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LOCALIZE Das Heimatfestival 22.

26. Juni

in Potsdam West

www.heimatfestival.de


Umgrenzt vom Park Sanssouci, dem Wildpark und der Havel, geöffnet zum Stadtkern, zwischen Schrebergärten, Plattenbauten und Jugendstilfassaden: Potsdam West bildet die Ausgangslage, um die Wahrnehmung von Heimat ins Gespräch zu bringen. Mit künstlerischen Zugriffen — am Rand der Entscheidbarkeit zwischen Performance, Film, Installation und Experiment —  spürt LOCALIZE Das Heimatfestival vom 22. bis 26. Juni den sensiblen Punkt auf, an dem der Charakter eines Raums erfahrbar wird. » In der Tat « umgibt uns das städtische Umfeld als Referenzrahmen für unsere Erfahrung von Heimat. Es stellt Möglichkeiten bereit und gibt Grenzen vor. Von dem zentralem Festivalort, der Villa des Herrn von Holst, zieht sich ein Netz von Satelliten durch den Stadtraum, die diesen an- und abtasten, Grenzen umspielen und austesten. Pelzige Straßencollagen und illustratorische Experimente verschieben die Wahrnehmung auf alltäglichen Wegen. Orte werden fiktionalisiert und in Stadterkundungen untersucht, die Kassenhalle im ehemaligen Hans Otto Theater öffnet sich für die wirklich letzte Vorstellung und die Tore zum Stadtteil werden umtanzt. Workshops und eine Fahrradtour vermitteln andere Zugänge zum Potsdamer Westen. Ungewohnte Blicke auf sich wandelnde Erfahrungsräume werden im Filmmuseum Potsdam auf die Leinwand gebracht und prämiert. Diese Festivalzeitung verbindet Beschreibungen von Situationen und Orten in Potsdam West mit Informationen zu allen Veranstaltungen von LOCALIZE 2011.


Ein Eindruck von den Veränderungen im Stadtteil vermittelte sich in Begegnungen und Gesprächen. Hier nur ein paar Momente, die unverbunden aufblitzten. Die Interviews sind in voller Länge auf www.heimatfestival.de einzusehen.

» Natürlich soll nichts verfallen, aber es muss nicht alles picobello aussehen. Ich finde Gegensätze spannend und es muss auch die Möglichkeit für › kleine anarchische Situationen ‹ geben. « Helmut Krüger, Soziologe und Stadtteilführer aus Leidenschaft, wohnt seit 17 Jahren in der Brandenburger Vorstadt.

» Die alternative Szene stirbt aus, denn in Potsdam West zu wohnen, das kann sich ja fast niemand mehr leisten. […]  Vieles von dem Ursprünglichen ist leider weg: Keine kleinen Eckkneipen mehr und viele interessante Geschäfte schließen. « Klaus Kühn, Inhaber der Waschbar, ist gebürtiger Hallenser und nennt Potsdam, nach einer Zeit in Ungarn und den USA, seit 1991 seinen Heimatort.

» Besonders beliebt waren in den 70er Jahren die Schallplatten. Leider hielt der Boom nicht lange an, die Kassetten waren plötzlich begehrter […] der Schriftzug selbst hat jedoch bis heute überlebt. « Gerlinde Zarwel arbeitete von 1974 bis 1976 als Bibliothekarin in der ehemaligen Zweigstelle der » Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek « an der Ecke Sello- und Geschwister-Scholl-Straße.

» Es wurde schon einmal versucht, das Gebiet plattzumachen, um Villen zu bauen, aber da sind wir auf die Barrikaden gegangen. Die Anlage ist ja ein Filetstück am Randgebiet der Stadt. Vielleicht kommt es uns da zugute, dass die Anlage auf einer Müllkippe gebaut ist. « Tilo Bettmann, Vorsitzender der Kleingartenanlage Krähenbusch e.V., kam 1973 nach Potsdam und wohnt seit 28 Jahren im Stadtteil.


Foto: Marek Kucera

TEXT Heiko Christians

» ’Sehssu, mein Affgen, das is nu deine Heimat. Sag mal: Würdest du für dieselbe in den Tod gehen?’ « Kurt Tucholsky, Rheinsberg (1912)


Die Redewendung » In der Tat « scheint zunächst ein widersprüchliches Motto für ein Heimatfestival abzugeben. Ist » Heimat « nicht eher reglose vertraute Lokalität, zu der man zurückkehrt, und zeitliche Dauer, in der man pflanzenhaft aufwächst? Ist » Heimat « nicht etwas, das gerade immer da ist (auch wenn es schon längst woanders ist)? Ist » Heimat « nicht etwas, was gerade nicht erst noch » getätigt « werden muss oder gar Ergebnis von etwas sein kann? Holen wir uns Hilfe: In einem Interview von 2004 äußerte Edgar Reitz, Autor und Regisseur einer riesenhaften filmischen Heimat-Trilogie, einen Gedanken, der das klassische Heimat-Gefühl und seine Entstehung gut charakterisiert: In den Jahrzehnten, von denen ich zuerst erzähle, haben die Menschen noch gewusst: Wir leben in einem Dorf, wir leben in einem Teil der Welt, der » hinter dem Mond « zu liegen scheint, die großen Dinge der Welt treffen uns nicht. Und Einzelne aus diesen Dörfern litten deswegen unter Fernweh. Sie brechen eines Tages auf, gehen in die Welt hinaus, wollen sie kennen lernen, und kehren nur selten mit ihren neuen Erfahrungen zurück. Das Dorf bleibt verträumt und verloren zurück. Es entsteht Polarität zwischen Provinz und Metropole oder auch zwischen dem kleinen, eigenen Herkunftsland und den großen Ländern der Sehnsucht. Heimat kann man so erst einmal als » überwunden « erachten, man hat es gewissermaßen woanders » geschafft «, wo es einen hin (fort-) zog. Man kann Heimat aber auch als einen ewigen » Goldgrund « (Michael Rutschky) der Gefühle erinnern, den man nicht mehr erreicht — selbst wenn man später freudig und erwartungsvoll dorthin zurückkehrt. Heimat, könnte man etwas prosaischer sagen, ist entweder ein Informationsgefälle oder ein Gefühlsgefälle. Dem Informationsgefälle ist ein Kampf eingeschrieben, ein Kampf, der sich selbst nicht selten zum Kampf der Generationen oder zum Kampf zwischen Aufbruch und Tradition, zwischen Informiertheit und Konformität stilisiert. Dem Gefühlsgefälle aber ist eine stille Untröstlichkeit eingeschrieben. Es rührt diese von der unvergesslichen Antwort des Novalis auf die Frage » Wohin gehen wir? « her: » Immer nach Hause «, lautete

seine nie verhallende Antwort. Aber wo stehen wir heute mit dem » Heimat « -Begriff, wenn das Nach-Hause-Kommen nicht mehr den einen Ort meint? Heimat ist eben auch ein Ort, an dem » Entscheidungen über unser Leben « gefallen sind, sagt uns Alexander Kluge. Als er 1962 in seinem ersten Buch unter dem Titel » Lebensläufe « Biographien einer beschädigten Generation skizziert, knüpft er die neue Vorstellung von » Heimat « unter den nicht-sesshaften Bedingungen der Kriegs- und Nachkriegszeit an Orte, wo solche » Entscheidungen über unser Leben « gefallen sind: Eine Landschaft kann für einen nicht‑ seßhaften Menschen wie Schwebkowski nicht die Bedeutung haben wie für frühere Generationen, da es kein Land gibt, das Schwebkowski besitzen will, und ohne Besitztrieb die Freude an der schönen Landschaft versagen muß. An die leere Stelle tritt die Beziehung zu dem Land, in dem persönliche Entscheidungen gefallen sind. Deshalb ist das Land zwischen Kolomea und Odessa für Schwebkowski eine von zwei Heimaten, weil eine von zwei Entscheidungen über sein Leben hier stattgefunden hat. » Heimat ist kein ewiges Schicksal mehr « , sagt uns auch Edgar Reitz zu seiner dritten Staffel von » Heimat «, mit der er in der Gegenwart ankommt. Man hat die Entscheidungsmöglichkeit, man kann sich eine wählen. Aber wenn man glaubt, eine gefunden zu haben, dann kommen die Aufgaben, die sie uns stellt. Und darin sehe ich die neue Identität, die man Heimat nennen kann, dass man zu dem Ort, an dem man lebt, in ein produktives Zeit-Verhältnis tritt, dass man ihn in bestimmten Phasen des Lebens mitgestaltet. » Heimat « stellt Aufgaben. Man kann » Heimat « gestalten. Dafür aber bedarf es merkwürdigerweise zunächst eines Bruchs. Auch der Soziologe Helmuth Plessner, der seine Heimat 1933 verlassen musste, hat sich 1953, nach der Rückkehr aus dem niederländischen Exil, unter dem Titel » Mit anderen Augen « aus gutem Grund Gedanken über das Phänomen » Heimat « gemacht — und es jenseits einer Bruchkante angesiedelt. Er betrachtet die Fraglosigkeit, das Selbstverständliche, das Wiederholbare der » Heimat «— aus der Distanz. Auch er entscheidet sich nicht für ein Entweder-Oder, er setzt

sich vielmehr » andere Augen « ein, um zu verstehen, was » Heimat « dem Menschen sein kann und wie er sie ein zweites Mal gewinnt: Im vertrauten Milieu der Heimat werden wir alles mehr oder weniger selbstverständlich finden. Alles geht wie von selbst, natürlich, als ob es so sein müßte, und auch wir gehen wie von selbst auf den vertrauten Wegen, ohne viel zu sehen. Die Wahrnehmungstätigkeit ist stark herabgesetzt, wir verlieren langsam den Blick für die Merkwürdigkeiten und Schönheiten der Stadt und ihrer Landschaft. Die Macht der Gewohnheit läßt die sinnliche Anschauung verkümmern. Wir laufen an der Brandruine eines Hauses vorbei, das wir dreißig Jahre lang auf seinem Platz gesehen haben, wir müssen mit der Nase draufgestoßen werden, um das vertraute Bild der neuen Wirklichkeit zu opfern. Man muß der Zone der Vertrautheit fremd geworden sein, um sie wieder sehen zu können. Was Plessner uns hier so eindrucksvoll schildert, ist die Tatsache, dass Heimat auch ein Wahrnehmungsgefälle schafft. Gerade die alte Selbstverständlichkeit von » Heimat « führt zunächst zu einem Übersehen der Einzelheiten, Komponenten, Strukturen, Grenzen. Wir müssen uns erst » andere Augen « einsetzen (lassen), damit wir Heimat vor Ort in den Blick nehmen können, lautet seine Empfehlung. Localize hat diese Augen » in der Tat « parat. Localize nimmt das Vertraute ins

Visier und hält dieses Visier den Besuchern vor die Nase. Wenn 2011 ausgerechnet Potsdam West auf dem Plan für » andere Augen « steht, dann deshalb, weil man schon immer genau zu wissen meinte, was in diesem Teil der Stadt los (und nicht los) ist: Ein paar Querstraßen mit schönen alten, sorgfältigen renovierten Mietshäusern der Jahrhundertwende, gute Anbindung an Berlin und viel Grün in der Nähe. Diese Gemeinplätze haben ihre Berechtigung — wie jeder Gemeinplatz —, aber es gibt mehr zu entdecken und zu gestalten. Localize treibt Aufwand, um die Grenzen des Blicks aufzusprengen. Localize lädt fremde Künstleraugen ein und schenkt uns ihre Blicke. Localize führt durch Kleingärten, um etwas zu vergrößern. Localize bezieht Stellung im Abbruchhaus, um neue Konturen der » Heimat « aufzuzeigen. Lassen Sie sich ein, dann lassen wir Sie ein!


Mittwoch, 22. Juni, 18 Uhr: Ausstellungseröffnung Donnerstag, 23. Juni bis Samstag, 25. Juni, jeweils ab 13 Uhr Geschwister-Scholl-Straße 51

Direkt am Park Sanssouci steht die Villa aus der Gründerzeit. Ihr einstiger Charme hat sich gut versteckt: Eingebaut in DDR-Funktionsarchitektur ist der Altbau von der Straßenseite nur zu erahnen. Das ehemalige Wohnhaus der Familie von Holst wurde nach zweimaligem Umbau zur Ausbildungsstätte der Diakonie. Seit der Wende steht das Gebäude leer. In den Räumen konkurrieren Linoleumböden, Nasszellen und schmuckloser Anstrich mit großzügigen Fenstern und Deckenhöhen. Verwinkelte Zimmer, der Keller mit Kohlenluke und ein Balkon zum Innenhof charakterisieren den zentralen Veranstaltungsort. In der Villa zeigt LOCALIZE Das Heimatfestival eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst und bringt Ereignisse auf die Bühne. Von diesem Treffpunkt aus starten Entdeckungen, Experimente und Streifzüge in den Stadtteil, welche die Festivalorte miteinander in Beziehung setzen. Im ständigen Kommen und Gehen versammeln sich an diesem Knotenpunkt Erfahrungen, die während des Festivals im Stadtteil gemacht werden.


Moritz Majce, Sandra Manhartseder » Die Umsetzung (Es war einmal und Ein Aufenthalt und Die Umsetzung) « > Mi. 22. Juni, Fr. 24. Juni und Sa. 25. Juni, von 19 bis 23 Uhr. > Eine Tour dauert etwa 30 Minuten. Um Voranmeldung an der Bar wird gebeten! Ein fabulöses Kunststück für eine Person. » Die Umsetzung « ist die Umsetzung der Inszenierungen » Es war einmal «, » Ein Aufenthalt « und » Die Umsetzung «. In » Die Umsetzung « steigt man ein, sie ist ein Transportmittel, das den Fahrgast zu den in ihr ausgestellten Momentausnahmen begleitet: » Es war einmal « vergegenwärtigt Vergangenes, » Ein Aufenthalt « fährt weiter ins Kommende und » Die Umsetzung « wendet sich dem eigenen Verfahren zu: Auf Umwegen, in einer Sackgasse und vielleicht auch im Kreisverkehr dreht sich hier alles ums perfekte Timing. Während des Festivals stehen vor der Villa in der Geschwister-Scholl-Straße 51 Wagen bereit, die jeweils einen Besucher in » Die Umsetzung « bringen. www.moritzmajce.info/mm Kirsty Kross » Ying Yang 2 « > Mi. 22. Juni, 23 Uhr Die in Berlin lebende Australierin beschäftigt die utopische Suche nach Heimat. Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist die abstrakte Darstellung des Ying Yang-Symbols, das den krampfhaften Schrei nach Harmonie in sich trägt. Für sie reflektiert es im gleichen Sinne die Spannungen einer urbanen Neuentwicklung, wie sie auch in Potsdam geschieht. Zwei kontrastierende Kräfte, die nur miteinander ein gleichgewichtetes Ganzes bilden können? In einem Geflecht aus Balance und Chaos provoziert Kirsty Kross in ihrer Performance am Eröffnungsabend mehrere Anworten auf diese Frage. www.legsakimbo.me Dramazone » Das Plaudercamp « > Mi. 22. Juni, ab 18 Uhr, Villa des Herrn von Holst, Geschwister-Scholl-Straße 51 Wo auch immer das Plaudercamp sein Zelt aufschlägt, laden die Experten von Dramazone ein, mit ihnen das Gespräch zu suchen. Bei gemütlicher Atmosphäre wird eine Kamera die Gespräche filmen und auf eine Leinwand übertragen. Ziel des Plaudercamps ist es, möglichst viele Erinnerungen zu sammeln und in einem kollektiven Werk zusammenzuführen. www.dramazone.de

Simon Vincent » Radio Music von John Cage « > Fr. 24. Juni, 20 Uhr Das Stück » Radio Music — for one to eight performers « von John Cage wird unter freiem Himmel aufgeführt. Die Musiker folgen der Partitur, die aus einer Abfolge von RadioFrequenzeinstellungen und Momenten der Stille besteht. Diese Abfolge wird von den Musikern festgelegt. Jede Aufführung des Stücks gelangt somit zu einem anderen Endergebnis. Die Radiofrequenzen und Möglichkeiten seines Geräts legen den Hörer auf einen Empfangsradius fest, situieren ihn in einem Raum, der durch jede Standortveränderung, die umliegenden Empfänger, Menschen und Dinge gestört werden kann. Auf verstreuten Posten im Innenhof der Villa erklingt dieses etwas andere Radiokonzert. www.myspace.com/visionofsound

You’re Only Massive (Maebh Cheasty, David Murphy) » Die Arbeit des Vergnügens — eine AudioDEtour « Ein 30-minütiger Audio-Spaziergang durch den Park Sanssouci für zwei Teilnehmer. Die Weg- und Bewegungs-Anleitungen werden gesungen: Sie führen den Körper durch Abschnitte des Parks und zerlegen so die klassische Verknüpfung von Körper und Landschaft. Interviews mit denjenigen, die den Park benutzen und pflegen, bringen aktuelle Verhältnisse zwischen Arbeit und Freizeit zum Ausdruck. Die Audiodetour wird als Tonbandkassette am 22. Juni erscheinen und ist die Dritte in einer Reihe von Soundwalk-Mixtapes von You’re Only Massive. Einen Walkman und das Tape erhält man gegen ein Pfand an der Bar im Hof der Villa. www.youreonlymassive.com

Irene Anton » intervention invading network « Ein filigranes Gebilde wabert durch den Treppenraum. Es breitet sich aus, adaptiert, unterwirft und invasiert den Raum. Doch Irene Antons textile Netzwerke sind verletzliche Organismen, die jederzeit kollabieren können. Zusammengehalten werden die ungefähr 100 Feinstrumpfhosen durch Verknotungen, die den Ganglienknoten im Gehirn ähneln. Wer bestimmt hier wen? Ein aufgeblasenes und ausgedehntes Spiel, das schnell ins Unheimliche kippen kann… www.irene-anton.de

Kirsten Heuschen » Erinnerungsraum No. 1 und 2 « In zwei übereinander liegenden Duschräumen in der Villa des Herrn von Holst entsteht eine begehbare Cyanotypie. Wände, Decken, Fliesen und die Duschkabinen werden mit Blaudruckchemie bestrichen. Mit Erinnerungen aufgeladene Gegenstände werden im Raum arrangiert und belichtet. Dort, wo vorher die Gegenstände waren, sind nun helle Stellen. Umgekehrte Schatten bleiben dem Raum eingeschrieben — alles andere ist blau. www.kirsten-heuschen.de

Katharina Juliana Cichosch » für die gartenbaukunst « Für manche Breitengrade gilt: Wo immer ein Stück Rasen, da findet sich ein Mensch, der es bewirtschaften mag. Gärten dienen als Surrogat einer selbstgestalteten Heimat, irgendwo zwischen Dekoration und Identifikation. Gräben werden ausgehoben, Sträucher, Pflanzen, Blumen eingesetzt, nach einiger Zeit beschnitten, umgepflanzt und bei Bedarf gewässert. Als ein dem » l’art pour l’art « Gedanken seelenverwandtes Unterfangen weiß Katharina Juliana Cichosch die künstlich angelegten Do-It-Yourself-Gegenwelten zu schätzen und würdigt mit ihren Fotografien ihre mystisch-transzendenten Kräfte. Stella Cristofolini » Dissidente Kartographien « Dissidente Kartographen durchstreifen den Stadtteil, fördern bisweilen Unentdecktes zu Tage und beschreiben Lesarten, Erfahrungen und Strukturen, die in eng gefassten Definitionen von Stadt nicht vorkommen.

Hildegard Projekt » HILDEGARD PROJEKT SKULPTUR « Die mobile Einsatzgruppe schafft ortsbezogene Installationen, selbsternannte » Haufen «. In dem Kollektiv werden die Werke der beteiligten Künstler als Material der Installation proklamiert. Es gibt nicht nur einen Autor, sondern viele. Das neue Werk nennen sie » Hildegard Projekt Skulptur «. Die unterschiedlichen Arbeiten rücken darin physisch extrem nahe zusammen. Die dadurch auftretenden Störungen werden untersucht. www.hildegard-projekt.de Steffen Klaue » ROOFS oF VENEDIG & BERLIN « Zwei kleine Kammern eröffnen zwei Himmelsperspektiven, aus Berlin und Venedig, von Auto und Gondel aus betrachtet. Aus der Enge der urbanen Strukturen strebt der Blick nach oben. In der fließenden Bewegung verliert der Betrachter im Vertikalen den Horizont. Ein Spiel mit der Wahrnehmung, zwischen Freiheit und Klaustrophobie. www.steffenklaue.com


Christoph Knäbich » Accessoires « Eine Vielzahl geometrischer Quader, in Anordnung und Funktion veränderlich, passen sich an den Stadtteil an oder werden von ihm angepasst. Modulhafte Sitzmöbel aus Materialien, die ursprünglich Wohnraummöbel waren, erobern den Stadtraum. Was zuerst im Privaten war, gelangt transformiert ins Freie. Die häusliche Aktivität des Einrichtens, Umräumens und Ausräumens wird mit einem öffentlichen Ort und Passanten in Beziehung gesetzt. Die Kuben erscheinen wie Bausteine, bunt, stapelbar, universell, sperrig. Der Rückgriff auf serielle Formen, aus industriell hergestelltem Material, gestaltet eine Installation, die auf der Annahme beruht, dass die Beziehungen zwischen Mensch und öffentlichem Raum vorläufig und funktional sind. www.christophknaebich.de Steffen KrÄmer » periskop « Ausgangspunkt der Untersuchung ist eine Kleingartenkolonie in Potsdam West, die von drei Bahndämmen eingekesselt wird. Die Parzellen liegen zwischen dem vorbeifahrenden Fern- und Regionalverkehr in einer dreiecksförmigen Senke, scheinbar isoliert von ihrer städtischen Umgebung. Um die Anlage wieder in das Bewusstsein des Stadtteils Potsdam West zu rufen, wird ein Heliumballon von etwa zwei Metern Durchmesser zehn Meter über dem Boden als Wegmarke installiert. An ihm ist eine Weitwinkel-Kamera befestigt, die das darunter liegende Areal aufzeichnet und das Bild an einen Monitor weitergibt. Von der Kleingartenkolonie aus geht der Ballon einen Tag lang auf Wanderschaft durch Potsdam West und wird ab Freitag an der Villa des Herrn von Holst befestigt. » Periskop « untersucht die Topographie der betreffenden Kleingartensiedlung als Versteck und reflektiert die Abschottung einer Mikrogemeinschaft von ihrem umgebenden Stadtraum. Der Abgleich der eigenen Lage wird durch den » Blick aus der Ferne « provoziert. Als entrücktes Objekt vermittelt das dokumentarische Untersuchungsspielzeug den Kontakt zu den Anwohnern und ihrer spezifischen Lage. Dabei wird ihnen die Führung der BallonKamera selbst überlassen und somit an ihren Tätigkeiten aus nächster Nähe teilgenommen. www.stmkr.com Nana Kreft » Blattwürfel, Steinwolle « Nana Kreft reagiert mit ihren Arbeiten auf ihre Umgebung. Die körperliche Erfahrung, sich in der Stadt oder in einer Landschaft zu

bewegen, schlägt sich in räumlichen Objekten, Fotos und Zeichnungen nieder. Aus Erkundungen in Potsdam West isoliert sie einzelne Beobachtungen, besondere Aspekte der räumlichen Erfahrung. Diese Bausteine fügt sie zu einem neuen Ganzen zusammen. Menschen sind in ihren Arbeiten nur indirekt anwesend, in der Form, die sie einer Landschaft gegeben haben. Verdichtet erzählen die Arbeiten über das Dekor von Handlungen und Ereignissen, von der Wechselwirkung zwischen den Menschen und ihrer Umgebung und von den ungeplanten Folgen bewusster Handlungen. Sie zeigen die Bruchstellen, an denen verschiedene Pläne oder Prinzipien aufeinandertreffen. www.nanakreft.com

Anna-Luise Lorenz » Apparaturen zur Rekonstruktion von Heimat « Die Versuchsanordnung basiert auf dem theoretischen Experiment, einen bereits gelebten Moment von Heimat wiederherzustellen und Heimat so der eigenen Kontrolle zu unterwerfen. Zu diesem Zweck werden in einem Raum fünf Staubkollektoren aufgestellt. Über einen dokumentierten Zeitraum wird die Situation der sich im Raum befindlichen Personen, die möglicherweise zu diesem Zeitpunkt auch den Moment von Heimat beinhaltet, prophylaktisch eingesammelt. Dies geschieht über Staub als Platzhalter für die Situation. Über die Informationen, die dieser Staub liefert, kann bereits erlebte Heimat rekonstruierbar und infolgedessen aktiv erlebbar gemacht werden. www.kingkasimir.de mo2Ls » vont parcourir et projeter, ESPECE ESPACE ESPOIR « mo2Ls werden die Raumkonstellationen und -möglichkeiten, die LOCALIZE in diesem Jahr bietet, bewusst — verlangsamt —  ablaufen und aufnehmen. An drei Tagen wird vormittags eine Route passiert, die am Nachmittag in den Ausstellungsraum in der Villa führt und diesen daraufhin durch Körper, Ton und Bild mit Erlebtem füllt. Es entsteht ein Prozess, der in dem Moment der Erkenntnis seiner Wiederholbarkeit aus den räumlichen Anordnungen in Potsdam verschwindet. Zurück bleibt die Erinnerung, dass das Bewusstsein sich vielseitig äußern, aber auch vielseitig eingefordert werden kann. Vielleicht — diese Frage stellt sich das Projekt — kommt es zur Sensibilisierung von Räumlichkeiten, zur Entscheidbarkeit, zum Wissen um Charakteristika.

Vielleicht schürt sich aber auch die Unsicherheit durch das Betreten von neuem Terrain, durch die Befremdlichkeit von den Übertretungen eines Milieus in ein anderes… wahrscheinlich vollzieht sich beides. Mit dieser merklichen und unumgänglichen Ungewissheit als Startpunkt werden sich mo2Ls in den Versuch begeben, sie als Erfahrung zu erleben und ihr transformatorisches Potenzial dem Publikum darzulegen und dieses dadurch gleichsam an dem Prozess teilhaben zu lassen.

Joshua Obliers, Björn GleSS und Jan Schönemann » STRALSUND 1990 vs. 2010 « Ein Amateurvideo — ursprünglich aufgenommen, um die neue VHS-Kamera zu testen — bannt im Dezember 1990 in wackligen Bildern die Hansestadt Stralsund. 20 Jahre später entdecken drei Stralsunder diese Bilder auf Youtube wieder und verbeugen sich mit einer Video-Antwort vor der Einsicht in eine Stadt, an deren Zustand sie sich altersbedingt kaum erinnern können. Doch es ist keine mechanische Wiederaufnahme — jetzt in HD —, sondern eine Annäherung, ein Ausprobieren. Etwas hat sich verändert: Farben, Formen, Perspektiven, Einstellungen. In Musik getauchte Bilder antworten und sagen damit mehr als Stadtentwicklungsberichte, lassen die Veränderungen aufklaffen. Der Nachvollzug des unablässigen Kratzens an den Oberflächen hält die Augen außer Atem — im Taumel der Bewegung, die man immer wieder nur verfolgen, aber nicht beeinflussen kann. www.blog.obliers.de www.nalogoletscho.wordpress.com Klaus Pinter » O.T. « Klaus Pinter lädt zum Tänzchen ein. Diffuse Schrittkombinationen stiften Verwirrung in den Füßen. Wenn die Schritte noch nicht sitzen, kann man sich die Anleitung unauffällig mitnehmen. www.klauspinter.net Swen-Erik Scheuerling » Dreh im Dreh « Swen-Erik Scheuerling fängt in seinen Arbeiten Räume ein, ohne sie festzuhalten. Dimension wird als etwas Bewegtes, nicht Fixiertes oder Fixierbares sichtbar. Visuelle Kipp-Momente entstehen, wenn er Räume mit einer Drehbewegung abfilmt. Die Linienführung, die Perspektivlinien eines quadratischen Raumes werden mit der Bewegung des Kreises konfrontiert, und so scheint sich auch der Raum in Bewegung aufzulösen.


Das Zusammenfallen von Produktions- und Ausstellungsort wird als eine Art Rückkopplung verstanden — ein geschlossener Kreislauf, der sich aber ständig potenziert und die Wahrnehmung des Betrachters herausfordert.

porträtiert filtern sich intime Stimmen der Stadt, werden Bruchstücke aus Potsdamer Leben erzählt, zeigt sich ein Kunstwerk und die Verbindung zu seinem Besitzer. www.verbalart.de

samen Einkauf auf dem Markt, wo frische Zutaten besorgt werden. Aus ihnen wird mit Tom Korn ein leckeres Menü zubereitet. Anschließend kann man sich gemeinsam das Heimatgefühl auf der Zunge zergehen lassen.

Miro Soares » Imprecise Itineraries 3 « Für LOCALIZE produziert der Pariser Künstler Miro Soares nach Projekten in Norwegen und Lettland nun den dritten Part seiner Serie » Imprecise Itineraries « in Potsdam West. Während der Festivaltage folgt er verschiedenen Routen durch den Stadtraum. Die sich im Stadtraum ereignenden Bewegungen werden in seine Arbeit integriert. Zufall und Improvisation bestimmen den Gestaltungsprozess. » Mikro-Ereignisse « der täglichen Routine können in Form eines Film-Essays während des Festivals verfolgt werden. www.mirosoares.com

Diane Welke » dann bist du nicht mehr « In dekorativen Rahmen präsentiert sich ein ruhiger Blick auf häusliche Gesten: Hand-, Garten- und Entstaubungsarbeit, ebenso die Ruhephasen dazwischen. Diese aufgeräumte Welt ist von einem nicht ganz so heimlichen Material durchzogen: rohes Tierfleisch in verschiedenen Farben und Formen. Die Frage, was Schenkel und Hack dort zu suchen haben, läuft ins Leere. Ganz selbstverständlich sind sie in eine beständig betriebsame Welt eingefügt, irgendwie nützlich, ein wenig entrückt. — All die Vergänglichkeit des » dann bist du nicht mehr « , die an den Menschen und Dingen haftet, stillgestellt und entblößt in dieser verschroben gefalteten Berührung von Betrachter, Person und dem kalten Blick der deplatzierten Fleischwaren. www.dianewelke.de

Aufspannen und Ausspannen — Die Slackline erobert die Stadt > Sa. 25. Juni um 11 Uhr Treffpunkt: Villa des Herrn von Holst Die meisten Sportarten sind an bestimmte Orte gebunden: Tennisplätze, Skipisten, Kletterwände. Anders ist es beim Slacklinen. Hierfür braucht man nur zwei Befestigungspunkte und kann (fast) überall loslegen. Die Mischung aus Balance, Konzentration und Koordination ist ein spannendes Unterfangen. Ziel des Workshops ist es, erste Tricks wie das Stehen, Gehen, Umdrehen oder Hinsetzen auf der Line zu erlernen.

Eulàlia Rovira, Johann Martin Winkelmann » Ausflüge mit grösstmöglicher Aufmerksamkeit « Wir durchfahren eine Musterhaussiedlung nahe Potsdam derart, dass wir möglichst jeden Weg einmal genommen haben. Bei dem Versuch, die Dinge, die an uns vorbeiziehen, beim Namen zu nennen, geraten wir in einen Zustand, der Rhythmus und Schleudern vereint, und wir stellen uns die Frage, was wohl die Errungenschaften der modernen Raumfahrt sind. Patricia Vester » Und jetzt du « Jeder Gedanke ist golden. Jede Erinnerung. Ob schlicht oder nicht. » Und jetzt du « erzählt auf 20 Textschildern auf recyceltem Metall von Zeit und Raum, macht Veränderungen der Umgebung nachvollziehbar und kommuniziert ohne Umwege mit dem Passanten. Die poetischen Schilder begegnen uns zufällig an verschiedenen Orten des Stadtteils Potsdam West. www.verbalart.de Patricia Vester » Wohnwandpoesie « Mein Wohnzimmer, mein Bild, mein Leben. Mit der Arbeit » Wohnwandpoesie « greift Patricia Vester kunstvolle Ausschnitte aus Potsdamer Wohngefügen. Die Fotografien beschreiben Räume und Orte gleichermaßen ungenau wie genau. Fakt und Fiktion vereinen sich. Der Besitzer offenbart sich in Nähe oder Distanz zu seinem Bild: in Haltung, Gesten, Sichtbar- oder Unsichtbarkeit. Teilweise selbst

Jana Wilsky » Umhüllung « Durch das Bild bewegen sich mit verspielter Leichtigkeit viele kleine grafische Häuser. Mit Tusche und Feder gezeichnete Haussilouetten, die sich ineinander verschachteln, vereinzelt auftauchen oder als Schattenform existieren. Wie Erinnerungen tauchen sie auf, verschwinden wieder, verselbstständigen sich und entwickeln eine skurrile Eigendynamik. www.janawilsky.de

Brandenburg reloaded — Frischegymnastik gegen olle Kartoffeln > Sa. 25. Juni ab 10 Uhr, Treffpunkt: Villa des Herrn von Holst Ein Kochworkshop mit den Möglichkeiten heimischer Erzeugnisse. Heimat ist, wo man isst. Der Workshop beginnt mit einem gemein-

Der andere Blickwinkel auf die Stadt — Ein Workshop mit der Camera obscura > Sa. 25. Juli um 11 Uhr Treffpunkt: Villa des Herrn von Holst Entdeckt eure Heimat mit einer selbstgebauten Lochkamera! Unter Anleitung der Fotografin Mirjam Dröge wird eine Camera obscura gebaut und zum Einsatz gebracht. Mit experimenteller Fotopraxis statt voller Kontrolle entwickelt man einen überraschenden Blick auf den Stadtraum. » Erkundungen mit dem Fahrrad « > Treffpunkt: Villa des Herrn von Holst, Geschwister-Scholl-Straße 51 > Termine: Fr. 24. Juni um 18 Uhr, Sa. 25. Juni um 13 und 16 Uhr Rund fünf Kilometer zieht sich die Zeppelinstraße vom Luisenplatz bis zur Stadtgrenze in der Pirschheide durch Potsdam West. Gekreuzt wird sie von zwei Eisenbahntrassen. Dieses Dreieck der Verkehrswege vereint ganz unterschiedliche Orte und Atmosphären auf engstem Raum. Ausgehend vom Festivalzentrum in der Geschwister-Scholl-Straße 51 soll die Vielfalt des Stadtteils mit dem Fahrrad erkundet werden. Der Potsdamer Stadtführer Peter Degener führt in zwei Stunden durch das Areal zwischen Schlosspark und Havelufer. Vermittelt wird die Geschichte und Entstehung der verschiedenen Winkel mit ihren sprechenden und verschleiernden Namen: Krähenbusch und Schafgraben, Stadtheide und Luftschiffhafen, Friedrichsstadt und Brandenburger Vorstadt. Die Radtour verbindet die Festivalorte mit den dort gezeigten künstlerischen Arbeiten und ordnet diese in den weiteren Kontext des Stadtteils ein.


Me And Oceans Foto: Fabian Sch端tze


Das Magische Theater › Mittwoch, 22. Juni, 19 Uhr Eintritt nur für Verrückte? Oder wer verrückt hier was? Das Magische Theater testet die Grenzen von Rhythmik, Harmonik und gängigen Spieltechniken und lässt das musikalische Ereignis dabei ins Unbestimmte kippen. Das Publikum wird zum Akteur und die Musiker werden zu Zuhörern, wenn die Bewegung im Raum die musikalische Richtung vorgibt. www.myspace.com/mmtjazz

Vaine Tree › Donnerstag, 23. Juni, ab 18 Uhr im Filmmuseum Potsdam Besinnlich-melodische Klangbilder nehmen den Zuhörer in den Bann, eingängige Melodien schleichen sich sofort ins Gedächtnis ein und bleiben hängen. Im Filmmuseum Potsdam werden in den Pausen die visuellen Impressionen des Kurzfilmwettbewerbs von Vaine Tree musikalisch fortgesetzt. www.myspace.com/vainetree

Sebastian Arnold › Samstag, 24. Juni, 21 Uhr Er ist die Band. Bei der mitreißenden SoloPerformance von » mad scientist drummer « mit Sebastian Arnold an Schlagzeug und Synthesizern trifft der Puls von elektronischer Tanz-musik auf das weite musikalische Spektrum von Postrock, Jazz und Indietronica. Um das Schlagzeug ranken sich Loops und Samples zu einem Tanz- und Klangrausch. www.sebastian-arnold.net

Choirs › Mittwoch, 22. Juni, 21 Uhr Im Internet sind Choirs mit ihrem Namen unauffindbar zwischen den millionen Chören der englischsprachigen Welt — doch wir haben sie trotzdem entdeckt! Im Mai erschien die Debüt-EP » The plain living « und so können wir euch brühwarm den Soundtrack dieses Sommers präsentieren. Treibende Rhythmen und variantenreiche Harmonien poppen geradlinig durch die laue Nacht. www.myspace.com/choirs-band

Me and Oceans › Freitag, 24. Juni, 21 Uhr Fabian Schütze tauscht Seen gegen Spieluhren, Klaviersamples und Soulgrooves. Heraus kommen Popminiaturen, die funkeln und im Dunkeln glitzern. Musik für den Nachhauseweg, Korallenriffe und Flusskreuzfahrten, Musik für Atlantikküsten und Ostseestrandbäder. Lieder über Riesen, die Gute-NachtLieder singen, Wasseransammlungen, die zu wenig Licht beherbergen können, über Städte, die man letztes Jahr verloren hat. www.myspace.com/meandoceans

NIAS › Samstag, 24. Juni, 22 Uhr Edler Pop, kalte Elektronik, düsterer Funk. NIAS kommen mit subtilem Popappeal um die Ecke, um dann unerwartet auf die Hit-Glocke zu dreschen. Eine tickernde Staccato-Gitarre, flimmernde Synthie-Flächen und tiefe Bässe — der Beat der Jungs springt sofort in Herz und Tanzbein über. www.myspace.com/niasberlin

Touchy Mob › Mittwoch, 22. Juni, 22 Uhr Touchy Mob ist die Affäre eines warm herumspukenden Folksongs mit der Körpersprache von Beats. Für den Tanzboden gemeint, wachsen seine Lieder und Tracks auf dem Grund kurzer, bewundernder Blicke statt kontinuierlichem Einfluss. Die Musik entwickelt Pointen, die völlig unterschiedlich im Klang sein können, doch verwandt sind in grober Ästhetik und Stimmung. Keine dichte Masse, aber eine Masse zum Sich-darin-verlieren. www.touchymob.com

Long Voyage › Freitag, 24. Juni, 23 Uhr Long Voyage ist die Indie-Folk-Idee von Nicolas Huart. Huarts Gitarre und Stimme vermitteln unberührte Ehrlichkeit. Seine Musik hängt wie eine Frage im Raum, scheinbar außer Reichweite, denn Huart hat auch keine einfachen Antworten zu bieten. Seine Songs sind das Werk eines reifen Songwriters, der den Wert der Reise mehr schätzt als das Ziel. www.longvoyager.com

Telekaster › Samstag, 24. Juni, 23 Uhr Der Musiker Matthias Grübel und der Filmkünstler Stefan Bünnig, das sind Telekaster aus Berlin. Gemeinsam schaffen sie ein Universum abstrakter Narration und assoziativer Schönheit. Grübels schimmernd–lärmende Klanglandschaften zwischen Melodie und Monotonie verflechten sich mit Bünnigs deutungsoffener Bildwelt aus elegant– minimalen Realfilmsequenzen und erobern als visueller Höhepunkt des letzten Festivalabends die Bühne im Innenhof der Villa des Herrn von Holst. www.telekaster.net


Mittwoch, 22. Juni

Freitag, 24. Juni

18 Uhr

Ausstellungseröffnung in der Villa

ab 13 Uhr

» Das Plaudercamp « von Dramazone

16 — 19 Uhr >

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ab 18 Uhr > 19 Uhr

>

Das Magische Theater (Musik)

21 Uhr

>

Choirs (Musik) 17 Uhr

22 Uhr

>

Touchy Mob (Musik)

23 Uhr

>

» Ying Yang 2 « von Kirsty Kross (Performance)

Touchy Mob (DJ-Set)

18 Uhr

ab 24 Uhr >

>

» LOCALIZE schließt auf « Einmalige Ausstellungseröffnung in der ehemaligen Bibliothek Sellostraße 30

>

OXYMORON Dance Company Exklusive Fragmente aus » Die Heimsucher und der Kosmopolit « Sellostraße 30

>

» Erkundungen mit dem Fahrrad « mit Peter Degener Treffpunkt: Villa des Herrn von Holst

>

» Radio Music von John Cage « von Simon Vincent (Performance)

20 Uhr

Ausstellung in der Villa geöffnet

Donnerstag, 23. Juni

ab 13 Uhr >

Ausstellung in der Villa geöffnet

21 Uhr

>

Me and Oceans (Musik)

18 Uhr

Kurzfilmwettbewerb im Filmmuseum Potsdam Musik von Vaine Tree

22 Uhr

>

OXYMORON Dance Company Exklusive Fragmente aus » Die Heimsucher und der Kosmopolit «

>

Long Voyage (Musik)

>

23 Uhr

ab 24 Uhr >

DJ Monolith und DJ ittetsu (Livestream aus Tokyo) DJ Eckez und der Tollwütige Hund

Impressum Herausgeber: LOCALIZE e.V. Vorstand/V.i.S.d.P.: Doreen Löwe, Peter Degener, Anja Engel Redaktion: Festivalteam 2011 Redaktionsadresse: Localize e.V. Friedrich-Ebert-Straße 53 14469 Potsdam localize@heimatfestival.de

Layout: Robert Krug, visuellrezept Fotos: Sebastian Gabsch (www.sega-foto.de), Filmfotos: mit Genehmigung der Filmemacher Auflage: 10.000 Exemplare Druck: BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH Inhalte dürfen vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Der Autor muss erwähnt werden. Das Festival wird veranstaltet vom gemeinnützigen Localize e.V.

Festivalteam 2011: Elena Arbter, Ina Bassarak, Michèle Brand, Linda Dabbagh, Antonia Dittmann, Anja Engel, Steffi Fiebiger, Marie Hartmann, Katrin Heink, Hans Kannewitz, Robert Krug, Sophie Kulik, Gustav Link, Doreen Löwe, Henrik Miers, Torsten Otto, Jannes Schwentuchowski, Nora Spiekermann, Claudia Steinwegs, Brigitte Tjimbawe, Lisa Wiemer und Hannes Zimmermann.


Samstag, 25. Juni

Sonntag, 26. Juni

10 Uhr

20 Uhr

>

11 Uhr

>

11  Uhr

Kochworkshop » Brandenburg reloaded — Frischegymnastik gegen olle Kartoffeln « Anmeldung unter: workshop@heimatfestival.de Slackline-Workshop » Aufspannen und Ausspannen « Anmeldung unter: workshop@heimatfestival.de Treffpunkt: Villa des Herrn von Holst

>

Camera obscura-Workshop » Der andere Blickwinkel auf die Stadt « Anmeldung unter: workshop@heimatfestival.de Treffpunkt: Villa des Herrn von Holst

ab 12 Uhr

>

» LOCALIZE schließt auf « Kathrin Ollroge lädt zu Kaffeekranz und Tanz im Kleingartenlokal » Krähenbusch « Primelweg 84

ab 13 Uhr

>

Ausstellung in der Villa geöffnet

13 + 16 Uhr >

13 — 16 Uhr >

17 — 20 Uhr >

» Erkundungen mit dem Fahrrad « mit Peter Degener Treffpunkt: Villa des Herrn von Holst » Wohin fahrt ihr? Zum Nordpol? « Soundinstallation von Felix Urban und Valentin Lorenz » Platte « an der Knobelsdorffstraße » LOCALIZE schließt auf « Einmalige Öffnung der Kassenhalle, ehemaliges Hans Otto Theater Zimmerstraße 10

17 Uhr

>

» Alles, was wir gaben.« Performative Installation mit Eddie Irle, Roland Kuchenbuch, Michael Schrodt u.a. Anschließend Balkon-Konzert mit den HOT-Four Zimmerstraße 10

21 Uhr

>

Sebastian Arnold (Musik)

22 Uhr

>

NIAS (Musik)

23 Uhr

>

Telekaster (Musik)

ab 24 Uhr >

Tanzen mit mogreens, Foehrb und SAMple85

>

Filmvorführung » Lost Town « (Regie: Jörg Adolph, Deutschland 2009) im Filmmuseum Potsdam. Eintritt: 3 Euro

Alle Veranstaltungen ohne gesonderte Ortsangabe finden in oder bei der Villa des Herrn von Holst in der Geschwister-Scholl-Straße 51 statt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei!


Freitag, 24. Juni, 16 bis 19 Uhr Sellostraße 30 Ein großer Schriftzug verkündet, was sich lange Zeit in dem Laden an der Sellostraße, Ecke Geschwister-Scholl-Straße befand: eine Bibliothek mit einem großen Schallplattensortiment. Auch eine Kneipe war einst in den Räumen ansässig, ebenso ein Perlenladen und eine Galerie. Seit Mitte der Neunziger drücken sich die Potsdamer jedoch die Nase am Schaufenster platt und sehnen sich hinein. An der Ecke, an der für viele Potsdam West erst beginnt, dort, wo man in die beschauliche Brandenburger Vorstadt einfährt und alternatives Wohnen, Plattenbau und unsanierter Altbau aufeinander treffen, schließt LOCALIZE am Freitagnachmittag die Türen auf, bevor in der zweiten Jahreshälfte die Sanierung beginnen soll. Abe Rechterschot » Untitled (Potsdam Camouflage) « In seiner Arbeit zeigt er die Verbindungen zwischen Objekten, Situationen und deren Bedeutung auf, verändert hierarchische Positionen und überdenkt ihren Wert. Im Spiel mit gegensätzlichen Größen verwirren sich Erwartungen und heftet sich ein neuer Sinn an die fotografierten Objekte. In der Umgebung des Festivals entstehen Detail- und Landschaftsaufnahmen, die ineinander angeordnet den voll erfassenden Blick auf den Stadtteil verweigern. In einer fragmentierten Wahrnehmung beziehen sich Nah und Fern aufeinander, suggerieren Orientierung, die sich entzieht. Aus der Befragung des Bildaufbaus, der Illusion von Tiefe in einem flachen Bild und einem Augenmerk auf die Materialität der Fotografien kommt es zu kleinen Verschiebungen, aus denen die skulpturale Qualität von

alltäglichen Objekten spricht. Durch die Techniken der Collage, des Einscannens, des erneuten Fotografierens und der Vergrößerung werden Fotos zu räumlichen Objekten. www.aberechterschot.com

Arne Lösekann » Stück Erinnerung (weiSS) am-ent-schweben « Weiß tilgt viele Spuren. Spuren der Verwitterung, von Benutzung, Abrieb, Verfall, Herkunft, Zuordnung und Wert. Weiß entblößt die Form der Objekte, enthebt sie aus ihrem trivialen Gebrauch. Schon nicht mehr hier, im Gefüge des Kontexts, eröffnen sie einen eigenen Raum. Wenn Dinge » in der Schwebe « sind, geht man am besten kein Risiko ein, hält sich zurück — auf Abstand — zu einer verpflichtenden Anteilnahme an deren Verbleib. www.creativchaos.com

Oxymoron Dance Company » Die Heimsucher und der Kosmopolit « › Fr. 24. Juni, 17 Uhr, Sellostraße 30 › Fr. 24. Juni, 22 Uhr, Villa des Herrn von Holst (Geschwister-Scholl-Straße 51) Wie viel Heimat vertragen wir? Braucht es ein Lebenszentrum? Können wir als staatenlose Weltbürger existieren — wo liegt die Synthese aus partikularistischer und universeller Motivation? Die Oxymoron Dance Company stellt erste Fragmente der neuen Produktion » Die Heimsucher und der Kosmopolit « im Rahmen von LOCALIZE vor. Gemeinsam mit der Performancekünstlerin Birgit Ramsauer und der Choreografin Anja Kozik begeben sich die Tänzer, Schauspieler und Musiker auf die Suche nach einer darstellbaren Essenz der Grundfragen unseres Lebens. www.waschhaus.de/oxymoron


Samstag, 25. Juni ab 12 Uhr Primelweg 84 Schaut man von oben auf Potsdam West, wird es deutlich: Fast ein Drittel des Stadtteils ist bedeckt von Kleingärten. Hinter der Villa des Herrn von Holst, ein Stück den Werderschen Weg entlang, beginnt das riesige Areal mit Parzellen, Beeten und ihren Pächtern. Dort versteckt sich auch das seit dieser Saison leerstehende Kleingartenlokal » Krähenbusch «, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint — Holzfurnier, legendäre Skatblätter an der Wand und Plastikstühle unter Wellblechdächern. Kleingartenlokal » Krähenbusch « Die Potsdamer Fotografin Kathrin Ollroge und Freunde laden am Festivalsamstag, im Rahmen von LOCALIZE, in das Kleingartenlokal » Krähenbusch « zu frischem Kuchen und Kaffee, Cocktails, Würstchen, Musik und Tanz.

Außerdem kann man pflanzen und Blumenkästen mit Wachscover schmücken. Neben kulinarischer und musikalischer Versorgung zeigt Kathrin Ollroge an diesem Ort Fotos ihrer Serie » Kleingärten « , die 2007 und 2011 in Potsdam sowie Leeds, Birmingham und London in England entstand.

Die Bilder zeigen Porträts von Besitzern individuell gestalteter Kleinode, Beete und Gartenlauben und spiegeln landesspezifische Charakteristiken wieder — von der reich ausgestatteten Laube mit Jägerzaun bis hin zum reduzierten englischen Geräteschuppen. www.gallery-22.com


Aus den Pflanzenkübeln auf dem einbetonierten Platz wuchert es wild, lebendig scheint er dennoch nicht. Umringt von Plattenbauten liegt die Freifläche brach. Doch am Samstagnachmittag erschallen dort unerwartete Geräusche, skurrile Musikfetzen und wirre Rufe, die den Ort in Bewegung versetzen.

Das im 19. Jahrhundert als Jagdrevier für die brandenburgischen Fürsten und die königliche Krone angelegte Waldgebiet lädt heutzutage nicht mehr zur Pirsch auf den weißen Hirsch, sondern zu Spaziergängen auf dem achtstrahligen Wegestern. In den Festivaltagen wird der Wanderer durch eine plötzlich auftauchende ebene Fläche überrascht. Felix Urban, Valentin Lorenz » Wohin fahrt ihr? Zum Nordpol? « > Sa. 25. Juni, 13 bis 16 Uhr, » Platte « an der Knobelsdorffstraße Mit einer Audiokonstruktion beschallen Valentin Lorenz und Felix Urban den ungenutzten Betonplatz zwischen Haeckel-, Storm- und Knobelsdorffstrasse mit Klängen, die das Gegenteil dieses Ortes behaupten. Ein virtueller Klangraum wird an einem realen

Ort installiert und die Konstitution des Raumes zwischen Tatsache und Fiktion untersucht. http://felix.urbanconceptual.net

Christoph Bartsch, Marcus GroSSe » Zurück in den Wald « > Wildpark West, ca. 200m hinter dem Eingang am Forsthaus Sanssoucitor Mit einer 30 Quadratmeter großen Laminat-

fläche breitet sich heimischer Wohnkomfort über unebenen Gefilden aus. Im Wildpark West wird ein laminierter Waldboden begehbar, besetzbar, benutzbar. Herausgelöst aus den vier Wänden kann sich dieser Fremdkörper in seiner einstigen Umwelt nicht mehr verwurzeln und lässt so die Grenzen zwischen Urbanem und Ruralem überlappen. Ein Gegeneinander von Waldboden, Laub, MDF-Platte und laminiertem Sperrholz.


Samstag, 25. Juni, 17 bis 20 Uhr Zimmerstraße 10 Der ehemalige Standort des Hans Otto Theaters in der Zimmerstraße ist ein wechselhafter Ort. Aus der ursprünglichen Bierhalle vor den Toren der Stadt wurde in den 1940ern das Stadttheater. Mitte der 1990er, als der Theaterbetrieb in der Zimmerstraße eingestellt wurde, zogen die zahlreichen » letzten Vorstellungen « viele Potsdamer an diesen verschwindenden Ort. Von dem alten Gelände ist heute kaum mehr als das Foyer erhalten. Wo einst Bühne und Publikumssaal, Werkstätten und Fundus standen, macht sich heute eine Sandwüste breit. Bevor die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten mit den Bauarbeiten für ihr neues Verwaltungs-, Werkstätten- und Lagerzentrum beginnt, schließt LOCALIZE die Türen zur alten Kassenhalle auf und lädt zu der wirklich allerletzten Theatervorführung. » ALLES, WAS WIR GABEN. « Bei den Abrissarbeiten in der Zimmerstraße 10 trat unverhofft menschliches Leben zu Tage: Gestalten, die behaupten Schauspieler zu sein und die das Gebäude, von dem berichtet wird, dass es einst ein Theater beherbergte, vielleicht nie verlassen haben. Sie erzählen von Vergangenheit, Gegenwart und vielleicht sogar der Zukunft eines

Ortes, an dem Geschichten geboren und mit Geschichten gehandelt wurde. Einem Ort der Entscheidungen, der Fragen und der Antworten. Sie beginnen ein Spiel, von dem niemand so recht weiß, ob es nicht doch Realität sein könnte. Eine performative Installation mit Eddie Irle, Roland Kuchenbuch, Michael Schrodt u.a. Anschließend: Balkon-Konzert mit den

» HOT-Four « (Rock/Trash). Die Band, die sich aus Mitarbeitern verschiedener Abteilungen des Hans Otto Theaters zusammensetzt, schafft mit ihren Liedern eine ganz eigenwillige Interpretation der Pop- und Rockgeschichte. Mit René Schwittay (vocals), Marcel Schmidt (drums), Frank Wendel (guitar) und Patrick Rost (bass). www.hansottotheater.de


Auf halber Höhe der Zeppelinstraße liegt der Bahnhof Charlottenhof. Die zum Zug eilenden Pendler schenken dem Ort meist nur wenig Aufmerksamkeit. Dabei ist der wohl am stärksten frequentierte Ort des Stadtteils seit Jahren ein lokales Politikum. Von seinem Betreiber, der Deutschen Bahn, eher stiefmütterlich behandelt, fehlt ihm ein behindertengerechter Zugang und das, obwohl der Wunsch nach einem Fahrstuhl in einem der kinderreichsten Viertel Deutschlands groß ist. Auch der direkt hinter dem Bahnhof liegende Schillerplatz und die angrenzenden Arbeiterwohnungen aus den 1930er Jahren werden oft übersehen. LOCALIZE rückt die Gegend am und um den Bahnhof in den Fokus. Eva Schmeckenbecher » Adolf-Hitler-Platz — Goetheplatz — Schillerplatz « Zugänge und Ausblicke, die sich in und aus Wohnungen, Erinnerungen und den Geschichten von Orten und Menschen entspinnen. Mit der Frage, ob sie sich ein Bild machen darf, stößt Eva Schmeckenbecher nicht immer auf offene Ohren, aber auf unterschiedliche Einstellungen zu geschichtlichen Verknüpfungen, Privatsphäre und Öffentlichkeit. Ein Bild vom Fensterkreuz lässt durch einen Schattenriss die Perspektive auf den Platz nach innen gleiten. Wie in einem ähnlichen Projekt aus dem Jahre 2002 in Biberbach bei Augsburg bittet Schmeckenbecher an einem weiteren ehemaligen » Adolf-Hitler-Platz « um Einlass. Unvoreingenommen möchte sie mehr über die Veränderung der Wahrnehmung am heutigen Schillerplatz erfahren. Das Anvertrauen des persönlichen Ausblicks wird vor Ort ausgehandelt und ausgestellt.

Günter zur Nieden » f_STUHL « Im baulich blinden Fleck Bahnhof Charlottenhof zeichnet Günter zur Nieden eine Problemlage präzise auf. Die Linien und Objekte verweisen auf eine Barrieren- und Schwellenfreiheit, die uns heute als selbstverständlich gilt, an diesem Ort aber nicht angekommen ist. Aus Lücken in den gewohnten Anordnungen brechen die Begehren, Mühen und Gewohnheiten vieler Menschen hervor. www.awerk.com IllustratorenGRUPPE » Farbanschlag « Ein Projekt von Illustratoren der Fachhochschule Potsdam unter der Leitung von Marcel Kläber, Josephin Sachs und Kathlen Pieritz. Zehn Tage wird an der Litfaßsäule am Bahnhof Charlottenhof zu sehen sein, was die Studenten eklektisch zusammengefügt haben. Begleitet sie aufmerksam beim Entstehen und

Wachsen ihrer Arbeiten — oder erhascht einen Blick auf das Endprodukt. www.design.fh-potsdam.de

Neozoon » DON`T F*** WITH THE KAISER « Die in Berlin und Paris arbeitende Künstlergruppe Neozoon beschäftigt sich mit der Beziehung von Mensch und Tier. Ausgangsmaterial ihrer Arbeit sind weggeworfene Pelzmäntel, die in unterschiedlichen Formen wieder zu Tieren werden, die die Gruppe im öffentlichen Raum aussetzt. Die Stadt dient hier als Experimentierfeld, um dem Umgang einer modernen Zivilisationsgesellschaft mit Totem und Lebendigem nachzuspüren. Die Straßen-Collage am Bahnhof Charlottenhof nimmt die Jagdbesessenheit Kaiser Wilhelms II aufs Korn und inszeniert eine Ikonografie vergangener und zeitgenössischer Raumaneignung. www.neozoon.org


Am Donnerstag, den 23. Juni 2011 haben die Festivalbesucher die Möglichkeit, ihren Tag beim Kurzfilmwettbewerb von LOCALIZE ausklingen zu lassen. Ab 18 Uhr gibt es vor dem Filmmuseum Potsdam grüne Wiese, Waffeln und Musik von Vaine Tree. Drinnen warten dann bereits » tatkräftige « Kurzfilme auf ihre Aufführung. Aus über 100 Einsendungen wurden Dokumentationen, Animationen und filmische Experimente für die große Leinwand ausgewählt. Die Filmemacher zeigen ihre Sicht auf städtische Wahrnehmung und bürgerschaftliches Engagement im kleinen und großen Stil. Am Ende des Abends wird bekanntgegeben, welche drei Filme die Preise im Gesamtwert von 1000 Euro mit nach Hause nehmen dürfen. Die Moderatorin Carla Kniestedt, die Künstlerin Antje Engelmann, der Regisseur Thomas Frick und Prof. Dr. Heiko Christians, Professor für Medienkulturgeschichte, geben sich als diesjährige Jurymitglieder die Ehre, die Sieger zu küren. Auch die Besucher haben an diesem Abend die Möglichkeit, tätig zu werden, wenn sie ihren » Liebling « wählen und mit dem Publikumspreis ehren. Durch den Abend führen Sarah Bosetti und Daniel Hoth, die der eine oder andere vielleicht noch vom Poetry Slam bei LOCALIZE 2010 im Ohr hat. Der Eintritt ist kostenlos.


Turn Baby Turn Dagie Brundert, 2010, 2:12 Min. Manchmal sollte man sich in seinen eigenen vier Wänden anders positionieren als gewohnt, sich auf die Erde legen und die Welt von unten angucken. Denn Perspektivenwechsel gibt dem Eigenweltbild mehr Dichte.

Kamienica. das Haus Ronald Urbanczyk, 2006, 11:57 Min. Gegenwart und Vergangenheit eines Hauses in Breslau verschmelzen. Während die Bewohner von dem schlechten Zustand des Hauses berichten, wird die Geschichte von Martin Albers erzählt. Mit ihr erwacht das Gebäude zum Leben.

Bricks Kathrin Kollmann, 2010, 2:53 Min. (engl.) Auf dem Hausdach einer alten, heruntergekommenen Fabrik will ein Graffiti-Sprayer seine Kunstfertigkeiten üben. Doch hat er die Rechnung ohne das Gebäude gemacht, denn die Fabrik ist es leid, das Opfer menschlicher Eingriffe zu sein.

Kaukasische Rochade Ulrich Aschenbrenner, 2009, 15:50 Min. 1989 tauschen zwei 400 km voneinander entfernte Dörfer im Kaukasus ihre Orte. Der Umzug hat seine Spuren bei den Bewohnern hinterlassen. Die neuen Häuser und ihre Umgebung werden den selbstgebauten im alten Dorf heute immer noch nicht gerecht.

Ali sein Garten Undine Siepker, 2010, 14:50 Min. Koreanische, türkische und ostpreußische Migranten treffen in einem Schrebergarten im Ruhrgebiet aufeinander. Zwischen türkischen Riesenbohnen, koreanischen Trommeln, Gartenzwergen und Schweinswürsten blüht in der deutschen Klischee-Idylle die kulturelle Vermischung.

n gschichtn Eva Becker, 2011, 17:34 Min. Schilder demonstrieren mit www-Zitaten, Yeti-Schnäppchenjäger stehen an einer Haltestelle im Weltall und träumen davon, dass ihnen jemand zuhört. Eine Parodie auf uns selbst sowie unser Agieren in unserer Umgebung und miteinander.

Entropia Marcus Große, 2010, 3:20 Min. Das innerstädtische Gewerbegebiet » Techno Terrain Teltow « in Teltow (Brandenburg) — eine Gesellschaftsform, die bestimmt ist von Zweckarchitektur. Eine Städteplanerin berichtet von der Zwickmühle zwischen wirtschaftlicher Abhängigkeit und Sinn für Gemeinwohl, in der sie sich zu befinden meint.

Märchendising Johanna Ickert, 2010, 15:30 Min. Tief im uckermärkischen Wald kämpft Frau Hollendorf um den Erhalt ihres » Märchenlandes «, einer Erlebniswelt für Kinder. Doch trotz des Workshops » Substantial Success «, eines Telefon- und eines Lunchcoachings scheinen die Probleme unlösbar.

Trinkler Marie-Catherine Theiler, 2010, 9:40 Min. Eine Kuhglocke versetzt Arbeitsplätze in Schwingung. Was tut der Mensch mit einem so abstrusen Gegenstand in einer Schlachterei, in einer Apotheke oder mitten auf der Straße? Der öde Arbeitsalltag gerät in Bewegung.

hunger Carolina Hellsgård, 2009, 17:40 Min. Zwei vernachlässigte Brüder stehlen sich heimlich in die fremde Wohnung der wegen illegalen Aufenthalts abgeschobenen Nachbarsfamilie. Auf den ersten Blick ist es eine normale Wohnung, die Kinder aber entdecken in ihr eine ganz neue Welt.

Home Lisa Domin, 2011, 1:25 Min. (engl.) » Wie verdammt noch mal schaff ich es, mir ein Zuhause zu kreieren? «, fragt ein Singsang immer wieder. Untermalung bieten Bilder des vergnüglichen Treibens in einer Welt, die uns mehr Möglichkeiten denn je bereithält.


Foto: Johannes Ingrisch


Zwei sympathische Jungarchitekten, eine spannende Idee und die Einwohner einer englischen Stadt gegen sich. Anne Niemann und Johannes Ingrisch haben den Ideenwettbewerb für das Errichten einer Landmarke im englischen Suffolk gewonnen. Ihre Vision ist es, eine Stahlkonstruktion im Meer vor der Küste Ost-Englands zu errichten. Das Monument soll an eine ehemalige Kirche erinnern, die an dieser Stelle durch Erosionen versunken ist. Voller Elan macht sich das Architektenpaar an die Arbeit. Doch in England stoßen die motivierten Münchner auf unerwartete Schwierigkeiten. Es scheint, als würde der Protest der ansässigen Bürger das Projekt » Lost Town « untergehen lassen. Im Interview mit LOCALIZE erzählt der Regisseur Jörg Adolph von den Besonderheiten seines Dokumentarfilms und macht neugierig auf LOST TOWN am Sonntag im Filmmuseum.

LOCALIZE: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Architektenpaar? Jörg Adolph: Durch einen Artikel im Lokalteil der Süddeutschen Zeitung, der seltsamerweise mit » Bayern bauen britpopulär —  Wie eine gute Idee zwei junge Münchner über Nacht zu Stararchitekten machte « überschrieben war. Als ich Anne Niemann und Johannes Ingrisch dann zur Recherche traf, wurde schnell klar, dass ihr Projekt gar nicht sonderlich populär in Großbritannien war und auch das tatsächliche Bauen noch in weiter Ferne lag. Stattdessen erzählten sie von vielen offenen Fragen und strahlten auf sympathische Art einen überforderten Aufbruchsgeist aus. Das schien mir nun wirklich eine gute Geschichte zu sein und wir beschlossen, die nächste Englandreise gemeinsam anzutreten. Wie war es, an einem Film zu arbeiten, dessen Ende offen ist? Mir ging es mit dem Film ähnlich wie den Architekten mit ihrem Projekt. Ich war naiv, enthusiastisch und begeistert von den Dreharbeiten und habe alle Bedenken, auch über die Finanzierung, in den Wind geschlagen. Die Absagen von TV-Sendern schienen mir recht logisch, obwohl sie natürlich zugleich völlig dämlich waren: » Schönes Projekt, aber nur, wenn die Kirchen im Meer auch wirklich gebaut werden. « Die Redakteure wollten doch tatsächlich eine Erfolgsgarantie. Was soll man dazu sagen? Zum Glück sind Anne und Johannes immer weiter dran geblieben und haben mich dabei mitgenommen. An welchem Punkt wurde Der Dreh beendet? Das war eine sehr schwierige Entscheidung. Die Dreharbeiten wurden nach fast fünf Jahren beendet, als es 2009 zum totalen Stillstand des Projektes durch die Weltwirtschaftskrise kam. Es war deutlich absehbar, dass sich die nächsten ein, zwei Jahre nichts mehr in Sachen » Lost Town « bewegen lassen würde.

Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits mit einem anderen LangzeitDokumentarfilm (über die Oberammergauer Passionsspiele) beschäftigt war und zudem ein schönes, poetisches Schlusswort gedreht hatte, fragte ich die Architekten, ob sie es als Verrat betrachten würden, wenn ich den Film an diesem Punkt fertig stelle. Wir verabredeten letztendlich, jetzt Bilanz zu ziehen und die Dreharbeiten wieder aufzunehmen, sobald es mit dem Projekt weiter geht.

Der Film hat viele Höhen und Tiefen. Wie haben Sie und das Filmteam diese Zeit erlebt? Das erlebt man sehr körperlich und nervenzerrüttend mit, weil wir als Filmteam längst Teil des Projekts geworden sind. Im Grunde ist meine Position als Filmemacher schizophren, denn ich muss beide Seiten bedenken: Der Film benötigt die Dramatik, das Auf und Ab, um spannend zu sein, wenn man aber vor Ort und mit Leib und Seele dabei ist, dann möchte man sich am liebsten verstecken, bis alles gut ausgeht. Ich erinnere mich aber auch an einen Moment, an dem ich brachial motivatorisch tätig wurde, indem ich den Architekten erklärt habe: » Hier könnt ihr noch nicht aufgeben. Das ist kein gutes Filmende! « Konnten Sie die ablehnende Haltung der Bürger nachvollziehen? Wie viel Mitspracherecht sollten sie Ihrer Meinung nach bekommen? Ich konnte die Bürger fast immer verstehen. Jeder möchte doch nur seine Ruhe und seinen Frieden haben. Vermutlich hätte ich, würde ich an der englischen Küste wohnen, mich auch über die Pläne der jungen Deutschen lustig gemacht und meinen Platz an der Sonne verteidigt. Diese » not in my backyard « – Haltung ist aber auch extrem durchschaubar und letztlich lebensfeindlich. Und was das Mitspracherecht angeht, kann es davon auf der Gemeinde-Ebene wohl kaum zu viel geben. Im Film gibt es einige positive Beispiele, Menschen, die eine Gemeinde durch ihren ehrenamtlichen Einsatz zusammenhalten und weiterbringen. Und von der überaus munteren Streitkultur der Engländer können wir noch eine Menge lernen. Die sagen auf rhetorisch höchstem Niveau einfach die größten Gemeinheiten. Glauben Sie an die Realisierung des Projektes? Unbedingt! Wobei ich mir unsicher bin, ob der Dokumentarfilm LOST TOWN nicht schon Realisation genug ist und das Schlusswort von Johannes Ingrisch im Film eine Äußerung, der wenig hinzuzufügen ist. Aber das können die Zuschauer sicher besser entscheiden. › LOST TOWN (Dokumentarfilm, D 2009) läuft am 26. Juni um 20 Uhr im Filmmuseum Potsdam. Der Eintritt beträgt 3 Euro.


➙ Fußweg vom Bhf.    etwa 5 Minuten

Park Sanssouci

en

Fußweg von TRAM etwa 5 Minut

Tram 94 / 91 Schloss Charlottenhof

Tram 94 / 91 Kastanienallee Havel

Tram 94 / 91 Auf dem Kiewitt

Tram 94 / 91 Luisenplatz

Villa des Herrn von Holst, Geschwister-Scholl-Straße 51

Bibliothek Sellostraße 30

Kleingartenlokal » Krähenbusch « Primelweg 84

» Die Platte « Knobelsdorffstraße

Wildpark West, Eingang Forsthaus Sanssoucitor

Kassenhalle, ehem. Hans Otto Theater Zimmerstraße 10

Bahnhof Charlottenhof Schillerplatz

Filmmuseum Potsdam Breite Straße 1a

Festivalzeitung LOCALIZE Das Heimatfestival 2011  

Im Sommer 2011, vom 22. bis 26. Juni, begibt sich LOCALIZE Das Heimatfestival auf Wege und Plätze, an die Ecken und Enden des Stadtteils Pot...

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