während der Korrektur im März gab es kaum Zeit zu reagieren. Der S&P 500 hat

Welche Anleihen sind aktuell interessant?

in nur 23 Tagen über 30 Prozent seines

- Wir bevorzugen Unternehmensanlei­

Werts verloren. Zudem war die Liquidi­

hen und halten sowohl Investment-Gra­

tät zeitweise sehr schlecht. Das hat es

de- als auch High-Yield-Anleihen für at­

zusätzlich schwierig gemacht zu han­

traktiv. Auch Hartwährungsanleihen aus

deln. Die wichtigsten Notenbanken re­

Schwellenländern bieten attraktive risi­

agierten jedoch sehr schnell mit Zins­

koadjustierte Aufschläge. Wir sind unter­

senkungen und drastischen geldpoli­ tischen Maßnahmen auf die Krise, und auch die Regierungen steuerten sofort gegen. Das stimmte uns Ende März zu­ versichtlich, dass man die gravierends­ ten wirtschaftlicher Folgen abwenden konnte. Wir haben seither Aktien wie­ der leicht übergewichtet, was sich ange­ sichts der deutlichen Kursgewinne der letzten Wochen auch ausgezahlt hat. Wie gewichten Sie jetzt Sektoren und Regionen? - Innerhalb unseres Aktien­

45,0 % Aktien 35,0 % Anleihen 10,0 % Alternative Anlagen 2,5 % Industrie-Rohstoffe 2,5 % Immobilien 5,0 % Sonstige AKTIEN 22,0 % Europa 13,5 % North America* 2,0 % Japan 1,0 % Autralien 61,5 % Sonstige** * USA+CANADA ** VOR ALLEN SCHWELLENLÄNDER INKL. ASIEN QUELLE: CREDIT SUISSE, PORTFOLIO „BALANCED“

übergewichts bevorzugen wir die Sek­ toren

Gesundheitswesen,

gewichtet in Staatsanleihen. Diese sollten zwar auch von den Kaufprogrammen der Notenbanken profitieren, aufgrund der tiefen Zinssätze bei Staatsanleihen ist es hier allerdings schwieriger, eine positive Gesamtrendite zu erzielen. Haben Sie auch österreichische Aktien und Anleihen im Portfolio? – Sie sind derzeit aus regionaler Sicht nicht prominent in unse­ ren Portfolios vertreten. Was halten Sie von Öl und Edelmetallen? Gold konnte in den letzten Monaten von

Technolo­

der Unsicherheit profitieren. Durch die

gie und Energie. Ersterer zeichnet sich

Die EZB kauft um unfassbare 1,35 Billionen

extremen fiskal- und geldpolitischen

unter anderem durch seine defensiven

Euro neue Anleihen auf. Dazu kommt ein

Maßnahmen wurden die Anleiherenditen

Qualitäten aus, während der zyklische

mit 750 Milliarden Euro dotierter EU-Wie-

nach unten gedrückt, was Gold Unterstüt­

Energiesektor von der jüngst deutlichen

deraufbaufonds. Wie berücksichtigen Sie den

zung verlieh. Das Zinsumfeld bleibt nach

Erholung der Ölpreise profitieren soll­

immensen Schuldenanstieg in Ihren Anlage-

wie vor günstig für Gold, aber derzeit sind

te. Regional favorisieren wir die Schweiz

strategien? - Die Anleihekäufe der Noten­

wir neutral gewichtet. Öl sehen wir indes

als defensiven Markt, Deutschland so­

banken sind mitunter der Grund, weshalb

konstruktiver. Wir gehen davon aus, dass

wie Großbritannien. Für eine möglichst

wir Unternehmensanleihen in unseren

es im zweiten Halbjahr zu einer allmäh­

breite Diversifikation haben wir auch

Portfolios übergewichten. Dieses Überge­

lichen Verknappung kommen sollte. Das

alternative Anlagen übergewichtet.

wicht betrifft sowohl Investment-Grade-

dürfte die Preise stützen. n

24


Innovation, Transformation und Sicherheit brauchen die besten Köpfe – BDO hat sie! Unsere Expertinnen und Experten zeichnen sich durch langjährige Erfahrung, erstklassige inhaltliche Kompetenz und breite Expertise in den Bereichen Audit, Tax, Advisory sowie Business Services & Outsourcing aus. Wir arbeiten hands-on im Team und begegnen komplexen Aufgabenstellungen mit maßgeschneiderten Lösungen für Ihr Unternehmen. Unser Ziel ist Ihr nachhaltiger Erfolg – österreichweit und in über 160 Ländern weltweit. bdo.at

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RENDITE WASSER

1.

2.

3.

MARKTUMFELD

VERANLAGUNG

INTERVIEW

Der sorglose Umgang mit Trinkwasser wirft viele Fragen für die zukünftige Versorgungssicherheit auf. Die steigende Weltbevöl­ kerung, schmelzende Gletscher und ein hoher Verbrauch in der Landwirt­ schaft stellen die Ressour­ cen auf eine harte Probe.

Mehr als 4,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sicheren Sanitäranlagen, zwei Milliarden keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Unternehmen, die diesen Zugang zur Verfügung stellen, sind die Lieblinge der Fondsmanager.

Die Anlagen der Wasser­ infrastruktur in Österreich gehören dringend moder­ nisiert, sagt Roman Neunteufel von der Universität für Bodenkul­ tur. Dass Trinkwasser die Toilette runterfließt, habe einen Grund und sei gar nicht so schlecht.

SEITE 28

Prost! Österreich ist mit Trinkwasser gesegnet. In vielen Ländern der Erde ist es Mangelware und muss aufbereitet werden.

SEITE 30

SEITE 32


#GELD

WASSER MARSCH! Mit dem Voranschreiten des Klimawandels und dem Wachsen der Weltbevölkerung bleibt dringend notwendiger Niederschlag immer öfter aus. Ebenso nehmen Dürren zu. Auch für die Behandlung der steigenden Abwassermengen braucht es dringend Lösungen. Solche bieten eine ganze Reihe an Unternehmen entlang Wasseraufbereitung an. Auch Anleger können mit verschiedenen Investmentprodukten, von Fonds bis Zertifikaten, interessante Chancen nutzen. TEXT RAJA KORINEK

© BMLRT / ALEXANDER HAIDEN

der gesamten Wertschöpfungskette bei der


RENDITE WASSER

WENN WASSER ZU LUXUS WIRD

In zahlreichen Regionen rund um den blauen ­Planeten wird Trinkwasser ein zunehmend knappes Gut. Hinter der dramatischen Entwicklung stecken handfeste Gründe.

© EVN/RUMPLER

TEXT RAJA KORINEK

view auf Seite 32. Die Ressourcen sind al­ lerdings ungleich verteilt. Doch wie groß sind sie eigentlich? Laut Bundesminis­ terium für Land- und Forstwirtschaft, Leitungswasser.­Die EVN AG investiert bis 2030 155 Millionen Euro in die Versorgungssicherheit.

Umwelt und Wasserwirtschaft stehen in Österreich jährlich rund 76,4 Kubikkilo­

D

meter Wasser zur Verfügung. Der jähr­ ie Lage ist ernst. Weil die globa­

Dessen Auswirkungen sind zuneh­

le Erderwärmung munter vor­

mend sichtbar. Laut dem jüngsten Son­

anschreitet, schmelzen die Glet­

derbericht über Klimawandel und Land­

scher rund um den Globus. Laut der Um­

systeme des Weltklimarats IPCC steigt

35 Millionen

weltorganisation Global 2000 sind allein

die Zahl der Dürren und Hitzewellen

Für den gesamten Erdball werden die

in Österreich die Gletscher zwischen 1969

infolge des Klimawandels. Die Durch­

Süßwasserreserven hingegen auf rund

und 1998 um 16 Prozent zurückgegangen

schnittstemperatur hat in den vergange­

35 Millionen Kubikkilometer geschätzt.

und seit 1998 nochmal um ein Fünftel ge­

nen 140 Jahren um 1,41 Grad Cel­sius zu­

Die Mengen werden dabei längst nicht

schrumpft. Diese Entwicklung führt auch

genommen. Diesen Entwicklungen kann

nur vom Klimawandel strapaziert. Bis

zu steigenden Meeresspiegeln, die Folgen

sich auch Österreich nicht entziehen.

2050 dürften rund zehn Milliarden

davon baden vor allem die Menschen an

Der Frühling war einer der trockens­

Menschen laut den Vereinten Natio­

den Küstenregionen aus.

ten der Messgeschichte, hält man bei

nen auf dem Planeten leben. Und damit

Solche Schlagzeilen wird man vermut­

der Zentralanstalt für Meteorologie und

wird der Bedarf an Trinkwasser steigen

lich noch öfter lesen. Denn Wasser wird in

Geodynamik fest – ebenso, dass es in Ös­

– auch für die Nahrungsmittelproduk­

vielen Regionen ein zunehmend knappe­

terreich etwa im April 2020 weniger als

tion. Schon jetzt landen rund 70 Prozent

res Gut. Darauf wird längst auch mit dem

die Hälfte der Niederschlagsmenge eines

des weltweiten Süßwasserverbrauchs in

jährlichen Wassertag am 22. März auf­

durchschnittlichen Aprils gegeben hat.

der Landwirtschaft, Tendenz steigend.

merksam gemacht. Dieser wird seit dem

Das bekamen vor allem die Landwirte im

Schuld ist unter anderem der steigen­

Jahr 2003 von den Vereinten Nationen or­

Osten Österreichs zu spüren.

de Konsum von Fleisch, dessen Herstel­

liche Wasserbedarf beträgt knapp drei Prozent dieser verfügbaren Menge.

ganisiert, die obendrein sauberes Was­

Wasser gibt es in Österreich dennoch

lung weit mehr Wasser verschlingt als

ser und Sanitärversorgung als eines der

ausreichend, betont Roman Neunteufel,

jene von Getreide und Gemüse. Allein

17 nachhaltigen Entwicklungsziele fest­

leitender Wissenschaftler am Institut für

die Produktion von einem Kilo Rind­

gesetzt haben. Dabei stand der diesjähri­

Siedlungswasserbau,

Industriewasser­

fleisch benötigt rund 15.000 Liter, die

ge Wassertag ganz im Zeichen des Klima­

wirtschaft und Gewässerschutz an der

Herstellung von einem Kilo Tomaten le­

wandels.

Universität für Bodenkultur, im Inter­

diglich 110 Liter Wasser.

28


RENDITE WASSER

Wie aber teilt sich der restliche Ver­

einiges im Wasserbereich vor. EVN-Spre­

gung geschützt. Leitungswasser wird da­

brauch auf? Weitere 20 Prozent fließen in

cher Stefan Zach sagt: „EVN Wasser wird

her auch entsprechend behandelt.“

die Industrie und zehn Prozent in priva­

in den kommenden zehn Jahren rund 155

Hudler sagt auch, Vöslauer Mine­

te Haushalte. Mit der wachsenden Welt­

Millionen Euro in den weiteren Ausbau

ralwasser komme unbehandelt aus der

bevölkerung wird immer mehr Abwas­

der hohen Versorgungssicherheit inves­

15.000 Jahre alten und 660 Meter tiefen

ser erzeugt, wobei rund 90 Prozent un­

tieren. Dazu gehören rund 300 Kilometer

Quelle und sei geschützt vor Verschmut­

behandelt abgelassen werden. Das könn­

zusätzliche Transportleitungen.“

zung. Doch auch die Nachhaltigkeit steht

te verhindert werden, mahnt etwa Ulla

im Fokus: Inzwischen wird auf wieder­

Burchardt, Vorstandsmitglied der Deut­

Mineralwasser als Zusatzmarkt

verwertbare Plastikflaschen gesetzt. Zu­

schen Unesco-Kommission. Sie sagt, „die

Doch auch der Verkauf von Mineralwasser

dem wurde 2019 massiv in den Ausbau der

Abwasseraufbereitung kann Treibhaus­

birgt jede Menge Potenzial und ist eben­

Glas-Mehrweg-Lösungen investiert.

gase reduzieren und zur Energiegewin­

so Teil des Wassermarkts. Der heimische

Das Thema Wasser ist jedenfalls viel­

nung genutzt werden“. Burchardt meint

Getränkeverband und das Forum Mineral­

seitig – und kann kaum noch ignoriert

auch, für eine nachhaltige Entwicklung

wasser beziffern den Pro-Kopf-Konsum in

werden, zumal der Mensch zu einem

müsse man Zusammenhänge zwischen

Österreich für 2019 mit anhaltend stabilen

Großteil eben daraus besteht.

gesellschaftlichen und wirtschaftlichen

91 Litern. Und davon profitieren Anbieter

Sektoren nutzen.

wie Vöslauer – eine Tochter der Ottakrin­

% MEINE RENDITE

Freilich, das tun bereits zahlreiche

ger Getränke AG. Laut Geschäftsbericht

Obwohl Wasser ein kostbares Lebenseli­

Konzerne, die teilweise auch an der Bör­

2019 erzielte Vöslauer einen Jahresüber­

xier ist, werden die begrenzten Süßwas­

se notiert sind (Seite 30). In Österreich

schuss von 8,6 Millionen Euro, ein Plus von

serreserven zunehmend verringert. Ver­

mischt etwa die EVN AG als Versorger im

fast vier Prozent gegenüber 2018, und hat

antwortlich sind vor allem der Klima­

Wassergeschäft in Niederösterreich mit.

in Österreich einen Marktanteil bei Mine­

wandel und der zunehmende Verbrauch

Das Unternehmen besitzt eigene Wasser­

ralwasser von mehr als 40 Prozent.

in der Landwirtschaft. Den Entwicklun­

quellen, stellt aber auch die notwendige

Alfred Hudler, Vorstandssprecher der

gen kann sich Österreich ebenso we­

Infrastruktur für den Transport zur Verfü­

Ottakringer Getränke AG, stellt zudem

nig entziehen, auch wenn das Land über

gung. Das Wassergeschäft macht zwar nur

klar: „Leitungswasser und Mineralwas­

ausreichend Reserven verfügt. Doch sie

rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes

ser kann man nicht als einander konkur­

sind nicht gleichmäßig verteilt, weshalb

von 2,2 Milliarden Euro im Geschäftsjahr

rierende Getränke vergleichen, da es sich

Unternehmen in entsprechende Lösun­

2018/19 aus. Dennoch profitiert der Kon­

um zwei unterschiedliche Dinge handelt.“

gen investieren. Davon wird es noch jede

zern von Synergieeffekten mit den Berei­

Zwar könne man in Österreich Leitungs­

Menge brauchen, damit die Menschheit

chen Strom und Gas, etwa bei der Zählera­

wasser bedenkenlos trinken. „Trotzdem

auf künftig Zugang zu Trinkwasser hat,

blesung, sowie der Wartung oder der Ver­

ist es nicht überall von gleicher Qualität

beklagt die Unesco den sorglosen Um­

legung von Leitungen. Und man hat noch

und ist vor allem nicht vor Verunreini­

gang mit dem wertvollen Nass. n

Die Zeiten ändern sich. Die Banken auch. Vermögen entsteht durch Wissen und Erfahrung www.wienerprivatbank.com


RENDITE WASSER

Verlässlich. Die GeberitGruppe produziert für den Sanitärbereich, fertigt unter anderem aber auch Entwässerungsrohre. Die Aktie ­notiert in der Schweiz.

D

© GEBERIT

GUT VERSORGT ernüchternd:

Auch anderswo steht das Thema

zienter und kostengünstiger erfolge als

Mehr als zwei Milliarden Men­

Wasser längst im Fokus. So meint etwa

durch viele Kommunen, zumal Letzte­

schen haben keinen Zugang zu

Cedric Lecamp, Co-Fondsmanager des

re aufgrund geringer Budgets die Infra­

einer sicheren Trinkwasserversorgung.

Pictet-Water-Fonds, die Klimaverän­

struktur nicht in gutem Zustand halten

Und 4,2 Milliarden Menschen haben

derung mache das Problem der Was­

könnten, meint Lecamp. „Vor allem in

zudem keinen Zugang zu sicheren Sa­

serversorgung

pressierender:

den USA und in vielen Schwellenländern

nitäranlagen. Dabei dürfte sich die Lage

„Gleichzeitig beginnt man in vielen Re­

ist die öffentliche Hand nicht gut orga­

verschlimmern, wenn diesem Zustand

gionen erst jetzt, sich Gedanken darü­

nisiert. Wir erwarten, dass der Privati­

nichts entgegengesetzt wird.

ber zu machen, wie man den Wasserver­

sierungsgrad in den kommenden Jahren

brauch senken und die natürlichen Res­

zunimmt.“

ie

Zahlen

sind

Lösungen sind deshalb dringend ge­ fragt. Daran ändert selbst die Corona-Kri­

noch

sourcen nachhaltiger nutzen kann.“

se nichts, betont Gerhard Wagner, Fonds­

Dabei verweist Lecamp auf die unter­ schiedlichen Entwicklungen am Was­

manager des Swisscanto (LU) Equity Fund

Effiziente Lösungen sind gefragt

sermarkt. Am stabilsten sei die Ent­

Global Water Invest (LU0302976872 für

Da spannt Lecamp den Bogen zu sei­

wicklung bei Versorgern, da dies ein

Privatanleger, LU1495641794 für Großan­

nem Fonds und sagt: „Wir investieren

planbares und reguliertes Geschäfts­

leger). Er meint, „ungeachtet der jüngs­

in Aktien von Unternehmen, die zur Lö­

modell mit langen Vertragslaufzeiten

ten wirtschaftlichen Rückschläge er­

sung der globalen Wasserherausforde­

sei. Die Ausrüstungskomponenten für

warten wir eine robuste Nachfrage nach

rung beitragen.“ Immerhin erzielte der

die Wasserversorgung - die Wasser­

Wassertechnologieprodukten“. Die Was­

Pictet-Fonds mit diesem Ansatz einen

technologie - sei konjunktursensibler,

serinfrastruktur sei in vielen Regionen

Zehnjahreswertzuwachs auf Eurobasis

da die Nachfrage von der Investitionsfä­

veraltet - und damit sanierungsbedürf­

von 9,65 Prozent per annum laut Mor­

higkeit von Kommunen und Unterneh­

tig - oder müsse aufgebaut werden. Für

ningstar (LU0104884860 für Privatan­

men abhänge. „Gleichzeitig sehen wir

Wagner steht deshalb fest: „Der Wasser­

leger, LU0104884605 für Großanleger).

in diesem Segment die höchsten Um­

sektor bleibt ein attraktiver Wachstums­

Dabei könnte das Universum an

markt, der sich selbst in einem schwieri­

Branchenplayern noch wachsen. Es

Unternehmen aus dem Bereich der Um­

gen makroökonomischen Umfeld gut be­

habe sich erwiesen, dass die Wasserver­

weltdienste seien spätzyklische Wachs­

haupten wird.“

sorgung durch Privatunternehmen effi­

tumssegmente. „Alle drei Bereiche er­

30

satz-

und

Gewinnwachstumsraten.“


RENDITE WASSER

Der Bedarf an Süßwasser steigt stetig. Deshalb rücken auch jene Firmen zunehmend in den Fokus, die ­Lösungen für einen effizienteren ­Verbrauch liefern. Das eröffnet A ­ nlegern interessante Chancen. TEXT RAJA KORINEK

geben in der Kombination ein ausgewo­

deraufbereitung von Abwasser werden

ger. Die andere Hälfte sei im eher zyk­

genes Portfolio“, verweist Lecamp auf

sie von Unternehmen wie etwa Ecolab

lischen Bereich der Wasseraufbereitung

seinen Investmentansatz.

unterstützt.“

tätig.

Doch weshalb sind Boralex – ein Er­

Auch die Bank Vontobel bietet ein

US-Aktien haben die Nase vorn

zeuger von Strom aus erneuerbaren

passives Investment mittels des Aqua

Zu seinen größten Fondspositionen

Energien – und das Softwareunterneh­

Indexzertifikats

zählen etwa das US-Unternehmen Da­

men Trimble ebenso im Fonds? Wagner

Der Index besteht aus 32 Titeln, wo­

naher, einer der weltweit größten An­

meint, Stromerzeugung aus Kohle oder

bei drei Themen abgedeckt werden:

bieter von Wassertechnologielösungen.

Atom sei ein wasserintensiver Prozess.

Wasser­ entnahme,

Dessen Tochterfirma Chemtreat bietet

Erneuerbare Energien hätten hingegen

-infrastruktur. Dazu passt Idex aus den

Lösungen für Industriewasser an. Auch

den Vorteil, ohne Kühlwasser auszu­

USA. Der Konzern spürt Lecks in Lei­

im Biopharma- und dem Diagnostikge­

kommen. „Und Trimble ist ein Unter­

tungen auf und stellt Ventile für Was­

schäft mischt der Konzern mit. Ameri­

nehmen, das Landwirte bei der Bewirt­

serschläuche her. Das US-Technolo­

can Water Works ist hingegen ein US-

schaftung ihrer Felder mit Dünger und

gieunternehmen Itron bietet ebensol­

Wasserversorger, der 15 Millionen Kun­

Pflanzenschutzmitteln unterstützt.“

che Dienste an und ermöglicht mittels

den in den USA serviciert. Und bei der

an

(DE000VF55L25).

-speicherung

und

Smart Metering die Überwachung des

Pennon Group handelt es sich um einen

Passivinvestments locken ebenso

Wasserverbrauchs. Masco bietet eine

britischen regulierten Wasserversor­

Nebst den aktiv verwalteten Portfo­

Palette an Installationsvorrichtungen

ger, der im Südwesten Englands knapp

lios gibt es auch passive Investments,

wie Wasserhähne und Toiletten an.

zwei Millionen Kunden mit Wasser ver­

etwa den iShares Global Water UCITS

sorgt. Die Preise werden von der Regu­

ETF (IE00B1TXK627). Der ETF bildet den

% MEINE RENDITE

lierungsbehörde in Fünfjahresphasen

S&P Global Water 50 Index nach. Da­

Der weltweite Wasserverbrauch steigt,

jeweils neu festgelegt und sind somit

mit investieren Anleger in 50 Titel, die

die Ressourcen sind aber begrenzt. Des­

recht planbar.

im Wassergeschäft tätig sind, wie etwa

halb ist die Expertise jener Unterneh­

Doch auch der Wasseraufbereiter

American Water Works, Xylem, Dana­

men gefragt, die Lösungen bei der Ver­

Ecolab aus den USA zählt zu den größ­

her und Geberit. Von Versorgern hin zu

sorgung, dem effizienten Verbrauch,

ten Positionen ebenso wie auch im

Anbietern von Wasserpumpen und -lei­

aber auch der Entsorgung von Wasser

Swisscanto-Fonds. Dieser legte in den

tungen wie Xylem und Systemlösungen

liefern können. Das eröffnet auch An­

vergangenen zehn Jahren um gut 9,27

in den Bereichen Sanitär- und Rohrlei­

legern ein breites Spektrum an Invest­

Prozent pro Jahr zu. Wagner präzisiert

tungssystemen wie Geberit sind die Be­

mentchancen, bei denen die Titel alle­

ein wenig: Sowohl in der Industriepro­

reiche damit breit gefacht.

samt nach strengen Kriterien ausge­

duktion als auch bei Hotelketten sei

Bahram Sadighian, Vertriebsleiter

wählt werden. Viele Aktien sind aller­

man inzwischen bemüht, den Anteil an

von iShares in Österreich und Osteuro­

dings weltweit notiert. Anleger müssen

wiederverwertetem Wasser massiv zu

pa, präzisiert: Gut die Hälfte der Titel im

nebst dem Kurs- deshalb auch das Wäh­

erhöhen. „Bei der Reinigung und Wie­

Index stellten defensive Wasserversor­

rungsrisiko beachten. n

31


RENDITE WASSER

In Österreich gibt es zwar ausreichend Wasser­ reserven. Dennoch müssen dringend Maßnahmen bei der Infrastruktur getroffen werden, mahnt Roman Neunteufel von der Uni­ versität für Bodenkultur. Er erklärt auch, ob das ­Coronavirus eine Gefahr für

©BEIGESTELLT

das Abwasser darstellt.

Wasserverbrauch. Es sei in Ordnung, dass ­Trinkwasser die Klospülung ­runterfließt, sagt Roman Neunteufel.

TEXT RAJA KORINEK

„MODERNISIERUNGEN SIND DRINGEND NOTWENDIG“ Herr Neunteufel, das Thema Wasser sorgt

nerfeld, aber auch im Marchfeld be­

bereitet werden, etwa um Mineralstoffe

stets für Diskussionen. Weshalb steht das

findet sich das Grundwasser nur we­

oder feine Sande zu entfernen.

Element derart im Fokus? - Wasser wird

nige Meter unter der Oberfläche. Man

für verschiedenste Prozesse im Leben

kommt relativ leicht an die Reserven

Dabei müsste man doch nicht immer Trink-

gebraucht, sei es für den Direktver­

heran, weshalb es sich um sogenann­

wasser, etwa bei der Toilettenspülung, ein-

brauch oder zur Reinigung. Man darf

te Grundwassergebiete handelt. In an­

setzen. Weshalb wird da nicht auf Alterna-

auch nicht vergessen, dass der Mensch

deren Regionen wie dem Weinviertel ist

tiven gesetzt? - Tatsächlich werden von

selbst zu einem großen Teil aus Was­

der Untergrund sehr feinkörnig. Dort

den rund 130 Litern nur etwa zehn Li­

ser besteht. Wir kommen rund 30 Tage

ist die Grundwasserneubildung schwie­

ter für den Trinkwasserbedarf und zum

ohne Nahrung aus, höchstens aber drei

riger. Zudem gibt es in der Region relativ

Kochen verwendet, der Rest für andere

Tage ohne Wasser. Insgesamt verbrau­

geringen Niederschlag.

Zwecke, etwa für die Waschmaschine

chen die privaten Haushalte in Öster­

oder die Toilet­tenspülung. Es wäre aber Wie sieht es insgesamt mit den Reser-

wirtschaftlich nicht sinnvoll, ein ande­

ven hierzulande aus? - In Österreich gibt

res Wasser dafür heranzuziehen. Dann

Und wie hoch sind die Kosten für den End-

es ausreichend Reserven. Nebst dem

müsste in allen Häusern eine zweite

verbraucher? - Der durchschnittliche

Grundwasser gibt es auch die Oberflä­

Wasserleitung parallel zur Trinkwas­

Wasserpreis für den Konsumenten liegt

chenwässer. Allerdings sind Flüsse und

serleitung verlegt werden. Und damit

zwischen 1,70 Euro und zwei Euro pro

Seen nicht überall vorhanden. Zudem

würden sich die Wasserpreise ein gu­

Kubikmeter. Das variiert aber je nach

hat Grundwasser einen wesentlichen

tes Stück verteuern. Hinzu kommt ein

Region und hängt auch davon ab, wie

Vorteil: Es kann direkt genutzt werden.

weiterer Punkt: Wasser sollte nicht all­

schwierig die Versorgung ist. Im Tull­

Oberflächenwässer muss hingegen auf­

zu lange in Leitungen stehen, sondern

reich rund 130 Liter pro Person und Tag.

32


RENDITE WASSER

möglichst fließen. Ansonsten besteht

mals die Hausbrunnen ab. Inzwischen

die Gefahr, dass es ungenießbar wird,

sind Modernisierungen teilweise drin­

nicht allzu lange, wobei deren Lebens­

da sich Keime bilden können. Die Ge­

gend notwendig, wenn auch viele Ge­

dauer unter Wissenschaftlern noch um­

fahr wäre dann gegeben, wenn aus un­

meinden solche Arbeiten hinauszögern.

stritten ist. Nach derzeitigem Erkennt­

terschiedlichen Leitungen wenig Was­

Und dann werden auch die Wasserpreise

nisstand ist die Infektionsgefahr durch

ser gebraucht wird.

auf realer Basis – und nicht nur inflati­

Corona nicht größer als durch andere

onsbereinigt – ein wenig steigen müs­

Viren.

Insgesamt besteht vermutlich aber nicht die

gelangen. Allerdings überleben sie darin

sen, um diese Kosten abzudecken.

Gefahr eines zu geringen Verbrauchs. Wo-

Auch der Klimawandel sorgt zunehmend

hin geht derzeit die Entwicklung in Öster-

Weshalb werden die Wasserpreise nicht

für Diskussionen. Wie dramatisch werden

reich? – Zuletzt war der Verbrauch sogar

schon jetzt stärker angehoben? Schließlich

die Folgen der Erderwärmung langfristig

leicht rückläufig. Immer mehr moder­

sind sie in Österreich sehr günstig. - Ös­

sein? - Bis 2100 wird es im Schnitt wahr­

ne Geräte wie Waschmaschinen und Ge­

terreich hat grundsätzlich eine öffentli­

scheinlich mehr Niederschläge geben

schirrspüler verbrauchen weniger Was­

che Versorgung, abgesehen von privaten

als derzeit. Sie werden aber punktueller

ser. Es gibt aber auch Bereiche, wo in­

Hausbrunnen. Um die Wasserversor­

sein, weshalb auch die Trockenperioden

zwischen mehr Wasser verbraucht wird,

gung kümmern sich einzelne Gemein­

länger werden. Dabei kann es zu Boden­

etwa beim Gartengießen oder bei dem

den oder eine Gemeinschaft an mehre­

erosionen kommen. Aufgrund der hef­

Befüllen von Swimmingpools. Und das

ren kleinen Gemeinden. Die städtischen

tigen Regenfälle können die Böden aus­

ausgerechnet immer während der war­

Wasserversorger sind oftmals als AG

gewaschen werden. Insgesamt wird die

men Jahreszeit, wo es meist recht tro­

oder GmbH aufgestellt, die wiederum in

Lage ein wenig ungünstiger durch die

cken ist. Dadurch entstehen höhere Ver­

Händen der jeweiligen Gemeinden sind.

zunehmenden Wetterextreme werden.

braucherspitzen. Unter dem Strich neh­

Die Höhe der Wasserpreise, die verrech­

men die Versorger etwas weniger aus

net werden darf, ist in der Gebührenord­

% MEINE RENDITE

der Trinkwasserversorgung ein, müssen

nung geregelt. Die Wasserpreise unter­

Wasser ist in vielfacher Hinsicht ein

aber zugleich ihre Infrastruktur an diese

liegen somit strengen Vorgaben und sol­

notwendiges Lebenselixier, betont Ro­

neuen Entwicklungen anpassen.

len in erster Linie kostendeckend sein.

man Neunteufel, leitender Wissen­

Und wie sieht es insgesamt mit der Infra-

Mit der Corona-Krise sorgte auch das The-

serbau, Industriewasserwirtschaft und

struktur in Österreich aus? Schließlich geht

ma Abwasser für Schlagzeilen. Wissen-

Gewässerschutz an der Universität für

aufgrund von Lecks wertvolles Wasser ver-

schaftler in den Niederlanden konnten das

Bodenkultur. In Österreich gibt es aus­

loren. - Viele Anlagen wurden in den

Virus darin nachweisen. Wie sicher ist die

reichend Reserven, die Anlagen sind

ländlichen Regionen in den 1960er- und

Abwasser­entsorgung? - Tatsächlich kön­

aber zum Teil veraltet, eine Moderni­

1970er-Jahren gebaut und lösten da­

nen solche Viren auch in das Abwasser

sierung ist dringend notwendig.

schaftler am Institut für Siedlungswas­

Entgeltliche Einschaltung

MAG. ERNST VEJDOVSZKY, CEO S IMMO AG

„DIE KRISE ALS CHANCE“ © ANDREAS JAKWERTH

W

ir sind mit einer sehr erfolgreichen Kapitalerhö-

dern eine sehr positive Entwicklung. Und es gilt, nach

hung in das aktuelle Jahr gestartet. Die Covid-

vorne zu schauen und mit Zuversicht an die Dinge heran-

19-Krise ist natürlich auch an uns nicht spurlos vorüberge-

zugehen. Denn Krisen halten auch Chancen bereit. Die

gangen, dennoch konnten wir im ersten Quartal vor allem

Kunst ist es, diese frühzeitig zu erkennen und entspre-

auf operativer Seite sehr schöne Erfolge verbuchen. Wir

chend zu nutzen. Genau das tun wir. Wir haben die Stärke,

haben unsere Mieterlöse um rund zehn Prozent gestei-

die Expertise und mit einem sehr hohen Cashbestand

gert, den FFO I – eine wichtige Kennzahl für die operative

von über 230 Millionen Euro auch die Mittel, die Gelegen-

Performance – sogar um knappe 28 Prozent. Prognosen

heiten, die sich uns in den nächsten Quartalen bieten

waren selten so schwer zu treffen wie derzeit, dennoch ist

werden, zur richtigen Zeit zu ergreifen.

der zunehmende Wegfall von Restriktionen in allen Län-

www.simmoag.at


RENDITE BÖRSENWETTER

YEAR-TO-DATETRENDS DER ­WELTBÖRSEN

LONDON (FTSE 100) 6.224,07 I –17,48 %

TORONTO (TSX) 15.479,83 I –9,28 %

POSITIVE PERFORMANCE (YTD) NEGATIVE PERFORMANCE (YTD)

PARIS (CAC 40) 4.958,75 I –17,05 %

NEW YORK (DJIA) 26.080,10 I –8,61 % NEW YORK (NASDAQ) 9.943,05 I –10,82 %

KOMMENTAR EUROPA (DJ EURO STOXX 50) 3.249,90 I –13,22 % WELT (DJ GLOBAL) 403,20 I –7,10 %

ANDREAS AUER Chief Economist Bank Gutmann AG

GLOBALE WIRTSCHAFT FINDET IN Q3 ZURÜCK ZUM WACHSTUM Nach der tiefen Rezession in großen Teilen der Welt wird nach dem weitestgehenden Ende der Beschränkungen nun wieder Wachstum möglich sein. Gestützt, zurück auf dem Weg zur sogenannten Normalität, werden Konsumenten und Unternehmer von vielen Milliarden, welche Staaten und Notenbanken zur Verfügung stellen. Das hat zu einem an den Finanzmärkten eingepreisten Optimismus geführt, der sich weit von der ökonomischen Realität entfernt hat. Als die US-Notenbank ein weniger positives Bild zeichnete, waren starke Kursverluste die Folge. Ich gehe davon aus, dass uns Enttäuschungen auch in absehbarer Zeit begleiten werden und somit die Wahrscheinlichkeit für Kursrückgänge erhöht ist. Zwar wird die Rezession vorbei sein, die Rahmenbedingungen sind dennoch nicht mit jenen vor der Krise vergleichbar. Ein ähnlich hoher Auslastungsgrad mit den damit einhergehenden Beschäftigten wie vor der Krise ist kurzfristig kaum zu erwarten. Zumal das Virus weiterhin nicht unter Kontrolle ist und das Risiko weiterer Wellen besteht. Für die Eurozone und die USA wird das dritte Quartal ein Wachstum mit niedriger Teuerung bringen. Trotz umfangreicher Hilfspakete bleibt das Konsumverhalten ungewiss und das Risiko von enttäuschenden Wirtschafts- und/oder Unternehmensdaten erhöht.

BERND MAURER Chefanalyst, Raiffeisen Centrobank AG

BUENOS AIRES (MERVAL) 37.990,59 I –8,83 %

ROLAND NEUWIRTH Fondsmanager, Salus Alpha

„Für mich sind die Erste Bank, ­Wienerberger, Immofinanz, ­Österreichische Post und AT&S die ­aktuellen fünf Topwerte. Als Flops sehe ich Marinomed, Uniqa, Kapsch, Semperit und Zumtobel.“

„Ich halte an meinen ­Kernempfehlungen CA Immo, ­Mayr-Melnhof, OMV und Telekom Austria fest.“

34


RENDITE BÖRSENWETTER

STOCKHOLM (OMX 30) 1.667,93 I –5,87 %

FRANKFURT (DAX) 12.281,53 I –7,30 %

WARSCHAU (WIG 20) 1.795,90 I –16,47 % SCHANGHAI (SHCOMP) 2.939,32 I –3,63 %

WIEN (ATX) 2.326,41 I –27,00 % ZÜRICH (SMI) 10.186,50 I –4,05 %

SEOUL (KOSPI) 2.133,48 I –2,92 % TOKIO (NIKKEI 225) 22.355,46 I –5,50 %

ATHEN (ATHEX) 662,39 I –27,74% HONGKONG (HANG SENG) 24.464,94 I –13,21 %

AFRIKA (DJ AFRICA TITANS 50) 442,29 I –17,67 %

SYDNEY (ALL ORDINARIES) 6.051,90 I –12,57 %

JOHANNESBURG (DJ SOUTH AFRICA) 1.622,19 I –10,09 %

FRIEDRICH MOSTBÖCK Head of Group Research, Erste Group Bank AG

EDUARD BERGER Vorstand, Wiener Privatbank SE

„Ich bin derzeit eher defensiv ­ausgerichtet. Im jetzigen Marktumfeld empfehle ich die Marinomed, CA Immo, Mayr-Melnhof, Österreichische Post, Strabag und VIG.“

„Meine Topaktien sind Immofinanz, RBI, Erste Bank und AMS. Als Flop sehe ich Verbund und EVN.“

35


RENDITE INVESTMENTSTORY

#MARINOMED

© WIENER BÖRSE

Ausgezeichnet. Andreas Grassauer und Eva Prieschl-Grassauer gelten als kongeniales Führungsteam der Marinomed Biotech AG. Beim Wiener Börse Preis 2020 holte sich das Unternehmen eine Trophäe ab.

KEINE ATEMPAUSE 36


RENDITE INVESTMENTSTORY

Die Marinomed Biotech AG gehört zu den erfreulichen kleineren Werten an der Wiener Börse. Das Potenzial für Kursgewinne ist hoch, denn Biotech boomt. Nicht nur das Coronavirus gibt dem Unternehmen Auftrieb, sondern auch radikale Technologien im Bereich der Allergien. TEXT INGRID KRAWARIK

D

ie vergangenen Wochen und

den ersten Anzeichen wie Husten oder

men professionell am Kapitalmarkt auf­

Monate

Andreas

Fieber“, erklärt Grassauer dem Börsi-

gestellt.

waren

für

Grassauer aufregend. Der Vor­

aner. Das Projektvolumen beträgt vier

Vom Wirkstoff her könne man den

standschef der Marinomed Biotech AG

Millionen Euro, gefördert werden 45

ganzen Planeten versorgen, schwie­

musste Investoren im Dauertakt Rede

Prozent. „Aufgrund der breiten Wirk­

rig könnte es mit Abfüllanlagen wer­

und Antwort stehen. Schließlich hat

samkeit von Carragelose sind wir zu­

den, meint der Marinomed-Boss: „Die

sein Unternehmen ein Medikament

versichtlich, auch beim aktuellen Co­

Kapazitäten gibt es grundsätzlich, man

mit dem Wirkstoff Carragelose auf dem

ronavirus gute Ergebnisse erzielen zu

muss nur einen Zugang bekommen. Das

Markt, das in der Vergangenheit bereits

können“, gibt sich Eva Prieschl-Gras­

könnte man in Notfall organisieren.“

erfolgreich gegen Coronaviren einge­

sauer, Chief Scientific Officer, opti­

setzt wurde. Ergebnisse bezüglich Co­

mistisch. Sie ist gemeinsam mit ihrem

Geringe Liquidität als Risiko

vid-19 gibt es noch nicht, „weil es in Ös­

Mann das kongeniale Mastermind von

Diese Zuversicht begleitet das Vor­

terreich zu wenige Patienten gibt“, wie

Marinomed. Mit Finanzvorstand Pascal

stands­ team seit dem Börsengang der

Andreas Grassauer sagt. Von der Öster­

Schmidt, der seit August 2018 das Un­

Marinomed Biotech AG am 2. Febru­

reichischen

ternehmen begleitet, ist das Unterneh­

ar 2019, der zu den erfolgreichen IPOs

Forschungsförderungsge­

sellschaft (FFG) bekam die Marinomed Biotech AG Ende April 2020 eine Förde­

an der Wiener Börse zählt. Die Marino­

MARINOMED BIOTECH AG

med war nicht allein, in den USA gingen

rung zur Entwicklung einer Sars-CoV2-Therapie auf Carragelose-Basis. „Wir

laut einer Deloitte-Studie im Vorjahr 60 Biotech-Unternehmen an die Börse. Der

125

kommen mit unseren bestehenden Na­

aktuelle Boom der Branche ist der fie­

sensprays nicht in die Lunge, deshalb

berhaften Suche nach einem Impfstoff

haben wir jetzt einen Inhalator entwi­

gegen Covid-19 geschuldet. Die Mari­

ckelt und gehen damit in eine klinische Studie. Das Medikament bekämpft Vi­

nomed-Aktie gehört auf Einjahressicht

100

mit einem Plus von rund 18 Prozent zu

ren, die eine Lungenentzündung auslö­

den besten im ATX Prime Index. Nur

sen können. Durch die Behandlung sol­

die Mayr-Melnhof Karton AG sticht das

len Komplikationen und damit die Dau­ er der Krankheit reduziert werden. Man

75

Biotech-Unternehmen knapp aus. Ein 1.2.19

nimmt es fast schon prophylaktisch bei

37

23.6.20

Risiko ist sicherlich die geringe Liquidi­

Quelle: TeleTrader

tät der Aktie, was internationale Inves­


© WIENER BÖRSE AG / APA-FOTOSERVICE / TANZER

RENIDTE INVESTMENTSTORY

Für alle Jahreszeiten. Aktuell ist die Marinomed Biotech AG mit Nasen- und Rachensprays auf Basis von Carragelose am Markt.

toren abschreckt, „und gegen die Aktie

schafft es kontinuierlich, mit seinem

des Managements mit dem Kapitalmarkt

arbeitet“, wie die Erste-Group-Analys­

Managementteam Investoren für sei­

und die aussichtsreiche Technologie.

tin Vladimira Urbankova in ihrer jüngs­

ne Sache zu begeistern. Acropora, die

ten Analyse schreibt, sowie der geringe

Beteiligungsgesellschaft der Familie Al

Von Corona profitiert

Streubesitz. Auch wird sie nicht jeden

Sheikh, ist seit 2006 an Bord und hält

Die Carragelose-Plattform ist derzeit

Tag gehandelt. Das hält Assetmanager

derzeit noch 16,6 Prozent. „Damals wa­

noch der einzige Umsatzbringer des Un­

aber nicht davon ab zu investieren. „Wir

ren wir ein Start-up. Es ist großartig,

ternehmens. Immerhin wurde 2019 ein

haben die Marinomed Biotech AG in al­

dass Acropora unseren Weg schon so

Rekordumsatz von 6,14 Millionen Euro

len unseren Österreich-Mandaten drin­

lange mitträgt, genauso wie AWS, die

erzielt, ein Plus von 31 Prozent zum Jahr

nen und sind ein großer Shareholder.

ebenso von Anfang an mit dabei waren“,

2018. Unterm Strich steht noch ein Mi­

Ich finde, die Aktie passt gut zu Öster­

sagt Grassauer. Das Spin-off der Vete­

nus von 7,22 Millionen Euro, die Aus­

reich. Im Vergleich zu den vielen Zykli­

rinärmedizinischen Universität hat es

gaben für Forschung und Entwicklung

kern an der Wiener Börse ist die Marino­

weit gebracht. Zuletzt sicherte sich der

sind nach wie vor sehr hoch und betru­

med eher ein kontinuierlich wachsen­

tschechische Pensionsfonds Conseq In­

gen 4,78 Millionen Euro, ein Plus von

der Wert“, sagt Fondsmanager Werner

vest 4,08 Prozent, die Invest Unterneh­

1,8 Millionen Euro. Auch das Jahr 2020

Leithenmüller von der 3 Banken Gene­

mensbeteiligungs AG und AWS Mittel­

entwickelt sich gut, die Nachfrage nach

rali Investment, die wie die Erste Asset

standsfonds sind nach Teil-Exits noch

Carragelose-Produkten hatte in den

Management beim Börsengang im Fe­

mit 3,24 Prozent sowie 3,19 Prozent mit

ersten Monaten wegen Corona stark zu­

bruar 2019 eingestiegen sind. „Das war

dabei und die Österreichische Beamten­

genommen. Mit einem italienischen

am Anfang sicher eher spekulativ, weil

versicherung hält 4,57 Prozent. Investo­

Unternehmen hat die Marinomed Bio­

es noch keinen Proof of Concept gab. Bei

ren schätzen die offene Kommunikation

tech AG mittlerweile einen Partner ge­

uns ist die Marinomed in verschiedenen Publikumsfonds dabei. Das Unterneh­

#ZAHLEN

men hat eine sehr attraktive Pipeline. MARINOMED BIOTECH AG

Halten die Technologieplattformen, was sie versprechen, ist die Aktie deutlich

in Millionen Euro

mehr wert“, sagt Fondsmanager Bern­

Umsatz

hard Haas von der Erste Asset Manage­

Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit)

2018

2019

Q1 2019

4,67

6,14

0,75

Q1 2020 1,01

–5,14

–6,21

–2,63

–1,41

ment, die bei der Kapitalerhöhung mit­

Jahresergebnis

–12,10

–7,22

–3,24

–1,57

gezogen ist und nun 7,71 Prozent hält.

Netto-Cashflow

–4,310

10,30

16,12

–1,79

Starke Investoren Andreas

Grassauer

ist

von

seinen

Technologieplattformen überzeugt und ­

38


RENDITE INVESTMENTSTORY

„Haben Marinomed in allen ÖsterreichMandaten drinnen.“ WERNER LEITHENMÜLLER

„Es braucht gute ­Partner, die ins Marketing ­investieren.“

„Wir warten nicht gerne.“ ANDREAS GRASSAUER

BERNHARD HAAS

funden, der die Vermarktung in Italien

schaue darauf, dass die Dinge rechtzei­

was Vermarktung und Entwicklung be­

übernimmt. Cashcow und Gamechanger

tig passieren, wir warten nicht gern“,

trifft. Da wollen wir schnell einen Deal

ist laut Analysten und Fondsmanager

sagt Grassauer, der auch schon schlech­

haben“, sagt Grassauer.

allerdings in Zukunft die Marinosolv-

te Erfahrungen mit Pharmapartnern

Die Marinosolv-Plattform ist nicht

Plattform, gesetzt den Fall, dass Mari­

gemacht hat. „Dass ein Deal nicht au­

nur für bereits bestehende Medikamen­

nomed den Schatz auch heben kann. Die

tomatisch erfolgreich ist, haben wir mit

te wie Budesolv und Tacrosolv geplant,

eingesetzte Technologie macht schwer

Sanofi gesehen.“

sondern auch für neue Substanzen of­ Vladimira

fen. „Wir haben dafür ein Business-

logie funktioniert, hat Marinomed be­

Urbankova hat die Marinomed-Aktie,

Unit etabliert, das ist ein Langzeitpro­

reits mit Budesolv, einem Medikament

die aktuell bei 94 Euro notiert, mit ei­

jekt“, erklärt Grassauer. Das wirft für

gegen allergischen Heuschnupfen, in

nem Zielkurs von 133 Euro eingeloggt.

Investoren die Frage von weiteren Fi­

den klinischen Studien der Phase III be­

Das entspricht einem Kurspotenzi­

nanzierungsmitteln auf. Derzeit hat die

wiesen. Der Markt für allergischen Heu­

al von mehr als 40 Prozent. „Die Mari­

Marinomed Biotech AG laut Fondsma­

schnupfen ist laut Marinomed-Boss 13

nosolv-Plattform ist noch lange nicht

nager Leithenmüller eine Cash-Burn-

Milliarden US-Dollar per annum groß.

ein­gepreist“, schreibt Urbankova. Und:

Rate von 1,5 Millionen Euro pro Quar­

Jetzt gilt es, Budesolv auf den Markt un­

„Wir rechnen damit, dass Marinomed

tal, ist also für zwei Jahre gut finanziert.

ter die Leute zu bringen. „Dafür braucht

Budesolv 2021 in Europa auf den Markt

„Grundsätzlich sind die Mittel ausrei­

man gute Partner, die Geld in die Hand

bringen wird und den Break-even 2022

chend. An den Kapitalmarkt würden wir

nehmen und ins Marketing investie­

erreicht. Entscheidend wird die Wahl

zurückkehren, falls wir ein weiteres Ma­

ren“, sagt Fondsmanager Haas.

der Partner sein, die das Produkt ver­

rinosolv-Produkt in der Pipeline haben

treiben.“

und eine klare Investmentstory präsen­

lösliche Stoffe löslich. Dass die Techno­

Erste-Group-Analystin

Schwierige Partnersuche

tieren können“, sagt Grassauer.

Geplant war eine exklusive Partner­

Trigger für die Aktie

schaft mit einem großen US-Unter­

„Es ist sinnvoller, mehrere kleine Deals

schwingt zudem permanent mit. Viel­

nehmen, dieser Plan wurde aber wieder

zu machen, bei diesem Prozess kann

leicht gelingt der Marinomed Biotech

verworfen. Denn der Allergene-Markt

Marinomed auch gleich Tacrosolv be­

AG ein ähnliches Kunststück wie dem

ist regional völlig unterschiedlich. Was

werben“, sagt Leithenmüller, der über­

Wiener Biotech-Unternehmen Themis

in manchen Ländern verschreibungs­

zeugt ist, dass das Medikament zur Be­

Bioscience, das Ende Mai vom US-Phar­

pflichtig ist, bekommt man in anderen

handlung allergischer Bindehautent­

makonzern Merck Sharp & Dohme über­

Staaten über den Ladentisch. Japan und

zündungen deutlich höhere Umsätze

nommen wurde. Das würde der Aktie ei­

Korea sind völlig anders als Europa oder

und Margen erzielen wird als alle bis­

nen enormen Boost geben und so man­

die USA. Das bedarf eines unterschied­

herigen Marinomed-Produkte. Mari­

chen Investor der ersten Stunde einen

lichen Marketings, Marinomed sucht

nomed-Boss Grassauer wollte eigent­

schönen Exit.

deshalb regionale Partner, um das Me­

lich jetzt klinische Daten bezüglich Ta­

dikament zu vertreiben

Ein großes Stück Übernahmefantasie

crosolv veröffentlichen, durch Covid-19

% MEINE RENDITE

„Der Partnering-Prozess bei Bude­

hat sich die Studie aber in den Herbst

Die Aktie der Marinomed Biotech AG

solv ist nicht so gelaufen wie gewünscht,

verschoben, da derzeit auch noch Aller­

wartet derzeit auf den nächsten Trigger.

durch Covid-19 gibt es eine kleine Ver­

giesaison ist. „Erste Daten könnten

Werden Vertriebspartner für das neue

zögerung. Wir sind aber zuversichtlich,

wir zum Jahreswechsel, spätestens im

Medikament Budesolv gefunden und

dass wir das 2020 schaffen“, sagt Ma­

Frühjahr haben. Darauf folgt dann die

halten die Studien für Tacrosolv, was

rinomed-Vorstandschef Andreas Gras­

klinische Phase-III-Studie. Da würden

sie versprechen, gibt es genügend Kurs­

sauer. Seine größte Herausforderung ist

wir schon gerne mit einem Partner aus

fantasie, die auch durch eine Übernah­

derzeit, die Timeline zu managen. „Ich

der Augenheilkunde agieren, speziell

me befeuert werden könnte. n

39


RENDITE KURSE

TOP/FLOP-PERFORMER WOLFORD AG

ISIN

KURS

3 M  %

Wolford AG

AT0000834007

5,70

78,13 %

Wienerberger AG

AT0000831706

19,76

70,49 %

Polytec Holding AG

AT0000A00XX9

5,49

64,37 %

Addiko Bank AG

AT000ADDIKO0

6,68

–13,81 %

Lenzing AG

AT0000644505

43,85

–11,56 %

Josef Manner & Comp. AG

AT0000728209

95,00

–9,52 %

UNTERNEHMEN

7,50

5,00

2,50

ADDIKO BANK AG

TOP/FLOP-KURSENTWICKLUNG (3 MONATE)

19.3.20

19.6.20

8,75

7,50

6,25

19.3.20

19.6.20

Quelle: TeleTrader

Quelle: TeleTrader

AKTIENKURSE

DIE 15 TOP/FLOP-AKTIEN DER WIENER BÖRSE 2020 (YTD) UNTERNEHMEN ISIN KURS YTD % YTD HIGH YTD LOW 1 J % 1 J VOLA 3 J % 3 J VOLA

Mayr-Melnhof Karton AG

AT0000938204 130,60 9,20 %

135,00

93,50

17,24 %

25,63

11,15 %

21,36

Burgenland Holding AG

AT0000640552 86,00 8,86 %

90,00

74,00

15,44 %

42,09

36,51 %

40,67

Semperit AG Holding

AT0000785555 11,44 2,69 %

13,38

7,00

–9,78 %

49,51

–55,12 %

38,36

Porr AG

AT0000609607 15,80 2,33 %

17,10

13,42

–20,60 %

39,62

–44,20 %

33,95

Gurktaler AG

AT0000A0Z9G3 10,00 2,04 %

10,80

9,00

9,89 %

31,76

–5,66 %

46,19

Bank für Tirol und Vbg AG

AT0000625538 27,00 1,50 %

27,80

24,80

8,87 %

10,14

39,90 %

9,20

Ottakringer Getränke AG

AT0000758008 133,00 0,76 %

133,00

116,00

–1,48 %

29,88

51,14 %

47,67

Bank für Tirol und Vbg AG

AT0000625504 29,00 0,00 %

30,00

26,80

7,41 %

12,42

25,00 %

10,10

Wolford AG

AT0000834007 5,70 –2,56 %

7,05

3,20

–48,65 %

74,56

–67,61 %

51,24

Josef Manner & Comp. AG

AT0000728209 95,00 –3,06 %

109,00

83,00

5,56 %

56,29

69,64 %

45,82

AT000AGRANA3 17,94 –3,55 %

20,90

13,02

–5,18 %

36,79

–33,37 %

28,83

Frauenthal Holding AG

AT0000762406 18,00 –4,26 %

21,00

16,20

–20,35 %

24,43

2,86 %

21,93

Marinomed Biotech AG

ATMARINOMED6 94,00 –6,00 %

103,00

85,00

18,24 %

28,61

Agrana Beteiligungs AG

k. A.

k. A.

Oberbank AG

AT0000625132 83,50

–6,70 %

91,00

75,50

–10,22 %

9,29

23,16 %

6,61

Unternehmens Invest AG

AT0000816301 16,50 –8,33 %

17,90

15,00

–17,50 %

25,81

–28,10 %

22,03

Aktien gibt es auch mit Rabatt. Addiko Bank AG

AT000ADDIKO0 6,68 –53,61 %

15,00

6,68

Lenzing AG

AT0000644505 43,85 –47,04 %

84,35

37,54

–53,52 %

40,28

–72,07 %

35,09

Schoeller-Bleckmann AG

AT0000946652 27,00 –46,32 %

53,40

17,18

–61,26 %

58,643

–55,65 %

45,89

DO & CO Aktiengesellschaft

AT0000818802 47,50 –44,70 %

96,70

30,00

–42,84 %

57,4

–26,47 %

45,887

OMV AG

AT0000743059 30,38 –39,34 %

50,76

16,33

–27,62 %

54,577

–36,60 %

37,994

RHI Magnesita

NL0012650360 27,70 –39,20 %

45,12

15,68

–45,95 %

50,848

Polytec Holding AG

AT0000A00XX9 5,49 –36,53 %

8,93

3,21

–37,97 %

46,439

–69,58 %

37,289

FACC AG

AT00000FACC2 7,20 –35,37 %

12,86

5,18

–41,42 %

57,737

–13,11 %

48,573

Erste Group Bank AG

AT0000652011 22,00 –34,45 %

35,60

15,34

–32,91 %

46,932

–33,13 %

33,558

Kapsch Trafficcom AG

AT000KAPSCH9 19,00 –33,80 %

29,30

14,00

–42,07 %

41,836

–60,54 %

34,025

Immofinanz AG

AT0000A21KS2 16,12 –32,55 %

26,95

13,50

–29,79 %

38,047

–19,20 %

26,177

Uniqa Insurance Group AG

AT0000821103 6,14 –32,49 %

9,95

5,86

–26,56 %

28,268

–21,38 %

22,597

k. A.

k. A.

k. A.

k. A.

k. A.

k. A.

Zumtobel Group AG

AT0000837307 6,19 –32,28 %

10,04

5,14

4,92 %

40,88

–69,03 %

43,521

UBM Development AG

AT0000815402 32,80 –30,51 %

50,00

23,60

–15,46 %

41,698

–11,23 %

29,288

Palfinger AG

AT0000758305 20,45 –30,09 %

30,50

15,40

–22,10 %

41,451

–46,99 %

35,064

QUELLE:

40


RENDITE KURSE

AMUNDI MÜNDEL RENT

ISIN

KURS

3J%

Amundi Mündel Rent

AT0000719273

121,17

5,53 %

Kepler Vorsorge Rentenfonds

AT0000722566

143,93

5,34 %

Allianz Invest Vorsorgefonds

AT0000721360

135,06

5,00 %

Kepler Österreich Aktienfonds

AT0000647698

254,73

–23,26 %

FONDSNAME

127,50

120,00

112,50

KEPLER ÖSTERREICH AKTIENFONDS

TOP/FLOP-KURSENTWICKLUNG (3 JAHRE)

19.6.17

19.6.20

RT Österreich Aktienfonds

AT0000497292

7,76

–23,21 %

ViennaStock

AT0000952460

223,64

–22,42 %

400

200

0

19.6.17

19.6.20

Quelle: TeleTrader

Quelle: TeleTrader

FONDSKURSE

DIE 15 TOP/FLOP-ÖSTERREICH-FONDS (THESAURIERT) 2020 (YTD) VOLUMEN FONDSNAME ISIN KURS YTD % YTD HIGH YTD LOW 1 J % 1 J VOLA 3J % 3 J VOLA (MIO. EURO)

SScAllianz Invest Vorsorgefonds

AT0000721360 135,06 1,08 %

139,04

132,08

1,95 %

4,80

5,00 %

3,07

67,68

Amundi Mündel Rent

AT0000719273 121,17 1,03 %

123,40

119,21

1,23 %

3,78

5,53 %

2,69

229,32

Kepler Vorsorge Rentenfonds

AT0000722566 143,93 1,01 %

147,72

142,05

1,34 %

3,50

5,34 %

2,38

363,51

AustroMündelRent

AT0000801246 133,04 0,91 %

136,39

129,36

0,94 %

4,40

3,11 %

2,90

71,96

Schoellerbank Vorsorgefonds

AT0000820402 121,40

0,52 %

123,13

120,56

0,53 %

1,91

3,06 %

1,47

78,33

AT0000A0KQQ1 10,21 0,39 %

10,30

10,07

–0,68 %

2,07

–0,19 %

1,74

7,36

0,35 %

14,55

14,15

0,02 %

2,37

1,18 %

2,12

329,03

Hypo Rent

AT0000611157 10,16 0,20 %

10,22

10,07

0,30 %

1,53

0,28 %

1,36

149,19

Apollo Mündel

AT0000746961 12,74 0,16 %

12,88

12,64

–0,18 %

1,71

1,34 %

1,37

77,65

Amundi Mündel Bond

AT0000674874 14,73 0,14 %

14,91

14,54

–0,20 %

2,34

1,24 %

1,83

194,17

IQAM SRI SparTrust

AT0000817960 160,45 0,12 %

161,70

158,16

–0,13 %

1,86

1,54 %

1,49

239,60

AT0000A1TMR7 9,80

0,10 %

9,87

9,68

–0,56 %

1,71

–0,64 %

1,29

326,60

AT0000813068 13,19

0,10 %

13,36

13,03

–0,21 %

2,35

1,21 %

1,82

194,17

Hypo Mündel Fonds Erste Bond Euro Mündelrent

Raiffeisen Österreich Rent Amundi Mündel Bond

AT0000812995 14,41

Discount-Zertifikate auf Aktien finden Sie unter www.bnpp.at

WSS Aktien Österreich

AT0000A23PW9 72,43 –28,97 %

102,77

52,76 –22,63 % 28,70

k. A.

k. A.

5,50

Xtrackers ATX UE 1C

LU0659579063 39,12 –26,38 %

53,84

27,17

–19,19 %

33,71

–21,22 %

22,85

33,18

3 Banken Österreich-Fonds *

AT0000662275 25,24 –26,34 %

34,65

17,75

–20,27 %

29,79

–19,38 %

19,90

141,09

Allianz Invest Austria Plus

AT0000611405 96,91 –25,47 %

131,00

72,47

–18,99 %

27,97

–18,30 %

19,53

7,80

Kepler Österreich Aktienfonds

AT0000647698 254,73 –25,38 %

343,54

183,59

–21,04 %

28,85 –23,26 %

19,85

34,57

LLB Aktien Österreich

AT0000815030 116,14 –25,02 %

155,82

83,37

–17,42 %

30,47 –20,38 %

20,91

11,78

ViennaStock

AT0000952460

223,64 –24,38 %

297,50

163,00

–18,01 %

28,71 –22,42 %

19,44

31,61

Amundi Austria Stock

AT0000674908 79,32 –24,26 % 105,44 57,41 –17,06  % 29,11 –20,84  % 20,01 140,02 ∨

ViennaStock

AT0000A294J2 80,49 –24,22 %

106,84

58,59

0,00 %

k. A.

k. A.

31,61

Amundi Austria Stock

AT0000619317 79,51 –24,05 %

105,41

57,34

–16,85 %

29,19 –20,65 %

20,05

140,02

k. A.

RT Österreich Aktienfonds

AT0000497292 7,76 –23,92 %

10,35

5,70

–18,99 %

28,78

–23,21 %

19,49

365,32

Erste Reserve Euro-Mündel

AT0000A0EU62 100,25 –0,45 %

100,75

99,94

–0,66 %

0,43

–1,85 %

0,37

27,92

AT0000A0GWQ7 111,48 –0,35 %

112,61

111,21

–0,77 %

0,82

–0,44 %

0,59

54,58

Mündelrent *AUSSCHÜTTENDER FONDS

QUELLE:

41


RENDITE KURSE

TOP/FLOP-PERFORMER 2,5% WINDENERGIE ANLEIHE

ISIN

KURS

YTM % **

AT0000A1MC14

95,02

6,71 %

ANLEIHENNAME

120

2,5 % WEB Windenergie-Anleihe

90

60

STRABAG 1,625% ANLEIHE

TOP/FLOP-KURSENTWICKLUNG (YTM)

19.3.20

19.6.20 Quelle: TeleTrader

WEB 6,5 % Hybrid-Anleihe

AT0000A191A9

100,00

6,50 %

WEB 6,5 % Hybrid

AT0000A1GTQ1

100,00

6,50 %

Strabag 1,625 % Anleihe

AT0000A1C741

103,05

–0,25 %

CA Immo 1,875 % Bonds

AT0000A22H40

108,58

0,37 %

Wienerberger 2 % Bonds

AT0000A20F93

105,05

0,67 %

*kein Chart verfügbar von WEB

150

100

50

19.3.20

19.6.20 Quelle: TeleTrader

ANLEIHENKURSE

DIE 15 TOP/FLOP-CORPORATE-PRIME-ANLEIHEN DER WIENER BÖRSE (YTM) VOLUMEN ANLEIHENNAME ISIN KURS YTM %** YTD HIGH YTD LOW (MIO. EURO)

VERZINSUNG FÄLLIGKEIT

TYP

2,5 % WEB Windenergie-Anleihe

AT0000A1MC14 95,02 6,71 %

k. A

k. A

6,96

2,500 % 26.09.2021

fix

WEB 6,5 % Hybrid-Anleihe

AT0000A191A9 100,00 6,50 %

k. A

k. A

2,22

6,500 % 31.12.2070

fix

WEB 6,5 % Hybrid

AT0000A1GTQ1 100,00 6,50 %

k. A

k. A

4,04

6,500 % 31.12.2070

fix

6,25 % WEB Wind Hybrid-Anleihe

AT0000A1MC30 109,05

5,70 %

k. A

k. A

4,44

6,250 % 31.12.2070

fix

AT0000A0Z793 100,00 5,49 %

100,00

100,00

6,39

5,500 % 08.04.2023

fix

5,25 % WEB Windenergie-Anleihe

AT0000A0Z785 100,00 5,24 %

100,00

100,00

3,06

5,250 % 08.04.2023

fix

Sun Contracting 5 % Anleihe

AT0000A292R9 100,00 4,99 %

100,00

100,00

1,39

5,000 % 01.10.2024

fix

5,5 % WEB Windenergie-Anleihe

1,625 % Novomatic-Anleihe

AT0000A1LHT0 90,15 4,98 %

102,63

85,00

500,00

1,625 % 20.09.2023

fix

WEB Wind 4,5 % Hybrid-Anleihe

AT0WEB180HA4 100,00 4,50 %

100,00

100,00

9,00

4,500 % 31.12.2070

fix

PV-Inv 4,5 % GreenBond

AT0000A2A1M5 101,00 4,36 %

k. A

k. A

2,55

4,500 % 31.10.2029

fix

4,34 % 101,000 101,000

2,23

4,500 % 18.12.2027

fix

100,00

75,00

4,250 % 09.12.2020

fix

∧ ∧

PV-Invest 4,5 % Anleihe

AT0000A1YY22 101,00

UBM 4,25 % Anleihe

DE000A18UQM6 100,00 4,29 %

104,10

WEB Wind 4,5 % Hybrid-Anleihe

AT0WEB190HA3 105,99 4,21 %

105,99

103,00

9,66

4,500 % 31.12.2070

fix

WEB 4  % Senior

AT0000A1GTP3 100,00 4,00 %

100,00

100,00

8,53

4,000 % 17.12.2025

fix

PV-Inv 4,15 % GreenBond

AT0000A2A1L7 101,00 3,97 %

k. A

k. A

3,11

4,150 % 31.10.2026

fix

Rohstoffe gibt es auch mit Rabatt. Strabag 1,625 % Anleihe

AT0000A1C741 103,05 –0,25 %

103,35

103,02

200,00

1,625 % 04.02.2022

fix

CA Immo 1,875 % Bonds

AT0000A22H40 108,58 0,37 %

108,60

105,94

150,00

1,875 % 26.03.2026

fix

Wienerberger 2 % Bonds

AT0000A20F93 105,05 0,67 %

106,47

105,05

250,00

2,000 % 02.05.2024

fix

S IMMO 1,75 % Anleihe

AT0000A1Z9D9 103,25 0,84 %

103,25

103,25

100,00

1,750 % 06.02.2024

fix

1,05 %

103,40

102,50

28,55

4,500 % 17.06.2021

fix

AT0000A1DBM5 110,25 1,05 %

110,25

110,25

33,99

3,250 % 09.04.2025

fix

4,5 % S IMMO Anleihe S IMMO 3,25 % Anleihe

AT0000A177D2 103,40

Best in Park.3,5 % Anleihe

AT0000A21LB6 111,00 1,23 %

k. A

k. A

44,00

3,500 % 27.06.2025

fix

CA Immo 2,75  % Anleihe

AT0000A1JVU3 103,50 1,40 %

107,04

99,00

116,62

2,750 % 17.02.2023

fix

CA Immo 1,875 % Anleihe

AT0000A1TBC2 100,93 1,61 %

105,68

99,00

175,00

1,875 % 22.02.2024

fix

CA Immo 1,875 % Anleihe

AT0000A1LJH1 100,25 1,64 %

102,43

100,15

107,45

1,875 % 12.07.2021

fix

S Immo 3,25 % Anleihe

AT0000A1DWK5 109,50 1,76 %

112,50

109,50

65,00

3,250 % 21.04.2027

fix

S Immo 2,875 % Anleihe

AT0000A1Z9C1 109,25 1,82 %

110,00

109,25

50,00

2,875 % 06.02.2030

fix

S IMMO 2 % Anleihe

AT0000A2AEA8 100,00 2,00 %

106,00

98,00

100,00

2,000 % 15.10.2029

fix

3 % Novomatic-Anleihe

AT0000A182L5 100,75 2,24 %

103,45

93,50

200,00

3,000 % 23.06.2021

fix

AT0WEB1810A6 100,00 2,25 %

k. A

k. A

4,58

2,250 % 25.09.2028

fix

WEB Windenergie 2,25 % Anleihe **YTM = RENDITE BIS LAUFZEITENDE

QUELLE:

42


RENDITE KURSE

WTI CRUDE FUTURES

ROHSTOFFNAMEN

40

WTI Crude Brent Crude

20

0

UK NATURAL GAS FUTURES

TOP/FLOP-KURSENTWICKLUNG (3 MONATE)

19.3.20

19.6.20

KURS

WÄHRUNG

3M%

39,29

USD

54,08 %

41,73

USD

48,51 %

Platin USD

852,50

USD

34,25 %

UK Erdgas

14,05

GBX

–39,12 %

Mageres Schwein

49,65

USD

–18,81 %

Kaffee

94,60

USX

–15,27 %

24

16

8

19.3.20

19.6.20

Quelle: TeleTrader

Quelle: TeleTrader

ROHSTOFFKURSE

DIE 15 TOP/FLOP-ROHSTOFFNOTIERUNGEN AN DEN WELTMÄRKTEN 2020 (YTD) ROHSTOFFNAME HANDELSPLATZ KURS WÄHRUNG YTD % YTD HIGH YTD LOW 1 J % 1 J VOLA 3 J % 3 J VOLA

Milch Orangensaft

CME GLOBEX

20,95

USD

21,45 %

20,95

11,25

28,45 %

64,77

28,29 %

40,12

ICE US

117,20

USX

21,33 %

129,85

93,35

18,98 %

35,49

–15,62 %

30,79

Gold Philharmoniker 1 Unze

pro aurum

1577,50

EUR

13,58 %

1659,75

1388,75

28,52 %

17,22

38,78 %

12,19

Gold Österreich 1 Dukat

pro aurum

176,50

EUR

13,55 %

184,75

156,50

28,23 %

17,65

38,86 %

13,08

Gold USD

pro aurum

1726,50

USD

13,52 %

1755,50

1512,50

27,86 %

17,36

39,15 %

13,05

Goldbarren 100 Gramm

pro aurum

5006,50

EUR

13,42 %

5254,00

4404,00

28,54 %

17,04

38,70 %

12,01

ECBOT 14,23 USD 8,54 %

22,07

12,82

25,21 %

35,21

23,36 %

26,06

ECBOT 306,50 USD 4,61 %

345,00

253,25

7,26 %

31,31

14,26 %

32,64

–0,43 %

63,00

45,00

18,37 %

26,32

8,92 %

20,14

Grober Reis Haferflocken Silberbarren 100 Gramm

pro aurum

58,50

EUR

Silber Philharmoniker 1 Unze

pro aurum

17,05

EUR

–0,47 %

18,65

13,07

18,75 %

26,93

8,23 %

19,83

Silber USD

pro aurum

17,90

USD

–0,56 %

19,25

13,20

19,73 %

28,38

9,15 %

22,13

CME GLOBEX

401,30

USD

–0,89 %

464,00

263,20

2,63 %

41,67

9,02 %

37,64

Palladiumbarren 100 Gramm

pro aurum

5387,00

EUR

–1,53 %

8093,50

4561,50

25,94 %

48,67

113,39 %

34,02

Palladium USD

pro aurum

1880,00

USD

–1,57 %

2750,00

1510,00

25,25 %

50,83

117,17 %

35,32

ECBOT 288,80 USD –3,83 %

332,90

281,10

–8,84 %

15,17

–4,24 %

17,58

Bauholz

Sojaschrot

Discount-Zertifikate auf Rohstoffe finden Sie unter www.bnpp.at UK Erdgas

ICE Europe

14,05

GBX –55,43 %

33,46

8,74

84,908

–59,97 %

59,45

Gasöl

ICE Europe

356,25

USD –42,10 %

629,75

193,00

–36,78 % 54,5342

–15,33 %

36,85

Heizöl

ICE Europe

1,20

USD –40,81 %

2,06

0,61

–34,81 % 57,5671

–15,17 %

37,94

Brent Crude

ICE Europe

41,73

USD –36,80 %

68,70

19,50

–32,99 % 70,5744

–10,85 %

46,11

WTI Crude

–46,82 %

ICE Europe

39,29

USD –35,66 %

63,06

12,80

–27,82 % 90,5855

–11,35 %

57,10

CME GLOBEX

49,65

USD –30,32 %

71,73

37,28

–39,30 % 59,2107

–40,96 %

51,32

ICE US

94,60

USX –26,75 %

129,35

93,70

–2,77 % 36,2337

–23,83 %

30,38

CME GLOBEX

95,98

USX –23,81 %

127,50

83,83

–11,58 % 28,3302

–20,34 %

23,18

Sojaöl

ECBOT 28,09 USD –18,63 %

34,99

25,02

–0,78 % 20,4695

–14,39 %

16,61

Mais

ECBOT 330,00 USD –14,78 %

393,50

302,50

–25,09 % 22,8547

–12,12 %

20,80

Weizen

ECBOT 483,25 USD –13,63 %

582,50

483,25

–7,33 % 24,5775

4,20 %

27,34

Zucker

ICE US

USX –11,76 %

15,76

9,20

–4,89 % 28,1993

–11,89 %

28,38

–6,77 % 29,0128

Mageres Schwein Kaffee Lebendrind

11,86

Baumwolle

ICE US

61,00

USX –11,53 %

71,43

48,76

–14,55 %

24,41

Platin USD

pro aurum

852,50

USD –10,26 %

1025,00

620,00

5,25 %

33,21

–6,73 %

24,29

Platinbarren 100 Gramm

pro aurum

2461,50

EUR –10,15 %

3022,50

1846,00

5,67 %

30,76

–7,65 %

22,23

KENNZAHLEN FÜR FUTURES BASIEREN AUF UNADJUSTED CONTINUATION CONTRACTS (CC). *US–DOLLAR CENTS; GREAT BRITISH PENCE QUELLE:

43


RENDITE STATISTIK

BÖRSENDATEN DIE WIENER BÖRSE IN ZAHLEN

QUARTALSUMSÄTZE

MRD. EUR

120 110 100 90

21 20 19 18 17

80

16

70

Q3

Q1

Q2

* NUR 2 MONATE

12

QUARTAL

Q2

TOP-HANDELSTEILNEHMER

Q3

Q4

22,30

10

16,28

AKTUELLE PERIODE

VERGLEICHSPERIODE 15,36

11

18,47

VERGLEICHSPERIODE

15,12

112,62

86,69

110,17

Q4

97,89

116,54

110,02

111,55

127,11

20

13

15,80

30

14

16,01*

40

17,98*

50

0

15

* NUR 2 MONATE

60

10

QUELLE: WIENER BÖRSE AG

130

QUELLE: WIENER BÖRSE AG

22

MARKTKAPITALISIERUNG

MRD. EUR

AKTUELLE PERIODE

Q1

QUARTAL

MEISTGEHANDELT

PLATZIERUNG MAI

(MAI/19)

PLATZIERUNG MAI

(MAI/19)

1.

(1.)

Morgan Stanley Europe SE

HANDELSPARTNER

UMSATZ (MIO. EUR)

683,00

1.

(1.)

MARKTTEILNEHMER

Erste Group Bank AG

UMSATZ (MIO. EUR)

992,09

2.

(2.)

JP Morgan Securities PLC

453,29

2.

(3.)

OMV AG

682,35

3.

(3.)

Tower Research Capital

386,94

3.

(5.)

Raiffeisenbank International AG

474,29

4.

(4.)

Societe Generale SA

345,02

4.

(6.)

Verbund AG

386,15

5.

(–)

HRTEU

343,89

5.

(2.)

Voestalpine AG

372,44

6.

(–)

Goldman Sachs International

275,71

6.

(7.)

Wienerberger AG

342,72

7.

(–)

Erste Group Bank AG

265,79

7.

(4.)

Andritz AG

289,32

8.

(8.)

Credit Suisse Securities

263,92

8.

(9.)

Bawag Group AG

258,70

9.

(6.)

Raiffeisen Centrobank AG

256,62

9.

(8.)

Immofinanz AG

148,28

10.

(9.)

UBS Europe SE

245,18

10.

(10.)

CA Immobilien Anlagen AG

131,55

Gesamt Mai 2020

5290,26

Gesamt Mai 2020

4839,34

Gesamt Mai 2019

5830,21

Gesamt Mai 2019

5405,50

Differenz–539,95

Differenz 

–566,16

QUELLE: WIENER BÖRSE AG

QUELLE: WIENER BÖRSE AG

PERSON

UNTERNEHMEN

KAUF/VERKAUF

STÜCK

SUMME

22.05.2020

DATUM

Johann Kowar

Wiener Privatbank SE

Verkauf

125.000

1.200.000 EUR 200.012 EUR

22.04.2020

Andreas Brandstetter

Uniqa Insurance Group AG

Kauf

32.260

06.05.2020

Wolfgang Berndt

OMV AG

Kauf

3.250

97.809 EUR

14.04.2020

Herbert Eibensteiner

Voestalpine AG

Kauf

4.000

79.000 EUR

15.04.2020

Wilhelm Rasinger

S Immo AG

Kauf

4.549

73.238 EUR

44

QUELLE: WIENER BÖRSE

MANAGERS’ TRANSACTIONS (TOP 5 DEALS)


RENDITE STATISTIK

WIRTSCHAFTSDATEN

13 12

INFLATION

QUELLE: AMS

ARBEITSLOSENRATE

%

11

%

10

2

9 8

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

ÖSTERREICHS WIRTSCHAFT IN ZAHLEN

1,5

7 6 5

1

4

VERGLEICHSPERIODE

3 2

AKTUELLE PERIODE

1

AKTUELLE PERIODE 0

J

A

S

O

N

D

J

F

M

A

M

BIP-WACHSTUM

% 2,5

2,0

MONAT

J

%

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

J

A

S

O

N

D

J

F

M

A

M

LEISTUNGSBILANZSALDO IN % DES BIP

7 6

MONAT

5 4 3

Q3

Q4

AKTUELLE PERIODE

–1

QUARTAL

Q1

975*

546*

0

MIO. EUR

1.814*

95,71*

97,13*

103,53*

100,88*

99,69*

96,38*

98,34*

94,9*

Q2

VERGLEICHSPERIODE

-819*

1

1

4.947*

2

4.941*

MRD. EUR

1.390*

1,5

5.649*

J

QUELLE: OENB

0

0,5

VERGLEICHSPERIODE

0,5

VERGLEICHSPERIODE AKTUELLE PERIODE

Q1

Q2

Q3

Q4

QUARTAL

–1

83 –2

MRD. EUR

82

–3

Q1

Q2

103,53*

96,38*

99,69*

MRD. EUR

Q3

285,27*

280,43*

–4 281,43*

70

288,66*

281,70*

289,44*

282,99*

289,38*

81 80

94,90*

0

100,88*

84

1

98,34*

85

2

97,13*

86

DEFIZIT IN % DES BIP

%

93,55*

GESAMTVERSCHULDUNG IN % DES BIP

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

%

QUELLE: STATISTIK AUSTRIA

–3

Q4

VERGLEICHSPERIODE

–5

VERGLEICHSPERIODE

AKTUELLE PERIODE

–6

AKTUELLE PERIODE Q1

QUARTAL

45

Q2

Q3

Q4

QUARTAL


FINANZPLATZ BÖRSE

#HVS

© WIENERBERGER, SCREENSHOTS

Volle Konzentration. Aufsichtsräte und Vorstände der Wiener­ berger AG, Porr AG, EVN AG und Verbund AG bei ihren virtuellen Hauptversammlungen mit Sicherheitsabstand.

Stellvertreter. Stimmrechtsvertreter waren an Ort und Stelle und stimmten im Namen der Aktionäre ab. Fragen der Aktionäre wurden nicht alle beantwortet.


FINANZPLATZ BÖRSE

AKTIONÄRS­TREFFEN AUF DISTANZ Weltweit werden derzeit Hauptversammlungen ­börsen­notierter Unternehmen lediglich virtuell durchgeführt. Ob es eine Notlösung oder doch die Zukunft der jährlichen ­Aktionärstreffen ist, das hat der Börsianer bei österreichischen IR-Managern, Anwälten, Beratern, Aktionären und Investoren nachgefragt. TEXT PAUL TRAUTENDORFER

4

0.000 traurige Fans“ titelte das

erste rein virtuelle Hauptversammlung

Aktionärsrechte beschnitten

deutsche Börsenmagazin „Der

im gesamten deutschsprachigen Raum

Dass bei der Mayr-Melnhof Karton AG

Aktionär“, als Warren Buffett

ab. Die Nachbarn aus Deutschland wol­

auch eine Person eine Frage gestellt hat,

Mitte März 2020 bekanntgab, seine le­

len es laut Rechtsanwalt und mehrmali­

die gar kein Aktionär war, hat IR-Berater

gendäre Hauptversammlung (HV) von

gem Stimmrechtsvertreter Ewald Ober­

Frederic Schoeller von Schoeller Corpo­

Berkshire Hathaway aufgrund der Co­

hammer nicht zugeben, „aber sie sind

rate Communications bemerkt. Er berät

rona-Pandemie in den virtuellen Raum

uns deswegen verdammt neidisch“, wie

Investor-Relations-Abteilungen für nor­

zu verlegen. Zu diesem Zeitpunkt war

er erklärt. Die deutsche Bayer AG folgte

mal in ihrer strategischen Finanzkom­

auch in Österreich klar, dass die dies­

immerhin eine Woche später gemein­

munikation, hat sich aufgrund der neu­

jährigen Aktionärstreffen nicht wie ge­

sam mit der Mayr-Melnhof Karton AG

en Umstände bei Klienten jetzt aber um

wohnt stattfinden können. Mit der Pal­

(Mayr-Melnhof),

IR-Manager

den kompletten Ablauf inklusive tech­

finger AG, Lenzing AG und Zumtobel

Stephan Sweerts-Sporck sich „mit dem

nischen Set-ups gekümmert. „Wir ha­

Group AG begannen die ersten Unter­

hohen Interesse und der aktiven Parti­

ben gemerkt, dass sich die Unternehmen

nehmen deshalb ihre HVs vorerst abzu­

zipation der Aktionäre“ bei der Premi­

hier auf extremem Neuland bewegen“,

sagen und nach hinten zu verschieben.

ere zufrieden zeigte. Kritik vernahm er

gibt Schoeller Einblicke. Zudem konn­

Klarheit wurde vonseiten der Bundes­

lediglich zu technischen Angelegen­

te er „auch Widersprüche innerhalb der

regierung am 8. April 2020 geschaffen,

heiten, wobei es zu temporären Über­

Unternehmen zwischen den Marketing-

als Teil zwei des Bundesgesetzblattes

tragungsstörungen der HV gekommen

und Rechtsabteilungen erkennen. Wäh­

140 veröffentlicht und damit die Abhal­

war. Zukünftig freut er sich, Aktionäre

rend die einen für einen starken Marken­

tung virtueller Hauptversammlungen

wieder persönlich begrüßen zu dürfen.

auftritt im Vorhinein der HV plädierten,

gestattet wurde. Ein Novum am öster­

„Aber eine Aufzeichnung des Berichts

riefen die anderen zu Sachlichkeit auf­

reichischen Kapitalmarkt.

deren

des Vorstands und dessen Verfügbar­

grund von Unsicherheiten auf.“ Durch

15 Tage später hielt die Schoeller

machung im Intranet ist als neue Opti­

Vorab-Coachings versucht er mit Vor­

Bleckmann Oilfield Equipment AG die

on denkbar“, führt Sweerts-Sporck aus.

ständen, Eventualitäten durchzuspie­

47


FINANZPLATZ BÖRSE

„Bis zu einem ­Drittel meiner ­Fragen ­werden oft nicht ­beantwortet.“

„Das wäre natürlich ein erheblicher zusätzlicher ­Kostenpunkt.“

„Ein reines ­Mitverfolgen ist nicht unser Verständnis ­einer HV.“

BERTHOLD BERGER

MILENA IOVEVA

JANNE WERNING

len und Sorgen vor technischen Aus­

nennt Werning die Bayer AG, bei der es

bauen.“ Der Jurist fungierte bei mehre­

fällen zu minimieren. Da einige Unter­

in den vergangenen Jahren zu hitzigen

ren HVs als Stimmrechtsvertreter vor Ort

nehmen Fragen ausschließlich über die

Generaldebatten gekommen war. „Die

und ist der Meinung, dass es besser läuft

von ihr zur Verfügung gestellten Stimm­

diesjährige HV ist hingegen fast steril

als erwartet. Seine Prognose: „Man muss

rechtsvertreter zuließen, kam es bereits

rübergekommen“, sagt Werning. Für ihn

davon ausgehen, dass es reine Echtzeit­

im Nachhinein der ersten HVs zu Aufre­

sind die HVs, wie sie derzeit abgehalten

übertragungen mit einem ,public access‘

gung: „Viele Aktionäre haben ihren Un­

werden, daher „eine absolute Notlösung

in Zukunft nicht mehr geben wird. Die

mut geäußert, weil sie sich in ihren Ak­

und alles andere als aktionärsfreund­

Präsenz-HV wird zurückkommen und

tionärsrechten beschnitten gefühlt ha­

lich“. Eine virtuelle HV kann für Wer­

idealerweise um Optionen der virtuellen

ben“, sagt Schoeller.

ning aus diesem Grund nur ergänzend

Teilnahme attraktiv erweitert.“

Dazu gehört auch Kultaktionär Bert­

wirken, bietet aber keinen Ersatz. Po­

Wie die HV der Zukunft bei den ös­

hold Berger, der seit Jahrzehnten land­

sitiv sieht er in diesem Zusammenhang

terreichischen Unternehmen aussieht,

auf, landab Hauptversammlungen be­

die Möglichkeit, dass auch Nichtaktio­

wird aber auch eine Kostenfrage sein. Die

sucht und die Vorstände mit Fragen

näre die Hauptversammlungen mitver­

Option, eine virtuelle HV zusätzlich zur

durchlöchert: „Es ist besser als nichts,

folgen können. „Jedes Unternehmen

Präsenz-HV abzuhalten, bezweifelt des­

aber an sich kann man diese rein virtu­

sollte es gut finden, wenn die Aktienkul­

halb IR-Managerin Milena Ioveva von

ellen HVs komplett vergessen. Bis zu ei­

tur gestärkt wird und sich Personen für

der Porr AG: „Das wäre natürlich ein er­

nem Drittel meiner Fragen werden oft

sie interessieren.“ Für eine Weiterent­

heblicher zusätzlicher Kostenpunkt. Wir

nicht beantwortet, weil sie den Vorstän­

wicklung der virtuellen Hauptversamm­

sind stets um den bestmöglichen Ser­

den nicht passen.“ Der Empfehlung der

lungen starkgemacht hat sich nicht nur

vice für unsere Aktionäre bemüht, sehen

Aktiengesellschaften, Fragen bis zwei

deshalb Johannes Teyssen, Vorstands­

aber den Mehrwert in einer virtuellen HV

Tage vor der HV zu stellen, um einen rei­

vorsitzender des deutschen Energiever­

als fragwürdig, da der Großteil der ein­

bungsloseren Ablauf zu garantieren, will

sorgers Eon SE: „Ich werbe ausdrück­

geloggten Besucher normalerweise oh­

sich Berger nicht unterwerfen. Deshalb

lich dafür, den Weg für eine modernere

nehin zu einer physischen HV kommen

rufen ihn aber Unternehmen wie die Ös­

und zeitgerechtere Hauptversammlung

würde.“ Genau wie Sweerts-Sporck von

terreichische Post AG und andere im

zu suchen.“ Die Onlinekultur und der

Mayr-Melnhof berichtet auch sie über

Vorhinein an, um zu erfahren, in welche

Klimaschutz sind für ihn dabei weitere

höhere Kosten bei der diesjährigen Ab­

Richtung seine Fragen gehen werden,

maßgebliche Gründe. Für den Manager

haltung einer virtuellen HV als sonst üb­

wie er erklärt. Berger vermisst vor allem

selbst mag es zudem angenehmer sein,

lich. Zahlen nennen sie nicht. Die Fre­

die Gespräche mit den Managern vor Ort:

denn „jetzt werden die Fragen und Wort­

quentis AG hat rund 80.000 Euro für die

„Wenn ich zur Wolford AG nach Vorarl­

meldungen durch uns Stimmrechtsver­

Abhaltung ihrer virtuellen HV veran­

berg gefahren bin, habe ich mit den chi­

treter kanalisiert, und es kommt neutra­

schlagt. Sollte der Gesetzgeber keine er­

nesischen Eigentümern persönlich spre­

ler beim Vorstand an“, wie Wirtschafts­

neute Verordnung erlassen, ist die Echt­

chen können. Das geht außerhalb einer

anwalt Ewald Oberhammer erklärt.

zeitübertragung von Bild und Ton einer

Präsenz-HV nicht und auch bei einer vir­

HV aber ohnehin nur nach Festlegung

Hohe Kosten

in der Satzung der Hauptversammlung

Ähnlich sieht das der Leiter der Grup­

Nachdem die neue Verordnung mit Jah­

möglich. Diese müsste bei den meisten

pe ESG Capital Markets & Stewardship,

resende 2020 in Österreich aber ausläuft,

Unternehmen erst vorgenommen wer­

Janne Werning vom Großinvestor ­Union

heißt es aus heutiger rechtlicher Sicht

den. Demokratischer wäre es allemal.

Investment. „Ein reines Mitverfolgen ist

2021 wieder zurück zum Ursprung. Ober­

Das zeigt unter anderem die Präsenz­

nicht unser Verständnis einer Hauptver­

hammer sieht das nicht ganz so drastisch:

quote bei der Porr-HV, die circa ein Drit­

sammlung. Eine HV lebt von der Debat­

„So, wie es bisher abläuft, hilft es sicher,

tel höher lag als bei ihren HVs mit phy­

te und Meinungsbildung.“ Als Beispiel

den virtuellen Gedanken weiter aufzu­

sischer Anwesenheit. n

tuellen HV nicht.“

48


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#BANKEN

KOLUMNE

WILHELM CELEDA Vorstands­ vorsitzender Kathrein Privatbank AG

ALLES GUT DURCH ­DIGITALISIERUNG? Auch wenn langsam wieder eine Normalität einkehrt, gehört das Tragen von Masken, das Halten ­eines Mindestabstands sowie das Vermeiden der gängigen Begrüßungsformen zum Alltag. Über­raschend war, mit welcher Geschwindigkeit eine flächendeckende

RBI SCHLUCKT ­INVESTMENTBANK RCB Die Raiffeisen Centrobank AG (RCB)

halten, in erster Linie in Bezug auf das

den gestampft wurde. Persönliche

wird bis 2022 vollständig in die Raiff­

Zertifikategeschäft.

Besprechungen und Veranstaltun-

eisen Bank International AG (RBI) inte­

Bereits in der Vergangenheit gab es

gen fanden mit Skype, Teams oder

griert. Ein Verkauf des Headquarters der

mehrmals solche Überlegungen. Ein

Investmentbank in der Tegetthoffstraße

Umzug zu den Raiffeisen Verbundunter­

1 im Wiener Zen­trum wird diskutiert. Die

nehmen an den Stadtrand wurde damals

Netflix, Amazon und Co brachten

Mitarbeiter ziehen voraussichtlich an

kurzfristig abgeblasen. Der Grund für

sie Datenprovider und VPNs an

den Stadtpark zur RBI. Unklar ist, welche

den Schritt sind Kosten- und Effizienz­

ihre Belastungsgrenzen, aber es

Funktionen der derzeitige RCB-Vorstand

maßnahmen. Die Cashcow der RCB ist

mit Heike Arbter und Harald Kröger nach

das Zertifikategeschäft, wo man mit ge­

der Verschmelzung einnehmen wird. Die

waltigem Abstand Marktführer in Öster­

Marke Raiffeisen Centrobank bleibt er­

reich ist.

Homeoffice-Struktur aus dem Bo-

Co trotzdem statt. Dabei waren Datenübertragungen zwar langsamer, dennoch verfügbar. Gemeinsam mit

funktionierte. Und viele meinten, dass dies die neue Normalität werden könnte. Diese Annahme war sicher auch ausschlaggebend dafür, dass die Märkte eine unglaubliche Korrektur nach oben hinlegten. Einige machten fast den gesamten Jahresverlust wieder wett, und der Nasdaq erreichte Fang sei Dank sogar ein „all-time high“. Aber ist die Digitalisierung in der Lage, den

GROSSE NACHFRAGE NACH PFANDBRIEF DER HYPO NOE

persönlichen Kontakt auf Dauer zu ersetzen und den wirtschaftlichen

Die Hypo-NOE-Gruppe konnte wegen ho­

ren waren mit 48 Prozent die größte Käu­

her Nachfrage erfolgreich einen 500-Milli­

fergruppe, die Hypo NOE konnte aber auch

onen-Euro-Pfandbrief platzieren. Und das

14 Prozent aus Skandinavien und acht Pro­

Auswirkungen von Corona werden

mit einem Kupon von 0,01 Prozent. Inner­

zent aus der Schweiz anlocken. Darunter

noch Jahre zu spüren sein. Wir soll-

halb von 20 Minuten waren Gebote von ei­

53 Prozent Banken, 23 Prozent Assetma­

ten trotzdem das Positive behalten,

ner Milliarde Euro im Orderbuch, nach ei­

nager und 19 Prozent Zentralbanken wie

ner Stunde waren drei Milliarden Euro ein­

Europäische Zentralbank, die Schweizer

gelangt. 127 Investoren aus 16 Ländern ka­

Notenbank und die Deutsche Bundesbank.

men schließlich zum Zug, 87 Prozent da­

Das Rating Single A von S&P samt stabilem

von aus dem Ausland. Deutsche Investo­

Ausblick hat die Platzierung unterstützt.

Einbruch mit „Koste es, was es wolle“-Paketen der Regierung dauerhaft zu lindern? Ich befürchte, die

nämlich die Erfahrung, dass wir mit digitaler Technik schwierige Zeiten besser meistern können.

w.celeda@derboersianer.com

50


BRANCHE BANKEN

ES RUMORT BEI DER ADDIKO BANK TICKER

Die Addiko Bank AG hat im Mai 2020 inner­

übernehmen. Ab 1. August 2020 soll dann

halb weniger Tage Vorstandschef, Finanz­

noch ein drittes Vorstandsmitglied folgen.

vorstand und Aufsichtsratschef verloren.

Beide sind seit 2016 in der Bank und ken­

Grund dafür sind laut Bank „unterschied­

nen das Geschäft. Seit Jahresbeginn hat

liche Ansichten“. Neo-Aufsichtsratschef

der Aktienkurs der Addiko Bank AG fast 53

+++

Hans-Hermann Lotter bestellte nach dem

Prozent eingebüßt. Die Bank hat mit der

Abgang von Vorstandschef Razvan Mun­

Investmentgesellschaft DDM Invest des

Gleich nach Eröffnung

tean Csongor Nemeth zum neuen CEO.

schwedischen Investors Erik Fällström ei­

Chief Risk Officer Markus Kruse wird zu­

nen neuen Großaktionär, da US-Finanzin­

sätzlich die Funktion des Finanzvorstands

vestor Advent den Totalausstieg anstrebt.

RBI verlagert IT-Abteilung in die Ukraine

Überfall auf Bank 99 in Wien

+++ Erste-Boss Spalt will Dividende zahlen

NEOBANKEN BEI ­NEUKUNDEN-AKQUISITION ­FÜNFMAL GÜNSTIGER Wie die Boston Consulting Group (BCG)

ran, dass viele digi­

in ihrer neuen Studie veröffentlicht hat,

talaffine Menschen

sind die Kosten für einen volldigitalen

über 50 Kunden von

Akquisitionsprozess von Neukunden bei

Neobanken sind.“

Neobanken mindestens fünfmal niedri­

Zusätzlich drängen

ger als bei konventionellen Banken. Der

die jungen Kredit­

Preisunterschied reicht von 40 Euro bis

institute wie N26,

zu 200 bis 300 Euro, erklärt Lukas Haider,

Revolut oder Mon­

Partner von BCG in Wien. Darin sind nicht

zo immer mehr in

+++ RLB Steiermark fusioniert mit Hypo Steiermark

+++ Onlinebroker Dadat Bank eröffnet erste Filiale in Wien

+++ Wiener Privatbank plant Filialen in Bratislava und Prag

nur reine Bearbeitungs-, sondern auch

Richtung institutionelle Kunden. „Kom­

Marketing- und Werbekosten enthalten.

merzkonten sind deutlich hochpreisiger

„Die Geschwindigkeit der Kundenakqui­

als normale Privatkonten und ein sehr

sition hat sich bei Neobanken während

profitables Geschäft für alle Banken. Lo­

des Lockdowns verlangsamt. Gleichzeitig

gisch, dass da also viel zu holen ist.“ Die

haben sich die Konsumenten an die Digi­

große Frage, die sich laut Haider für die

talisierung gewöhnt, was den Neobanken

Neobanken aber stellt, ist, wie deren wei­

in die Hände spielt,“ führt Haider aus.

teres Wachstum gefördert werden kann.

N26 konnte so laut Eigenaussage 50.000

Die aktuelle Wirtschaftskrise wird ihm

Neukunden seit Jahresbeginn in Öster­

zufolge auch den Fortbestand einiger jun­

reich für sich gewinnen. Für Haider sind

ger Neobanken gefährden, auch wenn er

nicht verstehen, und 52 Prozent ge-

die Neobanken weg vom Hype und mitt­

glaubt, dass diese oftmals schneller auf

hen weniger Risiken ein. Das ergab

lerweile gefestigt im Ökosystem Kapital­

Probleme als konventionelle Banken re­

eine Studie der Johannes-Kepler-

markt angekommen: „Das zeigt auch da­

agieren können.

LIPPENBEKENNTNISSE STUDIE. Vermögende PrivateBanking-Kunden treffen ihre Anlageentscheidungen rationaler als noch vor zehn Jahren. 60 Prozent sind vorsichtiger geworden, 63 Prozent meiden Anlageklassen, die sie

Universität unter der Leitung von Professor Teodoro Cocca im Auftrag der LGT Bank für den LGT Private Banking Report. Befragt wurden vermögende Kunden aus Österreich, Deutschland und der Schweiz

KARRIERE

mit einem freien Anlagevermögen von mehr als 500.000 Euro oder 900.000 Franken. Bonmot am Ran-

Volkmar Angermeier

Adriano Bruno

Gerhard Fabisch

ist zum neuen Aufsichtsratsvor­ sitzenden der RLB OÖ gewählt worden und folgt Jakob Auer, der nach 20 Jahren in den Ruhestand geht. Der 60-Jährige ist im Raiffeisenreich zu Hause.

leitet ab 15. August 2020 Human Resources in der Erste Group Bank AG. Der Schweizer arbeite als Softwareentwickler und IT-Manager. HR- Erfahrung sammelte er bei Unilever, UBS, IBM und Bayer.

ist als Präsident des Österreichischen Sparkassenverbands für weitere drei Jahre wiedergewählt worden. Er vertritt die Interessen gegenüber der nationalen und internationalen Aufsicht.

51

de: Bei 60 Prozent der Befragten, die ihre Anlageentscheidungen seit 2008 selbstständig treffen, hat sich die Zufriedenheit mit der Bank und dem Berater von Jänner bis April 2020 signifikant verschlechtert. Nachhaltige Anlagen bleiben Lippenbekenntnisse.


#VERSICHERUNGEN

ALLIANZ IN ZEHN JAHREN 100 PROZENT NACHHALTIG BEI GELDANLAGE Die Allianz Elementar Versicherungs AG hat sich im Zuge der

tor liegen. Die Allianz Österreich hat diesen Weg schon im Jah­

Verlängerung der Partnerschaft mit dem World Wildlife Fund

re 2014 eingeschlagen und gilt somit als Vorreiter in der Versi­

(WWF) Österreich dazu verpflichtet, bis 2025 94 Prozent und

cherungsbranche. Im vergangenen Geschäftsjahr erreichte der

bis zum Jahre 2030 zu 100 Prozent aller Kundengelder nachhal­

Nachhaltigkeitsgrad der 5,8 Milliarden Euro Kapitalanlagen ei­

tig zu veranlagen. Dabei werden alle Veranlagungen und Inves­

nen Wert von 88 Prozent. Mit dem neuen Ziel reagiert der Ver­

titionen des Versicherungsunternehmen nach strengen ökolo­

sicherungskonzern vor allem auch auf die Geschehnisse der

gischen, sozialen und ethischen Kriterien ausgesucht und an­

letzten Wochen und will gestärkt in die Zukunft starten. Remi

schließend vom WWF geprüft. Ein Hauptaugenmerk wird auf

Vrignaud, CEO der Allianz Gruppe, erklärt dazu: „Jetzt geht es

Geldinvestition in zukunftsorientierte Bereiche wie erneuerba­

um einen Wiederaufbau, der die Wirtschaft stärkt, das Klima

re Energien, öffentlichen Transport oder den Gesundheitssek­

schützt und Resistenz für zukünftige Krisen sicherstellt.“

KURZARBEIT: RECHTSCHUTZVERSICHERUNG WARNT VOR URKUNDENFÄLSCHUNG UND BETRUG Bei der DAS Rechtsschutzversicherung häufen sich die Anfra­

gen zu unterschreiben. Wer dies macht, kann sich der Ur­

gen rund um das Thema Kurzarbeit. Das Problem: Obwohl Ar­

kundenfälschung und des Betrugs strafbar machen. „Auch

beitnehmer auf Kurzarbeit angemeldet wurden und dadurch

für den Arbeitgeber kann die Verfälschung der Arbeitszeit­

in diesen Monaten weniger Lohn oder Gehalt ausbezahlt be­

aufzeichnung ein gerichtliches Nachspiel haben. Er macht

kamen, wurde von manchen Arbeitgebern Mehrarbeit gefor­

sich der Abgabenhinterziehung und oder des Förderungsbe­

dert. Arbeitnehmer, die aktuell Sorge um ihren Arbeitsplatz

trugs strafbar“, erklärt DAS-Vorstandschef Johannes Loin­

haben, verfälschen deshalb unter Druck ihre Arbeitszeitauf­

ger. Hilfe bietet der Betriebsrat, die Arbeiterkammer oder die

zeichnungen. Die DAS rät davon ab, falsche Zeitaufzeichnun­

Rechtsschutzversicherung.

52


BRANCHE VERSICHERUNGEN

TICKER

Wiener Städtische: Tag- und Krankengeld kann nun auch online geltend gemacht werden

+++

VIG INVESTIERT SIEBEN MILLIONEN IN APEIRON Die Vienna Insurance Group (VIG) hat sich

Finanzierungsrunde. Der Versicherungs­

Wüstenrot Versicherung verzeichnet bestes Ergebnis im Zehnjahresvergleich

+++

3,26 Prozent am Wiener Biotech-Unter­

konzern will die Entwicklung eines Wirk­

nehmen Apeiron Biologics AG gesichert

stoffs gegen das Coronavirus vorantreiben

und dafür rund sieben Millionen Euro in

und unterstützt eine Studie der Firma. Das

die Hand genommen. Die geplante Be­

Team Rund um Josef Penninger testet der­

zugsrechtskapitalerhöhung

Privat­

zeit einen Wirkstoff namens APN01. Die­

platzierung der Apeiron Biologics AG in

ses Präparat soll das Virus blockieren und

+++

der Höhe von 11,9 Millionen Euro ist am 2.

vor Lungenversagen schützen. Bei einem

Juni 2020 erfolgreich durchgeführt wor­

positiven Verlauf der Studie wird eine be­

Versicherungen: Plus bei

den. Die Vien­na Insurance Group ist mit

schleunigte Zulassung und Verfügbarkeit

ihrer Investition der Ankerinvestor dieser

des Medikaments in Europa angestrebt.

mit

VIG erwartet dämpfende Auswirkungen durch Pandemie für Ergebnis 2020

Prämienvolumen im 1. Quartal, aber negatives EGT

+++ Zurich bietet kontaktlosen

DIGITALER SERVICE STATT PHYSISCHER KONTAKT Der digitale Versicherungsmanager Clark

Vertragsabschluss per elektronische Unterschrift

Hilfsmittel keine Änderung im Vertrauen

hat gemeinsam mit dem Befragungs­

mit sich gebracht. 75 Prozent aller Befrag­

institut YouGov herausgefunden, dass

ten gaben an, dass weder mehr noch weni­

45 Prozent der Österreicher wegen Coro­

ger Vertrauen in digitale Dienstleistungen

na verstärkt digitale Services in Anspruch

vorhanden sei. Fast die Hälfte hat Angst

nehmen. Vor allem Beratungs-Apps, Vi­

vor Missbrauch der Daten sowie Cyberkri­

deochats und Finanztools waren sehr be­

minalität. Alles in allem sind die Öster­

liebt in der heimischen Bevölkerung. Spit­

reicher deutlich positiver und offener ge­

zenreiter in der Verwendung von digitalen

genüber digitalen Services als ihre deut­

Serviceleistungen waren die Digital Nati­

schen Nachbarn. So gaben mehr Befragte

ves mit 75 Prozent. Darauf folgten 66 Pro­

in Österreich an (45 Prozent), die Services

Umweltschutz wichtig ist. Das ergab

zent der 25- bis 34-Jährigen und 29 Pro­

vermehrt aufgrund der Einschränkungen

eine repräsentative Umfrage der

zent der über 55-Jährigen. Dennoch hat

durch die Corona-Pandemie zu nutzen als

Allianz Gruppe in Österreich mit

der gezwungene Umstieg auf die digitalen

in Deutschland mit nur 31 Prozent.

ÖSTERREICHER UND GREEN INVESTMENTS STUDIE. 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher geben an, dass ihnen ein aktiver Klima- und

1.500 Befragten zum Einfluss von Geld- und Finanzströmen auf den Klimawandel. Während 83 Prozent einschätzen, dass das Vermeiden von Plastik wirkungsvoll ist,

KARRIERE

gehen nur sechs Prozent davon aus, das nachhaltig angelegtes Geld etwas bewirkt. Auch in Bezug auf die Frage, welche Branche am

Peter Ludwig

Karin Nakhai

Anne Thiel

ist neuer Leiter des Vertriebs und des Marketings in der Bonus Pensionskassen AG und in der Bonus Vorsorgekasse AG. Er leitete zuletzt den Vertrieb im ValidaVorsorgemanagement.

leitet seit 1. Juni 2020 die Öffentlichkeitsarbeit im Dachverband der Sozialversicherungsträger. Nakhai bringt mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Kommunikation mit.

übernimmt am 1. September 2020 das Vorstandsressort Finanzen in der Allianz Gruppe Österreich. Sie folgt Eva Meyer-Schipflinger, die zur Allianz SE in München wechselt.

53

meisten Einfluss auf die Umwelt hat, rangieren die Versicherungen mit sechs Prozent Zustimmung an letzter Stelle. Dass Versicherungen die Prämiengelder ihrer Kunden am Finanzmarkt investieren, ist 38 Prozent der Österreicher nicht bewusst.


#FONDS

KOLUMNE

HEINZ BEDNAR Präsident VÖIG

KLUGE STRATEGIEN IN CORONA-ZEITEN

NEOBROKER BUX STARTET MIT ­INVESTMENT-APP IN ÖSTERREICH Die Investment-App Bux Zero vom nie­

verdreifacht. „Neobanken erfinden das

derländischen Neobroker Bux ist seit 8.

Bankwesen nicht neu, aber sie verpacken

kungen des öffentlichen Lebens

Juni 2020 in Österreich und Deutschland

es neu und verstehen die Bedürfnisse der

haben die Zuversicht der Markt-

auf dem Markt. Kunden können mit die­

jüngeren Generationen. Sie haben Ban­

teilnehmer bestärkt. Die Augen

ser App ohne Kommission in Unterneh­

king-Apps entwickelt, die den nichtfi­

sind weiter auf die wirtschaftliche

men und Marken investieren, die zu ih­

nanziellen Apps sehr ähneln und den­

ren Werten und Interessen passen. Die

selben Designprinzipien folgen. So ent­

App wurde als vollwertiger Back-End-

stehen intuitive Apps, an die diese Ge­

greifen? Wie groß ist die Gefahr

Broker entwickelt. Das heißt, es kön­

neration gewöhnt ist“, sagt Nick Bortot,

einer zweiten Welle, und wird sich

nen zukünftig neue Funktionen schnell

Gründer und CEO von Bux. Zero Broker

die Wirtschaft eher schneller oder

eingeführt und die Kosten für die Nutzer

liegen im Trend. Scalable Capital bietet

niedrig gehalten werden. Durch die Co­

seit kurzem über das Preismodell „Free

rona-Krise hat sich das verwaltete Ver­

Broker“ ein kostenloses Depot, für jede

mögen von Bux allein im März 2020 fast

Order werden 99 Cent berechnet.

Die Lockerungen der Beschrän-

Situation in den jeweiligen Ländern gerichtet: Werden die Maßnahmen der Regierungen der Zentralbanken

mit Verzögerung erholen können? Eine Antwort auf all diese Fragen werden wir erst zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt der Nach-Corona-Ära bekommen. Die Normalisierung des öffentlichen Lebens, die Wiederöffnung der Grenzen und die rückläufigen Arbeitslosenraten tun der Wirtschaft gut. Mittelfristig, wenn sich die Wirtschaft vom aktuellen Schock

NACHHALTIGER ANLAGENMARKT VERZEICHNET ­REKORDWERT

erholt und vor allem die Unternehmensgewinne wieder nach oben

Der Marktbericht 2020 des Forum Nach­

wurden: ein Wachstum von 38 Prozent im

haltige Geldanlagen (FNG) zeigt, dass

Vergleich zum Vorjahr und ein neuer Re­

positiv. Das sieht man auch an den

2019 rund drei Milliarden Euro von pri­

kordwert für nachhaltige Geldanlagen

erfreulichen Nettomittel-Zuflüssen

vaten Investoren in nachhaltige Fonds

in Österreich. Ausschlusskriterien sind

in gemischte Fonds von fast 1,5

und Mandate geflossen sind, was einem

mit 28,9 Prozent weiterhin die häufigs­

Milliarden Euro in diesem Jahr trotz

Wachstum von 77 Prozent entspricht.

te Anlagestrategie, die top drei sind Waf­

Damit hielten Privatanleger 6,8 Milliar­

fen und Rüstung, Kohle und Kernenergie.

den Euro der nachhaltigen Geldanlagen

Das FNG führt den starken Anstieg auf die

diszipliniert über Fondssparpläne

in Österreich. Auf institutionelle Inves­

vermehrte Berichterstattung über nach­

in Aktien zu investieren und damit

toren entfielen 20,4 Milliarden Euro des

haltige Geldanlagen zurück sowie auf die

die Einstiegskurse über verschie-

Gesamtvolumens, was einem Wachstum

Bewegung Fridays for Future oder auch

von 31 Prozent entspricht. In Summe kam

auf die Diskussionen über Kohleausstieg,

man Ende 2019 auf 30,1 Milliarden Euro,

zur CO2-Steuer und Initiativen für ein ge­

die in Anlageprodukte mit Umwelt-, So­

steigertes gesellschaftliches Klima- und

zial- und Governance-Kriterien investiert

Umweltbewusstsein.

drehen, bleiben die Aussichten für Aktien und Unternehmensanleihen

Corona-Krise. Für Anlegerinnen und Anleger ist es nach wie vor die klügste Strategie, regelmäßig und

dene Marktphasen zu verteilen und von langfristig steigenden Kursen zu profitieren.

h.bednar@derboersianer.com

54


BRANCHE FONDS

TICKER

ALLIANZ ÖSTERREICH MACHT DEALS MIT ERSTE GROUP UND GRAWE

UBS bietet mit ETF Zugang zum chinesischen Anleihenmarkt in Renminbi

+++ Pacta 2020: Erste heimische Klimaverträglichkeitsprüfung

Die Allianz Gruppe in Österreich hat mit

fusioniert die Allianz Investmentbank AG

der Capital Bank der Grawe Gruppe AG ei­

mit der Allianz Invest KAG, die 134 Invest­

nen neuen strategischen Partner im Pri­

mentfonds mit einem Gesamtvolumen

vatkundenbereich und holt sich im insti­

von mehr als zwölf Milliarden Euro ver­

tutionellen Bereich die Erste Group Bank

waltet und zu den top fünf der österrei­

AG als neuen Bankpartner ins Boot. Da­

chischen Fondsgesellschaften zählt. Mit

mit wurden die im September 2019 ange­

der Fu­sion möchte sich die Allianz Grup­

kündigten Änderungen im Depot- bezie­

pe in Österreich zukünftig im Bereich As­

hungsweise Depotbankgeschäft konkre­

set-Management verstärkt auf die Ver­

tisiert. Im Zuge der Neustrukturierung

mögensverwaltung konzentrieren.

für Finanzportfolios

+++ Immo-Investor Corum macht zweiten Fonds für Privatanleger in Österreich zugänglich

+++ Allianz Global Investors etabliert integrierte globale Fixed-Income-Plattform

HEIMISCHES FONDSVOLUMEN KÄMPFT SICH ZURÜCK Das Fondsvolumen in Österreich konnte

es per 31. Mai 2020 wieder auf 174,8 Milli­

sich trotz Volumensrückgangs in der Co­

arden Euro ansteigen. Ein positiver Trend,

rona-Krise bewähren, hieß es seitens der

im Vergleich zum Jahresanfang per 31. Jän­

Vereinigung Österreichischer Investment­

ner, jedoch noch ein Minus von 11,7 Milli­

STUDIE. Bewertungen durch externe

gesellschaften (VÖIG) Anfang April. Aktu­

arden Euro. Besonders getroffen hat es die

Ratingagenturen hinsichtlich

elle Entwicklungen zeigen, dass sich der

Erste Asset Management, deren verwal­

heimische Investmentfondsmarkt bereits

tetes Fondsvermögen von 38,58 per Ende

wieder auf dem aufsteigenden Ast befin­

Jänner auf 34,93 Millionen Euro per Ende

det. Verzeichnete das Fondsvolumen in

Mai gefallen ist. Ähnliches bei der Raiff­

re kleine Unternehmen werden oft

Österreich von Februar auf März 2020 ei­

eisen KAG, die einen Drop von 35,57 Ende

überhaupt nicht bewertet, wodurch

nen Sturz von elf Prozent, nämlich von

Jänner auf 33,88 Millionen Euro per Ende

Investoren Anlagemöglichkeiten

184,0 auf 164,14 Milliarden Euro, so konnte

Mai hinnehmen muss.

NACHSITZEN: ESG-RATINGS HÄUFIG UNZUREICHEND

ESG-Maßnahmen von Unternehmen entsprechen nicht immer der Realität. Das zeigt eine Studie des Berenberg ESG-Office. Insbesonde-

nicht erkennen. Gleichzeitig werden größere Unternehmen im Schnitt besser bewertet. Ratings können deshalb bei der ESG-Analyse nur ein Hilfsmittel sein, sagt Matthias Born, Head of Investment von Be-

KARRIERE

renberg: „Es gibt keinen Standard in der ESG-Bewertung und auch kaum Vergleichbarkeit der Ratings. Deshalb müssen wir als Investoren

Gabriele Tavazzani

Dominik Issler

Heike Fürpaß-Peter

ist seit 1. Mai 2020 der neue Chief Executive Officer der Amundi Austria. Er ist seit 2018 im Unternehmen und war bis jetzt als Deputy Chief Executive Officer tätig. Tavazzani folgt auf Werner Kretschmer.

übernimmt die Vertriebsaktivi­ täten im britischen Fondshaus Jupiter Asset Management für die D-A-CH-Region. Er kommt von Merian Global Investors und folgt auf den langjährigen Vertriebschef Karl Banyai.

ist zum Head of Lyxor ETF Deutschland & Österreich bei Lyxor International Asset Management ernannt worden. Sie wird sich besonders auf den reibungslosen Abschluss der Integration von Com-Stage-ETFs konzentrieren.

55

ESG-Risiken und -Chancen im Rahmen der Investmententscheidung selbst einschätzen. Denn anhand der Ratings allein kann man keine ESG-Chancen erkennen.“ Ein Grund für die Verzerrungen ist teilweise die geringere Offenlegung von ESG-Daten in kleinen Unternehmen.


#AKTIEN

KOLUMNE

BETTINA SCHRAGL Head of Investor Relations Immofinanz AG

CLICK AND CALL

SEELE ERNEUT BESTVERDIENER UNTER ATX-VORSTÄNDEN Mit 7,24 Millionen Euro für 2019 ist OMV-

Einkommens entspricht. Herbeigezogen

Boss Rainer Seele erneut der Topverdie­

wurden dabei die Zahlen jener 17 aus 20

ner unter den ATX-Vorständen. Auf dem

ATX-Unternehmen, die bereits ihren Ge­

nem Jahr noch schräg an, als er über

zweiten Platz folgt der vormalige Mayr-

schäftsbericht für das abgelaufene Jahr

die Vorteile des virtuellen Raums

Melnhof-Vorstandsvorsitzende Wilhelm

veröffentlicht haben. Gegenüber dem Re­

schwärmte, und dachte sich, das heb

Hörmanseder mit einem Jahresverdienst

kordjahr 2018 bedeutet das einen Rück­

ich mir für später auf, so hat sich

von 5,2 Millionen Euro. Hörmanseder

gang von 15,7 Prozent. „Fast die Hälfte der

verdrängt damit Bawag-CEO Anas Abu­

Vergütung, exakt 48,9 Prozent, stammt

zaakouk auf Platz drei. Dabei zu beachten

aus der variablen Komponente, also der

mehr vor dem eigenen Angesicht

ist, dass bei dem Banker der Jahresbonus

klassischen Bonuszahlung“, wie Christi­

in der Webcam. So gut wie alle

von 2019 wegfällt. Wie seine Vorstands­

na Wieser, Studienautorin und Betriebs­

avisierten Investorenkonferenzen

kollegen von der Bawag Group AG und

wirtin bei der Arbeiterkammer, erklärt.

die Vorstände der Porr AG verzichtet er

Mit jeweils vier Personen unter den Top

aufgrund der Corona-Pandemie freiwil­

Ten dominieren die Vorstände der OMV

entdeckt, wie flexibel man ist, wenn

lig auf die Auszahlung. Insgesamt ergibt

AG und der Bawag Group AG das Ranking.

man etwa für die Paris-Konferenz

sich aus den veröffentlichten Zahlen ein

Gerhard Roiss als ehemaliger OMV-Ma­

nicht am Vortag anreisen muss,

durchschnittliches Jahresgehalt von 1,86

nager befindet sich auch fünf Jahre nach

Millionen Euro pro Vorstand eines ATX-

seinem Ausscheiden aus dem Betrieb mit

Unternehmens, was laut Arbeiterkam­

einem Jahresverdienst von 3,13 Millionen

mer etwa dem 57-Fachen eines mittleren

Euro weiterhin auf Platz zehn.

Blickte man den IT-Kollegen vor ei-

nun alles geändert. Egal ob WebEx, Zoom oder Teams, wir klicken, laden ein und schrecken uns auch nicht

werden virtuell abgehalten, und das wird sich in den nächsten Monaten wohl nicht ändern. Und man

sondern in Freiräumen zwischen den Calls sogar etwas Tagesarbeit erledigen kann. So weit, so gut. Auf den ersten Blick ist es auch von Vorteil, wenn bei Gruppen-Meetings mit Investoren statt der üblichen vier oder fünf Teilnehmer plötzlich zehn oder zwölf angemeldet sind. Doch wenn dann viele Kameras ausgeschaltet bleiben, der Infostand der Teilnehmer über das Unterneh-

VERBUND WILL GAS-CONNECT-ANTEIL VON OMV

men unterschiedlich ist und einige sich untereinander nicht kennen

Die Verbund AG hat ein verbindliches An­

und ihre Mehrheitsanteile zu veräußern.

gebot für 51 Prozent am Gas-Pipeline-

Dem Verbund ermöglicht der Zukauf den

Betreiber Gas Connect Austria gelegt. Sie

Ausbau der Netzinfrastruktur, wobei der

dass mehr E-Tools in die IR-Arbeit

macht damit Gebrauch von ihrem exklu­

Hintergedanke mitspielt, zukünftig auch

einziehen und diese auch effizienter

siven Vorkaufsrecht, welches sie von der

grünen Wasserstoff über die Pipelines der

machen, es geht aber auch nichts

OMV AG im März 2020 bekommen hat­

Gas Connect Austria zu transportieren.

te. Grund dafür war, dass sich die OMV

Ein Kaufpreis wird vorerst nicht genannt.

Botschaften.

im Zuge ihrer Übernahme der Borealis AG

2016 veräußerte die OMV die anderen 49

dazu entschieden hatte, aus dem regulier­

Prozent an ein Konsortium, bestehend aus

b.schragl@derboersianer.com

ten Gastransportgeschäft auszusteigen

Allianz und Snam, um 601 Millionen Euro.

oder anonym eingewählt sind, sehnt man sich doch auch wieder nach alten Zeiten zurück. Es ist gut,

über persönliche Meetings und die damit verbundenen Eindrücke und

56


BRANCHE AKTIEN

TICKER

Post übernimmt türkische Aras Kargo

+++

PLUS 21,4 PROZENT HANDELSVOLUMEN AN WIENER BÖRSE

Flughafen Wien beendet Aktienrückkauf wegen Corona-Hilfe

+++

Die Wiener Börse AG verzeichnete von

gelistete Unternehmen. „Mit Blick auf

Jänner bis Mai 2020 einen Anstieg beim

Post-Corona-Zeiten ist der Staat gut be­

Handelsvolumen von 21,4 Prozent gegen­

raten, privates Kapital zu aktivieren und

über dem Vorjahreszeitraum. Für 2020

auf die Börse zu setzen, damit es mit Ös­

+++

erwartet Börse-Vorstandschef Christoph

terreichs Wirtschaft rascher bergauf ge­

Fabasoft veräußert

Boschan Wachstum in allen Geschäfts­

hen kann“, rührt Heimo Scheuch, Auf­

feldern. 2019 noch hat der Brexit das

sichtsratspräsident der Wiener Börse, die

eigene Aktien

Handelsvolumen an der Wiener Börse um

Werbetrommel. Der ATX ist gemeinsam

+++

zwölf Prozent auf 62 Milliarden Euro ge­

mit dem griechischen Athen Composite

Keine Konsequenzen

drückt. Dennoch ist die Wiener Börse AG

Share ­Price Index weiterhin schlechtester

immer noch margenstärker als jedes dort

Leitindex Europas im heurigen Jahr.

Investor Grossnigg verlässt S&T-Aufsichtsrat

nach Drogen-Causa um ÖBAG-Vorstand Schmid

+++ Technik-Vorstand Nießen

AT&S-CHEF FORDERT EUROPÄISCHEN MASTERPLAN Es braucht einen europäischen Master­

ge Förderungsbeiträge in den Mikroelek­

plan, um sich im Elektronikbereich der

troniksektor investiert. Zusätzlich sind

Abhängigkeit von Asien zu entziehen und

für Gerstenmayer Equipment, Materia­

Produktionen zurück nach Europa zu ho­

lien und Mitarbeiter in Asien leichter zu

len, sagt Andreas Gerstenmayer, Vor­

bekommen.

standschef der AT&S AG. Nur dann kön­

Neben den Förderungen fehlt ihm aber

ne er sich vorstellen, auch eigene Stand­

ein Schulterschluss zwischen den euro­

orte wieder nach Europa zu verlegen: „Es

päischen Regionen. Ansonsten wird es

braucht eine europäische Idee. Es gibt viel

schwierig, sich gegen Asiaten und auch

zu wenig Initiativen.“ Das ist auch der

Amerikaner zu beweisen, wo sich beina­

Grund, warum die AT&S in China gerade

he alle Abnehmer im Mikroelektronik­

ein neues Werk bauen lässt. Dort werden

bereich wie Smartphonehersteller oder

im Gegensatz zu Europa seit Jahren riesi­

Datencenter befinden.

verlässt Wiener Börse

+++ Wirecard verliert 50 Prozent an einem Tag und stellt Insolvenzantrag

BIS ZU 40 PROZENT WENIGER AN DIVIDENDE STUDIE. 141 der 600 gelisteten Unternehmen im Aktienindex Stoxx Europe 600 haben ihre Dividende gestrichen oder gekürzt. Die DZ Bank AG geht in ihrer Analyse da-

KARRIERE

von aus, dass europaweit Dividenden für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019 um bis zu 40 Prozent zurückgehen werden. Besonders

Gabriele Schallegger

Ingolf Schröder

Michael Strugl

ist zur neuen Finanzvorständin bei der Semperit AG bestellt worden. Die 48-Jährige kommt vom Papier- und Verpackungskonzern Mondi und wird ihre neue Tätigkeit mit 12. Oktober 2020 aufnehmen.

wurde neu in den Vorstand der AT&S AG berufen. Schröder (48) kommt von der Osram Licht AG und wird seine Tätigkeit beim steirischen Unternehmen am 1. September 2020 als neuer COO aufnehmen.

übernimmt mit Jahresanfang 2021 den Vorstandsvorsitz der Verbund AG. Er folgt Wolfgang Anzengruber, dessen dritte Funktionsperiode mit Jahresende 2020 ausläuft. Strugl (56) ist seit Jänner 2019 im Vorstand des Unternehmens.

drastisch ist die Lage bei den europäischen Banken, wo zwei Drittel die Dividende gestrichen haben.

57

Die Industrie- und Tourismusbranche ist ebenso stark betroffen. Die DZ Bank AG geht daher davon aus, dass die Dividenden mindestens so stark fallen wie während der Finanzkrise 2008/2009.


#IMMOBILIEN

GEPLANTE KAPITALERHÖHUNG HEIZT FUSIONSGERÜCHTE AN Ronny Pecik ist seit Mai 2020 neuer Vorstandsvorsitzender

Juni 2020 her, würde dies über 440 Millionen Euro zusätzli­

der Immofinanz AG und folgt damit Oliver Schumy nach, der

ches Kapital mit sich bringen. Die Fusionsgerüchte zwischen

bereits im März nach knapp fünf Jahren an der Spitze vorzei­

Immofinanz AG und S Immo AG werden dadurch wieder ange­

tig abgedankt war. Zu den ersten Amtshandlungen von Pecik

heizt. Schon allein deshalb, weil Ronny Pecik mit zwei unter­

zählt eine mögliche Kapitalerhöhung und die Emission einer

schiedlichen Partnern an der Immofinanz AG und der S Immo

Pflichtwandelanleihe. Die angedachten Kapitalmaßnahmen

AG Anteile hält. Auch die Unternehmen sind untereinander

der Immofinanz AG sollen maximal 25 Prozent des derzeiti­

verschränkt: Die Immofinanz AG ist mit mehr als 29 Prozent

gen Grundkapitals ausmachen, das sind 28,02 Millionen Ak­

an der S Immo AG beteiligt und diese wiederum mit zwölf Pro­

tien. Nimmt man den derzeitigen Aktienkurs mit Stand 22.

zent an der Immofinanz AG.

STARWOOD INVESTIERT MASSIV IN CA IMMO Starwood Capital, Großaktionär der CA Immobilien Anlagen AG

insgesamt 98,81 Millionen Aktien sind das etwa 1,5 Prozent. So­

(CA Immo), hat während der Covid-19-Pandemie die niedrigen

mit hält Starwood bereits mehr als 27 Prozent an der CA Immo

Kurse ausgenutzt und von März bis Mitte Juni 2020 insgesamt

plus den vier Namensaktien, die sogenannten Golden Shares,

1,5 Millionen Stück Aktien im Wert von 44,05 Millionen Euro

die den Inhaber berechtigen, Personen in den Aufsichtsrat zu

zugekauft. Einen besseren Zeitpunkt hätte Starwood Capital

entsenden. Zu den Gründen der Zukäufe wollte sich Starwood

kaum treffen können. Die Aktie der CA Immo notierte im Feb­

nicht äußern. Eine Übernahme der CA Immo durch die ame­

ruar 2020 noch bei 41 Euro, Starwood langte bei einem Durch­

rikanische Investmentfirma stand jedoch schon öfter zur Dis­

schnittspreis von 29,33 Euro zu. Ein wahres Schnäppchen. Bei

kussion.

58


BRANCHE IMMOBILIEN

IMMOBILIEN-CROWDINVESTING ALS ZUKUNFTSMODELL

TICKER

Immobilienring:

Der Crowdinvestment-Spezialist Conda

mittlerweile schon über 110 Projekte mit

und der Immobilienmakler Remax haben

einem Gesamtvolumen von über 30 Mil­

gemeinsam eine Plattform namens „Re­

lionen Euro abgewickelt. Mit „Recrowd“

crowd“ gestartet. Hierbei ist es möglich,

wollen die beiden Unternehmen aber

werden

dass sich Investoren schon ab einer Sum­

eine Full-Service-Plattform aufbauen,

me von 250 Euro bei den veröffentlich­

die alle Stufen der Wertschöpfungskette

+++

ten Crowdinvesting-Kampagnen betei­

im Immobiliensektor abdecken soll. Mit

ligen können. Im vergangenen Jahr ging

dem Projekt Bad Pirawarth – Wohnen

es bei den 142 Funding-Projekten bei

am Wiesengrund von der Actimo Liegen­

108 um Immobilienfinanzierungen. Con­

schaftsentwicklungs GmbH können die

da kann auf ein Investorennetzwerk von

ersten Investoren auch schon zugreifen

30.000 Personen zurückgreifen und hat

und investieren.

Verluste der Corona-Krise können nicht aufgeholt

Remax: Das Interesse an Baugründen oder Häusern mit Garten ist groß

+++ Maklerranking: Raiffeisen Immobilien erneut stärkste Dachmarke

+++ Immofinanz verlängert

IMMOBILIENTRANSAKTIONEN ­DIGITAL DURCHFÜHRBAR

Vorstandsmandate von Finanzvorstand Schönauer und COO Reindl

Die Buwog Group (Buwog) hat gemein­

+++

sam mit dem Start-up-Unternehmen Realest8 Technologies und Kunz Wal­ ­

Sorvia: Neu erbauter

lentin Rechtsanwälte eine zu 100 Pro­

Austro Tower als „Forward

zent digitale Immobilientransaktion re­

Purchase Deal“ an die

alisiert. Durch die neue Plattform bietet

deutsche Deka

die Buwog digitale Wohnungsbesichti­ gungen sowie Online-Wohnungsbera­ tung an. Außerdem sind neben dem Käu­ fer und dem Verkäufer auch Institutio­

en Technologie werden besonders Woh­

nen wie eine Treuhandbank, ein Notar

nungssuchende profitieren“, so Buwog-

oder bei Bedarf ein Rechts- und Steuer­

Group-Geschäftsführer

berater schnell und einfach erreichbar.

ler. Des Weiteren versprechen die Part­

„Mit digitalen Immobilientransaktio­

ner, dass die durchgehende Digitalisie­

nen ermöglichen wir einfachere, schnel­

rung nicht nur eine einfachere Vertrags­

lere und kostengünstigere Kauf- und Fi­

abwicklung bedeutet, sondern auch für

mit Smarthome-Technologien

nanzierungsabwicklungen. Von der neu­

mehr Transparenz und Sicherheit sorgt.

anfangen. Nur je neun Prozent der

Andreas

Hol­

SMARTHOMES HABEN POTENZIAL STUDIE. Laut einer Studie des „Immobilien Magazins“ können acht von zehn Personen etwas

Befragten nutzen zu Hause smarte Sensoren, etwa für die Temperaturoder Belüftungssteuerung sowie smarte Beleuchtung zur Steue-

KARRIERE

rung von Beleuchtung. Weitere fünf Prozent der Befragten haben die Nutzung dieser Technologien geplant. Potenzial gibt es jedoch, wie die Umfrage eindeutig zeigt,

Daniel Leitinger

Jürgen Narath

Martina Pölzlbauer

ist ab sofort Leiter Immobilien Österreich West für das Traditionsunternehmen Rhomberg Bau. Er ist für die Grundstücks­ akquise, die Investoren und für die Wohnungskäufer in Vorarlberg verantwortlich.

hat die Leitung der Immobilien­ abteilung der Esterhazy Betriebe übernommen. Der Immobilienund Finanzexperte ist damit für einen der größten Wirtschafts­ bereiche des Unternehmens verantwortlich.

übernimmt die Leitung des Marketings der Habau Group und steuert alle operativen Kommunikationsprozesse. Sie war zuletzt bei der Bundesimmobiliengesellschaft und der Austrian Real Estate.

denn Interesse an den einzelnen Smarthome-Technologien haben jeweils mehr als 40 Prozent der

59

Befragten. Noch weniger verbreitet sind smarte Alarmsysteme für Alarmanlagen, Brandschutz oder zur Sicherung der Fenster. Sie kommen nur bei fünf Prozent der Befragten zum Einsatz.


#BERATER

NEUE FORMEN VON LEADERSHIP GEFRAGT KOLUMNE

Welche Chancen sich durch die Corona-

menarbeit ist nun auch in österreichi­

Krise ergeben, erklärt Karim Taga, Mana­

schen Klein- und Mittelstandsunterneh­

ging Partner von Arthur D. Little.

men angekommen. Das bedeutet einen Wandel in der Unternehmenskultur und

PETER BARTOS Partner und ­Geschäftsführer BDO Austria

AUF IN DIE NEUE REALITÄT

Was bedeutet die „neue Normalität“ für Un-

erfordert neue Formen des Leaderships,

ternehmen und ihre Strategien? – Die wirt­

des Krisenmanagements sowie Verände­

schaftlichen Rahmenbedingungen for­

rungen im „Regelbetrieb“.

dern alle Marktteilnehmer. Im Unter­ schied zur Finanzkrise 2008 verursacht

Wie managt man erfolgreich die „neue Nor-

Covid-19 einen Schock der Realwirtschaft,

malität“? – Vier Dinge sind ausschlagge­

der Produktion und Einkommen verrin­

bend: operative Exzellenz, disruptive In­

gert. Gekennzeichnet ist dies unter ande­

novationsfähigkeit,

„new

leadership“

rem durch den Nachfragerückgang durch

und „new work“. Für Unternehmer ist

tierten Krediten und den Fixkosten-

Einkommensverluste und notwendiges

es nun wichtig, konsequent und schnell

zuschüssen vielen von der Corona-

Sparen, bedingt durch verringerte Kon­

ökonomische Stabilität sowie Resilienz

Krise betroffenen Unternehmen

summöglichkeiten, sowie durch die Dis­

ins Unternehmen zu bringen. Außerdem

über die gröbsten Schwierigkeiten

ruption von Branchen und der Wirtschaft.

gilt es, die Wendigkeit und die Reaktions­

Nachdem die Regierung mit garan-

hinweggeholfen hat und mit der Kurzarbeitsregelung zum Erhalt der

geschwindigkeit zu forcieren, um weiter­ Welche Chancen ergeben sich? – Die aktuel­

hin an der Spitze mitmischen zu können.

tragen hat, wurde mit dem unlängst

le Krise wirkt als Verstärker von sich be­

Denn in der neuen Normalität können

verkündeten Konjunkturpaket der

reits vor der Epidemie vollziehenden Ver­

es sich Unternehmen, die langfristig am

Schalter in Richtung Zukunft umge-

änderungen – Stichwort technologische

Markt erfolgreich sein wollen, schlicht­

Disruption. Auch die Zusammenarbeit in

weg nicht mehr leisten, nur auf operative

unseren heimischen Betrieben hat sich

Exzellenz zu setzen und nur dann einen

rückzutragen, und fördert zusätzlich

grundlegend verändert. Homeoffice und

Innovationsprozess anzustoßen, wenn

zu einer vorzeitigen Abschreibung

damit die verbundene virtuelle Zusam­

offensichtlich die Notwendigkeit besteht.

Kaufkraft der Konsumenten beige-

legt. Das angelegte Paket entlastet Unternehmen durch die Möglichkeit, einen Verlust im Jahr 2020

nichtklimaschädliche Investitionen mit einer Investitionsprämie von sieben Prozent beziehungsweise für solche in Zusammenhang mit Digitalisierung, Ökologisierung und Ge-

MITARBEITER ERNST NEHMEN

sundheit von 14 Prozent. Lohn- und Einkommensteuerpflichtige werden

53 Prozent der Führungskräfte gehen da­

trale Aspekte des Unternehmenserfolgs

von aus, dass mehr als die Hälfte der Mit­

angesehen. Auch gaben die Unternehmer

arbeiter in den nächsten drei Jahren neue

an, dass nicht die technologischen Mög­

Erhöhung der SV-Rückerstattung um

Kompetenzen erlernen müssen. Das geht

lichkeiten die große Hürde war, sondern

bis zu 100 Euro entlastet. Familien

aus der Studie „Human Capital Trend“ von

vielmehr das Zusammenspiel Mensch und

bekommen einen Kinderbonus von

Deloitte Österreich hervor. Viele Mitar­

Technik. Doch gerade die Kombination aus

360 Euro pro Kind. Durch Deregulie-

beiter, aber auch Führungskräfte, muss­

technischem Fortschritt und die Weiterbil­

ten während der Covid-19-Pandemie in­

dung der Mitarbeiter wird mittlerweile als

nerhalb kürzester Zeit neue Fertigkeiten

große Chance in den Unternehmen ange­

digitaler Infrastrukturen angekur-

und Gewohnheiten entwickeln, um das

sehen. Diesbezüglich sagt Julian Mauhart,

belt werden. Bildungseinrichtungen

Unternehmen am Leben erhalten zu kön­

Partner im Consulting: „Das kann gelin­

sollen einen digitalen Schub bekom-

nen. In weiterer Folge hat sich auch der Fo­

gen, indem man Technologie nicht allein­

kus der Unternehmer grundlegend gewan­

stehend denkt und ganz am Ende die Mit­

delt. Mittlerweile werden die mentale so­

arbeiter schult, sondern die Anwender mit

wie physische Gesundheit sowie das Zuge­

ihren Fähigkeiten, Ansprüchen und Ge­

hörigkeitsgefühl der Mitarbeiter als zen­

wohnheiten von Anfang an ernst nimmt.“

durch die rückwirkende Senkung der ersten Tarifstufe auf 20 Prozent sowie Geringverdiener durch die

rungsmaßnahmen sowie eine Sanierungsoffensive für Gebäude soll der Ausbau erneuerbarer Energien und

men. Alles in allem ein gelungenes Potpourri und ein wichtiger Schritt in die Richtung neuer Realität.

p.bartos@derboersianer.com

60


BRANCHE BERATER

TICKER

Deloitte: Österreicher zeigen

VOLLBREMSUNG BEI INVESTITIONEN Österreich konnte laut EY im Jahr 2019 mit

anzukurbeln“, sagt Gunther Reimoser,

einer Steigerung von 73 Prozent ein abso­

Country Managing Partner EY Österreich.

sich kritisch gegenüber neuen Autotechnologien

+++ EY: Ausländische Investitionen können um bis zu 50 Prozent einbrechen

lutes Rekordjahr als Investitions­standort

Bei genauerer Betrachtung des Marktes

verbuchen. Dies führte dazu, dass insge­

erkennt man, dass Deutschland die rele­

+++

samt 69 Projekte umgesetzt wurden und

vanteste Investorengruppe in Österreich

Österreich im Europavergleich auf den 18.

ist. Aber auch die USA und China verwirk­

PWC: Einbeziehen der

Platz vorrückt. Die Covid-19-Pandemie

lichten 13 beziehungsweise zehn Projekte

sorgte allerdings für eine Vollbremsung.

im kleinen Österreich. Ganz im Gegensatz

Europaweit werden nur noch zwei Drittel

zu den ausländischen Investoren waren

+++

der geplanten Projekte umgesetzt, weite­

die heimischen Unternehmer etwas zu­

KPMG übernimmt SIAB und

re 25 Prozent sind aufgeschoben und zehn

rückhaltend, was zu einem Investitions­

Prozent der Investitionen wurden schon

einbruch um fast 25 Prozent auf 107 Pro­

erweitert Angebot

abgesagt. „Umso wichtiger ist es jetzt,

jekte führte. Hierbei ist der Trend zu er­

den positiven Aufschwung von 2019 für

kennen, dass Österreichs Unternehmen

+++

den Wirtschaftsstandort wieder in Gang

neue Zielmärkte wie Frankreich oder die

Beraterbranche erwartet sich

zu setzen und die Wirtschaft rasch wieder

Türkei aufbauen.

Finanzfunktion führt bei 4/5 der Transaktionen zum Erfolg

mit IT-Beratung

im 4. Quartal Vorjahresniveau bei den Umsätzen

DAS BLAUE WUNDER NACH DEM CYBERANGRIFF In sechs von zehn Unternehmen kam es in

gitalisierung zu investieren, nur ein Viertel

den letzten zwölf Monaten zu mindestens

besitzt eine Versicherung gegen Cyberan­

einer Cyberattacke. Jedes zweite Unter­

griffe. Außerdem unterschätzen die Unter­

nehmen wurde mehrfach angegriffen. Die

nehmen die Angriffe, denn 36 Prozent wis­

KPMG-Österreich-Studie „Cyber Security

sen nicht, wie groß der Schaden nach ei­

in Österreich“ kam außerdem zu dem Er­

nem Angriff war. Ebenfalls wünschen sich

gebnis, dass nur acht Prozent der Befrag­

82 Prozent der Befragten eine staatliche

ten ihrem Cloud-Dienstleister vertrau­

Organisation mit dem alleinigen Schwer­

Bei den öffentlichen Unternehmen

en. Außerdem schmälern diese Attacken

punkt Cybersecurity, 77 Prozent erwarten

ist ebenfalls ein Anstieg um acht

bei 26 Prozent die Bereitschaft, in die Di­

sich eine Unterstützung durch den Staat.

Prozent auf 38 Prozent erkennbar,

QUALITATIV UND INHALTLICH SCHWACH ANALYSE. Nachhaltigkeitsberichte liegen im Trend. Von den Unternehmen am Prime Market haben insgesamt 95 Prozent einen Nachhaltigkeitsbericht verfasst.

wie eine Analyse von EY ergab. Diese Berichte sind gerade für Investoren sehr wichtig, wie Georg Rogl, Be-

KARRIERE

reichsleiter Climate Change bei EY Österreich, betont: „Wer Investoren gewinnen möchte, braucht heute eine überzeugende Nachhaltigkeits-

Stefan Fink

Michael Grahammer

Aleksandra W. Gadzala

ist seit 1. April 2020 als Chief Economist für KPMG Österreich tätig. Davor baute er sich als Senior Manager im Bereich ­Financial-Risk-Management ein umfangreiches Wissen in den Bereichen Banken und Corporates auf.

ist seit 1. Mai 2020 neuer Partner der BDO und Geschäftsführer der BDO Corporate Finance GmbH. Der EX-Hypo-Vorarlberg-Boss Michael Grahammer wird seine Schwerpunkte in den Bereichen Finanzierungsberatung und -vermittlung haben.

ist neuer Head of Research bei The Singularity Group, einem unabhängigen Schweizer Research-Spezialisten und Anlageberater. Sie ist Expertin für neu aufkommende Risiken und Geopolitik und wird den Expertenbeirat leiten.

berichterstattung und eine Nachhaltigkeitsstrategie für sein Geschäftsmodell.“ Die meisten Berichte der

61

Unternehmen sind aber qualitativ und inhaltlich sehr schwach. Nur 31 Prozent haben sich quantitative Klimaschutzziele gesetzt und nur zwei Unternehmen berichten von einer Taskforce für Climate-related Financial Disclosures.


#RECHT

KOLUMNE

ALBERT ­BIRKNER Managing Partner Cerha Hempel

PROJEKT EU RECHTLICH ­UNTER DRUCK Anfang Mai hat sich das deutsche Bundesverfassungsgericht (BVerfG)

BANK AUSTRIA MIT ABFUHR BEI 3-BANKEN-HVS Der Streit zwischen der Unicredit Bank

rend der Oberbank-HV wurden über 40 zu­

Austria AG (Bank Austria) und der 3 Banken

sätzliche Fragen, ein Protest gegen die vir­

Gruppe erreichte während den Hauptver­

tuelle Abhaltung beziehungsweise ein An­

sammlungen (HV) der Regionalbanken ei­

trag auf Unterbrechung der HV vonseiten

nen erneuten Höhepunkt. Bereits im Vor­

der Bank Austria eingebracht. Oberbank-

hinein kam es zur Aufregung, als die Bank

Generaldirektor Franz Gasselsberger hat

Austria von der Oberbank AG verlangte,

genug vom „Klagenkarussell“, wie er es

Europäischen Gerichtshofs (EuGH)

Rückerstattungsansprüche gegenüber der

nennt, und will sich nicht weiter herum­

gestellt. Die umstrittenen Anleihe-

3-Banken-Holding zu begleichen. Dabei

kommandieren lassen: „Nein, die 3 Ban­

käufe der Europäischen Zentralbank

sollte der Aufsichtsrat der Oberösterrei­

ken sind keine Filialen der Bank Austria.

(EZB) widersprächen in Teilen dem

cher de facto den eigenen Vorstand auf bis

Wir sind auch keine Tochtergesellschaften

zu 19,3 Millionen Euro Schadensersatz kla­

der Unicredit in Mailand.“ Der Rechtsstreit

gen. Die Hauptversammlungen von Ober­

hat ihn bis dato 1,39 Millionen Euro gekos­

Umfang in den Kompetenzbereich

bank AG, BKS Bank AG (BKS) und Bank für

tet. Von der Bank Austria heißt es: „Wir

der EZB fielen und dem Verbot der

Tirol und Vorarlberg AG (BTV) zogen sich

verfolgen erneut unsere Aktionärsrechte,

monetären Staatsfinanzierung

aufgrund etlicher Sonderprüfungsanträ­

um die notwendige Transparenz in der Ge­

ge jeweils bis zu neun Stunden. Während

schäftsgebarung des Vorstands zu erlan­

bei der BTV keinem Antrag der Bank Aus­

gen und die Gleichbehandlung aller Akti­

stuft hat. Die anfangs geäußerten

tria zugestimmt wurde, gingen bei BKS und

onäre in der Vergangenheit und in Zukunft

Bedenken wurden vom BVerfG nicht

Oberbank jeweils einer durch. Allein wäh­

sicherzustellen.“

gegen eine Entscheidung des

deutschen Grundgesetz. Bereits 2017 wurden Bedenken geäußert, ob die umstrittenen Käufe in ihrem

unterlägen. Die Fragen wurden dem EuGH vorgelegt, der die Käufe als rechtmäßig und zulässig einge-

bestätigt. Jedoch soll die Darlegung der Verhältnismäßigkeit durch den EZB-Rat die Verfassungskonformität herstellen, dies bei sonstigem Stopp der Beteiligung an den Käufen. Während die EU-Kommission auf die Bindung der EuGH-Rechtsprechung verweist, betont das BVerfG den Vorrang der Grundprin-

LEERVERKAUFSVERBOT AN WIENER BÖRSE AUFGEHOBEN Das am 18. März 2020 verhängte Leerver­

schritt mit weiteren fünf EU-Staaten. Die

beachtliche Entscheidung getroffen,

kaufsverbot an der Wiener Börse wurde

beiden Vorstände der FMA, Helmut Ettl

die die demokratische Legitimation

von der österreichischen Finanzmarktauf­

und Eduard Müller, sahen das Verbot als

der Mitgliedstaaten stärkt. Auch

sicht (FMA) wieder aufgehoben. Nach ei­

richtig und wichtig an: „Die Short-Sel­

in Österreich steht EU-Recht nicht

ner erstmaligen Verlängerung im April für

ling-Einschränkungen haben einen wich­

ein weiteres Monat endete das Verbot da­

tigen Beitrag zur Dämpfung der irrational

mit exakt zwei Monaten nach Inkrafttre­

überschießenden Marktreaktionen und

liegt im Auge des Betrachters. Es

ten. Eingesetzt wurde es mit dem Hinter­

zum Erhalt des Vertrauens der Anleger in

zeigt sich, dass das europäische

gedanken, Kursverluste aufgrund der Co­

die Stabilität des österreichischen Finanz­

Projekt und die Solidarität nach

rona-Krise zu minimieren und die Volati­

marktes geleistet.“ Das Thema wurde un­

lität an der Börse einzudämmen. Die Lo­

ter Experten insgesamt kontrovers disku­

ckerung geschah in enger Absprache mit

tiert. Das seit 2012 geltende EU-Verbot für

der europäischen Markt- und Wertpapier­

ungedeckte Leerverkäufe bleibt weiterhin

aufsichtsbehörde ESMA und im Gleich­

rechtswirksam.

zipien. Das BVerfG hat somit eine

an der Spitze des Stufenbaus der Rechtsordnung. Ob die Entscheidung des BVerfG zu begrüßen ist,

den Flüchtlingsströmen und der Corona-Krise nun auch rechtlich unter schwerem Druck stehen.

a.birkner@derboersianer.com

62


BRANCHE RECHT

ANGEKLAGTE IM BAWAG/REFCO-PROZESS FREIGESPROCHEN

TICKER

Nach 15 Verhandlungstagen im sogenann­

worten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

ten Bawag/Refco-Prozess wurden die ehe­

Von der Staatsanwaltschaft gab es dies­

maligen Bawag-Vorstände Christian Bütt­

bezüglich keine Erklärung. Zudem wurde

ner, Peter Nakowitz und ein weiterer Ba­

auch der zweite Anklagepunkt wegen Bei­

wag-Manager freigesprochen. Sie waren

hilfe zum schweren Betrug des damaligen

ursprünglich wegen Untreue in Bezug ei­

Refco-Chefs Phillip Bennett fallen gelas­

nes 2005 vergebenen Blitzkredites an das

sen. Staatsanwältin Vanessa Wöhrer war

ehemalige US-Brokerhaus Refco ange­

der Ansicht, die Bawag-Manager hätten

klagt. Die Staatsanwaltschaft war der Mei­

wissentlich geholfen, die Vermögenslage

nung, dass die Manager den Kredit ohne

des Brokerhauses besser darzustellen, als

+++

ausreichende Bonitätsprüfung vergeben

sie war. Laut Richterin Lena Pipic konnte

hätten. Seit November 2019 mussten sie

aber nicht bewiesen werden, dass die An­

Soravia holt sich bei

sich deshalb vor einem Schöffensenat am

geklagten über die „wahre Lage der Refco“

Landesgericht in Wiener Neustadt verant­

Bescheid wussten.

Fellner Wratzfeld & Partner veröffentlicht ersten CSR-Bericht

+++ Weber & Co berät Wienerberger bei 400-Millionen-Euro-Anleihe

Verkauf des Austro Towers Hilfe von SCWP

+++ Schönherr berät bei Verkauf von Simmeringer Bauprojekt Wohngarten

FMA STRAFT RAIFFEISENBANK REUTTE AB

+++ FPÖ zeigt Post-Vorstand an

+++

Die österreichische Finanzmarktaufsicht

BPV Hügel berät Raiffeisen

(FMA) verhängte über die Raiffeisenbank

Informatik bei Verkauf von

Reutte eine Strafe von 35.000 Euro. Grund

Software-One-Aktien

für die Sanktion ist ein Verstoß gegen das Wertpapieraufsichtsgesetz und die dele­

+++

gierte Verordnung. In diesem Fall bezieht

Kunz und Wallentin berät

sich das auf die systematische Nichtüber­

Buwog bei erster

mittlung von Geeignetheitserklärungen an

volldigitaler

Kunden. Diese steht Kunden zu, damit sie

Immotransaktion

Veranlagungsempfehlungen nachvollzie­ hen können. Damit verletzt die Tiroler Re­ gionalbank laut FMA gegen die Organisa­ tionsvorschriften im Zusammenhang mit Berichtspflichten. Das Straferkenntnis ist rechtskräftig.

MEHR ALS DIE HÄLFTE DER ­WIRTSCHAFTSKANZLEIEN SPÜRT KRISE INTENSIV

KARRIERE

STUDIE. Laut einer Studie von Future Law und Lexis Nexis sind über 50 Prozent der österreichischen Wirtschaftskanzleien sehr intensiv oder zumindest intensiv von den

Maurizia Anderle-Haukel

Tatjana Krutzler

Michaela Werntiznig-Kittel

ist seit Juni neu bei der zu Deloitte Legal gehörenden Kanzlei Jank Weiler Operenyi. Die 45-Jährige war zuvor bei Dorda und Binder Grösswang und ist spezialisiert auf Bankund Kapitalmarktrecht.

wurde mit 1. Mai 2020 zum Principal Associate bei der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer ernannt. Krutzler (32) ist seit 2015 in der Kanzlei tätig und hat sich auf Gesellschaftsrecht spezialisiert.

durfte sich über ihre Beförderung zum Counsel bei DLA Piper freuen. Die 39-Jährige ist auf M&A- und Gesellschafts- und Unternehmensrecht spezialisiert und seit 2015 bei DLA Piper aktiv.

Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Das Marktumfeld hat sich für 40 Prozent der Kanzleien positiv

63

entwickelt. 32 Prozent sehen sich hingegen einem Einbruch der Nachfragen konfrontiert. Knapp ein Drittel der Kanzleien gaben im Mai 2020 an auf das Modell der Kurzarbeit zu setzen.


BRANCHE FINTECH

TICKER

Unicredit Bank Austria setzt auf Fintech Taulia aus San Francisco

+++ Bloomberg Crypto Outlook: Bitcoin kann heuer noch 20.000 US-Dollar wert sein

+++ Speedinvest ist erster institutioneller Investor für Bitpanda

+++

RBI UND FINTECH BILLON WOLLEN WÄHRUNGEN DIGITALISIEREN Im Zuge des Elevator Lab, dem Accelera­

feriert werden. Dadurch könnten interna­

tor-Programm der Raiffeisen Bank Inter­

tionale Überweisungen schneller ablaufen.

national AG (RBI) in CEE, ist es zu einer

Wojtek Kostrzewa, Vorstandschef der Bil­

N26 holt sich 100 Millionen

neuen Kooperation gekommen. Die RBI

lon Group, ist zuversichtlich, „dass sich die

Dollar bei seinen

macht jetzt gemeinsame Sache mit dem

Zusammenarbeit bei der Implementierung

Hauptinvestoren

polnisch-britischen Fintech Billon, mit

der Tokenisierungsplattform sehr stark

+++

dem Ziel, nationale Währungen zu digita­

und positiv auf beide Unternehmen aus­

lisieren. Basis der Zusammenarbeit ist die

wirken wird.“ Und Stefan Andjelic, Block­

Distributed-Ledger-Technologie von Bil­

chain Hub Lead bei der RBI, kommentiert:

zugehöriger Smartphone-

lon, womit die Dokumentation der Trans­

„Insbesondere während der Covid-19-Si­

App nach Österreich

aktionen gelingen soll. Bis Ende 2020 fin­

tuation müssen Banken mit Fintechs zu­

det eine Pilotphase für die Tokenization-

sammenarbeiten, um schneller zu inno­

Plattform statt, die den Projektnamen RBI

vieren und Kunden bei der Zahlungsab­

Coin trägt. In dieser Zeit soll tokenisiertes,

wicklung und bei Liquiditätsbedürfnissen

also digitalisiertes Geld in Echtzeit trans­

zu helfen.“

TenX bringt Visa-Karte mit

+++ Cashy: Wiener PfandleiheStart-up holt sechsstelliges Investment

+++ Sparkasse Oberösterreich unterstützt Start-up Finotech

+++ Fusion Libor Transition Calculator jetzt bei Finastra verfügbar

+++ Fintech Scalable Capital startet Broker-Flatrate namens Neo-Broker

N26 BRINGT GESCHÄFTSKONTO MIT 0,5 PROZENT CASHBACK N26 hat mit N26 Business Metal am 16. Juni 2020 ein neues Geschäftskonto in Ös­ terreich eingeführt. Es bietet 0,5 Prozent Cashback auf alle Einkäufe. Kunden erhal­ ten das Geld jeweils am Monatsende auf ihr Konto zurück. Mit dem neuen Premi­ um-Geschäftskonto richtet sich die Bank an Selbstständige und Freelancer. Konto­ inhaber haben Zugang zu ausgewählten Partnerangeboten, mit denen sie ihr Ge­ schäft ausbauen können. Zu den Partner­

auf Reisen sowie Diebstahl oder Beschädi­

marken gehören zum Beispiel Google Ads,

gung des Smartphones. Car-, E-Scooter-

Boosted, And.co, Fiverr, 8Fit und Udemy.

und Bike-Sharing sind auch versichert.

Dazu kommt ein Versicherungspaket für

N26 Business Metal kostet 16,90 Euro pro

Flüge und Gepäck, medizinische Notfälle

Monat.

64


SEITENBLICKE RANKING

#RANKING

besten Fondsmanager in Österreich

I

n Zeiten von Börsenturbulenzen, massiv verzerrten und schep­ pernden Anleihenmärkten sowie einer sich stark konsolidie­ renden Branche versuchen Fondsmanager, das Unmögliche

möglich zu machen und die Gelder der Kunden so anzulegen, dass langfristig ein Mehrwert bleibt. Die Gewissheit, dass Politik und No­ tenbanken den Markt dirigieren und fundamentales Wissen kaum noch einen Vorteil bringt, ist allerdings für viele frustrierend. Alte Hasen im Fondsmanagement, die schon 30 Jahre im Geschäft sind, sprechen von einem noch nie dagewesenen Schock, ausgelöst durch die Corona-Krise, der mit nichts vergleichbar sei. Doch jammern hilft nichts, Verzweiflung schon gar nicht. Es gilt einmal mehr durchzutauchen. Der Börsianer hat sich nach 2014, 2016 und 2018 deshalb zum vierten Mal auf die Suche nach jenen Fondsmanagern gemacht, die den Markt positiv bewegen, den Kopf nicht in den Sand stecken und von ihren Kollegen geschätzt werden. Die besten 50 des Börsianer-Rankings wurden mittels eines einstufigen PeergroupScorings ermittelt, die Nominierten bewerteten sich mit Punkten von eins bis zehn selbst. Der Börsianer hatte auf das Ranking deshalb keinen Einfluss. Von den 52 Nominierten werden die besten 50 im Magazin abgebildet. Der Weg zu den besten Fondsmanagern Öster­ reichs war teilweise überraschend. Die Fondsgesellschaften in Ös­ terreich verzeichneten zahlreiche Abgänge, Pensionierungen und Wechsel. Die KAG der Semper Constantia Privatbank ist inzwischen in der LLB Invest aufgegangen, das Fondshaus der Meinl Bank AG ist ebenfalls Geschichte.

65


SEITENBLICKE RANKING

1. PLATZ

2. PLATZ

3. PLATZ

Wolfgang Matejka

Alois Wögerbauer

Andreas Wosol

MATEJKA & PARTNER ASSETMANAGEMENT

3 BANKEN GENERALI INVESTMENT

AMUNDI AUSTRIA

Topplatzierungen Den Platz an der Sonne des Rankings der Top-Fondsmanager Ös­ terreichs sichert sich zum dritten Mal in Folge Alois Wögerbau­ er (57,86 Punkte). Der Geschäftsführer der 3 Banken Generali In­ vestment verwaltet bereits seit 18 Jahren den 3 Banken Öster­ reich-Fonds, auf lange Sicht einer der besten Österreichfonds. Er ist ein Fan der österreichischen Unternehmen, auch wenn der Markt liquiditätsmäßig oft schlecht wegkommt: „Bis die inter­ nationalen Kapitalströme in so einer Krise nach Österreich kom­ men, dauert es. Man muss aufpassen, dass einem da nicht der Schmäh ausgeht.“ Mit deutlich geringerem Abstand als noch vor zwei Jahren holt sich Wolfgang Matejka (Platz 2 / 52,86 Punkte)

DIE AUFSTEIGER PLATZ ZULETZT NAME

3.

(–)

UNTERNEHMEN

Wosol Andreas

Amundi Austria

7.

(–)

Sibrawa Manfred

Amundi Austria

10.

(–)

Ruttenstorfer Bernhard

Erste Asset Management

19.

(42.) Kuzmanoski Anton

Allianz Invest KAG

24.

(44.) Wurzer Jürgen

Macquarie IM

Silber. Mit fünfmal Höchstnote 10 wird die Wertschätzung seiner Peers deutlich. Gleich drei Neueinsteiger brachten die Reihung der ersten zehn gehörig durcheinander. Andreas Wosol, Aktien- und Va­ luechef bei Amundi Austria und Fondsmanager einiger Europa­ fonds, sicherte sich bei seinem ersten Antreten mit 50,69 Punk­

66


SEITENBLICKE RANKING

PLATZ

ZULETZT

PUNKTE

NAME

UNTERNEHMEN

1.

(1.)

57,86

TREND

Wögerbauer Alois

3 Banken Generali Investment

2.

(2.)

52,86

Matejka Wolfgang

Matejka & Partner Asset Management

3.

(–)

50,69

Wosol Andreas

Amundi Austria

4.

(6.)

45,86

Tinti Gabriela

Erste Asset Management

5.

(7.)

41,79

Neuhold Thomas

Gutmann KAG

6.

(4.)

41,03

Simbürger Horst

Convertinvest

7.

(–)

40,34

Sibrawa Manfred

Amundi Austria

8.

(3.)

38,67

Cova Silvia

Zürcher Kantonalbank

9.

(12.)

35,77

Schmitt Günther

Raiffeisen KAG

10.

(–)

35,52

Ruttenstorfer Bernhard

Erste Asset Management

11.

(17.)

32,22

Kober Alfred

Security KAG

12.

(11.)

31,54

Besser Harald

Kathrein Capital Management

13.

(8.)

31,48

Polly Eva

Raiffeisen KAG

14.

(19.)

31,33

Willert Leo

Arts Asset Managemewnt

15.

(5.)

31,07

Schardax Franz

Spängler Iqam Invest

16.

(–)

30,71

Ulbing Birgit

Matejka & Partner Asset Management

17.

(32.)

30,69

Kober Harald

Erste Asset Management

18.

(–)

30,00

Kals Doris

Allianz Invest KAG

19.

(42.)

28,57

Kuzmanoski Anton

Allianz Invest KAG

20.

(28.)

28,52

Eichhorn Kurt

Kepler-Fonds KAG

21.

(18.)

27,86

Lindorfer-Kubu Isolde

Spängler Iqam Invest

22.

(34.)

27,50

Hansmann Clemens

Gutmann KAG

23.

(25.)

27,33

Leber Hendrik

Masterinvest KAG

24.

(44.)

27,24

Wurzer Jürgen

Macquarie Investment Management Austria KAG

25.

(–)

26,90

Pecha Silvia

Gutmann KAG

26.

(–)

26,90

Rainer Florian

Matejka & Partner Asset Management

27.

(33.)

26,55

Egger Thomas

Macquarie Investment Management Austria KAG

28.

(23.)

26,54

Frauenschuh Jakob

Schoellerbank AG

29.

(22.)

26,21

Löwenthal Stefan

Macquarie Investment Management Austria KAG

30.

(–)

26,21

Moshuber Jörg

Amundi Austria

31.

(–)

26,07

Lafer Bernhard

Spängler Iqam Invest

32.

(–)

25,38

Spittaler Bernhard

Schoellerbank Invest AG

33.

(13.)

25,19

Zeitlhofer Reinhold

Kepler-Fonds KAG

34.

(26.)

25,00

Stangelberger Christoph

Allianz Invest KAG

35.

(27.)

24,29

Palmetshofer Andreas

3 Banken Generali Investment

36.

(24.)

24,23

Stadler Josef

Kathrein Capital Management

37.

(36.)

23,85

Huber Michael

Raiffeisen KAG

38.

(–)

23,85

Otta Andrea

Kathrein Capital Management

39.

(–)

23,33

Hochsam Rene

Security KAG

40.

(10.)

23,33

Zauner Roland

Kepler-Fonds KAG

41.

(–)

23,10

von Bonin Christoph

LLB Invest KAG

42.

(48.)

23,00

Böger Andreas

C-Quadrat Asset Management

43.

(–)

21,67

Sperch Nicole

C-Quadrat Asset Management

44.

(35.)

21,38

Klocker Stefan

LLB Invest KAG

45.

(43.)

21,07

Leithenmüller Werner

3 Banken Generali Investment

46.

(40.)

21,03

Wagner Silvia

LLB Invest KAG

47.

(37.)

20,38

Düregger Felix

Schoellerbank AG

48.

(46.)

20,38

Dürnberger Gertraud

Schoellerbank Invest AG

49.

(49.)

20,33

Eckart Christoph

C-Quadrat Asset Management

50.

(–)

19,63

Seitinger Martin

Security KAG

*BEI PUNKTEGLEICHHEIT ZÄHLT DIE HÖCHSTE EINZELBEWERTUNG; **NICHT MEHR IM UNTERNEHMEN TÄTIG; ***NICHT MEHR IN DER GLEICHEN POSITION IM UNTERNEHMEN TÄTIG.

67


SEITENBLICKE RANKING

ten gleich Platz 3. Sein Amundi-Kollege Manfred Sibrawa (40,34 Punkte), der den Amundi Austria Stock verwaltet, schaffte es auf Anhieb auf Platz 7. Mit Bernhard Ruttenstorfer (Platz 10 / 35,52 Punkte), seit 16 Jahren bei der Erste Asset Management, platzier­ te sich ein weiterer Österreichfonds-Manager - er ist für den Espa Stock Vienna und den RT Österreich Aktienfonds verantwortlich - unter die ersten zehn, übrigens knapp hinter Günther Schmitt (Platz 9 / 35,77 Punkte) von der Raiffeisen KAG, der die Verant­ wortung für den Raiffeisen-Österreich-Aktien-Fonds innehat. Die Österreichfonds-Manager, zu denen auch Alois Wögerbauer und Wolfgang Matejka gehören, sind stark auf den besten Plät­ zen vertreten.

Zehner-Einsammler Vor vier Jahren noch auf Platz 16, vor zwei Jahren auf Platz 6 und jetzt Platz 4: Fondsmanagerin Gabriela Tinti (45,86 Punkte) von der Erste Asset Management, die Emerging Markets und Asien­ fonds leitet, kämpft sich zu Recht stetig nach vorn und bekam auch von ihren Peers zweimal die Höchstnote 10. Drei Zehner, genau wie Alois Wögerbauer und Convertinvest-Geschäftsführer Horst Simbürger (Platz 6 / 41,03 Punkte), holte sich Neueinstei­ gerin Birgit Ulbing (Platz 16 / 30,71 Punkte) von Matejka & Partner Asset Management. Zu den Aufsteigern gehören Biotech-FondsManager Harald Kober (Platz 17 / 30,69 Punkte) von der Erste Asset Management, der 15 Plätze gutmachte, Allianz-Invest-AnleihenFondsmanager Anton Kuzmanoski (Platz 19 / 28,57 Punkte) sowie Jürgen Wurzer (Platz 24 / 27,24 Punkte) von Macquarie IM, die sich um 23 und 20 Plätze verbesserten. Weniger gut lief es diesmal für Reinhold Zeitlhofer (Platz 33 / 25,19 Punkte) und Roland Zauner (Platz 40 / 23,33 Punkte) von der Kepler-Fonds KAG, die im Vergleich zum Ranking vor zwei Jahren deutlich abfielen.

DIE BEWERTUNGSKRITERIEN Das Ranking wird nach qualitativen Methoden in einem einstufigen Scoringmodell (Peergroup-­Bewertung) ermittelt. Die nominierten Kandidaten konnten einander ­gegenseitig bewerten. Das Ergebnis des Rankings wurde mit dem Mittelwert aller ­Bewertungen berechnet und in Prozent umgewandelt. Eine Person kann maximal eine Bewertung von 100 Prozent erreichen. Bei Punktegleichheit zweier oder ­mehrerer Personen entscheidet die höchste Einzelbewertung. Die Kandidaten konnten keine Bewertung für sich selbst oder Konzernkollegen abgeben.

68


FINANZIERUNGSEXPERTIN JULIA LEEB WECHSELT ZU BDO Julia Leeb, die zuletzt bei der Erste Bank AG den Bereich Sparkassenkooperation & Analytics/Acquisition verantwortete, wechselte mit 1. Juli zum Prüfungs- und Beratungsunternehmen BDO. Dort wird sie die Finanzierungsberatung im Rahmen des Corporate Finance Bereichs weiter ausbauen.

Sie waren knapp 20 Jahre im Bankensektor tätig und sind Spezialistin für Großkunden und die öffentliche Hand. Nun sind Sie Partnerin beim Prüfungs- und Beratungsunternehmen BDO. Welche Hintergründe hat dieser Branchenwechsel? Der Wechsel in die Beratung nach fast 20 Jahren im Bankensektor mag sich wie eine sehr große Veränderung anhören. Gemeinsam haben beide Aufgaben jedoch, dass die Beratung von Kundinnen und Kunden im Zentrum steht. Mein Fokus war und ist weiterhin die bestmögliche Beratung von Unternehmen im Hinblick auf ihre finanzielle Gesundheit mit dem Ziel, die Finanzstruktur für die geplante Strategie fit zu machen. In der jahrelangen Zusammenarbeit mit Unternehmen sieht man auch viele strategische Themen, bei denen man als Bank nicht beraten kann und darf was jetzt in der Rolle als Beraterin umgesetzt werden kann. Spannend ist es darüber hinaus, dass man den Kundinnen und Kunden aus Sicht von BDO ganzheitlicher betreuen kann. Der unternehmerische Zugang von BDO und das Angebot der Partnerschaft hat mich, aus einer Unternehmerfamilie kommend, dabei sehr gereizt und ermöglicht mir einen spannenden Perspektivenwechsel.

Photo by Daniel Hinterramskogler

Welche Aufgaben werden Sie bei BDO übernehmen? Welche Herausforderungen warten auf Sie? BDO hat bereits einen sehr hohen

Bekanntheitsgrad in der Wirtschaftsprüfung und in der Steuerberatung. Unser Ziel ist es, die starke Marke auch im Beratungsbereich, den Michael Grahammer und ich als Partner zum Thema Corporate Finance ergänzen, bei unseren Kundinnen und Kunden und auf dem Markt ebenso bekannt zu machen. Aktuell stehen krisenbedingt für viele Unternehmen die Themen Förderungen und Liquiditätssicherung im Vordergrund. In der Folge werden auch auf der Eigenkapitalseite Anforderungen auf die Unternehmen zukommen, bei denen wir als BDO unterstützen wollen.

Sie haben sich nicht nur fachlich weitergebildet, sondern auch zum Thema Leadership. Sind Führungspositionen – gerade in der Bankenund Beratungsbrache – Ihrer Meinung nach für Frauen noch immer schwerer zu erreichen als für Männer? Was möchten Sie den weiblichen Vorstandsvorsitzenden von morgen mit auf den Weg geben? Ich sehe leider noch immer ein Ungleichgewicht bezüglich der Chancengleichheit für Frauen in Führungspositionen, insbesondere in der männerdominierten Finanzbranche. Diversity wird zwar gerne propagiert, wenn Frauen jedoch einen anderen Zugang wählen als ihre männlichen Kollegen wird das oft als Schwäche ausgelegt, auch wenn die Ergebnisse erfolgreich sind. Es wird von Frauen erwartet, dass sie ihre Verhaltensweisen an die

der Männer anpassen, was viele tun, um Kompetenz und Zuverlässigkeit zu signalisieren. Ich persönlich bin der Meinung, dass es sich langfristig dennoch immer auszahlt, authentisch zu bleiben und seinen eigenen Führungsstil konsequent umzusetzen. Seilschaften zwischen Männern sind nach wie vor stärker, deshalb empfehle ich Frauen mit Führungsambitionen Zeit in ihr Netzwerk - auch branchenübergreifend - zu investieren. Empfehlen kann ich dafür „Zukunft.Frauen“, das Führungskräfteprogramm des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich und der Industriellenvereinigung.

Ihr erster Arbeitstag bei BDO in drei Wörtern   

Perspektiven wechseln Perspektiven finden Perspektiven geben

Ihre Corona-Zeit in drei Wörtern   

videokonferenzen kochen walken JULIA LEEB Partnerin


FINANZPLATZ AUFSICHT

#FMA Lederschuhe und Sneakers. Helmut Ettl und Eduard Müller sind das neue Vorstandsduo infernale in der Finanzmarktaufsicht in Wien.

ZUCKERBROT UND PEITSCHE

70


FINANZPLATZ AUFSICHT

  VITA HELMUT ETTL Vorstand FMA Der studierte Volkswirt ist ein leidenschaftlicher Rad­fahrer und seit 2008 im Vorstand der Finanzmarktaufsicht. Er wurde im Mai 2020 zum Co-Vorsitzenden der Europä­ ischen Bankaufsicht des Beratungsgremiums Proportio­ nalität ernannt.   VITA EDUARD MÜLLER Vorstand FMA Als Finanzminister der Übergangsregierung von Brigitte Bierlein übte der gebürtige Burgenländer noble Zurückhaltung. Der Diplomkaufmann war rund 20 Jahre im Finanzministerium, zuletzt stellvertretender Generalsekretär. Seit Februar 2020 ist der Sachbuchautor FMA-Vorstand.

Das neue Vorstandsduo der Finanzmarktaufsicht erwartet durch Corona gewaltige Herausforderungen für das Finanzsystem und kennt bei seinen dringlichen Empfehlungen kein Pardon. INTERVIEW INGRID KRAWARIK, DOMINIK HOJAS FOTOS STEFAN BURGHART

I

n der FMA-Zentrale in Wien ist die

frieden? - Helmut Ettl: Die österreichi­

xibilität in den Regulativen dort, wo es

Stimmung

Neo-FMA-Vor­

schen Banken können auf Reserven von

möglich ist, wie etwa bei Meldepflichten.

stand Eduard Müller kommt in blau­

39 Milliarden Euro zurückgreifen, um die

Gleichzeitig ist unser Fokus voll auf Kri­

en Sneakern zum Interview, sein Vor­

Schwierigkeiten, die jetzt in der Wirt­

senmonitoring. Wir waren von Beginn

standskollege Helmut Ettl steht mehr auf

schaft auftauchen, zu verarbeiten. Das

der Corona-Krise an mit allen CEOs der

schwarze Lederschuhe. Begrüßt wird Co­

macht die Bewältigung der Krise zumin­

großen Banken im Wochentakt telefo­

rona-gleich mit Ellbogen, guter und böser

dest zum jetzigen Zeitpunkt um einiges

nisch in sehr enger Abstimmung.

Bulle ist nicht auszumachen, denn beide

einfacher.

jovial.

Von welchen Problemen erzählen Ihnen die

lächeln um die Wette. Es ist das erste In­ terview des neuen Doppelvorstands der

Das heißt, Sie sind zufrieden? - Helmut Ettl:

Bankenchefs? - Eduard Müller: Am Anfang

Finanzmarktaufsicht (FMA), der wäh­

Zufrieden kann man nicht sagen. Wir

ging es um eine funktionierende Geld­

rend der Corona-Krise keine ruhige Mi­

beobachten das sehr genau, weil wir in

versorgung, dazwischen darüber, wie

nute hatte und täglich mit Bankenchefs

der größten Krise seit 1945 sind, wir ha­

man mit Zahlungsaufschüben umgeht.

telefonierte. Das Fazit: Die Finanzwirt­

ben so viel Arbeitslose wie noch nie und

Die Banken mit großen Beteiligungen

schaft Österreichs steht auf gesunden

1,2 Millionen Menschen in Kurzarbeit.

hatten andere Probleme auf ihrer Asset­

Pfeilern. Die Empfehlung an die Banken,

Eduard Müller: Unsere Aufgabe ist es,

die Dividende heuer ausfallen zulassen,

darauf zu achten, dass nicht ein Risiko­

wird trotzdem bis Dezember verlängert.

shift passiert und alles aus der Realwirt­

Wer nicht spurt, wird penibel befragt. Die

schaft ins Risiko der Banken wechselt.

Börsianer-Chefredaktion sprach mit den

seite als jene, die zu 100 Prozent im Re­ tailbereich tätig waren. Helmut Ettl: Für den Finanzsektor wird es darauf ankommen, wie rasch die Re­ alwirtschaft wieder auf die Füße kommt

Aufsehern über aufgeweichte Regulari­

Die FMA hat in der Corona-Krise die Regeln

und ob wir Klippeneffekte vermeiden

en bei der Kreditvergabe, den Eingriff der

für den Finanzmarkt etwas gelockert. Wie

können. Es wurde viel gestundet, es sind

Notenbanken in die Märkte und die Fol­

passt das zusammen? - Eduard Müller: Ers­

viele staatlichen Garantien wirksam,

gen von nichtbeachteten Empfehlungen.

tens hat der Finanzmarkt gelernt, Puffer

und weil diese Moratorien wirken und

aufzubauen, und zwar nicht aus Selbst­

weil sehr viel Geld gerade auch in den

Meine Herren, wie sind Sie mit der Perfor-

zweck, sondern als Vorsorge, wenn man

Privatkundenbereich hineinfließt. Dass

mance der Banken in der Corona-Krise zu-

sie braucht. Zweitens nutzen wir die Fle­

Ausfälle kommen werden, ist klar.

71


FINANZPLATZ AUFSICHT

Helmut Ettl. Seit zwölf Jahren schon bereichert der Volkswirt den FMA-Vorstand.

„Wir werden V ­ erluste, Abschreibungen und Kreditausfälle sehen.“ HELMUT ETTL

Welche Herausforderungen stehen dem Finanzsystem noch bevor? – Helmut Ettl: Wir werden Verluste, Abschreibungen und Kreditausfälle sehen. Wir sehen sie im Moment noch nicht. Die Stresstests der vergangenen Jahre sind nicht von Wirt­ schaftseinbrüchen von minus zehn Pro­ zent ausgegangen, das sind schon ge­ waltige Anforderungen und Herausfor­ Eduard Müller: Wir werden mitneh­

Helmut Ettl: Wir haben eine europä­

men, dass wir die Aufsicht der Banken

ische Aufsichtsarchitektur, die es vor

Sollten Sie bei höherem Risiko im Markt

und Versicherungen viel stärker da­

zehn Jahren in dieser Form nicht gege­

nicht genauer hinschauen? - Helmut Ettl:

tengetrieben mit Dashboards begleiten

ben hat. 2008 war es nicht so einfach,

Bei den wichtigen Sachen schauen wir

werden.

ein Short-Selling-Verbot internatio­

derungen.

nal koordiniert zu vereinbaren; das war

sehr genau hin. Die FMA hat den Banken gesagt, dass sie

diesmal sofort möglich.

Was sind die wichtigen Sachen? - Helmut

bei Krediten, für die zu 100 Prozent der

Ettl: Die Kennzahlen, die permanente

Staat bürgt, nicht so genau hingeschaut

Also von Aufsichtsseite funktioniert Euro­

Einschätzung, wie es bei großen Banken

werden muss. Verletzt das nicht die Sorg-

pa? - Helmut Ettl: Auf Aufsichtsseite

und Versicherungen aussieht. Wir ha­

faltspflicht der Banken? - Helmut Ettl:

funktioniert Europa wirklich gut. Es ist

ben de facto täglich mit den Banken und

Bei 100-prozentiger Risikoübernahme

anstrengend. Wir führen täglich zig Ab­

Versicherungen telefoniert und gefragt,

durch den Staat kann man das guten Ge­

stimmungsgespräche, aber es ist sinn­

wie schaut der operationelle Betrieb

wissens machen. Das heißt aber nicht,

voll. Es überrascht keiner den anderen,

aus, gibt es irgendwelche Covid-Anste­

dass man in der Krise mit der Messung

und es werden auch gemeinsame Be­

ckungsgeschichten, ist daraus ableitbar,

des Risikos aufhören soll. Wir müssen

schlüsse gefasst.

dass Kernfunktionen des Finanzmarkts

jederzeit wissen: Wo ist das Risiko und

gefährdet sind. Wir haben uns sofort

wie hoch ist das Risiko, damit das Risiko

Die Europäische Zentralbank greift durch

ein Dashboard aufgebaut mit den Kenn­

auch richtig gemanagt wird.

die Zinspolitik laufend in den Markt ein. Die Aufsicht hat durch das Leerverkaufsver-

zahlen, die wir permanent beleuchten. Es reicht heute nicht, dass man viertel­

Wie sind Sie mit diesem Spannungsfeld

bot auf österreichische Aktien eingegriffen.

jährlich eine Liquiditätsmeldung abgibt,

zwischen Regulierung und Kulanz umge-

Wieso lässt man den Markt sich nicht selbst

das haben wir taggleich.

gangen? - Eduard Müller: Wir sind nicht

regulieren? - Eduard Müller: Das ist eine

allein in dieser Krisensituation. Die

grundsatzphilosophische

Bleiben diese Veränderungen in der Be-

Diskussion, die wir in Österreich hat­

haben uns für das Verbot entschieden,

richtspflicht und in der Flexibilität? - Hel-

ten, hatten wir international in Gremi­

zum Schutz der Anleger, zur Sicherstel­

mut Ettl: Jetzt sind wir mitten in der Kri­

en auch, und so haben sich die Flexibi­

lung der Marktinte­grität und zum Woh­

se. Wie es nach der Krise ausschauen

litäten und die Erleichterungen auch in

le der Finanzmarktstabilität. Analysen

wird, werden wir nach der Krise beur­

einem europäischen Gleichklang entwi­

zeigen, dass es notwendig und richtig,

teilen müssen.

ckelt.

von der Dauer her angemessen war und

72

Frage.

Wir


FINANZPLATZ AUFSICHT

Eduard Müller. Zuerst Finanzminister unter der Übergangsregierung, von Brigitte Bierlein, jetzt FMA-Vorstand.

„Nichtausgeschüt­tete Dividenden sind ein z ­ usätzlicher Puffer.“ EDUARD MÜLLER

ko Rates ESRB, dass Dividenden bis De­ zember 2020 nicht ausgezahlt werden. Wir werden uns in den nächsten Sitzun­ gen darüber unterhalten. Wichtig ist, dies europäisch koordiniert, einheitlich und nicht national abzustimmen. Was ist die Konsequenz, wenn eine Bank oder Versicherung der Empfehlung nicht gewirkt hat, weil wir überproportional zu

Die FMA hat den Banken empfohlen, heu-

folgt? - Helmut Ettl: Dann wird man von

vergleichbaren Börsen betroffen waren.

er keine Dividende zu zahlen, das wäre

der Aufsicht entsprechend befragt wer­

2008 musste das Leerverkaufsverbot erst

eine unverantwortliche Ausschüttungs-

den, warum man der Empfehlung nicht

mühsam erarbeitet werden, die europä­

politik. Einige Banken wie die RBI und

nachkommt.

ische Abstimmung war schwierig. Da­

die Erste Group wollen Dividende zahlen.

mals hat man den europäischen Regu­

Sind die jetzt unverantwortlich? - Eduard

Wird man dann „gedisst“? - Helmut Ettl:

lierungsrahmen schmerzlich vermisst.

Müller: Eigenkapitalpuffer sind wich­

Ich glaube, eine funktionierende Auf­

tig. Eine nichtausgeschüttete Dividende

sicht, die auch eine gewisse Reputati­

Ist die große Aufsichtsreform endgültig vom

ist nichts anderes als ein weiterer Puf­

on hat, von der wird eine Empfehlung

Tisch? - Eduard Müller: Die große Auf­

fer. Das sind 1,8 Milliarden, bei Versi­

nicht einfach auf die Seite geschoben.

sichtsreform ist eine politische Sache.

cherungen kommt noch eine Milliarde

Die Vorstandschefs sagen uns: Wir se­

Was wir aber gemacht haben, ist ein Me­

dazu.

hen das völlig ein, dass wir Reserven

morandum of Understanding mit der

in einer solchen Zeit aufbauen sollen.

Oester­reichischen Nationalbank (OeNB).

Gerade vorhin meinten Sie, die Banken ha-

Wichtig für uns ist, dass das alle ma­

Dinge, die als verbesserungsfähig iden­

ben mit 39 Milliarden Euro genügend Puf-

chen und wir dafür nicht abgestraft

tifiziert wurden, sind umgesetzt. Die Zu­

fer. - Eduard Müller: Es ist ein zusätz­

werden.

sammenarbeit mit der Nationalbank wird

licher Puffer. Keiner weiß, wie lange die

auf einem neuen Level intensiver, besser

Krise dauert, deshalb gibt es die dring­

Wenn trotzdem gezahlt wird, stehen Sie

und abgestimmter wahrgenommen.

liche Empfehlung, entweder ganz zu

dann am nächsten Tag auf der Matte? -

verzichten oder mit der Entscheidung

Eduard Müller: Bis jetzt hat unsere Über­

Auch weil die Persönlichkeiten ande-

zumindest einmal bis Oktober 2020 zu­

zeugungskraft gereicht.

re sind? - Eduard Müller: Das mag auch

zuwarten. Auf jeden Fall ein sympathischer Einstieg

mitspielen. Wenn ich mir die HV-Beschlüsse wie etwa

ins Amt, Herr Müller. - Eduard Müller: Ja

Was ist mit den Doppelgleisigkeiten zwi-

der 3-Banken-Gruppe anschaue, dann

genau!

schen FMA und OeNB, die der Rechnungs-

hält sich die eine oder andere Bank doch

Helmut Ettl: Man muss schon sagen,

hofbericht anspricht. Gibt es da Gespräche?

ein Fenster offen und will zahlen. - Hel-

der Herr Müller hat nicht die 100 Tage

- Helmut Ettl: Wir sind in Kontakt mit

mut Ettl: Wir sind gerade in der Phase

Einstieg ins Amt bekommen.

der Notenbank, wie wir damit umgehen

der Neuevaluierung. Es gibt die Emp­

werden.

fehlung des Europäischen Systemrisi­

73

Eduard Müller: Durch Covid war das tatsächlich eine steile Lernkurve. n


#BUDGETLOCH

WER ZAHLT DIE ZECHE? 74

© DRAGAN TATIC

Corona-Hilfe. Bundeskanzler Sebastian Kurz hat ­insgesamt 50 Milliarden Euro als Hilfs­paket für die Wirtschaft ­bereitgestellt.


FINANZPLATZ WIRTSCHAFT

Die Corona-Krise reißt ein Loch in die Staatsfinanzen. Aber wie ist die Lücke zu schließen? Und droht ein Konflikt zwischen Alt und Jung? Börsianer beschreibt, was führende Wirtschafts­forscher empfehlen und wo man an Grenzen stößt. TEXT ROBERT WINTER

„Umgang mit ­Verteilungskonflikten ist politische ­Gratwanderung.“

„FTT sinnvoll, aber nur auf internationaler Ebene.“ CHRISTOPH BADELT

M

MARTIN KOCHER

odernes Wirtschaften basiert

so hoch wie sie für das Gesamtjahr 2020

Dass die Schulden jahrelang auf ei­

auf Wachstum. Manchmal –

pro­gnostiziert. Stellt sich die Frage, wie

nem höheren Niveau verharren wer­

siehe Klimawandel - sogar

die Staatsfinanzen über kurz oder lang

den, meint auch Ludwig Strohner, Lei­

um einen hohen Preis. Angesichts des

wieder in den Griff zu bekommen sind

ter des Forschungsbereichs Öffentliche

ökonomischen Schocks, den die Coro­

und wer für den Corona-bedingten Wirt­

Finanzen des Wirtschaftsforschungsin­

na-Pandemie ausgelöst hat, muss man

schaftseinbruch die Zeche zahlen wird.

stituts Eco Austria: „Es wird eine Lücke

den Wunsch nach einer prosperieren­

bleiben. Der Schuldenstand wird mittel­

den Wirtschaftsentwicklung auf die lan­

Reparatur bis 2030?

fristig deutlich höher ausfallen. Mit gut

ge Bank schieben. Statt BIP-Wachstum

Geht es nach führenden heimischen

dosierten ausgabenseitigen Konsolidie­

und Wohlstand geht es jetzt um Scha­

Wirtschaftsforschern, wird auf dem

rungen kann die Verschuldung bis 2030

densbegrenzung. Es gilt, den ökonomi­

Weg zu einer Trendwende Zeit ein sehr

reduziert werden.“ Einen wichtigen Bei­

schen Absturz einzudämmen und gesell­

wertvolles Gut sein. Anders gesagt: Eine

trag zu einer Konsolidierung kann laut

schaftliche sowie soziale Konflikte hint­

schnelle Lösung samt Patentrezepten

Hanno Lorenz, einem wissenschaftli­

anzuhalten. Davon war bis vor Ausbruch

gibt es nicht. Christoph Badelt, Leiter

chen Mitarbeiter der Denkfabrik Agenda

der Krise keine Rede. 2019 erreichte das

des Österreichischen Instituts für Wirt­

Austria, eine Schuldenbremse leisten.

österreichische

Bruttoinlandsprodukt

schaftsforschung (Wifo): „Die Schulden

Lorenz: „Es besteht zwar die Möglich­

398,5 Milliarden Euro, die Staatsschul­

können nur langsam abgebaut werden.

keit, dass in einem, zwei oder drei Jah­

den beliefen sich auf 280,4 Milliarden

Vor der Corona-Krise ist das auch schon

ren das wirtschaftliche Niveau von 2019

Euro. Er gab unterm Strich eine Staats­

gelungen. Sollte die Konjunktur wieder

erreicht wird. Dennoch muss man aus

schuldenquote von 70,4 Prozent.

anspringen, können höhere Einnahmen

den Schulden hinauswachsen. Eine Aus­

Angesichts des österreichischen Co­

für Abhilfe sorgen. Es besteht aber die

gabenbremse, wie sie etwa in Schwe­

rona-Hilfspakets, das Mitte Juni 2020

Gefahr, dass das nicht reichen wird.“ Ins

den zur Anwendung kommt, ist ein gu­

auf rund 50 Milliarden Euro erweitert

gleiche Horn stößt Martin Kocher, Di­

ter Ansatz.“ Wie lange es jedoch dauern

wurde, wird die Staatsschuldenquote per

rektor des Instituts für Höhere Studien

wird, bis die Vorgaben der Maastricht-

Ende des Jahres um 20 Prozentpunk­

(IHS): „Derzeit ist es schwer zu beurtei­

Kriterien wieder erreicht werden kön­

te höher ausfallen als Ende 2019 und auf

len, wie groß die Belastungen in Summe

nen, bleibt laut dem Experten ungewiss.

rund 90 Prozent der Wirtschaftsleistung

sein werden. Die Verschuldung steigt im

IHS-Direktor Kocher ortet die Gefahr,

steigen. Wenn es so kommt, wird ein

laufenden Jahr, und auch in den nächs­

dass bei den staatlichen Förderungen

neuer Rekord aufgestellt. Laut Auswer­

ten Jahren werden die Wachstumsra­

und Maßnahmen, die für wirtschaftli­

tungen der Statistik Austria, die bis 1970

ten nicht ausreichend hoch sein, um

che Stimulierung sorgen sollen, bei den

zurückreichen, war die Relation zwi­

die Situation zu bereinigen. Bleibt nur

Empfängern ein Gewöhnungseffekt ein­

schen Wirtschaftsleistung und Schulden

die Möglichkeit, die Schulden über Jahre

tritt. Das ist ein gefährliches Spiel. Das

in den vergangenen 50 Jahren noch nie

hinweg abzutragen.“

zeigte sich etwa bei der Entwicklung in

75


© LAND OÖ / MAYRHOFER

FINANZPLATZ WIRTSCHAFT

Landesfürstin und Landesfürsten. Wie viel zahlt der Bund, wie viel müssen die Länder aufbringen? Das Feilschen um die Hilfsgelder läuft.

Schweden bis Mitte der 1990er-Jahre. Bis

wäre kontraproduktiv, der Konsum wür­

der Babyboomer in den nächsten Jahren

dahin hatte das nordische Land auf das

de ebenso sinken wie die Investitionen.“

in Pension gehen, weshalb die Anzahl po­ tenzieller Beitragszahler abnimmt. Laut

Modell des Wohlfahrtsstaats gesetzt, die Staatschulden waren ebenso nach oben

Jung gegen Alt

dem kürzlich erstmals erstellten „Allianz

geschnellt wie steuerliche Belastungen.

Die Krise hat jüngere Menschen wirt­

Global Pension Report“ ist Österreichs

Für Reiche lag der Spitzensteuersatz bei

schaftlich stärker getroffen als ältere.

Pensionssystem aber nur wenig auf die

85 Prozent.

Laut Agenda Austria fiel der Anstieg der

geänderten Bedingungen vorbereitet.

So weit wird es in Österreich nicht

Arbeitslosigkeit von unter 25-Jährigen

Diese Entwicklungen sorgen für Ner­

kommen. Geht es nach den von Börsianer

zwischen Februar und April 2020 mehr

vosität, ist es doch sehr wahrscheinlich,

befragten Wirtschaftsforschern, droht in

als doppelt so stark aus wie jener der über

dass letztlich die aktuell noch zu den Jun­

Österreich kein Szenario mit noch hö­

50-Jährigen. Laut AMS stieg die Arbeits­

gen zählende Gesellschaftsschicht den

heren Belastungen für Private oder Un­

losigkeit unter Personen mit Lehrausbil­

Löwenanteil zur Bewältigung der Kri­

ternehmen. Eco-Austria-Experte Stroh­

dung auch im Mai gegenüber dem Vor­

se stemmen muss. IHS-Direktor Kocher:

ner: „Neue Steuern würden das Wachs­

jahr besonders stark an. Erschwerend ist,

„Verteilungskonflikte zwischen Alt und

tum hemmen und die Standortqualität

dass sich viele Unternehmen zieren, neue

Jung sind möglich. Der Umgang damit ist

Österreichs schwächen.“ Dem pflichtet

Lehrlinge zu beschäftigen. Dazu kommt,

eine politische Gratwanderung, der Be­

IHS-Leiter Kocher bei: „Die österreichi­

dass die Kosten für Gesundheitsausga­

darf an offenen und transparenten Dis­

sche Steuerquote ist im internationalen

ben und Pflege weiter steigen, weil die

kussionen steigt. Man muss die Zielkon­

Vergleich hoch. Einen weiteren Anstieg

demografische Entwicklung in Richtung

flikte ansprechen und darf die Alten nicht

würde ich als sehr kritisch einstufen.“

Überalterung und eines geringeren An­

gegen die Jungen ausspielen.“ Eine Maß­

Ein Drehen an der Steuerschraube wäre

teils Junger geht. Auch die Finanzierung

nahme zur Entlastung der Jungen könn­

auch für Agenda-Austria-Experte Lorenz

der Pensionen sorgt für Ungemach, wer­

te in Solidarbeiträgen Älterer oder jener

die falsche Entscheidung. Lorenz: „Das

den doch die geburtenstarken Jahrgänge

Gesellschaftsschichten zu finden sein,

76


FINANZPLATZ WIRTSCHAFT

Anpassungen sind schwierig und haben

„Neue Steuern ­würden Wachstum ­hemmen.“

eher politische Bedeutung.“ Zusätzlich

„Ausgabenbremse wie in Schweden ist guter Ansatz.“

lastet weiterhin Druck auf dem Pensions­ system. Agenda-Austria-Experte Lorenz: „Eine Reform ist nötig, aber kurzfristig schwer umzusetzen. Dagegen kann man

LUDWIG STROHNER

im Pflegebereich noch gegensteuern.“

HANNO LORENZ

die von der Krise wenig oder gar nicht be­

Eat the Rich

che gilt für die Besteuerung internatio­

troffen sind. Das traf laut Agenda Austria

Die Corona-Krise hat auch ein ande­

naler Großkonzerne, die ihre Gewinne

etwa auf im staatlichen oder teilstaatli­

res heikles Thema wieder aufs Tapet ge­

verschieben. Badelt: „Eine Besteuerung

chen Bereichen Beschäftigte zu, von de­

bracht. IHS-Direktor Kocher: „Die Dis­

wird mit Recht verlangt. Nachdem je­

nen per Mitte Mai nur 18 Prozent in Kurz­

kussion um die Einführung einer Ver­

doch einige EU-Länder involviert sind,

arbeit waren. Dagegen kamen 82 Prozent

mögens- oder Erbschaftssteuer wird

ist eine Umsetzung nicht machbar.“

der Menschen in Kurzarbeit aus dem Pri­

wieder stärker. Ob damit große Einnah­

vatsektor.

menströme zu erzielen wären, bleibt

Viele Milliarden

die

fraglich.“ Dem pflichtet Eco-Austria-

Dem kann auch Eco-Austria-Experte

durchschnittliche Pension von Beamten

Experte Strohner bei: „Wer an eine Ver­

Strohner viel abgewinnen. Strohner: „Die

in Österreich mit monatlich 3.100 Euro

mögens- oder Erbschaftssteuer denkt,

Konsolidierung sollte ausgabenseitig er­

deutlich über der ASVG-Pension, die im

darf nicht mit Unsummen an Einnah­

folgen. Diesbezügliche Maßnahmen wir­

Schnitt rund 1.200 Euro beträgt. An der

men rechnen. Besonders wichtig sind

ken dauerhafter als einnahmenseitige.

Spitze der Pensionsbezieher stehen jene,

Vermögen von Unternehmen samt de­

In den Bereichen Gesundheit, Bildung,

die in Unternehmen werkten, die im öf­

ren Eigenkapital. Riskante Investitionen

Förderungen und Kinderbetreuung ste­

fentlichen Eigentum stehen. Angesichts

in den Bereichen Forschung und Ent­

cken erhebliche Verbesserungspotenzi­

der

Laut

Finanzministerium

liegt

Pensionsunterschie­

wicklung werden verstärkt mit Eigen­

ale. Die Leistungen lassen sich mit glei­

de werden wieder Rufe laut, Besserver­

kapital finanziert. Deshalb soll man die

chen Ausgaben verbessern oder mit ge­

diener unter Beamten oder Pensionis­

Bevorzugung von Fremd- gegenüber Ei­

ringeren Ausgaben auf gleichem Niveau

ten in die Pflicht zu nehmen und Jüngere

genkapital nicht noch weiter erhöhen.“

halten.“ Dass Veränderungen auch dabei

mit freiwerdenden Geldern zu unterstüt­

Besser wäre laut Wifo-Chef Badelt die

nicht über Nacht möglich sind, liegt auf

zen. Dass das eher unwahrscheinlich ist,

Einführung einer Finanztransaktions­

der Hand. Strohner: „Bezüglich den Ef­

meint ­Wifo-Chef Badelt: „Bei sogenann­

steuer: „Eine solche Steuer wäre ökono­

fizienzverbesserungen wäre ein Gesamt­

ten Luxuspensionen sind die Zusagen

misch sehr sinnvoll, ist aber nur auf in­

paket und eine Staatsreform nötig. Aber

einzelvertraglich zugesichert. Rechtliche

ternationaler Ebene möglich.“ Das Glei­

das braucht seine Zeit.“ n

erheblichen

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ZURÜCK AM PLATZ 78

© BAWAG

Normal ist anders. So hell erleuchtet wie vor Corona ist es bei der Bawag Group AG noch nicht: Mitarbeiter ohne Kundenkontakt müssen weiterhin im Homeoffice bleiben. Das wirft Fragen der Kosten und der ­Ausstattung auf.


FINANZPLATZ KARRIERE

Es kommt wieder so etwas wie Normalität in die Büros der Finanz- und Wirtschaftsbranche zurück. Der Börsianer hat Personalverantwortliche und Vermittler gefragt, wie das Arbeiten und Anwerben in Zeiten der Pandemie aussieht und wie man jetzt erfolgreich Karriere macht. TEXT THOMAS MÜLLER

F

ast zwei Monate hat der Ausnah­ mezustand gedauert, im Mai 2020 war es dann so weit: Die Wohnung

durfte wieder ohne triftigen Grund ver­ lassen werden, alle Geschäfte durften unter Sicherheitsauflagen aufsperren, die Gastronomie kam wenig später an

„Es braucht ­klare Spielregeln für ­höhere Besprechungsfrequenz.“

Nun sind auch sie unerwartet mit ei­ nem Paradigmenwechsel in der Arbeits­ welt konfrontiert. „Das Homeoffice hat auch in Bereichen gut funktioniert, wo es zuvor als unmöglich galt“, sagt Uni­ qa-Zentralbetriebsrat Peter Gattinger. Deshalb sei es auch kein Problem, wenn

PETER GATTINGER

einige Kollegen lieber weiterhin zu Hau­

die Reihe. Doch für viele Wirte folgte die Ernüchterung auf dem Fuß. „Wir haben

frastruktur und unsere Prozesse auch in

se arbeiten, etwa weil Familienangehö­

nur zehn Prozent unseres üblichen Um­

dieser Krise gut in der Lage sind, unse­

rige zu einer Risikogruppe gehören.

satzes“, sagte die Betreiberin des Mit­

re Aufgaben zu erfüllen“, resümiert Ka­

tagslokals Soul Kitchen im dritten Wie­

peller die vergangenen Monate.

„Das Homeoffice führt aber auch zu einer noch höheren Besprechungsfre­

ner Bezirk zum ORF-Radio. „Wenn das

Bei der Uniqa Österreich Versiche­

quenz und in der Folge zu noch weni­

so weitergeht, müssen wir wieder zu­

rungen AG ist seit Mitte Mai ein Teil der

ger Pausen“, gibt Gattinger zu beden­

sperren.“ Das Lokal lebt von den Büro­

Mitarbeiter wieder an ihren Standorten

ken. „Dieser Entwicklung muss man

türmen der Umgebung, aber diese blie­

im Einsatz, aber Meetings werden wei­

mit klaren Spielregeln begegnen und ei­

ben auch im Mai noch weitgehend leer

terhin ausschließlich elektronisch ab­

nen Rahmen im Sinne der Gesundheit,

und die potenziellen Mittagsesser im

gehalten. „Seit 2. Juni ist auch unser

Work-Life-Balance und der Arbeitseffi­

Homeoffice.

Außendienst unter Einhaltung der vor­

zienz setzen. Der Wegfall des persönli­

gegebenen Sicherheitsmaßnahmen vor

chen Kundenkontakts ist zudem mit ei­

Veränderte Arbeitsprozesse

Ort im Einsatz“, sagt Rene Knapp, als

nem Geschäftseinbruch verbunden ge­

Die Büros des Landes füllen sich jetzt

Vorstand zuständig für Human Resour­

wesen.“ Und noch ein Punkt beschäf­

langsam wieder, aber die Unternehmen

ces. In einigen Bereichen wie IT, Secu­

tigt den Betriebsrat: Derzeit laufen Ver­

gehen mit dem Neustart unterschied­

rity und Personalmanagement habe die

handlungen zwischen Betriebsrat und

lich um. Bei der Bawag Group AG etwa

Pandemie zu einer Mehrbelastung der

Unternehmensleitung darüber, welche

gilt für alle Mitarbeiter ohne Kunden­

Mitarbeiter geführt.

Ausstattung für das Homeoffice künftig

kontakt weiterhin „Homeoffice First“.

vom Arbeitgeber gestellt oder bezahlt

Die Bankfilialen waren ohnehin nie ge­

Homeoffice kommt gut an

schlossen, mit den Geschäftskunden

Überwiegend positiv sei das Thema

Hier zeigt sich auch, dass das Arbei­

werde aber vor allem online und tele­

Homeoffice gesehen worden. „Wir ar­

ten zu Hause noch rechtliches Neuland

fonisch kommuniziert, so Tamara Ka­

beiten daher daran, das mobile Arbeiten

ist. Das Arbeitsrecht schreibt zwar vor,

peller, Bereichsleiterin für Human Re­

weiter auszudehnen. Auch wollen wir

dass der Arbeitgeber die Arbeitsmittel

sources. Beratungsgespräche vor Ort zu

in Zukunft nicht unbedingt notwendi­

bereitzustellen hat, aber der Gesetzge­

vereinbaren sei aber wieder möglich. Ob

ge physische Meetings online abhalten,

ber ist hier von einem traditionellen Ar­

sich langfristig über die Pandemie hin­

um hier den positiven Effekt von ver­

beitsplatz mit Infrastruktur im Betrieb

aus die Arbeitsprozesse ändern werden,

meidbaren Geschäftsreisen zu nutzen“,

ausgegangen. Was über den gängigen

könne noch nicht gesagt werden. „Was

kündigt Knapp an. Eine wesentliche

Laptop und das Diensthandy hinausge­

wir aus dem Lockdown mitnehmen, ist,

Rolle als Krisenmanager haben in den

gangen ist, musste gesondert vereinbart

dass wir durch unsere technische In­

Unternehmen die Betriebsräte gespielt.

werden, wenn Heimarbeiter ihre Kosten

79

werden muss.


FINANZPLATZ KARRIERE

Lehren aus ­Corona. Einige Erste-GroupMitarbeiter fanden das Arbeiten im Homeoffice pro­ duktiver, andere sind froh, wieder im Büro zu sein.

„Trotz Corona Neumandatierungen bei Top-Executives.“ MICHAEL SCHAUMANN

ersetzt haben wollten. Wie eine Erhe­ bung des Instituts für empirische Sozi­ alforschung (Ifes) aus dem April ergab, bekamen 66 Prozent der Angestellten © ERSTE BANK / CHRISTIAN WIND

zumindest den Laptop und 56 Prozent das Diensthandy gestellt. Immerhin 38 Prozent haben vom Dienstgeber einen Monitor bekommen, nur 13 Prozent be­ kamen einen Drucker gestellt.

„Das war nicht einfach“ Bei Produktionsbetrieben wie etwa dem Kartonagenherstel­ ler Mayr-Melnhof Karton AG war die Situation etwas an­ ders gelagert, berichtet Ma­ rion Szeiler, Head of Human

97 PROZENT

„Ausgangspunkt und wichtigsten

der Top-Management-Positionen in Österreich erhalten einen leistungsbezogenen Anteil in ihrer Vergütung. Das Gehalt von Führungskräften stieg 2020 laut einer Kienbaum-Studie im Schnitt um drei Prozent. Das höchste Plus mit fünf Prozent erhielt die Teamleiterebene.

Parame­

ter für die Verhand­ lungen der Versiche­ rungsbranche“,

fügt

Resources: „Die wesentlichen

aber hinzu: „Jedoch

Schwierigkeiten

bei

werden gerade für un­

Mayr-Melnhof in den Werken

sere Wirtschaft Real­

waren

lohnerhöhungen

mit Durchlaufbetrieb. Wäh­

als

rend alle anderen sicher im Homeof­

xibilität. Andere möchten aus bestimm­

wesentlicher Faktor der Kaufkrafter­

fice waren, mussten die ‚Systemerhal­

ten Gründen grundsätzlich gar nicht

haltung notwendig und wichtig sein.“

ter‘ produzieren und mit entsprechen­

oder jedenfalls nicht dauerhaft zu Hau­

Krisenbedingte

den Sicherheits- und Hygienemaßnah­

se arbeiten.“ Auch im Filialbereich habe

sich die Arbeitgeberseite also nicht er­

men unter psychisch wie physisch er­

man gesehen, dass sich vieles von zu

warten können.

schwerten Bedingungen arbeiten. Das

Hause sehr gut erledigen lässt und vie­

war nicht einfach.“ Im Headquarter

le Kunden das Angebot der Remote-Be­

Headhunter jagten munter weiter

wird seit Mai ein „Reboarding“ in Stu­

ratung gern in Anspruch genommen ha­

Die größte Wirtschaftskrise seit 1945

fen umgesetzt, im Juli werde die Situa­

ben. Für den Sommer ist eine konzern­

ist vielleicht nicht der naheliegends­

tion neu bewertet. Welche Änderungen

weite wissenschaftlich fundierte Umfra­

te Zeitpunkt, um sich Gedanken über

sich langfristig etablieren könnten, hat

ge bei der Erste Group Bank AG geplant.

das berufliche Fortkommen zu machen.

Bescheidenheit

wird

Verschlechterungen bei den nächs­

Aufstrebende Unternehmen, die Ver­

ten Kollektivvertragsverhandlungen im

stärkung suchen, wird man unter die­

Die Meinungen der Mitarbeiter abge­

ersten Quartal 2021 erwartet die Erste-

sen Voraussetzungen eher nicht finden,

fragt hat auch der Betriebsrat der Erste

Betriebsrätin nicht. Sie zählt auch die

und wer nicht gezwungen ist, sich „be­

Bank Österreich AG. Die Rückmeldun­

Mitarbeiter im Finanzbereich zu den

ruflich zu verändern“, kann sich durch­

gen waren ambivalent, weiß Betriebs­

„Systemerhaltern“. „Die Rahmenbe­

aus glücklich schätzen. Oder ist es ge­

ratsvorsitzende Ilse Fetik: „Ein Teil der

dingungen sind mit dem Krisenjahr

rade die Krise, die alles infrage stellt?

Mitarbeiter wünscht sich auch nach der

2009 nicht vergleichbar, die Banken

Im März waren auf einmal die üblichen

Krise verstärktes Homeoffice, sie schät­

haben eine gute Eigenkapitalbasis“,

Meetings

zen den Wegfall der Fahrzeiten, höhere

sagt Fetik. Uniqa-Betriebsrat Gattin­

wurden gestrichen, die Roadshows und

Produktivität, mehr Ruhe und mehr Fle­

ger sieht den Verbraucherpreisindex als

After-Work-Veranstaltungen

man mit einer Mitarbeiterumfrage er­ hoben, die derzeit evaluiert werde.

80

obsolet,

alle

Dienstreisen wurden


FINANZPLATZ KARRIERE

„Wollen das ­mobile Arbeiten weiter ­ausdehnen.“

„Psychisch und physisch erschwerte Bedingungen.“

„Führung wird in Zukunft bedeuten, Raum zu geben.“

RENE KNAPP

MARION SZEILER

OTHMAR HILL

abgesagt. Die unfreiwillige Entschleu­

alle Aufträge wurden gestoppt oder ge­

durchgeführt, aber das Onboarding auf

nigung in den eigenen vier Wänden war

cancelt, außer in Russland“, sagt Oth­

ein Minimum beschränkt und auf ei­

auch ein Zeitfenster, um die bisheri­

mar Hill, Präsident des Personalver­

nen Zeitpunkt nach dem Lockdown ver­

gen Karrierepläne zu überdenken, au­

mittlers Hill International. Weniger ge­

schoben. Ähnlich verfahren wurde bei

ßer man gehörte zu den gestressten

fragt seien in Zukunft klassische Füh­

der Mayr-Melnhof Karton AG, wo die

Berufsgruppen wie Steuerberater oder

rungsfunktionen der ersten und zweiten

online eingestellten Mitarbeiter erst mit

Gesundheitsminister. An den Mög­

Ebene, die durch „agiles“ Management

der Rückkehr ins Büro so richtig starten

lichkeiten musste es auch während der

und abwesende Mitarbeiter an Bedeu­

konnten. Die Uniqa Österreich Versi­

strengen Pandemie-Maßnahmen nicht

tung verlieren, schätzt Hill: „Führung

cherungen AG schließlich ließ sich von

scheitern, zumindest was die Manage­

wird nicht mehr bedeuten, dominant

den Viren nicht beeindrucken und wi­

mentebene betrifft.

Raum einzunehmen, sondern Raum zu

ckelte sowohl das Recruiting als auch

„Auf der Top-Ebene ist das Recruiting

geben und Spannung zu halten, wie das

das Onboarding digital ab. „Wir haben

munter weitergelaufen, als gäbe es kein

im IT-Bereich etwa durch ‚Scrum Mas­

im März und April weder Personalsu­

Corona, natürlich alles online“, weiß

ters‘, eine Art Team-Trainer, geschieht.“

chen noch Einstellungen ausgesetzt“, sagt HR-Vorstand Rene Knapp.

Michael Schaumann, Headhunter und Managing Partner bei Stanton Chase.

Boom und Kompetenzen

„Die persönlichen Letztgespräche ha­

Eine Umfrage unter seinen Kunden

Personalabbau

ben dann immer im kleinen Rahmen

zeige aber, dass nun die Personalsu­

Die große Frage ist, wie die Unterneh­

stattgefunden. Es ist auch trotz Coro­

che wieder anläuft. „In manchen Bran­

men mit dem Auslaufen der Kurzarbeit

na zu Neumandatierungen gekommen,

chen wie Pharma oder Umwelttechno­

umgehen werden. Die Finanzbranche

weil ja auf der Ebene der Top-Executives

logie erwarten wir sogar einen Boom.“

wird das weniger betreffen als die Bau­

auch trotz Krisen immer besetzt werden

Besonders gefragt seien Kompetenzen

branche oder die Produktion, aber eine

muss.“ Mehr denn je gefragt seien Ma­

im Bereich IT und Produktionstech­

Umfrage der Personalberater von Kien­

nager, die über eine hohe Gelassenheit

nik. „Und immer SAP-Consultants. Al­

baum Wien lässt allgemein nichts Gutes

verfügen und durch natürliches Cha­

les schwer zu finden, außer im Ausland.

erahnen. Ein Viertel der Unternehmen

risma in Krisen gut führen können. In

Die können auch in Krisenzeiten sehr

mit mehr als 500 Mitarbeitenden gab

Sachen Vorstandsboni seien gute Vor­

hohe Gehaltsforderungen stellen“, so

dabei an, künftig Personal abbauen zu

bilder gefragt: „Man kann nicht seine

Hill. Ein Dauerbrenner seien außerdem

wollen. Bei Unternehmen mit weniger

Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit oder

Positionen

Verkaufsanforderun­

als 50 Mitarbeiter waren es zwölf Pro­

in die Kurzarbeit schicken und das Ma­

gen. Generell sei jetzt aber keine gute

zent. Die Höhe der Vergütung oder de­

nagement ‚gönnt‘ sich weiter großzügi­

Zeit, um mehr Gehalt zu fordern. Wich­

ren Struktur ist hingegen bei den aller­

ge Boni. Das ist nicht sehr elegant.“

tiger sei es ohnehin, den Mitarbeiterin­

meisten Unternehmen kein großes The­

mit

Die Bereitschaft für einen Wechsel

nen und Mitarbeitern eine nachhaltige

ma. Nur elf Prozent wollen ihre Bonus­

sei bei den Vorständen jedenfalls gestie­

Zukunftsvi­sion zu geben. „Die Unter­

systeme überdenken. „Ich denke, dass

gen, beobachtet Schaumann: „Das liegt

nehmen müssen sonst fürchten, in die­

sich bei Vorstandsvergütungen im fixen

daran, dass in der Krise auch systemi­

ser Zeit Kompetenz- oder Leistungsträ­

Gehaltsbereich nichts ändern wird“,

sche und kulturelle Fehler der Unterneh­

ger zu verlieren“, meint Hill.

glaubt auch Headhunter Schaumann.

men stark zum Vorschein kommen. Etwa

In den befragten Unternehmen ha­

„Genauso wenig wird man die variablen

beim Umgang miteinander oder beim

ben die Personaler beim Recruiting in

Gehaltsbestandteile verändern, son­

Führungsverhalten in der Krise.“

den vergangenen Monaten verschie­

dern auf die Selbstregulierung abzie­

Auf anderen Ebenen lief es offenbar

dene Zugänge gewählt. Bei der Bawag

len.“ Bei rückläufigen Umsätzen heißt

nicht so locker weiter. „Während der

Group AG wurden die Bewerbungs­

es dann auch für die Chefetage den Gür­

Krise war Recruiting kein Thema, fast

gespräche zwar weiterhin per Video

tel enger schnallen. n

81


SEITENBLICKE POLITIK

BANKEN ALS POLITISCHE Als kritische Infrastruktureinrichtung waren die Banken von Anbeginn der Krise gefragt.

Peter Haubner Wirtschaftssprecher ÖVP

Der Börsianer hat bei den Parlamentsparteien nachgefragt, wie sie die aktuelle Rolle des Finanzmarkts einschätzen und das ­Budgetdefizit wieder ausgleichen wollen.

Wie haben die österreichischen Banken Ihrer Meinung nach in der Krise reagiert? – Es wurden seit Beginn der Krise zahlreiche Maßnahmen gesetzt, um die Kreditvergabe für Unternehmen

TEXT PAUL TRAUTENDORFER

W

zu erleichtern. Das reicht vom gesetzlichen Kreditmoratori­ um bis zu den 100-Prozent-Garantien. Hier sind die Banken

ährend Supermärkte zu den Helden der Krise avan­

ein wichtiger und verlässlicher Partner. In mehreren Gesprä­

cierten, konnten die österreichischen Banken ihr

chen wurde festgehalten, dass der Bankensektor bei der Kre­

schlechtes Image trotz Vergabe liquider Mittel in

ditvergabe größtmögliche Kulanz und Flexibilität zeigen wird.

Milliardenhöhe kaum aufbessern (Kommentar Seite 15). Allein

Nach anfänglichen Problemen ist die Kreditvergabe zuletzt

bis Ende Mai wurden zusätzliche 28 Milliarden Euro an öster­

deutlich angestiegen. Das hilft unseren Betrieben.

reichische Unternehmen vergeben, darüber hinaus wurden frei­ willige 194.000 Stundungen bei Kreditzahlungen vorgenommen.

Muss an den Regularien für Banken etwas geändert werden? –

Dennoch sehen sich Bankenvorstände seit Anbeginn der Krise

Zeiten der Krise dürfen nicht Zeiten der Bürokratie sein. Es

mit der Kritik, die Auszahlung der Gelder gehe zu langsam vo­

braucht Kulanz und Flexibilität. Es wurden daher auch regu­

ran, konfrontiert. Die Kritik teilen mit den betroffenen Unter­

latorische Erleichterungen für Banken geschaffen, damit die

nehmern auch die Oppositionsparteien, wobei die FPÖ die Vor­

Kreditvergabe erleichtert wird. Es konnte etwa in den Ver­

gangsweise der Banken als realitätsfern bezeichnet. Die Grünen

handlungen mit der Finanzmarktaufsicht erreicht werden,

sehen es besonders positiv, dass Hausbanken für den Corona-

dass bei bestehenden Kreditkunden eine vereinfachte Boni­

Hilfsfonds zur Verfügung stehen. SPÖ und Neos sind der Mei­

tätsprüfung ausreicht. Ebenso wurden die vor allem aufgrund

nung, das Problem der Banken und der schleppenden Auszah­

europäischer Regulierungen notwendigen Garantieerforder­

lung der Gelder vor allem in den Bankregularien mit Basel III ge­

nisse neu gehandhabt. Statt einer verpflichtenden Prüfung

funden zu haben. Die SPÖ fordert gleich ein Zurückrudern zu den

durch die Banken braucht es eine eidesstattliche Erklärung

nach dem Zweiten Weltkrieg in Kraft gewesenen Regularien.

des Unternehmers für die Erfüllung der Garantieerforder­ nisse, und es wird erst nachträglich von den Steuerbehörden

Dass aber nicht nur die Banken, sondern auch der Staat

überprüft.

selbst hinsichtlich Finanzierungen weiterhin besonders ge­ fragt sein wird, lässt sich aus dem von der OECD prognostizier­ ten Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um 6,2 Prozent für

Welche Ideen haben Sie, das durch die Corona-Krise entstandene

2020 ableiten. Um das entstehende Budgetdefizit auszuglei­

Budgetdefizit langfristig wieder auszugleichen? – Vor allem jetzt

chen, will die ÖVP daher den Wirtschaftsstandort Österreich

in der Krise sehen wir, warum es so wichtig ist, in Zeiten der

weiter attraktiveren, während die SPÖ mithilfe der EU-Staaten

Konjunktur sparsam zu sein. Wichtig ist, eine gute Standortpo­

ein Recovery-Programm ausarbeiten möchte. Reformen in den

litik zu machen und Anreize für Unternehmen zu setzen, damit

Bereichen Pensionen, Gesundheit und Pflege fordern die Neos.

sie im Land investieren und Arbeitsplätze schaffen. Wir haben

Die FPÖ will Kammerrücklagen auflösen, und die Grünen wol­

bereits unterschiedliche Pakete geschnürt, um die Konjunktur

len die Steuerlast umverteilen.

anzukurbeln und den Standort wieder zu attraktiveren.

82


SEITENBLICKE POLITIK

KRISENMANAGER Hubert Fuchs Finanz- und Budgetsprecher FPÖ

Christoph Matznetter Wirtschaftssprecher SPÖ

Wie haben die österreichischen Banken Ihrer Meinung nach in der

Wie haben die österreichischen Banken Ihrer Meinung nach in der

Krise reagiert? – Wir haben enorme Probleme mit der notwen­

Krise reagiert? – Zumindest zu Beginn der Krise wurde realitäts­

digen (Zwischen-)Finanzierung der österreichischen Unter­

fern, wirtschafts- und kundenfeindlich, wie wir an den Rück­

nehmen in der Covid-19-Krise. Teilweise haben die Banken

meldungen Betroffener sehen, reagiert. Anstatt die Kreditkon­

unter Anwendung der strengen Risikovorsorge nach Basel III

ditionen zu lockern und Raten bei gleichzeitiger Verlängerung

nicht einmal die entsprechenden Anträge auf Bundeshaftung

der Kreditlaufzeit zu stunden, wurde Kreditnehmern zwar die

beim AWS beziehungsweise bei der ÖHT gestellt. Doch selbst

Stundung zweier Monatsraten in Aussicht gestellt, jedoch nur,

im Fall der Gewährung der Bundeshaftung, die ursprünglich

wenn im dritten Monat drei Raten gezahlt werden. Ein derarti­

80 Prozent des Kreditvolumens und nunmehr 100 Prozent be­

ges „Angebot“ ist für Kreditnehmer, die von der Corona-Krise

trägt, wurden von den Unternehmen über die 100 Prozent hi­

betroffen sind, nicht akzeptabel.

naus Sicherheiten verlangt. Dies war für die Unternehmen deswegen so unangenehm, weil sie die Kosten der in Kurzar­

Muss an den Regularien für Banken etwas geändert werden? – Wie

beit befindlichen Arbeitnehmer über Monate vorfinanzieren

in anderen Bereichen, beispielsweise der Vermietung, auch

müssen, ohne die Ansprüche gegenüber dem Staat, also dem

muss ebenso für den Bankenbereich, insbesondere in Bezug auf

AMS, als Sicherheit zedieren zu können. Wieder erweist sich

Kreditvereinbarungen, ein eigenes Prozedere für Krisenzeiten

Basel II und nunmehr III als Krisenbrandbeschleuniger.

festgelegt werden. Die Banken wurden in der Finanzkrise 2008 massiv mit Steuergeldern unterstützt. Jetzt müssen sie ihren

Muss an den Regularien für Banken etwas geändert werden? – Ja!

Beitrag leisten.

Wir sollten zu jenen Regularien zurückfinden, die in den Jahr­ zehnten nach dem Zweiten Weltkrieg starkes Wirtschafts­

Welche Ideen haben Sie, um das durch die Corona-Krise entstande-

wachstum und Vollbeschäftigung ermöglicht haben.

ne Budgetdefizit langfristig wieder auszugleichen? – Grundsätzlich müssen die Maßnahmen dazu dienen, die Wirtschaft anzukur­

Welche Ideen haben Sie, um das durch die Corona-Krise entstan-

beln und zu entlasten. Rasche und unbürokratische Hilfe wäre

dene Budgetdefizit langfristig wieder auszugleichen? – Die wich­

aus unserer Sicht etwa mit unserem „1.000-Euro-Österreich-

tigste Maßnahme ist, sowohl auf nationaler wie auch auf EU-

Gutschein“ für jeden österreichischen Staatsbürger, den man

Ebene ein entschlossenes Recovery-Programm zu fahren. Mit

nur bei österreichischen Unternehmen im Inland im Geschäft

entsprechendem Wachstum kommt es zum automatischen

selbst bis Ende des Jahres einlösen kann, geleistet. Auch die Auf­

Abbau des Defizits und in der Folge der Staatsschulden. An­

lösung der massiven Rücklagen der Wirtschafts- und Arbeiter­

hängern der freien Marktwirtschaft wird dringend ans Herz

kammern zugunsten der Kleinunternehmer und Arbeitnehmer

gelegt, die Vorschläge der Von-der-Leyen-Kommission nicht

wäre ein wichtiges Signal für das Land. Zudem muss es entspre­

zu blockieren. Natürlich können die Lasten öffentlicher Fi­

chende steuerliche Begleitmaßnahmen wie Investitionsprämi­

nanzierung nicht dem ärmeren Teil der Bevölkerung aufge­

en, Verkürzung der Abschreibungsdauern, Entbürokratisierung

halst werden, Millionäre, Milliardäre und multinational ge­

und Vereinfachung des Steuerrechts, Erleichterungen bei Be­

winnträchtige Konzerne werden ihren Beitrag leisten müssen.

triebsgründungen beziehungsweise -übergaben geben.

83


SEITENBLICKE POLITIK

Karin Doppelbauer Budget- und Finanzsprecherin Neos

Jakob Schwarz Sprecher für Budget und Steuern Grüne

Wie haben die österreichischen Banken Ihrer Meinung nach in der

Wie haben die österreichischen Banken Ihrer Meinung nach in der

Krise reagiert? – Im Gegensatz zur Finanzkrise 2008 können

Krise reagiert? – Hier hätte man auf jeden Fall schneller reagie­

Banken ein Teil der Lösung sein statt Ausgangspunkt des Pro­

ren müssen. In der Schweiz hatten die Unternehmer die Über­

blems. Unkomplizierte Kreditstundungen wurden rasch an­

brückungskredite innerhalb von wenigen Minuten auf dem

gekündigt. Positiv hervorheben lässt sich auch, dass Haus­

Konto. In Österreich haben viele Unternehmen noch immer

banken für den Corona-Hilfsfonds zur Verfügung stehen.

kein Geld gesehen. Das ist zum einen Konstruktionen wie der Covid-19-Finanzierungsagentur geschuldet, wo entsprechen­

Muss an den Regularien für Banken etwas geändert werden? –

de Richtlinien alles andere als klar sind und Bank-Mitarbeiter

Die schnelle Reaktion der Europäischen Zentralbank und der

oft nicht über die nötigen, klaren Informationen verfügen. Zum

Aufsichtsbehörden war wichtig. Bestehende Regeln wurden

anderen liegt das an den sehr rigiden Basel-III-Regularien. Ra­

generöser ausgelegt, zum Beispiel durch Verschieben von

sche und unbürokratische Hilfe sieht jedenfalls anders aus.

Stresstests. Im Gegenzug wurden neue Auflagen hinzugefügt, zum Beispiel die Empfehlung der Aussetzung von Dividenden

Muss an den Regularien für Banken etwas geändert werden? – Die

im Falle staatlicher Hilfen. Das war und ist auch uns Grünen

Banken müssen sich derzeit an Basel III halten, einen Risk-

ein Anliegen, um fair durch die Krise zu kommen. Allgemein

Manager miteinbeziehen und das gesamte Obligo betrachten.

ist uns wichtig, dass wir die Lehren aus der Finanzkrise 2008

Mit der Folge, dass der Bund zwar zu 100 Prozent haftet, die

nicht vergessen und die Regularien langfristig nicht aufge­

Banken darüber hinaus aber von Unternehmern als zusätzli­

weicht werden.

che Sicherheit verlangen, Wechsel zu unterschreiben und ins Grundbuch zu gehen. Daher braucht es eine vorübergehende

Welche Ideen haben Sie, um das durch die Corona-Krise entstan-

Aussetzung von Basel III für Banken. Es ist essenziell, dass die

dene Budgetdefizit langfristig wieder auszugleichen? – Aufgrund

Unternehmen möglichst schnell und einfach an Geld kommen.

der aktuell niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen gibt es keinen dringenden Konsolidierungsdruck. Jetzt ist es vor allem wich­

Welche Ideen haben Sie, um das durch die Corona-Krise entstan-

tig, dass wir uns aus der Krise hinausinvestieren. Wenn die

dene Budgetdefizit langfristig wieder auszugleichen? – Wesentlich

Wirtschaftskraft steigt, steigen auch die Steuereinnahmen.

ist vor allem eine massive Ankurbelung der Wirtschaft durch

Wir Grüne fänden es aber auch wichtig, grundsätzliche, von

entsprechende Maßnahmen zur Entbürokratisierung von Un­

der OECD regelmäßig angemerkte Mängel in der österreichi­

ternehmen. Darüber hinaus gilt es, Reformprojekte in den Be­

schen Steuerstruktur zu beheben. Während die Steuerlast auf

reichen Pensionen, Pflege und Gesundheit voranzutreiben. Je­

Arbeit und Arbeitseinkommen im internationalen Vergleich

des Jahr entzieht ein niedrigeres durchschnittliches Pensions­

hoch ist, sind die vermögens- und umweltbezogenen Abga­

antrittsalter dem Arbeitsmarkt in Zeiten des Fachkräfteman­

ben vergleichsweise gering. Hier gilt es, mittels ökosozialer

gels wertvolle Fachkräfte und verursacht knapp drei Milliarden

Steuerreform und vermögensbezogener Abgaben nachzubes­

Euro Budgetbelastung. Darüber hinaus wird die Welt nach Co­

sern. Sowohl zur Krisenfinanzierung als auch zur nachhalti­

rona für viele Unternehmer eine andere sein. Daher braucht es

gen Entlastung von Mensch und Planet.

Öffnungsaspekte für Neues und Zuversicht.

84


© APA-Picturedesk, Anna Huber

360 Grad. 365 Tage.

PRO KAPITALMARKT! Weil‘s um Einkommen, Wohlstand und Beschäftigung geht.

360 GRAD. 365 TAGE. PRO KAPITALMARKT! Die Wirtschaftswissenschaften belegen, dass ein gesunder Finanzsektor ein wichtiger Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum einer Volkswirtschaft ist. Ein handlungsfähiger Kapitalmarkt generiert Einkommen, Beschäftigung und Wohlstand in Österreich. Deshalb setzen sich diese Unternehmen dafür ein.


SEITENBLICKE MARKTGEZWITSCHER

@UMWELT_AT

@CA IMMO ANLAGEN

Digitaler Neustart im @Umwelt_AT Partyknaller!! Unsere neue Website ist seit kurzem online! Eine b ­ essere Übersicht, schlankere Inhalte, ein neues Design und die verbesserte Barrierefreiheit sorgen nun für mehr Lesevergnügen. Wer sich selbst ein Bild machen will: https://umweltbundesamt.at

We love and live #diversity! And we all benefit from it – because no matter whether gender, national or cultural d ­ iversity – it always means a diversity of perspectives. And this is the only way to create other, new and innovative ideas – the raw material of every future – our #future! CA Immo has colleagues from 22 nations in 8 countries – and many more ­colleagues have their roots in other cultures! The proportion of women at CA Immo is 52 % and 37 % of our managers are female. That’s already quite good – but of course we want to and will do even better ...! #FlaggeFürVielfalt #Diversity #WherePeopleLove2Work Charta der Vielfalt e.V.. #Vielfalt

@ERSTE BANK

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Unsere Digital-Natives-Community macht ihrem Namen­alle Ehre. Lunch im Homeoffice, wöchentliche Working-out-Loud-Circle-Treffen und Pub-Quizzes – so bleiben unsere MitarbeiterInnen digital weiterhin in engem Austausch. #glaubandich #digitalnativs #it

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KOLUMNE

Auch in schwierigen Zeiten bekennen wir uns klar zum Thema #Vielfalt: Eine Regenbogenflagge ziert im Pride-Monat Juni die Fassade der L ­ andesdirektion Wien. Damit setzen wir ein Zeichen g ­ egen jegliche Form der Diskriminierung! #wienerstädtische #pride #diversity

PETER ­FELSBACH Head of Group Communications Voestalpine AG

Weil es uns nicht grün genug sein kann: Wir testen Green-Furniture-Wartebänke auf Herz & Nieren. Verwendet wird dabei Holz aus nachhaltiger Bewirtschaftung. Feel free & sit down. Grinsendes Gesicht mit lächelnden Augen. Probesitzen in Mistelbach, Melk, Gramatneusiedl oder St. Johann in Tirol. #klimafreundlich

CORONA-KRISE: DER BLICK NACH VORN

@ALLIANZ ÖSTERREICH

Das Coronavirus hat in den vergangenen Monaten alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche bestimmt. Mit dem Rückgang der Infizierten-Zahlen und dem schrittweisen Auflösen der Regierungsmaßnahmen kehrt nun langsam, aber spürbar der Alltag zurück – auch in die Kommunikationsarbeit. Zeit, in die Gänge zu kommen, und für eine kurze Bestandsaufnahme, aber auch, an das „Danach“ zu denken. Während ein Großteil der geplanten Projekte in den Bereichen Events, Werbung oder PR zum Erliegen gekommen sind und nun allmählich vereinzelt

Was höher ist als der Großglockner?! Natürlich das eingesparte Papier der Allianz! Von 2018 auf 2019 wurden 126 Tonnen Papier weniger gebraucht – das sind 44 % weniger. Wenn man das Papier übereinanderstapelt, erreicht man eine Höhe von 6.515 Metern. Das ist mehr als eineinhalb Mal so hoch wie der Großglockner (3.798 Meter).

wieder anlaufen, hat die interne Kommunikation rund um die Uhr den Informationsfluss aufrechterhalten. Neben der laufenden Infor-

@VIG

@VERBUND

mation über die Entwicklungen im Konzern ist es gerade jetzt unerlässlich das Wir-Gefühl innerhalb der Belegschaft zu stärken. Zudem heißt es jetzt, in der Kommunikationsarbeit flexibel zu sein. Plötzlich funktionieren Bilanz-Pressekonferenzen auch via Live-Übertragung und ohne anwesende Journalisten. Auch die derzeitigen Hauptversammlungen erfolgen nach einem virtuellen Konzept. Gute Alternativen – auch wenn sie den persönlichen Kontakt nicht

The #Ringturm, the headquarter building of VIG, Wiener Städtische Versicherungsverein and Wiener Städtische celebrated its 65th birthday. Austria’s first tall office building was officially opened on June 14, 1955. With its 73 meters and 20 floors, it was a symbol of Austria’s newly won freedom and economic rebirth. Babsek Edwin/Henisch Wiener Presse-Fotos

Kein Sicherheitsabstand, keine Masken – heute wäre eine solche #Eröffnungsfeier undenkbar. Im Frühjahr 1925 reisten sogar der Bundespräsident und Bundeskanzler in die Weststeiermark, um das damals besonders leistungsstarke #Speicherkraftwerk Arnstein feierlich in Betrieb zu setzen. 95 Jahre später liefert das Kraftwerk noch immer #Spitzenstrom. Happy Birthday Kraftwerk #Arnstein!

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ganz ersetzen können. Aber noch ist es zu früh, die „erzwungene“ Digitalisierung mit allen Vor- und Nachteilen zu beurteilen. Der Blick nach vorn schafft jedenfalls Chancen und Alternativen.

p.felsbach@derboersianer.com


SEITENBLICKE MARKTGEFLÜSTER

WIRECARD: KONTROLLE IST GUT, VERTRAUEN IST BESSER Der Bilanzskandal um den deutschen Zahlungsdienstleister Wirecard hatte einen monatelangen Vorlauf. Schon im Jänner 2019 warnte die „Financial Times“ vor massiven Unstimmig­ keiten. Das hinderte zahlreiche Akteure von Analysten bis Fonds-

  VITA MARTIN KWAUKA Finanzjournalist

Der leidenschaftliche Weinbauer (61) ist seit 23 Jahren Finanz- und Wirtschaftsjournalist. Zu den wichtigsten Stationen­des gebürtigen Deutschen zählen die langjährige Chefredaktion des Magazins „Format“ und das seit 2015 von ihm organisierte Finanzjournalistenforum. Sein Steckenpferd i­st die Altersvorsorge. Sich selbst beschreibt der studierte Agrarökonom als chronisch neugierig.

managern nicht daran, Wirecard weiterhin blind zu vertrauen.

D

as Motto lautete: Wer bietet mehr. Im April 2020 eröffne­ te das Analysehaus Kepler Che­

vreux den Reigen der Kaufempfehlun­ gen für Wirecard mit einem Kursziel von

Corporate Governance, also die einwand­

„Die Riege der Analysten hat sich kräftig blamiert.“ MARTIN KWAUKA

freie und transparente Unternehmens­ führung, allzu ernst nehmen? Und warum hat auch die deutsche Fi­ nanzmarktaufsicht Bafin noch mona­ telang dem Motto vertraut „Kontrolle

runden 200 Euro. Warburg Research ließ

ist gut, Vertrauen ist besser“? Die einzig

sich nicht lumpen und steigerte auf 230 Euro. In der Warburg-Analyse wurde

wahre Ausmaß des Skandals noch nicht

wirksame Bafin-Aktivität war am 18. Fe­

zwar nebenbei erwähnt, dass die Sonder­

wissen konnte, war längst klar, dass etwas

bruar 2019 zu verzeichnen. Kurz nach den

prüfung durch KPMG einige Frage offen­

im Busch ist. Ende Jänner 2019 hatte die

Veröffentlichungen der „Finan­cial Times“

lasse. Aber das kann ja einen Optimisten

„Financial Times“ von massiven Unstim­

erließen die Aufseher ein Verbot neu­

nicht erschüttern. Lenin soll einmal ge­

migkeiten in Asien berichtet. Es folgten

er Leerverkäufe zur Begrenzung weiterer

sagt haben: „Vertrauen ist gut, Kontrol­

laufend weitere Details über dubiose Bu­

Kursverluste. Dieses war ein in der Bun­

le ist besser.“ Manche Vertreter der Ana­

chungen, bevor endlich festgestanden ist,

desrepublik zuvor noch nie angewand­

lystenzunft glauben offenbar an die ge­

dass das Geld weg war. Das Mindeste, was

tes Verfahren zum Schutz für eine einzel­

genteilige Maxime: „Kontrolle ist gut,

ein Analyst in einer solch unsicheren Lage

ne Aktie. Im Visier waren nicht die Wire­

Vertrauen ist besser.“ So toppten Hauck

machen muss, wäre, seine Kaufempfeh­

card-Manager, sondern diejenigen, die an

& Aufhaeuser die Konkurrenz sogar mit

lung samt Kursziel auszusetzen.

die blendend schöne Story vom neuen di­

einem Kursziel von 270 Euro. Das ent­

Doch es sind nicht nur die Analysten,

gitalen Wunderkind nicht länger glauben

sprach schon zum damaligen Zeitpunkt

die sich viele Fragen stellen müssen. Der

wollten. In dieses Bild passt auch, dass die

weit mehr als einer Verdoppelung des

reguläre Bilanzprüfer EY hat Wirecard

Staatsanwaltschaft München ein Ermitt­

Aktienkurses. Zyniker könnten bemer­

jahrelang eine ordnungsgemäße Buch­

lungsverfahren gegen die Journalisten der

ken, dass durch den Absturz der Aktie das

führung testiert, auch noch 2019, als ers­

„Financial Times“ einleitete.

prozentuelle Kurspotenzial inzwischen

te Verdachtsmomente aufgetaucht wa­

auf über 1.000 Prozent angewachsen sei.

ren. Hat EY schon länger nicht genau

Deutschland nicht die märchenhafte Ge­

Ob die bei Wirecard fehlenden 1,9 Mil­

hingeschaut und leichtfertig alles abge­

schichte vom Aufstieg einer kleinen Mün­

liarden Euro irgendwo zwischen München

segnet? Warum hielten viele Fondsma­

chener Vorortefirma zum neuen Stern am

und Manila abgezweigt wurden oder als

nager namhafte Positionen in Wirecard

Dax-Himmel von irgendwelchen auslän­

bloße Luftbuchungen niemals existierten,

und stießen die Aktien erst ab, als das

dischen Journalisten mit ihren Short-Sel­

stand bei Redaktionsschluss noch nicht

Kind längst im Brunnen lag? Schon ab

lern im Hintergrund ruinieren lassen. Da

fest, der Insolvenzantrag schon. Klar ist

dem „all-time high“ Mitte 2018 bröckel­

hieß es fest zusammenhalten im gemein­

jedenfalls, dass die Analysten mit ihren

te der Kurs ab. Aber es hofften wohl auch

samen Match gegen ein angebliches Kom­

Pi-mal-Daumen-Schätzungen

zahlrei­

viele Profis wie unerfahrene Kleinanle­

plott von Schreiberlingen und Spekulan­

che Anleger, die sich an den Kurszielen

ger auf ein leichtverdientes Geld bei ei­

ten aus dem angelsächsischen Raum. Der

orientierten, um viel Geld brachten. Und

ner Aktie, die an guten Tagen immer wie­

Finanzplatz Deutschland wird lange brau­

dass sich die Riege der Analysten kräftig

der für zweistellige Kursgewinne gut war.

chen, um sich von dieser kollektiven Nie­

blamiert hat. Auch wenn man im April das

Wer wollte da das vielberufene Stichwort

derlage zu erholen. n

88

Schließlich

wollte

man

sich

in


SEITENBLICKE INDEX

UNTERNEHMEN IN DIESER AUSGABE

IMPRESSUM Chefredakteur/Herausgeber: Dominik Hojas, d.hojas@derboersianer.com Stv. Chefredakteurin (CvD): Ingrid Krawarik, i.krawarik@derboersianer.com

FIRMENINDEX

3 Banken Generali Investment Addiko Bank AG Agenda Austria Allianz Elementar Versicherungs-AG

38, 67

Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche

20

51

iShares 31

75

Julius Bär

21

Kathrein Capital Management

23

52, 53, 55

Allianz Invest KAG

67

Kathrein Privatbank AG

50

Amundi Austria

67

Kienbaum Wien

81

Apeiron Biologics AG

53

KPMG Österreich

61

Arbeiterkammer 56

LGT Bank

51

Arthur D. Little

60

Marinomed Biotech AG

AT&S AG

57

Matejka & Partner Asset Management

Bank für Tirol und Vorarlberg AG

62

Mayr-Melnhof Karton AG

Bank Gutmann AG

34

N26 64

Bank Vontobel

31

Neos 84

Bayer AG

48

Ottakringer Getränke AG

Bawag Group AG BDO Austria

37 22, 67 47, 56, 80

28

18, 56, 79

Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung 75

60

ÖVP 82

Berenberg 55

OMV AG

Bitpanda 14

Pictet 30

56

BKS Bank AG

62

Porr AG

Boston Consulting Group

51

Raiffeisen Bank International AG

Buwog Group

59

Raiffeisen KAG

Bux Zero

54

Raiffeisen Centrobank AG

CA Immobilien Anlagen AG

58

Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG

Cerha Hempel

62

34, 50 17 17 34

Convertinvest 67

Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment AG

47

Credit Suisse Goup AG

21

Schoeller Coporate Communications

47

Credit Suisse Österreich

24

Security KAG

67

Deloitte 60

S Immo AG

58

DZ Bank AG

57

Spängler Iqam Invest

67

Eco Austria

75

Sparkasse Oberösterreich AG

23

48

SPÖ 83

Erste Bank Österreich AG

80

Erste Group Bank AG EVN AG

19, 35, 37 28

Stanton Chase UBS Group AG

61, 88

Unicredit Bank Austria AG

62, 71

Union Investment

54

21

Unesco 29

Finanzmarktaufsicht FMA Forum Nachhaltige Geldanlage

81

Swisscanto 30

EY

18, 62 48

Uniqa Österreich Versicherungen AG Universität für Bodenkultur

Frequentis AG

48

Verbund AG

56

Gobal 2000

28

Vienna Insurance Group AG

53

Grüne 84

Voestalpine AG

87

Gutmann KAG

67

VÖIG 54

Hill International

81

Wienerberger AG

Hypo NOE Gruppe

50

Wiener Börse AG

57

Hypo Vorarlberg Bank AG

17

Wiener Privatbank SE

35

Institut für Höhere Studien

Verlag/Medieninhaber: Wayne Financial Media GmbH (FN: 399197 f, HG Wien), Bösendorferstraße 4/25, A-1010 Wien, Telefon: +43 (0) 1 920 523 4, Fax: +43 (0) 1 954 4332, E-Mail: office@waynemedia.at, Web: www.waynemedia.at

WAYNE Geschäftsführer: Michael Berl, Dominik Hojas Produktion: Grafik: Martin Jandrisevits, Titanweiß ­Werbeagentur GmbH; Fotos: Clemens Bednar, Dieter Brasch, Stefan Burghart, Barbara Ster, Unternehmen beigestellt; Lektor: Armin Baumgartner; Kursdaten: TeleTrader Software GmbH, Schlusskurse vom 19. 06. 2020, keine Gewähr für die Richtigkeit der Daten; Aus Gründen der Textökonomie verzichten wir auf geschlechtsspezifische Formulierungen. Druckerei/Nachhaltigkeit: Das Magazin wurde nach Richtlinien des Österreichischen Umweltzeichens bei der Druckerei Ferdinand Berger und Söhne GmbH (10.000 Stück) auf nachhaltigem Papier (Umschlag: Claro Silk 250 g, Kern: Furiso 90 g) gedruckt.

79

FPÖ 83

Immofinanz AG

Anzeigenverkauf: Michael Berl (Leitung), m.berl@derboersianer.com, Miriam Haider, m.haider@derboersianer.com; Es gilt die Anzeigenpreisliste 2020!

67

Salus Alpha

38, 67

Social Media: Natalie Ransauer

48, 56

Roland Berger

Erste Asset Management

Korrespondenten: Schweiz / Zürich: Daniel Zulauf, Deutschland / Düsseldorf: Oliver Stock

18, 50, 64

Clark 53

Eon SE

Redaktion: Daniel Bayer, Christian Höller, Julia Kistner, ­ Raja Korinek, Martin Kwauka, Thomas Müller, Paul Trautendorfer, Barbara Ottawa, Robert Winter

28, 32

90

56, 58

Wirecard 88

75

Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik 28

Das Österreichische Umweltzeichen für Druckerzeugnisse, UZ 24, UW 686 Ferdinand Berger & Söhne GmbH.

Unbenannt-1 1

89

07.07.2009 13:28:58


SEITENBLICKE PORTRÄT

ZEHN FRAGEN AN ANNA MARIA GRAUSGRUBER VITA ANNA MARIA GRAUSGRUBER Head of Investor Relations Wienerberger AG

LESERPOST redaktion@ derboersianer.com

Anna Maria Grausgruber leitet seit Jänner 2020 die Abteilung Investor Relations der Wiener­berger AG. Die gebürtige Vorarlbergerin studierte internationale Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck und London mit Fokus auf Strategie- und Unternehmensentwicklung. Ihre Karriere begann Grausgruber im Bereich der Konzernstrategie der OMV AG und besetzte anschließend diverse Posten bei der Wienerberger AG. Ihre Freizeit verbringt sie gern in der Natur mit Mountainbiken, Skifahren oder Yoga.

1. W elche Eigenschaften haben Sie dorthin gebracht, wo Sie heute 5. Für

einen Mittagstermin reserviere ich am liebsten einen

stehen? - Offenheit, Ehrgeiz und Spaß an der Arbeit zu haben.

Tisch im … - Ich treffe mich lieber am Abend auf ein gu­

Ich habe und hatte nie eine klare Karrierevorstellung. Ich habe

tes Glas Wein. Entweder im Süden von Wien bei einem

im Laufe der Jahre Möglichkeiten, die sich geboten haben und

der vielen Heurigen oder am Naschmarkt. Ich beobachte

die ich interessant fand, ergriffen. So konnte ich bereits in den

dort gerne das Treiben. Man fühlt sich dann wie im Sü­

ersten Berufsjahren ausgesprochen viel sehen und lernen.

den auf Urlaub.

2. Welchen Beruf würden Sie ausüben, wenn Sie nicht in der Fi- 6. Bei welchem Investment haben Sie sich so richtig verzockt? nanzbranche tätig wären? - Darüber habe ich nie nach­

So viel Spielgeld habe ich leider nicht, dass dies passieren

gedacht, da es gut ist, wie es ist. IR hat ein sehr breites

könnte. :)

Aufgabengebiet. Die Rolle hat sich in den letzten Jahren stark verändert und ist nicht mehr nur finanzorientiert.

7. Um den Kapitalmarkt zu beleben, braucht es …- Disrup­tion.

In diesem Job geht es neben Zahlen sehr viel um Strate­

Wie auch immer diese ausgelöst wird, sei es durch Inno­

gie, Nachhaltigkeit und Unternehmenskultur im Allge­

vation, Technologien oder eben auch durch eine Krise. Ich

meinen. Ich finde die Interaktion mit dem internationa­

glaube, die momentane Covid-19-Krise hat sehr gut ge­

len Finanzmarkt überaus spannend, da diese unglaubliche

zeigt, dass Menschen und der Kapitalmarkt durch einen

Einsichten in grundstrategische Fragen bietet, die Einfluss

großen Schock wieder beginnen umzudenken. Das tut

auf die Entscheidungen in Unternehmen haben. Daher bin

kurzfristig weh, gibt langfristig aber auch viele neue Mög­

ich froh, dass sich diese Möglichkeit für mich ergeben hat.

lichkeiten.

3. Auf diese App kann ich nicht verzichten? - Twitter und Lin­ 8. Was assoziieren Sie mit Gordon Gekko und dem Film „Wall kedin. Hier checke ich beim morgendlichen Kaffee, was sich in der Welt so getan hat.

4. Wenn ich nicht gerade arbeite, verbringe ich meine Zeit am liebsten mit … - meinem Mann bei einer Mountainbike-Tour. Als

Street“? - Gier, Größenwahn und Unmoral.

9. Dieser Investor ist für mich eine Legende. - Warren Buffett. 10. Champagner und Austern oder „a Eitrige und a 16er-Blech“?

Vorarlbergerin bin ich gerne in der Natur und in den Bergen

- Zuerst Champagner, danach die „Eitrige“ am Würstel­

unterwegs und genieße dort auch mal eine Auszeit.

stand.

90 Die nächste Ausgabe erscheint um den 19. Oktober 2020. Bis dahin täglich: derboersianer.com


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bEYoND HorIZonS

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Börsianer 39. Ausgabe, Q3 2020  

Österreichs Finanzmagazin

Börsianer 39. Ausgabe, Q3 2020  

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