Hoffnung auf ein besseres Leben

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Hermann Hungerbühler Hoffnung auf ein besseres Leben

edition punktuell Leseprobe

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Hermann Hungerbühler

Hoffnung auf ein besseres Leben Schicksale unehelicher Kinder im 19. Jahrhundert in der Ostschweiz

edition punktuell


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Inhalt Einleitung 7 Historisches Umfeld 9 Die Stadt Rapperswil 10 Das neue Kapuzinerkloster 12 Die Gebäranstalt der Familie Michel 15 Das Schicksal der unehelichen Kinder   Ferdinand und Rosa 16 Ein schlechtes Zeugnis für den Pfarrer 20 Das Kind soll es besser haben als die   arme Mutter 21 Die ledigen Mütter in der Gebäranstalt   in Rapperswil 23 Auf dem Weg ins Glück gestorben 24 Die Dienste des Chirurgen in Altdorf 27 Der Alt-Landjäger von Altendorf 30 Der «Akkord» 31 Urserental und Gotthardpass 32 Kindergräber 34 Geld für eine erfundene Schwangerschaft 38 Die Stationen nach Mailand 40 Das Findelhaus in Mailand 45 Die Schuldsprüche 46 Erläuterungen 51 Anmerkungen 56 Quellen und Literatur 62 Bildnachweis 63 Zum Autor 64

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Einleitung Das Foto des Findelkindes auf der Titelseite im Jahrbuch 2019 der Schweizerischen Gesellschaft für Familien­ forschung (SGFF) erinnerte mich an eine Schrift über dieses Thema im Kanton St. Gallen, auf die ich früher einmal gestossen bin. Als ich das Büchlein mit der Überschrift Das Verbrechen an Unmündigen oder die Kinderverschleppungs-Geschichte der Michelschen Eheleute in Rapperschwyl1 von Peter Ehrenzeller in der Bibliothek einsehen konnte, entschloss ich mich, dieses Problem, das Marina Zulauf-Semmler in Bezug auf Findelkinderschicksale in Basel dargestellt hat, auch für die Ostschweiz bekannt zu machen.2 Um eine Vorstellung der damaligen Zustände in Rapperswil und Mailand zu erhalten, habe ich Ehrenzellers Bericht in eine fortlaufende Erzählung mit eigenen Kapitel eingeteilt und mit weiteren Zusätzen versehen. Damit hoffe ich, zum besseren Verständnis der damals handelnden Personen und ihrer Absichten beizutragen. Das Schicksal unerwünschter Kinder schildere ich anhand ihres Weges von Rapperswil nach Mailand sowie der damit beteiligten Personen. Im Anschluss daran fasse ich kurz die Gerichtsverhandlungen in St. Gallen zusammen, die von 1832 bis 1834 dauerten.3

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Historisches Umfeld Kaum dreissig Jahre alt war der neugeschaffene Kanton St. Gallen, als im Mai 1832 ein Brief der Regierung des Kantons Graubünden eintraf mit einer finanziellen Forderung wegen Kindertransporten in das Findelhaus in Mailand. In der Folge wurde ein Prozess vor dem Kriminalgericht St. Gallen ins Rollen gebracht, der sich hauptsächlich mit der öffentlich bekannten «Gebäranstalt» in Rapperswil und den dort verantwortlichen Personen befasste. Der aussenstehende Beobachter Peter Ehrenzeller trug seine Erkundungen akribisch in einer Broschüre zusammen. Als evangelisch-reformierter Diakon versuchte er mit seinem Bericht. die Bevölkerung und die Regierung des Kantons St. Gallen zu einer Änderung ihrer Einstellung gegenüber der in katholischen Kreisen tolerierten oder gar erwünschten Kinderversendung zu bewegen. Dies gelang ihm aber nur teilweise. Peter Ehrenzeller verfasste diese Schrift im Umfeld der allgemeinen Umbrüche nach der Französischen Revolution 1789 bis 1799, wie sie in weiten Teilen Europas stattfanden. Im Jahr 1803 neu gegründeten Kanton St. Gallen,4 der auf ein Machtwort Napoleons entstand, waren die Voraussetzungen für ein einvernehmliches Zusammenwirken von Staat und römisch-katholischer Kirche5 schwierig. Politiker6 ebenso wie Untersuchungsbeamte des Kantons suchten Vergehen und Unrecht mit bestem Wissen und Gewissen zu ahnden. Weil ein fertig verfasstes Schreiben7 des Kantonsgerichts an die Regierung nicht abgeschickt wurde, griff Peter Ehrenzeller zur Feder. Zwar war ihm bekannt, dass in den sanktgal9


lischen Gesetzen kein Verbot bestand, unerwünschte Neugeborene getrennt von ihren Müttern unterzubringen. Im Wissen um die lang anhaltenden Auseinan­ dersetzungen des neu gegründeten Kantons mit der katholischen Kirche im Doppelbistum Chur-St. Gallen,8 versuchte der Verfasser, die Ereignisse unparteiisch darzustellen und den guten Ruf bestimmter Personen zu schützen,9 wobei er gelegentlich parteiische Bemerkungen gegenüber konservativen Katholiken nicht unterlassen konnte.10 Auch stellte er gleich zu Beginn seiner Schrift fest, dass sie nicht als Lesebuch für Schwächere, noch für Frauen oder Jugendliche geeignet sei.11 Es war die Zeit der Entflechtung von Kirche und Staat, wobei der Staat nach demokratischen Grundsätzen handelte und die römisch-katholische Kirche bis heute hierarchisch strukturiert ist. Diesen Gegensatz zu überwinden, dürfte bei den Verhandlungen zwischen der Kirche und dem noch jungen Staat zeitweise zu unlösbaren Problemen geführt haben. Der Auslöser für die von Ehrenzeller niedergeschriebene Kriminalgeschichte ist eine schriftliche Geldforderung aus dem Kanton Graubünden, die im Mai 1832 bei der Regierung in St. Gallen eintraf. Dieser Brief ist der Anfang einer Kette von Ereignissen, die in der Stadt Rapperswil begann.

Die Stadt Rapperswil Die Stadt dürfte um 1200 gegründet worden sein, als die begüterte Adelsfamilie ihren Stammsitz von Alt-Rap10


Rapperswil 1642, Stich nach Matthias Merian

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perswil (Altendorf) auf das gegenüberliegende Seeufer verlegte. Stadt und Burg werden 1229 erstmals urkundlich erwähnt. Zur Verlegung des Wohnsitzes hatte wohl die günstige Lage an der Engstelle des Sees, der wachsende Pilgerverkehr nach Einsiedeln und die Öffnung des Gotthardpasses beigetragen. Im Jahr 1415 verlieh König Sigismund (1368 – 1437) der Stadt die Reichsfreiheit. Dadurch erhielt sie die direkte Herrschaft über die drei Hofgemeinden Jona/Busskirch, Kempraten und Wagen. Am 10. Januar 1464 ging die Stadt Rapperswil mit den eidgenössischen Orten Uri, Schwyz, Unterwalden und Glarus ein Schirmbündnis ein. 1605 wurde Rapperswil in das hispanisch-mailändische Bündnis aufgenommen. Am 12. Juni 1635 versprach die spanische Krone der Stadt einen Studentenplatz am Borromäischen Institut in Mailand und setzte dafür jährlich 300 Scudi ein. Ab 1638 werden bereits Namen junger Männer aus Rapperswil genannt, die dort studierten.12 Seit 1803 gehört Rapperswil zum neu geschaffenen Kanton St. Gallen.

Das neue Kapuzinerkloster Die Kapuziner setzten mit der Gründung ihres Klosters in dieser Stadt einen nicht zu übersehenden Akzent: So reizvoll das Kloster auf der Landspitze gelegen ist – zur Zeit seiner Erbauung war es ein konfessionspolitisches Ärgernis. Um 1600 hatten die katholischen Schirmorte ausdrücklich die Errichtung eines Klosters in der Rosenstadt gewünscht. Rapperswil, «die Schutzstadt und Vormur, an 12


der zwinglischen Landschaft angrenzend» sollte moralische und seelsorgerliche Unterstützung erhalten; eine Motivationsspritze, die sich bei der bedrängten Lage am weitgehend von den Zürchern beherrschten See empfahl. […] Der Zürcher Protest an der eidgenössischen Tagsatzung erzwang die Verlegung ans Endinger Horn. Dort liess der Bauherr – die Stadtgemeinde – den zukünftigen Bauplatz aus dem Nagelfluhfels heraussprengen und -hacken. […] Im Herbst 1607 wurde das neu erbaute Kloster samt Kirche geweiht; die Kapuziner nahmen ihre Arbeit auf.13 Treibende Kraft, in Rapperswil ein Kapuzinerkloster zu erstellen, war der päpstliche Nuntius Giovanni della Torre14, […] den die Angst vor der Pest in Luzern vorübergehend nach Altdorf und 1602 nach Rapperswil umziehen liess. Zielstrebig und hartnäckig erreichte er, dass der Rat am 2. September 1602 den Baubeschluss […] fasste. Reichliche Spenden kamen von überall her: So übernahm etwa ein Elsässer Pilger, der später auf dem Weg nach Einsiedeln am Bauplatz vorbeiwanderte, die Kosten für die Wasserleitung aus dem Stadtbrunnen und spendete dafür 100 Gulden.15 Eine Stadt dieser Bedeutung bringt im Lauf der Zeit verschiedenartige Behörden und Gemeindevorsteher hervor, die in Ehrenzellers Buch meist als Sammelname für Amtspersonen dienten. Diese handelten an den entscheidenden Stellen, wenn es darum ging, ledige Mütter und ihre Kinder aus dem Blickfeld der Bürger der Stadt zu entfernen. Dass der Verfasser aus St. Gallen sein Heu nicht auf der gleichen Bühne wie die Behörden und Gemeindevorsteher in Rapperswil hatte, wird mehrmals 13


offenkundig. Beispiele sollen die jeweiligen Absichten belegen. Ehrenzeller schildert Ereignisse, wie sie im Alltag dieser Gegend keine Seltenheit waren: Eine Dirne verdiente ihr Einkommen jeden Sommer in der Gegend von Waldsee im Schwabenlande und kehrte öfters in schwangerem Zustande nach Rapperswil zurück. Auch sass sie deswegen schon wegen Unzucht im Zuchthaus St. Gallen. 1816 wurde ihr siebenjähriges Mädchen und ihr 12 Monate alter Junge, die bei Verwandten lebten, abgeholt und auf Veranlassung der Gemeindevorsteher von Rapperswil nach Mailand transportiert. Erst zwei Wochen später wurde sie darüber informiert. Ich hätte sie so gerne bei mir behalten, und keine Arbeit wäre mir zu sauer gewesen um diesen armen Kindern ihren Unterhalt zu gewinnen, beteuerte sie später. Die Ortsvorsteher hätten ihre Bitte einfach übergangen. Ein anderes Mal musste sie ihr Kind auf freiem Feld gebären, weil niemand sie in sein Haus aufnehmen wollte. Darauf habe sie es in ihre Schürze gewickelt und endlich ein Haus gefunden, wo sie es baden und mit dem Nötigsten versorgen konnte. Auf Anordnung des Ammanns musste sie dann ihr Kind in die Gemeinde des Vaters tragen, um es den dortigen Behörden zu übergeben, wo es bald darauf starb. Der oberste Beamte bestätigte den Fall mit der Bemerkung: Das Weib ist einfältig und treuherzig, denn schon die zwei anderen Kindern belasten die Gemeinde jährlich mit einer grossen Summe. Und er überlegt dann weiter: […] man war überdies wegen der Erziehung dieser Kinder umso mehr in Sorgen, als man den Einfluss der liederlichen Mutter nicht ganz heben konnte 14


und ihr den Zutritt zu selbigen nicht vollkommen sperren durfte. Um dieses Problem zu lösen, wurden der Domdekan und Bischöfliche Kommissar zu Rate gezogen. Dieser empfahl den Rapperswiler Behörden das Findelhaus in Mailand als beste Lösung. Denn er selber habe während seinen Studien im Borromäischen Institut (Collegium Helveticum)16 dieses oft besucht und viele Gelegenheiten gehabt, diese Einrichtung genau kennenzulernen. Die Behörden nahmen Kontakt mit dem Amtsboten Helbling in Jona auf, übergaben ihm am hellen Tag die zwei Kinder, statteten ihn mit reichlich Geld aus, um die Aufnahmetaxe17 in Mailand zu bezahlen.18 Das weitere Schicksal dieser Kinder ist nicht bekannt.

Die Gebäranstalt der Familie Michel Peter Ehrenzeller stellte das Drama der Kinderverschleppung im grösseren Umfeld der sogenannten Gebäranstalt der Familie Michel-Hotz in Rapperswil dar. Ihr «Gewerbe» verdankte die Familie einer amtlichen Bewilligung, die zusammen von einem «oberen Beamten» und Basil Michel ausgestellt wurde.19 Die Eheleute Basil und Maria Anna Michel, geborene Hotz, stellten ihr Haus zahlungskräftigen Männern als Gebärplatz für die von ihnen ausserehelich geschwängerten ledigen Frauen zur Verfügung.20 Maria Anna liess sich in Zürich zur Hebamme ausbilden. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich ein umfassendes Netzwerk von Zuträgern und Helfern, wobei die Behörden der ehemals freien Reichsstadt Rapperswil dazu beitrugen, dass diese Art 15


der «Kinderentsorgung» mit triftigen Gründen breite Unterstützung fand. Um die daraus entstehenden finanziellen Verpflichtungen sicher zu stellen, mussten oft drastische Mittel eingesetzt werden. Die Preise schwankten, je nach Ansehen der in der Öffentlichkeit stehenden Väter zwischen 11 und 44021 Gulden oder anderer Währung22. Damit gewann das Ehepaar Michel enormen Reichtum. Andererseits knauserte Michel gegenüber den Helfern, die die Transporte der Kinder nach Mailand durchführten derart, dass diese sich wegen der kärglichen Entschädigung23 gezwungen sahen, die Kinder im Bündnerland auszusetzen.

Das Schicksal der unehelichen Kinder Ferdinand und Rosa Ehrenzeller schildert das Schicksal zweier Kinder. Die Geschwister Franz und Maria Anna Bachmann von Wollerau hatten diese von der Hebamme Michel übernommen, um sie nach Mailand zu tragen. Gemäss Vertrag sollten die Kinder vorher getauft werden. Diese Handlung hatte bisher gewöhnlich der Dekan in Lachen vorgenommen unter der Bedingung, ihn einen Tag vorher zu benachrichtigen, damit er seinen Pedell, der nicht dabei sein sollte, wegschicken könne. Aber diesmal verfing das nicht, denn der Pfarrer von Siebnen habe ihm geraten, solche Kinder nicht mehr zu taufen.24 Also machten sich die Geschwister mit den beiden ungetauften Kindern auf den Weg ins Bündnerland und haben 16


das eine Kind in einem Tragkorb, das andere in einem Schinen getragen. Am ersten Tag seien sie nach Murg, am zweiten Tag nach Ragaz, den dritten bis Waldhus, am vierten bis Wels (Vals) gegangen. Bachmann habe Nachricht von seinem Schwager in dort gehabt, wenn er solche Kinder habe, soll er nur mit selben kommen, er wolle sie ihm schon abnehmen, er sei auch um etwas zu verdienen da. Als er aber dorthin gekommen, habe er solche nicht annehmen wollen und sei auch sein früheres Versprechen nicht mehr kenntlich gewesen. Von Wels seien sie rechts bis auf Bonaduz gegangen, da habe er das Mädchen in ein Kisseli eingenäht und in der Mühle vor einer Stallthür zwischen der Wand und Fahrenstreu abgelegt; auf selbes habe er dann ein Herztüchli und auf dieses etwas Fahren gelegt, damit es nicht erfriere; dann sei er mit der Schwester weiterfort nach dem Dorf, wo er ausserhalb dem Dorf bei einem grossen Haus auch das Knäbchen vor einem Stall und dem Fahren eingelegt und dasselbe in einem Küsseli gut eingebunden. Indem habe er auch einen, von der Michel erhaltenen Zettel, dass das eine Ferdinand, das andere Rosa heissen soll, auf das Herz gelegt.25 Dies geschah in der Nacht vom 15. auf den 16. März 1830. Vier Tage später starb das Mädchen.26 Nachdem die beiden Bündner Gemeinden Bonaduz und Rhäzüns die Eltern dieser Kinder herausgefunden hatten, begann für den Knaben die zweite Odyssee: Das am Leben gebliebene Kind [wurde] durch ein vertrautes Weib, und in Begleitung eines Landjägers, mit dem Ansuchen an die Regierung des Standes Schwyz, sie möchte veranstalten, dass dasselbe seinen Eltern wieder zugestellt, so wie der, [durch] erwähnte Aussetzungen verursachte, 17


Rhäzüns um 1825, Aquinata von Johann Jacob Meier

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laut mit folgender Rechnungsabschrift, auf 100 fl. 12 kr. B.W. (Basler Währung) sich belaufende Unkostenbeitrag mit Beförderung von Seiten der Schuldigen erstattet werde.27 Die Kanzlei von Wollerau war nicht bereit, die Kosten zu übernehmen und antwortete am 29. Oktober 1830: Getreue, liebe Eidgenossen! Aus der mitkommenden Abschrift entnehmet: die Geschwister Bachmann besässen kein Vermögen. […] Uebrigens dürften die Eltern, als die Hauptveranlasser des Vergehens, mit mehr Grund als die Geschwister für die Unkosten zu belangen sein. Für jedes der beiden Kinder hatten die Bachmanns von Michel 5 Louisdor erhalten.28 In Rapperswil wollte sich der Kreisammann auch nicht in diese Geschichte einlassen und ordnete den erneuten Transport des Kleinkinds nach Mailand an. Dieser Transport wurde Grüninger übergeben, und seither war das Kind auf Nimmerwiedersehen verschwunden.29 Anfang 1831 wurde einem Schuster und seiner schwangeren Geliebten die «Gebäranstalt» in Rapperswil empfohlen und tatsächlich [habe] im Julius des nämlichen Jahres die Hebamme Michel das erwähnte Mädchen von einem Kind entbunden, das nach Anordnung des Schwängeres sogleich nach seiner Geburt der Mutter entzogen und in das Findelhaus in Mailand spedirt werden musste.30 Später gestand die Hebamme Michel ein, dass die junge Mutter psychisch unter der Wegnahme ihres Kindes stark gelitten hatte: Dieses Mädchen ist eine wahrhaft gute und empfindsame Seele. Der durch den Schuster C. erlittene Fall hat demselben gemüthlich so zugesetzt, dass 19