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DIE ERNÄHRUNG Österreichische Zeitschrift für Wissenschaft, Recht, Technik und Wirtschaft 

VOLUME 43 | 01. 2019

Mit Vielfalt an die Spitze Seite 4

Seite 8

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Fakten zur Herkunfts­kennzeichnung

ABSTRACTED IN CHEMICAL ABSTRACTS ABSTRACTED IN SCOPUS


2 wirtschaft economy

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3 inhalt content

INHALT —

Liebe Leserin, lieber Leser,

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WIRTSCHAFT economy

4 Mit Vielfalt an die Spitze 8 Fakten zur Herkunfts­kennzeichnung 13 „Interessiert nicht die Bohne“ war einmal 15 agrimax – biobasierte Produkte für die Lebensmittelkette 21 Genuss im Fadenkreuz

mit Jahresbeginn gab es beim Familienunternehmen Spitz einen Generationenwechsel: Walter Scherb jun. übernahm die Leitung des Top-Betriebs im Herzen Österreichs. In unserem Interview verrät er, warum Kundenorientierung, Technologieführerschaft und erstklassige Mitarbeiter sein Erfolgsrezept für die Zukunft sind.

24

TECHNIK technology 24 Nachhaltigkeitsbewertung von Verpackungen? 27 Lebensmittelsicherheit als gemeinsames Ziel?

Eine klare Erfolgsbremse ist hingegen mehr Bürokratie. Wir kämpfen daher vehement gegen die geplante verpflichtende Herkunftskennzeichnung der Bundesregierung. Als Musterbeispiel für Gold Plating benachteiligt sie heimische Hersteller gegenüber dem ausländischen Mitbewerb. Es braucht einheitliche Spielregeln auf EU-Ebene und keinen nationalen Alleingang! Unsere Position sowie Hintergründe lesen Sie in dieser Ausgabe. Neues gibt es danach aus der Welt der Wissenschaft. Welche Rolle spielen künftig Genanalysen für die Ernährung? Mehr dazu erfahren Sie ab Seite 36. Außerdem beleuchten Rechtsexperten den Hype rund um Hanfprodukte sowie den aktuellen Erlass des Gesundheits­ ministeriums.

17

KURZMELDUNGEN news 17 Vöslauer setzt auf Nachhaltigkeit 18 Schlumberger Sektreport 19 Wiederwahl zum Präsidenten 20 AGRANA startet Kartoffelf­aser-Produktion 20 Almdudler ist Limonaden-Gesamtsieger 2018

34

WISSENSCHAFT science 34 Konsensuspapier zur maximalen Zuckerzufuhr 36 Genanalysen für die Ernährung – ein Zukunftstrend?

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RECHT law 38 CBD in Lebensmitteln und Kosmetika 41 Botanicals im Spannungsfeld zwischen Lebensmittel- und Arzneimittelrecht 45 Kein Urheberrechtsschutz für den Geschmack eines Lebensmittels 46 Impressum

Zu guter Letzt beglückwünsche ich Dr. Peter Reinecke herzlich zur Wiederwahl als Präsident des forum. ernährung heute. Gratulation zur erfolgreichen Arbeit – und alles Gute für die kommenden Auf­ gaben! Dieses Jahr wird im Hinblick auf die Wahlen zum Europaparlament und die diskutierten Lebensmittelthemen sicher spannend. Viel Erfolg im Jahr 2019 wünscht Ihnen

Katharina Koßdorff

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MIT VIELFALT AN DIE SPITZE Exporterfolge aus dem österreichischen Standort im Herzen Europas DIE ERNÄHRUNG SPRACH MIT WALTER SCHERB JUN., GESCHÄFTSFÜHRER DER S. SPITZ GMBH, ÜBER DIE HERAUSFORDERUNG, IN DRITTER GENERATION EIN STARK DIVERSIFIZIERTES FAMILIENUNTERNEHMEN ZU FÜHREN, ÜBER DIE VORTEILE DES STANDORTS, DIE BEDEUTUNG DES EXPORTS, NACHHALTIGES WACHSTUM, EIGENMARKEN UND DIE ZUKUNFT DES ESSENS. OSKAR WAWSCHINEK

D

ie Ernährung: Herr Scherb, Sie haben erst kürzlich die Leitung des Unternehmens übernommen. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet? Walter Scherb jun.: In den vergangenen Jahren habe ich unsere Unternehmensgruppe mit all ihren Bereichen und Facetten von Grund auf kennengelernt. Mit Josef Mayer, der von 2008 bis Ende 2018 als Spitz-Geschäftsführer fungierte, hatte ich dabei stets einen großartigen Mentor an meiner Seite. Er hat mit der Professionalisierung der Strukturen und Prozesse das Fundament für nachhaltiges Wachstum gelegt und mich zudem umfassend darauf vorbereitet, den Familienbetrieb mit Anfang 2019 zu übernehmen. Zudem habe ich den Master in Finance and Private Equity an der London School of Economics absolviert, war im Management Consulting bei McKinsey & Company sowie als Partner bei Square One Foods, Europas erstem strategischen Partner und Investor für die Food und Beverage-Industrie, tätig. Mein daraus resultierendes Know-how und das internationale Netzwerk, das ich im Laufe der vergangenen Jahre aufgebaut habe, haben mich ebenso gut auf meine Position als Spitz-Geschäftsführer vorbereitet.

Was haben Sie vor? Welche Ziele haben Sie für Spitz definiert und welche Vision steht dahinter? Scherb jun.: Unser Fokus liegt auf nachhaltigem Wachstum – sowohl in Österreich als auch in unseren Exportmärkten. Darüber hinaus steht Spitz auf drei Grundpfeilern, die unsere Vision und unser Tun definieren: Kundenorientierung, Technologieführerschaft und erstklassige Mitarbeiter als unser wertvollstes Kapital. Welche Bedeutung hat der Export für Spitz? Scherb jun.: Der Export hat eine sehr hohe Bedeutung und Priorität bei Spitz, denn wir sehen den Export als zusätzliche Chance, um Wachstum zu generieren. Täglich verlassen 1,2 Millionen Produkte den Standort Attnang-Puchheim. 50 Prozent davon gehen in den Export. Die Kernexportmärkte liegen innerhalb eines Radius von 500 Kilometern. Die Nahrungsmittel des Unternehmens findet man in 50 Exportmärkten u.a. in ganz Europa, dem Mittleren Osten, Asien und Afrika. Täglich vertrauen somit 4,6 Millionen Kunden auf die Produkte und die Qualität von Spitz. Was wäre im Hinblick auf den Export aus Ihrer Sicht hilfreich? Was hat sich bewährt, was würden Sie sich wünschen?

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Scherb jun.: Mit Hinblick auf den Export sind wir sehr dankbar für die Zusammenarbeit mit bzw. die Unterstützung durch die WKO. Die Kooperation läuft in allen Ländern – insbesondere jenen außerhalb der EU, wo Unterstützung notwendig ist – sehr gut. Wie sehen Sie den Standort Österreich? Welche Vor- und Nachteile hat er aus Ihrer Sicht? Scherb jun.: Unsere österreichische Herkunft und die Spitzenlage zentral im Herzen von Europa ermöglichen uns den Zugang zu bestens ausgebildeten Mitarbeiter, einer guten Infrastruktur sowie die Nähe zu den europäischen Wachstumsmärkten. So können wir sicherstellen, dass wir stets die höchsten Qualitätsstandards erfüllen. Nachteile ergeben sich durch z. T. langwierige Flächen­widmungsverfahren sowie die hohe Steuer- und Abgabenlast. Was würden Sie sich von der Regierung wünschen, um den Standort Österreich zu stärken? Scherb jun.: Um den Standort Österreich zu stärken, wären die folgenden Maßnahmen förderlich: Ein Abbau der Bürokratie, mehr Effizienz in der Verwaltung, vereinfachte, schnellere Verfahren bei Betriebsgenehmigungen sowie flexi-


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blere Arbeitszeitmodelle. Jedoch will ich an dieser Stelle hervorheben, dass wir mit der Bezirkshauptmannschaft Vöckla­ bruck eine sehr gute und partnerschaftliche Zusammenarbeit pflegen. Wie sehen Sie die Debatte um eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung, wie sie im Regierungsprogramm vorgesehen ist? Was würden Sie sich dazu wünschen? Scherb jun.: Wir begrüßen alle Initiativen, die unseren Kunden zu mehr Transparenz verhelfen. Der Aufwand dafür sollte sich jedoch in einem für die Unternehmen tragbaren Rahmen bewegen. Wie hoch ist der Anteil von AMA-Gütesiegel-Produkten, die im Prinzip eine freiwillige Herkunftskennzeichnung darstellen? Scherb jun.: Wir führen derzeit keine Erzeugnisse mit AMA-Gütesiegel im Sortiment.

Spitz hat erst vor kurzem die restlichen 49% Anteile der Firma Gasteiner von der Brau Union übernommen und ist wieder zu 100 % Eigentümer. Welche Strategie verfolgen Sie damit und wie wollen Sie Gasteiner in Zukunft positionieren? Scherb jun.: Richtig. Seit 1. Jänner 2019 ist Spitz der alleinige Eigentümer von Gasteiner Mineralwasser. Die Brau Union Österreich hat ihre

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Ist ein stark diversifiziertes Unternehmen wie Spitz besser aufgestellt als ein Spezialist? Welche Vor- und Nachteile sehen Sie und in welche Richtung wollen Sie das Unternehmen weiterentwickeln? Scherb jun.: Wie kein anderer Lebensmittelproduzent vereint Spitz unterschiedlichste Produkt- und Produktionsbereiche unter einem Dach. Mehr als 1.100 verschiedene Produkte basieren auf unseren Rezepturen. Um dem Produktportfolio und der Größe des Unternehmens gerecht zu werden, ist Spitz in vier selbstständige Geschäftsbereiche, auch Divisionen genannt, gegliedert: Getränke, Süßwaren/Backwaren, Süß und Sauer sowie Markenvertrieb. Wir haben erstklassige Manager, die diese Divisionen wie eigene Firmen führen. Unterstützt werden sie von zentralen Funktionen (wie z. B. Logistik, F&E etc.), die als Serviceeinheit für das gesamte Unternehmen agieren.

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©  SPITZ GMBH

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49-prozentige Beteiligung abgegeben, um sich künftig verstärkt ihrem Kerngeschäft, dem Bier, zu widmen. Spitz hat bereits im Jahr 2007 51 Prozent an Gasteiner Mineralwasser erworben und seither kontinuierlich in das Unternehmen investiert. Als Familienunternehmen freuen wir uns, nun den nächsten, logischen Schritt gesetzt und die restlichen Anteile an Gasteiner Mineralwasser übernommen zu haben. Unser Fokus liegt in Zukunft darauf,

about

Zum Unternehmen —

Hochwertige Rohstoffe, erlesene Früchte und größte Sorgfalt bei der Herstellung – das sind die Zutaten für unser Erfolgsrezept. Das Traditionsunternehmen Spitz ist seit mittlerweile 160 Jahren ein fixer Bestandteil der österreichischen Nahrungs- und Genussmittel­tradition. 1857 von Salomon Spitz in Linz gegründet, entwickelte sich das Unternehmen im Laufe der Zeit zu einem der größten und bekanntesten Produzenten von Nahrungsmitteln und Getränken in Österreich. Tag für Tag verlassen mittlerweile mehr als 1,3 Mio. Produkte das Werk in Att­ nang-Puchheim. Auch für den Export wird jedes einzelne Produkt der breiten Angebotspalette am oberösterreichischen Firmenstandort hergestellt. Ob Fruchtsäfte, Sirupe, Energy Drinks, Spirituosen, Backwaren, Konfitüren, Senf, Mayonnaise und Ketchup – alle Spitz-Produkte stehen für ausgesuchte Rohstoffe, sorgfältige Herstellung und hundertprozentige Qualität aus Österreich. Das Unternehmen beschäftigt rund 700 Mitarbeiter und erwirtschaftet rund 251 Mio. Euro Umsatz, rund 50 % Exportquote, 285.700  Tonnen Absatz Fertigprodukte pro Jahr. Die wichtigsten Ereignisse und Meilensteine der Firmengeschichte:

1867: Gründung der Firma S. Spitz am Standort Linz durch Salomon Spitz. 1918: Erzeugung von Likören, Schnaps und Rum in Linz-Urfahr; Liköre, Schnaps und Rum vertreibt diese regional. 1935: Spitz-Produkte werden nun im Betrieb Attnang-Puchheim erzeugt. Fruchtsaft-Produkte und Sirupe erweitern die Produktpalette. 1945: Nach dem 2. Weltkrieg übernimmt Kommerzialrat Walter Scherb die Leitung der Firma und Spitz erzeugt wieder Spirituosen und Fruchtsäfte aller Art. 1952/53: Kommerzialrat Walter Scherb kauft die Firma Spitz von Viktor Spitz und führt diese als KG weiter. 1955: Nachdem die Demarkationslinien in Österreich aufgehoben sind, wird das Vertriebsprogramm auf das ganze Bundesgebiet ausgedehnt. Spitz wird Marktführer in den Branchen Spirituosen (Obstler, Slibowitz, Liköre) und Fruchtsäfte (Sirupe). 1970–75: Das Produktions- und Vertriebs­programm wird um Konfitüren, Senf, Mayonnaise und Ketchup erweitert. 1975–80: Seit Errichtung einer Fabrik für Backwaren erzeugt S. Spitz auch Waffeln, Biskotten und Kuchen. 1989–90: Eine eigene Brotfabrik wird errichtet und eine umfangreiche Erweiterung der Süßwarenproduktion beginnt. 1995: Die Produkte werden nun in der eigenen PET-Flaschenanlage abgefüllt.

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1996: Der Backwarenbereich wird erweitert und die gesamte Produktion nach ISO 9001 zertifiziert. 2000: Eine neue Anlage zur Produktion von schokolierten Waffelröllchen wird aufgebaut und in Betrieb genommen. Die Produktions- und Abfüllanlage für Ketchup wird auf den neuesten Stand gebracht und damit ab sofort die Herstellung von unkonservierten Produkten ermöglicht. 2004: Die POWER HORSE Energy Drinks GmbH wird gegründet. Das Unternehmen erwirtschaftet 24,6 Mio. Euro Umsatz mit 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus 15 Nationen. 2005: Investition in eine neue Abfülltechnologie für alkoholfreie Getränke (Aseptic Filling). 2006: Gründung der Pet2Pet Recycling GmbH. Die aseptische Abfüllanlage für PET-Flaschen sowie eine neue Dosenabfüllanlage werden in Betrieb genommen. 2007: S. Spitz feiert das 150-jährige Bestandsjubiläum und beteiligt sich an der Gasteiner Mineralwasser GmbH mit 51%. Übernahme der Firma Gasteiner Mineralwasser GmbH (51% Spitz, 49% Brauunion) mit Sitz in Bad Gastein (Salzburg). 2008: Mit der Inbetriebnahme der BioWärme Spitz GmbH wird der interne Energiebedarf nachhaltig und umweltfreundlich gedeckt sowie Nahwärme für den Raum Attnang-Puchheim bereitgestellt. Übernahme der Fa. Auer GmbH mit Sitz in Spillern (NÖ).


7 wirtschaft economy

Die Eigenmarkenanteile im Lebensmitteleinzelhandel nehmen stetig zu. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Ist das gut oder schlecht für Unternehmen wie Spitz? Scherb jun.: Spitz steht mit zwei starken Beinen am Markt: einerseits mit den eigenen Marken und andererseits mit dem Private-Label-Bereich. Zudem sind Nahrungsmittel aus dem Hause Spitz sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch in der Gastronomie erhältlich. Spitz zeichnet sich durch seine umfangreiche Erfahrung in der Konzeption und Produktion von maßgeschneiderten, auf die Kundenbedürfnisse abgestimmten Lösungen für Kooperationspartner und Unternehmen in der Lebensmittelbranche aus. Medial wird immer wieder die Diskussion um Zucker, Fett und Alkohol angefacht. Wie stehen Sie dazu und hat das Auswirkungen auf die Unternehmensstrategie? Scherb jun.: Zahlreiche Studien, darunter etwa jene des globalen Mess- und Datenanalyseunternehmens Nielsen, bestätigen, dass sich die Bedürfnisse der Konsumenten in und außerhalb Österreichs in einem deutlichen Wandel befinden. Dazu zählt auch der Trend hin zu so genannten „Free from“-Erzeugnissen, die bewusst auf die Reduktion gewisser Inhaltsstoffe (Aromen, Zucker etc.) setzen. Wir setzen uns mit diesen Trends selbstverständlich intensiv auseinander und bieten den Konsumenten dementsprechende Erzeugnisse an.

about

Zur Person — Biographie Walter Scherb jun. hat mit 1. Jänner 2019 die Geschäftsführung des Lebensmittelspezialisten Spitz übernommen. Mit dem 29-jährigen Linzer ist die dritte Generation im Familienunternehmen tätig. Walter Scherb Junior war zuvor im Management Consulting bei McKinsey & Company und hat an der London School of Economics seinen Master absolviert. In den letzten drei Jahren hat er zahlreiche Bereiche des Unternehmens Spitz durchlaufen. Parallel dazu hat der studierte Finanzwirtschafter gemeinsam mit zwei weiteren Partnern ein Unternehmen in Linz mitbegründet: die Investmentfirma Square One Was halten Sie von Modellen wie der Zuckersteuer oder ähnlichen Ansätzen? Wie gehen Sie bei Spitz damit um? Scherb jun.: Grundsätzlich unterstützen wir Initiativen, die die Gesundheit der Konsumenten fördern. Jedoch vertrauen wir auch auf die Mündigkeit der Konsumenten, weswegen eine Zuckersteuer aus unserer Sicht nicht notwendig ist. Unser Sortiment umfasst, wie erwähnt, eine Reihe an Produkten, die dieser Entwicklung Rechnung tragen, da es uns ein großes Anliegen ist, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Konsumenten einzugehen. Am Ende des Tages steht bei uns der Genuss im Vordergrund. Immer öfter werden Regionalität und ethische Aspekte bei Lebensmitteln diskutiert. Wie reagiert Spitz darauf? Scherb jun.: Das gesteigerte Konsumenten-Bedürfnis nach Lebensmitteln aus der Region ist tatsächlich ein besonders relevanter Trend. Regionalität wird unter anderem mit höherer Qualität und Nachhaltigkeit sowie kurzen Transportwegen assoziiert. Regionalität ist bei allen Marken der Spitz-Gruppe von Anbeginn fest in der Unternehmens-DNA verankert. Obwohl wir heute in rund 50 Exportmärkte liefern, wird nach wie vor

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die Positionierung von Gasteiner zu stärken und auszubauen. Mit einem Jahresausstoß von 37,3 Millionen Litern gilt Gasteiner als das führende Mineralwasser aus Westösterreich. Es ist überdies das einzige Mineralwasser Österreichs aus einem Quellgebiet, das durch die strengen Auflagen eines Nationalparks geschützt ist. Wir haben daher erst kürzlich ein umfassendes Nachhaltigkeitsprogramm entwickelt: Im Zentrum unserer Bemühungen stehen der Schutz der Quellen, der effiziente Einsatz von Wasser und Energie in der Produktion, Sicherheit am Arbeitsplatz, Qualitätsmanagement und Produktverantwortung sowie last but not least die effiziente Verpackung.

Foods. Als strategischer Investor soll die Firma in Start-ups aus der Lebensmittel- und Getränkebranche investieren. 100 Prozent der Wertschöpfung in Österreich erbracht – ein großer Teil davon gar in Oberösterreich. In der öffentlichen Debatte wird die Lebensmittelindustrie trotz ihrer Leistungen nicht immer positiv dargestellt. Wie sehen Sie die Zukunft? Was wäre zu tun? Scherb jun.: Wir blicken der Zukunft der Lebensmittelindustrie sehr positiv entgegen. Insbesondere der Fachverband der Lebensmittelindustrie leistet hier hervorragende Arbeit. Auch wir planen, in Zukunft mit diversen Initiativen unseren Beitrag dazu zu leisten, das Image der Lebensmittelindustrie zu verbessern. Was werden wir in Zukunft essen und trinken? Insekten und Vitamincocktails? Wie schätzen Sie die Entwicklung ein und wie bereiten Sie das Unternehmen vor? Scherb jun.: Unsere Ernährungsgewohnheiten befinden sich, wie bereits erwähnt, im Wandel. Als Lebensmittelhersteller beobachten wir diese Trends sehr genau und tragen ihnen schnell und flexibel Rechnung. Nichtsdestotrotz rechnen wir nicht mit radikalen Veränderungen in Sachen Ernährung.

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FAKTEN ZUR HERKUNFTS­ KENNZEICHNUNG Warum die heimische Lebensmittelindustrie eine verpflichtende nationale Herkunftskennzeichnung ablehnt DIE ANGABE DER HERKUNFT VON LEBENSMITTELN IST EU-WEIT EINHEITLICH GEREGELT. DIE VON DER ÖSTERREICHISCHEN BUNDESREGIERUNG GEPLANTE NATIONALE VERPFLICHTENDE HERKUNFTSANGABE NACH DEM VORBILD FRANKREICHS WÜRDE PROTEKTIONISTISCHE TENDENZEN AM EU-BINNENMARKT VERSTÄRKEN. DIE HEIMISCHE LEBENSMITTELINDUSTRIE LEHNT JEDOCH MIT NACHDRUCK JEDEN VORSTOSS AB, DER ÜBER DAS GELTENDE EU-RECHT HINAUSGEHT. HIER DER STANDPUNKT DES FACHVERBANDS DER LEBENSMITTEL­ INDUSTRIE ZUM VORHABEN DER ÖSTERREICHISCHEN BUNDESREGIERUNG.

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ie Branche setzt vielmehr auf zusätzliche freiwillige Angaben zur Herkunft etwa über firmeneigene Markenprogramme (zB „Regionalitäts-Initiativen“), das AMA-Gütesiegel und den Ausbau des EU-Modells der geschützten Bezeichnungen „g.U.“, „g.g.A.“ und „g.t.S.“.

Warum das so ist, ist rasch erklärt: 1. Die österreichische Lebensmittelindustrie lehnt mit größtem Nachdruck eine Schlechterstellung heimischer Hersteller ab: • Der geplante nationale Alleingang Österreichs für Zwangsangaben über die Herkunft auf dem Etikett verpackter Produkte geht über das EU-Recht hi­ naus und verursacht als „Gold Plating“ eine besondere Hürde für die heimischen Hersteller und Exporteure auf den hochkompetitiven europäischen und internationalen Märkten. Diese nationalen Regeln würden ver-

TINA KODRITSCH

bindlich für alle in Österreich produzierenden Unternehmen gelten, NICHT aber für ihre ausländischen Mitbewerber („Inländerdiskriminierung“). Dadurch würden ausländische Hersteller massiv gegenüber unseren heimischen Produzenten bevorzugt! • Das Vorhaben unserer Bundesregierung löst auch freilich weder die Einkommensfrage der heimischen Landwirte noch den langjährigen Strukturwandel in der Landwirtschaft. Im Gegenteil, es schnallt vielmehr deren wichtigsten Kunden – der heimischen Lebensmittelindustrie – einen Kostenrucksack um, der in einem globalen Markt kaum zu stemmen ist. Und da gerade diese Betriebe DAS Zugpferd des heimischen Agrar-Exporterfolgs sind, wird das Vorhaben zum Bumerang für die Landwirtschaft und die Verarbeiter gleichermaßen und in Folge für unseren (Export-)Standort insgesamt.

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• Tatsache ist: Nur einheitliche Vorgaben auf EU-Ebene schaffen faire Spielregeln für sämtliche Marktteilnehmer und verhindern Wettbewerbsnachteile für die heimische Lebensmittelindustrie. • Die Angabe der Herkunft bei Lebensmitteln ist übrigens EU-weit bereits umfassend geregelt.1 Darüber hinaus sind neue Vorschriften zur Herkunftskennzeichnung in Bezug auf die „Primärzutat“ ab 1.4.2020 verpflichtend anzuwenden2. Davon abgesehen ist zwingend die Herkunft eines Lebensmittels zu deklarieren, sollten andernfalls die Verbraucher getäuscht werden. 2. Heimische Agrarrohstoffe sind vielfach nicht in ausreichender Menge vorhanden, daher müssen österreichische Produzenten weltweit einkaufen: • Die österreichische Lebensmittelindustrie setzt rund 8,5 Mrd. Euro pro Jahr um, 6 Mrd. davon im Export. Dafür kann die Branche in den


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meisten Fällen nicht auf ausreichend österreichische Agrarrohstoffe zurückgreifen. Denn: Eine flächendeckende Versorgung mit einheimischen Rohstoffen ist in Österreich saisonal, wetter-, mengen-, qualitätsund marktbedingt regelmäßig nicht möglich3 (siehe Abb. 1, Selbstversorgungsgrad Statistik Austria). • Dieser Umstand zwingt die österreichischen Weiterverarbeiter, sowohl fehlende Mengen an Agrarwaren wie Getreide, Fleisch, Eier, Butter, Obst oder Gemüse als auch Agrarrohstoffe, die in Österreich nicht wachsen, weltweit zu beschaffen. Dazu zählen z. B. Gewürze, exotische Früchte und Gemüse, Kaffee, Tee oder Kakao. • Das zeigt auch die Statistik: Die österreichische Agraraußenhandelsbilanz ist seit Jahrzehnten negativ und liegt aktuell bei einem Wert von knapp unter 1 Mrd. Euro. Unterschiedlichste Vorgaben von Kunden oder regelmäßige Ausfälle von Rohwaren durch Missernten oder mangelnde Qualität erfordern einen raschen Wechsel der Lieferanten und somit des Her-

kunftsorts der Agrarwaren. Um eine inländische Produktion tagtäglich mit gleichbleibender Qualität garantieren zu können, muss die Lebensmittelwirtschaft seit Jahrzehnten Rohstoffe und Halbfabrikate aus 182 Ländern der Welt importieren. 3. Statt des geplanten Bürokratieabbaus drohen allen heimischen Herstellern massiver Administrationsaufwand, Komplexität und hohe Kosten: • Ein verpflichtendes Herkunftsregime, vor allem unter Angabe des jeweiligen Landes oder der Region, ist mit enormen Kosten verbunden. Die Angabe der Herkunft von Rohstoffen in einem verarbeiteten Lebensmittel auf dem Etikett ist nämlich alles andere als banal: Eine Trennung der Rohwaren nach verschiedenen Herkünften müsste freilich alle Bereiche umfassen: von der Beschaffung über den Transport, die Lagerung und die Produktion bis hin zur Verpackung und Etikettierung. Die Hersteller wären also gezwungen, die bereits jetzt schon aufwendigen Produktions- und Logistikprozesse (z. B.

Bio, AMA-Gütesiegel, gentechnikfrei, spezifische Kundenwünsche) zusätzlich getrennt nach Herkünften aufzusetzen und zu warten (siehe Abb. 2, 3 und 4, Verarbeitungsprozesse). • Regelmäßige Änderungen in der Logistik (getrennte Lagerung und Weiterverarbeitung) sowie der Verpackung wären die Folge, um den Beschaffungsprozess heruntergebrochen auf das konkrete Produkt korrekt abzubilden. Denn wechselt die Herkunft der Agrarrohstoffe als Zutaten aufgrund von Verfügbarkeiten oder im Interesse gleichbleibender Qualität, wäre die Kennzeichnung auf der Verpackung in allen Sprachfassungen für den Inlandsmarkt und sämtliche Exportländer anzupassen. Andernfalls drohen behördliche Beanstandungen aufgrund einer „Falsch­deklaration“. • Gerade die Logistik (Beschaffung, getrennte Lagerung und Verarbeitung) und die jeweilige Verpackung zählen zu den zentralen Kostenstellschrauben in der Lebensmittelproduktion. Mehrkosten würden folglich aus der An-

Agrarrohstoffe – der Selbstversorgungsgrad Österreichs

des Selbstversorgungsgrads bei ausgewählten Agrarwaren, die sowohl für den Frischmarkt als auch für die Weiterverarbeitung benötigt werden, für die letzten sechs Jahre in Prozent. in % 110 100

105 100

98

90

87 82

80

78

86 81

70

77 71

73 68

67

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60

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45

40

54 41

30

31

27 20

21

10 0

Kartoffeln

Getreide* Hülsenfrüchte

Eier

Butter

*Nur 20 % des heimischen Getreides werden für Nahrungsmittel verwendet. Die Haupteinsatzbereiche sind Futtermittel, Energie (Treibstoffe) und andere Zwecke (Karton

Gemüse

Ölsaaten

Obst

Honig

…).

Quelle: Statistik Austria, Stand Mai 2018

Abb. 1: Agrarrohstoffe – der Selbstversorgungsgrad Österreichs

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10 wirtschaft economy

So läuft der Verarbeitungsprozess heute Agrarrohstoff

Agrarrohstoff

Agrarrohstoff

Agrarrohstoff

Agrarrohstoff …

Einkauf Agrarrohstoffe

Die heimischen Lebensmittelhersteller importieren Agrarrohstoffe und Halbfabrikate für die Weiterverarbeitung in Österreich aus 182 Ländern weltweit. Sie werden – oft zusammen mit heimischer Qualitätsware – in einem gemeinsamen Prozess verarbeitet.

Lagerung Prozessstufe 1 Zwischenlagerung (falls erforderlich) Prozessstufe 2 Lagerung Fertigprodukte Verpackung und Etikettierung Transport

Vom Agrarrohstoff zum verzehrfertigen Lebensmittel Zusätzlicher Kontrollpunkt für Herkunftssicherung.

Verarbeitungsprozess getrennt nach Herkunft EU / Nicht-EU

Abb. 2: So läuft der Verarbeitungsprozess heute

Agrarrohstoffe

Einkauf Agrarrohstoffe

Die Agrarrohstoffe und Halbfabrikate werden nach ihrer Herkunft aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern in getrennten Prozessen verarbeitet.

Lagerung Prozessstufe 1 Zwischenlagerung (falls erforderlich)

Prozessstufe 2 Lagerung Fertigprodukte Verpackung und Etikettierung Transport Zusätzlicher Kontrollpunkt für Herkunftssicherung.

Abb. 3: Verarbeitungsprozess, getrennt nach Herkunft EU/Nicht-EU

passung der Beschaffungspraktiken, Änderungen der Lieferantenauswahl, Trennung nach Herkünften, Wechsel zu kleineren Produktionspartien, Anpassung der Produktionsverfahren,

Änderung von Verpackungen, Etikettierungen und Rückverfolgbarkeitssystemen resultieren. • Dieser Mehraufwand würde zwangsläufig den Produktpreis erhöhen.

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Lebensmittel sind jedoch besonders preissensibel. Das zeigt sich sowohl in der öffentlichen Debatte (z. B. bei Butter) als auch bei der Einkaufspolitik des Lebensmitteleinzelhandels und zuletzt bei der Kaufentscheidung der Endverbraucher. Dass die Bereitschaft der Konsumenten generell gering ist, für Herkunftsinformationen mehr zu zahlen, zeigten zuletzt die Berichte der EU-Kommission.4 4. Die österreichische Lebensmittelindustrie unterstützt daher den Ausbau etablierter freiwilliger Herkunftssysteme wie z. B. das AMA-Gütesiegel und die EU-Modelle geschützter Bezeichnungen: • Seit über 20 Jahren informieren die österreichischen Lebensmittelhersteller die Verbraucher über freiwillige Qualitäts- und Herkunftssysteme, z. B. das rot-weiß-rote Erfolgsmodell „AMA-Gütesiegel“. Diese sind gut eingeführt und bei den Verbrauchern bekannt. Sie decken etwa bei Milch und Milchprodukten praktisch den gesamten heimischen Markt ab. • Auch stellen viele Hersteller die Herkunft bzw. Regionalität ihrer Produkte über freiwillige, firmeneigene Markenprogramme ins Zentrum


11 wirtschaft economy Vom Agrarrohstoff zum verzehrfertigen Lebensmittel

Verarbeitungsprozess getrennt nach Herkunftsländern …

Agrarrohstoffe

Einkauf Agrarrohstoffe

Die Agrarrohstoffe und Halbfabrikate werden nach ihrem Herkunftsland in getrennten Prozessen verarbeitet.

Lagerung Prozessstufe 1 Zwischenlagerung (falls erforderlich)

Prozessstufe 2 Lagerung Fertigprodukte Verpackung und Etikettierung Transport Zusätzlicher Kontrollpunkt für Herkunftssicherung.

Abb. 4: Verarbeitungsprozess, getrennt nach Herkunftsländern

(„Regionalitäts-Initiativen“) und erweitern diese laufend. • Ausbau statt Aushöhlen bestehender freiwilliger Systeme: Eine Verpflichtung zur Deklaration der Herkunft schwächt bestehende freiwillige Systeme, denn diese geben lokal agierenden Unternehmen derzeit die Möglichkeit, Eigenschaften ihrer Produkte, etwa die Herkunft, hervorzuheben. Wird die Herkunftskennzeichnung

für Lebensmittel verpflichtend, würde auch dieses Alleinstellungsmerkmal für viele wegfallen. Am Beispiel „AMA-Gütesiegel“ als gelebtes Qualitäts- und Herkunftsgütezeichen, das von den Verbrauchern gelernt ist und angenommen wird, stellt sich die Frage, inwiefern eine „Doppelkennzeichnung“ – ein kostenpflichtiges AMA-Gütesiegel zusätzlich zu einer nationalen Pflichtkennzeichnung über

die Herkunft – für Unternehmer und Verbraucher überhaupt sinnvoll sein kann. • Anstelle einer nationalen bürokratischen Zwangsregelung für Zutaten für heimische Lebensmittelunternehmer sollte die Bundesregierung vielmehr Kräfte bündeln, um den Schutz durch das EU-Qualitäts- und Herkunftsregime5 von heimischen Agrarerzeugnissen und Lebensmitteln, die ihre Güte und Eigen-

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Abb. 5: Innerhalb der EU sind diese Herkunftssysteme bestimmten Agrarerzeugnissen und Lebensmitteln vorbehalten.

schaften ihrer geografischen Herkunft verdanken, auszubauen (z. B. „Vorarlberger Berg­käse g.U.“ und „Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.“). Dieser erfolgt nach europaweit einheitlichen Vorgaben und entfaltet seine Wirkung EUweit und bisweilen über Abkommen sogar international. Hier hat Österreich massiven Aufholbedarf. Während die Spitzenreiter Italien und Frankreich insgesamt 293 bzw 245 geschützte Bezeichnungen aufweisen können, hat Österreich gerade mal 16 (!) Agrarerzeugnisse schützen lassen (siehe Abb. 5, Chart-Übersicht „g.U./g.g.A.“). 5. Evaluierung des französischen „Pilotprojekts“ und EuGH-Urteil sind abzuwarten, bevor Österreich dieses kopiert: • Frankreich hat mit 1.1.2017 ein Pilotprojekt zur verpflichtenden Deklaration der Herkunft bei Milch als solcher sowie Milch und Fleisch als Zutat in verarbeiteten Lebensmitteln gestartet. Diese gilt nur für in Frankreich hergestellte Erzeugnisse. Das Pilotprojekt wurde kurz vor Ablauf mit 31.12.2018 bis 31.03.2020 verlängert. Eine Evaluierung soll aufzeigen, inwiefern sich die Regelung in den letzten zwei Jahren auf den Markt und die Preise in Frankreich und der EU ausgewirkt hat.6 • Die Ergebnisse dieser Evaluierung sind jedenfalls abzuwarten, bevor das französische Modell in Österreich eingeführt wird. Österreich ist –

im Gegensatz zu Frankreich – von kleinstrukturierter Landwirtschaft, klein- und mittelständischen Lebensmittelerzeugern und einem hochkonzentrierten Lebensmitteleinzelhandel geprägt und hat mit dem AMA-Gütesiegel bereits ein Qualitäts- und Herkunftssiegel. • Weiters ist abzuwarten, ob die französische Regelung überhaupt mit dem Unionsrecht vereinbar ist. Die rechtliche Zulässigkeit der Regelung wird nämlich aktuell vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) in einem Vorabentscheidungsverfahren geprüft (Rs C-485/18). Von Einführung einer potentiell rechtswidrigen Herkunftskennzeichnungsregelung in Österreich ist ausdrücklich abzuraten. Fazit Die heimische Lebensmittelindustrie lehnt mit größtem Nachdruck eine Schlechterstellung österreichischer Hersteller gegenüber ihren ausländischen Mitbewerbern durch das Vorhaben der Bundesregierung ab! Der geplante Alleingang Österreichs für nationale Zwangsangaben über die Herkunft von Lebensmitteln bzw. von darin verarbeiteten Rohstoffen auf dem Etikett verpackter Produkte geht über das geltende EURecht hinaus und belastet die heimischen Hersteller und Exporteure mit zusätzlichen Kosten und Administrationsaufwand massiv.

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Wie ist dieses Vorhaben mit der „Deregulierungsoffensive“, dem „Kampf gegen Gold Plating“ und der „Standortoffensive“ der Bundesregierung vereinbar? Nur einheitliche Vorgaben auf EU-Ebene schaffen faire Spielregeln für sämtliche Marktteilnehmer und verhindern Wettbewerbsnachteile für unsere heimischen Lebensmittelproduzenten („Inländerdiskriminierung“). Vielmehr setzt die Branche auf zusätzliche freiwillige Angaben zur Herkunft (u. a. AMA-Gütesiegel, firmeneigene Markenprogramme) und einen Ausbau der geschützten Angaben gemäß EU-Qualitäts- und Herkunftsregime („g.U.“, „g.g.A.“). Denn jene Verbraucher, die Interesse und Kaufbereitschaft für Herkunftsinformationen mitbringen, finden ein entsprechendes Angebot vor, ohne dass die gesamte Lebensmittel- und Wertschöpfungskette mit höheren Kosten und Auflagen zwingend belastet wird. Da heimische Agrarrohstoffe vielfach nicht in ausreichender Menge vorhanden sind, müssen österreichische Produzenten weltweit einkaufen. Daher sollen Strategien zur Erhöhung des Selbstversorgungsgrads von Agrarwaren umgesetzt werden. Mag. Tina Kodritsch, Fachverband der Lebensmittelindustrie, Wien Literatur www.ernaehrung-nutrition.at


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„INTERESSIERT NICHT DIE BOHNE“ WAR EINMAL Warum es die EU-Eiweißkonferenz braucht? DIE ENTWICKLUNG VON EIWEISSPFLANZEN IN DER EUROPÄISCHEN UNION WAR SCHWERPUNKT DER EU-EIWEISSKONFERENZ, DIE VON 22. BIS 23. NOVEMBER 2018 IN WIEN STATTFAND. EXPERTEN TAUSCHTEN SICH ÜBER CHANCEN UND HERAUSFORDERUNGEN DER PRODUKTION PFLANZLICHER PROTEINE AUS. LISA JÖCHLINGER

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ülsenfrüchte, Leguminosen, Eiweißpflanzen – bei welchem Namen man sie auch nennt, sie sind buchstäblich in aller Munde, und zwar von Mensch und Tier. Sie werden nicht nur für positive ernährungsphysiologische Eigenschaften hoch gelobt, sondern auch für ihre positiven Effekte auf die Fruchtfolge, die Umwelt und den Boden. Leguminosen können Symbiosen mit stickstoffbindenden Bodenbakterien eingehen und so im Boden vorhandenen Stickstoff direkt verwerten. Diese intelligente Technik macht den Einsatz von mineralischem und organischem Dünger nahezu hinfällig. Auch der Bedarf für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist aufgrund des geringen Krankheitsdrucks gering. Linsen, Kicher­ erbsen, Lupinen und Co. finden sich in der EU zunehmend auf den Tellern wieder. Dennoch ist und bleibt die Sojabohne DIE Eiweißpflanze auf unserem Globus und zwar weniger für Nahrungsmittel, sondern zu über 90 % der Produktionsmenge für Futtermittel. Hierfür gilt es für die EU, auch im globalen Wettbewerb zu bestehen, denn die Importware aus Drittstaaten dominiert vor allem in Soja-basierten Futtermitteln. Die Rahmenbedingungen für Produzenten in der EU sind allerdings anspruchsvoller

und begrenzter. Importware aus Südamerika stammt oftmals aus Sorten mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und wurde in einer Fruchtfolge mit bis zu 80 % Soja produziert – Produktionsbedingungen, die man in der EU weitgehend ablehnt. Was bisher geschah 2017 unterschrieben 14 Mitgliedsstaaten, darunter auch Österreich, die „Europäische Soja-Erklärung“, die auf die Stärkung des Soja-Anbaus in der EU abzielte.1 Damit wurde nicht nur die Bedeutung von Soja ins Bewusstsein gerückt, sondern auch die EU-Eiweißstrategie forciert, die kurz zuvor von EU-Agrarkommissar Phil Hogan beim Kongress des europäischen Futtermittelverbands (FEFAC) in Cordoba angekündigt wurde. Seither arbeitete man in Brüssel am „EU Protein Plan“, dessen Bericht im Rahmen der EU-Eiweißkonferenz in Wien präsentiert werden sollte. Dieser „Bericht der Europäischen Kommission zur Entwicklung von Eiweißpflanzen“ stellt die IST-Situation der Eiweißpflanzen in der EU und ihr Entwicklungspotential dar. Seit 2014 haben sich die Anbauflächen von Leguminosen in der EU bereits verdreifacht. Am Markt zeigt sich dies zudem durch die fortschreitende Etablierung von Marken wie Alpro im Lebensmittelbe-

reich und Donau Soja im Futtermittelbereich. Vertreter beider Labels waren auch im Podium der EU-Eiweißkonferenz vertreten und diskutierten über Herausforderungen in der Versorgungskette. Soja, das für pflanzliche Drinks, Joghurt-Alternativen oder Desserts der Marke Alpro verarbeitet wird, wird im Vertragsanbau in der EU GVO-frei produziert, berichtet die Alpro-Einkaufsleiterin Lies Heyns. Donau Soja wiederum zertifiziert Betriebe entlang der Wertschöpfungskette, die sich an die Leitlinien zur Förderung der europäischen, gentechnikfreien Sojaproduktion halten, informiert Geschäftsführer Matthias Krön. Dazu zählen Mischfutterhersteller, Erst-Verarbeiter wie Ölmühlen, Lagerstätten und Vermarkter von Fleisch oder Eiern. Die gesteigerte Nachfrage fordert auch die Züchtung, hochwertige Sorten für den Anbau in Europa zu entwickeln. Aufgrund des geringen Krankheitsdrucks spezialisiert sich die Züchtung bei Soja vor allem auf abiotische Faktoren wie die Adaption an klimatische Bedingungen. Zudem ist die Erhöhung der Vielfalt der Eiweißpflanzen im Fokus der Pflanzenzüchter. „Vergleicht man Eiweißpflanzen mit stärkehaltigen Pflanzen, fällt die fehlende Varietät auf“, weist Johann Birschitzky, Geschäftsführer

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©  FOTOLIA – SNYFER

der Saatzucht Donau, hin. Die seit dem Urteil des EuGH im Juli 2018 erfolgte Einstufung von neuen Züchtungsmethoden unter das Gentechnik-Regime in der EU könnte allerdings ein weiterer Wettbewerbsnachteil in der Entwicklung neuer Sorten entstehen. In der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) Europas wird der Anbau von Eiweißpflanzen als ökologische Vorrangfläche anerkannt. Damit fallen Soja und Co. unter die sogenannten „Greening“-Maßnahmen, die für Bezieher von Direktzahlungen zu gewissen Anteilen nachzuweisen sind. Protein-Perspektiven Wie die Veranstalterin, Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Elisabeth Köstinger, am Podium betonte, sei es von Bedeutung, im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik weitere Anreize für den Anbau von Eiweißpflanzen in der EU zu schaffen. EU-Agrarkommissar Phil Hogan bestätigte die Bedeutung solcher Maßnahmen. Schritt für Schritt solle Importware durch in der EU produzierte Ware ersetzt werden. Zudem spiele die Forschung eine bedeutende Rolle, um die Rahmenbedingungen zu verbessern. Dies hob auch DI Christian Krumphuber von der oberösterreichischen Landwirtschaftskammer in seinem Vortrag auf der EU-Eiweißkonferenz

hervor. Bei der Sojaproduktion autark zu werden, sei laut Krumphuber allerdings schlichtweg unrealistisch. Das gelte so-

Soja-Wissen Soja-Toaster: Nein, Soja hat seinen Weg noch nicht in den Schinken-Käse-Toast gefunden! Wenn man vom Soja-Toasten spricht, ist die Dampferhitzung bei der Herstellung von Sojaschrot gemeint. Nach dem Reinigen, Schälen und der mechanischen Zerkleinerung wird der Sojaschrot getoastet, um unerwünschte Stoffe zu zerstören. Soja-Impfung: Nein, Soja braucht keinen Zeckenschutz! Während die Bodenbakterien, die in Symbiose mit der Sojapflanze Stickstoff binden können, in Südamerika weitgehend schon im Boden vorhanden sind, hilft man in Europa mit der Impfung nach. Dabei wird das Saatgut vor dem Anbau mit dem Impfstoff, der die sogenannten Knöllchenbakterien enthält, vermengt.

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wohl für Österreich als auch für die EU, da die Anbauflächen auch für die Produktion von Brotgetreide, Gemüse und Ölpflanzen gebraucht würden. Größter und wichtigster potentieller Abnehmer von EU-Eiweiß ist und bleibt jedenfalls die Futtermittelindustrie, die bei der Konferenz durch Nick Major, Präsident des europäischen Futtermittelverbands (FEFAC), vertreten war. 163 Mio. Tonnen Mischfutter werden nach den jüngsten Daten der FEFAC in der EU pro Jahr produziert. Auf Importe angewiesen ist man in der EU unter anderem bei Sojapresskuchen oder Sojaschrot. Größter Exporteur hierfür ist Brasilien, gefolgt von den U.S.A. Auch aus Majors Sicht gilt es, die Import-Abhängigkeit zu reduzieren und Wettbewerbsnachteile für EU-Produzenten zu minimieren. Zudem sieht er Bedarf an einer europäischen Harmonisierung der aktuell recht uneinheitlichen Kennzeichnung von „GVO-frei“. DI Lisa Jöchlinger, Fachverband der Lebensmittelindustrie, Wien Literatur www.ernaehrung-nutrition.at


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agrimax – BIOBASIERTE PRODUKTE FÜR DIE LEBENSMITTELKETTE Ihre Meinung ist gefragt! DIE LEBENSMITTELVERSUCHSANSTALT IST PARTNER IM agrimax-KONSORTIUM, DAS SICH MIT DEM ZIEL ZUSAMMENGESCHLOSSEN HAT, DIE NEBENSTRÖME IN DER AGRARISCHEN PRODUKTIONSKETTE AUFZUWERTEN UND VERLUSTE IN LANDWIRTSCHAFT UND LEBENSMITTELVERARBEITUNG ZU VERRINGERN. DIE NEUEN PRODUKTE ERLAUBEN ZUSÄTZLICHE VERMARKTUNGSMÖGLICHKEITEN UND STÜTZEN EINE NACHHALTIGE UND RESSOURCENEFFIZIENTE LANDWIRTSCHAFT. CHRISTINE GRABLER, JULIAN DRAUSINGER

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m Projekt agrimax werden aktuell die Verfahren in zwei Pilotanlagen realisiert, mit denen Alternativen für die Verwertung von Reststoffen in die Praxis umgesetzt werden. Die Anlagen werden flexibel konzipiert, um eine möglichst vielfältige Auswahl von Nebenprodukten und Abfällen aus der agrarischen Produktionskette als Ausgangsstoffe einsetzen zu können. Dafür werden neue Verfahren und Technologien beforscht und weiter entwickelt. Die Ausgangsstoffe werden zunächst abgebaut und aufgebrochen, wobei eine Kombination von Ultraschalltechnik und thermischen Verfahren mit enzymatischen und chemischen Reaktionsschritten zur Anwendung kommt. Die Prozessstufen dienen der Gewinnung einer ganzen Kaskade von hochwertigen Produkten. Die Reststoffe

aus der Bioraffination sind als Bodenverbesserer und als Material für Biogasanlagen geeignet. Als hochwertige Produkte können Zusatzstoffe für die Herstellung von Lebensmitteln und Verpackungen aus den Nebenprodukten und Abfallstoffen der Produktionskette zurückgewonnen werden. Die Bioraffinerien, die als Demonstrationsanlagen dienen, verarbeiten Tomaten- und Getreide-Abfälle zu Lycopin, Ferulasäure, Cutin und Flüssigkompost. Oliven- und Kartoffel-Reststoffe werden zur Gewinnung von Polyphenolen, Ballaststoffen und Fasern, Eiweiß und Aromastoffen verwertet. Die Koordination der Zulieferung der Ausgangsstoffe wird über eine gemeinsame Online-Plattform organisiert, um die ganzjährige Auslastung der Anlagen zu optimieren. Der Ausgleich von

saisonalen sowie regionalen Schwankungen ist wesentlich für den effizienten und wirtschaftlichen Betrieb der Bioraffinierien. Parallel dazu wird der Markt für diese biobasierten Produkte beobachtet und die Anwendungsmöglichkeiten in den Bereichen Lebensmittelverarbeitung und Verpackung werden sondiert. • Wie sehen Sie die Marktchancen für biobasierte Produkte? • Welche Anwendungen können auf „biobasiert“ umgestellt werden? • In welchen Bereichen gibt es Entwicklungsbedarf? Dazu wurde für agrimax ein Fragebogen entwickelt, der über den Link http://agrimax-project.eu/category/news/online zugänglich ist.

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Developing and Demonstrating the Production of Multiple, High Value Products from Crop and Food Processing Waste This project has received funding from the Bio-based Industries Joint Undertaking under the European Union’s Horizon 2020 research and innovation programme under grant agreement No. 720719.

Weiterführende Informationen zum Programm „Bio-based Industries“ und dem Projekt agrimax finden Sie unter www.bbi-europe.eu/projects/ agrimax

Die Beantwortung nimmt weniger als 10 Minuten in Anspruch. Das Feedback wird anonymisiert ausgewertet und vertraulich behandelt. Akteure in der Produktionskette von Lebensmitteln und Verpackungsmaterial sind aufgerufen, die aktuelle Lage zu beurteilen und zukünftige Entwicklungen abzuschätzen. Für agrimax sind die Ergebnisse der Umfrage eine wichtige Entscheidungshilfe und fließen in die weitere Planung der bevorstehenden Projektaktivitäten ein. DI Christine Grabler, DI Julian Drausinger, Lebensmittelversuchsanstalt, Klosterneuburg

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17 kurzmeldungen news

FÜR VÖSLAUER ist Nachhaltigkeit mehr als ein Schlagwort. Der im Juli publizierte Nachhaltigkeitsbericht 2017 zeigte bereits eindrücklich, welche Weichenstellungen und Maßnahmen der österreichische Marktführer am Mineralwassermarkt setzt, um auch weiterhin der innovative, richtungsweisende Nachhaltigkeitsmotor der Branche zu sein. Diesem Anspruch wurde das Familienunternehmen 2018 unter anderem mit dem Launch der ersten PET-Flasche aus 100 % rePET gerecht. Nachhaltigkeit mit Auszeichnung Der Vöslauer-Nachhaltigkeitsbericht erscheint bereits seit 2008 regelmäßig und wird dabei immer umfangreicher. Für die Geschäftsführung Birgit Aichinger und Herbert Schlossnikl spiegelt er „den Charakter von Vöslauer“ wider, denn „als österreichisches Familienunternehmen wollen wir ganz genau wissen, wie unser unternehmerischer Erfolg entsteht. Wir wollen ihn aktiv mitgestalten und verstehen deshalb Nachhaltigkeit als zentralen Bestandteil unserer Arbeit.“ Für den Nachhaltigkeitsbericht 2017 wurde Vöslauer mit dem Austrian Sustainability Reporting Award 2018 (ASRA) ausgezeichnet. Dieser wird an jene österreichischen Unternehmen verliehen, die in vorbildlicher Weise den steigenden Anforderungen an die nichtfinanzielle Berichterstattung gerecht werden. Meilenstein 100 % rePET Im Oktober verließen nach langjähriger, intensiver Entwicklungsarbeit die ersten PET-Flaschen aus 100 % rePET die Produktion in Bad Vöslau. „Damit ist uns ein echter Meilenstein gelungen“, brachte Geschäftsführer Herbert Schloss­ nikl seine Freude über den Launch der nachhaltigen Flasche zum Ausdruck. „Während in vielen Ländern erst die EU-Kunststoffstrategie ein Umdenken

© VÖSLAUER

Vöslauer setzt auf Nachhaltigkeit

und Handeln bewirkt hat, haben wir bei Vöslauer bereits vor etwa 15 Jahren damit begonnen, uns mit Recycling und dem verantwortungsvollen Umgang mit dem wertvollen Rohstoff Kunststoff intensiv auseinanderzusetzen“, erklärte Geschäftsführerin Birgit Aichinger. „Seither lautet unser Anspruch, immer besser zu werden, also die Produkte, die Flaschen, die Verpackungen von der Etikette bis zur Trayfolie, immer weiter zu verbessern“, so Aichinger. Dabei spielt neben dem Recyclinganteil (insbesondere der rePET-Anteil) auch ein reduzierter Materialeinsatz eine wichtige Rolle. Beitrag zur EU-Kunststoffstrategie und Kreislaufwirtschaft Bereits im August hat Vöslauer als erstes Unternehmen von österreichischer Seite einen konkreten Beitrag zur erwähnten EU-Kunststoffstrategie geleistet. Mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung, die bei der EU gemeldet wurde, verspricht Vöslauer einen noch höheren Einsatz von Recycling-Material in der Flaschenproduktion. Das bedeutet in konkreten Zahlen eine Steigerung des Einsatzes von aktuell 3.300 Tonnen rePET auf 5.500 Tonnen rePET bis zum Jahr 2025. „Wir wollen weiterhin die Zukunft der Kreislaufwirtschaft aktiv mitgestalten. Das große Ziel für 2025 lautet, alle Vöslauer PET-Flaschen aus 100 % rePET herzustellen“, betonte Aichinger. EU-Ratspräsidentschaft: Verbindende Themen, gemeinsame Anliegen

Um auf die eigenen Nachhaltigkeitsziele und die Ziele der EU während des österreichischen Ratsvorsitzes aufmerksam zu machen, wurden die Vöslauer 1l-PET-Flaschen anlässlich der 5. European Water Conference im September und Oktober zur EUSonder­ e dition. Auf den Etiketten wurden die zentralen Grundsätze der EU thematisiert, welche auch bei Vöslauer eine wichtige Rolle im unternehmerischen Alltag spielen, allen voran Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Gleichstellung und Solidarität. „Ebenso wie der Europäischen Union liegt uns Nachhaltigkeit ganz besonders am Herzen, das zeigen wir nicht nur mit unserer EU-Sonderedition, sondern vor allem in unserer täglichen Arbeit“, erklärte Aichinger. Alternative Lösungen mit hohen Maßstäben: Glas-Mehrweg Neben den Entwicklungen bei rePET setzte Vöslauer 2018 auch im innovativen Glas-Mehrweg-Bereich neue Maßstäbe. Dem eindeutigen Trend zu Glas-Mehrweg folgend, setzt man bei Vöslauer auf alltagstaugliche Lösungen, wie etwa die 8x1l-Splitkiste, die von den Kunden auch nachgefragt wird. „Als innovatives niederösterreichisches Unternehmen stehen wir für reines, wertvolles Mineralwasser und eine saubere Umwelt“, so das Geschäftsführer-Duo unisono. „Diesen Anspruch werden wir auch 2019 konsequent weiter verfolgen.“

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18 kurzmeldungen news

Schlumberger Sektreport HEIMISCHE PRODUKTE GEFRAGT 92 % der Österreicherinnen und Österreicher trinken zumindest gelegentlich Sekt, mehr als ein Viertel gönnt sich das prickelnde Getränk wenigstens einmal im Monat. Tendenz steigend. Der Trend geht deutlich in Richtung Qualitäts- und Herkunftsbewusstsein, beide Faktoren werden beim Sektkauf Jahr für Jahr wichtiger. Der Jahreswechsel ist mit Abstand der häufigste Anlass für Sekt (97 % der Sekttrinker), dicht gefolgt von Hochzeiten und Geburtstagen. Auch als Mitbringsel zu Silvester gilt die Flasche Sekt als klare Nummer 1. Der Sektkonsum beim familiären Weihnachts­ essen nimmt ebenfalls stetig zu – mehr als die Hälfte aller Österreicherinnen und Österreicher (58 %) stoßen bereits mit einem prickelnden Gläschen auf den Heiligen Abend an. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse der diesjährigen Sektstudie, die von der traditionsreichen Wein- und Sektkellerei Schlumberger jährlich in Auftrag gegeben wird. Bei einem Drittel der Bevölkerung prickelt es regelmäßig im Glas Gemeinsam mit dem „market Institut“ hat Schlumberger auch in diesem Jahr eine Studie zu den Themen Sekt und Sektkonsum in Österreich durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen eine anhaltend positive Entwicklung von österreichischem Schaumwein am Gesamtmarkt sowie steigendes Konsumentenbewusstsein. Der Trend zu Herkunft und Regionalität hält weiter an. Im Jahr 2018 trinken 92% der Gesamtbevölkerung ab dem 18. Lebensjahr zumindest gelegentlich Sekt. Knapp ein Drittel (32  %) gönnt sich ein- oder mehrmals im Monat ein prickelndes Gläschen, und nahezu 60 % greifen mindestens einmal im Quartal zu Schaumwein. Eine Steigerung lässt sich auch bei der Zielgruppe der Frauen erkennen: Bei jenen, die regelmäßig Sekt

trinken, ist der Konsum um 7 % gestiegen. Im ländlichen Gebiet wuchs die Anzahl regelmäßiger Sektkonsumenten sogar um 12 %, im Vergleich zu urbanen Gegenden, die stabil blieben. Hinsichtlich des Trinkverhaltens lassen sich drei Hauptgründe herausfiltern, die für den Genuss eines Gläschens verantwortlich sind: Der Großteil der Bevölkerung trinkt Sekt nach wie vor zum Anstoßen (50  %). Auf Platz 2 liegt die Verwendung als Aperitif (43 %). Bereits deutlich mehr als ein Drittel (39 %) trinkt Sekt ohne bestimmten Anlass, einfach zum persönlichen Genuss – eine erfreuliche Entwicklung, die den Trend zu erhöhtem Bewusstsein beim Sektkonsum unterstreicht. Österreicherinnen und Österreicher genießen Sekt nach wie vor am liebsten pur – hier sind sich 49% der Befragten einig. Die Beliebtheit sortenreiner Produkte – 20 % bevorzugen mittlerweile Sekt einer bestimmten Rebsorte – ist im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozentpunkte gestiegen. Ausgewogene Cuvées hingegen erhalten nur von 7 % der Konsumenten bewusst den Vorzug. Österreichischer Sekt im Vormarsch  – Geschmack, Herkunft und Qualität zählen Das Einkaufsverhalten der Österreicherinnen und Österreicher hat sich im Vergleich zum Vorjahr wenig verändert – mit 65 % bleibt der Supermarkt die absolute Nummer 1 unter den Absatzquellen. Ein klarer Trend lässt sich jedoch bei den relevanten Kauffaktoren erkennen. Als wichtigstes Entscheidungskriterium gilt immer noch der Geschmack, welcher für 90  % der Befragten die größte Rolle spielt. Dicht gefolgt ist dieses Kriterium jedoch von den Faktoren Herkunft (66 %) und Qualität (60 %). Dass der Faktor der Regionalität eine besonders große Rolle für Herrn und Frau Österreicher spielt, lässt sich auch daran erkennen, dass heimischer Sekt klar gegenüber italienischem Prosecco und französischem Champagner bevorzugt wird. Mehr als doppelt so viele Personen greifen lieber zu österreichischem Sekt (48 %) als zu italienischem Prosecco (21 %). Mit deutlichem Zuwachs zum Vorjahr wird auch der Erfahrung und Kompetenz des Herstellers eine hohe Beachtung geschenkt (19 %).

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Ob zu Silvester, bei Familienfeiern oder zu Hause mit Freunden – Sekt ist beliebt! Mit 97 % ist der Jahreswechsel der häufigste Anlass für Sektkonsum, dicht gefolgt von Hochzeiten (90  %) und Geburtstagen (89 %). Das Weihnachtsfest ist für stolze 58 % der Österreicherinnen und Österreicher ein guter Grund, ein Glas Sekt zu genießen. Es lässt sich jedoch auch ein Trend in Richtung Konsum von Schaumwein in den eigenen vier Wänden erkennen. 67 % der sekttrinkenden Bevölkerung gibt an, das prickelnde Getränk gerne auch für einen Abend zu zweit oder zum Feiern mit Freunden im Kühlschrank zu haben. Als Mitbringsel zur Silvesterparty wird die Flasche Sekt ebenso gerne gewählt – knapp zwei Drittel aller Befragten (63 %) setzen für diesen Zweck noch vor Glücksbringern auf Schaumwein. Ausgezeichnete Qualität macht sich bezahlt Je nachdem, wo die Österreicherinnen und Österreicher Sekt einkaufen, geben sie gerne auch etwas mehr Geld dafür aus. Im Durchschnitt wird im Supermarkt mit EUR 7,50 für eine 0,75 l Flasche Schaumwein am wenigsten bezahlt. Danach folgt die Vinothek, in der für eine Flasche Sekt bereits stolze EUR 13,50 ausgegeben werden. In Anbetracht der Käuferschicht von Vinotheken, die vor allem aus Weinkennern und Sektliebhabern mit besonders hohen Anforderungen an das prickelnde Getränk besteht, verwundert das wenig. Entsprechendes Ambiente und Service vorausgesetzt, ist der Konsument beim Besuch eines Gastronomiebetriebs toleranter beim Preis. Hier darf eine 0,75l Flasche im Durchschnitt EUR 33,80 kosten. Die Qualitätspyramide für österreichischen Sekt ist bereits für 16  % der Befragten eine klare Entscheidungshilfe beim Kauf. Die Unterscheidung zwischen KLASSIK, RESERVE und GROSSE RESERVE führt zu mehr Klarheit in der heimischen Sektlandschaft sowie am Pointof-Sale und verschafft einen Überblick über die hohen Qualitätsstandards von österreichischem Sekt. Auch die Bekanntheit des Tags des österreichischen Sekts, der jährlich im Zeichen der heimischen Schaumweinproduzenten steht, hat sich in den letzten vier Jahren auf 7 % nahezu verdoppelt.


19 kurzmeldungen news

PETER REINECKE wurde von der Generalversammlung des forum. ernährung heute (f.eh) wieder das Vertrauen ausgesprochen. Mit seinen umfassenden Erfahrungen in Wissenschaft, Management und Unternehmensberatung wird er in seiner vierten Periode das f.eh weiter auf Erfolgskurs halten. „In Zeiten von Fake News und Fake Science ist eine wissenschaftsbasierte und vernunftorientierte Ernährungskommunikation wesentlich. Unser erklärtes Ziel ist es daher, die bisweilen emotionale Diskussion zu versachlichen und diesen Weg weiter zu bestreiten,“ sagt Dr. Peter Reinecke,

© C_WILKE

Wiederwahl zum Präsidenten

Präsident des f.eh. Das forum. ernährung heute möchte Dialog und Verstehen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Multiplikatoren und Medien fördern und gute Lösungen für die Praxis ermöglichen. „Das bedeutet auch, dass die Lebensreali-

tät der Konsumenten einzubeziehen ist und keine eindimensionalen Bewertungen erfolgen. Essen ist ein gesellschaftlich zentrales Thema, daher können bei den drängenden ernährungspolitischen Fragestellungen nur ganzheitliche Ansätze greifen. In Bezug auf Übergewicht und andere Zivilisationskrankheiten ist die Fokussierung auf einzelne Nährstoffe, wie Zucker und Fett, wenig zielführend, um eine Trendwende zu erzielen“, so Reinecke weiter. Für ein gutes und gesundes Leben werden kulinarische Bildung und gesundheitsfördernde Lebensstilkompetenzen immer wichtiger. Diese umfassen auch Bewegung und einen kompetenten Umgang mit Medien. 2019 steht daher das Thema Health Literacy weiter im Fokus der Vereinsarbeit.

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20 kurzmeldungen news

NEUES, VIELSEITIGES PRODUKT für Lebensmittel zeichnet sich durch Ballaststoffreichtum und geringen Kalorienwert aus. AGRANA startet in der Kartoffelstärkefabrik in Gmünd mit der Veredelung von Kartoffelfasern zu einem hochwertigen Ballaststoff mit geringem Kalorienwert. Ballaststoffe sind unverdauliche Bestandteile in unserer Nahrung und unverzichtbar für eine gesunde Ernährung. Sie gelten als schnelle Sattmacher, senken Blutzucker- und Blutfettwerte, binden giftige Stoffe im Körper und sorgen für eine gesunde Darmflora. Ballaststoffe werden in vielen Lebensmitteln wie Backwaren, Erfrischungsgetränken und Fleischerzeugnissen eingesetzt.

Almdudler ist LimonadenGesamtsieger 2018 ALMDUDLER ist seit 1957 alpenländisch-österreichisches Lebensgefühl in der Flasche, Österreichs beliebteste und bekannteste Alpenkräuterlimonade und ein 100-prozentiges österreichisches Familienunternehmen mit Tradition und Herz – kurz ein echtes Original. „Sowohl als Marke sowie auch als Produkt haben wir ein Naheverhältnis zum Leben der Österreicherinnen und Österreicher. Wir sind sehr stolz, dass das jetzt vom renommierten Marktforschungsinstitut market in einer für Österreich repräsentativen Studie bestätigt wurde. Die Konsumentinnen und Konsumenten machten Almdudler zur klaren Nr. 1 am österreichischen Limonadenmarkt und zum Gesamtsieger 2018“, freut sich Almdudler-Geschäftsführer Gerhard Schilling über den Er-

© AGRANA

folg und die Auszeichnung mit dem „market Quality Award“. Platz 1 unter 21 Limonaden-Marken Almdudler verwies im unabhängigen Markttest die internationalen Konzerne wie Coke, Frucade, Schweppes etc. auf die hinteren Plätze und wurde klare Nr.1. „Es bestätigt unsere Arbeit, dass wir als österreichisches Familienunternehmen global agierende Marken hinter uns lassen konnten“, erklärt Schilling. „Unser Produkt wurde eben nicht in internationalen Konzernen konzipiert, sondern mit bewusstem

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© ALMDUDLER

AGRANA startet Kartoffelf­aser-Produktion

„Bisher blieb die in der Kartoffelstärkeherstellung nebenbei anfallende Pülpe ungenutzt. Mit der Investition in eine Kartoffelfaser-Aufbereitungsund Trocknungsanlage gewinnen wir die ballaststoffreiche Kartoffelpülpe in Lebensmittelqualität zur Kalorienreduktion. Dadurch verwerten wir in Gmünd ab sofort 100 Prozent des wertvollen Kartoffelrohstoffs“, erläutert AGRANA-Generaldirektor Johann Marihart. Diese Investition im Werk Gmünd ist Teil eines 40 Mio. Euro betragenden Projekts, womit auch eine Erhöhung der Tagesverarbeitung von 1.600 auf 2.000 Tonnen Kartoffeln erfolgt ist. In Österreichs einziger Kartoffelstärkefabrik in Gmünd wird Stärke nicht nur für den Lebensmittelbereich hergestellt, sondern auch für technische Anwendungen beispielsweise in

der pharmazeutischen Industrie und der Kosmetikindustrie. In Gmünd werden auch Kartoffeln aus biologischer Landwirtschaft zu Bio-Stärke, Bio-Verzuckerungsprodukten sowie Bio-Kartoffeldauerprodukten, wie Püree, Kartoffelteigmischen und Säuglingsnahrung, verarbeitet. Insgesamt werden bei AGRANA in Gmünd über 300 verschiedene Stärkeprodukte hergestellt. Im Bereich Stärke ist AGRANA mit den drei österreichischen Werken in Aschach/Donau (OÖ), Gmünd (NÖ) und Pischelsdorf (NÖ) sowie in Szabadegyhaza (Ungarn) und in Tandarei (Rumänien) an insgesamt fünf Produktionsstandorten tätig und hat sich als Spezialist für individuelle Stärkeanwendungen etabliert. „Die Stärkeproduktion ist mit über einem Viertel des Gesamtumsatzes unverzichtbar für AGRANA. Wir verarbeiten im Stärkebereich 250.000 Tonnen Kartoffeln und 2,5 Mio. Tonnen Mais und Weizen“, so Marihart. Entsprechend beachtlich ist auch AGRANAs ökonomischer Fußabdruck. Die direkte Wertschöpfung in Österreich im Stärkebereich wird durch Zulieferungen und Dienstleistungen, die die Stärke­fabriken nachfragen, von 197 Mio. € auf 404 Mio. € mehr als verdoppelt. Österreich-Bezug. Unsere Kernkompetenzen sind die einzigartige Erfrischung, höchste Qualität, Lebensfreude und das Gefühl der Heimat.“ Top-Umfrageergebnisse für Almdudler Das market-Institut führt seit vielen Jahren branchenbezogene Markttests durch. Eine Vielzahl von relevanten inhaltlichen Kriterien wird in einer repräsentativen Umfrage aus Sicht der österreichischen Bevölkerung ab 15  Jahren bewertet. Claus Hofmann-Credner, Marketingleiter bei Almdudler, erzählt: „Die Ergebnisse der Studie machen uns sehr stolz. Almdudler hat eine Markenbekanntheit von 94  Prozent, während der Branchendurchschnitt bei nur 67 Prozent liegt. Außerdem ist Almdudler mit 68 Prozent die bindungsstärkste Limonadenmarke Österreichs (Branchendurchschnitt: 37 Prozent).“


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GENUSS IM FADENKREUZ DIE POLITIK HAT ANGST VOR DEN LEIDENSCHAFTEN UND NEIGUNGEN DER BÜRGER. SO WIRD GENUSS ZUNEHMEND MEDIKALISIERT UND REGULIERT. JOHANNES RICHARDT

Ü

ber Geschmack lässt sich Homer Simpson: erung privater Verhaltensweisen und nicht streiten, sagen die eine Re-Moralisierung von Genuss- und einen. Im Gegenteil: Über Lebensstilfragen getreten. Dabei werden Geschmack lässt sich treffMaßnahmen wie nationale Reduktionslich streiten, entgegnen strategien für Salz, Zucker und Fett in die anderen. Egal auf welche Seite man Lebensmitteln, Anti-Raucherinitiativen sich schlägt, eines ist unzweifelhaft: Gevon der EU-Tabakproduktrichtlinie bis schmacksfragen stehen heute unter maszu öffentlichen Rauchverboten, illiberasivem Regulierungsvorbehalt. Seit Jahren le Reformen des Sexualstrafrechts, pawerden sie zunehmend zum Gegenstand ternalistische Glücksspielstaatsverträge, von Richtlinien, Verboten oder volksge- nativlos“ verkaufter Institutionen und Kampagnen gegen das Fleischessen oder sundheitlicher „Aufklärungskampag- überlebter politischer Konzepte hat bei „Veggie-Days“ längst nicht nur, aber vor nen“. Schon immer haben politische oder unseren Eliten einen konstruktiven, zu- allem aus politischen Kreisen vorangereligiöse Autoritäten versucht, unsere kunftsweisenden Gestaltungsanspruch trieben, die sich selbst als „progressiv“ Triebe, Neigungen, Bedürfnisse und Vor- weitestgehend verdrängt. begreifen. Tatsächlich sind sie das Gelieben in ihnen gefällige Richtungen zuAUF WUNSCH DES AUTORSgenteil von fortschrittlich. Sie erinnern an lenken. Sei es durch mehr oder weniger „Aus einer trüben Sicht auf den Bürger längst überwunden geglaubtes, konseroffenen Zwang, sei es durch moralische IST leitetDIESER sich der politische Anspruch ab, vativ-autoritäres Denken, gegen das z.B. KOMMENTAR Appelle, Beeinflussung oder Manipula- in die persönliche Lebensführung der viele 68er, die kürzlich ihr 50-jähriges tion. Niemals waren die Fragen, welche Menschen hineinzuregieren.“ Jubiläum gefeiert haben, durchaus mit ONLINE Nahrungsmittel, Getränke, bewusstseinsErfolg zu Felde gezogen waren. dem Hintergrund dieser politischen verändernden Substanzen wir unseren Vor Vom optimistischen Geist der BefreiNICHT VERFÜGBAR. Körpern zuführen, welchen (Glücks-) Führungs- und Orientierungskrise breitet ung der Sechzigerjahre des vergangenen Spielen wir nachgehen dürfen oder wie sich ein Politikstil aus, der das zunehmend Jahrhunderts findet man heute kaum und mit wem wir Sex haben, reine Pri- kleinteiligere Mikromanagement von Ge- noch was. Zwar wurde der Einfluss vatangelegenheiten. Bemerkenswert und sellschaft, Öffentlichkeit und Wirtschaft verknöcherter Institutionen, die das Inneu ist jedoch das Ausmaß, in dem Ge- zur Tugend erhoben hat. Mit Verboten, dividuum früher in seine Schranken genussfragen heute politisiert und verrecht- Regulierungen, Richtlinien, Steuern, be- wiesen haben – von den großen christlicht werden – ausgerechnet in einer Zeit, wusstseinsbildenden Maßnahmen und lichen Religionen bis zu patriarchalen die in vielen Fragen der Lebensführung neuerdings auch mit den Psychotricks Strukturen in Familie und Gesellschaft durchaus nicht wenige Freiräume und des sog. Nudging mischt sich der Staat – geschliffen. Aber an die Stelle des rein die private Lebensführung der Bürger, pressiven alten Moralsystems sind nicht Optionen für die Einzelnen bietet. Zu Recht schätzen wir unsere vergange- die öffentliche Debatte und unternehmeri- neue, wirklich freiheitliche, die Autonen Errungenschaften, Jahrzehnte des sches Handeln ein. Diese Politik führt zu nomie des Individuums bejahende AnWohlstands und der relativen Freiheit. einer schleichenden Bevormundung und sätze getreten. Im Gegenteil: Werte und Allerorten wird heute angesichts des Auf- Entmündigung der Bürger, die die Grund- Tugenden wie Rationalität, Verantworstiegs der Populisten der Wert der libera- lagen unterhöhlt, auf denen eine freiheit- tungsbewusstsein, Mut oder Selbstdiszilen Demokratie und des Vermächtnisses liche Demokratie ideell beruht. Denn plin, ohne die kein freies Leben machbar der Aufklärung beschworen. Geradezu Demokratie lebt von der Auffassung, dass ist, haben im relativistischen Klima an depressiv stimmt einen dabei der defen- erwachsene Menschen selbst am besten Bedeutung verloren. Das entstandene sive Ton und die fehlende Substanz dieser wissen, was gut für sie ist, und der Staat Vakuum wurde durch eine Kultur der Formeln. Anstatt zu fragen, wie wir mehr ihren Meinungen, Interessen und Neigun- Angst und des Misstrauens gefüllt, die Freiheit, Demokratie und Wohlstand für gen gegenüber Respekt zu zeigen hat. unser aller Freiheits- und Vernunftbealle erreichen können, erleben wir, wie gabung skeptisch bis ablehnend gegenzum angeblichen Schutz der Demokra- Technokratie und Moralismus An übersteht. So wurde auch der Genuss tie demokratische Rechte beschnitten die Stelle eines Streits um grundlegende unter einen Risikovorbehalt gestellt: und der öffentliche Debattenraum ver- politische und ökonomische Weichen- Sex, ja, aber bitte nur „safe“ und ideengt werden. Die Bewahrung als „alter- stellungen ist die technokratische Steu- alerweise nach vorherigen „vertragli-

Aspirin gab’s nicht, da hab’ ich dir Zigaretten mitgebracht.

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chen“ Abmachungen, Drogen nur mit akzeptieren, sondern als therapiebedürf- Seite stehen diesen Moralunternehmern ärztlichem Rezept aus der Apotheke, tige Verfügungsmasse für „wohlmeinen- viele Journalisten, die sich nicht als objektive Berichterstatter, sondern eher als poEssen nur mit reduziertem Fett-, Zucker- de“ Sozialtechniken aller Art zu sehen. litische Aktivisten begreifen, die mit ihrer oder Kohlenhydratgehalt, und bloß kein Fleisch, Alkohol selbstverständlich nur Persönliche und unternehmerische „Haltung“ dazu beitragen wollen, die Welt „bewusst genießen“. Spontane und un- Freiheit So werden grundlegende, auf das „nachhaltiger“ und die Menschen „besser“ kontrollierte menschliche Leidenschaft Denken der Aufklärung zurückgehende zu machen. Die Rolle der Guten und der und Bedürfnisbefriedigung gelten ei- Grenzziehungen zwischen der privaten Bösen sind dabei klar verteilt. Auf der einer Politik, die Bürger nicht mehr als und öffentlichen Sphäre verwischt – zwi- nen Seite steht die böse Industrie (Tabak-, schenWUNSCH dem, was im allgemeinen Interesse Lebensmittel-, Auto-, …), die uns alle aus Gestalter, sondern vor allem als Störer,AUF DES AUTORS Verschmutzer oder Gefährder sieht, als liegt und somit offen für politische Kon- reiner Profitgier vergiftet, auf der anderen gefährlich – für die Bürger selbst, für an- flikte ist, und dem, was die persönliche Seite die guten Verbraucher-, LebensmittelIST DIESER KOMMENTAR dere und für die Gesellschaft als solche. Lebensführung betrifft und somit den auto- oder Umweltschützer. So führt diese Politik Aus dieser trüben Sicht auf den Bürger nomen Entscheidungen der einzelnen Ge- nicht nur zu Einmischungen in die private ONLINE leitet sich der politische Anspruch ab, in sellschaftsmitglieder überlassen sein sollte. Lebensführung, sondern auch zu probledie persönliche Lebensführung der Men- Auf der Makroebene haben die gewählten matischen Eingriffen in die unternehmeriNICHTeinen VERFÜGBAR. Volksvertreter Großteil ihrer Gestal- sche Freiheit. Dieser Aspekt wird von vieschen hineinzuregieren. tungmacht an demokratisch nicht oder nur len Bevormundungsgegnern in der Debatte „Es zeigt sich eine fatale Geringschät- schwach legitimierte supranationale Insti- oft übersehen, weil „die Industrie“ ohnezung der politischen Eliten gegenüber tutionen, von der Europäischen Union bis hin als moralisch verkommen gilt. Auch der angeblich irrationalen, uninfor- zur Weltgesundheitsorganisation, abgege- deshalb verfangen die David-gegen-Golimierten und unaufgeklärten Bevölke- ben, die staatliches Handeln bis ins kleinste ath-Erzählungen der Paternalisten so gut. Detail an verbindliche Regelwerke binden. Menschen versprechen sich einen symbolirungsmehrheit.“ Auf der Mikroebene versuchen jene selbst- schen Gewinn, wenn die Industrie reguliert Ironischerweise untergräbt so ausgerech- beschränkten Volksvertreter nun, den Geist wird. Sie blenden aus, dass diese Form von net jenes politische Führungspersonal, das dieser ihnen vertrauten technokratisch-re- Überregulierung auch ihre persönlichen sich aktuell als letzte Wacht gegen den Po- gulatorischen Ordnung auch innerhalb Freiheiten einschränkt und zudem unterpulistensturm zu inszenieren versucht, die der Gesellschaft im zwischenmenschlichen nehmerische Initiative und Innovationen moralischen und kulturellen Vorausset- Miteinander zu implementieren. Was be- erschwert, was sich letztlich negativ auf die zungen für das Funktionieren einer offenen reits auf zwischenstaatlicher Ebene hoch­ Grundlagen des gesamtgesellschaftlichen Gesellschaft. Mancher mag hier vielleicht problematisch ist, bekommt auf der Ebe- Reichtums auswirkt. einwenden, dass es aktuell wirklich drän- ne des gesellschaftlichen Miteinanders gendere politische Themen gibt als die Fra- schlichtweg inhumane Züge. Die Leiden- Distinktion und Medikalisierung gen, wo ich mir eine Kippe anstecken kann schaften, Neigungen und Bedürfnisse der Gleichwohl ist es für Politiker, egal welcher oder wieviel Gramm Zucker eine Limo Einzelnen werden zur Verfügungsmasse Couleur, verlockend, sich auf die „richtige“ enthalten darf. Doch man darf den Effekt staatlicher Verhaltensmanager. Seite zu schlagen, und sich so eines schnellen, aber eben auch schnell vergänglichen paternalistischer Politik, speziell die zunehmende Politisierung und Verrechtlichung „Moralunternehmern stehen viele Jour- Applauses sicher zu sein. Innerhalb der individueller Genussfragen, auf das gesell- nalisten zur Seite, die sich nicht als ob- politisch-medialen Klasse gelten Maßnahschaftliche Zusammenleben und Selbstver- jektive Berichterstatter, sondern eher als men der Verhaltenssteuerung gemeinhin als ständnis der Bürger nicht unterschätzen. politische Aktivisten begreifen.“ kaum noch hinterfragter politischer Common Sense. Dies hat auch damit zu tun, Hier zeigt sich eine fatale Geringschätzung der politischen Eliten gegenüber den an- Unterstützung erfahren Bevormundungs- dass asketische, auf Verzicht und Reinheit geblich irrationalen, uninformierten und politiker von einer ausufernden Bürokra- zielende Werte dem dort sehr wirkmächtiunaufgeklärten Interessen und Neigungen tie mit zahlreichen staatlichen Behörden, gen Zeitgeist entsprechen. Zudem dient der Ämtern und Ministerien, in denen sich im- Verzichtslebensstil der sozialen Distinktion der Bevölkerungsmehrheit. Wer als Politiker den Leuten ständig sig- mer mehr Bedienstete auf solche Aufgaben gegenüber einer geringgeschätzten „Unternalisiert, dass er sie für zu blöd, schwach spezialisieren. Hinzu kommt eine Vielzahl schicht“ mit Chipstüten und Tabakdosen und vorurteilsbeladen hält, mit den He- „zivilgesellschaftlicher“ Akteure, oft mit auf dem Fliesentisch. Aus dieser Haltung rausforderungen des privaten, aber auch besten Kontakten in die politischen Füh- heraus wird negiert, dass jeder Mensch des politischen Lebens klar zu kommen, rungszirkel hinein und nicht selten steuer- das gleiche Recht darauf hat, durch seine darf sich nicht wundern, wenn sich zahlerfinanziert. Gerade Verbraucher- oder Art zu genießen die eigene Persönlichkeit Menschen dann irgendwann von ihm Umweltschutz-NGOs schaffen im Zusam- auszudrücken. Dazu gehört der Umgang abwenden. Die aktuelle Veränderung menspiel mit parastaatlichen Verbraucher- mit Risiken. Natürlich besteht die Gefahr der politischen Landschaft ist auch eine zentralen und aktivistischen Wissenschaft- des Exzesses, des Kontrollverlusts – aber kulturelle Revolte gegen diese abgehobe- lern und Forschungseinrichtungen ein auch dafür kann man sich ganz bewusst ne Haltung, die Bürger – gerade die sog. öffentliches Klima, das Handlungsdruck entscheiden. Und rational. Maßnahmen, „kleinen Leute“ – nicht als Demos zu für bestimmte Themen signalisiert. Zur um Menschen vom Genuss abzuhalten, arERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 43 | 01. 2019


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beiten oft stark emotionalisierend, wecken geht darum, dass Menschen ihr Leben lichkeit, entscheiden zu können, zwischen Ängste vor angeblichen Folgen einfachster entsprechend selbstgewählter Richtlinien verschiedenen Optionen zu wählen, zu Handlungen, etwa eine Currywurst zu es- führen können. Dies schließt selbstver- experimentieren und nicht zuletzt auch sen oder eine Zigarette zu rauchen. Propa- ständlich Genussfragen mit ein, weil auch Fehler zu machen und dann hoffentlich giert wird das Ideal des besorgten Bürgers. diese uns im innersten Kern als Kultur- aus ihnen zu lernen, entwickelt sich unDer unbeschwerte, lebenslustige Bürger wesen und einzigartige Individuen defi- sere Fähigkeit, Urteile zu treffen und entgilt dagegen als Problem. Spaß am Leben nieren. Schließlich handelt es sich beim sprechend zu handeln und leben. ist gesünder – diese Botschaft passt nicht Fühlen, Schmecken und Riechen um die Wer es mit Freiheit und Demokratie zur Medikalisierung unserer Gesellschaft, ersten Sinneserfahrungen des Menschen, ernst meint, muss Freiräume für selbstaus denen sich dann imDES Laufe AUTORS des Lebens bestimmten Genuss nicht nur zähnedie individuelles Verhalten zunehmend pa-AUF WUNSCH thologisiert und alles Mögliche zur Sucht in Interaktion mit der Gesellschaft die knirschend tolerieren, sondern sie als erklärt. Der Genuss fällt einer gleichma- Fähigkeit zur Differenzierung und Beur- Ausdruck einer zivilisierten Gesellschaft IST DIESER KOMMENTAR cherischen Therapiekultur zum Opfer, in teilung des Geschmacks entwickelt. Die verteidigen und sich fragen, wie diese in der Ärzte, Psychologen, Pillen und Institu- Regulierung des Genusses ist sowohl ein Zukunft erweitert werden können. AkONLINE tionen das Dasein kanalisieren sollen, wo Angriff auf unser sinnliches Erleben und tuell schwingt das Pendel genau in die es doch eigentlich um das Ausleben indivi- geselliges Miteinander als auch auf unsere andere Richtung. Leider. NICHT VERFÜGBAR. dueller Autonomie gehen sollte. moralische Urteilskraft. Denn moralische Autonomie verlangt von den Menschen, Johannes Richardt „Um Autonomie zu kultivieren, bedarf sie selbst zu sein, nach ihren Werten, Nei- Chefredakteur Novo und gungen und ihrem Geschmack zu handeln Gründungsmitglied Freiblickinstitut e.V. es Entscheidungsfreiheit.“ und sich frei zu fühlen, einen Lebensstil Berlin, Deutschland Die Etymologie des aus dem Griechischen anzunehmen, der es ihnen erlaubt, ihre stammenden Wortes – autos (Selbst) und Persönlichkeit auszudrücken. Um Auto- Dieser Artikel ist zuerst in „Genießen nomos (Regel oder Gesetz) – vermittelt nomie zu kultivieren, bedarf es Entschei- verboten“ (Novo-Printausgabe Nr. 127 – die Bedeutung der Selbstbestimmung. Es dungsfreiheit. Denn nur durch die Mög- 3/2018) erschienen.

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NACHHALTIGKEITSBEWERTUNG VON VERPACKUNGEN? Ein Ansatz zur ökologischen Optimierung und Verbesserung der Rezyklierbarkeit AM 31. JÄNNER WURDE DIE CIRCULAR PACKAGING DESIGN GUIDELINE VORGESTELLT. SIE SOLL ES VERPACKUNGSENTWICKLERN ERLEICHTERN, IHRE VERPACKUNG EINEM ANZUSTREBENDEN KREISLAUFSYSTEM ANZUPASSEN. DAS TEAM DES FACHBEREICHS VERPACKUNG UND RESSOURCENMANAGEMENT DER FH CAMPUS WIEN FORSCHT IN DEN BEREICHEN DER ENTWICKLUNG NACHHALTIGER VERPACKUNGEN, CIRCULAR DESIGN, ENTWICKLUNG VON METHODEN ZUR BEWERTUNG DER NACHHALTIGKEIT UND SICHERHEIT VON VERPACKUNGEN. UM VERPACKUNGEN RECYCLINGFÄHIG, MÖGLICHST RESSOURCENEFFIZIENT UND UMWELTFREUNDLICH ZU GESTALTEN SOWIE GLEICHZEITIG DAS PRODUKT ZU SCHÜTZEN, WERDEN ANALYSEN AUF BASIS VON GANZHEITLICHEN BEWERTUNGEN DURCHGEFÜHRT.

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erpackungen bieten ökologische Vorteile Verpackung erfüllt eine Vielzahl an essentiellen Aufgaben. Dazu zählen die Schutz-, Lager- und Transportfunktion, ebenso wie die Gebrauchserleichterung und eine Information über ihren Inhalt. Durch diese Leistungen trägt Verpackung wesentlich zur Nachhaltigkeit bei, denn ein Fehlen von Verpackung würde zur Beschädigung wertvoller Produkte und zu Lebensmittelverlusten führen. In vielen Fällen ist die Produktion des verpackten Gutes im Vergleich zur Verpackung mit deutlich höheren Umweltwirkungen verbunden, weshalb einem optimalen Produktschutz eine hohe Priorität zugewiesen werden sollte.

Verpackungen ermöglichen die effiziente Distribution von Lebensmitteln Die aktuellen Produktions-, Versorgungs- und Distributionsstrukturen wären ohne den Einsatz von Verpackungen nicht denkbar. Die Ausrichtung auf Selbstbedienung und Produktvielfalt im modernen Einzelhandel bedingt effiziente und sichere Verpackungssysteme. Verpackungen sind ein elementarer Baustein der Konsumkultur geworden. Konsumenten kaufen Verpackungen, nicht Produkte, da Verpackungen die Unterscheidbarkeit zwischen Produkten ermöglichen. Verpackungen steigern die Attraktivität von Produkten und signalisieren rationale und emotionale Vorteile. In Supermärkten werden Verpackungen in Szene gesetzt und führen dort Kaufentscheidungen herbei.

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Verpackungen werden im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs negativ bewertet Trotz der Tatsache, dass Verpackung zu einer nachhaltigen Wirtschaft und zur Abfallreduktion beitragen kann, ist sie als Verbrauchsgut in der Öffentlichkeit eher negativ besetzt und wird mit Littering und Ressourcenverbrauch in Verbindung gesetzt. Vor allem Marine Littering wird hier oft als Beispiel genannt. Bilder von verschmutzten Meeresstränden, großflächige Teppiche von im Meer schwimmenden Gegenständen, vor allem aus Kunststoff, und Meerestiere mit Kunststoffgegenständen in ihren Eingeweiden bestimmen den Diskurs zum Thema Verpackungen. Verpackung bietet ökologische Vorteile im Gebrauch, hat aber ihr eigenes Entsorgungsproblem nicht gelöst.

©  FH CAMPUS WIEN

ERNST KROTTENDORFER


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Das Kreislaufwirtschaftspaket der EU gibt eine Erhöhung der Recyclingquoten bei Verpackungen vor Initiativen zielen daher darauf ab, Stoff- und Produktkreisläufe der Verpackung zu schließen. Das Thema Kreislaufwirtschaft bzw. Circular Economy wird von Gesetzgebern und internationalen Organisationen wie der Ellen MacAr­ thur Foundation intensiv vorangetrieben, um einerseits die Ressourceneffizienz und Ressourcenabhängigkeit zu reduzieren und andererseits die ökologische Nachhaltigkeit von Produkten zu verbessern. Das im Juli 2018 in Kraft getretene EU Kreislaufwirtschaftspaket enthält Vorgaben zur Förderung der europaweiten Kreislaufführung von Rohstoffen und hat zur Änderung der EU-Verpackungs- und Verpackungsabfallrichtline geführt. Im Fokus steht dabei die Erhöhung der Recyclingquoten aller Verpackungsmaterialien und die Ausweitung der erweiterten Herstellerverantwortung sowie die Einschränkung der Vermarktung einzelner Kunststoffartikel. Deutliche Erhöhung der Recyclingvorgaben für Verpackung ab 2025 Die Vorgaben der EU bedeuten eine deutliche Erhöhung der Recyclingquoten bei allen Verpackungsmaterialien von 65% bis 2025 und 70% ab 2030, 50% für Kunststoffverpackungen bis 2025 und 55% ab 2030, sowie eine Sammelquote von 90% für Kunststoffeinweggetränkeverpackungen ab 2025, einen Mindestrezyklat­ anteil für Kunststoffeinweggetränkeverpackungen von 30% ab 2025 und die Recyclingfähigkeit für alle Kunst-

stoffverpackungen ab 2030. Bis 2025 möchte die EU 10 Mio. Tonnen Recyclingkunststoffe rückgewinnen und einsetzen. Grundvoraussetzung für Kreislaufwirtschaft ist Circular Packaging Design Damit diese Ziele erreicht werden können, sind einige Voraussetzungen zu erfüllen. Einerseits muss als Grundvoraussetzung das recyclinggerechte Design von Verpackung deutlich verbessert werden (Circular Packaging Design), um die Recyclingfähigkeit, d. h. die Sortierbarkeit, Trennbarkeit und Verwertbarkeit von Verpackungsmaterialien, zu verbessern und andererseits sind Investitionen in die Recycling-Infrastruktur zur Schaffung entsprechender RecyclingKapazitäten notwendig. Weiter müssen neue Märkte und Einsatzfelder für Rezyklate erschlossen werden. Modell für die umfassende Bewertung der Nachhaltigkeit von Verpackung Um nun Verpackungsentwicklungen, Verpackungsentscheidungen und Verpackungsoptimierungen in Richtung einer Kreislaufwirtschaft zur erleichtern bzw. ein laufendes Monitoring der Verpackungsentwicklung zu gewährleisten, wurde an der FH Campus Wien, Fachbereich Verpackungs- und Ressourcenmanagement, ein Modell für die Bewertung der Nachhaltigkeit von Verpackung entwickelt. Das Modell stützt sich auf drei wesentliche Elemente: Die Circular Packaging Design Guideline, die Berechnung der Recyclingfähigkeit von Verpackung sowie eine ganzheitliche ökologische Bewertung.

Circular Packaging Design Guideline Die Circular Packaging Design Guideline ist eine Empfehlung für die Gestaltung recyclinggerechter Verpackungen. Das Ziel ist es, Akteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette, insbesondere Verpackungsentwicklern, Informationen und Handlungsanleitungen für ein recyclingfähiges Design von Verpackungssystemen zu geben. Die Guideline wird laufend aktualisiert und an Änderungen in der Sammel-, Sortier- und Recyclingtechnologie ebenso wie an in Zukunft neu auf den Markt kommende Packstoffe angepasst. Berechnung der Recyclingfähigkeit Eine recyclingfähige Verpackung definiert ein Verpackungssystem, welches innerhalb von dem Stand der Technik entsprechenden Verwertungsstrukturen im industriellen Maßstab recycelt werden kann. Außerdem muss am Ende des Verwertungsprozesses ein Produkt entstehen, welches materialidente Neuware ersetzen kann. Materialident bedeutet dabei, dass das Sekundärmaterial ausreichende Qualitäts- und Sicherheitsstandards erfüllt, um Primärmaterial zu substituieren. Energetische Verwertung, chemisches Recycling und Kompostierung gelten dezidiert nicht als Recycling im Sinne dieser Guideline. In Österreich sind beispielsweise PET-Getränkeflaschen recyclingfähig, da es aktuell ein Verwertungssystem gibt, in dem aus PET wieder Verpackungen für den Lebensmittelkontakt und andere materialidente Neuwaren hergestellt werden können. Ebenfalls recyclingfähig sind Polypropylen-Flaschen für

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Lebensmittel, auch wenn das recycelte Polypropylen aus rechtlichen Gründen im Allgemeinen nur für Produkte ohne Lebensmittelkontakt wie beispielsweise Blumentöpfe, Waschmittelverpackungen etc. einsetzbar ist. Die Einstufung einer Verpackung als recyclingfähig kann sich immer nur auf einen definierten geographischen und zeitlichen Gültigkeitsbereich beziehen. Eine in Österreich recyclingfähige PET-Flasche wäre in einem Land ohne entsprechendem Sammel- und Verwertungssystem als „nicht recyclingfähig“ einzustufen. Basis für die Verbesserung der Recyclingfähigkeit bildet die Bewertung des gesamten Verpackungssystems. Nur eine ganzheitliche Betrachtung ist im Sinne der Ökologie. Bei der Bewertung von Verpackung ist zu beachten, dass vor allem aufgrund der antagonistischen Problemstellung des Verpackungssystems und dessen Funktionen eine ganzheitliche Betrachtung für eine nachhaltige

Info —

Bei Interesse an der ganzheitlichen Bewertung Ihrer Verpackung können Sie gerne mit den Expert­en des Fach­bereichs in Kontakt treten: Ernst Krottendorfer FH Campus Wien Fachbereich Verpackungs- und Ressourcenmanagement Vienna Biocenter, Helmut-Qualtinger-Gasse 2/ Stiege 2/3.Stock 1030 Wien, Austria T: +43 1 606 68 77-3576 Ernst.krottendorfer@ fh-campuswien.ac.at www.fh-campuswien.ac.at/ circulardesign

Produktentwicklung unumgänglich ist. Beispielsweise kann eine Verpackung optimal recyclingfähig gestaltet werden, wenn auf eine bestimmte Barriere verzichtet wird. Dabei entsteht jedoch das Risiko eines frühzeitigen Produktverderbs und ebenso negative Umweltwirkung. Recyclingfähigkeit ist dabei kein Selbstzweck, sondern ist nur unter dem Hintergrund einer ganzheitlichen ökologischen Optimierung sinnvoll. Elemente einer ganzheitlichen ökologischen Bewertung Neben der Bewertung der Recyclingfähigkeit sind daher Aussagen über die Nachhaltigkeit eines Verpackungssystems nur durch eine begleitende gesamtheitliche ökologische Bewertung der Verpackung möglich. Diese wird in Form einer Streamlined LCA durchgeführt. Dabei werden einige wesentliche Kennziffern der Ökobilanz erhoben. Diese Bewertung schließt neben einer Messung der direkten Umweltwirkungen auch eine Erhebung der verpackungsbedingten Produktverluste und die Berechnung der Zirkularität der Verpackung mit ein. Direkte Umweltwirkungen der Verpackung Kennziffern beinhalten neben den Treibhausgasemissionen auch z. B. Daten zu Flächeninanspruchnahme, Wasserverbrauch und Human- und Ökotoxizität, um einen sinnvollen Vergleich zwischen Materialien unterschiedlichen Ursprungs herzustellen. So müssen zum Beispiel neuartige Materialien aus biogenen Rohstoffen, die für kompostierbare Verpackungen verwendet werden, mit konventionellen Verpackungen verglichen werden, wobei sich unterschiedliche Schwerpunkte in der Nutzung von Ressourcen und Emissionen zeigen. Verpackungsbedingte Produktverluste haben oft einen erheblichen Einfluss auf die Ökobilanz von Verpackung. Untersuchungen der FH Campus Wien zeigen, dass bei einigen Verpackungssystemen die in den Verpackungen verbliebenen Produkt-Restmengen eine deutlich höhere Umweltwirkung zeigen als die Verpackung selbst. Designänderungen, die die Restentleerung verbessern, sind daher aus ökologischer Sicht Produktoptimierungen vorzuziehen, die auf eine Verbesserung der Recyclingfähigkeit abzielen. Daher müssen verpackungsbe-

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dingte Produktverluste unbedingt in eine ganzheitliche ökologische Bewertung miteingehen. Zirkularität von Verpackungen Untersuchungen der Zirkularität spielen bei dieser Art der ganzheitlichen ökologischen Bewertung ebenfalls eine große Rolle. Die Wiederverwendung einer Verpackung, die Recyclingfähigkeit und der Einsatz von Rezyklaten haben Auswirkungen auf die Ergebnisse einer Untersuchung der Umweltwirkungen. Verpackungsoptimierung Aus der Berechnung der Recyclingfähigkeit und den Ergebnissen einer ganzheitlichen ökologischen Bewertung können wesentliche Ansätze für die Optimierung von Verpackungen gewonnen werden. Aus dieser Analyse ergeben sich Handlungsfelder in den Bereichen Rohstoffund Materialeinsatz, Verwendung von Barriere-Material und Materialzusätzen, Farbeinsatz, Klebstoffe, Produktdekorationen und Komponenten (z.B. Druckfarben, Etiketten, Sleeves), Restentleerbarkeit sowie generelle Designkriterien wie z. B. Konstruktion, Mehrschichtenaufbau, Materialkombinationen. Ergebnis Mit dem Bewertungsmodell für die Nachhaltigkeit von Verpackungen der FH Campus Wien steht ein umfassendes Werkzeug für die Optimierung von Verpackungen für Verpackungshersteller, Abfüller sowie Einzelhandelsunternehmen zur Verfügung, bei dem sowohl das Circular Design von Verpackung als auch die Umweltwirkungen der Verpackung berücksichtigt werden. Das Bewertungsmodell ermöglicht den direkten Vergleich verschiedener Verpackungssysteme. Die Circular Packaging Design Guideline stellt für Verpackungsentwickler eine wesentliche Hilfestellung für einen Weg von Verpackungen in die Kreislaufwirtschaft dar. Mag. Ernst Krottendorfer, PhD FH Campus Wien, Fachbereich Verpackungs- und Ressourcenmanagement, Wien Literatur www.ernaehrung-nutrition.at


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LEBENSMITTELSICHERHEIT ALS GEMEINSAMES ZIEL? GIBT ES SYNERGIEN ZWISCHEN AMTLICHER UND PRIVATER LEBENSMITTELANALYTIK, WIE SIE DER KÜRZLICH MEDIAL VORGESTELLTE BERICHT DES EUROPÄISCHEN RECHNUNGSHOFS IDENTIFIZIERT? IST DAS EIN INNOVATIVER ANSATZ ODER ALTER WEIN IN NEUEN SCHLÄUCHEN? IN EINEM TEXT DER ORF-NEWS-REDAKTION VOM 15. JÄNNER DIESES JAHRES WIRD VÖLLIG UNAUFGEREGT EIN IN FACHKREISEN BEREITS LÄNGER HEISS DISKUTIERTES THEMA DER BREITEN ÖFFENTLICHKEIT PRÄSENTIERT. MICHAEL GARTNER

© WILKE

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er Europäische Rechnungshof – so wird mitgeteilt – macht mit einem kontroversen Vorschlag auf sich aufmerksam: „Nationale Lebensmittelbehörden sollten bei der Kontrolle bestimmter Chemikalien in Lebensmitteln künftig enger mit Industrie und Herstellern zusammenarbeiten. Die Regeln – so heißt es weiter – seien so umfangreich, dass es den nationalen Prüfstellen nicht gelinge, alle ihre Aufgaben zu erfüllen. Für strengere Kontrollen fehle es aber an Personal und Geld.“ Vordergründig klingt dies gewagt bis revolutionär. Was hat da den europäischen Rechnungshof veranlasst, so unkonventionell zu denken und das auch noch auszusprechen? Bei näherem Hinsehen relativiert sich jedoch der Neuheitswert dieser Erkenntnis! Seit Inkrafttreten des Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz 2006 (LMSVG 2006) als Umsetzung der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 (EU-Basisverordnung/General Food Law) hat sich viel im Verständnis der Handelnden in Richtung partnerschaftliches Miteinander bewegt.

Dr. Michael Gartner

Lebensmittelsicherheit steht im Vordergrund des „neuen“ Rechtsregimes und umfasst die gesamte Lebensmittelkette („From the Stable to the Table“). Die Unternehmen finden sich in der Verantwortung für die Einhaltung der Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit wieder, müssen die Behörden und gegebenenfalls den Verbraucher über risikobehaftete Produkte

informieren und bei der Risikoabwehr und -vermeidung mit den Behörden zusammenarbeiten. Dies erfordert einen wissenschaftlichen Ansatz, der auf Risikoanalyse basiert und von den Unternehmen gewissenhaft wahrgenommen wird. Die Vielfalt, in der heute Produkte am Markt zu finden sind, ist überwältigend. In den Regalen reihen sich Produkte einer Gruppe und ermöglichen dem Verbraucher eine ungeheure Wahlmöglichkeit. Zu glauben, dass Lebensmittelsicherheit und Qualität mit einem einzigen Werkzeug – der zentralen Kontrolle – zu gewährleisten ist, gehört der Vergangenheit an und erübrigt sich ohne längere Diskussion. Insbesondere wenn es auch wirtschaftliche Vorgaben und Rahmenbedingungen zu erfüllen gilt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beschreibt ihre Aufgaben treffend mit der unabhängigen wissenschaftlichen Beratung zu Risiken im Lebensmittelbereich. Diese Beratung umfasst bestehende, aber auch aufkommende, absehbare, lebensmittelbedingte Risiken. Die Agentur folgert daraus, dass durch ihre Tätigkeit die Bürgerinnen und Bürger vor Gefahren aus der Lebensmittelkette geschützt

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werden. Die Quelle, woher Daten für eine umfassende Beurteilung der Lage kommen, bleibt unbeantwortet. Auf nationaler Ebene definiert sich die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ähnlich der EFSA. In ihrer öffentlichen Darstellung auf ihrer Hompage finden wir als wesentliche Aufgabe die Ausführung: „Im Zentrum der Aufgaben stehen der Schutz der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen sowie die Sicherheit und Qualität der Ernährung und der Schutz der VerbraucherInnen vor Täuschung.“ Anders als EFSA oder das deutschen Pendant Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat das nationale österreichische Bundesamt mit der AGES eine Gesellschaft, die ihre Aufgabe auch im Generieren von Analysendaten durch eigene, staatliche Laboratorien sieht, zur Seite gestellt. So heißt es auf der AGES-Hompage weiter: „Um dies zu gewährleisten analysiert, überwacht, bewertet, forscht und kommuniziert die AGES.“ Dieses Analysieren von Proben in staatlichen Labors hat lange österreichische – aber auch europäische – Tradition und wird mit unterschiedlichen Argumenten in seiner Notwendigkeit gestützt. Als wesentliches Element wird die wirtschaftliche Unabhängigkeit staatlicher Labors ins Treffen geführt. Auch der Europäische Rechnungshof wird im vorgenannten Textbeitrag dahingehend zitiert „Das Risiko besteht, dass Hersteller nicht objektiv prüfen und wirtschaftliche Gründe über die Lebensmittelsicherheit stellen könnten“. Es wird nicht bestritten, dass eine Auslagerung auch Gefahren birgt. Es ist aber evident, so der EU-Rechnungshof, dass „Lebensmittelunternehmer zum Schutz ihres guten Rufs und aus ökonomischen Gründen ein großes Interesse daran haben, die Sicherheit der von ihnen verkauften Lebensmittel zu gewährleisten“ und er schlägt daher vor, die öffentlichen Stellen sollten sich mit Privaten zusammentun.

Diese Idee steht nunmehr im Raum und soll beleuchtet werden. Produzierende Unternehmen besitzen ein hohes Wissen über das selbst hergestellte Produkt. Im Verständnis der Unternehmen sind der Kunde, die Kundenorientierung und die Kundenzufriedenheit die wesentlichen Erfolgskriterien. Der Umgang mit Fehlern, die Fehlervermeidung und die Risikoabschätzung sichern den nachhaltigen Erfolg jedes Unternehmens. Die daraus abgeleiteten ständigen Verbesserungen bestehender Prozesse und das Erkennen von Trends und Entwicklungen sind Teil erfolgreicher Unternehmen. Handelsunternehmen sind an der Aufrechterhaltung und Verbesserung der Lebensmittelsicherheit interessiert. Sie sehen sich wesentlich an der Gewährleistung des Verbraucherschutzes beteiligt und sind bereit, mit an der Stärkung des Verbrauchervertrauens zu arbeiten. Nicht zuletzt sind private Managementsysteme für Lebensmittelsicherheit (GFSI – Global Food Safety Initiative) auf Betreiben des Handels entstanden. Private Labors – unabhängig ob sie einer Laborkette angehören oder nicht – sehen sich als ausgeprägte Servicedienstleister mit umfassender Kompetenz. Diese Kompetenz ist einerseits in den Labors über Jahrzehnte hinweg gewachsen und wird andererseits durch die Teilnahme an Netzwerken von ausgezeichneten Speziallabors über sämtliche Themenbereiche der Lebensmittelanalytik vervollständigt. Die Dienstleistungsangebote umfassen Analyseverfahren zu sämtlichen relevanten analytischen Fragestellungen. In EN-17025-akkreditierten Labors ist man höchster Qualität verpflichtet und bietet – auch aus wirtschaftlichen Gründen – nur Dienstleistungen an, die auch wirklich beherrscht werden und Teil der Kernkompetenz des Labors sind. Wirtschaftliche Erfordernisse begünstigen ständige Innovation, Forschung und Entwicklung. Kontinuierliche Weiterentwicklung bekannter Analysentechniken ermög-

©  FOTOLIA – LILY

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lichen immer sensitivere Nachweise mit teilweise geringerem Aufwand an Material und Personalressourcen. Aufgrund steigender Anschaffungskosten und kürzerer Abschreibungsdauer der eingesetzten Geräte wird jedoch die kritische Mindestanalysenzahl pro Periode immer höher und somit die Schwelle zu Kostendeckung immer höher. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass es möglich ist, ohne wirtschaftlichen Zwang mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Die Kosten sind nicht einzufangen. Ebenso irrig ist die Annahme, für alles und jedes am Markt Auslastung generieren zu können und darüber hinaus wirtschaftlich unabhängig zu bleiben. Der Europäische Rechnungshof merkt dazu lapidar an: „Für strengere Kontrollen fehle es aber an Personal und Geld.“ Wenn man die Interessenlagen der Marktteilnehmer mit den zuvor angesprochenen Aufgaben der europäischen und nationalen Agenturen und den Interessen der Verbraucher zusammenfügt, gibt es offensichtliche Gemeinsamkeiten. Ein konsistentes System, bei dem Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz dominierend im Vordergrund stehen, wo die Verantwortung des Unternehmers klar eingefordert wird und die Sorgfaltspflicht und die Eigenkontrolle wesentliche Eckpfeiler sind, stellt nicht die Frage: Wer hat analysiert? Wenn man die Anregung des Europäischen Rechnungshofs aufgreift und bis zum Ende durchdenkt, wird das Ansinnen der Zusammenarbeit zwischen Privat und Amtlich plötzlich weit weniger unvorstellbar. Wie heißt es in dem Bericht: „Die EU hat eine Fülle von Rechtsvorschriften für den Einsatz von Chemikalien in Lebensmitteln erlassen. Sie regulieren den Gebrauch von rund 8.000 Stoffen, von Pestiziden, über Futtermittelzusätze bis hin zu Lebensmittelaromen. Vieles wird zielgerichtet geprüft, manches kommt oft zu kurz.“ Dr. Michael Gartner Geschäftsführer LVA GmbH Klosterneuburg


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VFI GMBH WELS – EXPERTEN FÜR ÖLE UND FETTE AUS ÖSTERREICH AM FIRMENSITZ IN WELS IST IN DEN LETZTEN JAHREN AUS ÖSTERREICHS TRADITIONELLEM SPEISEÖLHERSTELLER VFI EIN EUROPAWEIT AKTIVES UNTERNEHMEN FÜR SPEZIALFETTE UND ÖLE FÜR DIE LEBENSMITTELINDUSTRIE ENTSTANDEN. VFI IST EINER BREITEN ÖFFENTLICHKEIT VOR ALLEM ÜBER DIE STARKEN MARKEN BONA, CERES, FRIVISSA, KRONENÖL UND OSOLIO BEKANNT. MIT DIESEN UND ALS HERSTELLER VIELER EIGENMARKEN DES LEBENSMITTELHANDELS IM SPEISEÖLSEGMENT IST VFI KLARER MARKTFÜHRER IN ÖSTERREICH.

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ie österreichische Lebensmittelindustrie kennt VFI als Lieferanten von Fetten und Ölen für die Weiterverarbeitung. VFI beliefert seit fast 50 Jahren Hersteller in Österreich mit hochqualitativen Ölen, sei es im Tankwagen, im Palettentank und oder in kleineren Gebinden. VFI hat sich auch besondere Expertise bei der Raffination von Bio-Pflanzenölen erarbeitet. Bio-Öle aus dem 2017 neu eröffneten Presswerk in Ennsdorf bei Enns und aus der Welser Raffinerie versorgen namhafte Hersteller von Säuglings- und Kleinkindnahrung auf der ganzen Welt. VFI hat

ein Verfahren entwickelt, Schadstoffe und Lebensmittelkontaminanten bis unter die analytischen Nachweisgrenzen aus Ölen zu entfernen und übertrifft damit die neuesten, verschärften EUVorgaben für Säuglingsnahrung bei weitem. Davon und von der VFI-Expertise bei der sicheren Beschaffung und Verarbeitung von Bio-Rohstoffen profitieren auch viele andere Hersteller von Bio-Lebensmitteln. Das erfahrene VFI-Qualitätsma-

nagement sorgt für größtmögliche Produktsicherheit. E i n e p a r t n e rschaftliche Beziehung zu Lieferanten und Kunden ist Teil der Unternehmenskultur bei VFI. Handschlagqualität ist in der sensiblen Versorgung mit Lebensmittelzutaten ein wichtiger Faktor, ebenso wie Termintreue. Experten von VFI unterstützen Kunden bei der Auswahl und Entwicklung der passenden Öl- oder Fettkomponenten für die unterschiedlichsten Anwendungen und Claims. So

gibt es für viele Anwendungen die Möglichkeit, auf Palmöl zu verzichten und durch andere funktionale Öle zu ersetzen. Eine weitere Möglichkeit zur Differenzierung am Markt ist die nachweisliche Herkunft der Zutaten aus Österreich. VFI betreibt AMA-zertifizierte Programme für die Rohstoffbeschaffung von heimischen Bauern. All diese Möglichkeiten machen VFI zum logischen Ansprechpartner für österreichische Lebensmittelhersteller, wenn es um Öle und Fette geht. https://vfi.co.at/

VFI Firmensitz in Wels

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30 firmenbericht company report

CLORIOUS2 – DIE LAGERFÄHIGE CHLORDIOXID-LÖSUNG ZUR DESINFEKTION DREI FIRMEN HABEN SICH ZU EINEM BESONDEREN TEAM ZUSAMMENGESCHLOSSEN: DIE A.P.F. AQUA SYSTEM AG, DIE BRENNTAG GMBH UND ENDRESS+HAUSER. HERAUSGEKOMMEN IST EINE BAHNBRECHENDE AUTOMATISIERUNGSLÖSUNG, MIT DER ERSTMALS DAS BIS ZU SECHS MONATE LAGERFÄHIGE CHLORDIOXID ZUR DESINFEKTION IN EINEM GENERATOR VOR ORT BEDARFSGERECHT HERGESTELLT WERDEN KANN. BEI ROTKÄPPCHEN-MUMM HABEN WIR UNS DIESE LÖSUNG ANGESEHEN.

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i e R o t k ä p p c h e n -­ Mumm-Sektkelle­reien sind in Deutschland Marktführer im Bereich Sekt. Die verschiedenen Standorte Freyburg (Unstrut), Eltville, Hochheim am Main und Breisach blicken auf eine sehr lange Tradition zurück. In Eltville am Rhein werden Sekt, Weinmischgetränke sowie prickelnde, alkoholfreie Getränke produziert. Wichtiger Bestandteil für die erfolgreiche Produktion ist die Aufbereitung des notwendigen Prozesswassers. Ausgangsstoff ist das städtische Trinkwasser in Eltville. Dieses Trinkwasser weist einen hohen Härtegrad (>16°dH) auf und ist zudem salzhaltiger als andere.

Bei Verwendung dieses ­Wassers direkt im Produktionsprozess treten unerwünschte Nebeneffekte auf. Besonders bei dem Einsatz als Rinserwasser zur Flaschenvorspülung läuft das Wasser nicht tropfenfrei am Glas ab, Rückstände in Form von Wasserflecken nach der Trocknung stellen einen optischen Makel dar. Aus diesem Grund wird bei Rotkäppchen-Mumm ein we-

sentlicher Teil des städtischen Trinkwassers enthärtet und teilweise entsalzt. Die Enthärtungs- und Entsalzungsanlagen liefern das aufbereitete Wasser in Puffertanks, aus denen in das werksinterne Trinkwassernetz dann je nach Anforderung die benötigten Mengen Wasser zur Produktion eingespeist werden. Um auch wirklich sicherzustellen, dass das aufbereitete Wasser den mikrobiologischen Anforderungen der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) genügt, hat sich Rotkäppchen-Mumm in Zusammenarbeit mit a.p.f. Aqua System AG dazu entschlossen, das aufbereitete Wasser im Zulauf der Puffertanks mit Chlordioxid zur Depotdesinfektion zu beaufschlagen. Dieses erfolgt gemäß TrinkwV, in der Chlordioxid als chemisches Desinfektionsmittel zugelassen ist (§-11-Liste). Chlordioxid gilt außerdem als das beste verfügbare Mittel zur Beseitigung und dauerhaften Bekämpfung von Biofilmen. Eine Desinfektion mit UV-Licht schied aus, da diese Art der Desinfektion nur an der bestrahlten

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Stelle wirkt und keine Depotwirkung zeigt.

zierte Menge und Konzentration kann einfach variiert werden.

Im Gegensatz zu anderen chemischen Desinfektionsmitteln wie Chlor oder Hypochlorit entstehen beim Einsatz von Chlordioxid keine Chlorierungsprodukte (wie z.B. THM oder AOX). Teilweise können diese Substanzen sehr geruchsintensiv sein. Geschmacksbeeinträchtigende Stoffe werden in Lebensmittelprodukten als sehr störend und die Produktqualität vermindernd wahrgenommen.

Die Konzentration von Chlordioxid wird mit dem Memosens-basierten Sensor CCS50D und der Transmittereinheit Liquiline CM44xR überwacht. Memosens und Liquiline sind ein anerkannter Industriestandard und seit über 10 Jahren betriebsbewährt. Memosens-Sensoren zeichnen sich dadurch aus, dass das Messsignal bereits im Sensor digitalisiert und dann als digitales Signal kontaktlos übertragen wird. Die in den Clorious2-Anlagen integrierte Überwachungstechnik ermöglicht es Rotkäppchen-Mumm, den ganzen Prozess dauerhaft auch z. B. für Überprüfungen nach HACCP lückenlos zu jedem Zeitpunkt darzustellen. Damit erhöht sich die Verlässlichkeit der Qualität des aufbereiteten Trinkwassers immens. Die Dosierung ist so gewählt, dass die Konzentration von Chlordioxid und Folgeprodukten innerhalb der nach ­TrinkwV zulässigen Werte auch an den Entnahmestellen nicht überschritten wird. Die durchgehende Überwachung von

Zur Erzeugung von Chlordioxid vor Ort kommen Clorious2-Generatoren der Firma a.p.f Aqua System AG an drei Aufbereitungsanlagen zum Einsatz. Diese arbeiten nach einem modifizierten Persulfat-Verfahren, bei dem sehr reine Chlordioxidlösungen entstehen. Im Gegensatz zu konventionellen Verfahren zur Chlordioxidherstellung zeigen die nach dem a.p.f.-Verfahren hergestellten Chlordioxid-Lösungen kein spontanes Zersetzungsverhalten und sind somit lange Zeit haltbar und transportstabil. Die produ-


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Chlordioxid, Redoxpotenzial, pH-Wert und Leitfähigkeit gewährleistet eine gleichbleibende Qualität des Produktionswassers. Fazit: Unter anderem wegen der hervorragenden Qualität des Wassers, zu der auch die Clorious2-Generator-Lösung der Firmen a.p.f. Aqua System AG, Brenntag GmbH und Endress+Hauser beigetragen haben, konnten die Rotkäppchen-Mumm-Sektkellereien auf das erfolgreichste Jahr ihrer Unternehmensgeschichte zurückblicken. Der Absatz von über 271 Millionen Flaschen Sekt, Spirituosen, Wein und weinhaltigen Getränken im Jahr 2017 steht als Herausforderung für die Zukunft, neben dem Einstieg in die Internationalisierung des Geschäftes, konsequent in die Markenwelten und Produktionsstandorte zu investieren. Ihr Nutzen • Lagerung von Chlordioxid ist erstmalig möglich • Chlordioxid der a.p.f. Aqua

System AG ist bis zu sechs Monate lagerstabil • Clorious2 wirkt nur gering korrosiv • Clorious2-Generatoren ermöglichen dem Anwender eine äußerst flexible, bedarfsgerechte Produktion vor Ort • Einsatz von gebrauchsfertiger Clorious2-Lösung in Gebinden ist die optimale Ergänzung für kleinere oder diskontinierliche Anwendungen • Das Angebot reicht von der Dosierstation bis hin zur vollautomatischen Lösung für Ihren Prozess Anwendungsgebiete • Geruchsbekämpfung, z. B. von Schwefelwasserstoff, Thiolen, Mercaptanen etc. • Kontrolle von Biofilmen, Ablagerungen und mikrobieller Belastung auf Maschinen und in industriellen Prozessen, z. B. in der Papierindustrie (PT 12) • Kontrolle von Biofilmen, Ablagerungen und mikro-

Rezension Unter dem Titel „Top ernährt im Sport“ hat Dr. Alexandra Schek ihr Buch zum Thema Ernährung des ambitionierten Breiten- und Leistungssportlers im November 2018 neu aufgelegt. Themen, wie z. B. Energieverfügbarkeit, Mund-Ausspülen mit Kohlenhydratlösung, fettreiche Diäten oder relatives Energiedefizit, sind hinzugekommen. In Kapitel 1 – Grundlegende Ernährungsempfehlungen – werden anhand vieler europäischer Studien die Ist-Werte der Nahrungsaufnahme mit den Soll-Werten verglichen. In Kapitel 2 – Ernährungsbedürfnisse im Trainingsalltag – werden die Grundlagen einer bedarfsangepassten Aufnahme von Energie, Wasser,

bieller Belastung in offenen und geschlossenen Kühlkreisläufen, Rückkühlwerken, Luftwäschern und Kondensatoren (PT 11) • Hygienisierung von Abwässern (PT 2) • Trinkwasserdesinfektion (PT 5) • Anwendungen in der Getränke- und Nahrungsmittelindustrie, z. B. in CIP-Anlagen, Flaschenreinigungsanlagen etc. (PT 4) * PT = Product type Wirksamkeit • Clorious2 Generatorware entspricht den Vorgaben der TrinkwV • Clorious2-Lösung in Gebinden durchläuft derzeit eine erweiterte Wirksamkeitsprüfung (EWP) • Clorious2 hält die neuen Chlorat-Vorgaben der §-11-Liste (12-2017) der TrinkwV ein • Clorious2 entfernt und vermeidet Biofilme • Beim Einsatz von Clorious2

kommt es zu keiner Resistenzbildung • Clorious2 ist ein Breitbandbiozid (Bakterien, Viren, Pilze, Hefen) Diese drei Unternehmen vermarkten zusammen die Automatisierungslösung Clorious2:

a.p.f Erfinder und Patentinhaber des Clorious2-Verfahrens und des Chlordioxid-Generators.

Brenntag Verantwortet Anwendungsberatung, Vertrieb und Logistik von Clorious2 und den zugehörigen Edukten.

Endress+Hauser Entwickelt die komplette Automatisierung von Clorious2-Anlagen und liefert alles aus einer Hand.

Makro- und Mikronährstoffen diskutiert sowie der Einsatz sogenannter Leistungsförderer kritisch beleuchtet. Kapitel 3 – Ernährungsrichtlinien für die Wettkampfsaison – behandelt allgemeine Tipps zur Ernährung vor, während und nach dem Wettkampf, außerdem die Kohlenhydrat-Superkompensation sowie Gewichtsreduktionspraktiken. Kapitel 4 – Gestörtes Essverhalten und Essstörungen – zeigt, dass besonders in den gewichtssensitiven Sportarten neben der Anorexia athletica auch manifeste Essstörungen wie Anorexia/Bulimia nervosa auftreten können, die psychotherapeutisch behandelt werden müssen. Ein Glossar mit ernährungs- und sportwissenschaftlichen Begriffen sowie ein umfangreiches Sachregister runden das Buch ab, dem eine weite Verbreitung zu wünschen ist.

Zu bestellen über https://www.bod.de/buchshop/ top-ernaehrt-im-sport-alexandraschek-9783746056913 Preis: € 30,80

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TATARISCHER BUCHWEIZEN: POWER FÜR DEN STOFFWECHSEL PRÄHISTORISCHES SUPERFOOD, REICH AN WERTVOLLEN INHALTSSTOFFEN UND GLEICHZEITIG SCHMACKHAFT: DER TATARISCHE BUCHWEIZEN IST DIE LÖSUNG FÜR VERBRAUCHER, DIE URSPRÜNGLICHE, AUTHENTISCHE ZUTATEN MIT GESUNDHEITLICHEM MEHRWERT SCHÄTZEN. GOODMILLS INNOVATION HAT DAS PSEUDOGETREIDE NUN WIEDERENTDECKT UND ZUM IDEALEN ROHSTOFF FÜR BACKWAREN, FITNESS-GETRÄNKE UND MOLKEREIPRODUKTE GEMACHT.

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mmer mehr Menschen wollen sich gesund ernähren – und sind aufgeklärt wie selten über gesunde Lebensmittel und die Folgen einer unausgewogenen Ernährung. Genauso wichtig wie die Gesundheit (92 Prozent) ist Verbrauchern jedoch ein guter Geschmack (99 Prozent), und für immerhin die Hälfte spielt der Faktor Zeit eine

wichtige Rolle. Diese Zahlen lieferte der Ende 2018 erschienene Ernährungsreport des Bundesamts für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im benachbarten Deutschland. Die naheliegende Lösung, um all diesen Anforderungen gerecht zu werden: Standard-Produkte der täglichen Ernährung wie Nudeln, Brot, Getränke oder

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Milcherzeugnisse mit einem gesundheitlichen Plus versehen – beispielsweise mit Inhaltsstoffen aus der Natur, die auch unsere Vorfahren schon nutzten. Ein solcher ernährungsphysiologisch wertvoller Rohstoff mit Geschichte ist der Tatarische Buchweizen. GoodMills Innovation hat dieses längst in Vergessenheit geratene Su-

perfood nun für die moderne Lebensmittelherstellung aufbereitet, um guten Geschmack mit bester Bioverfügbarkeit der wertvollen Inhaltstoffe zu verbinden. Die Proteine des Tatarischen Buchweizens sind – wie auch beim Gemeinen Buchweizen – aus wichtigen Aminosäuren zusammengesetzt. Darüber hinaus enthält er hochwertige


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Stärke und ist reich an Ballaststoffen und Spurenelementen wie Zink. Unter dem Markennamen RutinX – Tatarischer Buchweizen ist diese Buchweizenvarietät als Mehl oder Crisps erhältlich. Lange Tradition in der asiatischen Medizin In Asien ist der Tatarische Buchweizen bis heute als Wirkstoff der traditionellen Medizin bekannt, unter anderem bei arteriellen Erkrankungen oder Diabetes. Denn sein Anteil am Bioflavo­ noid Rutin, das die Pflanze vor UV-Strahlung schützen soll, ist 100-fach höher als beim Gemeinen Buchweizen. Studien konnten inzwischen belegen, dass Rutin beim Menschen antioxidativ wirkt – weitere Studien zum Einfluss auf die Blutzuckerregulierung laufen derzeit. Eben jenes Rutin war bisher dafür verantwortlich, dass der Tatarische Buchweizen in Europa seit Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend von der Bildfläche verschwunden ist. Denn durch seinen hohen Gehalt an diesem sekundären Pflanzenstoff geht mit dem charakteristischen Buchweizenaroma auch ein starker Bittergeschmack einher. Historisch betrachtet war diese Buchweizenart in Europa deshalb zwar ein weit verbrei-

tetes Lebensmittel in Grütze oder Pfannkuchen, dabei aber mehr ein Sattmacher in schlechten Zeiten, denn eine Zutat für genussreiche Mahlzeiten. Mit der Verbreitung von ertragreichen Weizen- und Kartoffelsorten und Futterpflanzen verschwand der Tatarische Buchweizen gänzlich von den Feldern. GoodMills Innovation ist es nun gelungen, in einem speziellen patentierten Verfahren den Bittergeschmack des Tatarischen Buchweizens zu verringern – ohne dabei den ernährungsphysiologischen Mehrwert zu schmälern. Vielfältig in der Anwendung Mit seinem milden Aroma und seinen hervorragenden technologischen Eigenschaften ist RutinX in den verschiedensten Applikationsbereichen einsetzbar. Denn das Pseudogetreide punktet als Zutat nicht nur klassisch in Backwaren, sondern kann auch in Müslis, Süßwaren wie Keksen und Riegeln, Pastakreationen, Brotauf-

strichen oder Smoothies und Shakes den Fett-, Eiweiß- und Kohlenhydratstoffwechsel unterstützen. Abhängig von der Dosierung des Rohstoffs im Endprodukt können bestimmte Health Claims zu Zink ausgelobt werden. Gleich auf welches Argument sich Hersteller konzentrieren – Superfood, Urgetreide oder Stoffwechselpower: Der Tatarische Buchweizen bietet die ideale Antwort auf aktuelle Verbrauchertrends. GoodMills Innovation unterstützt seine Kunden mit fundiertem Getreide-Know-how von der Entwicklung eigener Rezepturen bis hin zur Produktion. Applikationsbeispiel: 2ab plus-Brot In Zeiten, in denen „unser täglich Brot“ zunehmend als Dick- und Krankmacher tituliert wird, war es GoodMills Innovation ein zentrales Anliegen, ein funktionelles Brot zu entwickeln, mit dem Bäcker eine Lösung für anspruchsvolle und gesundheitsbewusste Kunden an der Hand haben. Mit „2ab

plus“ hat die innovative Hamburger Dependance der österreichischen GoodMills Group nun eine Rezeptur für ein reines Urgetreidebrot im Portfolio, das verträglich ist und gleichzeitig den Stoffwechsel unterstützen kann. Geschmacklich und in Sachen Textur überzeugend, basiert „2ab plus“ auf RutinX-Crisps und 2ab-Weizen. Dieser Urweizen hat den geringsten FODMAP-Gehalt aller Getreidearten und enthält kein schwer-verdauliches D-Gluten, was ihn besonders verträglich macht für Verbraucher, die auf normalen Brotweizen reagieren, ohne an Zöliakie zu leiden. Der Getreideexperte mit Sitz in Hamburg stellt seine Innovationen auch auf der diesjährigen Biofach vom 13. bis 16. Februar in Nürnberg vor.

Kontakt — GoodMills Innovation GmbH Svenja Frank T +49 40 75109-632 svenja.frank@ goodmillsinnovation.com www.goodmills­ innovation.com

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DIE ERNÄHRUNG VOLUME 43 | 01 2019  

Österreichische Zeitschrift für Wissenschaft, Recht, Technik und Wirtschaft

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