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Ausgabe 05

Wohnen und leben mit Ecken und Kanten

MINIMALISMUS: Weniger ist mehr ZERO WASTE: Nachhaltiger Lebensstil BAUMHÄUSER: In den Wipfeln


INHALT

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Einer der letzten seiner Art a

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Nach „German Gemütlichkeit“ kommt der Minimalismus a

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Je weniger, desto glücklicher a

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Sozialer Stadtrundgang a WERK

Nachbarschaftshilfe am Kiosk a

EN G I T L A NACHH

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Nachhaltiges Bauen – mehr als ein Schlagwort a

70

Zero Waste a

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WERK

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T EN S S U W E B

Geomantie – die Magie des Lebens kehrt in unsere Häuser zurück a


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Burn-out: Modeerscheinung oder ernstzunehmende Erkrankung? a

102 Auf die Matte! a

WERK

110 Sanfte Hilfe für die Seele a

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118

Henne rettet Bruder a

ESS EN

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WERK

128 „Indische Keuken“ a KRAFT

EN

148 E-Mobilität: Es geht voran (wenn auch langsam) a 3

168

WERK

158 Bauen mit Holz: Mehr als nur gemütlich a N GRÜN E

170 Pflanzen lieben – nicht nur (be)nutzen! a 180 Ein Haus in den Bäumen a 04 191

EDITORIAL a IMPRESSUM a

Bild: MEV

UNSER PARTNER:

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JUTTA JUNGE CHEFREDAKTION


EDITORIAL

Was macht unser Leben lebenswert? Diese Frage versucht jeder für sich selbst zufriedenstellend zu beantworten. Verschiedene Autoren und Blogger haben unter dem Motto „Bewusst(er) wohnen und leben“ ihre Ideen, die ihr Handeln bestimmen, für uns beschrieben. Es geht um eine Minimalistin aus Leidenschaft, die freiwillig Verzicht lebt. Um ein junges Paar, das sich auf die Fahne geschrieben hat, keinen Müll mehr zu produzieren. Um einen Blick hinter die Kulissen der Großstadt bei einem sozialen Stadtrundgang, der die Augen für das Leben anderer, vom Schicksal nicht Begünstigter öffnet. wohnwerken.de_Ausgabe 05

Es geht um bewusstes Wohnen, die Nachhaltigkeit beim Bauen, um Holzhäuser mit ihren vielen Vorteilen und um kranke Gebäude, die der (geomantischen) Heilung bedürfen. Und nicht zuletzt um uns und unser Leben, was in der eigentlich einfachen Frage mündet: „Wie geht es mir und was tut mir gut?“ Hier geben Experten Antworten auf viele Fragen und zeigen neue Wege zu mehr Bewusstsein auf. Was sich übrigens auch auf unsere Ernährung und Umwelt bezieht. Ein Kaleidoskop vieler Eindrücke lässt Sie teilhaben an der Vielfältigkeit der Ideen vom Wohnen und Leben – natürlich mit Ecken und Kanten.

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WIE FUNKTIONIERT WOHNWERKEN? wohnWERKen ist ein digitales Magazin mit Lesestücken verschiedener Autoren. In ihrem Stil, mit ihren Worten. Als digitales Magazin bietet wohnWERKen mehr als eine gedruckte Zeitschrift: E ingebunden sind Videos, ­ 6

Bilder und Links mit ergänzenden und zusätzlichen Infor­mationen, Tipps und Hinweisen.

SYMBOLE IM MAGAZIN

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Bild: M&M, Mark Carrel – Fotolia.com


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IMPRESSUM


Nachbarschaftshilfe am Kiosk Solidarwirtschaft in Paris: Ein Kiosk vermittelt Nachbarschaftshilfe und schafft zugleich neue Jobs. Text: Bettina Kaps Bilder: Mitarbeiter von Lulu dans ma rue lesezeit 4 min

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Kiosk m u z s e t Hier geh ue im r a m s n Lulu da tel. r e i V s i a ar Pariser M iqueconsoglobe/ labout Quelle: om utube.c www.yo

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12 Bild: Nicolas Tronc

PARIS, Metrostation Saint Paul. Auf dem quirligen Platz im Marais-Viertel steht eine seltsame grüne Bude. Kleine Topfpflanzen im Regal, ein Gartenzwerg, ein Mops aus Ton und anderer Nippes schaffen eine verspielte Atmosphäre. „Lulu dans ma rue“ steht auf dem Kiosk. Innen sitzt eine junge Frau vor einer Holzwand mit Postfächern und

einem Schlüsselbrett – wie in einer Pförtnerloge. Fiora Badiou stellt sich tatsächlich als Concierge vor. Auf die Frage, was es bei „Lulu in meiner Straße“ zu kaufen gibt, sagt sie vergnügt: „Weder Zeitungen, noch Fritten. Wir bringen Menschen, die Talente haben, in Kontakt mit anderen Menschen, die Hilfe im Alltag brauchen.“


BEI LULU DANS MA RUE GIBT ES WEDER ZEITUNGEN NOCH FRITTEN ZU KAUFEN.

Lulu als Kosename für die Helfer Lulu dans ma rue ist ein gemeinnütziger Verein, der den Alltag im Stadtviertel menschlicher machen will. Zugleich schafft er kleine Jobs. Mit dem Kosenamen Lulu bezeichnet der Verein seine Helfer, alle arbeiten als selbstständige Kleinunternehmer. Am Kiosk hängt eine Liste mit ihren Kompetenzen: Heimwerkerarbeiten, Hilfe bei Behördenkram, wohnwerken.de_Ausgabe 05

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Pakete annehmen, Blumen gießen, Babysitten, Computer reparieren und vieles mehr. Die Preise pendeln zwischen fünf Euro und 20 Euro pro halbe Stunde.

Putzen, bügeln, backen Eine Frau mit einem Kind an der Hand händigt der Concierge zwei Schlüssel aus. „Die gehö-

ren Madame Rose und Marie“, sagt Aurélie Techer, und ja, mit der Arbeit bei den beiden Damen sei alles gut gegangen, wie sonst auch. Die junge Mutter arbeitet seit einem Jahr als „Lulu“. Sie putzt, bügelt, backt Kuchen für besondere Anlässe. Sie wurde auch schon engagiert, um mit einem Behinderten Karten zu spielen. Ihren Job als Verkäuferin hat sie aufgegeben, weil sie ihr eigener Chef sein will. „Der Verein hat mir geholfen, eine Ein-Personen-Firma zu


gründen“, sagt Aurélie. „Jetzt kann ich mir meine Zeit zwischen Beruf und Familie selbst einteilen. Außerdem sind die Kunden ganz besonders liebenswürdig.“ Das ist kein Wunder, denn wie alle Lulus hat auch Aurélie eine Satzung unterzeichnet, in der sie sich verpflichtet, pünktlich, gewissenhaft und hilfsbereit zu sein. Und außerdem: gute Laune zu verbreiten. Die positive Stimmung ist wichti-

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ger Teil des Konzepts – und wirkt sich auf die Auftraggeber aus. Die Concierge fühlt sich als Garant dafür, dass die Ideale eingehalten werden. Bei neuen Kunden oder Kunden, bei denen ein neuer Lulu gearbeitet hat, vergewissert sie sich anschließend telefonisch, ob der Auftrag gut ausgeführt

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wurde. Wenn nicht, erhalten die Auftraggeber ihr Geld zurück – was aber bislang so gut wie nie vorgekommen ist. Aurélie verdient inzwischen rund 1.000 Euro monatlich, Tendenz steigend. 15 Prozent davon gibt sie dem Verein ab. Der sorgt dafür, dass ihr Steuermodell stimmt, hilft ihr, sich beruflich weiterzuentwickeln.

Zufriedene Kunden Ein Ehepaar begrüßt die Concierge wie eine alte Bekannte. Marie-Pascale und Gerald sind über 80 und wohnen hier im Marais gleich um die Ecke. Die weißhaarige Frau erzählt, dass sie die Kontaktbörse schon ausprobiert hat: Ein Lulu hat ihr geholfen, Fotos am Computer zu bearbeiten. Nun soll ihr ein anderer Lulu eine Wand

tapezieren. Marie-Pascale ist begeistert. „Ich werbe für Lulu, verteile Flyer unter meinen Freunden, und sage ihnen, ihr werdet begeistert sein. Die erste Reaktion bei alten Leuten ist ja: Wer weiß, wen wir uns da ins Haus holen...“ Eine 40-jährige Frau steuert zielstrebig auf den Tresen zu. Claire ist Stylistin und hat keine Zeit zu verlieren. „Nächste Woche wird mein Appartement gestrichen. Ich brauche dringend zwei Lulus, die mir Montag früh helfen, alle Möbel und mein Klavier von der Wand abzurücken, es ist ein Flügel.“ Die Concierge notiert den Auftrag. Die Bewohner des MaraisViertels können die Arbeiten nicht nur am Kiosk bestellen wie Claire und Marie-Pascale, sondern auch per Telefon, Internet oder aber mit einer App. Die Modeschöpferin ist regelmäßige Kundin. „Ich bin Single und will nicht dauernd meine


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Bild: Nicolas Tronc

Freunde belästigen, wenn ich Hilfe brauche. Die Preise sind korrekt und die Helfer waren bisher immer kompetent.“

Zigeunerjazz am Kiosk Einmal pro Monat organisiert der Verein „Lulu dans ma rue“ einen Apero für Kunden und wohnwerken.de_Ausgabe 05

Helfer am Kiosk. Drei Musiker spielen Zigeunerjazz, die Concierge bietet Cidre, Limo und Chips an. Ein großer Mann, Mitte 40, schaut dem Treiben zu. Charles-Edouard Vincent hat das Business-Modell für diese originelle Form der Nachbarschaftshilfe entwickelt, Gelder für den Start aufgetrieben und die Stadt Paris


„ Charles-Edouard Vincent hat das Business-Modell für diese originelle Form der Nachbarschaftshilfe entwickelt.

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LULU IST EIN WERKZEUG, DAS UNSERER GESELLSCHAFT HELFEN KANN, SICH ZUM POSITIVEN ZU VERÄNDERN.


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Bild: Bettina Kaps

überzeugt, das Experiment zu wagen. Der Ingenieur mit dem Diplom der französischen Elite-Hochschule Polytechnique ist sichtlich zufrieden: „Lulu ist ein Werkzeug, das unserer Gesellschaft helfen kann, sich zum Positiven zu verändern. Weil es fragilen Menschen einen würdigen Platz verleiht. Über die Nachbarschaft-Jobs behandeln wir sie auf Augenhöhe. Das Projekt rechnet sich, außerdem stiftet es Sinn.“ Lulu dans ma rue hat inzwischen 166 Mitarbeiter und über 5.000 Kundinnen und Kunden. Die Stadt Paris hat dem Verein bereits sechs Plätze überlassen, auf denen er einen Kiosk aufgestellt hat. Das Rathaus ist offenbar ähnlich begeistert wie die Kundin MariePascale. „Hoffentlich wird es noch viel mehr Lulus geben“, sagt die energische alte Dame. „Das Konzept ist lustig und seriös zugleich, ich finde es fantastisch!“ O

Über die Autorin Bettina Kaps lebt und arbeitet seit 25 Jahren als freie Journalistin in Frankreich. Sie berichtet für Printmedien und Hörfunk, vor allem Deutschlandradio und WDR. Sie könnte oft jemanden gebrauchen, der gerne ihr Fahrrad repariert oder das Dachfenster putzt und wünscht sich deshalb, dass auch in ihrer Pariser Vorstadt an der Marne ein Lulu-Kiosk eröffnet wird. bettina.kaps@club-internet.fr www.facebook.com/ bettina.kaps

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IMPRESSUM Bild: Frederic Lezmi


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EINER DER LETZTEN SEINER ART Hansgert Butterweck ist einer der letzten Korbflechtmeister Deutschlands.

Text: Jutta Junge wohnwerken.de_Ausgabe 05

lesezeit 2 min


FLECHTEN

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ist das älteste Handwerk der Menschen und gehört jetzt zum Immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe. Einer der letzten deutschen Korbflechtmeister ist Hansgert Butterweck aus Dahlhausen. Dahlhausen war früher eine der „Hochburgen“ der Flechtkunst. Viele Familien hatten durch das Handwerk ihr Auskommen. Die für die Korbmacherei notwendigen Weiden wuchsen direkt an den Flüssen der Umgebung. Doch in den Wirtschaftswunderjahren nahm die Bedeutung des Flechthandwerks ab. Aus dem Korbmacherhandwerk entwickelte sich eine Kleinmöbel­ industrie. Naturmaterialien wurden durch „moderne“ Werkstoffe ersetzt. Immer


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Bild: Frederic Lezmi

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Bild: Frederic Lezmi

Anspruchsvolle Tradition mehr Handwerksbetriebe gaben auf oder sattelten um. Nicht so Butterweck: Er betreibt eine Werkstatt für Korbmöbel und Geflecht, in der er Flechtmöbel, Körbe und Stuhlgeflechte herstellt und auch Flechtkurse veranstaltet.

Hansgert Butterweck fertigt auch per Hand die Sitze der Bauhausmöbel für den Hersteller Tecta, u. a. für den berühmten Weißenhof-Stuhl. Dieser Sitz, auch MR 10 bzw. MR 20 genannt, wurde 1927 vom Architekten


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Bild: Frederic Lezmi


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Bild: Tecta


Ludwig Mies van der Rohe entworfen. Präsentiert wurde der erste, federnde Freischwinger im selben Jahr auf der Weißenhof-Ausstellung. Er war gefertigt aus 25 mm Stahlrohr und mit Eisengarngurten oder einem Geflecht bezogen, das die Designerin Lilly Reich kreierte. „Wir unterstützen das Handwerk, um das exakte Geflecht von Lilly Reich nacharbeiten zu können,“ so Tecta-Geschäftsführer Christian Drescher. „Wir möchten nicht, dass diese wichtige Kunst eines Tages verloren geht.“ Der Ansatz überzeugte auch das Bauhaus-Archiv in Berlin, das ausschließlich werkgetreue und in Lizenz hergestellte Re-Editionen der originalen Bauhaus-Modelle genehmigt.O wohnwerken.de_Ausgabe 05

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IMPRESSUM

Nach „German Gemütlichkeit“ Zurück zum INHALT

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Aufgeräumte Optik mit viel Geschmack: Der neue Minimalismus beim Wohnen wird durch skandinavische Möbel-Labels geprägt. Bild: Muuto

lesezeit 4 min

2015 wurde auf der imm cologne, der Internationalen Möbelmesse in Köln, die „German Gemütlichkeit“ ausgerufen und unsere vier Wände durften damit auch 29 offiziell wieder gemütlich sein, ohne uncool zu wirken. Jetzt haben Trendforscher eine neue Gemütlichkeitsvariante aus Skandinavien ausgemacht und die kann tatsächlich das Zeug zum Klassiker haben. Quelle: Tendletter imm Spotlight

“ kommt der Minimalismus wohnwerken.de_Ausgabe 05


Auf der Suche nach „Logom“, der genau richtigen Mitte: So kommt optische Ruhe in eine Wohnung. Bild: Woud

Was macht das skandinavische Interior-Design für viele so attraktiv? 30

Ist es vielleicht der durch Lässigkeit und frische Farben Optimismus verströmende „nordische“ Stil, der Vorstellungen von einem einfachen Leben zwischen Birken und Bullerbü weckt? Viele tauschen inzwischen ihr Hochglanz-Ambiente bereitwillig gegen Massivholzmöbel und Filzpantoffel, die digital gesteuerte Illumination gegen schlichte Kerzenständer. Hängen vertikale Gärten in die Fenster und dekorieren eine schlichte Wolldecke auf

der Designer-Couch. Nun kann die Entspannung kommen.

Auf der Suche nach der Mitte Der neue Stil ist schlicht und arbeitet mit minimalistischen Formen, ohne kühl zu sein, und ist dekorativ, ohne sich im Detail zu verlieren. Ideal sind Möbel, die mit der Architektur eine Linie bilden und nicht so sehr als Volumen hervorspringen. Sie bringen optische


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Aufgeräumte Optik mit Geschmack

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Ruhe in eine Wohnung. Sie sollen nicht auffallen und trotzdem alle Funktionen erfüllen – also Stauraum bieten oder Stellplatz sein, sei es für Musikanlage, Blumen, Laptop oder was man sonst so braucht. Dann kommen ausgesuchte Möbel und Objekte wie ein besonders schöner Schrank, ein Bild, ein Sessel oder eine skulpturale Leuchte gut zur Geltung. Es geht um Reduzierung, ums Weglassen und um Ordnung – ohne das Praktische, das Alltägliche zu vernachlässigen. Oft verbergen sich hinter den klaren Designlinien eine Vielzahl von Details, die die Produkte so besonders machen.

Wie realisiert man einen minimalistischen Einrichtungsstil? Nach welchen Kriterien geht man vor? Hier gibt es keine festen Regeln, denn die individuellen Bedürfnisse der Bewohner stehen im Vordergrund: Wo brauche ich besonders viel Klarheit und wo weniger? Die einen bevorzugen eine aufgeräumte Optik im Bad, andere im Schlafzimmer. Im Wohnzimmer kann ein minimalistisches Interior-Design kühl statt warm und einladend wirken, wenn die falschen Materialien im Spiel sind. Doch diesem Eindruck lässt sich mit einem Hauch Anachronismus entgegenwirken. Schlicht und gemustert, modern


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Regale und Stauraum bringen Ruhe in die Gestaltung der Wohnung und bieten Platz fĂźr wenige, aber wichtige Accessoires. wohnwerken.de_Ausgabe 05

Bild: String


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und Flohmarkt passen gut zusammen! Doch solche Akzente sollten äußerst sparsam gesetzt werden. Und dies macht den „neuen Minimalismus“ aus. Die Schweden haben für dieses Lebensgefühl ein passendes Wort im Sprachgebrauch. „Logom“ bedeutet „genau die richtige Menge“. Auf die Einrichtung von Häusern und Räumen übertragen gilt es die perfekte Mitte zweier Gegensätze zu treffen. „Wir brauchen reizarme Räume, um das moderne, informationsgeladene Leben zu bewältigen. Und für viele Menschen ist ihr Zuhause dieser Raum. Ein ästhetisch ausgewogenes, geordnetes Umfeld, das nicht

ständig danach schreit, aufgeräumt, geputzt oder abgearbeitet zu werden, hilft dabei. Geschlossener Stauraum und klare Linien sind dafür ideal“, so der Kölner Design-Journalist und Trendforscher Frank A. Reinhardt.

Minimalismus vs. Wohnlichkeit? Minimalismus und Wohnlichkeit müssen sich überhaupt nicht widersprechen. Das zeigen schon traditionelle Wohnstile etwa aus dem skandinavischen oder auch japanischen Kulturkreis. Es kommt auf die Kombination von klaren Linien mit wärmeren Tönen, wohnlichen Materialien wie Holz und Textilien an. Auch weich gerundete Volumen passen zum minimalistischen Stil. Wer sagt denn, dass ein minimalistisch gestalteter Tisch nur kantige Ecken und Beine haben darf? Minimalistisch heißt nur,


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Dass sich Minimalismus und Wohnlichkeit nicht widersprechen mĂźssen, zeigen traditionelle Wohnstile aus dem skandinavischen und japanischen Kulturkreis. wohnwerken.de_Ausgabe 05

Bild: Muuto


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dass eine Form nichts Überflüssiges aufweisen sollte. Und vielleicht noch, dass dabei eine möglichst minimale Materialstärke für viel Klarheit und Leichtigkeit erreicht wird. Wer mit Holz und warmen Farbentönen arbeitet und den Eindruck der Leichtigkeit nicht

gleich mit Tonnen von Deko zunichtemacht, kann sich sehr wohl minimalistisch und gemütlich zugleich einrichten. Das Licht tut ein Übriges. Eine in warmen Tönen gestrichene Wand, die indirekt mit dimmbaren Spots beleuchtet wird, schlägt jede konventionelle Leuchte in puncto Gemütlichkeit. Doch erst der eigene, persönliche Stil füllt ein minimalistisches Interior-Design mit Leben.O

Hinter den klaren Linien und der Einfachheit des Designs verbergen sich bei genauer Betrachtung viele Details. Bilder: Seite 38 Artek / Seite 39 Woodnotes


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Traditionelles wird frech interpretiert, zu den bunten Dessins gesellen sich Grautöne und Pastellfarben – und schon ist die lässige Mischung aus schickem und minimalistisch schlichtem Design fertig. Bild: PLEASE WAIT to be SEATED

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JE WENIGER, DESTO GLÜCKLICHER Gelebter Minimalismus im Alltag. Hört sich fantastisch an – doch wie geht das? Bloggerin und Autorin Tanja Heller ist Minimalistin aus Leidenschaft. Text und Bilder: Tanja Heller

lesezeit 4 min Zurück zum INHALT wohnwerken.de_Ausgabe 05

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Vor fünf Jahren fühlte ich mich nachts total leer in meiner vollgestopften Wohnung. „Was soll ich mit dem ganzen Wohlstandsschrott?“, habe ich mich gefragt. Ich hatte plötzlich wieder diese Sehnsucht, nur Dinge zu besitzen, die ich wirklich bin, wie zur Studienzeit. Denn das war Freiheit pur! Schon damals hatte ich einen uniformierten Kleiderschrank wie Steve Jobs: mein Lieblingsoutfit mehrmals. Doch dann kam ein rosa

Punkt dazwischen. Auf dem Schwangerschaftstest. Kinder und Minimalismus passen nicht zusammen. Jetzt ist der Punkt erwachsen und ich reduziere wieder auf das Wesentliche.

Nimm Dir vom Leben was du brauchst. Ich habe mich in dieser Nacht so lebendig gefühlt wie schon

Schon damals hatte ich einen uniformierten Kleiderschrank wie Steve Jobs: mein Lieblingsoutfit mehrmals.


lange nicht mehr. Da war so eine unbändige Freude, Entschlossenheit und Kraft in mir, die bis heute anhält. Ich ahnte, dass nach dem Ausmisten nichts mehr so sein würde wie vorher. Vor allem ich selbst. Ich habe mich gefragt: „Was brauche ich für ein gutes Leben?“ Danach habe ich die Anzahl der Dinge limitiert. Was kann ich weglassen, ohne dass mir etwas fehlt und es sich immer noch gut anfühlt? Ich habe ein Jahr lang jeden Tag mindestens eine Sache ausgemistet. Irgendwann verfiel ich in Dauergrinsen. Ich konnte mich wieder spüren.

Da war so eine unbändige Freude, Entschlossenheit und Kraft in mir, die bis heute anhält.

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Ich bin raus aus dem „Konsumpf“. Ich will noch mehr von dem Weniger.


Sie ist wieder da: Hallo Freiheit!

eine Frequenz höher

70 % meiner Sachen habe ich seitdem verschenkt oder absichtlich verloren. Ich bin raus aus dem „Konsumpf“ und weiß wieder, was wirklich wichtig ist. Alles Zuviel lenkt mich nur von mir selbst ab. Ich kaufe mir nur noch, was ich brauche oder liebe. Die Wohnung ist jetzt in einer Stunde geputzt, ich muss nichts mehr räumen, suchen oder aufwendig pflegen. Ich lebe so plastikfrei wie möglich. Wenn ich zu Ikea fahre, schreibe ich mir vorher auf, was ich nicht kaufe. Das Beste: Ich will noch mehr von dem Weniger. Das macht richtig süchtig. Es fühlt sich so gut an. Einfach de luxe.

Als Hochsensible muss ich zu viele Reize auf einmal verarbeiten: Gerüche, Stimmungen, taktile/kinästhetische Informationen, die andere nicht in dieser Intensität wahrnehmen. Schon ein Cafébesuch kann nach kurzer Zeit zur Belastung werden. Denn: Störgeräusche treten bei Hochsensiblen nicht in den Hintergrund. Mein größter Erfolg in der reduzierten Wohnung: Es geht nichts mehr zu Bruch. Ich war früher sehr umwerfend. Meine Aufmerksamkeit war mit den vielen Dingen einfach überfordert.

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Weniger ist mehr

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Noch weniger ist noch mehr. Meine Erfahrung: Das meiste kann man weglassen. Merkt keiner. 80 % der Dinge benutzt man nicht. Ich sammle keine Facebook-„Freunde“. Mir sind echte Begegnungen viel lieber. Ich mache nur noch Dinge, die mich glücklich machen oder die mich meinen Zielen näher bringen. Auch das Fasten habe ich in der Zeit für mich entdeckt. Um nichts zu essen, muss ich nicht nach Indien fahren oder Bücher lesen. Ich fange lieber gleich damit an.

ist mir meine Lebenszeit wert? Bin ich überhaupt der Mensch, den ich mir da ausgedacht habe? Man wird ehrlicher zu sich selbst. Ohne Keyboard zum Abstauben. Man konsumiert kritischer: Wie wurden die Dinge hergestellt? Für mein Schnäppchen hat schon die Näherin bezahlt. Wenn mein Laptop kaputt ist, werde ich die seltenen Erden darin wieder zurückschicken. Irgendwo anders werden sie dringend gebraucht.

Neue Währung: Zeit

Was gewinne ich, wenn ich absichtlich verliere? Das Leben wird intensiver. Ich lebe bewusster und genieße den Moment. Ich plane Dinge nicht mehr. Ich mache sie. Ich warte nicht mehr. Ich lebe.

Minimalismus bedeutet nicht Verzicht oder Askese. Es geht mir nicht darum, nur 100 Dinge zu besitzen. Sondern: Was ist meine Leidenschaft? Wofür brenne ich? Was

Die spannendste Frage


Noch weniger ist noch mehr. 47

80 % der Dinge benutzt man nicht. Was ist mir meine Lebenszeit wert?

Ich warte nicht mehr. Ich lebe.

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Weniger Dinge, mehr Leben

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Auch für die Protagonisten in meinen Büchern ist der Verzicht auf Luxus und Konsumterror eine Befreiungserfahrung. In „Minimalismus – 13 Porträts“ geht es um Nachhaltigkeit, Konsumkritik und alternative Lebensentwürfe und warum „Höher. Schneller. Weiter.“ nicht immer besser ist. Sie besitzen freiwillig nur 50 Dinge, gründen einen Kostnixladen, leben in einem Tipi, retten Lebensmittel vor der Tonne und sind „restlos“ glücklich.

Anders wohnen Um alternative Wohnformen geht es in „Einfach leben: Geschichte vom Aussteigen“. Für das neue Buch habe ich wieder Menschen interviewt, die das einfache Leben lieben. Sie versuchen der Konsumwelt

zu entkommen und ihr Leben zu entschleunigen, indem sie anders wohnen: im Erdloch, in einer Jurte, im Tiny House, auf dem Biohof. Viele träumen davon einfach zu leben. Frei und unabhängig sein. Die Erzähler in meinem Buch machen‘s einfach: Blauwassersegeln in der Südsee. Oder als Newcomer in der Landwirtschaft. Raus aus dem Hamsterrad!

Kühe statt Karriere Sie gründen ein Hühnerimperium, reisen mit wenig Geld ohne Flugzeug einmal um die ganze Welt, bauen sich ein Ökodorf und segeln allen Konventionen davon.  O


Raus aus dem Hamsterrad! „restlos“ glücklich sein Über die Autorin

Bild: Tanja Heller

Tanja Heller, Jahrgang 1972, arbeitet freiberuflich als Werbetexterin und Autorin. Sie ist Minimalistin aus Leidenschaft. Aus zahlreichen Interviews mit Menschen, die einfacher leben als es nötig wäre, sind ihre Bücher „Minimalismus – 13 Porträts“ und „Einfach leben: Geschichten vom Aussteigen“ entstanden. So ungewöhnlich wie die Protagonisten selbst. tanja.heller@ texterin- mit-biss.de

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Zurück zum INHALT IMPRESSUM Bilder: Mark Carrel, torsakarin – Fotolia.com

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SOZIALER STADT RUNDGANG Hört sich zunächst eimal gut an. Doch was ist das? Autorin und Bloggerin Eva Walitzek-Schmidtko hat den Blick hinter die Kulissen der Großstadt gewagt und (er)lebt jetzt bewusster. lesezeit 6 min wohnwerken.de_Ausgabe 05

Text und Bilder: Eva Walitzek-Schmidtko

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ALTES

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und neues Rathaus, Marktkirche und natürlich die Herrenhäuser Gärten. Die niedersächsische Landeshauptstadt hat einige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Doch nicht sie stehen beim vom Straßenmagazin Asphalt organisierten „Sozialen Stadtrundgang“ auf dem Besichtigungsprogramm. Asphaltverkäufer und Stadtführer Thomas zeigt auf der zweistündigen Tour im Bahnhofsviertel Orte, die Einheimische und Touristen übersehen oder an denen sie lieber schnell vorbeigehen – die Stadt aus der Perspektive derer, die kein Dach überm Kopf haben, die arm sind und ausgegrenzt werden.

Schlafen, waschen, essen Wo schlafen obdachlose Menschen? Wo können sie sich

und ihre Sachen waschen? Wo bekommen sie einen Kaffee, etwas zu essen – oder medizinische Hilfe, wenn es nötig ist? Stadtführer Thomas kennt die Anlaufstellen genau. Der 47-Jährige war selbst anderthalb Jahre wohnungslos, ein Jahr lang hat er auf der Straße gelebt, Platte gemacht, wie es heißt. Geschlafen hat er in dieser Zeit meist unter freiem Himmel, in den Eingängen von Geschäften oder in seinem Zelt. Notschlafstellen und Notunterkünfte hat er wie viele andere Obdachlose gemieden – nicht nur, weil sein Hund dort unerwünscht war. Der alte Luftschutzbunker an der Celler Straße, die erste Station des Stadtrundgangs, diente bis 2011 als Notschlafstelle. Hier „durften“ Obdachlose ein oder zwei Nächte übernachten. Von außen wirkt der Betonklotz in der Nähe des Bahnhofs dank bunter Graffitis fast wie ein


(Straßen-)Kunstwerk, drinnen herrschten dagegen katastrophale Verhältnisse. „Das Gebäude wurde abends abgeschlossen und erst morgens wieder aufgemacht“, erzählt Thomas. „Nachts blieben die Leute sich selbst überlassen – ohne Hilfe im Notfall.“ Das erlebte auch der Journalist Günter Wallraff: Als er

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im Winter 2009 eine Nacht „undercover“ als Obdachloser in dem fensterlosen Gebäude verbrachte, wurde er von einem Zimmergenossen bedroht. „Mein Gefühl als Angst zu beschreiben wäre untertrieben“, schreibt er in seinem Buch „Aus der schönen neuen Welt“. Sein vernichtendes Urteil: „Der Bunker in Hannover war mit Abstand

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der schlimmste Ort, den ich in dieser Zeit kennengelernt habe. … Unvorstellbar, dass man je auf die Idee gekommen ist, dort Menschen unterzubringen.“ Immerhin trug sein Bericht dazu bei, dass die Notschlafstelle geschlossen wurde.

Auch Kinder suchen Unterschlupf 54

Die neue Notschlafstelle für Männer liegt in der Wörthstraße. Kinder und Jugendliche unter 18 finden auch heute noch in der Celler Straße im „Bed by night“ ein Dach überm Kopf und Hilfe. Vor allem, wenn es Zeugnisse gibt, wird es in der Übernachtungseinrichtung manchmal eng, berichtet Stadtführer Thomas. Dann reißen nämlich besonders viele Kinder von zu Hause aus. Aber auch wenn alle Betten belegt sind, wird niemand abgewiesen. „Kein Kind wird nachts auf

der Straße stehen gelassen.“ Die Kinder, die hier Schutz suchen, werden immer jünger, erzählt er. Manche sind noch im Grundschulalter. Einige gehen nach einer Auszeit wieder nach Hause zurück, andere bleiben in Obhut des Jugendamts. Viele Menschen, die auf der Straße leben, sind süchtig – nach Alkohol, illegalen Drogen oder nach Medikamenten. Bei manchen hat die Sucht zum Abstieg beigetragen, andere werden erst süchtig, weil sie das Leben auf der Straße nur so ertragen. Für Obdachlose ist es besonders schwer, die Sucht zu überwinden. „Zwischen dem qualifizierten Entzug und der Langzeittherapie in einer Klinik vergehen oft mehrere Wochen. In dieser Zeit ist die Rückfallquote sehr hoch“, weiß Stadtführer Thomas. In der Clearingstation des Vereins Neues Land können Süchtige


die Zeit bis zur Langzeittherapie überbrücken – in einem eigenen Zimmer, in einer drogenfreien Umgebung. Ganz in der Nähe bietet die christliche Drogenhilfe zwei weitere Anlauf- und Beratungsstellen für süchtige und obdachlose Menschen: Im SOS-Bistro des Vereins in der Steintorfeldstraße gibt’s Essen und Getränke zum Selbstkostenpreis. Die Besucher können duschen, ihre Wäsche waschen und sich in der kleinen Kleiderkammer „neue“ gebrauchte wohnwerken.de_Ausgabe 05

Kleider besorgen. „Für neue Kleidung reicht das Geld nie“, weiß Thomas, obwohl er als Asphalt-Verkäufer und Stadtführer regelmäßig Geld dazuverdient.

Was tut die Stadt? Im Kontaktcafé Bauwagen ist der Name Programm: Unter der Raschplatzhochstraße wurde ein alter Bauwagen mit Container zu einem „Wohnzimmer für die Straße“ umfunktioniert: Hier können die Besucher aus-

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spannen, miteinander oder mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sprechen, sich beraten lassen oder bei einer Tasse Kaffee, Tee und Keksen einfach nur ausruhen. Nur ein paar Meter weiter, in der Passerelle, zwischen Raschplatz und Bahnhof, liegt der Kontaktladen Mecki. Der Tagestreffpunkt des Diakonischen Werkes Hannover ist Anlauf- und Beratungsstelle für „Personen in besonderen sozialen Schwierigkeiten

(§§ 67 ff. SGB XII)“, wie es im Amtsdeutsch heißt. „Es ist die erste und wichtigste Anlaufstelle in Hannover“, lobt Stadtführer Thomas. „Hier gibt es nicht nur Sanitäranlagen und morgens ein tolles Frühstück. Hier kann man sich aufwärmen oder Bekannte treffen. Und hier erfährt man, wo und welche Hilfen es gibt.“ Hilfsangebote gibt es einige – die Tafeln, Kleiderkammern, das Zahnmobil oder Tages­ treffs, meist von Vereinen


oder von kirchlichen Einrichtungen. „Die Stadt tut wenig, sie stiehlt sich aus der Verantwortung“, kritisiert er. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kontaktladens helfen u. a. bei der Wohnungssuche und bei Behördenangelegenheiten, zum Beispiel bei Anträgen auf Arbeitslosengeld II. Denn im Dschungel der Gesetze und Verordnungen kommen viele nicht allein zurecht. Aber auch bei persönlichen, seelischen oder gesundheitlichen Problemen gibt es im Kontaktladen Mecki Rat und Hilfe. „Viele obdachlose Menschen trauen sich nicht in normale Arztpraxen“, weiß Stadtführer Thomas. Ohne Krankenversicherung bekommen sie ohnehin nur die dringendste Notversorgung. wohnwerken.de_Ausgabe 05

Quo vadis? Die Passerelle zwischen Raschplatz und Bahnhof ist (noch) ein beliebter Treffpunkt für Menschen ohne (angemessene) Wohnung, die Kontakt zu anderen suchen. Doch sie sind hier – wie auch auf anderen Plätzen – nicht gerne gesehen. Manche Geschäftsinhaber und Passanten fühlen sich von ihnen belästigt. Deshalb soll künftig ein kommunaler Ordnungsdienst im ganzen Stadtgebiet für Ordnung sorgen – auch mit Platzverweisen. Stadtführer Thomas befürchtet, dass die Obdachlosen aus der Innenstadt vertrieben werden. „Hannover versucht, die Obdachlosigkeit zu verstecken“, kritisiert er. Daran, dass der geplante Trinkerraum mit dem wohl-

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klingenden Namen Dialog der große Wurf ist, zweifelt Stadtführer Thomas. „Es ist fraglich, ob er von der Szene angenommen wird.“ Vorerst für ein Jahr gibt es seit dem 1. September in der Lister Meile – nicht weit vom alten Treffpunkt entfernt – einen Trinkraum. Der Rückzugsort für Trinker ist täglich von 11 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Kaffee und andere nicht alkoholische Getränke gibt es dort gratis, Alkohol darf mitgebracht und getrunken werden – allerdings nur Bier und Wein, keine harten Sachen. Sozialarbeiter sollen die Besucher betreuen und beraten, ein Sicherheitsdienst auch hier für Ordnung sorgen. Eine Anlaufstelle für Drogenab-

hängige gibt es bereits. Im Café Connection direkt hinterm Bahnhof finden sie von montags bis freitags Rat und auch ganz praktische Hilfe. Hier gibt es Essen und Getränke, aber auch Kondome zum Selbstkostenpreis. Denn manche Abhängige verdienen ihr Geld durch Prostitution. Drogenabhängige können ihr Spritzbesteck im Café Connection entsorgen oder ein neues kaufen.

Drogenumschlagplatz Nr.1 Im Cafe Connection selbst sind Konsum, Handel und Weitergabe von Drogen verboten. Dafür ist der Platz davor Hannovers Drogenumschlagplatz Nr. 1 – „hier bekommt man alle


legalen und illegalen Drogen – keineswegs nur von zwielichtigen Dealern“, erklärt Thomas und erzählt die Geschichte von zwei alten Damen, die sich regelmäßig von ihren Hausärzten Beruhigungstabletten verschreiben lassen, um sie dann hier zu verkaufen und ihre Rente aufzubessern. Manchmal ist der Grad ganz schmal. O

TEILNAHMEMÖGLICHKEIT Das Asphalt Magazin organisiert regelmäßig – am letzten Freitag des Monats – soziale Stadtrundgänge durch Hannover. Anmeldungen sind möglich unter vertrieb@asphalt-magazin. de oder Tel: 0511 30126920. Gruppen können eigene Führungen buchen. Soziale Stadtführungen gibt es auch in anderen Städten, beispielsweise in Hamburg, Zürich und Basel. wohnwerken.de_Ausgabe 05

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ÜBER DIE AUTORIN Eva Walitzek-Schmidtko arbeitet seit 30 Jahren überwiegend freiberuflich als Journalistin, Pressereferentin und Autorin. In ihrem Blog „Time to fly“ berichtet sie über ihre Aktivitäten, Hobbys und ihre Lebensphilosophie. timetoflyblog. wordpress.com


Bild: yuryimaging, Gaj Rudolf – Fotolia.com

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NACHHALTIGES BAUEN – MEHR ALS EIN SCHLAGWORT Text: Felix Jansen

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Gesund und komfortabel wohnen, dabei bares Geld sparen und auch noch Gutes für die Umwelt tun: Was wie ein Werbe­ slogan klingt, ist nicht weniger als das, was eine nachhaltige Bauweise verspricht.

Bild: Roman Sakhno, Mopap – Fotolia.com

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Dass

es nicht beim Versprechen bleibt und dem Schlagwort „Nachhaltigkeit“ die notwendige Substanz verliehen wird, dafür setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, kurz DGNB, seit 10 Jahren aktiv ein.

Engagement für Nachhaltigkeit 64

Die Non-Profit-Organisation mit Sitz in Stuttgart, in der sich rund 1.200 Mitgliedsorganisationen aus allen Bereichen der Bau- und Immobilienbranche engagieren, hat dafür ein Zertifizierungssystem entwickelt, mit dem sich nachweislich nachhaltige Gebäude planen lassen. Rund 40 Kriterien umfasst die Zertifizierung, die alle auf ihre Weise einen Beitrag dazu leisten, dass die Gebäude nachhaltiger werden.

Die anfangs genannten Vorteile – gesund und komfortabel wohnen, Geld sparen und Gutes für die Umwelt tun – ergeben sich für die Eigentümer genauso


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Blick in die Geschäftsstelle des DGNB, die unter Nachhaltigkeitskriterien geplant und gebaut wurde und als „Living Showroom für Nachhaltiges Bauen“ genutzt wird. Bild: swencarlin.com

wie für die Gebäudenutzer. So sorgt eine ganze Reihe von Kriterien für das Wohlbefinden der Menschen, die sich im Gebäude aufhalten. Eine gute wohnwerken.de_Ausgabe 05

Innenraumluftqualität, ein hoher visueller Komfort mit viel Tageslichtanteil und thermischer Komfort in den kalten genauso wie in den


Kosten als Nachhaltigsfaktor warmen Jahreszeiten sind hierfür Beispiele. Barrierefreiheit und eine hohe Aufenthaltsqualität im Gebäude und Außenbereich zählen ebenso dazu.

Sensibler Umgang mit Materialien 66

Die ökologischen Mehrwerte, die ein nachhaltig geplantes und gebautes Gebäude bietet, beziehen sich nicht allein auf die Energieeffizienz. Eine umweltverträgliche Materialgewinnung, der Einsatz von Produkten mit einem geringen CO₂-Fußabdruck und der weitgehende Verzicht auf Schad- und Risikostoffe gehören ebenfalls zu den Merkmalen eines Gebäudes, das nach den Anforderungen der DGNB zertifiziert wurde.

Zu einer nachhaltigen Bauweise zählt auch die finanzielle Weitsicht. Schon in der frühen Planungsphase werden die Weichen dafür gestellt, welche Kosten dem Nutzer und den Betreibern eines Gebäudes in 5, 10 und 20 Jahren entstehen. Dabei geht es beispielsweise um Ausgaben für Reinigungs- und Instandhaltungsmaßnahmen, die mit der richtigen Material­ wahl langfristig gering gehalten werden können. Zudem sollten Gebäude im Sinne der Nachhaltigkeit so geplant sein, dass sie auch flexibel und ohne großen baulichen Aufwand umgebaut werden können. Im Wohnbereich lässt sich das ganz einfach nachvollziehen, wenn man überlegt, dass aus dem Paar die Familie mit Kindern wird, bevor diese schließ-


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Diese Bewertungsgrafik erhält der Bauherr nach der DGNB-Zertifizierung. Sie stellt dar, wie gut die einzelnen Kriterien bei einem Projekt erfßllt wurden. Bild: DGNB

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lich wieder ausziehen. Drei Lebensphasen mit drei unterschiedlichen Anforderungen an die eigenen vier Wände.

Im Vorfeld weichen stellen

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Übergeordnet bedeutet nachhaltig zu bauen, schon in einer früheren Planungsphase die richtigen Fachleute zusammenzubringen und informierte, wohlüberlegte Entscheidungen für das spezifische Gebäude zu treffen. Was das konkret für das einzelne Bauprojekt bedeutet, lässt sich nicht pauschal beantworten, da jedes Gebäude immer auch abhängig von dem individuellen Standort ist, an dem es errichtet wird. Zudem hängen die Anforderungen in puncto Nachhaltigkeit von der Nutzungsform des Gebäudes ab. So liegen die Schwerpunkte bei einem Kindergarten anders als bei einer Logistikhalle oder einem Bürohochhaus. Hierfür

hat die DGNB sogenannte Nutzungsprofile entwickelt. Eines davon widmet sich kleinen Wohngebäuden. Eine ganze Reihe von Fertighausherstellern nutzt dieses bereits und bietet ihren Kunden serienmäßig Einfamilienhäuser an, die unter Berücksichtigung der Kriterien der DGNB erstellt und entsprechend zertifiziert werden. Wer selbst die Planung und den Bau seines Eigenheims zertifizieren möchte, kann hierfür inzwischen auf erste Fördertöpfe von Bund und Ländern zurückgreifen. So bezuschusst die KfW zum Beispiel Kosten, die sich auf Leis­tungen im Rahmen einer DGNB-Zertifi­zierung beziehen, mit bis zu 4.000 Euro bei einer Förderquote von 50 Prozent. Fazit: Nachhaltiges Bauen kommt mehr und mehr in den Köpfen der Planer und Bauschaffenden an und ist praktisch umsetzbar – ob mit oder ohne unabhängige Prüfung in Form eines Zertifikats. O


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EN G I T L NACHHA Übergeordnet bedeutet nachhaltig zu bauen, schon in einer frühen Planungsphase die richtigen Fachleute zusammenzubringen und wohlüberlegte Entscheidungen für das Gebäude zu treffen.

Bild: DGNB

Über den Autor Felix Jansen verantwortet die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DGNB und leitet stellvertretend deren Mitglieder-Abteilung. Zuvor war der Kommunikationsund Medienwissenschaftler in zahlreichen Unternehmen und Organisationen für die Kommunikation verantwortlich, unter anderem für die internationale Start-up-Initiative CODE_n, die GFT Group, den Exzellenzcluster SimTech der Universität Stuttgart und die MFG Baden-Württemberg. F.Jansen@dgnb.de

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ZERO WASTE Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden bis 2050 mehr Plastikteile als Fische in unseren Weltmeeren schwimmen. Eine beängstigende Vorstellung, oder? Das dachten sich die Blogger Luise Rosemeier und Christoph Buckler auch, als sie anfingen, sich mit den Konsequenzen des (Plastik-) Mßlls auseinanderzusetzen. Text und Bilder: Luise Rosemeier und Christoph Buckler

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Bei

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der Be­ schäftigung mit unserem Müll im Allgemeinen und Plastikmüll im Besonderen entdeckten wir Beunruhigendes: Neben den relativ bekannten Folgen von achtlos weggeworfenem Müll für Umwelt und Tiere können auch wir ganz direkt von den Unmengen an Plastik in unse­ rem Leben betroffen sein. Weichmacher und andere toxische Stoffe können sich beispielsweise von Lebensmit­ telverpackungen lösen und so durch die Nahrungsaufnahme in unsere Körper gelangen. Dort können sie Allergien, Unfrucht­ barkeit und andere Krankheiten fördern. Nach dem ersten Schock schauten wir uns in unserer Wohnung um und mussten feststellen, dass – egal wohin das Auge auch fiel –, Plastik in unser Blickfeld rückte. Wir stan­

den morgens auf und steckten uns die Plastikzahnbürste in den Mund, danach seiften wir uns in der Dusche mit Dusch­ gel und Shampoo aus der Plas­ tikflasche ein. Dann gingen wir in die Küche und nahmen uns Toastbrot und Käse aus Plas­ tikverpackungen und gossen uns den Saft aus dem Tetra Pak ins Glas. Wesentlich mülloder plastikärmer ging der Tag selten weiter, ob es nun das belegte Brötchen vom Bäcker war, das schnell in der Papier­ tüte über den Tresen gereicht wurde oder der vermeintlich gesunde grüne Smoothie, der im To-go-Becher aus Plastik daherkam.

(Winziges) Problem: Mikroplastik Neben dem ganzen offensicht­ lichen Plastik in unserem Alltag stellten wir schnell fest, dass es ein noch viel größeres bzw. genau genommen kleineres


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Problem gibt: Mikroplastik. Diese tückischen kleinen Plas­ tikteilchen befinden sich bei­ spielsweise als Peelingkörper in Kosmetik, lösen sich beim Waschen von synthetischer Kleidung oder entstehen als Abrieb von Autoreifen und wer­ den so unbemerkt in unsere Gewässer gespült. Dort wer­ den sie entweder von Fischen und Seevögeln gefressen oder treiben viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte weiter im offenen Meer – so lange dauert es, bis Plastik abgebaut wird. Wir mussten also dringend etwas ändern! Auf der Suche nach Inspiration stießen wir schnell auf das Konzept „Zero Waste“. Von der Kalifornierin Bea Johnson ins Leben geru­ fen, geht es bei dieser Lebens­ weise nicht nur um Plastik- und Müllvermeidung, sondern auch ganz grundsätzlich um einen nachhaltigen Lebensstil. Um dieses Ziel zu erreichen, folgt man den sogenannten 5 R’s wohnwerken.de_Ausgabe 05

Refuse Reduce Reuse Recycle Rot Refuse, Reduce, Reuse, Recy­ cle und Rot. Im Detail bedeu­ tet das, Dinge abzulehnen, die man eigentlich nicht braucht. Dinge, die man braucht, auf das Wesentliche reduziert. Alte Dinge wiederverwendet oder repariert. Und was dann noch an Müll übrigbleibt, recy­ celt oder kompostiert. Mit der Befolgung dieser Regeln ist es uns gelungen, unseren Müll auf einen Bruchteil dessen zu reduzieren, was der deutsche Durchschnittshaushalt zusam­ menbekommt (das sind etwa 600 kg pro Person im Jahr).

Ein typischer Tag in unserem Leben Inzwischen sieht ein typischer Tag in unserem Leben nun so

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aus: Morgens nach dem Aufste­ hen geht es mit einem Stück Seife unter die Dusche, danach gibt es zum Frühstück Haferbrei aus unverpackt gekauften Zuta­ ten. Die Zähne putzen wir mit Bambuszahnbürsten und Zahn­ putztabletten. Für unterwegs haben wir eine Edelstahltrink­ flasche mit Leitungswasser, eine Brotdose mit belegten Broten und einen Stoffbeutel für Spon­ taneinkäufe dabei. Unseren Wochenendeinkauf erledigen wir auf dem Öko-Wochen­ markt, wo wir regionales und saisonales Obst und Gemüse, Brot und Milchprodukte unver­ packt oder im Pfandglas bekom­ men. Trockenware wie Nudeln, Reis oder Haferflocken kaufen wir im Unverpackt-Laden oder in einem der anderen Läden mit kleinem Unverpackt-Sorti­ ment. Hiervon gibt es mittler­

weile eine ganze Reihe in vielen deutschen Städten.

Auf das Wesent­ liche reduziert Bei Zero Waste geht es aber keinesfalls nur darum, Sachen unverpackt zu kaufen. Vielmehr sollte man ein­ fach mal Verzicht üben und nichts kaufen, dadurch lassen sich Ressourcen und Müll ein­ sparen. Denn wenn wir mal ganz ehrlich sind: Ist der monatliche Shoppingrausch beim Textil­ discounter wirklich notwendig oder besitzen wir nicht eigent­ lich schon genug Kleidungs­ stücke? Brauchen wir wirklich fünf verschiedene Cremes für diverse Anwendungen oder tut es nicht auch eine? Diese Art von Fragen kann man sich für fast alle Lebens­ bereiche stellen. Unsere Ant­ wort darauf war eine Redu­ zierung auf das, was wirklich wichtig und notwendig ist.


Brauchen wir wirklich fĂźnf verschiedene Cremes?

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So sparen wir Geld und gewinnen Zeit – Ressourcen, die wir in andere Dinge investieren können. Unsere Urlaube beginnen wir seitdem nicht mehr mit einem Flug, der in 2 Stunden den halben Kon­ tinent überwindet und dabei etliche Tonnen CO₂ in die Luft

bläst, sondern nehmen uns die Zeit, um im Zug von Nord nach Süd zu kommen. Nachhaltigkeit und ein öko­ logisches Bewusstsein waren uns nie fremd und Teil unseres Alltags. Aber erst seitdem wir das Konzept Zero Waste für uns entdeckt haben, haben wir


Bild: Rosemeier/Buckler

Über die Autoren

das Gefühl, in allen Bereichen unseres Lebens nachhaltiger zu handeln – zu mindestens so gut, wie es uns eben möglich ist. Und so sind unsere inneren Werte das erste Mal tatsäch­ lich in Einklang mit unseren Handlungen – und das ist ein verdammt gutes Gefühl! O wohnwerken.de_Ausgabe 05

Christoph Buckler und Luise Rosemeier richten ihr Leben seit Anfang 2016 nach dem Prinzip Zero Waste aus. Ihre Erfahrungen teilen die beiden Hamburger auf ihrem Blog Trashless Society, auf dem sie praktische Tipps zur Müllvermeidung im Alltag sowie Rezepte für selbstgemachte Hausmittel, Kosmetik und Co. veröffentlichen. www.facebook.com/ trashlesssociety/ www.instagram.com/ trashlesssociety/

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Bild: maram, Drobot Dean– Fotolia.com


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lesezeit 4 min Bilder: alphaspirit, veneratio – Fotolia.com


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DIE MAGIE DES LEBENS KEHRT IN UNSERE HÄUSER ZURÜCK

Text und Bilder: Stephan Josef Glaser

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Unsere Lebensräume sind magisch, doch leider haben sie im Laufe der Zeit diese Magie verloren. Blogger und Dozent Stephan Josef Glaser nimmt die geomantische Herausforderung an, diese verschollene Magie des Lebens wiederzufinden und in unseren Räumen neu zum Leben zu erwecken. wohnwerken.de_Ausgabe 05


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WIR leben in einer Welt, in

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der es immer schwerer wird, einen Ort zu finden, an dem wir uns wohlfühlen können. Das ist kein Wunder, denn unsere Lebensräume schwingen durch die Hochtechnisierung immer höher und schneller. So macht uns nicht nur unser Leben immer mehr Druck, sondern auch unser Wohnraum, der uns mit gesundheitsbelastenden Schwingungen Lebensenergie entzieht.

WLAN und Co. Unsere Räume – und damit wir selbst – sind durch unsere

moderne Lebensweise im Dauerstress. Die Strahlungen von Handy, Mobilfunkmast, WLAN und Co. setzen uns zu. Hinzu kommen Umweltgifte, Radioaktivität, Erdstrahlen und zeitgeschichtliche Belastungen, die uns mit ihren feinen und doch miesen Schwingungen in jeder Sekunde belasten. Unsere Welt fühlt sich hektischer und belastender an. Sogar die Zeit hat einen ganz anderen Rhythmus bekommen, alles ist viel schnelllebiger als früher. Was daran liegt, dass auch unsere Erde ihre Grundschwingungen verändert hat; sie schwingt höher als noch vor zwanzig Jahren. Diese Veränderung macht


unsere körperlichen und geistigen Empfindungen wacher und empfänglicher für alles, was sich in uns und unseren Lebensräumen verändert.

Die Erde steht unter Druck Diese Entwicklung setzt auch Mutter Erde unter einen massiven emotionalen Druck. Alles, was im Laufe der vergangenen Jahrhunderte auf unserem Planeten geschehen ist und weiter geschieht, ist als historische Belastung abgespeichert – ähnlich wie in einem Computer. Unser neues Jahrtausend läutet eine drastische Veränderung für Erde, Mensch und Lebensraum ein. Von uns und

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Im Mittelpunkt: Schon der Hauseingang soll den Bewohnern gefallen und sie zum Eintreten einladen.

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Richte Deine Wohnung mit Bildern, Pflanzen und Gegenständen ein, die Dir am Herzen liegen.


Einfluss auf das Wohlergehen Wenn wir schlafen, wirken Umwelteinflüsse in besonderer Weise auf uns ein, da unser Körper und dessen fein-

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unserem Leben wird gefordert, dass wir uns überdurchschnittlich schnell entwickeln. Diese höhere Schwingung bringt das in Bewegung, was sich im Laufe der Zeit auf unserer Erde angesammelt hat. Das spüren wir auch auf kleinstem Lebensraum, in unseren Wohnungen. Hier wirken die negativen Energien der Geschichte zusammen mit Belastungen aus Erdstrahlen, Elektrosmog, Radioaktivität und Umweltgiften jede Sekunde auf uns. Wir brauchen Raum für Rückzug und Erholung.

EN T S S U BEW schwingendes Energiesystem auf Regeneration im Zusammenwirken mit dem Erdmagnetfeld eingestellt ist. Das hat einen extremen Einfluss auf unser Wohlergehen und unsere Gesundheit. Immer häufiger sind die Einflüsse in unseren Räumen kontraproduktiv und belastend. Unser Körper versteht es, sich wie von Zauberhand immer wieder zu regenerieren und zu erneuern. Steht dieser Magie nichts im Wege, so verleiht sie uns ein Leben in Wohlgefühl und Gesundheit. Ist die Magie in unseren Lebensräumen und damit in unserem Körper blockiert, kann sie uns nur schwerlich mit feinschwingender Lebensenergie versorgen. Damit uns diese Magie auch weiterhin gute Dienste leisten

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EN T S S U BEW kann, bedarf es unserer eigenen Verantwortung. Wir sollten deshalb diese Magie in unserem Leben und unseren Lebensräumen fördern.

Körperlicher Leidensdruck 88

Aus der Quantenphysik wissen wir, dass alles was auf unserem Planeten existiert, zu 99,99 % von feinschwingenden Energien und Informationen durchzogen ist. Was heißt das nun für unsere Lebensräume und unser Wohlergehen? Sind diese feinen Schwingungen negativ, so wird unser Körper auf Dauer

in Mitleidenschaft gezogen. Dieser Leidensdruck kann die Entwicklung einer Krankheit maßgeblich unterstützen.

Symptome

Woran merken wir konkret, dass ein Haus und die darin wohnenden Menschen der geomantischen Heilung bedürfen? Typische Symptome sind ständige Überreiztheit, Nervosität, Konzentrationsschwäche oder Hyperaktivität. Überängstlichkeit, Untergangsstimmung und depressive Grundhaltung. Auch können vermehrt (chronische) Krankheiten auftreten. Nach einer Krankheit oder Operation bleibt die Erholung und Selbstheilung aus. Oder die Behandlung von Beschwer-


den, wie Rheuma, Allergien, Kopfschmerzen, Rückenleiden, Herzkreislaufproblemen, Immunschwäche, Schlafstörungen usw. bleibt erfolglos. Bewohner fühlen sich in bestimmten Räumen oder an Orten im Haus unwohl. Auch Lebensmittel können überdurchschnittlich schnell vergammeln. Und vor allem: Es will keine Ruhe und Harmonie in die Familie einziehen.

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Abhilfe durch Raumheilung Die Raumheilung der Sinn/ Geomantie schafft Abhilfe, indem diese Belastungen auf der feinschwingenden Ebene verwandelt werden. Schon aus der Homöopathie wissen wir, dass feinschwingende Energien

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Treppenhaus und Flur: Gestalte mit Bedacht und schaffe Freiraum!


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EN T S S U BEW unsere Selbstheilungskräfte und Gesundheit positiv beeinflussen können. Sind wir nun in der Lage, die Energien, die in Mobilfunkstrahlen, Erdstrahlen, Radioaktivität, unzähligen Umweltgiften und geschichtlichen Belastungen vorhanden sind, von ihrer negativen 90

Begegnungen mit offenem Herzen.

und krankheitsfördernden Wirkung in eine positive und gesundheitsunterstützenden Wirkung zu verwandeln, dann löst sich das Schreckgespenst der schädlichen Belastungen in Wohlgefallen auf.

Was kann der Bewohner tun? Wir benötigen in unserem Zuhause Freiraum zum Leben.


Deshalb gilt, dass wir unseren Lebensraum nur mit Bildern, Pflanzen und Gegenständen gestalten, die uns am Herzen liegen und somit einen Ehrenplatz verdient haben. Alles was aus Verpflichtung oder übertriebener Sammelleidenschaft unseren Lebensraum belastet, darf mit Bedacht aussortiert werden. Der Umgang mit elektronischen Geräten, wie Handy, Computer und Co., im Besonderen in unseren Schlafräumen, muss verantwortungsvoll geschehen. Unser Organismus braucht im Schlaf eine Erholungspause. Aus diesem Grund sollte das Schlafzimmer beim Zubettgehen frei von elektronischen Geräten sein oder der Netzstecker gezogen werden. Für Handys gilt, ausschalten oder sie so weit wie möglich vom Körper, besonders von Herz und Kopf, weglegen.  O

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Bild: Stephan Josef Glaser

Über den Autor Stephan Josef Glaser ist Sinn/MeisterGeomant & Sinn/MeisterGefühlsCoach. Er leitet zusammen mit seiner Frau Sabine die Sinn/ Seelenintelligenz Akademie. Sein Augenmerk liegt seit zwanzig Jahren im Erforschen von Lebensraum und Leben. Seine Erkenntnisse zur Verwandlung und Entwicklung von Lebensraum und Leben gibt er in seinen Seminaren, Coachings und Raumheilungen weiter. www. sinn-seelenintelligenz.com

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BURN-OUT:

Modeerscheinung oder ernstzunehmende Erkrankung? Buchautorin Dr. med. Mirriam Prieß, anerkannte Expertin in Sachen Burn-out, spricht mit wohnWERKen über Ursachen, Symptome und Heilungsmöglichkeiten. Das Interview führte Jutta Junge. lesezeit 6 min Bild: Andrzej Wilusz – Fotolia.com

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Burn-out entsteht gerade durch zu viel Zusammenreißen.

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Gibt es überhaupt die Krankheit Burn-out? Wenn Sie nach dem ICD10 gehen, nach dem die Ärzte diagnostizieren, gibt es in diesem Sinne keine Diagnose Burnout, wohl aber die Erschöpfungsdepression. Am Ende ist Burn-out nichts anderes als dies. Jeder der ein Burn-out hat, ist auch depressiv, allerdings ist nicht jeder, der depressiv ist, auch so erschöpft. Auch wenn die Diagnose Burnout nicht existiert, so ist es ein ernstzunehmender Zustand,

der von Betroffenen und ihrem Umfeld ernstgenommen werden sollte. Burn-out ist am Ende ein Begriff für ein „Sammelsurium“ von körperlichen und psychischen Symptomen.

’’

Ein weiteres Vorurteil: Die Betroffenen seien einfach zu empfindlich und sollten sich doch bitte zusammenreißen. Ist das so? Nein, dem ist nicht so – Burn­ out entsteht gerade durch „zu viel“ Zusammenreißen. Es sind


die Leistungsträger unserer Gesellschaft, die ausbrennen. Das sind Menschen, die sich über den Superlativ definieren, die nach dem Prinzip „höher – schneller – weiter“ handeln, die nach dem Prinzip leben „Erst kommen alle anderen an die Reihe und dann ich.“ und darüber weit über ihre eigenen Grenzen gehen. Sie können davon ausgehen, dass diejenigen, die durch die Flure laufen und erzählen, sie hätten ein Burn-out, mit Sicherheit kein Burn-out haben. Sie mögen ein Problem haben, aber kein Burn-out. Diejenigen, die tatsächlich betroffen sind, halten bis zum bitteren Ende die Fassade aufrecht – so lange, bis gar nichts mehr geht und sie dann erschöpft zusammenbrechen, meist zur Verwunderung der Umwelt und auch ihrer selbst. Denn wer sich erschöpft, der verbirgt auch vor sich selbst, wie wohnwerken.de_Ausgabe 05

es ihm geht. Er wertet eigene Grenzen als Schwäche.

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Wird viel Stress automatisch zum Burn-out? Das kommt darauf an, wie Sie Stress definieren. Viele verstehen Stress durch Überforderung, durch zu viel Arbeit. Tatsächlich ist die Ursache von Burn-out jedoch eine ganz andere. Jeder, der ausbrennt, befindet sich in konfliktreichen Beziehungen oder er hat bereits keine sozialen Kontakte mehr. Und jeder der Betroffenen hat die Beziehung zu sich selbst verloren. Es ist der Aspekt der Beziehung, der entscheidend für die Entstehung eines Burn-outs ist. Das wird häufig übersehen. Hierbei ist die Beziehung zu sich selbst ein zentraler Punkt. Viele der Betroffenen erschöpfen sich, weil sie keine Beziehung mehr zu sich haben. Sie leben nach einer Vorstellung, wie man zu sein hat – aber sie

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selbst fehlen in ihrem Leben. Wer die Beziehung zu sich verloren hat, der kennt nicht mehr sein Maß und damit auch nicht seine Grenzen.

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Gibt es den „typischen“ Burn-out-Kranken? Ja, den gibt es. Ich hatte den Aspekt der Beziehung als grundlegenden Aspekt für Gesundheit oder Erschöpfung beschrieben. Es erschöpfen sich diejenigen, denen „Beziehung“ schwerfällt. Grundlage für gute Beziehung ist die Fähigkeit zum Dialog. Das wird sich auf den ersten Blick vielleicht merkwürdig anhören – wenn man jedoch erkennt, was dahintersteht, dann hat man den Schlüssel für die eigene Heilung in der Hand. Der Dialog ist mehr als eine Kommunikationsform, er ist eine Haltung sich selbst, dem Leben und seinem Umfeld gegenüber.

’’

Wie erkenne ich, dass ich auf einen Burn-out zusteuere? Ein Burn-out entsteht niemals über Nacht, sondern über lange Zeit. Es gibt vier Phasen, in denen er sich entwickelt: o Alarmphase, o Widerstandsphase, o Erschöpfungsphase und o Rückzug. In diesen Phasen gibt es unterschiedliche Symptome auf den vier entscheidenden Ebenen, auf denen wir uns bewegen: o Körperebene, o emotionale Ebene, o gedankliche und o Verhaltensebene. Mit jeder weiterer Phase nehmen die Symptome zu, verstärken und chronifizieren sich. Es beginnt mit leichter Unruhe, irgendwann kommt Gereiztheit dazu, man fühlt sich wie ein Tiger im Käfig, ist entweder aggressiv oder hat nah am Wasser gebaut. Man kann nicht mehr abschalten,


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Konzentrationsschwierigkeiten treten auf. Man hat das Gefühl „mir wird alles zu viel“, selbst alltägliche Dinge scheinen unbewältbar. Man beginnt, sich sozial zurückzuziehen und leidet unter Selbstzweifeln. Herz-Kreislauf-Symptome, Tinnitus, Magenbeschwerden – all dies sind nur einige Symptome auf dem Weg in ein Burnout. Wichtig ist, dass man auf die ersten Symptom reagiert. Wenn man das tut, ist ein Burnout absolut vorbeugbar. Je länger man jedoch wartet, umso schwieriger und langwieriger ist der Weg daraus. Die meisten ignorieren die Symptome über eine lange Zeit. Zum Teil ist dies erschreckend: Ich denke an einen Mann, der sechs Jahre lang nur drei bis vier Stunden pro Nacht geschlafen hat, oder an eine Frau, die unter permanenten Kopf- und Rückenschmerzen litt bis hin zu einem Bandscheibenvorfall. Am Ende

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Burn-outBetroffene halten bis zum bitteren Ende die Fassade aufrecht – so lange, bis gar nichts mehr geht und sie dann erschöpft zusammenbrechen.

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Wenn wir uns in uns selbst zu Hause fühlen und unsere Kraft aus unserem eigenen Wesen schöpfen, dann können wir auch im Außen erfüllte Beziehung leben.

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geht gar nichts mehr. „Selbst die Fernbedienung für den Fernseher in die Hand zu nehmen“, sagte ein Betroffener, „war schon zu viel.“

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Was sollte ich dann tun? Kann ich mich selbst therapieren? Wenn wir uns daran erinnern, dass der Beziehungsaspekt entscheidend beim Thema Burn­ out ist, haben wir den Punkt, an dem es für uns anzusetzen gilt: unsere Beziehungen – und zwar unsere beruflichen und privaten Beziehungen und vor allem die Beziehung zu uns selbst.

Eine erste Bestandsaufnahme kann dabei das „Käfermodell“ bieten: Es stellt die sechs entscheidenden Bereiche des Lebens dar: Beruf, Partnerschaft/Familie, soziale Kontakte, Hobbys/Individualität, Glaube/Spiritualität und Gesundheit. Es gilt sich zu fragen: Wo stehe ich in diesen Bereichen? Befinde ich mich im inneren und äußeren Dialog? Das heißt, sind diese Bereiche von gelingender Beziehung geprägt, fühle ich mich dort zu Hause und kann sagen: „Ja, das bin ich.“?


’’

Angehörige und Freunde des Betroffenen werden mit der Krankheit konfrontiert. Wie können sie helfen? Und wie sollten sie sich verhalten, damit sie nicht auch (seelischen) Schaden nehmen? Sie sollten über die Ursache informiert sein, das heißt, sie sollten wissen, das Burn-out

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Diejenigen, die ausbrennen, haben nur noch ganz wenige der Bereiche ausgebildet, befinden sich in den meisten Bereichen im inneren bzw. äußeren Konflikt oder funktionieren nur noch, anstatt tatsächlich zu leben. Ihr Leben ist von Kampf und Widerstand geprägt. Heilung und Prävention bedeutet also dafür zu sorgen, in diesen Bereichen in guter innerer und äußerer Beziehung zu sein und sich im inneren und äußeren Gleichgewicht zu befinden.

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überall dort entsteht, wo der (innere und äußere) Dialog verloren gegangen ist. Auf dieser Grundlage gilt es zu schauen, inwieweit sie für einen Dialog in der Beziehung zu dem Betroffenen sorgen können, anstatt ihn zu verhindern. Es gibt fünf Voraussetzungen für den Dialog – Interesse, Offenheit, Empathie, Augenhöhe, Respekt und Wertschätzung – auf dieser Grundlage sollte dem Betroffenen begegnet werden. Wichtig ist vor allem, die Augenhöhe zu halten und zwar auch sich selbst gegenüber. Das heißt: Begehen Sie nicht

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den Irrtum zu meinen, Sie können Ihren Partner heilen, dass kann nur er selbst und zwar indem er für sich klärt und löst, wo er den Dialog verloren hat und den Dialog zu sich selbst wiederaufnimmt. Dabei können Sie ihn unterstützen – aber immer in Anerkennung der eigenen Grenzen. Viele Angehörige erschöpfen sich selbst in vergeblichen Heilungsversuchen. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Partnerin/Ihr Partner auf dem Weg in ein Burnout ist, dies aber verleugnet, was sehr häufig der Fall ist, dann können Sie ihr/ihm helfen, indem Sie sie/ihn deutlich mit Ihrem Eindruck konfrontieren und sich nicht beirren lassen, wenn dies verleugnet wird. Bleiben Sie bei Ihrem Eindruck und verbinden es mit der Frage: „Hast Du Dich schon einmal gefragt, was geschieht, wenn Du so weitermachst?“

’’

Bitte geben Sie abschließend doch eine Empfehlung, wie jeder von uns mit sich umgehen sollte. Leben ist Beziehung. Wir stehen ständig in Beziehung – mit unserem Umfeld, mit dem Leben und mit uns selbst. Grundlage für Gesundheit ist gelingende Beziehung – dies sollten wir uns bewusst machen und an dieser Grundlage arbeiten. Die Beziehung zu uns selbst ist dabei Dreh- und Angelpunkt – nicht im Sinne einer egozentrischen Selbstumkreisung – sondern im Sinne eines gesunden Bewusstseins über uns selbst, einer selbstverständlichen Selbstfürsorge und Annahme. Wenn wir uns in uns selbst zu Hause fühlen und unsere Kraft aus unserem eigenen Wesen schöpfen, dann können wir auch im Außen erfüllte Beziehung leben, mit der Fähigkeit an der richtigen Stelle „Ja“ und an der richtigen Stelle „Nein“ zu sagen.  O


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EN T S S U BEW Bild: Mirriam Prieß

Gewinnspiel Sie interessieren sich für das Thema Burn-out, sind Betroffene(r) oder kennen jemand in dieser Situation? Dann sollten Sie an unserem Gewinnspiel teilnehmen. Sie können eins von drei Büchern von Dr. Mirriam Prieß gewinnen: „Burnout kommt nicht nur vom Stress“. Wie? Auf Facebook nachschauen, da gibt es mehr zum Thema. Und jetzt viel Glück!

Über die Expertin Dr. med. Mirriam Prieß, Jahrgang 1972, hat an der Universität Hamburg Medizin mit anschließender Promotion im Fachbereich Psychosomatik studiert. Sie war als Ärztin und Psychotherapeutin in einer Fachklinik mit den Behandlungsschwerpunkten Ängste, Depressionen und Burn-out tätig. Seit 2005 beratende Tätigkeit in der Wirtschaft mit Einzelcoaching im Bereich Konflikt- und Stressmanagement, Schulungen, Vorträge im Bereich Gesundheitsmanagement und Prävention mit dem Schwerpunkt Burn-out. www.mirriampriess.de

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Auf die Matte! 103

In der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre machen rund 2,71 Millionen Personen in ihrer Freizeit häufig Yoga. Das ergab eine Umfrage von statista 2016 und 2017. Was zieht Menschen an, diese indische philosophische Lehre zu praktizieren? Yogalehrerin Yvonne Riethmüller erklärt die Faszination. Text und Bilder: Yvonne Riethmüller Zurück zum INHALT wohnwerken.de_Ausgabe 05

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Yoga ist in aller Munde, Prominente wie Sting, Lady Gaga oder Madonna sind nach Yoga ebenso verrückt wie viele andere.

Deshalb die Frage: Was ist Yoga überhaupt? Yoga ist das, was Du daraus machst. Für die einen eine sportliche Betätigung, für andere ein Übungsweg auf mehreren Ebenen. Und beides ist gut. Auf


Am 1. Dezember 2016 wurde Yoga als Immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt.

und Ausgeglichenheit. Dies ist aber nur ein kleiner Teil. Yoga bedeutet auch eine Lebenseinstellung, wie einen liebevollen Umgang mit sich selbst und der Umwelt.

der Matte praktizieren wir im Hatha-Yoga Asanas (Körperhaltungen) und Pranayama (Atemübungen). Diese Übungen bringen uns mehr Gesundheit, Ruhe wohnwerken.de_Ausgabe 05

Wie bist Du zum Yoga gekommen? Ich habe Sportwissenschaft studiert und lange Jahre im Fitnessbereich unterrichtet. Zu meinen Leidenschaften gehörte das Joggen bis hin zu Marathonläufen. Laufen bedeutete für mich abschalten. Auf-

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grund einer Sportverletzung musste ich das Laufen aufgeben. Wie es im Leben so spielt, wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere (davon bin ich überzeugt!). So bin ich zum Yoga gekommen. Die Leidenschaft zum Yoga hat mich gepackt und es folgten einige Ausbildungen. Mit meiner Ausbildung im Anusara-Yoga bei Lalla und Vilas habe ich nun ein modernes Yoga gefunden, das die Prinzipien der Biomechanik und der Bioenergetik berücksichtigt und gleichzeitig mein Herz berührt. Es gibt so viele verschiedene Yogastile, die sich aus dem Hatha-Yoga entwickelt und zum Glück auch verändert haben, denn auch Yoga muss sich an unseren Lebensbedingungen anpassen. Dennoch verfolgen alle das Ziel, Körper, Seele und Geist miteinander zu verbinden. In Balance zu leben und glücklich zu sein.

Es gibt verschiedene Yogarichtungen ... … sogar sehr viele unterschiedliche Arten. Wir legen hier den Schwerpunkt auf die Bewegung, denn Bewegung ist wichtig und gut für Körper und Seele, lehren Hatha-Yoga und Iyengar-Yoga, eine Yogarichtung, die dem Hatha-Yoga zugerechnet wird. Yoga hat aber auch viel mit dem Herzen zu tun. Deshalb wählt man für sich ein Herzensthema, für das man brennt und das den Geist bestimmt. Dieses Herzensthema begleitet einen und trägt durch die Meditation. Wie wirkt Yoga, was bewirkt Yoga? Wir praktizieren Yoga von innen nach außen, also wirkt es auch auf diesem Weg. Im Yoga gehen wir von 5 Körperhüllen aus. Man kann diese gut mit einer Blume vergleichen. Außen die Blütenblätter und


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nach innen wird es immer feinstofflicher bis zum Kern. Der äußere Körper sind unsere Muskeln, Sehnen, der Bewegungsapparat etc. Und wir haben demzufolge 4 innere Körper. Es lohnt sich, sich mit diesen auseinanderzusetzen. Unser Kern ist die „Glückseligkeit“. Anders beschrieben wirkt Yoga auf unseren Körper, unsere Seele und unseren Geist. Wenn diese drei gut miteinander harmonieren, sind wir bei uns

EN T S S U BEW angekommen, in unserem Körper zu Hause. Leider funktioniert es nicht immer so, aber im Yoga lernen wir, unser eigener Beobachter zu sein, ohne Bewertung, ohne Urteil, ohne Ziel. Ein Weg, mit uns selbst Freundschaft zu schließen. Aber glaub nicht, dass dies einfach ist. Da kann es manchmal ganz schön krachen!

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Für wen ist Yoga geeignet? Yoga ist für alle geeignet, für alt und jung, männlich und weiblich, für jeden. Man muss auch kein guter Sportler sein, um damit anzufangen.

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Oftmals ist beim Yoga die Rede vom „Schlüssel zum Glück“. Was hat es damit auf sich? Der „Schlüssel zum Glück“ ist in uns. Nur kann und soll man nicht danach suchen, dann

finden wir ihn nicht. Wichtig ist, innezuhalten, sich selbst anzuschauen, zu verweilen, nichts zu erzwingen – und schon gar nicht schnell. Dann entstehen diese „Glücksmomente“, die wir erfahren und diese sollten wir uns auch bewusst machen. Ein schönes Herzensthema übrigens, diese „Glücksmomente“. Wie kann ich bewusster mit mir umgehen? Indem Du Dich fragst, was du am Tag gibst und was Du am

Gewinnspiel Sie haben sich vorgenommen, mehr für sich zu tun und wollen Yoga machen? Mit Yoga-Zubehör können Sie den Einstieg wagen. wohnWERKen und Yogalehrerin Yvonne Riethmüller verlosen drei Yoga-Zube-

hör-Sets, jeweils bestehend aus einem Yogablock aus Naturkork, einer komfortablen Yogamatte und einem klassischem Yogagurt. Schnell auf Facebook und Instagram nachschauen. Viel Glück!


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Tag nimmst. Mit dem Geben haben wir wohl alle keine Probleme, wie ist es aber mit dem Nehmen? Nimm Dir jeden Tag Zeit für DICH, halte inne, geh an der frischen Luft spazieren und atme tief und bewusst. Es gibt so viele Möglichkeiten sich eine Auszeit zu nehmen. Vielleicht ist es auch eine halbe Stunde Yoga.  O

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Über die Expertin Yvonne Riethmüller ist Dipl.- Sportwissenschaftlerin und suchte vor einigen Jahren eine Alternative zum Marathonlauf. Die fand sie im Yoga: „Im Yoga habe ich etwas gefunden das mehr ist. Mehr als ein Workout, mehr als eine Entspannung. Yoga ist spannend und so facettenreich. Dies zu erleben und an andere weiterzugeben macht mich unheimlich glücklich. Meinen persönlichen Stil nenne ich einfach nur Yoga!“ www.yoga-hof.de | www.facebook.com/yogahof wohnwerken.de_Ausgabe 05

Bild: Yvonne Riethmüller


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Sanfte Hilfe für die Seele

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Bild: Aleksandar Mijatovic – Fotolia.com

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In einem gut gefüllten Saal holt ein Hypnotiseur jemanden aus dem Publikum auf die Bühne und dieser „Freiwillige“ macht sich unter Hypnose zum Affen: verrät seine Kreditkartennummer, isst Papier, grunzt wie ein Schwein ... Vorurteil oder Wirklichkeit, wenn es um Hypnose geht? Das Interview mit Expertin Kerstin Tantow führte Jutta Junge. Zurück zum INHALT wohnwerken.de_Ausgabe 05

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wohnWERKen hat mit Kerstin Tantow, Heilpraktikerin für Psychotherapie und ausge­ bildet in medizinischer Hyp­ nose, über Sinn und Nutzen von Hypnose gesprochen.

Ist diese Showhypnose eigentlich „richtige“ Hypnose?

Zunächst einmal sind das gute Hypnotiseure, die so etwas machen. Allerdings hat das mit medizinischer Hypnose rein gar nichts zu tun. Durch diese Art der Manipulation hat die Hypnose einen schlechten Ruf bekommen. Menschen zu bla­ mieren, hat nichts mit unserer

Art der Arbeit zu tun. Wir, also diejenigen, die in medizinischer Hypnose seriös ausgebildet sind, wollen unsere Patienten positiv beeinflussen und die Ziele des Patienten erreichen, die vorher abgesprochen sind.

Und welche Ziele sind das?

Das wird uns vom Patienten vor­ gegeben. Beispielsweise möchte jemand endlich aufhören zu rau­ chen und hat es bis jetzt einfach nicht geschafft. Oder abneh­ men. Ein anderer hat eine Spin­ nenphobie oder Flugangst. Wie­ der jemand anderes hat Schlafstörungen und liegt


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Sie verlieren zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle. nachts lange wach. Auch leichte depressive Verstimmungen las­ sen sich lösen. Oder Stress abbauen. Das sind nur einige Anwendungen, bei denen medi­ zinische Hypnose gute Ergeb­ nisse erzielen kann. Vorausset­ zung: Der Patient muss wirklich wollen. Halbherzige Versuche, sich beispielsweise das Rauchen abzugewöhnen oder sein Gewicht zu reduzieren, führen nicht zum Erfolg. Der Patient muss sich einlassen.

Eine grundsätzliche Frage: Was ist denn Hypnose im eigentlichen Sinn? wohnwerken.de_Ausgabe 05

Hypnose ist ein natürlicher Zustand, eine Phase der erhöh­ ten Konzentration. Diese Gemütslage ist uns vertraut, aber nicht bewusst. Wir fallen mehrmals täglich in eine soge­ nannte Alltagstrance, zum Bei­ spiel beim Autofahren. Manch­ mal weiß man nicht mehr, wie man zum Zielort gekommen ist. Oder am Computer und beim Lesen … Die Trance begegnet beim morgendlichen Aufwa­ chen oder vor dem Einschlafen am Abend und ist genau der Moment zwischen Wachsein und Schlafen. Diesen Entspan­ nungszustand nutzen wir posi­ tiv in der Hypnose.

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N E T S S BEWU Und wie wirkt Hypnose?

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Zum einen regressiv: Mit Hyp­ nose kehren wir zum Ursprung des Problems zurück und das Unterbewusstsein löst die Situ­ ation auf. Beispielsweise bei der Rauchentwöhnung: Wir erinnern uns an die erste Ziga­ rette und sagen dem Jugend­ lichen von damals in uns, dass er die gar nicht braucht. Zum anderen progressiv: Dabei visualisieren wir den Idealzu­ stand. Das kann bei einer ange­ strebten Gewichtsreduktion der Gedanke sein, wie toll man in einem schicken, figurbeton­ ten Kleid aussieht. Dabei fühlt sich die Patientin richtig in die Situation hinein, dreht sich vor dem Spiegel, genießt den eigenen Anblick … Das Unter­ bewusstsein ist dann so ziel­ orientiert, dass das Abnehmen gar nicht mehr schwer fällt.

Liefere ich mich bei einer Hypnosesitzung aus? Und gebe ich Dinge von mir preis, die ich gar nicht jemandem anderen anvertrauen möchte?

Nein, Sie verlieren zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle, son­ dern hören und erleben alles mit. Ihr Unterbewusstsein wacht darüber, dass es Ihnen gut geht. Zweck der medizini­ schen Hypnose ist in jedem Fall das Wohlergehen des Patien­ ten. Deshalb nimmt sich der The­ rapeut im Idealfall auch sehr viel Zeit für ein Vorgespräch und für die Anamnese.

Haben Sie für unsere Leserinnen und Leser noch einen Tipp, wie sie mit sich selbst bewuss-


Nehmen Sie sich immer wie­ der Zeit zum Entspannen. Ent­ schleunigen Sie Ihren Alltag. Atmen Sie öfter mal tief durch, schließen Sie Ihre Augen und begeben Sie sich gedanklich an Ihren Lieblingsplatz, um Ener­ gie zu tanken und zur Ruhe zu kommen. Das geht fast überall! Aber bitte nicht in Situationen, in denen Ihre volle Aufmerk­ samkeit gefordert ist (z. B. im Auto)! O

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Bild: Kerstin Tantow

ter und gelassener im Alltag umgehen können?

Über die Expertin Kerstin Tantow, 38, ist u. a. Heilpraktikerin für Psychotherapie und ausgebildet in medizinischer Hypnose (zertifiziert von der Hypnose­akademie Göttingen/Hannover) sowie Reikimeisterin/-lehrerin (nach Dr. Mikao Usui). Seit Juli 2011 therapiert sie in einer eigenen Praxis. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. www.facebook.com/ rauchstopppraxis/

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Bild: Andrzej Tokarski, bzanchi, Stefan Andronache – Fotolia.com


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HENNE RETTET BRUDER Deutsche Bio-Bauernhöfe engagieren sich jetzt gegen den nutzlosen Küken-Tod im Reißwolf. Wie das funktioniert, erzählt ein Landwirt 119 aus Schleswig-Holstein. Auf dem Weg zu einer ethisch nachhaltigen Geflügelzucht.

Text: Anna Engberg lesezeit 5 min Bild: Anna Engberg

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Bild: Christian Petersen

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ist ein Bauer mit Mission. Rund 1,4 Millionen Eier verkauft Christian Petersen im Jahr. Auf seinem Demeter BioHof Ankersolt in der Nähe von Flensburg hält der Landwirt bald knapp 6.000 Legehennen. Seit dem Frühjahr 2015 engagiert sich Petersen für die Bruderhahn Initiative Deutschland, kurz BID, die sich der Aufzucht von Bruderhähnen verschrieben hat. „Bruderhähne sind die Brüder der Legehennen, die in der konventionellen Geflügelwirtschaft als Eintagsküken direkt nach dem Schlupf im

Reißwolf vernichtet werden“, erklärt Petersen: „Ihr Fleisch ist anders als das der normalen Masthähnchen und sie benötigen mehr Lebenszeit und damit Futter, um vollständig ausgemästet zu sein.“

Keine Futterfrage! Doch die Aufzucht der Bruderhähne ist keine Futterfrage, findet der Landwirt, sondern eine ethische. Deshalb verkauft er inzwischen rund ein Fünftel seiner jährlichen Eierproduktion, rund 280.000 Eier, unter dem Logo der Bruderhahn-Ini-


Bild: Christian Petersen

tiative: „Als teilnehmender Hof kennzeichnen wir die BID-Eier und können dadurch pro Ei 4 Cent an die Initiative abführen. Diese Einnahmen fließen direkt in die kostspielige Aufzucht der Bruderhähne“, berichtet der Landwirt aus Schleswig-Holstein und verbucht bereits erste Erfolge: „Wir haben fest gestellt, dass die Konsumenten den Mehrpreis für die Eier gerne zahlen“. Anders als die Masthähnchen sind die Brüder der

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Ein Bruderhahn muss 140 Tage alt werden, um sein Endgewicht zu erreichen. Bild: Valentina R. – Fotolia.com


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40 Millionen Legehennen-Brüder landen in Deutschland jedes 122 Jahr im Reißwolf. Bild: Valentina R. – Fotolia.com

Legehennen nach Ansicht der Industrie aus ökonomischen Gesichtspunkten aber nicht effizient: „Ein konventionelles Masthähnchen wird 35 bis 40 Tage alt“, erklärt Petersen: „Ein Bio-Masthähnchen braucht 80 Tage, um sein Endgewicht von 1,6 kg zu erreichen. Ein Bruderhahn dagegen muss dafür sogar 140 Tage alt werden.“ Durch die lange Lebensdauer sei der Futterverbrauch für die Aufzucht eines Bruderhahns daher ungleich höher. Und noch eine Schwierigkeit ergibt sich: „Das Fleisch der Bruderhähne lässt sich nur schwer vermarkten.“

Bruderhähne: Vermarktungsproblem „Die Konsumenten sind ein anderes Hähnchen gewohnt, das mehr Brustfleisch und weniger Schenkelfleisch hat“, so das Fazit des Landwirts. Zudem seien Bild: Anna Engberg


die Bruderhähne mit rund 16 Euro pro Kilogramm ähnlich teuer wie Vieh und besonderes Geflügel: „Ein 1,6 kg schweres Hähnchen für 25 Euro, das wird uns nicht aus den Händen gerissen.“ Deshalb überlässt Petersen die Aufzucht und Vermarktung der Bruderhähne größtenteils der BID: Auf ausgewählten Demeter- und BiolandHöfen zieht die Initiative mit den Einnahmen aus den BID-Eiern eine dem Verkauf der teilnehmenden Höfe entsprechende Anzahl an Bruderhähnen groß. „Für unsere jährlich verkauften 280.000 BID-Eier können wir über die BID 1.100 Bruderhähne aufziehen lassen, denn jedes Hähnchen wird mit mindestens 7,50 Euro subventioniert.“ Petersen schätzt die Transparenz, mit der die Bruderhähne eingekauft, großgezogen und geschlachtet werden: „Alles unterliegt der wohnwerken.de_Ausgabe 05

Bio-Kontrolle und wir müssen uns nicht selbst um die Vermarktung kümmern“, lobt er. Um sich bei der BID zu engagieren, müssen Geflügelhalter bei einem der beiden Bio-Anbauverbände Bioland oder Demeter anerkannt sein. Aufziehen müssen sie die Bruderhähne jedoch nicht. Trotzdem ist Petersen stolz darauf, jedes Jahr auf Hof Ankersolt einen kleinen Anteil von rund 200 bis 300 Bruderhähnen selbst aufzuziehen. Diese wachsen gemeinsam mit den Legehennen vor Ort auf und werden nach der Mast

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Ein 1,6 kg schweres Hähnchen für 25 Euro wird uns nicht aus den Händen gerissen. Bild: Valentina R. – Fotolia.com


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Legehennen und Masthähnchen gehören unterschiedlichen Rassen an. Bild: Valentina R. – Fotolia.com

Bild: Anna Engberg


als ganze und halbe Hähnchen sowie verarbeitet verkauft.

40 Mio. Brüder landen im Reisswolf Das bundesweite Projekt Bruderhahn ist nur eine von zahlreichen Initiativen mit der gleichen Zielsetzung: Ob Bruder Ei, Bruder Herz, Bruderhähnchen oder die Bruderküken-Eier-Kampagne der Bio-Kette Alnatura, sie alle wollen das Tierwohl in der Geflügelhaltung verbessern und dem ethisch unhaltbaren Zustand entgegenwirken, dass nach wie vor rund 40 Millionen Legehennen-Brüder in Deutschland jedes Jahr im Reißwolf landen (Statistisches Bundesamt 01.12.2016). Die Geschichte der Geflügelhaltung gibt Aufschluss, warum sich das Küken-Schreddern als gängige Praxis etabliert hat: „Noch in den 60er Jahren legte ein Huhn im Idealfall 150 Eier wohnwerken.de_Ausgabe 05

pro Jahr, heute legt ein Huhn in Bodenhaltung mit 300 Eiern die doppelte Menge“, resümiert Petersen den Wandel zur Hochleistungshenne. Seine Freiland-Hühner legen unter Bio-Bedingungen zwischen 250 bis 270 Eier im Jahr. Die hohe Legeleistung ist somit ein Ergebnis gezielter Züchtung. Für die Brüder der überaus produktiven Legehennen hatte die bäuerliche Landwirtschaft bis jetzt keine Verwendung.

HühnerrassenGenetik als Ursache Die Ursache liegt tiefer, genau gesagt bei der Genetik der Hühnerrassen: Legehennen und Masthähnchen gehören unterschiedlichen Ras­­sen an und sind darauf gezüchtet, bestmögliche Leistung in der Eierbzw. Fleischproduktion zu erzeugen. „Weltweit liegen

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95 Prozent der Geflügel-Genetik zur Eierproduktion in der Hand von drei Firmen. Wer nicht mitzieht, muss etwas Eigenes züchten“, sagt Petersen. Die Bruderhahn-Initiative sei nur eine Übergangs­ lösung: „Das langfristige Ziel ist die Züchtung einer Zweinutzungsrasse durch die Ökologische Tierzucht, einer gemeinnützigen GmbH vom Demeter-Bundesverband. Die Idee ist, in Eigenregie die Züchtung einer Hühnerrasse anzugehen, die sowohl für Eier als auch für Hähnchenfleisch genutzt werden kann.“

Auf dem Weg zum Zweinutzungshuhn Umgesetzt wird dies aktuell in mühevoller Geduldsarbeit auf Hof Rengoldshausen am Bodensee. „Durch Zuchtver­ suche mit bis zu drei Linien gibt es dort inzwischen Hybrid-Hühner, die bis zu 250 Eier im Jahr legen und masttauglich sind.“ Doch bis zur ausgereiften Genetik dürften voraussichtlich noch zehn Jahre vergehen. Die Kosten liegen im zweistelligen Millionenbereich. „Mit

Mehr Informationen

Bild: Anna Engberg

finden Verbraucher und Geflügelhalter unter www.bruderhahn.de und www.oekotierzucht.de


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ausgezüchteter Genetik können wir davon ausgehen, dass die Tiere nach rund 100 Tagen schlachtreif sind“, prognostiziert Petersen. Dies wiederum bedeute weniger Futter und mehr ökonomische Effizienz. Für die Zukunft wünscht sich der Landwirt mehr Unterstützung der Züchtungsarbeit durch die Gesellschaft. Derzeit finanzieren Stiftungen und das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Züchtungsinitiative. Sein persönliches Ziel sieht Petersen darin, selbst eine Bruderhahn-Fleischvermarktung hinzubekommen, bei der er für 6.000 Legehennen auch 6.000 Brüder erhalten kann: „Vielleicht sogar aus dem gleichen Schlupf. Denn das wäre für unsere Kunden sehr schlüssig und nachvollziehbar.“  O

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Bild: Anna Engberg

Über die Autorin

Anna Engberg studierte Philosophie und Literatur in Berlin und ist seit 2011 als freie Journalistin tätig. U. a. hat sie für den Tagesspiegel gearbeitet und schreibt und fotografiert für Print- und Onlinemedien zum Schwerpunkt Ernährung und Gesundheit. Auf ihrem Food Blog „Vegfoodlove“ bloggt die Autorin regelmäßig über nachhaltige Themen rund um eine gesunde vegetarisch-vegane Ernährung. Anna Engberg lebt und arbeitet in Wiesbaden. hn hu ko Ö s da Hier wird von morgen gezüchtet. www.vegfoodlove.de gGmbH/ Quelle: Ökologishe Tierzucht

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Bild: Joe Gough – Fotolia.com

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„Indische Keuken“

Wo sich die Kulturen vermischen, mischt sich auch das Essen. Barbara Steinbauer-Groetsch, Bloggerin und Autorin, berichtet aus ihrer niederländischen Heimat von der „indischen keuken“. Die hat mit Indien gar nichts zu tun, wie wir erfahren. Text und BIlder: Dr. Barbara Steinbauer-Groetsch lesezeit 9 min wohnwerken.de_Ausgabe 05

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Fusioncooking

ist in. Was uns neu und trendy erscheint, hat aber in manchen Ländern bereits eine Jahrhunderte alte Tradition. Wo sich die Kulturen vermischen, mischt sich auch das Essen. Zum Beispiel in der „indischen keuken“. Die hat mit Indien gar nichts zu tun, sondern bezieht sich auf die kulinarische Tradition der Menschen mit indonesischen und niederländischen Wurzeln. Der Begriff rührt noch aus der niederländischen Kolonialzeit, in der das heute Indone-

sien niederländisch-­Ostindien genannt wurde, weil die Inselgruppe östlich von Indien liegt.

eurasische Küchentradition Die „indische keuken“ gehört zu den Niederlanden wie Kartoffeln und Käse, ist aber außerhalb der Landesgrenzen kaum bekannt. Oft wird sie mit der indonesischen Küche gleichgesetzt, was aber so nicht stimmt. Denn in der


„indischen keuken“ verbinden sich traditionelle niederländische Gerichte, Zutaten und Zubereitungsweisen mit den Küchentraditionen der ostindischen Inseln zu einer ganz eigenständigen Geschmacksrichtung. Diese ganz spezielle eurasische Küchentradition entstand in den Tagen der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC). Die VOC hatte Niederlassungen in Batavia, dem heutigen Jakarta, auf wohnwerken.de_Ausgabe 05

Ceylon, in Persien, Bengalen, Formosa, Kapstadt und einer Insel vor Japan. Über zwei Jahrhunderte kontrollierte die VOC die Gewürzroute von Indien nach Europa. In dieser Zeit taten unzählige Abgesandte aus Europa Dienst in diesen Niederlassungen. Da das Leben in Südost-Asien beschwerlich und gefährlich war, blieben Kinder und Frauen zurück. Für die Zeit ihrer Entsendung lebten die Männer in eheähnlichen Beziehungen mit

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Frauen asiatischer Herkunft, die den Haushalt versorgten und kochten. Aus Angst vor Meuterei und Sabotage war es in Batavia verboten, ein Verhältnis mit einheimischen Frauen einzugehen. Die sogenannten Njais kamen häufig von den Philippinen oder aus Bali. Sie brachten ihre Kochtraditionen mit und sorgten so für die erste Phase der Mischung kulinarischer Traditionen. Die zweite Phase der „indischen keuken“ deckt sich mit der niederländischen Kolonialzeit in Indonesien. Mit der Eröffnung des Suez-Kanals 1869 wurden die Reisewege kürzer, was dazu führte, dass mehr und mehr niederländische Frauen ihre Männer in die Kolonien begleiteten. Einheimische holländische Gerichte fanden ihren Weg nach Ostindien. Zutaten, die vor Ort nicht erhältlich waren, wurden durch ähnlich schmeckende lokale Produkte wohnwerken.de_Ausgabe 05

ersetzt, zum Beispiel Grünkohl durch Papaya-Blätter. Auch ganz neue Gerichte entstanden wie Pastei Toetoep, ein Auflauf mit Kartoffelbrei, Hühnerfleisch und exotischem Gemüse, oder Ajam Kodok, eine Art gefülltes Brathuhn. Die dritte Phase der Mischung in der niederländisch-ostindischen Küche vollzog sich in Europa. Oft hatten die Rückkehrer aus den Kolonien Sehnsucht nach den kulinarischen Köstlichkeiten ihres Entsendungsortes. Da aber viele der exotischen Gewürze, Kräuter und Gemüsesorten in den Niederlanden nicht erhältlich waren, begannen die Heimkehrer, diese Zutaten mit niederländischen Produkten zu erset-

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zen. Satt der Würzsoße Ketjab gebrauchte man Maggi-Aroma und aus Trasi, einer Paste aus fermentierten Garnelen, wurden in Holland Suppenwürfel. In den 50er Jahren entstanden die ersten Restaurants in Den Haag und Amsterdam, die indonesische Gerichte servierten und jedem Holländer zugänglich machten. Auch die teilweise Flexibilisierung der sehr strengen niederländischen Essenszeiten ist eine Folge der kulinarischen Erfahrungen in den Kolonien. So entwickelte sich im Lauf der Jahrhunderte eine Küchen-Tradition, deren Wurzeln sowohl in Indonesien als auch in den Niederlanden liegen, die aber

für sich eine ganz eigene, neue Qualität besitzt. Die „indische keuken“ ist eine der ältesten Fusionsküchen der Welt. Bis heute ist sie in den Niederlanden und auch in Indonesien lebendig. In den indonesischen Restaurants in Den Haag oder Amsterdam findet man allerdings kaum mehr typische Gerichte, denn gekocht wird sie vorwiegend zuhause. Dort hat sie eine ganz wichtige kulturstiftende Funktion. Zentrale Figuren sind dabei die Großmütter und Mütter. Sie hüten die Familienrezepte wie ihren Augapfel, denn ihrer Meinung nach führt der Weg zum Herzen über den Magen. Deswegen


verraten die meisten Köchinnen die geheimen Rezepte auch nie vollständig, denn dann, so glauben viele, kommen die Kinder und Enkel nicht mehr zu ihnen, um typische eurasische Gerichte wie „Frikadel Pan“ zu essen, einen Hackfleischauflauf aus dem Ofen, verfeinert mit Muskatnuss, Nelke, Knoblauch und Ketjap Manis. Die „indische keuken“ ist eine tolle Spielwiese für kulinarische Experimente, weil sie eine breite Palette von

Zutaten und Aromen bietet, die sich miteinander zu spannenden neuen Gerichten kombinieren lassen. Ich bin fasziniert von den vielen Möglichkeiten, die diese Fusionsküche bietet und versuche mich immer wieder an Rezepten, die niederländische und indonesische Einflüsse verbinden. Ein Ausflug in die „indische keuken“ ist wie in Miniurlaub, man lernt neues kennen und kommt voller Inspiration wieder zurück! Ausprobieren lohnt sich.  O Bild: Eva Gruendemann – Fotolia.com

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Poffertjes indonesisch Poffertjes sind ein holländischer Klassiker. Normalerweise werden sie mit Puderzucker gegessen. In dieser herzhaften eurasischen Variante eignen sie sich prima als Imbiss. Am besten gelingen sie in einer speziellen Poffertjespfanne.

Zutaten Für den Poffertjesteig 250 g Reismehl 5 g Trockenhefe 1/2 TL Zucker 350 ml Kokosmilch 1 Ei 70 ml Sonnenblumen-Öl


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ESS EN Für die Füllung 1 EL Sonnenblumen-Öl 2 Frühlingszwiebeln 250 g gekochte und geschälte Garnelen in Bio-Qualität 1 Stück erbsengroßesTrassi (optional) 1 TL Sambal Olek 1 Knoblauchzehe 1 Stück Ingwerwurzel, daumennagelgroß Zur Garnierung Ketjab manis Samabl Badjak oder Samabl Olek Frische Korianderblätter Sonnenblumenöl zum Einfetten der Pfanne Vorbereitung : 40 Minuten Kochzeit: 30-35 Minuten Wartezeit: 60 Minuten

wohnwerken.de_Ausgabe 05 Bild: Joe Gough – Fotolia.com

Zubereitung Zunächst den Teig herstellen: Von der Kokosmilch 50 ml abnehmen, diese Menge handwarm erwärmen und die Trockenhefe und den Zucker darin auflösen. Das Reismehl in eine Schüssel geben. Eine Mulde in die Mitte des Mehls machen und die Hefe-Kokosmilch-Zuckermischung hinzufügen. Die restliche Kokosmilch, das Öl und das Ei hinzufügen und alles zu einem dickflüssigen Teig glatt rühren. Der Teig sollte die Konsistenz von Buttermilch haben. Den Teig in eine Dosierflasche umfüllen und an einem warmen Ort 1 Stunde gehen lassen.

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In der Zwischenzeit die Füllung herstellen: Knoblauchzehe und Ingwerwurzel schälen und klein hacken. Die Frühlingszwiebel putzen, waschen und in sehr dünne Ringe schneiden. Garnelen ebenfalls klein hacken. Öl in einer Pfanne erhitzen und das Trassi (optional) anrösten, bis sich das Aroma entfaltet. Knoblauch und Ingwer zugeben und unter ständigem Rühren 1 Minute anbraten. Garnelen, Sambal Olek und Frühlingszwiebel dazugeben und weitere 2 Minuten auf mittlerer Hitze anbraten. Vom Herd nehmen und abkühlen lassen. Korinaderblätter waschen und grob hacken. Zur Seite stellen.

Poffertjes-Pfanne sorgfältig mit Öl einfetten und auf mittlerer Hitze erwärmen. Die Mulden zu 2/3 mit Teig befüllen, dann eine kleine Portion Füllung in die Mitte geben und die Mulde mit Teig bis zum Rand auffüllen. Am besten in zwei Durchgängen arbeiten und jeweils die Hälfte der Mulden befüllen. Die Poffertjes auf der Unterseite goldbraun backen. Auf der Oberseite soll der Teig vor dem Wenden noch etwas feucht sein. Mit Gabel oder Holzspieß einzeln wenden und die andere Seite ebenfalls bräunen. Poffertjes aus der Pfanne nehmen, auf einem Teller anrichten und mit frischen Korianderblättern bestreuen. Mit Ketjab Manis und Sambal nach Wahl servieren. Warm genießen! Vor jeder neuen Runde die Pfanne gut einfetten.


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Portobello-Champignons mit Sambal und Koriander Zutaten 4 Portobello-Champignons 4 Knoblauchzehen 1 cm Stück Ingwer 3 EL Olivenöl 4 EL Zitronensaft 2 TL Sambal Olek frische Korianderblätter Pfeffer 1 TL Olivenöl zum Einfetten der Auflaufform wohnwerken.de_Ausgabe 05

Zubereitung Den Ofen auf 180°C Ober-/ Unterhitze vorheizen. Die Portobello-Champignons mit einer Pilzbürste säubern und die Stile entfernen. Achtung: Pilze nicht waschen, sie saugen sonst zuviel Flüssigkeit auf und werden schlapp. Knoblauchzehen und Ingwer schälen und fein hacken.


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Gehackten Knoblauch und Ingwer in einen Mörser geben und mit dem Sambal Olek zu einer Paste verarbeiten. Paste in eine Schüssel geben, Zitronensaft und Öl hinzufügen und gut vermischen. Eine Auflaufform dünn mit Öl ausstreichen und die Pilze mit den Lamellen nach oben in die Form setzen.

Die Würzpaste gleichmäßig auf die Oberfläche jedes Pilzes streichen. Im Ofen für ca. 25 Minuten schmoren. In der Zwischenzeit ein paar Stängel den frischen Koriander waschen, die Blätter abzupfen und grob hacken. Nach dem Ende der Garzeit die Pilze aus dem Ofen nehmen und mit dem frischen Koriander und Pfeffer bestreuen.


„Indische“ Frikadel Pan - Hackfleischauflauf Zutaten 750 g Bio-Hackfleisch, halb Schwein, halb Rind 1 Zwiebel 4 Knoblauchzehen 1 TL Muskatnuss gerieben 1/2 TL Nelkenpulver 1 TL frisch gemahlener Pfeffer 2 TL Salz 1 Ei 1 Scheibe Weißbrot 50-80 ml Milch 2 EL Butter 1/2 Würfel Hühnerbrühe 70 ml Wasser 3 EL Ketjab manis

Zubereitung Den Ofen auf 175°C Ober-/ Unterhitze vorheizen. Das Weißbrot von der Rinde befreien und in der Milch einweichen. Zwiebeln, schälen, halbieren und in sehr kleine Würfel schneiden. Knoblauchzehen schälen und fein hacken. In einer Schüssel das Hackfleisch mit Zwiebeln, Knoblauch, Ei und allen Gewürzen vermischen.

Vorbereitung: 15 Minuten Kochzeit: 40 Minuten aus y r r e b s a e Jeff K n o v t p ene k z u e Re k e h c s : Indi h c u B m alen e h n r e sei v n e n ecepte R . n e m i e ry’s. r geh e b s a e K raties ww.youtube.com e n e g 3 n a v asberr y/w g with ke Quelle: c

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Das Weißbrot aus der Milch nehmen, ausrücken und zu der Fleischmasse geben. Alles sehr gut durchkneten. Eine ofenfeste Form mit 1 EL Butter gut ausstreichen. Die Hackfleischmasse in die Form geben und glätten. Die restliche Butter in Flocken auf den Auflauf setzen und die Form in den Ofen schieben. Circa 30 bis 35 Minuten auf der mittleren Schiene des Backofens garen. Die Oberfläches des Auflaufs sollte eine schöne braune Kruste bekommen. Den Brühwürfel in 70 ml Wasser auflösen. Auflauf aus dem Ofen nehmen (Vorsicht heiß!!) und die Brühe über den Auflauf gießen. Auch das Ketjab Manis auf dem Auflauf verteilen

und das Ganze noch einmal circa 3 Minuten garen. Auflauf aus dem Ofen nehmen und einige Minuten ruhen lassen. In Scheiben schneiden und mit Gemüse, Salat, Reis, Kartoffen oder Kroepoek servieren.

Bild: Leonid Nyshko – Fotolia.com

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Pfannkuchen mit Kokosfüllung Zutaten Für die Pfannkuchen 250 g Dinkelmehl 400 ml Kokosmilch 1 Ei 50 ml Wasser 1 Messerspitze Salz

Für die Füllung 200 g Kokosflocken frisch oder getrocknet 100 g brauner Zucker 120 ml Wasser 1 Pandangblatt (optional) Kokosöl zum Backen Puderzucker zum Servieren 143

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Zubereitung Für den Teig Mehl in eine Schüssel sieben, Ei und Kokosmilch, Salz und Wasser zugeben und zu einem dickflüssigen Teig ohne Klümpchen verrühren. Zur Seite stellen. In einem Topf Kokosflocken und Zucker mit dem Wasser und dem Pandang-Blatt so lange auf mittlerer Flamme bei offenen Deckel einkochen lassen, bis das Wasser verdampft und die Masse trocken ist. Vorsicht: immer schön rühren, damit die Masse nicht anbrennt. Wenn die Kokosfüllung gar ist, leicht auskühlen lassen und das Pandang-Blatt entfernen. Für die Pfannkuchen etwas Kokosfett in einer Pfanne Bild: Oliver Hoffmann – Fotolia.com

erhitzen, 1 Schöpflöffel Teig hineingeben und zu einem Pfannkuchen von circa 15 cm Durchmesser ausstreichen. 3 Minuten backen, wenden und weiter backen, bis der Pfannkuchen gar ist. Auf einen Teller legen und warm halten. Mit den anderen Pfannkuchen genauso verfahren. Vor dem Servieren die Pfannkuchen zu Röllchen formen. Dazu circa 2 Zentimeter vom


Bild: Barbara Steinbauer-Groetsch

unteren Rand entfernt 2 EL Kokosfüllung geben. Den Rand hochklappen, die Seiten links und rechts darüber falten und den Pfannkuchen aufrollen. Rolle halbieren, auf einem Teller anrichten, mit etwas Puderzucker bestreuen und sofort servieren.

Über die Autorin

Dr. Barbara SteinbauerGroetsch kommt aus Franken, lebt in den Niederlanden und ihr kulinarisches Zuhause ist die Welt. Die freie Journalistin betreibt seit 2010 den Food- und Reiseblog EIN TOPF HEIMAT für alle, die gern über den eigenen Tellerrand schauen. Barbara Steinbauer-Groetsch gewann 2015 den Blogevent der Frankfurter Buchmesse mit einem von der indo­ nesisch-niederländisch Fusionsküche inspirierten Rezept. www.facebook.com/ EIN-TOPF-HEIMAT

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Bild: lassedesignen, stokkete – Fotolia.com


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e-mobilität:

ES GEHT VORAN

(wenn auch langsam)

Der Diesel-Skandal hat die E-Mobilität wieder etwas mehr in den Fokus gerückt. Dabei hinkt Deutschland hinter anderen europäischen Ländern, etwa Norwegen und Frankreich, deutlich her. Auch die Förderung von 4.000 Euro je Fahrzeug konnte daran nichts Wesentliches ändern. Text und Bilder : Frank Urbansky

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Unser Autor ist begeisterter E-Mobil-Fahrer und hat schon ziemlich alles, was „mit Strom“ betrieben wird, gefahren.

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LEDIGLICH 34.000 E-Autos fahren – trotz Zuschuss – derzeit auf deutschen Straßen, Tendenz langsam steigend. Vom Millionen-Ziel bis 2020 hat sich die Bundesregierung inzwischen klammheimlich verabschiedet, legte aber dennoch ein 1,2 Milliarden schweres Förderprogramm auf.

Henne-Ei-Problem 150

Aber warum geht so langsam, was eigentlich rasant vorpreschen müsste?

Die Reichweite der Fahrzeuge ist begrenzt. Gäbe es genügend Ladesäulen, wäre das kein Problem. Derzeit sind hierzulande gut 7.000 Ladestationen mit ungefähr 21.000 Anschlüssen in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es rund 14.300 konventionelle Tankstellen. Das hört sich bei der noch geringen Anzahl von Elektro-Fahrzeugen ausreichend an. Und es gibt Ideen, wie diese Zahl günstig weiter auszubauen ist (siehe auch Strom


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aus der Straßenlaterne). Doch das ist nur ein Aspekt. Zwar einigten sich die EU-Mitglieder auf den sogenannten Mennekes-Stecker als einheitlichen Ladestandard für das „normale“ Laden (Schnellladen und die SuperCharger von Innovationsführer Tesla sind wieder ein eigenes Kapitel). Doch die Anmeldungs- und Abrechnungssysteme sind äußerst verschieden und werden von den jeweiligen Strom­a nbietern vorgegeben. So kann es durchaus sein,

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Trotz einheitlichem Stecker kann es passieren, dass nicht überall Strom ins E-Mobil fließt.

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Ein Porsche an der Stromzapfsäule – ein Anblick, an den man sich gewöhnen muss.

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dass ein E-Automobilist mit passendem Stecker vor einer Ladesäule steht, jedoch kein Strom in sein Gefährt fließen kann, weil er nicht weiß, wie er bezahlen soll. Das sorgt natürlich für Frust.

Aus Frust eigenes Auto gebaut Den hatten auch einige Handwerker, die mit ihren dieselbetriebenen Lieferwagen in Stuttgart nicht mehr in die Innenstadt fahren durften. Dar-

unter war auch ein Backbetrieb aus Hilden. Dessen Chef fragte befreundete Handwerkerkollegen, ob man dieses Problem nicht mit einem E-Lieferwagen umgehen könnte. Die Antwort war eindeutig: Ja. So entwickelten sie nach den Vorgaben von rund 100 Handwerksbetreiben ein eigenes Lieferfahrzeug. Produziert wird dieses nun von StreetScooter, einer Tochter der Deutschen Post. Denn die stand vor gut sieben Jahren vor dem gleichen Pro-


Wird bald auch Brote ausliefern: der StreetScooter. Bild: Schüren

blem: Sie wollte ihre gelbe Diesel-Lieferflotte umrüsten auf E-Autos. Doch kein deutscher Autobauer war bereit, ein entsprechendes Gefährt zu entwickeln. Stattdessen bauten es Tüftler von der RWTH Aachen und gründeten eine Firma, die von der Post später übernommen wurde. Inzwischen steht in Aachen eine eigene Fabrik, die für die Post in den nächsten Jahren 14.000 E-Lieferfahrzeuge baut, 150 davon in diesem Jahr, 2.500 im nächsten – inzwischen übrigens in wohnwerken.de_Ausgabe 05

Kooperation mit dem Autobauer Ford. Das Interesse daran ist so groß, dass auch andere Lieferanten, etwa die Kette Nordsee, dort Fahrzeuge fertigen lassen will. Der StreetScooter hat nur eine Reichweite von 105 km und eine Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h – vollkommen ausreichend für die Bedürfnisse der Post und der meisten Lieferanten in Ballungsgebieten. Die Fahrzeuge können nachts auf dem Firmengelände aufgeladen werden.

Billig bauen Übrigens: Günther Schuh, RWTH-Professor und Entwickler des elektrischen Postautos, hat schon das nächste Projekt vor Augen: Das e.Go-Mobil.

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Kleiner Viersitzer für die Stadt Der schicke Elektroflitzer soll – nach Abzug der Kaufprämie – rund 12.000 Euro kosten. Zum Vergleich: Der BMW i3 ist rund dreimal so teuer. Denn die Produktion des e.Go-Mobils ist recht günstig und weicht von allem ab,

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Stand der E-Mobilität in Deutschland o 7.000 Ladestationen mit rund 21.000 Anschlüssen o Spitzenreiter bei der Ladesäulendichte ist Sachsen mit 0,56 Ladesäulen je E-Auto o 5.000 Schnellladestationen und 10.000 Normalladestationen werden in den kommenden Jahren von der Bundesregierung gefördert o 33 verschiedene Modelle in Deutschland

was die großen Autobauer so treiben. Letztlich bestehen die Gefährte aus einem Aluminiumrahmen, der mit Kunststoff beplankt ist. Eine Bauweise, die es so ähnlich schon mal in der DDR gab: Der Trabant wurde ähnlich gefertigt – und war äußerst günstig. O

o 166.000 Hybridfahrzeuge o 34.000 rein batterieelektrische Fahrzeuge o Förderung für batterieelektrische Autos mit Basislistenpreis von maximal 60.000 Euro in Höhe von 4.000 Euro bis Ende 2017 und 3.000 Euro ab 2018. Mehr unter nationale-plattform-elektromobilitaet.de


Wie das Stromzapfproblem in Großstädten (wenig Wohneigentum, kaum Zapfsäulen im öffentlichen Raum möglich) behoben werden könnte, untersuchten Forscher an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK). Sie entwickelten ein Ladesystem, das an Straßenlaternen andockt und mit Touchpad, „Die Leipziger Laterne“– Modell für die Zukunft?

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Strom aus der Strassenlaterne

EN T F A R K RFID-Card, SMS-TAN oder per App bedient werden kann. Die „Leipziger Laterne“ setzt auf durchweg frei verfügbare und erwerbbare Komponenten. Die Gesamtkonstruktion ist nicht patentgeschützt. Bisher hat sich allerdings bundesweit noch kein weiterer Interessent für eine Nutzung gemeldet.

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Bild: Nikola Mey

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erhoff

leuchtturmprojekt Text: Nikola Meyerhoff

Die elektrische Fortbewegung auf ein, zwei, drei oder vier Rädern stand beim 30. Entdeckertag der Region Hannover im Mittelpunkt: Das Thema E-Mobilität zog großes Interesse auf sich. Bei Jung und Alt. Viele an E-Mobilen Interessierte scheiterten bisher an der riesigen Informationsflut, die dennoch nicht alle persönlichen Fragen beantworten kann. Beispielsweise nach Marken, Modellen, Reichweite, Ladestationen und -kapazitäten, Förderungen usw.

Aus diesem Grund präsentierten die Innungen des Kfz-Technikerhandwerks Niedersachsen-Mitte und Osnabrück (IDK) in Kooperation mit der Klimaschutzagentur Region Hannover und enercity die Sonderschau E-Mobilität.


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Erfolg gibt der Idee recht Probefahrten waren heiß begehrt, Beratungsgespräche sehr gefragt: Obwohl die großen Hannoverschen Autohäuser Hasbi Automobile GmbH, Autohaus Ahrens GmbH, Gessner & Jacobi GmbH & Co. KG, Autohaus Kahle KG und CarUnion GmbH Hannover auf der E-Mobilitätsmeile etliche Verkäufer am Start hatten, musste mancher Besucher geduldig warten, bis er Fragen stellen konnte. „Das Interesse der Menschen ist in allen Gesellschaftsschichten sehr groß“, stellte Gerhard Michalak, Geschäftsführer der Innung des Kfz-Technikerhandwerks, zufrieden fest. Die wichtigsten Anliegen der Besucher waren schnell ausgemacht: Reichweite, Preis und Lade-Infrastruktur standen ganz oben auf der Liste. wohnwerken.de_Ausgabe 05

Gerhard Michalak, Geschäftsführer der Innung des Kfz-Technikerhandwerks Bild: Photovision-DH

Auch Innungsgeschäftsführer Michalak sieht die Zukunft in der Elektro-Mobilität und ist froh, dass beim Entdeckertag das Thema in die Mitte der Gesellschaft und sogar in die beste Lage auf der Georgstraße gebracht wurde: „Wir sind ganz vorne dabei und werden darauf drängen, dass wichtige Fragen schnell beantwortet werden: Damit die Kauflust steigt, muss klar sein, was mit der Umweltplakette passiert und dass es in der Region genug und günstig platzierte Ladestellen gibt!“O

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Bauen mit Holz: als nur

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gemütlich


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Text: Frank Urbansky

Holzbau als traditionell zu bezeichnen ist untertrieben. Denn Holz ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheit und begleitete sie durch ihre ganze Existenz. Autor und Blogger Frank Urbansky hat sich mit dem fantastischen Material befasst. wohnwerken.de_Ausgabe 05 Bild: Frank Urbansky


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In der Steinzeit sorgten

primitive Holzverschläge und Laubhütten außerhalb von Höhlen für ein Minimum an Wetterschutz. In der Antike wurden Geschossdecken mit Holz gebaut, im Mittelalter sicherte das Fachwerk die Statik ganzer Häuser ab. Und die Flüchtlingsbaracken, die nach dem 2. Weltkrieg überall in Deutschland gebraucht wurden, errichtete man oft aus Holz. Holz war billig, gut verfügbar und ließ sich schnell verarbeiten.

Heute ist Holz auch aus diesen Gründen aus der Bauwelt nicht wegzudenken. Es hat hervorragende Eigenschaften, etwa eine natürlicherweise sehr gute Dämmung. Sie ist um etwa fünfmal besser als die einer reinen Stahlbetonwand. Und es lässt sich leicht verarbeiten, auch aufgrund des geringeren Gewichts bei gleichwohl sehr hoher Stabilität. In unseren Breiten steht es zudem ausreichend zur Verfügung. Denn der Wald in Deutschland wächst schneller, als dass


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DENN

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DER WALD

WÄCHST SCHNELLER

IN DEUTSCHLAND , ALS DASS IHM NUTZ- ODER BRENNHOLZ ENTNOMMEN

ihm Nutz- oder Brennholz entnommen wird. Und das schon seit Jahren. Holz ist also sehr nachhaltig. Und es kann wiederverwendet werden, etwa, wenn das Haus einmal abgerissen wird. Auch Bedenken, dass ein Holzhaus schneller abbrennt, sind nicht gerechtfertigt. Denn Holz für den Bau wird mit Flammschutzmitteln behandelt. Das wissen auch die Bauherren. Jedes siebte in Deutschland errichtete Einfamilienhaus ist wohnwerken.de_Ausgabe 05

ein Fertighaus. Ein nicht unerheblicher Teil davon wird überwiegend aus Holzteilen gefertigt. Von außen sind diese nicht als Holzhäuser zu erkennen, da sie verputzt sind. Dem guten Wohnklima, das Holz mit sich bringt, tut das keinen Abbruch.

Blockhäuser sind eher selten Auch Blockhäuser, wenngleich deutlich seltener, findet man hierzulande. Diese Art des Bauens entstand in den Alpen

Bild: Bodo Steckel – Fotolia.com

WIRD

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Das Wohnhaus E3 Esmachstraße Berlin wurde komplett aus Holz gefertigt. Bild: Bernd Borchardt

geschossiges Hochhaus aus Holz in Minneapolis Schlagzeilen. Der T3-Turm (T3 für Timber, Technology und Transit) wurde vorgefertigt und dann nach dem Lego-Prinzip aufgebaut. Auf knapp 21.000 m² finden sich hier Büro- und Ladenflächen. Es ist derzeit das größte Haus seiner Art und wurde deutlich schneller

und in Skandinavien. Von dort schwappte sie mit Einwanderern aus Schweden und Finnland nach Nordamerika über. Die USA und Kanada sind heute die Länder mit den meisten Blockhäusern. Blockhäuser gelten – wegen der geringen Staubbildung – als ideal für Allergiker. Holz wird jedoch nicht nur für Einfamilienhäuser verwendet. Kürzlich machte ein siebenolis, p a e n n i M s. u a h h c o h Projekt T3 z ne Hol r e d o m e t das ers ace/www.youtube.com Quelle: G

riya Gr


Mit Holz hoch hinaus Doch dieser Turm wird noch getoppt von einem Studentenwohnheim, das jetzt in Kanada nach nur zwei Jahren Bauzeit fertiggestellt wurde. Das Land ist sehr holzreich und unternimmt schon seit Jahren vielfältige Anstrengungen, damit Holz vermehrt als Baumaterial Verwendung findet – fern jeder Blockhüttenromantik. Mit 18 Stockwerken und Wohnungen für 400 Studenten ist es dann das größte seiner Art. Lediglich das Erdgeschoss wurde aus Statikgründen aus wohnwerken.de_Ausgabe 05

Quelle: Schreinersic

ht /www.youtube.c

Stahlbeton gefertigt, darauf folgen 17 reine Holzgeschosse. Teurer ist diese Art des Bauens nicht, sie bewegt sich im Rahmen eines vergleichbaren konventionellen Bauwerks. Doch dieser Rekord wird nicht lange Bestand haben. Derzeit wird in Österreich ein 23-Geschosser in Holz geplant. In Deutschland kann es nicht ganz so weit nach oben gehen. Hier ist aus baurechtlichen Gründen für Holzhäuser bei Etage fünf Schluss. Hamburg hat gerade seine Bauordnung geändert, nach der bis zu sieben Stockwerke hoch mit Holz gebaut werden darf. In anderen Bundesländern ist dies mit besonderen Brandschutzbedingungen möglich. So haben nachhaltig denkende Architekten und Bau­-

Bild: Bodo Steckel – Fotolia.com

als eine übliche Stahlbetonkonstruktion hochgezogen. Apropos Stahl: Von außen ist das Gebäude in der Innenstadt von Minneapolis mit angerosteten Stahlpaneelen verkleidet. Man sieht also nichts vom Holz. Ist grad leider in.

Das (noch) höchste Holzhaus der Welt in Vancouverom

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herren das E3 mit sieben Geschossen in der Esmarchstraße in Berlin-Prenzlauer Berg errichet. Noch eine Etage höher ging es für das H8 in Bad Aibling. Allerdings wurden das Treppenhaus in Stahlbeton und die Balkone in Stahl ausgeführt.

Natürlich gut gedämmt Beide Häuser haben eine hohe Dämmeigenschaft, entsprechend in etwa dem KfW-40Standard. Das ist nach dem Passivhausstandard der zweitbeste in Deutschland. Typischerweise werden solche

Häuser nicht in der Blockbauweise, also Stamm über Stamm, sondern in sogenannter Holzständerbauweise errichtet. Die Wände können dann aus Massivholz-Wandscheiben bestehen und innen mit Gipsfaserplatten verkleidet sein. Das wiederum fördert den Brandschutz. Gleiches gilt für die Mineralwolle, die außen verwendet wird und zusätzlich für gute Dämmung sorgt. Vom Holz ist dann wiederum nichts zu sehen. Holz ist also ein alter, aber gleichzeitig auch sehr moderner Baustoff. Und ein sehr zukunftsfähiger obendrein. O


Wer bei Treehouse an die Simpsons denkt und an ihre alljährlich zu Halloween und ursprünglich im Baumhaus erzählten Horrorgeschichten, liegt auch bei einer Wohnanlage in der Hamburger Bebelallee nicht ganz falsch. Tatsächlich muten die obersten Geschosse dieser Gebäude wie Baumhäuser an. Der Komplex wurde bereits 1959 konventionell errichtet.

Bild: Hagen Stier

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Doch Wohnraum ist in der Hanse-Metropole knapp und so ist Nachverdichtung ein Mittel der Wahl. In diesem Fall wurden „Baumhäuser“ als aufgestocktes Geschoss und in Holz gefertigt. Lediglich Treppenhaus und Wohnungstrennwende sind aus Stahlbeton. Zu den bisher 104 Wohnungen kamen so nochmals 47 Wohneinheiten zwischen 90 und 140 m² hinzu.

Bild: Bodo Steckel – Fotolia.com

Nachverdichtung mit Holz – Treehouses in der Bebelallee, Hamburg

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Bild: Bodo Steckel – Fotolia.com

Sozialer Wohnungs­ bau in Holz – Passiv­ haus in Salzburg

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Bild: SPS Architekten ZT GmbH


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Auf knapp 7.000 m² entstanden 60 Wohnungen im Passivwohnhaus Samer Mösl in Salzburg – komplett aus Holz gefertigt. Die Wände wurden in Rahmenbauweise errichtet, die Decken bestehen aus Sperrholzelementen. Die sägeraue Außenverschalung erhielt eine spezielle Beschichtung. Damit wurde der natürliche Alterungsprozess des Holzes vorweggenommen.

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Bild: Frank Urbansky

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Über den Autor Frank Urbansky hat Journalistik in Leipzig studiert und 1992 als Diplomjournalist abgeschlossen. Er betreibt den tagesaktuellen Blog enwipo.de (EnergieWirtschaftPolitik) und ist Mitglied der Energieblogger. Der freie wohnwerken.de_Ausgabe 05

Journalist und Fachautor schreibt regelmäßig für mehrere Fachzeitschriften. Seine Schwerpunkte sind der Wärmemarkt, Heiztechnik, energieeffizientes Bauen und Erneuerbare Energien. urbansky@enwipo.de


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Bild: joda – Fotolia.com

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Bild: Acik – Fotolia.com

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, n e b e i l n e z n a l Pf r u n t h c ni ! n e z t u (be-)n Über den achtsamen Umgang mit grünen Lebensgefährthenn und wie man i t lernt, berichte Bloggerin er. Claudia Kling

udia Klinger

Text und Bilder: Cla lesezeit 5 min

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Wenn es nach dem Um­ satz geht, scheint die Liebe groß: Für Blumen, Zimmer- und Outdoor-Pflanzen gaben Bundesbürger laut Statista 2016 die Rekordsumme von 8,7 Mrd. Euro aus. Aber bedeutet das auch, dass wir unsere Pflanzen tatsächlich respektieren und achten? Oder vielleicht eher das Gegenteil? Wer nicht nur einmal, sondern regelmäßig durch eine Kleingartenanlage

spaziert, kennt das alljährliche Phänomen: Wo eben noch spätwinterliche Öde mit ein paar ersten Krokussen herrschte, bricht plötzlich der pralle Frühling aus. Von einem Tag auf den anderen stehen da voll entwickelte Hyazinthen, Tränende Herzen, Küchenschellen, Margeriten und Primeln. Kein Wunder: Die Gartencenter bieten zum Saisonbeginn schnell gewachsene, blühende


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Stauden für‘s angesagte Garten-Update. Diese Pflanzen, die für die neue Farbenpracht angeschafft wurden, tun mir regelmäßig leid. Denn sehr wahrscheinlich müssen sie wieder weichen, sobald ihre Blüte vorbei ist, und Platz machen für die nächsten blühenden Schönheiten. In solchen „Ex-undhopp-Gärten“ sind Pflanzen reine Deko, beliebig austauschbar und schnell wieder entsorgt. Dass es sich

N GRÜN E um eigenständige Lebewesen handelt, die in ihrer Andersartigkeit Respekt verdienen, kommt Deko-Gärtnern eher nicht in den Sinn: Was nicht mehr gut aussieht, kommt weg – was denn sonst? Bei den Zimmerpflanzen sieht es nicht viel besser aus. Nicht nur Blumengeschäfte und Gartencenter, auch Baumärkte

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und Discounter bieten Topfpflanzen an, letztere zu sehr kleinen Preisen. Da nimmt man schon mal was mit, oft ohne jedes Wissen über die Ansprüche der Pflanze an Standort und Pflege. Ich schätze, acht von zehn dieser armen Supermarktpflanzen landen nach wenigen Monaten im Müll. Kein Wunder, sind sie doch unter fabrikmäßigen Bedingungen schnell hochgezüchtet und erleben großen Stress. Die beliebten Orchideen werden sowieso meist entsorgt, wenn sie verblüht sind. Wer hat schon Lust, monatelang auf die nächste Blüte zu warten?

Mit Pflanzen leben ist ein Lernprozess Wer jetzt denkt, ich wäre immer schon eine Art Heilige

des heimischen Grünzeugs gewesen, irrt! Ich bin nicht mal im Besitz des sprichwörtlichen „grünen Daumens“ und mein Leben mit Pflanzen startete mit vielen Sünden an den grünen Mitbewohnern. Die erste eigene Wohnung stattete ich mit dekorativen Grünpflanzen aus, doch war ich kaum zuhause und vergaß regelmäßig das Gießen. Die bedauernswerten Gewächse litten ständig an Trockenheit, standen zu dunkel und Düngen kam mir gar nicht erst in den Sinn. Immerhin plagte mich das schlechte Gewissen. Wenn ich mal wieder an ihnen vorbeieilte und bemerkte, dass sie Durst litten, winkte ich ihnen zu und murmelte schuldbewusst: „Haltet durch! Morgen komm‘ ich bestimmt dazu!“ Nicht besonders konstruktiv,


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„Unkraut nennt man Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt sind.“ RALPH WALDO EMERSON

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aber doch eine Art „Kommunikation mit Pflanzen“, ganz ohne Esoterik. Aus Einsicht ins eigene Unvermögen lebte ich die nächsten Jahre lieber ohne Zimmerpflanzen. Bis mir eines Tages eine große Monstera begegnete, die jemand neben der Mülltonne abgestellt hatte. Was für ein Frevel, war sie doch noch sehr lebendig! Sie war die erste einer Reihe Zimmerpflanzen, um die ich mich richtig kümmerte. Noch heute lebt eine Tochterpflanze bei mir, zusammen mit zwei Glückskastanien, einer jährlich blühenden Orchidee, einer Dieffenbachia, zwei Sukkulenten und diversen Grünlilien. Sie alle sind mir liebenswerte Begleiter, deren Wohlergehen mir am Herzen liegt. Dass ich es heute schaffe, sie weder zu vernachlässigen noch tot zu pflegen, hat mehrere Gründe. Jede Pflanze hat ihre Ge­ schichte: Ich habe sie gefunden, geschenkt bekommen wohnwerken.de_Ausgabe 05

oder überlegt gekauft. Egal, wie sehr eine Pflanze mir gefällt: Was nicht zum Standort passt, kommt nicht in Frage! Nachlesen über die richtige Pflege ist Pflicht. Ich betrachte meine Mitbewohner täglich und bin mir bewusst, wie ihre Optik und Ausstrahlung auf mich wirkt: Die Eleganz der Monstera, das fröhliche Grün-Weiß der Dieffenbachia, die beeindruckende Baumgestalt der Glückskastanie mit ihren glänzenden Blättern, das Wuchern der Grünlilien – jede Pflanze hebt auf ihre Weise meine Stimmung. Das Wichtigste: Pflanzen sind für mich lebendige Individuen mit eigenem Lebensrecht, dem ich mich verpflichtet fühle. Dass sie nicht weglaufen können, sondern mir auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind, empfinde ich als große Verantwortung, sie auch gut zu behandeln.

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N GRÜN E achtsames Gärtnern

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Aus langjähriger Erfahrung mit Wild- und Kulturpflanzen im „naturnahen Garten“ sind die Empfehlungen für achtsames Gärtnern entstanden, die ich gerne hier teile: 1. Alles, was wächst, hat das gleiche Recht, zu leben. Lass es erstmal wachsen, beobachte es und erfreue Dich an seiner Eigenart. 2. Beschränke Eingriffe auf das Nötigste! Wenn Du eine neue Pflanze setzt, schaffe ihr Platz und verteidige diesen Platz, während sie wächst, aber vermeide es, planlos größere Flächen zu „bereinigen“: Nackte Erde ist nicht schöner als das, was da von alleine wächst. 3. Bevorzuge winterharte, heimische Pflanzen, die sich

selbstständig vermehren, denn diese kommen am besten mit sich selber klar. 4. Informiere Dich über die Bedürfnisse der grünen Begleiter, bevor Du sie ansiedelst: Wenn der Standort nicht stimmt, wird die Pflanze nur kümmern und schon bald eingehen. 5. Gestalte, was Du gestalten willst, aber führe keinen Krieg! Gib den Dingen, die Du ändern willst, gute Startchancen, aber bleibe gelassen, wenn es sich nicht so entwickelt, wie Du es Dir gedacht hast. Generell geht es um Harmonie: Achtung vor allem, was wächst, bedeutet nicht, dass wir kein Recht hätten, auch eigene Vorstellungen umzusetzen. Artenvielfalt im Garten ist ein schönes Ziel, das es durchaus rechtfertigt, bestimmte Pflanzen zu entfernen, wenn sie überhand nehmen. Dasselbe gilt für den Eigenanbau von Gemüse zur Selbstversorgung. O


Pflanzen kommunizieren Pflanzen nehmen ihre Umgebung wahr, tauschen Informationen aus und können zwischen Selbst und Nichtselbst unterscheiden. Wie die Schweizer Biologin Florianne Koechlin berichtet, produzieren Tomaten, die von Raupen angegriffen werden, nicht nur Abwehrstoffe, sondern auch weitere Düfte (Methyljasmonate), die die Nachbarpflanzen warnen. Ein recht deutlicher Beweis für pflanzliche Kommunikation!

Über die Autorin Claudia Klinger lebt in Berlin, betreibt seit 2005 das „Wilde Gartenblog – Vom faulen Gärtnern und der Liebe zu allem, was wächst“ und gärtnert in einer Kleingartenanlage im Berliner Südosten. Seit 20 Jahren arbeitet sie als selbstständige Webdesignerin, Autorin und bloggendes Netz-Urgestein an eigenen und anderen Medien und Projekten.

munizieren, m o k ie d , n e z n a fl P n o V l agieren sich vernetzen, sozia ube.com

Quelle: Farbe der Fo

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rschung/ www.yout

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Bilder: Baumhausblog, Arpad Nagy-Bagoly – Fotolia.com


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EIN HAUS  IN DEN BÄUMEN

Ein paar Meter hoch zwischen den Bäumen schweben. Eine Parallelwelt im eigenen Garten. Familie Richter hat sich diesen Traum mit dem Bau ihres Baumhauses erfüllt. Text: Miriam Rüggeberg Bilder: Baumhausblog lesezeit 5 min

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Einmal ein Baumhaus im eigenen Garten stehen zu haben, das war Kurt Richters lang gehegter Kindheitstraum. Schon in seiner Jugend baute er mit Freunden eine Plattform in den Bäumen und seitdem ist er von dieser anderen Art zu wohnen fasziniert. Für ein eigenes Wolkennest waren die Bedingungen ideal, denn sein Grundstück zieren zwei prachtvolle Mammutbäume. Es sind die einzigen in der Umgebung und schon von weitem eine eindrucksvolle Landmarke.

Kurts Vision: Ein Hirngespinst? „Jetzt spinnt er“, war eine häufige Reaktion von Freunden und Bekannten auf den kühnen Baumhausplan. Ver-

mutlich hatten sie eine windschiefe Bretterbude im Kopf. Doch nachdem das letzte Brett montiert wurde, war nicht nur für Kurt Richter klar: Das war wohl die beste Investition, die er in seinen 25 Jahren als Geschäftsmann getätigt hat. Seitdem gibt es bei den Richters regelmäßig Grillparties auf der Baumhausplattform und bei den Nachbarn und Freunden ist jeder Zweifel verflogen.

Die Planung Kurt Richter und seine Frau Barbara waren sich einig, dass sie einen Ort haben möchten, an dem sie sich am Wochenende zurückziehen können und den sie auch ganzjährig nutzen können. Kurz: Es soll sich anfühlen wie Urlaub im Garten. Für den Bau beauftragten die Richters die Firma Baumbaron, die sich auf den Bau von bewohnbaren Baumhäusern spezialisiert hat.


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Die Fachleute realisierten den Bau von der Erstbegehung über die Planung bis hin zur Montage innerhalb von sechs Wochen. Im April 2016 wurde der Traum vom eigenen Baumhaus Wirklichkeit.

Betreten erlaubt Drei Meter über dem Boden schwebt das elektrifizierte und gedämmte Baumhaus. Und schon bevor man es betritt, weht einem der Duft von Zedernholz um die Nase. Zur Quelle dieses Duftes gelangt man über zwei Wege: direkt vom Wohnhaus-Schlafzimmer über eine Brücke oder vom Garten aus über eine elegant geschwungene Wendeltreppe. Ausgestattet ist das luftige Heim mit einem gemütlichen Bett aus wohlriechendem Holz und einem Esstisch mit vier Stühlen; ein elektrischer Ofen sorgt für Behaglichkeit wohnwerken.de_Ausgabe 05

und Wärme. Draußen auf der Terrasse kann man Sonnenauf- und -untergang auf einer gemütlichen Relaxliege genießen. Eine besondere Attraktion ist der Korb mit Seilzug, der an der Plattform montiert ist und Baumhausproviant und Grillgut sicher nach oben transportiert. Jedem ist der Zugang erlaubt, der auch sonst im Hause Richter willkommen ist.

Ein Neuer Nachbar Gleich in der ersten Nacht nach der Fertigstellung übernachtete Kurt Richter spontan mit einem Kumpel, beide ausgerüstet mit Schlafsack, im noch unmöblierten Baumhaus. Der Duft des frischen Holzes und das kaum wahrnehmbare Schwanken bescherte den beiden Freunden einen wohltuenden, tiefen Schlaf. Geweckt wurden sie am nächsten Morgen von einem leisen Klopfen.

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Erst wussten die beiden gar nicht, wo sie sich befanden. Doch dann entdeckte Kurt die Quelle des Geräuschs: Ein Eichhörnchen drückte neugierig seine kleine Schnauze gegen das Fenster und klopfte mit einer Pfote an die Scheibe, als wolle es seine neuen Nachbarn begrüßen.

Bloss nicht daran gewöhnen Nutzen möchten die Richters das Baumhaus aber nur am Wochenende, denn sie wollen sich nicht an das spezielle Gefühl gewöhnen. Ihr Baumhaus soll etwas Besonderes bleiben, ein Ort, auf den sie sich jede Woche freuen können. Ein typisches Wochenende bei den Richters beginnt – sofern es

das Wetter zulässt – mit einem ausgedehnten Frühstück auf der Baumhausterrasse. Auch die beiden Familienhündinnen trauen sich mittlerweile über die Wendeltreppe in luftige Höhen und genießen den Blick auf ihr Revier. Wenn es das Studium zulässt, kommt auch der 27-jährige Sohn zu Besuch. In der Abendsonne liest Kurt gerne ein Buch auf der Terrasse oder im Schlafzimmer.

Inmitten der Natur Die Vorteile eines Baumhauses gegenüber einem konventionellen Wohnhaus liegen für das Ehepaar auf der Hand: „Du bist einfach viel mehr mit der Natur verbunden. Du hörst den Wind wehen, die Vögel singen, spürst ein leichtes Schwanken, riechst das duftende Zirbenholz und siehst direkt vom Bett aus in die hell leuchtende Baumkrone. Schon


der Umstand, sich ein paar Meter über dem Boden aufzuhalten, macht schon einen großen Unterschied.“

Hat sie das Baumhaus verändert? Die Antwort überzeugt: „Seitdem wir das Baumhaus haben, hat sich nicht grundlegend

etwas geändert, oder? Wir beide reden immer noch miteinander! Scherz beiseite. Ich glaube, wir sind einfach viel entspannter und freuen uns jeden Tag über unser Baumhaus. Es hat uns viel an Lebensqualität geschenkt, die wir nicht mehr missen möchten.“ O

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N GRÜN E BaumhausTipps vom BaumhausProfi

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Bevor Ihr selbst Hand anlegt und ein Baumhaus in Euren Garten pflanzt, solltet Ihr zuerst ein paar Dinge klären. Christopher von Baumhausblog und zuständig für Design und Planung bei Baumbaron empfiehlt: „Seht Euch zuerst den Baum genau an und überlegt mit ihm zusammen, was für ein Baumhaus am besten passen würde. Ist der Baum sehr klein, Euer Baumhaustraum aber sehr groß, kann man auch mit zu-

sätzlichen Stützen arbeiten und den Baum so entlasten. Die am besten geeigneten Baumarten für ein Baumhaus sind Eiche, Buche und Walnuss. Habt Ihr direkte Nachbarn, so lasst Euch unbedingt vor Baubeginn deren Okay zu Eurem Projekt geben, sonst müsst Ihr das Baumhaus am Ende eventuell wieder abbauen. Für ein einfaches Baumhaus, in dem man gerne auch mal die Nacht verbringt, kann man

s Hier entsteht da itraffer. Baumhaus im Zbee.com

Quelle: Baumba

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ron GmbH /www


durchaus mehrere Wochen Bauzeit einplanen. Ein guter Bauplan und das geeignete Werkzeug verkürzen die Bauzeit jedoch erheblich! Während der Bauzeit freut sich der Baum über Hackschnitzel oder Rindenmulch, den Ihr weiträumig um seinen Stamm herum verteilen könnt, um die Bodenverdichtung durch das ständige Herumlaufen etwas abzumildern. Außerdem sollten die direkt unter dem Boden verlaufenden Feinwurzeln geschützt werden, die für die Versorgung des Baums mit Nährstoffen essenziell sind. Für Euer individuelles Projekt könnt Ihr uns immer gerne anschreiben.“ wohnwerken.de_Ausgabe 05

Bild: Baumbaron

Über die Autorin Miriam Rüggeberg, Texterin, bloggt zusammen mit ihrem Freund Christopher Richter (der übrigens nicht verwandt ist mit dem Baumhausbesitzer im Artikel), Baumhausbauer bei Baumbaron, auf ihrem Baumhausblog. Ihre Leser begeistern sie mit Stories, Interviews und Ideen rund um das Leben in den Bäumen. Habt Ihr Baumhaus-Stoff für den Blog? Dann schreibt den beiden! Gastbeiträge sind willkommen.

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Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wie gefällt Ihnen wohnWERKen? Wir sind immer auf der Suche nach neuem Input: Deshalb sagen uns Ihre Meinung, sagen Sie uns was Ihnen an wohnWERKen gefällt und natürlich auch, was Ihnen nicht gefällt.

Oder haben Sie Lust, (Ihre) Geschichte(n) zu erzählen? Dann melden Sie sich doch bei uns.

Wir freuen uns auf Sie!

jutta.junge@schluetersche.de

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IMPRESSUM EMAIL wohnwerken@schluetersche.de TWITTER twitter.com/wohnwerken FACEBOOK facebook.com/wohnwerken INSTAGRAM instagram.com/wohnwerken PINTEREST pinterest.com/wohnwerken YOUTUBE bit.ly/2cKjKFM CHEFREDAKTION Jutta Junge jutta.junge@schluetersche.de CONTENT MANAGER Torsten Hamacher hamacher@schluetersche.de VERMARKTUNG Mirko Skowronek skowronek@schluetersche.de AUTOREN Christoph Buckler, Anna Engberg, Stephan Josef Glaser, Tanja Heller, Felix Jansen, Bettina Kaps, Claudia Klinger, Nikola Meyerhoff, Dr. Mirriam Prieß, Yvonne Riethmüller, Luise Rosemeier, Miriam Rüggeberg, Dr. Barbara Steinbauer-Groetsch, Kerstin Tantow, Frank Urbansky, Eva Walitzek-Schmidtko BILDER Artek, Baumhausblog, Christoph Buckler, Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), Anna Engberg, Stephan Josef Glaser, Tanja Heller, Bettina Kaps, Claudia Klinger, Frederic Lezmi, Nikola Meyerhoff, Mitarbeiter von Lulu dans ma rue, Muuto, Christian Petersen, wohnwerken.de_Ausgabe 05

Photovision-DH, PLEASE WAIT to be SEATED, Dr. Mirriam Prieß, Yvonne Riethmüller, Luise Rosemeier, Dr. Barbara Steinbauer-Groetsch, String, swencarlin.com, Kerstin Tantow, Tecta, Nicolas Tronc, Frank Urbansky, Eva Walitzek-Schmidtko, Woodnotes, Woudbik TITELBILD Magda Fischer - Fotolia.com GRAFIK Elke Möller HERAUSGEBER UND VERLAG Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG Postanschrift: 30130 Hannover Adresse: Hans-Böckler-Allee 7, 30173 Hannover Tel. 0511 8550-0 www.schluetersche.de Amtsgericht Hannover HRA 15042 PERSÖNLICH HAFTENDE GESELLSCHAFTERIN Schlütersche Verwaltungsgesellschaft mbH in Hannover Amtsgericht Hannover HRB 6034 Geschäftsführung: Stefan Schnieder UmsatzsteuerIdentifikationsnummer DE115697748 | DE115586449 Das Magazin und alle enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Für unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen. Die Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG übernimmt keinerlei Garantie und Haftung für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen. Alle Angaben sind ohne Gewähr.

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Wohnwerken 05  

Wohnen und leben mit Ecken und Kanten, links und rechts vom Mainstream – das eMag wohnWERKen blickt auf anderes Wohnen und das Wohnen andere...