DIE ERNÄHRUNG VOLUME 40 | 05 2016

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Buchtipp GEHT’S NOCH BILLIGER?

© CORLAFFRA

Man darf sich jedoch zwei Illusionen nicht hingeben. Erstens führt auch in Europa die Massentierhaltung zum Einsatz von Antibiotika und einem Umgang mit den Tieren, der nicht dem Bild aus der TV-Werbung entspricht. Zweitens haben die heimischen Bauern aufgrund ihrer Kleinstrukturiertheit auch bei gleichbleibenden Standards Probleme mit der Konkurrenz aus Deutschland oder Frankreich. Und natürlich ist eine Farm mit Tausenden Rindern in Wisconsin noch wesentlich produktiver. Reicht dieser höhere wirtschaftliche Druck auf eine Branche, die knapp zwei Prozent zum heimischen BIP beiträgt, aber aus, um TTIP in Summe als Teufelszeug zu brandmarken? Die Antwort darauf muss ein klares Nein sein. Daran ändert auch der zweite, oft vorgebrachte Kritikpunkt – die Schiedsgerichte, vor denen Unternehmen Staaten verklagen können – nichts. Schon heute gibt es solche Gerichte. Und hier sollte man sich konkrete Beispiele ansehen. So kündig-

ten etwa im Vorjahr heimische Banken Klagen gegen Kroatien an. Was war der Grund? Im Wahlkampf beschloss die Regierung ein Gesetz, wonach Kreditverträge Tausender Kroaten auf Kosten der Banken rückabgewickelt wurden. Eine populistische Aktion, um die Wahl zu gewinnen. Hier muss es auch für Firmen die Möglichkeit geben, sich zu wehren. Ob TTIP je kommen wird, steht in den Sternen. Auch in den USA wachsen die Widerstände. Es ist aber sinnvoll, dafür zu kämpfen. TTIP würde nicht nur wichtige ökonomische Impulse bringen, sondern könnte auch globale Standards setzen. Klinkt sich Europa leichtfertig aus, könnten diese Standards dereinst in einem Abkommen zwischen den USA und China gesetzt werden. Und das kann wirklich niemand in Europa ­wollen. Nachdruck aus Die Presse vom 30.08.2016 von Jakob Zirm

ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 40 | 05. 2016

„Geht’s noch billiger?“ ist eine witzige, erfrischende Satire über einige der Absurditäten in der Wirtschaft, geschrieben von jemandem, der als Geschäftsführer und Marketingexperte jahrzehntelang in Top-Positionen von bekannten Markenartikelunternehmen gearbeitet hat. Aus der Sicht einer 20-Cent-Münze, die zusammen mit einer Ein-Cent-Münze unter einer Sockelleiste in einem Diskontladen festgeklemmt ist, wird ein breiter Bogen gespannt. Unverblümt und pointiert erzählt Walter Schönthaler in seinem Management-Roman von der sinkenden Bedeutung des Bargelds, dem Lebensmitteldiskont, der Spekulation mit Agrarrohstoffen, dem Ausufern der Finanzwirtschaft und den Folgen für die Lebensmittelhersteller und Konsumenten. Geht’s noch billiger? Walter Schönthaler 160 Seiten, € 8,90 Das Buch kann bei Amazon, Thalia und in jeder Buchhandlung bestellt werden.


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