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Nr. 29 / Oktober 2017

Dampf-Blatt www.dampferfreunde.ch — info@dampferfreunde.ch — facebook.com /dampferfreunde

Danke, Männer!

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Dampfer-Fahrplan Winter 2017/18

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Fotografie

Dampfschiffe im Fokus

Spiezerli

«Moderne Dampfmaschinen sind ­w irtschaftlicher und ­umweltfreundlicher»

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DS Lötschberg 4

Kurzgeschichte

Polos Rettung6 Käpt’n Dampferli

Willkommen an Bord, liebe Kinder8

Neue Elektronik für das Dampfschiff12 Die neue Werft in Zahlen «Die Lötschberg ist meine grosse Liebe»

13 Es war einmal …

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Unterstützen Sie unseren Verein

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Leserfoto15


2  Dampf-Blatt Nr. 29 E DI T OR I A L

Danke, Männer! Die Uhren sind schon auf Winterzeit eingestellt. Ein Schiff nach dem a ­ nderen kehrt vom letzten Einsatz zurück. Getränkevorräte werden aufs Land gezügelt, Vorhänge zugezogen. Die Saison ist durch, Ruhe kehrt ein. Das ist genau der Moment, um einmal laut zu rufen: danke, M ­ änner! Und danke, Frauen!

«Danke, Männer» plärrt aus dem Radio, Werbung. So ein Quatsch, geht mir der ­Gedanke durch den Kopf. Und doch: Das «Danke» nehme ich auf, zum Saisonschluss: Ausflüge auf unseren Seen sind auch Be­ gegnungen mit den Seebären, ­immer öfter auch mit den Seebärinnen. Wir werden ­begrüsst, freundlich bedient, mit einem ­Lächeln verabschiedet. Klar, für den Billett­ preis dürfen wir auch etwas erwarten und die Menüs kosten auch mehr als früher das einfache Schinkenbrot! Dennoch – gerade im letzten Sommer konnte ich es mehrfach beobachten: Auf unseren Oberländer Seen wirken engagierte Männer und Frauen, Nautiker, Berufsspezi­ alisten, Gastgeber im besten Sinne. Da sind nicht «Kostenstellen» im Einsatz, da wirken ­Menschen mit Berufsstolz.

Wir erwarten, dass unsere Blüemlere bereit steht für die abendliche Rundfahrt, heraus­ geputzt, die Tische schön gedeckt. Wer denkt schon daran, dass der Dampfer bereits eine Kursfahrt bis Interlaken West hinter sich hat? Die Zeit, um das Schiff nach dem letz­ ten Nachmittagsgast wieder herauszu­ putzen, ist knapp. Jeder muss da zupacken, ob Kapitän, Servicefrau oder Maschinist. Wer weiss schon, dass einmal mehr Über­ zeit nötig war, um aufgetretene Probleme an der Kesselfeuerung über Nacht zu beheben, damit der Lötsch pünktlich zur Ausfahrt um 11.07 Uhr bereitstand?

David-André Beeler, Präsident Freunde der ­Dampfschifffahrt Thuner-

Zwei Beispiele, es gäbe viele weitere. Drum zum Saisonschluss: danke, an alle, die mit Begeisterung dafür sorgen, dass die Schiff­ fahrt für uns Gäste zum Erlebnis wird! Oder anders formuliert: Ihr macht das ein­ fach gut. Danke, Männer und Frauen!

und Brienzersee. Titelbild: Die Blümlisalp am 2. Januar 2017 vor dem Schloss Schadau in Thun. Fotograf: Patrick Balzli

David-André Beeler Präsident Dampferfreunde Im November treffen sich die Binnenschiffer aus nah und fern zum Jahrestreffen im ­Berner Oberland. Die Dampferfreunde wün­ schen ein frohes Zusammensein und rufen allen zu: «Danke!»

Impressum Auflage: 24 000 Exemplare Freunde der Dampfschifffahrt Thuner- und ­Brienzersee, Postfach 55, 3602 Thun info@dampferfreunde.ch www.dampferfreunde.ch facebook.com/dampferfreunde An dieser Ausgabe haben mitgearbeitet: David-André Beeler und Daniel ­Barben; Christoph ­Hurni (­Foto­grafie); Bernhard Hunziker, Hans ­A mrein (Werd & ­Weber AG, Gwatt), Heinz Zürcher ­( Korrektorat). Layout und Illustrationen: Sonja Berger (www.weberagentur.ch)


Dampf-Blatt Nr. 29  3 W I N T E R DA M PF

Dampfer-Fahrplan Winter 2017/18 Eine Dampfschifffahrt im Winter ist ein aussergewöhnliches Erlebnis. Reisen Sie z. B. mit dem Niederhornexpress bis nach ­Beatenbucht (mit Anschluss aufs Niederhorn). Oder geniessen Sie mittags bei einem feinen Essen das winterliche Panorama rund um den Thunersee.

DA M PF ERFA H R PL A N DS Blümlisalp Niederhornexpress 25.12.17 bis 2.1.18 täglich Diese «Expressfahrt» bietet Ihnen eine ­rasche Verbindung auf das Niederhorn. Zudem können Sie an Bord ein ­leckeres Frühstück geniessen. Thun ab 10.10 Thun an 12.20 via Spiez und Beaten­bucht

W EI T ER E ­W I N T ER-E V EN T S Fondue-Chinoise-Schiff Jeden Donnerstag vom 16. November bis 14. Dezember 2017 Freitags am 12. + 26. Januar, 9. + 23. Februar, 9. März 2018

Fondueschiff Jeden Samstag vom 18. November bis 16. Dezember 2017; Samstag, 20. Januar, 3. und 17. Februar, 3. und 17. März 2018

Herbstrundfahrt DS Lötschberg Sonntag, 12. November 2017 Viele Jahre ist es her, seit das Dampf­ schiff Lötschberg im Herbst unterwegs war. Nutzen Sie diese einmalige Gelegen­ heit und erleben Sie den Brienzer­see bei schöner November­stimmung. Fahrpreise: Es gelten die regulären Fahrpreise, inkl. GA und Halbtax. Mit ­Junior- und ­Kinder-Mitfahrkarte gratis. Tischreservation: Gastro Lac AG, Tel. 079 422 90 79 Interlaken Ost Brienz Brienz Interlaken Ost

ab 12.07 an 13.20 ab 13.40 an 14.53

Sollte das DS Lötschberg technisch nicht verfügbar sein, fällt die Fahrt aus (kein Ersatz-MS).

Weihnachtsschiff DS Blümlisalp Winterdampf 25.12.17 bis 2.1.18 täglich Thun Interlaken West Interlaken West Thun

ab 12.40 an 14.49 ab 15.10 an 17.20

24. Dezember 2017

Silvesterschiff mit The Baby’s 31. Dezember 2017

Neue Werfthalle Thunersee Tage der offenen Werft 24. + 25. März 2018

Änderungen vorbehalten. In Ausnahme­ fällen verkehrt ein Motorschiff.

Weitere Infos: www.bls.ch/winterschiff

Silvester-Galafahrt auf dem DS Blümlisalp 31. Dezember 2017 Geniessen Sie eine gediegene Rundfahrt mit dem nostalgischen Salondampfer. Bei diesem festlich-eleganten Anlass werden Sie mit einem exklusiven Menü verwöhnt. Für die musikalische Unter­ haltung sorgt das Duo Häsler / von Wattenwyl Erwachsene Kinder 6–11 Jahre

CHF 230.– CHF 150.–

GA, Halbtax, Junior- und KinderMitfahrkarte sind nicht gültig. Im Preis inbegriffen: Rundfahrt, ­Will­kommensdrink, Live-Unterhaltung, ­gediegenes 4-Gang-Menü Türöffnung ab 20.00 Uhr. Thun Thun

ab 20.40 an 00.30


4  Dampf-Blatt Nr. 29 F O T O G R A F I E

Dampfschiffe im Fokus Blümlisalp und Lötschberg bieten inmitten der einzigartigen ­ Landschaft des Berner Oberlandes tolle Fotosujets. Wir zeigen Ihnen ein paar Faust­regeln, die Ihnen auf der Jagd nach Ihrem perfekten Bild vom Dampfschiff helfen können.

Planen Sie ­voraus

Fotografieren Sie bei jedem Wetter

In der Kurve

Dampfschiffe fahren sehr berechenbar nach bestimmten Fixpunkten. Nutzen Sie das und halten Sie während einer Schiff­fahrt Ausschau nach guten Fotostandorten. ­Entlang des Thuner- und des Brienzersees finden Sie erhöhte Punkte, wie zum Beispiel die Strasse Beatenberg–Sigriswil oder die Kirche in Ringgenberg, von wo aus Sie un­ gewöhnliche Fotos schiessen können.

Je nach Wetter können Sie ganz unterschied­ liche Fotos machen. Blauer Himmel ist zwar schön, aber auch ein bisschen langweilig. Wenn der Wind weisse Schaumkrönchen auf den See bläst, sieht das interes­sant aus. Auch wenn das Wetter zwischen Regen und Sonnenschein wechselt, können Sie span­ nende Motive entdecken.

Wenn Sie die Dampfschiffe von der Seite ­fotografieren, wirken sie oft platt. Fotos werden dynamischer, wenn das Schiff eine Kurve fährt. Das könnte zum Beispiel gelin­ gen an den Schiffländten Gunten, Spiez oder Giessbach See.

Weg von der Mitte Suchen Sie das Besondere Dankbar zum Fotografieren sind die Abend­ rundfahrten, weil sich das Licht während der Fahrt stark ändert und Sie mit etwas Glück einen schönen Sonnenuntergang er­ leben können. In der blauen Stunde, also der Stunde nach Sonnenuntergang, können Sie stimmungsvolle Fotos machen. Speziell schöne Fotos lassen sich auch während des Winterdampfs machen, zum Beispiel während des Aufheizens der Blümlisalp an der Ländte in Thun.

Teilen Sie Ihre Dampfschiff-­Fotos mit uns facebook.de/Dampferfreunde instagram.com/Dampferfreunde info@dampferfreunde.ch

Lesen Sie den Fahrplan Ungewöhnliche Sujets bieten sich, wenn Kursschiffe kreuzen. Im Fahrplan sehen Sie, wann Sie die Kamera bereithalten müssen.

Suchen Sie D ­ etails An Bord eines Dampfschiffs finden Sie zahl­ reiche wunderschöne Details, zum Beispiel die Ölspender der Dampfmaschine, die ­Aufhängung der Rettungsboote, den Anker oder den Schmuck am Bug des Schiffes. ­Gehen Sie mit der Kamera nahe ran, damit das Detail das Foto möglichst ausfüllt.

Verschieben Sie das Dampfschiff weg von der Bildmitte, nach oben oder unten, links oder rechts. Oft wird ein Foto so ­spannender. Achten Sie darauf, dass der Seespiegel in jedem Fall horizontal ist.

Lernen Sie von anderen Im Internet finden sich zahlreiche Fotos von unseren Dampfschiffen. Beurteilen Sie die Fotos kritisch, so können Sie viel lernen für Ihre eigenen Fotos. Und das Aller­wichtigste: Das beste Foto ist noch nicht gemacht ­worden. Es gibt un­ zählige unentdeckte Foto­standorte und ­Ansichten. Die Suche ­danach ist am Schluss bestimmt mehr wert als das Foto selber. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

Achten Sie auf die Sonne Positionieren Sie sich so, dass Sie die Sonne möglichst im Rücken haben; vor allem wenn sie tief steht. Interessant ist auch das Gegen­ teil: Fotografieren Sie das Dampfschiff ­genau vor der Sonne, sodass man nur die Umrisse erkennt.

(1) Patrick Balzli, instagram.com/ patrick_balzli. (2) Urspeter Geiser, instagram.com/urspetergeiser. (3) Markus Fröhlich. (4) Christoph Hurni, Chrchr_75 auf flickr.com. (5) Daniel Barben, ­facebook.com/dampferfreunde.


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6  Dampf-Blatt Nr. 29 K U R Z G ESC H IC H T E

Polos Rettung Von Sandra Rutschi Illustration: Daniel Barben

Zwanzig Minuten nach Mitternacht – schon wieder verschlafen! Hektisch schlüpft Elise aus dem Hohlraum in der Seitenbank der Spielkajüte. Dass diese Kinder immer so ­einen Lärm machen müssen! Da findet selbst das erschöpfteste Gespenst keine Ruhe. Elise streicht sich die Röcke glatt, richtet ihre Locken und seufzt. Vor hundert Jahren, als sie noch als Mensch im Dampfschiff Blümlis­alp umherging, befand sich hier der Salon der zweiten Klasse. Elise eilte mit ­Tellern von der Küche zu den Tischen und musste nicht selten Männerhände abweh­ ren. Aber dennoch ging es damals ruhiger zu und her als heute mit diesen kleinen Schreihälsen – und manchmal, nach Feier­ abend, traf sich Elise hier mit ihrem Kapitän. Ach, Elises Kapitän …

Sie will gerade in ihre üblichen Träumereien versinken, als sie oben in der ersten Klasse ein Poltern hört. Das wird doch nicht ­Mathilde sein, die an die Glaswand klopft? Die launische Mathilde, Elises frühere Che­ fin, ist vor einigen Jahren auf das Dampf­ schiff Lötschberg umgezogen. Ab und zu schaut sie noch vorbei, aber meistens bleibt sie auf dem Brienzersee. Sie schlafe dort besser, behauptet Mathilde. Doch Elise weiss, dass es einen anderen Grund für ihr Fernbleiben gibt. Elise schlüpft in den Maschinenraum und fliegt durch die Windhutze aufs Oberdeck. Vorsichtig streckt sie den Kopf aus dem Rohr und späht um die Ecke. Sie liebt es, Mathilde zu erschrecken. Früher liess ihre Chefin dann jeweils alles fallen, was sie ­gerade in den Händen hielt – auch das Ser­ viertablett. Das sei das schlechte Gewissen, pflegte Elises Kapitän zu sagen. Doch nicht Mathilde klopft an die Glaswand zum Restaurant in der ersten Klasse, son­ dern zwei vermummte Gestalten. Elise blickt sich um. Alles ist ­ruhig an der Schiffländte in Thun, weit und breit kein Mensch zu ­sehen. Plötzlich klirrt die Scheibe, und die Gestalten steigen ins Schiffs­innere.

Elise setzt ihnen nach. Entsetzt beobachtet sie, wie die Einbrecher sich mit einer Säge an der Holzstatue des Mundartmusikers Polo Hofer zu schaffen machen. Vorsichtig schwebt sie näher, setzt sich aufs Treppen­ geländer und lauscht. «Nun stell dich nicht so an! Wir haben das zigmal durchgesprochen», wispert der grös­ sere der beiden Einbrecher. «Ich weiss nicht», flüstert der kleinere, «viel­ leicht sollten wir sie doch besser hierlassen.» «Zum hundertsten Mal», faucht der Grosse. «Stell dir einfach vor, wie viel Geld wir für diese Statue erhalten!» Diebe auf ihrem Dampfschiff, und dann noch bei Polo – eine Frechheit! Elise erinnert sich, wie der Sänger vor noch nicht allzu langer Zeit die Skulptur enthüllte und wie sie sich dabei geschworen hat, gut auf diese aufzupassen. Sofort flitzt sie zur Bar, schnappt sich ein Glas und wirft es auf die Einbrecher. «Was … was war das?», stottert der Kleine. «Geh und schau, wer da ist», befiehlt der Grosse. Ehe der Kleine protestieren kann, fliegen den beiden weitere Gläser um die Ohren. Gleichzeitig klappern die Bleche und ­Scheiben am ganzen Schiff. «Raus hier!», ruft der Grosse, und sie ­hechten ins Freie. Doch sie kommen nicht weit. Tanzende Ret­ tungsringe versperren ihnen den Weg über die Reling und fliegende Seile versuchen sie zu fesseln. Panisch fliehen sie wieder ins ­Innere und rennen die Treppe hinunter, während überall das Licht flackert. Unten angekommen, gefriert ihnen das Blut in den Adern. Im Spiegel des grossen Salons sehen sie sich selbst. Doch hinter ihnen steht


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wie aus Nebel erschaffen eine attraktive Frau mit dichten Locken und droht ihnen mit der Faust. Plötzlich dröhnt das Schiffshorn der Blümlis­ alp – dreizehnmal nacheinander. Und durch die Lautsprecher klingt ein Lied in einer ­bekannten Melodie: «Blüemlisalp ire Sum­ mernacht – das hätsch jetz gschider grad nid gmacht». Die Nebelfrau im Spiegel lacht. Schreiend hetzen die beiden Einbrecher zur Tür hinaus und springen an Land – direkt in die Arme von zwei herbeieilenden Sicher­ heitsleuten. «Ein … ein Geist, da drinnen», stammelt der Grosse. «Sie hat mit Gläsern nach uns ­geworfen!» Einer der Sicherheitsmänner schüttelt den Kopf. «Das behaupten alle, die mal in die Blümlisalp einbrechen wollten. Aber man hat noch nie zerschlagene Gläser gefunden.» «Aber … aber die Schiffshupe …», stottert der Kleine. «Quatsch, Schiffshupe. Das war die Alarm­ anlage. Und jetzt gehen wir zur Polizei.»

Elise schmunzelt. Da ist ja wieder mal alles bestens gelaufen, denkt sie und schwebt hoch auf die Brücke. Dort wartet ihr Kapitän und grinst wie ein Schuljunge. Er liebt es, am Schiffshorn-Seil zu ziehen. «Du hast dir ganz schön Zeit gelassen ­heute», gurrt Elise. «Ach, besser spät als nie», raunt der Kapitän und küsst seine Geliebte. «Wie wahr», flüstert sie und streicht ihm durch den Bart. Jahrzehntelang haben sie und ihr Kapi­tän vergeblich versucht, seiner Frau klar zu ­machen, dass er nie mehr zu ihr zurück­ kehren würde. Selbst nach ihrem Tod hat Mathilde die beiden weiterhin überwacht. Erst jetzt, seit ihre launische Chefin und ­Nebenbuhlerin endlich auf die Lötschberg umgezogen ist, ist Elises Kapitän ­wirklich ­ihrer.

Sandra Rutschi (*1979) arbeitet als Redaktorin bei der Berner Zeitung und ist nebenberuflich freie Autorin. Sie hat den Kriminalroman «Im Schreber­ garten», das Porträtbuch «Bern – Porträt einer Stadt» sowie etliche Kurzgeschichten veröffentlicht. www.sandrarutschi.ch


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DA M PF E R L I

Willkommen an Bord, liebe Kinder!

Die Reise auf dem Dampfschiff ist ein unvergessliches Erlebnis. Es gibt viel zu entdecken. Ein Blick in den Maschinenraum, wo die Dampfmaschine stampft, oder vom Freideck das Leben auf dem und um den See beobachten. Unsere Spielkajüten-Leiterin zeigt dir gerne unser Spiel- und Bastelparadies.

Schneiden Falzen Kleben

Bastle deinen eigenen Fotoapparat

Male deine Kamera nach deinen Wünschen aus. Schneide die Kamera entlang der durchgezogenen gelben Linien aus. Das Loch im Objektiv ist nicht ganz einfach. Knicke das Papier entlang der gestrichelten Linien. Dann nur noch zusammenkleben und fertig ist deine Kamera!

Viel Spass!


Dampf-Blatt Nr. 29  9 K Ä P T ’ N

DA M PF E R L I

Wettbewerb

Gewinne eine Kinderparty auf dem Dampfschiff ­Blümlis­alp, Bücher aus dem Werd & Weber Verlag oder Gutscheine von Franz Carl Weber. Male die Zeichnung aus und lass dabei deiner Fantasie freien Lauf. Was fotografiert der Dampfschiff-Fotograf? Zeichne es in die freie Fläche.

Einsendeschluss

Vorname

Gib deine Zeichnung in der ­Spielkajüte ab oder schicke sie an: Freunde der Dampfschifffahrt ­ Thuner- und ­Brienzersee, Postfach 55, 3602 Thun.

Nachname

31. Januar 2018

Strasse/Nr. PLZ /Ort Alter 

Dieser Wettbewerb wird durch die Freunde der Dampfschifffahrt organisiert. ­Teilnahmeberechtigt sind Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


10  Dampf-Blatt Nr. 29 SPI E Z E R L I

«Moderne Dampfmaschinen sind ­w irtschaftlicher und umweltfreundlicher» In der Dampflokomotiv- und Maschinenfabrik DLM wird an der neuen Dampfmaschine für unser Spiezerli gearbeitet. Deren Leiter Roger Waller erklärt, was eine moderne Dampfmaschine von ihren historischen Vorgängern unterscheidet.

Roger Waller, wie unterscheiden sich ­moderne Dampfmaschinen von ihren histo­ rischen ­Vorgängern? Bei modernen Dampfmaschinen können die Fortschritte der Technik genutzt werden, mit dem Ziel eines wirtschaftlichen und um­weltfreundlichen Betriebs. Bei neuen Kesseln ist eine saubere Feuerung ebenso selbstverständlich wie ein automatischer Betrieb ohne Heizer. Eine neue Dampf­ maschine lässt sich mit einer Fernbedienung ausrüsten, sodass ein zeitgemässes Dampf­ schiff nicht mehr Personal benötigt als ein entsprechendes Motorschiff. Letzt­ lich war dieser technische Fortschritt mit entscheidend, dass das ­ehemalige Motorschiff Spiez nun revaporisiert wird.

Auch beim Bau von Kessel und Dampf­ maschine wird heutige Technik angewendet, also schweissen statt nieten, Rollenlager statt Gleitlager usw. Oft können sogar ­moderne Armaturen der Industriedampf­ technik ab Katalog verwendet werden. Die Dampftechnik ist in der Industrie Alltag und die Entwicklung läuft genauso weiter wie bei den Autos. Von diesem technischen Fortschritt können wir auch profitieren.

Welche Arbeitsschritte sind nötig, um eine Dampfmaschine zu bauen, vom leeren Blatt Papier bis zur fertigen Dampfmaschine? Na ja, jetzt müsste man wohl mit leerem Bildschirm sagen, denn auch Dampfmaschi­ nen werden heutzutage mit CAD konstru­

iert. Ansonsten hat sich die Vorgehensweise kaum verändert. Ausgangspunkt ist ein sogenanntes Pflichtenheft, welches die Anforderungen an die Dampfmaschine definiert. Erste Berechnungen werden zu­ sam­men mit den Entwurfszeichnungen ge­ macht, neue Ideen diskutiert und im Team besprochen. Nicht alle neuen Ideen werden realisiert, denn bei Einzelstücken lohnt es sich nicht, allzu grosse Risiken ­einzugehen. Schon in einer frühen Phase und später umso mehr finden Koordi­nationsgespräche mit dem Schiffsbauer statt, denn die Dampf­ maschine muss ja ­exakt in den Schiffsrumpf passen. Nach der Konst­ruktions- und Berechnungs­ phase werden die Fabrikationszeichnungen erstellt, mit welchen bei mehreren Her­ stellern Offerten eingeholt werden. Die Fab­ rikation der Einzelteile muss eng begleitet

DI E DA M PF L OKOMO T I VU N D ­M A SCH I N EN FA BR I K DL M AG Die DLM hat ihren Ursprung in der ehe­ maligen Schweizerischen Lokomotiv- und ­Maschinenfabrik SLM in Winterthur. Auf ­Initiative von Roger Waller begann sich die SLM ab 1984 wieder mit (moderner) Dampftechnik zu beschäftigen. 1992 und 1996 wurden acht neue Zahnraddampf­ lokomotiven mit Einmannbedienung und sauberer Leichtölfeuerung für die Brienz-­ Rothorn Bahn und die österreichische Schafbergbahn gebaut. Kurz vor der Jahr­ tausendwende entstanden fast gleichzeitig

die neue Dampfmaschine der Montreux auf dem Lac Léman, die als Novum vom K ­ apitän fernbedient werden kann, und die moder­ nisierte Grossdampflokomotive 52 8055 für die saubere Beförderung der Orient-Express-­ Züge des Reisebüros Mittel­thurgau. Kurz vor dem absehbaren Ende der SLM grün­ dete das Dampfteam der SLM mittels eines Management Buyout im Jahr 2000 die DLM AG. Die modernisierte Grossdampf­ lokomotive 52 8055 der DLM.


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DA S PROJ EK T SPI EZ ER L I

Das Spiezerli, wie es 1901 gebaut wurde. Das Spiezerli ist das älteste noch erhaltene Schiff in der Flotte der BLS. Zum ersten Mal stach es 1901 in See. Seither wurde es mehr­­mals umgebaut. Unter anderem wurde die Dampfmaschine durch einen Diesel­

motor ersetzt, der typische Dampfschiff-­ Kamin wurde abgebaut und die rechteckigen Fenster durch Bullaugen ersetzt. 2007 ­wurde das Schiff ausser Betrieb genommen. Nun sind die BLS und die Dampferfreunde daran, das Schiff als einzigartigen Zeit­zeu­gen wieder auf den Thunersee zu bringen. Dazu wird eigens eine Dampfmaschine gebaut. Bereits konnten dafür rund drei Millionen Franken Spendengelder gesammelt werden. Eine Million fehlt noch. Die zweite Jungfernfahrt wird Ende 2018 stattfinden.

Kosten von total Fr. 4,85 Mio Noch zu decken 1,05 Mio Wir dürfen mit ­einem namhaften Beitrag vom ­Lotteriefonds rechnen.

4 Zugesichert IG Spiezerli 0,5 Mio

Bereits gesammelt 3,3 Mio und kontrolliert werden. Nach dem Zusam­ menbau wird die Dampfmaschine getestet und anschliessend mit dem ­Kessel auf ­einem Lastprüfstand genau so aufgebaut, wie sie hernach im Schiff eingebaut ist. Mehrere Prüfläufe unter Last geben Auf­ schluss über die Funktionstauglichkeit und die Leistung der Dampfanlage. Nach bestandener Abnahme auf dem Prüf­ stand werden Kessel und Dampfmaschine in den Schiffsrumpf eingebaut. Die Dampf­ maschine wird mit der Schraubenwelle ­gekoppelt und die Anlage komplettiert. Später folgt die definitive Abnahme auf dem Schiff.

Wo liegen die Schwierigkeiten beim Planen und Bauen einer modernen Dampfmaschine? Die Schwierigkeiten der Planung beginnen bei der Personalsuche, denn das Wissen der Dampfmaschinentechnik ist nicht mehr weit verbreitet. Zum Glück haben wir nach wie vor Ingenieure, Konstrukteure und Zeichner, die bereits bei den früheren Dampf­­aufträgen für die Zahnraddampflokomo­tiven, die DS Montreux oder die Modernisierung der Grossdampflokomotiven 52 8055 dabei ­waren und daher über eine entsprechend grosse Erfahrung verfügen.

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Bei der Fabrikation liegt das Hauptproblem in der geringen Stückzahl. Die Begeiste­­rung der Hersteller hält sich jeweils in Grenzen, wenn die Frage nach der Anzahl der ge­ wünschten Teile mit eins oder zwei beantwor­ tet werden muss. Es hilft dann gelegentlich zu betonen, dass die Teile für eine Dampf­ lokomotive oder eine Schiffsdampfmaschine benötigt werden, das finden eigentlich alle spannend.

Warum faszinieren Dampfmaschinen die Leute Ihrer Erfahrung nach auch heute noch? Bei Dampfmaschinen ist die Umsetzung der Energie in Bewegung sehr gut sichtbar. Man sieht und spürt die Kraft der Maschine förmlich. Nicht zuletzt sind die Geräusche der Dampfmaschinen rhythmisch und sym­ pathisch, während der Lärm der dröhnen­ den und vibrierenden Dieselmotoren mit Schallschutzmassnahmen gedämpft werden muss. Und alle freuen sich, wenn die Dampf­ pfeife melodisch die Ankunft des Schiffes verkündet.

Jede ­Spende zählt

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12  Dampf-Blatt Nr. 29 DS

L Ö T S C H BE RG

Neue Elektronik für das D ­ ampfschiff Die Lötschberg verbringt den Winter im Trockendock. Es gilt, ein Leck abzudichten, das Ruder zu flicken, die Elektronik des Dampfkessels auf den neusten Stand zu bringen und den Bordgenerator zu ersetzen. Die Kosten betragen 620 000 Franken.

Am Bug der Lötschberg muss ein Leck ­abgedichtet werden. Dort ist für Passagiere unsichtbar ein Anker direkt in die Schiffs­ schale eingebaut. Aus dem Schacht, der den Anker beherbergt, dringt seit vergangenem Juni Wasser ein. «Es sind etwa zehn Liter pro Tag», sagt Ralph Darmstädter, Leiter Technik und Infrastruktur bei der BLS Schifffahrt. Zum Vergleich: Je nach Luftfeuchtigkeit und Temperatur produziert die Dampfmaschine im gleichen Zeitraum 20 bis 50 Liter Kon­ denswasser. Das Wasser wird gereinigt, vom Öl befreit und anschliessend zurück in den See gepumpt. Die Passagiere werden da­ durch nicht gefährdet, die Lötschberg konnte weiterhin fahren. «Der Raum könnte bis ­unter die Decke voll laufen und die Lötschberg ­würde

Historischer Anker

trotzdem nicht untergehen», erklärt Ralph Darmstädter. Schlimmer wäre, wenn das Leck grösser würde. Deshalb wurde es während der Saison zweimal täglich kontrol­liert.

Der Ankerschacht muss neu verschweisst werden. Diese Reparaturarbeiten lassen sich nur im Trockendock ausführen, da sich der Riss unmittelbar über der Wasserlinie des Schiffes befindet. Gleichzeitig wird die Ankeranlage mit zusätzlichen Streben verstärkt, damit einem erneuten Defekt vor­ gebeugt werden kann. Die Anlage ersetzt seit der Grossrenovation die heute noch auf Deck vorhandenen Originalanker. Seither kann der Kapitän den 500 Kilogramm schweren Anker per Knopfdruck auswerfen und mit einer elektrischen Ankerwinde wie­ der lichten, also einziehen. Die beiden am Bug sichtbaren Anker dienen heute noch als Zeitzeugen. Der grössere wiegt 235 Kilo­ gramm und wurde im Notfall von Hand ins Wasser geworfen.

Rolle mit Abdeckung

Historische Ankerkette Klüsenrohr Luke Ankerwinde

Ankerkette Leck Anker

Die Mechanik, die das Ruder am Heck ­bewegt, muss geflickt werden. Ein Führungs­ lager hat Spiel und verursacht mechanische Schläge, die im ganzen Schiff zu spüren sind. Nun muss ein neues Lager angefertigt und eingebaut werden. Die elektrohydrau­ lische Heckruderansteuerung wurde 1978 in die Lötschberg eingebaut und stammt vom ehemaligen Wörthersee-Schraubendampfer Thalia, der zu dieser Zeit stillgelegt wurde. Seither kann der Kapitän das Ruder mit ­einem kleinen Hebel in nur neun Sekunden bis zum Anschlag auslenken. In der Zeit ­davor musste dafür ein kräftiger Steuermann das grosse Steuerrad viermal rund­herum drehen, um das Ruder über einem Ketten­ zug zu bewegen.

Die Steuerung des Brenners und des Kessels muss modernisiert werden. Auf der Lötsch­ berg wird seit 1968 mit Heizöl und nicht mehr mit Kohle geheizt. Damit wurde die Arbeit des Heizers enorm erleichtert, der davor täg­ lich zwei Tonnen Kohle aufs Schiff laden und ins Flammrohr schaufeln musste. Eine elektronische Steuerung reguliert den Bren­ ner und sorgt dafür, dass immer genü­gend Dampf im Kessel ist. Die aktuelle ­Steuerung stammt aus dem Jahr 2000. «Sie ist in die Jahre gekommen und anfällig für Pannen», sagt Ralph Darmstädter. Gleichzeitig wird die ganze Sicherheitskette und die Steuerung des Dampfkessels modernisiert. Da sind zahlreiche Sensoren, die zum ­Beispiel Druck und Temperatur im Kessel kontrollieren, etliche Sicherheitsventile und Regulierklappen, welche ersetzt werden. All diese Daten und Befehle werden von der Kesselsteuerung verarbeitet und mit den Anforderungen der Brennersteuerung ab­


Dampf-Blatt Nr. 29  13 BL S

geglichen, damit sich der Dampfkessel ­immer im optimalen Betriebspunkt befindet und jederzeit die benötigte Menge Dampf liefern kann.

Die Dampfturbine und der alte Bordgenera­ tor werden durch zwei Bordgeneratoren der neusten Generation mit Abgasaufberei­ tungs­anlage ersetzt. Die Turbine befindet sich im vorderen, für Passagiere nicht einseh­ baren Teil des Maschinenraums. Auf der Gegenseite befindet sich der heute gut hör­ bare Dieselgenerator. Die Idee der im Jahr 2000 eingebauten Dampfturbine ist es, ­einen kontinuierlichen Dampfverbrauch zu erzeugen und diese Energie in elektrischen Strom umzuwandeln. Leider reicht die ­Leistung der Dampfturbine nicht zur Versor­ gung des gesamten Schiffes und deshalb läuft schon heute zusätzlich der Diesel­ generator, was nicht nachhaltig ist. «Ohne Dampfturbine sparen wir jährlich bis zu 17 000 Liter Heizöl», sagt Ralph Darmstädter. Durch die Anpassung der Energiegewin­ nung und die Anpassung der Brenner- und Kesselsteuerung kann nachhaltig ein stolzer Teil der aufgewendeten Energie in Form von Treibstoff eingespart werden.

Bei der Blümlisalp stehen kleinere Unter­ haltsarbeiten auf dem Programm. Sie wird im Winter 2018/19 wieder etwas mehr in den Mittelpunkt rücken, stehen doch mit dem Ersatz des zweiten Bordgenerators und dem Stapelgang in der neuen Werft ­einige grosse Unterhaltsprojekte an. 2017 leisteten die Dampferfreunde Beiträge von 175 000 Franken an den Unterhalt (Diesel­ gene­rator, Entöler, Zentralheizung).

SPEN DEN Die Arbeiten an der Lötschberg kosten 620 000 Franken. Die Dampferfreunde betei­ ligen sich mit einem nahmhaften ­Beitrag. Jede Spende zählt: IBAN CH68 0900 0000 3022 9418 4. Eingänge werden nicht be­ stätigt, Sie können Ihre Überweisung jedoch in der Steuererklärung geltend machen. Informationen finden Sie auf unserer ­Website www.dampferfreunde.ch.

Die neue Werft in Zahlen Die BLS baut in Thun eine neue Werft. Diese wird am 24. und 25. März mit einem Fest eröffnet. Wir haben für Sie ein paar ­interessante Zahlen zusammen­getragen:

3500 m³

Beton wurden verbaut.

304 T ON N EN Baustahl wurden verbaut.

11,5 T ON N EN

wiegen die grössten mobilen Bauteile, die Dammbalken, welche den Unterwasser­ bereich des Docks vom See trennen. Ein 11 Meter hoher Kran hievt die 3 gleichen Teile jeweils an die richtige Stelle, bevor das Wasser abgepumpt werden kann.

4500 m³

Wasser fasst das Bassin der neuen Werft.

287 L I T ER

Wasser kann jede der beiden Pumpen pro Sekunde aus dem Bassin der Werft ­pumpen. Das entspricht einer sehr grossen Badewanne. Beide Pumpen zusammen brauchen gut zwei Stunden, um das ­Trockendock zu leeren.

2

1

1 4,8 M E T ER

hoch ist die neue Werfthalle ab Hallen­ boden. Die Blümlisalp misst 12,8 ­Meter. ­Inklusive des einen Meter hohen ­Holzblocks, auf dem sie aufliegen wird, füllt sie die Halle beinahe aus.

12,8 M I L L ION EN 3

4

5

Die Dampfturbine (1) und der bisherige

(4) Die Mechanik des Ruders von oben ge-

­G enerator (2, hinter der Leiter) werden

sehen. Sie befindet sich unter dem Bänkli

durch zwei Generatoren der neusten Gene­

im Heck der Lötschberg. (5) Im silbrigen

ration ersetzt. Die Kessel- und Brenner-

Rohr befindet sich die Anker­kette, darun-

steuerung ist 17 Jahre alt und muss ersetzt

ter der Anker, links davon die Anker­

werden (3).

winde.

Franken kostet die neue Werfthalle inklusive Werkstatt.


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M I T G L I E DE R

«Die Lötschberg ist meine grosse Liebe» Jedes Jahr im Sommer besucht er seine grosse Liebe am Brienzersee. Keine Frau, sondern ein Dampfschiff – das DS Lötschberg. Ein Gespräch mit dem Luft- und Raumfahrttechnik-Studenten Tobias Schnizler (22) aus Stuttgart (D).

Tobias Schnizler, Ihre grosse Leidenschaft sind die Dampfschiffe auf den Schweizer Seen, vor allem das DS Lötschberg auf dem ­Brienzer­see. Wie sind Sie zu diesem Hobby ­gekommen? Es wurde ausgelöst durch das Dampfschiff Lötschberg, das ich in einem Familien­urlaub mit 3 Jahren das erste Mal auf dem Brien­zer­­ see gesehen habe. Seitdem bin ich begeis­ tert von diesem Schiff – es ist wie ein Virus, den man nicht mehr losbekommt! Nach und nach kam dann auch die Begeisterung für Schaufelraddampfer allgemein hinzu. Was fasziniert Sie denn an den Dampf­schiffen so sehr? Die Dampfschiffe stammen ja hauptsächlich aus der «Belle Epoque», einer Zeit, in der das Reisen an sich noch etwas Besonderes war. Ich finde, das spürt man den Schiffen auch heute noch an. Sie strahlen ein be­ sonderes Flair aus. Die ganze Atmosphäre an Bord ist einzigartig. Das Interieur, die ­Gerüche, verursacht durch die Dampfmaschi­ nen, die rhythmische Geräuschkulisse, das ­offene Antriebskonzept im Passagier­ bereich … wunderbar!

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Tobias Schnizler auf dem DS Lötschberg: «Für mich passt auf dem Schiff alles ­h armonisch zusammen.»

Warum fasziniert Sie ausgerechnet das DS Lötschberg? Die Lötschberg war der letzte Schaufelrad­ dampfer, der von Escher, Wyss & Cie. ­geplant und gebaut wurde. Ich finde, das spürt man. Für mich ist das Schiff ein Meis­ ter­werk, in das nochmals alles Herzblut ­gesteckt wurde. Und was zeichnet die Lötschberg heute noch aus? Allein schon, wie sie im Wasser liegt! Für mich passt auf der Lötschberg alles harmo­ nisch zusammen. Der Deckaufbau, die ­vielen kleinen Details …

Was war Ihr schönstes Erlebnis auf der Lötschberg? Das war, als mir meine Eltern zu meinem ersten runden Geburtstag einen Besuch auf der Brücke beim Kapitän ermöglicht haben. Warum haben Sie Ihre Leidenschaft für Dampfschiffe nicht zum Beruf gemacht und sind Kapitän geworden? Weil es noch eine andere Leidenschaft gibt: die Fliegerei. Ich bin in der Nähe des Flug­ hafens Stuttgart aufgewachsen und war schon als Kind fasziniert von den Flug­zeugen. Mittlerweile studiere ich Luft- und Raum­ fahrttechnik an der Universität Stuttgart. Dies eröffnet mir später viele Chancen, auch in anderen Branchen Fuss zu fassen. Warum nicht in der Schifffahrt?


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Leserfoto

Volle Kraft voraus: Die Lötschberg sticht bei Ringgenberg in den Brienzersee. Danke für das schöne Bild an den Fotografen Adrian Eschler.

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AUSBL IC K

Es war einmal …

Dampf-Blatt Nr. 30

Sommerliche Ausflugsfahrt mit dem DS ­Bubenberg (1874–1963), Aufnahme 1956, Sammlung dab.

ER SCH EI N T I M M A I 2018 Lötschberg: Die grosse Reportage aus dem Trockendock Blümlisalp: Geschichten aus der Spielkajüte

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