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Bühnen für St. Pölten Was Frequency und Beatpatrol der Stadt bringen 002 Magazin für Glamour und Diskurs VERLAGSPOSTAMT 1040 WIEN, P.B.B. GZ 05Z036212 M, Nº 002, Oktober 2014

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Lames St. Pölten. Sub Club. The Quest auf Burg Kreuzenstein. Festival Herbstzeitlos. Wachau Scans. Song Contest Locations. Rika. Programmkinos. Rebeat. Helden von Heute.

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Leitartikel von Ewald Volk

IN DIE PRAXIS KOMMEN Mit The Gap Niederöstereich können Studierende der FH St. Pölten von Profis das Magazinmachen lernen.

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er Bachelorstudiengang Medienmanagement vermittelt ein österreichweit einzigartiges Qualifikationsprofil. Er verbindet Medien und Wirtschaftswissen und zeichnet sich durch ein breites theoretisches Fundament aus, in dem den angehenden MedienmanagerInnen auch journalistische Grundkompetenzen für die Mediengattungen Print, Radio, Video und Internet vermittelt werden. Darüber hinaus besteht für die Studierenden in St. Pölten die Möglichkeit der praxisnahen, aktiven Mitarbeit in den FH-eigenen Campus-Medien, wie campus & cityradio 94.4, dem Ausbildungsfernsehen c-tv sowie dem Studierenden-Magazin SUMO. Mir ist es ein besonderes Anliegen, dass alle unsere AbsolventInnen während ihrer Studienzeit an Medienproduktionen miten-

twickelt und mitgestaltet haben. Deshalb ist die Zusammenarbeit zwischen den Studierenden des Studiengangs Medienmanagement und dem Monopol Verlag eine tolle Gelegenheit und Chance, journalistische Arbeitsweisen an einem realen Medienprodukt umzusetzen und das Gelernte praktisch anzuwenden. Wie jede gute Führungskraft – egal in welcher Branche – die »Werkstatt-Ebene« verstehen muss, muss auch ein/e MedienmanagerIn die Medienproduktion ab der Content-Erstellung kennenlernen. Die Studierenden sind deshalb in allen wesentlichen Säulen des Magazinmachens, nämlich Redaktion, Grafik, Vertrieb und Sales, eingebunden. Sie haben hier die Möglichkeit, von Profis zu lernen und Erfahrungen für das spätere Berufsleben zu sammeln. Mein Dank gilt dem Monopol Verlag und dem Herausgeber von The Gap, Thomas Weber, für den Mut, das NÖ-Special von The Gap

nunmehr schon in der 2. Ausgabe mit unseren angehenden MedienmanagerInnen zu gestalten und umzusetzen. Den Studierenden und natürlich den beiden Chefredakteuren von The Gap, Martin Mühl und Stefan Niederwieser, die nicht nur ihr Fachwissen an unsere Studierende weitergegeben haben, sondern – wie man am Ergebnis sehen kann – die Begeisterung für journalistisches Arbeiten geweckt haben. Ewald Volk Studiengangsleiter Medienmanagement, FH St. Pölten

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Song Contest Locations Ich bin ein Song Contest, hol mich hier rein! Zwentendorf, Multiversum, VAZ und einige andere niederöstereichische Architektur-Schwergewichte hätten sich jedenfalls gefreut, den ESC beherbergen zu dürfen, aber the battle is lost. Welche spektakulären Hallen hätte das Land eigentlich noch zu bieten gehabt?

030 Magazin Musikfestivals in St. Pölten 010 —— »I’m in St. Pölten, bitch«, sagen Frequency und Beatpatrol seit nun schon fünf Jahren. Über Image, Wertschöpfung und harte Zahlen. golden frame 014 —— Licht. Blei. Schatten. Wolfgang Ernst macht wie ein Alchemist aus einem paradoxen Materialmix etwas Neues. Lames St. Pölten 016 —— Am Mühlbach sprießt ein Pflänzchen. Wie der Kulturverein Lames mit dem Bulldozer im Nacken umgeht. Sub 020 —— Das Sub in Wiener Neustadt ging vor einem Jahr in die Insolvenz. Man hat daraus gelernt, verschlankt. Und jetzt? Reich mit Youtube 022—— Was bringt das heimischen Musikern? Eberhard Forcher und Youtube-Experte Robert Klembas informieren. The Quest 026 —— Wenn »Game Of Thrones« auf »Big Brother« trifft. Als Schauplatz für die

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neue Fantasy-Serie hält die Burg Kreuzenstein im niederösterreichischen Leobendorf her. Programmkinos 028 —— Wie kleine, niederösterreichische Kinos Menschen mit unterschiedlichsten Angeboten und Events anlocken und ziemlich erfolgreich ihr Überleben sichern. Eurovision Locations 030 —— Rise like a Mehrzweckhalle! Niederösterreich ist für die ESC-Austragung aus dem Rennen, aber welche spektakulären Hallen hätte das Land eigentlich zu bieten? Herbstzeitlos 034 —— Sich auf keinen Stil festlegen und trotzdem irgendwie Ethno. Über diesen Spagat berichtet Festivalleiter Jo Aichinger im Interview. Wachau Scans 036 —— Was passiert, wenn man 20 Menschen einer Region unter den Scanner legt? Ein Bild der Region, Bilder von Menschen, vielleicht einfach gar nichts?

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The Quest Scripted Fantasy meets Unscripted Reality. Mit »The Quest« will die ABC endlich auch ein Stück vom Fantasy-Mittelalter-Kuchen und landet mit der Serie irgendwo zwischen Dschungelcamp und »Herr der Ringe«. Gedreht wurde auf der Burg Kreuzenstein an der Donau. Rambazamba und Schwerter für Niederösterreich.

026 Rubriken Leitartikel 003 Inhalt004 Editorial006 Impressum006 Fondue007 Charts008 Unbezahlter Anzeiger 009 Introducing: Rika039 Workstation040 Termine044

Bild der Ausgabe Dozent Mühl führt in die Geheimnisse der Finanzierung eines Magazins ein. Dozent Niederwieser macht in der Zwischenzeit statt etwas Sinnvollem einfach nur ein Foto.

Kolumne Vea Kaiser: Helden von heute049

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Medienalltag und Ausnahmen Hauptsache, es ist da. Wie, das ist am Ende egal. Frequency und Beat Patrol sind rum, aber was hat das eigentlich alles gebracht? Das fragen wir uns – das sind die Wasteln von The Gap und vor allem Studierende des Studiengangs Medienmanagement der FH St. Pölten – in der zweiten Ausgabe der kleinen Schwester von The Gap (Seite 010). Wachau, Programmkinos, Kulturverein Lames, der Sub Club, neue Festivals, alte Locations – die Liste der Orte, an die man in Niederösterreich gerne gehen möchte, wächst und wächst. Damit man auch wirklich hingeht, schreiben wir darüber. Der Weg zur neuen, zweiten Ausgabe von The Gap Niederösterreich war allerdings ein bisschen verworren. Das lag vor allem an neuen Vorgaben, die der Studiengang Medienmanagement von ganz oben zu erfüllen hatte. Neue Lehrpläne, neue Personen, neue Inhalte, mehr Zukunft. Kurz war nicht klar, wann dieses Magazin das nächste Mal erscheint. Dann aber Erleichte-

rung. Das Feedback wäre so gut, dass sich dort und da noch letzte Möglichkeiten aufgetan haben, um eine zweite Ausgabe in diesem Jahr zu stemmen. Àpropos Euros, liebe Vea Kaiser, wir hatten die Rechnung für deine hervorragende Gast-Kolumne verschlampt und werden das dieses Mal viel früher begleichen, versprochen. Wir und auch die Studierenden mussten die aktuelle Ausgabe kurzfristig planen und verplanen. Deadlines sind verstrichen, Mails blieben im Urlaub liegen, eh auch eine Form von Medienalltag. Am Ende ist es aber egal, wie es dazu gekommen ist. Es ist da. Es ist gut. Und weitere werden folgen.

Stefan Niederwieser niederwieser@thegap.at @the_gap

Impressum

Herausgeber Thomas Weber Chefredaktion Martin Mühl, Stefan Niederwieser Redaktion Robert Boisits, Anna Doplmayr, Kathrin Fenkiw, Christina Hager, Anika-Denise Kisielewski, Julia Scherz, Stefan Summesberger, Yasmin Szaraniec, Beatrice Winter Termine Anika Kisielwski, Beatrice Winter Autoren Vea Kaiser Fotografie Elisabeth Brucker Grafik Michaela Geiger, Monja Pitzer, Magdalena Binder Lektorat Karin Bartl, Marie-Helene Franz, Adalbert Gratzer Anzeigen Dora Kramser, Jakob Wasshuber, Aileen Pappler, Marie-Helene Franz, Julia Scherz, Karin Bartl Distribution Jakob Wasshuber, Marie-Helene Franz, Dora Kramser, Kathrin Fenkiw, Tobias Jugl Druckabwicklung Karin Bartl, Michaela Geiger Druck Ferdinand Berger & Söhne GmbH, Pulverturmgasse 3, 1090 Wien Geschäftsführung Martin Mühl Produktion & Medieninhaber Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6/III, 1040 Wien Kontakt The Gap c/o Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6/III, 1040 Wien; Tel. +43 1 9076766-41; wien@thegap.at, www.thegap.at, www.monopol.at, office@thegap.at Bankverbindung Monopol GmbH, easybank, IBAN 20010710457, BIC EASYATW1 Heftpreis gratis Erscheinungsweise Zwei Mal pro Jahr Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Für den Inhalt von Inseraten haftet ausschließlich der Inserent. Für unaufgefordert zugesandtes Bild- und Textmaterial wird keine Haftung übernommen. Jegliche Reproduktion ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung der Geschäftsleitung erlaubt. Diese Publikation wurde gemeinsam mit Studierenden der FH St. Pölten im Rahmen einer Lehrveranstaltung des Studiengangs Medienmanagement konzipiert und erarbeitet.

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Spähaugen und Schnappschützen aufgepasst: The Gap freut sich immer über bemerkenswerte Momentaufnahmen, optische Querschläger und belichtete Kuriositäten. Einsendungen an fondue@thegap.at

»Hollywood-Feeling« in der Filmmetropole Reinsberg bei Scheibbs.

Das niederösterreichische Gleis 9 ¾? Nächster Stopp: Autowerkstatt. (gesehen in Hundsheim)

Auf Schloss Katzelsdorf bei Wiener Neustadt lässt man sich immer wieder Neues einfallen, um die Touristenmassen zu unterhalten.

Juhuuu, heute gibt’s Hirn mit Ei zum Dinner! (gesehen in Purkersdorf)

Bist a Profi Tiroler, bist a Mehlspeis. Bist ka Profi Tiroler, bist oanfoch irgend a deppate Nachspeis (gesehen in Krems).

Hunde an der Raststätte lassen war gestern. Einfach in den Mistkübel, geht aber auch nicht. (gesehen in Langenlebarn im Tullnerfeld) 007

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TOP 10

best-schlimmsten Genrenamen

01 Chillstep 02 Clownstep 03 Oi! 04 Clompextro 05 Skullstep 06 Brostep 07 Eiterstep 08 EDM/IDM 09 Emo-Hop 10 Muschihouse

TOP 5

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01 no drum & bass no listening to it 02 was excellent but needed a dirty drop 03 booooo!!! 04 its so UN-energetic, its like they were hitting my soul with a spoon. Thumbs down. 05 spuits amol an gscheidn neurofunk!

auch nicht schlecht: Stille

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(Botschaft für Bewusstsein, Scheißdreck und Kunst in Eggendorf)

TOP 10

LANGWEILIGSTE GESPRÄCHSTHEMEN

01 Fußball 02 Eishockey 03 Formel 1 04 Fernsehserien 05 Autos 06 Luxus 07 Kochen 08 Fitness 09 Mode 10 Computer

TOP 5

BESTE »Komiker«

01 Leo Bassi 02 Helge Schneider 03 Chris Lynam 04 Josef Hader 05 Ursus und Nadeschkin

auch nicht schlecht: Gebackene Parasole mit Steinpilzen

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Im Sommer wird die Traisen jedes Jahr zum Fußbad für hunderte Festivalgäste. Und dann? 010

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St. Pölten und seine Festivals Frequency, BeatPatrol

Image, Wertschöpfung und Zahlen zu den Events

Was bringen Musikfestivals für St. Pölten »I’m in St. Pölten, bitch«, sagen Frequency und Beatpatrol seit nun schon fünf Jahren. Warum Bürgermeister Stadler auf Musikfestivals steht.

Plötzlich hat St. Pölten 100.000 Einwohner Für fünf Tage verdoppelt sich die Einwohnerzahl (56.000) St. Pöltens. So ergibt ein Festival wie das Frequency mit rund 45.000 Besuchern täglich eine Umwegrentabilität von mehreren Millionen Euro, neben direkten Einnahmen über Steuern. Davon profitiert auch der Tourismus, da während des Frequency und Beatpatrol unter anderem der Bedarf an Übernachtungen enorm ansteigt. Ja, es gibt auch solche, die dem Charme eines Zeltes nichts abgewinnen können. Dass das gar nicht so wenige sind, wissen vor allem die Hoteliers – so sind in dieser Zeit alle Hotels in St. Pölten und dem Umland ausgebucht. Auch der Lebensmittelhandel geht nicht leer aus. Bekanntlich spielt im illuminierten Zustand Geld eine untergeordnete Rolle, so ist man unter Umständen etwas spendabler. Aus einer Erhebung geht hervor, dass der durchschnittliche Festivalbesucher um die 620 Euro im VAZ und Umgebung liegen lässt. Außerdem ist St. Pölten für kurze Zeit in aller Munde. Eigentlich ist es heute das Epizentrum der heimischen Festivallandschaft. Namhafte Musikfestivals tun dem Image schon recht gut, davon ist auch der Bürgermeister Mag. Stadler überzeugt: »Das Frequency ist dabei sicher das größte und markanteste Aushängeschild und zieht nicht nur Gäste aus Österreich, sondern auch aus

Text Anna Doplmayr Bild Flo Auer, Skalar Music

»Ey geben wir uns die Sakralbauten in St. Pölten!« Das sagt eigentlich niemand. Zum Sightseeing fährt man eher wenig in die niederösterreichische Landeshauptstadt. Seit 2009 wurde aber ein Mittel gefunden, um ein paar tausend Menschen auf einmal dazu zu bringen, hier aus dem Zug zu steigen. Hat man keine urgeilen Sehenswürdigkeiten vom Kaliber Unesco-Weltkulturerbe, holt man sich einfach ein bekanntes Musikfestival in die Stadt: FM4 Frequency und Beatpatrol locken Massen nach Niederösterreich. Das gefällt nicht nur den Besuchern, sondern auch Wirtschaft und Politik. Seit 2009 finden beide Festivals, das FM4 Frequency und Beatpatrol, am VAZ-Gelände statt und sind die mit Abstand am meist frequentierten Veranstaltungen in St. Pölten. Ironman 70.3, die Football-Europameisterschaft, Volksfest oder Sommerfest können in Sachen Besucherzahlen nicht mithalten – die Leute stehen dann halt doch mehr auf drei Tage saufen mit Musik. Ob man nun die feucht-fröhliche Stimmung am Frequency genießt oder doch wegen der guten Musik hinkommt, oder ob der Spaß am Campingplatz der Grund für die Anfahrt ist, kann St. Pölten eigentlich recht wurscht sein. Die Kasse klingelt auch so. Ordentlicht sogar.

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Für Bürgermeister Mag. Stadler (rechts) »ist immer was los«. Harry Jenner (links) hat als Chef des Frequency-Veranstalters Skalar das Festival nach St. Pölten geholt. Und Thomas D (Mitte rechts) von den Fanta 4 grinst sowieso immer.

allen Nachbarländern an. Durch diese Veranstaltung hat St. Pölten einen eindrucksvollen Imagewandel durchgemacht: Hier ist immer was los.« Ja, so in etwa. Darüber, ob in STP »immer« was los ist, lässt sich streiten und mag vielleicht gar zu optimistisch klingen. Doch der Werbewert, der hier generiert wird, wäre ohne die beiden Festivals nur schwer erreichbar. Die Stadt ist ja zudem die jüngste (seit 1986) und drittkleinste aller Landeshauptstädte und Rom wurde schließlich auch nicht in 28 Jahren erbaut. Zum Vergleich: Städte ähnlicher Größe wie Villach, Wels oder Dornbirn sind vielleicht für eine Fetes Blanche, ein Messezentrum oder Krippenmuseum bekannt. Mit Festivals wie dem Frequency und dem Beat Patrol zeigt man sich dagegen als offene Stadt, die auch mal laute Musik bis spät in die Nacht aushält.

15 Millionen leere Bierdosen Dass so ein Festival auch einen Haufen Arbeit bedeutet und dementsprechend auch weniger schöne Seiten hat, ist einem als Festivalbesucher sowieso eher blunzn. Ganz anders sieht es da bei den Veranstaltern aus, logischerweise. So muss man z.B. jährlich schauen, wie man den Müll, der an den Festivaltagen produziert und zurückgelassen wird, wieder los wird. Genauer gesagt bleiben um die 240 Tonnen Abfall am VAZ und Umgebung liegen (das entspricht

ca. dem Gewicht von 15 Mio. leeren Bierdosen oder von 32 afrikanischen Elefantenbullen). Da ökologisches Denken gut ankommt, aber man auch Kosten minimieren möchte, wird natürlich eine Reduktion dieser Müllmengen forciert. Abhilfe soll hier das Green-Camping-Konzept beim Frequency schaffen. Da gab’s dann auch schon die vom Lebensministerium herausgegebenen »Richtlinien für Green Events«, welche vom Veranstalter bereits umgesetzt werden. Seit Herbst 2010 setzt man auch beim Beatpatrol auf Nachhaltigkeit. So wird zum Beispiel am Festivalgelände auf Flyer und Booklets verzichtet, verrottbare Becher eingesetzt, und mittlerweile ist das gesamte Camping Areal in eine Green Camping Area umgewandelt worden. Bürgermeister Stadler vertraut zudem »auf unsere Jugend, die angebotenen Maßnahmen in Anspruch zu nehmen bzw. selbst die Initiative zu ergreifen.« Scheißt unsere Jugend drauf und lässt trotzdem Zelt und Co. am Gelände zurück, so greifen Veranstalter und Stadt auch gerne mal zu Müllsauger und Heuwender, um die Abfallbeseitigung zu beschleunigen.

10 Ärzte, 70 Schwarzarbeiter, 5 Mio. Euro Wenn sowas wie »Green Camping« erfolgreich umgesetzt wird, geht man damit natürlich gerne hausieren. Ganz anders als mit Vorwürfen zur Ausbeutung

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Aus Urfahr Umgebung, Wien, Mistelbach und sogar Deutschland reisen Leute aufs Frequency an. Sie lassen Geld da, Müll, ein paar Körpersäfte und eine gute Zeit.

von Arbeitern: 2011 wurden bei einer Razzia der Finanzpolizei am Frequency um die 70 Schwarzarbeiter registriert. Sowas tut dem Image alles andere als gut – laut einem Statement der Stadt St. Pölten liegt es hier »klar in der Verantwortung des Veranstalters, sich an die geltenden Vorschriften zu halten. Tatsache ist, dass die Stadt keinerlei Schwarzarbeit unterstützt oder duldet.« Ja schon klar, Schwarzarbeit »unterstützt oder duldet« niemand, vorgekommen ist es trotzdem. Jedoch hat man schnell dafür gesorgt, dass Vorkommnisse dieser Art nicht wieder passieren bzw. an die Öffentlichkeit geraten, so sind der Stadt St. Pölten nach »besagtem Vorfall keine Meldungen mehr bekannt«. Über Kleinigkeiten wie diesen und generell über die beiden Musikfestivals am VAZ scheint sich kaum jemand aufzuregen. So ist die Zahl der Beschwerden mit direkter Verbindung zum Festival sogar rückläufig – 20 Beschwerden im Jahr 2013. Dafür war damals noch eine jugendliche Bande aus der Gegend unterwegs. Zelte wurden aufgeschlitzt und daraus gestohlen, cirka 100-mal, am Ende wurden sie gefasst. Heuer wurden dagegen nur ein paar Handies gestohlen. Ein paar wenige Alkolenker sind auch immer dabei. Und natürlich geht es auch mal über den Durst. Oder es wird zu wenig gegen den Durst gemacht. In beiden Fällen stehen 450 Sanitäter und Ärzte bereit. Großteils freiwillig. Sie musste heuer um ein Viertel

weniger Leute behandeln. So sind also sehr viele Menschen beteiligt, direkt und indirekt. Vom DixieKlo-Hersteller über Booker, von den Securitys bis zum Bürgermeister, vom Main Act bis zu den tausenden Fans. Festivals sind zur Industrie geworden. In Großbritannien, wo sie sich in Europa am frühesten etabliert haben, schätzt man das gesamte Volumen auf 2,8 Mrd. Euro und 24.000 Arbeitsplätze. Vor allem aber sieht man sie als eine Möglichkeit an, in Zukunft noch stärker ein Publikum anzulocken, das anstatt in die Toskana zu fahren lieber seine musikalischen Helden auf der Bühne sieht. Ganz so weit ist St. Pölten noch nicht. Aber das Wirtschaftsblatt schätzt, dass das Frequency allein der Stadt fünf Mio. Euro jährlich bringt. Seit fünf Jahren findet das Festival nun an der Traisen statt. Es hat sich etabliert. Wie auch das Beat Patrol, obwohl das heuer auf einen Tag geschrumpft ist. In der Stadt, im ganzen Land ist das eigentlich ein Feiertag. Und die meisten wollen ja eh nur feiern: Hauptsache, das Bier geht nicht aus. Das Frequency Festival fand von 13. bis 16. August statt. Headliner waren u.a. Macklemore & Ryan Lewis, Bastille, Biffy Clyro und Skrillex. Beim Beatpatrol spielten am 30. August u.a. Deadmau5, Paul Kalkbrenner, DJ Snake und Flume. 013

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Golden Frame — Wolfgang Ernst – O.T.

Licht. Blei. Schatten. Seine Werke zeigen Verbindungen komplementärer Materialen wie Licht, Blei, Schatten, Glas, Neon, Papier, Graphit oder Leuchtstoffröhren. Die Komplexität der Werke von Wolfgang Ernst spiegelt seine Person und die Unangepasstheit seiner Arbeit wieder. Dabei wird die Farbigkeit weitgehend überwunden und jede unnötige Linie vermieden. Anfangs gegeneinandergesetzte Elemente finden zueinander und ziehen mit neugeschaffener Harmonie in ihren Bann. Eisen und Leuchtstoffröhren – unterschiedlicher könnten zwei Materialien nicht sein. Und doch schafft Wolfgang Ernst es irgendwie, sie harmonieren zu lassen. Die eingesetzten Leuchtstoffröhren leiten das Auge, unabhängig vom Kunstwissen des Betrachters, sofort in die Mitte des Werkes. Ein bisschen Kreuz, ein bisschen Wappen, jedenfalls mysteriös in Himmelblau von der Wand leuchtend ist sein unbetiteltes Werk von 1994. Ernst schafft immer wieder solche kühlen, fast archaischen Situation, die über sich selbst hinaus zu weisen scheinen. Im Kopf und im Bauch reagieren die Assoziationen miteinander, spinnen sich unbemerkt fort. 1942 in Wien geboren, absolvierte Wolfgang Ernst eine Tischlerlehre. In den früheren 60er Jahren begann er sich vermehrt mit avantgardistischen Kunstformen zu beschäftigen. Neben seiner Außenseiterposition in der Kunstszene gehörte er zum Kreis der Künstler, die durch die Galerie nächst St. Stephan vertreten waren, die seit ihrer Gründung 1954 einen wesentlichen Anteil an der Formierung österreichischer Kunst der Nachkriegszeit hatte. Weitere Mitglieder waren Hans Hollein und Walter Pichler, dem Künstler des Wiener Aktionismus, wie etwa Hermann Nitsch, nahestanden. Inspirieren ließ sich Ernst nicht nur von außerkünstlerischen und naturwissenschaftlichen Standpunkten, sondern auch von der Geisteswissenschaft. Nach seinem Rückzug aus der Kunstszene Anfang der 70er Jahre wird das Schaffen von Wolfgang Ernst erstmals umfassend präsentiert.  »Licht, Blei & Schatten« von Wolfgang Ernst wird von 8. Juni bis 19. Oktober in der Dominikanerkirche Krems gezeigt. www.zeitkunstnoe.at

TEXT Beatrice Winter BILD Wolfgang Ernst, o.T., 1994, Niro-Stahl, Neon, 185,5 x 173 cm, Courtesy Galerie Kunst & Handel, Sommer GmbH

Wolfgang Ernst macht wie ein Alchemist aus einem paradoxen Materialmix etwas Neues.

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Lames St. Pölten — Subkultur trifft Lokalpolitik

Was du willst? In St. Pölten sprießt am Mühlbach ein zartes Pflänzchen. Wie der Kulturverein Lames mit dem Bulldozer im Nacken umgeht.

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Kulturküchen, Fahrräder, Kunstsymposium Das Programm ist vielfältig. Wer zum Beispiel über den kulturellen und kulinarischen Tellerrand blicken möchte, kann bei den »Kulturküchen« seine Skills am Herd erweitern. Gekocht wird gemeinsam. Was am Ende auf den Tisch kommt, hängt vom jeweiligen Motto ab. Im November gibt es bei Lames etwa polnisch. Mit einer weiteren Aktion wird Hilfe zur Selbsthilfe angeboten: Gibt das geliebte Fahrrad mal den Geist auf, so wird einem beim Sonnenpark gezeigt wie man’s wieder zum Laufen bringt. Wer lieber feiert als Fahrräder herzurichten, wird dort auch glücklich: Veranstaltungen wie das alljährlich stattfindende »Parque del Sol – das interdisziplinäre Kunst- und Kultursymposium« oder das Sonnenparkfest lassen nicht nur die Herzen so mancher Hipster höher schlagen. Wer also auf Abwechslung steht und einmal Pause von der gewohnten Massenabfertigungsscheiße machen möchte, läuft keine Gefahr, von den Lames Festen enttäuscht zu werden.

TEXT Anna Doplmayr BILD lames/fotodiaz.com

Der am Spratzerner Kirchenweg gelegene Sonnenpark wird nicht nur von den Einheimischen sehr geschätzt, auch internationale Auszeichnungen wie die Nominierung unter die »28 Best Private Plots – Die besten Gärten« zeigen, dass dieser Park mehr ist als nur eine gepflegte Grünfläche. Der Name des Kulturvereins, der sich um die Erhaltung des Parks kümmert, klingt beinahe so schön, wie das Gelände aussieht: »La Musique et Sun« oder kurz Lames, ein Kollektiv, das ehrenamtlich die Kultur und Lebensqualität St. Pöltens erheblich steigert. In Zusammenarbeit mit der Nachbarschaftsinitiative »Sonnenpark« machen sie viel mehr als nur Grünraumpflege. Das ganze Jahr über werden Workshops, Konzerte, Events und Projekte initiiert, welche sich durch ihre liebevolle Umsetzung und Einzigartigkeit auszeichnen. Geile Ideen muss man haben und davon hat Lames reichlich.

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Im Park rund um das Lames werden immer wieder Ufos und eindrucksvolle Lichter gesichtet.

Ein aufmerksamer St. Pöltner könnte sich an dieser Stelle nun fragen, warum man aber über all das so wenig in lokalen Nachrichtenmagazinen lesen kann. Dass St. Pölten das Frequency hat, ist eh jedem bekannt, doch was Lames auf die Beine stellt, geht ein wenig unter. »Parque Del Sol« hat wesentlich weniger Besucher als das Festival am VAZ Gelände, klar, aber trotzdem lohnt es sich nach zuhaken. Immerhin geht es um eine Stadt, die um jede Kulturinitiative froh sein müsste.

Hier könnte eine leistbare Wohnanlage  für ihre Familie entstehen Seit 15 Jahren wird nun das 40.000 m2 große Areal am südlichen Ende des Spratzerner Kirchenweges vom Kulturverein Lames genutzt und aufgewertet. Doch nutzen bedeutet nicht gehören, denn eben jenes Gelände ist nach wie vor im Besitz der Stadt St. Pölten – was an und für sich nicht so schlimm ist, wäre da nicht dieser Vorvertrag mit der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft. Mit der Harmonie am Sonnenpark kann's ganz schnell vorbei sein – dadurch, dass Lames keinerlei schriftlich festgelegte Rechte am Ge-

lände hat, könnte aus dem Freiraum für Kunstschaffende ganz schnell eine Einöde aus Beton werden. Bevor jedoch Bulldozer den Park für ein derartiges Bauprojekt ebnen, muss dieser aber auch geräumt sein, sprich Lames müsste das Gelände vorher mehr oder weniger »freiwillig« verlassen haben. Daher hat die Stadt St. Pölten vor Jahren einmal einen Vorschlag für eine alternative Fläche gemacht, die anstelle des Sonnenparks genutzt werden könnte. So eine Alternative ist für Lames jedoch keine Lösung. In den Sonnenpark und das Areal wurden unzählige Arbeitsstunden investiert. Ein Umzug würde bedeuten, dass man eigentlich von vorne beginnen müsste. Kunst und Kultur oder Wohnblocks – was von beiden nun besser für die Stadt ist, hängt wohl davon ab, auf welcher Seite der Mauer man lieber ist. Ein Mangel an Wohnungen besteht in St. Pölten jedenfalls nicht. Doch das Damoklesschwert über ihren Köpfen nehmen die Mitglieder von Lames nicht nur als Gefahr wahr. Die Möglichkeit, dass ihnen ihr geliebtes Gelände jederzeit genommen werden kann, ist auch eine Triebfeder. Mit der Hoffnung, je wertvoller das Areal für alle wird, desto geringer ist die

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2.000 Unterschriften wurden gesammelt, das Verhältnis zur Stadt tendiert eindeutig in Richtung Akzeptanz.

Chance, dass es bald zu einer Baustelle werden könnte, werden nach wie vor Schweiß und ganz viel Liebe in den Sonnenpark investiert. Dieser Plan scheint aufzugehen. Mittlerweile gibt es um die 2.000 Unterstützungserklärungen in Form von Unterschriften, viel gutes Feedback und keine Beschwerden – bis auf eine. Diese hat Lames im Mai dann auch in die ORF-Sendung »Bürgeranwalt« gebracht. Es gibt immer Nachbarn, die, wenn sie sich gestört fühlen, gerne mal zum Hörer greifen und die Polizei anrufen, in diesem Fall war’s halt der Volksanwalt der FPÖ, der verständigt wurde. Geendet hat das schließlich mit zwei offenen Briefen, einer von Lames, wo noch einmal zum Vorfall Stellung genommen wurde, und ein weiterer von einer nicht beteiligten Anrainerin, welche klarstellen wollte, dass es sich bei der Beschwerde ihres Nachbars um eine Einzelmeinung handle.

Gesunde Gesprächsbasis Ob die Stadt St. Pölten das auch so sieht, kann man nicht allgemein sagen. Lames erhält die eine oder andere Förderung und für die am Gelände befindli-

chen Gebäude muss keine Miete bezahlt werden. Will man sich allerdings wirklich als europäische Kulturhauptstadt 2020 bewerben, dann könnte man die ehrenamtliche Kultur- und Naturarbeit zielgerichtet unterstützen. Trotz mancher Diskrepanzen geht das Verhältnis der beiden Instanzen Lames und St. Pölten aber deutlich in Richtung Akzeptanz. Für einen Beitrag zum Projekt »Grund« – ein Gemeinschaftsgarten im Sonnenpark, der von Studierenden der FH St. Pölten konzipiert worden ist – hat sich Gemeinderätin Mirsada Zupani für die NÖN ablichten lassen. Wie es mit Lames weitergeht, kann wie schon seit Jahren niemand genau sagen, aber das ist vielleicht auch irgendwie egal. In all den Jahren hat man ja auch einfach weitergemacht, wenn es wieder mal geheißen hat, es wird gebaut. Damm heißt es protestieren, Unterstützung sammeln, Likes ernten. Der Blick ist dabei stets nach vorne gerichtet. Vor allem Eigenschaften wie das Verständnis für Kunst und Kultur, ein Sinn für Ästhetik und ein Herz für die Gemeinschaft – all das zeichnet Lames aus und all das braucht St. Pölten. 019

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Sub Wiener Neustadt — Interview mit Geschäftsführer Fabian Wenninger

Sub On The Rise 2 Im Sub will man Clubkultur in ihrer ganzen Bandbreite nach Wiener Neustadt holen. Vor zwei Jahren wurde eröffnet, ein Jahr später kam die Insolvenz. Man hat daraus gelernt, verschlankt, konzentriert. Und jetzt?

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Fast ein Jahr ist vergangen, seit das Sub nach einem guten Start und einem schwierigen Sommer in die Insolvenz geschlittert ist – was hat sich seither getan? Der Verein »Kultur im Zentrum« ist am 31.12.2013 in Konkurs gegangen und am 1.1.2014 wurde das Sub als Location von der Sub Betriebs- und Event GmbH übernommen. Aus dem Acht-Personen-Vorstand wurde eine Zwei-Personen-GmbH – mit Unterstützung des Gründungsvereins Struttinbeats, der weiterhin vor Ort ist und auch das Programm mitbestimmt. Im Februar haben wir ein bisschen renoviert und das Cafe sowie die Halle mit Akustikmaßnahmen verschönert. Nach einer Insolvenz tritt man zwangsläufig etwas kürzer und ist eher vorsichtig was Bookings. Habt ihr noch Altlasten? Und was habt ihr gelernt? Die Änderungen betreffen eher die wirtschaftliche Seite: Weniger ausgeben, mehr verdienen. Aber auch: Bessere Werbung und Außenkommunikation. Noch mehr verschiedene Communitys ansprechen. Lokale Konzertschiene auf- und ausbauen. Kooperationen und Business-Kontakte pflegen. Jedoch ist bei uns hängengeblieben, dass manche Bookings aufgrund der Besucherstruktur nicht funktionieren. Ein DonnerstagÖffnungstag ist zum Beispiel nicht wirtschaftlich. Clubbetreiber in der Stadt sind ja auch immer abhängig von der Zusammenarbeit mit Anrainern und

Politik. Wie funktioniert das bei euch? Ihr hattet ja einige Subventionen bekommen, gibt es Probleme, Entgegenkommen, Duldung? Das Sub ist in der öffentlichen Meinung mittlerweile angekommen; wir sind keiner politischen Richtung zugehörig. Das Projekt stößt auch in Landes- und Stadtpolitik auf Zustimmung. Mit unseren Anrainern sind wir in gutem Auskommen; wir hatten bisher keine Schlägereien oder sonstiges ungebührliches Verhalten in der Außenwirkung. Die zuständigen Behörden werden von uns laufend upgedatet und auch hier gibt es bestes Einvernehmen. Sommer ist für Clubbetreiber immer eine schwierige Zeit; viele Menschen sind auf Reisen, die Daheimgebliebenen treibt das Wetter eher in Gastgärten und Parks; wie habt ihr die Sommermonate überbrückt? Sommer ist in der Tat schwierig. Wir hatten Sommer 2014 nur mehr jeden zweiten Samstag geöffnet, um Kosten zu sparen. Wir haben den Hof fertig renoviert und an den vier Öffnungstagen auch untertags Heurigenbetrieb – und mit dem Wetter Glück gehabt. Die Reduzierung der Sommeröffnungszeiten und Platzierung derselben zwischen die großen österreichischen Festivals funktioniert. Ihr habt gemeint, das Programm war zu anspruchsvoll. Wie lief das letztes Jahr, seid ihr am Wochenende halbwegs voll und streut ein paar Perlen rein? Wir bleiben anspruchsvoll und setzen die Veranstaltungen intelligenter in der Monatsbetrachtung. Hillbilly-Sauf- und Zeltfeststimmung funktioniert in unserem Setting nicht. Wiener Neustadt hat 40.000 Einwohner, aber ein relativ großes Einzugsgebiet. Natürlich ist es nicht Graz, aber sind die Leute trotzdem für Clubkultur empfänglich? Eine Frage der Zeit, meinen wir. Wir müssen halt auch langen Atem beweisen – jeder Öffnungstag, jedes gute Feedback unserer Gäste, jedes Like auf Facebook bringt das Sub einen Schritt weiter positiv in die Öffentlichkeit. Und das ist einer unserer wichtigsten Beweggründe, um an dem Traum, dass Wiener Neustadt eine Location wie das Sub hat, weiterzuarbeiten. Wie sieht die Zukunft aus? Wir glauben rosig. Unser angepasstes Konzept, die Nähe zu den Gästen, die in Teilen schöner und angenehmer gemachte Location und das adaptierte Programm sollte unseren Ruf als einer der österreichischen Top-Locations abseits von Wien und Graz hoffentlich einzementieren. Abgesehen davon sind wir mit unserem Veranstaltungsumfeld so weit, dass wir hoffentlich schon 2015 auch abseits des Sub aufzeigen werden. Das Sub befindet sich in der Singergasse 6–8 in der Wiener Neustädter Innenstadt. Die Öffnungszeiten sind von der Programmgestaltung abhängig, einfach von Zeit zu Zeit auf die Website klicken: www.sub.at

TEXT Thomas Nussbaumer BILD mathias trumminger, Sub

Wiener Neustadt ist eine »Schul-, Einkaufs- und Garnisonstadt«, sagt Wikipedia. Außerdem elftgrößte Stadt Österreichs. Gerade hier versucht sich, im zweiten Anlauf nach einer unglücklichen Insolvenz im vergangenen Jahr, eine Heimstätte für Kunst und Kultur zu etablieren, mitten im dicht besiedelten Industrieviertel. Warum auch nicht? Anderswo in Niederösterreich haben sich Clubs mit viel weniger Einzugsgebiet etabliert. Auch in Wiener Neustadt lief vieles rund, die Renovierung, die Soundanlage, das Team. Dann aber gab es vereinzelt Probleme mit Fördergebern, manche Eventreihen konnten sich nicht etablieren. Gut gemeint, aber nicht gut gemacht, wie die Macher selbst zugeben. Wir haben mit dem Geschäftsführer des Subs Fabian Wenninger über Neuorientierung und Zukunft gesprochen.

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Österreichische Bands auf Youtube — Abcashen oder doch von Google melken lassen?

Reich werden mit Youtube

Text Stefan Summesberger Bild Andreas Jakwerth, Austrozone, Rebeat

Wieviele Klicks? Welche Videos? Was? Warum? Wieviel? Amadeus-Gewinner Eberhard Forcher und Youtube-Experte Robert Klembas informieren.

Eberhard Forcher stellt auf Youtube. com /AustroZone jeden Donnerstag fünf österreichische Musikvideos vor. Big Shots wie der Rapper Dame aus Salzburg hätten mit rund 50 Millionen Klicks sicher keine Starthilfe nötig, aber um das geht es nicht: In der Austrozone findet man jede Art von Musik. Von Pop bis Alternative, von Rock bis Reggae und von House bis Country. Wenn Musik und Video passen, werden sie von Eberhard Forcher gelistet, mit etwas Glück sogar in seiner wöchentlichen Sendung vorgestellt. Aber was bringt Googles Videoportal den heimischen Musikern? Kann Dame mit dem vielen Geld, dass er dort eingenommen hat, schon mal in den vorzeitigen Ruhestand gehen? Robert Klembas, der Chief Operating Officer beim Youtube-MCN (Multi Channel Network) Rebeat relativiert den Hype: Man kann Geld verdienen, aber über Nacht reich wird man nicht. In erster Linie soll man durch Videos mal auf sich aufmerksam machen und dann dadurch profitieren. Aber wie macht man’s richtig? Eberhard Forcher und Robert Klembas – getrennt voneinander interviewt – erklären,

was in unserer Szene gerade so abgeht, wie man sich am besten positioniert und was unterm Strich dabei rausschaut. Was tut sich in der österreichischen Musiklandschaft? eberhard forcher (ef): Es tut sich wahnsinnig viel. Mittlerweile sind auf Austrozone weit über 3.000 Clips österreichischen Ursprungs. Ich bekomme täglich neue Videos, es tauchen ständig neue Bands auf. Und ich schnall' eigentlich täglich ab, was für gute Sachen es gibt. Ich wundere mich auch immer wieder aufs Neue, was für geile Videos die Leute produzieren. Wie machen die das bloß ohne irre viel Kohle auszugeben? Was macht ein gutes Youtube-Video aus? robert klembas (rk): Die Idee zählt. Sei anders, sei kreativ. Du brauchst keine teure Kamera und kein fettes Produktionsbudget wie zur Zeit von MTV. Einziges No-Go: 08 / 15 – das nächste Video ist exakt einen Klick entfernt. Kann man über gute Videos hinaus noch was tun, um auf Youtube Erfolg zu haben? rk: Man sollte sich für seine Youtube-Präsenz ein schlüssiges Konzept erarbeiten, eine eindeutige Identität aufbauen und diese Identität kontinuierlich mit

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» Ein Hit auf Youtube fängt üblicherweise an, wenn du die Millionenmarke knackst. «

Eberhard Forcher auf seinem Youtube-Kanal Austrozone

spannenden Inhalten versorgen. So baut man eine Fanbase auf, die bereit ist zurückzukommen. Ich rate auch zu Kooperationen mit anderen Kanälen – all das wird einfacher, wenn man sich einem Multi Channel Network anvertraut, das bei diesen Tätigkeiten hilft. Hab Spaß, aber bleib dran. Klingt nach viel Arbeit? Ist es auch – es lohnt sich aber auf jeden Fall. Was heißt »es lohnt sich«? Kann man das in Zahlen ausdrücken? rk: Man sollte mit seinen Erwartungen realistisch sein. Grundsätzlich gilt, dass es keine Faustregel à la »X.000 Views = EUR Y.–« gibt. Die Monetarisierung von Videos auf Youtube basiert auf Werbeeinschaltungen, bei denen es eine Vielzahl an Variablen rund um Angebot und Nachfrage, Saison, etc. gibt. Als Faustregel kann man jedoch sagen, dass alles unter einer zumindest mittleren sechsstelligen Zahl an Views keine relevanten Summen generiert. Ein Hit auf Youtube fängt üblicherweise an, wenn du die Millionenmarke knackst. Ab dann wird es langsam auch finanziell interessant. Allerdings muss gesagt werden, dass die Anzahl der Views nicht alleine ausschlaggebend ist – es kommt insbesondere auch darauf an,

wie lange die Zuseher bei deinem Video verweilen. Und das ist wiederum unmittelbar von der Attraktivität des Inhalts abhängig. ef: Außerdem hat Youtube mit der AKM (Österreichische Verwertungsgesellschaft für Autoren, Komponisten und Musikverleger, Anm.) einen Vertrag. Ich hab das Gefühl, dass der zwar nicht besonders gut ist, aber wir dürfen froh sein, dass ein Deal zustande gekommen ist. In Amerika schaut’s besser aus. Da gab’s eine Gesetzesänderung und die amerikanischen Plattenfirmen haben mit Google von vornherein schon einen Deal über die Runden gebracht. Die Macht dieses Konzerns ist einfach so groß, dass sich da auch politisch nichts mehr machen lassen wird. Aber auch, wenn der Deal zwischen AKM und Youtube nicht besonders gut ist und die AKM den Kürzeren gezogen hat – es gibt wenigstens einen Deal. rk: Dass Google eine immense Marktmacht hat ist wohl nicht zu bestreiten. Wie die Details zwischen AKM und Youtube aussehen, kann auch ich nicht sagen, aber die Kernfrage hier lautet: ist es besser, gar keinen Deal zu machen, auch wenn dadurch der Branche viel Geld verloren geht? Oder findet man einen 023

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Robert Klembas

» Alles unter einer zumindest mittleren sechsstelligen Zahl an Views generiert keine relevanten Summen. «

Kompromiss, mit dem beide Parteien leben können? Im Falle der Kontroverse zwischen Youtube und der GEMA (das deutsche Äquivalent zur AKM fordert einen deutlich höheren Anteil; Anm.) wird diese Frage wohl erst durch ein Gericht beantwortet werden, da beide Parteien nicht von ihrem Standpunkt abrücken können. Tatsache ist jedoch, dass es international immer mehr Labels und Vertriebe gibt, für die Youtube zu einer wichtigen Umsatzquelle geworden ist, auf die sie nicht mehr verzichten wollen – von der Bedeutung als Promotionkanal ganz zu schweigen. Welche neuen Chancen ergeben sich für heimische Musiker durch Youtube? ef: Es kommt darauf an, wie gut die Produkte sind. Left Boy zum Beispiel hat das unheimlich clever gemacht. Der hat zwar vielleicht die finanzielle Unterstützung des Vaters (André Heller, Anm.), aber er hat ganz genau gewusst, wie man auf Youtube für sein Produkt Interesse erzeugt. Er hat seine kreativen Ideen videomäßig gut umgesetzt und sich so über Youtube einen Markt geschaffen. Auf seinem Konzert im Gasometer waren 3.500 Leute und alle haben mitgerappt. Meine Freundin meinte, sie war noch nie auf einem Konzert, auf dem so eine geile Stimmung war. Der hat also schon was erreicht und damit auch seinen Wert bestätigt. Aber die Frage ist: Verkauft er? Hat er genügend Downloads? Ich behaupte mal, derweil noch nicht. Aber du musst auf einer dieser Ebenen, wo du am Markt tätig werden kannst, anfangen. Er hat es über das Internet schon mal ziemlich gut geschafft. Früher ging es nur darum, wie viele Platten oder CDs man verkauft. Heute funktioniert das teilweise über Downloads aber auch über Youtube. Wenn du alle paar Monate einen Track hochlädst, der 7-8 Millionen Klicks hat, dann rentiert sich das. Es lässt sich zwar schwer feststellen, wie viel er jetzt tatsächlich über Youtube einnimmt, aber wenn man 3.500 Leute dazu bringt, das eigene Konzert zu besuchen, dann verdient man auch was damit. Ich hab mir angeschaut, mit welcher Tourage er reist. Wie ein internationaler Star hat er drei, vier Manager dabei, fünf Roadies und eine ganze Truppe, die mit ihm Party macht. rk: Es ist wichtig, dass du auf Youtube auch direkt zu iTunes & Co. verlinkst, um es dem Zuseher so einfach wie möglich zu machen, deine Musik zu kaufen. So kann man mit Youtube sozusagen auch indirekt Geld verdienen. Das Tolle an Youtube ist: Jeder Künstler kann seine Musik einem weltweiten Publikum zugänglich machen. Was ich damit sagen will ist, dass Youtube dem Einzelkünstler ein Kommunikations- und Vermarktungspotenzial in die Hand gibt, über das früher oft nicht einmal große Medienunternehmen verfügten. Umgehe alle Gatekeeper, kommuniziere als österreichischer Act deine Musik weltweit, baue dir eine internationale Fanbase auf.

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» Auch, wenn der Deal zwischen AKM und Youtube nicht besonders gut ist und die AKM den Kürzeren gezogen hat – es gibt wenigstens einen Deal. « Ist Austrozone also ein Sprungbrett für österreichische Musiker? ef: In erster Linie soll die Austrozone einen Anstoß geben, der heimischen Musik mehr Beachtung zu schenken. Ich sehe uns als Ideengeber, als kleines Mosaiksteinchen. Vielleicht ist es ja durch Austrozone und ähnlichen Bewegungen in 2-3 Jahren wieder ganz selbstverständlich, dass wieder mehr österreichische Musik im Radio läuft. Auf FM4 hat man's ja eh schon bewiesen: Wenn man der heimischen Szene das Gefühl gibt, bei uns habt ihr wirklich eine Heimat, dann befruchtet das die österreichische Szene ganz enorm. Soundpark ist mittlerweile zum Beispiel echt riesig geworden. Genauso soll die Austrozone aber auch ein Tool werden, das Radiostationen und Labels nutzen, um sich am österreichischen Musikmarkt zu orientieren. Könnte ja auch durchaus sein, dass eine Band keinen Plattenvertrag hat und jemand z.B. von Hoanzl sieht das und sagt »Hey, geil … Die sollten wir mal genauer unter die Lupe nehmen.« rk: Das große Potenzial der Austrozone liegt meiner Meinung nach darin, dass hier jemand mit anerkannter musikalischer Kompetenz die Rolle eines Tastemaker einnimmt, für das Publikum Vorselektion betreibt, Hintergrundinformationen gibt und mit guter Moderation ausgewählte Schmankerln präsentiert. Ich sehe darin eine konsequente Weiterführung der vielen Online-Blogs, die es in den verschiedenen Musikrichtungen seit Jahren gibt und die dort wichtige Meinungsbildner-Funktionen haben. Eine klassische Erfolgsgeschichte unter vielen ist beispielsweise Pitchfork, eine Alternative-Plattform, deren Einfluss so groß geworden ist, dass eine Rezension dort einen neuen Künstler breaken oder genausogut abwürgen kann.

Eberhard Forcher

Es zahlt sich aus die »Austrozone« mal zu durchstöbern, regelmäßige Updates gibt’s auf Facebook. »Rebeat« ist vor allem auch dann einen Klick wert, wenn man die eigene Musik auf iTunes & Co. verkaufen will. www.youtube.com /austrozone www.facebook.com /austrozone www.rebeat.com 025

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The Quest — Big Budget Fantasy aus Niederösterreich

Game of Thrones

× Big Brother

Text Franz Lichtenegger Bild cc Bwag, abc

Mit »The Quest« will ABC endlich auch ein Stück vom Fantasy-Mittelalter-Kuchen und landet damit irgendwo zwischen Dschungelcamp und »Herr der Ringe«. Als Schauplatz darf die Burg Kreuzenstein im niederösterreichischen Leobendorf herhalten. Nördlich der Donau, zwischen Korneuburg und Stockerau, thront ein hehres Gemäuer über der Landschaft der 4.800-Seelen-Marktgemeinde Leobendorf. Die altehrwürdige Burg Kreuzenstein, die eigentlich gar nicht so alt ist, sitzt geradezu majestätisch auf einer waldbedeckten Anhöhe und ist eine der beliebtesten Filmkulissen in Österreich. Dass die ursprüngliche Burg Kreuzenstein gar nicht mehr existiert, scheint dabei von geringerer Bedeutung. Aufgrund einer vollkommenen Zerstörung im 17. Jhdt. steht an ihrer Stelle heute eine Schauburg,

die 1906 fertiggestellt wurde. Somit fehlt es dem Gebäude zwar etwas an Authentizität, den Creative Industries ist das aber scheinbar erst einmal egal.

Fantasy trifft auf Reality Fernsehen mit mittelalterlichem Charakter erlebt nicht zuletzt dank dem HBO-Seriengiganten »Game Of Thrones« derzeit einen noch nie dagewesenen Hype. Während Fantasy-Fans also ungeduldig nach der für 2015 angekündigten fünften Staffel der George R. R. Martin-Adaption lechzen, möchte die American Broadcast Company (ABC) die Wartezeit überbrücken und

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schickte mit »The Quest« einen neuartigen Fantasy/ Reality-Hybriden in den US-Fernsehsommer. Und der ist made in Austria. Zwölf Kandidaten – vom Mathelehrer bis hin zur Barkeeperin ist alles dabei – wurden bereits im Vorfeld gecastet und zu sogenannten »Paladinen« ernannt. Die sind allesamt höchstmotiviert, weil sie insgeheim der Typ Mensch sind, der eine Medieval-Cosplay-Party schmeißen würde. Für sie wird ein Traum wahr – sie tauchen vollkommen in eine mystische Fantasy-Welt voller Abenteuer und Kreaturen ein. Die »echten« Kandidaten erleben eine »unechte« Welt, die für sie zur Wirklichkeit werden soll. Scripted Fantasy meets Unscripted Reality. Folgende Geschichte hat man sich ausgedacht: Das eigens für Kreuzenstein kreierte Königreich Everealm ist in großer Gefahr. Dunkle Mächte drohen Unheil über das Land zu bringen, einzig und allein ein True Hero kann Everealm retten. Hier kommen die Paladine ins Spiel. Sie stellen sich Woche für Woche unterschiedlichsten Aufgaben und Prüfungen im Kampf gegen Oger, Drachen und sonstige Monster. Am Ende soll sich zeigen, wer der wahre Held ist und das Königreich vor seinem Untergang bewahren kann. Also quasi wie Dschungelcamp, nur mit den Produzenten von »Herr der Ringe« und in Niederösterreich.

Skandal im Wald Für die bestmögliche Umsetzung musste also die perfekte Location her. Eine Burg sollte es sein, eine, auf der viel Rambazamba möglich ist und die auch optisch was hermacht. Hunderte Locations auf der ganzen Welt waren in Frage gekommen, das Rennen machte jedoch schlussendlich die Burg Kreuzenstein. Sie bestach vor allem durch die naheliegende Seegrotte in Hinterbrühl (Bezirk Mödling), die ebenfalls für Aufnahmen in Anspruch genommen wurde, und den angrenzenden Wald, den die ABC wohl sofort als optimales Versteck für Grusel-Viecher erkannte. Dem Paladin-Dutzend wird dort mit Sicherheit das Fürchten gelehrt. Unmengen an modernster Technik wurden aufgefahren, um die ideale Kulisse zu schaffen. Ein Teil des Waldes wurde sogar gerodet, um Platz für

Katapulte, Schießplätze und all diese Sachen, die man bei einer Mittelalter-Reality-Show eben sehen möchte, zu schaffen. »The Quest« ist nämlich alles andere als low-budget. Aber gleich ganze Waldteile zerstören? Der Chefredakteur der Onlinezeitung noe24.at, Lothar Schwertführer, war not amused, sprach von einem waschechten »Skandal« und forderte einen »kräftigen Aufschrei der Grünen«. Ansonsten wurden nicht sehr viele Stimmen laut. Der Grund dafür liegt wohl darin, dass einfach so gut wie niemand die Dreharbeiten mitbekommen hat. Während diese im letzten Sommer stattfanden, war die Burg nämlich völlig unzugänglich für Besucher. Wanderer, die im Wald unterwegs waren und die Requisiten entdeckten, wurden sogar von Securitys verjagt. Das fanden die ansässigen Leobendorfer dann auch weniger prickelnd sympathisch. Dort vermutet man im Nachhinein sowieso keinen großen Tourismus-Profit in der ganzen Sache. Sie kennen das halt wahrscheinlich schon. Immerhin wurde Kreuzenstein bereits als Drehort für »Der letzte Tempelritter« verwendet, und wenn Nicolas Cage den Fremdenverkehr nicht ankurbeln konnte, dann schafft es eine popelige Reality-Show auch nicht. Oder so.

Zweite Staffel bereits in Planung Heimische Gefilde wurde bereits in Blockbustern wie »Sieben Jahre Tibet«, »Bridget Jones« oder »Knight And Day« zum Bühnenbild umfunktioniert, ein Crossover aus Fantasy und Reality auf einer niederösterreichischen Burg gab es allerdings noch nie. Ob die bereits in den Startlöchern stehende zweite Staffel abermals unbemerkt und überhaupt auf Burg Kreuzenstein über die Bühne gehen wird, bleibt abzuwarten. Zumal das Konzept von »The Quest« mit dem Ineinandergreifen von Realität und Fiktion über ziemlich viel Spielraum verfügt.

»The Quest« startete am 31. Juli auf ABC. Das HybridFormat wurde zwar gelobt, die Quoten blieben aber leicht unter den Erwartungen. Eine zweite Staffel steht noch nicht fest.

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Cinema Paradiso, St. Pölten

Programmkinos in NÖ — Zwischen Events, Sommer und technischer Herausforderung

Leinwandfieber, Sommer und Winter Text Christina Hager Bild Andrea Reischer , Günter Pfefferkorn

Wie kleine, niederösterreichische Kinos heutzutage Menschen mit unterschiedlichsten Angeboten und Events anlocken und somit ziemlich erfolgreich ihr Überleben sichern. »You are a cinema, I could watch you forever.« Diese Songzeile von Benny Benassi könnte bald nicht mehr stimmen. Denn Kinos, die großen Multiplexe wie auch Programmkinos, stehen mitten im digitalen Wandel und sind möglicherweise nicht für die Ewigkeit gemacht. Leute werden sich wohl immer Filme ansehen, aber so wie Auto- und Pornokinos gestorben sind, ist es nicht klar, ob sie es nach Erfindungen wie Dolby Surround, Beamern, 3D Fernsehern und Streaming-Services auch weiterhin in dunklen Räumen tun werden. Gerade Programmkinos fehlt oft das Geld, um mit der Zeit zu gehen. Entstanden sind sie gegen Ende der 1920 er Jahre an der Ostküste der Vereinigten Staaten und waren vor allem in Großstädten anzutreffen. Heutzutage haben sie sich auch in kleinsten Ortschaften niedergelassen. Doch was macht Programmkinos eigentlich aus? Sie zeigen nicht nur oder meist gar keine Mainstream-

Filme, was sie durch öffentliche Förderung auch oft nicht dürfen, sondern konzentrieren sich vielmehr auf künstlerische und nichtkommerzielle Projekte.

AUF DER ANDEREN SEITE DER LEINWAND Welche Strapazen die Betreiber auf sich nehmen, wissen die wenigsten. Um eine Umrüstung auf den aktuellen Stand der Kinotechnik zu gewährleisten und nicht einfach zusperren zu müssen, wird erheblich investiert. Statt der guten alten Filmrolle sind die Filme nun auf Festplatten gespeichert, werden durch einen Mausklick gestartet und mit digitalen Projektoren projiziert. Neue Soundsysteme sind von Nöten. Doch nur Filme zu zeigen und Geld dafür zu verlangen ist zu wenig – man muss sich als eigenständiger Kinoveranstalter etwas überlegen, wie man die Menschen davon überzeugen kann, sich vom Sofa aufzuraffen. Kinobesucher haben sich verändert, ebenso unser Freizeitverhalten. Vor allem die Möglichkeit,

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Filme online zu streamen, bedroht viele Kinos. Programmkinos sind davon besonders oft betroffen, weil ihnen oft die nötigen Reserven für eine Umrüstung fehlen. Viele der übrig gebliebenen Spielstätten setzen heute vermehrt auf den Kinobesuch als Event.

SCHORNSTEIN UNTER STERNEN Der hohe Schornstein des Kesselhauses der ehemaligen Austria Tabakwerke aus den 1920er Jahren ist ist das namensgebende Erkennungszeichen des Kesselhaus-Kinos in Krems. Es befindet sich heute am Campus Krems und feiert bald zehnjähriges Jubiläum. Monatlich findet die Cinezone statt, ein Film mit anschließendem Live-Konzert, jeden Sonntag serviert die Filmbar – gleich neben dem Kinogebäude – ein Filmfrühstück, das beim Publikum äußerst beliebt ist. Schulklassen können nach dem Film Gespräche mit Regisseurinnen und Regisseuren führen oder Workshops besuchen, die Begeisterung für filmische Inhalte wecken und das Wissen darüber vertiefen sollen. Das Kesselhaus ist auch Teil des Sommerkino Niederösterreich. Das landesweite Open-Air Event ging heuer in die neunte Runde. Die 50.000 Besucher pro Jahr untermauern das große Interesse. An 21 Spielstätten quer durch Niederösterreich werden Blockbuster, Klassiker der Filmgeschichte und Dokumentationen gezeigt, die teilweise auch in Niederösterreich entstanden sind oder vom Land Niederösterreich gefördert wurden. Lesungen, Konzerte, Diskussionen und Catering sind außerdem vielerorts fixe Bestandteile. Die Stimmung beim Open Air ist entspannter als im Kino. Häufig trifft man sich schon vorher, holt Drinks von der Bar und kann während der Vorführung über den gesehenen Film diskutieren, ohne böses Zischen aus den hinteren Reihen. Deshalb hat Open-Air-Kino heute oft mehr Zulauf als der reguläre Kinobetrieb. Auch das Cinema Paradiso eröffnete als erstes Programmkino in Niederösterreich im November 2002 mit Unterstützung des Landes, des Bundes der Stadt und durch Sponsoren. Sein Open-Air-Areal ist vom barocken Ambiente des Rathausplatzes umgeben und ebenfalls Teil des Sommerkino-Events. Wöchentlich verwandelt sich das Kino außerdem zu einem Club mit Konzerten von Pop bis junger Elektronik. Als täglicher Kulturtreffpunkt gilt die Cinema Bar, wo man auch gelegentlich auf Filmgrößen wie beispielsweise Stefan Ruzowitzky treffen kann. Eigene Filmfestivals sind in Niederösterreich zwar noch Mangelware, aber mit Sommerkinos und Festivals mit Filmprogrammen schreitet auch hier die Eventisierung von Film voran.

Kino im Kesselhaus

Termine, Infos: Sommerkino Niederösterreich: www.sommerkinoe.at 10 Jahre - Kino im Kesselhaus 8. bis 12. Oktober Mehr Infos unter: www.kinoimkesselhaus.at Die Nacht der Programmkinos findet Ende Jänner 2015 statt. Mehr Infos unter: www.programmkino.at Weitere Programmkinos und Filmclubs in Niederöstereich: Cinema Paradiso St. Pölten, Cinema Paradiso Baden, Österreichische Filmgaleria Krems, Filmbühne Waidhofen, Filmclub Retz, Arbeitskreis Film Amstetten, Filmclub Zwettl. Open-Air-Kino in Wr. Neustadt u.v.m. 029

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In Sarajevo rotten alte Olympia-Locations vor sich hin. In Niederösterreich ist die Lage deutlich rosiger.

ESC-Locations in Niederösterreich — Leuchtturm-Architektur, Nachnutzung und Bausünden

Rise Like A Mehrzweckhalle Text Kathrin Fenkiw

In Österreich reißt man sich um die Austragung des Eurovision Song Contests. Wien steht fest, aber welche spektakulären Hallen hat eigentlich Niederösterreich zu bieten?

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Conchita Wurst hat uns den Schas gewonnen. Der Eurovision Song Contest war ein selten großes Spektakel. Nächstes Jahr kommt er nach Österreich. Fakt ist allerdings: Er kostet. Vom 12. bis 16. Mai wird sich der ESC nächstes Jahr in Wien abspielen. In Kopenhagen wurde letztes Jahr noch eine eigene Halle gebaut. Und Großevents wie der Eurovision Song Contest oder auch Fußball-Weltmeisterschaften hinterlassen oft einen ganzen Friedhof an kaum genutzten Bauten, die hinterher verfallen. Alles nur, damit sich ein Präsident, Kanzler oder Diktator (ja, du, Putin) einmal kurz im medialen Licht sonnen können. Früher errichtete man Pyramiden, Amphitheater oder Triumpfbögen. Heute sind die Rennrodelbahn, Sprungschanze, Eislaufplatz oder Hotels in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo, die für die Olympischen Spiele 1984 errichtet wurden, verwuchert, abgewrackt und vollkommen ungenutzt. Auch die Skischanze von St. Moritz ist schon seit mehr als einem Jahrzehnt außer Betrieb, das Kajak-Zentrum und das Softball-Stadium in Athen rotten vor sich hin. Alte Stadien in Detroit verfallen und was aus all den Bauten in Sotschi wird, weiß heute noch niemand. In Österreich hat man sich zum letzten Großereignis, der Fußball-Europameisterschaft, vergleichsweise intelligent angestellt. Gut, das Wörthersee-Stadium ist ein Millionengrab, aber was aus der FP-Zeit in Kärnten eigentlich nicht? Immer wieder gibt es also Bauspekulationen und Gebäude, die für Messen, Konferenzen und Großveranstaltungen entstehen und später ungenützt bleiben. Natürlich auch in Niederösterreich. In der Zeit der Romantik, vor fast 200 Jahren, übten Ruinen bekanntermaßen eine große Faszination aus. Außer diesen gescheiterten Bauprojekten gibt es in Niederösterreich allerdings auch eine Vielzahl interessanter Locations. Wir haben uns auf die Suche nach außergewöhnlichen Orten gemacht, die für den ESC zwar vielleicht zu klein sind, aber sich ihr Scheinwerferlicht verdient hätten.

Atomkraftwerk, Zwentendorf In Betrieb genommen wurde es nie. Umsonst ist es trotzdem nicht. Im Atomkraftwerk Zwentendorf wird zwar kein Atom gespalten, dafür aber gefeiert. Das Areal hat eine Größe von 24 Hektar. Das entspricht ungefähr einem Drittel des Lunzer Sees. Schon alleine wegen dieser außergewöhnlichen Location sind Veranstaltungen wie das »Tomorrow Festival« definitiv einen Besuch wert.

Burgruine Aggstein Dass die Ruine schon etwas baufällig ist, soll nicht weiter stören – sie wurde ja vor gut zehn Jahren saniert. Nun ist sie mit Haustechnik und Wasserleitungen versehen. Die Gemäuer mögen vielleicht alt sein, haben aber sicher eine einmalige Akustik. Die kleine Hürde der vielen Treppen ist sicher zu bewältigen. Sonst fällt uns bestimmt eine Lösung ein. Wem der Song gerade nicht gefällt, der kann ja währenddessen dem Verlies einen Besuch abstatten oder einfach den schönen Ausblick auf die Wachau genießen. 031

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Multiversum, Schwechat

Strombauamt Greifenstein

Das Multiversum entstand 2011, und mit ihm der Schuldenberg der Gemeinde Schwechat. Die Zeiten, in denen Schwechat zu den reichsten Gemeinden Österreichs zählte, sind seither vorbei. Die Baukosten explodierten. Die Stadt muss überall sparen, nötigste Straßenreperaturen, keine Sanierung des Hauptplatzes, halb so viel Dünger für die Stadtgärtnerei. Dafür lässt sich das Multiversum sehen. Für Sport und Kultur gibt es drei Säle und zwei große Hallen mit insgesamt 3.000 Sitzplätzen. Ein exquisites Grab.

Jahrelang fanden hier am Ufer der Donau, knapp außerhalb Wiens, immer wieder coole Festivals wie das Temp Festival oder das Am Strom statt. Coole Street Art wäre auf dem Gebäude auch schon drauf. Heute ist der Glanz alter Tage ein wenig verflogen. Ginger XXL Specials, Pony reiten und Jazz Brunches, viel mehr geht gerade nicht. Mit einer Neuübernahme könnte das Strombauamt aber wieder ein »Magic Place Of Entertainment« werden.

VAZ, St. Pölten

Festspielhaus, St.Pölten

Lederhosen, Holi, DJs und Erotik – in der Landeshauptstadt gibt es so gut wie alles. Die Festivals Frequency und Beat Patrol sind jedes Jahr ein besonderes Highlight im VAZ. Die drei Hallen und das Freigelände machen insgesamt 48.000 m2 aus. Das ist eine Fläche so groß wie sechs Fußballfelder, ein Fünftel davon allein der Innenbereich. Außerdem bietet es Platz für 49.000 Personen, also für fast alle St. Pöltener auf einmal.

Allein optisch ist das Festspielhaus schon eine Freude. Viel Glas und moderne Architektur ergeben ein einheitliches Bild. Bei den Veranstaltungen ist von Tanz über Musik und Theater alles dabei. Im Festspielhaus können sowohl kleine Privatkonzerte als auch Orchesteraufführungen stattfinden. Zwei Säle und fünf weitere Räume finden sich auf insgesamt knapp 1.600 m2. »Der Eiserne Vorhang«, ein großformatiges Werk von Eva Schlegel, trennt heute Zuschauer und Bühne. Beim ESC könnte er symbolträchtig gehoben werden.

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Casino, Baden

Österreichhallen, Krems

Sagen wir mal der Song Contest würde statt in einem großen Raum einfach in vielen verschiedenen, kleineren, prunkvollen, vollkommen kaiserseligen Räumen spielen, wie auf einer rauschenden Walzerparty mit kitschigen Bildern wie vom Neujahrskonzert – ja, dann wäre das Casino Baden dafür der ideale Ort. Angeblich ist es sogar das größte Casino Europas.

»Eine der Hallen hat sicher die richtige Größe«, heißt es da süffisant auf der Website. Der ESC war damit wohl nicht gemeint. In den Österreichhallen gastieren eher Schülerbälle, Messen und Firmenfeiern, aber auch das renommierte Donaufestival. Die große Halle hat man dort mittlerweile aufgegeben. Die Akustik war zu schwierig. Dafür tun das Beisl und die Vertäfelungen aus den 70ern das ihre, um jeder Veranstaltung ein ganz eigenes Flair zu geben.

Johann-Pölz-Halle, Amstetten

Werft Korneuburg

Amstetten hat nicht nur eine, sondern gleich drei Hallen. Herzstück ist dennoch die Johann-Pölz-Halle, in der Zirkusfeste, Kabarett, Konzerte oder Musicals stattfinden. So ein Song Contest könnte hier mit dem Charme von Abschlussball-Performances kokettieren.

Mediterranes Flair mit einem Schuss von Gentrifizierung? Das gibt es in der Werft Korneuburg. Zwischen alten Kränen, Backsteinbauten und einem natürlichen Pool aus Donauwasser lassen sich Partys und Konzerte mit ganz eigenem Flair veranstalten. Mehr als 600 m2 haben hier Platz. Und ein paar Besucher aus Wien verirren sich wohl auch immer hierher.

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Herbstzeitlos — Neues Festival in Krems

Text Hans Horvath Bild Van der Deken, Bendedicte Maurseth, Helmut Lackinger

Re:Tradition Sich auf keinen Stil festlegen und trotzdem irgendwie Ethno, diesen Spagat versucht das neue Festival Herbstzeitlos während knapp fünf Tagen. Wie, das doziert Festivalleiter Jo Aichinger im Interview.

Das Kontraste Festival ist nicht mehr. Zuwenig Besucher, womöglich zu ambitioniertes Programm. Damit im Herbst weiterhin was los ist in Krems, wurden Teile des Sommerfestivals Glatt & Verkehrt einfach in den Herbst verlagert. Leiter ist Jo Aichinger, seit Anbeginn der Zeiten, nämlich seit 1997, also fast schon so lange, wie Avantgarde-Förderer Erwin Pröll im Amt ist. Aichinger kennt Krems und weiß, dass all die Arbeit langsam fruchtet und so auch nur schwer an einem anderen Ort in Niederösterreich möglich wäre. Im Interview erzählt er von ethnischen Elementen, die aber eh immer schon und immer mehr in Auflösung begriffen sind. Weltmusik ohne Stilbegriffe, ja das geht. Wäre ein Festival wie das Herbstzeitlos auch in anderen Orten in Niederösterreich vorstellbar? Teil der inhaltlichen Programmierungsstrategie ist die Einbeziehung der Veranstaltungsorte und besonders des Klangraum Krems Minoritenkirche mit seiner speziellen Architektur und Akustik. Mit Donaufestival, Donauuniversität und Museumsviertel gibt es mittlerweile schon seit einigen Jahren internationales Programm und Angebote in Krems. Bemerkt ihr, wie all das auch in der Stadt ankommt oder sind das irgendwie doch noch Inseln? Die Festivals haben sich in der Region sehr gut verankert und werden vom Publikum aus Krems und Umgebung immer mehr besucht. Diese Angebote tragen dazu bei, den Ruf von Krems als Ort für zeitgenössische Kunst und Kultur zu etablieren. Mit wievielen Besuchern aus dem Großraum Krems rechnet ihr, mit wievielen von außerhalb? Und was sind das dann für Leute?

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Ganz links: Lorenz Raab, Mitte: Benedicte Maurseth, Rechts: Klangraum Krems, der zentrale Spielort.

Wie bei allen Festivals der NÖ Festival und Kino GmbH (Donaufestival, Glatt & Verkehrt, Osterfestival Imago Dei) setzen wir auch bei Glatt & Verkehrt HerbstZeitlos auf lokales und überregionales Publikum – d.h. Zielgebiet ist Niederösterreich, Oberösterreich und Wien, wobei wir deutlich kleiner dimensionierte Orte als die Sandgrube bei Winzer Krems bespielen, wo ja das Hauptprogramm von Glatt & Verkehrt im Sommer stattfindet. Die Kapazität der unterschiedlichen Veranstaltungsorte variiert von 100 Personen, wie im Gasthaus Salzstadl oder im Arkadenhof des Klosters, bis 280 im Klangraum Krems Minoritenkirche. Herbstzeitlos wirkt in einigen Punkten wie das Nachfolgefestival des Kontraste Festivals. Wo sind die wichtigsten Unterschiede? Kontraste war inhaltlich völlig anders ausgerichtet – hier waren zeitgenössische Experimental-Musik und Klangkunst bei Weitem die prioritären Genres. Eine Achse zu Herbstzeitlos lässt sich höchstens über den gemeinsamen Spielort definieren, da die spezielle Atmosphäre des Klangraum Krems Minoritenkirche bei allen Aktivitäten maßgebend ist. Generell ist aber Herbstzeitlos ein neues Format des Festivals Glatt & Verkehrt, das sich über ethnische Musik definiert, diese aber in größtmöglicher Vielfalt darstellt. Das beinhaltet auch traditionelle Formen – dort, wo Tradition konzertant bestehen kann, also überzeugen, ohne aus dem traditionellen Umfeld herausgerissen zu werden. D.h. aber auch verstärkt in zeitgenössischen Sichtweisen oder Querverbindungen, oder in ungewöhnlichen Besetzungen, aber mit dem respektvollen Mut zur Begegnung mit den unterschiedlichsten Stilen. Z.B. John Hassel, der seine Inspiration für den heiser singenden Trompetenklang in den Linien eines indischen Raga-Flötisten fand. Oder John Tilbury, der herausra-

gende Interpret für Neue Musik und Improvisator reduzierter Folk-Formen, trifft auf den Noise- und Dronegeeichten Australier Oren Ambarchi. Gibt es so etwas wie einen Kern der Programmierung. Bis wohin franst ihr aus, was geht nicht mehr? Im Vergleich zu den späten 1990er Jahren gibt es heute immer mehr interessante und sehr innovative Konzepte der Einbindung von ethnischen Elementen. Dabei spielt vielleicht   Jazz eine geringere Rolle als früher. Überhaupt erübrigen sich mehr denn je die Versuche, etwas mit einem Stilbegriff zu beschreiben, insofern erübrigt sich auch die Frage, »bis wohin wir ausfransen« – Natürlich sind wir weder ein Pop- noch ein Rock-Festival, jedoch sehen wir den Begriff Weltmusik nicht unbedingt streng stilistisch, sondern als einen offenen und respektvoller Umgang im Experimentieren mit ethnischen Traditionen. Wie oft ist das Team das ganze Jahr über in Krems, wie oft in Wien oder anderswo? Die Büros der NÖ Festival und Kino GmbH befinden sich im Minoritenkloster in Krems, von wo aus wir das ganze Jahr arbeiten.   So ein Programm lässt sich wohl schwer nur über Eintritte und Sponsorings organisieren. Wie viel Förderungen bekommt ihr von Onkel Erwin? Im Wesentlichen haben wir bestehende Projektbudgets und somit vor allem Fördermittel der Abt. Kunst und Kultur des Landes Niederösterreich, nämlich des sogenanten Vorprogramms von Glatt & Verkehrt, in den Herbst verlagert, um hier unseren permanenten Spielort Klangraum Krems Minoritenkirche schwerpunktmäßig zu bespielen.   Das Festival Herbstzeitlos findet zum ersten Mal von 24. bis 28. September in Krems statt. 035

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Text Stefan Niederwieser Bild Kurt Hรถrbst

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Wachau Scans von Kurt Hörbst Menschen aus der Wachau in Kunst-Porträts

Marillenschädel? Was passiert, wenn man 20 Menschen einer Region unter den Scanner legt? Ein Bild der Region, Bilder von Menschen, vielleicht einfach gar nichts?

Venedig – Peking – Ückendorf – Wachau. Nein, das ist nicht das internationale Flair einer Modekette, sondern dort, wo Kurt Hörbst bereits Menschen gescannt hat. Scannen, das hört sich vielleicht technisch an und ist ja auch absichtlich, in Wirklichkeit geht der österreichische Künstler aber sehr behutsam und liebevoll vor. Er tastet Menschen einer Region mit der Linse ab, fotografiert sie beinahe, lässt sie allerdings flach liegen, wodurch kleine Irritationselemente entstehen. Haare fallen anders, die Schwerkraft verteilt Doppelkinn oder die Röte im Gesicht ein wenig anders. Durch die immergleiche Anordnung der Personen entsteht dabei eine scheinbar wissenschaftliche Genauigkeit, Menschen werden zueinander vergleichbar wie in einem Katalog, herausgelöst aus ihrer gewohnten Umgebung. Andererseits kann und soll ein Kunstprojekt genau so etwas ja niemals erreichen: Objektivität. Also wird die Auswahl der Personen, ihrer Kleidung, ihrer Dinge und kleinen Fehler zur wesentlichen Aufgabe des Künstlers. Ein angemessenes Bild einer Region lässt sich mit einer derart selektiven Methode ohnehin nicht zeichnen – schon eher interessante Charaktere finden. Aus der Wachau sind noch kaum Bilder bekannt, aber bisher hat Kurt Hörbst seine Modelle in anderen Städten immer respektvoll ausgesucht. Da fehlen Zynismus und Sozialporno, wie man es von

anderen Chronisten österreichischer Befindlichkeiten wie Ulrich Seidl, Elizabeth Spira oder den Doku-Soaps auf ATV kennt. Diese porträtieren auch keine durchschnittlichen Normcore-Menschen, sondern suchen das Extrem. Kurt Hörbst tut das nicht. Dennoch, neutrale Porträts sind auch seine Fotos nicht. Auch Hörbst wählt aus, nach Alter, nach Geschlecht, nach Hautfarbe, nach Status. Die Frage, ob nun etwas Typisches für die Wachau in seinen Scans zu erkennen wäre, läuft also eigentlich auf die Frage hinaus, ob der Künstler etwas Typisches in den Bewohnern der Wachau erkennt. Er selbst hat offenbar ein gespaltenes Verhältnis dazu: »Es ist besonders reizvoll, dieses Projekt in einer Region zu realisieren, in der man es mit einer Fülle an Klischees zu tun hat.« Sprach es und machte sich auf die Suche nach Menschen, die – mal berühmt, mal weniger – eben abseits des Klischees leben. Insofern wundert es nicht, dass die Frage, ob diese Menschen nun besonders für die Wachau sind oder sich die Serie beliebig fortsetzen lassen würde, offen bleibt. Vielleicht ist das sogar der Grund, warum wir uns die 20 Marillenschädel überhaupt ansehen, weil wir uns mit ihnen fragen, ob sich im Besonderen denn etwas Allgemeines erkennen lässt.  »Wachau Scans« von Kurt Hörbst ist von 5. Oktober bis 7. Dezember in der temporären Fotogalerie auf Schloss Spitz zu sehen. 037

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SERIE: INTRODUCING — Kreative aus Niederösterreich

Introducing: Rika Text Robert Boisits Bild Manuel Riegler

Unaufdringlicher österreichischer Indierock, der einem mit seiner Schönheit einwickeln möchte. In der Ruhe liegt ja die Kraft. Flinsberg, Austria, steht auf der Website von Rika. Knapp außerhalb von Sankt Pölten verortet sich also das Quartett Rika, das sich viel Zeit nimmt, um an ihrem Alternative Rock zu feilen. Das bislang einzige Album »How To Draw A River, Step By Step« erschien Anfang 2013 und zeichnete sich durch zehn ruhige, melancholische Songs aus, die vor allem durch ihre hymnische Dynamik auffallen. Viele Songs sind anfangs ruhig, schwellen später bis zum großen Finale an. Neun Jahre musste man auf den Erstling warten. Die Produktion (Francis International Airport) hat noch Luft nach oben, die Songs selbst sind behutsam komponiert. Es hat sich gelohnt. Sänger Stefan und Gitarrist Nasch

gründeten Rika im Jahr 2004 in Braunau. Nach mehreren Wechseln kamen schließlich mit Christoph aus Flinsbach (Drums) und Christian aus Ertl (Bass) zwei Niederösterreicher hinzu. Bis zuletzt wurde am Sound getüftelt. Aufgenommen wurde in einer alten Fabrikshalle. Mittlerweile ist die Platte auch in den USA und Japan erschienen. 2010 lernten Rika Keith von »Empire! Empire! (I Was A Lonely Estate)« kennen, der sie unter Vertrag nahm. In Niederösterreich spielt das Quartett immer wieder Konzerte, demnächst wieder, nachdem eine neue Single releast wird. Auf das neue Album wird man sich noch gedulden müssen, aber ganz sicher keine neun Jahre.

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d i s c ov new mu er sic

3 tage

€49

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1.- 5. oct. 2014 TheGap_NÖ_02_038-043_Rika_Workstation.indd 39

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Workstation — Menschen am Arbeitsplatz

Studio Praxistest

Hinter Studio Praxistest stehen Uli Kühn, Robert Zimmermann und Paul-Reza Klein, Studierende bzw. Absolventen der Universität für angewandte Kunst in Wien. Sie veranstalten Workshops in Niederösterreich und Wien rund um das Thema Technik. Sie wollen Blockaden und Ängste vor Technik abbauen und lösen. Aufschrauben, Reinschauen und Verstehen. Funktionalitäten werden manipuliert und zu etwas Neuem gemacht – Ergebnisse durch Störungen. Die Basis ist Information und inwieweit man diese, zum Beispiel durch Sound wahrnehmen kann. Studio Praxistest bietet eine Anlaufstelle und den Erfahrungsraum für Projekte von Studierenden zwischen Klang-, Video- und Medienkunst.

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bild Eli Brucker Text Julia Scherz

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Workstation — MENSCHEN AM ARBEITSPLATZ

Saskia Sailer, Kunstvermittlung Arnulf-Rainer Museum

Im alten Bad von Kaiser Franz Joseph hat Saskia Sailer ihren Arbeitsplatz gefunden. Sie leitet im Arnulf Rainer-Museum in Baden bei Wien die Kunstvermittlung. Mit Workshops und verschiedenen Führungen versuchen Saskia Sailer und ihr fünf köpfiges Team Brücken zu bauen, vom Kunstwerk zum Betrachter, denn Kunst kann nur verstanden werden, wenn man auch etwas darüber weiß. Vor der Kunstvermittlung im Arnulf Rainer-Museum war Saskia Sailer sowohl bei Sotheby’s und Christie’s im Kunsthandel tätig und hat sich so das nötige Wissen für Kunst angeeignet. Aktuell läuft »Damien Hirst/Arnulf Rainer«, noch bis Oktober.

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Wer an verregneten Sommertagen etwas zum Lachen braucht, ist im Karikatur-Museum Krems bestens aufgehoben. Die Ausstellung »Alles klar Herr Kommissar?« zeigt die großen Namen der Krimiszene von ihrer schönsten Seite. Wer danach Lust auf mehr hat, der kann den Erfahrungen eines Berufsdetektivs lauschen. bis 16. November Krems, Karikatur-Museum

Alles klar, Herr Kommissar?

Termine

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Kultur

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Termine

Kultur

K.U.SCH.

Gregor Schmoll Monsieur Surrealist: in seinen Werken lässt Gregor Schmoll die Grenzen zwischen Realität und Imagination verschwinden. Die Kunsthalle Krems zeigt seine zentralen Werkgruppen der letzten zehn Jahre und bietet somit eine umfangreiche Sammlung seiner wichtigsten Werke. bis 2. November Kunsthalle Krems

Points of Passage Im Rahmen des Kunstprojektes Points of Passage wird das Stift Melk von einer Vielzahl von Künstlern erkundet. Hierbei dient das gesamte Stift als künstlerische Oberfläche. Bis Ende des Jahres finden neben Kunstausstellungen auch Tanzveranstaltungen und Lesungen statt. bis Jahresende 2014 Stift Melk

Lange Nacht der Museen Am 4. Oktober wird die Nacht zum Tag. Zahlreiche Museen in Niederösterreich öffnen ihre Türen bis ein Uhr früh. Ein Highlight ist wohl das Nonseum (Bild), ein Museum, das nutzlose Dinge sammelt. Aber auch das Arnulf Rainer-Museum, die Artothek oder das Bäckereimuseum öffnen ihre Pforten. 4. Oktober Niederösterreich

Text Anika Kisielewski Bild Christian Stellner, Johanna WeiSS, Gregor Schmoll, Corinne L.Rusch, ORF/david staretz

K.U.SCH. steht für Krätschmer und Schwarzenberger. Seit einigen Jahren auch Sohn Sito. Das Künstlerkollektiv arbeitete von Anfang an politisch, mit Film, Objekten, Design, Land Art und immer neuen Formaten. Sie gehörten zu den ersten Mitgliedern des Filmmuseums. Letztes Jahr ist Jörg Schwarzenberger verstorben. Die Ausstellung wird von einer umfassenden Publikation mit zahlreichen Gastbeiträgen begleitet. bis 22. Februar St. Pölten, Shedhalle, Zeit Kunst Niederösterreich

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Termine

Festivals

Echte Dudes und ihre Werkzeuge sind beim Theaterstück »Männer und Maschinen« in vollem, übervollen Einsatz.

Szene Bunte Wähne Das 24. internationale Szene Bunte Wähne Theaterfestival richtet sich vor allem an ein junges Publikum. Unter dem Motto »Das Mee(h)r in mir«, das auch schon das diesjährige Tanzfestival begleitete, begibt man sich gemeinsam auf die Suche nach Identität und der eigenen Fantasie. Drei der aufgeführten Produktionen entstammen der heuer im Fokus liegenden Kinder- und Jugendtheaterszene Dänemarks. 25. September bis 4. Oktober Niederösterreich, verschiedenen Locations 046

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Termine

Festivals

Herbstzeitlos Nachspiel ist wichtig! Das haben auch die Veranstalter vom Glatt & Verkehrt-Festival erkannt. Somit wurde in diesem Jahr das spätsommerliche Herbstzeitlos als edler Digestif ins Leben gerufen. Die Kremser Minoritenkirche ist einer der außergewöhnlichen Schauplätze, die fünf Tage lang mit Livemusik aus aller Welt beschallt werden. Das Kino im Kesselhaus zeigt dazu ein begleitendes Filmprogramm. 24. bis 28. September Krems, verschiedene Locations

Puppentheatertage Österreichs größtes Festival für Puppen-, Objekt-. Und Figurentheater gastiert jährlich in Mistelbach. Über 90 Aufführungen gehen in Mistelbach und Umgebung in nur fünf Tagen über die Bühne. Mit der Vielfalt an künstlerischen Darbietungen durch traditionelle sowie moderne Inszenierungen wird gleichzeitig jugendliches als auch reiferes Künstlerherz befriedigt. 21. Oktober bis 26. Oktober Mistelbach Nicht nur eine Sache für Kinder – auch Erwachsene kommen auf ihre Kosten.

Filmhof Festival Bereits zum elften Mal in Folge findet das Filmhof Festival im Weinviertel statt. Im Zentrum des diesjährigen Programms steht die Theateraufführung »Charleys Tante«, eine in die 60er Jahre transformierte Verwechslungskomödie. Neben Theaterstücken laden auch zahlreiche Kabaretts zum herzhaften Lachen ein. Unter anderem Lukas Resetarits mit »Un Ruhe Stand«. 15. Juli bis 13. September Aspern/Zaya, Filmhof Wein4tel Stefano Bernardin spielt »Charleys Tante«.

Text Beatrice Winter Bild Clemens Nestroy, Helmut Lackinger, Internationale Puppentheatertage,

Der Klangraum Krems war schon untrennbar mit dem Kontraste Festival verbunden und wird das auch beim Herbstzeitlos sein.

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21. – 22. November 2014

Expedithalle der Ankerbrotfabrik craftbierfest.at • facebook.com/ craftbierfest

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Kolumne: Helden von heute Total Wahres aus dem niederösterreichischen Alpenvorland von Vea Kaiser

  HEADLINE     Helden von heute   Folge 2: Der Pfarrer streikt

B

ürgermeisterin Elvira Hell liebte den August. Pfarrfest und Blasmusikfrühschoppen hatten im Juli stattgefunden, die Kinder waren auf Jungscharlager und sie konnte sich den ganzen Tag ihrem Gemüsegarten widmen. Sie pflegte ihre Paradeiser, streichelte den Kopfsalat und Gatte Rudi goss stolzerfüllt seinen Rasen. Doch dann lief der Berger-BauerSohn heran. »Frau Burgermaster! Frau Burgermaster!«, brüllte er. »Schnell, kummen’s, ein Notfall!« Der Bub ließ der Bürgermeisterin nicht einmal mehr Zeit, aus ihren rosa Garten-Clogs zu schlüpfen und zerrte sie auf den Hauptplatz, wo die gesamte Dorfjugend wie bestellt und nicht abgeholt herumstand. Die Kinder sahen aus, als wären sie für einen SplatterWestern gecastet worden; alle waren sie mit Gatsch beschmiert und in ihren Haaren steckten Federn, Äste, Essensreste.

»Frau Burgermaster, der Herr Pfarrer mag uns net segnen!«, erklärte die Jungscharleiterin. »Wir sind vom Lager z’rückkommen und jetzt sollt’ er uns segnen, aber er mag net.« »Er is ein Pfarrer – sicher mag der segnen.« »Na, sei Köchin sagt, er mag net.« Als die Bürgermeisterin nachschauen wollte, prangte ein Zettel am Kirchentor: »WEGEN STREIK GESCHLOSSEN.« Dass die Abendmesse tags darauf ausfiel, merkte niemand, da deren Stammbelegschaft bereits so alt war, dass sie gar nicht mehr realisierte, ob ein Pfarrer da war oder nicht. Dass die Sonntagsmesse nicht stattfand, war beunruhigender und als am Montag das neue Pfarrblatt erschien, erklärte sich der Herr Pfarrer im Leitartikel. Der Pfarrer war im Streik und das seit dem 15. August. Anlässlich Mariä Himmelfahrt hatte er einen Kärntner Kirchenchor geladen, was die Feuerwehr allerdings nicht im Terminkalender vermerkt

und just an diesem Feiertag ein Oldtimer-Traktor-Rennen abgehalten hatte. Der Frau Bürgermeisterin fiel es wie Schuppen von den Augen; sie hatte auf beide Veranstaltungen keine Lust gehabt und den Rudi überredet, das Wochenende über nach Triest zu fahren. Wenigstens ihr hätte die Terminkollision auffallen sollen! Dann hätte sie verhindern können, dass der Kärntner Kirchenchor vor einer Handvoll Messbesucher gegen das Wunder der 20-PS-Zugmaschinen hätte ansingen müssen, die auf ihrem Wettrennen so nah an der Kirche vorbeigetuckert waren, dass – laut Herrn Pfarrer in seinem Leitartikel – nicht einmal die heilige Mutter im Himmel das »Gegrüßet seist Du, Maria« gehört habe, welches noch dazu das berühmteste Stück jenes Chores sei. Er beteuerte, dass er nicht streike, um die Gemeinde zu bestrafen, nein, er stelle sich die 049

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BILD Anna-Lisa Dorsch

Kolumne: Helden von heute Total Wahres aus dem niederösterreichischen Alpenvorland von Vea Kaiser

Sinnfrage – immerhin sei er seit einem Vierteljahrhundert Pfarrer hier und es gäbe ihm zu denken, dass er es augenscheinlich nicht geschafft hätte, der Gemeinde die Bedeutung jenes allerwichtigsten Marienfests nahezulegen. Die Bürgermeisterin hätte ihn ja streiken lassen, doch ihre Bürger sahen das anders. Zuerst kamen die jungen Frauen des Dorfes, die im Herbst zu heiraten gedachten. Danach kamen die jungen Mütter, deren Kinder getauft werden wollten und schließlich der gesamte Pensionistenverein, der sie darauf aufmerksam machte, dass das Leben endlich sei. »Ja, was soll ich machen?«, fragte sie. »Ja rufen’s den Landeshauptmann an, der soll’s dem Pfarrer befehlen«, schrien die jungen Mütter. »Geht’s, Österreich ist eine säkulare Republik! Kirche und Staat haben nichts miteinander zu tun.« »Wir sind nicht in Österreich, sondern in Niederösterreich!«, kreischten die jungen Bräute. »Der Landeshauptmann wird das schon richten!«, beteuerten die Pensionisten. Frau Elvira Hell war in der Zwickmühle. Der LHM und sie kannten sich schon sehr lange, doch sie fürchtete, dass das Dorf dem beliebten Landeshauptmann einen Heiligenschrein errichtete, sollte er den Pfarrer reaktivieren, und so setzte sich Elvira Hell an ihren Schreibtisch; Projekttitel

Frommes Dorf. Zunächst schickte sie die Volksschulkinder in den Pfarrhof, auf dass sie ein Best-of der Erstkommunionslieder sangen. Die Mütterrunde dekorierte die Kirche in edlen Herbsttönen, die Pensionisten demonstrierten am Parkplatz der Raiffeisenbank und die Greißlerin wollte freitags kein Fleisch mehr verkaufen. Doch der Pfarrer streikte weiter. »Er lässt mir keine andere Wahl«, seufzte die Bürgermeisterin, griff zum Telefon und rief Kommunisten-Charly an, der abseits des Ortskerns im Haus seiner verstorbenen Tante wohnte, und, mit der Auflage der Bürgermeisterin ein Zehntel abzugeben, im Wald Grünzeug züchtete. Kommunisten-Charly war ein alter 68er, der nichts so sehr liebte wie eine ordentliche Demo. Bereits eine Stunde nach dem Telefonat hatte er sich an den Pfarrhof gekettet und trat in den Solidaritätsstreik: »Bürger und Bürgerinnen, anders als das Establishment überdenkt euer Pfarrer seine Taten!« Der Pfarrer lugte aus dem Fenster und bekam Angst. Kommunisten-Charly hatte vor der letzten Wahl die Kanzel gestürmt und verkündet, würde Jesus heute leben, würde er die Kommunisten wählen, und das darf man in Niederösterreich nicht sagen, also warf sich der Herr Pfarrer in den Talar, läutete sämtliche Glocken und hielt eine spontane StreikEnde-Messe. »Aber das tu ich nur, weil der Jesus kein Kommunist ist!«, begann er die Messe und das Dorf atmete beruhigt aus.

  HEADLINE  

Vea Kaiser lebt in Wien und arbeitet meistens in Wien, aber auch in den USA. Ihr Debütroman »Blasmusikpop« war The GapCoverstory und wurde zum Bestseller. Vielleicht deshalb. Eher aber, weil er richtig gut ist. »Helden von Morgen« greift eine Figur aus einer ihrer Kurzgeschichten auf.

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The Gap Niederösterreich #02  

Bühnen für St. Pölten – Was Frequency und Beatpatrol der Stadt bringen Lames St. Pölten. Sub Club. The Quest auf Burg Kreuzenstein. Festival...

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