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Anna Niederer • Sandro Wick


Auf einem Schiff mitten im Bodensee stand Anna an der Reling. Obwohl die Sonne hell und wärmend schien, war es Anna wegen des Windes doch sehr kalt. Sie hatte ihr liebstes Badetuch um die Schultern geschlungen, um sich zu wärmen. Es war rot und weiss gestreift und Anna fand, dass diese Farben wunderbar zum Blau-weiss der Wellen passten.



Plötzlich wurde der Wind heftiger, das Boot begann zu schwanken und das Badetuch glitt Anna aus den Händen. Sie versuchte, es noch zu fangen, doch es war weg. Es landete im Wasser und versank in den Wellen.



Anna begann laut zu schluchzen und heftig zu weinen. «Wo ist mein Badetuch hin? Der See hat es verschluckt! Ich will es wiederhaben!», jammerte sie.



Sie rannte zu ihrem Papa und fragte ihn: «Papa! Kannst du das Tuch zurückholen? Du schwimmst doch so gut!» Er aber sagte: «Nein, Anna, das geht leider nicht. Das Tuch ist schon viel zu tief gesunken.» «Aber wo ist es denn nun?», fragte Anna. Ihr Papa nahm sie auf den Arm und erzählte ihr, dass ihr Badetuch nun eine kleine Reise macht.



Papa erzählte ihr: Am Boden unter dem Schiff, da schwimmt ein seltsames Tier. Bestimmt kein Fisch. Dafür ist es zu gross. Auch keine Qualle, denn es hat Augen und eine Schnauze, fast so wie eine Kuh. Eine Seekuh! Es ist die Seekuh vom Bodensee!



Die Seekuh schaut dem Badetuch beim Sinken zu. Sie wundert sich darüber und fragt: «Wer wirft denn so ein Tuch einfach in meinen Bodensee?»