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SCHWEIZ

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

SO KRIEGST DU JEDEN BINNEN

10 SEKUNDEN

Das Erfolgs­g eheimnis von Mark „The Cobra­ snake“ Hunter

SEE

YOU LATER, ALLIGATOR „The Walking Dead“-Star

ICE CUBE über

den Mut, sein eigenes Leben zu leben

NORMAN REEDUS

ist hardcore und lacht über Hollywood

SCHMERZ ALS FREUND

Super-Triathletin Daniela Ryf verändert deinen Blick auf Qualen Coverfotografie von Michael Muller

SEPTEMBER 2015 CHF 3,80


DIE WELT VON RED BULL

24 BULLFIGHTER

Lächerlich aussehen und dennoch ein Held sein? Geht. Eine Story über Clowns, die ihr Leben riskieren.

WILLKOMMEN!

4



„Ihr könnt mich mal. Wir sehen uns morgen früh.“ NORMAN REEDUS, SEITE 50 MICHAEL MULLER (COVER), JIM KRANTZ

Wie geht Erfolg? „The Walking Dead“-Superstar Norman Reedus hat dazu (abgesehen von der souveränen Beherrschung einer Armbrust im Beruf) einen eher individuellen Vorschlag: 1. Kümmere dich nicht drum, was andere sagen. Je wichtiger die anderen tun oder sind, desto weniger soll dich ihr Gerede kümmern. 2. Geh deinen Weg, auch wenn das heisst, dass du dein Brot in den Kühlschrank stecken musst, weil es sonst die Käfer fressen. 3. Betrink dich ordentlich, aber auf der richtigen Party. Wir haben uns mit Reedus in Louisianas Sümpfen getroffen, Alligatoren gestreichelt und unter anderem über Erfolg geplaudert. Viel Vergnügen mit diesem Heft! Die Redaktion

THE RED BULLETIN


SEPTEMBER 2015

AUF EINEN BLICK

66

GALLERY 10  AUGENBLICKE  des Monats

BULLEVARD

COBRASNAKE

17  VERBRECHEN  Räuber, Mörder, Kindsverderber …

Wie wird man der beste PartyFotograf der Welt? Einfach hingehen, abdrücken, fertig.

FEATURES

42

24 Rodeo Clowns

Rasende Bullen stoppen, mit Cowboyhut, Make-up und roter Nase.

36 Heroes des Monats

Alexander Megos, Ice Cube senior & junior, Sean Conway.

42 Marc Janko

Der Neuzugang des FC Basel im ausführlichen Exklusiv-Interview.

77 DUCATI

Die neue Ducati 1299 Panigale S. Und die wichtigsten Motor-Neuigkeiten zum Niederknien.

50 Norman Reedus

MARC JANKO

Wie man Rückschläge überwindet: der Goalgetter im grossen Interview über Wege und Umwege zum Erfolg.

85

Mit dem „Walking Dead“-Star in den Sümpfen von Louisiana.

58 Daniela Ryf

ist die wohl ungewöhnlichste Tri­ athletin der Welt.

66 The Cobrasnake

schiesst scharf. Ohne Warnung.

MARK HUNTER, LUKAS GANSTERER

ACTION!

58 DIE WELT VON MORGEN

Massschuhe zum Downloaden. Koffer, die dich im Hotel erwarten. Und weitere schlaue Ideen im Innovations-Special. THE RED BULLETIN

DANIELA RYF

Die Super-Triathletin weiss den Schmerz zu nutzen. Als Ansporn, Bestätigung und Energiequelle.

73  WAS, WANN, WO, WOHIN Tipps für Reise, Style, Uhren, Kino, Games, ­Musik, Abenteuer und Events. 85 92 96 98

DAS INNOVATIONS-EXTRA READ BULL  Felix Huby IMPRESSUM MAGIC MOMENT

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THE RED BULLETIN BACKSTAGE SEPTEMBER 2015

CONTRIBUTORS MIT AN BORD

IRELAND

BEYOND THE ORDINARY

FELIX HUBY

Zombie-Killer trifft auf Alligator Die Rolle des Zombie-schlachtenden Daryl Dixon in der Horror-Kultserie „The Walking Dead“ machte aus dem verkrachten Künstler Norman Reedus einen Weltstar. Dass der 46-Jährige auch im richtigen Leben starke Nerven hat, bewies er beim Red-Bulletin-Covershooting in den „Swamps“ von Louisiana. Gemeinsam mit Fotograf Michael Muller reiste Reedus in die Sumpflandschaft, um sich mit einem Alligator ablichten zu lassen. Als er das Tier in die Arme nahm, zitterten seine Hände dann doch. Seite 50.

THE WALKING DEAD’S

NORMAN REEDUS

FUTURE TECH GAME-CHANGING INNOVATIONS

trades zombies for alligators

From robotic arms to micro drones

THE RUGBY WORLD CUP

BATTLE READY Home nations stars reveal their tactics to win the trophy

SEPTEMBER 2015 € 2,50

Fotograf Muller (li.) und Cover-Star Reedus in Louisiana

Der Schwabe schrieb Drehbücher für bisher 34 „Tatort“-Folgen und gilt als einer der gefragtesten Autoren im deutschen TV. Für uns verfasste Huby den kürzestmöglichen Lese-„Tatort“. Fiebern Sie mit, ab Seite 92.

0915Cover-IE_Rugby [P];26_View.indd 1

20.07.15 13:37

RED BULLETIN WELTWEIT MARK HUNTER

… war 17, als er seinen Nightlife-Blog polaroidscene.com startete. Heute dokumentiert der Kalifornier unter dem Pseudonym „The Cobrasnake“ Privatpartys von Katy Perry. Seine besten Shots sehen Sie ab Seite 66.

Fotograf Krantz mit den Bullfightern Josh, Tim und Eric (v. li.) in Clovis, Kalifornien

The Red Bulletin erscheint ­aktuell in elf Ländern. In unserer Irland-Coverstory verraten vier Rugby-Topstars, wie man die bevorstehende WM gewinnt. Alle Ausgaben zum Download: www.redbulletin.com/howtoget

MAKING OF DAS SHOOTING DES MONATS

„Mir gefiel die Idee von Helden in lächerlichen Kostümen.“ JIM KRANTZ Die Reportagen von Jim Krantz erscheinen in der „New York Times“ und im „Playboy“. Für uns dokumentierte der Chicagoer Fotograf den Alltag von Bullfightern: Männern in Clown-Kos­ tümen, die Rodeo-Reiter vor rasenden Stieren retten. Seite 24.

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THE RED BULLETIN


THE ORIGINAL CUBA LIBRE BACARDÍ CARTA ORO COLA AND LIME

DRINK RESPONSIBLY. BACARDÍ, ITS TRADE DRESS AND THE BAT DEVICE ARE TRADEMARKS OF BACARDI & COMPANY LIMITED.


THE RED BULLETIN: WEB-HIGHLIGHTS

Channing Tatums Survival-Guide Der „Magic Mike“-Star im exklusiven Web-Interview. Über seine Stripper-Karriere, Erfolg in Hollywood und was er von seiner Frau fürs Leben lernt. redbulletin.com/tatum

EXKLUSIV AUF

REDBULLETIN.COM Alle Storys sofort lesen:

FUNSPORT-SPECIAL

IM AUGE DER COBRA

Schachboxen, Um-die-WetteHolzhacken, Unterwasser-Rugby oder Extrembügeln: Wir haben zehn Sportarten analysiert, die olympisch werden müssen. Und zeigen tolle Clips dazu.

Mehr als eine Million Fotos schoss Mark „The Cobrasnake“ Hunter als Partyfotograf für Katy Perry, Steve Aoki und die globale Model-Elite. Für uns kommentiert er seine 30 besten Shots.

redbulletin.com/crazysports

redbulletin.com/cobrasnake

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ACTION PRESS, OLIVER JISZDA, MARK HUNTER

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THE RED BULLETIN


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TALLI N N , E STL AN D

DROP BOX JAANUS REE/RED BULL CONTENT POOL

Das BMX-Fahren brachte sich Drew Bezanson in der Abgeschiedenheit Neuschottlands an ­Kanadas Ostküste bei. Zwei „Ramp Rider of the Year“-Auszeichnungen später zählt der ­26‑jährige ­Kanadier zu den stilprägenden Profis der BMX-Park-Elite. Den SimpleSession-Contest in Tallinn gewann Bezanson (im Bild beim Training) 2015 zum fünften Mal. Siegertrick: der „Caveman to B ­ arspin“ – ein Drop vom Tribünengeländer in die Quarterpipe inklusive Drehung der Lenkstange. News aus der Bike-Welt: redbull.com/bike Bild: Jaanus Ree



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ANAH E I M , K ALI FO R N I E N CARLO CRUZ/RED BULL CONTENT POOL

POOLPARTY Seit zehn Jahren fotografiert der Kalifornier Carlo Cruz B-Boys. Sein Unterwasser-Shot im Pool war dennoch eine Premiere: „Breakdance ist zu schnell für das Auge. Seine Eleganz kannst du unter Wasser besser festhalten.“ Seine Kommandos erteilte Cruz B-Girl ­Ladie One (li.) und B-Boy Villn trotz störender Atemmaske. „Am Ende des Shootings war ich Spezialist für Zeichensprache.“ Alle Bilder: redbullphotography.com Bild: Carlo Cruz



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SCHOTTERMATTI Die Streckenbeschreibung der WRC-SardinienRallye warnt Piloten vor „schmalen Straßen mit Felsen, die keinen Platz für Fehler lassen“, und ­einer „dünnen Schotterschicht“, die glatt sein kann wie Eis. Wie man sich letzteren Problems entledigt, zeigte der Finne Jari-Matti Latvala (VW Motorsport) mit einem kräftigen Tritt aufs Gas. Alle Rennen der Rallye-WM: www.wrc.com Bild: Andre Lavadinho

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@TWORLD/RED BULL CONTENT POOL

ALG H E RO, SAR D I N I E N


Der Geschmack tropischer Fr端chte. Die Fl端Gel von reD Bull.

Nur DieseN sommer

THE RED BULL SUMMER EDITION.


VORSICHT! BULLEVARD VORSICHT!

AM TATORT SEHR SHERLOCKEND Brillant, taktlos, eiskalt: Benedict Cumberbatchs selbstverliebter Sherlock ist der neue Gradmesser für Krimi-Serienhelden.

PICTUREDESK.COM

Nur wenigen Männern ist die Freude vergönnt, dass ihre Verehrerinnen als soziale Einheit wahrgenommen werden. Benedict Cumberbatch ist so einer. Seine weiblichen Fans nennen sich nämlich „Cumber­bitches“. Ihm selbst ist das auf ­unterschwellig kokette Weise unrecht („Ladys, kommt ihr da nicht dem Feminismus in die Quere?“), aber als britischer Gentleman ergibt er sich dem Wunsch der Weiblichkeit. In seiner Heimat war Cumberbatch schon eine TV-Größe, bevor er mit Deerstalker-Mütze den Durchbruch schaffte (die BBC verkaufte „Sherlock“ mittlerweile in 180 Länder), spielte dann im „Hobbit“ mit, wurde für „The Imitation Game“ für den Oscar nominiert und ist im geplanten Biopic des US-Gangsters „Whitey“ Bulger als Filmbruder von Hauptdarsteller Johnny Depp zu sehen. Sherlock Holmes und Dr. Watson (Martin Freeman) kommen Anfang 2016 mit Staffel 4 zurück.

Mit solchen Wangenknochen tut man sich im Leben generell leichter. Heißt es.

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BULLEVARD

DAS RED BULLETIN-CASTING

SCHLAGZEILEN BESETZEN

Johnny Depp spielt Super-Gangster Whitey Bulger – und hat Chancen auf eine Oscar-Nominierung. Sieht ganz nach einem neuen Hollywood-Trend aus. Wir haben Vorschläge. DZHOKHAR TSARNAEV DER BOSTON-BOMBER Der tschetschenische Immi­ grant machte im Ziel des Boston-Marathons 2013 einen amerikanischen Albtraum wahr. Sein verträumt kaltblütiger Look verschaffte ihm einen Auftritt auf dem Cover des „Rolling Stone“. Und schreit nach Jungstar-Besetzung. Idealbesetzung: Adam Driver im Kielwasser seines J.-J.-Abrams-„Star Wars“-Ruhms. Fehlgriff: Zac Efron auf der verzweifelten Suche nach etwas mehr Tiefe.

„AKTE X“ RELOADEN Mulder und Scully sind zurück. Hier die Paarungen, die wir auch gern sehen würden.

JOHN McAFEE SOFTWARE-MILLIONÄR AUF DER FLUCHT Er ist in Belize. Nein, in Guatemala. Nein, auf vice.com. Die belizischen Behörden fahnden nach McAfee, um ihn zum Tod seines Nachbarn zu befragen. Wochenlang gilt er als Personifikation von Sex, Drogen, Geld und Gewalt. Nun lebt er mit neuer Gattin beschaulich in Tennessee. Idealbesetzung: „Aviator“- und „Blood Diamond“Mime Leonardo DiCaprio, erneut in HowardHughes-mäßigen Paranoiasphären.

SETH ROGEN / BETTY WHITE Das wortgewaltige Harold & MaudeDuo muss sich entscheiden: böse Jungs bekämpfen oder sich einen anheizen und Pizza kommen lassen.

Fehlgriff: Ryan Reynolds – leider zu nett. OSCAR PISTORIUS OLYMPIA-HELD UNTER MORDVERDACHT

RONDA ROUSEY / THE ROCK Die gefährlichste Frau der Welt und der Typ, der Erdbeben bekämpfen kann: Wer würde sich mit denen anlegen?

Der südafrikanische Beinprothesen-Sprinter erschießt seine Freundin. Wird des Mordes ­angeklagt, beteuert aber, sie für einen Einbrecher gehalten zu haben, und wird der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden. Wer könnte auf der Leinwand Athleten-Machismo mit Paranoia vereinen? Idealbesetzung: Michael Fassbender. Weil der Typ praktisch alles kann. Fehlgriff: Bradley Cooper. Weil er einfach viel zu sympathisch ist.

KEVIN HART / JANE LYNCH Der kleine Hyperaktive und die hochaufgeschossene, scharf­ züngige beste Cheerleader-­ Trainerin der TV-Geschichte (aus „Glee“). Feuer und Eis.

TRÄUMEN …

… von „True Detec­ tive“, Staffel drei

Depp als Bostons Obergangster James „Whitey“ Bulger in „Black Mass“

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Staffel eins brachte einen klassischen Matt McConaughey samt groß aufspielendem Kiff-Kumpel Woody Harrelson. Staffel zwei bringt Colin Farrell (gut), Taylor Kitsch (gut), Rachel McAdams (großartig) und Vince Vaughn (hm). Weiter ging’s im Idealfall mit Tommy Lee Jones für die richtige Dosis Härte, Charlize Theron für den Style und Jack Black, der jede Szene rocken würde.


BULLEVARD

MISS MONEYPENNY

DAS ULTIMATIVE BOND-GIRL

Einst war sie einfach die vernarrteste Assistentin des MI6 („Sie waren schon immer sehr zungenfertig, James“). Über die Jahre wurde Moneypennys Jobprofil geschüttelt und gerührt. NAOMIE HARRIS 2012 – HEUTE Das mysteriöse im Land Rover einem Zug hinterherjagende ScharfschützenSchätzchen am Beginn von „Skyfall“ entpuppt sich am Ende des Films als die moderne Iteration von Miss Moneypenny. Im ­November kehrt sie in „Spectre“ auf die Leinwand zurück. Sie wird sich auch dieses Mal von ­niemandem etwas gefallen lassen. SAMANTHA BOND 1995 – 2002 Brachte das „zungenfertig“Zitat, ohne eine Miene zu verziehen. Tippte. CAROLINE BLISS 1987 – 1 989 Trug Brille. Buchte Reisen. Ging zu Meetings. Trug einen Notizblock. Tippte. LOIS MAXWELL 1962 – 1 985 Nahm Anrufe entgegen. Sortierte Akten. Bettelte um Schmuck. Tippte.

Auf James Bond schießen? Kann jedem mal passieren.

THE RED BULLETIN

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BULLEVARD

L.A. s SCHLIMMSTER TAG

Sharon Tate

Mord 1969 wurden die hochschwangere Schauspielerin und drei ihrer Freunde von „Jüngern“ Charles Mansons in Tates Haus in Benedict Canyon ermordet.

Mel Gibson

Trunkenheit am Steuer Wer hätte gedacht, dass zu viele Cocktails im Moonshadows, eine besoffene Autofahrt und eine antisemitische Schimpftirade eine Karriere knicken?

Lindsay Lohan

Alkohol & Drogen am Steuer Hier verhaftete man sie 2007 wegen „Driving under the influence“ und ­Kokainbesitz. Andernorts war ihr das im selben Jahr schon einmal passiert.

Malibu

Santa Monica Bay

„Stirb langsam“ Terrorismus Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke! Terroristen versauen beinahe Bruce Willis’ Weihnachten im Nakatomi Plaza – eigentlich Fox Plaza in Century City.

Santa Monica

STADT DER GEFALLENEN ENGEL

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TOM MACKINGER

Los Angeles zieht Bösewichte magisch an, in der ­Fiktion wie in der Realität. Was, wenn die berühmtesten Verbrechen in der Geschichte der Stadt zur selben Zeit stattfänden? An diesem apokalyptischen Tag wären wohl ein paar LAPD-Überstunden fällig.

THE RED BULLETIN


„L.A. Confidential“

„Boogie Nights“

„Bugsy“ Siegel

Mord 1947 wurde Mafioso Benjamin Siegel im Haus seiner Freundin in Beverly Hills erschossen; Warren Beatty stellte dessen letzte zehn Jahre in „Bugsy“ dar.

Mord Pornostar John Holmes wurde 1981 des Mordes an vier Menschen angeklagt, aber freigesprochen. „Boogie Nights“ ist von seinem Leben inspiriert.

CA

Polizeikorruption Russell Crowe deckt als mehr oder minder guter Cop einen Prostitutions-ring auf, der von einem Neutra-Haus im Gri∞th Park aus geleitet wird.

Griffith Park „Nightcrawler“

Led Zeppelin

Chaos pur Als Mitglied einer der größten Rockbands aller Zeiten auf einem Motorrad durch die Lobby des Chateau Marmont cruisen? Klingt nach einer guten Idee.

Behinderung der Justiz Jake Gyllenhaal zieht als soziopathischer Kameramann durch die Stadt und filmt blutüberströmte Tatorte; seine Homebase ist in Echo Park.

Beverly Hills Mid-Wilshire

Downtown

Culver City Notorious B.I.G.

Mord Der Rapper wurde 1997 vor dem Petersen Automotive Museum aus einem vorbeifahrenden Wagen erschossen. Das Verbrechen ist ungeklärt.

„Heat“

Bankraub In einem 10-Minuten-Furioso aus Banküberfall und Feuergefecht ballern sich Robert De Niro und Val Kilmer mit dem Sturmgewehr durch die Innenstadt.

„Drive“ „Ray Donovan“

Bestechung Liev Schreiber schreckt nicht vor Gesetzesübertretungen zurück, um die Probleme seiner Klienten zu lösen; er holt sie in Culver City aus dem Knast.

THE RED BULLETIN

Raubüberfall Ein Fluchtauto lenken kann Ryan Gosling als Stuntfahrer ebenso gut wie jemanden erschlagen. Sein Schwarm Irene und er wohnen beim MacArthur Park.

„Collateral“

Attentat Auftragskiller Tom Cruise nimmt Taxler Jamie Foxx als Geisel, um seine Todesliste abzuarbeiten. Der Showdown erfolgt nahe dem Staples Center.

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BULLEVARD

EINS, ZWEI, POLIZEI DAS WAR WOHL NICHTS Die dümmsten Verbrecher der Welt

WAYNE WADE HOLLYWOOD, FLORIDA Der Dieb vergaß bei einem Haus­ einbruch sein Handy. Er rief an, um es wiederzufinden. Ein Polizist ging ran. Den Rest kann man sich denken.

PAUL ROBERT BENSON MANCHESTER, ENGLAND Wer im Laden klaut, sollte sicher­ gehen, dass er nicht ein Man­ chester-United-Trikot mit dem eigenen Namen drauf trägt.

„Guns“, Andy Warhol, ca.  1981 – 1982

WIE WIRD VERBRECHEN KULT?

Hier die fünf Kriterien, mit denen es ein Fall in die Schlag­ zeilen schafft. (Nicht zur Nachahmung empfohlen, übrigens.)

WIDERSPRÜCHLICHE INDIZIEN Alles ergibt irgendwie keinen Sinn. Was er sagt, passt nicht zu dem, was sie sagt. Die Cops finden die Waffe nicht. Die DNA-Proben stimmen nicht überein. „Das sind die interessantesten Fälle. Du wägst die Beweise ab und fragst dich selbst: ‚Überzeugt mich die eine oder eher die andere Seite?‘ Und findest keine Antwort.“

2.

IST ER UNSCHULDIG? Jeder Funken Zweifel, dass der Angeklagte schuldig ist, heizt Debatten an. „Diese Fälle zer­ ren an den Nerven. Denn eine falsche Verdäch­ tigung kann uns allen passieren, du brauchst nur zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.“

22



WAS HABEN SICH DIE GESCHWORENEN NUR GEDACHT? Geschworene werden von der Außenwelt abgeschottet. Das kann zu einer ziemlichen Diskrepanz zwischen öffentlicher Meinung und Geschworenen­ urteil führen. „Jeder auf der Welt weiß irgendwie Bescheid, nur die Geschworenen nicht? Wenn wir meinen, dass etwas ungerecht abgelaufen ist, frustriert uns das.“

KAINRATH

4.

JE MEHR BLUT, DESTO BESSER Es gibt etwas an exzessiver Gewalt und den grausamen Details eines Mordes, das ganz tief an uns rührt. „Eine Grundregel von Kriminal­ geschichten ist, dass sie uns tief in die mensch­ liche Natur blicken lassen, über den Tellerrand eigener Erfahrungen hinaus. Deshalb sind diese Fälle so fesselnd. Wenn etwas an einem Verbre­ chen wirklich ungewöhnlich ist, reagieren die Menschen sehr emotional darauf.“

Verbrechen sind … DIETMAR KAINRATH

1.

3.

5.

AKTUELLE THEMEN Wenn eine Geschichte eine öffentliche Debatte anstößt, weißt du: Jetzt ist der Nerv der breiten Masse getroffen. „Ein Verbrechen, das einen wunden Punkt trifft, setzt einen Kreis­ lauf in Gang; als wäre man auf eine Goldmine gestoßen. Weil es in den USA kürzlich eine Menge Storys rund um Todesfälle männlicher schwarzer Teens gab, kommt nun jeder Fall, der in dieses Schema passt, in die Medien.“

… eine Frage der Perspektive.

THE RED BULLETIN

CORBIS, GETTY IMAGES

Der gefeierte BaseballAutor Bill James ist dank seinem Statistik-Ansatz im Teambuilding eine Berühmtheit: in den USA und seit „Moneyball“ weltweit. In seiner Freizeit widmet er sich am liebsten wahren Kriminalfällen und schrieb darüber das Buch „Popular Crime“. Im Zeitalter von Oscar Pistorius und Trayvon Martin (dem 2012 in Florida von einem Nachbarn erschossenen 17-jährigen Schüler) fragten wir ihn, was ein Ver­ brechen braucht, um die Massen zu fesseln.

PETER WELSH und DWAYNE DOOLAN BEAUDESERT, AUSTRALIEN Zu Silvester wollten die zwei einen Tunnel in ein Juwelier­ geschäft graben. Sie landeten bei KFC. Also gab’s Geflügel statt Geschmeide.


BULLEVARD

BITTE RECHT FREUNDLICH

WER WAR’S?

Das Star-Rätsel: Welche Celebrity hat welche Straftat begangen? Die Kombination 2 c) gilt nicht.

6' 4"

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3' 6"

3' 6"

3' 2"

3' 2"

2' 8"

2' 8" WIZ KHALIFA 1

JENNA JAMESON 2

VINCE VAUGHN 3

REESE WITHERSPOON 4

MARILYN MANSON 5

a) RAUFHANDEL IN DER ÖFFENTLICHKEIT — b) ALKOHOL UND DROGEN AM STEUER — c) SEXUELLE NÖTIGUNG d) MARIHUANABESITZ — e) UNGEBÜHRLICHES VERHALTEN Auflösung: 1 d) 2 b) 3 a) 4 e) 5 c)

SCHARFE BULLEN

GETTY IMAGES(5), INSTAGRAM(4)

Vier Polizei-Instagram-Accounts, denen man unauffällig folgen sollte.

Polizei Queensland

Polizei Reykjavík

NYPD/Polizei New York

Polizei Portland (Oregon)

Follower: 8800 Ein fast schon ungesunder Spleen für die Jagd auf Captain Jack Sparrow. Johnny Depps Hündchen müssen draußen bleiben! instagram.com/qpsmedia

Follower: 160.000 Scharfe Bräute in Uniform, Cops beim Schneemannbauen und bei Skateboard-Tricks und dazu jede Menge Hündchen – auf nach Island! instagram.com/logreglan

Follower: 28.200 Böse Buben hopsnehmen und Beweise sichern: der scharf gestellte Alltag von New Yorks legendären Gesetzeshütern. instagram.com/nypd

Follower: 1100 Ironische Donuts. Weiße Ganzkörper­ kondome im Dienste der Wissenschaft. Und Lola, die stolzeste Hündin der Welt. instagram.com/portlandpolice

THE RED BULLETIN

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HARDCORE CLOWNS DU KANNST EIN HELD SEIN, EGAL WIE ­L ÄCHERLICH DU AUSSIEHST: BULLFIGHTER RETTEN GESTÜRZTE RODEO-REITER VOR RASENDEN STIEREN. WÄHREND SIE LEBEN RETTEN, TRAGEN SIE ABSURDE KOSTÜME. TEXT: ANDREAS ROTTENSCHLAGER FOTOS: JIM KRANTZ


Bullfighter Josh Daries auf den Rodeo Grounds in Clovis, Kalifornien: „Wer keine Angst hat, ist verrückt.“



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JOSH DARIES’ VERWANDLUNG ­B EGINNT AM SONNTAGMORGEN IN EINEM STICKIGEN WOHNWAGEN AM RAND DER RODEO-ARENA VON CLOVIS, KALIFORNIEN. Daries, 26, schlank, wasserblaue Augen, schlüpft in seinen Tiefschutz und wickelt Bandagen um ­seine Handgelenke. Er bindet eine HartplastikSchutzweste um seinen Oberkörper und führt Kreisbewegungen mit beiden Armen aus, um zu prüfen, ob die Weste sitzt. Teil eins seiner Verwandlung ist der normale Teil. Für Teil zwei steigt Daries in ausgewaschene Jeansshorts – drei Nummern zu groß, Größe XXL, ausgefranste Enden. Dann kramt er ein oranges Batikhemd aus seinem Koffer, das mit rot-pinken Wasserfarbentupfern übersät ist, und knöpft es über seiner Schutzweste zu. Um die Verwandlung abzuschließen, fehlt noch ein bisschen Make-up. Mit einem violetten Schminkstift zieht Daries Kreise unter seinen Augen und über sein Kinn. Die Flächen malt er mit weißer Fingerfarbe aus. Daries knipst ein Selfie mit seinem iPhone, um das Ergebnis zu kontrollieren – perfekt. Seine Verwandlung ist abgeschlossen: Daries ist ein Gladiator im Outfit eines Clowns. In einer Stunde beginnt sein Arbeitstag. Rodeo-Reiter beim Finale in Clovis. Es geht um 300.000 Dollar Preisgeld.

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Die BullďŹ ghter Josh Daries (li.) und Eric Layton auf dem Weg in die Arena. Unter ihren bunten Hemden tragen die beiden Schutzwesten aus Hartplastik.


„DEN MUT EINES MANNES ERKENNST DU NICHT AM OUTFIT.“ Josh Daries ist Bullfighter. Ein Bodyguard für Rodeo-Cowboys. Wirft ein Bulle seinen Reiter ab, bietet Daries sich dem Tier als reizvolleres Opfer an, was dem Mann Zeit verschafft, sich in Sicherheit zu bringen. Das ist die optimale Variante. Bei den suboptimalen Varianten verheddert sich der Cowboy entweder im Halteriemen und wird von einem 900­Kilo-Stier mitgeschleift. Oder er bleibt nach dem Sturz bewusstlos am Boden 28



l­ iegen. Dann muss ein zweiter Bullfighter den Stier ablenken, während sich Daries schützend auf den Cowboy wirft und hofft, dass er nicht totgetrampelt wird. Bullfighter sind die stillen Helden ­jedes Rodeos. Quietschbunte Männer in Riesenhosen, die ihr Leben riskieren, um Cowboys zu retten. Weil ihre Vorgänger, die Rodeo-Clowns, Anfang des 20. Jahrhunderts die Zuseher mit Gags unter­ hielten, tragen viele Bullfighter heute

noch schrille Outfits. „Das ist Teil unserer Geschichte“, sagt Daries, als er im Wasserfarben-Hemd und weiß geschminkt aus dem Wohnwagen klettert. Vor zwei Tagen ist Daries in seinem DodgePick-up nach Clovis gereist, einer FarmerStadt am Fuß der Sierra Nevada, vier Auto­ stunden nördlich von Los Angeles. Der 100.000-Einwohner-Ort ist verrückt nach Rodeo. Seit über hundert Jahren werden THE RED BULLETIN


Josh Daries lenkt einen Stier ab. „Er hört auf seinen Namen.“


Oben: verletzter Cowboy mit Armschiene. Unten: Die Bullfighter Tim O’Conner, Eric Layton und Josh Daries (v. li.) wärmen sich für das Finale des 101. Clovis Rodeo auf.


Bis zu fünfzig Rodeos a­ bsolviert Josh Daries pro Jahr als Bullfighter-Athlet. Das Make-up ist Teil der Geschichte seines Sports. Es erinnert an eine Zeit, in der Bullfighter als „RodeoClowns“ das Publikum unterhielten.

die Bewerbe ausgetragen. Das Stadt­ wappen von Clovis ziert ein Cowboy. Zwanzig Minuten vor dem Rodeo steht Daries im Seiteneingang der Arena und dehnt seine Adduktoren. „Schnelle Beine sind meine Lebensversicherung“, sagt er. Daries muss in spitzem Winkel Richtung Bullen-Hinterteil sprinten, damit sich das massige Tier erst umdrehen muss, ehe es die Verfolgung aufnimmt. Es geht um ­entscheidende Zentimeter. „Ein Huftritt kann dich ausknocken oder dir die Rippen brechen“, sagt Daries. 1989 starb der ­Rodeo-Reiter Lane Frost an den Folgen ­einer Bullen-Attacke. Seine gebrochenen Rippen hatten sich in sein Herz gebohrt. Daries hatte bisher Glück: zwei Knie­ operationen, diverse ausgerenkte Gelenke.

JOSH SPRINTET. SCHWEISS ­R UINIERT SEIN MAKE-UP. THE RED BULLETIN

Vor zwei Jahren rammte ihm ein Bulle sein linkes Horn gegen das Kinn. Daries war benommen, konnte kaum aufstehen. Aber er machte weiter. Noch fünf Minuten. Daries beugt sein Knie zur Erde und betet: „Gott, beschütze mich, meine Kollegen, die Rodeo-Reiter und alle Stiere in der Arena.“ Die Bullfighter sind heute zu dritt. ­Daries’ Kollegen tragen Kanarienvogel­ blau und Tulpenrosa. Es ist der Finaltag in der Königsdisziplin Bullenreiten. Das Rodeo-Feld von Clovis misst 150 mal 40 Meter und wird an den Längsseiten von Stahltribünen begrenzt. 7000 Fans sind gekommen. Aus den Lautsprechern donnert Popmusik. Beim Bullen-Rodeo müssen sich die Reiter acht Sekunden auf dem buckelnden Tier halten, mit nur einer Hand an der Halteleine. Punkterichter bewerten die Eleganz des Reitstils in Verbindung mit der Wildheit des Bullen. Das Clovis Rodeo zählt zur Serie der Professional Rodeo Cowboys Association. An diesem Wochen­ ende werden an die 300.000 Dollar Preis­ geld ausgeschüttet. Auf dem Rodeo-Feld haben Daries und seine Kollegen begonnen, die Reiter im Akkord abzufertigen. Der Tulpenhemd­

mann flitzt um schnaubende Stiere. Der Bullfighter im Kanarienvogelhemd zieht Cowboys aus der Gefahrenzone. Für die Reiter ist die Gefahr nach acht Sekunden vorbei. Auf Daries warten noch 19 weitere Ritte. Schweiß ruiniert sein Make-up. Den spektakulärsten Abwurf liefert an diesem Nachmittag ein Bulle namens Crystal Deal. Er buckelt und stampft. Die Hand des Cowboys krampft sich am Halte­ seil fest. Ohne Erfolg. Er segelt vom Rücken des Tiers. Sofort sind die bunten Body­ guards zur Stelle. Der Kanarienvogelmann zieht den Reiter hoch. Der Cowboy torkelt Richtung Gatter – gerettet. Der Sieger des Rodeos wird später e­ inen Scheck über 5696 Dollar entgegennehmen. Und die Bullfighter? „Nicht so viel, dass es die Gefahr wert wäre“, sagt Daries. Sein Lohn ist, wenn sich keiner verletzt. Manch­ mal spendiert ein Cowboy ein Bier. Zwei Stunden nach dem Rodeo steht Daries vor seinem Dodge – frisch geduscht im gebügelten Jeanshemd. Er hat sich wieder zurückverwandelt. Was er aus acht Jahren lebensgefähr­ licher Arbeit im Clownkostüm gelernt hat? „Dass man den Mut eines Mannes nicht am Outfit erkennt.“ Rodeo-News: www.prorodeo.com

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„Animal Athletes“ nennen die RodeoReiter ihre Stiere. Hier wirft Animal Athlete Crystal Deal einen Cowboy ab. Für die Bullfighter Eric (2. v. li.) und Josh (re.) bedeutet das Arbeit.



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Links: Eric (li.) lenkt den Bullen ab. Der Cowboy macht sich aus dem Staub. Unten: Die Bullfighter 足decken jeweils 180 Grad des 足Sichtwinkels eines Stiers ab.


Nach einem harten Tag in Clovis schleppt sich Josh Daries zurück in den Wohnwagen. Später wird er in seinen Dodge-Pick-up steigen und zum nächsten Rodeo pilgern. Links: Rodeo-Reiter versorgen ihre Blessuren. Die Top-Athleten der Professional Rodeo Cowboys Association verdienen fünfstellige Beträge.

THE RED BULLETIN

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HEROES

„ERFOLG BRAUCHT KEINE INSZENIERUNG“ ALEXANDER MEGOS Der 22-jährige Erlanger gilt als Welttalent im Felsklettern. Und weiß, wie man Karriere macht, ohne sich zu verkaufen.

the red bulletin: Herr Megos, Sie zeigen mir gerade das dritte Foto eines blutigen Fingers auf Ihrem Smartphone. Sammeln Sie diese Bilder etwa? alexander megos: Ja, viele Kletterer machen das. Blutige Finger sind Trophäen. Wenn meine Finger bluten, habe ich mich angestrengt. Dieses Bild zum Beispiel: ein supertiefes Cut im Zeigefinger … … aaah! 36



Ich musste die Haut rund um das Cut mit einer Rasierklinge wegschneiden, damit es bes­ ser heilt. Sie behandeln Ihre Wunden mit Rasierklingen? Ich mache kleine chirurgi­ sche Eingriffe. Du cremst den Finger über Nacht ein. Am nächsten Tag schneidest du die feuchte Haut rund um das Cut weg, bis eine glatte Fläche entsteht. Dann wächst das Cut besser zu. Wenn man keine Creme hat, kann man auch Schleifpapier nehmen und die trockene Haut abschleif… … okay. Bitte wechseln wir

aufhalten muss. Das hat mich ­immer gestresst. Im Fels sind die Routen extremer. Man kann sie hundertmal klettern und dabei sein Limit suchen. Das ist für mich entscheidend. Sie sind ein Naturmensch. Definitiv. Für mich heißt klet­ tern, mit Freunden einen Trip planen, in die Wand steigen, am Lagerfeuer kochen und im Zelt schlafen. Wenn Sie so weiterklettern, werden Sie aber zwangs­ läufig berühmt. Ich würde lieber ein besserer Kletterer als berühmt werden. Man kann erfolgreich sein, ohne sich zu inszenieren. Wie funktioniert das? Indem du auf Dinge ver­ zichtest, die dich von deinem

„BLUTIGE FINGER SIND TROPHÄEN. WENN MEINE FINGER BLUTEN, WEISS ICH, DASS ICH MICH ANGESTRENGT HABE.“ das Thema. Sie sind für Ihre Durchsteigungen extrem schwieriger 9a-Routen berühmt. Was denkt man sich, wenn man zum ersten Mal an so einer Wand hochsieht? Dass man Glück braucht. Wenn man eine Route onsight – also zum ersten Mal – klet­ tert, kennt man weder die Be­ schaffenheit noch die richtige Kombination der Griffe. Es ist fast unmöglich, hochzu­ kommen, weil es zu viele ­unbekannte Variablen gibt.

Das gibt mir Zufriedenheit, auch wenn es nur eine Vorstel­ lung ist. Wenn ich später wie­ der an die Route denke, sehe ich nicht den gescheiterten realen Versuch, sondern den erfolgreichen eingebildeten. So trickse ich mich selbst aus. Mit Ihrem Talent könnten Sie reihenweise Titel gewinnen. Warum sieht man Sie so selten bei Wettkämpfen? Bei Wettkämpfen gibt es Re­ geln, Zeitlimits, bestimmte Orte, an denen man sich

­ alent abhalten. Ich sage T Shootings und Events ab, sobald sie mein Training be­ einflussen. Fotoshootings sind nicht so mein Ding (lacht). Wie messen Sie Erfolg? Nicht an Titeln, sondern am Lerneffekt. An manchen Tagen kann man nichts Schwieriges klettern. Dann habe ich Spaß in der Wand. Und am Abend sitze ich am Lagerfeuer. Andreas Rottenschlager instagram.com/alexandermegos THE RED BULLETIN

ADAM PRETTY

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ls Alexander ­Megos am 26. März 2013 seinen Laptop aufklappte, konnte er die ­Jubelmeldungen über sich im Stundentakt lesen. Der damals Neunzehnjährige hatte in ­Katalonien eine Route im Schwierigkeitsgrad 9a im Erst­ versuch durchstiegen – eine Weltpremiere. Seither ver­ blüfft der Mann mit dem ­Kindergesicht die Kletterwelt mit immer extremeren Routen. Längst gilt er als Ausnahme­ talent, obwohl er kaum Wett­ kämpfe bestreitet und sich nur ungern inszeniert. Statt um Titel zu kämpfen, geht Megos lieber zelten.

Sie schaffen es trotzdem immer wieder. Wie fühlt sich eine 9a-Route an? Stellen Sie sich Griffe vor, die so schmal sind wie die Kanten zweier Kreditkarten, die man aneinanderklebt. Solche Griffe kosten Kraft. Du musst schnell Entscheidungen treffen kön­ nen. Eigentlich bin ich mental nicht in der Lage, eine 9a ­onsight zu klettern. Wie meinen Sie das? Man muss den Kopf auf Knopfdruck freikriegen. Das schaffe ich nicht immer. Wie kriegt man einen freien Kopf auf Knopfdruck? Indem man Erfolg visualisiert. Wenn ich abends im Bett liege, klettere ich die Route in mei­ nem Kopf fünfmal fehlerfrei.


Alexander Megos, 22, Kletterextremist: „­ Regeln haben mich ­immer gestresst.“


HEROES

„LASS DICH NICHT ZUM NICE CUBE MACHEN“ ICE CUBE „Straight Outta Compton“ kommt in

die Kinos, O’Shea Jackson Jr. spielt seinen Vater Ice Cube. Ein Doppel-Interview.

the red bulletin: O’Shea Jr., warum hast du eingewilligt, deinen Vater zu spielen? O’Shea jackson jr.: Für mich ist die Geschichte der N.W.A wichtiger als meine Rolle. Es geht da letztlich um das Vermächtnis meiner Familie, die Basis von allem. Diese Geschichte wollte ich richtig erzählt wissen, wollte mitbestimmen, welches Bild sich die Leute von meinem Vater machen. Ich kenne ihn schließlich besser als jemand, der sich „eingehend“ mit ihm „befasst“. Ich hab ihn über zwanzig Jahre studiert, den Film hab ich mir zugetraut. Dann ging’s vor allem darum, mein Schauspiel zu schärfen. ice cube: Ich bin so stolz. Ich sagte ihm, was wirklich in mir vorging während einiger die­ ser Szenen. Er musste wissen, was ich von allen dachte, was 38



mir damals durch den Kopf gegangen war. Das hat er als Munition benutzt. Er brachte mich perfekt auf den Punkt. O’Shea, was ist das Wichtigste, was du von deinem Vater gelernt hast? O’Shea: Mut. Als Teenager hat er mir viel über Selbst­ vertrauen beigebracht. Ich weiß noch, wie er zu mir sagte: „Die Mädels stehen drauf, wenn du weißt, was du tust.“ Wenn du kein Selbstvertrauen hast, wie sollen sich andere auf dich verlassen? Hat es, glaubst du, eine Rolle gespielt, dass du nicht in

kann, egal was man mir sagt. Unterm Strich werde ich nur dann glücklich sein, wenn ich mir treu geblieben bin. … da wird einem Vater warm ums Herz, nicht? cube: Ich möchte nicht, dass er glaubt, er müsse sich vor ­irgendjemandem rechtfertigen. Außer vor sich selbst. Ich kann mir vorstellen, dass Hollywood versucht hat, dich gefügig zu machen? Cube: Sie wollten den Ice Cube verdammt noch mal zum Schmelzen bringen. Lässt dein alter Herr dauernd solche Sager los? O’Shea (lacht): Die ganze Zeit, Mann! Einmal gingen wir in den Zoo. Dann sagte er: „Sogar ein Löwe weiß, wenn

„… PAH! HÄTTET IHR MICH LIEBER NETT, ODER SOLL ICH EUCH DEN GANZEN KRANKEN SCHEISS TIEF IN MIR DRIN ZEIGEN?“ Compton aufgewachsen bist? O’Shea: Nein. Als Schauspieler kommt es darauf an, was in deinem Charakter vorgeht. Und von meinem Vater steckt so viel in mir, so viel von seinen Eigenheiten, dass ich aufpassen musste, nicht allzu sehr Schauspieler zu sein. Es ging darum, es so echt wie möglich zu machen. cube: Als Schwarzer in Ame­ rika kriegst du überall dein Fett ab. Jeder sieht dich an, als hättest du nichts, als kämst

sind echt. Da gibt es keinen Charakter oder Schauspieler. Was mich überrascht, ist, dass Leute dich in einem Film ­sehen und glauben, du seist wirklich so. Die Leute würden lieber Nice Cube statt Ice Cube sehen. Pah! Hättet ihr mich lieber nett, oder soll ich euch den kranken Scheiß tief in mir drin zeigen? O’Shea, was kannst du von deinem Vater lernen? O’Shea: Seine Karriere zeigt mir, dass ich immer ich sein

er es mit zu vielen Hyänen zu tun hat“, nur um mir klar­ zumachen, dass man auf die Umgebung achten soll. Er hat einen ganzen Sack davon. Ich liebe das. Cube: Lass mich dir das eine sagen: Sei gut zu deinen Kin­ dern. Es zahlt sich aus. Eines Tages bist du ein alter Sack, und sie werden sich um dich kümmern müssen. Andreas Tzortzis straightouttacompton.com THE RED BULLETIN

UNIVERSAL PICTURES

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nde der Achtziger schaffte es Ice Cube mit den Rap-Pionie­ ren der N.W.A („Nig­ gaz Wit Attitudes“) ganz nach oben. Ihr Durchbruch: das ­Album „Straight Out­ ta Compton“ (1988). Dessen ­Geschichte erzählt der gleich­ namige Film von F. Gary Gray.

du direkt aus dem Ghetto. Egal wie viel Kohle er hat, mein Sohn spürt immer noch diesen Druck. Aber es ist egal, woher du kommst. Es geht ­darum, wo du stehst. Wenn du auf deine Karriere zurückblickst, deinen Weg vom Gangsta-Rapper zum Produzenten und Schau­ spieler in Familien­filmen – überrascht dich diese Entwicklung manchmal? cube: Nein. Du musst unter­ scheiden zwischen der FilmSache – mit dem Spielen, dem Produzieren, dem Regie­ führen – und der Musik. Mei­ ne Filme sind großartig, sie bewirken Gutes, die Leute ­lieben sie. Aber Filme sind Fantasie, und meine Platten


O’Shea Jackson Jr., 24, und Vater Ice Cube, 46: „Unterm Strich werde ich nur glücklich sein, wenn ich mir treu ­geblieben bin.“


HEROES

„ABENTEUER KANN MAN DENKEN“ SEAN CONWAY Der Triathlet, Extrem-Kajaker und Profifotograf hat sein Leben dem Abenteuer gewidmet. Abenteurer kann jeder werden, sagt er. Sogar nach Feierabend.

Mehr kann ich vorläufig aber noch nicht verraten. Hat jeder das Zeug zum Abenteurer? Na klar. Sieh mich an: Ich bin 1,72 Meter groß und 65 Kilo schwer. Ich bin bloß dieser Typ mit den vielen Haaren, der beim Schulsport nichts zu melden hatte. Hattest du nie Angst? Bloß vor einem normalen Leben.

Und was tut jemand, der sein furchterregendes ­normales Leben nicht ­verlassen möchte? Kein Grund zur Sorge. Abenteuer ist eine Art zu denken. Du musst nicht mal deinen Job kündigen: Es bleibt auch nach Feierabend genügend Zeit dafür, gewohntes Terrain zu verlassen. ­Graeme Lennox seanconway.com

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ean Conway hat als erster Mensch den Ultimate British Triathlon beendet: Er durchquerte Großbritannien dreimal: radelnd von Nord nach Süd (2008), schwamm entlang der Westküste von Süden nach Norden (2013) und lief von Norden nach Süden (Mai 2015).

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Sean Conway, 34, Ausdauer­ philosoph: „Ich bin bloß dieser Typ mit den ­vielen Haaren.“

JAMES CHEADLE

the red bulletin: Nie ans Aufgeben gedacht dabei? sean conway: Die Schmerzen waren kein Spaß, aber körperliche Schmerzen gehen vorbei. Der emotionale Schmerz des Versagens nicht. Der sitzt tiefer. Das musst du wissen. Wie wurdest du Profi-­ Abenteurer? Das normale Leben hat mich krank gemacht. Also radelte ich 16.000 Meilen um die Welt. Ich hab mich ziemlich verschuldet, aber ich hielt durch, und mein Leben hat sich völlig verändert. … und zwar wie? Es ist total einfach und total unabhängig. Keine Schulden, keine Verpflichtungen, ich lebe auf einem 60 Fuß langen ehemaligen Boot der Royal Air Force, das ich für 2000 Pfund bei eBay gekauft habe. Mit dem Geld, das mir übrig bleibt, kann ich sogar andere Abenteurer unterstützen. Was kann es nach dem ­Ultimate British Triathlon noch für Ziele geben? Einen Ironman, der statt zwölf Stunden drei Monate dauert.

THE RED BULLETIN


© 2015 adidas AG

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„FÜRS AUFGEBEN HAB ICH

FUSSBALL VIEL ZU SEHR

GELIEBT“ NOCH ERSTAUNLICHER ALS MARC JANKOS TORINSTINKT IST SEINE FÄHIGKEIT, RÜCKSCHLÄGE ZU MEISTERN. EIN GESPRÄCH MIT DEM NEUEN STÜRMER DES FC BASEL ÜBER STURHEIT UND LEIDENSCHAFT, MUT, GOTT, WEGE UND ­U MWEGE ZUM ERFOLG. TEXT: CHRISTOPH RIETNER & STEFAN WAGNER FOTOS: LUKAS GANSTERER 42

Marc Janko beim Red Bulletin-­ Fotoshooting in Wien: Sein Fallrückzieher-Siegestor in Moskau Mitte Juni schrieb österreichische Sportgeschichte.


Sportliche Gene: Jankos Mutter Eva holte 1968 olympisches SpeerwurfBronze in Mexiko, ­Vater Herbert war österreichischer SpitzenHochspringer.


the red bulletin: Herr Janko, Sie sind jetzt 32, rein wirtschaftlich ginge sich ein Karriere-Ende schon aus. Und es gibt sicherlich manche Tage, an denen Ihr Körper nach zwei Jahrzehnten ­Spitzensport keine Lust auf Fussball hat. Warum tun Sie weiter? marc janko: Das ist ganz einfach: weil ich wahnsinnig gern Fussball spiele. Wer darf das von sich behaupten, dass er mit dem Geld verdient, was er am liebsten macht? Zusätzlich gibt es dann diese ­Momente, wo du als Stürmer das Sieges­ tor schiesst und 50.000 Leute jubeln und happy nach Hause gehen. So was erleben zu dürfen, das ist ein riesiges Privileg. Und jetzt kommt natürlich das riesige Ziel dazu, dass ich Teil dieser Mannschaft bin, die sich erstmalig in der österreichischen Fussballgeschichte für eine Europameister­schaft qualifiziert. Fehlt Ihrer Karriere noch was? Wenn ich jetzt aufhören würde, in diesem Moment, wäre ich extrem zufrieden damit,­ wie alles gelaufen ist. Wegen der Titel in Österreich, Portugal, Holland und Aus­ tralien, wegen der internationalen Erfolge. Aber auch weil ich so viele Widrigkeiten überwunden hab. Das macht mich viel­ leicht am meisten stolz.

REUTERS

Das erste Mal endete Marc Jankos Fussball-Laufbahn mit sechzehn. Er wuchs in einem Jahr 14 Zentimeter, aus dem Nachwuchs-Sturmstar bei Admira ­Wacker („Ich war immer Torschützenkönig, weil ich allen davongerannt bin. Die anderen mussten nur den Ball nach vorne schiessen“) wurde ein ungelenker Schlaks. „Ich kannte mich in meinem Körper nicht aus. Wenn ich gelaufen bin, war das wie gegen den Wind. Meine Sehnen sind mit dem Wachstum nicht mitgekommen. Wenn Überstreckungen passierten, hat es irgendeinen Sehnen­ ansatz ­erwischt, und wieder Pause.“ Stellt man sich nicht die Sinnfrage, wenn man so früh von einer Verletzung in die nächste stolpert? Aufgeben war nie ein Thema. Ich war ein­ fach stur und hab gesagt: Ich probiere es bis Mitte zwanzig. Vorher geb ich nicht auf. Fürs Aufgeben hab ich Fussball viel zu sehr geliebt. Nicht nur Ihre eigene Motivation war gross, offenbar auch die Ihrer Eltern, bei denen Sie ja bis 21 gewohnt haben – jahrelang als Talent mit bescheidenen Aussichten auf eine grosse Karriere. Meine Eltern haben mich immer total ­unterstützt. Aber als ich dann 18, 19, 20 war, gab es schon Vieraugengespräche, ob ich nicht was anderes machen will, THE RED BULLETIN

„DASS ICH SO VIELE WIDRIGKEITEN ÜBERWUNDEN HAB IN MEINER KARRIERE, DAS MACHT MICH VIELLEICHT AM MEISTEN STOLZ.“ was „Gescheites“. So richtig geglaubt hat da niemand mehr an mich. … aber die Trainer. „Bleib dran, Bub, du schaffst das“, so in der Art? Nie. Ich war wirklich der Einzige, der dar­ an geglaubt hat, dass das mit der ProfiKarriere noch was wird bei mir. Und un­ bewusst hab ich sogar selber gespürt, dass es langsam eng wird. Du bist zwanzig, und in der Zeitung liest du, dass in Eng­ land der Wayne Rooney mit siebzehn ­Profi wird. Da denkst du schon nach. Ein einziges Spiel hat dann alles ge­ ändert, Ihr erstes Meisterschaftsspiel ­gegen den GAK 2004. Ich war sogar schon auf der Uni in Jus ­inskribiert. Ich kam zur Halbzeit bei 0:4 aufs Feld, hab ein Tor gemacht, und die­ ses Tor hat aus heutiger Sicht sehr viel verändert, ja. Dass ich überhaupt im ­Kader stand an diesem Tag, war reiner Zufall, nur weil extrem viele Spieler aus­ gefallen waren.

Janko traf auch in seinem zweiten Spiel für Admira. Der hünenhafte Rookie fiel Kurt Jara auf, dem Trainer von Red Bull Salzburg. Man traf sich auf einer Autobahnraststätte bei Linz. „Ich hab mir von der Mama das Auto ausgeborgt. Der Kurt Jara hat mir einen Vertrag auf den Tisch gelegt und gesagt: ‚Unterschreib da, und dann gehörst du zu uns.‘“ Janko unterschrieb. Aus einem Vertrags-­ Amateur mit rostigem Mazda Popeye wurde so ein Profi mit eigenem Auto („Alle Spieler haben einen neuen A4 ­gekriegt!“), erster eigener Wohnung und gut dotiertem Vertrag. „Und das nur vier Monate nach dem ersten Spiel gegen den GAK. Ein Traum.“ Janko gelang es ausserdem, sich in dem Star-Ensemble – Zickler, Ježek, Mayrleb, Schopp etc. – durchzusetzen. Er wurde zu einem verlässlichen Salzburger Torschützen, „11 Tore in 17 Spielen!“, 2006 debütierte er 23-jährig im Nationalteam.

REKORDSAISON 2008/09 holte Marc Janko mit dem FC Red Bull Salzburg seinen zweiten Meistertitel, krönte sich mit 39 Treffern zum Torschützenkönig und gewann den Bronzenen Schuh der UEFA. Die IFFHS (International Federation of Football History and Statistics) wählte ihn zum weltbesten ErstligaTorjäger 2009.

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„PROFISPORT IST IM ENDEFFEKT EIN BRUTALES GESCHÄFT, ES GEHT UM SEIN ODER NICHTSEIN.“ Alles sah nach einem zwar späten, aber doch glücklichen Ende Ihres jahrelangen Profi-Anlaufs aus. Bis zum Spiel gegen den GAK 2006, als Ihnen ein ­Gegenspieler gegen das Standbein rutschte, Bruch der rechten Schienbeinvorderkante, Knochensplitter im Gelenk und im Knorpel … Das wusste man aber erst viel später. Es sah ja zuerst relativ harmlos aus, ein paar Tage abwarten, dann wird’s schon wieder. Aber aus den Tagen wurden Wochen, wir haben sechs oder sieben Magnetresonanz­ tomographien gemacht, niemand konnte etwas sehen, es war zermürbend. Erst bei einem Spezial-MRT in München entdeckte man die Splitter im Gelenk. Splitter im Gelenk: Wie geht man mit so einer Schocknachricht um? Eigentlich war’s im Gegenteil eher eine gute Nachricht, denn da wusste man: Okay, Splitter rausoperieren, und alles wird wieder gut. Mit diesem Gefühl bin ich dann auch in die Narkose gegangen. Nach dem Aufwachen sagte der Arzt aber, dass er mir etwas Unangenehmes sagen müsse: dass die Operation schwierig war und weitaus mehr kaputt war als an­ genommen. Ich habe gefragt: „Wann kann ich wieder Fussball spielen?“ Er: „Wir wissen erst in ein paar Monaten, ob 46



du überhaupt wieder schmerzfrei gehen kannst.“ Das war wie eine Bombe. Als der Arzt aus dem Zimmer war, hab ich ge­ heult. Ich hab mich zuerst richtig gehen lassen. Aber dann hab ich umgeschaltet in meinen Positivmodus. Positivmodus? Ich glaube an die Kraft der Gedanken. Ich beschäftige mich sehr mit Esoterik und Psychologie, mit der Steuerung des Unter­ bewusstseins. Ich habe mir immer wieder gesagt: Ich werde wieder Fussball spielen in sechs bis acht Monaten. Das habe ich mir immer leise vorgesagt. Den ersten Moment auf dem Laufband, zwei Monate nach der Operation … … werde ich nie vergessen. Ich habe ganz langsame Schritte gemacht am Anfang, habe richtig auf den Schmerz gewartet. Ich habe so genau in meinen Körper reinge­ spürt, ich hätte Haare wachsen gefühlt in dem Moment. Aber da kam kein Schmerz. Ich konnte laufen, eine Minute, zwei, und keine Schmerzen. Unglaub­licher Moment. Ich hab gewusst: Es gibt eine Chance, dass es weitergeht mit der Karriere. Janko hatte über ein halbes Jahr ver­ loren, hatte sich nur an einem Hand­ ergometer behelfsmässig fit halten ­können. Die Zeit drängte. Denn längst

lief der Countdown auf das grösste Fuss­ ball-Event, das Österreich je sehen s­ollte: die gemeinsam mit der Schweiz ausgerichtete Heim-EM 2008. Sie sind erst im Winter vor der EM in Salzburg ins reguläre Mannschafts­ training eingestiegen. Dass es knapp wird mit der EM, war klar. Ja, das war klar, aber die Heim-EM war ein so unglaubliches Ziel, das wollte ­natürlich jeder erreichen. Es war immer ein Hoffen, Bangen, Hoffen, Bangen, ob ich dabei bin, bis mich Teamchef Josef ­Hickersberger zur Seite genommen und gesagt hat: „Es hat nicht gereicht, du bist noch nicht so weit.“ Hickersberger war damals österreichischer Teamchef. Waren Sie ihm böse wegen seiner Entscheidung, sind Sie’s vielleicht heute noch? Natürlich war ich wahnsinnig enttäuscht. Aber böse, nein. Er musste eine Ent­ scheidung treffen, und in seinen Augen war es die richtige. Und in Ihren Augen? Ich hätte mich natürlich aufgestellt. Das tust du als Fussballer immer. Musst du. Man hätte Ihre Karriere damals schon ein bisschen mit dem biblischen Hiob vergleichen können, nicht? Wenn ich so gedacht hätte, würde ich heute nicht als Nationalspieler hier sitzen. Ich habe damals anders gedacht: „Okay, die EM kannst du abhaken. Aber du kannst deinen Sport ausüben, das ist ein viel grösseres Geschenk als jede EM.“ In meiner Verletzungszeit habe ich über­ haupt für mich erkannt, dass nichts ­umsonst passiert. Alle negativen Erleb­ nisse lassen dich reifen. Und gerade aus den schwersten Tagen nimmst du das meiste mit. Profisport ist da aber schon eine TurboLebensschule, nicht? Absolut. Das ist im Endeffekt ein brutales Geschäft, es geht um Sein oder Nichtsein. Du lebst auf den Zehenspitzen, weil du dich immer zur Decke strecken musst. Sonst ist da sofort ein anderer. Das sind die Regeln. Das ist nicht immer leicht, wenn du keine Schwäche zeigen darfst. Manche zerbrechen dran, siehe das tragi­ sche Beispiel [des deutschen Nationaltorhüters] Robert Enke, und dann wird auch in den Medien viel diskutiert, aber was ändert sich langfristig? Nichts. Wird sich irgendwann daran was ändern? Ich glaube nicht. Kann jemand, der nicht Profisportler ist, die Gefühlswelt eines Profisportlers verstehen? Nein. THE RED BULLETIN


IMAGO

Im Oktober 2009 kam Jankos bester Freund Gustav Kral bei einem Verkehrsunfall ums Leben. … wir haben mit dem Nationalteam in Innsbruck die WM-Quali gegen Litauen gespielt, ich hab ein Tor geschossen, am nächsten Tag in der Früh hab ich 15 Nachrichten auf dem Handy. Glückwünsche, dachte ich. Aber eine der ersten Nachrichten war von meinem Bruder, er hatte nur geschrieben: „Ruf mich an.“ Am ­Telefon hat er mir gesagt, dass der Gusti tot ist. Ich musste mich hinsetzen, sonst wäre ich umgefallen. Wenige Tage danach stand das nächste wichtige Länderspiel gegen Frankreich an. Denkt man in so einer Situation überhaupt an so etwas? Oder muss man das, als Profisportler? Wir waren an dem Tag in Seefeld. Ich bin dort in die Kirche gegangen, bin stundenlang auf so einer Bank gesessen, alles ­realisieren und einordnen, weinen, den Schock irgendwie verdauen, soweit das halt geht. Aber man ist eben in diesem Umfeld, von dem ich gesprochen hab, in dem man funktionieren muss, keine Schwächen zeigen darf und so weiter. ­Ausserdem hat man ja auch eine Verantwortung gegenüber dem Team, den Fans. Ich hab also beschlossen, dass ich spiele gegen Frankreich, für den Gusti, mit ­Trauerflor. Ich hab dann im Stade de France in Paris sogar ein Tor geschossen. Das hab ich ihm gewidmet, hab den ­Trauerflor vom Arm genommen und zum Himmel gehoben. In Salzburg erlebten Sie zu dieser Zeit unter Huub Stevens Ihre erste wirklich schwierige Phase mit einem Trainer. Ich will ihm nicht absprechen, dass er das Beste für die Mannschaft und für mich wollte, aber wir konnten menschlich nicht miteinander. Und mir ist das menschliche Verhältnis zu einem Trainer immer extrem wichtig gewesen. Am tiefsten getroffen hat mich die Geschichte mit dem Begräbnis vom Gusti. Stevens wollte mich nicht hinfahren lassen, weil wir am selben Abend ein Spiel gegen den LASK hatten. Ich hab ihm garantiert, dass ich pünktlich in Linz bin, war in Tränen aufgelöst, und er meinte nur: „Du kannst die Mannschaft nicht im Stich lassen.“ Sie sind trotzdem zum Begräbnis gefahren. Ja klar. Und hab dort meine Rede ge­ halten, die mir wichtig war. Nach dieser Geschichte war zwischen Huub Stevens und mir nichts mehr zu machen. Sportlich muss ich ihm für manche Dinge dankbar sein, er hat mir einen neuen Spielstil beigebracht, aber zwischenmenschlich … THE RED BULLETIN

EM-REIF Am 14. Juni 2015 erzielte Janko eines der wichtigsten Tore seiner ­Karriere. Mit einem ­Fallrückzieher sicherte er den 1:0-Erfolg gegen Russland in der Qualifikation zur Fussball-EM 2016 in Frankreich. ­Österreich führte ­danach die Gruppe G nach sechs Spieltagen mit 16 Punkten vor Schweden (12) an.

Janko blieb noch ein Jahr in Salzburg, bevor er nach Holland wechselte, zu Twente Enschede, dann zum FC Porto und 2012 weiter in die Türkei zu Trabzonspor – wo neuartige Erlebnisse auf ihn warteten. Trabzonspor wollte mich unbedingt, die haben gar nicht richtig verhandelt, haben alle unsere Bedingungen für den Vertrag akzeptiert, ich wurde mit dem Privatjet eingeflogen. Dann das erste Gespräch mit dem Trainer Şenol Güneş. Und seine erste Frage: „Wer bist du? Welche Position spielst du?“ – Ich dachte zuerst, er macht einen Witz. Aber es war ernst. Der hatte keine Ahnung, wen der Präsident da um drei Millionen eingekauft hatte. Das war ein Vorgeschmack auf das, was mich die nächsten zwei Jahre dort erwartete. Eskaliert ist alles nach einer Niederlage gegen Erzrivale Fenerbahçe. Rivalität ist nicht das richtige Wort, da geht’s um mehr als Sport. Das Spiel gegen Fenerbahçe ist für Trabzonspor das wichtigste Spiel des Jahres. Wenn die Mannschaft absteigt, ist das den Fans egal, Hauptsache, man gewinnt gegen Fenerbahçe. Das ist extrem. Und dann gab es daheim dieses 0:3, ein schlechtes Spiel, kapitale Abwehrfehler. Aber der neue Trainer hat einen Schuldigen an der ­Niederlage gefunden: mich. Ab diesem Match wurde ich behandelt wie einer, der jemanden umgebracht hat. Ich durfte die Mannschaft nicht mehr sehen. Wenn die Jungs am Vormittag trainierten, musste ich am Nachmittag kommen. Ich trainierte mit einem Jugendtrainer, ganz allein, ohne Gegenspieler, ohne Tormann. Als Stürmer? Schusstraining ohne Tormann, ohne Gegenspieler? Alles allein. Monatelang. Ich war komplett isoliert. Sie wollten offenbar, dass ich meinen Vertrag auflöse. Aber ich dachte mir:

„Nein, jetzt erst recht.“ Ich habe den Spiess umgedreht. Habe gefragt, ob ich vielleicht noch öfter trainieren darf, vielleicht schon um sechs in der Früh. Sie sind wirklich nie mürbe geworden? Natürlich war es wahnsinnig schwer. Die Absurdität der Situation war das Ärgste. Wenn man jemanden loswerden will, stellt man ihn doch in die Auslage, damit andere Vereine aufmerksam werden, und versteckt ihn nicht im Keller. Und Sie haben nie eine Erklärung gekriegt? Nie. Nur ein einziges Mal hat der Trainer dann doch mit mir gesprochen. Er sagte: „Bei dem, was du verdienst, musst du das Spiel gegen Fenerbahçe allein gewinnen.“ Punkt, aus, Ende der Begründung. Die ­Situation war für beide Seiten schlecht: Sie hatten einen Spieler, den sie nicht einsetzten, aber bezahlen mussten. Ich war von der Bildfläche verschwunden. Und je länger ich weg war, desto uninteressanter wurde ich auf dem Markt. Meine einzige

„AB DIESEM MATCH WURDE ICH BEHANDELT WIE EINER, DER JEMANDEN UMGEBRACHT HAT.“ 47


Chance, auf mich aufmerksam zu machen, war das WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden im Juni 2013. Ich habe nur auf dieses eine Spiel hintrainiert in den Monaten mit diesem Jugendtrainer. Zugleich ist Marcel Koller ein grosses Risiko eingegangen, indem er sich zu Ihnen bekannt hat. Haben Sie etwas davon in der Türkei mitgekriegt? Das Risiko war unglaublich. Ich habe von mir aus auch gesagt: „Trainer, ich verstehe, wenn Sie mich erst wieder gebrauchen können, wenn ich im normalen Betrieb bin.“ Aber er hat gesagt, ich solle das Beste draus machen. Wir haben regelmässig ­telefoniert, er hat mir Trainingspläne geschickt. Ich glaube nicht, dass ich ohne das Vertrauen von Marcel Koller diese Zeit überstanden hätte. Dieses SchwedenMatch war über Monate meine grösste Motivation. Ich hab mich dermassen gequält im Training, bin über die Grenzen gegangen, wie man das sonst nur im

Match tut, nur um meine Matchhärte nicht ganz zu verlieren. Gegen Schweden schossen Sie tatsächlich ein Tor, das 2:0, letztlich das Siegestor. Aber kein Triumph ohne Rückschlag, scheint’s, denn zehn Minuten später verletzten Sie sich erneut. Eine Minute vor der Halbzeit hab ich bei einem Sprung die Bizepssehne im Oberschenkel gespürt. Ich wollte in der zweiten Hälfte mit Tabletten weiterspielen, weil ich ja wusste, das Match ist nicht nur fürs Team wichtig, sondern auch für meine ­eigene Zukunft. Aber ich konnte nicht einmal gehen. Bis ich wieder laufen konnte, hat es drei Monate gedauert. Mit dem Tor haben Sie dennoch auf sich aufmerksam gemacht, im Winter gab es ein Angebot von Celtic Glasgow. Doch Trabzonspor liess Sie nicht gehen. Wieso denn das? Es gab einen neuen Präsidenten, der mich unbedingt halten wollte. Ich wurde mit

GRÜEZI SCHWIIZ Am 25. Juni 2015, an ­seinem 32.  Geburtstag, unterschrieb Marc Janko einen Einjahresvertrag mit Option auf ein wei­ teres Jahr bei Serien­ meister FC Basel. Neben 18 Meistertiteln kann der Klub auf elf Cup­ siege zurückblicken, ist Stammgast in der Champions League und schaffte 2013 den Ein­ zug ins Halbfinale der Europa League.

www.marcjanko.com

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THE RED BULLETIN

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„NACH DEM AUFWACHEN SAGTE DER ARZT, DASS DIE OPERATION SCHWIERIG WAR UND WEITAUS MEHR KAPUTT WAR ALS ANGENOMMEN.“

dem Hubschrauber an den Bosporus geflogen, zur Privatjacht des Präsidenten, 30 Meter lang, drei Stockwerke. Er hat sich für seine Vorgänger entschuldigt und beteuert, dass sie wegen meiner Erfahrung auf mich bauen. Also durfte ich nicht weg. Aber mit dem neuen Trainer war das offenbar nicht abgesprochen, der gab mir nämlich keine Chance … Verrückt, das alles, wie ein Albtraum. Aus der Türkei wechselten Sie später nach Sydney. An Marcel Kollers Stelle hätte ich Sie gefragt, ob das Ihr Ernst ist, ans andere Ende der Welt? Er war da cool. Es war ihm natürlich auch klar, dass ich dort Spielpraxis bekomme. Und es hat ja alles geklappt, trotz der Strapazen mit der Anreise und der Zeitumstellung für jedes Match. Stimmt das, dass Sie mit Ihrem Mentor Marcel Koller immer noch per Sie sind? Ich sage Sie, er sagt du. Das ist mit allen Spielern so. Ich finde das gut, ich brauche das Respektsverhältnis. Es ist nicht gut, wenn man zu amikal mit dem Trainer ist. Ihre Nummer 21: Aberglaube oder Gag? Aberglaube, es ist ja auch die Quersumme meines Geburtsjahrs 1983. Ganz ohne Augenzwinkern? Fast ganz ohne. Fakt ist, dass ich mich mit der 21 besser fühle. Und das gibt mir Kraft. Ich bin nicht der reine Rationalist, für den mich viele halten. In meiner Verletzungszeit habe ich mich sehr intensiv mit Gott beschäftigt. Ich glaube an Gott, nicht im Sinn von einem Typen auf einer Wolke, sondern als eine Art Energie. Im Leben dreht sich alles um Energie. Und ich glaube daran, dass du Energie steuern kannst. Wer sich ein wenig mit Quantenphysik beschäftigt, erkennt, dass man mit einer gewissen Geisteshaltung Dinge tatsächlich physisch verändern kann. Nur weil wir etwas nicht zu 100 Prozent erklären und messen können, heisst es ja nicht, dass es nicht da ist. Während meiner Verletzung habe ich auch mit alternativen Heilern und Energetikern gearbeitet, zusätzlich zur Therapie. Was macht Marc Janko erfolgreich? Leidenschaft, im wörtlichen Sinn: Bei mir schafft Leiden etwas. Das zieht sich als ­roter Faden durch meine Karriere, Schwierigkeiten überwinden, aus Widrigkeiten nicht nur das Beste machen, sondern aus jedem Tief sogar gestärkt hervorkommen. Wie verwandelt man negative Energie in positive? Indem man versteht, dass negative Erfahrungen genauso Sinn haben wie positive. Nur wenn man sie annimmt, kann man wachsen und lernen. Und das ist es, worum’s im Leben geht.


„DAS RISIKO VON MARCEL KOLLER WAR UNGLAUBLICH.“ Die Heim-EM 2008 verpasste Marc Janko. Die EM-Teilnahme in Frankreich 2016 ist ein umso grösseres Ziel.


Daryl Dixon aus „The Walking Dead“ zu sein bedeutet: Weltstar zu sein. Doch Norman Reedus interessiert das nicht. Er lacht über Hollywood-Klischees. Und erzählt von seinem Leben vor dem späten Durchbruch: Verkrachter Künstler. Verdreckte Apartments. Manchmal sehnt er sich heute noch danach.

NORMCORE

Fotos: Michael Muller  Text: Noah E. Davis 50




Norman Reedus beim Shooting mit The Red Bulletin in den S端mpfen von Louisiana


„Ich lege Brot immer noch in den Kühlschrank. Ich wohnte jahrelang in Apartments mit Ungeziefer, das bleibt dir, verstehst du?“

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„Hey, nehmt Rücksicht auf mich!“, scherzte ­Reedus vor Beginn der Aufnahmen. „Ich bin ein Stadtkind.“ Dann packte der „Walking Dead“-Star doch kräftig zu.


G anz in Schwarz röhrt Norman Reedus auf einem Bike durch die Seitenstraßen von Georgia. Er ist auf dem Weg zum Set von „The Walking Dead“, der Erfolgs­ serie, in der er als Daryl Dixon die Armbrust schwingt. Er kommt gerade aus der Kleinstadt Senoia, in der er während der Dreharbeiten wohnt. Eigentlich hatte Reedus ja Künstler werden wollen, eigentlich hatte er ja in Japan und Spanien gewohnt … aber Dinge wie regelmäßige Gehaltsschecks, auf die Minute festgelegte Drehpläne und andere Begleit­ erscheinungen des Lebens als beliebtester Charakter eines globalen Serienhits brachten eine gewisse ­Konzentration aufs Schauspiel mit sich. Von Lange­ weile dennoch keine Spur: Schon Anfang Oktober geht es mit der sechsten Staffel von „TWD“ los, ab Früh­ jahr 2016 wird er neben Kate Winslet und Woody Harrelson im Thriller „Triple Nine“ zu sehen sein. Berühmt wurde der heute 46-Jährige erst spät, und das ist gut so. So wurde er ein Star mit Selten­ heitswert, ein Hollywood-Außenseiter, mit beiden Beinen am Boden geblieben. „Ich wurde nie ver­ wöhnt“, sagt er in einem Hotel am Rande von New Orleans’ French Quarter. Mit seiner Baseballmütze sieht er aus wie ein Skater. „Ich lege Kartoffelchips und Brot immer noch in den Kühlschrank. Ich wohnte so viele Jahre in Apartments mit Ungeziefer, das bleibt dir, verstehst du?“ „Das ist der erste Job, in dem ich geregeltes Geld verdiene“, erzählt er weiter. „Und ich sage dir: Es ist verdammt cool, fixe Arbeit zu haben, statt einen Job zu suchen, um die Miete in diesem Monat zahlen zu können, und eine Kunstausstellung auf die Beine zu stellen, um auch im nächsten Monat nicht aus dem Apartment zu fliegen. Ich hab das jetzt geschafft, 54



klar, aber im Innersten bin ich immer noch dieser Kerl, der ums Überleben kämpft.“ „Wenn ich seine wichtigste Eigenschaft nennen müsste, wäre es Neugier“, sagt Melissa McBride, die Carol aus „TWD“. „Norman ist immer auf der Suche. Beobachtet sehr aufmerksam, wirklich alles, die Menschen um ihn herum, die Art, wie die Dinge funktionieren, was Leute interessiert.“ Diese Neugier ist ein Instinkt, der ihn jahrelang über Wasser gehalten hat. Und sie erklärt, warum Reedus so souverän den Verlockungen des Ruhms widersteht: Er war eine Persönlichkeit, bevor er ein Star wurde. Als Kind zog Norman Reedus mit seiner Mutter von Stadt zu Stadt, weil sie nach der Trennung von seinem Vater Jobs hinterherjagen musste. Bevor er die High­ school abschloss, begleitete er sie nach Japan, wo sie nach der Heirat mit einem Geochemiker lebte. (Später arbeitete sie als Kindergärtnerin in Harlem, als Highschool-Lehrerin in der Bronx und führte eine amerikanische Schule in Kurdistan. Wie krass Reedus auch sein mag, seine Mutter ist wohl noch krasser.) Von Tokio ging es für Reedus nach London, wo er im Schichtdienst in einem Postkarten-Shop in Piccadilly gerade genug verdiente, um sich mit Bier und Kar­ toffelchips zu versorgen. Von London zog Reedus nach Sitges, 30 Meilen westlich von Barcelona, aus dem Duschkopf in seiner Wohnung kam Salzwasser. „Das Apartment war nicht viel größer als so“, sagt er und umfasst den Zwei-­ Personen-Tisch vor ihm mit den Armen, „aber es war ein absolut cooles Aussteiger-Paradies.“ Frauen kauften ihm die Bilder ab, die er von streu­ nenden Katzen gemalt hatte. Hängen in den Häusern rund um Sitges Dutzende Originalwerke Norman Ree­ dus’? „Sie landeten wohl eher im Müll“, sagt er. „Ich glaube, die Frauen hatten schlicht Mitleid mit mir.“ Ein Mädchen, das er in Tokio kennengelernt hatte, rief ihn an und sagte, sie sei in Los Angeles, er solle doch kommen. Er kam tatsächlich, doch sie datete dann doch lieber ihren Exfreund, ließ Reedus sitzen, der außerdem seinen Job als Motorrad-Mechaniker verlor. Doch auf einer Party in den Hollywood Hills – er hatte betrunken den Mund ziemlich voll genommen – bot ihm jemand eine Theaterrolle an. Am ersten Abend auf der Bühne wurde er von einem Agenten entdeckt, der Rest ist Geschichte.

Norman Reedus’ Schauspiel-Karriere begann betrunken auf einer Party.


Norman Reedus hat die reichen weiĂ&#x;en Alt-Hippies in seiner Nachbarschaft lieb gewonnen.


Später am Abend erzählt Reedus, wie ein KissKonzert in Atlanta seinetwegen verspätet begann. Die Band wollte nämlich unbedingt vor dem Konzert – also mit perfektem, noch nicht von der Show ver­ schmiertem Make-up – ein Selfie mit ihm schießen. Doch wegen des „TWD“-Drehs war er 20 Minuten zu spät. Er und Slash – ja, der ehemalige Guns-N’-RosesGitarrist und er sind Kumpels – rasten über den High­ way zum Gig, während eine der größten Bands der Welt und deren nichts ahnende Fans warteten.

Reedus ist hardcore, aber dann doch wieder nicht so hardcore, dass er es genießen würde, mit einem Alligator im Arm durch die Gegend zu spazieren. Acht Monate im Jahr beanspruchen die Dreh­ arbeiten zu „The Walking Dead“, und selbst in dieser Zeit hat Reedus’ Leben rein gar nichts Hollywood-­ Klischeehaftes an sich. Die übrige Crew wohnt in ­Atlanta, Reedus hat sich für Senoia entschieden, „eine Art Hippie-Kommune für reiche alte, weiße Leute mitten im Nirgendwo“, sagt er. Eine Kleinstadt, abgelegen genug, damit Reedus sicher sein kann, dass die Nachbarn allzu aufdringlichen Fans bis­ weilen auch mal sagen, sie sollen sich verdammt noch mal von seinem Rasen runterscheren oder auf­ hören, sein Auto zu fotografieren. „Die Wälder rund um Senoia sind ein Paradies für mich“, sagt er. „Ich fahre Motorrad, schieße Feuer­ werke und kann auf der Terrasse hinterm Haus Bogen schießen. All das ist mir wichtig. Ich gehöre einfach zu jenen Menschen, die mit niemandem reden wollen, wenn sie mit der Arbeit fertig sind. Kein ‚Gehen wir was trinken‘. Eher: ‚Ihr könnt mich mal. Wir sehen uns morgen früh.‘“ Die Beschaulichkeit von Reedus’ Leben täuscht über seine enorme Berühmtheit hinweg: 2,4 Millionen Follower auf Instagram, 1,8 Millionen auf Twitter, unzählige digitale Fanfictions. Dennoch ist er weit davon entfernt, sich abzu­ kapseln – ganz im Gegenteil: Bei unserem Abend­ essen in New Orleans verwickelt der Star den Kellner in ein Gespräch über die Warhol-artigen Bilder an der Wand. Er diskutiert mit ihm, ob die Frau auf dem Bild wohl Jerry Hall ist; in Wirklichkeit ist es die frühere Restaurantbesitzerin. Nach dem Essen tauscht er mit einem anderen Gast, einem Soldaten, Erfahrungen über Dubai aus. Reedus beginnt die Konversation mit einem entwaffnenden „Danke für Ihren Einsatz“. THE RED BULLETIN

Norman Reedus hat natürlich – wie jeder Prominente – seine eigene Welt, in die er sich privat zurückzieht, doch diese Welt überschneidet sich mit jener von normalen Leuten regelmäßig und mit Absicht. Das mag damit zu tun haben, dass er immer sein eigener Chef war: Reedus machte Kunst, hatte coole Freunde aus Manhattans Kulturszene und war mit Super­ model Helena Christensen zusammen (der gemein­ same Sohn Mingus ist heute im Teenageralter). Ganz sicher hat es damit zu tun, dass er ein Spät­ zünder im Showbiz ist: Durchbruch mit Mitte vierzig, das ist rekordverdächtig. Klar, „The Boondock Saints“, der Kultfilm von 1999, bescherte ihm schon früher ­einige Fans – „solche von der Art, die über die Straße rennen und über einen herfallen“, wie er sagt. Aber kein Vergleich mit den Massen, die zur Comic-Con strömen und sich wöchentlich Daryl Dixons Helden­ taten ansehen. „Es ist toll, dass die Serie so erfolg­ reich ist“, sagt er. „Aber ein wenig hänge ich noch ­immer an dem Gedanken, durch die Welt zu fliegen und Kunst zu machen. Ich würde das wohl noch ­immer machen, um ehrlich zu sein. Ich mochte diese Zeit. Sie war großartig. Und sie ist gerade einmal fünf Jahre her.“ Und dann, am Ende unseres Interviews, kommt die Sache mit dem Alligator. Reedus steht inmitten eines Sumpfs in Louisiana auf einer wackeligen Plattform, die zwei Fallenstellerhütten trägt, die ihre besseren Tage in den 1990ern hatten. Mit dabei: die Foto­ crew und eine Gruppe Wildhüter. Unter ihnen auch eine hübsche junge blonde Frau, die durch eine der alten Holzplanken eingebrochen und mit einem Bein ins Wasser getaucht war – während sie den Alli­ gator trug. Reedus ist hardcore, aber nicht so hardcore, dass er es genießen würde, mit einem Alligator im Arm durch die Gegend zu spazieren. „Ich bin ein Stadt­ kind“, hatte er ein paar Stunden vorher gesagt, als die Alligator-Idee Gestalt anzunehmen begann. Nun hält er das Tier in seinen Armen; beide zittern, einigen wir uns auf: vor Anstrengung. Zeit, sich zu verabschieden. Als Reedus auf dem Propellerboot davonfährt, dreht er sich zu der Truppe auf der Plattform und winkt mit hohler Hand wie eine Kandidatin bei der Miss-Wahl. Er albert rum, nach einem kräftigen Stoß aus dem riesigen offenen Ventilator verschwindet er aus dem Blickfeld, auf zum nächsten Abenteuer. Norman Reedus folgen? Hier lang: twitter.com/wwwbigbaldhead, instagram.com/bigbaldhead

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MEIN FREUND, DER SCHMERZ Schmerz besiegen? Überwinden? Verleugnen? Quatsch, sagt Daniela Ryf. Die Ironman-Europameisterin weiß, wie man Schmerz nutzt. Als Bestätigung, Motivation, Energiequelle. TEXT: ALEX ANDER LISETZ, FOTOS: PHILIPP MUELLER ST YLING: CL AUDIA HOFMANN, MAKE-UP: TANYA KOCH

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A

m Tag vor ihrem ersten Ironman machte Daniela Ryf alles, was man am Tag vor seinem ersten Ironman nicht machen sollte. Statt sich an diesem Samstag im Juli 2014 für 3,8 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen zu schonen, bestritt sie die olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Rad, 10 km Laufen). Ihre mentale Vorbereitung bestand daraus, dass sie das Rennen gewann. Und aus Angst um ihren Hintern. („Wird er mir nach fünf Stunden am Radsattel abfallen?“) Ihr Abendessen bestand aus Pizza, Bratwurst, Spaghetti Bolognese, Eiscreme und etwas Schokolade. Als sie sonntags am Start stand, sagte ihr Trainer Brett Sutton: „Sieh’s einfach als Training. Wenn du nicht durchkommst, ist es auch egal.“ „Okay“, sagte Daniela Ryf, die sich bis dahin als Spezialistin für die Kurzdistanz betrachtet hatte. Neuneinviertel Stunden später kam sie als Siegerin des Ironman in Zürich ins Ziel.

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„Ich hab dann zu vermuten begonnen“, sagt sie, „dass mir der Ironman doch ­irgendwie liegen könnte.“ Um einen Ironman durchzustehen – ge­ schweige denn, ihn zu gewinnen –, muss man ein ungewöhnliches Verhältnis zu körperlichen Qualen haben. Den meisten Athleten gelingt es, sie zu überwinden, sie wegzudrücken. Daniela Ryf, 28, Schwei­ zerin, 1,75 Meter, macht das anders. Sie nutzt Schmerzen. „Schmerz ist das Zeichen, dass ich in einen neuen Level vordringe. Dass ich mit meinem Körper eine Grenze überschreite, zu der ich vorher keinen Zugang hatte“, sagt sie. Das bedeutet auch: Schmerz ­motiviert Daniela Ryf. Wenn’s wehtut, ver­ sucht sie, noch eins draufzulegen. Denn sie möchte wissen, was das Maximum ist, zu dem ihr Körper („diese faule Maschine“, sagt sie) fähig ist. „Weil alles, was nicht wehtut, nur Komfortzone ist.“ Wenn Daniela Ryf ihre Komfortzone verlässt, sind es nicht nur ihre Beine, die brennen, ihre Muskeln, die betteln, zetern, verdammt noch mal! endlich mit dieser Quälerei aufzuhören. Sondern auch die ihrer Konkurrentinnen. Seit 2013 wurde sie zweimal Europa- und einmal Welt­ meisterin auf der Mitteldistanz, Europa­ meisterin auf der olympischen Distanz und Ironman-Europameisterin. Daniela Ryf trainiert jeden Tag bis zu sieben Stun­ den dafür. Der sonntägliche Marathon­ lauf oder ein Radausflug von Bern nach Zürich sind für sie normal. Spielt der Schmerz, der sie durchs Training begleitet, auch im Wettkampf eine so motivierende Rolle? „Nein“, sagt sie, „ich pusche mich im Training an meine Grenzen, damit ich es im Wettkampf nicht muss. Der Wettkampf ist nur so etwas Ähnliches wie eine UniPrüfung, in der man zeigt, ob man sich gut vorbereitet hat oder nicht.“ Obwohl Daniela Ryf ihr Leben rund ums Training führt, ist die Blase, in der so viele andere Spitzensportler leben, in ihrem

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Fall stark perforiert. Sport zum Beispiel interessiert sie nicht besonders. Präziser: Sport als Gesprächsstoff. „Mit meinen Freunden rede ich über Wirtschaft, Politik, Persönliches, aber niemals über Sport“, sagt sie. Sie folgt auf Twitter Fiona Erdmann, Maria Scharapowa, Banksy und der Börse Frankfurt. Studiert in Bern ­Lebensmitteltechnologie und will später „ganz sicher“ etwas in diesem Bereich machen, „am liebsten gesunde Ernährung für Leute, die sich keine Gedanken über gesunde Ernährung machen“. Einmal hat sie sich eine Viertelstunde lang mit Dave Scott unterhalten, dem sechsfachen Ironman-­Hawaii-Sieger, einer Ikone im Triathlon, ohne ihn zu erkennen. Der Bewegungsdrang, der Daniela Ryf nach jeder Uni-Vorlesung aufs Rad oder die Laufbahn treibt, ist eine Familienkrankheit: Vater Bergführer, Mutter ­Marathonläuferin, Stiefvater Triathlet.

„Alles, was nicht wehtut, ist Komfortzone.“


„Der Schmerz ist das Zeichen, dass ich in einen neuen Level vordringe.“ Mit vierzehn hat sie das Geld für ihr erstes Rennrad selbst aufgetrieben, im Ferienjob am Fließband in der Werkzeugmacherei ihres Stiefvaters. „Da habe ich 10-StundenSchichten geschoben, 60-mal pro Minute der gleiche Knopf, damit so viel Geld wie möglich zusammenkommt.“ 2000 trat sie bei einem Schülertriathlon an, danach einem Nachwuchs-TriathlonTeam bei. Die Faszination am Triathlon? „Es gibt keine Taktik und keine Tricks. Der Schnellste gewinnt. Fertig.“ Daniela


STYLING: CLAUDIA HOFMANN/SHOTVIEW, MAKE-UP: TANYA KOCH

Ryf sind nicht nur Tricksen und Taktieren fremd, sie beherrscht auch eine andere grundlegende Kulturtechnik zahlreicher Spitzensportler nicht: das diplomatische Geschwafel. Stattdessen sagt sie Sätze wie „Ich will Erste werden“ oder „Ich vergleiche meinen Körper manchmal mit dem von Konkurrentinnen und bin ein­ geschüchtert, wenn sie fitter aussehen als ich.“ Im Oktober 2014, nach ihrem Debüt beim Ironman in Hawaii, dem prestigeträchtigsten Triathlon des Jahres, wurde THE RED BULLETIN

sie von der Fachwelt gefeiert: Sie war Zweite geworden, Vizeweltmeisterin, ­geschlagen nur von der dreifachen Weltmeisterin Mirinda Carfrae aus Australien. Und das lediglich ein paar Monate nach ihrem Ironman-Debüt in Zürich. Aber ­Daniela Ryf hatte keine Lust, sich feiern zu lassen. „Ich bin enttäuscht, denn ich wollte gewinnen“, sagte sie trotzig in die Mikrofone. Heute treibt sie der Gedanke an Revanche bei jedem Training an. Dann denkt sie an den Moment, an dem sie die WM ver-

lor: Sie war mit mehreren Minuten Vorsprung von der Radstrecke gekommen, 35 Kilometer lang solo vorangelaufen. Doch dann zog ihre Hauptkonkurrentin an ihr vorbei, zu schnell, um mitzuhalten. Wenn sie heute auf dem Laufband ­trainiert, stellt sie die Pace auf jenes Tempo ein, mit dem sie von Mirinda Carfrae überholt wurde. Wenn der Schmerz kommt, dreht sie höher. Und hält die Pace, so lange, bis der Schmerz sich fügt. www.danielaryf.ch

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Mark Hunter: „Seoul ist die Party-Hauptstadt Asiens. Nirgendwo gehen die ­Leute so ab wie dort. Vor allem wenn Mademoiselle Yulia Platten auflegt.“

IM ANGESICHT

DER KOBRA „Als Steve Aoki bei dieser Las-Vegas-Show eine Torte ins Publikum warf, schlug er mir ver­ sehentlich das Blitzlicht von der Kamera. Egal, den Spaß war’s wert.“

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„Model Ingrid präsen­ tierte den Augen-Bikini auf der Modewoche in Miami. Hier aktiviert sie den Lichtschalter auf ihrem Höschen, der das Oberteil leuchten lässt.“

WENN STARS WIE KATY PERRY UND STEVE AOKI AUF TOUR GEHEN, RUFEN SIE MARK „THE COBRASNAKE“ HUNTER AN. DEN FOTOGRAFEN, DER DIE ESSENZ EINER PARTY EINFÄNGT WIE KEIN ANDERER. WEIL ER KNIPST – OHNE ZU ZÖGERN. TEXT: FLORIAN OBKIRCHER  FOTOS: MARK HUNTER

„Diese vier Freunde hatten sich am Fuck Yeah Festival in L. A. verloren. Als sie sich wiederfanden, waren sie so glücklich, dass sie sich am Boden wälzten.“


„Ich mit meinen zwei Markenzeichen: Pornobalken und ­Hawaiihemd. Die ­beiden Models tragen T‑Shirts aus meiner Modekollek­tion.“

V

or zwölf Jahren startete Mark „The Cobra­ snake“ Hunter polaroidscene.com. Einen Fotoblog, auf dem der damals 17-jährige Hobbyfotograf täglich Bilder wilder Party­ nächte mit Freunden und Promis ver­ öffentlichte. Die Idee war damals so neu wie aufregend: Schnell hatte die Seite eine halbe Million Besucher pro Monat, Popstars engagierten Hunter als Leibfoto­ graf, um ihre exzessiven Partys zu doku­ mentieren. Der Grund für seinen Erfolg: Mit seinem radikalen Stil – ungeschmink­ ten, freizügigen Schnappschüssen von ­exklusiven Hipster-Festen – gibt er dem Betrachter das Gefühl, selbst im Mittel­ punkt der Party zu stehen.

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„Shaun Ross (li.) ist Albino, Winnie Harlow (re.) leidet an der Hautkrankheit Vitili‑ go. Die zwei Models krempeln gerade die Modewelt um.“

THE RED BULLETIN


„Die junge Frau wurde von Steve Aoki in Tokio getortet. Ihre Freundin leckte ihr anschließend das klebrige Zeug aus dem Gesicht.“

„Die rosa Kaugummi­ blase war perfekt auf ihren Lippenstift­ ton abgestimmt. Stil­bewusstsein, wie man’s sich als Fotograf wünscht.“

„ICH WÜHLTE IN DEN MÜLLTONNEN VOR CLUBS NACH WEGGEWORFENEN BACKSTAGE-PÄSSEN.“ „Nirgends ist die ­ romi-Dichte höher P als auf der CoachellaParty von Moschino­ Modezar Jeremy Scott: Popstars Ferras und Katy Perry.“

„Als ich die zwei Damen auf einer Party in L. A. fotografierte, hielt ihnen jemand eine Apfel-Bong vors Gesicht: ‚Einen Zug gefällig?‘“ THE RED BULLETIN


„NICHT LANGE FRAGEN, EINFACH MACHEN“ Zwölf Jahre, 5000 Partys, eine Million Fotos: Mark „The Cobra­ snake“ Hunter verrät, wie er vom Musikfan, der Mülltonnen durch­ wühlte, zum Lieblingsfotografen der Superstars aufstieg. the red bulletin: Mister Hunter, wie wird man zum begehrtesten Party­ fotografen der Welt? mark hunter: Mit meinem Lebens­ motto: Frag nicht lange, mach einfach! Als ich 2003 mit der Fotografie anfing, war ich siebzehn, zu jung für eine Foto­ akkreditierung bei Konzerten. Also schmuggelte ich meine Kamera am Tür­ steher vorbei ins Moshpit. Und starteten nebenbei Polaroidscene, den weltweit ersten Nightlife-Fotoblog. … weil mich andere Kids auf Partys ­baten, ihnen die Fotos per E-Mail zu ­schicken. Irgendwann wurden es zu viele Anfragen. Also startete ich eine Website und verteilte einfach Visitenkarten. Heute reisen Sie als Katy Perrys offi­ zieller Tour-Fotograf um die Welt und sind Stammfotograf bei Modepartys von Stardesignern wie Jeremy Scott. Ich habe in den letzten zwölf Jahren auf 5000 Partys Fotos gemacht. Dabei lernt man viele Leute kennen. Katy Perry war 2004 einfach ein Partygirl in Los Angeles, das ich beim Ausgehen fotografierte. Plötzlich war sie ein Popstar. Weil sie mich von früher kennt, vertraut sie mir. Im Web gibt’s Anleitungen für den Cobrastyle-Fotolook. Was ist Ihr Geheimnis? Ich frage nie um Erlaubnis, wenn ich auf einer Party fotografiere. Ich drücke ein­ fach ab. Die besten Bilder entstehen, wenn die Leute gar nicht merken, dass ich da bin. Der DJ spielt einen Hit, die Tänzer flippen aus. Soll ich sie aus ihrer Euphorie reißen und nach einem Foto fragen? Das würde die Stimmung killen. Und wenn es jemandem nicht passt, dass Sie ihn fotografieren? Wenn jemand abwinkt, drücke ich nicht ab. Ich bin kein Paparazzo. Ich will die magischen Momente einer Nacht ein­ fangen, die Nachtschwärmer von ihrer schönsten und wildesten Seite zeigen. Wie kriegen Sie junge Frauen dazu, für Ihre Fotos das T-Shirt zu lüften? Ich animiere die Leute nicht dazu, durch­ zudrehen. Im Gegenteil: Sie animieren mich dazu, sie beim Durchdrehen zu foto­ grafieren. Der Witz dabei ist, dass ich in meinem Leben selbst noch nie geraucht oder Drogen genommen habe. Und was tun Sie mit den Mädels? Ich trage stets kurze Hosen und Hawaii­ 70

„Fashion-Star Jeremy Scott (li.) mit dem ­Korea-Popwunder CL (Mi.). Merkt euch den Namen: Sie ist ­dabei, auch den Westen zu erobern.“

„Cara Delevingne und Kendall Jenner im Promi-Hotel Chateau Marmont in L. A. Auch im mondänen Abendkleid ist Cara total rock ’n’ roll.“

„Minuten vor Jeremy Scotts Modeschau in New York: Totales Chaos – nur die Hilton-Schwestern und Terry Richardson bewahren Ruhe.“

hemden. Ich sehe albern und ungefähr­ lich aus. Nicht wie ein Typ, der sie ab­ schleppen will. Das schafft Vertrauen. Sie hängen mit Models und Stars ab und werden dafür bezahlt. Hat Ihr Job auch nervige Seiten? Ja. Ich hasse es, wenn Leute sich für mich in Pose werfen. Haben Sie Tipps für angehende Party­ fotografen? Zeig Eigeninitiative. Am Anfang meiner Karriere durchwühlte ich zum Beispiel die Mülltonnen vor Nachtclubs nach weggeworfenen Backstage-Pässen. ­A nstatt Magazin-Macher zu bitten, eine Party-Story fotografieren zu dürfen, machte ich meinen Blog. Was macht ein Partyfotograf eigent­ lich untertags? Ich betreibe mit Freunden und Fans den Cobra Fitness Club. Wir gehen laufen und wandern. Dabei spiele ich Musik, wir tanzen in der Sonne. Wir treiben Sport, der sich wie eine Party anfühlt. thecobrasnake.com

„Schwitzkasten-Rave in L. A., drei Uhr früh: Meine Linse war ständig beschlagen. Diese Dame sah trotz der Umstände makellos aus.“


„Auf der MoschinoMode-Party in L. A. versuchte mein Freund AJ dem Riesenteddy das T-Shirt zu klauen – und scheiterte grandios.“

„ICH SEHE UNGEFÄHRLICH AUS. NICHT WIE EIN TYP, DER FRAUEN ABSCHLEPPEN WILL.“

„Die Purple-MagazineParty in New York war wüst: Nach diesem Foto verschwanden die Rapper ATL Twins mit ­jeweils drei Frauen.“


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TRAVEL

VON NUN AN GEHT’S BERGAB

Trainieren wie ein Stuntman

EIRIK GUSTAVSEN

Wie’s wohl ist, wie Alan Rickman in „Stirb langsam“ dreißig Stockwerke in freiem Fall runterzustürzen? In der European Stunt School in Kopenhagen lässt sich diese ­Erfahrung machen (und noch ein paar andere dazu). In nur sieben Tagen lernt man, wie Jason Bourne zu kämpfen oder in Flammen stehend zu schauspielern. Kleine Warnung: Das ist nichts für schwache Nerven …



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TRAVEL

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CULTURE

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ACTION

TRAVEL PLUS:

Im Uhrzeigersinn von links unten: Schwerterkreuzen in der European Stunt School; der treffend benannte „Teil- bis Voll­ körperbrand“-Workshop; wie man jemanden filmreif entwaffnet; handfestes Training

Action auf Dänisch Klettern In einer stillgelegten Werft zehn Minuten von Kopenhagens Zentrum bietet das Urban Ranger Camp den welthöchsten Indoor-Hochseilkurs: Schwindelerregende 50 Meter über dem Boden sind vier SeilTracks zu bewältigen. urbanrangercamp.dk

INSIDER-TIPP

KEINE ANGST VOR BLAUEN FLECKEN, BESONDERS BEIM KAMPFTRAINING. „MAN TRAINIERT NICHT, UM JEMANDEN ZU VERLETZEN, ABER ES WIRD VORKOMMEN, DASS MAN EINEN SCHLAG EINSTECKEN MUSS“, SAGT MALM. „ZWISCHEN DEN KÄMPFENDEN LEUTEN GIBT’S EBEN WIRKLICH KONTAKT.“

Fliegen Wem von Gebäuden zu stürzen nicht reicht, probiert es mit einem Bodyflight-Sprung bei der Copenhagen Air ­Experience. Skandinaviens einziger verti­ kaler Windtunnel simuliert Skydiving-Action – ohne Fallschirm. airexperience.dk

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Kopenhagen, Dänemark Kopenhagen Lust auf Schmerzen, Angst und Stunts wie ein Profi? Infos auf: europeanstuntschool.com

lieren völlig unterschiedlicher Muskelgruppen nötig ist“, erklärt Malm. „Tänzer beispielsweise haben es bei manchen Stunts viel leichter.“ Für die Teilnehmer am anspruchsvollsten – und auch aufregendsten – sind Brand- und Sturz-Stunts. „Da achten wir darauf, den Stress so weit wie möglich zu minimieren. Sie sind extrem gefährlich, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen. Man muss voll bei der Sache sein, und es passiert, dass man auch einen Tag danach mental noch völlig erledigt ist. Aber die Leuten lieben es!“ Laut Malm kommen 70 Prozent seiner Schüler für weitere Kurse zurück in die ESS oder sehen sich sogar nach einem StuntJob um. „Uns ist wichtig, dass die Leute wirklich davon profitieren und eine solide Trainingsbasis bekommen, damit sie sich da draußen behaupten können“, sagt er. Es geht also nicht nur um eine actionreiche Woche voller Adrenalinkicks, Nervenkitzel und Abenteuer – es könnte der Beginn einer ganz neuen Karriere sein.

Reinhauen Auf den neuen Status als Actionheld stößt sich’s am besten mit einem Cocktail in Pussy Galore’s Flying Circus an, einer von Kopenhagens beliebtesten Café-Bars, inspiriert von James Bonds „Goldfinger“-Gegnerin. pussygalore.dk

EIRIK GUSTAVSEN

„Du musst Lust auf eine Herausforderung haben, denn das wird es sein“, sagt Jacob Sebastian Malm, Gründer der European Stunt School (ESS). Der intensive Stunt-Workshop richtet sich an blutige Anfänger, was bedeutet, dass jeder die Tricks der Profis lernen kann – ausreichende Fitness vorausgesetzt. „Wir trainieren sieben Tage durchgehend bei hohem Tempo und auf hohem Niveau“, erklärt Malm. „Du musst also nicht nur körperliche Anstrengung gewöhnt sein. Du brauchst auch das richtige Mindset: Es sollte Spaß machen, wenn es wehtut!“ In den Kurs sind so viele Skills gepackt – etwa Kampfsport, High Falls (aus elf Metern und höher), Akrobatik, Schwertkampf, Schusswaffen-Stunts, Parkour und angsteinflößende „Teil- bis Vollkörperbrände“ –, dass selbst fitte Typen von Malm und seinem Team an ihre Grenzen gebracht werden. „Du kannst Ironman-Triathlet sein und trotzdem Mühe haben bei Luftstunts mit Gurtzeug und Drähten, weil dazu das Iso­

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ACTION

GEAR

STADTHELDEN Endlich mal hilfreiche Kollegen für den innerstädtischen Arbeitsalltag.

Quella One 2015 Schwarzes Fixie

Das Stahlrahmen­ gefährt wiegt nur 9,4 Kilo. So lässt sich das Quella One leicht durch die Stadt manö­ vrieren.

Mit dieser sehr feinen Edition aus Quellas Fixie-Schmiede düst du stilvoll durch den Verkehr. Würde Batman ein Fixie fahren, sähe es wohl so aus. quellabicycle.com

Akku „The Atom“

Kopfhörer „Skullcandy Grind“

Konsole „Arduboy“

Pedalkraft, wörtlich genommen: Das Akku-Gehäuse wird einfach auf die Achse des Hinterrades gesetzt und lädt mit der beim Fahren generierten Energie deine Mobilgeräte auf.  sivacycle.com

Ein Knopfdruck auf der Hörmuschel-Außenseite ­genügt, und man beantwortet mit diesen soliden Kopfhörern Anrufe, bedient Play/Pause und ­wechselt zwischen Songs.  skullcandy.com

Spaß beim Pendeln bringen die reizend retro­ mäßigen 8-Bit-Games dieser kreditkartengroßen Game-Boy-Reinkarnation. Nicht die Haltestelle verpassen!  arduboy.com

Brille „Gunnar Vinyl“

Jacke „Powell & Hyde“

Falthelm „Morpher“

Für alle, die den ganzen Tag vor dem Computer sitzen: Diese cleveren Linsen filtern das schäd­ liche blaue Monitorlicht und halten so die Augen munter.  gunnars.com

Überraschende Regengüsse sind kein Problem für diese leichte Jacke von Helly Hansen, versehen mit radlerfreundlicher helmkompatibler Kapuze und Reflektoren.  hellyhansen.com

Dieser preisgekrönte Helm lässt sich in die Hälfte falten, wenn er nicht zum Rübenschutz benötigt wird. Braucht nicht viel mehr Platz in der Tasche als ein Schirm.  morpherhelmet.com

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ACTION

GEAR

ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT

Automatik-Klassiker von Swatch Von Gisbert L. Brunner 1983 brachte Swatch seine allererste Uhr auf den Markt – ein trendiges kleines Teil mit einem Mechanismus aus nur 51 Komponenten. Gut dreißig Jahre danach ehrt der findige Schweizer Uhrenhersteller sein Erbe mit der Sistem51, einer wunderschön einfachen Uhr, wie das Original aus 51 Komponenten bestehend, die alle von einer zentralen Schraube zusammengehalten werden. Anders als beim Klassiker aus den Achtzigern ist die Technik der Sistem51 up to date. Die Uhr besitzt ein geniales selbstaufziehendes Uhrwerk, braucht also keine Batterie. Der Automatik-Motor wird durch geringste Bewegungen des Handgelenks angetrieben und hält die Uhr bis zu 90 Stunden am Ticken, selbst wenn sie am Nachttisch liegt. Typisch Swatch, hat Design oberste Priorität: Die HerbstKollektion 2015 kommt mit zwölf Styles – von der Atommodell-Uhr „Pink“ bis zur markanten blau-schwarzen „Class“. Ihre transparente Gehäuse-Rückseite erlaubt einen Blick auf die perfekte Zusammen­ arbeit der 51 Teile. swatch.com

NENNWERT

Premium-Selbstaufzieher, die nicht die Welt kosten Von G. L. Brunner

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Longines HydroConquest

MeisterSinger Neo

Sinn 556 I

Die stählerne HydroConquest mit verschraubter Krone hält Wasserdruck bis zu 30 bar stand. Taucher mögen die einseitig drehbare Lünette mit markanten Indizes und das verlässliche selbstaufziehende ETA-2824-2-Uhrwerk mit rund 38 Stunden Gangreserve.  longines.com

Mit nur einem Zeiger, der die Stunden anzeigt, ist die deutsche MeisterSinger Neo eine Uhr für entspannte Zeitgenossen. Das Stahlgehäuse (bis 3 bar wasserdicht) beherbergt ein selbstaufziehendes Sellita-SW200-1-Uhrwerk, ähnlich dem ETA 2824-2.  meistersinger.net

Die sportlich-elegante Sinn 556 I konzentriert sich angenehm unaufgeregt auf ihre Funktion. Das 38,5-mm-Edelstahlgehäuse umschließt das gleiche verlässliche ETA-2824-2-Kaliber wie die Longines HydroConquest und ist bis 20 bar wasserdicht. sinn.de



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WHEELS Prächtig und mächtig: Die Ducati 1299 Panigale S hat es in sich.

MOTORMERCH Authentische Begleiter für unterwegs

Ferrari-Store Mailand Im Palazzo Ricordi bietet der neue Store das komplette MerchandisingSortiment der Scuderia samt F1-Simulatoren. ferrari.com

BEUGET DIE KNIE

1299 Panigale S: Ducati legt nach Von Superbikes erwartet man Power. Und Eleganz. In dieser Fächerkombination können nur wenige mit Ducatis Neuester mithalten. Die 1299 Panigale S ist nämlich eine echte Verbesserung ihrer Vorgängerin, der 1199: größerer Motor, mehr Komfort und – in der S-Version – Unmengen elektronischer Gimmicks. Im Vergleich zum Standardmodell erfreut die S mit geschmiedeten Marchesini-Leichtmetallfelgen, einem LED-Hauptscheinwerfer und, ganz entscheidend, einem semi-aktiven „Smart EC“-Fahrwerk. Das Elektronik-­ Upgrade trägt viel zum Reiz der 1299 S bei, weil es aus jedem Fahrkönnen das Optimum rausholt. Das Bike passt – abhängig vom eingestellten Modus – konstant die Fahrwerkseinstellungen und Bremsparameter an. Der große Zweizylindermotor liefert 205 PS, doch Ducatis elektronische Intelligenz zähmt sie mit einem Kurven-ABS, das die Schräglage berücksichtigt, sowie einer Wheelie- und Traktionskontrolle.  ducati.com

Bremonts ­Jaguar-Edition Bremont und Jaguar haben sich zusammengetan und zwei Uhren im Stile des kultigen E-Type kreiert. Die MKI und MKII sind vom Armaturenbrett-Design der Sechziger-Legende inspiriert.  bremont.com

WELTENVERSÖHNER Der 7:20-Minuten-911er

Es war ein Running Gag, dass Porsche in jedem Monat mit r einen neuen 911 rausbringt. Stimmt schon, es gibt ein Modell für jede Sub-Nische auf einem Markt, der an sich ja schon eine Nische ist. Aber nun begrüßen wir den neuen 911 GT3 RS – den ultimativen 911er für Fahrer, die sich nicht zwischen Rennstrecke und Straße entscheiden können. Der GT3 RS bringt so viel Motorsport, wie Porsche sich in ein straßenzugelassenes Modell zu packen traute – mit 500 PS aus einem 4-Liter-Sechszylindermotor und maßgeschneiderter Version des Porsche Doppelkupplungsgetriebe, in 3,3 Sekunden 0 auf 100. Aber der vielleicht aussagekräftigste Wert: Nürburgring-Nordschleifen-Runde in 7:20 min. Das lässt sogar den Carrera GT alt aussehen.  porsche.com

THE RED BULLETIN

Bentley-­ Kollektion Dass Bentley ein Faible für avancierte Handwerkskunst hat, sieht man an den neuen Racing-Artikeln, von der Lammfell-Lederjacke bis zu Kaschmir-Schals. bentleycollection.com

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ACTION

CULTURE WIR SEHEN UNS

Zielt weltweit auf den Publikumsgeschmack: Rupert Friend, Agent 47

Wohin es sich ­demnächst ein Auge zu werfen lohnt

TV „Legends of Tomorrow“ Im „Arrow“/„The Flash“-Spin-off stellt Arthur Darvill (bekannt aus „Doctor Who“) als Zeitreisender Rip Hunter ein Team aus Superhelden und Schurken der Gegenwart zusammen, um einer künftigen Bedrohung die Stirn zu bieten.  dccomics.com

FILM

SCHARFER SCHÜTZE Die „Hitman“-Videospielserie startet mit „Hitman: Agent 47“ im Kino durch. Rupert Friend ist der smarte Held der Gene.

The Red Bulletin: Wer ist Agent 47? Rupert Friend: Ein Auftragskiller, gentechnisch verändert, um schneller, stärker und intelligenter zu sein. Eine Anomalie in seinen Genen macht ihn aber auch ein bisschen menschlicher – seine Besitzer beginnen ihn als Bedrohung zu sehen und ­versuchen ihn auszuschalten. Ich fand die Idee spannend, dass dieser vermeintliche Makel seine größte Stärke sein könnte. Der Film folgt einer erfolgreichen Computerspielserie. Gibt’s Druck der Fans, dem Spielcharakter gerecht zu werden? Klar gibt es Druck. Aber es ist doch gut, wenn eine große und loyale Fangemeinde für einen Charakter die Latte hoch legt. Alle Stunts selbst gemacht? In dieser Rolle musst du fit sein, klar. Das Publikum ist schlau und weiß, wenn ein Stuntman in die Szene reingeschnitten wird. Also war ich froh, dass ich so viele Stunts selbst machen konnte, wie die Versicherung zuließ. Ich trainierte Boxen, Muay Thai, Judo, Krav Maga … das hat geholfen. Was war der härteste Stunt? Die Szene, in der mein Filmcharakter mit Handschellen an einen Tisch gefesselt ist und den Körper eines anderen Mannes hochklettert, ihm beide Beine um den Hals schlingt und ihn zu Boden bringt. Die musste ich etwa 50 Mal drehen. Da lernst du selbst deine intimsten Körperteile genau kennen. „Hitman: Agent 47“ kommt Ende August in die Kinos. Mehr Info: foxmovies.com/movies/hitman-agent-47

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BUCH „Trigger Mortis“

WER IST AGENT 47?

Der jüngste James-Bond-Thriller, von Anthony Horowitz mit Originalmaterial von 007-Schöpfer Ian Fleming verfasst, knüpft an „Goldfinger“ (1959) an und bringt ein Wiedersehen mit dem berühmtesten aller Bond-Girls: Pussy Galore.  cross-cult.de

Drei Fakten über den Killer im Anzug Er ist gezeichnet. Der in seinen Nacken tätowierte Strichcode (640509-040147) verrät seine Herkunft: Datum der „Geburt“, Produktionsreihe, Modellklasse, Seriennummer. Er ist weit gereist. In fünf Spielen hat „47“ Aufträge rund um die Welt ausgeführt, darunter in Russland, Japan, den Niederlanden und in Kolumbien. Er trifft. Er kann mit Waffen naturgemäß umgehen, am liebsten mag er aber seine beiden nach Maß gefertigten AMT-Pistolen, bekannt als „Silverballer“.

GAME „Mad Max“ Im Film-inspirierten Actiongame baut man die ultimative Kriegsmaschine und schlüpft in die Rolle von Mad Max, der darum kämpft, Wasteland zu entfliehen; heftige Fahrzeug- und Bodenschlachten inklusive. Ab September für PS4, Xbox One, PC.  madmaxgame.com

THE RED BULLETIN


CULTURE CLUBKÖNIG In seinem Buch „Electrochoc“, das nun auf E ­ nglisch erschienen ist, blickt ­Laurent Garnier, französische DJ-Legende, auf seine dreißigjährige Karriere ­zurück, in der er in allen großen Clubs der Welt ­gespielt hat. Hier seine ­aktuellen Lieblingsclubs.

Panorama Bar, Berlin „Der einzige Ort auf ­Erden, an dem die Zeit keine Rolle spielt. Du kommst um Mitternacht rein, und plötzlich ist es Mittag. Das liegt daran, dass die Leute angehalten sind, ihre Handys nicht zu verwenden – das hilft, sich vom Rest der Welt abzuschotten.“

Concrete, Paris „Im Moment ist die f­ ranzösische Techno-­ Bewegung stärker als je zuvor. Will man die besten jungen DJs der Szene ­erleben, muss man eine der legendären Sonntagnachmittag-Partys auf dem Concrete-Clubboot auf der Seine besuchen.“

Womb, Tokio „Als DJ ins Womb zum Auflegen eingeladen zu werden ist wie ein Ritterschlag. Dieser futuris­ tische Club – man denke an das ‚Blade Runner‘Filmset – hat eines der besten Soundsysteme der Welt. Und das tanzwütige japanische Publikum ist mit keinem anderen zu vergleichen.“

THE PLAYLIST A$AP FERG A$AP Ferg und sein Kollektiv A$AP Mob aus Harlem, ­angeführt von Leitbulle A$AP Rocky, verändern das ­Rap-Genre nicht nur durch ausgefallene psychedelische Beats. Sie tummeln sich auch erfolgreich in der Welt der Haute Couture: So tat sich Ferg kürzlich mit HerrenmodeDesignerin Astrid Andersen zusammen und schrieb den Soundtrack für die Laufstegshow ihrer Frühjahr/ Sommer-Kollektion 2016 sowie für den maßgeschneiderten Fashion-Film „Water“, in dem er auch selbst zu sehen ist (übrigens auf redbull.co.uk/catwalkstudio). The Red Bulletin sprach mit dem 26-jährigen Rapper über Tracks, die seine Karriere beeinflusst haben, sowie seine e­ igenen musikalischen Meilensteine.

A$AP Ferg

DMX

„Work“

„Ruff Ryders’ Anthem“

„Ich begann als Kind, Gedichte zu schreiben, trug sie der Klasse vor und brachte damit die Mädchen zum Lächeln. Lange war es nur Spaß – bis zu diesem Song: Er war der Auftakt zu meiner Karriere, meine erste Nummer, die Menschen rund um die Welt berührte. Liegt wohl daran, dass ich viel Wahres über meinen verstorbenen Vater sagte: ‚See my daddy in heaven, he be the realest G…‘“

„Dieser Track macht mich nos­t­ algisch. Ich war zehn, als er rauskam. Meine Freunde und ich fuhren auf unseren Rädern durch Harlem, machten Wheelies wie die Typen im Musikvideo und ­rezitierten die Lyrics. Der Style von DMX war damals innovativ. Egal was er jetzt macht: Er hat diesen Samen in mir gepflanzt und mir geholfen, meine ­eigene Stimme zu finden.“

Mary J. Blige

A$AP Rocky

„You Remind Me“

„Peso“

„In den Neunzigern designte mein ­Vater Logos für große Hip‑Hop-Labels wie P. Diddys Bad Boy R ­ ecords. Er hatte daher alle neuen CDs. Das war einer der ersten Songs aus seiner Sammlung, die mich wirklich ansprachen. Ich liebe das Musikvideo mit den Mädchen, die Schlabberpullis und coole Knieschoner tragen. Es war das erste Mal, dass ich diese Verbindung von Hip-Hop und Style sah.“

„Rocky und ich kennen uns seit Teenager-Tagen. Er war schon immer talentiert, aber mit diesem Song schuf er ein neues Genre. Die Art, wie er die Tonhöhe der Vocals nach unten pitchte, ist unglaublich. Im Musikvideo t­ rugen wir schwarze Haute-CoutureKleidung, gemixt mit Streetwear. Es war eine Wahnsinnszeit, weil ich spürte, dass wir etwas Großes machten. Wie sich zeigte, hatte ich recht.“

THE GADGET

Here Active Listening Diese kabellosen Ohrstöpsel verändern, wie man die Welt hört. Einfach via Bluetooth mit dem Smartphone verbinden und beim Musikhören störende Geräusche (Babygeschrei, Zuglärm, B ­ ürogeplapper) ausblenden. Oder das Live-Musikerlebnis ver­ bessern: Steht man zu nah am Lautsprecher, ­regelt man die Lautstärke einfach runter; verträgt ein Club-Tune mehr Bass, dreht man ihn rauf. dopplerlabs.com



ACTION

A$AP Ferg „Dope Walk“ „Meine aktuelle Single. Die Zeile ‚My walk meaner than Cara Delevingne’s‘ bezieht sich auf eine Spaß-Battle auf Twitter zwischen ihr und mir, und dann beschlossen wir, gemeinsam ein FaceTime-Video aufzunehmen. Im Video zeige ich ihr den ‚Dope Walk‘ – das ist, wenn Kiffer ins Land der Träume wegkippen und dann aufwachen und aufspringen.“

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ACTION

HOW TO

EINEN WALDBRAND LÖSCHEN Die Kanadierin Morgan Reilly, in Sioux Lookout im Nordwesten Ontarios stationiert, arbeitet bei ihren Einsätzen in einem Viererteam mit einem „Fire Boss“ („das ist der Kettensägen-Typ, der in 20 Minuten einen Helikopterlandeplatz aus dem Wald schneidet“) und zwei „Swamp Donkeys“ („die an Pumpen und Schlauch“). Vergangenen Sommer kämpfte sie in Kanadas Wäldern mit einer Feuersbrunst, die sich über eine Million Hektar aus­ breitete: „Hunderte Viererteams hatten Monate zu tun, 19-tägige Feldeinsätze mit nur zwei Tagen in der Basis dazwischen.“ Noch härter aber findet sie die Monate, in denen es keinen einzigen Einsatz gibt. „Ich finde Brände aufregend“, sagt die 23-Jährige, „aber es ist mein Job, sie zu löschen. Und ich liebe meinen Job.“

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Ein Feuer legen

„Ein aufregender Teil unseres Job ist es, gezielte Gegenfeuer zu entfachen – bestimmte Bereiche eines Waldes niederzubrennen, z. B. tornado­ beschädigte Flächen mit viel totem Holz. So hält man künftige Brände in Zaum. Für größere Feuer benützen wir einen Helikopter, der mit einer ­sogenannten Drip Torch brennenden Diesel auf den Wald tropft.“

Unterstützung aus der Luft anfordern

„Wir stellen Pumpen am Boden auf, aber wir haben auch Flugzeuge – Wasser­ bomber, die ich anfordern kann, um 6400 Liter Wasser pro Ladung abzu­ werfen. Als Crew-Leiter kommuniziere ich mit allen am Boden sowie mit denen in der Luft, klassisches Multitasking.“

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Ein guter Kumpel sein

„Wir sind auf bis zu 19-tägige Brand­ bekämpfungseinsätze vorbereitet – mit allem, was wir brauchen: Essen, Kleidung, Ausrüstung. Es gibt keinen Handyempfang, und unsere Satelliten­ telefone können nur beruflich genutzt werden. In diesen Situationen wird die Crew zu deiner Familie – du bist rund um die Uhr mit ihr zusammen.“

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Nein sagen können

„Das Schwierigste ist, cool zu bleiben. Wenn jeder das schafft, läuft in 90 Pro­ zent der Fälle alles glatt. Mein erstes Feuer, es war im Jahr 2011, gehörte zu den restlichen zehn Prozent. Sie ­flogen uns auf eine Insel in einem See, 500 Meter vom Ufer entfernt, wo ein riesiger Brand wütete. Wir konnten nichts tun, also wurden wir wieder ­ausgeflogen. Am nächsten Morgen war die komplette Insel abgebrannt.“

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Fit bleiben

„Der Job fordert deinen Körper extrem. Wir müssen jährlich einen Fitness­ test bestehen: 31 Runden auf einem 40-Meter-Kurs, V-förmige Rampen rauf und runter, dabei eine 28-Kilo-Pumpe oder 25 Kilo Schlauch schleppen. Das Ganze in unter vierzehneinhalb ­Minuten. Nicht einfach.“

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MARK THOMAS

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www.auto-zuerich.ch

Auto Zürich 29.10.– 1.11. 2015

Messe Zürich Do/Fr 10 – 21 h, Sa/So 10 –19 h

ABEI! D U NE


ACTION

EVENTS

Cruisen statt rasen: mit Zweitakt-Tö≠lis über die Alpen

Die Tö≠lis rollen wieder! Der Startschuss für die legendäre Rundfahrt fällt am 5. September zum ersten Mal in Lugano. Während in den letzten Jahren die Tö≠lihelden mit ihren Zweitaktern auf den Pässen bei Meiringen auch gelegentlich dem Schnee ausweichen mussten, erwarten die 1200 Teilnehmer beim grössten Tö≠li-Event Europas in diesem Jahr Palmen und ein atemberaubender Blick über die Tessiner Hügellandschaft. Start und Ziel der rund ­vierstündigen Fahrt ist im Stadio di Cornaredo in Lugano. Infos unter: www.redbull.com/alpenbrevet

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21./22. August Royal Arena Festival

5. Sept. Schweiz – Slowenien

Römerareal, Orpund

Basel

Das Festival steht im Zeichen von Hip-Hop und Rap – mit Stars aus den USA wie Busta Rhymes, T. I. und DJ Premier (Bild). Neben harten Beats und Texten ebenfalls auf dem Programm: das Finale des Royal B-Boy Battle, des bedeutendsten Breakdance-­ Contests der Schweiz mit über 60 nationalen und ­internationalen Crews. www.royalarena.ch

Die Schweizer Fussball­ nationalmannschaft kann im Heimspiel gegen Slowenien einen grossen Schritt Richtung EM-Qualifikation schaffen. In der Tabelle liegt die Nati mit drei Punkten Vorsprung auf Slowenien auf Platz 2. Doch Shaqiri und Co sind gewarnt. In Slowenien verlor man mit 0:1. www.football.ch

Die EMQuali im Blick: ­Xherdan Shaqiri

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RED BULL CONTENT POOL, PICTUREDESK.COM, USTER TRIATHLON, PATRICK B. KRAEMER/MAGICPBK

5. September Red Bull Alpenbrevet Start: Lugano


SAVE THE DATE

29./30.  August  Uster Triathlon Uster, Zürich

Weitere Pflichttermne in den nächsten Wochen

Triathlon für jedermann – egal ob Schüler, Senioren, Unternehmen, Teams oder Profis. Nach einem Jahr Auszeit kehrt 2015 der grösste und älteste Triathlon der Schweiz mit seiner 26. Auflage zurück. Zur Wahl stehen unterschiedliche Distanzen wie Schülerbewerbe, ein Triathlon über die olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen) sowie ein Short-Distance-Bewerb (0,75/20/5 km). www.ustertriathlon.ch

14 August Lucerne Festival

Rund 1800 Starter springen in den rund 22 Grad warmen Greifensee.

12. September Jungfrau-Marathon

5./6. September Powerman

Start: Interlaken

Zofingen

Mit den Gipfeln Eiger, Mönch und Jungfrau im Hintergrund gilt der Berglauf als schönster Marathon der Welt. 4000 Läufer wagen sich an die 42.195 Meter. Der Start befindet sich in Interlaken auf 568, das Ziel auf der Kleinen Scheidegg liegt auf knapp 2100 Meter Höhe. www.jungfrau-marathon.ch

Der Powerman ist der weltweit bedeutendste Duathlon (Gesamtpreisgeld: 50.000 Dollar). Seit 1989 ausgetragen, werden bei dem Bewerb auch die Weltmeister­ titel über die Langdistanz (10 km Laufen, 150 km Radfahren, 30 km Laufen) vergeben – bei Frauen und Männern.  www.powerman.ch

22. 9. – 25. 10. Ohlala – die Show Air Force Center Dübendorf

3. September WM-Revanche

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August ‚Straight Outta Compton‘ Biografischer Film über den Aufstieg der HipHop-Gruppe N.W.A (mit Dr. Dre und Ice Cube) in den Achtzigern, die ihren kriminellen Alltag mit harten Beats und kontroversiellen Texten verarbeitet. Ab 27. 8. in den Kinos

Die Schweizer 100-MeterStaffel auf der Ehrenrunde

Zürich Seit 1928 versammeln sich die weltbesten Leichtathleten im Zürcher Letzigrund-Stadion. 27 Weltrekorde wurden hier aufgestellt, und es siegten einige der ganz Grossen wie Usain Bolt (100 m), Haile Gebrselassie (5000 m), Carl Lewis (100 m) und Jelena Issinbajewa (Stabhochsprung). 16 Bewerbe finden im Zuge des Diamond-League-­ Meetings, das als WM-Revanche gilt, statt. Und das vor einer tollen ­Kulisse von 25.000 Zuschauern.  www.zurich.diamondleague.com

Es sei nicht opportun, im Konzertsaal zu lachen? Mitnichten! Unter dem Motto „Humor“ zeigt das Lucerne Festival, wie heiter die vermeintlich ernste Klassik sein kann – u. a. mit Stardirigent Daniel Barenboim. 14. 8. – 13. 9., lucernefestival.ch

Diese Show ist garantiert nichts für Kinder. Denn die Produzenten – Vater Rolf und sein Sohn Gregory aus der Zirkusdynastie Knie – sind überzeugt: Zirkus darf auch sexy sein. In „Ohlala: SEXY – CRAZY – ARTISTIC“ verbinden internatio­ nale Artisten, Sänger, Tänzer und Entertainer zum bereits fünften Mal das Flair der Showbühne mit dem verführerisch-erotischen ­Ambiente ­eines Nachtklubs. Eine Premiere: Erstmals gestattet eine aufwen­dige Mastenkonstruktion ausserhalb des Zelts jedem Be­ sucher im Inneren einen freien Blick auf die Showbühne. circusohlala.ch

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September Torres Inspiriert von Nirvana und Funkadelic, gilt die 24-jährige Mackenzie Scott alias Torres mit ihrer markanten Stimme und E-Gitarren-­ Fuzz-Sound nicht nur in ihrer US-Heimat als eine der aufstrebendsten Indie- und Folk-­ Sängerinnen. 12. 9., Rote Fabrik, Zürich

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Daniel Ricciardo f端r Pepe Jeans London


DIE WELT VON

MORGEN S TA R T- U P S U N D I N N O VAT I O N E N : EIN BLICK AUF DIE SPANNENDSTEN NEUEN TECHNOLOGIEN UND WIE SIE UNSER LEBEN VERÄNDERN

JOHAMMER J1 Was? Ein elektrisches Motorrad, das das Leben schöner macht. Warum? Weil es höchste Zeit war, dass E-Bikes Style kriegen. Wann erhältlich: Jetzt. | Der Saft für dieses in Österreich entwickelte und produzierte Bike kommt aus einem leichten Lithium-Ionen-Akku, zwei Modelle stehen zur Auswahl: das J1.150 und das J1.200. Zweiteres ist das Spitzenmodell, wiegt gerade mal 178 Kilo und schafft 200 Kilometer, bis es wieder an die Steckdose muss. 22 PS und 120 km/h Top-Speed ­flüstern: Elektrisch kann auch sexy. johammer.com

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I N N O VA T I O N S

EIN ELEKTRONISCHER BEGLEITER, DER DAS BESTE A U S D I R H E R A U S H O LT

MOTI Was? Ein freundlicher und überzeugender Motivator. Warum? Weil du damit deine Ziele besser erreichst. Wann erhältlich? ­Angeblich schon recht bald. | Moti ist ein elektronischer Begleiter im Alltag, der fröhlich vibriert und leuchtet, wenn du eine Aufgabe erledigt oder etwas sinnvolles Neues gelernt hast. Aber Moti kann auch anders: zum Beispiel betrübt schauen und surren, wenn du vom rechten Pfad abkommst.  moti.io

2 HANDIII Was? Ein bionischer Arm, gesteuert per Muskelsignale und Smart­ phone. Warum? Weil jeder eine Armprothese bekommen soll, der eine nötig hat. Unabhängig davon, wie viel Kohle er hat. Wann erhältlich? Steht noch nicht fest. | Das hier ist kein Requisit aus einem Sci-Fi-Film – 3D-Druck lässt bionische Gliedmaßen real werden. Die japanische Firma Exiii hat den smarten Arm entwickelt, der mittels Sensoren elektrische Signale der Muskelbewegung des Nutzers erfasst und sie via Smartphone-App übersetzt. Außerdem soll der Handiii wesentlich weniger kosten als eine konventionelle Armprothese.  exiii.jp

R E L AT I V I T Y Was? Eine Art Teebeutel für Craft-Bier. Warum? Weil man nie genug Kreati­ vität in den Geschmack unseres Biers investieren kann. Wann erhältlich? Jetzt. | Die Alternative zum teuren Craft-Bier: Hop Theory, ein Start-up aus Baltimore, hat mit Relativity ein Säckchen erfunden, das jedes mittelprächtige Gesöff binnen angeblich nur vier Minuten in ein qualitativ hoch­ wertiges Braukunstwerk verwandelt. hoptheory.com

LUUV Was? Ein auffallend hübsches Schwebestativ. Warum? Weil endlich Schluss sein soll mit verwackelten Bildern. Wann erhältlich? Jetzt. | Wenn deine YouTube-Videos ver­ wackelter aussehen als die „Jason Bourne“-Actionszenen, ist diese ­innovative Stedicam etwas für dich. LUUV ist ein smartes Kamerastativ, schnell montiert, mit 3-Achs-Stabilisierung und Gegengewichten. Dank Up & Down-Modus machst du sogar nur wenige Zentimeter über dem ­Boden wackelfreie Aufnahmen. luuv-is-awesome.com

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THE RED BULLETIN


I N N O VA T I O N S

I K AWA Was? Ein digitaler Mini-Röster. ­Warum? Weil auch daheim jede Tasse Kaffee erstklassig sein sollte. Wann erhältlich? Februar 2016. | Baristas träumen von diesem digitalen MiniRöster: App downloaden, Rezept ans Gerät senden und einen Schwung ­„grüner“ IKAWA-Bohnen frisch rösten. Gut: Zehn Prozent der Verkaufserlöse der Bohnen geht direkt an die Bauern. ikawacoffee.com

AUDI PROLOGUE PILOTED DRIVING Was? Der Prototyp des personalisierten Autos. Warum? Weil Autofahren nie geschmeidig und sicher genug sein kann. Wann erhältlich: Die Innovationen werden laufend in die aktuelle Produktion aufgenommen. | Laserscanner, Videokameras und Ultraschall­ sensoren lassen das zentrale Fahrerassistenzsteuergerät, kurz zFAS, ein detailliertes Bild der Fahrzeugumgebung erstellen. Bereits serienreif ist das Touchscreen-Display „Audi virtual cockpit“, das dem Fahrer von Licht über Fehlersuche bis zu Musik und GPS-Karten alle Entscheidungen per Fingerwisch abnimmt.  audi.com

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NIE MEHR EINEN KOFFER DRECKIGER KLAMOTTEN VOM FLUGHAFEN HEIMSCHLEPPEN!

DUFL

MICRO DRONE 3.0 Was? Eine handflächenkleine Kameradrohne. Warum? Weil wir uns ein Leben ohne Gruppen-Selfie im Pub nicht mehr vorstellen wollen. Wann erhältlich? November. | Robust, wendig und mit anpass­ barem Design (z. B. „grimmiger Drache“ oder „Terror-Wespe“) streamt die Micro Drone 3.0 HD-Bilder und Videos auf das Smartphone oder VR-Headset. Könnte in nächster Zeit für Aufsehen in der Öffentlichkeit sorgen … igg.me/at/micro-drone

Was? Eine Art externer Kleiderschrank. Warum? Weil Reisen ohne Gepäckschlepperei eindeutig mehr Spaß macht als mit. Wann erhältlich? Jetzt schon in den USA, bald international. | Du stellt deine Garderobe für unterwegs zusammen, steckst sie in den Koffer und schickst sie an DUFL. Vor einem Trip suchst du via App aus, was du davon wann wo benötigst. DUFL übernimmt den Transport zum Zielort und holt die Klamotten bei deiner Abreise wieder ab, wäscht und bügelt sie und wartet auf den nächsten Termin.  dufl.com THE RED BULLETIN

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I N N O VA T I O N S

U GAND A

U GA N D A

Mabira Forest Reserve

Mabira Forest Reserve

27 Nov 2001

O R B I TA L I N S I G H T

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WA K Ē

Was? Eine Innovation, die die Abholzung von Wäldern dokumentiert. Warum? Weil man nur etwas stoppen kann, wovon man weiß. Wann erhältlich? Jetzt. | Das kalifornische Start-up Orbital Insight hat gemeinsam mit Global Forest Watch ein System ­entworfen, das verdächtige Veränderungen in Wald­ gebieten bemerkt und markiert, etwa neue Straßen. Detailliertere Satellitenbilder und größere Datenmengen helfen dem intelligenten System, verdäch­ tige Muster besser zu erkennen und somit illegales Abholzen zu verhindern.  orbitalinsight.com

Was? Ein schlauer ­Wecker. Warum? Weil wir nur geweckt werden wollen, wenn’s nötig ist. Wann erhältlich? Jetzt vorbestellen. | Dieser Wecker holt dich behutsam in den Tag – mit Lichtstrahlen und sanften Geräuschen, die heller und lauter werden. Die Bedienung erfolgt via Smartphone-App, Wake¯s Wärmesensor stellt die exakte Schlafposition fest, die ­parametrischen Lautsprecher richten das Weckgeräusch auf ­einen engen Bereich – und lassen die bessere Hälfte in Ruhe ruhen. luceralabs.com

TRAGO Was? Eine clevere ­Wasserflasche. Warum? Weil wir mehr trinken sollen. Wann erhältlich? Vorbestellung möglich. | Zwei Brüdern aus Texas verdanken wir diese Wasserflasche, die weiß, wie viel wir trinken sollen. Trago verbindet sich via Bluetooth mit dem Smartphone, misst und speichert die Menge des getrunkenen Wassers und vergleicht sie mit dem berechneten Tagesbedarf unter ­Berücksichtigung von Faktoren wie Schlaf, Wetter und körperlicher Aktivität (mit Fitnesstrackern kommuniziert sie auch). Trago weiß außerdem, wie viel du vor einem Fußballmatch oder einem Marathon trinken musst. twitter.com/drinktrago

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25 Jan 2006

EIN SCHLAUER WECKER, DER EINE PERSON WECKT UND DIE ANDERE SCHLAFEN LÄSST

OMNI PRESENT Was? Ein Geschenk an Schenker. Warum? Nun ja, äh … Wann erhältlich? Noch offen. | Wenn der Beschenkte das Geschenk öffnet, wird via lichtempfindlichem Sender dem Schenkenden die Reaktion übermittelt. frolicstudio.com THE RED BULLETIN


I N N O VA T I O N S

I N N O VA T O R : VISHAL SHARMA Der ehemalige GoogleVize schuf mit Google Now einen der komplexesten virtuellen Assistenten der Welt. Derzeit arbeitet ­Sharma an einem ­geheimen Start-up. THE RED BULLETIN: ­Sogar der fortschrittlichste virtuelle Assistent kann nicht annähernd wie ein Mensch kommunizieren. Warum? VISHAL SHARMA: Ein virtueller Assistent hat nur zwei Möglichkeiten, wenn er etwas nicht versteht: Entweder macht er einen Witz daraus und lenkt ab, oder er sagt: „Ich verstehe nicht, was du gerade gesagt hast.“ Das Kern des Problems ist wohl die Sprach­ erkennung? Die menschliche Sprache kennt Millionen von Ausdrücken und Emo­

HEXO+ Was? Eine autonome Kameradrohne. Warum? Weil ein schlauer Kameramann an Bord jede Drohne besser macht. Wann erhältlich? Noch dieses Jahr. | Hexo+ ist der geniale Einfall des französischen Pro-Boarders und Filmemachers Xavier de Le Rue und seines Tech-Teams Squadrone System: Es macht den Menschen bei der Kontrolle von Drohnen-Aufnahmen überflüssig. Einfach eine der Voreinstellungen (Nahaufnahme, Panorama oder Kreisflug) der Hexo+-App wählen, und die Drohne orientiert sich am GPS-Signal des Smartphones und sorgt dafür, dass der Träger im Bild bleibt.  hexoplus.com

tionen. Virtuelle Assistenten versuchen die Eingabe herunterzu­ brechen und eine Übereinstimmung zu finden. Manche sagen, Sprach­ erkennung ist eine Technologie, die immer fünf Jahre entfernt sein wird. Aber so pessimistisch bin ich nicht. Wie lernen Maschinen? Es gibt zwei Modelle. Nehmen wir an, man möchte einem Roboter beibringen, sich zu bewegen: Man könnte einen Bewegungsapparat im Roboter einbauen und Algorithmen schreiben, die eine Nutzung vorgeben. Es gibt aber auch selbstlernende Roboter: Der Roboter erhält Fähigkeiten, aber er weiß nicht, welche es sind. Er bekommt ein Körperglied mit drei Achsen und die Auf­ gabe, einen Ball näher ans Tor zu bringen. Der Roboter muss selbst draufkommen, wie er die Aufgabe löst. Welche Technologie hat Sie zuletzt begeistert? Das passiert ständig. Wenn ich mich verspäte und mein Smartphone mich vor einem Stau warnt, bestimmt es ­gewissermaßen meine Zukunft. Das ist doch verblüffend.

FEETZ Was? Maßgeschneiderte Schuhe aus der App. Warum? Schuhe einlaufen ist so 2015. Wann erhältlich? Steht noch in den Sternen. Aber Beta-Tester können sich bewerben. | Das US-Start-up weiß, wo uns der Schuh drückt: Drei Fotos jedes ­Fußes an Feetz senden, anschließend via App Design und Anpassungen durch­ geben. Der digitale Schuster macht daraus einzigartige Schuhe aus dem 3D-­ Drucker und bringt sie bis vor die Tür.  feetz.com

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P FA N N K U C H E N AUS DEM 3D-DRUCKER Was? Lecker Gesichtsabdruck. Warum? Warum nicht? Wann erhältlich? Bald. Eventuell. | Pfannkuchen mit Gesichtsabdruck sind nichts, womit man Nobelpreise gewinnt. Doch dem Team von Kinneir Dufort ist das egal: Für ein Experiment verwendeten sie Gesichtserkennungs-Software und druckten ein Foto auf einen Pfannkuchen. Ein Ausblick auf das Frühstück der Zukunft? kinneirdufort.com THE RED BULLETIN

DAS EIGENE GESICHT A U F E I N E M P FA N N KUCHEN: SCHON SUPER, NICHT? 89

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I N N O VA T I O N S

I N N O VA T O R : JÜRGEN FURIAN Der Österreicher ist Mitgründer des Pioneers Festival, einer jährlichen Konferenz in Wien, auf der die Ideen von morgen gefeiert werden, oder anders gesagt: eines Startups für Start-ups.

SEALEAF Was? Ein schwimmendes Gehäuse, in dem Pflanzen im Wasser statt in der Erde wachsen. Warum? Um Nahrungsimporte zu reduzieren. Wann erhältlich? 2016. | Viele küstennahe Megastädte – etwa Singapur – müssen bis zu 90 Prozent der benötigten Nahrung importieren. Weil einfach nicht genug Land vor­ handen ist, um selbst was anzubauen. Das britische Wissenschaftsteam SEALEAF hat nun eine Lösung für dieses Problem: hydroponische Gehäuse, die auf dem Meer schwimmen und Sonne und Regen ihren Job machen lassen. So eröffnet sich bisher ungenutzter Raum – zu günstigen Preisen –, auf dem regionale Farmer leistbare, frische Nahrungsmittel anbauen können.  swolzak.wix.com/sealeaf

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TRAGBARE CONTROLLER, DIE DAS LAUFEN IN EINEM VIDEOSPIEL REALISTISCHER MACHEN

THE RED BULLETIN: Unglaubliche 1600 Startups aus 96 Ländern ­haben sich 2015 für das Pioneers Festival beworben. Wie wählt ihr aus, wer sich präsen­ tieren darf? JÜRGEN FURIAN: Es müssen Ideen be­ handelt werden, die ­innerhalb der nächsten fünf Jahre einflussreich sein werden. Beim Pio­ neers Festival geht es einzig und allein um die Zukunft. Wir haben eine breite Palette an The­ men: Luft- und Raum­ fahrt, Biotechnologie, Energie, Roboter. Das

schätzt die Industrie an uns. Welche Branche hat ge­ rade die aufregendsten Start-ups? Biotechnologie. In dieser Branche gibt es kleine Start-ups, die unglaub­ liche Dinge mit wenig Geld leisten. RiesenPharmaunternehmen haben Milliarden in die Forschung investiert, um in zehn Jahren ein Medikament zu produ­ zieren. Jetzt sind es klei­ ne Start-ups, die gute Ideen zur Reife bringen. Ein Beispiel? Hampton Creek aus San Francisco. Sie stellen Eier aus den Proteinen von Bohnen her. Keine Hühner, keine Lege­ batterien. Kürzlich traf ich sie zum Frühstück, ihre Spiegeleier sind großartig. Start-up-Gründer sind professionelle Ideen­ verkäufer, und du kennst viele von ihnen. Kannst du uns einen Tipp geben, wie man mehr Geld von seinem Boss bekommt? Wenn du eine Minute Zeit bekommst, bereite dich für diese Minute vor. Argumentiere aus der Sicht deines Chefs. Und am wichtigsten: Vergiss nicht, Leiden­ schaft zu zeigen!

STOMPZ Was? Ein Virtual-Reality-Controller für die Füße. ­Warum? Weil Gaming-Erfahrungen nicht intensiv genug sein können. Wann erhältlich? Noch dieses Jahr. | Virtual-Reality-Headsets wie Oculus Rift revo­ lutionieren die Videospiel-Industrie. Aber was wäre, wenn man Games noch realistischer machen könnte? Stompz ist ein tragbares Gerät, das dem Spieler ­erlaubt, noch intensiver in virtuelle Welten einzu­ tauchen. Sobald er die kabellosen Controller auf ­seinen Schuhen angebracht hat, kann er ihre Bewe­ gungen im Spiel mit den eigenen Füßen kontrollieren. Stompz ist mit den meisten Headsets kompatibel und benötigt nicht zwingend ein VR-Game. Die MingVase sollte man trotzdem in Sicherheit bringen. stompzvr.com

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Ideen, Innovationen, neue Technologien: aktuell auf springwise.com

THE RED BULLETIN

KURT XX PRINZ EDITOR

Was? Reflektierende Farbe, die Radfahrer sichtbarer macht. Warum? Weil man sichtbar bessere Chancen hat, heil heimzukommen. Wann erhältlich? Jetzt. | „Die beste Art, einen Unfall zu überleben, ist, keinen Unfall zu bauen“, lautet der Werbeslogan für Volvos jüngste Innovation. Dagegen lässt sich schwer etwas sagen. Life Paint, ein Spray, der Radler für Autofahrer besser sichtbar macht. Die Farbe enthält reflektie­ rende Partikel, die tagsüber unsichtbar bleiben, bei Scheinwerferlicht aber zum Vorschein kommen. Sie hält eine gute Woche, kann auf Räder, Kleidung, Helme oder Taschen gesprayt und jederzeit wieder abgewaschen werden.  volvolifepaint.com

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L I F E PA I N T


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TOD NACH DEM MAIENTANZ EIN KURZ-„TATORT“ VON FELIX HUBY 1. SZENE  HAUPTBAHNHOF – STUTTGART aussen/tag Ein Zug ist eingefahren. Der Kommissar steigt aus, geht den Bahnsteig hinunter, wirft kopfschüttelnd einen Blick auf die Baustelle von Stuttgart 21. Als er die oberste Stufe der breiten Treppe zum Ausgang erreicht, wird er plötzlich auf etwas aufmerksam. (subjektive kamera )

Am Ausgang steht, auf einen Stock gestützt, hochgewachsen, schmal, aufrecht: KarlChristian von Wiedebach. kommissar:  Das ist doch …

Felix Huby bürgerlich Eberhard Hungerbühler, war bis 1979 Journalist, zuletzt sieben Jahre beim „Spiegel“. Seit 1976 schreibt er Sachbücher, Kinderbücher und Kriminalromane. 1981 wurde sein erster ­Fernsehfilm ausgestrahlt: „Grenzgänger“ – einer von zwei Pilotfilmen der Schimanski-Reihe. Huby hat insgesamt 34 „Tatorte“ geschrieben, dazu viele Fernsehserien („Ein Bayer auf Rügen“, „Oh Gott, Herr Pfarrer“), Einzelfilme und acht Theaterstücke, darunter „Schwabenblues“ und „Georg Elser – Allein gegen Hitler“. Seine (Kommissar-) Bienzle-Romane ­haben bis heute eine Auflage von über 850.000 Exemplaren erreicht. Der Schwabe Huby lebt seit 23 ­Jahren in Berlin.

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Einen Moment lang überlegt der Kommissar, ob er auf ihn zugehen soll. Doch dann geschieht etwas, was diesen Impuls sofort wieder auslöscht. Ein junges Paar kommt direkt an von Wiedebach vorbei. Das Mädchen schmiegt sich eng an seinen Freund. Die beiden bleiben stehen und k ­ üssen sich. Frech fasst der Junge nach den Brüsten des Mädchens und lässt seine Hände zu ihren Schenkeln hinabgleiten. Wiedebach sieht den beiden mit aufgerissenen Augen zu. Jetzt geht er auf sie los, mit hoch erhobenem Stock. Wild schlägt er auf die beiden ein. Der Kommissar rennt los, wirft sich dazwischen und hält die Hand mit dem Stock fest. kommissar:  Hören Sie auf! Hören Sie sofort auf! junger mann:  Spinnt der? kommissar:  Kommen Sie, Herr von Wiedebach! Er zieht ihn durch das Bahnhofstor hinaus auf die Straße. Währenddessen … wiedebach:  Wo kommen Sie denn her? 2. SZENE BAHNHOFSCAFÉ innen/tag Wiedebach und der Kommissar sitzen sich an einem kleinen Tischchen gegenüber.

wiedebach:  Sie haben sich unmöglich benommen in Hainbach. kommissar:  Nicht so unmöglich wie Sie gerade im Bahnhof. wiedebach:  Im Bahnhof? kommissar:  Sagen Sie bloß, Sie ­erinnern sich nicht. wiedebach:  Ich erinnere mich gut. Sie waren aufdringlich, unhöflich und haben uns wochenlang belästigt. kommissar:  Ihr Sohn hat’s anders empfunden, glaube ich! wiedebach:  Sie haben sich in sein Vertrauen geschlichen! kommissar:  Ich habe seine Unschuld bewiesen, was den Mord anbelangt. wiedebach:  Er war überhaupt ­unschuldig. kommissar:  Das sehen Sie falsch. Die Vergewaltigung geht auf seine Rechnung. wiedebach:  Nein! Das Biest hat ihn ­verführt. Er kann nichts dafür, gar nichts. kommissar:  Hat sie’s bei Ihnen auch einmal versucht? Wiedebach starrt den Kommissar nur an. kommissar  (weiter): Ihr Sohn hat ­einmal gesagt, er habe immer Angst vor Ihnen gehabt. wiedebach:  Er hat Respekt gemeint, nicht Angst! kommissar:  Er hat Angst gemeint. Als Kind begann er schon zu zittern, wenn er Ihre Schritte und das Klopfen Ihres Stocks im Korridor oder auf der Treppe hörte. wiedebach:  Thomas-Rainer hat Ihnen erzählt, was Sie hören wollten! Warum rede ich überhaupt mit Ihnen? kommissar:  Ob hier oder in Hainbach – ist doch egal, oder? wiedebach:  Heißt das, Sie wollen ­wieder mit Ihrer Schnüffelei anfangen? kommissar:  Ich bin nicht mehr im Dienst, aber der Fall lässt mir einfach keine Ruhe. wiedebach:  Das Mädchen ist seit zwei Jahren tot! kommissar:  Und der Mörder läuft genauso lange frei herum! – Fest steht nur, dass nicht Bernd Müllerschön,

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PRIVAT

PERSONEN: Der Kommissar Karl-Christian von Wiedebach, 57, kurz Wiedebach Thomas-Rainer von Wiedebach, 26, sein Sohn, kurz Thomas Elsgard von Wiedebach, 24 Bernd Müllerschön, Anfang 20 Frau Schlotterbeck, Zimmerwirtin Ein junges Paar


READ BULL s­ ondern Ihr Sohn Thomas Elsgard von ­Wiedebach, seine eigene Cousine, ver­ gewaltigt hat. 3. SZENE PENSION IN HAINBACH aussen/nacht Der Kommissar steht am Fenster und schaut auf Schloss und Dorf Hainbach amspäten Abend. Die Silhouette wie ein Scherenschnitt. Frau Schlotterbeck, seine Zimmerwirtin, bringt eine Flasche Wein und ein Glas. schlotterbeck:  Da wär der Wein. ­Wollen Sie den allein trinken? kommissar: Mhm. schlotterbeck:  Der Bernd Müller­ schön ist es gewesen, gell? Der hat sie umgebracht. Der galt ja schon immer als unberechenbar und brutal. Der hat mal ein Kalb mit einem einzigen Beilhieb ­niedergestreckt und einem Schafbock, der auf ihn losgegangen ist, mit bloßen Händen das Genick gebrochen. kommissar:  Aha. Also dann muss er’s ja gewesen sein, meinen Sie? schlotterbeck:  Er hat sie doch nach dem Maientanz auf dem Musikfest heim­ gebracht. Da gibt’s Zeugen. Und da muss es passiert sein. kommissar:  Was Sie nicht sagen. schlotterbeck:  Er hat sie zuerst ­vergewaltigt und dann … kommissar:  Er hat sie nicht ver­ gewaltigt! Die Spermaspuren stammen von einem anderen. schlotterbeck:  Was?? Ja von wem denn? kommissar:  Gute Nacht, Frau Schlotter­ beck. 4. SZENE BAHNHOFSCAFÉ innen/tag  situation wie zuvor kommissar:  Meine Wirtin meinte auch, es sei vergebliche Liebesmühe, nach einem anderen Täter zu suchen. Für sie war klar, dass es der Müllerschön war. wiedebach:  Ich habe immer gesagt, dass ich das nicht glaube. kommissar:  Mhm, Sie wussten Bescheid, nicht wahr? wiedebach:  Bitte, was? kommissar:  Na ja, mit den Leuten in Hainbach, die kennt doch kaum jemand besser als Sie, der Schlossherr. wiedebach:  Ach so, ja, ja! Beide trinken und belauern sich. Unvermittelt fragt der Kommissar:

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kommissar:  Warum haben Sie denn auf die armen jungen Leute eingeschlagen? wiedebach:  Was hab ich? kommissar:  Sie haben die zwei ganz schön mit Ihrem Stock traktiert, muss ich schon sagen. wiedebach: Wen? kommissar:  Das Pärchen im Bahnhof! wiedebach:  Ich kann diese Obszöni­ täten einfach nicht ausstehen. kommissar:  Da haben Sie in unserer Zeit aber viel auszuhalten. ( kurze pause )

kommissar  (weiter): Ihre Nichte Elsgard ist im Dorf offensichtlich sehr beliebt ­gewesen. „Immer freundlich und alleweil lustig“, hat Frau Schlotterbeck gesagt. Ich habe sie ja nur tot gesehen. Das schreck­ liche Bild des buchstäblich zu Tode ge­ prügelten Mädchens vergesse ich nie, und ich hab viel gesehen in meinem Beruf. 5. SZENE HAINBACH aussen/abend

elsgard:  Du bist so unheimlich stark, heb mich doch mal hoch! Bernd umfasst sie mit kräftigen Armen, hebt sie hoch, als würde sie nichts wiegen, und dreht sich mit ihr im Kreis, bis ihm von dieser gestampften Pirouette und ihrem girrenden Lachen ganz schwindlig wird. Als er sie absetzt, küsst sie ihn aufs Ohr. elsgard:  Du bringst mich heut Nacht nach Hause, machst du das? Bernd nickt nur. Er ist viel zu erregt, um etwas zu sagen. 7. SZENE HAINBACH aussen/abend  situation wie zuvor kommissar:  Und dann hast du sie ­heimgebracht? Bernd nickt nur.

Der Kommissar und Bernd Müllerschön gehen ein paar Schritte und setzen sich dann auf eine Bank. Bernd ist ein Klotz von einem Kerl – nicht größer als einen Meter siebzig, mit sehr breiten Schultern, kräftigen Oberarmen und dazu kontras­ tierenden schmalen Händen. bernd:  Natürlich bin ich ihr nach­ gestiegen, der Elsgard. Und sie hat nix dagegen gehabt. Sie hat mich ja r­ ichtig aufgefordert. kommissar:  Wie denn? bernd:  Beim Tanz in den Mai. Da war doch das Musikfest. Plötzlich hat sie mit mir tanzen wollen. Ich hab’s erst gar nicht glauben können. Mit mir! 6. SZENE FESTZELT innen/nacht Eine Musikkapelle spielt. Paare tanzen auf der Bühne. Darunter auch Bernd und Elsgard. Die Kamera zoomt zu den beiden ran.

kommissar:  War’s schön? bernd: Wunderbar! kommissar:  Ihr habt euch geküsst? bernd:  Ja, ganz lang, und sie hat mich gestreichelt und ich sie auch … Plötzlich bricht Bernd Müllerschön in Tränen aus. kommissar:  Du hast sie gesund ­abgeliefert und bist danach brav heim ins Bett? bernd:  Nein, ich bin dann schon noch mal aufs Fest. Aber ich hätt ihr nichts tun können, wo ich sie doch so unheimlich gern gehabt hab. 8. SZENE BAHNHOFSCAFÉ innen/tag  situation wie zuvor kommissar:  Ihre Nichte hat das Schloss gesund erreicht. wiedebach:  Sie wurde im Garten ­gefunden. Von Wiedebach klopft nervös mit seinem Stock auf den Fußboden.

„Das Bild des zu Tode geprügelten Mädchens vergesse ich nie.“ 93


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Er war – wie er selber es ausdrückte – nicht mehr bei Sinnen und fiel über seine Cousine her. kommissar:  Sie gehen nie ohne Stock, nicht wahr? Von Wiedebach schweigt. kommissar:  Wird Ihr Sohn Thomas-­ Rainer Ihre Güter übernehmen? wiedebach:  Ich habe nur diesen einen! kommissar:  Kann er das denn? wiedebach:  Er ist ein von Wiedebach! kommissar  (lacht): Bei uns Bürgerlichen kommt’s schon mal vor, dass wir aus der Art schlagen. Mein Vater war Lehrer und hätte es ganz gern gesehen, wenn ich’s auch geworden wäre. wiedebach  (scharf): Und? Warum haben Sie sich widersetzt? kommissar:  Es haben einfach ein paar Voraussetzungen gefehlt. Ich glaube ­übrigens, dass es bei Ihrem Sohn nicht viel anders ist. wiedebach:  Ich erlaube Ihnen nicht, so über meine Familie zu sprechen. Von Wiedebach fährt sich mit der flachen Hand über die Augen, als ob ihn eine ­plötzliche Müdigkeit überfallen hätte. kommissar:  Ihr Sohn hat mir zehn Tage lang widerstanden. Welche zufälligen oder dienstlich ­herbeigeführten Situationen ich auch arrangierte, zunächst wich er mir aus. Und wenn er redete, redete er sehr von oben herab. 9. SZENE SCHLOSSGARTEN aussen/tag Der Kommissar und Thomas-Rainer. V ­ on Wiedebach führt ein Pferd am Zügel. Der Kommissar geht neben ihm. thomas:  Sie glauben doch nicht, dass ich mich von einem dahergelaufenen Polizisten verhören lasse wie ein Verbrecher! kommissar  (lächelt): Ja, ich kann’s mir denken. Ihre Vorfahren haben sich auch dafür jemand gehalten.

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10. SZENE BAHNHOFSCAFÉ innen/tag  situation wie zuvor kommissar:  Unser zweites Gespräch ist dann schon etwas ausführlicher gewesen, und ich habe geduldig gewartet, bis sich so etwas wie eine Vertrauensbasis eingestellt hat. Dazu mochte beigetragen haben, dass Sie, Herr von Wiedebach, immer wieder versucht haben, mich vom Hof zu jagen. Wissen Sie, was mir plötzlich klar wird? wiedebach: Ja? kommissar:  Hier in der Stadt – vorhin auf dem Bahnhof und jetzt hier in diesem ganz normalen Café – heben Sie sich ­überhaupt nicht ab! wiedebach:  Was soll denn dieser Unsinn nun schon wieder? kommissar:  Ihr Sohn hat ja dann ein sehr schönes Geständnis abgelegt. wiedebach:  Aber er hat sie nicht ­umgebracht! kommissar:  Ich habe ja auch nicht behauptet, dass er das gestanden hat! – Auf jeden Fall vergesse ich nie, wie unglaublich erleichtert er war, als er’s endlich, endlich erzählen konnte. wiedebach:  Ein mir unerklärlicher Triebstau. kommissar:  Ihnen ist der unerklärlich? Ausgerechnet Ihnen? wiedebach:  Was soll denn nun das schon wieder? kommissar:  Ich habe mir gerade vor­ gestellt … (Er unterbricht sich und setzt neu an.) Ihre Nichte war kein Kind von Traurigkeit, sie war auch längst keine Jungfrau mehr, wie wir vom Gerichtsarzt und von mehreren Zeugen wissen. Und sie war an diesem Abend „angetörnt“, wie man heute wohl sagt. wiedebach:  Bitte, ich will nichts mehr davon hören! Auf von Wiedebachs Stirn erscheinen kleine Schweißtropfen. Der Kommissar beobachtet ihn scharf. kommissar:  Thomas-Rainer hat es mir geschildert. Es ist ja wie mit allen diesen

Introvertierten, wenn sie dann mal die Lust am Erzählen packt … wiedebach  (laut): Schweigen Sie! Ein paar Gäste schauen überrascht her. Während des folgenden Dialogs zeigt die Kamera immer mal wieder die Szene, die der Kommissar gerade schildert. kommissar:  Ihr Sohn hatte Elsgard und Bernd Müllerschön beobachtet. Sie haben sich geküsst, und vielleicht war da auch mehr. In meiner Jugend hätte man es wohl Petting genannt. – Sie müssen’s doch wissen, Sie haben’s ja auch gesehen! wiedebach:  Bitte, ich bitte Sie, natürlich nicht. kommissar:  Bernd Müllerschön ging, und Thomas-Rainer vertrat Elsgard den Weg – durch das, was er beobachtet hatte, aufs Äußerste erregt! wiedebach:  Hören Sie auf! Hören Sie sofort auf! kommissar:  Genauso hat es mir Ihr Sohn erzählt! Er war – wie er sich selber ausdrückte – „nicht mehr bei Sinnen!“, und er fiel über seine Cousine her. Die lachte zuerst und rief sogar noch … (jetzt kamera gross auf von wiedebachs

erregtem gesicht.)

wiedebach:  Streng dich doch nicht so an! Von Wiedebach schlägt sich die Hand auf den Mund, aber der verräterische Satz ist nun schon heraus. kommissar:  Ja, eine Vergewaltigung war’s eigentlich gar nicht, obwohl sich Ihr Sohn in seiner Raserei … wiedebach  (schreit): Und da hätte ich zusehen sollen? kommissar:  Nein, das nicht. Aber warum mussten Sie das Mädchen er­ schlagen?!

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Lesevergnügen im Red Bulletin Jeden Monat widmet ein namhafter Autor unseren ­Lesern eine Kurzgeschichte – diesmal der deutsche „Tatort“-Spezialist Felix Huby. Sein aktueller Roman heißt „Heimat­ jahre“ (Klöpfer & Meyer).

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