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DIE ERNÄHRUNG Österreichische Zeitschrift für Wissenschaft, Recht, Technik und Wirtschaft 

VOLUME 39 | 02. 2015

„Wer nicht v ­ orwärts denkt, fällt zurück“ Seite 6

Die Welt der G ­ ewürze Seite 20

Verpackung reduziert Lebensmittelmüll

14Z040109 M P.b.b., ERSCHEINUNGSORT WIEN, VERLAGSPOSTAMT 1030 WIEN, ISSN 0250-1554 © Andrei Merkulov

Seite 23

ABSTRACTED IN CHEMICAL ABSTRACTS ABSTRACTED IN SCOPUS


2 wirtschaft economy

NEWS

Lebensmittelpreise weltweit so niedrig wie seit Jahren nicht mehr  Die Lebens­ mittelpreise sind weltweit so niedrig wie seit knapp fünf Jahren nicht mehr. Der Preisindex sank im März um 2,6 auf 173,8 Punkte und damit auf den niedrigsten Wert seit Juni 2010, teilte die Welternährungs­organisation (FAO) der Vereinten Nationen mit. Ein Versorgungsüberschuss am Markt drücke auf die ­Preise. Die Getreide-Lager dürften der FAO zufolge so voll sein wie seit ­mindestens 15 Jahren nicht mehr. Dagegen verteuerten sich Molkerei­produkte zuletzt zwei Monate in Folge.

Steirerfleisch übernimmt Schirnhofer Schlachthof  In der österreichischen Fleischerei-Branche kommt es zu einem interessanten Deal. Die Bauerngut Lebensmittel GmbH, ein Tochter­unternehmen der Steirerfleisch-­ Gruppe, pachtet jenen Schlachtbetrieb für Schweine in Großsteinbach im ­Bezirk Hartberg-Fürstenfeld, den die Schirn­hofer Schlachthof GmbH bisher betrieb. Zugleich hat die Steirerfleisch-­ Gruppe, die mit 720 Mitarbeitern im Vorjahr rund 291 Millionen Euro ­Umsatz erwirtschaftete, eine Option, den Schlachthof später zu erwerben.

Neue Broschüre „Ich lade dich zum Essen ein“   Die neue Broschüre bietet neben Fach­informationen zum Thema Ernährung im Alter auch praktische Tipps und Tricks, wie altersspezifischen Ernährungsproblemen bestmöglich begegnet und die Freude am Essen und Trinken erhalten werden kann. Diese Publikation steht als kostenloser Download auf der Website des BMG unter www.bmg.gv.at zur Verfügung.

©  FOTOLIA (3), NEHLICH, BODISELITSCH, POMS (1)

INHALT —

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WIRTSCHAFT economy 06 „Wer nicht ­vorwärts denkt, fällt zurück“ 09 ­Flächendeckende LKW-Maut in Ö ­ sterreich 11 Audits als ­Herausforderung 14 Was kommt nach der Milchquote? 20 Die Welt der G ­ ewürze

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TECHNIK technology 23 Verpackung reduziert Lebensmittelmüll

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FIRMEN BERICHTEN company reports


3 inhalt content

Liebe Leserin, lieber Leser, —

vielen Dank für das positive Feedback zum neuen Auftritt unserer Zeitschrift. Das motiviert uns, unseren Weg weiterzugehen. Weitere Anregungen sind gerne willkommen!

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WISSENSCHAFT science 28 Zwischen Sicherheit und allgemeiner Verunsicherung 31 Nachweis der Herkunft – Isotope als Schlüssel 34 Strategien zur Bekämpfung von pathogenen Keimen

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AUSBILDUNG education 36 Brau- und Getränketechnik

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RECHT law 37 EU-Programm – REFIT Evaluierung des allgemeinen Lebensmittelrechts (EG-BasisVO) 39 Vertrieb von „Original Bach-Blüten“ in Apotheken 41 „ENERGY & VODKA“ ist keine unzulässige Angabe 42 Adressangaben auf Etiketten 40 Impressum 43 Termine

Große Resonanz fand die Aussage von Generaldirektor Johann Mari­ hart, dass es bei Lebensmitteln mehr Ideologie als Wissen gebe. Fakt ist: Ernährung wird immer mehr zur Glaubensfrage, Konsumenten fordern zunehmend „ethisch korrekte“ Produkte. Die seit 1. April geltende Herkunftskennzeichnung für Schweine- oder Geflügelfleisch ist erst der Anfang. Zudem müssen Lebensmittel für das politische Tagesgeschäft herhalten. Die Kampagnen einiger Medien und Handelsketten zum Freihandels­ abkommen TTIP zeigen Wirkung: Die Stimmung in Österreich ist im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedsländern im Keller. Dabei ist der freie Handel gerade für die Lebensmittel­ industrie unverzichtbar. Die hohe heimische Handelsdichte zwingt unsere Produzenten ins Ausland, wo sie sich mit hoher Qualität bewähren. Das Ziel muss daher sein, mit einem klug verhandelten Abkommen Europa und die USA näher zusammenzuführen. Begleitend brauchen wir Initiativen in der Ausbildung von Fachkräften sowie Entlastung vom Regulierungsund Auditwahn. Damit Lebensmittel „made in Austria“ weiterhin Erfolg haben!

Katharina Koßdorff

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4 kurzmeldungen news

Sektsteuer sprudelt nicht so recht BEI SCHLUMBERGER ist in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres der Österreich-Umsatz um mehr als 15 Prozent zurückgegangen. Insgesamt ging der Umsatz um fast zehn Prozent auf 163,8 Millionen Euro zurück, das Konzernergebnis brach um 27,2 Prozent auf 1,3 Millionen Euro ein. Die Schuld sieht Schlumberger bei der im Vorjahr wieder eingeführten Sektsteuer. In der zweiten Jahreshälfte 2014 hatte der Sektmarkt einen Rückgang um mehr als 25 % zu verzeichnen (Quelle: AC Nielsen). Nur auf sechs statt der geplanten 35 Millionen Euro belief sich hingegen das Steueraufkommen im Jahr 2014. Wenn die fehlende Umsatzsteuer durch den Rückgang des Konsums einbezogen wird, ist die Sektsteuer für den Staat damit ein Minusgeschäft. Und die Sektsteuer kostet Arbeitsplätze in Österreich. Bis jetzt hat sich Schlumberger von mehr als zehn Prozent seiner Belegschaft (derzeit noch etwa 200 Mitarbeiter) trennen müssen. Und rund 450 Winzer, die ausschließlich für das Traditionshaus arbeiten, wird der Rückgang hart treffen. Erst kürzlich hatte das Bundesfinanzgericht (BFG) mitgeteilt, die Sektsteuer für verfassungswidrig zu halten, und dem Verfassungsgerichtshof (VfGH) empfohlen, sie aufzuheben.

Anker baut veganes ­Sortiment aus MIT DEM „City Lunch auf gut Wienerisch“ hat Anker neuen Schwung in der Mittagsverpflegung der Wiener Bevölkerung gesorgt. Jetzt wird dieses Angebot um eine 100% vegane Gemüsesuppe erweitert. Die neue Suppe besteht aus acht verschiedenen Gemüsesorten wie Karotten, Kartoffeln, Erbsen, Broccoli, Lauch, Zwiebeln, Blattspinat und Paradeisern und wird mit Gewürzen fein abgeschmeckt. Zubereitet wird sie völlig frei von tierischen Zutaten und somit ergänzt sie das umfangreiche vegane Sortiment in den Anker-Filialen. Ein Sortiment, das immerhin schon aus über 30 verschiedenen Produkten besteht, denn neben den meisten Brot- und Gebäcksorten sind beispielsweise auch das Apfel- und das Ribiseltascherl oder das Vitalweckerl vegan. „Vegane Ernährung ist speziell im städtischen Bereich immer mehr Menschen wichtig und dieser rasch wachsenden Bevölkerungsgruppe wollen wir von Anker ein möglichst reichhaltiges Angebot machen“, erklärt Ankerbrot-Vorstand Peter Ostendorf seine Initiative in diesem Bereich. Zu diesem Angebot an neue Ernährungsvorlieben gehört etwa auch, dass man in über 60 Anker-Filialen seinen Lieblingskaffee auf Wunsch statt mit klassischer Vollmilch auch mit Sojamilch (oder für Nicht-Veganer mit laktosefreier Milch) bekommen kann. www.ankerbrot.at

Egger-Getränkegruppe investierte DER KÜHLE und verregnete Sommer des Vorjahres hat den Bierdurst der Österreicher etwas sinken lassen. Dem konnte sich auch die Privatbrauerei Egger nicht entziehen: Im Kalenderjahr 2014 wurden insgesamt 811.000 HL eigenes Bier gebraut. Das ist im Vergleich zu 2013 ein leichtes Minus von 2,3 Prozent. Bei den Lohnfüllungen erzielte man 2014 einen Absatz von 125.000 HL. Der Umsatz lag 2014 mit 49 Mio. Euro knapp unter dem Ergebnis von 2013 mit 51 Mio. Euro. Besonders erfreulich war die erfolgreiche Einführung des neuen Egger Zisch alkoholfrei. Mittlerweile kennen bereits 80 Prozent der Konsumenten das alkoholfreie und isotonische Egger Zisch. 2014 wurden rund 2 Mio. Euro in eine neue Abtankanlage und knapp 1,5 Mio. Euro in die Aufrüstung der Technik für die Produktion investiert. Die Mitarbeiterzahl konnte mit 70 konstant gehalten werden. www.egger-bier.at

BEI RADLBERGER wurden 2014 insgesamt 166 Mio. Flaschen und Dosen abgefüllt. Der Umsatz betrug 64,4 Mio. Euro. Rund 2,5 Mio. Euro investierte Radlberger: in eine neue, hochmodernisierte Verpackungsanlage, eine Vollsleever-Anlage und eine Tragegriffmaschine. Der Mitarbeiterstand von Radlberger lag im vergangenen Jahr bei 120.

www.gruppe.schlumberger.at www.radlberger.at

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5 kurzmeldungen news

honor

DIE VERTRETER  der Kaffeebranche wählten ein­s timmig KR Harald J. Mayer, Geschäftsführer der Eduscho (Austria) GmbH, neuerlich zum Präsidenten des Kaffee- und Teeverbandes. Damit folgt seine mittlerweile vierte Amtsperiode, eine Bestätigung seines dynamischen Kurses. Der Verband mit prominent besetztem Präsidium rund um Corinne Gabler, Generaldirektorin Néstle, Marcel Löffler, CEO Julius Meinl, und Gerald Steger, café+Co CEO, bestätigte Harald J. Mayer in seiner Funktion als Präsident. Komplettiert wird das Quintett des Österreichischen Kaffee- und Teeverbandes von Andrew Demmer, seines Zeichens Vizepräsident und Repräsentant des Österreichischen Teeinstituts. „Mit Mayer haben wir eine Persönlich­keit an der Spitze, die Tradition mit Innovation perfekt zu verbinden weiß,“ zieht Dr. Johann Brunner, Geschäftsführer des Österreichischen Kaffee- und Tee-Verbandes, Resümee. Mit dem neuen Webauftritt und einem dynamischen Newsbereich auf www. kaffee­teeverband.at unterstreicht der Verband seine Innovationsstärke. Ein Fixtermin im Kalender und damit eine

der wichtigsten Aktivitäten des Kaffeeund Teeverbandes ist der „Tag des Kaffees“, der sich, 2002 erstmals begangen, zum wichtigsten Branchentag entwickelte. Österreich ist ein Land der Kaffeetrinker – mit e­ inem durchschnittlichen ProKopf-Verbrauch von 8 kg im Jahr. Und so wird der „Tag des Kaffees“ unter dem Motto „Ein Trend mit Tradition“ am Oktober 2015 ­bereits zum vierzehnten Mal ge­feiert. www.kaffeeteeverband.at

D: Edeka darf Kaiser’s Tengelmann nicht übernehmen DAS DEUTSCHE BUNDESKARTELLAMT hat Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka die Übernahme von rund 450 Filialen des Konkurrenten Kaiser’s Tengelmann untersagt. Der Zusammen­schluss würde nach Auffassung der Wettbewerbsbehörde zu einer erheblichen Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen vor allem im Großraum Berlin, in München und Oberbayern sowie in Nordrhein-Westfalen führen, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt in Bonn. Gleichzeitig würden den Unternehmen neue Preiserhöhungsspielräume eröffnet. Außerdem würden die Auswahlmöglichkeiten der Verbraucher vor Ort stark eingeschränkt. www.edeka.de

©  BMBF / HASLINGER

Mayer zum ­vierten Mal Präsident des Kaffee- und Teever­bandes

Hohe staatliche ­Auszeichnung für Dr. Neumayer

Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek überreichte im Audienz­saal des Bundesministeriums für Bildung und Frauen im Rahmen eines Festakts Dr. Walter Neumayer für seine Verdienste als Erwachsenenbildner den Berufstitel Professor. Der Jurist und profunde Kenner der Lebensmittelwirtschaft hat wesentliche Beiträge zu einer praxisgerechten Umsetzung des Lebens­m ittelrechts geliefert. ­S eine Leistungen kommen in ­einer R ­ eihe von einschlägigen Veröffentlichungen, wie dem „Handbuch zur Praxis des Lebens­m ittelrechts“ (1985), zum Ausdruck. In ­seinen Vorträgen und S ­ eminaren fungiert er als wichtiger Multiplikator, aber auch als „praxistauglicher Über­setzer“ von Gesetzestexten in anwendbare Informationen. Hervorzuheben ist außerdem seine Tätigkeit im Rahmen des Fachverbandes der Nahrungsund Genussmittelindustrie Österreichs und sein ­Wirken in Codex-Unterkommissionen sowie im Verein für Konsumenten­ information.

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6 wirtschaft economy

„WER NICHT ­VORWÄRTS DENKT, FÄLLT ZURÜCK“ Sigi Menz im Gespräch mit Martin Kugler SIGI MENZ, CHEF DER OTTAKRINGER BRAUEREI UND OBMANN DES ÖSTERREICHISCHEN BRAUEREIVERBANDES, ÜBER INNOVATIONEN, REGULIERUNGSWAHN, FREIHANDEL, KONSUM-PATRIOTISMUS UND WICHTIGE STANDORTFAKTOREN FÜR DIE LEBENSMITTEL- UND GETRÄNKEINDUSTRIE. ER WARNT VOR EINER GENUSSUND LEBENSFEINDLICHEN VERBOTSGESELLSCHAFT.

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ie Ernährung wird in der öffentlichen Diskussion ein immer dominanteres Thema, über das hitzig zwischen den Anhängern verschiedener Ernährungsweisen gestritten wird. Warum ist das Ihrer Meinung nach so? Sigi Menz: Ernährung ist zurecht ein so großes Thema. Es berührt wie sonst kaum etwas direkt unser Leben.

Menz: Information ist wichtig und die Menschen haben ein Recht darauf. Die Gefahr ist nur, dass daraus unnötige Bürokratie erwachsen könnte.

chen Verbotsgesellschaft geraten. Und ich fürchte, das könnte schneller gehen, als viele es sich heute vorstellen können.

Wie soll die lebensmittelverarbeitende Industrie auf diese Trends reagieren? Menz: Ich denke, mit Offenheit. Aber auch mit selbstbewusster Wachsamkeit, wenn Hanebüchenes gefordert werden sollte.

Man hat den Eindruck, dass das Genießen dabei immer unwichtiger und die Gesundheitsaspekte immer zentraler werden. Teilen Sie diese Ansicht? Menz: Teils, teils. Aber bleiben wir beim Positiven: Je mehr ich etwas über Bier weiß, je höher meine Kennerschaft ist, desto besser wird es mir schmecken, desto mehr Freude und Genuss werde ich daran haben.

Wie äußert sich das wandelnde Gesundheitsbewusstsein in der Getränkeindustrie? Menz: Es kommen zunehmend mehr Bio-Produkte auf den Markt, es wird verstärkt auf Zusatzstoffe verzichtet, es wird sozusagen positiv puristischer vorgegangen.

Gerade in Ihrer Branche gibt es derzeit viele Innovationen – Stichworte: „Craft Beer“ oder Radler-Produkte. Wie wichtig sind Innovationen in Sektoren mit jahrhundertelanger Tradition? Menz: Innovationen sind unbedingt nötig und wichtig. Wer nicht vorwärts denkt, fällt zurück. Damit rede ich aber nicht einem „Immer mehr“ das Wort, sondern einem „Immer sinnvoller“.

Den Produzenten werden immer weiterreichende Kennzeichnungsvorschriften auferlegt. Ist den Konsumenten damit wirklich gedient?

Haben Sie Sorge, dass nach der Ächtung von Tabak in nächster Zeit auch Alkohol unter Druck kommen könnte? Menz: Generell müssen wir in unserer Gesellschaft Acht geben, dass wir nicht zu einer genuss- und lebensfeindli-

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Verlangen die Konsumenten Innovationen? Oder sind Sie eigentlich zufrieden, wenn sie jene Produkte, die sie seit langem kennen und schätzen, in bester Qualität zu einem fairen Preis bekommen? Menz: Das trifft zu. Verlässlichkeit ist nach wie vor ein hochgefragter Wert. Konsumenten lassen sich aber auch gerne überraschen und positiv erstaunen.


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person

Zur Person —

Mag. Sigi Menz ist Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der Ottakringer Getränke AG. Zuvor war er Vorstandsvorsitzender der Ottakringer Brauerei AG, die nun Teil des von ihm geführten Ottakringer-Konzerns ist. Zudem ist er Obmann des österreichischen Brauereiverbandes und Sektionsobmann Industrie der Wirtschaftskammer Österreich. Sigi Menz studierte Betriebswirtschaft an der WU Wien. Der gebürtige Dornbirner (geb. 1952) ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Töchtern.

Mit Lebensmitteln wird immer auch ­Image und Lifestyle mitverkauft. Wird sich dieser Trend verstärken? Menz: Das gehört dazu und wird wohl auch weiter dazugehören.

Aus der Industrie ist immer öfter die Klage zu hören, dass der Spielraum durch einen wahren „Regulierungs­ wahn“ immer enger wird. Ist das auch Ihre Meinung?

©  ALEXANDRA EIZINGER

Wie in allen Wirtschaftssektoren wird auch bei Lebens- und Genussmitteln die Globa­ lisierung immer relevanter. Was braucht der Industriestandort Österreich, um international erfolgreich sein zu können? Menz: Wir brauchen ganz schlicht taugliche wirtschaftspolitische Rahmen­ bedingungen, die uns das Arbeiten ermöglichen. Wir brauchen Entbürokratisierung, brauchen geringere Steuern auf Arbeit, niedrigere administrative Hürden für das Unternehmertum. Wir brauchen Bildung. Und wir brauchen eine offene, eine bunte, eine selbstverantwortliche und dennoch solidarische Gesellschaft.

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about

Zum Unternehmen

©  ALEXANDRA EIZINGER

Menz: Die Grundtendenz hält leider an. Zuletzt hoffe ich aber auch, einen leisen Gegentrend erkannt zu haben. Ich denke, zumindest manche Politiker haben bemerkt, dass es so nicht weitergehen kann. Das neue Abfallwirtschaftsgesetz hat in der Branche für viel Aufregung g­ esorgt. Sie waren stark an der Neugestaltung beteiligt. Wie sehen Sie die Entwicklung? Menz: Uns war wichtig, dass es ein reibungslos funktionierendes, kostengünstiges System gibt, das sowohl für die Umwelt als auch für die Konsumenten ideal ist. Und bei der aktuellen Lösung ist genau das der Fall. Wir sind also auf einem guten Weg.

Rahmen der TTIP-Verhandlungen erneut diskutiert. Wie ist Ihre Position zu TTIP? Menz: Österreich ist eine Exportnation – grundsätzlich liegt ein freier Handel selbstverständlich in unserem Interesse und das geplante Abkommen in Bausch und Bogen zu verteufeln, ist daher Unsinn. Allerdings müssen wir penibel darauf achten, dass unsere strengen Standards, etwa in den Berei­ chen Lebensmittelsicherheit, Kennzeichnung und Tierschutz, gesichert bleiben und unsere demokratischen Errungenschaften nicht ausgehebelt werden. Kurzum: Freier Handel ja, ein Runterlizitieren unserer Qualitäts­ standards nein.

Freihandel ist für die Industrie ein wichtiges Thema – dieses wird derzeit im

Haben Sie persönlich Sorge, dass z.B. chinesische oder indische Lebensmittel-

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Die Ottakringer Brauerei ist die letzte große Wiener Brauerei und eine der letzten großen unabhängigen Brauereien Österreichs. Ihr Marktanteil in Österreich beträgt rund acht Prozent, in Wien ist Ottakringer Marktführer. Die Brauerei beschäftigt etwa 130 Mitarbeiter, braut jährlich gut 600.000 Hektoliter Bier und erzielte zuletzt einen Umsatz von 83 Millionen Euro. Ottakringer gilt als eine der innovativsten Brauereien des Landes (z.B. erste Brauerei mit AMA-Gütesiegel, Blopp-Frischeverschluss, Ottarocker). Die Ottakringer Getränke AG ist Österreichs einziges börsennotiertes Getränkeunternehmen, sie steht mehrheitlich in Familienbesitz. Das Unternehmen setzte zuletzt 224,64 Millionen Euro um und beschäftigte 856 Mitarbeiter. Der Getränkeabsatz lag bei 3,8 Millionen Hektoliter Getränke (Bier, Mineralwasser, Limonaden und Near-Water-Getränke).

konzerne mit Billigstpreisen massiv auf die westlichen Märkte drängen könn­ ten? Oder sind die Konsumenten beim Essen und Trinken Patrioten? Menz: Viele Menschen sind alleine wegen ihrer wirtschaftlichen Situation gezwungen, immer zum billigsten Produkt zu greifen. Und sich als Unternehmer auf Patriotismus zu verlassen, bringt ohnehin nichts. Qualität und Preis müssen in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Das war schon immer so. Und bei einer wachsenden Be­ völkerungsschicht wird hohe Qualität auch zunehmend belohnt. Was halten Sie vom Schlagwort „Feinkostladen Österreich“? Ist dieses Konzept noch aktuell bzw. zukunftsfähig? Menz: Ja, voll und ganz!


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­FLÄCHENDECKENDE LKW-MAUT IN ­ÖSTERREICH Position des Fachverbandes der Nahrungs- und Genussmittelindustrie ÖSTERREICHS TRANSPORTKOSTEN ZÄHLEN ZU DEN HÖCHSTEN IN EUROPA. SEPP DOMSCHITZ

D

er Produktions- und Exportstandort Österreich und damit die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Lebensmittel­ industrie wird im Vergleich mit anderen EU-Ländern durch eine Vielzahl an Steuern, Abgaben und behördlichen Vorgaben „überbelastet“. Zusätzlich erschweren Verbrauchssteuern (z.B. Biersteuer und die wieder eingeführte Sektsteuer) den wirtschaftlichen Erfolg vieler Unternehmen. Die Transportkosten in Österreich werden ebenfalls von hohen Steuern und Abgaben (KFZ-Steuer, Mineralölsteuer, LKW-Maut, Steueranteil bei Spritpreisen) bestimmt und zählen zu den höchsten in Europa.

Flächendeckende LKW-Maut ist ein No-Go Die geplante Einfüh

rung einer flächendeckenden LKWMaut in Österreich würde in der derzeit diskutierten Form die Transport- und Logistikkosten zusätzlich erhöhen und den Produktionsstandort Österreich weiter gefährden. Mautbedingte Mehrkosten stellen eine Verteuerung der gesamten Transport-

kette dar, was – als logische Konsequenz – wieder Auswirkungen auf die Letztverbraucherpreise vieler Produkte des täglichen Bedarfs – unter der Voraussetzung, dass eine Weitergabe dieser Zusatzkosten überhaupt möglich ist – haben wird. Betriebe in Regionen mit schlechtem Anschluss an das hochrangige Straßennetz erfahren damit eine weitere wirtschaftliche Schlechterstellung, da sie verstärkt von dieser geplanten Flächenabgabe betroffen sein werden. Die Folge einer flächendeckenden Maut ist eine weitere Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit vieler österreichischer Unternehmen.

Österreichs Agrar- und Lebensmittelwirtschaft ist Hauptbetroffene Die gesamte Wertschöpfungskette

der österreichischen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft wäre Leidtragende der Einführung einer flächendeckenden LKW-Maut. Viele Betriebe der österreichischen Lebensmittelindustrie, die tagtäglich Agrarwaren für die Weiterverarbeitung angeliefert bekommen und tagtäglich die daraus hergestellten Fertigprodukte an den Lebensmittelhandel

Stellenwert der Lebensmittelindustrie in Österreich Die Lebensmittelindustrie zählt zu Österreichs wichtigsten Wirtschaftszweigen und sichert im Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten tagtäglich die Versorgung mit sicheren, qualitativ hochwertigen und preiswerten Lebensmitteln und Getränken. Die rund 200 Unternehmen der österreichischen Lebensmittelindustrie mit ihren 26.000 Beschäftigten erwirtschafteten im Jahr 2014 ein Produktionsvolumen in Höhe von knapp über 8 Mrd.  Euro. Rund 60  % davon werden in 180 Länder der Welt exportiert. Der Fachverband unterstützt die Mitglieder der Branche durch umfassende Informationsangebote, Beratungsleistungen und internationale Vernetzung dabei, weiter­hin den gewohnt hohen Grad an Lebensmittelsicherheit, Qualität und Genuss unserer Lebens­mittel anbieten zu können.

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und die Gastronomie liefern, würden dadurch weiteren Wettbewerbs- und Standortnachteilen ausgesetzt werden.

mitteleinzelhandel gefährdet und andererseits Auswirkungen auf die Letztverbraucherpreise haben wird.

Verteuerung, von Rohwaren

Davon betroffen wäre neben der Nahversorgung auch die österreichische Gastronomie mit ihrer traditionellen Gasthof- und Gaststätten-Kultur, deren Belieferung von vielen Betrieben der österreichischen Lebensmittelindustrie, insbesondere der vielen Brauereien, noch selbst organisiert und sichergestellt wird. Für viele Mehrwegflaschen könnte diese Mauterweiterung ebenfalls finanzielle Nachteile bedeuten.

Viele Agrarwaren – u.a. Milch, Getreide, Fleisch, Obst, Gemüse, Kartoffel, Zucker, Konzentrate usw. –, müssen aus Hygienegründen und wegen der leichten Verderblichkeit der Waren regelmäßig per LKW bzw. Tankzügen mit einem sehr hohen Leerkilometeranteil zu den Produktionsstätten im ganzen Land geliefert werden.

Auswirkungen auf die Nahversorgung Der österreichische Le

bensmitteleinzelhandel hat in den letzten Jahren in ein dichtes Filialnetz investiert, das dem Wirtschaftsstandort und Tourismusland Österreich zugute kommt. Auf eine Million Konsumentinnen und Konsumenten kommen statistisch gesehen rund 450 Filialen im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel mit einer Größe von über 400 m² pro Filialstandort (Quelle: Statista 2014).

Aufgrund ihrer Transportkostensensibilität (praktisch alle Lebensmittel sind kostenempfindliche Produkte!) würden mit Einführung einer flächendeckenden LKW-Maut viele in Österreich aus österreichischen Rohwaren hergestellte Produkte teurer als ihre Konkurrenzprodukte in benachbarten Ländern werden. Dadurch entstünde ein „hausgemachter“ Standortnachteil für viele Unternehmen der österreichischen Wirtschaft.

Vermeidung von Leerfahrten

Die Vermeidung von Leerfahrten ist aufgrund des Kostendrucks im österrei-

© TTSTUDIO

Bei der tagtäglichen Belieferung der Filialen des Lebensmitteleinzelhandels vor Ort würde die Einführung einer flächendeckenden LKW-Maut zu Mehrkosten führen, die einerseits das dichte Filialnetz im österreichischen Lebens-

Benachteiligung österreichischer Produkte gegenüber ausländischen Konkurrenzprodukten

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chischen Lebensmitteleinzelhandel seit vielen Jahren gelebte Praxis. Gerade bei der Belieferung von Filialen des Lebensmitteleinzelhandels sowie der Gastronomie gibt es oft keine Möglichkeit, die frisch angelieferten Lebensmittel und Getränke bei der Rückfahrt durch andere Produkte zu ersetzen. Das kann auch mit Einführung einer flächendeckenden Maut nicht beeinflusst werden.

Verlagerung der Lebensmitteltransporte auf die Schiene Der

Großteil der transportierten Lebensmittel und Getränke wird just in time im Zustellverkehr transportiert und angeliefert (z.B. Anlieferung zu Supermärkten, Handelsgeschäften, Gastronomiebetrieben). Eine Verlagerung auf die Schiene ist daher nicht möglich.

Fazit Wettbewerbs- und Standortnachteile als Folge der Einführung einer flächendeckenden LKW-Maut in Österreich (Rohwarenbeschaffung und Belieferung des Handels) gefährden alle Akteure und Arbeitsplätze entlang der Wertschöpfungskette der österreichischen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft.

Sepp Domschitz Fachverband der Lebensmittelindustrie j.domschitz@dielebensmittel.at


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AUDITS ALS ­HERAUSFORDERUNG für Unternehmen der Lebensmittelindustrie – ein Spannungsfeld DAS LEBENSLANGE LERNEN IST NICHT NUR FÜR DEN EINZELNEN MITARBEITER EIN STÄNDIGES THEMA, SONDERN BETRIFFT AUCH IMMER DIE GANZE ORGANISATION. AUDITS SIND GESTALTUNGSHEBEL UND INSTRUMENTE ZUM LEBENS­ LANGEN LERNEN FÜR ORGANISATIONEN. KONRAD SCHEIBER, CEO QUALITY AUSTRIA

D Audits as a challenge for companies operating in food industry – a field of tension Lifelong learning is not only a constant topic for the individual employee. It always is the whole organization that will be concerned. Audits are levers for design and tools for enabling lifelong learning within organizations. This also opens up opportunities for companies. However, these opportunities can only be identified and utilized if certain basic requirements are taken into account. In this respect, important aspects are emotional labilization, competencies and insights.

amit ergeben sich auch Chancen für Unternehmen. Diese Chancen lassen sich aber nur identifizieren und nutzen, wenn bestimmte Voraussetzungen berücksichtigt werden. Wichtige Aspekte dabei sind emotionale Labilisierung, Kompetenzen und Einsichten. Wann haben Sie sich das letzte Mal auf ein internes oder externes Audit gefreut, so richtig wie auch auf Ihren Geburtstag oder auf Weihnachten? Audits werden eher mit Überprüfung sowie zeitlicher, emotionaler und finanzieller Belastung assoziiert und stehen damit für einen Spannungszustand. Aber ein derartiger Spannungszustand kann durchaus positiv sein, ähnlich wie das Lampenfieber vor dem großen Auftritt. Der Adrenalinpegel steigt, die Aufmerksamkeit aller Sinne nimmt zu. Es gibt durchaus qualityaustria-Kunden, die sich auf Audits freuen, wie ein Blick in das Archiv des qualityaustria-Forums zeigt, z.B. Ing. Johann Bock, Eigentümer von Becom, erklärte in der Diskussion beim 17. qualityaustria-Forum: „Wir freuen uns über jeden Hinweis, ob aus Kundenaudits, internen Audits oder externen Audits.“ Auch Dr. Christoph Becker, Qualitätsmanager bei Tyco Electronics Austria GmbH, meint zur Frage nach den Erfahrungen mit Audits: „Audits sind wie ein Spiegel, den wir uns vor

Augen halten, um zu sehen, wie weit wir in unserer Entwicklung schon sind.“ Audits geben oft viele wertvolle Rückschlüsse auf die Vergangenheit und machen damit insbesondere Entwicklungen sichtbar. Bewusste Erschütterung Im Lernprozess selbst ist immer wichtig, Selbstverständliches infrage zu stellen und das System sozusagen bewusst und kontrolliert zu „erschüttern“, um ein hohes Maß an Verinnerlichung und stetiger Verbesserung erreichen zu können. Normen und Regeln lassen sich nur auf dem Weg der emotionalen Labilisierung nachhaltig verankern, die die Grundvoraussetzung für Kompetenzentwicklung darstellt. Audits können den Unternehmenswert steigern. Die Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft des Unternehmens zum Lernen und die Festlegung von konkreten Erwartungen und Spielregeln. Dies gilt grundsätzlich für Managementsystemaudits wie ISO 9001 (Qualitätsmanagement), ISO 14001 oder ISO 50001 (Umwelt- oder Energiemanagement), OHSAS 18001 (Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz) ebenso wie für branchenspezifische Standards wie ISO 22000, IFS, BRC. Die ISO 9001, ISO 14001 oder ISO 50001 bieten vielleicht mehr Gestaltungsfreiheiten als die lebensmittelspezifischen Standards, bei denen viele Kriterien einfach zu

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• Bewertungs- und Beurteilungsver­

©  ANNA RAUCHENBERGER

halten • angemessene Dokumentations- und Berichtsstrukturen • Energie zu Potentialen und Verbesserungsmaßnahmen • Auditkultur und Auditpolitik

erfüllen sind, um ein hohes Maß an Lebensmittelsicherheit sicherzustellen. Aber am Ende des Tages gilt es, sehr zufriedene und loyale Kunden zu haben, die Prozesse entsprechend effektiv und effizient zu steuern, mögliche Beschwerden, Umweltemissionen und Arbeitsunfälle gegen Null zu steigern. Anforderungen sollen in Fleisch und Blut übergegangen und damit selbstverständlich sein. Qualitäts- und Umweltbewusstsein werden damit täglich spürbar und prägen die Unternehmenskultur. Voraussetzungen für Audits als Gestaltungshebel Es gibt fundamentale Voraussetzungen für Audits als wirksamen Gestaltungshebel. Viele dieser Kriterien finden sich auch in der ISO 19011 für Anforderungen an die Auditoren: • exzellentes Norm- und Modellwissen • adäquates Wissen über Branche, Technologie und Recht • Auditprozesse, Audittechniken, Auditmethoden • Fragetechniken, Kommunikationsstrategien

Spannungszustände und kognitive Dissonanzen Im Handbuch Kompetenzmessung kommen John Erpenbeck und Lutz von Rosenstiel zum Schluss: „Keine Kompetenzentwicklung ohne emotionale Labilisierung!“ Der Interiorisationsprozess (Verinnerlichung) sei das Zentrum jeder Wertaneignung und damit jeder Kompetenzentwicklung. Somit auch für interne und externe Auditoren. Im Audit treffen unternehmensspezifische und persönliche Werte, Überzeugungen wie „Ich bin gerne beim Audit“, Gefühle, Wahrnehmung, Arbeits- und Beziehungsstil auf Informationen, Vorgaben, Nachweise von gesetzten Handlungen, Entscheidung in Form von Abweichungen wie Major Car, Minor Car oder in der ISO-Welt auch Hinweise. Spannungszustände und ko­gnitive Dissonanzen sind möglich, sogar sehr wahrscheinlich. Aber Kognition ist eine Fähigkeit, die Lernen und Problemlösen fördert. Kognitives Lernen steht auch für Lernen durch Einsicht. Einsicht erfordert wiederum sechs Elemente: 1. Offenheit 2. Fehler zugeben 3. Bereitschaft zu tun 4. Vertrauen fördern 5. Mut 6. Kultur Einsicht bedeutet hierbei aber nicht nur das Erkennen und Verstehen eines Sachverhaltes, sondern hat auch mit Übersicht und vor allem mit Nachsicht zu tun! Wann werden Audits zur Lernplattform? Wenn die firmeninterne Auditstrategie auf höchster Geheimhaltung, langatmigen Ausführungen oder internen bzw. externen Störungen basiert, werden Audits sich zu keiner Lernplattform entwickeln. Dies ebenso wenig, wenn die Auditzielsetzung ausschließlich auf den Konformi-

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tätserhalt fokussiert, dabei der Aufwand so gering wie möglich gehalten, die Führung weitgehend in Ruhe gelassen werden soll und die Auditerkenntnisse nicht weiterkommuniziert werden in der Auditnachbereitung. Audits werden zum Gestaltungshebel, wenn es ein respektvolles Miteinander gibt und mögliche Ängste den Betroffenen genommen werden. Eine zentrale Frage ist immer: Welche Auditziele wurden definiert, um entsprechend fokussiert die Fragestellungen im Audit zu formulieren? Wurden u.U. spezielle Auditziele festgelegt? Dies sind wichtige Voraussetzungen, um im weiteren Schritt Wissen aus gewonnenen Erkenntnissen zu teilen und umzusetzen. D.h. zur Bereitschaft Wissen zu teilen, kommen die interne Kommunikation über die Auditleistung bzw. das Audit­ ergebnis als weiteres Erfolgskriterium dazu. Wenn „investigative“ Audits geplant werden, sollten diese auch dann offen kommuniziert werden. Audits entwickeln sich zum Gestaltungshebel, wenn kognitives Lernen praktiziert, dabei selbstgesteuertes Lernen (Arnold/Gomez Tutor 2007) gefördert und aktionsorientiertes Lernen (Geldermann 2005) erlaubt wird. Generationsübergreifendes Lernen ist von Vorteil, um den Erfahrungsschatz zu teilen und neue Zugänge zu integrieren. Am Ende sollte man allen Beteiligten auch Lob und Anerkennung zollen. In Audits Chancen erkennen, analysieren und realisieren Positive Voraussetzungen für eine Lernplattform wären aus der Perspektive der Auditstrategie die interne Auditorenkompetenz weiterzuentwickeln, eine Auditkultur zu etablieren. Fach- bzw. bereichsübergreifende interne Audits könnten das wechselseitige Verständnis fördern. Aus der Perspektive der Auditzielsetzungen ist selbstverständlich die Konformitätsbestätigung ein zentraler Aspekt. Wenn aber die firmenspezifische Auditzielsetzung heißt, wir wollen aus den Audits lernen, Deltas erkennen, Verbesserungen ableiten, Potenziale identifizieren, dann werden Audits zu einer Lern- und Wissensplattform und schließlich zum Gestaltungshebel. Dies gilt für interne und externe Audits gleichermaßen.


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Die Auditphilosophie von qualityaustria Es wird souverän und objektiv im Hinblick auf den Erfüllungsgrad der jeweiligen Norm evaluiert, um die Normkonformität sicherzustellen. Das qualityaustria-Auditdesign ist seit jeher mehrwertorientiert und nutzenstiftend angelegt. Das Auditverfahren und die Auditdokumentation folgen dabei der qualityaustria-Erfolgslogik. Als Botschafter des Nutzens demonstriert die qualityaustria die Wirkungsweise von Qualitätsmanagementsystemen und Integrierten Managementsystemen. Dabei sind die einzelnen Systemdisziplinen nicht ausschließlich in ihrer Einzelform zu betrachten, sondern stets in Wechselbeziehung zu anderen Systemen bzw. Prozessen. Bei der Erbringung der Auditdienstleistung ist stets der unmittelbare Praxisbezug spürbar und somit für die Organisationen umgehend zum eigenen Nutzen in die täglichen Prozesse integrierbar. Eine besondere Stärke liegt auch darin, dass im Rahmen von Auditdienstleistungen spezielle Auditzielsetzungen mit dem Kunden festgelegt und dann im Zuge der Audits mitbetrachtet werden

können. Auch die laufende Betrachtung der Audithistorie stellt eine stetige Weiterentwicklung der Organisation sicher. Aussagen zur Leistung des Managementsystems werden thematisiert und zeigen wichtige Entwicklungsschritte auf. Insbesondere die integrierte Betrachtung der einzelnen Systeme ermöglicht eine zielgerichtete Weiterentwicklung der Organisation, ohne dass sich einzelne Disziplinen gegenseitig behindern. Zusätzlich wird es möglich, strategische Aussagen der Organisation zu sammeln, Risikoassessments einfließen zu lassen oder entsprechende Selbstbewertungen zu integrieren. Dies kann so weit genutzt werden, dass dabei die Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Risiken aus der Sicht der Organisation im Laufe der Auditdurchführung festgehalten werden können. Ein wesentlicher Fokus liegt auf der Methodik zur Überwachung von Prozessen, da dies eine der zentralen Anforderungen der ISO 9001 ist und eine wichtige Grundlage auch für andere Managementstandards darstellt.

Von der Philosophie zur praktischen Bewertung Seit zwei Jahren werden jährlich 400 qualityaustria-Kunden durch Karmasin Motivforschung telefonisch interviewt. Dabei werden zwei Ziele verfolgt. Einerseits wird die Kundenzufriedenheit gemessen, andererseits die Kompetenz der Auditoren bewertet. 90 Prozent der Befragten gaben für das erste Halbjahr 2014 an, dass durch das Audit Verbesserungspotentiale in Bezug auf Prozesse, Strukturen oder Produkte aufgezeigt werden konnten. „Das Audit hat uns in der Umsetzung der Unternehmensstrategie und -ziele unterstützt“, sagen 86 Prozent. Audits fördern auch das Verständnis für die Notwendigkeit von Veränderungen. Dies bestätigen 76% der qualityaustria-Kunden. Die Auditberichte zur Ergebnisdokumentation weisen einen besonders hohen Nutzen aus. 93% der Kunden sind der Meinung, „die Auditberichte sind für uns hilfreich, aussagekräftig und verständlich.“ Konrad Scheiber Quality Austria konrad.scheiber@qualityaustria.com

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volume 39 | 02. 2015  ERNÄHRUNG | NUTRITION


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WAS KOMMT NACH DER MILCHQUOTE? Neue Strategien und Chancen für die Milchwirtschaft MIT DEM ENDE DER MILCHQUOTEN ZUM 31. MÄRZ 2015 STEHT DIE EUROPÄISCHE MILCHWIRTSCHAFT VOR EINER NEUEN ÄRA. DIE ÖSTERREICHISCHE MILCHWIRTSCHAFT RECHNET MIT EINER STEIGENDEN MILCHMENGE, EINEM VERSCHÄRFTEN WETTBEWERB UND HÖHERER VOLATILITÄT. DIE HEIMISCHE MILCHWIRTSCHAFT HAT SICH SEIT LÄNGEREM AUF DAS AUSLAUFEN DER MILCHQUOTE VORBEREITET. MAG. DI JOHANN KÖLTRINGER

D

ie Milchquote war über 37 Jahre das zentrale Steuerungselement für den Milchmarkt, sie wurde in Österreich bereits 6 Jahre vor der Europäischen Union eingeführt. Mit dem EU-Beitritt vor 20 Jahren musste Österreich das EU-Milchquotenschema übernehmen. Seither gab es mehrere Reformschritte. Das Ende der Milchquote erfordert neue milchpolitische Rahmenbedingungen. Der Milchstandort Österreich hat Potential und die politischen Rahmenbedingungen sollten die Ausschöpfung dieses Potentials entsprechend unterstützen. Damit werden nicht nur Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Österreich geschaffen und erhalten, sondern auch unsere schöne Landschaft.

Warum wurde die Milchquote eingeführt? Die Milchquote wurde eingeführt, um die Milchproduktion zunächst in Österreich und in weiterer Folge auch auf EU-Ebene zu begrenzen. Nachdem die österreichische und europäische Landwirtschaft in immer mehr Bereichen die Selbstversorgung erreicht hatte und in der Milchwirtschaft massive Überschusssituationen entstanden, entschloss man sich zu diesem Schritt der Marktbegrenzung. Festzuhalten ist dabei, dass die damaligen Marktordnungssysteme im Vergleich zu den Weltmarktpreisen relativ hohe Preise garantierten, wodurch Überschüsse am Markt entstanden, die zur damaligen Zeit mit hohen Stützungsmitteln außer Landes gebracht werden mussten. Zu dieser Zeit lagen die Weltmarktpreise deutlich unter den europäischen Preisen.

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Die Milchquote ist als „ungeliebtes Kind“ begleitet von Bauernprotesten auf die Welt gekommen, dieses Regulativ entwickelte sich allerdings zu einem ­festen Bestandteil der Agrarpolitik. Mit der stärkeren Entwicklung der welt­ weiten Nachfrage seit ca. 10  Jahren und dem de facto Verschwinden der öffentlichen Interventionsmengen bei Milchprodukten kam die Sinnhaftigkeit der Milchquote immer stärker in Diskussion: Durch verschiedene Maßnahmen (Absenkung des EU-Interventionspreises, Öffnung der Märkte) entwickelten sich Weltmarktpreise und EU-Preise gleich. Andere weltweite Mitkonkurrenten konnten deutliche Produktionssteigerungen realisieren, während die EU aufgrund der Milchquote von dieser Entwicklung weitgehend abgeschnitten war. Auch konnte der Preisvorteil durch die Quote


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© LAKIRR

wirtschaft economy

immer weniger dargestellt werden, sodass letztlich die Sinnhaftigkeit für einer Fortführung der Quote immer geringer wurde. Österreich hat sehr lange an der Quote festgehalten, allerdings geriet Öster­reich als eines der wenigen Länder, die stets „Superabgaben für Überschussmengen“ nach Brüssel zu bezahlen hatten, in die Minderheit. Schließlich wurde die Milchquote mehrere Male erhöht und verlor damit ihre steuernde Wirkung. Während vieler Jahre lagen nur mehr ca. ein Viertel der EU-Mitgliedsstaaten über ihrer Milchquote. Was hat die Milchquote gekostet? Die Milchquoten wurden den einzelnen Landwirten kostenlos zur Verfügung gestellt, sie brachten ihnen das Recht zur Produktion einer bestimmten Milchmenge, die an der damaligen ­historischen

Produktion bemessen w ­ urde. Später konnte die Milchquote zwischen den Landwirten gehandelt werden und stellte damit auch einen monetären Wert dar. Eine Kalkulation über die letzten 20 Jahre zeigt, dass die heimischen Milchbauern ca.  430  Millionen Euro an Superabgabe für die Überlieferung ihrer Milchquote nach Brüssel bezahlt haben, weiters dürften die heimischen Milchbauern in diesem Zeitraum für den Quotenhandel zwischen den Milchbauern ca.  1,3  Milliarden  Euro ausgegeben haben, was im Durchschnitt mit ca. 10 % des jährlichen Milchgeldes als direkte Quotenkosten für die a­ ktiv produzierenden Milchbauern einen ­beachtlichen Preis ergibt. Was hat die Milchquote gebracht? Zu Beginn ihrer Einführung, als die

Weltmarktpreise noch deutlich unter dem europäischen Preis lagen, erfüllte die Milchquote zweifelsohne eine wichtige Funktion, indem sie das europäische Preisniveau über dem Weltmarktpreisniveau fixierte. In mehreren Umgestaltungen verlor sie allerdings ihre Wirkung, z.B. durch Absenkung der institutionellen Interventionslevel sowie durch die Umstellung auf Direktzahlungen und die internationale Öffnung der Märkte, außerdem entwickelte sich die weltweite Nachfrage positiv. Was den Schutz der kleinen Milchbauern und die Vermeidung des Strukturbruchs betrifft, muss festgestellt werden, dass auch unter dem Quotenregime der Strukturwandel in der Milchwirtschaft sehr deutlich war, so gab es z.B. zum EU-Beitritt vor mittlerweile 20 Jahren

volume 39 | 02. 2015  ERNÄHRUNG | NUTRITION


16 wirtschaft economy

VÖM

Entwicklung der Milchpreise: EU und Weltmarkt 525 EU-25 EU-27

EU-15 EU-25

World Milk Equvivalent Price

500

(based on average questions of butter and SMP)

475 450

EU Milk price

425 400 373 €/T 364 €/T

325 300

202

275

263 244

250 226

220

225

216

200 175

EU milk equiv. support price (based on SMP and butter prices)

2000

2001

2002

2004

2003

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

150 125 100

2013

Quelle EU-Kommission

Entwicklung der Zusatzabgabe in Österreich (in 1.000 €) 50.000

46.760

1995/96 - 2014/15: 429 Mio.€ Zusatzabgabe

45.000 40.000

37.969 35.938 35.658 35.141

35.000

33.578 31.032

Weltmarkt mit positiver Entwicklung Internationale Studien zeichnen für die weitere Entwicklung des weltweiten Milchabsatzes ein positives Bild, vor allem in den aufstrebenden Ländern im Mittleren und Fernen Osten. Wenn Menschen mehr Geld zur Verfügung haben, wollen sie bessere Lebensmittel, Milch ist hier immer dabei. Die EU möchte an dieser positiven Entwicklung teilhaben.

28.733

30.000 25.000

22.969

24.728

25.834

Es bleibt zu hoffen, dass auch Österreich mit seiner vergleichsweise kleinen Milchproduktion in diesem Konzert mitmischen kann, hier gilt es, die bisherigen Exporterfolge der heimischen Milchverarbeiter auszubauen, um am positiven Erfolgsweg der weltweiten Milchwirtschaft teilzuhaben.

23.675

20.000 15.000

12.995

12.342 9.166

10.000

6.885

6.052

5.000 0

82.000 Milchbauern, während es zum Quotenende nur mehr 31.500 gibt, ein Minus von über 60 %. Ebenfalls ist die europäische Milchwirtschaft gerade in den letzten Jahren einer stärkeren Volatilität durch die Schwankungen am Weltmarkt ausgesetzt gewesen, auch hier konnte die Milchquote in Folge der Lockerung der anderen Marktordnungsinstrumente nicht die volle Wirkung entfalten. Schließlich hat die Milchquote dazu geführt, den Staat beim Einsatz von Exporterstattungen zu entlasten – seit mehreren Jahren wurden keine Exporterstattungen mehr eingesetzt. Die EU-Milchwirtschaft ist im weltweiten Wettbewerb.

0

0

0

Quelle: AMA

*) vorläufiges Endergebnis

VÖM Chinas Dairy Imports (’tons)

401,3 430,6

Butter / butter concentrates 252,8

Cheese Whole milk powder Skim milk powder

376,0

Whey powder

287,5

55,4 90

187,5 42,6 64

184,5 62,4 67

2006 2005 2004 Source: Corntrade, GTIS

Jan. to Jan.

341,8 264,6

178,0

235,0

166,7

211,3

40,5 58

55,0 46

2007

2008

70,4

88,5

167,6 670

129,9

618 403

325

320

25,2

39,1

53,1

2010

2011

2012

32,6 34,1

175

2009

Quelle ZMB ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 39 | 02. 2015

86,3 2013

2014

125 13,5 2014

28,5 23,4 79 8,4 2015 ©ZMB

Österreich hat ein gutes Image, was die Qualität seiner Produkte betrifft. Österreich ist über Tourismus und Kultur weltweit bekannt, hier bestehen auch diverse Anknüpfungspunkte für den weltweiten Export von Lebensmitteln. Was erwarten wir uns nach dem Quotenende? Mit Auslaufen der Milchquote erwarten sich alle Experten mehr Milch, allerdings nicht unbedingt sofort, sondern mittelfristig. Mehr Milch wird vor allem in den Ländern erwartet, die zuletzt über ihrer nationalen Milchquote lagen, wie z.B. Österreich. Die EU schätzt in Summe 10 % mehr Milch. Dieser Wert dürfte auch für Österreich zutreffen. Durch den Entfall der Milchquote können Betriebe ihr Potential


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leichter ausschöpfen, die teuren Quotenkosten entfallen und die Entwicklungsschritte auf den Betrieben werden gemäß Angebotund Nachfrageentwicklungen sowie der betriebsindividuellen Voraussetzungen erfolgen. Wohin mit der Mehrmilch? Österreich und viele Länder in der EU zählen zu den „gesättigten Märkten“, was Milch und Milchprodukte betrifft. Dies führt dazu, dass in Österreich und anderen wichtigen EU-Milchproduktionsländern die Mehrmilchmengen vornehmlich außer Landes abgesetzt werden ­müssen. Österreich hat bereits seit dem EU-Beitritt seine Milchwirtschaft auf Export ausgerichtet, so wurden im Jahre 2014 bereits 48,7 % des Umsatzes gemäß ÖSTAT außerhalb des Landes erzielt. 30 % betrug die Importquote, was auf die Offenheit des heimischen Marktes hinweist. Für Österreich ist es daher umso wichtiger, dass ein möglichst ungehinderter Zugang zu den Exportmärkten besteht. Österreich hat schon bisher in 100 Ländern der Erde vermarktet, eine Exportorientierung ist weiter systematisch zu unterstützen (Marktzugang, Veterinärabkommen, Zollreduktion). Positiv gesehen werden auch diesbezügliche politische Initiativen, die einer Verbesserung der Exportsituation bewirken. Erfolgsstory Milchexport Seit dem EU-Beitritt hat sich der milchwirtschaftliche Außenhandel sehr positiv entwickelt, die Exporte erreichten im Jahr 2014 einen Rekordwert von 1,185 Milliarden Euro (plus 5,4 %), importiert wurden Milchprodukte im Ausmaß von 738  Millionen  Euro, was ­einen p ­ ositiven Außenhandelssaldo von 447 Millionen Euro er­brachte. Wichtigstes Außenhandelsprodukt der österreichischen Milchwirtschaft ist Käse, hier konnte mit einer Menge von 125.000 Tonnen (plus 6,9 %) und einem Umsatz von 526 Millionen Euro (plus 9,7 %) ein neuer Rekord erreicht werden, was ebenfalls eine Verbesserung bei den Exportpreisen um 2,7 % entspricht. Importiert wurden 109.000 Tonnen (plus 13 %) bei allerdings leicht rückläufigen Preisen. Es zeigt sich somit, dass die österreichischen Molkereien auch im Export verstärkt auf Qualität setzen, es ist allerdings auch zu beobachten, dass der Lebensmitteleinzelhandel im Preiseinstieg und die Lebensmittelindustrie für die Weiterverarbeitung im beachtlichen Ausmaß auf günstige Importware setzen, Ware, die den hohen österreichischen Qualitätsanforderungen, wie z.B. Gentechnikfreiheit bzw. sonstigen höheren heimischen Standards, nicht entspricht. Flüssige Milchprodukte wurden im Umfang von 365 Millionen Euro exportiert, importiert wurden Produkte um 67 Millionen Euro, Joghurt und Sauermilchprodukte brachten im Export 165 Millionen Euro, importiert wurden in diesem Bereich Produkte im Wert von 58 Millionen Euro. Bei Butter beliefen sich die Exporte auf 2.150  Tonnen, importiert wurden hier 15.600 Tonnen. Wichtigste Exportländer waren auch im letzten Jahr Deutschland und Italien, der Außenhandel mit den Erweiterungsländern brachte einen positiven Saldo von 62 Millionen Euro. Wichtigste Exportländer bei Drittländern sind Libyen, die Schweiz, Australien und China. Der Export nach Russland ist seit dem Importembargo im August 2014 zum Erliegen gekommen. Die österreichische Milchwirtschaft hofft, dass dieses Embargo, welches beidseitig nur Nachteile bringt, ehestbaldig volume 39 | 02. 2015  ERNÄHRUNG | NUTRITION


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maßgeblich der aktuelle Wechselkurs zwischen US-Dollar und Euro bei, welcher für die europäische Milchwirtschaft positiv wirkte, zumal auf den Weltmärkten Milchprodukte traditionell in Dollar gehandelt werden.

Cash Flow / Investitionen österreichischer Molkereien (in Mio. €)

136,6

140

120

110,5

100

91,992,0

101,5

95,9

93,4 82,8

80

81,4 71,373,2

78,5 71,4

2011

2012

84,2

85,9

58,0

60

40

20

0

2007

2008

2009

2010

Ber. Cash Flow

2013

2014

Investitionen

Quelle: Steinkress, OÖ‐Raiffeisenverband

Entwicklung des milchwirtschaftlichen Außenhandels Österreichs 1.000 € 1.200.000

1.000.000

800.000

Export Import

Trend Export

600.000

Trend Import 400.000

200.000

0

1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 20132014*)

Quelle: Statistik Austria (KN-Codes 0401 - 0406)

*) vorläufig

12.3.2015 TM

aufgehoben wird. Insgesamt exportiert Österreich in ca. 100 Länder.

le regionalwirtschaftlich wertvolle Leistungen.

Die österreichische Milchwirtschaft zum Quotenende Die Milchwirtschaft hat in Österreich einen sehr hohen Stellenwert, sie stellt in wichtigen Regionen Österreichs die dominierende landwirtschaftliche Produktionsform dar, viele Regionen sind ohne Milchwirtschaft nicht sinnvoll zu bewirtschaften, zudem erbringt die Milchwirtschaft in diesen Regionen wichtige Leistungen in Form von gepflegter Landschaft und vie-

2014 – ein insgesamt erfolgreiches Milchjahr 2014 war für die österreichische Milchwirtschaft ein insgesamt erfolgreiches Jahr, welches durch das Importembargo Russlands einen Dämpfer bekam. Ca. ein Drittel der europäischen Käseexporte gingen bisher nach Russland, ebenfalls große Mengen an Butter und Milchpulver, für die es erst neue Ersatzmärkte zu finden galt. Zu den Entwicklungen auf den Märkten trug auch

ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 39 | 02. 2015

Mehr als 3 Millionen Tonnen Milch Die österreichische Milchwirtschaft gilt als klein, aber fein. Mit einer Anlieferung von 3,062 Millionen Tonnen konnte 2014 erstmalig die Schwelle von 3 Millionen Tonnen übertroffen werden (plus 4,4 %). Die durchschnittliche Anlieferung der 31.500 heimischen Milchbauern (minus  4,1  %) betrug 97 Tonnen (plus 8,9 %), die Erzeugermilchpreise sind auf 44,19  Cent um 5,1  % gestiegen (Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen, ab Hof, inklusive MwSt.). Daraus ergab sich ein durchschnittliches Milchgeld von 42.960 Euro Umsatz (plus  14,4  %  Umsatz eines durchschnittlichen Milchbetriebes). Internationale Vergleiche zeigen, dass die österreichische Milchwirtschaft sehr klein strukturiert ist, auch deutlich kleiner als in der Schweiz oder in Bayern. Dies bedeutet für die österreichischen Molkereien deutlich höhere Erfassungskosten. Die österreichischen Molkereien konnten mit dieser Rohstoffbasis ihre Umsätze um 4,2 % auf 2,43 Milliarden Euro steigern, das ausbezahlte Milchgeld erreichte einen Wert von 1,35 Milliarden Euro. Dies zeigt, dass die österreichischen Molkereien einen wichtigen Wertschöpfungsfaktor für die ländlichen Regionen darstellen. 2014: hohe Superabgabe nach Brüssel zu bezahlen Die Anlieferung der heimischen Milchbauern lag im letzten Milchquotenjahr, welches jeweils von April bis März läuft, mit ca. 168.000  Tonnen über der nationalen Quote, was einen Rekordwert der Super­ a bgabe im Ausmaß von ca. 47 Millionen Euro erwarten lässt, Mittel, die von den heimischen Milchbauern nach Brüssel zu entrichten sind, eine Belastung, die in Zukunft entfallen wird. Bedauerlich ist, dass gerade die politischen Bemühungen, diese Abgabenlast zu reduzieren, ohne Ergebnis blieben, ebenfalls, dass diese


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Mittel nicht zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in den Sektor zurückgeführt werden. Österreichs Milchwirtschaft setzt auf kompromisslose Qualität In der bäuerlichen Produktion unterliegt die heimische Milchwirtschaft strengsten Qualitätsparametern (Keimzahl, Zellzahl). Österreich produziert als einziges Land flächendeckend gentechnikfrei in der Milchwirtschaft. Bei Verwendung des AMA-Gütesiegels gibt es bereits jetzt eine geprüfte Herkunftskennzeichnung mit zusätzlicher Qualitätssicherung. Österreichs Milchproduktion unterliegt durch den heimischen Lebensmittelcodex strengeren Standards als die EU-Vorgaben festlegen. Österreichs Molkereien setzen auf regionale Spezialitäten mit spezifischen Qualitätsanforderungen, ca. 80 % der heimischen Milchprodukte stammen aus Berg- und benachteiligten Gebieten. Die Milch wird in Österreich nicht in Megabetrieben, sondern in überschaubaren bäuerlichen Betrieben produziert. Die Produktion wird hinsichtlich der Standards kontrolliert, Umwelt- und Tierschutzstandards liegen deutlich über denen der Europäischen Union. Österreich hat zudem hohe Anteile bei Spezialmilchsorten, z.B. mit 15 % den höchsten Biomilch-Anteil, ebenfalls einen ähnlich hohen Anteil an, wie z.B. Heumilch oder die Biowiesenmilch. Klar ist für die heimische Milchwirtschaft, dass diese hohe Qualität nicht nur einen Vorteil für den Konsumenten und mehr Sicherheit bedeuten, sondern auch höhere Kosten – Kosten, die letztlich auch abdeckt werden müssen. Für die heimische Milchwirtschaft ist es wichtig, dass der Konsument die Gewissheit hat, mit dem Kauf heimischer Milchprodukte auch höchste Qualitäten zu erhalten. Diese Qualitätsstrategie soll auch zusehends im Export vermarktet werden. Lebensmitteleinzelhandel in dominanter Position Ein Manko in der heimischen Milchwirtschaft ist die starke Konzentration im heimischen Lebensmitteleinzelhandel. Der Umstand, dass die drei größten Handelsketten einen Marktanteil von 85,7 % (lt. Roll-

AMA 2014) haben, ist im EU-Vergleich eine Spitzenstellung, mit entsprechenden Auswirkungen auf die gesamte Lebensmittelbranche. Es ist dafür Sorge zu tragen, dass die starke Marktposition des Lebensmitteleinzelhandels nicht ungerechtfertigt gegenüber den Lebensmittelverarbeitern ausgenützt wird. Schließlich erwartet sich die heimische Milchwirtschaft, dass bei Angeboten mit geringeren Standards die heimischen Konsumenten entsprechend informiert werden, um somit eine seriöse Information für die Kaufentscheidung zu bieten. Handel wichtiger Partner für österreichische Milchwirtschaft Die österreichische Milchwirtschaft setzt auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit allen Partnern in der Lebensmittelkette. Der österreichische Handel ist ein wichtiger Partner, wenn es darum geht, die hohe heimische Qualität zum Konsumenten zu bringen. Wir freuen uns daher auch, wenn der österreichische Handel ein Bekenntnis zur hohen heimischen Qualität abgibt, etwa in Zusammenhang mit der Diskussion zum transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP. Österreichs Milchwirtschaft liefert dazu schon jetzt die richtigen Produkte, z.B. 100 % Gentechnikfreiheit bei heimischen Milchprodukten. Die Milchwirtschaft erwartet dabei aber auch, dass diese Bekenntnisse glaubhaft gelebt werden und die hohen heimischen Standards nicht durch Billigprodukte, die nicht den heimischen Qualitätskriterien entsprechen, ersetzt werden. Milchverarbeiter haben sich auf das Quotenende vorbereitet Seit über 10 Jahren gelten die Beschlüsse auf EU-Ebene betreffend Auslaufen der Milchquote. Entsprechend lange haben sich die heimischen Milchverarbeiter auf das Quotenende vorbereitet. So wurden in den letzten Jahren deutlich höhere Investitionen in den Ausbau der heimischen Werke getätigt. Durch die Weiterveredelung der Milch in den Molkereien wird die Wertschöpfung der heimischen Milchwirtschaft fast verdoppelt, sie steigt vom Milchgeld an die Bauern im Ausmaß von 1,35 Milliarden Euro auf 2,43 Milliarden Euro Umsatz.

Forderungen für die Zukunft Die Milchwirtschaft fordert engagierte Maßnahmen, um das Potential, welches die heimische Milchwirtschaft bietet, bestmöglich umzusetzen, dazu brauchen wir: • geeignete Rahmenbedingungen durch die EU und die nationale ­Politik für den Milchstandort ­Österreich • keine diskriminierenden Gesetze und Kostenbelastungen durch höhere Gebühren und Abgaben • Vorrang für hochqualitative österreichische Produkte in der öffentlichen Beschaffung • Unterstützung beim Export durch Veterinärabkommen und Handelsvereinbarungen • Entbürokratisierungsmaßnahmen und Unterstützung zum Ausgleich von höheren Kosten, z.B. bei strukturbedingten höheren Anfuhrkosten • Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen innerhalber der österreichischen Lebensmittelkette • Abgeltung von Leistungen der heimischen Milchwirtschaft an die Gesellschaft für Umwelt und Landschaftspflege • besondere Unterstützung für die Erhaltung der Milchwirtschaft in Berg- und benachteiligten Gebieten • Qualitätsprogramme Schließlich fordert die heimische Milchwirtschaft für die Zeit nach Quotenende eine verstärkte Zusammenarbeit aller konstruktiven Kräfte aus Politik, den Interessensvertretungen, den Behörden und dem Handel. Nur mit einer gemeinsamen, verstärkten Kraftanstrengung ist es möglich, den Erfolgsweg der heimischen Milchwirtschaft fortzuführen. Österreichs Milchwirtschaft hat schon beim EU-Beitritt ihre Leistungsfähigkeit erwiesen, diese Leistungsfähigkeit wird der weitere Weg in die Zukunft sein. Mag. DI Johann Költringer VÖM – Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter Friedrich Wilhelm-Raiffeisenplatz 1 A – 1020 Wien Tel: +43/1/90 664 – 2558 E-Mail: voem@netway.at

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© EMUCK

DIE WELT DER ­GEWÜRZE Essverhalten und Gesundheit, Gewohnheiten und Wohlbefinden WANKENDE KOLONIALMÄCHTE, KRIEGE, HANDELSWEGE UND STRASSEN, DIE GANZE KONTINENTE MITEINANDER VERBINDEN, REICHTUM, RUHM UND MACHT – ALL DAS IST DIE WELT DER GEWÜRZE. BIS HEUTE HABEN DIE NATÜRLICHEN KOSTBARKEITEN NICHTS VON IHRER MASSGEBLICHEN BEDEUTUNG FÜR DEN WELTMARKT EINGEBÜSST. GEWÜRZE SIND IN ALLEN KULTUREN DER ERDE TIEF VERANKERT, WAREN WÄHRUNG UND SIND SYMBOLE. MARCUS WINKLER, WIBERG

G

ewürze und Kräuter sind Naturprodukte, die seit jeher von Menschenhand angebaut und geerntet werden. Somit stehen sie eng in Verbindung mit der Menschheitsgeschichte. Sie erfüllten bestimmte Funktionen und hatten mit Geschmack vorerst nichts zu tun. Erst im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung wurden sie zu Genussbringern, zur Seele der modernen Kochkunst. Mittel zum Leben Kräuter und Gewürze waren und sind Kraftgeber für Körper und Geist und besitzen grundlegende ernährungsphysiologische Eigen­schaften. Als Apotheke der Natur beeinflussen sie mit ihren Inhaltsstoffen zahlreiche Körperfunktionen, wirken appetitanregend, aphrodisierend, verdauungsfördernd, blutreinigend, schmerzstillend, beruhigend und aufputschend. Geschmack ist nur der positive Nebeneffekt, der beim Würzen entsteht, aber nicht der ursprüngliche Sinn. Gesundheitliche, ernährungsphysiologische Aspekte standen und stehen immer noch im Vordergrund. Wer sich einen köstli-

chen Gänsebraten zu Gemüte führt, wird sich nicht nur über den würzigen Geschmack von Beifuß und Pfeffer freuen, sondern wird auch die positiven Eigenschaften der beiden zu schätzen wissen: Der Pfeffer regt den Magen an, fördert den Speichelfluss und steigert den Appetit. Der Beifuß wirkt anregend auf Leber und Galle und erleichtert dadurch die Verdauung von Fett. Das sind Tatsachen, die seit Jahrhunderten sowohl bekannt als auch bewährt sind, und Kräuter sowie Gewürze so wichtig für uns werden lassen. Es sind schließlich nicht nur Lebensmittel, sondern „Lebens-Mittel“. Die Verarbeiter bringen dieses Wissen von den Funktionen in Einklang mit dem besten Geschmack und nehmen sich viel Zeit dafür, die richtige Rezeptur für optimale Mischungen zu finden. Wer sich Zeit für mehr Geschmack und mehr Genuss nimmt, nimmt sich auch mehr Zeit fürs Leben! Die Bedeutsamkeit, die diesen Aussagen zugrunde liegt, ist offensichtlich: Essen ist die Voraussetzung für Leben und gutes, gesundes, bewusstes Essen ist notwendig für ein eben solches Leben. Ein perfektes Beispiel hierfür sind Gewürzkuchen oder Lebkuchen. Der

ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 39 | 02. 2015

Begriff leitet sich von „Lebens-Kuchen“ ab und bezieht sich auf die würzigen Zutaten. Sämtliche beinhalteten Gewürze wirken positiv auf das Immunsystem, sie wärmen und sind angeblich sogar antiseptisch. Kaum ein anderes Lebensmittel hat so viel Bedeutung wie Gewürze! Der Weltmarkt der Gewürze Wenn etwas so bedeutsam für Gesundheit, Wohlbefinden und guten Geschmack ist, hat das selbstverständlich auch Auswirkungen auf die Wirtschaft. Gewürze haben den Markt früher schon maßgeblich mitgestaltet und tun dies noch immer. Das lässt sich allein schon an der Aussagekraft des Pfefferpreises erkennen, der immer noch bestimmend für die Branche ist. Es darf dabei aber nie außer Acht gelassen werden, dass es sich bei Gewürzen um Naturprodukte handelt, die meistens aus fernen, oftmals politisch instabilen Ländern kommen. Daraus ergeben sich eine Vielzahl von Faktoren, die für die Beschaffung der einzelnen Rohstoffe prägend sind und Schwankungen verursachen: Naturkatastrophen, Missernten, kriegerische Auseinandersetzungen und strategisches


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Kräuter, Gewürze, Backsaaten Die Ernährung 2/2015 April 57 x 234 mm

©  BILDERJET MEDI@

Kümmel, Koriander, Anis und Fenchel prägen den Geschmack unseres Brotes.

Preistaktieren in manchen Ländern machen eine längere Planung nahezu unmöglich und verlangen von den Unternehmen der Branche sehr viel Flexibilität und ein Maximum an Gespür. Schließlich ist man stets darauf bedacht, die bestmöglichsten Rohstoffe zu ­bekommen und an seine Kunden weiter­ zugeben. Basis zur Erhaltung einer hohen Rohstoffqualität ist eine enge Zusammenarbeit mit den Liefer­anten. Die Gewürzindustrie liefert hierfür Know-how hinsichtlich Ernte, Weiterverarbeitung und Lebensmittelsicherheit. So wird die Qualität bereits am Ursprung gesichert und strengen Kontrollen unterzogen. Nachhaltiger Anbau, fairer Handel und die Schulung der Anbauer gehört dabei genauso dazu wie eine finale Untersuchung der Rohstoffe, Zwischen- und Endprodukte im (haus­eigenen) Labor. Aktuelle Entwicklungen Derzeit ist die Gewürzindustrie mit außergewöhnlichen Preissteigerungen beim weltweit wichtigsten Gewürz konfrontiert: Die Pfefferpreise zeigen eine dramatische Entwicklung in bisher nicht gekannter Größenordnung. Seit Bestehen der

ersten Aufzeichnungen aus den frühen achtziger Jahren war der Preis für ­Pfeffer noch nie so hoch. 2014 explodierte diese Leitwährung der Gewürzbranche und erreichte einen historischen Höchststand. Die enorme, weltweite Nachfrage sowie geringe Erntemengen und schwindende Lagerbestände aus den Vorjahren lassen sich als große Preistreiber ausmachen. Vietnam, Indien und Malaysia sind als größte Anbieter, den Preis betreffend, richtungsweisend. Solche Monopolstellungen in der Preisgestaltung bekommen Unternehmen selbstverständlich auf direktem Weg zu spüren. Oftmals ist es auch „künstliche“ Verknappung, die kostenintensive Kontrakte erwirkt, die in weiterer Folge das neu geschaffene Preisniveau definieren. Darüber hinaus ist beim Koriander, u.a. aufgrund der Krise in der Ukraine, eine Verschärfung der Versorgungssituation zu verzeichnen. Aber auch andere Rohstoffe der Gewürzindustrie – wie zum Beispiel Safran – werden zum Teil aus Krisenregionen wie Ägypten, dem Iran und Syrien importiert, sodass eine korrekte, pünktliche Belieferung nicht immer gewähr-

Die saatbau erntegut ist verlässlicher Partner der Lebensmittelwirtschaft und erzeugt neben diesen klassischen Brotgewürzen auch Leinsamen und Mohn im kontrollierten Anbau in Österreich. Wir freuen uns über Ihr Interesse an unseren Produkten! saatbau erntegut GmbH Kräuter-, Gewürze- und Backsaatencenter Kefermarkt Tel: 07947/62 21-1601 stefan.eder@saatbau.com www.saatbau.com

volume 39 | 02. 2015  ERNÄHRUNG | NUTRITION


22 wirtschaft economy

Für mehr Geschmack und mehr Genuss Wie der Fachverband der Gewürzindustrie Anfang des Jahres bekannt gab, treffen diese Rohstoffpreisveränderungen bei wichtigen Gewürzen eine Branche, die schon seit Jahren mit Beschaffungsproblemen aufgrund steigender Nachfrage in den Anbauländern kämpft, ihre Betriebe bereits umfassend durchrationalisiert hat, kosteneffizient arbeitet und sich zudem ständig wachsenden Anforderungen in Qualitätssicherung, insbesondere im Bereich der Analytik, stellen muss. Mit derartigen Veränderungen haben wir gerade auch in Österreich bereits seit Jahren zu kämpfen. Wir stellen uns der angespannten Rohstoffsituation, auch wenn die steigende Nachfrage in vielen Anbauländern, die kritische Versorgungssituation in Krisenländern sowie die Nichteinhaltung österreichischer Qualitätsstandards zu teils akuten Beschaffungsengpässen führen. Das ist unser Beitrag, den wir tagtäglich leisten – für eine Welt voller Geschmack und für höchste Genusserlebnisse beim Essen! Marcus Winkler CEO Wiberg marcus.winkler@wiberg.eu

©  TILO GRELLMANN

leistet werden kann. Das alles treibt die Preise weiter an.

• Gewürzmischungen • Gewürzspezialitäen • gewürzpräparate • Zusatzstoffe für die Fleisch- und Wurstproduktion • Pökelsalze

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ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 39 | 02. 2015


23 technik technology

VERPACKUNG REDUZIERT LEBENSMITTELMÜLL ETWA 30 % DES KLIMAFUSSABDRUCKS EINES DURCHSCHNITTLICHEN EUROPÄERS SIND MIT DER PRODUKTION UND DISTRIBUTION VON LEBENS­ MITTELN VERBUNDEN. WELTWEIT WERDEN 1,3 MILLIARDEN TONNEN LEBENSMITTEL PRO JAHR WEGGEWORFEN ODER GEHEN ENTLANG DER ­WERTSCHÖPFUNGSKETTE VERLOREN.

I

n Österreichs Haushalten landen jährlich bis zu 157.000 Tonnen Lebensmittel im Abfall. Damit geht ein beachtlicher Wertverlust einher: Pro Haushalt und Jahr werden in unserem Land Nahrungsmittel im Wert von durchschnittlich rund 300 Euro verschwendet und weggeworfen – bei der Ernte, beim Transport, bei der Lagerung, der Weiterverarbeitung und beim Konsum. Lebensmittelabfälle sind daher nicht nur ein ethisches, sondern ebenso ein ökologisches und ökonomisches Thema. Die Reduktion von Lebensmittelabfällen ist ein erklärtes Ziel. So findet sich im aktuellen Vorschlag zur Revision der EU-Abfallrahmenrichtlinie folgender Passus: Mitgliedstaaten sollen den Umfang der Lebensmittelabfälle in allen Sektoren auf vergleichbare Weise erfassen und melden, und nationale Pläne zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen erstellen, die darauf abzielen, das Aufkommen an Lebensmittelabfällen bis 2025 um 30 % zu verringern. Denn dort, wo Lebensmittel besser genutzt und weniger weggeworfen werden, entsteht ein spürbarer ökologischer Nutzen durch die eingesparten Produktionsaufwände und Emissionen.

CHRISTIAN MAYER, ARA AG

Aspekt von Lebensmittelverpackungen. Das Projektteam unter der Leitung von DI Mag. Harald Pilz untersuchte den Nutzen von optimierten Lebensmittelverpackungen und stellte diesen dem Aufwand gegenüber, der bei der Verpackungsproduktion anfällt. Fazit: Der Carbon Footprint von Verpackungen ist im Durchschnitt um einen Faktor 10– 100 kleiner als der Klima­fußabdruck der verpackten Lebensmittel. Verpackungen, die Lebensmittel (besser) schützen, erzeugen daher in der Regel einen Nutzen, der deutlich höher ist als der Aufwand ihrer Herstellung und Verwertung. Diese Thematik wurde häufig in qualitativer Weise beschrieben, es lagen bis dato

dazu jedoch wenig quantitative Daten vor – nicht in Österreich und auch nicht in Europa. Mit der Untersuchung von sechs konkreten Beispielen konnte die Datenbasis gestärkt werden. Die Studie diente damit der Objektivierung der Bewertung von Verpackungen, indem eine wesentliche Funktion, nämlich die des Produktschutzes, untersucht und aus ökologischer Sicht quantitativ bewertet wurde. Studienergebnisse Besserer Schutz von Lebensmitteln durch die bestmögliche Verpackung erzeugt fast immer klare ökologische Verbesserungen, weil der resultierende Nutzen von vermiedenen

©  RICHARD VILLALON

Studie zum Nutzen von Lebensmittelverpackungen Eine neue Studie der denkstatt GmbH, die im Auftrag der Altstoff Recycling Austria AG und zahlreichen weiteren Projektpartnern aus dem Handel sowie der Lebensmittel- und Verpackungsproduktion durchgeführt ­wurde, widmete sich dem ökologischen volume 39 | 02. 2015  ERNÄHRUNG | NUTRITION


24 technik technology

©  SERGEY RYZHOV

der ­folgenden Parameter variiert wird, kommt es zur Ergebnisumkehr: Wenn eine um 22 % dünnere Folie verwendet wird; es sind dicke und dünne im Einsatz. Wenn der Transportweg der Gurke um 60 % größer wird (angenommen wurde eine regionale Herkunft). Wenn die Gurke nicht am Feld, sondern im Glashaus produziert wird. Oder auch, wenn die Folie zu 2/3 getrennt gesammelt wird, und nicht – wie angenommen – nur zu 1/3.

Lebensmittelabfällen deutlich höher ist als der Aufwand der Verpackungsproduktion bzw. -optimierung. Wichtig: Bei der Studie wurden nur die Auswirkungen in der Wertschöpfungskette bis hin zum Konsumenten untersucht (Produktion, Transport, Handel). Die Effekte durch mehr Lebensmittelabfälle beim Konsumenten, die durch eine geringere Produkthaltbarkeit entstehen, blieben unberücksichtigt. Zum Beispiel scheint bei Hartkäse durch den Einsatz einer Plastikschale mit Deckelfolie mehr Abfall zu entstehen als bei unverpackter Ware in der Frisch­ theke. Die Studie zeigt aber, dass der Verderb der verpackten Ware von 5 % auf 0,14  % sinkt. Der Mehraufwand durch die Verpackung entspricht 28  g CO2-Äquivalenten (CO2e), die Reduktion von Lebensmittelabfällen jedoch 69 g. Trotz der zusätzlichen Umweltverbräuche durch einen gestiegenen Aufwand in der Verpackungsproduktion, durch einen höheren Transportaufwand, da weniger Produktmasse auf einen LKW passt und trotz der Mehr-Emission, die die Verpackungsverwertung hervorruft, wiegt der Umweltnutzen durch die um knapp 5 Prozentpunkte gesunkenen Lebensmittel­ abfälle um 2,5 Mal mehr. Ähnliches gilt bei einem Hefezopf. Hier wurden zwei Verpackungen verglichen: Einerseits ein Papierbeutel mit Sichtfenster und andererseits eine optimierte

PP-Folie. Allein die Verpackungsoptimierung mit der Folie spart 12g CO2e. Dazu kommt eine Reduktion im Ausmaß von 136g CO2e durch vermiedene Lebensmittelabfälle. Ähnliches gilt auch für Beiried, das in „Darfresh“-Verpackung eingeschweißt ist. Dadurch wird die Haltbarkeit im Vergleich zu einer Verpackung in Schale von 6 auf 16 Tage erhöht und die Lebensmittelabfälle um 16 %-Punkte reduziert. Die Gesamtabfallmenge (Produkt und Verpackung) nimmt um 50 % ab. Teil der Studie war auch Gartenkresse, die auf Substrat gebettet ist, und einmal nur in Schale (Karton) verpackt wurde und das andere Mal in Schale (Plastik) mit atmungsaktiver PP-Folie umwickelt. Durch die Folie ist die Gartenkresse vor Berührung durch Kunden geschützt und einer optimalen Luftfeuchte sowie Temperatur ausgesetzt. Dadurch verringerte sich der Abfall von 42 % auf 3,4 %. Interessant wird es beim Vergleich ­einer in Folie eingeschweißten gegenüber e­ iner unverpackten Salatgurke. Hier hat das Studienteam bei der Berechnung bewusst sämtliche Parameter zugunsten der unverpackten Gurke angenommen. Tatsächlich übersteigt bei dieser Rechnung der Mehraufwand der Verpackung (+4,5 g CO2e) den Nutzen der Lebensmittelabfallreduktion (–3,5 g CO2e) minimal. Wenn aber nur einer

ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 39 | 02. 2015

Schlussfolgerungen Nachdem der Klimafußabdruck der Verpackung um ein Vielfaches geringer ist als der Abdruck, den Nahrungsmittel in der Produktion verursachen, muss es Ziel sein, diese zu schützen und die Haltbarkeit zu verlängern. Durch den Einsatz von Verpackungen wird die Mindesthaltbarkeit deutlich erhöht und Lebensmittel sind bei Transport und Verkauf geschützt. Im Schnitt reduziert sich der Umweltaufwand durch verringerte Lebensmittelabfälle um 350 g CO2e, während er sich durch zusätzliche Verpackung nur um 70 g CO2e erhöht. Gerade bei hochwertigem Rindfleisch zeigt sich: Je hochwertiger ein Produkt ist, desto mehr sollte der Produktschutz durch eine optimierte Verpackung beachtet werden. Außerdem gilt es, die Vor- und Nachteile von Verpackungsumstellungen in der gesamten Wertschöpfungskette transparent darzustellen. In vielen Gesprächen mit Herstellern und Handel zeigte sich zudem, dass eine intensivere Abstimmung zwischen Produzenten von Lebensmitteln und Verpackungen sowie der Logistik und dem Handel notwendig ist, um zu optimalen Lösungen zu gelangen. Letztlich war die Studie ein wichtiger erster Schritt, um die Diskussion über Lebensmittelverpackungen auf eine faktenbasierte Ebene zu hieven. Die Notwendigkeit von weiteren Untersuchungen ist unbestritten. In Folgeprojekten sollen weitere Fallbeispiele identifiziert und bewertet werden. Christian Mayer Leiter Kommunikation Altstoff Recycling Austria AG Mariahilfer Straße 123 1062 Wien, Österreich


43 recht law

TERMINE __ 09.–11. JUNI 2015 CHICAGO

11. JUNI 2015 WIEN

Chicago, Illinois, USA InterBev Beverage Internationale Ausstellung der Getränkeindustrie

Mediatower, 1020 Wien, f.eh im Dialog 2015 Ernährungsstudien: Kritik zwischen den Zeilen

www.interbev.com

www.forum-ernaehrung.at/ dialog-2015

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09.–11. JUNI 2015 SAO PAULO

Sao Paulo, Brasilien SIAL Brazil Internationale Messe für Nahrungsmittel www.sialbrazil.com.br

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10. JUNI 2015 KLOSTERNEUBURG

LVA GmbH Magdeburggasse 10 | 3400 Klosterneuburg Lebensmittelmikrobiologie – Was Sie schon immer wissen wollten, bisher aber nicht zu fragen wagten! Für Einsteiger und zum ­Auffrischen für Betriebsleiter, QM, Produktverantwortliche, IFS-Beauftragte, Hygiene­ verantwortliche etc. www.lva-verein.at

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19. JUNI 2015 WIEN

Universität für Bodenkultur, Muthgasse 18, 1190 Wien Tag der offenen Tür „70 Jahre Lebensmittel- und Biotechnologie“

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www.boku.ac.at

15. JUNI 2015

18. JULI 2015

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FRANKFURT AM MAIN

ACHEMA, Messe Frankfurt am Main, Deutschland Greenfoods Konferenz: ­„Steigerung der Energie­ effizienz und Förderung Erneuerbarer Energien in der Europäischen Lebensmittelund Getränkeindustrie“ www.wko.at

SAO PAULO

Sao Paulo, Brasilien 4. Weltmeisterschaft der Sommeliers für Bier www.doemens.org/de/­ genussakademie

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24. SEPTEMBER 2015

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WIEN

17. JUNI 2015 KLOSTERNEUBURG

LVA GmbH Magdeburggasse 10 | 3400 Klosterneuburg FIAP: Zusatzstoffe, Enzyme, Aromen – rechtlich betrachtet FIAP steht für „Food Improvement Agents Package“. Es regelt den Einsatz und die Kennzeichnung von Zusatzstoffen, Enzymen und Aromen bei der Herstellung von Lebensmitteln in der EU. www.lva-verein.at

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Albert Hall, 1080 Wien, 6. f.eh-Symposium Über Mythen, Widersprüche und Skandalisierung beim Essen www.forum-ernaehrung.at/­ symposium-2015

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08.–09. OKTOBER 2015 WIEN

Kuppelsaal der Technischen Universität Wien, 1010 Wien VEÖ-Jahrestagung 2015 Essen für Fortgeschrittene: Generation 60+ www.veoe.org

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DIE ERNÄHRUNG VOLUME 39 | 02. 2015  

Österreichische Zeitschrift für Wissenschaft, Recht, Technik und Wirtschaft

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